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	<title>Freiwilliges Soziales Jahr &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Freiwilliges Soziales Jahr &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Gutes tun im bösen Netz &#8211; Digitale Presseschau KW36</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Sep 2014 15:13:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Im Internet die Welt retten – wenn das mal keine gute Idee ist. Suchmaschinen, die ihre Werbegewinne spenden, machen das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Internet die Welt retten – wenn das mal keine gute Idee ist. Suchmaschinen, die ihre Werbegewinne spenden, machen das jetzt möglich und die Share Economy trägt auch ihren Teil zu einer sozialen und nachhaltigen Welt bei. Oder etwa doch nicht? Außerdem in der Presseschau zu lesen: Die Esten verwalten ihr Land fast vollständig online und die Bundesregierung hat mal wieder ein neues Konzept, in dem der Begriff „digital“ vorkommt.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p>http://youtu.be/2mUova3U-Jo<br />
Kaum ein Tag vergeht, an dem kein kritischer Artikel zu den Datenkraken Google, Facebook und Co erscheint. Doch was den wenigsten bewusst ist: Liest man die Hymnen auf den Datenschutz auf den Onlineseiten der Zeitungen, wird man auch von den Verlagen ausgespäht. Unser Video der Woche nimmt sich dieser Doppelmoral an.</p>
<h3><a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/uber-und-airbnb-ethik-der-share-economy-a-988612.html">Konsum versus Moral</a></h3>
<p>Eigentlich ist die Idee der Share Economy doch eine tolle Sache: Wenn wir alles teilen, können wir uns mehr leisten, verbrauchen weniger Ressourcen und schaffen so ganz nebenbei eine nachhaltigere Gesellschaftsordnung. Trotzdem stehen Unternehmen wie AirBnB oder Uber, die mit diesem Gedanken werben, häufig in der Kritik und werden sogar verboten. Das mag man rückschrittlich finden, Fakt ist aber: <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Der-Fortschritt-braucht-Uber-nicht-2309317.html">Hinter der innovativen Fassade steckt eine knallharte, marktradikale Geschäftspolitik, die sich weder von gesellschaftlichen Regeln noch von Gesetzen aufhalten lassen will.</a> Dennoch sollte man die neuen Internetplattformen nicht grundsätzlich verteufeln, denn die Möglichkeit des Teilens ist begrüßenswert und ist zugegebenermaßen häufig nicht nur billig, sondern auch bequem. Am Ende bleibt also nur die Abwägung zwischen persönlichem Nutzen und gesellschaftlichen Folgen solcher Geschäftsmodelle, und die ist ziemlich unbequem und schwierig.<br />
<a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/uber-und-airbnb-ethik-der-share-economy-a-988612.html"><em>spiegel.de</em></a></p>
<h3><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/alternative-suchmaschinen-googeln-fuer-den-regenwald-statt-fuer-google-1.2116129">Mit jedem Klick eine neuer Baum?</a></h3>
<p>Apropos die Welt retten – das soll jetzt auch bei der Suche im Internet möglich sein. Während #GoogleBashing in Deutschland aktuell sehr beliebt ist und die NSA-Enthüllungen das Vertrauen in die große amerikanische Suchmaschine deutlich erschüttert haben, präsentiert sich die deutsche Konkurrenz wohltätig. Im Gegensatz zu Google, das Milliarden mit den Daten seiner Nutzer verdient, spenden Unternehmen wie Ecosia und Benefind einen Großteil ihrer Werbeeinnahmen für den guten Zweck. Sicher eine gute Idee, schade nur, dass die Nutzerdaten am Ende beim Kooperationspartner Yahoo und damit einem weiteren US-Großkonzern landen.<br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/alternative-suchmaschinen-googeln-fuer-den-regenwald-statt-fuer-google-1.2116129"><em>sueddeutsche.de</em></a></p>
<h3><a href="http://www.wdr5.de/sendungen/politikum/estland108.html">Habt euch nicht so!</a></h3>
<p>Während wir Deutschen noch überlegen, wer im Internet auf unsere Daten Zugriff hat und wie diese gegen uns verwendet werden können, digitalisieren die Esten munter ihren gesamten Regierungsapparat. Online-Wahlen, Personalausweise mit Chip oder digitalisierte Grundbucheinträge und Gesundheitsakten – alles kein Neuland. Sorgen um die Datensicherheit sieht man eher fatalistisch. Natürlich könne trotz aller Bemühungen keine vollständige Sicherheit garantiert werden, aber es stelle ja auch keiner das Autofahren ein, nur weil er möglicherweise einen Unfall haben könnte.<br />
<a href="http://www.wdr5.de/sendungen/politikum/estland108.html">wdr5.de</a></p>
<h3><a href="http://www.tagesschau.de/inland/freiwillige-beginnen-fsj-101.html">Das FSJ auf dem Weg ins Neuland</a></h3>
<p>Gutes tun und gleichzeitig ein bisschen Orientierungshilfe für die berufliche Zukunft – das wollen tausende Jugendlicher, die jedes Jahr ein Freiwilliges Soziales Jahr beginnen. Jetzt hat sich die Bundesregierung etwas einfallen lassen, um das facebookaffine Jungvolk noch mehr zu begeistern und will dem FSJ den Zusatz „Digital“ verpassen. Barbara Schmickler geht für tagesschau.de der Frage nach, ob die Digitalisierung wirklich eine neue Form der Freiwilligenarbeit erforderlich macht oder hinter dem Vorstoß mal wieder nur politische Begriffskosmetik steckt.<br />
<a href="http://www.tagesschau.de/inland/freiwillige-beginnen-fsj-101.html"><em>tagesschau.de</em></a><br />
&nbsp;<br />
Foto: Screenshot<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Gutes tun im bösen Netz &#8211; Digitale Presseschau KW36</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Rieder]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Sep 2014 15:13:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Im Internet die Welt retten – wenn das mal keine gute Idee ist. Suchmaschinen, die ihre Werbegewinne spenden, machen das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Internet die Welt retten – wenn das mal keine gute Idee ist. Suchmaschinen, die ihre Werbegewinne spenden, machen das jetzt möglich und die Share Economy trägt auch ihren Teil zu einer sozialen und nachhaltigen Welt bei. Oder etwa doch nicht? Außerdem in der Presseschau zu lesen: Die Esten verwalten ihr Land fast vollständig online und die Bundesregierung hat mal wieder ein neues Konzept, in dem der Begriff „digital“ vorkommt.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p>http://youtu.be/2mUova3U-Jo<br />
Kaum ein Tag vergeht, an dem kein kritischer Artikel zu den Datenkraken Google, Facebook und Co erscheint. Doch was den wenigsten bewusst ist: Liest man die Hymnen auf den Datenschutz auf den Onlineseiten der Zeitungen, wird man auch von den Verlagen ausgespäht. Unser Video der Woche nimmt sich dieser Doppelmoral an.</p>
<h3><a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/uber-und-airbnb-ethik-der-share-economy-a-988612.html">Konsum versus Moral</a></h3>
<p>Eigentlich ist die Idee der Share Economy doch eine tolle Sache: Wenn wir alles teilen, können wir uns mehr leisten, verbrauchen weniger Ressourcen und schaffen so ganz nebenbei eine nachhaltigere Gesellschaftsordnung. Trotzdem stehen Unternehmen wie AirBnB oder Uber, die mit diesem Gedanken werben, häufig in der Kritik und werden sogar verboten. Das mag man rückschrittlich finden, Fakt ist aber: <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Der-Fortschritt-braucht-Uber-nicht-2309317.html">Hinter der innovativen Fassade steckt eine knallharte, marktradikale Geschäftspolitik, die sich weder von gesellschaftlichen Regeln noch von Gesetzen aufhalten lassen will.</a> Dennoch sollte man die neuen Internetplattformen nicht grundsätzlich verteufeln, denn die Möglichkeit des Teilens ist begrüßenswert und ist zugegebenermaßen häufig nicht nur billig, sondern auch bequem. Am Ende bleibt also nur die Abwägung zwischen persönlichem Nutzen und gesellschaftlichen Folgen solcher Geschäftsmodelle, und die ist ziemlich unbequem und schwierig.<br />
<a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/uber-und-airbnb-ethik-der-share-economy-a-988612.html"><em>spiegel.de</em></a></p>
<h3><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/alternative-suchmaschinen-googeln-fuer-den-regenwald-statt-fuer-google-1.2116129">Mit jedem Klick eine neuer Baum?</a></h3>
<p>Apropos die Welt retten – das soll jetzt auch bei der Suche im Internet möglich sein. Während #GoogleBashing in Deutschland aktuell sehr beliebt ist und die NSA-Enthüllungen das Vertrauen in die große amerikanische Suchmaschine deutlich erschüttert haben, präsentiert sich die deutsche Konkurrenz wohltätig. Im Gegensatz zu Google, das Milliarden mit den Daten seiner Nutzer verdient, spenden Unternehmen wie Ecosia und Benefind einen Großteil ihrer Werbeeinnahmen für den guten Zweck. Sicher eine gute Idee, schade nur, dass die Nutzerdaten am Ende beim Kooperationspartner Yahoo und damit einem weiteren US-Großkonzern landen.<br />
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<h3><a href="http://www.wdr5.de/sendungen/politikum/estland108.html">Habt euch nicht so!</a></h3>
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<a href="http://www.wdr5.de/sendungen/politikum/estland108.html">wdr5.de</a></p>
<h3><a href="http://www.tagesschau.de/inland/freiwillige-beginnen-fsj-101.html">Das FSJ auf dem Weg ins Neuland</a></h3>
<p>Gutes tun und gleichzeitig ein bisschen Orientierungshilfe für die berufliche Zukunft – das wollen tausende Jugendlicher, die jedes Jahr ein Freiwilliges Soziales Jahr beginnen. Jetzt hat sich die Bundesregierung etwas einfallen lassen, um das facebookaffine Jungvolk noch mehr zu begeistern und will dem FSJ den Zusatz „Digital“ verpassen. Barbara Schmickler geht für tagesschau.de der Frage nach, ob die Digitalisierung wirklich eine neue Form der Freiwilligenarbeit erforderlich macht oder hinter dem Vorstoß mal wieder nur politische Begriffskosmetik steckt.<br />
<a href="http://www.tagesschau.de/inland/freiwillige-beginnen-fsj-101.html"><em>tagesschau.de</em></a><br />
&nbsp;<br />
Foto: Screenshot<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Es muss für jeden jungen Menschen nachvollziehbar sein, dass berufliches Fortkommen und soziales Engagement kein Gegensatz ist.</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotes_muss_fuer_jeden_jungen_menschen_nachvollziehbar_sein_dass_berufliches_fortkommen_und_soziales_-258/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Jan 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Zivildienst]]></category>
		<category><![CDATA[Freiwilliges Soziales Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Rainer Brückers]]></category>
		<category><![CDATA[Soziales Engagement]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wehrpflicht]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Rainer 
Brückers war am 15. Januar 2004 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Rainer<br />
Brückers war am 15. Januar 2004 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b><!--break--></p>
<p>
<br />
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen<br />
im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de<br />
und von sueddeutsche.de. Heute begrüße ich zum Chat im ARD-Hauptstadtstudio<br />
Rainer Brückers, Mitglied des Bundesvorstands der Arbeiterwohlfahrt,<br />
bei der es rund 8400 Plätze für Zivildienstleistende gibt.<br />
Legen wir gleich los.
</p>
<p>
<b>awo_ex:</b> Die Grünen sehen die Wehrgerechtigkeit<br />
nicht mehr gegeben. Was ist das eigentlich und sehen sie das auch so?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Je weniger Wehrpflichtige und<br />
Zivis einberufen werden können, desto mehr steigt die Gefahr, dass<br />
keine Wehrgerechtigkeit mehr gegeben ist. Derzeit können nicht alle<br />
Wehrpflichtigen eingezogen werden, so dass heute schon eine Wehrungerechtigkeit<br />
festzustellen ist.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Sie haben ja an der Vorlage zur Zukunft des<br />
Zivildienstes mitgearbeitet:
</p>
<p>
<b>Engelen:</b> Was wird die Ministerin Schmidt heute in ihrem<br />
Bericht vorstellen?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Die Ministerin wird &#8211; vorausgesetzt,<br />
die Wehrpflicht wird abgeschafft &#8211; vorschlagen, dass die Mittel, die heute<br />
für den Zivildienst bereitgestellt werden, dann für Freiwilligenarbeit<br />
zur Verfügung gestellt werden sollen. Das hoffe ich wenigstens.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie sehen Sie die Chancen dafür? Schließlich<br />
kostet ein Ende der Wehrpflicht Geld für Berufssoldaten.
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Die Diskussion darüber, ob<br />
es sinnvoll ist, dass junge Menschen außerhalb der Schule und des<br />
Berufslebens andere gesellschaftliche Bereiche kennen lernen, öffnet<br />
auch die Chance für die Bereitstellung dieser Geldmittel für<br />
einen freiwilligen Dienst.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Konkret die Frage von &quot;888&quot;:
</p>
<p>
<b>888:</b> Kann sich Frau Schmidt gegen Struck durchsetzen?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Das hoffe ich, ja. Unsere Unterstützung<br />
hat sie dabei.
</p>
<p>
<b>stephan28:</b> Unter welchen Voraussetzungen würden<br />
Sie einem Wegfall des Zivildienstes zustimmen?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Also zuerst einmal muss darüber<br />
entschieden werden, ob die Wehrpflicht bestehen bleibt. Die Abschaffung<br />
des Wehrdienstes zieht automatisch auch die Abschaffung des Zivildienstes<br />
nach sich. Zweitens: Eine Zivildienstzeit unter neun Monaten macht weder<br />
für Zivis noch für die Einsatzstellen Sinn, so dass eine Pflichtzeit<br />
unter neun Monaten auch faktisch zu einer Reduzierung/Abschaffung des<br />
Zivildienstes führen würde.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wird die Verkürzung auf neun Monate<br />
heute verkündet werden?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Das hängt entscheidend von<br />
der Länge der Wehrpflicht ab &#8211; der Zivildienst ist unmittelbar an<br />
die Länge der Wehrpflicht gekoppelt.
</p>
<p>
<b>DerZweimannmann:</b> Was kommen da auf die Pflegeunternehmen<br />
an Kosten zu, wenn die Zivis nicht mehr kommen? Sind diese Kosten überhaupt<br />
von den Diensten zu tragen?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Heute kostet ein Zivi die Einsatzstelle<br />
zwischen 600 und 700 Euro im Monat. Dieser Betrag müsste zukünftig<br />
dafür verwendet werden, andere Beschäftigungsformen zu ermöglichen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie teilt sich das in etwa auf? Was zahlt<br />
die Einsatzstelle, was kommt vom Bund?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Die Einsatzstelle zahlt etwa 60<br />
Prozent, der Bund ca. 40 Prozent.
</p>
<p>
<b>Rambo:</b> Das gäbe doch viele neue tolle Niedriglohnjobs,<br />
oder?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Es gäbe neue zusätzliche<br />
Jobs, ein großer Teil davon auch im Bereich der geringfügig<br />
Beschäftigten.
</p>
<p>
<b>mummy:</b> Es wird vorgeschlagen, den Verlust der Zivildienstleistenden<br />
durch &quot;neue Freiwilligendienste&quot; aufzufangen. Wie werden sie<br />
die Freiwilligen mobilisieren, wenn die Wehrpflicht abgeschafft wird?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Es gibt heute schon das freiwillige<br />
soziale Jahr, was überwiegend von jungen Frauen genutzt wird. Diese<br />
Form eines freiwilligen Dienstes gilt es auszubauen und als Alternative<br />
zum Zivildienst auch stärker auf junge Männer auszurichten.
</p>
<p>
<b>aparazzi:</b> Die Arbeit der Freiwilligen soll durch ein<br />
Dienstzeugnis als &quot;Tätigkeits- und Kompetenznachweis&quot; und<br />
durch Schulungen aufgewertet werden. Außerdem müsse geprüft<br />
werden, &quot;ob die Ableistung im Rahmen späterer Ausbildungen anerkannt<br />
werden kann&quot;. Solche Schulungen kosten aber auch Geld. Was sagen<br />
Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Dieses Geld muss aus den bisherigen<br />
Mitteln für den Zivildienst finanziert werden. Das ist auch die Kernaussage<br />
des Kommissionsberichtes.
</p>
<p>
<b>Avoyelles:</b> Wie sehen sie es mit der Gleichberechtigung?<br />
Ist es noch in der heutigen Zeit sinnvoll, nur Männern einen Zwangsdienst<br />
aufzuerlegen, während Frauen frei ihren Lebensweg gestalten können?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Wir sind generell gegen einen<br />
Zwangsdienst. Mit der Abschaffung der Wehrpflicht wird auch das Zwangselement<br />
aus dem zivilen Einsatzbereich verschwinden.
</p>
<p>
<b>zuuzuuz:</b> Die Kommission empfiehlt auch die Einführung<br />
eines Bonussystems bei der Studienplatz- und Ausbildungsvergabe. Wird<br />
das Bonussystem nur medizinische und krankenpflegerische Studien- und<br />
Ausbildungsgänge, oder auch technische, wirtschaftliche, geisteswissenschaftliche<br />
und andere Berufe betreffen?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Geplant ist, ein solches Bonussystem<br />
für alle sich anschließenden Ausbildungsgänge einzuführen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist das nicht wieder ein Stück Zwang,<br />
wenn man Bonus für die Ausbildung erhält &#8211; vielleicht den Numerus<br />
clausus verbessert? Wie schafft man den Anreiz für ein freiwilliges<br />
soziales Jahr?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Ein Bonussystem ist ja kein Zwang.<br />
Wer etwas für die Entwicklung seiner eigenen Kompetenz tut, durch<br />
ein FSJ beispielsweise, und damit auch der Gesellschaft einen Dienst erweist,<br />
der hat auch ein Recht darauf, das dies anerkannt wird.
</p>
<p>
<b>ti.frank:</b> Hallo, meine Frage an Sie ist folgende: Ist<br />
der Zivildienst/ die Wehpflicht in der Form noch haltbar, wenn man gleichzeitig<br />
über eine Verkürzung der Zeit, in der die Jungendlichen auf<br />
dem Arbeitsmarkt eintreten, spricht.
</p>
<p>
<b>torte22:</b> Ob Verkürzung oder nicht: Es existiert<br />
schon heute keine Gleichberechtigung mehr. Und die letzten, die diesen<br />
Dienst leisten werden, sind eben um ein Ausbildungs- und ein Gehaltsjahr<br />
betrogen (dazu zähle ich mich, Zivi 2001/02). Zivis senken die Personalkosten<br />
für Hilfsarbeiter-Jobs, die gleiche Funktion haben Grundwehrdienstleistende<br />
beim Bund.
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Also ein freiwilliger sozialer<br />
Dienst ist für den Erwerb sozialer Kompetenzen auch für ein<br />
späteres Berufsleben ein sinnvoller Baustein. Deshalb ist es kein<br />
verschenktes Jahr, sondern für viele junge Menschen ein wichtiger<br />
Baustein auch für die zukünftige Berufsgestaltung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ich kann allerdings die Frage unserer User<br />
verstehen. Erkennt das Unternehmen, bei dem ich mich bewerbe, das auch<br />
an, oder sagt es nur, der ist schon ein Jahr älter als sein Mitbewerber.<br />
Soziales Engagement ist in vielen mittelständischen Betrieben in<br />
Deutschland kein Pluspunkt.
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Es mag sein, dass es in vielen<br />
Betrieben noch keine Anerkennungskultur für freiwilliges soziales<br />
Engagement gibt. Dies muss sicherlich verbessert werden, und da muss auch<br />
den Leitern kleinerer Betriebe die positive Bedeutung eines solchen Engagements<br />
verdeutlicht werden. Deshalb brauchen wir ein Bonussystem, mit dem sich<br />
auch solche Betriebe auseinandersetzen müssen.
</p>
<p>
<b>stephan28:</b> Aber wie schaffen wir es, den Menschen klar<br />
zu machen, dass gesellschaftliche, soziale Arbeit notwendig ist. Vor allem<br />
bei Vorstellungen, die gerade torte22 darlegte? Junge Leute sehen doch<br />
heute nicht die gesellschaftliche Arbeit, sondern ihr persönliches<br />
Fortkommen als erstes.
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Es muss für jeden jungen<br />
Menschen nachvollziehbar sein, dass berufliches Fortkommen und soziales<br />
Engagement kein Gegensatz ist, sondern für die berufliche und auch<br />
für die persönliche Entwicklung zusammengehört.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommentar von:
</p>
<p>
<b>MaWa:</b> Siehe auch die Diskussion ums Abitur nach 12 Jahren<br />
&#8211; ganz schnell und jung ins Arbeitsleben!
</p>
<p>
<b>egal:</b> Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) befürchtet,<br />
soziale Angebote einschränken zu müssen, wenn der Zivildienst<br />
wegfallen sollte. Bei Ihnen auch?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Es wird in einzelnen Bereichen<br />
zu Einschränkungen kommen, vor allem auch in einer Übergangsphase,<br />
wo es darum geht, neue Organisationsformen zu entwickeln.
</p>
<p>
<b>hansen:</b> Angeblich kann nicht allen Jugendlichen, die<br />
ein FSJ machen wollen, ein Platz angeboten werden. Weshalb werden hier<br />
nicht die notwendigen Mittel bereitgestellt, um zumindest den aktuellen<br />
Bedarf an Einsatzstellen zu decken?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Es ist derzeit so, dass nicht<br />
alle, die ein freiwilliges soziales Jahrs (FSJ) machen wollen, auch einen<br />
geeigneten Platz finden. Deshalb fordern wir ja gerade, dass insbesondere<br />
bei wegfallenden Zivildienstleistungen diese Gelder für den Ausbau<br />
des FSJ genutzt werden.
</p>
<p>
<b>apotheker:</b> Freuen sie sich schon auf Minijobsuchende,<br />
die eigentlich keine Pflege machen wollen, aber vom Arbeitsamt zu ihnen<br />
abgeordnet werden?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Nein, wir brauchen für unsere<br />
Dienste, Menschen, die eine innerliche Bereitschaft haben, sich um andere<br />
zu sorgen. Dies kann man nicht per Abordnung machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zweimal mehr Kommentar als Frage:
</p>
<p>
<b>MaWa:</b> Zivis werden doch schon jetzt ganz offiziell auf<br />
Arbeitsplätzen eingesetzt! Sie dienen also häufig nur als preiswerter<br />
Ersatz. Dieses ist doch eigentlich gar nicht zulässig! Die Kosten<br />
dieser Planstellen wären doch eigentlich ohnehin schon da &#8211; und werden<br />
nur, da die Gesetzgebung nicht eingehalten wird, teilweise vermieden.
</p>
<p>
<b>Avoyelles:</b> Auch wenn es edel ist, sich für die<br />
Gesellschaft einzusetzen. Aber das Gesundheitssystem muss eine Grundversorgung<br />
sichern. Und da halte ich es für falsch, darauf zu hoffen, dass möglichst<br />
viele einen FS-Dienst machen. Da muss man doch eine gewisse Planungssicherheit<br />
haben und somit Festangestellte haben. Wir brauchen dringend eine Reform<br />
und keine Flickschusterei.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was mich zu der Zusammenfassung bringt: Macht<br />
das Ende des Zivildienstes am Ende die Krankenversicherung doch teurer?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Sicherlich muss die Grundversorgung<br />
im Gesundheits- und Pflegedienst durch den Einsatz von professionellen<br />
Kräften gesichert werden. Dies ist auch heute schon so, auch wenn<br />
Zivis eine wichtige Ergänzung leisten. Ich bezweifle, dass die Krankenversicherung<br />
durch den Wegfall des Zivildienstes teurer wird. Allerdings werden nicht<br />
alle Aufgaben im gleichen Umfang wie heute ohne Zivis zu organisieren<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was bedeutet das bei der zu erwartenden steigenden<br />
Zahl von Pflegebedürftigen?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Wir brauchen mehr Menschen, die<br />
bereit sind, sich im Pflegeberuf zu engagieren. Sowohl in der häuslichen<br />
Versorgung von Pflegebedürftigen, als auch bei stationären oder<br />
teilstationären.
</p>
<p>
<b>jobbers:</b> Die Kommunen müssten die in der Pflegeversicherung<br />
eingesparten 2,2 Milliarden Euro zu einem großen Teil aus Mitteln<br />
der Sozialhilfe finanzieren. Ist das nicht paradox, wo doch die Kommunen<br />
entlastet werden sollten?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Mit der beabsichtigten Absenkung<br />
der Entgelte aus der Pflegeversicherung für die stationäre Pflege<br />
kommt ein erheblicher zusätzlicher Aufwand auf die Kommunen zu. Dem<br />
stehen allerdings nach den derzeitigen Planungen auch Entlastungseffekte<br />
entgegen, so dass auf keinen Fall zwei Milliarden Euro zur Debatte stehen<br />
werden. Ich befürchte, es wird zu einer Mehrbelastung um die 300<br />
Millionen kommen, die die Kommunen zu Teilen dadurch auffangen können,<br />
dass sie sich verstärkt um den Ausbau ambulanter Dienste kümmern.
</p>
<p>
<b>hmmm:</b> Für die ambulante Pflege sind nur sehr geringe<br />
Aufschläge zwischen 68 und 116 Euro pro Person pro Monat vorgesehen.<br />
Reicht das aus oder was bedeutet das? Verschlechterung der Pflege?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Das bedeutet, dass der Ausbau<br />
ambulanter Pflege nicht in dem Umfang vorgenommen werden kann, wie der<br />
Gesetzgeber es erwartet.
</p>
<p>
<b>alters:</b> Wie sehen denn die Pläne für eine<br />
sinnvolle aber kosteneffiziente Pflege aus? Was beabsichtigen sie zu ändern?<br />
Es wird doch sehr viel Geld ausgegeben.
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Wir müssen die häusliche<br />
Versorgung von Pflegebedürftigen besser ermöglichen als das<br />
heute der Fall ist. Dies ist die einzige Chance, um die zunehmende Inanspruchnahme<br />
der Altenheimversorgung zu verringern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch einmal zurück zu Zivildienst, freiwilligem<br />
sozialem Jahr (FSJ) etc.:
</p>
<p>
<b>hansen:</b> Was halten sie von den sogenannten generationenübergreifenden<br />
Freiwilligendiensten?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Aus meiner Sicht ist der generationsübergreifende<br />
freiwillige Dienst ein Zukunftsprojekt, in dem es darum geht, dass neben<br />
der Interessenslage junger Menschen (FSJ) auch die Interessenslagen mittlerer<br />
oder älterer Generationen an der freiwilligen sozialen Arbeit stärker<br />
berücksichtigt werden müssen. Damit haben wir bisher noch wenig<br />
Erfahrungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Bei zunehmender Zahl von RentnerInnen eine<br />
Chance oder nur ein Ausweg?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Ich denke, eine Chance: Sowohl<br />
für die Rentnerinnen und Rentner, als auch für die Gesellschaft.
</p>
<p>
<b>Till-Eulenspeigel:</b> Wie könnte ein zeitlicher Rahmen<br />
aussehen, der die Abschaffung der Wehrpflicht und den flächendeckenden<br />
Aufbau eines freiwilligen Netzes möglich macht? Fakt ist, dass die<br />
meisten FSJ&#8217;lerInnen doch in Baden-Württemberg sind und die bundesdeutsche<br />
Verteilung ganz klar im Süden ist!
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Ob wir je dahin kommen, dass der<br />
heutige Zivildienst durch Freiwilligendienste völlig kompensiert<br />
werden kann, ist schwer einzuschätzen. Wir brauchen aber zur Umsteuerung<br />
eine Anerkennungskultur und bei entsprechenden organisatorischen Strukturen<br />
mindestens einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren.
</p>
<p>
<b>pfleger3:</b> Naja, bei der Reformbereitschaft der deutschen<br />
Politik wird es wohl eher keine Experimente wie den generationsübergreifenden<br />
Freiwilligen geben, oder? Sehen sie dafür eine politische Chance?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Würde ja auch etwa bedeuten, Zuverdienstgrenzen<br />
bei Rentnern zu ändern, etc.
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Ich glaube, dass auch die Politik<br />
keine andere Wahl hat, als in diese Richtung sich zu bewegen, weil wir<br />
sonst kaum die Möglichkeit haben werden die anstehenden Versorgungsprobleme<br />
auf hohem Niveau zu organisieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es gilt also: Ausprobieren was geht, weil<br />
sich etwas verändern muss?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>pfleger3:</b> FSJ klingt schrecklich nach DDR. Braucht es<br />
nicht einen wohlklingenderen Namen?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Wenn es einen attraktiveren Begriff<br />
gibt, soll man ihn gerne verwenden. Mit den drei Kürzeln &quot;freiwillig&quot;,<br />
&quot;sozial&quot;, &quot;Dienst&quot; sind die Kernbereiche beschrieben,<br />
um die es geht. Aber ich bin für alle Verbesserungen in dieser Frage<br />
offen.
</p>
<p>
<b>henhan:</b> Wenn man von einer Kürzung der Zivildienstdauer<br />
oder einem eventuellen Ersatz spricht, wo sehen sie die notwendige Mindestdauer<br />
eines solchen Dienstes in Bezug auf Einarbeitungszeiten? Wo liegt die<br />
Rentabilitätsgrenze?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Die meisten Träger der Dienste<br />
sagen, dass ein Einsatz unter einem Jahr problematisch ist. Sowohl für<br />
den Betroffenen selber &#8211; das heißt, bis er sich selbst orientiert<br />
hat &#8211; als auch für die Organisation des Einsatzumfeldes.Es mag einzelne<br />
Dienste geben, in denen kürzere Zeiten denkbar sind, z.B. Einsatz<br />
als Rettungssanitäter und Krankentransport.
</p>
<p>
<b>hihi:</b> Der Gesetzgeber erwartet, streicht an anderer<br />
Stelle. Ist der Gesetzgeber überfordert? Hört er auf Experten<br />
wie sie?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Zu wenig.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das ist mir auch zu wenig. Können Sie<br />
das ein bisschen weiter ausführen. Wo klemmt&#8217;s?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Gesundheitsversorgung und Versorgung<br />
mit sozialen Diensten sind sehr sensible Aufgabenfelder. Die Umsetzung<br />
des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes zeigt, an wie vielen Stellen Menschen<br />
durch direkte Betroffenheit zu Recht unzufrieden sein müssen, weil<br />
viele Dinge im Vorfeld nicht ausreichend geklärt und abgesprochen<br />
werden konnten. Aktuelle Beispiele sind im gesamten Zuzahlungsbereich<br />
zu finden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Also ein bisschen mehr Politik der ruhigen<br />
Hand in der Reformdebatte?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Zumindest eine Politik, die ausreichend<br />
Zeit für die Berücksichtigung der Umsetzungsschwierigkeiten<br />
beinhaltet und nicht alles oder wichtiges einem Vermittlungsausschussverfahren<br />
überlässt, in dem Detailfragen keine Rolle mehr spielen.
</p>
<p>
<b>unioner:</b> Von der Opposition habe noch nichts zum Thema<br />
gelesen. Was denken die oder haben die kein Konzept?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Ich weiß, dass die Opposition<br />
auch für den Ausbau freiwilliger Dienste ist, wenngleich ich konkrete<br />
Vorschläge auch bisher nicht wahrgenommen habe.
</p>
<p>
<b>swiss17:</b> Könnte man nicht die Arbeitlosen die Zivildienstleistungen<br />
austragen lassen,
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Nein. Das kann man deshalb nicht,<br />
weil gerade für soziale Aufgaben eine innere Bereitschaft vorhanden<br />
sein muss, die nicht durch Zwang hergestellt werden kann. Deshalb gibt<br />
es gerade im Zivildienst &#8211; im Gegensatz zur Wehrpflicht &#8211; auch die so<br />
genannte Einverständniserklärung, die eine freiwillige Zustimmung<br />
des Trägers zum Einsatz des Zivis beinhaltet.
</p>
<p>
<b>abba:</b> Mehr als die Hälfte der Kriegsdienstverweigerer<br />
arbeitet in der Behinderten-Betreuung. &quot;Sollten diese Kräfte<br />
wegfallen, wäre das kaum zu kompensieren&quot;, warnte Helbig (Brandenburgs<br />
DRK-Landesgeschäftsführer, Anm. d. Red.). Was sagen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Ich weiß, dass gerade die<br />
individuelle Schwerstbehindertenbetreuung durch den Wegfall des Zivildienstes<br />
am stärksten betroffen sein wird. Befriedigende Lösungen sind<br />
dafür derzeit nicht in Sicht.
</p>
<p>
<b>henhan:</b> Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ausreichend<br />
Freiwillige fänden!?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Muss nicht am Ende doch ein bisschen Zwang<br />
her und dann auch für Männer UND Frauen?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Dass jede Änderung zukünftig<br />
Frauen und Männer in gleicher Weise betreffen sollte, ist unstreitig.Aber<br />
Freiwilligendienste und Pflicht schließen sich gegenseitig aus.<br />
Wir brauchen eine Veränderung der Anerkennungskultur des freiwilligen<br />
sozialen Engagements.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Für die Aufgabe, einen freiwilligen<br />
sozialen Dienst in der Gesellschaft akzeptabel zu machen, brauchen Sie<br />
mächtige Verbündete. Ein Job für den nächsten Bundespräsidenten?
</p>
<p>
<b>Rainer Brückers:</b> Sicherlich für ihn, wie auch<br />
für den Kanzler und seine Regierung. Die Wohlfahrtsverbände<br />
werden alle Aktivitäten dazu unterstützen.
</p>
<p><b>Moderator:</b> Unsere Chat-Stunde ist um, vielen Dank für<br />
Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen. Es bleiben wie immer noch viele<br />
Fragen. Vielen Dank, Herr Brückers, dass Sie Zeit für den Chat<br />
gefunden haben. </p>
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