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	<title>Fraunhofer-Gesellschaft &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Fraunhofer-Gesellschaft &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Innovation von substanziellem Interesse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Mar 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Fraunhofer-Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Jörg Bullinger]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Prof. Hans-Jörg 
Bullinger<!-- #EndEditable --> im Fraunhofer-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->17.3.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Prof. Hans-Jörg<br />
Bullinger<!-- #EndEditable --> im Fraunhofer-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->17.3.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --></p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen zum Live-Chat der Fraunhofer-Gesellschaft, im<br />
Rahmen der Initiative &quot;Wissenschaft im Dialog&quot;, mit dem Präsidenten der<br />
Fraunhofer-Gesellschaft, Professor Hans-Jörg Bullinger. Unser heutiges<br />
Thema: Leit-Innovationen: Die Fraunhofer-Offensive. Wir haben eine<br />
Stunde Zeit, sicher viele Fragen &#8211; können wir anfangen, Herr Bullinger?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>  Ja, wir können anfangen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Schön, die erste Frage:
</p>
<p>
<b>FhgKh:</b><br />
Die Diskussion um die Innovationsoffensive wird leidenschaftlich<br />
geführt. In Ihrem Statement am 15. Januar schreiben Sie, dass<br />
Deutschlands Zukunft auf dem Spiel stehe. Erschreckt das nicht die<br />
Bürger mehr als dass es sie motiviert?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>  Möglicherweise haben Sie Recht. Leider ändert das nichts am Befund, dass wir deutlich besser werden müssen.
</p>
<p>
<b>Klara:</b><br />
Was sind Ihre Aufgaben als Präsident des Fraunhofer Instituts? Und<br />
welche Aufgabe sieht das Institut für sich in Deutschland und Europa?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Unsere Institution ist eine Gesellschaft mit 58 Instituten und 12 700<br />
Menschen, die dort wirken, deshalb haben wir natürlich ganz<br />
unterschiedliche Fachgebiete.<br />
Wenn heute eine Innovationsoffensive<br />
gefordert wird, sehen wir uns in einer besonderen Verantwortung, weil<br />
unsere Mission ist, der Wirtschaft zu helfen, aus Forschungsergebnissen<br />
Produkte zu entwickeln.
</p>
<p>
<b>Wfg:</b>  Herr Bullinger, wie entstehen solche Leit-Innovationen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Die jetzt vorliegenden Leit-Innovationen sind eine Verdichtung und<br />
Priorisierung dessen, was wir bereits bei Fraunhofer tun. Es gibt ein<br />
weiteres Projekt unter Leitung von Hr. Dr. Behlau, wo wir ein Dutzend<br />
Emerging-Technologies, unabhängig von Fraunhofer, identifizieren wollen.
</p>
<p>
<b>Silke Zollinger:</b><br />
Mich würde interessieren, wie die Leit-Innovationen denn konkret an<br />
einem Beispiel in der Fraunhofer-Gesellschaft umgesetzt werden?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Diese Ergebnisse werden uns helfen, den Strategie-Dialog um unsere<br />
Arbeitsfelder in der Gesellschaft zu verbessern. Jede der bis jetzt<br />
identifizierten Leit- Innovationen fußt auf bereits durchgeführten<br />
Forschungsaktivitäten in unseren Instituten. Beispiele dazu sind in<br />
&quot;Bild der Wissenschaft&quot; (Januar/Februar) zu entnehmen. Siehe auch<br />
unsere Internetseiten <a href="http://www.fraunhofer.de/leitinnovationen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.fraunhofer.de/leitinnovationen</a>.
</p>
<p>
<b>Emtika:</b><br />
Guten Tag, Herr Prof. Bullinger, mich würde interessieren, welche der<br />
12 Leitinnovationen von Ihnen/der Fraunhofer-Gesellschaft werden als<br />
besonders effektiv angesehen bei der Erzeugung von Innovationen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Die 12 Leit-Innovationen sind von uns in sich nicht mehr priorisiert<br />
worden. Falls es Sie interessiert, was mich persönlich begeistert hat,<br />
dann würde ich die Ansätze zur individuellen Medikamentenentwicklung<br />
und die Polymerelektronik nennen, aber das ist eine sehr subjektive<br />
Einschätzung.
</p>
<p>
<b>Margitta:</b>  Ist das Thema Leitinnovationen nur für Wissenschaftler interessant oder auch für &quot;Lieschen Müller&quot;?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Ich denke, das Thema Innovation ist für unsere gesamte Gesellschaft von<br />
substanziellem Interesse. Wir haben deshalb als einzige<br />
Forschungsgesellschaft zum Jahr der Technik auch ein Buch geschrieben,<br />
das Sie sicher kennen: Trendbarometer Technik. Dieses Buch richtet sich<br />
ganz generell an die Gesellschaft und nicht nur an Wissenschaftler.
</p>
<p>
<b>WDK:</b><br />
Ein wesentliches Innovationshemmnis ist unsere überbordende Bürokratie.<br />
Die Politik ist gefordert, hier radikal zu reformieren.
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Es ist überhaupt keine Frage, dass Bürokratie Innovation bremst. Das<br />
gilt für die Politik, aber auch für Unternehmen und auch für<br />
Forschungsorganisationen und Universitäten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Kommentar zum Buch:
</p>
<p>
<b>Margitta:</b>  Das Buch kenne ich und lese immer wieder mit großer Begeisterung darin.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Frage:
</p>
<p>
<b>FH-Heidelberg2:</b>  Was meinen Sie, wie sollte Innovationsfinanzierung der vorgestellten Leitinnovationen stattfinden?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Soweit die Politik betroffen ist, soll dies auch in dem Arbeitskreis<br />
beim Kanzler, dem wir angehören dürfen, &quot;Partner für Innovation&quot;,<br />
besprochen werden. Ich hoffe, dass die dort besprochenen Maßnahmen zum<br />
Bürokratie-Abbau dann auch umgesetzt werden. <br />
Grundsätzlich kann<br />
das in Fraunhofer-typischer Weise finanziert werden. Wir gehen davon<br />
aus, dass wir ein Drittel des Betrags aus Grundfinanzierung und zwei<br />
Drittel aus eigener Finanzierung aufbringen können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Wo Sie die Politik ansprechen, dazu gibt es folgende Frage:
</p>
<p>
<b>Lucius:</b><br />
Vor einigen Wochen waren Sie zu einem &quot;Kanzlertreffen&quot; bei<br />
Bundeskanzler Schröder eingeladen. Wie schätzen Sie die Ergebnisse des<br />
Treffens ein &#8211; ist es der Bundesregierung wirklich ernst? Braucht<br />
Deutschland eine landesweite Innovationsoffensive?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Ich kann natürlich auch keine Seelenforschung beim Kanzler betreiben.<br />
Mein Eindruck war, dass es alle Gesprächspartner &#8211; Kanzler, Minister,<br />
Wirtschaftsführer &#8211; sehr ernst nehmen. Ich denke, das ist dem Thema<br />
auch angemessen. Die nächste Sitzung beim Kanzler wird am 31. März sein.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Was sind dort die Themen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Zwischen den Themen werden die Arbeitsergebnisse vom &quot;Büro Innovation<br />
Deutschland&quot; aufbereitet. Dieses Büro ist mit wissenschaftlichen<br />
Mitarbeitern aus dem Kanzleramt, dem Forschungsministerium, dem<br />
Wirtschaftsministerium und der Fraunhofer-Gesellschaft besetzt. Bei der<br />
nächsten Sitzung wird es um Aktionen gehen,<br />
wie man das Thema<br />
Innovation in Deutschland befördern kann und vermutlich auch um erste<br />
Themen für Projekte. Aus der Sicht der Forschung würden wir uns<br />
wünschen, dass der Kanzler auch Aussagen zur Finanzierung macht.
</p>
<p>
<b>Moderator:  </b>Noch zwei Fragen zur Politik, dann zurück zu den Leit-Innovationen:
</p>
<p>
<b>tamar:</b>  Welchen Anteil kann die Bundesregierung überhaupt übernehmen, damit die deutsche Wirtschaft wieder wächst?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Zunächst zum Forschungs- und Entwicklungsaufwand: Er beträgt zur Zeit<br />
2,4 % vom Bruttosozialprodukt, davon kommen ein Drittel vom Staat und<br />
zwei Drittel von der Wirtschaft. Innovationen werden von Menschen<br />
gemacht und betreffen nicht nur Produkte, sondern auch<br />
Geschäftsprozesse und Strukturen. Auf Strukturen und Randbedingungen<br />
hat der Staat natürlich großen Einfluss. Persönlich würde ich mir vor<br />
allem erhoffen, dass die Stimmung zu und für Forschung und Entwicklung<br />
und Innovationen auch von der staatlichen Seite verbessert wird..
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Nachfrage zum Versprechen des Kanzlers:
</p>
<p>
<b>Frau Hofer:</b><br />
Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen reklamiert zusätzliche,<br />
öffentliche Fördermittel zur Innovationsoffensive. Wie beurteilen Sie &#8211;<br />
als Wissenschafts- und Innovationsmanager &#8211; die Chancen, dass derartige<br />
Mittel angesichts der Haushaltslage der öffentlichen Kassen in der<br />
nächsten Zeit von Bund und Ländern bereitgestellt werden? Oder anders:<br />
wann werden den Worten die Taten folgen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Dazu kann ich nur meine Meinung wiedergeben: Ich gehe davon aus, dass<br />
schon im nächsten Jahr der Haushaltsansatz für Forschung und<br />
Entwicklung steigt. Anders ist das gesetzte Ziel, bis 2010 3 % vom BSP<br />
zu erreichen, auch nicht realisierbar.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Sie hatten eben Prozesse, Rahmenbedingungen etc. angesprochen..
</p>
<p>
<b>Petra:</b><br />
Einer Ihrer Schwerpunkte ist das Technologiemanagement. Was würden Sie<br />
der Bundesregierung mit auf den Weg geben, die ja mit mehreren<br />
Riesenprojekten &#8211; Maut und arbeitsagentur.de &#8211; gescheitert ist?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Das Mautprojekt ist nicht an der technischen Leistungsfähigkeit<br />
einzelner Komponenten gescheitert, sondern an der Systemintegration und<br />
an einem extrem schlechten Technologiemanagement zwischen den sehr<br />
vielen Partnern und Zulieferanten.<br />
Für Techniker in Deutschland ist<br />
es sehr beschämend, dass wir uns in der Welt so präsentiert haben, denn<br />
gerade solche komplexen Systemintegrationen sollten eigentlich eine<br />
Spezialität der deutschen Wirtschaft sein. Der Politik als Auftraggeber<br />
müsste man empfehlen, sehr viel stärker auf ein gutes Technologie- und<br />
Innovationsmanagement zu achten. Dazu wird es sicher notwendig sein,<br />
dass nicht nur die industriellen Partner, sondern auch die Auftraggeber<br />
beim Staat über besseres Wissen im Technologiemanagement verfügen.
</p>
<p>
<b>Tcege:</b><br />
Wenn Sie ein Unternehmen beraten würden, im Sinne von Innovationskraft<br />
stärken, welche &quot;Bereiche&quot; würden Sie zuerst adressieren?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Ich würde mich zunächst um die Menschen kümmern. Diese müssen zu<br />
Innovationen befähigt und qualifiziert werden, aber dass sie es können,<br />
reicht nicht, sie müssen es auch dürfen. Im zweiten Schritt würde ich<br />
mich intensiv um Organisationsstrukturen und Führungskulturen kümmern.
</p>
<p>
<b>Marika Röck:  </b>Herr<br />
Bullinger, nach meiner Einschätzung fehlt es immer noch an praktikablen<br />
Instrumenten und Methoden, um aus Ideen erfolgreiche Innovationen zu<br />
schaffen. Die meisten Innovationsideen sind zufallsgesteuert realisiert<br />
und in Innovationen umgesetzt worden. Wann wird es den<br />
Innovationswerkzeugkasten geben, der diesen Prozess praktikabel<br />
unterstützt?? Oder gibt es ihn schon?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Um Missverständnisse zu vermeiden, wir verstehen unter einer Innovation<br />
eine verkaufsfähige Lösung. Der Weg von der Idee dorthin ist weit. Ein<br />
Beispiel: In einem mittelständischen Unternehmen mit 2 500 Mitarbeitern<br />
hatten wir kürzlich untersucht, dass man für 10 am Markt erfolgreiche<br />
Produkte über 2000 Erstideen brauchte. Filtersysteme zu Reduktion<br />
dieser Menge an Ideen sind im Innovationsmanagement im Prinzip bekannt.<br />
Das gleiche gilt auch für die Grundprinzipien des Innovationsprozesses,<br />
die in mehreren Büchern beschrieben sind, aber in der Praxis leider zu<br />
wenig beachtet werden. Soweit es um die reine Innovationsbeschleunigung<br />
geht, erhoffen wir uns aus dem Fraunhofer-Präsidialprojekt neue<br />
Erkenntnisse zur Planung und Führung solcher Projekte.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Dazu 2 Fragen &#8211; ein Thema:
</p>
<p>
<b>Wfg:</b>  Welchen Nutzen haben die einzelnen Unternehmen von diesen Leit-Innovationen?
</p>
<p>
<b>ingbuero3:  </b>Dieser<br />
Chat ist kennzeichnend für unser Land, wie sieht es denn mit den<br />
Leitinnovationen und Stärkung unserer Wirtschaft aus, z.B. gezielte<br />
Umsetzung von FhG-Technologie in eigenständige und gesunde Firmen,<br />
schließlich ist die FhG ein e.V.?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Zu Wfg: Die Leit-Innovationen können den Unternehmen in ähnlicher Weise<br />
helfen, wie der Fraunhofer-Gesellschaft, nämlich zum Abgleich ihrer<br />
eigenen Technologie-Strategien. Zu ingbuero3: Die<br />
Fraunhofer-Gesellschaft finanziert sich anders als andere<br />
Forschungseinrichtungen, zu zwei Dritteln aus eigenen Erträgen,<br />
natürlich nicht die Gesellschaft, aber einzelne Mitarbeiterinnen und<br />
Mitarbeiter gründen in erfreulicher Anzahl auch eigene gesunde<br />
Unternehmen. Dies wird seitens der Fraunhofer-Gesellschaft über unsere<br />
Venture-Gruppe nachhaltig unterstützt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  2 Fragen zur Geschäftspolitik:
</p>
<p>
<b>kmu3:</b>  Was will die FHG mit Ausgründungen verfolgen?<br />
Wie will die FHG Ausgründungen unterstützen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Die Fraunhofer-Gesellschaft fördert die Gründung neuer Unternehmen zur<br />
Schaffung dringend notwendiger neuer Arbeitsplätze in diesem Land. Die<br />
Ausgründungen werden zunächst dadurch unterstützt, dass die Menschen<br />
qualifiziert und befähigt werden, Unternehmen zu gründen. Neben der<br />
Absicht, Unternehmer zu werden, muss ein Geschäftszweck definiert sein.<br />
In der Anfangsphase kann es darüber hinaus hilfreich sein, dass die<br />
Fraunhofer-Gesellschaft mit ihren Ressourcen die Neugründungen<br />
unterstützt. Dazu wurden mit den zuständigen Ministerien Spielregeln<br />
definiert.
</p>
<p>
<b>Michael Pieper:  </b>Lieber Herr<br />
Bullinger, da über die FhG-Leitinnovationen Zukunftsfelder erschlossen<br />
werden sollen, sind entsprechende FhG-Projekte wohl der sog.<br />
Vorlaufforschung zuzuordnen. In welchem Rahmen können daher für<br />
derartige Projekte zunächst auch Mittel aus der Eigenfinanzierung der<br />
FhG eingesetzt werde, z.B. zur Bereitstellung von<br />
&quot;Demonstratortechnologien&quot; zur Verdeutlichung der wirtschaftlichen<br />
Potentiale, die eine zukünftige Vermarktung erleichtern.
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>Die<br />
Leit-Innovationen sind zunächst kein Förderinstrument, sondern eine<br />
Beschreibungshilfe für die Themenbereiche, die die<br />
Fraunhofer-Gesellschaft für wichtig hält. Die Fraunhofer-typischen<br />
Instrumente zur Vorlaufforschung sind schon in der Vergangenheit auf<br />
diese Themenbereiche hin ausgerichtet worden. Unter anderem ist auch<br />
der Aufbau von Demo-Zentren ein seit langem eingeführtes<br />
Förderinstrument.
</p>
<p>
<b>Frau Hofer:</b> Herr Bullinger,<br />
Innovationen sind nach der wiss. Lehre solche, die vom Markt angenommen<br />
werden (berichtigen Sie mich ggf. bitte). Wie schätzen Sie den Markt<br />
dazu in Deutschland ein? Oder einprägsamer: Auch wenn es ein Bedarf<br />
nach Innovationen gibt, hat die Wirtschaft Ihrer Meinung nach in der<br />
heutigen Zeit, wo viele Unternehmen nur ans Sparen denken, auch das<br />
Geld dazu, diese zu kaufen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Innovationen sollten einem Zweck dienen. Aus unternehmerischer Sicht<br />
werden sie häufig von einem Kundenbedarf ausgehen. Bei sog.<br />
technologiegetriebenen Innovationen ist die Antwort schwieriger, weil<br />
dort häufig genug für eine vorhandene Lösung ein Problem gesucht werden<br />
muss. Auch dazu gibt es Instrumente. Was das Geld anbetrifft, wird die<br />
Wirtschaft immer kaufen, wenn sie vom Nutzen überzeugt ist. Es ist eine<br />
für uns wichtige Aufgabe, diesen Nutzen darzustellen. Im übertragenen<br />
Sinne &quot;verkaufen&quot; wir Wissen und Innovationen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Kritische Anmerkung von Hans:
</p>
<p>
<b>Hans im Glück:</b><br />
Mag ja sein, dass die Leit-Innovationen der Wirtschaft nützen und<br />
vielleicht den Forschern, aber wenn es um Deutschland geht, müssten<br />
höchstens 3 oder 4 sich beschäftigen mit Technik, der Rest mit Renten,<br />
Umwelt, Schule.
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>  Auch etwas unernst: Mancher würde vielleicht den direkten Weg von der Schule in die Rente suchen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Fragen zur Bildung und zu den Hochschulen:
</p>
<p>
<b>Marika Röck:</b><br />
Sehr geehrter Herr Prof. Bullinger, die Allianz der<br />
Wissenschaftsorganisationen fordert im Rahmen der Innovationsoffensive<br />
eine &quot;Initiative zur Exzellenzforschung&quot; (fachlich und regional<br />
fokussiert), in der Hochschulen und außeruniversitären<br />
Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten, die aber zunehmend mehr und<br />
mehr in einem Wettbewerb zueinander stehen. Welche Ideen gibt es hier,<br />
diesen &quot;Gordischen Knoten&quot; zu durchschlagen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>Über<br />
zwei Drittel aller Fraunhofer-Institute sind bereits direkt mit<br />
Universitäten verbunden. Innerhalb der Allianz ist die Forderung zur<br />
engeren Zusammenarbeit von uns erhoben worden. Wettbewerb belebt das<br />
Geschäft. Es gibt eine einfache Regel: Schneller und besser.<br />
Grundsätzlich bin ich immer noch der Meinung, dass die Universitäten<br />
stärker grundlagen- und wir stärker anwendungsorientiert sind. An den<br />
Grenzen werden Überschneidungen nicht zu vermeiden sein.
</p>
<p>
<b>Susanne:</b><br />
Als Studentin der Münchner FH, die gerade die massiven Einsparungen im<br />
Hochschulwesen (und das im &quot;reichen&quot; Bundesland Bayern) ganz konkret zu<br />
spüren bekommt (Entlassung sehr fähiger Dozenten, Zusammenlegung von<br />
Kursen etc.) wende ich ein: Geht das nicht alles sehr an der Realität<br />
vorbei? Woher soll auch das Geld kommen, um eine hervorragende<br />
Ausbildung an den (FH)-Hochschulen sicherzustellen? Dort muss man<br />
schließlich ansetzen!
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>  Die weitere Entwicklung der Universitäten und Fachhochschulen.<br />
ist eine ganz wichtige Aufgabenstellung, aber leider keine, die wir aus<br />
der Fraunhofer-Gesellschaft heraus lösen können.
</p>
<p>
<b>Gvollmer:</b><br />
Welche Ansätze sehen Sie Ihren Leitinnovationsansatz über die<br />
gesellschaftliche Vernetzung mit der Praxis in Firmen und Schulen<br />
weiter voranzutreiben?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b> Mit<br />
oder ohne Leit-Innovationen halte ich diese Vernetzung für<br />
außerordentlich wichtig. Ich bin sehr froh darüber, dass<br />
zwischenzeitlich die meisten Fraunhofer-Institute regional<br />
Partnerschaften mit Schulen eingegangen sind und dies auch gemeinsam<br />
mit Unternehmen aus der Region tun. Im Grunde genommen würde man sich<br />
gerne wünschen, dass jede Schule mindestens ein Partnerunternehmen hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Können Sie Dummy helfen? Hier sein Kommentar:
</p>
<p>
<b>Dummy:</b><br />
Bin ja kein Frauenhofler, aber an unserem Institut ist es jedenfalls<br />
immer noch so, dass die meisten Innovationen schon beim Chef hängen<br />
bleiben. Irgendein Forscher-Vorbild hat mal gesagt: &quot;Innovation ist,<br />
wenn Kapazitäten sterben&quot; oder so.
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>  Vielleicht sollten Sie sich bei der Fraunhofer-Gesellschaft bewerben.
</p>
<p>
<b>Wfg:</b>  Welche strategischen Maßnahmen müssen jetzt erfolgen, in Bezug auf die Leit-Innovationen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Zunächst müssen wir sicherstellen, dass wir bei den Leit-Innovationen<br />
nichts vergessen haben. Dazu werten wir zurzeit Länderstudien und<br />
Strategien mehrerer Unternehmen aus. Dies wird selbstverständlich<br />
ergänzt um den Fraunhofer-internen Sachverstand in den Instituten. Eine<br />
Auftaktveranstaltung dazu wird im Oktober in Dresden stattfinden.<br />
Danach werden Leit-Innovationen und Verbund-Strategien diskutiert.<br />
Möglicherweise regt dies auch einzelne Institute zu Strategieänderungen<br />
an.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vorletzte Frage, die Stunde ist leider gleich vorbei:
</p>
<p>
<b>Der Potsdamer:</b><br />
Warum spielt das Thema eGovernment nur eine untergeordnete Rolle im<br />
Rahmen ihrer Leitinnovationen, wo doch gerade die<br />
&quot;Verwaltungsmodernisierung&quot; alter eingefahrener Prozesse und Verfahren<br />
und der &quot;Bürokratieabbau&quot; als Motor für Innovationen und auch als<br />
Förderung für den Standort Deutschland dienen kann?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Es gibt innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft ein eGovernment-Zentrum.<br />
Wir betrachten eGovernment als Aufgabenstellung und nicht als<br />
Innovation in sich selbst.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Letzte Frage &#8211; vielen Dank für die vielen Fragen:
</p>
<p>
<b>B wie Bnym:</b> Wie machen Sie die Fraunhofer Gesellschaft zukunftssicher, für den Weltmarkt &#8211; für den Wettbewerb?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Die Fraunhofer-Gesellschaft ist zukunftssicher, weil sie sich wie in<br />
der Vergangenheit auf die Qualifikation und die Einsatzbereitschaft<br />
ihrer Mitarbeiter verlassen kann. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir<br />
auch den neuen Herausforderungen gewachsen sind.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Liebe Chat-Teilnehmer, sehr geehrter Prof. Bullinger, vielen Dank für<br />
den spannenden Chat und ihre Teilnahme am Live-Chat der<br />
Fraunhofer-Gesellschaft. Leider konnten in einer Stunde nicht alle<br />
Fragen beantwortet werden. Aber auf den Seiten der<br />
Fraunhofer-Gesellschaft finden sie weitere Informationen: <a href="http://www.fraunhofer.de/leitinnovationen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.fraunhofer.de/leitinnovationen</a>. Der Chat wurde technisch durchgeführt von politik-digital.de in Berlin. Ich wünsche allen Beteiligten einen schönen Tag.
</p>
<p><!-- #EndEditable --></p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Redundanz als auch eine Irrelevanzreduktion&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotredundanz_als_auch_eine_irrelevanzreduktionquot-350/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotredundanz_als_auch_eine_irrelevanzreduktionquot-350/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Mar 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Fraunhofer-Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Heinz Gerhäuser]]></category>
		<category><![CDATA[MP3]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotredundanz_als_auch_eine_irrelevanzreduktionquot-350/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><b>Moderator:</b> </b>Liebe
Chatter, liebe Chatterinnen, herzlich willkommen im Chat bei
politik-digital. Guten Abend Prof. Gerhäuser. Heute findet der Chat in
der Reihe &#34;Wissenschaft im Dialog&#34; statt, diesmal präsentiert von der
Fraunhofer-Gesellschaft. Thema heute: MP3 und die Zukunft der
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><b>Moderator:</b> </b>Liebe<br />
Chatter, liebe Chatterinnen, herzlich willkommen im Chat bei<br />
politik-digital. Guten Abend Prof. Gerhäuser. Heute findet der Chat in<br />
der Reihe &quot;Wissenschaft im Dialog&quot; statt, diesmal präsentiert von der<br />
Fraunhofer-Gesellschaft. Thema heute: MP3 und die Zukunft der<br />
Musikwelt. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b> Guten Abend. Ich freue mich heute Abend mit Ihnen über das Thema MP3 sprechen zu können. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz: </b>Herr Professor, können Sie etwas über die Anfänge von MP3 erzählen, woher kam die Idee? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b> Wer von den Teilnehmern hat eigentlich selbst einen MP3-Player? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Die Vorarbeiten gehen auf die 70er Jahre an der Universität Erlangen<br />
zurück Dort wurden Verfahren zur Datenreduktion an Sprach- und<br />
Musiksignalen entwickelt. Man bediente sich damals so genannter<br />
Laborrechner, die für die Kodierung von 20 Sekunden Musik mehrere<br />
Stunden Rechenzeit benötigten. Der Durchbruch ist dann später im Rahmen<br />
des Projektes DAB (Digital Audio Broadcasting) und in Verbindung mit<br />
der Standardisierung bei ISO gelungen. Dort wurde in der MPEG-Gruppe<br />
unser MPEG-Layer 3 Standard 1991 angenommen. Daraus wurde später die<br />
Audiofile Extension MP3. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>goetz:</b> gab es denn in den 70ern schon derartiges Datenaufkommen an digitaler Akustik, dass solche verfahren notwendig wurden? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Damals stand die Datenkompression bei Sprachsignalen im Vordergrund.<br />
Auf Grund der Erfolge war es naheliegend dies auch auf Musiksignale zu<br />
übertragen. Insbesondere die Übertragung über ISDN stellte nur eine<br />
Übertragungsrate von 128 Kilobit pro Sekunde zur Verfügung und auch in<br />
digitalen Rundfunksystemen war die Datenrate auf wenige 100 KBit pro<br />
Sekunde beschränkt. Dies bedeutete in jedem Fall eine wirksame<br />
Datenkompression. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz:</b> Kam die Idee der Datenkomprimierung aus den Reihen der Musikindustrie? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Nein, die Notwendigkeit wurde in Verbindung mit der Entwicklung des<br />
digitalen Rundfunks und mit der Standardisierung der Moving Picture<br />
Expert Group (MPEG) erkennbar. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>TanjaF:</b> Ist es nicht eher eine Datenreduzierung als Datenkomprimierung? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b> Es wird sowohl eine Redundanz als auch eine Irrelevanzreduktion durchgeführt. Das heißt mit einfachen Worten &#8230; </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
durch Redundanzreduktion wird eine kompaktere Informationsdarstellung<br />
erzielt ohne dass sich an dem Inhalt etwas verändert. Wir kennen das<br />
bei der File Kompression wo ein Datenfile komprimiert werden kann und<br />
anschließend auf die ursprüngliche Größe entpackt werden kann. Bei der<br />
Irrelevanzreduktion wird alles das, was der Empfänger (unser Ohr) nicht<br />
wahrnehmen kann von der Übertragung ausgeschlossen, bzw. durch starke<br />
Kompression entstehende Störungen durch die Sog. psychoakustische<br />
Verdeckung unhörbar gemacht. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karsten: </b>Haben Sie jemals mit so einem Erfolg von mp3 gerechnet? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Am Anfang war es für uns sehr schwer Interessenten für das<br />
MP3-Verfahren zu. Erst nach der Veröffentlichung im Internet, wo ein<br />
Nutzer das Verfahren an einigen Beispiel-Audio-Files ausprobieren<br />
konnte ist innerhalb kürzester Zeit eine regelrechte euphorische<br />
Entwicklung zu beobachten gewesen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Netzpilot:</b><br />
Wie schätzen Sie die Bestrebungen ein, einen Standard zu entwickeln,<br />
der das unerlaubte Kopieren unmöglich machen wird? Sind Sie an dieser<br />
Entwicklung beteiligt? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Unser Institut war von Anfang an der Wahrung des Uhrheberrechtsschutzes<br />
interessiert und wir hatten schon frühzeitig entsprechende Software zur<br />
Verfügung. Auch hier war es schwierig, die potenziellen Nutzer vom Wert<br />
einer solchen Verschlüsselung zu überzeugen. Grundsätzlich bin ich der<br />
Meinung, dass die Produktion und Verteilung von Musik nur dann<br />
nachhaltig funktionieren kann, wenn die Nutznießer bereit sind für<br />
Musik aus dem Netz zu bezahlen. Voraussetzung ist allerdings dass<br />
dieser Prozess möglichst einfach und unbürokratisch organisiert werden<br />
kann. Man wird dabei einen Kompromiss zwischen Sicherheit gegen<br />
unzulässige Entschlüsselung und einfache Nutzung durch den Verbraucher<br />
finden müssen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Zwei Fragen zum Thema offener Standard oder nicht: </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Gert: Wie steht<br />
es eigentlich um die &quot;Besitzverhältnisse&quot; des MP3 Codecs? Gibt es (z.B.<br />
von ANSI oder sonstigen Einrichtungen oder Gremien) irgendwelche<br />
Auflagen bezüglich Zugänglichkeit des Standards, oder war die<br />
Verbreitung via Shareware und Freeware ein &quot;Unfall&quot;? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Tomcat: Ist der MP3-Standard eigentlich ein offenes Format? Also&#8230; kann jeder einen Encoder/Decoder schreiben? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Die internationale Standardisierung bei ISO erfordert die Offenlegung<br />
des Bitstroms bei der Übertragung oder Speicherung und des Decoders.<br />
Weiterhin muss jeder, der sich an der Standardisierung beteiligt, seine<br />
Patente offen legen und eine nicht diskriminierende Lizenzierung<br />
garantieren. Das bedeutet, dass es sich um einen offenen Standard<br />
handelt, der aber Schutzrechte berührt. Bei kommerzieller Verwendung<br />
dieses Standards sind deshalb in der Regel Lizenzvereinbarungen zu<br />
treffen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kress: </b>Hat<br />
Ihnen die Musikindustrie die internetmäßige Verbreitung von<br />
Musikdateien übelgenommen bzw. hatten Sie auch mit urheberrechtlichen<br />
Konsequenzen zu tun? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Die Verwendung des Codier-Verfahrens ist nicht das eigentliche Problem.<br />
Die unerlaubte Bereitstellung von geschützten Musiktiteln im Internet<br />
waren das eigentliche Problem. Das Codierverfahren MP3 ist somit<br />
wertfrei es kann sozusagen für legale Anwender aber auch für illegale<br />
benutzt werden. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Schulz:</b> Waren diese Probleme mit de Tauschbörsen nicht vorhersehbar? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Unsere Sorge war zu diesem Zeitpunkt mehr das illegale Duplizieren von<br />
CDs und das kommerzielle Brennen von CD-ROMs. Das Laden von Musik aus<br />
dem Internet ist mit Zeit und Mühe verbunden und zumindest was die<br />
Übertragungskosten anbelangt nicht umsonst. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Zwei Fragen zur Zukunft von MP3: </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danielk:</b> Wie geht es weiter mit MP3? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kress:</b> Gibt es neue Komprimierverfahren, wie MP4? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Die nächste Entwicklungsstufe ist unter der Abkürzung AAC(Advanced<br />
Audio Coding) ebenfalls unter ISO-MPEG standardisiert worden und<br />
erlaubt eine deutlich höhere Datenreduktion gegenüber MP3 bei gleicher<br />
Qualität. Zusätzlich wurde ein Verfahren entwickelt, dass<br />
Standardkompatibel die Audio-Qualität bei sehr niedrigen Bit-Raten in<br />
Verbindung mit MP3 deutlich verbessert. Dieses Verfahren wird von einer<br />
Firma, die als Ausgründung aus unserem Institut entstanden ist unter<br />
der Bezeichnung MP3-Pro vermarktet. Die dabei verwendete Technik kann<br />
auch für AAC genutzt werden und erlaubt eine Kodierung von Musik mit<br />
Datenraten bis hinunter zu ca. 20 Kilobit / Sekunde. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Zu Kress. Die weiteren Entwicklungen der Audio Codierung werden im<br />
Rahmen des MPEG4 Standards vorangetrieben. Hier spielt insbesondere AAC<br />
und die oben genannte standardkonforme Erweiterung eine wichtige Rolle.<br />
Dies ist vor allem für digitale Rundfunksysteme wie z.B. DRM (Digital<br />
Radio Modiale) von entscheidender Bedeutung. Damit kann die Kurz- und<br />
Mittelwelle digitalisiert werden und eine verblüffende Klangqualität im<br />
Vergleich zur analogen Übertragung erreicht werden. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Schulz:</b> Wann kann mit AAC auf dem Markt gerechnet werden? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Technisch ist AAC bereits heute verfügbar. Die breite Nutzung in<br />
Consumer-Produkten ist von den jeweiligen Geschäftsmodellen abhängig<br />
und deshalb schwer abzuschätzen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz:</b><br />
Wissen Sie, ob Tests durchgeführt wurden, bei denen Musikprofis den<br />
Unterschied zwischen komprimierten Musikstücken und nichtkomprimierten<br />
erkennen mussten? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Das ist eine sehr gute Frage. Die Tests wurden außerordentlich<br />
sorgfältig in sogenannten Doppelblindtests, unter hervorragenden<br />
Abhörbedingungen und mit Hörern die &quot;goldene Ohren&quot; haben durchgeführt.<br />
Dazu hat man den Testpersonen das Original, dann das codierte Signal<br />
und schließlich ein Signal vorgespielt, wo die Testperson entscheiden<br />
musste, ob es sich um das Original oder das codierte Signal handelt.<br />
Wenn die Testperson in 50 Prozent der Fälle falsch entschieden hat,<br />
konnte man davon ausgehen, dass sie den Unterschied zwischen codiert<br />
und Original nicht mehr wahrnehmen kann. In diesen Fällen spricht man<br />
von einer transparenten Codierung. Unter normalen Abhörbedingungen und<br />
weniger kritischen Musikstücken ist auch bei wesentlich höherer<br />
Kompression ebenfalls kein Unterschied feststellbar. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz: </b>Wieviel Prozent der Testpersonen konnten die Codierung erkennen? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Das hing von der jeweiligen Datenrate ab. Die für eine transparente<br />
Codierung erforderliche Datenrate (für MP3 ungefähr 192 KBit/Sek und<br />
für AAC von 128 KBit / Sek) hat bei der European Broadcasting Union<br />
(EBU) das Prädikat &quot;geeignet für Rundfunkübertragung&quot; erzielt. Dabei<br />
haben nur noch sehr wenige Hörer bei extrem schwierigen Musikstücken<br />
mit geringer Trefferquote das codierte Signal erkannt. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Kurz vor dem Ende noch die Frage, die viele interessiert: </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>TanjaF:</b> Prof. Gerhäuser, wie wird die Zukunft der Musikwelt ihrer Meinung nach aussehen? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Nachdem wir inzwischen auf MP3-Playern mehrere 100 Stunden Musik<br />
speichern können wird es immer wichtiger, ein gewünschtes Musikstück<br />
aus dieser ungeheueren Datenmenge möglichst schnell und unkompliziert<br />
wiederzufinden. Dabei wird eine benutzerfreundliche Bedienung, die es<br />
möglicherweise erlaubt, dem Player die gewünschte Melodie vorzupfeifen,<br />
einen hohen Stellenwert haben. Die Technik sollte dabei möglichst weit<br />
in den Hintergrund treten. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kress:</b><br />
Eine persönliche Frage: Haben Sie sich auch schon über Napster oder<br />
andere Tauschbörsen Musik runtergeladen? Und wenn ja: welche? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Bei meiner eigenen Nutzung habe ich mich zunächst darauf beschränkt,<br />
meine vielen CDs im MP3-Format auf meinen MP3-Player zu übertragen.<br />
Vorteil ist jetzt dass ich die gewünschte Musik immer bei mir haben<br />
kann und die entsprechenden Stücke auch tatsächlich wiederfinde. Das<br />
Herunterladen von Musik habe ich noch nicht probiert. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Und noch eine kurze letzte Frage zum Ende des Chats </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gert:</b> Woran arbeiten Sie zur Zeit? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
An der Verbindung zwischen Audio-Codier-Verfahren, digitalen<br />
Rundfunksystemen und Lokalisierungssystemen die sogenannte location<br />
based services ermöglichen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chatter und Chatterinnen, vielen Dank für ihre Teilnahme an<br />
unserem Chat in der Reihe &quot;Wissenschaft im Dialog&quot;. Leider konnten wir<br />
nicht alle Fragen beantworten, es waren einfach zu viele. Ganz<br />
herzlichen Dank an Prof. Gerhäuser für seine Teilnahme am Chat. Wir<br />
würden uns freuen, sie bei unseren nächsten Chats begrüßen zu können.<br />
Danke und einen schönen Abend! 🙂 ps: Informationen zum Zukunftspreis<br />
2000, den das MP3 Entwicklerteam verliehen bekommen hat, unter<br />
folgender url: http://www.deutscher-zukunftspreis.de/archiv/00_pt.htm<br />
Herzlichen Glückwunsch nochmal!! </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b> Vielen Dank für die interessanten Fragen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Vielen Dank für die sehr interessanten Antworten. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof_Gerhaeuser:</b><br />
Ich empfehle interessierten Nutzern unsere Webseiten für das<br />
weitergehende Informationen (www.iis.fhg.de). Einen schönen Abend! </span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Liebe Chatter, auf Wiedersehen.</span></p>
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