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	<title>Fortschritt &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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		<title>Morozov und die Gretchenfrage der Netzdebatte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jakob Werlitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 May 2014 13:42:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Netz-Journalist Evgeny Morozov, bekannt und umstritten für seine scharfe Kritik an Überwachung, Netzkultur und technologischem Wandel, äußerte sich diese Woche [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/morozov.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-139687" alt="morozov" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/morozov.png" width="639" height="320" /></a> Netz-Journalist Evgeny Morozov, bekannt und umstritten für seine scharfe Kritik an Überwachung, Netzkultur und technologischem Wandel, äußerte sich diese Woche in einem Interview auf heise online zu den Gefahren einer ökonomischen Prägung und Vereinnahmung durch neue Technologien. Leider stellte er sich kaum der Frage, warum es angesichts dessen nicht gelingt, die Menschen von seinen Positionen zu überzeugen und für diese Problematiken zu sensibilisieren.<br />
Ziel von <a href="http://www.heise.de/tr/artikel/Es-geht-um-die-Zukunft-der-Demokratie-2184581.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Morzovs Schelte</a> war ein weiteres Mal die „New Economy“ im Silicon Valley, die er im Hinblick auf ihr Bedrohungspotenzial auf eine Stufe mit der geheimdienstlichen Überwachung stellte. Aber auch der Staat und die Internet-User, die Verantwortung und Problemlösungskompetenzen zunehmend an Wirtschaftsunternehmen abgeben würden, trügen zu dieser Entwicklung bei.<br />
Die privatwirtschaftliche Verfügung über unsere Kommunikationsmittel stellt für ihn ein Symptom unserer „Kapitulation gegenüber der Logik der Privatisierung und des Neoliberalismus“ dar. Im Zuge dessen überließen wir private und staatliche Entscheidungen zunehmend Datenberechnungen, anstatt darüber nachzudenken, wie diese Probleme in die Welt kämen. Die wirtschaftlichen Problemlösungen würden sich lediglich auf die „niedrig hängenden Früchte“ konzentrieren und eine vertiefte Auseinandersetzung mit Problemen im Zuge dessen verdrängen.<br />
Seine eigene Aufgabe sieht der in den USA lebende Buchautor nun auch darin, Bewusstsein zu schaffen für diese Problematik und zentrale Fragen gesellschaftlicher Gestaltung  zu repolitisieren. Dazu sei es auch notwendig, den Diskurs über digitale Technologien zu verändern. Auf sprachlicher Ebene befindet er Phrasen wie die „Freiheit des Internets“ als untauglich, da sie einerseits zu mehrdeutig und unverständlich seien und andererseits eine falsche Sicht auf Technologien einnehmen würden: „Es gibt keinen virtuellen Raum, es gibt keinen Cyberspace. Es gibt nur eine Welt.“ Für ihn ist bereits die Differenzierung zwischen  Internet und Nicht-Internet problematisch. Bereits in <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/politik-in-der-digitalen-welt/evgeny-morozov-antwortet-auf-martin-schulz-wider-digitales-wunschdenken-12790285.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">seiner Replik</a> auf Martin Schulz‘ <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/digitale-gesellschaft-eu-parlamentspraesident-warnt-vor-technologischem-totalitarismus-12787107.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beitrag</a> im Februar hatte der Publizist gefordert, mit der Mystifizierung des Internets zu brechen. Diese verweigere sich dem Umstand, Technik als der Gesellschaft eigenen Bestandteil zu begreifen. Technik entwickele sich unter spezifischen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die wirtschaftlich und politisch vermachtet seien, und sei deshalb zu keinem Zeitpunkt frei oder neutral.<br />
<b> „Die Beweislast liegt nicht auf meiner Seite“</b><br />
So wichtig es ist, hin und wieder am Fortschrittsdogma und der Internet-Euphorie zu kratzen, muss aber dennoch reflektiert werden, warum diese eine so große Anziehungskraft auf die Menschen ausüben und warum es nicht gelingt, die Risiken öffentlich bekannt zu machen. Morozov verweist zwar darauf, dass man die gesellschaftlichen Kosten dieser Entwicklung aufzeigen müsse. Auf die Frage nach den mangelnden Problemlösungskompetenzen der repräsentativen Demokratie bleibt Morozov eine befriedigende Antwort schuldig. Denn während Staat, Gesellschaft und Menschen in vielen Bereichen bereits konkreten Nutzen aus den Innovationen ziehen, weist der Publizist die Beweislast von sich.<br />
Den vielfältigen Verheißungen wie Kosten- und Zeiteinsparungen, verbesserten Forschungsbedingungen oder Partizipationsmöglichkeiten begegnet er auf diese Weise mit einer gewissen Ignoranz. Dabei gilt es tatsächlich, kritische Fragen zu stellen: Wie weit wollen wir gehen? Wer soll darüber entscheiden? Was bezahlen wir dafür? Wo liegen die ethischen Grenzen? Wie verändern sich Rolle des Staates und seine Beziehung zu Wirtschaft und Zivilgesellschaft?<br />
Doch wenn wir den Menschen und Dingen, die wir kritisieren, nicht auf Augenhöhe begegnen, und wenn wir nicht versuchen zu verstehen, warum Menschen bestimmte Tools verwenden,  warum sie über gewisse Fragen nicht nachdenken oder sprechen wollen, und warum sie das Internet vor allem im Lichte seiner Annehmlichkeiten betrachten, dann lavieren wir uns um die  gegenwärtige Gretchenfrage des Netzdiskurses herum, die da lautet: Wie kann ein breiter gesellschaftlicher Diskurs angestoßen werden? Einen guten <a href="http://re-publica.de/session/ueberwachung-macht-impotent-neue-narrative-gegen-ueberwachung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beitrag</a> hierzu brachte jüngst der Journalist Friedemann Karig auf der re:publica, indem er „neue Narrative gegen Überwachung“ forderte. Aber auch Evgeny Morozov selbst liefert mit seiner Sensibilisierung für die Begriffe „Internet“ oder „Freiheit“ bereits einen wichtigen Anstoß. Nun muss eine weitere Auseinandersetzung mit den Mechanismen innerhalb der Netzdebatte folgen.<br />
Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/journalismfestival/6319166972/sizes/o/in/photostream/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">International Journalism Festival</a> (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 2.0</a>)<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Telegraphenlunch zum Thema &#034;Digitale Deformation&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/telegraphenlunch-vom-15-04-14-139082/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jakob Werlitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Apr 2014 09:04:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Beim Telegraphenlunch der Deutschen Telekom stand am 15. April nichts weniger zur Debatte als der kulturelle Wandel selbst. Verlernen wir [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Deformation2.png"><img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Deformation2.png" alt="Deformation2" width="640" height="300" class="alignnone size-full wp-image-139095" /></a><br />
Beim Telegraphenlunch der Deutschen Telekom stand am 15. April nichts weniger zur Debatte als der kulturelle Wandel selbst. Verlernen wir in der digitalen Gesellschaft substanzielle Fähigkeiten oder sind Kulturtechniken wie die Handschrift und das Kopfrechnen letztlich entbehrlich? Dabei waren sich die zwei Podiumsgäste, Autorin Kathrin Passig und Design-Professor Reto Wettach, schon früh darin einig: Eine einseitige Betrachtung ist keine Lösung. Auch die negative Pointierung des Titelthemas mochten die zwei Impulsgeber nicht so recht mittragen.<br />
So warb die Autorin des Buches „Internet &#8211; Segen oder Fluch“ Kathrin Passig schon zu Beginn ihres Beitrags für eine differenzierte Betrachtung des Themas. Jede Innovation habe ihre Kehrseite, und überall, wo neue Wege zu arbeiten, zu denken und sozial zu interagieren entstünden, würden alte Formen des Handelns verblassen. Passend zum Anlass stimme auch hier die alte Weisheit: &#8220;There ain&#8217;t no such thing like free lunch&#8221;.<br />
Wir sollten uns angesichts des Wandels weder in reflexartige Verurteilungen noch in Lobeshymnen stürzen, sondern die stattfindenden Veränderungsprozesse genau analysieren. Ob das Bahnfahren oder der Buchdruck, jede neue Entwicklung stellte den Menschen auch vor neue Herausforderungen. Passig plädierte dafür, die Anpassungsleistungen der Menschen aufmerksamer zu betrachten.</p>
<h3><strong>Neukonfiguration statt Deformation</strong></h3>
<p>Auch Reto Wettach, Professor an der FH Potsdam und Gründer der Designschmiede IXDS, wandte sich klar gegen eine pessimistische Lesart der Digitalisierung. Zwar ließe sich durchaus eine gewisse Verarmung unserer körperlichen Fähigkeiten beobachten, es sei jedoch nur eine Frage der Zeit und der Kreativität, bis der Mensch lerne, sein gesamtes Potenzial im Internet und über Gadgets einzusetzen: „Ich bin nicht davon überzeugt, dass wir den Schatz, den wir als Menschen mitbekommen haben, voll ausschöpfen“. Mit der richtigen Technik, so der Designer, würden dem Menschen auch gänzlich neue Welten und Möglichkeiten der Wahrnehmung eröffnet werden.<br />
Auch Innovationsreichtum und Experimentierfreude würden durch die Unverbindlichkeit der digitalen Lebenswelt drastisch zunehmen, obgleich Wettach sich auch skeptisch zeigte gegenüber einer Kultur, die nach dem Motto „Apfel-Z geht immer“ funktioniere. Risiko- und Verantwortungsbewusstsein würden in Zeiten vielfältiger Alternativen und permanenter Backups einem nicht unerheblichen Wandel unterzogen.</p>
<h3><strong>„Es ist anstrengender geworden“ </strong></h3>
<p>Einen weiteren interessanten Punkt erreichte die Debatte, als Moderator Wieprecht (Radio Eins) seine Sorge um die Überforderung des menschlichen Gehirns durch die expandierenden und beschleunigten Informationsströme zum Ausdruck brachte. Klar sei auch dies ein ewiges Thema der Moderne, aber in der heutigen Zeit von umso größerer Bedeutung. Wo liegen beispielsweise die Grenzen menschlicher Aufnahmefähigkeit? Reto Wettach plädierte dafür, eine Balance aus Selektion, Oberflächlichkeit und Tiefgründigkeit herzustellen, um die Vielfalt an Information kreativ und variabel zu nutzen. „Das nötige Maß an Desinformation macht den Dialog spannend“, so seine These.</p>
<h3><strong>Die Unsicherheit aushalten</strong></h3>
<p>Insgesamt warf die Runde immer wieder interessante Schlaglichter und stellte wichtige Fragen zur Diskussion. Dennoch verpasste man es an der einen oder anderen Stelle, auf diese vertieft einzugehen. Stattdessen wurde über fehlgeleitete Navigationssysteme sinniert, Technikskeptizismus als typisch deutsch und konservativ verabschiedet und Kritik immer wieder mit den Einwänden gegenüber heute akzeptierten Entwicklungen gleichgesetzt, wie dem Zugfahren, dem Fernsehen oder der Tageszeitung. Auch die anschließende Zuschauerdiskussion zeichnete sich vor allem durch die von Kathrin Passig thematisierten verhärteten Fronten aus: Alt und jung, digital versus analog, Schriftkultur gegen Netzwelt. Am Ende bleiben viele gute Fragen und ein großes Fragezeichen.<br />
Bild: NASA per <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:AC89-0437-20_a.jpeg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikimedia Commons</a><br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></p>
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