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	<title>Fan-Forum &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Gelacht wird im Keller</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cwelzel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
<b>
Jeden Abend um 20:15 Uhr zeigt uns RTL II die Realität. Oder vielmehr die 35 zusammengeschnittenen
Minuten Auswahl-Realität der letzten 24 Stunden, die der Sender seinem Publikum aus dem Big Brother-Container
zeigen möchte.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><br />
Jeden Abend um 20:15 Uhr zeigt uns RTL II die Realität. Oder vielmehr die 35 zusammengeschnittenen<br />
Minuten Auswahl-Realität der letzten 24 Stunden, die der Sender seinem Publikum aus dem Big Brother-Container<br />
zeigen möchte.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Jeden Sonntag zum Beispiel zeigt Endemol dem Zuschauer den heulenden John. Nachdem wir<br />
45 Sekunden lang das close-up auf Johns rührend verheultes Gesicht gesehen &#8211; ja &#8211; genossen haben, sind wir<br />
überzeugt, so muss er sein, der John. So ist er. Zumindest für die 45 Sekunden, die der Fernsehschauer von<br />
diesem take zu sehen bekommt. Niemand hätte allen Ernstes erwartet, in den 45minütigen Zusammenfassungen<br />
minus Werbung die echte, die ganze Welt von Big Brother zu erfahren. Big Brother ist ein Kunstobjekt, eine<br />
Realitäts-Strickmaschine, eine mediale Kuschellüge und eine Casting-Identität ähnlich den Backstreet Boys.<br />
Big Brother ist ein Spiel.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Für die unstillbare Sehnsucht nach Authentizität gibt es das Internet. Die offizielle Big Brother Seite bietet neben<br />
harmlosen Artikelchen der Online-Redaktion und verschiedenen Merchandizing Angeboten auch die Live-Kameras.<br />
Dort können Doku-Junkies unter <a href="http://www.big-brother-haus.de/">big-brother-haus.de </a><br />
mittels Click auf die verschiedenen Kameras 24/7 verfolgen, was tatsächlich gelebt wird in der Hürther WG.<br />
Das offizielle Web-Angebot von RTL II erhebt jedoch auch den Anspruch auf das Internet-Realitäts-Monopol der<br />
Geschehnisse im Container. Abgesehen davon, dass die live-Kameras und Mikrophone von Zeit zu Zeit partiell<br />
ausfallen (ob aus technischen oder anderen Gründen sei dahingestellt), hat die Produktionsfirma<br />
<a href="http://www.endemol.nl/">Endemol</a>, nun alle Seiten im Netz, die unabhängig vom Sender Fan- und<br />
Diskussionsforen bieten, abgemahnt. Die Marke Big Brother muss geschützt werden, auch oder grade auf Kosten<br />
der Freiheit, im Netz jenseits der Kommerzialität den eigenen Spiel- und Schwätz-Leidenschaften zu frönen.<br />
So haben bereits gut hundert Fanseiten Post von einem Anwaltsbüro bekommen. Alle Seiten, die Logos und<br />
Fotos verwenden an denen Endemol die Rechte hält, müssen mit Klagen im Sinne des Copyright-Gesetztes<br />
rechnen. Selbst Screenshots und<br />
Tonmitschnitte aus der TV-Sendung und den Internetkameras seien geschützt, so Rainer Laux, Produzent<br />
der Hürther Trash-Biosphäre.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Spaßverderber von Endemol beanstanden, dass die meisten der unabhängigen Seiten sich nur über<br />
Big Brother mokieren wollen. Und da das 100 Tage-Spiel eine ernste Sache ist, sollte möglichst nur im Keller<br />
gelacht werden. Leider hat weder das Internet noch der Container einen solchen und so wird am besten gar nicht<br />
mehr gelacht. Jedenfalls nicht über Big Brother.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In diesem Sinne unterscheiden sich das offizielle Big Brother-Internet Angebot und Big Brother Fernsehen nicht.<br />
Das Internet-Angebot ergänzt die Fernsehsendung und suggeriert dank der 24-Stunden Kameras eine grössere<br />
Nähe zu den Kandidaten. Die Big-Brother Webpage könnte ohne das Fernsehangebot nicht existieren. Die<br />
Webpage wiederum nutzt den Charakter des Unmittelbaren, der dem Netz anhaftet und wirbt, für die<br />
Reality-Soap, die doch keine ist. Das Internet dient hier lediglich als Spiegel der klassischen Medien.<br />
Wirkliche Überraschungen sind weder von dem einen noch von dem anderen Format zu erwarten, dafür<br />
ist die Endemolsche Medienmaschiene viel zu glatt geschmiert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Der rechtlich verfolgte Sand im Getriebe bietet das, was über ein blosses Abbild des Fernseh Big Brother hinausgeht<br />
und manches, was an der perfekten Containerfassade kratzt. Herausragend ist das Diskussionsforum,<br />
das inzwischen von Bild gehostet wird und unter <a href="http://www.bigbrother.bild.de/">www.bigbrother.bild.de</a> nicht nur Raum für Klatsch und Tratsch<br />
rund um die Bewohner bietet. Gradezu spektakulär ist das hier abgelegte Tagebuch, in dem schlaflose Menschen<br />
genaue Transkripte aller Dialoge und Vorgänge im Haus anfertigen. Natürlich handelt es sich hier nur um die<br />
Protokolle Endemolscher Internet-Realität, es zeigt aber zumindest die Inszenierung in voller Länge.<br />
Frei erfunden aber in ihrer Überspitzung sehr containergetreu sind die Dialoge, die unter <a href="http://www.derjuergen.de.st/">http://www.derjuergen.de.st/</a><br />
zu lesen sind.<br />
Dort lässt sich zum Beispiel die WG-Katze Sternchen über den Lachsack<br />
mit Airbag (Sabrina) aus und in Bemerkungen wie<br />
&quot;welcheschulesolldasdennseindiewodubesuchthaschtbaumschuleoderwas?&quot;<br />
erwächst in Zlatko eine echte Konkurrenz für Stephan Raab.<br />
Auf anderen Sites stellen sich virtuelle Big Brother WGs vor und<br />
sogenannte hate-pages bieten virtuellen Raum<br />
zu hemmungslosem Beschimpfungen besonders unbeliebter Bewohner.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Eigentlich gehört dies alles zum Big Brother-Spiel dazu, eigentlich erhält auf diesen Seiten die Internet-Präsenz<br />
von Big Brother etwas von ihrem spielerischen Sinn zurück, den sie auf der offiziellen Seite niemals hatte.<br />
Es soll niemand mit der Big-Brother Marke Geld verdienen, außer Herr Endemol, auch nicht im Internet.<br />
Das ist nachvollziehbar. Eigentlich bringen die völlig unkommerzielle Seiten ja den Machern einen gewissen<br />
synergetischen Publicity-Effekt. Leider entziehen sie sich aber der Kontrolle von Endemol, und was Endemol<br />
nicht kontrollieren kann, lassen sie lieber verbieten. Wahrscheinlich offenbart sich in diesem Detail der wahre<br />
Sinn des Titels: Big Brother. Endemol is watching you.</span></p>
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