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	<title>Gegenöffentlichkeit &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Gegenöffentlichkeit &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Auf den Spuren einer kritischen Netzkultur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:42:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
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		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
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		<category><![CDATA[Geert Lovink]]></category>
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		<category><![CDATA[Internetaktivist]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett"><font size="2">Die Aufsatzsammlung <em>Dark Fiber        - Auf den Spuren einer kritischen Internetkultur</em> bringt die        Arbeiten von Geert Lovink aus 15 Jahren Medientheorie und Internet-Aktivismus        in einer bunt schillernden magical-mystery-tour zu Papier. Albert        Meirer hat diesen Klassiker der Netzkritik gelesen und für        politik-digital.de rezensiert.</font>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett"><span style="font-size: x-small;">Die Aufsatzsammlung <em>Dark Fiber &#8211; Auf den Spuren einer kritischen Internetkultur</em> bringt die Arbeiten von Geert Lovink aus 15 Jahren Medientheorie und Internet-Aktivismus in einer bunt schillernden magical-mystery-tour zu Papier. Albert Meirer hat diesen Klassiker der Netzkritik gelesen und für politik-digital.de rezensiert.</span><!--break--></p>
<p class="normal">Der virtuelle Veteran Geert Lovink hat schon manches erlebt. Zumindest im Vergleich zu unser einem, der ein Leben führt, voller &#8220;beklemmender Kleinlichkeit (&#8230;), Beinahe-Engagement, fortgeschrittenem Desinteresse, (&#8230;) elektronischer Einsamkeit, IKEA als kulturellem Ideal und Formen kollektiver Enttäuschung (&#8230;) in einer Gesellschaft ohne Ideen mit einem Netz ohne Eigenschaften&#8221;. So beschrieben von Lovink und Kollektiv in den frühen 80ern im losen Verbund der agentur bilwet. Nachzulesen in der Aufsatzsammlung Dark Fiber, die Lovinks Arbeiten aus 15 Jahren Medientheorie und Internet-Aktivismus in einer bunt schillernden magical-mystery-tour auf Papier gebracht hat. Intellektuelle und Aktivisten der Piratenradio und Hausbesetzer-Szene in Amsterdam fanden sich einst zu bilwet (Agentur zur Förderung der illegalen Wissenschaft) zusammen. Später war Lovink unter anderem Herausgeber der Medienkunst-Zeitschrift &#8220;Mediamatic&#8221;, eine treibende Kraft hinter dem utopisch anmutenden Projekt der offenen Stadt Amsterdam, de digitale Stad. Des Weiteren war er einer der maßgeblichen Initiatoren der Mailinglist nettime, die 1995 ans Netz ging; auch als Gegen-Öffentlichkeit zur neoliberalen &#8220;kalifornischen Ideologie&#8221; des Magazins &#8220;wired&#8221;.</p>
<p class="normal"><strong>Get informed or die trying</strong></p>
<p class="normal">Lovink ist darüber hinaus auch ein Weltreisender in Sachen Konferenzen und Vorträge, sowie kompetentem Eintreten für freie und sinnvolle Kommunikation jenseits von kommerzieller Verflachung oder staatlicher Zensur. Der Stil seiner Artikel ist stets offen, dialogisch, von Mailing-Listen inspiriert und praxisnah. Sein Engagement und seine Leidenschaft wirken ansteckend und verführen zum Widerspruch, zum Nachlesen, zur Reflexion. Manchmal geraten die vielgestaltigen Texte zu wahrhaft hybriden Gewittern an Metaphern und Theoremen. &#8220;Hybrid zu werden ist nicht die Wahl einer Generation, es ist eine technokulturelle Bedingung. Hybridität ist weder eine Ideologie noch ein Ziel. Sie ist schmutzige digitale Wirklichkeit. (&#8230;) Doch an einem bestimmten Punkt hören Taktik und Hybridität und andere Serenaden auf die Welt und ihre Komplexität, und es müssen Entscheidungen getroffen werden. Hier endet die Geschichte der transitorischen taktischen Medien nach 1989, und andere Dimensionen öffnen sich.&#8221; Auch in dieser Hinsicht darf man auf DARK FIBER III gespannt sein, das Lovink derzeit in Berlin verfasst.</p>
<p class="normal"><strong>Offene Stadt oder Hochsicherheits-Kaufhaus</strong></p>
<p class="normal">Vielstimmig und lesenswert sind all die Fallstudien von alternativen, selbst-organisierten Medienprojekten jenseits der Marktlogik. Hier berichtet der Autor lebensnah und analytisch von all den subversiven Strategien und soften Micro-Kämpfen. Auch von Niederlagen, Ausverkauf und Marginalisierung, jedoch ohne in einen Kult des Scheiterns zu verfallen. So bekommt man einige scharf gezeichnete close-ups einer Zeit zwischen cyber-utopia, dot.com-mania, new-economy-crash und business-as-usuall. &#8220;Die Kritik an der neo-liberalen Agenda wurde auf die emotionale Intelligenz-Ebene von Gruppen, die sich vom freien Handel bedroht fühlen reduziert. Hier wurde kein Wort über die Vernachlässigung sozialer Probleme, (&#8230;) Probleme von Bildung und Erziehung und dem Niedergang der Öffentlichkeit verloren, ein zentraler Begriff wenn wir den Ursprung und die Essenz des Internets verstehen wollen.&#8221;</p>
<p class="normal"><strong>&#8220;www.j´accuse.com&#8221;, die gesunde Wut der &#8220;virtuellen Intellektuellen&#8221;</strong></p>
<p class="normal">&#8220;Schnelle Expansion des Medienuniversums geht einher mit einer Implosion der Imagination. Während Horden junger Geschäftsleute die &#8220;digitale Revolution&#8221; in sich hineinlöffeln (&#8230;) sieht die kulturelle Situation in Wirklichkeit recht anders aus. Abgesehen von den aggressiven Informations-Eliten nahm das intellektuelle Klima einen defensiven Charakter an.&#8221; Die post-euphorische Phase der Netzkultur ermöglichte Lovink eine &#8220;schöpferische Zerstörung der Postmoderne&#8221;, im Sinne einer Abkehr sowohl von infantilem Technik-Fetischismus als auch von zwanghaften New-Age-Ökonomismus. Aber auch eine Überwindung melancholischer Ästhetizismen und düsterer Visionen geschlossener Bestimmtheit. &#8220;Das interaktive Design scheint den Kampf gegen die Schnittstellendumpfheit verloren zu haben. Es ist Lichtjahre entfernt von Bauhaus-Imperativen (&#8230;) ästhetischer Qualität, eingebettet in ein breites Spektrum sozialer, kultureller und politischer Voraussetzungen.&#8221; Den Kampf gegen die Dumpfheit gibt der Autor aber keineswegs verloren, denn er beharrt auf der Kraft des Negativismus, des kritischen Humanismus und der skeptischen Reorganisation sozialer Netzwerke und Bewegungen. Er entwickelte mit anderen aus der Praxis heraus einen komplexen begrifflichen Werkzeugkasten der sogenannten &#8220;taktischen Medien&#8221;, einer sich stets neu reorganisierenden Arbeitsweise kritischer Kulturpraxis an der Schnittfläche von Wissenschaft, Kunst und Politik.</p>
<p class="normal"><strong>Globaler Dorftrottel oder kollektive Intelligenz</strong></p>
<p class="normal">Tatsächlich war zur Zeit der Jahrtausendwende, als Dark Fiber zuerst in englischer Sprache erschien, der Höhepunkt neo-liberaler Hegemonie bereits überschritten, erste Risse deuteten sich an. Der Hyperinvestition folgte der Crash, der manchem ganz die Lust am Internet verdarb. Niemals, niemals, betont Lovink, hätten die Konzerne das Internet erfunden; es sei eine kulturelle Errungenschaft. Dennoch, die transnationalen Konzerne haben es durchdrungen und reorganisiert. Es wurde zur informellen Infrastruktur des beschleunigten globalen High-Tech-Kapiltalismus ausgebaut. &#8220;Ihr mögt nicht an der Ökonomie interessiert sein, doch die Ökonomie ist an Euch interessiert.&#8221; Diese Umwälzung der raum-zeitlichen Dispositive behandelt Lovink in zwei Kapiteln zu den &#8220;Zeitkriegen des 21. Jahrhunderts&#8221; sowie zu den verschiedenen neuen Formen der englischen Sprache auf unserem Planeten, den so genannten „englishes“. Sicherlich weist diese globale Vernetzung menschlicher Praxis über alle bestehen Formen der Unterdrückung, Armut, Unwissenheit und Ausbeutung hinaus. Digitale Güter, digitales Wissen strebt seinem Wesen nach auf das Teilen, auf grenzenlose Verteilung, auf kostenlose Vervielfältigung hin. Lovink plädiert daher für den Kampf gegen alle Formen &#8220;künstlicher Knappheit&#8221;, die nur durch staatliche Kontrolle oder fieberhaft koordinierte Strategien der Konzerne aufrechterhalten werden können. Er erarbeitet in diesem Kontext eine Fülle möglicher Tätigkeitsfelder für Netzaktivistinnen.</p>
<p class="normal"><strong>Illusionen oder Utopien</strong></p>
<p class="normal">Post-modernes rhetorisches Irrlichtern über „Simulacren“ oder digitaler Entkörperlichung sind Lovinks Sache nicht. Er reist lieber engagiert und analog über Grenzen und an Ränder und berichtet in mehreren spannenden Artikeln von seinen Erfahrungen in Albanien, Taiwan und Dehli. &#8220;Es entsteht eine digitale proletarische Klasse&#8221;, erzählt ihm die indische Medien-Aktivistin Shuddha Sengupta.<br />
Zum einen eine proletarisierte globale Call-Center-, Paket-Zusteller- und Reinigungs-Armee, die zu Hungerlöhnen vergleichsweise banalem Schaffen im Umfeld der digitalen Globalisierung ausgeliefert ist. Zum anderen eine durch die Monopol-Bildungen in der New-World-Order-Economy zunehmend proletarisierte Mind-Workers-Class. Ein zunehmend vernetztes und bewußtes &#8220;Cognitariat&#8221;. Und siehe da, darüber hinaus machen nicht mehr nur „Daten-Dandys“ online Zoff. Nein, auch normale Supermarkt-Angestellte bilden Kommunikations-Guerillas. Analoge Proletarier aller Couleurs machen digitalen Stunk jenseits langweiliger Gewerkschafts-Seminare. Sogar Arme, Unterdrückte, Ungehörte in aller Welt entdecken das Netz als Potential wahrhaftiger Kommunikation. Tja, all diese werden es sein, die das Netz wieder politischer und spannender machen, wetten?</p>
<p class="normal"><strong>&#8220;Angst und Verlangen des Netzwerks&#8221;</strong></p>
<p class="normal">Viele der aktuellen Debatten um das Netz lassen sich mit Hilfe der praxeologischen Werkzeuge Lovinks entmystifizieren und besser begreifen. Seien es die Kritik an Google, Phantasmen einer digitalen europäischen Renaissance oder der Wunsch nach einer &#8220;Kultur-Flatrate&#8221;. Sei es die Fassungslosigkeit angesichts gröberer &#8220;Infrastrukturprobleme&#8221; in Bangalore oder die Visionen eines virtuellen &#8220;creative archive&#8221;. Technik-pessimistische und technik-euphorische Erzählungen unserer Tage müssen so nicht mit dem Verweis auf vergangene Erfahrungen als belanglose mediale Kasperliaden abgetan werden. Durch Lovinks kritische Theorie &#8220;in Richtung einer politischen Ökonomie der Netzwerke&#8221; können sie als Modus und Ausdruck gesellschaftlicher Wandlungsprozesse wahrgenommen und gehandhabt werden.</p>
<p class="normal">
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		<title>Wir sind das Netz: Kommentar des Autors</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:42:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
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		<category><![CDATA[Kinderpornographie]]></category>
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					<description><![CDATA[<strong>Die auf politik-digital.de       erschienene <a href="bonin050913.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Besprechung</a> des Buches       &#8220;Die heimliche Medienrevolution. Wie Weblogs, Wikis und freie       Software die Welt verändern&#8220; von Sonja Bonin kommentiert       der Autor Erik Möller.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die auf politik-digital.de erschienene <a href="bonin050913.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Besprechung</a> des Buches “Die heimliche Medienrevolution. Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern“ von Sonja Bonin kommentiert der Autor Erik Möller.<!--break--> </strong><br />
Kritisch merkt Sonja Bonin an, dass im Buch die alten Medien<br />
&#8220;verteufelt&#8221; werden, und die &#8220;klassischen Medien mit nichts anderem als Zensur und Manipulation beschäftigt zu sein scheinen.&#8221;<br />
Zweifellos haben Medien in der Vergangenheit fantastische<br />
Aufklärungsarbeit geleistet. Nicht umsonst findet sich im ersten Kapitel eine Vorstellung der Undercover-Journalistin Nellie Bly, die Ende des 19. Jahrhunderts die furchtbaren Zustände in einem amerikanischen Irrenhaus aufdeckte. Auch die Arbeit Günter Wallraffs wird beispielhaft beschrieben, ebenso nehme ich Bezug auf frühe Untergrundmedien wie Samisdat und auf Pioniere der Medientheorie.<br />
Eine ausführliche Geschichte des investigativen Journalismus würde ich auch gerne einmal lesen &#8211; Buchtipps nehme ich dankbar entgegen. Doch diese vereinzelten Erfolge zu sehr in den Vordergrund zu stellen, wäre grob irreführend in einer Welt, in der Krieg, Hunger, Epidemien, Umweltzerstörung, Genozid, Totalitarismus, religiöser Fundamentalismus und die Bedrohung durch Megatonnen-Wasserstoffbomben und biologische Waffen nach wie vor existieren. Resignation oder gar Selbstzufriedenheit sind nicht angebracht. Der schöne Schein muss zerschlagen werden, die Arroganz und Naivität der eigenen gefühlten Sicherheit muss einem globalen Problembewusstsein weichen.<br />
Denn ohne Zweifel für jeden kritischen Medienbeobachter stellt die<br />
massive Machtkonzentration der Medien in den Händen weniger eine<br />
Bedrohung für die freie Meinungsbildung dar. Diese Feststellung, die im Buch auch empirisch untermauert wird, als &#8220;naiv&#8221; oder abgedroschen abzukanzeln, sehe ich als Beispiel für die tatsächlich naive Präferenz für eine Scheinwelt, in der offensichtliche Probleme mit kindlicher Insistenz geleugnet oder ausgeblendet werden.<br />
Deshalb habe ich im ersten Kapitel dann auch Themen genannt, die ganz konkret in den traditionellen Medien zu kurz kommen, vom internationalen Rüstungshandel über den Alltag in Entwicklungsländern zur politischen und wirtschaftlichen Einflussnahme der Ölindustrie, etwa bei der Unterstützung für Diktatoren und Todesschwadronen. Es fällt mir auf, dass diese Liste im ersten Kapitel bisher in keiner Rezension aufgegriffen worden ist.<br />
Das zeigt mir schon deutlich, dass es hier auch um Tabus geht. Ich bin mir sicher, dass der eine oder andere Leser eine solche Aufzählung im Wortsinne &#8220;peinlich&#8221; finden dürfte, sich also wirklich unangenehm berührt fühlt. Wer aber beim Lesen einer Liste verschwiegener Probleme Bauchschmerzen bekommt, sollte sich einmal fragen, woher dieses Gefühl stammt &#8211; und ob es nicht mitunter deckungsgleich mit den Interessen der Problemverursacher ist.<br />
Wer den tatsächlichen Einfluss und &#8220;Bias&#8221; der Medien auf solider<br />
empirischer Basis verstehen und ergründen möchte, dem empfehle ich als Einstiegslektüre &#8220;Manufacturing Consent&#8221; von Noam Chomsky. Kein anderes mir bekanntes Buch zeigt mit derartiger Akribie &#8211; detaillierte Tabellen vergleichen, mit wie vielen Zeitungszentimetern welches Thema behandelt wird &#8211; wie zumindest die amerikanischen Medien systematisch bestimmte Themen ignorieren. Und wer eine Prise medialer Realität in Deutschland möchte, der gebe doch einfach einmal bei news.google.de die Phrase &#8220;notwendige Reformen&#8221; ein: beeindruckend, wie viele Medien der Tages- und Wochenpresse sich diese ganz und gar nicht objektive Darstellung zu eigen machen. Auch ein bisschen googeln nach der &#8220;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&#8221; fördert Interessantes zu Tage.<br />
Sicherlich kann mein Buch hier nur Denkansätze liefern. Ich halte es<br />
aber umgekehrt für höchst naiv und gefährlich, sich nicht eingehend mit dieser Problematik zu befassen. Genau darin liegt die Hauptgefahr für die &#8220;Civil Society&#8221; &#8211; und nicht in den von der Rezensentin im nächsten Satz genannten Themen:<br />
&#8220;Probleme wie Pornographie und Waffenhandel im Internet werden nur am Rande gestreift.&#8221;<br />
Dann streife ich sie jetzt einmal etwas ausführlicher. Zunächst einmal<br />
ist Pornographie für Erwachsene legal. Man kann sie mögen oder nicht, aber unsere moderne Gesellschaft akzeptiert sie schon seit langem. Das gilt sogar in den prüden USA, wo die Zugangsbeschrän-kungen lockerer gehandhabt werden als in Deutschland.<br />
Was die Wirkung von Pornographie auf Kinder und Jugendliche angeht, so habe ich mich bereits in der Vergangenheit intensiv mit der Thematik befasst, unter anderem in Vorträgen vor der Humanistischen Union in Mainz und dem Kongress der European Federation of Sociology in Berlin. Dabei referierte ich auf der Basis einer von mir durchgeführten Analyse die Ergebnisse der Medienwirkungsforschung der vergangenen 30 Jahre. Die Zusammenfassungen können auf meiner Homepage nachgelesen werden (<a href="http://scireview.de/efs/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">scireview.de/efs/,</a> <a href="http://scireview.de/vortrag/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">scireview.de/vortrag/</a>).<br />
Um es kurz zu machen &#8211; die Beweislage, dass ein Kind oder ein<br />
Jugendlicher durch das Betrachten eines (gewaltfreien) Sexualakts<br />
irgendeinen Schaden nimmt, ist mit Verlaub gesagt äußerst dürftig.<br />
Insofern weigere ich mich, mir die Problematisierung der Pornographie als Ganzes zu eigen zu machen. Wenn die Autorin an Kinderpornographie dachte und &#8220;Pornographie&#8221; schrieb (ein häufiger Fehler), ist die Sachlage natürlich anders.<br />
Aber auch hier pflege ich eine differenzierte und kritische Ansicht, die<br />
sich z.B. in meinen Artikeln &#8220;Computer sind Waffen&#8221; und &#8220;Kinder sind<br />
Pornos&#8221; niederschlug, in denen ich über eine Tagung der damals noch &#8220;Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften&#8221; genannten Institution berichtete (<a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4147/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Link 1;</a> <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4158/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Link 2</a>).<br />
Zunächst einmal wird das Thema massiv seitens der Politik<br />
instrumentalisiert, um Zensur und Kontrollen, gerade im Internet,<br />
durchzusetzen. Da es sich um ein Tabuthema handelt, ist es ideal dazu geeignet. Und das Beste: Man kann danach sagen, die Bürger hätten es ja so gewollt &#8212; schließlich haben die Medien zuvor durch eine oftmals hysterische und sachlich falsche Berichterstattung für Stimmung gesorgt.<br />
Natürlich ist die sexuelle Misshandlung von Kindern ein grauenvolles<br />
Delikt. Das gleiche gilt übrigens für die nichtsexuelle Misshandlung von Kindern, die bis auf wenige Ausnahmefälle weit geringere Aufmerksamkeit erfährt. Weder kriminologische Untersuchungen noch therapeutische Erfahrungen bestätigen jedoch das Vorurteil, die Situation habe sich durch das Internet signifikant verschlimmert. Was sich zweifellos erhöht hat, ist die Verbreitung kinderpornographischer Inhalte. Das hängt aber auch nicht allein mit dem Internet zusammen, sondern insgesamt mit dem technologischen Fortschritt, etwa der Möglichkeit, Tausende von Bildern auf eine DVD zu brennen.<br />
Die These, die Verbreitung von Kinderpornographie führe zwangsläufig zu höheren Inzidenzraten sexueller Delikte, ist bislang ohne Beleg. Man könnte sogar umgekehrt spekulieren, dass die große Verfügbarkeit von kinderpornographischem Material im Gegenteil die Nachfrage nach neuem Material senkt, da die pädophilen Konsumenten nicht wie zuvor direkt mit Produzenten in Kontakt treten müssen, sondern sich z.B. in Peer-to-Peer-Netzen Fotos und Videos herunterladen. Eine Analogie zu anderen Inhalten wäre geschmacklos, aber nicht falsch. Die Probleme mit der &#8220;Anfix-Hypothese&#8221;, Konsumenten von Kinderpornographie steigerten<br />
sich zu immer härteren Materialien, habe ich im Übrigen in den o.g.<br />
Artikeln diskutiert.<br />
Schließlich bin ich der Meinung, dass man auch darüber reden können muss, was Kinderpornographie eigentlich ist: Nacktfotos von 13jährigen? Gewalttätige sexuelle Misshandlungen von kleinen Kindern? Virtuelle 3D-Bilder oder Photoshop-Ergebnisse, bei deren Produktion kein Kind zu Schaden kam? Leider werden diese völlig verschiedenen Arten kinderpornographischer Inhalte oft in der Presse gleichgestellt. Wenn man realisiert, dass Pädophile auch eigene Fantasien einfach als Geschichten niederschreiben, oder sich im Katalog Babyfotos ausschneiden können, wird klar, wie absurd diese Vermischung ist.<br />
Natürlich ist es abartig, wenn Erwachsene kleine Kinder sexuell begehren oder gar Gewaltfantasien hegen. Es muss aber doch immer an allererster Stelle die Frage stehen: Wie können Kinder am besten vor sexueller Misshandlung geschützt werden? Ich glaube nicht, dass Medien oder Politik ein ernsthaftes Interesse daran haben, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Aller Wahrscheinlichkeit nach besteht die Antwort nicht in einer verschärften Zensur des Internet.<br />
Wir müssen verstehen, warum Pädophile pädophil sind, und wie sie durch Therapie von der Misshandlung von Kindern abgehalten werden können. Dass die dafür notwendige Versachlichung des Themas nicht stattfindet ist wiederum primär das Verschulden der Medien. Statt dessen fördern sie eine &#8220;Schwanz-ab&#8221;-Mentalität, die dann wiederum von der Politik mit entsprechenden Gesetzentwürfen nach Schily-Manier beantwortet werden kann.<br />
So traurig das Thema ist, das nachfolgende Beispiel der Rezensentin<br />
entlockte mir dann doch ein leichtes Schmunzeln: &#8220;Waffenhandel im<br />
Internet&#8221;. (Witzig: die Rezension auf politik-digital.de ist derzeit in<br />
Google an erster Stelle für diese Suchabfrage.) Man sollte vielleicht<br />
doch einmal einen Blick auf die Liste der größten Rüstungsexporteure der Welt werfen und sich die Frage stellen, woher etwa Saddam Hussein seine chemischen Waffen bekam, für deren Gebrauch er jetzt vor Gericht steht.<br />
Rüstungskontrolle ist gerade in Deutschland zu allererst ein ganz und<br />
gar innenpolitisches Thema, das mit dem Internet nun wirklich nicht viel zu tun hat. Das ist offensichtliche Stimmungsmache, und diese zu<br />
übernehmen, ohne das um Größenordnungen bedeutsamere Thema<br />
Rüstungsexport (und Umgehung von Exportkontrollen) auch nur<br />
anzuschneiden (schon ein Hinweis etwa auf die immer noch ausstehende Ächtung von Landminen durch die USA oder den florierenden globalen Kleinwaffenhandel hätte ja genügt), ist genau das, was mir die Rezensentin unterstellt: &#8220;naiv und unkritisch&#8221;. Wer wissen will, wie schamlos auf dem internationalen Parkett mit Waffen und Söldnern Handel betrieben wird, dem empfehle ich die Lektüre z.B. von &#8220;Private Warriors&#8221; von Ken Silverstein.<br />
Ich lasse mir viele Vorwürfe machen &#8212; etwa Tabulosigkeit, Zynismus,<br />
Pathos und den übermäßigen Gebrauch von Passiven. Naiv und unkritisch zu sein gehört nicht dazu. Auch nicht bei den Entwicklungen, die ich bespreche. Ich habe im Buch beispielsweise sehr deutlich gemacht, dass ich mir unter einer Medienrevolution mehr vorstelle als<br />
Pubertäts-Tagebücher oder einfallsloses Wiederkäuen von Nachrichten bestehender Medien. Und es dürfte wohl keinen anderen ausführlichen Artikel über GNU/Linux im Netz geben, der als Beispiel für die mitunter zu findende idiotische Verblendung innerhalb der Open-Source-Bewegung ein Foto einer öffentlichen Verbrennung von Microsoft-Handbüchern zeigt und auch einzelne Fanatiker beim Namen <a href="http://www.humanist.de/erik/rza/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nennt</a>.<br />
Ganz wie beim oben angesprochenen Thema investigativer Journalismus wäre es aber grob irreführend, etwa den gerichtlich nachgewiesenen massiven und wiederholten Monopolmissbrauch durch Microsoft und die von wahnwitzigen Patenten auf einfachste Mechanismen ausgehende Bedrohung für Entwickler freier Software nicht in aller Klarheit und Deutlichkeit zu dokumentieren. Es geht dabei niemals um blinde Verteufelung, sondern wieder um die Zerstörung von schönen heilen Scheinwelten.<br />
Auch an Wikipedia habe ich schon viel harte Kritik geübt, meist jedoch<br />
in Form konstruktiver Lösungsvorschläge, da das Projekt dafür in der<br />
Regel offen ist. Trotzdem ist es z.B. bemerkenswert, dass es auch nach fast 5 Jahren immer noch nicht den schon sehr früh beschworenen Peer-Review-Mechanismus für Artikel gibt. Die Qualität der Artikel hat eine enorm große Schwankungsbreite, und manchmal ist der Einfluss von Lobbygruppen deutlich spürbar. Wikipedia ist in dieser Hinsicht jedoch sehr selbstkritisch. So findet sich etwa in der englischen Ausgabe ein harter Text mit dem Titel &#8220;Criticism of Wikipedia&#8221;, der auch Außenseiterpositionen ausführlich <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Criticism_of_Wikipedia" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wiedergibt</a>.<br />
Schließlich begleite ich auch das von mir initiierte Projekt Wikinews<br />
analytisch und habe versucht, Stärken und Schwachstellen auszuloten. Um es ganz klar zu sagen: Ich bin weder mit der Technik noch mit den Inhalten von Wikinews zufrieden &#8212; wir müssen hier noch deutlich besser werden, um eine Alternative darzustellen. Ob das mit diesem Modell überhaupt möglich ist, wage ich noch nicht zu prognostizieren. Ich finde aber Wikinews persönlich spannender als viele andere Bürgerjournalismus-Projekte, die auf sachliche Richtigkeit, Objektivität und Stil oft wenig Wert legen.<br />
Und zur nahe liegenden Frage, warum ich als Autor nicht selbst die<br />
&#8220;Geschenke-Ökonomie&#8221; für die Veröffentlichung meines Buches nutze: ganz einfach &#8211; weil sie noch nicht existiert. Gerade in Deutschland mangelt es an der Verbreitung der dazu erforderlichen elektronischen<br />
Zahlungssysteme, wie aber auch an Plattformen, die zur Verbreitung und Bewertung von freien Inhalten genutzt werden könnten. Dieser Wandel vollzieht sich nur sehr langsam, und je aufwändiger ein Werk ist, desto schwieriger ist es, von klassischen Verwertungsmodellen Abstand zu nehmen. Die Entscheidung für eine freie Lizenz etwa ist nicht allein mir überlassen &#8211; der Verlag möchte da ein Wörtchen mitreden. Wir verhandeln hier schon seit einiger Zeit über eine beiderseitig akzeptable Lösung und werden hoffentlich bald zu einer Übereinkunft kommen.<br />
Vor fünf jahren ging ich davon aus, dass die neue Ökonomie der<br />
Freiwilligkeit und Gegenseitigkeit schon viel früher entstehen wird.<br />
Während es vor allem in den USA einige beeindruckende Erfolgsgeschichten gibt (vielleicht Material für ein neues Buch oder zumindest eine tiefgreifendere Analyse), kann von einer eigenständigen Ökonomie noch kaum eine Rede sein. Ob diese möglich ist, wird sich zeigen. Ich bin davon überzeugt, bin aber auch bereit, meine Ansichten zu revidieren. Auch alternative Vorschläge existieren, bei denen kein Teenager wegen &#8220;Raubkopien&#8221; ins Gefängnis wandern muss &#8212; etwa die &#8220;Kultur-Flatrate&#8221;, eine monatliche Abgabe, die zur freien Nutzung von Inhalten aller Art ermächtigen würde und deren Gesamtsumme entsprechend eines intelligenten<br />
Schlüssels verteilt würde.<br />
So schwierig es manchmal ist, einen gewissen Optimismus gönne ich mir dennoch. Das mag man für naiv halten &#8212; oder aber auch staunend feststellen, wie unterschiedlich die Welt 2005 doch schon von der Welt 1985 ist, und dass uns möglicherweise noch weitaus tiefgreifendere Umwälzungen in den nächsten 20 Jahren bevorstehen. Wikipedia ist das beste Beispiel dafür, wie fundamental Neues praktisch aus dem Nichts entstehen kann. Im letzten Kapitel habe ich deutlich gemacht, dass es kaum möglich ist, realistische Prognosen über positive oder negative Technikfolgen abzugeben.<br />
Optimismus ist deshalb natürlich nicht unbedenklich. Solange man ihn als Chance auf positive Veränderung begreift und nicht als ihre<br />
Unvermeidlichkeit (und damit als Rechtfertigung für die eigene<br />
Untätigkeit), halte ich ihn dennoch für eine sehr gesunde und<br />
motivierende Geisteshaltung.<br />
Mit dieser Replik möchte ich im Übrigen keineswegs den insgesamt<br />
positiven Ton der Buchbesprechung ins Gegenteil interpretieren. Vielmehr ist es mir wichtig, deutlich zu machen, dass ich mir der verschiedenen Problem- und Spannungsfelder durchaus bewusst bin und ich auch keineswegs schon jubelnd dabei bin, die Revolutionsfahne zu hissen. Den kritischen Blick zu schärfen, sowohl für die &#8220;neue Welt&#8221; als auch für die alte, das ist eines der Anliegen meines Buches.</p>
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		<title>Die B-Seite der Informationsgesellschaft</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wissensgesellschaft-ahaeming_kanalb_060810-shtml-2533/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[ahaeming]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Projekt_tag]]></category>
		<category><![CDATA[Filesharing]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenöffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[KanalB]]></category>
		<category><![CDATA[Videogruppe]]></category>
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		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[
                              (Artikel, 10.08.2006) Das Projekt KanalB aus Berlin-Kreuzberg versorgt die Öffentlichkeit seit sechs Jahren mit alternativen Informationen. Das Prinzip: Filesharing.
                            ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                              (Artikel, 10.08.2006) Das Projekt <a href="http://www.kanalb.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">KanalB</a> aus Berlin-Kreuzberg versorgt die Öffentlichkeit seit sechs Jahren mit alternativen Informationen. Das Prinzip: Filesharing.
                            </p>
<p><!--break--></p>
<p>„Ich kann nicht mehr fernsehen“, Bärbel Schönafinger sagt’s mit einem gewissen Ekel und streicht sich eine der glatten haselnussbraunen Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Es deprimiert mich.“ Sie ist eine der Macherinnen von KanalB, einer eher linken als rechten Gruppe, die politisch-aktivistische Dokumentationsfilme produziert und kostenlos vertreibt. Alternative Informationen, das ist das Schlagwort ihrer Mission.</p>
<p>KanalB ist, was früher einmal als Video-Tauschring in Mode war. Heute ist KanalB mit seinem kleinen Glaskasten-Büro in einem Kreuzberger Hinterhaus am ehesten das, was gerne mit dem Label „kleines gallisches Dorf“ versehen wird: ein bisschen renitent, etwas rebellisch, auch eine Spur verblendet – aber immer mit Haltung. „Festung Europa“ heißt einer der letzten Filme, „War against Coca-Cola“ oder „Hartz IV-Attacke“ andere. Sozialkritische Beiträge, produziert vom eigenen Team oder allen, die was zu sagen haben wollen.</p>
<p>Das Prinzip: Abonnements. Vertrieben werden die Filme auch heute noch über VHS-Kassetten, DVDs gehen aber besser, beides stapelt sich in den Regalen hinter Bärbel Schönafinger im Büro mit den vielen Computerbildschirmen und der Tageslichtlampe. Die Abos gehen über linke Buchhandlungen und Programmkinos, auch ein paar Videotheken sind im Verteiler. Das meiste läuft inzwischen aber übers Internet, „seit wir einen Zähler installiert haben, wissen wir, dass gerade in letzter Zeit wahnsinnig viel runtergeladen wird. Der Hartz IV-Film mehr als 6.400 mal“ Die fünfköpfige Redaktion von KanalB entscheidet, ob die eingesandten Filme ihren Ansprüchen genügen. Hauptsache, sie bieten alternative Informationen, Wissen also, das in den „Mainstream“-Medien TV, Tageszeitung, Radio nicht zu haben ist. KanalB steht für die B-Seite von Langspielplatten, für die Alternative zum Mainstream.</p>
<p>Bärbel Schönafinger kam 2000 die Idee zu KanalB, damals, als sie die Nase voll hatte von ihrer Arbeit beim Fernsehen. Sie war nach ihrem Philosophiestudium bei der Postproduktion von Actionfilmen und Arztserien gelandet. Sie musste sich etwa darum kümmern, dass der Doktor im richtigen Moment „Wir konnten nichts mehr tun“ sagt, Tonschnitt nennt man das. Schönafingers Reaktion auf die heile Welt der Weißkittel: „Nach drei Jahren hatte ich den Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun.“</p>
<p>Jetzt sitzt sie versteckt im 4. Stock hinter unbeschrifteter Tür und erzählt, wie aus der sinnvollen Idee ein Projekt mit rund fünf Mitkämpfern geworden ist. Die grellen Tageslichtlampen ringsum sollen die Defizite ausgleichen, die die Bildschirmarbeit im dunklen Kabuff mit sich bringt. Sie bringen den Raum zum Leuchten. Der achtfache DVD-Brenner ist relativ neu, seither geht’s schneller, bis die 300-er-Auflage bereit zum Verschicken ist. Es klingelt, einer der KanalB-Fans fragt nach den aktuellsten Ausgaben. Bärbel Schönafinger gibt ihm noch eine andere DVD obendrauf, ein schnelles Fachgeplänkel, er ist Stammkunde. Er will die Beiträge rezensieren. Wer seine Zielgruppe ist, bleibt ein Rätsel. Bärbel Schönafinger setzt sich wieder zu ihrer Teetasse, „Wo waren wir?“</p>
<p>Sie hält ausnahmsweise alleine die Stellung. Die anderen Gruppenmitglieder haben sie nach langem Ringen vorgeschickt, eigentlich wird immer alles gemeinsam nach außen kommuniziert. Alle sprechen für alle. Es ist ein Prinzip, das als basisdemokratischer Plenums-Quatsch verlacht werden könnte. In Wirklichkeit ist es nur konsequent, gemessen am eigenen Anspruch des Projekts. Man will Entscheidungsprozesse transparent machen – die eigenen genauso wie die der globalen Entscheidungsträger. KanalB ist groß geworden im Umfeld der Globalisierungskritiker, damals nach der Demo in Seattle. Der Initiationsritus war die Tagung des Internationalen Währungsfonds in Prag, September 2000. Mit Kamera, Mikro und einer Mission waren sie vor Ort. Aus den sporadischen selbst gemachten Filmen sind regelmäßige Produktionen geworden, von 100 veröffentlichten Beiträgen sind heute etwa 60 selbst produziert, 30 von außen eingereicht.</p>
<p>Bärbel Schönafinger verwehrt sich gegen scheinbar offensichtliche Vergleiche. Offener Kanal? Auf keinen Fall. „Wir sind eine Plattform für alle, die etwas veröffentlichen wollen. Aber wir wählen aus, was wir gut und politisch relevant finden.“ Sie überlegt kurz, dann, pfeilschnell: „Die Kriterien: emanzipatorisch, kapitalismuskritisch, anti-autoritär, anti-rassistisch.“ In Zeiten von Citizen Journalism könnte KanalB doch auch unter die Web 2.0-Angebote gerechnet werden, eine Videopodcast-Plattform, oder? Kopfschütteln. „Die Leute kommen nicht auf unsere Website weil Bloggen jetzt in ist, es gibt einfach einen Bedarf an alternativer Information.“ Auch wenn Schönafinger und KanalB mit Web 2.0-Formaten nichts zu tun haben wollen: Viele Blogger oder Podcaster würden im Gegenzug sofort unterschreiben, dass es ihnen darum geht, alternative Informationen zu verbreiten. Die Informationshoheit der Tagesschau gilt in diesen Kreisen längst als obsolet.</p>
<p>Der feste Mitarbeiterstamm von KanalB hat Teilzeitjobs, KanalB ist die Mission, die die fünf in ihrer Freizeit betreiben. Den Großteil ihrer Zeit verbringen sie damit, sich eine Öffentlichkeit zu schaffen, sagt Bärbel Schönafinger und nippt an ihrem Kräutertee. Klar, sie sind Mitglied bei Creative Commons, einen Bannertausch mit der Zeitung „Junge Welt“ gab es auch schon. Das einzige, was sich als Problem entpuppen könnte, ist die pauschale Skepsis gegenüber Medien. Wo findet man eine Öffentlichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen, wenn potenziell alle zum informationskorrupten System gehören? Die Finanzierung des nächsten Filmprojekts steht noch aus, der Kampf mit den Förderanträgen beginnt jedes Mal von vorn. Beim Kampf für das Gute war ein Hang zur Schizophrenie von jeher ein Topos. Die politischen und historischen Hintergründe der alltäglichen News-Schnipsel haben ein Publikum, Bärbel Schönafinger ist sich da sicher. Dass sie weitermachen werden, ist fraglos. Ein wenig uneinsichtig aber unbeirrt. Wie sich das für ein gallisches Dorf so gehört.</p>
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		<title>Die Welle des Voyeurismus im Netz</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/spendenflut-im-internet/netzkulturtsunamiwelle_dowe-shtml-2565/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Jan 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Spendenflut im Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Katastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami]]></category>
		<category><![CDATA[Amateurvideo]]></category>
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		<category><![CDATA[Flutkatastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenöffentlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[
                              In der Berichterstattung über die Naturkatastrophe in Südasien eifert das Internet den klassischen Medien nach, statt nach eigenen Wegen in der Berichterstattung zu suchen. Videoclips im Internet befriedigen den Katastrophen-Voyeurismus des Betrachters, sind aber nur eine Verlängerung der TV-Berichterstattung. Andere Katastrophengebiete geraten aus dem Blickfeld, und dafür ist auch das Internet verantwortlich.
                            ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                              <strong>In der Berichterstattung über die Naturkatastrophe in Südasien eifert das Internet den klassischen Medien nach, statt nach eigenen Wegen in der Berichterstattung zu suchen. Videoclips im Internet befriedigen den Katastrophen-Voyeurismus des Betrachters, sind aber nur eine Verlängerung der TV-Berichterstattung. Andere Katastrophengebiete geraten aus dem Blickfeld, und dafür ist auch das Internet verantwortlich.</strong>
                            </p>
<p><!--break--></p>
<p>Die Tsunami-Katastrophe in Südasien kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Internet weitgehend ähnlich fahrlässig mit der Katastrophe umgeht, wie die klassischen Medien. Innerhalb von Tagen sind andere Krisenregionen komplett von der medialen Bühne verdrängt worden. Zur Erinnerung: Rund 24.000 Menschen verhungern täglich auf der Erde, allein 6.000 sterben täglich weil sie keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Doch die Bilder von verhungernden Menschen besitzen nicht im entferntesten den spektakulären Nachrichtenwert wie Amateurvideos von der Riesenflutwelle. Auch das Internet fällt auf diese Mechanismen der Mediengesellschaft gnadenlos herein, etwa, wenn erste Websites kommentarfrei und massenhaft Amateurvideos zum Download<br />
                            <a href="http://source.candc.mirror.unitedemailsystems.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">anbieten</a> oder wenn Weblogs mit packenden Augenzeugen-Berichten aufgelistet<br />
                            <a href="http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3939310_TYP6_THE3919208_NAV_REF1_BAB,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">werden</a>.</p>
<p>Eine Aufrechnung von Todeszahlen mit anderen Katastrophen mutet schnell makaber an. Dennoch ist zu fragen, warum sich heute kaum noch jemand an den Hurricane Mitch 1998 (10.000 Tote), die Schlammlawine in Venezuela 1999 (30.000 Tote), das Erdbeben in Bam 2003 (40.000 Tote) oder andere<br />
                            <a href="http://www.neweconomics.org/gen/uploads/igeebque0l3nvy455whn42vs19102004202736.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Katastrophen</a> erinnert. Immerhin: Das Internet macht die Erinnerung leichter – wenn man danach sucht.</p>
<p>Die aktuelle Naturkatastrophe unterscheidet sich vor allem durch zwei Dinge von anderen Katastrophen, die das Geschehnis erst zum „Event“ für die Medien werden lassen: Zum einen sind in den betroffenen Gebieten überdurchschnittlich viele Ausländer betroffen, so dass diese Katastrophe auch für viele Menschen in der westlichen Hemisphäre näher als sonst erscheint. Zum anderen sind massenhaft Bilder von der Katastrophe vorhanden, weil Amateurfilmer ihre hochgerüsteten Digi-Cams oder Handys gnadenlos auf das Meer richteten, während ihre Angehörigen bereits um ihr Leben liefen. Und diese Bilder verbreiten sich dank des Internet rasant über den Globus und finden schnell ihren Weg in die Sender. Die Katastrophe fast als Live-Event. Erst durch die Sendung dieser unterschiedlichen Bild-Bits wird die Betroffenheit erzeugt, die jetzt zum beispiellosen Spendenaufkommen führt. Allein deshalb focussiert sich die Berichterstattung derzeit immer noch stark auf Thailand – dort waren die meisten Ausländer, dort wurde die Katastrophe am besten dokumentiert.<br />
                            </p>
<p>Auch die unzähligen Weblogs, in denen Augenzeugen ihre Berichte veröffentlichen, sind ähnlich unreflektiert, wenn nicht im größeren Zusammenhang gesehen. Das voyeuristische Auge des Mediennutzers erfreut sich an den Geschichten der nochmal Davongekommenen, erzeugt Betroffenheit und eine bislang nicht dagewesene potenzielle Nähe mit Opfern über Kommentarfunktionen und e-Mail-Austausch. Doch die Menschen in anderen Hungerzonen verfügen nicht über die Technik, noch über die Kraft, ihre Geschichten personalisiert im Weblog erfahrbar zu machen. Und: der Sekundenschrecken einer Riesenwelle ist leichter darzustellen, als das stille und lange Leiden eines Hungernden. Einziges Argument für Weblogs: In einigen Ländern korrigieren die Weblogger die beschönigenden Regierungsdarstellungen vor Ort und schaffen damit dann eben vielleicht doch so etwas wie eine<br />
                            <a href="http://www.faz.net/s/RubF7538E273FAA4006925CC36BB8AFE338/Doc%7EE0CDB8852EF2644B2A42C8EB1576446FA%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gegenöffentlichkeit</a>.</p>
<p>Die Presse sieht nun bereits das Jahr der Vlogger (Video-Blogger)<br />
                            <a href="http://online.wsj.com/public/article/0,,SB110470611254614746,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">heraufziehen</a>, da tausende von Videos im Netz kursieren. (<br />
                            <a href="http://www.thelastminute.typepad.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.thelastminute.typepad.com</a>;<br />
                            <a href="http://www.boingboing.net" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.boingboing.net</a>;<br />
                            <a href="http://www.waveofdestruction.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.waveofdestruction.org</a>). Der Weg der Videos in die Redaktionsstuben wird wie eine Heldentat gefeiert, (jlgolson.blogspot.com), gelobt wird zudem, dass die Internet-Bilder ungeschnitten im Netz einsehbar sind. Stolz wird von 640.000 Downloads eines bestimmten Videos auf der Seite<br />
                            <a href="http://www.jlgolson.blogspot.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">jlgolson.blogspot.com</a> berichtet. Warum ein Dreiminutenvideo der Katastrope medientheoretisch interessanter sein soll, als ein fünf Sekunden langer Ausschnitt, bleibt im Dunkeln. Die Netz-Öffentlichkeit will die klassischen Medien wie in einem Wettbewerb schlagen, ohne einen eigenen Zugang, eine eigene Form der Aufbereitung zu suchen.</p>
<p> Gleichzeitig erscheint es fast unmöglich, diesen neuen Zugang zu finden.Die Medien, auch Online-Medien wie politik-digital.de, können sich derzeit dem Sog der Bilder und Augenzeugen-Berichte kaum entziehen. Und die Sender und Websites werden weiter Bilder und Texte veröffentlichen, solange exklusives Material auf den Markt geworfen wird. Es gibt auch den richtigen Text zur falschen Zeit – derzeit würde man mit einem Dossier über die Sahel-Zone kaum auf Aufmerksamkeit stoßen. Und von Aufmerksamkeit lebt die Medienökonomie. „Only bad news are good news“ – so funktioniert eben der Medienreflex.</p>
<p>Was bleibt, ist die Erwartung, dass nach der ersten Schockwelle nun doch ein genaueres Auge auf andere Regionen geworfen wird, die vergessenere und weniger sichtbare Katastrophen erleben. Wenn etwa Deutschland sich mit seinem Vorschlag eines Schuldenmoratoriums für diese Länder durchsetzt, stehen die Chancen nicht schlecht, dass weitere Länder das gleiche für sich fordern &#8211; und Argumente auf ihrer Seite haben werden, denen sich die Gläubigerländer dann nicht mehr entziehen können. Auch die Hilfsorganisationen haben derzeit die Möglichkeit, ihre Notwendigkeit und die Kraft der Zivilgesellschaft vor Augen zu führen. Das mag motivieren, sich zu engagieren und für andere Schicksale zu interessieren.</p>
<p>Das Internet muss auch bei der Berichterstattung über Naturkatastrophen die Rolle einer Gegenöffentlichkeit gezielt anstreben – und einen Kontrapunkt zu Spendengalas auf SAT1 und CNN-Live-Berichterstattung im Stil der MTV-Rotation setzen wollen. Das mag weniger quotenträchtig sein; aber es verhindert, dass sich immer größere Teile des Internet schlicht in den Dienst einer bestehenden Medienökonomie stellen und dieser unkritisch nacheifern.</p>
<p>
                              <strong>Christoph Dowe ist Geschäftsführer von pol-di.net e.V. / politik-digital.de</strong>
                            </p>
<p class="normal">
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			</item>
		<item>
		<title>Es sind noch lange nicht alle beteiligt! Gegenveranstaltungen zum UNO-Gipfel</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/themen/un-gipfel-zur-informationsgesellschaft/wissensgesellschaftdoss2ungi-shtml-2638/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mlechner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Nov 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA["UN-Gipfel zur Informationsgesellschaft"]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtstaatliche Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgipfel zur Informationsgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenöffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenveranstaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierungskritiker]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinte Nationen]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Genf]]></category>
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					<description><![CDATA[Die dritte Vorbereitungskonferenz zum UNO Weltgipfel zur Informationsgesellschaft, im Dezember 2003 in Genf, ist angelaufen. Unabhängige Aktivisten trafen sich zuvor in 
                    Amsterdam um Möglichkeiten der Einflussnahme auf den Gipfelprozess zu konkretisieren.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die dritte Vorbereitungskonferenz zum UNO Weltgipfel zur Informationsgesellschaft, im Dezember 2003 in Genf, ist angelaufen. Unabhängige Aktivisten trafen sich zuvor in<br />
                    <a href="http://www.next5minutes.org/n5m/index.jsp" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Amsterdam</a> um Möglichkeiten der Einflussnahme auf den Gipfelprozess zu konkretisieren.<!--break--><br />
                    </p>
<p>Rund um den UNO-Gipfel (WSIS10.-12.Dezember) werden mehrere Gegen- und Nebenveranstaltungen stattfinden: gipfelthemen.de zeigt welche Veranstaltungen es gibt, welche Ziele verfolgt werden und welche Organisationen Aktivitäten vorbereiten.</p>
<p>
                    <strong>Die NGO</strong><br />
                    <br />Die Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO), haben sich im Internet im weltweiten Kommunikations-Forum<br />
                    <a href="http://www.crisinfo.org/live/index.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CRIS</a> eine Plattform geschaffen. Auf diesem Portal wird über die Nebenaktivitäten der NGO als Vertreter der Zivilgesellschaft zum Gipfel berichtet. Vor Ort in Genf ist ein “World Forum on Communication Rights”<br />
                    <a href="http://www.communicationrights.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">[WFCR]</a> geplant. Dort können am 11. Dezember auf dem offiziellen Gipfelgelände Themen erörtert werden, die beim WSIS selbst nicht auf der Agenda stehen &#8211; alle offiziellen und nicht offiziellen WSIS- Teilnehmer sind geladen. Ein Thema ist zum Beispiel die Debatte um Kommunikation als Menschenrecht. Das WFCR ist laut CRIS mehr Neben- als Gegengipfel und soll Schnittstelle zwischen den Gegenveranstaltungen und dem Gipfel sein.</p>
<p>
                    <strong>Andere Aktionsgruppen und Medienprojekte</strong><br />
                    <br />Viele Beobachter, der Vorbereitungsprozesse, darunter auch CRIS, sind der Meinung, dass die Themen des WSIS nicht den wirklichen Umständen unserer Informationsgesellschaft entsprechen. Ein internationales Netz von Aktivisten sieht hier die Chance anzusetzen und dem offiziellen Gipfel ein umfangreiches Programm rund um ihre Auslegung der Informationsgesellschaft entgegenzusetzen. Das gemeinsame Handeln der Aktivisten wird größtenteils über das<br />
                    <a href="http://geneva03.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Geneva03</a>– Projekt realisiert &#8211; ein offener Verbund von unabhängigen Medienmachern bis hin zu den Bewegungen für freie Software. Ziel ist es Strukturen aufzubauen, die es den beteiligten Aktionsgruppen ermöglichen konstruktive<br />
                    <a href="http://www.metamute.com/look/article.tpl?IdLanguage=1&amp;IdPublication=1&amp;NrIssue=26&amp;NrSection=10&amp;NrArticle=873&amp;ST_max=0&amp;search=search&amp;SearchKeywords=toner&amp;SearchLevel=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kritik am WSIS</a> durch z.B. einen eigenen Kongress anzubringen. Ein Kritikpunkt ist der Verdacht, dass sich hinter den Themen des WSIS Interessen der nördlichen Staaten verbergen, mit erweiterten Eigentumsrechten und Informationskontrolle ihre Vorteile in der Welt auszubauen. Beobachtet und Hinterfragt wird ebenso die Rolle der NGO beim WSIS.</p>
<p>Das Zentrum der Gegenveranstaltungen und des UNO-Gipfels ist Genf. Ziel ist es vor Ort aktiv zu sein und gleichzeitig Menschen aus aller Welt per Internet zu beteiligen. Hierzu werden Globalisierungskritiker und die unabhängige Medienbewegung zusammenarbeiten. Die laut Geneva03 geplanten Aktionen:</p>
<p>· Im Vorfeld des WSIS findet ein so genannter „MakeWorld“ &#8211; Kongress (06.-07.12.2003) statt. Diskussionen und Präsentationen über Inhalte wie Informationskrieg, Informations- und Bewegungsfreiheit werden veranstaltet. Kurz: Themen die beim WSIS nicht auf der Agenda stehen.</p>
<p>· Das „Polymedia Lab“ wird im Anschluss daran den WSIS über mehrere Tage begleiten.<br />
                    <br />Unter diesem Begriff werden Arbeitsgruppen weltweit interaktiv zusammentreten. Mögliche Arbeitsgruppen sind unter anderem: die Verbreitung unabhängiger Medien, P2P-Entwicklung, freie Kommunikationsnetzwerke und Alternativen zu umstrittenen Urheberrechten.<br />
                    <br />Ein weiterer Bestandteil des „Polymedia Lab“ ist die Verbreitung von aktionsbezogenen Nachrichten mittels konventioneller Medien wie Radio und Fernsehen und moderneren wie dem Internet. Dadurch wird sich ein Austausch an Erfahrungen, Wissen und Qualifikationen unter den Interessierten erhofft.</p>
<p>· Sehr interessant ist das dreitägige Livestreamprojekt „Revolver“. Das Datum der Veranstaltung steht jedoch noch nicht fest. Erstmals sollen weltweit erstellte Beiträge sozialer Bewegungen in einer Datenbank gespeichert werden. Während des Gipfels werden diese dann, geordnet nach Regionen, über das Internet ausgestrahlt. Somit wird die Verbindung zwischen lokalen und globalen Aktionen verstärkt. Die beteiligten<br />
                    <a href="http://indymedia.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Indymedia- Projekte</a> besitzen auf diesem Gebiet schon einige Erfahrung; so verwirklichten Sie zum letzten G8 Gipfel (Evian, Juni 2003) ein unabhängiges Medienzentrum mit verschiedensten Nachrichtenströmen per Internet.</p>
<p>
                    <strong>Aussichten</strong><br />
                    <br />Die Zivilgesellschaft wird zum ersten Mal an einem Gipfel dieser Art teilnehmen und diese Chance zu nutzen wissen. Sollten die Veranstalter jedoch, wie jüngst in Cancún zum WTO- Treffen geschehen, einen Ausschluss der NGO von den Verhandlungen erwirken wird die Gegenbewegung an Zulauf gewinnen. Die alternativen Angebote sind eine Bereicherung für den Gipfel. Umfangreiche Berichterstattung und das einfache Erklären von Sachverhalten verknüpft mit praktischen Beispielen könnte mehr Menschen erreichen als Debatten auf Verhandlungsebene. Ein nächstes Vorbereitungs-treffen zu den Gegenveranstaltungen findet zum Europäischen Sozialforum (12.-16.11.2003) in Paris statt.</p>
</p>
<table cellpadding="2" width="170" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Zuerst erschienen bei<br />
                            <a href="http://www.gipfelthemen.de">gipfelthemen.de</a> am 17.09.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></p>
<table cellspacing="0" cellpadding="2" width="390" border="0">
<tbody>
<tr>
<td align="middle">
                            <em><br />
                              <a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:">Kommentieren Sie diesen Artikel!</a><br />
                            </em></p>
<p>                            <em><br />
                              <a href="/salon/diskussion/">Diskutieren Sie mit anderen in unserem Forum!</a><br />
                            </em><br />
                            
                          </td>
</tr>
</tbody>
</table>
<hr class="tidy-3" width="390" noshade="noshade" size="1" />
                    </p>
<p>
                      <strong>Weiterführende Artikel:</strong></p>
<p>                      <strong>Dossier &#8220;UN-Gipfel zur Informationsgesellschaft&#8221;:</strong>
                    </p>
<ul>
<li>
                        <a href="doss1ungi.shtml">Der Marathon und seine Hürden</a>
                      </li>
<li>
                        <a href="/edemocracy/wissensgesellschaft/gipfel.shtml">UNO-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft</a>
                      </li>
<li>
                        <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/superstar.shtml">UNO sucht den Superstar</a>
                      </li>
</ul>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
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