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	<title>Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Neue Medien als Werkzeug für Demokratie, Freiheit und Transparenz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nicola Jenne]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Oct 2012 14:32:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Freedom]]></category>
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					<description><![CDATA[Unter dem Titel „Social Media (R)Evolutions &#8211; Was der digitale Wandel für Demokratie und Freiheit bedeutet“ veranstaltete die Virtuelle Akademie [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><a href="http://politik-digital.de/neue-medien-als-werkzeug-fuer-demokratie-freiheit-und-transparenz/fre/" rel="attachment wp-att-121515"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-121515" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/fre-630x302.jpg" alt="" width="630" height="302" /></a>Unter dem Titel „Social Media (R)Evolutions &#8211; Was der digitale Wandel für Demokratie und Freiheit bedeutet“ veranstaltete die Virtuelle Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit eine mehrtägige Online-Konferenz. Vergangenen Freitag fand zum Abschluss eine Podiumsdiskussion in Berlin statt.</p>
<p>Ob neue Medien Demokratien und Regierungen beeinflussen, ob sie die traditionellen Medien verändern oder ob sie eine Wirkung auf unsere Kultur entfalten, waren die zentralen Fragen, die von über 200 Teilnehmern und 24 Referenten aus allen Teilen der Welt online diskutiert wurden. Aktivisten und Blogger, aber auch Journalisten und Politiker trafen sich an vier Tagen, um den Einfluss von neuen Medien auf die vier Bereiche Regierung, Opposition, Medien und Kultur herauszuarbeiten. Moderiert wurden die Videochats, die auf der Internetplattform der <a href="http://virtuelle-akademie.de/webcom/show_article.php?wc_c=26865&amp;wc_id=43" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Virtuellen Akademie</a> stattfanden, von dem Autor Jöran Muuß-Merholz.</p>
<p>Zur Abschlussveranstaltung, die auch offline im Betahaus in Berlin-Kreuzberg stattfand, diskutierten neben Moderator Muuß-Merholz der Blogger und Frontmann der Rockband Plan B, Johnny Haeusler und der Internetberater und Autor Christoph Kappes.</p>
<p>Insbesondere für Berufsfelder, die in einer eigenen Beziehung zur Öffentlichkeit stehen, verändert das Internet die Spielregeln, weil es die Kommunikationsroutinen zwischen den Akteuren neu strukturiert. Mit den Möglichkeiten des Netzes wird es einfacher, die Menschen zu erreichen. So seien die neuen Medien auch wesentlich relevanter für Politiker als beispielsweise für Bildhauer, erklärte Johnny Haeusler die unterschiedliche Relevanz neuer Kommunikationskanäle für verschiedene Berufsgruppen. Moderator Muuß-Merholz pflichtete dieser Aussage bei und ergänzte, dass die Veränderungen vornehmlich für Journalisten besondere seien. Sie müssten damit umgehen, dass sie nicht mehr das Monopol bei der Verbreitung von Informationen besäßen.</p>
<h3>Das Internet bietet die Chance, etablierte Strukturen zu ändern</h3>
<p>Hinsichtlich der Frage, wie neue Medien auf Regierungen und Demokratien wirken, kam man zu einem zwiespältigen Ergebnis. So verkleinere das Internet zunächst einmal die Lücke zwischen Bürgern und ihren Regierungen, da eine wechselseitige Kommunikation vereinfacht würde. Auch könnten Informationen über die Situation eines totalitären Regimes über Social Media-Kanäle leichter nach außen gelangen. Gleichzeitig berge es auch Risiken, die man nicht unterschätzen dürfe, erörterte Christoph Kappes. So könnten diktatorische Regierungen es als Überwachungsinstrument einsetzen, um ihre Bürger zu kontrollieren. Grundsätzlich gelte aber: „Je unfreier eine Gesellschaft, umso wichtiger sind die neuen Medien“, bilanzierte Moderator Muuß-Merholz seine Erfahrung aus den Videokonferenzen. Das Internet biete die Chance, starre politische Strukturen zu ändern, da es im besten Fall ein hohes Maß an Transparenz bringe, verdeutlichte auch Christoph Kappes.</p>
<h3>Das Internet als erfolgreiches Werkzeug der Opposition</h3>
<p>Als Werkzeug für die Opposition hat sich das Internet bislang als funktionsfähig erwiesen, da es Strukturen biete, die klassische Medien nicht bereithalten könnten. Deutschland unterscheide sich aber bezüglich der Nutzung und Relevanz deutlich von anderen Ländern. Während hierzulande einige Online-Formate immer öfter als Beleg eines kulturellen Verfalls diskutiert würden, stellten die neuen Medien für die Bürger anderer Länder – vor allem in den weniger freien Gesellschaften &#8211; eine große Hoffnung dar, fundamentale Veränderungen herbeiführen zu können. Der Umgang mit sozialen Medien sei dort auch wesentlich spannender, zumal sich eine viel größere Zahl an Menschen in den Netzwerken bewegten, erklärte Jöran Muuß-Merholz. Zusammenfassend könne man festhalten, dass Aktivisten aus unfreien Ländern die Chancen neuer Medien deutlich optimistischer  einschätzten, als dies in liberalen Demokratien der Fall sei.</p>
<h3>Es gab nie ein Versprechen für mehr Freiheit und Demokratie</h3>
<p>„Durch das Internet verfällt der klassische Journalismus in viele kleine Facetten“, findet Christoph Kappes, da jeder im Internet seine Meinung kundtun kann, es viele Online-Magazine und Portale gibt und sich die Spielregeln des traditionellen Journalismus dadurch verändern. Über die Frage, inwiefern die neuen Medien eine grundlegende Veränderung für die Menschheit mit sich brächten, war man sich auf dem Podium insofern einig, als es nie das Versprechen gegeben hätte, dass die neuen Medien zwangsläufig zu mehr Freiheit, Demokratie und Transparenz führen würden, unterstrich Jöran Muuß-Merholz und merkte an, dass das Internet ursprünglich für die Kommunikation an Universitäten und Institutionen entwickelt worden war.</p>
<h3>Das Internet macht uns zu einer Null-Fehler-Toleranz-Gesellschaft</h3>
<p>Für den Bereich der Distribution von Musik biete das Internet zunächst einmal mehr Möglichkeiten, war sich Johnny Haeusler sicher. Dennoch gelte auch unter veränderten Bedingungen „Wer am lautesten ist, wird auch am besten gehört“. Crowdfunding-Projekte, also Geschäftsideen, deren Finanzierung durch die Community erledigt wird, funktionierten zwar immer besser, würden aber zunehmend auch als Marketingstrategie etabliert und von bekannten Künstlern benutzt. So setze beispielsweise Tina Turner aktuell auf die Kraft des Schwarms. Dass vor allem kleine Bands durch das Netz profitierten, sei also keineswegs selbstverständlich.</p>
<p>Eine große Veränderung sieht Christoph Kappes für die Kommunikation von Politikern. Dem einzelnen Politiker würde heute wesentlich mehr Kommunikationskompetenz abverlangt, als dies früher der Fall war. Auch Johnny Haeusler stellte fest, dass das Internet dazu führe, dass eine Null-Fehler-Toleranz-Gesellschaft entstehe. „Man müsste öfters sagen: Davon habe ich keine Ahnung!“. Aus Angst vor negativem Feedback oder gar einem Shitstorm finde das aber kaum statt.</p>
<p>Als Fazit der Veranstaltung kann stehen, dass die Evolution der neuen Medien viele Veränderungen in allen politischen und gesellschaftlichen Bereichen mit sich gebracht hat und bringt. Auch dass die Zukunft sicherlich noch einige Revolutionen durch das Internet katalysieren wird. Die Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit will dem Themengebiet treu bleiben und die Veranstaltung im kommenden Jahr fortsetzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Weitere Informationen zur Konferenz finden sich auf der Internetseite der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit unter: <a href="http://smr12.fnst.org/" rel="nofollow noopener noreferrer" target="_blank">http://smr12.fnst.org/ </a></p>
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		<title>Außer Spesen nichts gewesen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thomas Würdinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Nov 2011 16:27:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Bürgerbeteiligung]]></category>
		<category><![CDATA[Enquete-Kommission]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Open-Source]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad-Adenauer-Stiftung]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[„Online partizipieren, online arbeiten“ lautete der Titel einer am Freitag veranstalteten netzpolitischen Tagung. Doch so sehr sich Konrad-Adenauer- und Friedrich-Naumann-Stiftung auch bemühten: Über die Möglichkeiten der Online-Bürgerbeteiligung war nichts Neues zu erfahren. 
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										<content:encoded><![CDATA[<p>„Online partizipieren, online arbeiten“ lautete der Titel einer am Freitag veranstalteten netzpolitischen Tagung. Doch so sehr sich Konrad-Adenauer- und Friedrich-Naumann-Stiftung auch bemühten: Über die Möglichkeiten der Online-Bürgerbeteiligung war nichts Neues zu erfahren. </p>
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Der Auftakt fand in historischer Kulisse statt. Die beiden Stiftungen hatten für die Begrüßung und die anschließenden Keynotes den Robert-Koch-(Hör)Saal der Humboldt-Viadrina School of Governance angemietet. Das über 130 Jahre alte Holz knarrte, Steckdosen wurden verzweifelt gesucht. In Anbetracht des Themas wirkte die Räumlichkeit anachronistisch – schien dabei aber auch mit so mancher netzpolitischer Positionen der Veranstalter zu harmonieren. An die kurzen Begrüßungen durch die beiden Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer (CDU/CSU) und Christian Lindner (FDP) schloss sich mit der Keynote von Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit Online, das unbestrittene Highlight der Veranstaltung an – und blieb der Höhepunkt dieser Tagung.
</p>
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„Das Alte vergeht, bevor das Neue sichtbar wird“. Genau davor scheinen nach Einschätzung von Wolfgang Blau große Teile der politischen Elite Angst zu haben. In seiner Keynote zu den Sessions „Demokratie und Staat“ zog der Journalist einen einprägsamen Vergleich zwischen der Entwicklung des Internet und den Anfängen der Eisenbahn. Technologische Innovationen können demnach soziale Umwälzungen bedingen, die anfangs als gesellschaftszersetzend wahrgenommen werden. Bereits die Eisenbahn schürte Ängste vor einer kognitiven Überforderung der Menschen. Rasend vorbeiziehende Landschaften schienen manchem Zeitgenossen nicht geheuer und interessanterweise zählten auch damals die etablierten Eliten zu den schärfsten Kritikern der neuen Technik.
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Die Angst vor Neuem sei zwar genetisch bedingt und beschränke sich nicht auf die politischen und intellektuellen Eliten, diese könnten jedoch im Gegensatz zum „einfachen Mann auf der Straße“ Veränderungen verhindern. Der Umgang mit dem Medium Internet müsse daher erst gelernt werden und mit der Etablierung neuer Denkstrukturen einhergehen. Ein Beispiel hierfür sei die Begründung einiger Politiker, den Microblogging-Dienst Twitter mit der Begründung zu verschmähen, man könne ja schließlich nicht alles lesen. Wer derart argumentiere, könne auch den Wissensfundus einer Bibliothek nicht nutzen – schließlich kann ein Mensch kaum alle Werke der deutschen Staatsbibliothek lesen. Was Deutschland zur Entwicklung neuer Denkstrukturen beitragen könne? „Einiges“, glaubt Blau und verweist auf die Vorreiterrolle Deutschlands in der Open Source-Bewegung. Die Bundesrepublik solle dementsprechend als Schutzmacht des offenen Internet auftreten. Viele Länder orientierten sich zudem an der hierzulande stattfindenden Diskussion um Privatheit und Öffentlichkeit im Netz. „Wenn die Deutschen es akzeptieren, dann auch alle anderen“, laute ein weit verbreiteter Slogan. Auch die Arbeit der <a href="https://enquetebeteiligung.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Enquete-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft</a> des Deutschen Bundestags werde nach Einschätzung von Wolfgang Blau künftig international wahrgenommen.
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Im Dialog mit dem Plenum gelang der Spagat zwischen den beiden Themenblöcken „Demokratie und Staat“ sowie „Wirtschaft, Arbeit, Green IT“. Thomas Stölzel von der WirtschaftsWoche sprach sich dabei für einen strengen Datenschutz „Made in Germany“ aus. Bei Google Street View hätten sich die deutschen Datenschützer zwar lächerlich gemacht, international könnten persönlichkeitsschützende Datenschutzstandards Deutschland gleichwohl einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Ein Zuschauer des Live-Streams wollte in Zusammenhang mit dem Beteiligungstool Adhocracy wissen, wie solche Instrumente einen größeren Personenkreis finden könnten. Darauf angesprochen, plädierte Wolfgang Blau jedoch nicht für eine Demokratie der Massen. Vielmehr verwies er auf die wenigen beteiligungsfreudigen Bürger, die es zu finden und zu fördern gelte. Thomas Stölzel gab zu bedenken, dass Beteiligung heutzutage auch Spaß machen müsse. „Mit den harten Themen bringt man die Leute zum Nachdenken, aber man muss ihnen auch ab und zu Spaß bereiten“.
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Der Sprecher des Vorstands der <a href="http://www.stiftung-nv.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stiftung Neue Verantwortung</a> Lars Zimmermann referierte im Themenblock „Demokratie und Staat“ über politische Partizipation und Bürgerbeteiligung in der digitalen Gesellschaft. Wer jedoch erfahren wollte, wie die politische Beteiligung der Bürger durch das Internet verbessert werden könnte, wurde schnell enttäuscht. Zimmermann sieht im Internet lediglich ein Instrument der Kommunikation, dessen partizipatorische Potenziale überschätzt werden. Politische Beteiligung beschränke sich nicht auf die Meinungsäußerung  &#8211;  „man muss auch bereit sein, sich in organisatorischen Strukturen einzubringen, Kompromisse einzugehen und Verantwortung zu übernehmen“, meint Zimmermann. Die Beteiligung solle in den organisatorischen Strukturen der politischen Parteien stattfinden – denn Führung sei unerlässlich, während das von der Piratepartei propagierte Open Source-Prinzip nicht funktioniere. Was die Parteien vom Internet noch lernen können? Sie sollten sich laut Zimmermann für neue Formate öffnen und ihre eigene Parteibasis sowie Nichtmitglieder verstärkt einbinden. Parteitage könnten beispielsweise in Form von BarCamps veranstaltet werden, in denen jeder ein Thema auf die Agenda setzen kann. Internetbasierte Kommunikationsinstrumente sollten zudem effektiver zur Konsultation der Mitglieder eingesetzt werden – das Internet biete hier mit seiner zeitlich-räumlichen Unabhängigkeit vielfältige Möglichkeiten der Beteiligung. Außer der Möglichkeit, Landeslisten für Bundestagswahlen im Internet zur Abstimmung zu stellen, blieb der Politologe jedoch weitere Praxisbeispiele schuldig.
</p>
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Zimmermanns Vorschläge hatten freilich keinen Neuigkeitswert. Mit Piratenwikis und der transparenten Gesprächskultur der politischen Senkrechtstarter hatte er sich wohl noch nicht ausreichend auseinandergesetzt. In Sachen Online-Partizipation waren neue Erkenntnisse Fehlanzeige. Wer wissen wollte, welche innovativen Möglichkeiten es im Bereich der onlinebasierten Partizipation gibt, erhielt daher leider keine Antworten.</p>
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		<title>Social Media und die Arabische Revolution</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/social-media-und-die-arabische-revolution-5444/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 18:45:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Arabische Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Al Jazeera]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/facebook-revolutions.png" height="69" width="480" />
Am vergangenen Freitag ging die internationale Online-Konferenz „Facebook Revolutions? - Die Bedeutung von Social Media für den politischen Wandel in der arabischen Welt“ zu Ende. Dort tauschten sich die Teilnehmer mit internationalen Experten, Politikern und Journalisten aus. politik-digital.de verfolgte die Konferenz und liefert einen Einblick samt Links mit interessantem Material zum Arabischen Frühling.
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am vergangenen Freitag ging die internationale Online-Konferenz „Facebook Revolutions? &#8211; Die Bedeutung von Social Media für den politischen Wandel in der arabischen Welt“ zu Ende. Dort tauschten sich die Teilnehmer mit internationalen Experten, Politikern und Journalisten aus. politik-digital.de verfolgte die Konferenz und liefert einen Einblick samt Links mit interessantem Material zum Arabischen Frühling.</p>
<p>Die vom 19. – 30. September von der Virtuellen Akademie der „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“ <a href="/netz-konferenz-facebook-revolutions" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ausgerichtete Netz-Konferenz</a> verlangte von den Teilnehmern ein proaktives Verhalten – sie hatten die von politik-digital.de recherchierte Materialsammlung zur Arabischen Revolution selbst zu sichten und zu erarbeiten, um inhaltlich gut vorbereitet an der Konferenz mitwirken zu können.<br />
Hinterfragt wurde auf der Online-Konferenz vor allem: Wie konkret können Social Media als Werkzeuge für mehr Demokratie und Freiheit genutzt werden? Oder nützen sie in Zukunft eher den Geheimdiensten und Diktatoren als den Bürgern? Wären Facebook, Twitter und YouTube ohne Satelliten-TV ganz folgenlos geblieben? Und welche Maßnahmen kann auch die Außenwelt angehen, um z.B. den professionellen Journalismus im In- und Ausland zu fördern?</p>
<p>Einfache Antworten waren hierbei nicht zu erwarten. Jöran Muuß-Merholz, Online-Host der Konferenz, macht deutlich, dass es zumeist nicht um simple Fragen wie die nach der Rolle von &#8216;Facebook oder Twitter‘ ging, sondern um Grundsatzfragen nach Demokratie, Freiheit, Meinungsvielfalt oder auch um das Verhältnis zwischen der arabischen und der westlichen Welt: „Da sind zwar oft sehr unterschiedliche Sichtweisen deutlich geworden, aber ein gegenseitiger Respekt zwischen allen Diskutanten war durchgängig vorhanden.“</p>
<p><strong>Einordnung und Überblick</strong></p>
<p>Zum Einstieg gab es einen Videochat mit der Journalistin Julia Gerlach, die derzeit aus Kairo (Ägypten) für unterschiedliche Medien berichtet. Sie gab einen Überblick zum aktuellen Stand des Arabischen Frühlings. Aus Gerlachs Sicht spielte – zumindest in Ägypten – in erster Linie Facebook eine Rolle, da es weit verbreitet und gut zugänglich ist. In den Tagen und Wochen nach der Revolution hätten sich beispielsweise in Ägypten alle Politiker, die Ministerien und sogar der Militärrat einen Facebook-Account zugelegt, und es fänden bis jetzt rege Diskussionen dort statt. Man könne über Facebook dem Regierungschef direkt eine Botschaft schicken und für alle lesbar Klagen über verstopfte Straßen und schlechte Schulen sowie Verbesserungsvorschläge hinterlassen. Neu und besonders sei auch, dass viele Ägypter mit den Statusmeldungen ihrer Regierenden versorgt und so über politische Themen informiert werden. Dessen ungeachtet habe der anfängliche Enthusiasmus der Aktivisten in der Arabischen Welt sowohl online als auch offline stark abgenommen. Die Stimmung sei aktuell sehr schlecht. Acht Monate Revolution hätten die Menschen in der Arabischen Welt zermürbt. In Ländern wie Jemen oder Syrien klammerten sich die Diktatoren an ihre Sessel und gingen immer brutaler gegen ihr Volk vor. Aber auch in Tunesien und Ägypten erweise sich der Weg zur Demokratie holpriger als erwartet. „Arbeitslosigkeit, Streiks und Wirtschaftskrise machen den Menschen zu schaffen. Die Freiheit scheint nur zu einem sehr hohen Preis zu bekommen zu sein, wenn überhaupt“, so das ernüchternde Fazit von Gerlach. Dennoch habe der Aufstand der Jugend in der Arabischen Welt trotz allem Frust eine Menge verändern können. Viele Familien hätten ihre eigene kleine Revolution erlebt: wenn beispielsweise die Töchter auch mit demonstrieren wollten und nicht nachließen, bis ihre Eltern sie gehen ließen.</p>
<p>Der Sommer in Kairo und Tunis sei bunt gewesen: Konzerte, Kunstaktionen, Straßenfeste. Das, was bisher nur in Nischen im Verborgenen existiere, habe die Straßen erobert. „Es geht bei der Revolution in der arabischen Welt eben nicht nur darum, Diktatoren zu stürzen, es werden auch die Gesellschaften umgewälzt. Es gibt also tatsächlich etwas zu verlieren!“, so Gerlach. Für Terrororganisationen wie Al Qaida sei der Arabische Frühling ein harter Schlag gewesen. Der Sturz Mubaraks habe die Theorie Al Qaidas widerlegt. Sie hätten den Krieg gegen den fernen Feind (USA) gepredigt, den man treffen müsse, damit er sich zurückziehe, um so den eigentlichen (nahen) Feind, also die eigenen Diktatoren, zu stürzen. Die Terroristen waren überzeugt davon, dass maximale Grausamkeit das richtige Mittel sei. Doch die friedlichen Demonstrationen hätten gezeigt, dass es auch anders ginge.</p>
<p>Weiterführende(s) Links/Material zum Thema:</p>
<ul>
<li>Al Jazeera: <a href="http://youtu.be/gtAG-eTri8E" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
The Arab Awakening &#8211; Absolute Power</a></li>
</ul>
<ul>
<li>DRadio Wissen:<br />
Die arabische Welt im Umbruch (<a href="http://wissen.dradio.de/aufstand-in-nahost-die-arabische-welt-im-umbruch-teil-1.88.de.html?dram:article_id=10787" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Podcast Teil I</a> / <a href="http://wissen.dradio.de/revolutionen-die-arabische-welt-im-20umbruch-teil-2.88.de.html?dram:article_id=10833" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Podcast Teil II</a>)</li>
</ul>
<ul>
<li>Khalil al-Anani: <a href="http://de.qantara.de/Profiteure-der-autoritaeren-Faeulnis/16474c39/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
Profiteure der autoritären Fäulnis</a></li>
</ul>
<ul>
<li>RussiaToday (RT): <a href="http://youtu.be/vM__zv9LTug" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
CrossTalk: Arab Fall?</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Susanne Klaiber: <a href="http://www.focus.de/politik/ausland/krise-in-der-arabischen-welt/tid-22930/grosses-dossier-zum-arabischen-fruehling-aus-unterdrueckten-werden-helden_aid_645516.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
Großes Dossier zum Arabischen Frühling</a></li>
</ul>
<ul>
<li>United Nations Development Programme (UNDP): <a href="http://arabstates.undp.org/subpage.php?spid=37&amp;sscid=149" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
Responding to Arab Transformations</a></li>
</ul>
<p><strong><br />
Die Rolle von Social Media beim Arabischen Frühling<br />
</strong></p>
<p>Aufschlussreich waren auch die persönlichen Erfahrungsberichte von Bloggern aus sechs arabischen Ländern. In einem Diskussionsforum standen Elias Filali (Algerien), Suhail al Gosaibi (Bahrain), Basem Fathy (Ägypten), Mohammad Al Qaq (Jordanien), Marcell Shewaro (Syrien) und Tarik Nesh-Nash (Marokko) den anderen Teilnehmern (wie auch alle anderen Experten) der Konferenz Rede und Antwort. So stellte der ägyptische Blogger Basem Fathy klar: „Es ist eine Revolution, es ist nicht die Twitter- oder Facebook-Revolution“. Dennoch habe es eine sehr starke Verbindung zwischen der Revolution in Ägypten und dem Internet gegeben, das ein wichtiger Hebel für diese gewesen sei &#8211; jedoch keineswegs der bedeutendste oder einzige Faktor. „Social Media waren für uns über die Jahre unerlässlich, um uns zu mobilisieren“, so Fathy. Und die syrische Bloggerin und Zahnärztin Marcell Shewaro versucht die Bedeutung von Social Media in ihrem Land an einem Beispiel zu erklären: So sei der Syrer Riad al Turk im Jahr 2001 für zwei Jahre ins Gefängnis gesperrt worden, weil er behauptet hatte: „Der Diktator ist tot“. Damit meinte er den früheren Präsidenten Hafez Al Assad. Darüber habe es damals keinen einzigen Artikel gegeben und wahrscheinlich hätte niemand außerhalb von Syrien je davon gehört. Jetzt dagegen schrieben 5.000 Menschen auf Facebook, dass Bashar Al Assad ein Diktator ist. Früher hätte er Millionen töten und behaupten können, dass extreme bewaffnete Islamisten dahinter steckten. „Und das war’s dann, keine Medien, keine Möglichkeit zum Kommunizieren…und jeder denkt, warum soll ausgerechnet ich mich gegen das System stellen? Wer bin ich denn? Was kann ich schon verändern?“, so Shewaro. Social Media schafften nun eine vollkommen andere Situation: Wenn jetzt jemand verhaftet würde, gehe die Nachricht um die Welt. Der marokkanische Blogger Tarik Nesh-Nash konzentriert sich auf die vermeintliche Macht des Crowdsourcing: Dieses bestehe per definitionem darin, der Masse Steuermöglichkeiten an die Hand zu geben. Genau darum gehe es auch in der Demokratie. Zusammen mit anderen hat der Blogger drei Webseiten ins Leben gerufen, um das Crowdsourcing in Marokko zu nutzen:</p>
<ul>
<li><a href="http://reforme.ma/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Reforme.ma</a>: Eine Webseite, die das Crowdsourcing von Verfassungsreformen ermöglichte. 200.000 Menschen hätten die Webseite besucht und mehr als 10.000 Anmerkungen zu den Verfassungsänderungen geliefert. Die Ergebnisse der Webseite wurden offiziell der nationalen Kommission vorgestellt, die für den Verfassungsentwurf zuständig ist.</li>
</ul>
<ul>
<li><a href="http://marsad.ma/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Marsad.ma</a>: Eine Crowdsourcing-Seite zur Wahlüberwachung.</li>
</ul>
<ul>
<li><a href="http://juriste.ma/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Juriste.ma</a>: Freier Zugang zu Gesetzesdokumenten, damit die marokkanischen Bürger mit einer Suchmaschine juristische Texte durchsuchen und sich so über ihre Rechte und Pflichten informieren können.</li>
</ul>
<p>Hier die vollständig ins Deutsche übersetzten Berichte der Blogger:</p>
<ul>
<li><a href="/wp-content/uploads/transkript_basem_fathy.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Basem Fathy (Ägypten)</a></li>
<li><a href="/wp-content/uploads/transkript_elias_filali.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Elias Filali (Algerien)</a></li>
<li><a href="/wp-content/uploads/transkript_marcell_shewaro.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Marcell Shewaro (Syrien)</a></li>
<li><a href="/wp-content/uploads/transkript_mohammad_al_qaq.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mohammad Al-Qaq (Jordanien)</a></li>
<li><a href="/wp-content/uploads/transkript_suhail_al_gosaibi.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Suhail al Gosaibi (Bahrain)</a></li>
<li><a href="/wp-content/uploads/transkript_tariq_nesh_nash.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tarik Nesh Nash (Marokko)</a></li>
</ul>
<p>Ethan Zuckerman, Direktor des <a href="http://civic.mit.edu" target="_blank" rel="noopener noreferrer">MIT Center for Civic Media</a> und Gründer des internationalen Blogger-Netzwerkes <a href="http://de.globalvoicesonline.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Global Voices</a>, beantwortete in einem Videochat die Frage, welche Rolle soziale Medien bei den politischen Umbrüchen in der Arabischen Welt spielten. Zuckerman unternimmt einen zeitlichen Sprung zurück zum ersten Aufstand in Tunesien, den er als Inspiration für die folgenden Revolten bezeichnet und der vornehmlich nicht durch äußere Einflüsse angestoßen worden sei. Dabei skizziert er auch die besonderen Umstände, die für die Erhebung gegen das Regime von Präsident Ben Ali verantwortlich waren.</p>
<p align="center"><iframe src="http://www.youtube.com/embed/Fzh1Trc-B70" width="420" height="315" frameborder="0"></iframe></p>
<p align="center">(Ethan Zuckerman: &#8220;Ben Ali and Bart:<br />
Understanding Participatory Media and Protest&#8221;)</p>
<p>Insbesondere jüngere Aktivisten hatten im Dezember 2010 die in immer mehr Städten aufflammenden Proteste mit ihren Smartphones aufgezeichnet und bei Facebook eingestellt. So umgingen sie die einseitige Berichterstattung der seit Jahrzehnten vom tunesischen Staat kontrollierten Medien. Die Videos zu den Protesten konnten dann von internationalen Medien wie Al Jazeera aufgegriffen und verbreitet werden, deren eigene Journalisten keinen Zugang zu den betroffenen tunesischen Städten hatten. Später sah sich Präsident Ben Ali gar genötigt, sich in einer Fernsehansprache zu den Protesten zu äußern, Zugeständnisse zu machen und persönlich nach Sidi Bouzid zu reisen, wo die Proteste ihren Anfang genommen hatten. Dort besuchte er den Obst- und Gemüseverkäufer Mohamed Bouazizi im Krankenhaus, der sich am 17. Dezember 2010 vor dem Gouverneurssitz von Sidi Bouzid aus Verzweiflung über seine Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit mit Benzin übergossen, angezündet und lebensgefährlich verletzt hatte. Seine Tat und der Selbstmord eines weiteren jungen Mannes gelten als Auslöser der Proteste, die schließlich zum Sturz von Ben Ali führten. Am 23. Oktober werden die Tunesier nun in freien Wahlen zunächst die verfassungsgebende Versammlung bestimmen und anschließend ein neues Parlament wählen – <a href="http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/welt/400930_Experiment-mit-offenem-Ausgang.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">allerdings mit ungewissem Ausgang</a>.</p>
<p>Weiterführende(s) Links/Material zum Thema:</p>
<ul>
<li>Alex Comninos: <a href="http://www.apc.org/en/system/files/AlexComninos_MobileInternet.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
Twitter revolutions and cyber crackdowns</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Dubai School of Government:<br />
<a href="http://www.dsg.ae/portals/0/ASMR2.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Arab Social Media Report</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Ethan Zuckerman:<br />
<a href="http://www.ethanzuckerman.com/blog/2011/05/06/civic-disobedience-and-the-arab-spring" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Civic Disobedience and the Arab Spring</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Magdalena Maria Karolak: <a href="http://www.arabmediasociety.com/articles/downloads/20110531112812_Karolak.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
Civil Society and Web 2.0 Technology: Social Media in Bahrain</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Merlyna Lim:<br />
<a href="http://prezi.com/pk2kvq93ikxq/revolution-20-social-media-and-political-changes-in-egypt-and-beyond/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Revolution 2.0? &#8211; Social media and political changes in Egypt and beyond</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Miniwatts Marketing Group:<br />
<a href="http://www.internetworldstats.com/middle.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet World Stats</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Sahar Khamis and Katherine Vaughn:<br />
<a href="http://www.arabmediasociety.com/articles/downloads/20110603105609_Khamis.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Cyberactivism in the Egyptian Revolutio</a></li>
</ul>
<p><strong>Regime 2.0 &#8211; Die dunkle Seite von Social Media<br />
</strong></p>
<p>Der IT-Experte Dr. Sandro Gaycken von der Freien Universität Berlin warnt in seinem Konferenz-Beitrag davor, dass jemand, der soziale Netzwerke bzw. Web 2.0-Dienste nutzt, um sich in unruhigen Situationen zu koordinieren, damit rechnen müsse, dass die zuständigen Behörden ihn schon bald ausspähen werden. Das hätten sie spätestens nach dem Arabischen Frühling verstanden. Die Behörden könnten sogar physisch in die Systeme und Provider eindringen, um sie zu infiltrieren. Des Weiteren stellt er fest, dass – trotz des vermeintlichen Vorteils eines freien Netzes – jeder, der über ein Mindestmaß an Ressourcen und Interesse verfüge, etwas veröffentlichen könne, solange es keinerlei staatliche Kontrolle gebe: „In der Vergangenheit sind einige Akteure mit dubiosem Hintergrund – wie zum Beispiel PR-Institute, Lobbygruppen oder sogar Militärs – im Web 2.0 aktiv geworden und haben Meinungen, falsches Wissen, Ideologien usw. verbreitet.“ Daher sei für ihn nichts, das im Web 2.0 auftaucht, per se glaubwürdig. Zudem wartet er mit einer düsteren Prognose auf: Das Netz sei viel einfacher vollständig kontrollierbar als konventionelle Medien. Daher seien die Zeiten des freien Internet bald vorbei.</p>
<p align="center"><iframe src="http://www.youtube.com/embed/-hFk6FDrZBc" width="480" height="315" frameborder="0"></iframe></p>
<p align="center">(Evgeny Morozov: How the Internet strengthens dictatorships)</p>
<p>Eine positivere Sichtweise hat der Konferenzteilnehmer Binod Bista: Er bemerkt im Diskussionsforum der Online-Konferenz zu den Ausführungen des Journalisten und Bloggers Evgeny Morozov im obigen Video, dass er dessen informierte Beurteilung über die dunkle Seite der sozialen Medien sehr erfrischend fand – so beispielsweise, dass Morozov das Cybernet als „Katalysator für Veränderungen“ bezeichnet. Dagegen fand er, dass trotz der negativen Seiten des Cyber-Utopismus der Nutzen moderner Kommunikationstechnologie die Risiken im Sinne kritischer Öffentlichkeit überwiege.</p>
<p>Weiterführende(s) Links/Material zum Thema:</p>
<ul>
<li>Alexander Howard:<br />
<a href="http://gov20.govfresh.com/are-the-internet-and-social-media-tools-of-freedom-or-tools-of-oppression/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Are the Internet and Social Media „Tools of Freedom‟ or „Tools of Oppression?‟</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Infowar Monitor:<br />
<a href="http://www.infowar-monitor.net/2011/06/syrian-electronic-army-disruptive-attacks-and-hyped-targets" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Syrian Electronic Army: Disruptive Attacks and Hyped Targets</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Jörg Brunsmann:<br />
<a href="http://www.wdr5.de/fileadmin/user_upload/Sendungen/Politikum/2011/05/Manuskripte/30_Brunsmann.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wie das Netz totalitären Regimen in die Hände spielt</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Paul Sonne &amp; Steve Stecklow:<br />
<a href="http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704438104576219190417124226.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">U.S. Products Help Block Mideast Web</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Sandro Gaycken:<br />
<a href="http://www.zeit.de/2011/25/USA-Internet-Kontrolle/komplettansicht" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wir müssen das Internet verkleinern</a></li>
</ul>
<ul>
<li>William Saletan:<br />
<a href="http://www.slate.com/id/2299214" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Is the Internet driving the revolutions of the Arab Spring?</a></li>
</ul>
<p><strong>Das Zusammenspiel von alten und neuen Medien<br />
</strong></p>
<p>An den letzten beiden Tagen der Online-Konferenz wurde der Frage nachgegangen, inwieweit es zu einem Zusammenspiel zwischen traditionellen (wie Al Jazeera) und neuen Medien kam. Dazu gab es einen Videochat zwischen Christian Rickerts von Reporter ohne Grenzen und Asiem El Difraoui, einem Nahost-Experten der Stiftung Wissenschaft und Politik, sowie eine Diskussion im Konferenzforum mit Dr. Ronald Meinardus von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und dem Redaktionsleiter des <a href="http://de.qantara.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Onlineportals Qantara.de</a>, Loay Mudhoon.</p>
<p>Meinardus wies darauf hin, dass es hauptsächlich Satellitenkanäle (vor allem Al-Jazeera) waren, die die Medienkontrolle der Regierungen gebrochen hätten: „Ich würde sagen, dass der Einfluss der Satellitenkanäle auf die breite arabische Öffentlichkeit immer noch viel größer als der der neuen Social Media ist“. Bei einer aufschlussreichen Meinungsumfrage (durchgefühbrt von einem US-amerikanischen Institut und daher eine glaubwürdige Quelle) in Ägypten nach der Revolution hätten die Befragten angegeben, dass sie sich stärker auf das Fernsehen als auf Facebook als ihre Hauptinformationsquelle während der Revolution stützten (84 Prozent im Vergleich zu sechs Prozent). Twitter hingegen wurde kaum genannt.</p>
<p>Sein Fazit: Soziale Medien waren als Werkzeug zum Netzwerken und Mobilisieren der revolutionären Jugend unerlässlich. Zeitweise stützten sich auch die alten Medien (TV) auf die Infos der neuen Medien. Doch die Reichweite des Fernsehens (in Ländern wie Ägypten und Tunesien) sei sehr viel größer.</p>
<p align="center"><iframe src="http://www.youtube.com/embed/uC00w8SS_fs" width="480" height="315" frameborder="0"></iframe></p>
<p align="center">(Al Jazeera: Listening Post &#8211; Recapping the Arab revolutions)</p>
<p>Auch Mudhoon von quantara.de zeigt sich skeptisch hinsichtlich der Rolle sozialer Medien: „Facebook-Aktivisten“, „Twitter- Revolution“, „Volksaufstand per Mausklick“ – kein Schlagwort schien in den Zeiten des Arabischen Frühlings plakativ genug, um die besondere Bedeutung neuer digitaler Medien bei den Protesten in vielen arabischen Staaten zu beschreiben. Spätestens seitdem der ägyptische Internetaktivist und Google-Manager Wael Ghonim zum Gesicht der ägyptischen Protestbewegung wurde und vom US-Nachrichtenmagazin „Time“ zur einflussreichsten Persönlichkeit des Jahres gekürt wurde, scheine der „Hype“ um die Wirkung von Twitter, Facebook und Co. im Dienste neuer Protestformen nicht mehr zu stoppen gewesen. Fest stehe: „Die neuen sozialen Medien stoßen zweifellos in neue Dimensionen vor, eröffnen andere Kommunikationskanäle und ermöglichen somit neue Formen der Interaktion und Massenorganisation. Diese digitalen Kommunikationsplattformen schaffen insbesondere in autoritären Staaten neue (zunächst) öffentliche virtuelle Räume, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft ihre eigenen Standpunkte deutlich machen.“</p>
<p>Doch jenseits dieser Euphorie solle die Bedeutung sozialer Medien für das Gelingen von Revolutionen und Reformbewegungen nicht überschätzt werden. Denn die Ursachen für Reformbewegungen und Volksaufstände seien in der Regel die schlechte Versorgungslage der Bevölkerung und eine allgemeine Unzufriedenheit. Es handele sich bei den sozialen Medien lediglich um Werkzeuge. Wichtig sei aber auch die entscheidende Rolle arabischer Satellitensender, die eine panarabische Öffentlichkeit hervorgebracht hätten. „Dadurch konnte der Funke der Revolution auf andere Länder erst überspringen und ein historisches Momentum schaffen“, so Mudhoon. Treffend weist Meinardus darauf hin, dass Al Jazeera die neuen Medien als Informationsquelle und als Strategie zur Zuschauerbindung nutze. Zudem verfüge der Sender seit Jahren über ein Ausbildungsprogramm &#8211; so könne sich Al Jazeera eigene Journalisten heranziehen. Dies sei löblich im Sinne eines professionellen Journalismus – in der arabischen Welt sei dies jedoch noch die Ausnahme.</p>
<p>Weiterführende(s) Links/Material zum Thema:</p>
<ul>
<li>John Perritano:<br />
<a href="http://people.howstuffworks.com/culture-traditions/tv-and-culture/satellite-technology-make-tv-programming-global2.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Arab World: </a><a href="http://people.howstuffworks.com/culture-traditions/tv-and-culture/satellite-technology-make-tv-programming-global2.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">A Case Study of Global TV</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Katharina Lehner:<br />
<a href="http://digitaljournal.zib21.com/al-jazeera-medien-revolution-auf-arabisch/442401/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Al Jazeera: Medien-Revolution auf Arabisch</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Loay Mudhoon:<br />
<a href="http://de.qantara.de/Wann-ist-ein-Maertyrer-ein-Maertyrer/17012c17499i0p8/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Arabische und westliche Medien nach 11. September 2001</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Magda Maurice:<br />
<a href="http://www.mafhoum.com/press4/124S29.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Arab Viewer and Media Revolution</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Ramy Aly:<br />
<a href="http://www.arabmediasociety.com/articles/downloads/20110531104306_Aly.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rebuilding Egyptian Media for a Democratic Future</a></li>
</ul>
<ul>
<li>Ruth Rach:<br />
<a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/1447894/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Eine Stimme der syrischen Opposition</a></li>
</ul>
<p><strong>Fazit zur Online-Konferenz<br />
</strong></p>
<p>Obwohl die Online-Konferenz für viele Teilnehmer sicherlich gewöhnungsbedürftig war, da sie im Gegensatz zu vergleichbaren Veranstaltungen ganz und gar auf die <a href="http://fb-revolution.virtuelle-akademie.fnst.org/webcom/show_page.php?wc_c=37893&amp;wc_id=1&amp;wc_lkm=14842" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Proaktivität der Teilnehmer</a> setzte, vermochte sie einen guten Einblick über die Bedeutung sozialer Medien für die Arabische Revolution aus unterschiedlichen Perspektiven geben. Joachim Schulte, Leiter der Virtuellen Akademie, zeigte sich zufrieden mit der simultan in deutscher und englischer Sprache abgehaltenen Konferenz: „Mehr als 300 Menschen haben sich angemeldet, und die Logfiles zeigen Zugriffe aus sage und schreibe 56 Ländern der Welt. Auch die ersten Rückmeldungen, die wir im Feedback bekommen haben, sind sehr positiv.“</p>
<p>Jedoch fiel die Beteiligung in den Diskussionsforen in Anbetracht von mehr als 300 Konferenzteilnehmern zurückhaltend aus. Die Beiträge selbst aber waren zumeist äußerst reflektiert und informativ. Abschließend wurden die Teilnehmer dazu aufgerufen, ein persönliches Fazit zu ziehen. Auch der bereits zu Wort gekommene Binod Bista tat dies und meinte, dass es die Opfer der zahllosen Freiheitskämpfer in den arabischen Ländern allzu sehr schmälern würde, das erfolgreiche Aufbegehren der arabischen Welt unter „Facebook-Revolutionen“ zusammenzufassen: „Ich würde sie eher ‘Facebook-Wächter für Demokratie und Menschenrechte‘ nennen.“</p>
<p>Und quantara.de-Redaktionsleiter Mudhoon kommt zu dem Schluss, dass eine der wichtigsten Funktionen der sozialen Netzwerke sei, dass das Anliegen der Menschen auch die Weltöffentlichkeit erreiche. Ob es die Kämpfer gegen die Gaddafi-Armee in Misrata sind oder die Demonstranten in Syrien: „Ihre Botschaften erreichen uns per Handyvideo, über Blogs, Twitter und Facebook.“ Auch wenn die Neuen Medien bei der ägyptischen Revolution &#8220;nur&#8221; als Brandbeschleuniger dienten, seien sie eine starke Stütze auf dem Weg hin zu einem selbstbestimmten Leben gewesen. Laut Schulte wolle die Virtuelle Akademie auch in Zukunft wieder internationale Online-Konferenzen anbieten. Abschließend noch der Hinweis, dass sich seit Montag in Tunis etwa 200 Blogger des Arabischen Frühlings <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,789712,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zu einer Konferenz treffen</a>.</p>
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		<title>Netz-Konferenz: &#8220;Facebook Revolutions?&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Sep 2011 14:41:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Al Jazeera]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Arabische Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/facebook-revolutions.png" height="69" width="480" />
Ab 19. September 2011 richtet die Virtuelle Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung eine internationale Konferenz unter dem Titel „Facebook Revolutions? - Die Bedeutung von Social Media für den politischen Wandel in der arabischen Welt“ aus.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ab 19. September 2011 richtet die Virtuelle Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung eine internationale Konferenz unter dem Titel „Facebook Revolutions? &#8211; Die Bedeutung von Social Media für den politischen Wandel in der arabischen Welt“ aus.</p>
<p>Die <a href="http://fb-revolution.virtuelle-akademie.fnst.org/webcom/show_blog.php?wc_c=37892&amp;wc_lkm=14833" target="_blank" rel="noopener noreferrer">internationale Konferenz</a> findet vom 19. – 30. September ausschließlich online im Rahmen eines Seminars der Virtuellen Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit statt. Dabei soll die Rolle, die soziale Medien wie Facebook und Twitter während der Arabischen Revolution spielten, kritisch hinterfragt werden. Thematisiert wird aber auch die Bedeutung traditioneller Medien wie Al Jazeera. Internationale Experten, Journalisten und Politiker werden den Teilnehmern der Konferenz in Foren, Video-Chats und Video-Statements Rede und Antwort stehen. Die Arbeitssprachen sind Deutsch und Englisch. Programmpunkte, die in Echtzeit übertragen werden, finden jedoch ausschließlich in Englisch statt.</p>
<div align="center"><iframe src="http://www.youtube.com/embed/KQiKEruA48w" frameborder="0" width="480" height="345"></iframe></div>
<p align="center"><strong>(Video-Ankündigung der Konferenz)</strong></p>
<p>Die <a href="http://fb-revolution.virtuelle-akademie.fnst.org/webcom/show_page.php?wc_c=37893&amp;wc_id=1&amp;wc_lkm=14842" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Besonderheit des virtuellen Seminars</a> ist es, dass die Teilnehmer proaktiv die bereitgestellten Materialien selbst studieren und auswerten müssen, um sich dann auf elektronischem Wege darüber miteinander auszutauschen.</p>
<p>Die Konferenz findet in Zusammenarbeit mit politik-digital.de statt.</p>
<p><strong>Weiterführende Links:</strong></p>
<ul>
<li><a href="http://fb-revolution.virtuelle-akademie.fnst.org/webcom/show_programmdetails.php?wc_c=38380" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Konferenzprogramm</a></li>
<li><a href="http://fb-revolution.virtuelle-akademie.fnst.org/webcom/show_websiteprog.php?wc_c=37890" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Anmeldung / Registrierung</a></li>
<li><a href="http://virtuelle-akademie.fnst.org/files/12099/2011-09-07_Invitation_FB-REV__SMW_DE.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Konferenz-Flyer</a></li>
</ul>
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