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	<title>Foto &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Soldaten: Finger weg von Digi-Cams!</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Nov 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<b>(Artikel) Digitale Speicher- und Aufnahmengeräte finden mit zunehmendem Preisverfall auch bei den Soldaten Anklang. Das hat auch für das Militär Konsequenzen, wie die öffentliche Debatte in den vergangenen Wochen gezeigt hat. Denn durch die digitalen Medien kommen neue Dimensionen beim Dokumentationsvorgang hinzu.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>(Artikel) Digitale Speicher- und Aufnahmengeräte finden mit zunehmendem Preisverfall auch bei den Soldaten Anklang. Das hat auch für das Militär Konsequenzen, wie die öffentliche Debatte in den vergangenen Wochen gezeigt hat. Denn durch die digitalen Medien kommen neue Dimensionen beim Dokumentationsvorgang hinzu.<!--break--><br />
</b></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Die vermeintlichen „Schädel-“ oder „Schock-Fotos“ aus Afghanistan kursieren nun seit etwa einer Woche in der deutschen Medienöffentlichkeit, und so allmählich ergänzen auch durchdachtere Positionen und Anmerkungen die aufgeregten Empörungen der ersten Tage. Doch es bleiben auch einige Lücken bestehen, insbesondere mit Blick auf den Entstehungskontext der Bilder und ihren Weg in die deutsche Medienöffentlichkeit – nein, hier sind nicht die exklusiven Kanäle der BILD-Zeitung gemeint, sondern vielmehr die digitalen Aufnahme- und Speichergeräte in den Händen der Soldaten. Offenbar war die Mitnahme von Digitalkameras (bisweilen auch des eigenen Notebooks) nach Afghanistan problemlos möglich – für die digitale Bildproduktion öffnete sich so ein weites Feld, und man muss sich beinahe fragen, warum es so lange dauerte, bis das Bildmaterial an eine breitere Öffentlichkeit gelangte.
</p>
<p>
Der Charakter der Bilder als Digitalbilder wurde in der Debatte bislang so gut wie nicht thematisiert, lediglich in Nebensätzen war von Lösch- oder Kopierversuchen die Rede, manche Artikel erwähnen einen regen Bilderhandel im Camp. Aus mehreren Gründen scheint aber der „Aggregatzustand“ des Fotomaterials besonders interessant. Zunächst einmal wurde die Authentizitätsfrage nie ernsthaft gestellt, die Öffentlichkeit ist sich einig, dass es sich nicht um Fälschungen handelt. Spätestens die Publikation in der BILD fungiert ganz offenbar als Echtheits-Zertifikat (die schnellen Schuldeingeständnisse der Bundeswehr taten ein übriges). An sich wäre dies nicht verwunderlich, zeigt aber, dass der generelle Vorbehalt gegenüber Digitalfotos angesichts der schieren Menge und weiten Verbreitung nicht mehr aufrecht erhalten wird – digitales Bildmaterial wird inzwischen schneller als „authentisch“ angesehen.</p>
<p>Damit wäre man beim zweiten Punkt: Die Bilder stammen aus dem dem Jahr 2003 und sind alt – zumal in einem digitalen Umfeld, das als besonders schnelllebig gilt. Warum haben sie in den vergangenen drei Jahren nicht schon einige Runden durch die schmutzigen Randzonen des Internet gedreht? Warum keine „Enthüllung“ durch einen umtriebigen Blogger? Offenbar ist die „deutsche Blogosphäre“ noch längst nicht auf internationalem Niveau, denn bewaffnete Konflikte waren nicht erst seit dem Bagdad-Blog von<br />
<a href="http://dear_raed.blogspot.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Salam Pax</a> ein wesentlicher Nährboden für die hochgelobte Kommunikationsplattform. Die bislang seltenen „Bundeswehrblogs“ umfassen eher harmlose Berichte aus dem Alltag junger Wehrdienstleistender. Ein breit aufgestelltes Angebot wie „milblogging.com“, das mehr als 1.500 „Militär-Weblogs“ auflistet (darunter nur eine Handvoll von deutschen Soldaten), ist hierzulande nicht in Sicht.
</p>
<p>
Schließlich muss auch der konkrete Produktionsvorgang der „Schock-Fotos“ als Digitalbilder mitgedacht werden. Dabei sind drei wesentliche Charakteristika des Digitalfotografierens relevant. Zum einen entfällt die aufwändige Filmentwicklung, als traditionelle Fotos mit der Kleinbildkamera sind die Aufnahmen im afghanischen Kriegsgebiet schlichtweg undenkbar. Wichtiger aber sind zwei andere Punkte: Digitalfotos stehen unmittelbar nach der Aufnahme zur Verfügung, können überprüft und bei Bedarf erneut aufgenommen werden. Dies „erklärt“ die hohe Zahl der Bilder und den hohen Inszenierungsgrad der Aufnahmen. Das technologische Setting leistet einer seriellen Bilderproduktion Vorschub, multipliziert die Motive und die Anzahl der Bilder. Bleibt ein dritter Aspekt: Mit Abschluss der Aufnahmen verwandelt sich die Digitalkamera von einem Aufnahme- in ein Aufbewahrungs- und Zeigegerät. Nach der Rückkehr von einer Patrouillenfahrt liefert die Dia-Show im Basislager das Beweismaterial zu den Ereignissen des Tages – entweder auf dem Mini-Monitor in der Kamera oder nach der Übertragung auf ein Notebook. Einige der zuletzt veröffentlichten Berichte aus Afghanistan weisen deutlich darauf hin, dass innerhalb der Truppe reichlich digitales Bildmaterial zirkuliert und gerade die Möglichkeit zur schnellen Einsichtnahme auch zu einer Verstärkung der Aufnahmetätigkeiten geführt hat. Dass solche „personal devices“ nicht allein der Ablenkung und Zerstreuung dienen, sondern mitunter auch nicht unerhebliche Risiken bergen, sollte eigentlich bekannt sein.
</p>
<p>
Diese Eigenlogik der digitalen Bildproduktion führt schließlich zu einer scheinbar simplen Schlussfolgerung: Das Hantieren mit Kameras im Kriegsgebiet ist dem Umgang mit Waffen gleichzusetzen und gehört ganz offensichtlich verregelt. Nicht ohne Grund hatte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die Nutzung digitaler Aufnahmegeräte aller Art in irakischen Militärlagern verboten – allerdings erst nach dem Skandal von Abu Ghraib. Inzwischen haben die US-Militärs ganz offensichtlich hinzugelernt, ein Bericht der Associated Press vom 30. Oktober 2006 (verfügbar über military.com) stellt die Arbeit der „Army Web Risk Assessment Cell“ vor: ein in Virginia ansässiges Sondergremium, das die digitalen Aktivitäten der US-Truppen überwacht und auf Sicherheitsrisiken prüft. Bis die Bundeswehr eine ähnliche Einheit beschäftigt, wird es wohl noch etwas dauern, doch schon jetzt scheint ein restriktiverer Umgang mit persönlichen digitalen Assistenten aller Art angezeigt.<br />

</p>
<p>
<br />
Diskutieren Sie, ob den deutschen Soldaten Digitalkameras weggenommen werden sollen.<br />
<b><br />
</b></p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Was folgt aus dem Bilderskandal? &#8211; Teil 1</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Nov 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[
                              (Artikel) In der Diskussion um die "Schock-Bilder" deutscher Soldaten in Afghanistan werden die falschen Fragen gestellt, sagt Benjamin Drechsel. Jenseits von Skandalisierung oder Täter-sind-auch-Opfer-Sicht sollte ergründet werden, warum solche Bilder entstehen und welche Wirkung sie haben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
                              <strong>(Artikel) In der Diskussion um die &#8220;Schock-Bilder&#8221; deutscher Soldaten in Afghanistan werden die falschen Fragen gestellt, sagt Benjamin Drechsel. Jenseits von Skandalisierung oder Täter-sind-auch-Opfer-Sicht sollte ergründet werden, warum solche Bilder entstehen und welche Wirkung sie haben.</strong><!--break--></p>
<p>Mittwoch, der 26. Oktober 2006, markiert eine Zäsur für Bundesrepublik und Bundeswehr, denn auch „wir“ gehören nun ganz augenscheinlich zu den Bösen dieser Welt. Zuerst die BILD-Zeitung, danach andere Massenmedien, haben uns seit diesem Tag reichlich „SCHOCK-FOTOS“ von deutschen Soldaten in Afghanistan präsentiert. Junge Männer zeigen sich darauf mit Totenschädeln, mal tendieren ihre Posen eher in Richtung Pornografie, mal in Richtung Machtfantasie. Es lohnt scheinbar kaum, näher darauf einzugehen, denn in der Öffentlichkeit herrscht ein breiter Konsens darüber, dass die Bilder als „Leichenschändung“ wahrgenommen und verurteilt werden sollten.</p>
<p>Die damit einhergehende Skandalisierung war so folgerichtig wie vorhersehbar: Zunächst gab sich die politische Elite des Landes „zutiefst entsetzt“, „angewidert“, „schockiert“ – die Wahl der durchaus angebrachten und notwendigen Allgemeinplätze war wenig überraschend. Ziel der Entrüstung waren damit die Fotografierten, wobei die Fotografen, mithin also die eigentlichen Bildschöpfer, erstaunlich selten thematisiert wurden. Das erklärt sich vor allem aus dem Medium und seinem öffentlichen Gebrauch: Denn auch im Zeitalter des digitalen Bildes eilt der Fotografie noch der Ruf des „Objektiven“ voraus, obwohl wir nun schon ziemlich lange wissen, dass ein Objektiv nicht objektiv ist.</p>
<p>In der zweiten, ebenso vorhersehbaren und unmittelbar anschließenden Umdrehung der Medienspirale kam dann jedenfalls zur Fotokritik die Fotokritik-Kritik hinzu: Insbesondere wurde dabei immer wieder die Bigotterie der BILD-Zeitung angeprangert, denn zunächst zirkulierten die Fotografien Bundeswehr-intern – öffentlich wurde die Leichenschändung erst durch die BILD-Zeitung. Und dies in einem expliziten Sinne, weil eine nur-schriftsprachliche Berichterstattung über die Spottbilder die Schändungen der Toten nicht millionenfach reproduziert hätte. Die Bilder tun jedoch genau dies. Das hat etwa die taz reflektiert, indem sie auf ihrer Titelseite vom Donnerstag (26. Oktober 2006) unter der anspielungsreichen Überschrift „<br />
                            <a href="http://www.taz.de/pt/2006/10/26.1/s1pdf.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">WIR SIND<br />
                            <strike>PAPST</strike> WIXER</a>“ einen Ausriss aus der Bild-Zeitung präsentierte – und nicht etwa nur eine entkontextualisierte Fotografie. Im übrigen setzten auch die Kollegen von der FAZ auf die Abbildungstechnik des Ausrisses – am gleichen Tag dokumentierte die Reproduktion dreier Schädel-Bilder samt der charakteristischen weißen Schlagzeile auf rotem Grund den großen Seite-3-Bericht. Gleichwohl entgehen damit weder die linke tageszeitung noch die klugen Köpfe vor und hinter der FAZ dem von der BILD-Zeitung in Gang gesetzten Teufelskreislauf der visuellen Leichenschändung. Was der Berliner Bildhistoriker Horst Bredekamp in Bezug auf terroristische Hinrichtungsvideos formuliert hat, gilt auch für die deutschen Afghanistanbilder: „Da der Zweck dieses Verbrechens im Betrachten seines Bildes liegt, bedeutet sein willentliches Ansehen Komplizenschaft.“ Mit anderen Worten: Die Reproduktion der Bilder (die es niemals ohne ihre BetrachterInnen gibt, weil Bilder nicht „an sich“ existieren, sondern immer nur in Köpfen) reproduziert auch die Leichenschändung.</p>
<p>Das Wechselspiel aus Bildkritik und Bildkritik-Kritik setzte sich fort. Mit jedem weiteren Deutungsversuch verloren die Skandalbilder viel von ihrer Eindeutigkeit und zeigten plötzlich (wiederum bereits in der taz vom 26. Oktober 2006) „schlecht ausgerüstete, ohnmächtige, ängstliche Männer“. So fragwürdig sie zunächst auch sein mag: Diese Umkehrung der Täter-Opfer-Perspektive bringt die wichtige Erkenntnis mit sich, dass die Totenschädelbilder vieldeutiger und komplexer sind, als man auf Grund ihrer schlichten Machart zunächst meinen sollte. Und darin steckt nun der Schlüssel zur Aufklärung des visuellen Verbrechens &#8211; allerdings leider nicht zu seiner Verhinderung: Denn nur über die Erkenntnis ihrer Vieldeutigkeit können wir die Oberfläche dieser visuellen Medienkonstrukte durchbrechen und versuchen, zu ihren allgemeineren kulturgeschichtlichen Bedeutungen vorzustoßen.</p>
<p class="fett">
                              <br />
                              <a href="bdrechsler_bilderskandal2_081106.shtml">Weiter zum zweiten Teil &gt;&gt;</a>
                            </p></p>
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		<title>Was folgt aus dem Bilderskandal? &#8211; Teil 2</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Nov 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[
                              (Artikel) In der Diskussion um die "Schock-Bilder" deutscher Soldaten in Afghanistan werden die falschen Fragen gestellt, sagt Benjamin Drechsel. Jenseits von Skandalisierung oder Täter-sind-auch-Opfer-Sicht sollte ergründet werden, warum solche Bilder entstehen und welche Wirkung sie haben.
                            ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                              (Artikel) In der Diskussion um die &#8220;Schock-Bilder&#8221; deutscher Soldaten in Afghanistan werden die falschen Fragen gestellt, sagt Benjamin Drechsel. Jenseits von Skandalisierung oder Täter-sind-auch-Opfer-Sicht sollte ergründet werden, warum solche Bilder entstehen und welche Wirkung sie haben.
                            </p>
<p><!--break--></p>
<p>Um es zunächst noch einmal zu betonen: Die abgebildeten Posen und Handlungen sind abscheulich und ekelhaft. Mit den Veröffentlichungen in der BILD-Zeitung wurden Skandalisierung der Bilder und öffentlicher Diskurs dazu unausweichlich. Die maßgeblichen deutschen PolitikerInnen haben richtig gehandelt, indem sie die Fotos zunächst eindeutig verurteilten. Damit haben Sie, so gut sie es eben konnten, Distanz zwischen „uns Deutsche“ und diese „anderen Deutschen“ dort auf den Bildern gebracht. Mehr aber auch nicht.</p>
<p>Erst mit der kritischen Infragestellung der oberflächlichen Eindeutigkeit dieser Bilder kann der Blick auf „unsere Beteiligung“ an dem Verbrechen, das eben nicht nur die abgebildeten Taten und Posen, sondern insbesondere auch die „Bilder-als-solche“ (und ihre Veröffentlichung) sind, gewagt werden. Anders gesagt: Wenn wir denn nun mal mit drin hängen, ohne es je gewollt zu haben, wüssten wir dann zumindest gern, um welche Art von Verbrechen es sich eigentlich handelt. Nur so können wir die künftig dringend benötigten Gegenmechanismen entwickeln.</p>
<p>Insofern wäre es also wichtig, Fragen zu stellen (so wie etwa<br />
                            <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23837/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Christian Gapp</a> am 26. Oktober 2006), statt immer nur ExpertIn zu spielen und schablonenhafte Antworten zu geben. Denn ein Bild sagt zunächst einmal keineswegs „mehr als tausend Worte“, sondern schlicht und einfach: gar nichts. Es sind nämlich die Kontexte, die für Bildbedeutungen sorgen. Kein Bild ist an sich ein „Schock-Foto“, nur weil das irgendjemand (und sei es die meinungsmächtige BILD-Zeitung) behauptet, sondern nur dann, wenn es auch wirklich jemanden schockiert. Insofern ist die Rede von „Spottbildern“ vielleicht ehrlicher, denn als Spott sind die Afghanistanfotos inszeniert und rezipiert worden – einen öffentlichen Schock dürften Sie nach dem, was wir etwa aus Abu Ghraib zu sehen bekommen hatten, wohl eher nicht mehr ausgelöst haben. Viel entscheidender als ein wirklicher Schock war für die politische Abwehrreaktion gegen die Bilder die aus ihrer Veröffentlichung folgende Angst vor islamistischen Attacken in Deutschland bzw. auf Deutsche – dafür spricht ja auch die ebenso verständliche wie absurde Debatte um die Frage, ob es sich nun um Totenschädel von Moslems oder von Angehörigen anderer Religionen handele. Auch dies ist übrigens wieder eine Frage, zur der die „Bilder-als-solche“ schweigen. Sie lässt sich nur über die Rekonstruktion ihrer Kontexte beantworten.</p>
<p>Weil Bildbedeutungen also aus historischen Kontexten erwachsen, ist es besonders interessant, zu welchem Zweck die Totenschädelfotos aufgenommen wurden und bei welcher Gelegenheit. Eine zentrale Frage müsste also lauten: Warum sind diese deutschen Spottbilder in Afghanistan entstanden? Was haben sich die beteiligten Soldaten davon versprochen? Welcher sozialen Choreographie folgte ihre Inszenierung? Solange wir darüber so wenig wissen, müssen wir uns mit der Analyse der visuellen Traditionen behelfen, auf denen die „Schockfotos“ aus Afghanistan aufbauen: Eine bildpsychologische Spur führt dabei von den jüngsten Spottbildern gerade nicht zu den Folterfotos von Abu Ghraib, weil dort nämlich nicht Tote visuell verspottet, sondern Lebende gequält wurden (wobei eine Gemeinsamkeit möglicherweise in der anti-islamischen politischen Symbolik der Bilder besteht). Diese Fährte führt stattdessen beispielsweise hin zu solchen Wehrmachtsfotografien aus dem Zweiten Weltkrieg, die als Trophäen getöteter Feinde und damit als Amulette gegen den eigenen Tod fungierten.<br />
                            <a href="http://www.kunsttexte.de/download/poli/hoffmann-curtius.PDF" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kathrin Hoffmann-Curtius</a> hat in diesem Zusammenhang „das unheimliche Begehren von Soldaten nach Bildern des hingerichteten Feindes“ beschrieben. Dass es sich bei solchen bildmagischen Leichenschändungen keineswegs um ein spezifisch deutsches Phänomen handelt, zeigt die 1943 erstmals veröffentlichte Fotografie eines abgerissenen japanischen Soldatenkopfes von Ralph Morse, der durch US-Soldaten auf einem japanischen Panzer angebracht worden war. Ganz anders, als man zunächst meinen sollte, mach(t)en solche Bildinszenierungen neben der „Verrohung“ (so der Flensburger Historiker Gerhard Paul) auch die Angst ihrer UrheberInnen sichtbar. Auch im scheinbar so selbstsicheren Spiel des Bundeswehrsoldaten mit den Leichenteilen maskiert sich letztlich nur dessen unsägliche Furcht vor der eigenen Vergänglichkeit. Sie soll durch die Verspottung des Todessymbols, das jeder Totenschädel immer auch ist, bildmagisch gebannt werden. Das macht die Leichenschändung moralisch zwar nicht weniger verwerflich, führt aber wenigstens zum Verständnis ihrer Ursachen – und damit, das wäre zumindest die aufklärerische Hoffnung, die sich in diesem Fall allerdings kaum erfüllen dürfte, vielleicht auch zu deren Beseitigung.</p>
<p>Damit wären wir schließlich wieder bei der taz angelegt, die auf den skandalisierten Bildern aus Afghanistan vornehmlich „schlecht ausgerüstete, ohnmächtige, ängstliche Männer“ erkennen wollte. Zwar ist dies natürlich nur die erste von vielen weiteren Bedeutungsschichten, die eine sorgfältige (und vor allem auch historisch fundierte) Analyse hier herausarbeiten kann und muss. Genau darin aber wird die Arbeit der nächsten Zeit bestehen, wenn wir aus den visuellen Leichenschändungen unserer Landsleute eine klügere und tiefere Lehre ziehen wollen als den kurzfristigen moralischen „Schock“, den uns die BILD-Zeitung dieser Tage aufgezwungen hat.<br />
                            </p>
<p class="fett">
                              <a href="bdrechsler_bilderskandal1_081106.shtml">&lt;&lt; Zurück zum ersten Teil</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der Libanonkonflikt in Video-Warblogs und Web 2.0</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzkultur-afischer_web20undnaherosten_060817-shtml-2503/</link>
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		<pubDate>Wed, 16 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Während der Libanonkonflikt immer aufs neue eskaliert, bilden sich im Netz neue Formen für den Umgang mit der Krise. Kriegsgegner und Propagandisten, aber auch Nachrichtenangebote entdecken den Nutzen von Web 2.0 für ihre Zwecke.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Während der Libanonkonflikt immer aufs neue eskaliert, bilden sich im Netz neue Formen für den Umgang mit der Krise. Kriegsgegner und Propagandisten, aber auch Nachrichtenangebote entdecken den Nutzen von Web 2.0 für ihre Zwecke.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Die Sonne geht auf in der Wüste. Junge Männer binden sich in Zeitlupe ihre Schnürsenkel, im Hintergrund spielt ruhige Musik. Doch dann starten Kampfjets in der Morgensonne, explodieren Bomben in Gegenden, die offensichtlich von Zivilisten bewohnt sind. Und die jungen Männer, die Soldaten sind, bahnen sich ihren Weg durch Städte, die in Trümmern liegen. Im Hintergrund singt jemand: „Brothers in arms“.</p>
<p>Doch nicht nur wie<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Wahd2piIr4Q&amp;feature=PlayList&amp;p=BB8C6A9D2201568E&amp;index=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Filme wie dieser</a>, die aus der Propagandaabteilung des israelischen Militärs stammen, sondern auch Friedensaufrufe finden sich auf der Videoplattform YouTube<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/results?search_type=search_videos&amp;search_sort=relevance&amp;search_query=Israel%2BLebanon%2BStop%2BWar&amp;search=Search" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zuhauf</a>. Zahlreiche Videos tragen die Titel: „Stop the War“. Und nicht nur Aufnahmen aus dem Libanon fordern ein Einschreiten der Vereinten Nationen, sondern auch Videos von Demonstrationen aus aller Welt. Mit diesen Videos sprechen die Netizens eine deutliche Sprache. Im Zuge der militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah hat sich im Netz eine Bewegung formiert, die neue Beteiligungsformen des Internet in ihrem Sinne nutzt. Während die<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/extremismus/hkirchner_intifada.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Cyberintifada</a> noch vor einigen Jahren vor allem die Störung und Zerstörung israelischer Websites zum Ziel hatte, also auf der technischen Ebene agierte, zeigen sich durch die<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/web20/pbihr_grundlagen_060803.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Web 2.0-Angebote</a> neue Möglichkeiten auf der inhaltlichen Ebene aktiv zu werden. Durch neue Technologien und technische Vereinfachung haben sich interaktive Plattformen entwickelt, von denen flickr.com, youtube.com und wikipedia.org nur die bekanntesten sind.</p>
<p>                            <strong>Meinungen weltweit verbreiten</strong></p>
<p>Natürlich werden diese Plattformen auch von Usern genutzt, die in Krisengebieten wie dem Nahen Osten leben. Dort sind diese Angebote oftmals eine willkommene Chance, weltweit mit einer hohen Anzahl an Usern zu kommunizieren und Meinungen zu verbreiten. So ist es nicht verwunderlich, dass die Videoplattform YouTube zu den Schlagworten Lebanon und Israel und War über 1000 Videos anzeigt. Unter ihnen finden sich nicht allein Friedensaufrufe wie das eingangs beschriebene Video, sondern auch<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=mMt5oKwrxiQ&amp;mode=related&amp;search=" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nachrichtenmitschnitte</a> und Korrespondentenberichte, minutenlange Statements von muslimischen Gemeindevertretern und kurze Animationsfilme. Einer davon<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Jj_b5f5mbv4&amp;mode=related&amp;search" target="_blank" rel="noopener noreferrer">beschreibt</a> die Gewaltspirale im Nahen Osten kurz aber eindeutig und stellt am Ende die Frage „Was würdest DU tun??“</p>
<p>Die Grenze zwischen Betroffenheit und Propaganda ist bei YouTube jedoch durchaus fließend, wie die Videos des Nutzers „Obession: The Movie“ deutlich machen. Unter diesem Namen versucht ein Regisseur, für seinen zumindest fragwürdigen Film über Islamismus und Terror eine Vertriebsfirma zu suchen. Er hat zahlreiche<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=uHbV5CSj51I" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beiträge</a> zum „Krieg des radikalen Islams gegen des Westen“ auf die YouTube-Plattform hochgeladen. Hier sprechen sich scheinbar seriöse Experten klar für die Bekämpfung des Terrors aus. Unter dem Titel „Hitler and the Mufti“ werden die Wurzeln des islamischen Terrors mit Hitlers Antisemitismus in direkten Zusammenhang gestellt. Originalaufnahmen von einem Treffen Hitlers mit dem Mufti von Jerusalem sollen hierfür als Beweis dienen. Kategorisierungen der Videos und der Nutzer, die sie bei YouTube hochladen, fallen bei dieser Vielzahl an Videos schwer. Klar ist: Sowohl die libanesische Seite als auch die israelische nutzen die Plattform für ihre<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,429579,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">propagandistischen</a> Interessen.</p>
<p>Neben diesen politischen und den allgemeinen Konflikt beleuchtenden Inhalten bieten die Web 2.0-Plattformen ebenfalls die Möglichkeit, Alltagssituationen zu schildern. Auf der Suche nach den<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/web20/cjordan_tagging_060803.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tags</a> Israel, Lebanon und War zeigt die Fotoplattform flickr.com 5.928 Bilder, die unter jedem dieser drei Begriffe eingeordnet sind. Viele dieser Bilder zeigen Kriegssituationen, Hubschrauber über Beirut, zerstörte Gebäude. Zwischen diesen Fotografien findet sich jedoch auch ein erstaunliches Foto unter dem Titel “Life goes on”. Ein Brautpaar schreitet über eine menschenleere Straße. Der Bräutigam scheint nicht glücklich, doch der Fotograf vermutet wohl richtig: „Er spiegelt die momentane Stimmung in der Stadt wieder “. Darüber hinaus merkt der Fotograf an, dass er, während er das Foto aus einem fahrenden Auto schoss, sich so schnell wie möglich in Sicherheit<br />
                            <a href="http://www.flickr.com/photos/manunited/195923873/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bringen wollte</a>.</p>
<p>                            <strong>&#8220;Wie ein echtes Kriegskorrespondentenfoto&#8221;</strong></p>
<p>Klare Worte finden sich auch unter den anderen gefundenen Bildern: “Wir haben lange genug zugeschaut, es ist Zeit zu handeln und das Schweigen zu brechen. Es geht nicht darum, ob man Muslim oder Jude ist. Es geht darum, ein Mensch zu sein. Wir alle leiden, wir alle bluten und wir alle verdienen es, in Frieden<br />
                            <a href="http://www.flickr.com/photos/moayadphoto/205594792/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zu leben</a>.” Die Sorge um einen Fotografen, der ein zerstörtes öffentliches Gebäude fotografiert hat, wird deutlich anhand der Kommentare unter diesem Bild: „Bitte pass auf dich auf, mein Freund. Ich finde dein Foto ganz erstaunlich. Es sieht aus wie ein echtes<br />
                            <a href="http://www.flickr.com/photos/codernoir/196001323/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kriegskorrespondentenfoto</a>, aber bitte riskiere nicht dein Leben. Sei stark!“</p>
<p>Derzeit sind die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und dem Libanon bei YouTube und Flickr sehr prominent vertreten. Wenn das Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und dem Libanon tatsächlich Bestand hat, werden diesen Krieg bald andere Wörter und Bilder ablösen. Doch der Nahe Osten wird wohl immer ein Thema sein &#8211; nicht nur bei YouTube und Flickr.<br />
                            </p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Hobby-Korrespondenten erobern die Redaktion Teil 1</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wissensgesellschaft-kriefler_buergerjournalisten_060420_1-shtml-2698/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[kriefler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[Augenzeugenbericht]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalkamera]]></category>
		<category><![CDATA[Foto]]></category>
		<category><![CDATA[Hobby-Korrespondent]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Während viele Journalisten in Deutschland dem Phänomen Bürger Journalismus noch achselzuckend gegenüberstehen, wird andernorts bereits die dritte Form des Citizen Journalism umgesetzt: Etablierte Medien initiieren ein ganz neues Produkt, an dem Laien und professionelle Journalisten gemeinsam arbeiten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Während viele Journalisten in Deutschland dem Phänomen Bürger Journalismus noch achselzuckend gegenüberstehen, wird andernorts bereits die dritte Form des Citizen Journalism umgesetzt: Etablierte Medien initiieren ein ganz neues Produkt, an dem Laien und professionelle Journalisten gemeinsam arbeiten.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Die Mischung aus Google und dem neu aufkommenden Bürgerjournalismus könnte sich als Giftmischung erweisen. Das meint Dr. Horst Pirker, Vorstandsvorsitzender der österreichischen Styria Medien AG, die unter anderem die „Kleine Zeitung&#8221; verlegt. Die Redaktion werde überflüssig, der Großteil der Inhalte im Internet werde künftig von den Nutzern selbst erstellt. „Die Zukunft wartet nicht auf die Zeitungen&#8221;, erklärte er beim BDZV-Internetkongress „Zeitung online 2005&#8243; in Berlin. Dan Gillmor, ehemals Technologie-Kolumnist der „San Jose Mercury News&#8221;, hat gar seinen Job an den Nagel gehängt, um Bayosphere.com zu gründen, ein Citizen-Journalism-Projekt für das technologiegeprägte San-Francisco-Bay-Gebiet.</p>
<p class="fett">Neue Bindung schaffen</p>
<p>Das Versprechen des Internets war simpel, aber extrem machtvoll: ein Medium zu sein, durch das wir zusammenkommen und zusammenarbeiten können, zum Wohle aller. Genau das passiert jetzt&#8221;, erklärte Gillmor beim Weltkongress der Chefredakteure 2005 in Seoul. Doch auch traditionelle Medien ergreifen ihre Chancen: Steve Yelvington, bei der US-Zeitungsgruppe Morris verantwortlich für neue digitale Strategien, sieht eine Renaissance der Bindung zwischen Medien und ihren Nutzern. Proof of Concept bei Morris:<br />
                            <a href="http://www.blufftontoday.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„BlufftonToday&#8221;</a>, eine Mischung aus kostenloser Tageszeitung (Auflage: 16.500 Exemplare) und Internetangebot für die Gemeinde Bluffton, dessen Inhalte zum allergrößten Teil von den Einwohnern selbst erstellt werden.</p>
<p>
                              <strong>Laien sind näher dran</strong>
                            </p>
<p>Amerikanische Zeitungen werten „Citizen journalism&#8221; gerne als Trend zu gesellschaftlichen Engagement. Das Internet gebe den Bürgern die Mittel an die Hand, hyperlokale Inhalte zum Thema zu machen und sich selbst um ihre Angelegenheiten zu kümmern. Medien wie die britische BBC, das Internetportal MSN oder auch die norwegische Boulevardzeitung „VG&#8221; setzen dagegen ganz pragmatisch auf den Aktualitätsvorsprung, den ein Heer von mit Digitalkameras und Mobiltelefonen ausgerüsteten potentiellen Hobby-Korrespondenten im Vergleich zu einem professionellen Korrespondentennetz hat: Es waren Laien, nicht Profis, die kurz nach den Terroranschlägen Bilder aus der Londoner U-Bahn liefern konnten. Ähnlich war es bei der Tsunami-Katastrophe in Südostasien oder den Überschwemmungen in New Orleans.</p>
<p>
                              <strong>Großes Spektrum</strong>
                            </p>
<p>Ein ,,Citizen-Journalism&#8221;-Projekt zu sein, nehmen derzeit die unterschiedlichsten Initiativen für sich in Anspruch. Das Spektrum reicht von gemeinschaftlich betriebenen, auf Weblog-Technologie beruhenden Plattformen unabhängiger Online-Anbieter über die Einbindung von Bürgerzusendungen in traditionelle Medien bis hin zu wirklich neuen Angeboten, bei denen engagierte NichtJournalisten von einer professionellen Redaktion unterstützt und motiviert werden. Zur ersten Gruppe gehören neue Online-Angebote, die sich um Themen kümmern, die nach Einschätzung der jeweiligen Website-Betreiber von den „etablierten&#8221; Medien vernachlässigt werden. Meist sind die Initiatoren unabhängige Individuen oder eine kleine Gruppe mit journalistischem Anspruch. Sie schreiben viel selbst und animieren „ihre&#8221; Gemeinschaft, aktiv an der Gestaltung des Webangebots mitzuwirken &#8211; entweder durch eigene Beiträge oder durch Kommentare oder die Bewertung von Beiträgen anderer. Wer sich beteiligen will, muss sich registrieren. In der Regel werden Beiträge von Mitgliedern nicht redigiert &#8211; jeder Autor ist für die eigenen Texte und Bilder verantwortlich.</p>
<p>Die Angebote wachsen durch Mundpropaganda und werden mit minimalem technischem und finanziellem Aufwand betrieben. Die technischen Systeme unterstützen den Gemeinschaftscharakter des Angebots. Die neuesten, beliebtesten oder meistgelesenen Artikel werden häufig als eigene Kategorie geführt. Hierbei handelt es sich um Gegengründungen zu bestehenden Medien. Ein Beispiel hierfür ist<br />
                            <a href="http://www.ibrattleboro.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">iBrattleboro.com</a>, eine im März 2003 gegründete Plattform für die 12.000 Einwohner-Stadt Brattleboro. Einzelne Beiträge ziehen schon einmal 50 Kommentare nach sich &#8211; eine unerhört hohe Quote, wenn man die mögliche Grundgesamtheit der potenziellen Nutzer für ultralokale Themen heranzieht. Das Angebot wird ehrenamtlich von Christopher Groke und Lisa LePage betrieben. Nennenswerte Einnahmen gibt es nicht. Als Mitglied registrieren kann sich jeder Bürger von Battleboro. Die Einträge werden ohne redaktionelle Kontrolle online gestellt.</p>
<p>Gillmors<br />
                            <a href="http://sf.backfence.com/bayarea/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Bayosphere&#8221;-Projekt</a> ist ebenfalls der Kategorie des Gemeinschaftsangebots zuzuordnen, obwohl es hierbei nicht nur um hyperlokale Inhalte geht, sondern auch um neueste technische Entwicklungen, die eben die Einwohner von Silicon Valley in besonders hohem Maße interessieren. „Bayosphere&#8221; startete im Juni 2005. User, die nicht nur Kommentare abgeben wollen, werden angehalten, sich mit vollem Namen zu registrieren und Kontaktinformationen zu hinterlegen. Außerdem verpflichten sie sich, bei eigenen Beiträgen spezielle Standards einzuhalten, insbesondere fair zu berichten, ihre Quellen zu nennen, Fakten soweit möglich nachzuprüfen und eigene Interessenkonflikte offen zu legen.</p>
<p>
                              <strong>Weblogs als Gegengewicht</strong>
                            </p>
<p>Emanzipierte Nutzer, wie sie Horst Pirker als Schreckgespenst an die Wand malt, haben mit den Mitteln des Internets tatsächlich die Instrumente an der Hand, kollektiv etwas zu verändern und ein Gegengewicht zu den etablierten Medien zu bilden. Die Technologie bietet heute durch die vielfältigen Vernetzungsmöglichkeiten solchen Einzelinitiativen auch viel bessere Chancen, bekannt zu werden und sich durch Werbung zu finanzieren. Allerdings sind diese auf Idealismus gegründeten Initiativen bislang alle wirtschaftlich noch wenig erfolgreich. Die Abgrenzung von Citizen-Journalism-Projekten zu gemeinschaftlich betriebenen Weblogs, die es schon länger gibt, ist fließend und eigentlich nur durch das Ausmaß gegeben, in dem sich die Community beteiligen kann. Im einen Fall ist jedermann aufgerufen, eigene Beiträge zu schicken. Im anderen schreibt ein fester Autorenkreis, die User können nur kommentieren (siehe<br />
                            <a href="http://www.minga.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">minga.de</a>, ein Blog für München).</p>
<p></p>
<p>
                              <span class="normal"><br />
                                <strong>Weiter zum<br />
                                <a href="kriefler_buergerjournalisten_060420_2.shtml">zweiten Teil..</a> &gt;&gt;</strong><br />
                              </span>
                            </p>
<p>
                              <strong><br />
                              <br />Dieser Artikel erschien ursprünglich in &#8220;Redaktion&#8221;, dem Jahrbuch für Journalisten. Es ist Teil des Lokaljournalistenprogramms der<br />
                              <a href="http://www.bpb.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundeszentrale für politische Bildung/bpb</a>. &#8220;Redaktion 2006&#8221; wird im Medienfachverlag Oberauer verlegt und kann über die<br />
                              <a href="http://www.drehscheibe.org/publikationen.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Drehscheibe online</a> bestellt werden.</strong><br />
                              
                            </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Hobby-Korrespondenten erobern die Redaktion Teil 2</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wissensgesellschaft-kriefler_buergerjournalisten_060420_2-shtml-2699/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[kriefler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Laien vorne dabei]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Laien vorne dabei</p>
<p><!--break--></p>
<p>Initiativen etablierter Online- und Offline-Medien, die das aufkommende Engagement der Bürger für ihre bestehenden Angebote nutzen wollen, machten bislang bei uns die meisten Schlagzeilen und am meisten Schule: An publikumswirksamen Katastrophen, bei denen Laienfotos und Augenzeugenberichte richtig zur Geltung kamen, herrschte 2005 wahrlich kein Mangel. Das Interesse der Medien an derartigen Inhalten erklärt sich von selbst. Wer sein Selbstverständnis als Medienhaus über die Rolle als „erste beziehungsweise beste Informationsquelle für seine Nutzer&#8221; definiert, kommt nicht umhin, das Informationsbedürfnis seiner Leser oder Nutzer ernst zu nehmen. Wenn dann eben Informationen aus erster Hand in unserer digital vernetzten Welt am schnellsten, besten und billigsten von Laien zu bekommen sind, weil keine professionellen Mitarbeiter in zumutbarer Zeit vor Ort sind, warum diese Möglichkeit nicht nutzen? Derartige Beiträge von Bürgerjournalisten werden in der Regel jedoch selten unredigiert veröffentlicht.</p>
<p>
                              <strong>Ich und der Papst</strong>
                            </p>
<p>Der Kabelnetzanbieter MSNBC in den USA beispielsweise ermuntert seine Nutzer, eigene Texte, Fotos und Videos einzusenden. Nach dem Tod des Papstes beispielsweise fragte der Sender direkt nach Erinnerungen, Augenzeugenberichten und Fotos von Begegnungen ihres Publikums mit Johannes Paul II., wie Jeanne Rothermich, Vice President of Interactive Strategy, berichtet. „Das ist eine zusätzliche, authentische Stimme&#8221;, sagt sie. Allerdings werden nur etwa ein Prozent der zugesandten Beiträge überhaupt veröffentlicht.<br />
                            <br />Mit zwei Prozent veröffentlichter Einsendungen lag die britische BBC nur geringfügig über dieser Quote &#8211; doch dies könnte sich bald ändern, wie BBCs Director of New Media and Technology, Ashley Highfield, konstatierte. Er sieht eine signifikante Verlagerung hin zu nutzergenerierten Inhalten voraus. Bislang liegt der Anteil dieser Inhalte nur bei ein bis zwei Prozent. Zehn bis 20 Prozent könnten es jedoch schnell werden.</p>
<p>Am 17. Oktober 2005 fiel dann bei der BBC der Startschuss für eine komplette Neuausrichtung des seit den Londoner Bombenattentaten populären Online-Ressorts<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/talking_point/default.stm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Have You Say&#8221;</a>. Eine neue Software und ein neues Konzept erlauben den Usern nun, ihre Kommentare schneller online zu sehen und zu bestimmten Themen Beiträge online zu stellen, ohne dass diese zuvor von der Redaktion editiert werden. Vicky Taylor, eine der Redakteurinnen, erklärt, dass sich „Have You Say&#8221; in einem Maße und Tempo entwickelt habe, die der Redaktion letztlich keine andere Wahl gelassen hätte: „Wir hatten ständig Leser am Telefon, die sich darüber beklagten, dass ihre Zusendungen nicht veröffentlicht wurden. Aber bei 10.000 E-Mails am Tag hatten wir einfach nicht mehr die Manpower, alle Beiträge zu lesen!&#8221; Künftig gibt es bei „Have You Say&#8221; zwei Arten von Debatten. Bei potenziell heißen Themen wie Irak, Rassenfragen oder Mittlerer Osten soll auch künftig ein Journalist die Zusendungen vor der Veröffentlichung auf Beleidigungen etc. prüfen, allerdings nicht wie bisher auch Rechtschreib- und Grammatikfehler korrigieren &#8211; hier werden sich die Leser umstellen müssen. Bei anderen Debatten behält sich die BBC nur vor, unpassende Beiträge im Nachhinein zu löschen. Hier werden die User auch explizit gebeten, Missbrauch zu melden. „Wir wissen vom Feedback unseres Publlikums, dass unsere Nutzer sich wünschen, dass wir ihnen mehr vertrauen und uns weniger als „Big Brother&#8221; aufführen, wenn es darum geht, ihnen Platz für ihre eigenen Meinungen einzuräumen&#8221;, sagt Vicky Taylor.</p>
<p>
                              <strong>Bürger als Exklusivreporter</strong>
                            </p>
<p>Spätestens nach den Verwüstungen, die der Hurrikan Katrina im Süden der USA angerichtet hatte, war US-Medien klar, welche Bedeutung authentische Augenzeugenberichte haben und wie wichtig diese für eine glaubwürdige Berichterstattung sind. Dennoch sind noch immer gewisse Berührungsängste zu spüren, die Larry Kramer, verantwortlich für Digitale Medien bei CBS, stellvertretend für andere formuliert: „Wenn Yahoo Blogs einbindet, ist das seine Sache. Wir als Nachrichtenmedium müssen damit leben, dass die Menschen von uns glaubwürdige Informationen erwarten.&#8221;</p>
<p>Bürger in die Nachrichtenbeschaffung einzubeziehen bedeutet aber nicht unbedingt Verzicht auf journalistische Qualität &#8211; das jedenfalls lebt die norwegische Boulevardzeitung<br />
                            <a href="http://www.vg.no/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Verdens Gang&#8221;</a> (VG) vor. Vor gut zwei Jahren strandete ein Tanker weit entfernt von Oslo an der Westküste Norwegens — und die größte Zeitung des Landes hatte keine Fotografen vor Ort. Mit einer breit angelegten Telefonaktion gelang es VG, Anwohner mit digitalen Kameras zu rekrutieren, die die Redaktion mit aktuellem exklusivem Bildmaterial versorgten. Dieses Ereignis war für VG der Anstoß, die Leser systematisch in die Nachrichtenbeschaffung einzubinden.</p>
<p>                            <strong>Spektakuläre Geschichten</strong></p>
<p>Die Redaktion ließ ein „Hinweis-Portal&#8221; programmieren und startete eine Marketingkampagne für die Nummer „2200&#8243;, unter der die Redaktion per SMS, MMS, Telefon oder E-Mail jederzeit für nachrichtenrelevante Hinweise erreichbar ist. Alle von Nutzern eingehenden Nachrichten — mehr als 70.000 in den ersten 18 Monaten &#8211; landen jetzt unmittelbar auf dem Bildschirm des Dienst habenden Redakteurs. „40.000 davon waren Schrott, aber das ist nicht das Problem &#8211; die sind schnell aussortiert&#8221;, erläutert Torry Pedersen, Managing Director von VG Multimedia, „viel lästiger sind Hinweise, die sich erst bei genauem Nachprüfen als irrelevant erweisen.&#8221; Der Aufwand lohne sich trotzdem. Die Redaktion habe durch die Mitarbeit ihrer Leser laufend aktuelle und exklusive Geschichten in der Zeitung und auf der Website. Spektakuläres Beispiel Tsunami: Die erste MMS-Nachricht mit einem Foto der „Monsterwelle&#8221; erreichte VG aus Phuket eine Stunde bevor die erste Meldung über einen Agenturticker lief. Die Redaktion stellte die Nachricht sofort auf die Website und hatte fortan einen einzigartigen Kontakt mit allen Norwegern in Thailand und dem gesamten Katastrophengebiet. Hunderte von Fotos wurden eingesandt, Interviews mit Betroffenen führte die Redaktion über Instant Messenger auf Mobiltelefonen. „Jeder hat heute ein Mobiltelefon in der Tasche&#8221;, betont Pedersen, „lassen Sie sich von Ihren Lesern dabei helfen, eine viel bessere Zeitung zu machen.&#8221;</p>
<p>
                              <strong>Redaktion als Dienstleister</strong>
                            </p>
<p>Die Verschränkung von Internetaktivitäten und gedruckter Zeitung ,,Verdens Gang&#8221; ist beeindruckend, jedoch thematisch auf die klassischen journalistischen Nachrichtenwerte fixiert. Im Entstehen ist eine dritte Form von Bürgerjournalismus, die auch bei der Themenwahl den Usern mehr Freiheit lässt: Es geht hier um Initiativen etablierter oder unabhängiger Medien, in bestimmten Regionen oder zu bestimmten Themen ein ganz neues Produkt zu schaffen, das auf einer gemeinsamen Anstrengung von Redaktion und Bürgern beruht.<br />
                            <br />Diese Citizen-Journalism-Projekte erreichen durch die Zusammenarbeit zwischen Laien und professionellen Journalisten eine hohe Glaubwürdigkeit und eine hohe Bindung der Nutzer. Die Redaktion wird zum Moderator und Dienstleister. Der Wert einer Veröffentlichung steigt in den Augen der Nutzer, wenn eine professionelle Kontrolle vorgeschaltet wird. Der Wert des jeweiligen Beitrags steigt ja auch tatsächlich, wenn eine Redaktion (Schreib-) fehler beseitigt und bei der Auswahl von Fotos hilft. Das neue journalistische Gemeinschaftsprodukt profitiert von kostengünstigen, interessanten Inhalten und kann durch das neue Publikum auch neue Anzeigenkunden erreichen. Vielfach wird parallel zur Website ein neues Printprodukt geschaffen, dessen Inhalte ganz oder zum Großteil aus Online-Beiträgen bestehen. Zwingend erforderlich ist eine gedruckte Ausgabe aber nicht. Regionale, lokale oder ultralokale Inhalte sind vielfach, aber nicht ausschließlich der Kern dieser Publikationen.<br />
                            </p>
<p class="fett">
                              <span class="normal"><br />
                                <strong>Weiter zum<br />
                                <a href="kriefler_buergerjournalisten_060420_3.shtml">dritten Teil..</a> &gt;&gt;</strong><br />
                              </span>
                            </p>
<p class="fett">
                            <strong>Zurück</strong><br />
                            <span class="normal"><br />
                              <strong>zum<br />
                              <a href="kriefler_buergerjournalisten_060420_1.shtml">ersten Teil..</a> &gt;&gt;</strong><br />
                            </span></p>
<p class="fett">
                              <strong>Dieser Artikel erschien ursprünglich in &#8220;Redaktion&#8221;, dem Jahrbuch für Journalisten. Es ist Teil des Lokaljournalistenprogramms der<br />
                              <a href="http://www.bpb.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundeszentrale für politische Bildung/bpb</a>. &#8220;Redaktion 2006&#8221; wird im Medienfachverlag Oberauer verlegt und kann über die<br />
                              <a href="http://www.drehscheibe.org/publikationen.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Drehscheibe online</a> bestellt werden.</strong><br />
                              
                            </p>
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                            </p>
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		<title>Hobby-Korrespondenten erobern die Redaktion Teil 3</title>
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		<dc:creator><![CDATA[kriefler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Bedeutende Kraft]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Bedeutende Kraft</p>
<p><!--break--></p>
<p>Vielleicht das beste Beispiel für ein Bürgerjournalismusprojekt dieser Art ist die südkoreanische Website<br />
                            <a href="http://english.ohmynews.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">OhmyNews</a>, die am 20.02.2002 um 2 Uhr nachmittags ins Netz ging und sich mittlerweile zu einer so bedeutenden und unabhängigen Kraft unter den südkoreanischen Nachrichtenmedien entwickelt hat, dass der 2003 gewählte neue Präsident Roh Moo Hyun sein erstes Interview nach der Wahl nicht einer südkoreanischen Zeitung oder Fernsehstation gab, sondern OhmyNews.</p>
<p>Oh Yeon Ho, der heute 40-jährige Präsident und Chefredakteur, startete OhmyNews zusammen mit drei Journalistenkollegen. Der Name ist eine Variation der Phrase „Oh my god&#8221;, die um diese Zeit in Korea im Rahmen einer Komödie sehr bekannt wurde. Journalistischer Anspruch des jungen Mediums war, den rechtskonservativen Medien des Landes im Internet Paroli zu bieten. Das kleine Team betrieb knallharten investigativen Journalismus &#8211; und lud die Bevölkerung zur Mitarbeit ein. „Keine Meinung ist irrelevant&#8221;, betonte Oh Yeon Ho von Anfang an und propagierte das Recht jedes koreanischen Bürgers, diese auch zu sagen. OhmyNews wurde hierfür die Plattform. Nach nur zehn Monaten hatte OhmyNews 727 freie Mitarbeiter, die die Redaktion mit eigenen Texten und Bildern versorgten. Heute beschäftigt OhmyNews 54 fest angestellte Journalisten und wird von mehr als 40.000 Citizen Reporters unterstützt, von denen „mehr als die Hälfte mindestens einmal selbst einen Beitrag verfasst haben&#8221;, wie Oh Yeon Ho erklärt.</p>
<p>
                              <strong>Mit Dualität zum Erfolg</strong>
                            </p>
<p>Thematische Einschränkungen gab es und gibt es nicht: Jeder kann bei OhmyNews über die Themen schreiben, die ihn bewegen oder interessieren. Mindestanforderungen an Faktentreue und Informationsgehalt stellt die Redaktion allerdings. Rund 30 Prozent der eingereichten Beiträge werden abgelehnt. Mittlerweile gibt es auch eine internationale Version von OhmyNews in englischer Sprache. Rund 500 Citizen Reporter liefern dazu Beiträge. Wer nicht selber schreibt, kann Kommentare verfassen oder Anregungen liefern. Die Gemeinschaft ist sehr aktiv. Der Rekord liegt derzeit bei 3-500 Kommentaren und 100.000 Abrufen für einen einzelnen Artikel &#8211; unkommentiert bleibt kaum etwas.</p>
<p>Der Erfolg von OhmyNews beruht auf der Dualität zwischen professionellem Nachrichtenjournalismus und Beiträgen aus der Leserschaft. 700.000 bis zwei Millionen Besucher erreicht OhmyNews täglich. Rund 200 Beiträge werden pro Tag veröffentlicht. 70 Prozent davon stammen von Bürgerreportern. Die Redaktion kümmert sich dabei in erster Linie um die aktuelle Nachrichtenlage und versteht sich als „liberaler Gegenpol zu den 80 Prozent rechtskonservativen Medien Koreas&#8221;. Die Beiträge der User sind häufiger „Soft News&#8221;. Seit Mitte 2005 hat OhmyNews eine in Fachkreisen hoch angesehene Chefredakteurin. Myung Sook Seo leitete zuvor mehrere Jahre das Sisa Journal, eine einflussreiche politische Wochenzeitung.</p>
<p>                            <strong>Bürgerreporter werden bezahlt</strong></p>
<p>Die Motivation für die User ist in erster Linie die Möglichkeit, die Öffentlichkeit mit eigenen Themen zu erreichen. Doch mittlerweile geht es um mehr als die Ehre. Wer gut ist, kann mit seiner Arbeit Geld verdienen &#8211; sogar 30.000 US-Dollar in drei Tagen &#8211; wie Oh Yeon Ho berichtet, Doch dieses imposante Ausnahmebeispiel macht sich wohl besser in den Promotion-Unterlagen des Unternehmens, als dass es angehenden Journalisten als Maßstab für eine realistische Einschätzung der Verdienstmöglichkeiten an die Hand gäbe.<br />
                            <br />Citizen Reporter werden bei OhmyNews bezahlt -allerdings nur, wenn die Redaktion den Beitrag für so gut hält, dass er auf der Startseite angekündigt wird. Fünf bis zehn usergenerierte Beiträge nehmen diese Hürde pro Tag. Je nach Platzierung erhalten die Autoren dafür zwischen zwei und 20 US-Dollar. Zwei bis drei Jahresgehälter eines Redakteurs gibt OhmyNews jährlich für seine Bürgerreporter aus. Die eigentliche Einnahmequelle für die Autoren sind „Trinkgelder&#8221;, die User für besonders gelungene Beiträge spenden. Bis zu zehn Dollar kann ein Leser seinem Lieblingsautor für einen Artikel zukommen lassen.</p>
<p>OhmyNews arbeitet profitabel und finanziert sich zu 70 Prozent aus Werbung, zu 20 Prozent aus dem Verkauf von Nachrichteninhalten an andere Medien und zu zehn Prozent aus sonstigen Einnahmen. Dazu gehören auch freiwillige Abonnementgebühren von Nutzern für die Zustellung der kostenlosen Ohmy News-Printausgabe, die einmal wöchentlich in einer Auflage von 150.000 Exemplaren erscheint.</p>
<p>
                              <strong>Konkurrenz oder Ergänzung?</strong>
                            </p>
<p>Sind diese „Bürgerjournalisten&#8221; nun Journalisten? Machen sie den Beruf kaputt und die Redaktion überflüssig? Das Beispiel OhmyNews zeigt, dass sich beide Welten sinnvoll ergänzen können. Neugegründete Websites wie Spymedia, Scoopt oder Celljournalist versuchen jedermann dabei zu helfen, spektakuläre Fotos professionell an Medien zu vermarkten. Bei Journalisten weltweit überwiegen allerdings Berührungsängste. Vielleicht liegt das auch an der Wortwahl. Nicht nur in der deutscher Übersetzung schwingt bei „Bürgerjournalismus&#8221; unterschwellig ein ethischer und politischer Anspruch mit, den die meisten „Bürgermedien&#8221; nicht einlösen &#8211; vielleicht nicht einlösen können, vielleicht aber auch gar nicht wollen. Alltagsthemen sind dort wichtig, Fotos, „Kleinkram&#8221;. „Diese Inhalte bringen eine Dimension des Lebens in das Produkt, die in unserer Betrachtungsweise von kommunalen Geschehnissen oft verloren geht&#8221;, verteidigt Steve Yelvington diese Herangehensweise mit Blick auf „BlufftonToday&#8221;. „Würden Sie zu einem Bürger- Hirn-Chirurgen gehen?&#8221;, zitierte dagegen die britische Journalisten-Website journalism.co.uk Anfang Oktober Simon Bucks von Sky TV News, der bei einer Veranstaltung zur Redaktion der Zukunft in London referiert hatte.</p>
<p>
                              <strong>Windmühlen bauen</strong>
                            </p>
<p>Irgendwie erinnert dieses Gerangel an die Auseinandersetzung von Geschwistern, bei denen der Ältere dem Jüngeren den Joystick zu entringen versucht, weil der „nicht richtig&#8221; damit zu spielen verstehe. Die Bedeutung von Weblogs lässt sich beispielsweise daran ablesen, dass sie bei den Ergebnissen von Suchmaschinen sehr weit oben gelistet werden. Wie wichtig Weblogs innerhalb der kurzen Zeit ihres Bestehens geworden sind, zeigt überdeutlich, dass das Internet die Regeln der Kommunikation tatsächlich verändert. In welche Richtung dies führen könnte, zeigt exemplarisch der Flash-Film „Epic 2015&#8243; von Robin Sloan und Matt Thompson, der spielerisch eine aldous-huxley-artige „schöne neue Welt&#8221; entwirft in der das riesige Konglomerat „Googlezon&#8221; alle Informationswünsche erfüllt und herkömmliche Medien vom Markt verdrängt hat. Ein Sprichwort sagt, dass bei aufkommendem Sturm ein Teil der Menschheit Schutzhütten baut, der andere Windmühlen. Journalisten sollten sich für die zweite Variante entscheiden.<br />
                            </p>
<p>
                              
                            </p>
<p class="fett">
                              <span class="normal"><br />
                                <strong>Zurück zum<br />
                                <a href="kriefler_buergerjournalisten_060420_2.shtml">zweiten Teil..</a> &gt;&gt;</strong><br />
                              </span>
                            </p>
<p class="fett">
                              <strong>Dieser Artikel erschien ursprünglich in &#8220;Redaktion&#8221;, dem Jahrbuch für Journalisten. Es ist Teil des Lokaljournalistenprogramms der<br />
                              <a href="http://www.bpb.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundeszentrale für politische Bildung/bpb</a>. &#8220;Redaktion 2006&#8221; wird im Medienfachverlag Oberauer verlegt und kann über die<br />
                              <a href="http://www.drehscheibe.org/publikationen.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Drehscheibe online</a> bestellt werden.</strong><br />
                              
                            </p>
<p class="fett">
                              
                            </p>
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