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	<title>Geflüchtete &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Geflüchtete &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Qualifizierung und Arbeitsmarkt &#8211; Neue Chancen für Geflüchtete in IT-Berufen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Constantin Estorff]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Sep 2019 08:02:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Kann man unter den Geflüchteten neue, begeisterte Fachkräfte für IT-Berufe gewinnen? Diese Hoffnung haben momentan viele. Branchenübergreifend werden neue, gut ausgebildete IT-Fachkräfte benötigt, um die digitale Transformation zu stemmen. Doch wie realistisch ist das?</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Dies beschäftigt gerade viele Unternehmen, unter anderem Microsoft, das zu diesem Anlass zu einer Podiumsdiskussion nach Berlin eingeladen hat.</p>
<p>Doch zuerst ein paar Fakten: Ende 2018 haben knapp <a href="https://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Von_individuellen_u_institutionellen_Huerden/Von_individuellen_u_institutionellen_Huerden_online.pdf">1,7 Millionen Schutzsuchende</a> in Deutschland gelebt. Die Zahlen der neu nach Deutschland gekommenen Geflüchteten hat zwar von <a href="https://mediendienst-integration.de/migration/flucht-asyl/zahl-der-fluechtlinge.html">745.000 Personen im Jahr 2015  auf etwa 185.000 Personen im Jahr 2018 abgenommen</a>, nichtsdestotrotz ist die Integration in den Arbeitsmarkt einer der akutesten, wichtigsten, aber auch schwersten Aufgaben für eine gelungene Integrationspolitik. Häufig sind Ausbildungsmöglichkeiten für Geflüchtete unerreichbar aufgrund fehlender Arbeitserlaubnis, einer zu niedrigeren Bildung oder nicht zuletzt aufgrund der bleibenden körperlichen und seelischen Schäden eines Bürgerkrieges. Trotzdem gab es 2018 allein in Deutschland <a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2903/umfrage/jahresdurchschnittswerte-des-bestands-an-offenen-arbeitsstellen/">knapp 800.000 offene Stellen</a>, von denen alleine <a href="https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/82000-freie-Jobs-IT-Fachkraeftemangel-spitzt-sich-zu">82.000</a> auf die IT-Branche fallen. Damit die Geflüchteten dieses Leck im momentan ohnehin schwankenden Wachstumsdampfer Deutschland stopfen können, müssen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten.</p>
<p>Zur Podiumsdiskussion im Rahmen der Initiative #digitalfueralle waren die CDU-Bundestagsabgeordnete Antje Lezius, die Geschäftsführerin der <a href="https://www.redi-school.org/?lang=de">ReDI School of Digital Integration</a> Anne Kjær Riechert und Astrid Aupperle von Microsoft Deutschland eingeladen.</p>
<h3>Eine &#8220;klassische&#8221; Ausbildung ist billiger</h3>
<p>Anne Kjær Riechert hat sich mit der gemeinnützigen ReDi School of Digital Integration viel vorgenommen: IT-affine Geflüchtete den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern und damit Perspektiven abseits von Niedriglohn-Jobs schaffen. Nach eigenen Angaben nehmen bereits 550 Teilnehmer aus 51 verschiedenen Ländern teil, die von 350 Freiwilligen aus der IT-Branche in unterschiedlich anspruchsvollen Kursen unterrichtet werden. Das Problem: Zu viele Interessenten und zu hohe Hürden seitens der Behörden. Daran, dass man unter den Geflüchteten viele begeisterte IT-Fachkräfte gewinnen kann, scheint also was dran zu sein. Es sei Riechert zufolge trotzdem nicht einfach, selbst ein gemeinnütziges Projekt wie dieses umzusetzen. Eine Zertifizierung koste nicht nur viel Zeit und Geld, es werden auch seitens der Jobcenter Interessierte von einer Ausbildung in der ReDi-School mit dem Argument abgehalten, eine „klassische“ Ausbildung sei billiger. Deswegen und aufgrund einer geringen Flexibilität der Behörden in Bezug auf junge, agile Projekte, bei denen sich die Planung auch schnell ändern kann, richtet Riechert klare Verbesserungswünsche an die Politik. Wenig überraschend werden hier als Vorbild für die Berliner Behörden jene aus München genannt.</p>
<h3>Den Weg in die moderne Arbeitswelt unterstützen</h3>
<p>Die Digitalunternehmen haben am Fachkräftemangel natürlich am meisten zu leiden, weswegen sie zunehmend die <a href="https://www.zeit.de/2019/33/digitalisierung-schule-it-konzerne-kooperation">Digitalisierung der deutschen Bildungsinstitutionen selbst in die Hand nehmen</a>. Dabei sind sie entweder unterstützend im Zeichen des gesellschaftlichen Engagements tätig, wie Microsoft im Falle der ReDI-School oder statten auch ganze Schulen mit Smartboards und Tablets aus, wie beispielsweise Google, Samsung oder auch wieder Microsoft. Diese schnelle und effiziente Digitalisierung abseits des Digitalpakts muss selbstverständlich mit einer Markenbindung, die jetzt bereits in der Lehre beginnt, teuer gekauft werden.  Astrid Aupperle, Leiterin Gesellschaftliches Engagement bei Microsoft, weist jedoch im Laufe der Diskussion auf den geringen Veränderungswille in Schulen und Ausbildungsstätten hin; Angebote für Bildungsförderungen würden häufig nicht angenommen. Dabei wolle Microsoft die Teilhabe am Berufsleben in einer wandelnden Berufswelt sicherstellen und Betroffene auf dem Weg in die digitale Arbeitswelt unterstützen. In diesem Fall in Form des Engagements für die ReDI-School.</p>
<p>Dass Digitalkonzerne wie Microsoft ins Thema Bildung eingreifen ist dann wiederum mit Hinblick auf den eher größer werdenden Fachkräftemangel in der IT-Branche, den vielen nach Deutschland kommenden potentiellen Fachkräften und einer lahmenden staatlich organisierten Digitalisierung wieder nachvollziehbar.</p>
<h3>Anreize sollen über ein Belohnungssystem geschaffen werden</h3>
<p>Doch ist die Politik tatsächlich so taten- und vielleicht auch hilflos? Die CDU-Bundestagsabgeordnete Anne Lezius, Mitglied der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“, widerspricht. Auch die Politik habe die Relevanz der Digitalisierung der Bildungsinstitutionen für die Wirtschaft verstanden und die Rolle der Freiwilligen für die Umsetzung erkannt. Die Verwaltungsprobleme seien ebenso bekannt wie die wenig auf digitale Anforderungen ausgelegten Ausbildungen in den Berufsschulen und die <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/digitalpakt-fuer-berlins-schule-257-millionen-euro-auf-der-hohen-kante/25001556.html">Probleme bei der Umsetzung des Digitalpaktes</a>. Aber man sei dran. Lezius verweist an dieser Stelle beispielhaft auf <a href="https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/news/cdu-schlaegt-weiterbildungs-plattform-milla-vor">MILLA</a>. Bei diesem Projekt geht es darum, alle Benachteiligten bei der Berufs(weiter)bildung zu unterstützen. Umgesetzt wird dies mit einer Datenbank, die für jede individuelle Situation alle möglichen Weiterbildungsmöglichkeiten eingespeichert hat und es zudem ermöglicht, sich von überall aus bequem und digital weiterzubilden. Anreize sollen über ein Belohnungssystem geschaffen werden.</p>
<p>Aber was ist speziell mit den Geflüchteten? Selbstverständlich kann das Problem der großen Anzahl offener Stellen in der IT-Branche nicht allein durch Geflüchtete behoben werden. Nichtsdestotrotz gibt es auch von der Bundesregierung unterstützte Projekte, die bei der Diskussion unerwähnt blieben. Besonders interessant für den IT-Bereich wäre zum Beispiel die Initiative <a href="http://www.wir-gruenden-in-deutschland.de/">„Wir Gründen in Deutschland“</a>. Junge, geflüchtete Gründerinnen und Gründern werden hier bei der Gründung unterstützt.</p>
<p>Dass eine Weiterbildung wie die auf der ReDi School auch realistisch ist, konnte man im Anschluss der Diskussion sehen: Der Absolvent Zaid Zaim aus Syrien hat dank seiner Ausbildung vom IS zerstörte Ausgrabungsstätten  mit dem Mixed-Reality-System <em>HoloLens </em>digital nachgebaut.</p>
<p><strong>Photo by:</strong> <a href="https://unsplash.com/@herlifeinpixels?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Hannah Wei</a> on <a href="https://unsplash.com/@herlifeinpixels?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></p>
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</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>Digitale Hilfe auf der Flucht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Aug 2016 13:14:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Facebook und Viber – damit hat Zabi seine lange Reise aus Afghanistan nach Deutschland bewältigt. Ein eigenes Smartphone hatte der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Apps-Flüchtlingshilfe-640px.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-149978" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Apps-Flüchtlingshilfe-640px.png" alt="Apps Flüchtlingshilfe" width="640" height="314" /></a>Facebook und Viber – damit hat Zabi seine lange Reise aus Afghanistan nach Deutschland bewältigt. Ein eigenes Smartphone hatte der 17-Jährige auf der Flucht nicht. Damit stellt Zabi, laut kürzlich veröffentlichter <a href="http://www.betterplace-lab.org/wp-content/uploads/ICT4Refugees-Report.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">ICT4Refugees-Studie</span></a>, keine große Ausnahme dar. Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (<a href="https://www.giz.de/de/html/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">GIZ</a>) und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (<a href="http://www.bmz.de/de/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">BMZ</span></a>) haben FeldforscherInnen von <a href="http://www.betterplace-lab.org/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">betterplace lab</span></a> und <a href="https://kiron.ngo/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">Kiron Open Higher Education</span></a> erstmals das digitale Nutzerverhalten von Menschen auf der Flucht untersucht – in Jordanien, Griechenland und der Türkei.</p>
<p><em>„Warum haben die denn alle Smartphones?“ </em>fragten sich manche Bürger zu Beginn der großen globalen Zufluchtssuche. Glücklicherweise verwandelten sich skeptische Blicke &#8211; in vielen Fällen &#8211; zu verständnisvollen Mienen. Schnell erkannten Initiativen, NGOs und die netzaffine Zivilbevölkerung: Smartphones für Geflüchtete sind einerseits notwendig und andererseits auch Potenzial für technische Innovationen. Eine bereits breite Angebotspalette an Apps und Websites für Zufluchtssuchende bereichert die digitale Welt heute. Nicht nur zur Integration in Deutschland, sondern auch zur Erleichterung der Flucht und der Arbeit in den weltweiten Camps sprudelte es an digitalen Ideen. Plattformen, welche Angehörige wieder zusammenbringen sollen – wie <a href="https://refunite.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">Refunite</span></a> oder <a href="http://familylinks.icrc.org/europe/en/Pages/Home.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">Trace the Face</span></a> des Roten Kreuzes sowie Online-Informationsportale – wie <a href="https://www.refugeeinfo.eu/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">refugeeinfo-org</span></a> oder die Initiative eines Syrers <a href="http://8rbtna.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">8rbtna</span></a> – sollen Menschen auf der Flucht helfen. Ohne Frage: auf der Flucht ist das Smartphone mehr als nur ein nützliches Werkzeug. Der emotionale Wert überwiegt. Das Smartphone ist oft die einzige Verbindung nach Hause sowie Schnittstelle zwischen Flüchtenden. So kann das vergebliche Warten auf eine Antwort von Angehörigen auf WhatsApp in manchen Fällen auch eine schleichende Hiobsbotschaft sein. Eine zusätzliche psychische Belastung, in die man sich von außen kaum hineinversetzen kann.</p>
<p>Nun verkündet die ICT4Refugees Studie: Smartphones sind auf der Flucht schon weit verbreitet, aber nicht jede Person besitzt eins. Schwankungen gebe es dort auch je nach materiellem Wohlstand eines Landes: Während der Smartphone-Besitz unter Geflüchteten aus Syrien nahezu Standard sei, sehe es bei AfghanInnen anders aus. Besonders bei Gruppen sei ein gemeinsames Smartphone pro Familie oder Freundeskreis auf der Flucht nicht unüblich. Jedoch nutzen nur Wenige neben privaten Messenger-Diensten andere Plattformen oder Apps. Das bestätigt auch Zabi: „Ich wusste nicht einmal, dass es Apps und Websites gibt, die Flüchtlingen helfen sollen.“</p>
<h3>Empfehlungen der ICT4Refugees-Studie: „Do no Harm“</h3>
<p>Für Engagierte, Fachleute und EntscheidungsträgerInnen im Rahmen der digitalen Entwicklungshilfe sprechen die beiden Autoren der ICT4Refugees-Studie einige Anregungen aus. Primär gilt es zu berücksichtigen, inwiefern Flüchtlingsgruppen Zugang zum Internet haben – und das nicht nur im technischen Sinne. Die Frage muss viel breiter gefasst werden: Haben Flüchtende auch kulturellen, sozio-ökonomischen, politischen und legalen Zugang? Problematisch wird digitale Innovation, sobald wir von unseren eigenen Nutzungsgewohnheiten und – kompetenzen ausgehen. Laut der ICT4Refugees-Studie seien vor allem ein verantwortungsvoller Umgang mit Datenschutz und niedrige Nutzerbarrieren wichtig. Freigegebene Informationen über die Identität einer flüchtenden Person können fatale Folgen für Einzelne haben. Der Schutz des Individuums sollte immer höchste Priorität haben.</p>
<p>Viele Apps können allein schon aus Gründen wie einem Mangel an Speicherplatz, Datenvolumen oder einer fehlenden E-Mail Adresse zur Registrierung scheitern. Nicht nur der Umgang mit E-Mails, auch das Konzept einer Website muss nicht jeder Person geläufig sein. So bestätigten viele in den Camps, die Banneraufschriften mit „refugeeinfo.org“ gar nicht als URL verstanden zu haben. Auch Zabi wusste von solchen Angeboten nichts und nutzte das Internet nicht in diesem Sinne als Informationsquelle. Manchmal ging er in Griechenland in ein Internetcafé, um Neues aus seinem Vertrautenkreis zu erfahren: „Ich war glücklich, dass ich über das Internet Kontakt zu Freunden halten konnte.“ Auch die ICT4Refugees-Studie bestätigt, dass viele Befragte ausschließlich eine private Eins-zu-Eins Kommunikation über ihre Smartphones nutzen: Textnachrichten über Chats und das Verschicken von Sprachnachrichten seien demnach üblich, alles darüber hinaus eher die Ausnahme.</p>
<p>Auch sind wir durch politisch-kulturelle Hintergründe alle auf verschiedene Arten mit Medien sozialisiert worden – das Level an Vertrauen in Nachrichten und Technologien kann sehr unterschiedlich sein.  Vielleicht haben sich auch deshalb private Messenger-Tools wie WhatsApp und Facebook als die meistgenutzten Plattformen herauskristallisiert. Die Autoren der Studie raten, diese als Grundlage für zukünftige Innovationen zu nutzen. So mache es bereits das <a href="http://www.yuva.org.tr/index.php?lang=EN" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">Yuva Community Centre</span></a> in Gaziantep (Türkei): per Facebook und Telegram informieren sie und halten Kontakt zu Geflüchteten. Daher lautet das Credo im Bericht: Mit dem agieren, was es bereits gibt, anstatt dauernd das Rad neu zu erfinden. Wie wichtig auch eine gründliche Erfahrung der Gegebenheiten vor Ort ist, verbildlicht eine Anekdote der Studie: Auf der griechischen Insel Lesbos wartet man mit einer griechischen SIM-Karte oft vergebens auf Mobilfunksignal. Mancherorts liegt die Insel weniger als zehn Kilometer vom türkischen Festland entfernt. Geflüchtete und HelferInnen mit einer türkischen SIM haben auf der griechischen Insel manchmal eine höhere Signalstärke.</p>
<h3>Digitales Nutzerverhalten von Menschen auf der Flucht – Wie misst man das?</h3>
<p>Das individuelle Nutzerverhalten über Smartphones kann sicherlich nicht nach dem Herkunftsland der Flüchtlinge generalisiert werden. Die ICT4Refugees Studie hat aber versucht, Trends und Potenziale der „Information Communication Technology“ (ICT) in Flüchtlingscamps herauszufinden. Durch mehr als 100 qualitative Interviews mit Geflüchteten und HelferInnen vor Ort sowie Beobachtungen fanden sie viele Parallelen in Jordanien (Amman, Mafraq), Griechenland (Athen, Lesbos) und der Türkei (Istanbul, Gaziantep). Doch um wirklich bewerten zu können, wie sinnvoll manche Apps oder Info-Websites waren, fehlt vor allem immer noch eins: Feedback von Menschen wie Zabi – den Zufluchtssuchenden selbst.</p>
<p>Zur groben Planung der Route müssen Smartphone und Internet dennoch unerlässlich gewesen sein. Auch Zabi erinnert sich, dass manche „Google Maps und anderes“ auf ihrem Handy zur Routenplanung nutzten, „davon habe ich dann mit profitiert.“ Konkrete Websites extra für Flüchtlinge – darüber hatte Zabi aber auch von anderen nichts gehört. An dieser Stelle wird deutlich: nicht das digitale Angebot ist das Problem. Die wahre Hürde liegt in der Verbreitung und Koordination des vorhandenen, digitalen Hilfsangebots. Zu einem ähnlichen Resümee kam auch der digitale Flüchtlingsgipfel in Berlin Ende Juni, auf dem sich viele TeilnehmerInnen für mehr Koordination zwischen den vielen Initiativen aussprachen. Zugleich könnte dadurch auch die Finanzierung solcher Projekte nachhaltiger gestaltet werden. Damit von der ganzen technischen Mühe auch etwas bei den Geflüchteten in Camps und auf dem Weg ankommt, bedarf es aber vor allem der Kommunikation – zwischen den Initiativen und HelferInnen vor Ort sowie den Geflüchteten. Warum nicht technisch affine Geflüchtete in den Camps zu MultiplikatorInnen ermutigen? Vielleicht wäre das ein Anfang, um die digitale Kluft in den Camps langsam zu verkleinern und das technische Angebot auch wirklich an die Bedürfnisse der Zielgruppe anzupassen.</p>
<h3>Effektive Flüchtlingshilfe online oder digitales Durcheinander?</h3>
<p>Mittlerweile hat auch Zabi ein Smartphone von einem Freund bekommen und lernt das Internet seit seiner Flucht immer besser kennen: „Hier in Deutschland habe ich das Smartphone dann zum Deutschlernen genutzt. Das mache ich jetzt noch oft.“ Seit einem knappen Jahr wohnt der 17-Jährige jetzt in Deutschland. Noch ein Jahr geht Zabi zur Schule, bevor er eine Ausbildung anfangen will. Jetzt spricht und schreibt Zabi schon sehr gut Deutsch. Die Verständigung mit ihm ist einfach. Auf die Frage, mit welchen Apps und Seiten er lernt, verrät er: „Wenn ich im Internet Deutsch lernen will, dann schreibe ich einfach „Deutsch lernen“ und dann kommen viele Programme“.</p>
<p>Einmal mehr wird klar, dass wir umdenken müssen – auch technisch. Unsere eigenen Ansichten, Nutzungsverhalten und Vorstellungen engen uns oft gedanklich so sehr ein, dass wir trotz warmherzigen Engagements gegen eine digitale Wand laufen. Koordination zwischen den Projekten und Kommunikation mit den Geflüchteten sind hier die Zutaten für eine benutzerorientierte, digitale Flüchtlingshilfe. Beginnende <a href="http://politik-digital.de/news/digitale-fluechtlingshilfe-gemeinsam-sind-wir-staerker-149862/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kooperationen</a> von Initiativen, wie sie sich auf dem digitalen Flüchtlingsgipfel ergeben haben, zeigen immer mehr Potenzial zur Zusammenarbeit – erfreulicherweise auch immer öfter mit Geflüchteten zusammen. Denn, ohne die Zielgruppe aktiv miteinzubeziehen, werden wir es nicht schaffen, aus der digitalen Erschöpfung herauszuklettern und das Potenzial der Flüchtlingshilfe voll auszuschöpfen.</p>
<p>Titelbild: Screenshot Apps Flüchlingshilfe von <a href="http://politik-digital.de/user/jdonat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jana Donat</a> / <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>, licenced <a class="external" href="http://i0.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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			</item>
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		<title>Let&#8217;s integrate!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Schwenk]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Apr 2016 07:51:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
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		<category><![CDATA[Geflüchtete]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Gruppe junger Menschen mit technischem und wirtschaftlichem Know-how, die gemeinsam eine neue Website aufziehen &#8211; Berliner Start-Up-Alltag. Der Unterschied [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/LI1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-148789 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/LI1.jpg" alt="politik-digital.de Eigenarbeit " width="640" height="280" /></a>Eine Gruppe junger Menschen mit technischem und wirtschaftlichem Know-how, die gemeinsam eine neue Website aufziehen &#8211; Berliner Start-Up-Alltag. Der Unterschied zu den üblichen Start-ups: Die Hälfte der Mitarbeitenden sind Geflüchtete, es geht nicht um Profit, sondern nur um eine Idee. Die Idee, Menschen und Kulturen zusammen zu bringen.</p>
<p>Lasse Landt, Mitinitiator von <a href="https://letsintegrate.de/de">Let’s integrate!</a>, stellte im Oktober fest, dass viele Menschen noch nie mit Geflüchteten gesprochen hatten, sondern nur über sie. Deshalb entschloss er sich, an einer Veranstaltung für Geflüchtete teilzunehmen. Dort lernte er Khaled Alaswad, einen Geflüchteten aus Damaskus kennen. Es entstand die Idee eines gemeinsamen Projekts, über das sich auch andere Geflüchtete und Deutsche kennenlernen können. So sollen Berührungsängste abgebaut und ein größeres Verständnis für die andere Kultur geschaffen werden. Seit November traf sich eine kleine Gruppe regelmäßig um an dem Projekt zu arbeiten, inzwischen sind rund 20 Personen involviert.</p>
<h3>Ein Secret Handshake als Erkennungszeichen</h3>
<p>Das Prinzip ist simpel: Über die Website von Let’s integrate! melden sich interessierte Deutsche und Geflüchtete an, geben ein Wunschdatum und eine Uhrzeit an und wählen einen Treffpunkt aus fünf Orten, die über die Stadt verteilt sind, aus. Dann bekommen beide Seiten eine E-Mail von Let’s integrate! mit weiteren Informationen und treffen sich dann am ausgemachten Punkt. Erkennen können sie sich an einem „Secret Handshake“, mit der rechten Hand wird ein „L“ für „Let’s“ geformt, mit dem Daumen der linken Hand ein „I“ für „integrate“. Die Treffpunkte wurden so gewählt, dass sich diverse Aktivitäten anbieten: Spazieren gehen im Park am Rathaus Schöneberg, gemeinsam den Zoo erkunden oder auf dem Alexanderplatz einen Kaffee trinken gehen. Auch Sprachbarrieren sollen kein Problem sein. „Im Urlaub funktioniert die Verständigung auch ohne dass man die Sprache spricht“, sagt Lasse Landt dazu.</p>
<p>Auch wenn ein Treffen schon nach einer halben Stunde beendet sei und man feststelle, dass man sich unsympathisch ist, wäre das ein Erfolg. &#8220;Das klingt zwar zunächst komisch, lässt aber immerhin in nur in den seltensten Fällen Raum für Gefühle wie etwa eine diffuse Angst, die bei entsprechender öffentlicher Stimmung schnell in Ablehnung oder gar Hass umschlagen kann.“, so Lasse Landt.  Es geht darum Stereotypen abzubauen, weg von „dem Geflüchteten“ und „dem Deutschen“ und hin zu mehr Offenheit in der Gesellschaft. Wichtig ist den Gründern dabei aber auch ein anderer Punkt, es ist eine Begegnung von Menschen auf Augenhöhe. Es geht explizit nicht darum, Geflüchteten zu helfen, dafür gibt es andere Plattformen. Vielmehr sollen beide Seiten einander kennenlernen, wenn sich daraus weitere Treffen ergeben, umso besser.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ic-gobe-hands-10x.png"><img decoding="async" class=" size-full wp-image-148905 aligncenter" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ic-gobe-hands-10x.png" alt="ic-gobe-hands-10x" width="480" height="480" /></a></p>
<h3>Beta-Phase endet bald</h3>
<p>Ab dem 01. Mai sollen die Treffen stattfinden können, momentan steht das Projekt noch in der Beta-Phase. Nachdem nun eine Website und der Newsletter verfügbar sind, wollen die Planer am „eigenen Leib“ ausprobieren, ob ihr Konzept aufgeht. Hierbei sind vor allem kulturelle Begriffe wie Pünktlichkeit und Gastfreundschaft ein Thema, damit das Aufeinandertreffen klappen kann. Alle Erfahrungen, die sie jetzt sammeln, werden dann als Hinweise in die E-Mails aufgenommen.</p>
<p>Ein weiteres Problem ist es sowohl auf deutscher Seite als auch auf Seiten der Geflüchteten potenzielle Teilnehmer zu erreichen. Denn nicht nur die Deutschen haben Vorurteile und bisweilen Angst vor Geflüchteten. Auch die Geflüchteten haben Hemmungen. „Es ist schwerer die Menschen in den Heimen zu erreichen, sie sind vor einem Krieg geflüchtet und haben Angst“, sagt Khaled  Alaswad. Dennoch werden sie versuchen, möglichst viele Leute über Facebook zu erreichen, dort gibt es Gruppen, in denen sich die Geflüchteten gegenseitig helfen und sich online austauschen. Geplant sind auch Vorstellungen in Heimen und möglicherweise Flyer auf den Straßen. Als erstes Ziel haben sich die Gründer ungefähr 10 Treffen pro Woche gesetzt, nach oben ist die Grenze natürlich offen.</p>
<p>Sollte sich das Projekt in Berlin als Erfolg erweisen, könnte das Konzept auch schnell auf andere Städte übertragen werden. Notwendig wären nur ein wenig Ortskunde, um die Treffpunkte festzulegen und natürlich jede Menge Werbung. Dass ein solches Konzept funktionieren kann, zeigt unter anderem die Schwedische App Welcome!, die lokale Nutzer mit Geflüchteten verbindet. Das technische Wissen und die Motivation das Projekt in Deutschland groß zu machen haben die Mitglieder von Let’s integrate! auf jeden Fall.</p>
<p><a href="https://www.facebook.com/letsintegrate.de/?fref=ts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier</a> geht es zur Facebook Seite von Let&#8217;s integrate!</p>
<p><span class="licensetpl_attr">Titelbild:<a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> politik-digital.de</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></span></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Sprache im Internet: Die Macht der Worte</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Mar 2016 08:30:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[„Lügenpresse“, „digitale Spurensicherung“ oder „Das Boot ist voll“. Sprache bestimmt und beschreibt, wie Menschen die Welt sehen. In Zeiten der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/words-have-power_CC0_via-Pixybayjpg.jpg" rel="attachment wp-att-126710"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-148755 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/words-have-power_CC0_via-Pixybayjpg.jpg" alt="words have power_CC0 via Pixabay" width="640" height="280" /></a>„Lügenpresse“, „digitale Spurensicherung“ oder „Das Boot ist voll“. Sprache bestimmt und beschreibt, wie Menschen die Welt sehen. In Zeiten der digitalen Kommunikation hat das Internet den Prozess des Sprachgebrauchs verkürzt. Aussagen und Worte verbreiten sich in Windeseile unter den Menschen. In dieser Welt sind Worte Kampfmittel – besonders in der Debatte um geflüchtete Menschen. Ein Appell für einen reflektierten Sprachgebrauch.</p>
<p>Bereits bei den Debatten um die Vorratsdatenspeicherung ließ sich das Phänomen erkennen. Dort wurde vielfach von “Digitaler Spurensicherung” gesprochen. Durch diese Wortwahl wurde es als notwendiges Werkzeug dargestellt, um Verbrechen im Netz besser und schneller verfolgen zu können. Auch wenn der Aspekt der gespeicherten Daten korrekt ist, wird bei dieser Wortwahl unterschlagen, dass dafür auch Daten von unschuldigen und nicht-tatbeteiligten Personen ohne Anlass auf Vorrat gespeichert werden. Ein gravierender Unterschied zur analogen Spurensicherung. Das kommt beim Begriff “Vorratsdatenspeicherung” besser zum Ausdruck.</p>
<h3>Digitale Spurensicherung transportiert Weltanschauungen</h3>
<p>Ein weiteres aktuelles Beispiel und vielleicht noch tiefschichtigeres Beispiel ist der Begriff „Flüchtling“ &#8211; <a href="http://gfds.de/aktionen/wort-des-jahres/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wort des Jahres 2015</a>. Bereits alleinstehend transportiert es viel Inhalt. Und hat für sprachlich reflektierende Menschen einen Beigeschmack. Mit dem Suffix, der Endung, „-ling“ wird die flüchtende Person klein gemacht und abgewertet. Durch das Anhängen dieser Wortendung wird eine Person durch eine Eigenschaft oder ein Merkmal charakterisiert. Beispielsweise „Schönling“ oder „Häuptling“. Dabei wird ausgeblendet, dass Menschen mehr sind als ihre Flucht.</p>
<p>Durch die Bedeutung, die darüber hinaus mit dem Begriff verbunden wird, stellt sich ein Bild des Begriffs „Flüchtling“ mit ein. Sprachwissenschaftlich bezeichnet man dies als „Frame“. Jedes Wort hat einen Sinnzusammenhang, der mit den Erfahrungen des Individuums verbunden ist. Ein Stuhl ist archetypisch deshalb zumeist gedacht aus Holz mit vier Beinen und einer Lehne. Und ein Stuhl ist kein Sessel. Durch Aussprache des Frames Stuhl werden deshalb gewisse Assoziationen bei den Mitmenschen ausgelöst und unbewusste Schlussfolgerungen mittransportiert.</p>
<h3>“Geflüchtete*r” &#8211; Deutungshoheit zurückerlangen</h3>
<p>Problematisch beim Begriff „Flüchtling“ ist die Konnotation, die diesem Begriff bereits anhängt. Sie stammt von rechtspopulistischen Parteien und Personen, die den Begriff mit eher negativen Assoziationen, Ereignissen und Erfahrungen prägten. Es beginnt bereits beim generischen Maskulium &#8211; der Flüchtling. In einem <a href="http://http://www.sueddeutsche.de/kultur/sprache-in-der-fluechtlingsdebatte-das-wort-fluechtling-richtet-schaden-an-1.2864820-2" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Süddeutsche-Interview</a> wird die zugrunde liegende „Bedeutung” weiter ausgeführt: „Er ist eher stark als hilfsbedürftig. Er ist eher aggressiv als umgänglich.”</p>
<p>Auch bei Worten wie „Obergrenze“ ist deshalb Vorsicht geboten. Diese suggeriert negativ, dass der Platz begrenzt ist und positioniert sich deutlich gegen Flüchtlinge. Diese Hintergründe transportieren        Politiker* innen ungewollt, wenn sie ebenfalls den Begriff verwenden, um ihrerseits den rechtspopulistischen Äußerungen zu widersprechen. Sie verbreiten das Wort samt Konnotation weiter. Die Deutungshoheit erlangen sie durch bloße Argumentation jedoch nicht zurück, sondern bieten den Rechtspopulist* innen durch das Aufgreifen der Begriffe nur ungewollt eine größere Bühne. Um dies zu unterbinden, müssten mehr Menschen beginnen, ihren Sprachgebrauch zu reflektieren. Ein Schritt in die richtige Richtung ist es, aufzuhören, geflüchtete Menschen als “Flüchtlinge” zu stigmatisieren. Neutralere Formulierung, wie “Geflüchtete* r” könnten bereits helfen.</p>
<p>Bild: <a href="https://pixabay.com/en/board-blackboard-words-force-1106649/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pixabay</a><span class="licensetpl_attr">,</span> <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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