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	<title>Finanzpolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Finanzpolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#034;Nicht nur von den Märkten treiben lassen&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/nicht-nur-von-den-maerkten-treiben-lassen-4785/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nina Schröter]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 17:10:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Steffen Kampeter]]></category>
		<category><![CDATA[Video-Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuern]]></category>
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					<description><![CDATA[Steffen Kampeter war am Dienstag, den 02. März 2010 zu Gast im tagesschau-Videochat
in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Die User diskutierten mit dem Finanzstaatssekretär und CDU-Bundestagsabgeordneten unter anderem über die aktuelle Hartz IV-Debatte, mögliche Steuersenkungen, die Staatsverschuldung und den Koalitionsstreit zwischen CDU und FDP und das Sponsoring von CDU-Parteitagen.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Steffen Kampeter war am Dienstag, den 02. März 2010 zu Gast im tagesschau-Videochat<br />
in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Die User diskutierten mit dem Finanzstaatssekretär und CDU-Bundestagsabgeordneten unter anderem über die aktuelle Hartz IV-Debatte, mögliche Steuersenkungen, die Staatsverschuldung und den Koalitionsstreit zwischen CDU und FDP und das Sponsoring von CDU-Parteitagen.<br />
<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><center><a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll546.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="/wp-content/uploads/chatkampeter.jpg" height="311" width="514" /></a></center></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Wenn Sie den Videochat noch einmal sehen wollen, klicken Sie einfach auf das Bild. </p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Hans Eichel: &#8220;2010 wird schwierigstes Jahr überhaupt&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/hans-eichel-2010-wird-schwierigstes-jahr-ueberhaupt-4357/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[sruff]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 May 2009 16:19:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat_tag]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Eichel]]></category>
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		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Video-Chat]]></category>
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					<description><![CDATA[Hans Eichel live im <a href="http://www.tagesschau.de/inland/videochateichel100.html" target="_blank" title="tagesschau.de Videochat mit Hans Eichel" rel="noopener noreferrer">Video-Chat</a>:
Der Ex-Bundesfinanzminister und ehemalige hessische Ministerpräsident stellte sich am Mittwoch, 13. Mai 2009 im Video-Chat den Fragen der User von tagesschau.de und politik-digital.de. Um den staatlichen Schuldenberg abzubauen, müssten auf lange Sicht die Steuern erhöht werde, so der SPD-Politiker.<br />
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hans Eichel live im <a href="http://www.tagesschau.de/inland/videochateichel100.html" target="_blank" title="tagesschau.de Videochat mit Hans Eichel" rel="noopener noreferrer">Video-Chat</a>:<br />
Der Ex-Bundesfinanzminister und ehemalige hessische Ministerpräsident stellte sich am Mittwoch, 13. Mai 2009 im Video-Chat den Fragen der User von tagesschau.de und politik-digital.de. Um den staatlichen Schuldenberg abzubauen, müssten auf lange Sicht die Steuern erhöht werde, so der SPD-Politiker.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
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</p>
<div style="text-align: center">
<a href="http://www.tagesschau.de/inland/videochateichel100.html" target="_blank" title="Hans Eichel im Video-Chat" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/Eichel_ts-chat.jpg" width="393" height="220" /></a>
</div>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Falls Sie den Chat verpasst haben, oder das Video noch einmal sehen wollen &#8211; einfach das Bild anklicken.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wir wollen bis zum Jahre 2012 ausgeglichene Haushalte haben&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-wollen-bis-zum-jahre-2012-ausgeglichene-haushalte-haben-139/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jun 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Haushaltspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialleistung]]></category>
		<category><![CDATA[Steffen Kampeter]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz IV]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeshaushalt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Freitag, 2. Juni, war Steffen Kampeter, 
Haushaltsexperte der Unionsfraktion, zu Gast im tagesschau-Chat 
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Mit den Nutzern 
diskutierte er über die Haushaltspolitik der Großen Koalition 
und die Verschärfungen bei Hartz IV.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Freitag, 2. Juni, war Steffen Kampeter,<br />
Haushaltsexperte der Unionsfraktion, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Mit den Nutzern<br />
diskutierte er über die Haushaltspolitik der Großen Koalition<br />
und die Verschärfungen bei Hartz IV.</span></b><!--break-->
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe Politik-Interessierte, Anhänger<br />
und Gegner der schwarz-roten Koalition, willkommen zum tagesschau-Chat,<br />
heute ausnahmsweise nur 45 Minuten. Unser Gast im ARD-Hauptstadtstudio<br />
ist diesmal Steffen Kampeter, haushaltspolitischer Sprecher der<br />
Unionsfraktion im Bundestag. Vielen Dank, Herr Kampeter, dass Sie<br />
sich die Zeit für den Chat nehmen. Wie immer sind Fragen zu<br />
allen Themen willkommen. Steffen Kampeter ist also der Mann, der<br />
für die Union den genauen Blick in die Staatskasse wirft &#8211;<br />
mit Folgen für die Bürger, wie wir wissen. Gestern Abend<br />
hat der Haushaltsausschuss des Bundestags mit schwarz-roter Mehrheit<br />
den Etat für 2006 verabschiedet. Eine Rekord-Neu-Verschuldung<br />
von 38,19 Milliarden Euro ist dabei herausgekommen. Die nächsten<br />
Belastungen könnten da möglicherweise nicht lange auf<br />
sich warten lassen, sei es bei Hartz IV oder beim Bürger der<br />
Arbeit hat. Starten wir hiermit:
</p>
<p>
<b>thun:</b> Herr Kampeter, ist es in Deutschland überhaupt<br />
möglich den Haushalt in den Griff zu bekommen? Ich habe das<br />
Gefühl, dass auch die große Koalition der Versuchung<br />
erliegt, Einigungen durch &quot;teure Kompromisse&quot; zu erkaufen.
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Der Haushalt 2006 ist der Beginn<br />
eines Umsteuerungsprozesses. Wir wollen bis zum Jahre 2012 ausgeglichene<br />
Haushalte haben. Bei einem strukturellen Defizit von 60 Mrd. Euro<br />
geht das nicht von heute auf morgen, sondern ist ein langer und<br />
steiniger Weg.
</p>
<p>
<b>G2Go:</b> Warum traut sich die große Koalition<br />
es sich nicht zu, mal klare Strukturveränderungen einzuleiten?<br />
Die Wissenschaft macht am laufenden Band Vorschläge, die die<br />
Politik nicht durchsetzt. Dabei wissen alle, dass sich eine Reform<br />
nicht vermeiden lässt.
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Anders als die Wissenschaft<br />
ist Politik die Kunst des Möglichen. Das Wahlergebnis vom September<br />
2006 war kein Mandat für radikale Reformen, sondern für<br />
eine Politik der kleinen Schritte. Die große Koalition handelt<br />
nicht im Wissenschafts- sondern im Wählerauftrag.
</p>
<p>
<b>Sozialdemokrat112:</b> Werter Herr Kampeter, meinen<br />
Sie, dass es vielleicht besser gewesen wäre, lieber die Einkommenssteuer<br />
statt der Mehrwertsteuer zu erhöhen? Dies würde man im<br />
Volk weniger schnell merken als die drastischen Einschnitte bei<br />
den Bürgern beim Einkaufen.
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Grundsätzlich bin ich der<br />
Auffassung, dass die Einkommenssteuerlast in Deutschland zu hoch<br />
ist. Unter Strukturgesichtspunkten bin ich der Auffassung, dass<br />
es wachstums- und beschäftigungswirksamer ist, Konsum zu besteuern,<br />
als weitere Lasten auf den Faktor Arbeit zu legen. Auf dieses Konzept<br />
hat sich auch die Große Koalition gemeinsam verständigt<br />
und es mit dem Haushaltsbegleitgesetz 2006 auch in die Wege geleitet.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Ein Detail aus dem Haushalt:
</p>
<p>
<b>arzt nich im einsatz:</b> Halten Sie es für eine<br />
sinnvolle Ausgabe, Geld für die Rekonstruktion von geschredderten<br />
Stasi-Akten zur Verfügung zu stellen? Ich meine, sollte man<br />
angesichts der Staatsschulden nicht lieber Geld für andere<br />
Dinge aufwenden als für diese Form der &quot;Vergangenheitsbewältigung&quot;<br />
?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Die Zukunft kann nur gestaltet<br />
werden, wenn man zu allen Phasen der Vergangenheit auch verantwortliche<br />
Aufklärung getrieben hat. Dies gilt auch für die zweite<br />
deutsche Diktatur und deshalb finde ich es auch im Interesse der<br />
Opfer richtig, einen umfassenden Überblick über die Tätigkeit<br />
der Stasi zu erhalten. Die Schnipsel-Maschine wird jetzt auf ihre<br />
Wirksamkeit hin überprüft und das Projekt wird nur realisiert,<br />
wenn weitere verwertbare Ergebnisse auch zu erwarten sind.
</p>
<p>
<b>fragend:</b> Noch nie wurden so viele Kredite aufgenommen,<br />
wie in diesem Haushalt. Nennt sich das Sparpolitik?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Dieser Haushalt ist ein ehrlicher<br />
Haushalt. Er zeigt die Dramatik der Schieflage, in die der Haushalt<br />
in den letzten Jahren geraten ist. Ich will keine Schulden wegtricksen,<br />
sondern sie müssen offen ausgewiesen sein. Vom Sparen kann<br />
man tatsächlich nicht ernsthaft reden, sondern lediglich von<br />
der Verringerung der Schulden. Und das passiert erst, wenn die Haushalte<br />
am Ende der nächsten Legislaturperiode ausgeglichen sind.
</p>
<p>
<b>Sozi(HY) 212:</b> Werter Herr Kampeter, wie stehen<br />
Sie zur Reichensteuer? Eine gute Entscheidung der Regierung, oder<br />
halten Sie dies für negativ?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Sie steht im Koalitionsvertrag<br />
und wird daher von der Koalition insgesamt getragen. Ich selbst<br />
hätte diesen Vorschlag nie im Leben unterbreitet. Das Aufkommen<br />
ist minimal, der Erhebungsaufwand riesig. Der ideologische Gehalt<br />
hoch. Die Reichensteuer ist kein Glücksgriff.
</p>
<p>
<b>wiehenLK:</b> Es wird immer nur zu Lasten der kleinen<br />
Leute gespart. Ich habe noch nie gehört, dass bei der Parteienfinanzierung<br />
oder Wahlkampfkostenerstattung aus öffentlichen Haushalten<br />
reduziert wird. Wie ist Ihre Stellungnahme hierzu?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Das Sozialbudget des Haushaltes<br />
2006 ist das größte der deutschen Nachkriegsgeschichte.<br />
Die Leistungen insbesondere für Einkommensschwache und Familien<br />
haben einen Höchststand erreicht. Ich kann nicht erkennen,<br />
dass ausschließlich bei den Kleinen gespart wird.
</p>
<p>
<b>mrcoolvogelbert:</b> Kann man einem Hartz-IV-Empfänger<br />
überhaupt die komplette Unterstützung streichen? Gibt<br />
es da nicht schon entsprechende Sozialgerichtsurteile, die ein Absenken<br />
unter 70 Prozent unterbinden?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Die komplette Unterstützung<br />
soll nicht gestrichen werden. Das Hartz IV Fortentwicklungsgesetz<br />
sieht lediglich vor, zu verbindlichen Kürzungen zu kommen,<br />
wenn eine zumutbare Arbeit abgelehnt wird. Wenn für eine staatliche<br />
Leistung eine Gegenleistung verweigert wird halte ich eine Kürzung<br />
allerdings gerecht gegenüber denjenigen, die dies aus ihren<br />
Steuerzahlungen finanzieren müssen.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Sie haben mal eine Kürzung der<br />
Regelsätze bei Hartz IV ins Gespräch gebracht:
</p>
<p>
<b>toria:</b> Um wie viel Euro wollen Sie den Regelsatz<br />
kürzen?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Nach der letzten Einkommensstatistik<br />
von Sozialminister Müntefering liegt das Existenzminimum bei<br />
345 Euro. Eine Kürzung dieses Regelsatzes ist nicht vorgesehen,<br />
die Koalition hat sich anders entschieden. Ich möchte allerdings<br />
darauf hinweisen, dass der alte Sozialhilferegelsatz lediglich bei<br />
290 Euro West bzw. 280 Euro Ost lag. Und hierin liegt auch eine<br />
Quelle der Mehrausgaben im Bereich der passiven Leistungen der Arbeitsmarktpolitik.
</p>
<p>
<b>ThomasH:</b> Herr Kampeter, sind Ihnen empirische<br />
Daten bekannt, die eine Verschärfung der bestehen Hartz-IV-Regelungen<br />
gegen Missbrauch rechtfertigen? Wenn ja, welches sind diese Quellen?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Der Rechnungshof hat in einem<br />
umfassenden Bericht Vollzugsdefizite beim Hartz IV festgestellt.<br />
Sie umfassen alle Bereiche sowohl der Arbeitsverwaltung wie auch<br />
der Kommunen und führen zu erheblichen Mehrausgaben für<br />
den Steuerzahler. So werden mit Betroffenen die notwendigen Gespräche<br />
erst mit monatelanger Verzögerung geführt. Die Anspruchsvoraussetzung<br />
sind offenbar in einer Reihe von Fällen nur mangelhaft geprüft<br />
worden. Deshalb hat der Haushaltsausschuss auch eine Effizienz-Offensive<br />
bei der Umsetzung von Hartz IV in den Haushaltsberatungen gefordert.
</p>
<p>
<b>lausi:</b> Laufen die Sanktionen gegen Arbeitsunwillige<br />
nicht ins Leere, wenn den ALG II-Empfängern keine Angebote<br />
gemacht werden können, weil die Vermittler keine haben?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Die Höhe der Lohnersatzleistungen<br />
hat den Niedriglohnbereich in Deutschland verdrängt. Deswegen<br />
überlegt die Große Koalition auch unter dem Begriff &quot;Kombilohn&quot;,<br />
ob es eine intelligente Verzahnung von Lohnersatzleistungen und<br />
Niedriglohn geben kann. Dieser Markt muss wieder aktiviert werden.<br />
Meiner Einschätzung nach gibt es keinen Mangel an Arbeit, sondern<br />
die Rahmenbedingungen müssen wieder verbessert werden.
</p>
<p>
<b>David22:</b> Warum findet die CDU immer noch Spielraum<br />
beim Kürzen bei Hartz IV etc., blockt eine Einnahme-Steigerung<br />
z.B. mit einer echten Reichensteuer aber ab? Wäre eine richtige<br />
Vermögenssteuer nicht gerechter?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Die große Koalition will<br />
die Staatsquote zum Ende dieser Legislaturperiode auf das Niveau<br />
zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung absenken. Wir wollen weniger<br />
und nicht mehr Staat. Deshalb hat Bundesfinanzminister Steinbrück<br />
auch klar gesagt, dass über die bereits beschlossenen Steueranpassungen<br />
hinaus keine Sanierung der Staatsfinanzen auf der Einnahmenseite<br />
erfolgen soll. Das setzt Ausgabendisziplin auch im Sozialbereich<br />
voraus.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Die Gewinne der Unternehmen steigen<br />
allerdings, die Löhne nicht oder weniger. Das ist doch ein<br />
Problem, oder?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Arbeitsplätze werden von<br />
Unternehmen geschaffen. Dies setzt eine gewisse Ertragsstärke<br />
in Unternehmen voraus. Deswegen sind Unternehmensgewinne Vorraussetzungen<br />
für Investitionen und Arbeitsplätze. Wir dürfen nicht<br />
die Verteilungsfragen vor den Fragen diskutieren, wie wir unsere<br />
wirtschaftliche Leistung überhaupt erst erwirtschaften.
</p>
<p>
<b>Sozi(HY) 212:</b> Werter Herr Kampeter, sind Sie für<br />
ein härteres Durchgreifen bei Steuerbetrügern?
</p>
<p>
<b>toria:</b> Es gibt laut Steuergewerkschaft 70 Mrd.<br />
Euro Steuerbetrug (u.a. Umsatzsteuerkarusselle). Warum bekämpfen<br />
Sie diesen nicht mit dem gleichen Elan, wie den Missbrauch bei Hartz-IV-Empfängern?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Zu Sozi: Ja, das ist auch eine<br />
Frage der Gerechtigkeit. Steuerbetrug und Subventionsbetrug sind<br />
Betrug. Zu toria: Die Landesfinanzbehörden beziehen die Anregungen<br />
der Deutschen Steuergewerkschaft regelmäßig in ihre Aktivitäten<br />
ein. Die Zahl von 70 Mrd. Euro hat sich allerdings bisher nicht<br />
erhärtet. Steuerbetrug muss entschlossen verfolgt werden. Ein<br />
einfacheres Steuersystem würde es den Steuerhinterziehern schwerer<br />
und den Kontrolleuren sehr viel leichter machen. Hier liegt die<br />
eigentliche Lösung des Problems.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Jeder Steuerprüfer bringt das<br />
Vielfache des Geldes rein, das er kostet: Warum werfen Sie diese<br />
Geldmaschine nicht an?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Mit Verlaub &#8211; der Bund betreibt<br />
keine Steuerprüfung, das machen die Länder. Wenn die Länderfinanzminister<br />
der Auffassung sind, dass ein Steuerprüfer mehr Einnahmen bringt<br />
als er kostet, werden sie auch die notwendige Anzahl von Steuerprüfern<br />
einstellen. Aber es bleibt dabei: Ein einfacheres Steuersystem ist<br />
die überzeugendere Antwort als ein ausgeweitetes Kontrollsystem.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Noch mal zum Thema Hartz IV:
</p>
<p>
<b>Hadien:</b> Die Bundesanstalt für Arbeit hat<br />
in einem Bericht festgestellt, dass der Missbrauchsanteil bei 2-3<br />
Prozent liegt. Halten Sie es für gerechtfertigt, dafür<br />
pauschal alle ALG II-Bezieher des Missbrauchs zu beschuldigen?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Der Rechnungshofbericht geht<br />
von einem höheren Anteil von Vollzugsdefiziten aus. Es handelt<br />
sich bei den Mehrausgaben nicht ausschließlich um Gesetzesmissbrauch,<br />
sondern auch um mangelhaftes Verwaltungshandeln. Beides kann sich<br />
der Steuerzahler allerdings nicht leisten. Im Übrigen schützen<br />
wir auch die Hilfeempfänger so vor Vorwürfen, sie würden<br />
Hilfe zu Unrecht erhalten.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Ein weiteres Thema, das die Menschen<br />
konkret sehr betrifft: In den Bedarfsgemeinschaften sind ALG-II-Empfänger<br />
füreinander finanziell verantwortlich:
</p>
<p>
<b>Donald:</b> Zum Thema Bedarfsgemeinschaften: Wie soll<br />
ich eigentlich beweisen, dass ich nicht mit der Frau zusammen bin,<br />
die in meiner Wohnung lebt?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Die getroffene Regelung im SGB-Optimierungsgesetz<br />
(Beweislastumkehr) ersetzt die Kontrolle der örtlich Verantwortlichen<br />
in den Wohnungen der Hilfeempfänger. Es gibt einen umfassenderen<br />
Schutz der Privatsphäre, daher halte ich diese Regelung auch<br />
für angemessen. Im Übrigen bedenken Sie bitte, alles Geld,<br />
was in Hartz IV ausgegeben wird, nehmen wir anderen Menschen durch<br />
Steuerzahlungen weg. Im Interesse dieser Steuerzahler muss auch<br />
eine Ausgabenkontrolle erfolgen, alles andere wäre ungerecht.
</p>
<p>
<b>freespeech:</b> Glauben Sie, dass die Ausgrenzung<br />
von sozial Schwachen die wirtschaftlichen Probleme auf moralisch<br />
vertretbare Art lösen kann?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Es gibt keine Ausgrenzung von<br />
sozial Schwachen. Ich wiederhole: Wir haben noch nie so viele passive<br />
Leistungen im Bereich Arbeitsmarkt ausgegeben wie jetzt, obwohl<br />
die Anzahl der Arbeitslosen sich nicht wesentlich verändert<br />
hat. Ich kann darin keine Ausgrenzungsstrategie erkennen.
</p>
<p>
<b>klaus111:</b> Zu Steuerbetrug: Ein auf Kosten schauender<br />
Betriebswirtschaftler fängt beim Sparen da an, wo am meisten<br />
herauszuholen ist. Diese Regierung tut das anscheinend nicht.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Dieser Vorwurf bringt mich zur Frage:<br />
Wo im Haushalt kann Ihrer Ansicht nach mit wenigen Maßnahmen<br />
noch am meisten gespart werden?
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Wenn es diese Maßnahmen<br />
gäbe, wäre mein Job überflüssig. Tatsache ist:<br />
Es muss überall in der gesamten Breite überprüft<br />
werden, welche staatlichen Ausgaben und Aufgaben noch notwendig<br />
sind. Das fängt bei kleinen Projekten an, geht aber bis in<br />
milliardenschwere Beschaffungsprojekte.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Nennen Sie uns doch mal ein Beispiel.
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Der Haushaltsausschuss schaut<br />
sich z.B. den BND-Umzug sehr intensiv unter Kostengesichtspunkten<br />
an und es wird auch zu Einsparungen hier kommen. Wir haben die Öffentlichkeitsarbeit<br />
der Ministerien pauschal um 10 Prozent gekürzt und haben in<br />
vielen kleineren Titeln Korrekturen vorgenommen. Auch der Stellenbereich<br />
ist nicht ausgespart worden. Wir haben den Personalbestand mit den<br />
Beschlüssen des Haushaltsausschusses auf das Niveau von 1990<br />
zurückgeführt. All dies sind kleine Schritte, die unterm<br />
Strich verhindern, dass der Staatshaushalt komplett zusammenbricht.
</p>
<p>
<b>dagobert:</b> Kann der Staat bei Leistungen für<br />
Beamte weiter kürzen? Oder verstärkt dies nicht nur noch<br />
den brain-drain? Schließlich haben Viele in gute Leistungen<br />
vertraut.
</p>
<p>
<b><b>Steffen Kampeter:</b></b> Die soziale Situation der Beschäftigten<br />
im öffentlichen Dienst war (wie z.B. Arbeitsplatzsicherheit)<br />
ein wichtiges Argument, dass wir die Sonderzahlungen sozial verträglich<br />
abgesenkt haben. Dieser Schritt ist in der Privatwirtschaft schon<br />
längst durchgeführt worden und der öffentliche Dienst<br />
vollzieht das nach.
</p>
<p>
<b>Kai03:</b> Haben sie nicht durch die Hintertüre<br />
doch Kombi-Löhne eingeführt? Da es fast keine Jobs mehr<br />
gibt, von denen man tatsächlich leben kann, beziehen die meisten<br />
weiterhin ALG II bzw. Hartz IV.
</p>
<p>
<b>Steffen Kampeter:</b> Die Problembeschreibung kann ich nicht vollständig<br />
zurückweisen. Das ist ja auch der Hintergrund, weshalb ich<br />
die Hartz-IV-Debatte unter dem Gesichtspunkt des Lohnabstandsgebotes<br />
mit angestoßen habe. Hier müssen wir insbesondere zur<br />
Aufrechterhaltung eines regulären Arbeitsmarktes für schwierig<br />
Vermittelbare im Arbeitsmarkt weitere Antworten finden. Mit der<br />
derzeitigen Situation bin ich genauso wenig zufrieden wie Sie.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Blick in die Zukunft: Schließen Sie eine Senkung<br />
der Regelsätze bei Hartz IV für diese Legislaturperiode<br />
aus?
</p>
<p>
<b>Steffen Kampeter:</b> Ich kann dafür keine parlamentarischen Mehrheiten<br />
erkennen. Die Zuschläge, die Vollzugsdefizite, die Missbrauchstatbestände,<br />
die Fehlanreize, die Ausgabenentwicklung wollen wir aber genau analysieren<br />
und noch in diesem Herbst gegebenenfalls Konsequenzen ziehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unserer Tagesschau-Chat bei tagesschau.de und<br />
politik-digital.de, heute nur 45 Minuten. Vielen Dank für Ihr<br />
Interesse, und vielen Dank an Herrn Kampeter. Der nächste Chat:<br />
Freitag 9. Juni um 12.00 Uhr mit Björn Böhning (SPD).<br />
Das Protokoll des Chats ist in Kürze zum Nachlesen auf den<br />
Seiten von tagesschau.de und politik-digital.de zu finden. Das tagesschau-Chat-Team<br />
wünscht noch einen schönen Tag und ein schönes verlängertes<br />
Pfingst-Wochenende.
</p>
<p>
<b>Steffen Kampeter:</b> Tschüss!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Hamburger spielen Haushaltsplaner</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/egovernment-partizipation-hamburghaushalt060425-shtml-2691/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[E-Government]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Haushaltsplanung]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
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					<description><![CDATA[Diskussion in drei Phasen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Diskussion in drei Phasen<!--break-->
                            </p>
<p>Die Forendiskussion wird von Moderatoren begleitete und ist in drei Phasen gegliedert: Bis zum 24. April konnten alle Teilnehmer in einem zentralen Forum Vorschläge abgeben. In der zweiten Phase bis zum 8. Mai werden diese Vorschläge nun in Unterforen diskutiert und weiterentwickelt. Die bisherigen Postings zu spezifischen Themen werden dabei in Wiki-Dokumente eingearbeitet, die jeder Nutzer um eigene Ideen zur Umsetzung, aber auch mögliche Hindernisse ergänzen kann. In der abschließenden Phase bis zum 12. Mai werden die bisherigen Ergebnisse überprüft und sowohl von Nutzern als auch von Moderatoren bewertet. Ziel des Projektes ist es, die Bürger über Wahlen und Volksentscheide hinaus an der politischen Planung zu beteiligen und ihnen die Sachzwänge der Etatplanung vor Augen zu führen. Die Ergebnisse der Diskussion sollen nach Abschluss des Projekts in einer Broschüre veröffentlicht werden. Es ist geplant, dass der Haushaltsausschuss die Vorschläge der BürgerInnen in die Diskussion um die Haushaltsplanung 2006/07 und in die mittelfristige Finanzplanung einbezieht.</p>
<p>Realisiert wurde die Internetseite von der<br />
                            <a href="http://tutech.de/22320110?sessionid=" target="_blank" rel="noopener noreferrer">TuTech Innovation GmbH</a>, deren Software-Plattform DEMOS auch schon für die öffentlichen Online-Diskussionen<br />
                            <a href="http://wachsende-stadt.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Leitbild Metropole Hamburg &#8211; wachsende Stadt&#8221;</a> verwendet wurde. Rolf Lührs, Leiter der Abteilung Interaktive Kommunikation bei TuTech, freut sich über die erneute Zusammenarbeit mit der Stadt Hamburg: „Die Projekte in der Vergangenheit haben gute Ergebnisse gebracht, dadurch konnten wir eventuelle Vorbehalte gegenüber dem Medium Internet abbauen.“ Hamburgs Vorreiterrolle in der ePartizipation sieht er in diesen guten Erfahrungen begründet.</p>
<p>
                              <strong>Große Resonanz</strong>
                            </p>
<p>In der Bevölkerung stößt das Projekt auf große Resonanz: Nach nur knapp 2 Tagen wurden bereits 2.000 registrierte Nutzer verzeichnet und die meisten von ihnen nutzten die Möglichkeit, einen eigenen Haushalt aufzustellen. Im Hauptforum finden sich zahlreiche Ideen und Vorschläge zur Verbesserung der Finanzlage – von der Fusion mit Schleswig-Holstein über eine Einsparung bei Software-Lizenzen durch die Verwendung von Freeware bis hin zu einer kürzeren Brenndauer der Straßenbeleuchtung. „Gemessen an den Teilnehmerzahlen ist das Projekt ein sehr großer Erfolg. In der Diskussion ergeben sich viele konkrete Vorschläge und auch die Diskussionsathmosphäre ist sehr angenehm“, beurteilt Lührs den bisherigen Verlauf.</p>
<p>Es gibt auch Fragen zu den Kosten des Projekts: „Was kostet eigentlich diese &#8220;Aktion&#8221; hier? Und wer saugt sich daran die Taschen voll?“ lautet zum Beispiel der Beitrag eines Nutzers. Tatsächlich sollen laut<br />
                            <a href="http://www.buergerschaft-hh.de/Parldok/Cache/9E105EF3E444CD7022F28A0C.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Antrag 18/2409</a>, der am 20.06.2005 in der<br />
                            <a href="http://www.hamburgische-buergerschaft.de/cms_de.php?templ=akt_protokoll.tpl&amp;sub1=62&amp;sub2=67&amp;sub3=256&amp;cont=1309" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hamburgische Bürgerschaft</a> einstimmig beschlossen wurde, die Kosten von 100.000 Euro nicht überschritten werden. Finanziert wird diese Summe aus den zentral veranschlagten Mitteln für Informations- und Kommunikationstechnik-Maßnahmen.</p>
<p>
                              <strong>&#8220;Echte&#8221; ePartizipation in Deutschland noch selten</strong>
                            </p>
<p>Hamburg ist das erste deutsche Bundesland, das diese Form der ePartizipation nutzt. Ähnliche Projekte gibt es nur selten: Der<br />
                            <a href="https://www.bundestag.de/forum/forumdisplay.php?f=15" target="_blank" rel="noopener noreferrer">deutsche Bundestag</a> lässt die Stellungnahmen von fünf Abgeordneten zum Haushalt 2006 öffentlich im Netz diskutieren, im lokalen Bereich boten die Stadt<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/egovernment/bund/hamburg1.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Esslingen</a> und der Berliner Stadtteil<br />
                            <a href="http://www.buergerhaushalt-lichtenberg.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lichtenberg</a> auf ihren Internetauftritten neben Informationen auch Beteiligungsmöglichkeiten, ließen ihre Bürger in Foren über Haushaltspläne diskutieren und Kritik und eigene Vorschläge äußern. In Lichtenberg bestand auch schon die Möglichkeit, einen persönlichen Idealhaushalt aufzustellen. Beide Projekte sind bereits abgeschlossen, die Vorschläge gingen in die jeweilige Diskussion zur Haushaltsplanung mit ein.<br />
                            <br />Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern nimmt sich die Förderung der Bürgerbeteiligung im Internet aber noch sehr gering aus: Die meisten Angebote zum Thema Bürgerhaushalt beschränken sich auf Online-Fragebögen oder Umfragen mittels Kontaktformularen. Echte Partizipationsmöglichkeiten, die wie das Hamburger Projekt auch Medienkompetenz vermitteln wollen, werden kaum angeboten. Großbritaniens Regierung scheint da schon weiter zu sein: Sie stellte erst kürzlich<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/metablocker/archives/747-Eine-Million-Pfund-fuer-eDemocracy.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eine Million Pfund</a> zur Verfügung, um lokale ePartizipationsprojekte zu stärken.</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Online-mediierte Verfahren in der Planung Teil I</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/egovernment-partizipation-maerker_emediation_060406_1-shtml-2897/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[omaerker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Mediation]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[E-Government]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtplanung]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[
                                Planer stehen heute immer häufiger vor dem Problem, sich mit ganz unterschiedlichen Interessen, Standpunkten und Erwartungen betroffener Bürger/innen und organisierter Interessensvertreter auseinandersetzen zu müssen. Sie können ihre Entscheidungen nicht länger von zentraler Stelle aus fällen, sondern müssen neue Möglichkeiten der Einbeziehung und Berücksichtigung aller Beteiligten schaffen. Dabei geht es nicht mehr nur darum, die Legitimation und Akzeptanz gegenüber Planungsvorhaben zu verbessern, sondern vielmehr durch die Berücksichtigung unterschiedlichen Wissens bessere und nachhaltigere Entscheidungen treffen zu können.
                              ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>                                <span class="normal">Planer stehen heute immer häufiger vor dem Problem, sich mit ganz unterschiedlichen Interessen, Standpunkten und Erwartungen betroffener Bürger/innen und organisierter Interessensvertreter auseinandersetzen zu müssen. Sie können ihre Entscheidungen nicht länger von zentraler Stelle aus fällen, sondern müssen neue Möglichkeiten der Einbeziehung und Berücksichtigung aller Beteiligten schaffen. Dabei geht es nicht mehr nur darum, die Legitimation und Akzeptanz gegenüber Planungsvorhaben zu verbessern, sondern vielmehr durch die Berücksichtigung unterschiedlichen Wissens bessere und nachhaltigere Entscheidungen treffen zu können.</span><br />
                              <!--break-->
                            </p>
<p>
                              <span class="normal">Vor dem Hintergrund der eGovernment-Bewegung stellt sich die Frage, inwiefern dabei auch auf die neuen Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) zurückgegriffen wird. In der Planungspraxis lässt sich in diesem Zusammenhang die Herausbildung eines neuen Verfahrentyps beobachten: „Online-mediierte Verfahren“, die sich möglicherweise als Anzeichen für eine Planungskultur werten lassen, in der Planer/innen versuchen, anstelle Wissensmonopole zu behaupten und Planungen „von oben nach unten“ durchzusetzen, die unaufhebbare Vielfalt an Wissensformen und Ordnungsvorstellungen zuzulassen und produktiv zu nutzen.</span>
                            </p>
<p>
                              <span class="normal"><br />
                                <strong>Heterogenität als Herausforderung</strong><br />
                              </span>
                            </p>
<p>
                              <span class="normal">In einer Gesellschaft, die sich immer stärker differenziert, dürfen wir gerade in Fragen des Zusammenlebens immer weniger auf Übereinstimmungen in den Sichtweisen und Lösungsvorstellungen hoffen. Bereits auf kommunaler Ebene, wo die Bürger/innen politische Entscheidungen hautnah erleben, ist mit auseinanderstrebenden Wertvorstellungen, Erfahrungshintergründen und Wissensvoraussetzungen zu rechnen. Man kann auch sagen, dass es auch in der Planung für alle erkennbar keinen Besser- oder Richtigwissenden mehr gibt, stattdessen lediglich Vertreter unterschiedlicher Sichtweisen und Lösungsvorstellungen. Dies bedeutet, dass das politisch-administrative System sich mit Aufgaben der Leitung und Koordination komplexer, dynamischer Systeme befassen muss, in denen heterogene Wissensformen und Ordnungsvorstellungen koexistieren und miteinander konkurrieren. Allerdings sind Planungs- und Beteiligungsverfahren (bzw. die dahinter stehenden Planungs- und Beteiligungskulturen) vor diesem Hintergrund als kritisch einzuschätzen: Denn erstens sind sie in einem relativ späten Phase im Planungszyklus verankert. Zweitens wird in ihnen die Idee der Beteiligung weitgehend auf Information über Vorhaben reduziert. Und drittens scheinen sie Vielfalt in den Sichtweisen und Auffassungen der Betroffenen eher zu behindern als zu befördern. In den letzten Jahren wurden jedoch vermehrt informelle Beteiligungsverfahren entwickelt und auch eingesetzt, in denen Planung als ein kommunikativer, argumentativer oder kooperativer Prozess zwischen heterogenen Akteuren verstanden wird.</p>
<p>                              <strong>Neue Impulse durch die E-Government-Bewegung</strong></p>
<p>Aufwind erhalten Bemühungen um eine Öffnung der Planungs- und Beteiligungsverfahren für die Interessen und Sichtweisen der bislang nur Planungsbetroffenen durch die Verbreitung des Internets. Die neuen Medien werden im Rahmen der eGovernment-Reformbewegung als Weichenstellung für eine Reformierung institutioneller Arrangements im politisch-administrativen System gedeutet und eingesetzt. Dabei geht es nicht um die Nutzung der neuen Medien um ihrer selbst willen, sondern um soziale Innovationen, das heißt mehr um Government als um Electronic. eGovernment meint deshalb auch nicht die Digitalisierung vorhandener Verwaltungsabläufe, sondern die Neu- und Umgestaltung von Verwaltungsprozessen auf der Basis neuer organisatorischer Spielräume, die sich durch die Einführung neuer Medien ergeben. Ebenso geht es bei der ePartizipation nicht um die Digitalisierung vorhandener Planungs- und Entscheidungsverfahren. Ziel ist es vielmehr, mit Hilfe neuer Medien neue Beteiligungsverfahren zu entwickeln und diese als Teil einer neuen Verwaltungs- und Entscheidungskultur zu etablieren: ePartizipation ist also die Suche nach innovativen Beteiligungsmöglichkeiten unter Rückgriff auf die Möglichkeiten internet-basierter IuK.</span>
                            </p>
<p>
                              <span class="normal"><br />
                                <strong>Weiter zum<br />
                                <a href="maerker_emediation_060406_2.shtml">zweiten Teil..</a></strong><br />
                              </span>
                            </p>
<p>
                              <span class="normal"><br />
                                <strong>Der Autor des Textes, Dr. Oliver Märker, ist Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für Autonome Intelligente Systeme und Mitarbeiter des Vereins Zebralog e.V. für medienübergreifende Dialoge.</p>
<p></strong><br />
                              </span>
                            </p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 06.04.2006</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Online-mediierte Verfahren in der Planung Teil II</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/egovernment-partizipation-maerker_emediation_060406_2-shtml-2898/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[omaerker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[E-Government]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtplanung]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Mediation]]></category>
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					<description><![CDATA[
                              Online-mediierte Verfahren – Heterogenität managen
                              
                            ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>                              <span class="normal">Online-mediierte Verfahren – Heterogenität managen<br />
                              <br /></span><br />
                            <!--break--><br />
                            <span class="normal"><br />
                            <br />So lassen sich in den letzten 5 Jahren neue Formen internet-basierter Bürgerbeteiligung beobachten, die etwa im Rahmen von Visions- und Leitbildprozessen (z.B. „<br />
                            <a href="http://wachsende-stadt.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wachsende Stadt Hamburg</a>“), Prozessen zu städtebaulichen Veränderungen und Stadtgestaltung (z.B. „<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/egovernment/bund/Alex.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interaktive Bürgerbeteiligung Alexanderplatz</a>“, „<br />
                            <a href="http://www.kulturforum-dialog.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kulturforum Berlin</a>“) und zur Verteilung von Ressourcen, Anlagen oder Einrichtungen (z.B. „Esslinger Haushalt im Dialog“; „<br />
                            <a href="http://www.buergerhaushalt-lichtenberg.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bürgerhaushalt Lichtenberg</a>“) durchgeführt werden. Der Gedanke der Beteiligung wird hier in Gestalt so genannter Online-Diskurse umgesetzt. Damit sind elektronisch unterstützte Foren angesprochen, die es vielen Teilnehmer ermöglichen, sich innerhalb eines definierten Zeitfensters (z.B. über 3 Wochen) zu einem ebenfalls festgelegten Thema zu äußern. Die Erstellung der Beiträge durch die Teilnehmer bzw. die Diskussionen werden zum einen durch Moderatoren betreut und zum anderen durch mediative Verfahrenselemente gesteuert. Es sind diskursiv gestaltete Beteiligungsverfahren mit mediativen Elementen. Diskursiv, weil versucht wird, den Austausch von Argumenten zu befördern. Mediativ, weil sie auf Prozesswissen aus der Mediation zur Verfahrensstrukturierung und Methoden zur Vermeidung, Deeskalation oder Vermittlung von Konflikten – die im Diskurskontext entstehen – zurückgreifen. Es sind also durch die Mediationstheorie und -praxis inspirierte, medienunterstützte Diskursverfahren, die auch als online-mediierte Verfahren bezeichnet werden können.</p>
<p>Die Analyse online-mediierter Verfahren hat gezeigt, wie anspruchsvoll diese Verfahren sind, um auf diese Weise mehr Teilnehmer an ein Planungsvorhaben heranzuführen und eine möglichst offene, durch unterschiedliche Perspektiven bereicherte Diskussion zu führen: Verfahrensplanung, Prozessstrukturierung, Anmoderation von Themen, Informationen über den Prozess, Gewährleistung von Fairness, Herausforderung von Argumentation, Strukturierung von Themen, Erstellung von Zusammenfassungen, technische Erläuterungen und Hilfemaßnahmen, Ermöglichung von Metakommunikation, oder Vermittlung bei Konflikteskalationen sind nur einige Aktivitäten, um produktive Diskurse zu unterstützen bzw. Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Beteiligungsangebotes von den Teilnehmern zu erhalten.</p>
<p>                            <strong>Öffnung der Planungs- und Entscheidungsprozesse<br />
                            <br /></strong><br />
                            <br />Zusätzlich zur Online-Moderation muss für alle Akteure deutlich erkennbar sein, wie online-mediierte Verfahren in Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebettet sind – in diesem Punkt unterscheiden sie sich in keiner Weise von „konventionellen Beteiligungsangeboten“. Ihre Funktion muss für alle Beteiligten erkennbar werden. Es muss klar sein, was mit den Ergebnissen geschieht. Die Entscheidungsträger sind also aufgefordert, erkennen zu geben, welche Relevanz für sie das Verfahren haben soll. Darüber hinaus können die folgenden (aus der Analyse der Beteiligungspraxis abgeleitete) Fragen Hinweise geben, welchen Stellenwert ein Verfahren im politisch-administrativen System hat: Gibt es eine eindeutige Ziel- und Funktionszuweisung für das Verfahren? Sind Schnittstellen zu laufenden Planungs- und Entscheidungsprozessen definiert worden? Sind personeller Ressourcen ausreichend verfügbar, um das Verfahren durchzuführen bzw. um Ergebnisse zu verarbeiten? Wird das Verfahren durch Öffentlichkeitsarbeit beworben? Gibt es eine Vereinbarung auf welche Weise Planung und Politik Feedback geben, ob, wie oder warum Ergebnisse (nicht) genutzt wurden? Und genau hier stoßen wir an Grenzen.</p>
<p>                            <strong>Planungs- und Beteiligungskultur auf die Probe gestellt<br />
                            <br /></strong><br />
                            <br />Auch wenn sich die Möglichkeiten der Unterstützung beteiligungsorientierter Foren für den Informationsaustausch zwischen Verwaltungen sowie Bürger/innen und anderen Akteuren enorme Fortschritte aufweisen. Auch wenn mit „online-mediierter Verfahren“ mittlerweile Verfahren vorliegen, mit deren Hilfe diese neuen Werkzeuge sinnvoll eingesetzt und dadurch konstruktive und ergebnisreiche Diskurse in der Planung ermöglicht werden. Sie sind immer der Gefahr ausgesetzt, dass Verwaltung und Politik sich nicht nachhaltig und transparent mit den Ergebnissen auseinandersetzen. Online-mediierte Verfahren sind daher paradoxer Weise Ausdruck einer kommunikativ orientierten Planungs- und Beteiligungskultur und gleichzeitig Indikator für Kräfte, bestehende Wissensmonopole aufrechtzuerhalten.</p>
<p>                            <strong>Weitere Entwicklungen<br />
                            <br /></strong><br />
                            <br />Vieles spricht dafür, dass Politik und Verwaltung ihre Planungs- und Entscheidungsprozesse auch in naher Zukunft nicht in Richtung diskursiver Verhandlung reformieren und damit für externe Akteure öffnen werden. Allerdings spricht einiges dafür, dass online-mediierte Verfahren auf dem den Kernzonen des politisch-administrativen Handelns vorgelagerten Feld der Außendarstellung und der Informationsbeschaffung eine wichtige Rolle spielen werden. Sie dienen dort als eine Legitimation beschaffendes und gleichzeitig effizient funktionierendes Verfahren für den Umgang mit heterogenem Wissen. Für die Bürger/innen würde eine Institutionalisierung solcher Verfahren bedeuten, dass zwar keine Möglichkeiten der direkten Einmischung in Planungs- und Entscheidungsprozesse bestehen (was auch aus Bürgersicht eine durchaus diskussionswürdige Option wäre), allerdings neue Möglichkeiten der Information über zukünftige Planungsprojekte und deren Diskussion gewonnen werden.<br />
                            <br />Der praktische Nutzen online-mediierter Verfahren für Verwaltung und Politik liegt (gegenwärtig) weniger darin, Bürger/innen in Planungs- und Entscheidungsprozesse zu integrieren, als vielmehr darin neue Möglichkeiten zu eröffnen, unterschiedliche Problemverständnisse nicht länger als Störfaktoren zu verstehen, sondern solches Wissen zu ermitteln und als produktive Ressource für intern abzuarbeitende Planungs- und Entscheidungsprozesse zu nutzen. Es geht also vorrangig um eine Steigerung der Informationsgewinnungs- und -verarbeitungskapazitäten und damit der Lernfähigkeit politisch-administrativer Einrichtungen. Und damit um Verfahren, die über die Raumplanung hinaus auch für die Beteiligung auf Länder- und Bundesebene (eParlament) interessant sind, um neben den „Expertenwissen“ auch das Wissen der Bürger/innen zu nutzen und in Wert zu setzen.</span>
                          </p>
<p>
                            <span class="normal"><br />
                              <strong>Zurück zum<br />
                              <a href="maerker_emediation_060406_1.shtml">ersten Teil..</a></strong><br />
                            </span>
                          </p>
<p>
                            <span class="normal"><br />
                              <strong>Der Autor des Textes, Dr. Oliver Märker, ist Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für Autonome Intelligente Systeme und Mitarbeiter des Vereins Zebralog e.V. für medienübergreifende Dialoge.</p>
<p></strong><br />
                            </span>
                          </p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 06.04.2006</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Du bist Haushälter</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/neuwahlen-zum-bundestag-2005/wahlkampfbundestagswahl05derhaushaelter050915-shtml-2598/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Sep 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuwahlen zum Bundestag 2005]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[politische Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeshaushalt]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Simulation]]></category>
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					<description><![CDATA[Bestimmung der Steuersätze]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bestimmung der Steuersätze<!--break--><br />
                            <strong>Ein Bewusstsein für die ökonomischen Probleme des Staates zu schaffen und der Bevölkerung die Funktionsweise des bundesdeutschen Haushalts auf möglichst einfache Art näher zu bringen ist das Ziel der Online-Simulation<br />
                            <a href="http://www.derhaushaelter.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">derhaushaelter.de</a>.</strong></p>
<p>Der Haushälter ist ein interaktiver Regierungsmanager in dem jedermann in die Rolle von Bundesfinanzminister Hans Eichel schlüpfen kann. Um darzustellen, wie die Probleme der Bundesfinanzen gelagert sind, entstand mit dem Projekt<br />
                            <a href="http://www.derhaushaelter.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">derhaushaelter.de</a>, eine Simulation des Bundeshaushaltes, in dem die Nutzer die Positionen Einnahmen, Subventionen und Ausgaben interaktiv verändern können. Im Fokus stehen dabei diejenigen Positionen, die einerseits einen hohen Anteil am derzeitigen Bundeshaushalt ausmachen und andererseits der breiten Bevölkerung bekannt sind. Die Simulation basiert dabei auf den Zahlen des Bundestagshaushalt 2003 und stammen vom Statistischen Bundesamt.</p>
<p>
                              <strong>Bestimmung der Steuersätze</strong>
                            </p>
<p>Im ersten Schritt können die Steuersätze für Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer, Solidaritätszuschlag und Tabaksteuer in bestimmten Grenzen gewählt werden, begrenzt durch die minimal und maximal auftretenden Werte in der Europäischen Union. Aus diesen vier Steuern setzen sich die Einnahmen des virtuellen Bundeshaushaltes zusammen.</p>
<p>
                              <strong>Subventionen rauf oder runter?</strong>
                            </p>
<p>In einem zweiten Schritt werden die Mittel für Subventionen festgelegt. Eigenheimzulage, die Bergbau-Subventionen und die Steuerfreiheit für Feiertags- und Nachtarbeit können erhöht oder gekürzt werden.</p>
<p>
                              <strong>Wer bekommt wie viel?</strong>
                            </p>
<p>Im letzten Schritt erfolgt die Bestimmung der Bundesausgaben. Wie auch schon zuvor, bekommt der Teilnehmer zum besseren Verständnis die Werte der Teilbereiche von 2003 vorgelegt. Mittels acht unterschiedlichen Größen, z.B. Bildung, Verteidigung und Arbeitslosenhilfe, kann der Teilnehmer die Gesamtausgaben verändern.</p>
<p>Das Ergebnis fällt je nach Verteilung der Einnahmen und Ausgaben unterschiedlich aus, so erhält der Nutzer eine Information ob er einen Überschuss erwirtschaftet hat oder sogar Kredite aufnehmen muss. Zusätzlich kann sich der Teilnehmer im Glossar über alle im Haushälter verwendeten Steuern und Subventionen informieren.</p>
<p>Zwar macht es bereits Spaß, seinen eigenen Bundeshaushalt zu verwalten, doch noch interessanter ist es, seine Vorstellungen über eine “richtige” Verteilung mit den Werten der anderen Teilnehmer zu vergleichen. Deswegen werden im Bereich Statistik alle Eingaben sämtlicher Teilnehmer in kumulierter Form mittels Balkendiagrammen dargestellt.</p>
<p>Die Ziele des Haushälters sind dabei nicht nur den Menschen einen besseren Einblick in die Politik zu geben, sondern auch auf die schwierige Haushaltslage in Deutschland aufmerksam zu machen. So wird jeder Anwender feststellen, dass ohne Steuererhöhungen, Subventionskürzungen und Ausgabenkürzungen ein ausgeglichener Haushalt überaus schwierig zu realisieren ist. Auf die ständige Anzeige des Gesamthaushaltes wurde verzichtet, um so einen AHA-Effekt bei der Ergebnisdarstellung zu erzielen. Bislang haben drei Viertel aller Nutzer eine Unterdeckung des Haushaltes erzielt. Es ist demnach sehr schwer einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Dieses Vorhaben unterstreicht auch das Resultat der Statistik “Gesamtergebnis”.</p>
<p>Mit der zusätzlich aufgezeichneten Zeit, die der jeweilige Nutzer benötigt um den Haushälter von Anfang bis Ende durch zu spielen, wird außerdem die Erhöhung der Gesamtschuld ausgerechnet und im Ergebnis präsentiert. Dies soll zusätzlich das Thema der hohen und wachsenden Staatsverschuldung anschneiden.</p>
<p>„Wir denken, dass nur gemeinsam dieses Problem gelöst werden kann. Damit sind nicht nur die Steuerzahler gemeint, sondern auch Verbände, Gewerkschaften, Arbeitgeber und nicht zuletzt die Politik selbst“ erklärt Sebastian Solzbacher, Mitinitiator des Projekts und bedauert, dass das Thema der hohen Staatsverschuldung in der politischen Diskussion aktuell keine große Rolle spielt. Er fordert: „Dies muss sich ändern. Wir selbst gehören keiner Partei an. Unsere Kritik richtet sich an die gesamte Parteienlandschaft in Deutschland“.</p>
<p>Die Teilnahme lohnt sich, da es nicht zuletzt auch ein bisschen Spaß macht und einen Beitrag zur eigenen politischen Aufklärung leistet.</p>
<p>
                            <br />
                            <strong>Der Autor Philipp Kehler ist Mitinitiator des Projektes der Haushälter</strong>.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ich habe Gestaltungsehrgeiz und möchte in einer Regierungsfraktion weiterarbeiten&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotich_habe_gestaltungsehrgeiz_und_moechte_in_einer_regierungsfraktion_weiterarbeitenquot-174/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Sep 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Joachim Poß]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Joachim Poß, stellv. Vorsitzender 
der SPD-Bundestagsfraktion zuständig für die Bereiche 
Finanzen und Haushalt, war am 5. September zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Das Steuermodell 
von Paul Kirchhof, die Finanzierungskonzepte der SPD und soziale 
Gerechtigkeit waren die zentralen Themen.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Joachim Poß, stellv. Vorsitzender<br />
der SPD-Bundestagsfraktion zuständig für die Bereiche<br />
Finanzen und Haushalt, war am 5. September zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Das Steuermodell<br />
von Paul Kirchhof, die Finanzierungskonzepte der SPD und soziale<br />
Gerechtigkeit waren die zentralen Themen.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Duell-Liebhaber,<br />
liebe Politik-Interessierte, 14 Stunden nach dem TV-Duell herzlich<br />
Willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe ist ein Format<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Heute ist der SPD-Vizefraktionschef Joachim<br />
Poß ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herzlich willkommen,<br />
können wir beginnen?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ja.</p>
<p><b>Gleimstr:</b> Noch mal Duell: Sie haben noch 14 Tage<br />
Wahlkampf vor sich. Der Abstand SPD-CDU schmilzt &#8211; kann man von<br />
einer weiteren Verschärfung des Wahlkampfes ausgehen?<br />
<b><br />
Joachim Poß:</b> Ich habe die Hoffnung, dass es in den<br />
nächsten Tagen gelingt, auf die zentralen Inhalte dieser politischen<br />
Richtungs-entscheidung zu sprechen zu kommen und damit die Alternativen<br />
zu verdeutlichen. Wir werden uns sehr kritisch mit Frau Merkels<br />
Lockvogel-Angebot Herrn Kirchhof auseinandersetzen, denn wenn man<br />
das Produkt Kirchhof bestellt und sich dafür entscheidet, kann<br />
es bekanntlich nicht geliefert werden, weil CDU/CSU ein gänzlich<br />
anderes Konzept haben. Insbesondere muss Herr Kirchhof jetzt seine<br />
sog. 418 Ausnahmetatbestände der Öffentlichkeit bekannt<br />
machen, damit sich die Wählerinnen und Wähler ein reelles<br />
Bild machen können von dieser Kopfsteueridee, die den Verfassungsgrundsatz<br />
der Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit verletzt.<br />
Ein weiteres spannendes Thema wird sicherlich die sog. Kopfpauschale<br />
und deren Finanzierbarkeit werden.</p>
<p><b>kauderwelsch:</b> Ist es nicht egal, wie viele Ausnahmen<br />
Herr Kirchhof identifiziert hat? Sie wollen ihm doch nur einen Fehler<br />
beim Zählen nachweisen.
</p>
<p>
<b>Joachim Poß:</b> Das ist nicht der Fall, aber<br />
ich bin definitiv der Meinung, dass die Finanzminister aller Länder<br />
und aller Parteifarben im letzten Frühjahr formuliert haben,<br />
dass dieses Konzept ungerecht und mit 43 Milliarden Steuerausfällen<br />
im ersten Jahr auch unfinanzierbar ist.</p>
<p><b>Balduin:</b> Herr Merz hat in der „Zeit“<br />
gesagt, dass Kirchhof&#8217;sche Modell ist durchaus gerecht, weil durch<br />
die hohen Bemessungsgrenzen auch kleine Einkommen entlastet werden.<br />
Warum also immer diese Verschleierungspolemik der SPD?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ich teile die Auffassung der<br />
CSU-Minister Huber, Faltlhauser und der CDU-Ministerpräsidenten<br />
Müller und Wulff, die ebenso wie ich die Auffassung geäußert<br />
haben, dass sie im Kirchhof-Konzept eine Verletzung des Verfassungsgebotes<br />
der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit<br />
sehen.</p>
<p><b>prenzlau:</b> Warum setzen Sie sich immer nur mit den<br />
Ansätzen des Gegners auseinander, statt die eigenen Konzepte<br />
in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung zu stellen, wenn sie so<br />
gut sind?<br />
Warum sprechen die SPD und der Bundeskanzler immer nur von der Fortsetzung<br />
der eingeschlagenen Politik, sagen aber nichts über die nächsten<br />
geplanten Schritte in den kommenden &#8211; sagen wir &#8211; 24 Monaten?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Wir haben in den letzten Jahren<br />
die Geringverdiener, die Durchschnittsverdiener, die Familien mit<br />
Kindern und den wirtschaftlichen Mittelstand mit knapp 60 Milliarden<br />
Euro entlastet &#8211; nachzulesen unter www.mehr-netto-fuer-alle.de.<br />
Für den Mittelstand haben wir die Abzugsfähigkeit der<br />
Gewerbesteuer von der Einkommenssteuerschuld durchgesetzt. Das ist<br />
das größte Steuerentlastungsprogramm der Nachkriegszeit,<br />
das wir fortsetzten werden mit einer umfassenden Unternehmenssteuerreform<br />
(siehe Wahlmanifest der SPD). Darüber hinaus gibt es ab 2006<br />
die elektronische Lohnsteuerbescheinigung und jetzt schon in vielen<br />
Finanzämtern die Arbeiternehmerkurzveranlagung. D.h. auf dem<br />
Felde der Vereinfachung hat sich auch einiges getan, worüber<br />
Herr Kirchhof offenkundig nicht informiert ist. Weitere Steuersenkungen<br />
verkraften die Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen nicht.<br />
Denn schließlich müssen wir auch in den nächsten<br />
Jahren die Zukunftsaufgaben Forschung, Bildung und Kinderbetreuung<br />
finanzieren.</p>
<p><b>Moderator:</b> Fanpost:</p>
<p><b>SebastianBuggle:</b> Hallo Herr Poß! Ich unterstütze<br />
Sie und die SPD, da ich selbst Juso bin und ich denke, dass sich<br />
das Blatt wenden wird und die Menschen die Reformen verstehen.</p>
<p><b>runciter:</b> Die Ausnahmen im Steuerrecht müssen<br />
doch weg! Herr Kirchhof will das anpacken. Rot-Grün hat dies<br />
nicht getan! <br />
Joachim Poß: Wir haben bereits 1999 70 Ausnahmetatbestände<br />
abgeschafft. Inzwischen zahlen Einkommensmillionäre &#8211; anders<br />
als in der Kohl-Ära &#8211; wieder Steuern. Und leider hat die CDU/CSU<br />
in den letzten Jahren im Bundesrat die Abschaffung der Eigenheimzulage,<br />
die Besteuerung der privaten Veräußerungsgewinne (Immobilien,<br />
Wertpapiere) ebenso blockiert, wie die Abschaffung der steuersparenden<br />
Anlagemodelle (Medien- Windkraft und sonstigen Fonds). Leider ist<br />
das wohl der breiteren Öffentlichkeit verborgen geblieben.</p>
<p><b>Moderator: </b>Es ist eine Frage mit Voraussetzung<br />
&#8211; sollten Sie an einer Regierung beteiligt sein: <br />
Janine: Wie wollen Sie ohne eine Mehrwertsteuererhöhung das<br />
Haushaltsdefizit verringern?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Unser Gesetz zum Abbau von Steuervergünstigungen<br />
wurde leider &#8211; wie bereits erwähnt &#8211; von der CDU/CSU im Bundesrat<br />
blockiert. Bei einem erneuten Wahlsieg der SPD-geführten Bundesregierung<br />
könnten die CDU-geführten Länder diese Blockade wegen<br />
der Finanzprobleme in den Länderhaushalten nicht mehr aufrechterhalten.<br />
Dadurch stünden Bund, Ländern und Kommunen rund 17 Milliarden<br />
Euro mehr zur Verfügung. Darüber hinaus bedarf es eines<br />
Finanzpaktes für Deutschland, also einer Vereinbarung von Bund<br />
und Ländern über die zukünftige Konsolidierungsstrategie,<br />
denn es geht um den öffentlichen Gesamthaushalt, nicht nur<br />
um den Bundeshaushalt.</p>
<p><b>Moderator: </b>Wieso sollten die CDU-Länder ihre<br />
Haltung ändern? Nur weil die SPD wieder an einer Regierung<br />
beteiligt ist &#8211; hoffen Sie auf den &quot;öffentlichen Druck&quot;?</p>
<p><b>Joachim Poß: </b>Ich setze auf die objektive<br />
Situation, dass insgesamt elf Länder sich in der Nähe<br />
verfassungswidriger Haushalte bewegen. Die Parteipolitik wird in<br />
einer solchen Situation zurücktreten. Die Ministerpräsidenten<br />
der CDU würden Frau Merkel nicht mehr so wie in den letzten<br />
Jahren folgen, um die Koalition von SPD und Grünen wie bisher<br />
in den Schwitzkasten zu nehmen.</p>
<p><b>Pmu2005:</b> Sie reden andauernd über Blockade,<br />
dieses Verhalten hat die SPD doch in der Kohl-Zeit mit Bravour vorgelebt<br />
und die von G. Uldall vorgeschlagene Steuerreform permanent aus<br />
parteitaktischen Gründen verhindert.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Es stand das Konzept von Herrn<br />
Uldall niemals zur Entscheidung im Bundestag oder Bundesrat an,<br />
es ging um das Konzept von Herrn Waigel, dessen Realisierung die<br />
öffentlichen Haushalte in der damaligen Situation zwischen<br />
30 und 40 Milliarden DM gekosten hätten. Aus diesem Grunde<br />
haben die SPD-geführten Länder &#8211; zur klammheimlichen Freude<br />
der CDU-Finanzminister &#8211; diese Pläne abgelehnt.</p>
<p><b>Usedom:</b> Werter Herr Poß, bei der gegenwärtigen<br />
Konstellation in Bundestag und Bundesrat hätte doch nur eine<br />
große Koalition Sinn. Oder das Feld wird voll der CDU/CSU<br />
überlassen.</p>
<p><b>gelb gruen: </b>Herr Poß, das Beste was bei der<br />
Debatte gestern für Ihre Partei hätte herauskommen können,<br />
wäre eine große Koalition. Aber wäre Ihnen die Opposition<br />
nicht viel lieber? Da wären Sie bei weiteren Sozialreformen<br />
außen vor.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Die Entscheidung über künftige<br />
Konstellationen liegt ausschließlich bei den Wählerinnen<br />
und Wählern und nicht bei Parteistrategen oder spekulierenden<br />
Journalisten. Deshalb gebietet es der demokratische Anstand, diese<br />
Entscheidung auch abzuwarten. Was mich betrifft, ich habe Gestaltungsehrgeiz<br />
und möchte in einer Regierungsfraktion so wie bisher weiterarbeiten.<br />
Darum kämpfen wir.</p>
<p><b>Moderator:</b> Ok, spekulierende Journalisten haben<br />
aber auch Realitätssinn. Rot-Grün als Regierung ist die<br />
unrealistischste Variante. Schlägt Ihr Herz doch ein bisschen<br />
für die Große Koalition &#8211; höre ich das heraus?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ich war immer Anhänger<br />
einer Koalition mit den Grünen, weil offenkundig die politische<br />
Schnittmenge mit dieser Partei am größten ist und im<br />
Übrigen hat sich die CDU/CSU vom Konzept der Sozialen Marktwirtschaft<br />
so weit entfernt, dass nach meiner Erfahrung und Erlebnissen im<br />
Wahlkampf, sozial denkende CDU-Wähler zunehmend ins Grübeln<br />
kommen. Ich will also eine Koalition mit den sozial denkenden Wählern<br />
der CDU, nicht mit der CDU/CSU unter Frau Merkel.</p>
<p><b>SPY:</b> Herr Poß, können Sie mir erklären<br />
wie der Bundeskanzler davon ausgeht, die Wahl zu gewinnen und gleichzeitig<br />
ROT-ROT-GRÜN ausschließt?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Der Bundeskanzler strebt wie<br />
ich die Fortsetzung der jetzigen Koalition an. Eine Koalition mit<br />
der PDS. Die Linke mit Lafontaine ist aus außen-, innen- und<br />
wirtschaftspolitischen Gründen nicht möglich. Wer den<br />
Menschen 250 Euro Kindergeld, einen Mindestlohn von 1400 Euro u.ä.<br />
verspricht, führt die Wählerinnen und Wähler in verantwortungsloser<br />
Weise hinters Licht.<br />
Diese Gruppierung bewegt sich außerhalb der ökonomischen,<br />
sozialen und finanziellen Realität der BRD.<br />
<b><br />
CSc:</b> War es zu früh, die Neuwahl anzugehen, angesichts<br />
der sich erst jetzt einstellenden Erfolge der Rot-Grünen Reformen?<br />
Moderator: &#8230; gehen wir mal davon aus, dass es so ist, dass sich<br />
die Erfolge jetzt zeigen.</p>
<p><b>Joachim Poß: </b>Zumindest ist festzustellen,<br />
dass die Veränderungen der letzten Jahre jetzt langsam zu greifen<br />
beginnen. Seit April nimmt die Zahl der sozialversicherungspflichtigen<br />
Arbeitsplätze Tag für Tag um 1500 zu, wir haben erhebliche<br />
Erfolge bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und sehen<br />
auch Erfolge z.B. beim zunehmenden Universitätsbesuch bei Kindern<br />
aus Arbeiterfamilien. D.h. wir sind auf dem Wege und mit dem Kurs<br />
der Erneuerung in sozialer Verantwortung zunehmend erfolgreich und<br />
setzen deshalb in der Tat auf die große Zahl der bis jetzt<br />
noch unentschiedenen Wählerinnen und Wähler.</p>
<p><b>Moderator:</b> Ein großer Aufschwung ist allerdings<br />
nicht in Sicht. Die Frage war daher ja auch:<br />
<b><br />
rafsandjani:</b> Ja, aber warum lassen Sie dann jetzt neu wählen??</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Nach einer Reihe bitterer Niederlagen<br />
für meine Partei haben der Bundeskanzler und der SPD-Vorsitzende<br />
Müntefering mit guten Gründen die Neuwahlen vorgeschlagen,<br />
damit die gesamte deutsche Wählerschaft über diesen Kurs<br />
der Erneuerung in sozialer Verantwortung abstimmen kann. Ansonsten<br />
wäre zu befürchten gewesen, dass Frau Merkel, Herr Stoiber<br />
und andere ihre unverantwortlichen taktischen Spielchen unvermindert<br />
fortgesetzt hätten.</p>
<p><b>Moderator: </b>Welche Rolle spielt das TV-Duell? Hat<br />
das einen entscheidenden Vorteil für die SPD gebracht?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ich bin ja nicht unvoreingenommen,<br />
aber die Zahlen im Hinblick auf die unentschiedenen Wähler<br />
sprechen doch eine viel deutlichere Sprache zugunsten des Bundeskanzlers<br />
und der SPD, als dies in den Kommentaren am gestrigen Fernsehabend<br />
zum Ausdruck kam. Da haben sich viele Meinungsmacher geäußert,<br />
die ihre Meinung über den Wahlausgang schon vor Monaten festgelegt<br />
hatten. Ich setze da auf die kritischen, aber auch mündigen<br />
Wählerinnen und Wähler.</p>
<p><b>Balduin:</b> Herr Poß, hat sich Schröder<br />
nicht im Grunde vom Volk das Misstrauen aussprechen lassen? Warum<br />
meint er, es jetzt zu bekommen, wo sich offenbar auch personell<br />
nichts bei der SPD  verändert hat?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Es geht hier nicht um personelle<br />
Veränderung, sondern um den Kurs der Regierungspolitik, d.h.<br />
also, um die Weichenstellungen, die notwendig sind, um auch unseren<br />
Kindern und Enkeln noch die Chance eines Lebens im Wohlstand zu<br />
eröffnen. Dabei ist die SPD die einzige Partei, die für<br />
Wohlstandssicherung und soziale Gerechtigkeit steht. Das Wort soziale<br />
Gerechtigkeit kommt z.B. im Programm der CDU nicht ein einziges<br />
Mal vor.</p>
<p><b>presse: </b>Wer, außer Ihnen, könnte denn<br />
als Fachmann in Steuerfragen in der SPD oder bei den Grünen<br />
gelten? Haben Sie einen gleichrangigen Experten wie Herrn Kirchhof<br />
aufzuweisen?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Wir sind Politiker und bedienen<br />
uns der Experten und sind damit auch offen für sog. Expertenvorschläge.<br />
Die Vorschläge von Herrn Kirchhof sind allerdings nach Meinung<br />
der ganz großen Zahl der Steuerpraktiker in Bund und Ländern<br />
und selbst der Finanzwissenschaftler, also Kirchhofs Kollegen, nicht<br />
realitätstüchtig und zudem ungerecht und unfinanzierbar.<br />
<b><br />
Paradoxon:</b> Woher soll ich als Bürger die Kompetenz<br />
eines Fachmanns wirklich beurteilen können? Lächerlich<br />
dieser Personenwahlkampf.</p>
<p><b>Moderator: </b>Ihre Meinung dazu?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Diese Bemerkung kann ich verstehen.<br />
Ich würde Herrn Kirchhof nicht die Kompetenz als Steuerjurist<br />
absprechen, aber für die Führung eines Ministeriums halte<br />
ich ihn für gänzlich ungeeignet. Ansonsten &#8211; wie erwähnt<br />
&#8211; Herr Kirchhof ist Frau Merkels Lockvogel-Angebot und muss bei<br />
einfachsten Fragen, wie der nach seiner 418-Punkteliste, passen.</p>
<p><b>Moderator:</b> Die nächste Bundesregierung ist<br />
wohl nicht mehr SPD-geführt, die nächste SPD-Bundestagsfraktion<br />
gibt es dann schon. Werden Sie sie leiten? Müntefering hat<br />
sich nur für den SPD-Vorsitz fest entschieden.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ich werde alles tun, damit sich<br />
ihre Spekulation, was das Wahlergebnis angeht,  nicht bewahrheitet<br />
und halte es für sehr ärgerlich, wenn einzelne Sozialdemokraten,<br />
meist anonym zitiert, in den Medien Personalspekulationen betreiben.<br />
Ich beteilige mich nicht daran.</p>
<p><b>chaetto: </b>Herr Poß, sie sprachen davon, dass<br />
bei der CDU die Worte soziale Gerechtigkeit nicht vorkämen.<br />
Wenn man sich die Wahlumfragen in Bezug auf die Linkspartei ansieht,<br />
scheinen sie als SPD ein Problem damit zu haben, diese Gerechtigkeit<br />
zu vermitteln. Können Sie mir eventuell erklären, was<br />
sie und die SPD unter sozialer Gerechtigkeit verstehen? Hartz I-IV,<br />
10 Euro Praxisgebühr auch für die Ärmsten vielleicht?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Die Praxisgebühr hatte<br />
Frau Merkel leider zur Bedingung für den notwendigen Kompromiss<br />
in der Gesundheitspolitik gemacht. Das ist keine sozialdemokratische<br />
Erfindung. Wir wollten eine Umsteuerung mit einem Hausarztsystem<br />
und die Abschaffung der kassenärztlichen Vereinigungen etc.<br />
Das alles konnten wir leider nicht durchsetzen. Die Umsteuerung<br />
in der Arbeitsmarktpolitik, um Hunderttausenden Sozialhilfeempfängern,<br />
darunter viele Jugendliche, neue Lebenschancen zu geben, war dringend<br />
erforderlich  und &#8211; das lehrt uns der Blick z.B. nach Skandinavien<br />
&#8211; längst überfällig. Leider sind die Umstellungsschwierigkeiten<br />
größer als erwartet. Mit diesen Maßnahmen werden<br />
wir jedenfalls dem Sozialstaatsgebot eher gerecht, als mit radikalen<br />
Sprüchen à la Lafontaine und Gysi, von denen die Arbeitslosen<br />
nichts haben.</p>
<p><b>Michael B:</b> Wie wollen Sie sich in den verbleibenden<br />
Tagen die Stimmen derer sichern, die zurzeit zur Linkspartei tendieren?<br />
Moderator: Kommt noch eine Überraschung von der SPD &#8211; und Schröder?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Es geht um das beharrliche Werben<br />
für den von mir beschriebenen Weg der praktischen Vernunft<br />
und ich setze darauf, dass sich noch viele überlegen werden,<br />
ob sie sich tatsächlich für die PDS.DieLinke entscheiden<br />
sollen. Die Spitzenvertreter der PDS haben in den letzten Wochen<br />
mehrfach eindeutig erklärt, dass sie sich einer Regierungsverantwortung<br />
auf keinen Fall stellen wollen.</p>
<p><b>trichers:</b> Herr Poß, warum halten Sie eisern<br />
am Kündigungsschutz fest? Viele Mittelständler stellen<br />
hier in Baden-Württemberg weniger Leute ein, weil sie die Leute<br />
nicht mehr loskriegen.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> In den letzten Jahren haben<br />
wir mehrfach gesetzliche Flexibilisierungen vorgenommen, die die<br />
befristete Beschäftigung von Arbeitnehmer, zumal von denen<br />
über 50 Jahren, erleichtern. Für die schwierige Situation<br />
in der Binnenwirtschaft kann es meines Erachtens nicht nützlich<br />
sein, die sowieso schon vorhandene Unsicherheit der Menschen, durch<br />
den Abbau von Arbeitnehmerrechten noch weiter zu erhöhen.</p>
<p><b>Legoland:</b> Was wird aus Schröder, wenn er die<br />
Wahl verliert? Jetzt bitte nicht: &quot;Er wird nicht verlieren&quot;.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Legoland sollte eigentlich aus<br />
dem bisherigen Chat gelernt haben, dass ich nicht zu den politischen<br />
Spekulanten gehöre.</p>
<p><b>Moderator:</b> Das war unsere Chat-Stunde, vielen Dank<br />
für Ihr Interes se. Herzlichen Dank Herr Poß, dass Sie<br />
sich die Zeit genommen haben. Der nächste Chat findet morgen<br />
statt. Den Fragen stellt sich dann der Grünen-Chef Reinhard<br />
Bütikofer. Der Chat beginnt um 13:00 Uhr und dauert wie immer<br />
eine Stunde.<br />
Liebe Chatter und Chatterinnen, herzlichen Dank für Ihre vielen<br />
Fragen. Leider konnten wieder einmal nicht alle gestellt und beantwortet<br />
werden. Wir bemühen uns, alle von Ihnen angesprochenen Themenfelder<br />
im Lauf der Chats anzusprechen, aber auch heute blieben viele Fragen<br />
offen. <br />
Wir würden uns freuen, wenn Sie auch beim nächsten Mal<br />
wieder dabei sind!<br />
Morgen: Reinhard Bütikofer, 13:00 bis 14:00 Uhr, hier bei tagesschau.de<br />
in Kooperation mit politik-digital.de und tagesspiegel.de.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Carl Ludwig Thiele über Finanzpolitik</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/carl_ludwig_thiele_ueber_finanzpolitik-249/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/carl_ludwig_thiele_ueber_finanzpolitik-249/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Feb 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Ludwig Thiele]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Donnerstag, 24. Februar, war Carl Ludwig Thiele, FDP, stellv. 
Vorsitzender des Finanzauschusses des Bundestages, von 13.00 bis 
14.00 Uhr zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de.&#34;Die Regierung will durch eine Neuinterpretation 
die Kriterien des Stabilitätspaktes aushebeln&#34;, erklärte 
er im Gespräch mit den Teilnehmern.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, 24. Februar, war Carl Ludwig Thiele, FDP, stellv.<br />
Vorsitzender des Finanzauschusses des Bundestages, von 13.00 bis<br />
14.00 Uhr zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de.&quot;Die Regierung will durch eine Neuinterpretation<br />
die Kriterien des Stabilitätspaktes aushebeln&quot;, erklärte<br />
er im Gespräch mit den Teilnehmern.<!--break--></p>
<p class="normal">
<span class="fett">Moderatorin:</span> Liebe Chatter<br />
und Chatterinnen, unser heutiger Gast wird sich vermutlich um einige<br />
Minuten verspäten, so dass wir diesen Chat nicht ganz pünktlich<br />
beginnen werden können. Wir erwarten Herr Thiele aber in den<br />
nächsten Minuten&#8230; Über die zugeschaltete Webcam können<br />
Sie verfolgen, ob er bereits Platz genommen hat. Sie können<br />
auch bereits Ihre Fragen formulieren und an die Moderatoren schicken.</p>
<p><span class="fett">Moderatorin:</span>  So, jetzt sehe ich<br />
ein Taxi vor dem Hauptstadtstudio vorfahren. Ich hoffe mal, dass<br />
unser Gast darin saß. Leider war das Taxi doch noch nicht<br />
das richtige, vermutlich ist er in ein unvorhergesehenes Gespräch<br />
verwickelt worden. Das ARD-Hauptstadtstudio, von wo aus wir diesen<br />
Chat durchführen, ist ihm sicherlich bekannt und allzu weit<br />
vom Reichstag ist es auch nicht entfernt, hier ist alles fußläufig<br />
zu erreichen. <br />
Wir hören gerade, dass Herr Thiele in den nächsten zwei<br />
Minuten eintreffen wird. Also hat das Warten Sinn gehabt er ist<br />
jetzt auf dem Weg hierher und kommt zu Fuß. Der Referent wird<br />
ihn schnurstracks hier in den Konferenzraum 4 des ARD-Hauptstadtstudios<br />
geleiten. Jetzt hoffe ich nur, dass der Gehweg nicht ganz so glatt<br />
ist wie vorhin das bremst die Schritte nämlich noch ein wenig.</p>
<p><span class="fett">Moderatorin:</span> Überraschung, Herr Thiele<br />
ist gerade eingetroffen: Wir können also anfangen. Herr Thiele,<br />
herzlich willkommen. Warum haben Sie denn so lange auf sich warten<br />
lassen?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Es war gerade eine<br />
Debatte im deutschen Bundestag über das Wachstums- und Stabilitätsprogramm.<br />
Deutschland hatte durchgesetzt, dass der Euro so stabil sein soll<br />
wie die D-Mark. Deshalb ist international vereinbart worden, dass<br />
die Staaten sich nicht höher als 3% dessen was erwirtschaftet<br />
wird, neu verschulden dürfen und der Schuldenstand soll nicht<br />
höher als 60% des BIP sein. In den letzten Jahren ist das 3%-Kriterium<br />
dauernd überschritten worden, der Schuldenstand ist von 58<br />
auf 66 % gestiegen. Die Bundesregierung will durch eine Neuinterpretation<br />
diese Kriterien aushebeln.
</p>
<p>
<span class="fett">feitstanz:</span> Herr Thiele, sie wollen die<br />
Unternehmenssteuern weiter senken. Aber zeigt die Deutsche Bank<br />
nicht gerade, dass damit nicht Arbeitsplätze sondern höchstens<br />
Aktionärsvillen geschaffen werden?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Wir befinden uns<br />
bezüglich Investitionen und Arbeitsplätzen im internationalen<br />
Wettbewerb. Andere europäische Mitbewerberländer haben<br />
die Unternehmenssteuer in den vergangenen Jahren gesenkt. Österreich<br />
auf 25%. Wenn wir dem tatenlos zusehen, werden weitere Arbeitsplätze<br />
durch Investitionen in andere Länder abwandern. Täglich<br />
verlieren wir in Deutschland mehr als 1000 Arbeitsplätze. Das<br />
Verhalten der Deutschen Bank war auch kommunikativ nicht nachvollziehbar.
</p>
<p>
<span class="fett">Manni:</span> Hallo Hr. Thiele, sind Sie / die<br />
FDP für eine Reform der Einkommensbesteuerung von Gewinnen<br />
aus Personengesellschaften?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Ja. Wir sind die<br />
einzige Partei, die ein ausformulierten Gesetzesentwurf vorliegen<br />
hat. Ausnahmen müssen gestrichen, das Steuerrecht muss vereinfacht<br />
und die Steuersätze gesenkt werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Newcomer:</span> Sind sie für die Beibehaltung<br />
der 3% Grenze bei der Neuverschuldung?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Ja. Es ist nicht<br />
zu akzeptieren, wenn man Reformbedarf in der Gegenwart ausweicht,<br />
und sich über 3% neu verschuldet, wie dieses in den letzten<br />
3 Jahren erfolgt ist. Die Schulden von heute sind die Steuererhöhungen<br />
von morgen. Eine nachhaltige Finanzpolitik setzt voraus, dass die<br />
Probleme in der Gegenwart gelöst und nicht auf die Zukunft<br />
verschoben werden.
</p>
<p>
<span class="fett">demos:</span> Die Steuerpläne der FDP beruhen<br />
auf der Einsicht, dass wir Bürger mit unserem Geld besser umgehen<br />
können, als dies der Staat kann. Dennoch gibt es großen<br />
Widerstand. Sind die Deutschen nicht zur Eigenverantwortlichkeit<br />
fähig?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Ich wünsche<br />
mir mehr Eigenverantwortlichkeit. Auch die Bürger haben zu<br />
Beginn des Jahres in einer beispiellosen Spendenaktion gezeigt,<br />
dass auch sie eigenverantwortlich dazu beitragen, Not zu lindern<br />
und anderen Menschen zu helfen. Die Staaten, die Hilfe geben, haben<br />
vorher ihren Bürgern das Geld abgenommen damit die Staaten<br />
helfen können. Bürgersinn und Engagement des Einzelnen<br />
sind aber auch durch den Staat nicht zu ersetzen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Kommen wir zur aktuellen<br />
Diskussion: Es gibt einen deftigen Streit zwischen Wirtschaftsminister<br />
Clement und Finanzminister Eichel über den richtigen Kurs in<br />
der Steuerpolitik. Clement hat Eichel eine falsche Strategie vorgeworfen<br />
und erklärt: &quot;Wir machen eine fiskalische Steuerpolitik<br />
und keine wirtschaftpolitische.&quot; Die Frage an den Finanzexperten:<br />
Was wäre denn nun besser für unser Land?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Erst mal ist es besser,<br />
wenn eine Regierung Konzepte vorlegt, anstatt Diskussionen zu verhindern.<br />
Insofern stimmen wir der Forderung von Minister Clement für<br />
die FDP ausdrücklich zu. Die Wirklichkeit besteht allerdings<br />
darin, dass der zuständige Finanzminister Eichel hiervon nichts<br />
wissen will. Deshalb ist die Aufforderung von Clement lediglich<br />
ein Sturm im Wasserglas der öffentlichen Meinung.
</p>
<p>
<span class="fett">Mak80:</span> In der Vergangenheit war ein Grundsatz<br />
der Vorschläge der FDP, dass Steuersenkungen durch ein höheren<br />
Wirtschaftswachstum in der Zukunft finanziert werden sollten. Nur<br />
ist dieses Wachstum auch unter CDU/FDP ja nie groß genug gewesen.<br />
Bleiben Sie dennoch bei diesem Ansatz?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Der Ansatz ist prinzipiell<br />
richtig, muss aber konkret nach sechs Jahren rot-grüner Stagnationspolitik<br />
überprüft werden. Alles Sachverständige sind sich<br />
aber darüber einig, dass wir Wachstum in Deutschland benötigen.<br />
Stabilität ist wichtig, aber ohne Wachstum nicht in der Lage,<br />
unsere Probleme zu lösen.
</p>
<p>
<span class="fett">Minor:</span> Eine Frage bezüglich der<br />
Bedeutung Deutschlands als Absatzmarkt, die in Bezug auf die Versteuerung<br />
nicht unwichtig ist: Welche Bedeutung bemessen Sie dem &quot;Binnenmarkt<br />
Deutschland&quot; bei?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Ich messe ihm eine<br />
große Bedeutung bei. Deshalb ist es verheerend, dass durch<br />
die allgemeine Verunsicherung, die gestiegene Arbeitslosigkeit,<br />
Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes und Angst vor der Entwicklung<br />
unseres Landes dazu führt, dass die Binnennachfrage niedrig<br />
ist. Wir brauchen einen grundlegenden Politikwechsel, damit die<br />
Bürger Vertrauen in die Zukunft haben und wieder investieren<br />
und nachfragen.
</p>
<p>
<span class="fett">tymmz:</span> Guten Tag Herr Thiele, viele Experten<br />
sind sich darüber einig, dass es unausweichlich ist, den Mehrwertssteuersatz<br />
anzuheben. Wieso blendet jede Partei dieses Thema aus, da laut den<br />
Parteien Reformen jetzt stattfinden müssen und nicht erst in<br />
ferner Zukunft?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Jede Steuererhöhung<br />
senkt den Druck auf die Finanzierung der öffentlichen Haushalte.<br />
Erst müssen Strukturreformen durchgeführt werden. Wer<br />
nur über die Erhöhung der Einnahmenseite des Staates nachdenkt<br />
übersieht, dass jede Steuererhöhung die Nachfragemöglichkeit<br />
der Bürger reduziert.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Ich glaube, die nächste<br />
Frage betrifft das Thema Nebentätigkeit:
</p>
<p>
<span class="fett">t. bertram:</span> Herr Thiele, sie arbeiten<br />
als Rechtsanwalt, sitzen in 2 Aufsichtsräten, haben eine Familie<br />
mit 5 Kindern und arbeiten dann noch im Bundestag. Das ist eine<br />
beachtliche Leistung und ich freue mich dass sie Zeit für den<br />
Chat finden konnten. Wie bekommen sie das unter einen Hut, was hat<br />
bei ihnen Priorität?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Das größte<br />
Problem und die größte Herausforderung stellt die Vereinbarkeit<br />
zwischen Mandat und Familie dar. Bislang ist mir diese Vereinbarkeit<br />
trotz vieler Schwierigkeiten gelungen. Da ich einen Zeitvertrag<br />
mit dem deutschen Volk habe, muss ich mich auch im Interesse meiner<br />
Familie darum kümmern, was passiert, wenn dieser Zeitvertrag<br />
nicht verlängert wird. Da ich keine Arbeitsplatzgarantie im<br />
öffentlichen Dienst, in einer Gewerkschaft oder einem Großunter­nehmen<br />
habe, muss ich dafür Sorge tragen, dass ich auch nach dem Ausscheiden<br />
aus der Politik weiter tätig sein kann. Deshalb ist es wichtig,<br />
dass ich auch als Rechtsanwalt weiter tätig bin. Ich bin ehrenamtlich<br />
in einem Aufsichtsrat tätig. In dem anderen Aufsichtsrat habe<br />
ich drei Sitzungen pro Jahr, mit Informationen und Gesprächen<br />
auch zwischen diesen Terminen. Auch durch diese Tätigkeit erfahre<br />
ich Dinge, die ich dann in der politischen Arbeit nutzen kann.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Heute treffen sich die parlamentarischen<br />
Geschäftsführer, um das Thema Nebeneinkünfte zu sondieren.<br />
Sind sie für eine Offenlegung?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Es gibt bisher schon<br />
eine Regelung über ein Offenlegung. Ich bedaure, dass von einzelnen<br />
gegen diese Regelung verstoßen wurde und dadurch diese Diskussion<br />
ausgelöst wurde.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Könnten sie mit einer<br />
Verschärfung der jetzigen Regelung leben?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele: </span>Das müsste differenziert<br />
werden. Hierzu müssen Vorschläge auf den Tisch, die dann<br />
überprüft werden. Es ist z. B. in der ganzen Diskussion<br />
auffällig, dass gar nicht darüber diskutiert wird, ob<br />
Minister und Staatssekretäre ihre Tätigkeit als Abgeordnete<br />
entsprechend nachgehen können.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Wir hängen noch 5-10<br />
Minuten dran:
</p>
<p>
<span class="fett">Minor:</span> Erneut zum Binnenmarkt: Also würde<br />
die FDP dazu tendieren nicht nur Reformen im &quot;Normalen &quot;<br />
Steuerwesen (Gewerbesteuer bzw. Einkommenssteuer), sondern auch<br />
bei Steuern wie der Mehrwertsteuer oder gar Tabaksteuer etc. gut<br />
zu heißen?
</p>
<p>
<span class="fett">demos:</span> Früher wurde Kapital in Deutschland<br />
reinvestiert, heute wandert es ins Ausland ab, sollten daher Kapitalkontrollen<br />
wieder eingeführt werden?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Primär geht<br />
es um eine Reduzierung der öffentlichen Ausgabe. Der große<br />
Unterschied zwischen Privatpersonen, dem Staat und öffentlich-rechtlichen<br />
Anstalten besteht darin, dass jeder einzelne Bürger zunächst<br />
prüft, welche Einnahmen er hat. Erst dann plant und tätigt<br />
er seine Ausgaben. Bei der öffentlichen Hand und den öffentlich-rechtlichen<br />
Anstalten ist es genau anders herum. Erst werden die Ausgaben festgelegt<br />
und dann überlegt man sich, wo man die Einnahmen herbekommt.<br />
Dieses ist der falsche Weg. Der Staat muss im Interesse der Bürger<br />
zur Sparsamkeit gezwungen werden. Dieses ist die Voraussetzung dafür,<br />
dass die Steuern- und Sozialabgaben nicht permanent steigen.
</p>
<p>
Um auf die Frage von Demos einzugehen: Wir brauchen nicht mehr<br />
Kontrollen, sondern mehr Kapital in Deutschland. Dieses Ziel verfolgte<br />
auch die Steueramnestie. Geld, was einmal im Ausland ist, erzielt<br />
Erträge im Ausland und führt zu Steuereinnahmen im Ausland.<br />
Diese Erträge hätten wir gerne im Inland. Die Steuererträge<br />
darauf auch. Deshalb dürfen wir nicht Kapital aus Deutschland<br />
vertreiben, sondern müssen alles daran setzen, dass Kapital<br />
nach Deutschland fließt.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Aber wie, Eichel ist mit<br />
seinem Modell gescheitert?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Das Modell hat einen<br />
gravierenden Nachteil: Wir haben in Deutschland keine Zinsabgeltungssteuer.<br />
Dieses ist leider während des Gesetzgebungsverfahrens an der<br />
Union gescheitert.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Kommen wir zum Ende noch<br />
zu einer Wahlnachlese zu Schleswig-Holstein:
</p>
<p>
<span class="fett">Graf_Zahl:</span> Ihr Parteichef hat sich bei<br />
der Schleswig-Holstein-Wahl mal wieder blamiert (Stichwort: Nachzählen).<br />
Denken Sie, Guido Westerwelle schadet in seiner Position als Vorsitzender<br />
der FDP?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Nein. Noch Fragen?
</p>
<p>
<span class="fett">der grahl:</span> Was halten sie von der Arbeit<br />
ihrer Kollegen in Schleswig-Holstein? Haben die nicht einen grauenhaften<br />
Job gemacht?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Wer eine erfolglose<br />
Regierung ablösen will, sollte ein klares Kontrast­programm<br />
dagegen setzen. Dieses haben wir in Niedersachsen &#8211; ich bin dort<br />
stellvertretender Landesvorsitzender &#8211; gemacht. Die Wähler,<br />
die den Wechsel wollten, haben ihn erreicht und die FDP mit 8,1%<br />
in den Landtag gewählt.
</p>
<p>
<span class="fett">Graf saint Germin: </span>Herr Thiele, was glauben<br />
sie, wer regiert in Zukunft Schleswig-Holstein?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Ich habe Angst, dass<br />
die Pattex-Ministerpräsidentin Simonis als Wahlverliererin<br />
weiter die Regierung führt, obwohl sie selbst erklärt<br />
hat, dass sie jetzt erst ein paar Wochen Urlaub braucht und im Sommer<br />
noch mal. Schleswig-Holstein braucht zwar Urlauber aber vor allem<br />
eine neue Regierung für einen Neuanfang.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Wie fanden Sie den Umgang<br />
von Herrn Kubicki mit Herrn Carstensen?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Diese Frage kann<br />
am besten Herr Kubicki beantworten.
</p>
<p>
<span class="fett">Dropp:</span> Wie sehen Sie denn die Kapitalverteilung<br />
in der Bevölkerung in 10 Jahren? Wird sich das Verhältnis<br />
weiter zu Gunsten einer Minderheit verschieben? Halten Sie das für<br />
gerechtfertigt?
</p>
<p>
<span class="fett">Carl-Ludwig Thiele:</span> Hier wünsche<br />
ich mir eine breitere Verteilung des Kapitals. Aber dieses setzt<br />
voraus, dass wir ein höheres Wachstum haben und mehr Arbeitsplätze.<br />
die Menschen brauchen Hoffnung für die Zukunft und nicht Hoffnungslosigkeit.<br />
Dies Versuche ich politisch zu erreichen. Privat versuche ich; meine<br />
Kinder davon zu überzeugen, dass die Perspektive für ihr<br />
Leben Hoffnung und nicht Hoffnungslosigkeit ist.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Unsere Zeit ist bereits<br />
um. Vielen Dank an alle User für das große Interesse.<br />
Etliche Fragen sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank,<br />
Herr Thiele, dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben.<br />
Das Transkript dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter.<br />
Den nächsten Chat gibt es am Montag, den 7. März, ab 13.00<br />
Uhr mit Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Am 8. März<br />
ist der Grünen-Politiker Rezzo Schlauch im Chat. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen noch einen angenehmen Tag!
</p>
<p><span class="fett">Carl-Ludwig Thiele</span>: Auch ich wünsche<br />
einen angenehmen Tag und weiter viel Interesse an der Politik. Politik<br />
kann sich nur ändern, wenn die Bürger sich engagieren.<br />
Hierum bitte ich Sie.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Hermann Otto Solms zu Steuer-und Gesundheitsreform</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/hermann_otto_solms_zu_steuerund_gesundheitsreform-184/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/hermann_otto_solms_zu_steuerund_gesundheitsreform-184/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[thauswedell]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Nov 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Hermann Otto Solms]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/hermann_otto_solms_zu_steuerund_gesundheitsreform-184/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms</b> 
<span class="fett">beantwortete im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de Fragen zu Steuer-und Gesundheitsreformen der 
FDP und verteidigte seine Pläne zur Steuersenkung nicht nur für 
den deutschen Arbeitsmarkt als unerläßlich - sondern auch, 
um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Denn, so Solms: &#34;Wir 
stehen im globalisierten Wettbewerb, auch im Wettbewerb der Steuersysteme.&#34;</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms</b><br />
<span class="fett">beantwortete im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de Fragen zu Steuer-und Gesundheitsreformen der<br />
FDP und verteidigte seine Pläne zur Steuersenkung nicht nur für<br />
den deutschen Arbeitsmarkt als unerläßlich &#8211; sondern auch,<br />
um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Denn, so Solms: &quot;Wir<br />
stehen im globalisierten Wettbewerb, auch im Wettbewerb der Steuersysteme.&quot;</span><!--break-->
</p>
<p class="normal">
Moderator: Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Zum Chat ist heute der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen. Herr Solms, sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit<br />
unseren Usern?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Ich bin bereit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie sind Finanzexperte der FDP und beschäftigen<br />
sich u. a. mit Steuern. Merz´ Bierdeckel Drei-Stufen-Steuermodell<br />
war in aller Munde und allgemein bekannt. Sie waren viel schneller mit<br />
einem ähnlichen Modell. Warum hat man in der Öffentlichkeit<br />
so wenig über das Solms`sche Modell gehört?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Wir haben ein komplett ausformuliertes<br />
Einkommenssteuergesetz vorgelegt. Es ist natürlich komplizierter<br />
sich damit zu befassen &#8211; der Bierdeckel lässt sich eben leichter<br />
verkaufen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Warum haben Sie sich dann nicht des Bierdeckels<br />
bedient?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Der Bierdeckel ist nicht realisierbar.<br />
Nach den CDU Vorschlägen bliebe es bei einer immer noch komplizierten<br />
Steuererklärung und Herr Merz ist damit ja auch gescheitert. Immerhin<br />
haben wir ein Steuererklärungsformular entwickelt auf einer DIN-A4-Seite.<br />
Das kann jeder in einer halben Stunde ausfüllen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zu Inhaltlichem:
</p>
<p>
<b>stefanzwanzger:</b> Ist es eigentlich nachweislich richtig,<br />
dass eine Senkung der Steuern (um eine gewissen Prozentsatz) dem Staat<br />
am Ende MEHR Steuereinnahmen verschafft. Glauben Sie, dass 35% ohne<br />
Ausnahmeregelungen mehr Staatseinnahmen generieren als 42% + Soli +<br />
Gewerbesteuer &#8211; Steuerschlupflöcher?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Wir unterstellen, dass durch Steuer-<br />
und Abgabensenkung Wirtschaftswachstum ausgelöst wird, mehr Investitionen<br />
in Deutschland stattfinden und damit Hunderttausende neue Arbeitsplätze<br />
entstehen. Diese neuen Arbeitnehmer leben nicht mehr vom Sozialstaat,<br />
sondern zahlen Steuern und Sozialbeiträge und erhöhen damit<br />
das Staatseinkommen. Das haben uns andere Länder vorgemacht und<br />
dort hat es funktioniert, wie beispielsweise in Irland, England, Neuseeland,<br />
USA usw. Die steuerlichen Ausnahmen werden konsequent abgeschafft, auch<br />
das schafft Steuermehreinnahmen und führt zu mehr Steuergerechtigkeit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Apropos Steuergerechtigkeit:
</p>
<p>
<b>megalomane: </b>Geht Ihr Finanzierungsmodell nicht eindeutig<br />
zu Lasten der Wenigverdiener? Die FDP mal wieder als Partei der Besserverdienenden?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Bei unserem Modell werden alle<br />
entlastet. Ein Schwerpunkt der Entlastung liegt bei den Familien mit<br />
Kindern, weil jedes Kind einen Grundfreibetrag wie jeder Erwachsene<br />
erhält. Eine vierköpfige Familie zahlt erst Steuern bei einem<br />
Jahreseinkommen von über 37.000 Euro, d.h. ein Großteil der<br />
kinderreichen Familien wäre in Zukunft steuerfrei. Das Kindergeld<br />
wird auf 200 Euro pro Kind und Monat erhöht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort steuerfrei und Erhöhung<br />
des Kindergeldes &#8211; Inga fragt:
</p>
<p>
<b>inga: </b>Die CDU/CSU hat für ihr Drei-Stufen-Steuer-Modell<br />
reichlich Kritik geerntet, da sie nicht plausibel machen konnte, wodurch<br />
die fehlenden Steuereinnahmen aufgefangen werden sollen. Worin unterscheidet<br />
sich Ihr Drei-Stufen-Modell von dem der CDU?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Unser Konzept führt zu einer<br />
viel weiter gehenden Vereinfachung des Steuerrechtes als das der CDU.<br />
Die Finanzministerien von Bund und Ländern haben errechnet, dass<br />
dieses zu Steuerausfällen von 14,5 Milliarden Euro führt.<br />
Um dieses abzudecken haben wir Vorschläge zu Einsparungen bei Finanzhilfen<br />
des Staates und bei Umsatzsteuerbetrug gemacht, die die Steuerausfälle<br />
mehr als kompensieren würden. Die Mehreinnahmen bzw. Minderausgaben<br />
haben ein Volumen von 20 bis 25 Milliarden Euro, d.h. mit diesem Konzept<br />
kann zusätzlich ein Beitrag zum Schuldenabbau geleistet werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachgehakt:
</p>
<p>
<b>Rudi:</b> Sie fordern, Steuervergünstigungen abzuschaffen.<br />
Welche genau sind gemeint?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Sie sollen alle abgeschafft werden.<br />
Seien es Sonderabschreibungen für die Wirtschaft oder den Wohnungsbau<br />
oder seien es Ausnahmen für die Arbeitnehmer, wie z.B. die Begünstigung<br />
der Zuschläge für Sonn-, Feiertags- oder Nachtarbeit bzw.<br />
die Entfernungspauschale oder die Abziehbarkeit des häuslichen<br />
Arbeitszimmers. Auch die Eigenheimzulage kann bei entsprechender Steuersenkung<br />
entfallen.
</p>
<p>
<b>handsup:</b> Dass die steuerlichen Ausnahmen wirklich<br />
abgeschafft werden, glaubt Ihnen &#8211; bei allem Respekt &#8211; kein Mensch mehr.<br />
Das haben Sie auch nicht in der Amtszeit von Kohl geschafft. Was machen<br />
Sie, um hier wieder glaubwürdig zu werden?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Zwei Antworten: Erstens, zur Zeit<br />
unserer Regierungsbeteiligung haben wir ein Steuerreform durch den Bundestag<br />
gebracht, die bekannt ist unter der Bezeichnung &quot;Petersberger Beschlüsse&quot;,<br />
die schon viele Verbesserungen verwirklicht hätte, wenn Lafontaine<br />
mit seiner SPD-Mehrheit sie durch den Bundesrat gelassen hätte.<br />
Diese Reform wäre schon seit sechs Jahren in Kraft, wenn sie nicht<br />
blockiert worden wäre. Zweitens, um unseren Vorstellungen Glaubwürdigkeit<br />
zu verleihen, haben wir diese in Gesetzesform in den Deutschen Bundestag<br />
eingebracht. Der Gesetzestext liegt im Internet vor und kann von jedem<br />
eingesehen werden.<br />
Im Januar werden wir im Finanzausschuss dazu eine öffentliche Anhörung<br />
durchführen.
</p>
<p>
<b>Dennis:</b> Wie werden sich ihre neuen Steuermodelle auf<br />
die mittelständischen Unternehmen auswirken?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Durch das Ersetzen der Gewerbesteuer<br />
wird es für Mittelständler nicht nur eine Steuerentlastung,<br />
sondern auch ein deutliche Steuervereinfachung geben. Dazu kommt, dass<br />
der Steuertarif auf 35 Prozent netto gesenkt wird. An der steuerlichen<br />
Gleichbehandlung arbeiten wir noch. Wir werden im ersten Halbjahr 2005<br />
auch einen Entwurf für ein neues Körperschaftsteuergesetz<br />
(vorlegen).
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie wird das aussehen?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Das kann ich im Einzelnen noch<br />
nicht bekannt geben, da hier äußerst komplizierte Probleme<br />
der Besteuerung von international tätigen Konzernen und der steuerlichen<br />
Behandlung von Umgestaltungen im Unternehmensbereich national wie international<br />
gelöst werden müssen. Wir orientieren uns dabei stark an der<br />
Steuerreform, die Österreich gerade durchführt.
</p>
<p>
<b>Finanzbeamte:</b> Sehr geehrter Herr Solms, wäre<br />
es nicht sinnvoll anstatt immer nur die Ausgaben zu kürzen, mal<br />
die Erhöhung der Einnahmen in Erwägung zu ziehen?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Darüber denkt die Bundesregierung<br />
ja laufend nach. Wer so denkt, unterliegt einem Trugschluss: Wir stehen<br />
im globalisierten Wettbewerb, auch im Wettbewerb der Steuersysteme.<br />
Wer Investitionen, genauso wie menschliche Arbeitsleistungen und wie<br />
Erträge der Sparer bei uns höher zu belasten wünscht<br />
als z.B. im europäischen Ausland, wird sehen, dass die Investitionen<br />
und das Sparvermögen ins Ausland abwandern, die Arbeitskräfte<br />
ihren Job verlieren und auch die hoch qualifizierten Arbeitskräfte,<br />
wie Forscher oder Entwickler, ins Ausland abwandern.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Wo soll das Geld herkommen &#8211; bzw.- wer<br />
hat das Geld ausgegeben? Dazu eine Nachfrage:
</p>
<p>
<b>OskarLafontaine: </b>Welchen Anteil an der Staatsverschuldung<br />
müssen Sie auf Ihre Kappe nehmen (siehe Ära Kohl)?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Seit 1970 haben wir nur defizitäre<br />
Haushalte, d.h. an der Überforderung des Staates waren alle Parteien<br />
beteiligt. Die besondere Gefahr heute liegt darin, dass die Neuverschuldung<br />
Jahr um Jahr zusätzlich steigt, und damit die Stabilitätskriterien,<br />
die wir selbst veranlasst haben, verfehlt werden. Eine Kehrtwende ist<br />
überfällig.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Weg von der Vergangenheit &#8211; ein Blick in<br />
die Zukunft:
</p>
<p>
<b>verboomen@web.de:</b> Ist es möglich, dass irgendwann<br />
alle EU-Mitgliedstaaten das gleiche Steuersystem haben?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> In der EU ist bislang nur vereinbart,<br />
die indirekten Steuern zu harmonisieren (Umsatzsteuer, Tabaksteuer,<br />
Mineralölsteuer, usw.). Die direkten Steuern sind der nationalen<br />
Gesetzgebung vorbehalten. Gegenwärtig gibt es allerdings Bestrebungen<br />
auch die Bilanzierungsvorschriften und die Errechnung der steuerlichen<br />
Grundlagen zu vereinheitlichen. Ich halte das für richtig. Ansonsten,<br />
was die Steuertarife angeht, spreche ich mich für einen internationalen<br />
Steuerwettbewerb aus.
</p>
<p>
<b>Karol:</b> Ihre Meinung zum gerade verabschiedeten Bundeshaushalt?
</p>
<p>
<b>Nachfrage vom Moderator:</b> Werden sie gemeinsam mit<br />
der Union gegen den Haushalt klagen?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Der Bundeshaushalt ist eindeutig<br />
verfassungswidrig, weil die Neuverschuldung das Ausmaß der öffentlichen<br />
Investitionen deutlich übersteigt. Er wird zum vierten Mal den<br />
europäischen Stabilitätspakt verletzen. Der FDP-Vorschlag<br />
einer Verfassungsklage wird von der CDU/CSU unterstützt, und auch<br />
eingebracht werden.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Und wann?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Eine Verfassungsklage muss natürlich<br />
vorbereitet werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wechseln wir zum Thema Gesundheit:
</p>
<p>
<b>regina:</b> Herr Solms, das Gesundheitsmodell der FDP<br />
ist immer noch nicht durchgerechnet. Meinen Sie nicht, dass das der<br />
Glaubwürdigkeit des Konzepts schadet?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Die Modelle aller Parteien sind<br />
bis jetzt noch nicht durchgerechnet, alle vorgelegten Berechnungen sind<br />
falsch. Um uns diesem Vorwurf nicht auszusetzen wollen wir erst alle<br />
Einzelbedingungen unseres Modells festlegen, bevor wir den Auftrag zur<br />
Berechung geben. Ich denke dass unsere Arbeiten bis Herbst nächsten<br />
Jahres abgeschlossen sein können &#8211; das ist ausreichend vor der<br />
nächsten Bundestagswahl.
</p>
<p>
<b>dieter:</b> Sie betonen, dass Steuer- und Gesundheitsreform<br />
gleichzeitig umgesetzt werden müssen. Muss nicht erst einmal der<br />
von Ihnen erhoffte Gewinn aus der Steuerreform erzielt werden, um die<br />
Gesundheitsreform bezahlen zu können?</p>
<p><b>Hermann Otto Solms:</b> Das ist eine statische Betrachtungsweise.<br />
Wirtschaft ist aber ein dynamischer Prozess. Wenn sie so schnell wie<br />
möglich Wachstum und Beschäftigung erzeugen wollen, müssen<br />
sie die Erneuerung unserer Systeme gleichzeitig vornehmen. Dazu gehört<br />
insbesondere die Abkoppelung der Sozialkosten von den Arbeitskosten,<br />
die Flexibilisierung der Arbeitsmarktbedingungen und die Erneuerung<br />
unserer Finanzpolitik. Wenn sie dies stufenweise angehen würden,<br />
würden sie nicht den notwendigen Effekt erzielen und eine Wiederherstellung<br />
der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands würde auf den Sankt-Nimmerleins-Tag<br />
aufgeschoben.
</p>
<p>
<b>giebert: </b>Sie werfen der Union vor, die Gesundheitsprämie<br />
zu niedrig angesetzt zu haben und gehen davon aus, dass sie sich in<br />
den kommenden Jahren vielleicht sogar verdreifachen wird. Wie schätzen<br />
Sie die Entwicklung des Basisbeitrags in ihrem Modell ein? Wird er stabil<br />
bleiben können?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Prof. Rürup, der die Gesundheitsprämie<br />
mit entwickelt hat, hat errechnet, dass sich die Höhe der Prämie<br />
nach dem CDU-Vorschlag vervielfachen wird. Die Prämie ist schon<br />
heute zu niedrig festgesetzt und vernachlässigt völlig die<br />
Steigerung der Gesundheitskosten aufgrund der Alterung der Gesellschaft<br />
und durch den medizinischen Fortschritt. Insbesondere das Weglassen<br />
einer Altersrückstellung, die Frau Merkel ja ursprünglich<br />
vorgesehen hatte, ist ein zentraler Fehler. Wenn sie sich an den privaten<br />
Krankenversicherungen orientieren, so stellen sie fest, dass diese Altersrückstellungen<br />
für ihre Kunden gebildet haben. Sie haben mit diesen Rückstellungen<br />
einen Kapitalstock gebildet, der schon heute ein Volumen von 80 bis<br />
90 Milliarden Euro umfasst. Und mit den Erträgen aus dem Kapitalstock<br />
werden die höheren Gesundheitskosten im Alter abgedeckt. Wenn man<br />
das nicht tut, dann wird man mit mathematischer Sicherheit eine dramatische<br />
Steigerung der Versicherungsbeiträge verursachen.
</p>
<p>
<b>Catch22:</b> Halten Sie es wirklich für verantwortlich,<br />
Krankenversicherungen als private Akteure wirtschaften zu lassen? Ich<br />
verweise auf das Beispiel der USA wo die Prämien für Krankenversicherungen<br />
kontinuierlich ins unermessliche steigen und Gesundheit zum kostbaren<br />
Luxusgut verkommen ist. Wie wollen sie solche Entwicklungen vermeiden?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Wir wollen eine gesetzliche Pflicht<br />
zur Versicherung für einen Leistungskatalog, der das medizinisch<br />
notwendige umfasst, vergleichbar mit der Haftpflichtversicherung beim<br />
Automobil. Wer zusätzliche Leistungen in Anspruch nehmen will,<br />
muss diese dann selber versichern. Durch die Umwandlung der gesetzlichen<br />
Krankenversicherungen in private Versicherungsunternehmen schaffe ich<br />
fairen Wettbewerb zwischen diesen, und erreiche damit mehr Effizienz<br />
und dämpfe die Kosten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Trotzdem:
</p>
<p>
<b>Kerstin:</b> Demontieren sie mit den gesetzlichen Krankenversicherungen<br />
nicht ein Fundament des Sozialstaates?</p>
<p><b>Hermann Otto Solms: </b>Das soziale Element gehört<br />
selbstverständlich dazu. Wir wollen dass alle, die bedürftig<br />
sind, aus dem Haushalt, d.h. vom Steuerzahler, unterstützt werden.<br />
Voraussetzung dafür ist allerdings eine Bedürftigkeitsprüfung,<br />
damit das Sozialsystem nicht von denen missbraucht wird, für die<br />
es nicht gedacht ist. Alle Kinder sollen ebenfalls durch die öffentliche<br />
Hand abgesichert werden.
</p>
<p>
<b>megalomane:</b> Welche Gefahren der so genannten Gesundheitskarte<br />
sehen Sie momentan? Brauchen wir sie wirklich?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Obwohl Liberaler, glaube ich,<br />
dass wir mit der Gesundheitskarte mehr Effizienz im Abrechungsbereich<br />
erreichen. Darin liegt ein Beitrag, die Gesundheitskosten unter Kontrolle<br />
zu halten. Der Datenschutz muss hier partiell zurücktreten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage zum amerikanischen Modell:
</p>
<p>
<b>Liberty: </b>Der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen,<br />
wie man ihn in den USA sieht, hat doch als Hauptfolge, dass Kosten zwischen<br />
den Beteiligten hin und her geschoben werden. Wie wollen Sie einen Wettbewerb<br />
fördern, der zu einer effizienteren medizinischen Versorgung führt?
</p>
<p>
<br />
<b>Hermann Otto Solms: </b>Das deutsche Gesundheitssystem<br />
ist mit dem amerikanischen nicht zu vergleichen. Wir haben eine breite<br />
Absicherung für alle Gruppen der Bevölkerung, was man in den<br />
USA nicht kennt. Die USA sind für uns in diesem Bereich kein Vorbild.<br />
Auch die Qualität der Gesundheitsleistungen in Deutschland steht<br />
nicht hinter der in den USA zurück. In Gegensatz zu den USA steht<br />
die Hochleistungsmedizin in Deutschland allen Bürgern zur Verfügung<br />
und nicht nur denen, die das bezahlen können, und so muss es auch<br />
bleiben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gehen wir nun in das Reich der Spekulationen,<br />
die wir aber trotzdem wissen wollen:
</p>
<p>
<b>lassi:</b> Wird die Position der FDP bei möglichen<br />
Koalitionsverhandlungen mit der Union durch den Weggang Seehofers gestärkt?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Seehofer hat nach meiner Auffassung<br />
die sozialen Vorstellungen des letzten Jahrhunderts vertreten. Dass<br />
dieses System schon lange nicht mehr bezahlbar ist, zeigen die jährlichen<br />
Kämpfe um das Sozialprodukt. Ein modernes Sozialsystem muss auf<br />
neue Grundlagen gestellt werden und dieser Aufgabe hat sich die FDP<br />
verschrieben. Der soziale Gedanke wird dabei nicht vernachlässigt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zurück zur Gesundheitskarte:
</p>
<p>
<b>megalomane:</b> Ich hatte nach den Gefahren gefragt, Herr<br />
Solms!
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Ich glaube dass man die Gefahren<br />
des &quot;Gläsernen Patienten&quot; in den Griff kriegen kann.<br />
Ich bin aber selbst nicht kompetent genug, diese Fragen zu beantworten.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Wir kommen zur Schlussrunde:
</p>
<p>
<b>Wietolb:</b> Wie erklären Sie sich den allgemeinen<br />
Akzeptanzverlust der FDP in der Bevölkerung?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Ich kann ihn gar nicht feststellen.<br />
Wir haben bei den letzten 27 Wahlen bis auf einmal deutlich zugelegt.<br />
Wir sind in diesem Jahr in drei Parlamente zurückgekehrt: Europa,<br />
Saarland und Sachsen, und wir haben bei der Kommunalwahl in NRW erst<br />
vor kurzem das beste Ergebnis seit 30 Jahren erzielt. In den Umfragen<br />
liegen wir zwischen 7 Prozent (Forschungsgruppe Wahlen) und 9 Prozent<br />
(Forsa und Allensbach). Ich glaube, dies ist eine gute Voraussetzung<br />
für die beiden anstehenden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein<br />
und NRW im nächsten Jahr.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist das ihre Eigenleistung oder liegt es<br />
an den &quot;Großen&quot;, mit denen die Wähler unzufrieden<br />
sind?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Es liegt an beidem.
</p>
<p>
<b>carlo:</b> Aber werden 9% für eine Regierungsbeteiligung<br />
wirklich reichen?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Wir sind noch steigerungsfähig.
</p>
<p>
<b>verboomen@web.de:</b> Liegt es an der Führung von<br />
Westerwelle?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Westerwelles Ruf war nach der<br />
verlorenen Wahl von 2002 beschädigt. Er hat sein Ansehen seitdem<br />
wieder deutlich verbessert und er, wie wir alle, haben vor, unser Ansehen<br />
bis zur Bundestagswahl zu erhöhen. Deswegen legen wir das modernste<br />
Wahlprogramm aller Parteien vor. Und an den Fakten wollen wir gemessen<br />
werden.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Haben Sie die 18-Prozent-Diskussion bedauert?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Ich habe es für eine Übertreibung<br />
gehalten. Und leider hat sich das als richtig herausgestellt.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Unsere Zeit ist bereits um. Vielen Dank<br />
an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen sind<br />
leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Solms, dass Sie sich<br />
Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript dieses Chats finden<br />
Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten Chat gibt es<br />
am Donnerstag ab 13.00 Uhr mit dem Bonner Politikwissenschaftler und<br />
CDU-Insider Gerd Langguth. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch<br />
einen angenehmen Tag!
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Vielen Dank für die interessanten<br />
Fragen. Leider muss ich mich jetzt anderen Fragen zuwenden, damit das<br />
Wahlprogramm gut wird.</p>
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