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	<title>Florian Meesmann &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Florian Meesmann &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Indien hat die soziale Frage nicht beantwortet&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Nov 2008 16:37:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[ARD-Korrespondent]]></category>
		<category><![CDATA[Florian Meesmann]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
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					<description><![CDATA[tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de zur aktuellen Lage der &#34;größten Demokratie&#34;: Am 20. November 2008 chatette Florian Meesmann, Studioleiter der ARD für Südasien, live aus Neu Delhi. Der Südasien-Korrespondent berichtete von einem Indien zwischen Entwickelung und Stagnation sowie Armut und Reichtum.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de zur aktuellen Lage der &quot;größten Demokratie&quot;: Am 20. November 2008 chatette Florian Meesmann, Studioleiter der ARD für Südasien, live aus Neu Delhi. Der Südasien-Korrespondent berichtete von einem Indien zwischen Entwickelung und Stagnation sowie Armut und Reichtum.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich Willkommen zum tagesschau-Chat.<br />
Indien hat sich zum beliebten Reiseziel der Bundesregierung entwickelt:<br />
Allein in dieser Woche ist nach Umweltminister Gabriel nun<br />
Bundesaußenminister Steinmeier vor Ort in Neu Delhi. Aus dem ARD-Studio<br />
Südasien ist uns jetzt Florian Meesmann zugeschaltet. Vielen Dank, dass<br />
Sie sich die Zeit nehmen! Herr Meesmann, Sie sind online, können wir<br />
starten?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b> Schönen Guten Tag nach Deutschland, ich bin bereit und freue mich auf die nächste Stunde!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Warum ist Indien „in&quot; bei deutschen Spitzenpolitikern?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Die fast märchenhafte Entwicklung der größten Demokratie ist es, die<br />
viele Politiker anzieht und die Einsicht darin, dass dieses Land mit<br />
seinen 1,1 Milliarden. Menschen zunehmend wichtiger wird bei der<br />
Bewältigung globaler Krisen, dem Klimaschutz genauso wie der aktuellen<br />
Finanzkrise!
</p>
<p>
<b>FrankT:</b> Wie ist Deutschland im internationalen &#8211; und vor allem europäischen Vergleich &#8211; in seinen Beziehungen zu Indien aufgestellt?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Der Besuch der Kanzlerin im vergangenen Jahr hat dafür gesorgt, dass zu<br />
den gut entwickelten Wirtschaftsbeziehungen auch endlich eine enge<br />
politisch-strategische Partnerschaft entstehen könnte. Im<br />
internationalen Vergleich gibt es natürlich viele weitere wichtige<br />
Partner: Die USA (siehe Nuklearvertrag) sowie der Iran als<br />
Energielieferant, um nur zwei Beispiele zu nennen. Im europäischen<br />
Vergleich muss sich Deutschland nicht verstecken, viele Ansätze fußen<br />
ja eh auf EU-Initiativen.
</p>
<p>
<b>FrankT:</b> Können Sie eine kurze SWOT Analyse/Einschätzung der deutsch-indischen Beziehungen machen?
</p>
<p>
<b>Natalie:</b><br />
Inwieweit gehen die Inder auf die Wünsche und Hoffnungen deutscher<br />
Politiker ein? (Vgl. Artikel &quot;Einbahnstraße&quot; im aktuellen Spiegel)
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Das Verhältnis wandelt sich, keine Frage. Die Erwartung als deutscher<br />
Spitzenpolitiker oder Unternehmer sofort ein gesuchter Gesprächspartner<br />
zu sein, die wird sicher manches Mal enttäuscht. Das Selbstbewusstsein<br />
auf indischer Seite ist ausgeprägt und das bedeutet auch, dass man sich<br />
seine Gesprächspartner in aller Welt sucht. Da gehören die deutschen<br />
Delegationen dazu, nur sie sind eben in bester Gesellschaft. Die<br />
Amerikaner sind aktiv, die Beziehungen zu China spielen eine große<br />
Rolle. Da kann es sicher zu Enttäuschungen kommen, vor allem dann, wenn<br />
Politiker, die eher regional eine Bedeutung haben, nicht sofort einen<br />
Termin beim Spitzenpolitiker bekommen. Vor allem dann, wenn es viele<br />
Besucher in kurzer Zeit gibt. Doch nach meiner Wahrnehmung ist das<br />
Interesse größer als es in dem von Ihnen erwähnten Artikel scheint.
</p>
<p><b>Moritz: </b>Wie sehen die<br />
ehemals schlechten Beziehungen zwischen Indien und China heutzutage<br />
aus? Wäre eine Technikkooperation zwischen China (Hardware) und Indien<br />
(Software) nicht ein Riesen-Vorteil für Asien und eine echte Gefahr für<br />
die Wirtschaft in Europa/USA?</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Die Beziehungen haben sich seit den militärischen Auseinandersetzungen<br />
um den Grenzverlauf im Himalaya vor über 40 Jahren sehr verbessert. Die<br />
Inder bemerken immer mehr, wie aktiv die Chinesen in den Nachbarstaaten<br />
sind. Indien ist natürlich ein interessanter Absatzmarkt für<br />
chinesische Produkte. Die von ihnen befürchtete strategische Allianz in<br />
der IT-Industrie zeichnet sich zur Zeit nicht ab. Dafür sind beide<br />
Länder zu sehr darum bemüht, das erworbene Know-How erst einmal<br />
eigenständig zu vermarkten.
</p>
<p>
<b>Lora:</b> Welche Auswirkungen hat die Finanzkrise auf Indien?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Diese sind vielfältig: Zunächst sind natürlich die Aktienkurse, sowie<br />
in anderen Schwellenländern, scharf eingebrochen. Die Wachstumsraten<br />
sinken. Schon vor dem jetzigen Krisenszenario kämpfte die Wirtschaft<br />
mit Inflationsraten von bis zu 12 Prozent. Noch sind spektakuläre<br />
(Bank-)Pleiten ausgeblieben, doch die Industrie spürt natürlich die<br />
getrübten Konjunkturaussichten und klagt über Refinanzierungsprobleme<br />
am Kapitalmarkt. Die Zeitungen sind voll von den zum Teil<br />
erschütternden Geschichten von Kleinanlegern. Manche haben bis zu 75<br />
Prozent ihrer Geldanlagen eingebüßt!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was trägt Asiens drittgrößte Volkswirtschaft zur Lösung der internationalen Finanzkrise bei?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann: </b>Nach<br />
dem G20-Treffen am vergangenen Wochenende ist klar, ohne die<br />
Schwellenländer, ohne die BRIC-Staaten (Brasilien, Indien, China und<br />
Russland) kann diese Krise nicht gelöst werden. Die anfängliche<br />
Hoffnung, dass die Schwellenländer aufgrund höherer Reserven und<br />
robusteren Wachstums unbeschadet die Krise überstehen könnten, war<br />
unbegründet. Der spezifische Beitrag Indiens kristallisiert sich erst<br />
allmählich heraus. Dieses Thema steht ja auch im Mittelpunkt der<br />
Gespräche von Bundesminister Steinmeier heute Abend in Delhi.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Welche Rolle spielt Indien innerhalb der G20?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann: </b>Eine<br />
immer größere, soviel steht fest. Die Inder bemühen sich darum bei den<br />
Verhandlungen über Welthandelsabkommen, in Fragen des Handels mit der<br />
EU nun endlich eine gewichtigere Stimme zu bekommen. Steinmeier hat<br />
deutsche Unterstützung dafür bereits signalisiert.
</p>
<p>
<b>Klaus:</b> Wie schätzen Sie die politische und wirtschaftliche Zukunft Indiens für die nächsten fünf Jahre ein?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Ich meine, man muss die Politik und die Wirtschaft getrennt betrachten.<br />
Wirtschaftlich wird sich das Wachstum früher oder später in den jetzt<br />
bereits erkennbaren Kernen, wie zum Beispiel IT fortsetzen &#8211; trotz der<br />
Krise. Die große Frage wird sein, ob das Wachstum in den Metropolen und<br />
Städten in einigen wenigen Industrien ausreicht, um endlich den<br />
Wohlstand auch für die Inder zu erhöhen, die immer noch in großer Armut<br />
auf dem Land leben, in mittelalterlich anmutenden Verhältnissen. Das<br />
ist immer noch die breite Mehrheit der Bevölkerung. Und erst wenn diese<br />
mehrere hundert Millionen Menschen eine Perspektive haben, erst dann<br />
kann Indien auch politisch weiter reifen. Die größte Demokratie der<br />
Welt hat die &quot;soziale Frage&quot; immer noch nicht beantwortet, und das<br />
schafft Platz für radikale Agitation. Religiös und politisch!
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Sie<br />
beschreiben Indien als Land extremer Gegensätze. Auf der einen Seite<br />
steht der unermessliche Reichtum der Industriemilliardäre, andererseits<br />
leben in dem Land 200 Millionen hungernde Menschen. Wie hält die<br />
indische Demokratie diese Spannung aus?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann: </b>Genau<br />
diese Fragen stellen wir uns im Studio sehr häufig. Zum einen wissen<br />
die Bauern in den Bergen Zentralindiens oft nur wenig über den<br />
unermesslichen Wohlstand der Reichen in den Städten, zum anderen gibt<br />
es in Indien, anders als in Deutschland oder Europa, nur eine schwache<br />
Vorstellung einer sozialen Gerechtigkeit. Eine Rolle spielt dabei auch<br />
die Mehrheitsreligion des Hinduismus und das immer noch wirkmächtige<br />
Kastenwesen. Danach ist Armut oder Not, stark vereinfacht dargestellt,<br />
auch eine schicksalhafte Notlage, aus der man sich eh nicht befreien<br />
könne. Auch das führt zu einer gewissen Passivität, auch offenkundigen<br />
Ungerechtigkeiten gegenüber.
</p>
<p>
<b>Isa:</b> Ist das Kastensystem eigentlich noch aktuell im Alltag?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann: </b>Offiziell<br />
ist es ja schon lange, lange abgeschafft. Im Alltag ist es &#8211; sogar für<br />
uns Europäer &#8211; deutlich spürbar. Der Zugang zu Bildungschancen, der<br />
gesellschaftliche Stand, all das hängt immer noch auch von der<br />
Kastenzugehörigkeit ab. Trotz aller Bemühungen zur Förderung der<br />
unteren Kasten und der Kastenlosen. Manchmal spüren wir das auch in<br />
sozialen Situationen, wo bestimmte Dinge aus unerklärlichen Gründen<br />
nicht klappen wollen; zum Beispiel wenn ein Brahmane einem Dalit das<br />
Gepäck tragen soll. Erst die Kastenzugehörigkeit lässt einen diese<br />
Situation zumindest nachvollziehen.
</p>
<p>
<b>politur:</b><br />
Liege ich richtig in der Annahme, dass von der oft beschriebenen<br />
positiven Entwicklung Indiens, vor allem eine relativ kleine<br />
Mittelschicht profitiert, der Großteil der Bevölkerung jedoch z.B.<br />
ihren Kindern keine Grundbildung bieten kann?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Diese Annahme ist teilweise richtig. Es stimmt, der Reichtum wächst in<br />
der Hand weniger sehr reicher Familien und einer städtischen<br />
Mittelschicht. Offiziell sollen alle Kinder zur Schule gehen, doch auf<br />
dem Land wird dieses nicht umgesetzt und die Qualität der öffentlichen<br />
Schulen wird von Experten als sehr, sehr unterschiedlich beurteilt.
</p>
<p>
<b>joe333:</b><br />
Wie entwickelt ist in Indien eigentlich das Bildungssystem und wie<br />
flexibel kann die indische Wirtschaft jetzt ihre enormen Potentiale<br />
abrufen?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b> Wie schon angedeutet:<br />
es gibt grundsätzlich die Trennung zwischen öffentlichen und privaten,<br />
kostenpflichtigen Schulen und Universitäten. Es gibt in beiden Strängen<br />
gute und sehr gute Einrichtungen, aber auch sehr schlechte. Der<br />
flexible Abruf ist zum Beispiel im Bereich der IIT (Indian Institute of<br />
Technology) für Software-Ingenieure oder Manager sehr gut organisiert.<br />
In anderen Bereichen funktioniert das deutlich schlechter. Da behindert<br />
oft eine starre Bürokratie die flexible Reaktion der<br />
Bildungseinrichtungen auf die Wirtschaftslage.
</p>
<p>
<b>Mara: </b>Was wird der indische Staat zum Schutz der Christen tun? Indien zählte bisher zu einem friedliebenden, liberalen Land.
</p>
<p>
<b>david22:</b><br />
Warum sind die Christenverfolgungen zum Beispiel in Ostindien so selten<br />
ein Thema in Deutschland und in der deutschen Außenpolitik?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><a href="http://www.tagesschau.de/ausland/weltspiegel116.html" title="&quot;Sie wollten, dass er die Bibel verbrennt&quot;"><b> </b>Wir haben darüber Ende Oktober im &quot;Weltspiegel&quot; berichtet.</a><br />
Zuvor auch schon in den aktuellen Sendungen wie z.B. dem<br />
ARD-Mittagsmagazin aus München. Diese Verfolgungen sind ein sehr, sehr<br />
beunruhigendes Phänomen. Ich habe selbst den Distrikt Kandhamal im<br />
Bundestaat Orissa bereist. Dort begann die jüngste Welle der<br />
Verfolgungen. Aber auch in Mumbai oder Karnataka im Süden werden<br />
Kirchen angezündet und Priester geschlagen. Bis zu 50 Menschen sollen<br />
landesweit getötet worden sein. Der indische Staat wird in den<br />
einzelnen Bundesstaaten wie z.B. Orissa ja zunächst durch die jeweilige<br />
Regierung repräsentiert. Gerade in Orissa hat die Polizei vor Ort nicht<br />
genug getan, um die Christen zu schützen. Oft zögern Politiker hart<br />
durchzugreifen &#8211; gerade wenn Wahlen vor der Tür stehen, will man es<br />
sich auch mit den radikalen Hindus, die häufig die Verfolgungen<br />
ausgelöst haben, nicht verderben.
</p>
<p>
<b>Anonym:</b> Soll<br />
und wird der Außenminister die derzeitigen massiven<br />
Christenverfolgungen vor allem im Bundesstaat Orissa ansprechen? Im<br />
Vorfeld hat er dieses öffentlich nicht angekündigt, was aber nicht<br />
heißt, dass er es nicht tun wird. Die EU hat Indien bereits scharf<br />
kritisiert dafür und vielleicht setzt man hier eher auf stille<br />
Diplomatie. Doch genaues wissen wir darüber nicht.
</p>
<p>
<b>Rockenstein:</b> Muss man als Christ jetzt Angst haben nach Indien zu reisen?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b> Nein, dass muss man nicht. Meine Familie und ich sind bekennende Christen und haben noch nie irgendein Problem damit gehabt.
</p>
<p>
<b>Klea: </b>Ist Indien wirklich ein regionaler Stabilitätsfaktor? Man hört ja immer häufiger von Bombenanschlägen.
</p>
<p>
<b>pone arnas:</b> Wie haben Sie die Terroranschläge in Delhi erlebt und was steckt dahinter?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Bei den letzten Terroranschlägen waren auch mehrere Märkte betroffen,<br />
auf denen wir einkaufen gehen. Also das sitzt uns hier schon noch ein<br />
wenig in den Knochen. Die Kette von Serienexplosionen, die es ja in<br />
vielen Städten gegeben hat (Jaipur, Ahmedabad, Delhi) hat auch die<br />
Inder sehr verunsichert. Es spricht viel dafür, dass es sich dabei um<br />
radikalislamistisch motivierte Taten handelt. Bei der letzten großen<br />
Bombenserie in Assam weiß man noch wenig über die Hintermänner und zur<br />
Zeit gibt es einen Anschlag, der offenbar einen hinduistischen<br />
Hintergrund hat, der zur Zeit von der indischen Polizei untersucht<br />
wird. Also die terroristische Bedrohung hat zugenommen, keine Frage.<br />
Doch im Vergleich zu Ländern wie zum Beispiel Pakistan, Bangladesh oder<br />
Afghanistan, kann Indien immer noch als ein Stabilitätsfaktor gelten.<br />
Die Frage ist sicher, ob es dem indischen Staat gelingt, dieser<br />
Bedrohung besser Herr zu werden, als das bisher der Fall war. Das ist<br />
sicher entscheidend dafür, ob Indien seine relative Stabilität wahren<br />
kann.
</p>
<p>
<b>Pogy:</b> Sie sind ja Korrespondent für Südasien. Haben Sie sich diese Region bewusst ausgesucht? Wenn ja, was fasziniert so daran?
</p>
<p>
<b>Norbert:</b> Für welche Länder sind Sie eigentlich zuständig? Wie lässt sich das realisieren, wenn man bedenkt, wie groß allein Indien ist?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Unser Berichtsgebiet umfasst neben Indien die Länder Afghanistan,<br />
Pakistan, Nepal, Bhutan, Sri Lanka, die Malediven und Bangladesh. Dabei<br />
spielen &#8211; neben Indien &#8211; natürlich Pakistan und Afghanistan eine<br />
herausragende Rolle in der Berichterstattung. Die ist nur möglich mit<br />
Hilfe eines Netzes von Stringern und Producern in den einzelnen Ländern<br />
und durch ausgeprägte Reisen der Studiocrew. Das Faszinierende an<br />
Südasien sind sicher die atemberaubenden Widersprüche dieser Region. In<br />
Indien liegen ergreifende Naturschönheiten und menschliches Elend sehr<br />
dicht beieinander. In Afghanistan sind es die herzlichen Menschen, die<br />
trotz Jahrzehnten Bürgerkriegs den Lebensmut nicht verloren haben. Die<br />
Kette der Beispiele ist lang, aber faszinierend ist die Arbeit hier.<br />
Daran besteht kein Zweifel.
</p>
<p>
<b>am:</b> Rückblick nach einem Jahr, Herr Meesmann: was war Ihr einschneidenstes Erlebnis?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Da gab es eine ganze Menge, am meisten erschüttert haben mich zwei<br />
Dinge: Die Begegnung mit der herzzereissenden Armut der indischen<br />
Landbevölkerung und die Begegnung mit einem schwer verletzten Mädchen<br />
in einem Bundeswehrfeldlazarett in Nordafghanistan. Die Augen dieses<br />
bei einem Anschlag schwer verletzten Kindes, die begleiten mich bei<br />
meinen Reisen durch Afghanistan.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir müssen leider schon zum Schluss kommen&#8230;
</p>
<p>
<b>omg: </b>In<br />
Indien leben noch 500 bis 600 Millionen Menschen ohne ordentliche<br />
Stromversorgung. Ist es da nicht übertrieben, von einer kommenden<br />
Wirtschaftsmacht zu reden?
</p>
<p>
<b>ManDra:</b> Indien<br />
umrundet mit seiner Weltraum-Technik den Mond, hat Atomraketen und<br />
Flugzeugträger. Ist vor diesem Hintergrund die Zahlung von<br />
Entwicklungshilfe noch berechtigt?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Vielen Dank für diese beiden Fragen, denn sie werfen ein Schlaglicht<br />
auf die ungelösten Probleme Indiens: Auch in Neu Delhi fällt regelmäßig<br />
der Strom aus, dabei ist die stabile Energieversorgung sicher eine der<br />
Grundlagen für das weitere Wachstum. Entwicklungshilfe, das hat auch<br />
die zuständige Bundesministerin bei Ihrem Besuch kürzlich deutlich<br />
gemacht, kann nur sehr gezielt gegeben werden. Eines der indischen<br />
Grundprobleme ist sicher dieses: Wie können die Eliten des Landes davon<br />
überzeugt werden, dass ein leistungsfähiger Staat, ein Minimum an<br />
sozialer Grundversorgung und die Übernahme von Verantwortung,<br />
Voraussetzungen dafür sind, zu einer Weltwirtschaftsmacht aufzusteigen.<br />
In dieser Frage hat Indien und seine Gesellschaft noch ein gutes Stück<br />
Weg vor sich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war eine gute<br />
Stunde tagesschau-Chat. Vielen Dank, liebe User, für Ihre Beteiligung!!<br />
Leider konnten wir nicht alle Fragen stellen. Herzlichen Dank, Florian<br />
Meesmann, für Ihre Zeit! Grüße von Berlin nach Neu Delhi! Das Team von<br />
tagesschau.de wünscht allen noch einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b> Herzliche Grüße in die Heimat!
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Thomas Querengässer, tagesschau.de.</i></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Vertrauen zu Musharraf ist gering&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/vertrauen-zu-musharraf-ist-gering-3771/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Feb 2008 15:23:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Pakistan]]></category>
		<category><![CDATA[Parlamentswahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Pervez Musharraf]]></category>
		<category><![CDATA[ARD-Korrespondent]]></category>
		<category><![CDATA[Florian Meesmann]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Mittwoch, den 20.02.2008, war ARD-Korrespondent Florian Meesmann im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de zu Gast. Live aus Islamabad beantwortete er die Fragen der User zu den Auswirkungen der pakistanischen Parlamentswahlen.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Mittwoch, den 20.02.2008, war ARD-Korrespondent Florian Meesmann im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de zu Gast. Live aus Islamabad beantwortete er die Fragen der User zu den Auswirkungen der pakistanischen Parlamentswahlen.<br />
<!--break--> </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Herzlich willkommen zum tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital. Mein Name ist Ulrich Bentele, ich begrüße Sie alle aus dem ARD-Hauptstadtstudio Berlin. Unser heutiger Chat-Gast sitzt viele tausend Kilometer entfernt. ARD-Korrespondent Florian Meesmann ist uns aus der pakistanischen Hauptstadt Islamabad zugeschaltet. Herr Meesmann, steht die Internet-Verbindung?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Einen herzlichen Gruß in die Heimat, ja, wir sind online!
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/fmeesmann300x.jpg" alt="Florian Meesmann" title="Florian Meesmann" height="240" width="169" />
</div>
<div style="text-align: center">
<i>Florian Meesmann,</i>
</div>
<div style="text-align: center">
<i>ARD-Korrespondent in Pakistan</i>
</div>
<p></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: In der kommenden Stunde möchten wir über die Parlamentswahl in Pakistan sprechen, Perspektiven und Chancen für das krisengeschüttelte Land ausloten. Und los geht&#8217;s:
</p>
<p>
<b>Firekiller:</b> Glauben Sie, die Wahlen sind korrekt abgelaufen?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Im Großen und Ganzen sind sie korrekter abgelaufen, als das viele Beobachter zuvor befürchtet hatten. Wahlbehinderungen und auch Unregelmäßigkeiten sind uns aus verschiedenen Landesteilen berichtet worden, doch für massive Wahlfälschungen haben wir keinerlei Hinweise.
</p>
<p>
<b>tim:</b> Was glauben Sie, wie lange wird es Musharraf noch gelingen, im Amt zu bleiben? Bekommt er Gegenwind aus der Bevölkerung?
</p>
<p><b>HUJK:</b> Welchen Rückhalt hat Musharraf bei der Bevölkerung? </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Pervez Musharraf hat in den vergangenen zwölf Monaten stetig an Rückhalt in der Bevölkerung verloren. Die Absetzung der höchsten Richter des Landes, die tagelangen Kämpfe mit Islamisten rund um die Rote Moschee im Zentrum der Hauptstadt, die Wochen des Ausnahmezustandes am Ende des vergangenen Jahres &#8211; all das hat zu einer wachsenden Unbeliebtheit in der Bevölkerung geführt, die sich ja auch im Wahlergebnis für die Musharraf treu gesinnte PMLQ wieder spiegelt: Unter 15 %, das ist nicht eben<br />
ein Votum für den Präsidenten.
</p>
<p>
<b>strunks:</b> Was glauben Sie, wie lange sich Musharraf halten kann?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Er hat in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass er bereit ist, mit den Wahlsiegern aus der Opposition zusammenzuarbeiten, doch ob es ihm gelingen wird, sich länger als ein paar Monate in der Rolle eines Moderators des Übergangs zu halten, ist doch zweifelhaft.
</p>
<p>
<b>kollhl:</b> Hallo Herr Meesmann, wie schätzen Sie die Chance ein, dass die Bhutto-Partei doch noch einen Deal mit Musharraf macht?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Lieber Kollhl, diese Befürchtung wurde vor der Wahl immer wieder geäußert, amerikanische Beobachter wollen dies immer noch nicht ausschließen, doch dieser Deal ist sehr, sehr unwahrscheinlich geworden. Das Volk hat deutlich gemacht, dass das Vertrauen zu Musharraf gering ist. Und wenn jetzt ausgerechnet die stärkste Oppositionspartei dazu beiträgt, ihn weiter an der Macht zu halten, so wäre dies den Anhängern der PPP wohl kaum zu vermitteln. Es ist allerdings möglich, dass er mit der andauernden Drohung eines Amtsenthebungsverfahrens durch das Parlament in einer letztlich machtlosen Rolle als Präsident noch eine Weile im Amt bleibt.
</p>
<p>
<b>Erft:</b> Wie stabil könnte denn ein Bündnis der beiden Gewinner-Parteien dieser Wahl überhaupt sein?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Lieber Erft, darüber wird hier viel diskutiert, denn die Bhuttopartei und die Muslimliga Nawaz Sharifs darf man getrost als politische Erzrivalen in der Parteienlandschaft bezeichnen. Mehrmals nahmen sich diese Parteien in den 90ern die Macht gegenseitig ab und bisher einte sie wohl der Wille, an die Macht zu gelangen und die Ära Musharraf zu beenden. Doch ob sie in der praktischen Regierungsarbeit angesichts der immensen Probleme des Landes auf Dauer fest zusammenstehen werden, das darf doch als<br />
zweifelhaft gelten.
</p>
<p>
<b>franz:</b> Welche Aussagekraft hat denn das Wahlergebnis überhaupt, wenn nur rund 40% der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben haben?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Nach letzten, offiziellen Angaben lag die Wahlbeteiligung wohl bei über 47% und damit sogar höher als bei den letzten Wahlen 2002. Also, die Wahlergebnisse sagen schon etwas aus über die Zustimmung, die die einzelnen Parteien im Volk haben.
</p>
<p>
<b>Islamisten &quot;weniger gewählt als zuvor&quot;<br />
</b>
</p>
<p>
<b>MarNi:</b> Bei den Parteien, die nun in Pakistan gewonnen haben, kann man da eher von einer demokratischen oder religiösen Ausrichtung sprechen?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Die PPP ist fest im Süden des Landes verwurzelt, also eine säkulare Partei, die sich vor allem an die Landbevölkerung wendet mit dem Slogan: Brot, Unterkunft und Kleidung für alle. Die Muslimliga Nawaz Sharifs steht sicher den religiösen Kräften etwas näher. Doch beide Parteien sind weit entfernt von den radikalen Islamisten, die vor allem im Parteienbündnis MMA ihre politische Heimat haben und ein spektakulär schlechtes Wahlergebnis erzielt haben.
</p>
<p>
<b>kollhl:</b> Warum haben die<br />
Islamisten nicht so stark abgeschnitten?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Lieber Kollhl, dafür gibt es zwei Hauptgründe:<br />
Zum einen haben manche der Parteien in der NWFP, der<br />
Nordwestgrenzprovinz und auch in Balutschistan die Wahlen<br />
boykottiert, zum anderen sind sie aber dort, wo sie angetreten sind,<br />
schlicht weniger gewählt worden als noch zuvor. Also, da gibt es<br />
sicher eine Bewegung des Abwendens in Teilen der Bevölkerung,<br />
wobei die Islamisten im Parlament nie eine machtvolle politische<br />
Kraft waren.
</p>
<p>
<b>Wahlverlauf </b>
</p>
<p>
<b>WernerLE:</b> Wie läuft so eine<br />
Wahl in Pakistan eigentlich ab, das Land ist doch riesig und hat<br />
Gegenden, die ziemlich abgelegen sind (und wo der Staat auch nicht so<br />
viel zu melden hat, oder?)
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Diese Wahl wurde über Monate vorbereitet und diese<br />
Vorbereitungen unterscheiden sich kaum von anderen Wahlen. Da werden<br />
Wahllokale ausgewiesen, Wählerverzeichnisse angelegt, Wahlzettel<br />
gedruckt usw.
</p>
<p>
<b>WernerLE:</b> Nachfrage zum<br />
Wahlablauf: Und was ist in den viel zitierten Stammesgebieten, wie<br />
läuft die Wahl da ab?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Dort hat es sicher die meisten Probleme gegeben,<br />
vereinzelt wurden Wahllokale von bewaffneten Gruppen angegriffen,<br />
Frauen wurden am Wählen gehindert. Gerade in den Stammesgebieten<br />
&#8211; da haben Sie vollkommen recht &#8211; hat die Staatsmacht nur wenig<br />
Einfluss.  Aber auch dort gab es in vielen Gebieten einen geregelten<br />
Verlauf der Wahl. </p>
<p><b>Gringo:</b> Hallo, Herr Meesmann!<br />
Wie stark unterscheidet sich die politische Stimmung auf dem Land und<br />
in den Städten in Pakistan?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Hallo Gringo, die Unterschiede bestehen nicht nur<br />
zwischen Stadt und Land sondern auch zwischen den einzelnen<br />
Landesteilen. Gerade in der Nordwestprovinz und in Balutschistan<br />
haben die religiösen Parteien vergleichsweise starken Rückhalt,<br />
in der Provinz Sindh mit der Haupstadt Karachi die Bhuttopartei, in<br />
Lahore (Punjab) die Muslimliga Nawaz Sharifs.</p>
<p><b>bert:</b><br />
Könnte Musharraf versuchen, sich seine Macht mit Hilfe des<br />
Militärs zu erhalten?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Dieser Gedanke wirkt beim Blick in die Geschichte<br />
Pakistans natürlich nahe liegend, doch diesmal spricht wenig<br />
dafür. Musharraf hat mit der Übergabe des Oberbefehls an<br />
Kayani die starke Machtbastion Militär aufgegeben und es gibt<br />
keinerlei Anzeichen, dass das Militär jetzt geneigt sein könnte<br />
einzugreifen.</p>
<p><b>Kramerle:</b> Welche Rolle spielt<br />
eigentlich der Bhutto-Sohn und wie politisch erfahren ist<br />
er?</p>
<p><b>harrystuttgart:</b> Guten Tag an alle. Herr Meesmann,<br />
welche Rolle wird der Sohn, der politische Erbe von Frau Bhutto, in<br />
der Zukunft Pakistans spielen?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Die politische Erfahrung des 19jährigen<br />
Bhutto-Sohnes darf man getrost als übersichtlich bezeichnen,<br />
seine Ernennung zum Parteivorsitz hat keinerlei praktische<br />
Auswirkungen auf die Arbeit der PPP. Als starker Mann gerierte sich<br />
in den vergangenen Tagen sein Vater und Stellvertreter Asif Ali<br />
Zardari, der Witwer Benazir Bhuttos. Seine Ernennung darf eher als<br />
eine Symbol für den gleichsam dynastischen Anspruch der Bhuttos<br />
auf die Führung der PPP verstanden werden.
</p>
<p>
<b>Politische Stabilität Pakistans </b>
</p>
<p>
<b>MarNi:</b><br />
Herr Meesmann, wie würden Sie die ständig diskutierte<br />
politische Stabilität der Atommacht Pakistan nach der Wahl<br />
einschätzen?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Wie viel Stabilität die Bildung einer neuen<br />
Regierung den Pakistanern auf Dauer bringen wird, ist am dritten Tag<br />
der Wahl kaum seriös einzuschätzen. Der vergleichsweise<br />
friedliche Verlauf der Wahl hat zwar große Hoffnungen geweckt,<br />
doch die sollte man mit gesunder Skepsis mischen. Aber das Risiko,<br />
dass die pakistanischen Atomwaffen in falsche Hände geraten<br />
könnten, ist zur Zeit als gering einzuschätzen. Es scheint<br />
einen breiten Konsens in den großen Parteien zu geben, dass<br />
dieses &#8211; im Übrigen schwer gesicherte &#8211; Arsenal keine Rolle in<br />
den tagespolitischen Auseinandersetzungen spielt.</p>
<p><b>matthias:</b><br />
Die USA spielen für Pakistan eine sehr wichtige Rolle &#8211; glauben<br />
Sie, dass Washington auch mit der Opposition zusammenarbeiten will?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Das Hauptinteresse der USA gilt sicher einer stabilen<br />
Regierung, die sich als verlässlicher Partner im &quot;Kampf<br />
gegen den Terrorismus&quot; präsentiert. Aus diesem Grunde hat<br />
Washington lange Präsident Musharraf gestützt, aus diesem<br />
Grund werden die USA sicher auch mit der bisherigen Opposition<br />
kooperieren. Heiß diskutiert wird in Islamabad zur Zeit die<br />
Frage, welche Rolle die USA für Musharraf sehen: Soll er<br />
abtreten, soll er weiter als ein machtloserer Präsident<br />
fungieren? Die Antworten darauf werden auch in den USA gegeben und<br />
sie werden hier mit Spannung erwartet.
</p>
<p>
<b>bert:</b><br />
Beeinflusst der Ausgang der Wahl das Verhältnis Pakistans zum<br />
Nachbarn Indien?</p>
<p><b>harrystuttgart:</b> Hat Indien Interesse<br />
an einem stabilen Pakistan, das sich dann aber mit der<br />
Kaschmir-Problematik befassen könnte oder an einem instabilen<br />
Pakistan, das durch die Innenpolitik außenpolitisch<br />
handlungsunfähig wird?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Lieber Bert, lieber Harry, es wird allgemein erwartet,<br />
dass im Verhältnis zum Nachbarn Indien der eher pragmatische<br />
Kurs der vergangenen Monate fortgesetzt wird. So wurden zum Beispiel<br />
bei einem bilateralen Treffen wenige Tage vor der Wahl ein deutlicher<br />
Ausbau der bisher eher spärlichen Direktflugverbindungen<br />
beschlossen. Da gibt es in manchen Sachfragen ein pragmatisches<br />
Miteinander. D.h. aber zum Beispiel auch, dass in den Zeiten des<br />
Notstandes im November und Dezember eher maßvolle Töne aus<br />
Delhi zu hören waren. Ein bisschen &quot;piksen&quot; wird Delhi<br />
auch weiterhin, doch zu instabil darf der Nachbar auch nicht werden,<br />
das könnte schließlich die ganze Region unruhiger werden<br />
lassen.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Einschränkung der Medien  </b>
</p>
<p>
<b>matthias:</b> Bei der Ausrufung des<br />
Ausnahmezustands wurden viele Medien gestoppt, Journalisten<br />
festgenommen &#8211; wie steht es ein halbes Jahr danach um die<br />
Pressefreiheit und wie frei können sie aus Pakistan berichten?</p>
<p><b>Florian<br />
Meesmann</b>: Wir können hier zum Glück vollkommen<br />
ungehindert berichten, die pakistanischen Kollegen, gerade die der<br />
privaten Fernsehsender, stehen dort schon eher unter politischem<br />
Druck. Während der Notstandsregierung musste mancher Sender, um<br />
überhaupt weiter senden zu dürfen, Verhaltensregeln<br />
unterschreiben, die eine freie Berichterstattung stark einschränkten.<br />
So durfte zum Beispiel eine Zeit lang kaum offene Kritik am<br />
Präsidenten geübt werden. Dieser so genannte &quot;Code of<br />
Conduct&quot; ist in Teilen immer noch in Kraft und es werden auch<br />
immer noch prominente Journalisten wie etwa Hamid Mir, einer der<br />
Gründer von Geo TV, einem großen Privatsender, an der<br />
Ausübung ihres Berufes gehindert.
</p>
<p>
<b>Golfinho:</b> Was bedeutet der<br />
Wahlausgang in Pakistan für den Krieg gegen den<br />
Terror?<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Positionierung im &quot;Kampf gegen den Terror&quot; </b>
</p>
<p>
<b>hiawatha:</b> Guten Tag Herr Meesmann, wie schätzen<br />
Sie die Chancen ein, dass eine neue Koalitionsregierung die<br />
Instabilität in den pakistanisch-afghanischen Grenzregionen in<br />
den Griff bekommt?</p>
<p><b>Florian Meesmann</b>:<br />
In der pakistanisch-afghanischen Grenzregion, vor allem in den<br />
halb-autonomen Stammesgebieten, hatte noch keine pakistanische<br />
Regierung den vollen Einfluss der Staatsmacht. Daran wird sich in<br />
absehbarer Zeit wohl auch nur wenig ändern.
</p>
<p>
Die<br />
Positionierung im Kampf gegen den Terror ist sicher eine der<br />
heikelsten Fragen für eine neue Regierung; zwar gilt es, gewisse<br />
Verpflichtungen gegenüber den USA zu erfüllen, andererseits<br />
weiß jeder, dass gerade die hohe Zahl der zivilen Opfer beim<br />
Vorgehen der Armee im Swat-Tal und anderswo einen wesentlichen Anteil<br />
an der Unbeliebtheit Musharrafs hatte &#8211; da steckt also auch die neue<br />
Regierung in der einer Zwickmühle.</p>
<p><b>hiawatha:</b><br />
Könnte die neue Regierung ein Amtsenthebungsverfahren für<br />
Herrn Musharraf durchsetzen und ihn auf Grund seines damaligen<br />
Putsches wegen Hochverrats anklagen?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Liebe Hiawatha, wenn sich die neue Regierung auf eine<br />
Zweidrittelmehrheit im neuen Parlament stützen könnte, dann<br />
könnte sie rein theoretisch Verfassungsänderungen<br />
durchsetzen oder Musharraf mit einem Amtsenthebungsverfahren<br />
zumindest drohen. Es ist rechtlich allerdings umstritten, welche<br />
Rolle das Oberhaus des Parlamentes dabei spielen müsste. Eine<br />
wichtige Voraussetzung, um gegen Musharraf rechtlich vorzugehen, ist<br />
aber sicher die Wiederherstellung einer unabhängigen Justiz,<br />
denn noch ist der Oberste Gerichtshof des Landes eher mit<br />
Musharraf-nahen Richtern besetzt, die der Präsident nach der<br />
Amtsenthebung Iftikhar Chaudrys und seiner Kollegen im letzten<br />
Frühjahr berufen hat. </p>
<p><b>Karl Empke:</b> Wie<br />
sieht das zukünftige Verhältnis der pakistanischen<br />
Regierung zu der irakischen Regierung aus? Können Islamisten auf<br />
eine &quot;bequeme&quot; Zeit hoffen, wenn der amerikanische Einfluss<br />
im Irak nachgelassen hat?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Lieber Karl Empke, das lässt sich zurzeit nur<br />
schwer beurteilen. Sicher gibt es Beziehungen zwischen militanten<br />
Islamisten in beiden Staaten und wohl auch Reisebewegungen. Ob dort<br />
aber ein direkter Zusammenhang zwischen dem politischen Druck im Irak<br />
und der Situation in Pakistan besteht, ist schwer zu belegen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Hier das Ergebnis unserer Chat-Umfrage. Wir hatten gefragt: Wird sich<br />
Ihrer Ansicht nach die Lage im krisengeschüttelten Pakistan nach<br />
der Parlamentswahl stabilisieren? 22% haben Ja gesagt, 78% Nein. Und<br />
damit sind wir am Ende unseres heutigen Chats. Ich möchte mich<br />
bei allen Teilnehmern für die rege Diskussion bedanken,<br />
besonders aber bei Herrn Meesmann in Islamabad. Ihnen allen wünschen<br />
wir noch einen angenehmen Tag!</p>
<p><b>Florian Meesmann</b>: Vielen<br />
Dank und herzliche Grüße nach Deutschland, Ihr Florian<br />
Meesmann.</p>
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