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	<title>Falschmeldung &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Studie zu Desinformation bei Jugendlichen im Kontext der Corona-Krise</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marvin Neukirch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Jan 2021 11:10:21 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Immer mehr junge Menschen in Deutschland kommen regelmäßig mit<br />
Desinformation in Berührung: 76 Prozent der 14- bis 24-Jährigen<br />
begegnen mindestens einmal pro Woche Falschnachrichten &#8211; 50 Prozent<br />
mehr als noch vor zwei Jahren. Während der Coronakrise spielt sich das Leben vieler Menschen aufgrund der anhaltenden Einschränkungen noch mehr als vorher im digitalen Raum ab. In den letzten Monaten lässt sich hierbei eine gefühlte Zunahme von Desinformation im Netz erkennen. Gerade junge Menschen sind dabei am stärksten betroffen. Die Vodafone Stiftung Deutschland hat hierzu kürzlich eine Studie veröffentlicht, bei der über 2000 Jugendliche befragt worden sind. Ziel war es, herauszufinden, wie kompetent junge Menschen mit Falschnachrichten umgehen, welche Unterstützung sie hier suchen und inwiefern sie Fake News oder Verschwörungserzählungen beunruhigen. Wir haben mit dem Thinktank-Leiter der Vodafone Stiftung Lars Thies über die Ergebnisse diskutiert.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><strong>Herr Thies, warum wurden gerade zur Corona-Pandemie so viele Falschinformationen und Fehlinformationen verbreitet bzw. geteilt?</strong></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Die Corona-Pandemie bietet einen optimalen Nährboden für die Verbreitung von Falschinformationen. Viele Menschen haben in der aktuellen Situation ein Gefühl der Verunsicherung und des Kontrollverlustes. Vor diesem Hintergrund sind sie empfänglicher für Falschinformationen, die einfache Lösungen propagieren, wie z.B. Wasser trinken gegen Corona, oder Verantwortliche und Schuldige ausmachen, wie z.B. Bill Gates. Zudem entwickelte sich die Faktenlage gerade zu Beginn der Pandemie sehr schnell unübersichtlich. In unserer Befragung sagen daher auch 64 Prozent der jungen Menschen, dass ihnen beim Thema Corona besonders schwerfällt, glaubwürdige von unglaubwürdigen Nachrichten zu unterscheiden.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><strong>Wieso haben Sie sich auf die Altersspanne der 14-24-Jährigen festgelegt &#8211; in dieser Kohorte sind schließlich sowohl Schüler*innen, als auch Schulabgänger*innen inbegriffen? Glauben Sie, dass es sich dabei um eine einheitliche Gruppe handelt oder wo sehen Sie innerhalb der Gruppe Unterschiede?</strong></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Die Gruppe der 14- bis 24-Jährigen ist natürlich sehr heterogen. Die Idee hinter der Befragung war es auch, durch die Altersspanne einen gewissen Reifeprozess im Umgang mit Medien und dem Nachrichtengeschehen abzudecken – und zu schauen, an welchen Punkten dieser relevant wird. Wir haben die Stichprobe ausreichend groß gewählt um repräsentative Aussagen sowohl für die Gruppe der Jugendlichen (14-19 Jahre) als auch die der jungen Erwachsenen (20-24 Jahre) treffen zu können. Die Ergebnisse zeigen: Junge Erwachsene informieren sich häufiger über das Nachrichtengeschehen als Jugendliche, fühlen sich sicherer darin, Falschnachrichten zu erkennen und gehen umsichtiger vor, wenn Sie Beiträge mit Inhalten zum Nachrichtengeschehen teilen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><strong>Sie haben einen Anstieg von 50 Prozent an Falschnachrichten in den letzten zwei Jahren festgestellt. Glauben Sie, dass die Tendenz weiter so rasant steigt? </strong></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Die Befragung zeigt, dass 50 Prozent mehr junge Menschen regelmäßig mit Falschnachrichten konfrontiert sind als noch vor zwei Jahren. Dazu trägt zum einen bei, dass Falschnachrichten während der Pandemie besonders verbreitet werden. Zum anderen aber auch, dass sich das Leben junger Menschen aktuell stärker im Digitalen abspielt. Ein Teil der Entwicklung ist daher vermutlich Pandemie-bedingt und es ist offen, wie sich das fortsetzt. In den kommenden Monaten ist noch mal ein Anstieg der Falschinformationen rund um Impfstoffe und Impfstrategien zu erwarten.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><strong>Etwa ein Drittel der jungen Menschen traut sich nicht zu, die Glaubwürdigkeit von Nachrichten sicher einschätzen zu können. Wie kann die dringend erforderliche Medienkompetenz vermittelt werden? </strong></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Der Befragung zufolge ist es jungen Menschen beim Thema Falschnachrichten besonders wichtig zu lernen, wie sie diese erkennen können und über konkrete Beispiele zu sprechen, die sie selbst oder ihre Mitschüler:innen gesehen haben. Ein Großteil der Befragten wünscht sich zudem, praktische Übungen durchzuführen wie z. B. Projekte, Planspiele oder Workshops. Ein Schlüssel für die Vermittlung von Medienkompetenzen in der Schule liegt zudem in der Fortbildung von Lehrkräften.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><strong>Um Falschnachrichten erkennen zu können, wünschen sich junge Menschen die Unterstützung von Bildungseinrichtungen und Journalist*innen. Was wird heute bereits von diesen Akteuren getan und wie bewerten Sie die Situation?</strong></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Es gibt viele tolle Einzelprojekte von Schulen, von Journalist:innen, Medienhäusern und aus der Zivilgesellschaft, wie z.B. die Initiativen <a href="https://www.weitklick.de/">Weitklick</a> oder <a href="https://lie-detectors.org/">Lie-Detectors</a>. Mit dem Projekt <a href="http://www.klickinwkel.de">Klickwinkel</a> leistet die Vodafone Stiftung auch selber einen Beitrag dazu. Was fehlt, ist die aber die Wirkung in die Breite. Nur bei weniger als einem Drittel der 14- bis 24-Jährigen wurde der Umgang mit Desinformation in der Schule behandelt. Wichtig wäre daher, das Thema als verpflichtenden Inhalt in die Lehrpläne an weiterführenden Schulen mit aufzunehmen. Das wünschen sich auch 85 Prozent der jungen Menschen in der Befragung.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><strong>Braucht es ein eigenes Schulfach oder zumindest die Behandlung des Themas in vorhandenen Schulfächern wie z.B. Politik oder Sozialwissenschaften?</strong></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Ein eigenes Schulfach braucht es nicht. In erster Linie ist das Thema natürlich für Fächer wie Politik und Sozialkunde relevant. Es kann aber auch in Deutsch über die Nutzung von Sprache in Falschnachrichten, in Philosophie über Realitätskonstruktion oder in Geschichte über historische Beispiele von Desinformation diskutiert werden.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><strong>Wie kommt es, dass um die Hälfte der Befragten den Begriff der Falschnachrichten auch politischen Akteuren und klassischen Medien wie Zeitungen, Radio oder Fernsehen zuordnen?</strong></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Viele junge Menschen äußern in der Befragung eine generelle Unsicherheit darüber, welchen Informationsquellen sie noch vertrauen können &#8211; das überträgt sich dann auch auf klassische Medien und auf die Politik. Zudem gibt es ja durchaus Beispiele, in denen Falsch- oder Fehlinformationen in klassischen Medien oder von einzelnen Politiker:innen verbreitet werden. Der Befund zeigt aber auch, wie notwendig es ist, jungen Menschen beispielsweise die Bedeutung von seriösem Journalismus und einer unabhängigen Presse für die Demokratie zu vermitteln.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><strong>Der Großteil der Befragten fühlt sich durch die Verbreitung von Falschnachrichten verunsichert und sieht diese als Gefahr für die Demokratie in Deutschland an. Müssen hier auch die Kanäle, auf denen solche Inhalte geteilt werden, aktiv werden und Falschmeldungen deutlicher kennzeichnen oder gar löschen?</strong></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Plattformen tragen hier natürlich eine Verantwortung. 80 Prozent der jungen Menschen sehen sie als erstes in der Pflicht, gegen Desinformation vorzugehen. Plattformen können etwa mit Kennzeichnungen dafür sorgen, dass die Unterscheidung zwischen glaubwürdigen und unglaubwürdigen Informationen leichter fällt. Zudem können Plattformbetreibende die Reichweite von offensichtlich falschen Informationen, z.B. zu Impfungen, einschränken. Problematisch ist jedoch, dass in etwa der Hälfte der Fälle, in denen junge Menschen Beiträge bei Plattformen melden, nichts passiert. Teilweise erfolgt nicht mal eine Rückmeldung. Da sollten die Betreiber:innen von Plattformen dringend nachbessern.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><strong>Nur ein Drittel hat bei einer Nachricht, die offensichtlich falsch war, diese mit anderen Quellen geprüft und im Anschluss den Absender gesperrt oder eine Gegen- oder Richtigstellung verschickt. Wieso glauben Sie, sind die Jugendlichen und jungen Erwachsenen so zurückhaltend in dieser Hinsicht?</strong></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Zunächst mal fehlen hier Vergleichsdaten zu anderen Bevölkerungsgruppen. Wir können also nicht sagen, ob junge Menschen hier tatsächlich zurückhaltender sind als andere &#8211; oder vielleicht sogar aktiver. Entscheidend ist aus unserer Sicht auch die Arbeit an den Strukturen: Es ist wenig motivierend, wenn Meldungen bei den Plattformbetreibern aufwendig sind, keine Wirkung haben oder sogar unbeantwortet bleiben. Letztendlich sind nicht nur junge Menschen, sondern wir alle gefordert, aktiver gegen Falschnachrichten vorzugehen. Nur so lässt sich das Problem in den Griff bekommen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><strong>Wie können vor allem die jungen Menschen mit formal niedrigem Bildungshintergrund, bei denen die Wirkung von Falschmeldungen am stärksten ausgeprägt ist, für das Thema sensibilisiert werden? </strong></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>73 Prozent der jungen Menschen mit formal niedrigem Bildungshintergrund geben an, im Unterricht nicht über Falschnachrichten gesprochen zu haben. Gerade diese Gruppe erhält in der Schule selten Orientierung zum Umgang mit Falschnachrichten und wird am wenigsten von den außerschulischen Initiativen und Projekten erreicht. Im Rahmen von Klickwinkel versucht die Vodafone Stiftung daher über eine Zusammenarbeit mit der Organisation <a href="https://www.teachfirst.de/">Teach First</a>, auch Schulen in sozialen Brennpunkten zu erreichen. Um aber wirklich alle jungen Menschen für den Umgang mit Desinformation zu sensibilisieren, muss das Thema in die Lehrpläne integriert werden.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><span class="attribution_field hide-sm hide-md">Image by <a href="https://pixabay.com/users/gdj-1086657/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=2727571">Gordon Johnson</a> from <a href="https://pixabay.com/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=2727571">Pixabay</a></span></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-2"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>Neue Herausforderung &#8220;Dark Social&#8221;?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/dark-social-dehate-interview-mit-miro-dittrich-156052/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Erik Meyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 May 2019 07:19:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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<p>Im Fokus der Diskussion um Desinformation stehen häufig soziale Netzwerke wie Facebook. Doch die Nutzer wandern zunehmend zu anderen Angeboten ab, in denen gar nicht mehr öffentlich kommuniziert wird. Stellt &#8220;Dark Social&#8221; also eine neue Herausforderung dar?</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>De:hate ist dabei für die Analyse und Erarbeitung von Handlungsempfehlungen verantwortlich. Dazu betreibt das Projekt qualitatives und quantitatives Monitoring von menschenverachtenden Phänomenen wie Hate Speech in sozialen Medien.</p>
<p><strong>Die Diskussion um digitale Desinformation konzentriert sich häufig auf deren Verbreitung durch soziale Medien wie Facebook und Twitter. Dort würden viele Fake News zirkulieren oder Social Bots die Meinungsbildung manipulieren. Was hat es demgegenüber mit der Rede von “Dark Social” auf sich? Welche Kanäle sind damit gemeint?</strong></p>
<p>Dittrich: &#8220;Dark Social&#8221; wurde als Schlagwort zuerst 2012 vom amerikanischen Journalisten Alexis C. Madrigal verwendet. Hier ging es um nicht klar zuordnungsbare Klicks auf Webseiten, etwa von Messaging-Apps und E-Mails. Anders als bei Links beispielsweise über Facebook oder Twitter war den Betreibern der Seiten nicht klar, woher ihre Besucher kamen. In der aktuellen Debatte wird der Begriff jedoch für nicht eindeutig öffentliche Kommunikation verwendet, also für abgeschlossene Server, wie etwa auf der für Gamer gedachten Plattform Discord, hauptsächlich aber für private Messenger wie etwa Whatsapp oder Telegram.</p>
<p>Da sich online eine Ermüdung für die in der breiten Öffentlichkeit stattfindende Kommunikation zeigt, haben diese Kommunikationsformen deutlich an Bedeutung gewonnen. Eine zunehmende Tribalisierung und Fragmentierung der Onlinewelt bestärkt diese Entwicklung weiterhin. Menschen suchen wieder vermehrt nach interessenbezogenen Communitys und wenden sich immer mehr von den großen Plattformen ab.</p>
<p><strong>Warum sind diese Kanäle für die Verbreitung von Falscherzählungen besonders relevant? Betrifft dies eher die private Verbreitung von Gerüchten wie beim Mobbing oder gibt es auch politische Akteure, die dort Desinformation strategisch kommunizieren?</strong></p>
<p>Dittrich: Wir haben es dort mit beidem zu tun. Das private Verbreiten von Gerüchten, das es schon immer gab, wird durch diese technische Lösung stark beschleunigt. Falscherzählungen wirken zudem viel glaubwürdiger, wenn sie von einer uns bekannten Person geteilt werden. Dazu nutzen aber auch politische Akteure diese Kanäle sehr gezielt. Die direkte Kommunikation auf das Handy per Benachrichtigung beschleunigt die Verbreitung dieser Nachrichten. So muss die Zielgruppe nicht erst in ihrem Nachrichtenfeed bis zum entsprechenden Beitrag scrollen. Dies erklärte auch zu einem Teil die schnelle Mobilisierung um die rechtsextremen Demonstrationen wie etwa in Chemnitz 2018, das erste Großevent zu dem eine Vielzahl an Telegram- und Whatsapp-Kanäle und -Gruppen aktiv waren. Mobilisiert wurde dort stark mit drei Falscherzählungen: eine verhinderte Vergewaltigung, 25 Messerstiche und ein zweiter Toter.</p>
<p><strong>Für die Verbreitung von Desinformation auf öffentlichen Plattformen sind auch algorithmische Verstärkungseffekte charakteristisch: Inhalte, auf die Nutzer stark reagieren, werden etwa im News Feed von Facebook priorisiert verbreitet. Wie werde ich demgegenüber auf solche Inhalte aufmerksam, wenn sie via Dark Social verbreitet werden?</strong></p>
<p>Dittrich: Beiträge werden hier von Privatpersonen oder größeren Gruppen oder Kanälen weitergeleitet. Der Einstieg in sehr aktive Gruppen ist dadurch niedrigschwellig. Zudem sind diese Gruppen sehr gut vernetzt, sie teilen ihre Beiträge sehr häufig. So landet man schnell in einem Netzwerk mit einem geschlossenen Weltbild, das fundamental geprägt von Falschinformationen ist. Durch die fehlende Öffentlichkeit gibt es zudem keinen Widerspruch oder korrigierende Informationen.</p>
<p>Der Algorithmus auf öffentlichen Plattformen hat aber auch viele Nachteile für die Verbreitenden von Desinformationen. Facebook arbeitet etwa mit dem Recherchekollektiv Correctiv zusammen. Identifizieren diese einen Beitrag als Falschnachricht, wird seine Sichtbarkeit deutlich eingeschränkt. Auch werden auf öffentlichen Plattformen Gemeinschaftsstandards wesentlich konsequenter durchgesetzt, was für Dark Social eher eine seltene Ausnahme darstellt. Falschnachrichten können hier also wesentlich extremer und emotionalisierender formuliert werden, ohne eine Löschung befürchten zu müssen.</p>
<p><strong>In Indien hat via Messengerdienst verbreitete Desinformation sogar eine tödliche Dimension, und es war in einem Fall von “Whatsapp-Killings” die Rede. Ist das ein Einzelfall oder ist generell einen Zusammenhang zwischen der Anonymität von Akteuren, der Aggressivität von Aussagen und der Destruktivität von Auswirkungen zu beobachten?</strong></p>
<p>Dittrich: Die Anonymität ist hierbei nicht der entscheidende Faktor. Das zeigt etwa die Universität Zürich 2016 in der Untersuchung “Digital Social Norm Enforcement: Online Firestorms in Social Media”. Nach ihren Ergebnissen gaben User, die nicht-anonym auftraten, häufiger Kommentare mit Aggressionen ab. Die Autoren erklären dies durch eine fehlende Erwartung von Konsequenzen und durch eine höhere erwartete Glaubwürdigkeit, wenn sie ihre Aggression mit Klarnamen kommunizierten. Das geschlossene Informationssystem ohne abweichende Informationen dürfte hier entscheidender sein. Dieses Weltbild ist dabei von apokalyptischen Vorstellungen geprägt; etwa der Untergang Deutschlands stehe kurz bevor. Oder es gäbe keine Meinungsfreiheit und Demokratie mehr, Morde und Vergewaltigungen von vermeintlichen Migranten und Geflüchteten würden den Alltag prägen. Da der Staat nicht gewillt wäre, sie zu schützen, baut sich der dadurch entstehende Handlungsdruck in Gewalt und Terror ab.</p>
<p><strong>Facebook arbeitet beispielsweise mit unabhängigen Faktenprüfern zusammen, die Inhalte prüfen, um die Verbreitung von Falschmeldungen auf der Plattform einzudämmen. Gibt es auch bei Dark Social Gegenmaßnahmen der Betreiber beziehungsweise was lässt sich dort generell dagegen tun?</strong></p>
<p>Dittrich: Die bisherigen Versuche fokussieren vor allem die schnelle Verbreitung einzudämmen. Whatsapp hat als Konsequenz der durch Falschinformationen ausgelösten Gewalt in Indien das Weiterleiten von 20 Empfängern auf fünf eingeschränkt. Nach einer Testphase in Indien gilt dies nun weltweit. Weiterhin testet das Unternehmen gerade die Funktion der Rückwärtssuche von Bildern. Zugeschickte Bilder werden direkt aus der App heraus in Googles Bildersuche hochgeladen und dort mit ähnlichen Fotos aus dem Internet abgeglichen. Dadurch können Bilder auf ihre Echtheit und ihren Ursprung überprüft werden. Unter den Suchergebnissen können dann auch vertrauenswürdige Websites zu finden sein, die das Bild bereits als Fälschung enttarnt haben. Da die Kommunikation über private Messenger jedoch meist verschlüsselt stattfindet, sind Unternehmen sehr in ihrem Eingriff in die Nachrichtenflüsse eingeschränkt.</p>
<p><strong>Habe ich als Nutzer sinnvolle Handlungsoptionen, wenn ich via Dark Social mit Desinformation konfrontiert werde?</strong></p>
<p>Dittrich: Unwahrscheinlich klingende Nachrichten können mit einer Internetsuche überprüft werden. Ist die Nachricht wirklich eine aktuelle oder lassen sich vertrauensvolle Quellen dafür finden? Die Rückwärtssuche von Bildern ist ein weiteres effektives Mittel, Falschinformationen zu enttarnen. Zudem gibt es eine Vielzahl an journalistischen Angeboten, die sich gezielt mit dem Überprüfen von Desinformation auf Social Media beschäftigen, etwa der Faktenfinder der Tagesschau, das Recherchekollektiv “Correctiv” oder mimikama.at. Gerade im persönlichen Bereich kann es erfolgreich sein, seine Recherche mit dem Versender der Desinformation zu teilen. In größeren Gruppen ist die Erfolgsaussicht leider sehr gering. Korrekturen werden als “Lügenpresse” abgetan, ignoriert oder es wird zwar eingesehen, dass die Information im Konkreten falsch ist, aber die dahinter liegende Erzählung jedoch stimme. Das auf Falschinformationen gebaute Weltbild bleibt so also erhalten.</p>
<p><strong>Sie beobachten zur Europawahl Desinformationskampagnen in Dark Social. Welche Entwicklungen können Sie bereits jetzt erkennen und Themen spielen eine Rolle?</strong></p>
<p>Dittrich: Eine interessante Entwicklung ist, dass seit Anfang des Jahres das Thema „Umwelt“ eine neue, wichtige Rolle in Desinformationskampagnen eingenommen hat. Leugnungen des menschengemachten Klimawandels treten in einer bis dato nicht vertreten Häufigkeit und Viralität auf. Dies zeigt eine fortschreitende, breite Erosion des Vertrauens in Institutionen, denen wir akkurate Realitätsbeschreibungen zuschreiben. So gibt es zum Klimawandel ja einen klaren wissenschaftlichen Konsensus. Weiterhin sind auch neue Gesetze der Europäischen Union, die auch in der breiteren Bevölkerung Kritik erfahren, ein wichtiges Thema. Die Desinformation dreht sich hier jedoch um eine persönlich wahrgenommene Verfolgung. So wird etwa die Datenschutz-Grundverordnung und Artikel 13 der Urheberreform als Versuch der gezielten Zensur einer politischen Meinung kommuniziert. Vermeintliche Straftaten, die Migranten und Geflüchteten zugeschrieben werden, spielen jedoch weiterhin die wichtigste Rolle für Falschnachrichten.</p>
<p><strong>Bietet Dark Social auch positive Ansatzpunkte für die politische Kommunikation? Welche Chancen sehen Sie für den Kampf gegen Desinformation, Hate Speech und extremistische Inhalte im Netz? Gibt es also nicht nur negative Beispiele, sondern auch Best Practices?</strong></p>
<p>Dittrich: Positiv fand ich etwa die, leider eingestellte, Nachrichten-App “Resi”. Hier wurde man über tagesaktuelle Themen informiert und konnte über Fragen tiefer in Themen einsteigen oder lieber über anderes informiert werden. Das Programm lernte dabei über die eigenen Interessen und änderte das zukünftige Informationsangebot dementsprechend. Ein weiteres Beispiel ist der von Tagesschau und NDR entwickelte Nachrichtendienst Novi. Mit diesem kann man über den Facebook-Messenger, Telegram, Whatsapp oder Skype über aktuelle Nachrichten informiert werden und auch die Bundeszentrale für politische Bildung hat ja einen Infokanal für Messenger, über den man kurze Erklärtexte zu Begriffen aus Politik und Geschichte und Hintergrundinfos zu aktuellen Themen und Debatten erhalten kann. Chat Bots über private Messenger bieten also auch eine große Chance für personalisierte politische Kommunikation. Prinzipiell gibt eine Vielzahl guter Bestrebungen von Plattformbetreibenden, die Probleme auf ihren Plattformen zu lösen. Als um die rechtsextremen Demonstrationen in Chemnitz 2018 die ersten Suchergebnisse auf YouTube zu “Chemnitz” von rechtsextremen Desinformationsvideos dominiert waren, führte Google ein bereits in den USA getestetes Feature ein. Dieses priorisiert bei aktuellen Ereignissen die Videos von vertrauensvollen Medienangeboten. Auch der “Qualitätsfilter” von Twitter hat das Klima auf der Plattform deutlich verbessert. Dieser nutzt eine Vielzahl von Signalen, um die Reichweite von Beiträgen von als toxisch markierten Accounts zu reduzieren. Bei Facebook sehe ich ein ehrliches Interesse in der stetigen Verbesserung ihrer Gemeinschaftsstandards, so etwa in der Deklarierung von weißem Nationalismus und Separatismus als Hassgruppe Ende April 2019. Dadurch ist es verboten, weißen Nationalismus und Separatismus auf der Plattform zu verherrlichen oder zu vertreten.</p>
<p>Trotzdem spielen die sozialen Medien immer noch die wichtigste Rolle in der Mobilisierung und Radikalisierung von demokratie- und menschenfeindlichen Einstellungen. Hier gibt es noch sehr viel Handlungsbedarf, und ich würde speziell vor der Hoffnung auf eine schnelle technische Lösung warnen. So sind wir etwa von einer automatisierten Erkennung von Hate Speech noch viele Jahre entfernt. Die zu beobachtende Bewegung hin zu verschlüsselten, nicht öffentlichen Bereichen des Internets erschwert zudem Lösungsansätze und wird uns vor neue, noch komplizierter lösbare Probleme stellen.</p>
<p>Dies ist ein Crosspost von der BPB. Das Interview ist zuerst <a href="http://www.bpb.de/gesellschaft/medien-und-sport/digitale-desinformation/290531/neue-herausforderung-dark-social" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dort</a> unter der <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-NC-ND 3.0-Lizenz</a> erschienen.</p>
<p>Titelbild: internet by LoboStudioHamburg via <a href="https://pixabay.com/de/photos/internet-whatsapp-smartphone-3113279/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pixabay</a><br />
<img decoding="async" src="http://vg04.met.vgwort.de/na/708ca7d6303f494388227689cae1116b" alt="" width="1" height="1" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-3" data-row="script-row-unique-3" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-3"));</script></div></div></div>
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		<title>Umgang mit Fake News: Informationsfreiheit vs. Bullshit-Faktor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Erle]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Apr 2019 14:52:31 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Informationsfreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-4"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Sie sind die Wunderwaffe der politischen Diskussion im Internet-Zeitalter. Gezielte Falschmeldungen, in tendenziös gestalteten Portalen veröffentlicht und über die sozialen Medien verbreitet. Viele Phänomene der letzten Jahre lassen sich durch Fake News erklären, oder wurden dadurch unterstützt: die Anti-Vaxxer-Bewegung, der Brexit, die Wahl des US-Präsidenten oder der Aufstieg der AfD.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ></p>
<p>Doch wieso haben Falschnachrichten eine so starke Wirkung? Das Internet als Recherchequelle macht es einfacher denn je, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Die aktuelle Entwicklung scheint den entgegenzulaufen. Die Kommunikations- und Medienwirkungsforschung hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Rätsel zu lösen. Ergebnisse aus der Psychologie und der Beobachtung von Fake-News-Strategien rechtsradikaler Akteure werfen nun neues Licht auf die Wirkungsweise der Fake News.</p>
<h3>Der Bullshit-Rezeptor</h3>
<p>Es gibt ein Persönlichkeitsmerkmal, das in der Psychologie gerne mit der Empfänglichkeit für Fake News assoziiert wird: die sogenannte “pseudo-profound bullshit receptivity”. Dieser Wert gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Mensch <a href="http://journal.sjdm.org/15/15923a/jdm15923a.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">einer zufällig generierten Wortfolge einen Sinn</a> zuschreibt (Beispiele finden sich <a href="http://wisdomofchopra.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> und <a href="http://sebpearce.com/bullshit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>). Es wird angenommen, dass das menschliche Vermögen zur Mustererkennung hier eine Rolle spielt. In der Tat zeigt sich auch jenseits der Sprache, dass Menschen mit hoher Bullshit-Affinität in zufällig generierten Bildern <a href="http://journal.sjdm.org/18/181212a/jdm181212a.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Muster entdecken</a>. Die Anfälligkeit für Bullshit ist also nicht nur ein Zeichen mangelnder Medienkompetenz oder Intelligenz. Im Gegenteil: es ist die Kombination eines starken Talentes zur Mustererkennung, allerdings ohne die Fähigkeit, falsch positive Ergebnisse auszuschließen.</p>
<p>Ein Team von Wissenschaftler der University of Regina und des MIT <a href="https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3023545" target="_blank" rel="noopener noreferrer">haben nun untersucht</a>, welcher Zusammenhang zwischen der Empfänglichkeit für Bullshit und für Fake News besteht. Die Ergebnisse legen nahe, dass vor allem Menschen mit hoher Bullshit-Affinität Fake News Glauben schenken und sie weiterverbreiten:</p>
<p>Wer zufällig generierten Wortfolgen mit höherer Wahrscheinlichkeit einen Sinn zuschreibt,</p>
<ul>
<li>glaubt auch häufiger Fake News.</li>
<li>ist weniger gut in der Lage, Fake News und korrekte Nachrichten zu unterscheiden.</li>
<li>ist eher bereit, News-Inhalte zu teilen (gleich ob Fake oder korrekt)</li>
<li>(und, so <a href="https://www.psypost.org/2018/08/people-who-are-more-receptive-to-pseudo-profound-bullshit-are-less-likely-to-donate-to-charity-51970" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eine andere Studie</a>: ist weniger wohltätig)</li>
</ul>
<h3>Die Psychologie der Fake News</h3>
<p>Welche anderen Erkenntnisse zur Psychologie der Fake News gibt es noch?</p>
<ul>
<li>Menschen, die ihren eigenen Wissensstand überschätzen, glauben häufiger Fake News.</li>
<li>Wer besser in der Lage ist, kritisch zu denken, glaubt seltener Fake News.</li>
<li>Wiederholtes Lesen einer Fake-News-Schlagzeile erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass man sie für glaubhaft hält (das Gleiche gilt auch für korrekten Nachrichten, und sogar dann, wenn man sich nicht an das erste Lesen erinnert.)</li>
</ul>
<p>Es gibt zudem Hinweise darauf, dass die Anfälligkeit für Fake News weniger von deren Übereinstimmung mit den eigenen politischen Ansichten zusammenhängt, als mit einem Mangel an kritischem Denken: wer besser bei Tests zum kritischen Denken abschneidet, glaubt mit geringerer Wahrscheinlichkeit auch solche Fake News, die seine Weltanschauung bestätigen.</p>
<h3>Die Funktionsweise von Fake News</h3>
<p>Es ist wenig überraschend, dass die Verbreiter von Fake News die oben genannten Mechanismen gezielt ausnutzen. Erfolgreiche Fake News Kampagnen sind auf die oben erwähnten psychologischen Effekte zugeschnitten. Medienforscher identifizieren dabei folgende Taktiken:</p>
<ul>
<li>Psychologisch: Wiederholung. Das beständige Wiederholen der immer gleichen Botschaften, egal wie oft sie unwidersprochen widerlegt wurden.</li>
<li>Technisch: Algorithmische Effekte (Trending Topics) durch Koordination. Funktionen wie “<a href="https://t3n.de/news/social-media-trending-topics-twitter-entstehen-300592/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Trending Topics</a>” führen dazu, dass durch die kurzfristige Häufung von Nachrichten zu einem Thema dieses von den Algorithmen der sozialen Netzwerke aktiv weiter verbreitet wird. So sollen etwa Anhänger der AfD <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-neue-rechte-im-internet-debatten-beeinflussen-mit-fake.1264.de.html?dram:article_id=445051" target="_blank" rel="noopener noreferrer">generalstabsmäßig Kampagnen</a> planen, um ihre Themen in die Öffentlichkeit zu heben.</li>
<li>Bots: Ein Werkzeug sowohl zur Wiederholung als auch zur Koordination.</li>
<li>Emotionalisierung gegen Reflexion: Emotionen behindern das kritische Denken kurzfristig. Lange genug, dass ein User ein Fake-News-Posting teilt. Dies wird auch durch den Einsatz von Bildern unterstützt: Bilder sind ein höchst effektives Werkzeug der Emotionalisierung und leicht zu fälschen. Zudem sind die Algorithmen der sozialen Netzwerke so programmiert, dass sie Bilder bei der Verbreitung bevorzugen.</li>
</ul>
<h3>Der Umgang mit Fake News</h3>
<p>Wie kann man dem Problem der Fake News begegnen? Sowohl staatliche als auch privatrechtliche Akteure und natürlich die Anwender selber haben verschiedene Optionen. Zensurgesetze sind in autoritären Staaten beliebt (und mit dem NetzDG haben sie auch in Deutschland einen kleinen Bruder bekommen). Die <a href="http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-18-6648_de.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EU hat sich bisher zu einem weniger aggressiven Vorgehen entschlossen</a> und setzt auf Koordination, Aufklärung und eine Selbstverpflichtung der Plattformbetreiber. Diese unternehmen mittlerweile zunehmend <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/fake-news-113.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Schritte gegen Fake News</a> &#8211; auch, weil sie befürchten selber unter das Presserecht gestellt zu werden, und damit <a href="https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/massnahmen-gegen-fake-news-facebook-soll-fuer-falschmeldungen-haften/14986148.html?ticket=ST-201623-4QgyWbbL9AWdcsd3p1sa-ap1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">für Falschinformationen haftbar</a> gemacht zu werden. Dies wäre eine parallele Entwicklung wie die zum Urheberrecht, wo den Plattformbetreibern Strafen drohen, wenn sie zulassen, dass geschützte Inhalte unlizenziert auf ihren Plattformen stehen.</p>
<p>Eine der vielversprechendsten Maßnahmen ist der Einsatz von Fact Checkern. Die <a href="https://meedia.de/2019/03/18/kampf-gegen-fake-news-die-dpa-wird-zweiter-deutscher-faktenpruefer-bei-facebook/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dpa hat jüngst von Facebook das Mandat erhalten</a>, als zweiter Fact Checker in Deutschland Falschnachrichten als solche auszuweisen.</p>
<p>Schließlich haben die User der sozialen Netzwerke die Möglichkeit, durch Protest und Boykott Schritte der Plattformen zu erzwingen. Viele der Maßnahmen, mit denen die sozialen Netzwerke <a href="https://www.nytimes.com/2018/08/06/technology/infowars-alex-jones-apple-facebook-spotify.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">in jüngster Zeit</a> gegen rechtsextreme und populistische Angebote vorgegangen sind, dürften wesentlich durch den Druck der User zustande gekommen sein.</p>
<p>Doch wie effektiv sind diese Maßnahmen, und wie stark beschneiden sie den öffentlichen Diskurs und Grundrechte wie die Meinungsfreiheit?</p>
<h3>Fact Checking</h3>
<p>Allgemein bestehen <a href="https://www.factcheck.org/2008/09/fact-checking-is-useless/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zweifel daran</a>, ob man dem Problem der Fake News durch Korrektur und Richtigstellung Herr werden kann. Manche Studien zeigen, dass fundierte Gegendarstellungen keinen Effekt haben, wenn es darum geht, eine irrige Annahme zu korrigieren. Vor allem im politischen Bereich droht, dass der Fact Checker oder das Netzwerk von Usern als parteiisch wahrgenommen werden und ihre Versuche deswegen wirkungslos bleiben. Ihr Effekt ist im besten Falle schwach.</p>
<p>Dennoch sind die Diskussion über Falschmeldungen, die Frage, wer von ihrer Verbreitung profitiert und ihre Richtigstellung wichtig. Nicht dadurch, dass sie eine falsche Ansicht korrigieren (was wie gesagt zweifelhaft ist), sondern weil sie ein gelebtes Vorbild für Medienkompetenz sind. Ein User, der so mit der Frage konfrontiert wird, wer welche News mit welcher Motivation fälscht oder verfälscht darstellt und wie man den Wahrheitsgehalt prüfen kann, wird dadurch für eben diese Fragen sensibilisiert. Er entwickelt unwissentlich und unwillentlich die Werkzeuge, die ihn selbst weniger anfällig machen für die nächsten Fake News.</p>
<p>Einen eingefleischten Verschwörungstheoretiker wird selbst diese Fähigkeit nicht mehr erreichen. Das Ziel ist aber ein anderes: zu verhindern, dass das Lager der Populisten und Faktenverweigerer nicht weiter anwächst. Wie jeder Hype wird auch dieses Phänomen sich dann früher oder später totlaufen.</p>
<h3>Bühne und Sprachrohr</h3>
<p>Fake News sind ein Werkzeug politischer (und wirtschaftlicher) Akteure. Die Meinungsfreiheit gebietet es, sie nur im Extremfall zu unterbinden (bei strafrechtlich relevanten Inhalten etwa, und teilweise auch im Falle von staatlicher Propaganda). Das bedeutet jedoch nicht, dass ihnen private Organisationen eine Bühne einräumen oder ihre Botschaft verbreiten müssen. Zwar haben die sozialen Netzwerke ein wirtschaftliches Interesse daran, das zu tun. Sie haben aber in der letzten Zeit dem öffentlichen Druck nachgegeben und Maßnahmen ergriffen, Fake News zu bekämpfen. Auch durch die algorithmische Deselektion von Fake News-Inhalten und -Akteuren. Deren Nachrichten sind nach wie vor auffindbar, werden aber quasi nur noch auf gezielte Suche hin angezeigt. Ein normaler User wird sie in seiner Timeline nicht mehr zu sehen bekommen.</p>
<p>Ähnlich wie beim Fact Checking lassen sich die eingefleischten Fans von Fake News-Quellen dadurch nicht abhalten. Es lässt sich aber verhindern, dass sie ungehindert Nachwuchs bekommen. Leider sind die Maßnahmen <a href="https://correctiv.org/faktencheck/artikel-faktencheck/2017/10/12/facebook-fact-checking-reduziert-reichweite-von-fake-news-um-80-prozent" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nur teilweise aktiv</a>: Zwar haben Fake News Inhalte 80 Prozent ihrer Reichweite eingebüßt, dafür dauert es bis zu drei Tage, bis ein Fake News Post als solcher erkannt und unterdrückt wird. In Social Media-Begriffen eine Ewigkeit.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Das System Fake News funktioniert, weil psychologische Mechanismen und technische Möglichkeiten in Kombination eine starke Wirkung auf das Weltbild haben können. Es muss einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft daran gelegen sein, weder die freie Ausübung der Kommunikation zu stark zu beschränken noch zu versuchen, das Denken unserer Mitmenschen mit Gewalt zu ändern.</p>
<p>Gleichzeitig ist es die Aufgabe der Gesellschaft, jedem einzelnen faktenbasierte Urteile zu ermöglichen. Dazu sind Bildung und Zugang zu relevanten Informationen zentral wichtig. Die Schulpflicht ist nicht zuletzt deswegen weitgehend unumstritten, selbst wenn sie die Wahlfreiheit von Eltern und Kindern begrenzt.</p>
<p>Parallel darf es auch beim Zugang zu relevanten und korrekten Informationen staatliche Vorgaben geben. Dort, wo die technologische Verbreitung von Fake News es faktisch unmöglich macht, sich mit allgemein akzeptierten und wissenschaftlich begründeten Fakten auseinander zu setzen (man denke an die Impfdebatte), ist ein Eingreifen nicht nur möglich, sondern auch nötig. Eine <a href="https://politik-digital.de/news/zielt-das-netzdg-ins-leere-2-151888/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zensur im Sinne des NetzDG</a> ist dennoch der falsche Weg. Der algorithmische Entzug der Megaphons, mit dem Verschwörungstheoretiker und Populisten neue Anhänger rekrutieren, ist dagegen ein geeigneter.</p>
<p><strong>Titelbild: </strong>alone-4008607_1920 via <a href="https://pixabay.com/de/photos/allein-amerika-american-ank%C3%BCndigung-4008607/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay </a></p>
<p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-4" data-row="script-row-unique-4" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-4"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-6"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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