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	<title>FSJ-digital &#8211; politik-digital</title>
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	<title>FSJ-digital &#8211; politik-digital</title>
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		<title>„Digitalisierung darf kein Unwort werden“ – Marten Gerdnun im Interview</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Krüger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 May 2018 08:01:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[Bereits im dritten Jahrgang koordiniert das Kulturbüro Rheinland-Pfalz mittlerweile das FSJ_digital – ein Projekt, bei dem Freiwillige digitales Know-How in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-154675" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild.jpg" alt="Titelbild" width="640" height="280" /></a>Bereits im dritten Jahrgang koordiniert das Kulturbüro Rheinland-Pfalz mittlerweile das FSJ_digital – ein Projekt, bei dem Freiwillige digitales Know-How in ihren Einsatzstellen praktisch umsetzen und weitergeben (wir berichteten). Im Interview mit politik-digital spricht der verantwortliche Koordinator Marten Gerdnun über das Erfolgsgeheimnis des FSJ_digital, dessen bundesweite Umsetzung und darüber, was er von der aktuellen politischen „Digitalisierungseuphorie“ hält.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/33207181_1919364398097959_2369134119733952512_n.jpg"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-154668" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/33207181_1919364398097959_2369134119733952512_n-305x305.jpg" alt="33207181_1919364398097959_2369134119733952512_n" width="182" height="182" /></a><br />
Marten Gerdnun ist studierter Erziehungswissenschaftler und Medienpädagoge. Seit 2015 arbeitet er als Projektkoordinator und Medienbildungsreferent an dem Modellprojekt FSJ_digital. Das von Gerdnun für den Offenen Kanal Schleswig-Holstein konzipierte Projekt „Schüler-Medien-Lotse“ gewann 2016 die Google Impact Challenge in der Kategorie Lokale Projekte.</p>
<p></div></div>
<h3>politik-digital.de: Hallo Marten. Wir haben uns ja bereits im Juli 2017 über das von Dir maßgeblich initiierte FSJ_digital unterhalten und im Anschluss auch eine <a href="http://politik-digital.de/news/was-wurde-aus-dem-fsj-digital-152824/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Reportage</a> dazu veröffentlicht. Für neue Leser zu Beginn trotzdem nochmal eine kurze Zusammenfassung: Was ist das FSJ_digital genau und wie sieht die Umsetzung durch das Kulturbüro RLP aus?</h3>
<p>Marten Gerdnun: Das FSJ_digital ist damals als Modellprojekt von der vorherigen Bundesregierung im Auftrag der SPD in den Koalitionsvertrag gekommen. Die Grundidee hierbei war: Medienbildung könnte vielleicht von der Mediensozialisation der jungen Menschen heutzutage profitieren. Anknüpfungspunkt war hier dann der Freiwilligendienst, weil sich dort eh bereits aktiv sozial engagiert wird und dementsprechend eine gewisse „Energie“ vorhanden ist.</p>
<p>Wir fanden den Grundgedanken gut und haben uns deshalb entschlossen, aus dem Projekt eine Multiplikatoren-Fortbildung zu machen, d.h.: Nach der Orientierungsphase in der Einsatzstelle können die Freiwilligen sich bei uns mit einer Projektidee bewerben, bei dem es um eine konkrete Idee zur Optimierung ihrer Einsatzstelle mithilfe moderner Technologie geht. Dieses Projekt fördern wir dann, in dem wir mit den Freiwilligen zum einen eine Fortbildungswoche organisieren, die Umsetzung des Projektes begleiten und coachen, und ihnen zum anderen bis zu 1.000 Euro Fördergeld zur Verfügung stellen.</p>
<h3>Du betreust das FSJ_digital bereits im dritten Jahr. Bei unserem letzten Gespräch war die Resonanz mit 91 Anträgen 2017 nur in Rheinland-Pfalz bereits so hoch, dass geplant wurde, das Ganze deutschlandweit anzubieten. Was ist aus diesem Vorhaben geworden?</h3>
<p>Genau. Der dritte Jahrgang ist jetzt tatsächlich der Jahrgang, den wir aufgebohrt haben und auch bundesweit anbieten dürfen. Wir haben mittlerweile Projekte von München bis Flensburg am Laufen und sind in ganz Deutschland recht gut gestreut. Dadurch haben wir mittlerweile auch ein großes bundesländerübergreifendes Pädagogennetzwerk, was natürlich auch unser Lehrangebot bereichert.</p>
<h3>Trotzdem wird das FSJ_digital ja immer noch hauptverantwortlich vom Kulturbüro RLP initiiert. Wie sieht es denn mit Kooperationen mit öffentlichen Trägern in anderen Bundesländern aus?</h3>
<p>Das läuft tatsächlich immer noch hauptorganisatorisch über meine Stelle, auch weil es noch diesen Modellcharakter hat. Wir versuchen aber, noch viel enger mit unserem Bundesträger der Bundesvereinigung für kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) zusammenzuarbeiten und deren Netzwerk zu nutzen. Gleichzeitig ist es für uns aber zugegebenermaßen immer noch schwierig, transparent zu machen, dass wir als einzelner Träger alle Einsatzstellen in ganz Deutschland unterstützen und dabei anderen Trägern und Einrichtungen nichts wegnehmen wollen. (lacht)</p>
<h3>Mit welchen Maßnahmen habt Ihr es denn geschafft, dieses Jahr den großen Andrang zu bewältigen?</h3>
<p>Wir haben zum ersten Mal mehr Projektanträge bekommen, als wir fördern konnten und mussten deswegen eine Jury über die Bewilligungen entscheiden lassen. Dort saßen dann Abgeordnete aus verschiedenen Ministerien, Vertreter von Stiftungen und auch ehemalige Freiwillige aus vergangenen Jahrgängen am runden Tisch und haben lebhaft diskutiert. Letztlich haben wir uns dann für etwas mehr als 100 aus 130 Projekten entschieden.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/33224625_1919364421431290_2651369078022733824_n.jpg"><img decoding="async" class="  wp-image-154673 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/33224625_1919364421431290_2651369078022733824_n-305x203.jpg" alt="33224625_1919364421431290_2651369078022733824_n" width="340" height="226" /></a></p>
<h3>Was hat sich grundsätzlich  seit dem Beginn des FSJ_digital für Euch als Organisatoren verändert?</h3>
<p>Dadurch dass wir eine größere Öffentlichkeit bekommen und mehr Leute das Projekt kennen, haben wir auch eine viel größere Reichweite, wodurch sich das FSJ_digital auch qualitativ stark verbessert hat. Das ist ein sehr positives Ergebnis, denn pro Projekt erreichen wir statistisch auch immer mindestens 10 Leute, die weiter vom digitalen Wissen profitieren. Wir haben aber selbst den Anspruch, das Projekt noch stärker auszuweiten, zum Beispiel auf den Bundesfreiwilligendienst (BFD). Da haben wir selbst viel Lobbyarbeit betrieben und sind sehr froh, dass der Einbezug des BFD in das FSJ_digital etwa Einzug in den aktuellen Koalitionsvertrag gefunden hat.</p>
<h3>Beim FSJ ist ja mit 27 Jahren Schluss, der BFD steht allen Altersgruppen offen. Wie verändert das Euer konkretes Arbeiten in Bezug auf den ursprünglichen Gedanken des Know-How-Transfers durch die „digital natives“?</h3>
<p>Für Projektstrukturen wie unsere heißt das vor allem, dass sich in Zukunft auch Ü-27er mit tollen Projekten bei uns bewerben. Wir arbeiten ja nach dem Multiplikatorenprinzip, verfolgen also den „Train the Trainer“-Gedanken. Mit einer neuen Zielgruppe, die z.B. auch Senioren mit weniger digitalem Know-How zum Weitergeben umfasst, haben wir deshalb auch unser Konzept nochmal reformiert. Wir geben mittlerweile auch digitale Fortbildungen für Pädagogen, die das FSJ_digital in den Einsatzstellen und in den Trägerstellen der anderen Bundesländer koordinieren. Diese Grundlagenbildung, vor allem auch in der Mediendidaktik, ist unglaublich wichtig, um zu erreichen, dass Medienbildung mit der schnellen digitalen Entwicklung mithalten kann.</p>
<h3>Da nennst Du das richtige Stichwort. Wie macht sich denn dieser rasende Fortschritt in der Ausgestaltung der einzelnen Projekte bemerkbar?</h3>
<p>Die Projekte werden vor allem inhaltlich immer ausdifferenzierter und diverser, aber auch der Teilnehmerkreis wird größer. Wir haben dieses Jahr zum Beispiel zum ersten Mal deutlich mehr Mädchen als Jungen da, was auch nochmal ganz neue Perspektiven öffnet. Inhaltlich und technologisch ist vor allem das sogenannte „Mapping“ sehr im Trend. Dort werden etwa für Museen interaktive Karten gestaltet, die jeder mit Inhalten füllen kann.</p>
<p>Außerdem ist die ganze VR-Technik neu dazugekommen. Wir arbeiten zum Beispiel in München gerade daran, in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen im Kunstareal München einen Raum einzurichten, in dem die Besucher eine VR-Brille tragen und gemeinsam virtuell zeichnen können. So kann aus einem Cafe etwa ein abstrakter Urwald werden, den alle zusammen gestalten, weil sie auch sehen, was die anderen bereits gemalt haben.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/33095505_1919364438097955_8282078525997973504_n.jpg"><img decoding="async" class="  wp-image-154674 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/33095505_1919364438097955_8282078525997973504_n-305x203.jpg" alt="33095505_1919364438097955_8282078525997973504_n" width="305" height="203" /></a></p>
<h3>Zum Schluss noch zur allgemeinen Politik. Wo siehst Du denn – abseits vom Klein-Klein und dem Konkurrenzdenken der Bildungsträger – die größten Defizite bei der digitalen Bildung in der Bundesrepublik? Gibt es für Dich Vorbildstrukturen in anderen Ländern?</h3>
<p>Der Begriff der Digitalisierung erlebt gerade auf jeden Fall eine starke Konjunktur hier – das haben wir im Wahlkampf ja auch besonders gut beobachten können. Ich kann das noch nicht ganzheitlich einschätzen, aber so ein inflationärer Gebrauch von „Digitalisierung“ darf nicht dazu führen, dass die Begrifflichkeit letztlich zu einem Unwort wird. Das halte ich für äußerst gefährlich.</p>
<p>Der Umgang mit dem Facebook-Skandal zu Beginn dieses Jahres hat meiner Meinung nach aber sehr beispielhaft dieses problematische in Deutschland vorherrschende Denken in Bezug auf die digitale Entwicklung gezeigt. Der Umgang mit Daten durch Facebook ist ja nichts Überraschendes. Dass ich dann plötzlich stark empört bin, wenn so etwas passiert, mich letztlich aber damit zufrieden gebe, dass Mark Zuckerberg der Justizministerin verspricht, sich in den nächsten Jahren darum zu kümmern, kann sicher nicht die Lösung sein. Aus pädagogischer Sichtweise müsste ich sagen: Die Daten, mit denen da vermutlich Wahlkampf manipuliert, sicher aber Wahlkampf betrieben wurde, haben wir alle freiwillig unter Ausschluss jeder Rechtlichkeit dort hineingetragen. Wir dürfen uns doch nicht wundern, dass eine kostenlose Plattform diese Daten verkauft, denn personalisierte Werbung ist schließlich deren Geschäftsmodell. Die Algorithmisierung ist dann  die logische Konsequenz dieses Prozesses, weshalb es viel sinnvoller wäre, grundsätzliche digitale Aufklärungsarbeit zu leisten.</p>
<p>Digitale Bildung wird einfach immer noch viel zu kurz gedacht und genau dort müssen wir die Leute zu selbstbestimmter digitaler Teilhabe befähigen. Dieser Idealismus, der hinter unserer Arbeit steckt, ist nicht selten wirklich anstrengend, genau wie auch der jährliche Kampf um Fördergelder. Aber genau aus dieser Motivation machen wir das. Um etwas zu bewirken.</p>
<h3>Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch!</h3>
<p>Bild Marten Gerdnun: Sewerin Zelazny<br />
Alle weiteren Bilder: Jan Lahitte</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Das große Versprechen &#8211; Was wurde aus dem FSJ_digital?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Krüger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Jul 2017 09:07:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[Es war eine eher vage formulierte Vision des Koalitionsvertrages von 2013: Das FSJ_digital. Die Idee: Die “Digital Natives” geben im [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Unbenannt1.png"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-152829" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Unbenannt1-630x348.png" alt="Unbenannt" width="630" height="348" /></a>Es war eine eher vage formulierte Vision des Koalitionsvertrages von 2013: Das FSJ_digital. Die Idee: Die “Digital Natives” geben im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres ihre digitalen Medienkompetenzen an Andere weiter. Wir haben uns in Rheinland-Pfalz umgehört, was aus dem Modellprojekt wurde.</p>
<p>Wenn Marten Gerdnun über das FSJ_digital spricht, merkt man ihm die Begeisterung förmlich an. Der Pädagoge aus Flensburg wurde vor drei Jahren von seiner Heimat Flensburg aus in das rheinland-pfälzische Kulturbüro einberufen, um dort ein Mammutprojekt umzusetzen: das FSJ_digital. Was darunter genau zu verstehen ist? Das wusste damals keiner genau, lacht Gerdnun. Klar war nur: Die Bundesregierung hatte in ihrem <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/bundestagswahl-2013/der-koalitionsvertrag-im-wortlaut-4-4-digitale-agenda-fuer-deutschland_id_3437465.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Koalitionsvertrag 2013 </a>ein Modellprojekt geplant, bei dem die digitalen Kompetenzen junger Menschen im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres genutzt und an die entsprechenden Einsatzstellen weitergegeben werden sollten:</p>
<p><em>“&#8230;Wir befürworten ein „Modellprojekt Freiwilliges Soziales JahrDigital“, damit junge Menschen ihre technischen Fertigkeiten und Fähigkeiten im Umgang und in der Anwendung von neuen Medien in den Dienst von gemeinnützigen Einrichtungen stellen und diese bei der Umsetzung von digitalen Projekten und der Vermittlung von Medienkompetenz unterstützen…”</em></p>
<h3>Das FSJ als “Add-on”</h3>
<p>Zwei Bildungsträger erhielten den Zuschlag für das FSJ_digital: das Kulturbüro in Rheinland-Pfalz und das Rote Kreuz in Sachsen-Anhalt. Wie so häufig im Zusammenspiel von Politik und öffentlichen Trägern kam zwar das Geld, aber kein konkreter Plan. Und so bastelte Gerdnun, dessen zweite Leidenschaft schon immer die Medienproduktion war, mit einem kleinen Team unentwegt an einem zukunftsfähigen Konzept. Ihre Idee: Das FSJ-digital als Add-On. Die FSJler können sich auf der eigens eingerichteten Homepage mit einem selbst erdachten Projekt für ihre Einsatzstelle bewerben. Sie erhalten im Gegenzug dazu die notwendigen Materialien und werden in vom Kulturbüro organisierten Workshops und Seminaren geschult. Die Expertise der dort Unterrichtenden ist vielfältig, genauso wie die behandelten Themen: Vom richtigen Umgang mit sozialen Medien bis zur Videoproduktion ist alles dabei. Und: Die Lehrenden kommen aus verschiedenen Fachgebieten, haben nicht zwangsläufig einen pädagogischen Background.  Im Gegenzug zur klassischen Schulbildung bietet das deutlich mehr Möglichkeiten, denn die digitalen Kompetenzen von Lehrern sind aufgrund starrer Strukturen im deutschen Bildungssystem oftmals gar nicht bis wenig ausgereift.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Marten-Gerdnun.jpg"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-152825" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Marten-Gerdnun-305x381.jpg" alt="Marten Gerdnun" width="162" height="203" /></a>Marten Gerdnun ist studierter Erziehungswissenschaftler und Medienpädagoge. Seit 2015 arbeitet er als Projektkoordinator und Medienbildungsreferent an dem Modellprojekt FSJ_digital. Das von Gerdnun für den Offenen Kanal Schleswig-Holstein konzipierte Projekt „Schüler-Medien-Lotse“ gewann 2016 die Google Impact Challenge in der Kategorie Lokale Projekte<i>.</i></div></div>
<h3>Riesiger Ansturm auf das Projekt</h3>
<p>Die FSJler hatten immer eine Menge Spaß, betont Gerdnun. Besonders die Gemeinschaft sei in den Digital-Seminaren immer ein großes Plus gewesen. Er agiert auch selbst als Ansprechpartner und hat ein sogenanntes “Sorgentelefon” eingerichtet. Wenn die Jugendlichen in ihrem Projekt Probleme haben, können sie das weitere Verfahren jederzeit mit Mitarbeitern des Kulturbüros absprechen. Von Anfang an sei das Interesse groß gewesen. So groß, dass sich mittlerweile über ein Dutzend anderer Träger von sozialen Einrichtungen bei Gerdnun gemeldet habe, um das FSJ_digital auch in ihren Einsatzstellen verwirklichen zu können. Das belegen auch die Zahlen: Während es im ersten Jahr bereits 49 Anträge gab, hat sich die Anzahl im zweiten Jahr mit rund 91 Anträgen fast verdoppelt.</p>
<p>Eine Aufgabe, die das Kulturbüro trotz aller Euphorie regelmäßig an ihre Grenzen bringt. Gerdnun setzt trotzdem darauf, dass die Politik durch das FSJ_digital ein Bewusstsein für die Bedeutung von Medienbildung entwickelt. Leider gebe es immer noch zu viel Konkurrenzdenken in öffentlichen Einrichtungen und wenig Platz für die Umsetzung wichtiger Projekte auf übergeordneter Ebene, meint der Pädagoge. Und: Ein FSJ_digital reiche bei Weitem nicht aus, um endlich den Digitalisierungs-Rückstand in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen auszugleichen. Wo Hardware und Soft-Skills fehlen, wo Bürokratie und starre Strukturen den Fortschritt hemmen, ist der Einsatz junger Menschen und das Engagement einzelner Projektleiter wie Gerdnun oft nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.</p>
<figure id="attachment_152828" aria-describedby="caption-attachment-152828" style="width: 600px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/IMG_7801_Kulturbuero.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-152828" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/IMG_7801_Kulturbuero.jpg" alt="FSJler bei einem Digitalseminar des rheinland-pfälzischen Kulturbüros." width="600" height="400" /></a><figcaption id="caption-attachment-152828" class="wp-caption-text"><em>FSJler bei einem Digitalseminar des rheinland-pfälzischen Kulturbüros.</em></figcaption></figure>
<h3>Achtjährige iPhone-Besitzer und hoffnungsvolle Lehrer</h3>
<p>Dass der Digitalisierungs-Rückstand im öffentlichen Sektor nicht auf mangelndes Interesse der Einsatzstellen zurückzuführen ist, hat auch Mailin schnell bemerkt. Nach dem Fachabi entschied sie sich für ein FSJ an einer Grundschule in Koblenz. Hier wollte die 21-Jährige, die ein Lehramtsstudium anstrebt, eigentlich nur in das spätere Berufs-Umfeld “hineinschnuppern”. Stattdessen traf sie auf achtjährige iPhone-Besitzer und hoffnungsvolle Lehrer. Die Direktorin hatte vom FSJ_digital gehört und wollte unbedingt, dass ich dort ein Projekt anmelde, erzählt Mailin. An ihrer Schule hätte es außer gelegentlichem Computer-Unterricht quasi keinerlei Digitales gegeben. Keine technische Ausstattung, geschweige denn Know-How. Im Gegensatz dazu seien jedoch bereits die Drittklässler zum großen Teil mit Smartphones ausgestattet gewesen. Wenn die Glocke zum Schulschluss geläutet hat, haben dann alle sofort wie wild angefangen zu spielen, lacht die FSJlerin.</p>
<h3>Auch die Lehrer sind neugierig</h3>
<p>Die Eltern berufstätig, die Schule kaum medienkompetent. Als Mailin, die begeisterte Hobby-Photographin, ihren Antrag auf einen Fotokurs bewilligt bekommt, ist die Freude bei allen groß. Nicht nur die Kinder, auch die Lehrer sind neugierig. Einige kamen gleich zu mir und wollten die projektfinanzierten Geräte für den eigenen Unterricht ausleihen, berichtet Mailin. Sie bringt den Kindern nicht nur bei, wie schöne Bilder geschossen werden, sondern geht weit darüber hinaus: Im von Mailin erdachten Konzept des “Kameraführerscheins” lernen die Schüler auch spielerisch digitale Urheberrechte kennen und müssen die Bilder letztlich am PC bearbeiten und ausdrucken. Dass dies für die Kinder so schwierig zu erlernen ist, hatte die FSJlerin jedoch nicht erwartet. Doch bereits das Übertragen von JPEG-Dateien auf den Laptop sei eine riesige Hürde gewesen – und das unabhängig davon, ob die Kinder ein Smartphone besitzen oder nicht.</p>
<h3>Viel Smartphone, wenig Medienkompetenz</h3>
<p>Diese und andere Erfahrungen zeigen: Die “Digital Natives” werden viel zu häufig alleine gelassen. Die intuitive Bedienung erleichtert selbst für die Jüngsten den Einstieg in die Welt von Smartphone und Tablet. Weder Schule noch Eltern können jedoch derzeit an diesem Punkt Hilfestellung leisten, um den richtigen Umgang mit der Technik und jenen miteinander im Netz zu vermitteln. Der Einzug des Digitalen in die Lebenswelten der Jüngsten bleibt deshalb auf einer unvollständigen Ebene. Viele Kinder können nicht mal richtig lesen und schreiben, weiss Mailin zu berichten. Diese Ambivalenz habe sie des Öfteren gewaltig überrascht. Trotz vieler Schwierigkeiten sei ihr Projekt dennoch ein großer Erfolg gewesen. Auf der 125-jährigen Jubiläumsfeier der Schule erstellten die von Anfang an wissbegierigen Kinder dann mithilfe eines Programmes eigene Fotos der Teilnehmer im Comic-Format. Und auch die Direktorin war mehr als dankbar, dass durch das Engagement der 21-Jährigen in der Schule auch endlich digitale Inhalte eine Rolle spielten. Sie war sehr glücklich und hat sich innig bedankt, erinnert sich Mailin.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/0-weu-d3-405fbe793b5aeb3a3bb6144467b3d9a1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-152854" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/0-weu-d3-405fbe793b5aeb3a3bb6144467b3d9a1-305x458.jpg" alt="0-weu-d3-405fbe793b5aeb3a3bb6144467b3d9a1" width="149" height="224" /></a>Mailin Karaskiewicz aus Andernach, 21, kam durch Interesse am Lehrerberuf und über eine Kollegin von der Caritas zum FSJ_digital. Mit einem Fotoprojekt leistete sie einen großen Beitrag zur Digitalisierung ihrer Einsatzstelle, einer Grundschule in Koblenz<i>. Bild: Privat</i></div></div>
<h3>FSJler digitalisieren Institutionen</h3>
<p>Gerade deshalb hofft sie, dass Marten Gerdnun und sein Team irgendwann mit Sicherheit wissen, dass die Finanzierung weiterer Jahrgänge nicht ausbleibt. Denn besonders die Einsatzstellen profitieren massiv vom FSJ_digital. Die Freiwilligen helfen häufig entscheidend bei der Einrichtung von Webpräsenzen und Social-Media-Kanälen, vermitteln Jung und Alt wichtige Medienkompetenzen und ermöglichen sogar teilweise die technische Aufrüstung der jeweiligen Institution. Auch wenn diese Aufgabe eigentlich bei anderen läge. Zu oft, sagt Gerdnun, habe er das Gefühl, die Politik verstehe den Prozess der Digitalisierung lediglich als zusätzliches gesellschaftliches Entwicklungs-Konstrukt. Viel zu oft werde hier vergessen, dass es sich vielmehr um eine allumfassende Transformation handle, die alle Lebensbereiche betreffe. Deshalb ist es nach Gerdnuns Ansicht unbedingt notwendig, im gesamten Bildungsbereich tiefgreifende Veränderungen durchzusetzen.</p>
<h3>Freiwilliges Engagement trotz Mehraufwand</h3>
<p>Um die Politik von der Relevanz seines Konzeptes zu überzeugen, lässt Gerdnun seit Beginn des Projekts den Verlauf wissenschaftlich begleiten und evaluieren. Auf Fachkonferenzen stellt er Ergebnisse vor, kommt in Kontakt mit potentiellen Dozenten für Workshops und spricht immer wieder mit Vertretern der Kultusministerien. Dieses kraftraubende persönliche Engagement aller Beteiligten steht sinnbildlich für den Charakter des FSJ_digital: Keine digitale Revolution, aber der absolute Wille, trotz Mehraufwand und geringer Bezahlung im Freiwilligendienst einen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit des sozialen Sektors zu leisten. Ein Einsatz, der sich auszahlt; mittlerweile hat Gerdnun die Zusage für ein weiteres Jahr erhalten. Das einzige Problem: Weil die Bewerbung ab nächstem Jahr planmäßig auch für FSJler in anderen Bundesländern offen sein soll, wird dann vermutlich eine Jury über Anträge entscheiden und aussortieren müssen. Denn Gerdnuns Team ist klein und der Andrang riesig.</p>
<p>Die Zukunft des FSJ_digital ist ungewiss. Vieles hängt auch von den parteipolitischen Entwicklungen der nächsten Jahre ab. Dennoch bleibt zu hoffen, dass der Versuch, den öffentlichen Bereich “von unten” zumindest ein Stück weit zu modernisieren, nicht ungehört bleibt. Denn ein paar Wenige können diesen immensen Transformationsprozess nicht alleine bewältigen. Dazu braucht es mehr. Mehr Kooperation, mehr Steuerung und vor allem: Mehr Mut.</p>
<p>Alle Bilder: Kulturbüro Rheinland-Pfalz</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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