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	<title>Friedhelm Hengsbach &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Friedhelm Hengsbach &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Die Machtverhältnisse sind strukturell ungleich verteilt.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_machtverhaeltnisse_sind_strukturell_ungleich_verteiltquot-383/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Jun 2001 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Prof. Friedhelm Hengsbach, Theologe 
und Sozialwissenschaftler,<br />
im Chat am 15. Juni 2001</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Prof. Friedhelm Hengsbach, Theologe<br />
und Sozialwissenschaftler,<br />
im Chat am 15. Juni 2001</span></b><!--break-->
</p>
<p>
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/termine/logos/bpb.gif" height="45" width="92" />
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Herzlich<br />
Willkommen beim Chat der Bundeszentrale für politische Bildung und von<br />
politik-digital.de! Unser heutiger Gast befindet sich mitten im<br />
Getümmel des Evangelischen Kirchentages in Frankfurt am Main: Professor<br />
Friedhelm Hengsbach, Theologe und Sozialwissenschaftler. Die These des<br />
führenden Vertreters der Christlichen Soziallehre und des Leiters des<br />
Oswald-von-Nell-Breuning-Instituts für Wirtschafts- und<br />
Gesellschaftsethik an der Hochschule Sankt Georgen: Gewalt von<br />
Jugendlichen hat Ihre Ursachen in der versteckten Gewalt des<br />
ökonomischen und politischen Systems. Also: Trifft die Täter keine<br />
Schuld? In der kommenden Stunde haben Sie die Gelegenheit, mit<br />
Professor Hengsbach seine These zu diskutieren. Erst einmal: Herzlich<br />
Wilkommen, Herr Hengsbach! Habe ich Ihre These so verkürzt richtig<br />
wiedergegeben?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Die<br />
Täter sind schon verantwortlich für ihr persönliches Tun. Ihr Handeln<br />
ist allerdings auch verständlich durch die strukturelle Gewalt, der sie<br />
ausgesetzt sind.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Zur strukturellen Gewalt haben wir bereits einige Fragen&#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>digitalist: </b>Gut,<br />
das System trifft vielleicht Mitschuld. Aber muss man deshalb nicht<br />
trotzdem mit harten Strafen gegen jugendliche Skinheads vorgehen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Die<br />
Strafe bemisst sich immer auch nach den mittelbaren und unmitelbaren<br />
Umständen der Tat. Bestraft werden müssen sie für ihr Handeln und die<br />
vorraussehbaren und beabsichtigten Folgen. Strafmildernd ist ihre<br />
Situation der Ohnmacht und der Aussichtslosigkeit daheim und in der<br />
Berufswelt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>baseballbat: </b>Sie prangern strukurelle Gewalt des Systems als (Mit-)Ursache für rechte Gewalt an, was meinen Sie genau damit?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Jugendliche,<br />
die beispielsweise keinen Ausbildungsplatz finden oder arbeitslos sind,<br />
empfinden sich als persönliche Versager. Sie fühlen sich wertlos, an<br />
den Rand gedrängt und deshalb versuchen sie, ihre empfundene<br />
Minderwertigkeit an Schwächeren abzuladen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kubus: </b>Findet das Programm der Regierung für aussteigewillige rechte Kader Ihre Zustimmung?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Ja, wenn dadurch nicht Unehrlichkeit und Scheinheiligkeit gefördert werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>irene: </b>Persönliche Versager ? Ich arbeite mit jungen Neonazis (Kurse&#8230;)- sie sind beruflich eher etabliert &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Ich<br />
gebe zu, dass die Erklährung des Rechtsextremisums durch soziale<br />
Benachteiligung keine erschöpfende Erklährung ist. Regionale<br />
Diskriminierungen (Ostdeutschland) spielen auch eine Rolle und außerdem<br />
die Benachteiligung durch die Erwachsenen im Nahbereich und die Skepsis<br />
gegenüber der politischen Elite.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Noch einmal zum gleichen Thema:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>baseballbat: </b>Was<br />
hat Armut mit rechter Gewalt zu tun, die &quot;Schläger&quot; kommen meines<br />
Wissens oft aus gefestigten und mittelständischen Verhältnissen &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Es gibt im Einzelfall sehr verschiedene Ursachen.<br />
Nur wenn man typische Erklärungsmuster sucht, kann man nicht an der Frage der<br />
sozialen Ausgrenzung vorbeigehen, die ich für schwergewichtig halte.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Meschach: </b>Ich bitte um eine Erläuterung der Theorie des Professors: Inwiefern steckt in unserem ökonomischen System Gewalt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Unsere Marktwirtschaft ist eine kapitalistische<br />
Marktwirtschaft. Die Machtverhältnisse sind strukturell ungleich verteilt. Diejenigen,<br />
die über das Eigentum an Produktionsmitteln verfügen, haben gegenüber den abhängig<br />
Beschäftigten eine stärkere Machtposition. Diejenigen, die über die Geldschöpfungsmacht<br />
verfügen (Banken) haben gegenüber den Kreditnehmern und Verschuldeten eine strukturell<br />
stärkere Position. Die Industrieländer haben gegenüber den Entwicklungsländern&#8230;.<br />
diese neutrale Schieflage wird tendenziell zu struktureller Gewalt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Noch einmal zur Ursachenforschung rechter Gewalt. Zwei Bemerkungen zum Thema, die kommentiert werden wollen &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>irene: </b>Meine Erfahrung: Langeweile, fehlende Infrastruktur für Jugendaktivitäten, Gruppendruck und Alkohol&#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>geradeaus: </b>National befreite Zonen nähren sich doch eher aus &quot;Mitläufertum&quot; als aus Armut, sozialen Missständen oder sowas!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Zu<br />
Irene: die Phänomene der Langweile, des Gefühls der Minderwertigkeit<br />
haben strukturelle Ursachen, nämlich die fehlende Infrastruktur.<br />
Ausbildungs- und Arbeitsplätze, die keine Identität herstellen. Auch<br />
das Mitläufertum ist verursacht durch fehlende Identität, fehlende<br />
Interessen und eine jugendgemässe Form, diesen Interessen gerecht zu<br />
werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>noch kurz: Irene, in welcher Region und in welchem Umfeld arbeiten Sie?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>irene: </b>in Österreich, an der Linzer Universität.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach:</b> Linz ist für mich vergleichbar mit dem Ruhrgebiet in Deutschland.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>richter: </b>Wenn<br />
man Interviews mit jungen Rechten sieht, hat man das Gefühl, die<br />
plappern Thesen wie die ihre dankbar nach und fühlen sich erst recht<br />
gerechtfertigt<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Wenn<br />
diese Thesen richtig sind und die auf die Situation der Jugendlichen<br />
zutreffen, muss die Reaktion der Erwachsenen dem entsprechend sein.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>irene: </b>Also<br />
die Sache mit Kapital und Arbeit ist aber auch schon &quot;kalter<br />
Kaffee&quot;.Entstehen nicht u.a. durch Bildungsdifferenzen<br />
(=Zugangschancen) eher neue &quot;Klassen! ? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Bildung<br />
ist zweifellos neben der Beteiligung an der Erwerbsarbeit ein wichtiger<br />
Faktor der Identitätsbildung. Allerdings ist der Zusammenhang zwischen<br />
dem einen und dem anderen nicht von der Hand zu weisen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>linksruck-nein: </b>Sind sie Kommunist?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Kommunist bin ich nicht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>graubraun: </b>Österreich ist doch voll von Rechten, die haben doch keine Armutsprobleme wie im Osten!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Ich<br />
will nicht darüber urteilen, wer oder was wovon voll ist. Die Probleme<br />
ungeleicher Verteilung der Einkommen u. Vermögen, der soz. Ausgrenzung<br />
und gesellschaftlichen Spaltung gelten für alle reifen Industrieländer<br />
zu. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Meschach: </b>Wie<br />
aber vollzieht sich der ideologische Schluss in einem solchen<br />
Unterdrücken des Kapitalismus zum Nationalsozialistischen? Müsste hier<br />
nicht Anarchie oder Sozialismus die Wiederstandsideologie gegen den<br />
Unternehmer sein?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Es<br />
gibt ein rechtes Potential auch unter konservativen Akademikern, im<br />
bürgerlichen Millieu. Gesellslchaftlich gefährlich ist erst die<br />
Kombination der kulturellen Rechtsorientierung mit dem Protest sozial<br />
benachteiligter gegen linke Regierungen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Eine nähere Erläuterung wäre vielleicht sinnvoll&#8230;?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Eine<br />
demokratische Regierung, die unter dem Druck der rechtskonservativen<br />
und sozialer Unterschichten steht, befindet sich unter starkem<br />
Rechtfertigungszwang. Dem doppelten Rechtfertigungszwang ist sie in der<br />
Regel nicht gewachsen und damit ist die Stabilität der Demokratie in<br />
Gefahr.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Stephano: </b>Soll das (überspitzt gesagt) heißen: die armen Ossis werden erst durch konservative (aber reiche) Wessis zu Rechten?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Soziale<br />
Schieflage zwischen Osten und Westen kann durch radikale soziale<br />
Reformen und Investitionen in die Infrastruktur vor allem durch<br />
zukunftsfähige Arbeitsplätze überwunden werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>moritz99: </b>Wieso reden eigentlich alle von rechter Gewalt? Was ist denn der Unterschied zu prügelnden Linken?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Die gewalttätigen Ausschreitungen gegen ausländische Mitbürger sind im linken Millieu nicht beobachtbar.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Stephano: </b>Natürlich<br />
prügeln Linke nicht gegen Ausländer, die prügeln mit der Polizei oder<br />
mit Rechten, aber das ist doch auch Gewalt. Welche Gründe hat die denn?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Es macht einen Unterschied ob gegen Gewalt der staatlichen Ordnungskräfte oder gegen einzelne Ausländer vorgegangen wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Meschach: </b>Mir<br />
ist der Kern der Theorie noch immer nicht ganz begreiflich: Angenommen,<br />
ich sei ein unter Leistungsdruck stehender, einer strengen<br />
Unternehmenshierarchie unterworfener Arbeitnehmer. Wie komme ich jetzt<br />
dazu, Gewalt gegenüber (ausländischen) Bürgeren auszuüben?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Da<br />
ginge es um strukturelle Gewalt, die auch nur mit Strukturreformen<br />
überwunden werden kann. Die Gewalt gegen Ausländer ist individuelle<br />
Gewalttätigkeit.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sunny: </b>Aber das widerspricht doch Ihrer Theorie der strukturellen Gewalt als Ursache rechter Gewalt!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Ich<br />
bezeichne eine langanhaltende Massenarbeitslosigkeit, die für den<br />
Einzelnen, der davon betroffen ist, strukturelle Gewalt darstellt, in<br />
sofern dieser Zustand politisch verändert werden könnte, als eine<br />
Ursache, dass ein Einzelner nicht mehr politisch reagiert, sondern<br />
durch individuelle Gewaltanwendung gegenüber Schwächeren.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>alexandra73: </b>Herr Hengsbach, mich würde ihr Standpunkt aus einer eher theologischen Sichtweise interessieren<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>dazu passt &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mart: </b>Hat Gewaltbereitschaft etwas mit Atheismus zu tun ?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Sowohl<br />
Atheismus als auch religöser Fantatismus kann unmenschlich und<br />
gewalttätig machen. Ich kenne Atheisten und Christen, die zu<br />
ausserordentlicher Toleranz fähig sind. In der Gewaltlosigkeit Jesu<br />
liegt eine Inspiration der Toleranz.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>&#8230; der Glaube schützt also vor Gewalt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>&#8230; vor der Entwicklumg zur Gewalttätigkeit, meine ich&#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Der<br />
Glaube, wenn er als die Orientierung des Lebens auf Gott hin verstanden<br />
wird, relativiert alles und jeden in der Welt. D.h. das Verständnis und<br />
die Verständigung werden so angeregt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>alexandra73: </b>&#8230; wie sieht es mit der Gewalt des alten Testaments aus?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>In<br />
der Bibel des AT wird das tatsächliche Leben beschrieben. Das Leben der<br />
Menschen ist mit Gewalt durchsetzt. Gleichzeitig findet sich wie ein<br />
roter Faden insbesondere in der Botschaft der Propheten der Apell an<br />
Barmherzigkeit, Solidarität und Liebe.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Gibt es denn so etwas wie &quot;gerechte Kriege&quot;?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Es<br />
gibt eine Lehre vom &quot;gerechten Krieg&quot;, die aussieht als wollte sie den<br />
Krieg rechtfertigen.. In Wirklichkeit werden Bedingungen genannt, die<br />
erfüllt sein müssen, damit ein Krieg gerechtfertigt werden kann. 1. nur<br />
eine rechtmässige Autorität darf Krieg führen. 2. es muss eine<br />
gerechten Grund geben. 3. der Krieg muss das letzte Mittel sein 4. der<br />
Krieg muss den Frieden zum Ziel haben!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>alexandra73: </b>Aber<br />
das Judentum &quot;kennt&quot; das Neue Testament und Jesus nicht; ist das also<br />
eine potenzielle Gefahr für die Zukunft, im Sinne der<br />
Gewaltbereitschaft?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>&#8230; das betrifft natürlich auch andere Religionen &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Auch<br />
im AT finden sich immer wieder Aufrufe zur Barmherzigkeit gegenüber den<br />
Mitmenschen, z.B. Witwen Waisen und Fremden gegenüber: &quot;&#8230; denn du<br />
weisst, wie den Fremden zu mute ist. Du selbst, Israel warst Fremder in<br />
Ägypten&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>nun wieder weg von der Theologie &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lisa: </b>Wie<br />
erklären Sie sich, dass die Diskussion um latente Gewalt in unserer<br />
Gesellschaft heute in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle spielt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Meiner<br />
Meinung nach &#8211; und ich erlebe dies auf dem Kirchtag &#8211; sind Fragen der<br />
sozialen Gerechtigkeit und der strukturellen Ausgrenzung in den<br />
Hintergrund getreten. Dafür werden Fragen der kulturellen Identität,<br />
des Stils und des Sinnes stärker gewichtet, wie einzelen Menschen ihr<br />
Leben in dieser bedrohlichen Welt in den Griff bekommen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Eine ältere Frage, die sich noch auf die möglichen Aktivitäten gegen rechte Gewalt bezieht&#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kubus: </b>Was sollte die Regierung tun?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>1.<br />
eine zutreffende Diagnose der strukturellen Gründe treffen. 2. den<br />
Jugendlichen strukturelle und persönliche Zukunftschancen anbieten,<br />
also Arbeitsplätze, Kommuniktionsmöglichkeiten, Freizeitangebote.<br />
Wichtig ist, dass Eltern Zeit haben für ihre Kinder und nicht unter dem<br />
Druck stehen, entweder Kinder zu erziehen oder erwerbstätig zu sein.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>irene: </b>Was sollte jeder Einzelne in seinem Umfeld tun ?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Über den engen Horizont seiner persönlichen Freundschaften, Nachbarschaften hinaus sehen und Freunde gewinnen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>irene: </b>He: sind jetzt also die Mütter Schuld (um die gehts ja wohl meist, wenn von Zeit für die Kinder die Rede ist&#8230;)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Mir<br />
geht es gerade um das Aufbrechen dieser sexistischen Arbeitsteilung,<br />
die den Männern die Erwerbsarbeit und den Frauen die &quot;Kinderarbeit&quot; zu<br />
teilt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lisa: </b>Spielt nicht auch die Frage nach dem nicht erlebten Sinn im Leben eine Rolle?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Das ist richtig. Dass die Frage der sozialen Gerechtigkeit<br />
nur die eine, für mich eine sehr entscheidende Dimension ist. Sie schafft den<br />
Mindeststandard. Die Frage nach dem Sinn ist damit noch nicht beantwortet. Deshalb<br />
finde ich das Angebot des Kirchentages so spannend. An jedem Morgen in der Bibelarbeit<br />
die Frage nach dem Sinn unseres Lebens beantworten helfen. Auch die Foren über<br />
Arbeit, Wissensgesellschaft und umweltgerechte Ernährung suchen eine Antwort<br />
auf die Frage, wie wir in Europa leben wollen und sollen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>alexandra73: </b>Aber<br />
gerade im Osten ist sie doch über Jahrzente aufgebrochen worden, die<br />
sexistische Arbeitsteilung, trotzdem gibt es gerade da Probleme.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>In<br />
der Erwerbsarbeit wohl, aber nicht zu Hause. Auch die sozialistischen<br />
Männer sind daheim Patriarchen geblieben. Die Doppelbelastung der<br />
Frauen ist geblieben.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Eine Nachfrage zu der von Ihnen festgestellten Ausrichtung des Kirchentags (zunehmende Individualisierung) :<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lisa: </b>Wie bewerten Sie diese Entwicklung?<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>&#8230; (dies als letzte Frage)<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>1.<br />
Es muss keine Individualisierung sein, sondern kann auch eine<br />
gemeinsame Frage nach dem Sinn einer Gruppe sein 2. Ich beurteile diese<br />
Entwicklung zunächst sehr kritisch. 3. Die Diskussion über Fragen der<br />
gerechten Strukturen scheint für viele nichts Neues mehr zu bringen und<br />
hilft ihnen nicht in ihrem persönlichen Leben. 4. Deshalb ist die Frage<br />
berechtigt, wie jeder einzelne Arbeits- und Lebenswelt miteinander<br />
verbindet. Wie er fair mit seiner Partnerin umgeht. Wie umweltbewusst<br />
man sich kleidet und ernährt und mobil ist. Ob man ethische Geldanlagen<br />
tätigen soll.<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Die Stunde ist schon wieder um; wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen Herr Hengsbach, dass Sie zum Chat bereitstanden &#8230;<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FriedhelmHengsbach: </b>Ich habe mich gefreut, weil es für mich das erste<br />
mal war so mit anderen menschen zu kommunizieren. Ihnen danke ich für das Interesse!<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>die Bundeszentrale für politische Bildung und politik-digital<br />
bedanken sich auch bei den Chatteilnehmern und wir wünschen Ihnen eine gute<br />
Heimreise und viel Spass auf der &quot;Party des heiligen Geistes&quot; in Frankfurt &#8230;<br />
ein Zitat aus der Eröffnungsfeier des Kirchentages&#8230;<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Leider<br />
konnten wir wieder einmal nicht alle Fragen weiterleiten, es waren<br />
derer einfach zu viele, aber wir bedanken uns dennoch für das hohe<br />
Niveau der Fragen. Unser nächster Chat mit der Bundeszentrale für<br />
politsche Bildung ist bereits am Montag, 18. Juni zwischen 12 Uhr und<br />
1245: Bischöfin Margot Käßmann wird eine Bilanz des Kirchentages ziehen<br />
und ebenfalls zu Themen wie Zivilcourage und Gewaltbereitschaft mit der<br />
Chatgemeinde reden. Einen schönen Freitag wünsche ich noch!<br />
</span></p>
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