<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Generationengerechtigkeit &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/generationengerechtigkeit/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Mon, 12 Sep 2005 23:00:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>Generationengerechtigkeit &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Was sind die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/was_sind_die_prinzipien_der_sozialen_marktwirtschaft-169/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/was_sind_die_prinzipien_der_sozialen_marktwirtschaft-169/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Sep 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Junge Union]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Mißfelder]]></category>
		<category><![CDATA[Björn Böhning]]></category>
		<category><![CDATA[Generationengerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Jusos]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/was_sind_die_prinzipien_der_sozialen_marktwirtschaft-169/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Björn Böhning, Vorsitzender 
der Jusos, und Philipp Mißfelder, Vorsitzender der Jungen 
Union, waren am 13. September zu Gast im Live-Duellchat der Bundeszentrale 
für politische Bildung. Es entzündete sich eine kontroverse 
Debatte über die Zukunft der Sozialsysteme, das Thema Generationengerechtigkeit 
und die Bildungspolitik.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Björn Böhning, Vorsitzender<br />
der Jusos, und Philipp Mißfelder, Vorsitzender der Jungen<br />
Union, waren am 13. September zu Gast im Live-Duellchat der Bundeszentrale<br />
für politische Bildung. Es entzündete sich eine kontroverse<br />
Debatte über die Zukunft der Sozialsysteme, das Thema Generationengerechtigkeit<br />
und die Bildungspolitik.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
herzlich Willkommen im zweiten Live-Duellchat der Bundeszentrale<br />
für politische Bildung. Gestern waren Nike Wessel, Grüne<br />
Jugend, und Johannes Vogel, Junge Liberale, zu Gast. Heute chatten<br />
wir mit den Vorsitzenden von Junger Union und den Jusos, Philipp<br />
Mißfelder und Björn Böhning. Im oberen Feld werden<br />
die beiden Politiker befragt, in dem unteren Feld werden die Fragen<br />
und Kommentare der Chatterinnen und Chatter abgebildet. Wir freuen<br />
uns auf Ihre Kommentare und Fragen, die Sie gerne an die beiden<br />
Duellanten richten können. Herzlich Willkommen Herr Mißfelder<br />
(in Recklinghausen) und Herr Böhning (in Berlin)! Können<br />
wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ja, gerne.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder</b>: Ja.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Mißfelder, Herr Böhning, eine Frage<br />
vorab: Haben Sie sich schon einmal durch den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale<br />
für politisch Bildung geklickt (www.wahl-o-mat.de), mit dem<br />
man anhand von einigen Fragen seine Parteipräferenz überprüfen<br />
kann? Und damit verknüpft die Frage: Was kam denn raus, bei<br />
Ihnen? Die Mutterpartei?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Nein, werde ich aber<br />
im Anschluss an Chat machen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Nein, habe ich auch noch<br />
nicht gemacht, aber ich werde es nachholen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das könnte ja überraschende Antworten generieren:<br />
Jugendorganisationen von Parteien sind ja im besten Falle so etwas<br />
wie die Brutstätte für Reformen der Mutterpartei. Dabei<br />
weichen gerade Jugendorganisationen eben auch immer wieder von der<br />
Parteilinie ab. Herr Böhning, Herr Mißfelder, wie zukunftsfähig<br />
sind ihre eigenen Parteien? Herr Böhning, machen Sie den Anfang?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Na, in der Tat haben<br />
wir eine ganze Menge Kritik auch an der Bundesregierung geübt.<br />
Wir sehen aber, dass unsere Kritik Folgen gehabt hat und im Wahlmanifest<br />
der SPD jetzt die wichtigsten Zukunftsthemen angesprochen sind.<br />
Das ist erstens die Bildungspolitik, die wir stärker fördern<br />
wollen, auch finanziell, und das ist zweitens die Vereinbarkeit<br />
von Familie und Beruf, die wir durch das Elterngeld sicher stellen<br />
wollen. Das ist zukunftsfähige Politik.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Mißfelder?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Kritik gehört dazu.<br />
Wir haben die Pflicht als Jugendorganisation die Interessen der<br />
jungen Generation zu vertreten. Das weicht sehr häufig von<br />
den offiziellen Stellungnahmen von der Partei ab.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wo sind denn bei CDU und SPD die größten<br />
Konfliktlinien zwischen Jugendorganisation und Mutterpartei?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Sicherlich bei der Frage<br />
der Generationengerechtigkeit. Zwar haben wir in den vergangenen<br />
Jahren sehr viel durchsetzen können, aber die Jugend ist in<br />
Deutschland vollkommen unterrepräsentiert, wenn es um deren<br />
Interessenvertretung geht.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Insbesondere bei der<br />
Bildungspolitik und bei der Frage der Gerechtigkeit, wo wir weitergehende<br />
Vorstellungen haben. Wir haben uns z.B. dafür eingesetzt, dass<br />
die Erbschaftssteuer erhöht wird, um dieses Geld direkt an<br />
die Schulen zu geben. Da haben wir uns bis jetzt noch nicht durchsetzen<br />
können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wo sind denn aus Ihrer Sicht die größten<br />
Unterschiede zwischen den beiden Jugendorganisationen, denen sie<br />
vorstehen? In welchen Bereichen hat der jeweils andere (also Herr<br />
Mißfelder zur SPD, Herr Böhning zur CDU?) denn keine<br />
ausreichende Programmatik vorzuweisen? Vielleicht zunächst<br />
nur in Stichworten, wir gehen dann in der Folge auf einzelne Bereiche<br />
ein.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Bei der Zukunft der Wehrpflicht<br />
und auch in der Bildungspolitik.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Der größte<br />
Unterschied ist, dass wir der Meinung sind, dass Schuldenmachen<br />
nichts mit Generationengerechtigkeit zu tun.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort Generationengerechtigkeit möchte ich<br />
aufgreifen: Die Sozialsysteme müssen reformiert werden, das<br />
ist wohl unbestritten. Was sagen Sie Vertretern Ihrer Generation,<br />
die von Ihnen fordern, für mehr Generationengerechtigkeit zu<br />
sorgen &#8211; z.B. beim Thema Rente? Hat das Umlagefinanzierte System<br />
ausgedient? Kann man jungen Menschen zumuten, in die Staatskasse<br />
einzuzahlen und gleichzeitig privat vorzusorgen?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Es wird eine Doppelbelastung<br />
der jungen Generation geben, nämlich erstens dass die junge<br />
Generation das marode Rentensystem weiter finanzieren muss und zweitens<br />
Eigenvorsorge betreiben muss.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Diese Doppelbelastung<br />
gibt es nur, wenn wir neben dem umlagefinanzierten System auch eine<br />
Privatversicherung aufbauen. Das ist nicht sinnvoll. Deshalb brauchen<br />
wir auch zukünftig die bestehenden 3 Säulen, Umlage, Steuern<br />
und Riester-Rente. Das ist zukunftsfähig.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Mißfelder, sehen Sie das auch so?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Die Beiträge bleiben<br />
auch in den nächsten Jahren leider auf einem sehr hohem Niveau<br />
und wir wissen bereits heute, dass demgegenüber eine geringere<br />
Gegenleistung gegenüber stehen wird. Deshalb müssen wir<br />
der jungen Generation bereits heute sagen, dass sie sich nicht mehr<br />
allein auf die gesetzliche Rentenversicherung verlassen kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was für einen Stellenwert sollen in Zukunft private<br />
Vorsorgen einnehmen, Herr Böhning? Die Doppelbelastung ist<br />
ja schon längst da. Viele junge Menschen empfinden das System<br />
als subjektiv ungerecht, Herr Böhning &#8211; waren die Reformen<br />
nicht ausreichend?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Die privater Vorsorge<br />
wird weitere eine starke Säule bleiben. Wir stellen uns aber<br />
gegen eine Umstellung der Rente auf ein kaptialgedecktes System,<br />
wie z.B. Kirchhof das will. Ziel einer modernen Rentenpolitik muss<br />
es sein, dass die neuen Lebens- und Erwerbsläufe junger Menschen<br />
auch in der Rentenberechnung Berücksichtigung finden. Das heißt,<br />
wir müssen Auszeiten und Weiterbildungszeiten in der Rente<br />
anrechnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort Herr Kirchhof, Herr Mißfelder: Ist sein<br />
Steuersystem aus Ihrer Sicht ein Beitrag zur &quot;Generationengerechtigkeit&quot;?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Kapitaldeckung und Eigenvorsorge<br />
werden zukünftig die wichtigere Säule der Rentenversicherung<br />
sein. Die Umlage kann in Zukunft aufgrund der demographischen Situation<br />
in unserem Land in einigen Jahrzehnten nur noch ein Existenzminimum<br />
leisten.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Das sehe ich anders.<br />
Es ist vielmehr so, dass wir heute die 3 Säulen der Rente stärken<br />
müssen. Die demographische Situation ist erstens abhängig<br />
von der Gestaltung der Einwanderung und einer modernen Familienpolitik.<br />
Diese zu verändern, ist weitaus sinnvoller, als die Rente zu<br />
privatisieren. Wir haben in den USA gesehen, welche negativen Auswirkungen<br />
ein privates Rentenversicherungssystem hat. Dort stehen nach einigen<br />
Firmenpleiten Millionen von Rentnerinnen und Rentnern ohne Einkommen<br />
da.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Mißfelder, hier schwingt der Vorwurf mit,<br />
dass die CDU kaltherzigen Kapitalismus bis ins hohe Alter organisieren<br />
will. Kann man das so stehen lassen?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Einwanderungspolitik<br />
ist auf gar keinen Fall die Lösung. Der Kapitalismus ist nicht<br />
kaltherzig, gerade weil die CDU für die Prinzipien der sozialen<br />
Marktwirtschaft eintritt.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Von den Prinzipien der<br />
sozialen Marktwirtschaft hat sich die Union spätestens mit<br />
Kirchhof und Merkel verabschiedet. Davon zeugt zum Beispiel die<br />
ungerechte Kopfpauschale, die Reiche massiv entlasten soll und Arbeitnehmerinnen<br />
und Arbeitnehmer belastet.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Das ist doch einfach<br />
pures Wahlkampfgetöse. Wir brauchen wieder mehr Rückbesinnung<br />
auf die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft, indem wir überhaupt<br />
Wettbewerb, Eigenverantwortung und Subsidiarität wieder zulassen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Es ist interessant, dass<br />
Herr Mißfelder es als pures Wahlkampfgetöse bezeichnet,<br />
wenn über die Unterschiede zwischen der Bürgerversicherung<br />
und der Kopfpauschale gesprochen wird. Das werden diejenigen anders<br />
sehen, die von dieser Unionspolitik betroffen wären.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zur Generationengerechtigkeit, dann kommen<br />
wir zum Thema Bildung. Wie kann den Generationengerechtigkeit im<br />
Sozialbereich aussehen? Indem alten Menschen nicht mehr jedes neue<br />
Hüftgelenk bezahlt wird, wie Sie, Herr Mißfelder, einmal<br />
überspitzt formulierten?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Sie verkürzen unzulässigerweise<br />
die Diskussion von vor zwei Jahren. Es geht um Generationengerechtigkeit<br />
und die Chancen gerade auch zukünftiger Generationen um Teilhabe<br />
am gesellschaftlichen Wohlstand in allen Lebensbereichen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ich bin der Meinung,<br />
dass solche Vergleiche unserer Generation schaden und unsozial sind.<br />
Aus meiner Sicht ist mit dem Thema Generationengerechtigkeit vor<br />
allem die Schaffung von Bildungschancen junger Menschen verbunden<br />
und nicht Sozialabbau.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gleichzeitig, Herr Böhning, hat die SPD keine wirklichen<br />
Alternativen in 7 Jahren Regierungsverantwortung erarbeitet, oder?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning: </b>Das stimmt nicht. Wir<br />
haben die Arbeitslosenversicherung erneuert und eine aktive Arbeitsmarktpolitik<br />
durchgesetzt. Wir haben mehr in Bildung investiert durch das Ganztagesschulprogramm<br />
und die massive Ausweitung des Bafögs und wir haben für<br />
die Ausbildungschancen junger Menschen gesorgt, indem wir die Jugendarbeitslosigkeit<br />
reduziert haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Mißfelder, bietet die CDU da mehr an?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Rot-grün hat in<br />
den vergangenen Jahren so gut wie nichts erreicht. Die Arbeitslosigkeit<br />
ist gestiegen, die Rentenkasse ist pleite, die Pflegeversicherung<br />
kollabiert. Bei den Bildungschancen stimme ich Björn absolut<br />
zu. In Zukunft muss Bildung und Familie eines der Hauptfelder der<br />
politischen Tagesordnung sein.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Thema Bildung: Gemeinsam argumentieren sie, dass hier<br />
weitaus mehr getan werden muss, als bislang. Aber wenn die CDU sich<br />
für Studiengebührten ausspricht, schreit die SPD; wenn<br />
die Regierung Ganztagsschulen mit mehreren Milliarden fördert,<br />
ist die Resonanz der CDU verhalten. Fangen wir mit den Ganztagsschulen<br />
an: Herr Mißfelder, ist es nicht richtig, viel Geld in eine<br />
Reform des Schulwesens zu stecken?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Ganztagsschulen sind<br />
sehr wichtig um jungen Paaren die Möglichkeit zu geben Beruf<br />
und Familie miteinander zu vereinbaren. Deshalb sind wir als JU<br />
nicht dagegen, sondern dafür. Wir wollen allerdings auch, dass<br />
insgesamt mehr Geld für Bildung investiert wird und deshalb<br />
sprechen wir uns für Studiengebühren aus, weil dies die<br />
einzige Möglichkeit ist momentan, um weiteres Geld für<br />
die Universitäten zu bekommen. Der Staat ist bankrott und weitere<br />
Schuldenmachen wäre unverantwortlich, deshalb müssen die<br />
Studenten sich stärker an den Kosten mit beteiligen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Wir brauchen mehr Ganztagesschulen<br />
in Deutschland und das haben wir mit vier Milliarden Euro gefördert.<br />
Mir ist es lieber, dass schnell etwas für mehr Ganztagsschulen<br />
getan wird als über Länderkompetenz zu streiten. Es zeigt<br />
sich heute, dass die Unionsländer, insbesondere Kochs Hessen,<br />
die Mittel für den Bau von Ganztagsschulen in nur geringem<br />
Maße abfragen und damit die Strategie der Vereinbarkeit von<br />
Familie und Beruf konterkariert wird. Bei allen Unterschieden zwischen<br />
Mutterpartei und Jugendorganisation verschärft die Union mit<br />
ihrer rückständigen Familienpolitik die schwierige Situation<br />
vieler Mütter und Väter.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Also ein &quot;Boykott&quot; einer an sich richtigen<br />
Reform, Herr Mißfelder?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Kein Boykott, sondern<br />
zielsichere Förderung. Wir dürfen das Geld nicht zum Fenster<br />
rausschmeißen, sondern müssen Projekte fördern,<br />
die tatsächlich eine Chance auf Erfolg haben. Reine Verwahranstalten<br />
für Kinder lehnen wir ab. Wir wollen dass Bildungsinhalte auch<br />
in Ganztagsangebote integriert werden und dort geht es eben nicht<br />
nur um den Bau von Schulgebäuden, sondern ganz klar um den<br />
Inhalt.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Wir fördern die<br />
Vereinbarkeit von Familie und Beruf und schaffen Bildungschancen<br />
und Herr Mißfelder nennt das Verwahranstalten. Das lasse ich<br />
mir auf der Zunge zergehen. Aber jenseits der Rhetorik brauchen<br />
wir in der Tat bildungspolitische Programme für die Ganztagsschulen,<br />
da sind die Länder in der Pflicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sind denn die föderalen Strukturen eine Chance<br />
oder ein Hindernis für eine groß angelegte Bildungsreform?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Nein. Auch zukünftig<br />
ist Bildungspolitik Ländersache und dort wo die Union regiert<br />
sieht man, dass die Ergebnis weitaus besser sind als bei rot-grün<br />
regierten Ländern z.B. Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Bayern ist im internationalen<br />
Vergleich auch nur hintere Mittelklasse im Vergleich z.B. mit den<br />
skandinavischen Ländern. Auch hier gilt: Der Einäugige<br />
ist unter den Blinden König. Klar ist: die Länder, die<br />
ein integratives Bildungssystem haben, in dem länger gemeinsam<br />
gelernt wird, sind erfolgreich. Wir wollen deshalb mehr Förderung,<br />
auch frühkindliche Förderung. Ich persönlich bin<br />
der Meinung, die Durchsetzung dieser Themen ist mir wichtiger als<br />
irgendwelche Länderkompetenzen.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Die Situation in den<br />
skandinavischen Ländern kann man gar nicht vergleichen mit<br />
dem deutschen System. Es wird wesentlich mehr Geld in anderen Ländern<br />
ausgegeben als bei uns und deshalb hängt es auch stark davon<br />
ab, ob die Politik bereit ist in Bildung zu investieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Insgesamt aber, das zeigte die Pisa-Studie, hinkt Deutschland<br />
hinterher. Wird denn insgesamt genug Geld für Bildung ausgegeben?<br />
Wie viel Prozent des Bruttoinlandprodukts müsste denn in diesem<br />
Bereich ausgegeben werden, wenn man es „richtig“ machen<br />
wollte?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Dort gibt es keine Zahlen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Sechs Prozent am Bruttoinlandsprodukt<br />
für Bildung und Forschung.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Klar ist nur, dass Schüler<br />
nicht in heruntergekommenen Klassenzimmern sitzen sollen und mehr<br />
als 30 Schüler nicht in einer Klasse gehören von 6 Prozent<br />
ist übrigens die Bundesrepublik sehr weit entfernt.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Das stimmt, das stellt<br />
mich trotzdem nicht zufrieden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Würde der Bildungs- und Forschungsetat unter einer<br />
CDU Regierung denn wachsen?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Forschungs- und Bildungsausgaben<br />
werden steigen aber eben nicht nur seitens des Staates, sondern<br />
der Einzelne muss auch bereit sein, mehr Geld für seine persönliche<br />
Bildung auszugeben. Und wir müssen Unternehmen animieren, dass<br />
Deutschland wieder zum Forschungsstandort Nummer 1 wird. Das hat<br />
gerade die grüne Partei mit ihrer Technikfeindlichkeit in den<br />
vergangenen 7 Jahren sehr stark verhindert&#8230; Windkraft, Dosenpfand,<br />
Technikfeindlichkeit!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Thema Studiengebühren: Wie ist<br />
das denn mit den Studiengebühren, Herr Böhning: Wäre<br />
das wirklich so schlimm? Das bisherige System hat ja nun auch nicht<br />
wirklich dazu geführt, dass ärmere Schichten an die Unis<br />
strömen.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Die Einführung von<br />
Studiengebühren führt dazu, dass noch viel mehr Menschen<br />
aus bildungsfernen Schichten keine Chance haben, zur Uni zu gehen.<br />
Schon heute ist die Bildung stark vom Geldbeutel der Eltern abhängig.<br />
Das ist ein Skandal und wir müssen diese Entwicklung umkehren.<br />
Deshalb bin ich gegen Studiengebühren jedweder Art. Sie verhindern<br />
Chancengleichheit und gefährden den Wissenschaftsstandort Deutschland,<br />
denn es ist doch klar: wir brauchen mehr Fachkräfte statt weniger<br />
Fachkräfte.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Es ist unsozial, dass<br />
der Geselle und der Handwerksmeister mit seinen Steuern das Studium<br />
des Zahnarztsohnes bezahlt. Gerade viele Auszubildende müssen<br />
große Teile ihrer Ausbildung selbst bezahlen. Deshalb ist<br />
es ungerecht, dass Studenten bisher sich nicht beteiligt haben und<br />
nachher als Akademiker wesentlich mehr Geld verdienen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Mißfelder, drängen Studiengebühren<br />
die bildungsfernen Schichten tatsächlich aus der Uni?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Studiengebühren<br />
sind nicht unsozial.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Es hat sich gezeigt in<br />
Ländern, die Studiengebühren eingeführt haben, wie<br />
z.B. Österreich, dass die Zahl derer. Studierenden aus Arbeiterhaushalten<br />
massiv eingebrochen ist. Da hilft auch nicht ein irgendwie geartetes<br />
Stipendiensystem, sondern Studiengebühren sind an sich ein<br />
Hemmnis, zur Universität zu gehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage von &quot;Blubber&quot;: Macht es denn<br />
überhaupt Sinn so viele Studenten auszubilden? Gibt es hier<br />
eine Nachfrage in absehbarer Zeit?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder: </b>Ja, wir brauchen in Zukunft<br />
wesentlich mehr Fachkräfte. Aber über Studiengebühren<br />
am 18. September gar nicht abgestimmt. Das entscheiden ganz allein<br />
die Bundesländer.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Ja, es macht Sinn. Weil<br />
wir in der Wissensgesellschaft mehr Uniabsolventen statt weniger<br />
brauchen. Nur dann haben wir eine Chance im europäischen und<br />
internationalen Wettbewerb.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Müssen Reformen im Bildungswesen nicht auch dazu<br />
führen, dass der Bund &#8211; und nicht die Länder &#8211; das Bildungswesen<br />
stärker steuert? Bislang liegt das in Länderhand.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Grundsätzlich bin<br />
ich für eine stärkere Bundeskompetenz im Bildungssystem,<br />
weil wir uns einen bildungspolitischen Flickenteppich in Zukunft<br />
nicht mehr leisten können. Wir fordern von jungen Menschen<br />
immer mehr Mobilität und Flexibilität ein, gleichzeitig<br />
gibt es 16 unterschiedliche Bildungssysteme in Deutschland, von<br />
den europäischen Dimensionen ganz zu schweigen. Das zeigt,<br />
wir brauchen mehr Einheitlichkeit.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Es gibt kulturelle Unterschiede<br />
auch zwischen einzelnen Bundesländern. Baden-Württemberg<br />
arbeitet viel enger mit Frankreich zusammen, Schleswig-Holstein<br />
sehr eng mit Dänemark. Diese Unterschiede müssen berücksichtigt<br />
werden und deshalb lehne ich diesen Einheitsbrei, den die SPD plant,<br />
ab.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Was im übrigen nur<br />
Flensburg und Schleswig zutrifft. Wenn ich mich gegen einen Flickenteppich<br />
ausspreche, meine ich, dass der föderale Wettbewerb nicht zu<br />
Kosten der jungen Menschen existieren darf. Deshalb brauchen wir<br />
Rahmenbedingungen für einen deutschen und europäischen<br />
Bildungsraum, das ist dann nicht Einheitsbrei, sondern das sind<br />
Zukunftschancen für junge Menschen, unabhängig davon,<br />
in welchem Bundesland sie geboren sind oder wo sie hinziehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Thema Ausbildung. Die Jusos forderten mal „Wer<br />
nicht ausbildet, wird umgelegt“. Dazu diese Frage an Sie beide:<br />
&lt;Maus&gt; Ich bin auch für mehr Ausbildungsplätze –<br />
Studieren ist natürlich nicht das non plus ultra. Wo sollen<br />
die denn herkommen, Herr Mißfelder, Herr Böhning? Herr<br />
Mißfelder, Sie haben das Wort.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Ausbildungsplätze<br />
und Arbeitsplätze entstehen nur wenn Wirtschaftswachstum vorhanden<br />
ist. Dafür müssen wird die Rahmenbedingungen schaffen,<br />
d.h. Steuern runter, Bürokratie weg, weniger Öko-Schwachsinn!
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> &#8230;ist ja interessant:<br />
Ausbildungschancen gibt es also nur, wenn wir Wirtschaftswachstum<br />
haben. Das glaube ich nicht. Bildungschancen müssen unabhängig<br />
von der wirtschaftlichen Gesamtsituation bereit gestellt werden.<br />
Leider haben die Unternehmen in der Vergangenheit sich ihrer Verantwortung<br />
zur Schaffung von genügend Ausbildungsplätzen entzogen.<br />
Deshalb bleibt es richtig, dass die Unternehmen, die nicht ausbilden,<br />
zahlen für die Unternehmen, die ausbilden.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Ohne Wirtschafswachstum<br />
gibt es keinen Weg aus der Wirtschaftskrise. Die Unternehmen müssen<br />
erst einmal wieder Luft zum Atmen bekommen, um überhaupt an<br />
neue Jobs denken zu können. Der Mittelstand muss deshalb besonders<br />
entlastet werden.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> &#8230;und junge Menschen,<br />
die einen Ausbildungsplatz suchen, sollen dann auf der Straße<br />
bleiben?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Nein. Wirtschaftswachstum<br />
führt sofort zu einer Einstellungswelle, wenn wir bürokratische<br />
Hemmnisse, z.B. im Arbeitsrecht abbauen. Björn Böhning:<br />
Das heißt nichts anders, als die Abschaffung von Arbeitnehmerrechten<br />
wie dem Kündigungsschutz oder der Tarifautonomie. Das schafft<br />
zwar keine Arbeit, dafür aber Ungerechtigkeit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kann man nicht beides machen? Für Wirtschaftswachstum<br />
sorgen und durch sanften Druck mehr freie Ausbildungsplätze<br />
garantieren? Stehen diese beiden Positionen sich wirklich so unversöhnlich<br />
gegenüber?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Nein. Beides ist möglich<br />
und muss gleichzeitig durchgesetzt werden.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Sanfter Druck O.K. Weitere<br />
Zwangsmaßnahmen nein. Der Mittelstand leidet so sehr unter<br />
den bürokratischen Hürden, die gerade Rot-Grün aufgebaut<br />
hat. Noch weitere Belastungen sind nicht vertretbar.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Wir haben 130.000 Mitglieder<br />
in der JU. Wir haben zum erstem Mal seit über 20 Jahren wieder<br />
steigende Mitgliederzahlen. Von Politikverdrossenheit kann daher<br />
gar keine Rede sein. Die jungen Menschen wollen sich engagieren<br />
und deshalb müssen die Parteien wesentlich attraktiver werden<br />
für die Jugend.
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Seit dem 22. Mai (NRW-Wahl)<br />
haben die Jusos über 3000 neue Mitglieder gewonnen. Das zeigt,<br />
es gibt keine Politikverdrossenheit, sondern eher eine Parteienverdrossenheit.<br />
Dem müssen wir uns ernsthaft stellen und offene Formen der<br />
Mitarbeit anbieten. Das heißt z.B. im Wahlkampf nicht im Hinterzimmer<br />
zu verbleiben, sondern dort hinzugehen, wo junge Menschen sind.<br />
In der Kneipe oder an der Küste.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Aber Sie wollen doch nicht bestreiten, dass die Parteibindung<br />
insgesamt abnimmt. Was sind da Konzepte, dieser Entwicklung entgegenzuwirken?<br />
Zwischen den Wahlterminen?
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Wir haben zwei zentrale<br />
Dinge bereits angegangen. Erstens kümmern wir uns programmatisch<br />
und organisatorisch stärker als in der Vergangenheit um junge<br />
Auszubildende. Mittlerweile sind dadurch wieder deutlich mehr Azubis<br />
bei den Jusos aktiv. Und zweitens müssen wir viel stärker<br />
als in der Vergangenheit das Internet nutzen, um mit jungen Menschen<br />
in Dialog zu treten und sie anzusprechen.
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Politik muss Glaubwürdigkeit<br />
zurück gewinnen, deshalb ist es richtig, was Angela Merkel<br />
macht, nämlich vor der Wahl zu sagen was nach der Wahl Sache<br />
ist. Diese Strategie der Ehrlichkeit ist der entscheidende Schlüssel,<br />
um junge Menschen wieder für Politik zu begeistern. Denn viele<br />
fragen sich, warum über Jahrzehnte falsche Versprechungen gemacht<br />
wurden, die ohnehin nicht einzuhalten waren. Merkel hat aus unserer<br />
Sicht damit den Nerv der Jugend in Deutschland getroffen und deshalb<br />
unterstützen wir sie mit voller Kraft.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten Live-Chatduell der Bundeszentrale<br />
für politische Bildung! Vielen Dank für Ihr Interesse.<br />
Herzlichen Dank an Herrn Mißfelder und Herrn Böhning,<br />
dass Sie sich kurz vor Wahlkampfende die Zeit genommen haben. Es<br />
sind viele Fragen übrig geblieben. Der dritte und letzte Chat<br />
in dieser Reihe der Bundeszentrale für politische Bildung findet<br />
am Freitag, den 16. September ab 16 Uhr statt. Den Fragen stellen<br />
sich dann die Jugendreferenten von PDS / Linkspartei und vom Deutschen<br />
Gewerkschaftsbund. Wir würden uns freuen, wenn Sie auch dann<br />
wieder dabei sein könnten!
</p>
<p>
<b>Björn Böhning:</b> Wichtig ist, dass möglichst<br />
viele junge Menschen wählen gehen, denn jede Stimme zählt!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir lassen den Talkraum unten noch<br />
etwas offen, schlage ich vor. Herr Mißfelder, was sind Ihre<br />
Vorschläge?
</p>
<p>
<b>Philipp Mißfelder:</b> Wählen gehen ist<br />
das Wichtigste.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/was_sind_die_prinzipien_der_sozialen_marktwirtschaft-169/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Jungpolitiker für mehr gemeinsamen Druck auf Mutterparteien</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/jungpolitiker_fuer_mehr_gemeinsamen_druck_auf_mutterparteien-170/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/jungpolitiker_fuer_mehr_gemeinsamen_druck_auf_mutterparteien-170/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Sep 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Grüne Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Vogel]]></category>
		<category><![CDATA[Nike Wessel]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Junge Liberale]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühr]]></category>
		<category><![CDATA[Generationengerechtigkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/jungpolitiker_fuer_mehr_gemeinsamen_druck_auf_mutterparteien-170/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Nike Wessel, Sprecherin der Grünen 
Jugend, und Johannes Vogel, Vorsitzender der JuLis, waren am 12. 
September zu Gast im Live-Duellchat der Bundeszentrale für 
politische Bildung. Die Ausbildung junger Menschen, Studiengebühren 
und die Praktikumsproblematik standen im Mittelpunkt der Diskussion.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Nike Wessel, Sprecherin der Grünen<br />
Jugend, und Johannes Vogel, Vorsitzender der JuLis, waren am 12.<br />
September zu Gast im Live-Duellchat der Bundeszentrale für<br />
politische Bildung. Die Ausbildung junger Menschen, Studiengebühren<br />
und die Praktikumsproblematik standen im Mittelpunkt der Diskussion.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe<br />
Politik-Interessierte, herzlich willkommen im Live-Duellchat der<br />
Bundeszentrale für politische Bildung. Heute chatten wir mit<br />
der Sprecherin der Grünen Jugend, Nike Wessel, und dem Vorsitzenden<br />
der Julis (Junge Liberale), Johannes Vogel. Im oberen Feld werden<br />
die beiden Politiker befragt, in dem unteren Feld werden die Fragen<br />
und Kommentare der Chatterinnen und Chatter abgebildet. Wir freuen<br />
uns auf Ihre Kommentare und Fragen, die Sie gerne an die beiden<br />
Duellanten richten können. Herzlich willkommen Frau Wessel<br />
und Herr Vogel, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b><b>Johannes Vogel:</b></b> Ja.
</p>
<p>
<b><b>Nike Wessel:</b></b> Ja.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Die Grünen wollen<br />
ja schon seit Jahren das Cannabis legalisiert wird, aber bisher<br />
ist, obwohl sie an der Regierung sind, noch nichts passiert. Wie<br />
positionieren Sie sich in dieser Frage? Frau Wessel, bitte!
</p>
<p>
<b><b>Nike Wessel:</b></b> Das bleibt weiterhin ein ganz wichtiges<br />
Thema von uns. Es ist sehr schade, dass in der letzten Legislaturperiode<br />
nur weitere Straffreiheit ausgebaut wurde und wir werden uns weiterhin<br />
dafür einsetzen. Ich habe große Hoffnung, dass auch mit<br />
anderen Jugendorganisationen an dem Thema gearbeitet wird. Der Ansatz<br />
der jungen Liberalen &quot;bekifft-ficken.de&quot; hat seinen Charme.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Vogel, wie sehen Sie das?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Das war ein etwas pointierter Ansatz eines Landesverbandes.<br />
Grundsätzlich bin ich auch für die Legalisierung des Cannabis<br />
und würde mich freuen, wenn wir in den kommenden Jahren zu<br />
einer Legalisierung kommen würden. Leider muss man sich als<br />
politische Jungendorganisation erstmal in der eigenen Organisation<br />
durchsetzen und dann kann man die Realität verändern.<br />
Wir arbeiten weiter daran, das erstmal in der FDP mehrheitsfähig<br />
zu machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Inwiefern weicht Ihre Position von<br />
der Position Ihrer jeweiligen Mutterpartei in Bezug auf die Legalisierung<br />
von Cannabis ab?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Wir JuLis sind für die Legalisierung, weil<br />
ich glaube, dass die bisherige Unterscheidung von legalen und illegalen<br />
Drogen an dieser Stelle recht willkürlich ist, und auch weil<br />
der Jugendschutz und Fragen wie verantwortungsvoller Konsum nach<br />
einer Legalisierung besser behandelt werden könnten. Die FDP<br />
teilt das bisher leider nicht und ist für die Beibehaltung<br />
der jetzigen Gesetzeslage.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Grundsätzlich sind wir schon sehr nah mit den<br />
Grünen in dem Thema gekommen, wir hätten aber z.B. für<br />
die nächste Legislatur den großen Wunsch, das nicht nur<br />
der SPD zu überlassen und z.B. den Posten der/s Drogenbeauftragten<br />
von unserer Partei zu besetzen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zum Thema Studiengebühren:<br />
Wie stehen Sie zum Thema Studiengebühren? Soll es beim gebührenfreien<br />
Erststudium bleiben?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich finde, es sollte den Hochschulen ermöglicht<br />
werden, eigenverantwortlich über nachgelagerte Studiengebühren<br />
bis zu einer gewissen Obergrenze frei zu entscheiden. Ich glaube,<br />
dass so die Finanzausstattung der Hochschulen verbessert werden<br />
kann und dies auch ein logischer Bestandteil von mehr Autonomie<br />
der einzelnen Hochschulen und somit mehr Wettbewerb untereinander<br />
ist. Entscheidend ist, dass weiterhin für jeden oder jede unabhängig<br />
von finanziellen Ausstattung des Elternhauses möglich ist.<br />
Hier ist insbesondere die Möglichkeit der nachgelagerten Bezahlung<br />
entscheidend.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Die grüne Jugend ist klar für ein gebührenfreies<br />
Studium und in jedem Fall gegen Studiengebühren. Wir sind übrigens<br />
auch für unentgeltliche Kindergartenplätze. Für uns<br />
ist Bildung und ein freier Zugang hierzu eine Grundbedingung, um<br />
soziale Gleichheit zu sichern.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Für unentgeltliche Kindergartenplätze<br />
sind wir auch ganz entschieden. Ich glaube, es ist aber sinnvoller,<br />
die Elementarpädagogik für alle kostenlos anzubieten und<br />
dafür für ein gutes Studium an einer gut ausgestatteten<br />
Uni einen gewissen Eigenbetrag zu verlangen.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Die Universitäten sind jetzt schon vom Staat<br />
zu wenig ausgestattet. Es ist überhaupt nicht sicher, dass<br />
die jetzt erhobenen Studiengebühren auch direkt den Unis zugute<br />
kommen. Wir haben jetzt schon zu wenig Studierende und eigentlich<br />
müsste es in einem wirtschaftlich so starken Land wie Deutschland<br />
auch möglich sein, sozial und für alle offen, ein Bildungs-<br />
und Hochschulsystem zu finanzieren. Das alte Beispiel Schweden:<br />
Dort wird erheblich mehr für die Bildung ausgegeben, ohne dass<br />
die Studierenden bezahlen müssen.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Für eine soziale ausgeglichene Bildungslandschaft<br />
sind wir, glaube ich, alle. Der internationale Vergleich zeigt uns<br />
aber, dass Studiengebühren hier schlicht und ergreifend hier<br />
kein Problem darstellen müssen. In Deutschland, einem der wenigen<br />
Länder ohne Studiengebühren, ist der Zusammenhang zwischen<br />
finanziellen Background des eigenen Elternhauses und dem eigenen<br />
Bildungserfolg so hoch wie fast nirgendwo. Dass in der Vergangenheit<br />
die Einnahmen aus Studiengebühren oft direkt in die Länderhaushalte<br />
geflossen sind, ist völlig unverantwortlich, aber doch kein<br />
Argument gegen Studiengebühren, sondern vielmehr dafür,<br />
politisch dafür zu sorgen, dass das Geld bei den Unis bleibt<br />
und zusätzlich dazu die staatliche Finanzierung ausgebaut wird.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Da wir dennoch viel zu wenig Absolventinnen haben,<br />
gibt es kein Argument dafür, dass Zahlen für ein Studium<br />
es in irgend einer Weise besser oder attraktiver macht, in Deutschland<br />
zu studieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nena hat dazu eine Frage: Was ihr wollt,<br />
sagt ihr deutlich, doch wie ihr eure Forderungen umsetzen wollt,<br />
würde mich interessieren.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Wir sind für eine klare Erhöhung des Bildungshaushalts.<br />
Rot-Grün hat hier schon um 30% erhöht, und in der nächsten<br />
Legislaturperiode müsste es noch mehr werden. Dazu kommt aber<br />
auch eine umfassende Reform an den Universitäten selbst. Auch<br />
dort muss Bürokratie abgebaut werden und man muss sicher auch<br />
noch einmal über die Zuständigkeiten der Länder und<br />
eine grundsätzliche Föderalismusreform nachdenken.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Grundsätzlich versuchen wir Druck auf unsere<br />
Mutterpartei auszuüben, damit diese nach einem möglichen<br />
Wahlsieg hart verhandelt und unsere klaren Schwerpunkt für<br />
eine bessere Bildung und Forschung im Wahlprogramm auch gegenüber<br />
dem zukünftigen Koalitionspartner durchsetzt. Ich bin sehr<br />
zuversichtlich, dass dies auch gelingt, schließlich haben<br />
wir die besseren Argumente auf unserer Seite.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> CDU-FDP 4 Future&gt; @Sommerrauschen:<br />
Sehe ich genauso, wie kann also Hochschulabsolventen besser beim<br />
Berufseinstieg geholfen werden? Ein Großteil fängt als<br />
Praktikanten an. Ist da nicht auch die Politik dran Schuld?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich glaube, das Hauptproblem hier liegt bei der<br />
aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt und diese ist durch die<br />
wirtschaftliche Misere ausgelöst. Gerade deshalb, weil sich<br />
die katastrophale Situation ja auch insbesondere auf junge Menschen<br />
auswirkt, die dann keine Perspektive haben mit einem Job selbstbestimmt<br />
ins Leben zu starten, machen wir uns Gedanken, wie wir die grundsätzlichen<br />
strukturellen Probleme lösen können. Sobald das gelungen<br />
ist, werden mehr junge Leute auch wieder die Möglichkeit haben,<br />
nach Schule, Studium oder Ausbildung direkt einen Job zu finden<br />
und nicht als Praktikant zu arbeiten.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Gerade zum Thema Praktika haben wir als Grüne<br />
Jugend einen unserer zwei inhaltlichen Schwerpunkte gesetzt. Unter<br />
dem Thema &quot;Lasst Euch nicht ausbeuten&quot; setzen wir uns<br />
dafür ein, z.B. einen Mindestlohn für die Zeit der Ausbildung<br />
und des Praktikums gesetzlich festzulegen. Und das Argument, nur<br />
die schlechte Lage am Arbeitsmarkt wäre für die Praktika<br />
verantwortlich, widerlegt zum Teil schon, dass selbst 1999 &#8211; als<br />
der Arbeitsmarkt noch viel weniger umkämpft war- Ausbildungsplätze<br />
abgebaut und unentgeltliche Praktika immer mehr in Mode kamen. Deshalb<br />
ist meine Meinung, dass es sehr wichtig ist, dass an den Universitäten<br />
zum Teil praxisnah gelehrt wird, dass aber auch Betriebe und Firmen<br />
ehrlicher und nachhaltiger ausbilden.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Sicherlich sind Praktika in den letzten Jahren<br />
ein allgemeiner Trend gewesen. Das ist ja auch nicht unbedingt schlecht,<br />
schließlich bietet ein Praktikum die Möglichkeit, Erfahrungen<br />
zu sammeln und in verschiedene Bereiche hereinzuschnuppern. Das<br />
Problem heute ist doch, dass junge Leute monatelang Praktika machen<br />
müssen und nicht, wie eigentlich nötig, im Anschluss eine<br />
feste Anstellung finden. Dieses Problem wird sich leider überhaupt<br />
nicht durch einen Mindestlohn für Praktika lösen lassen.<br />
Außerdem halte ich es allgemein nicht für besonders realistisch,<br />
dass die Politik einfach mal eben beschließen könnte,<br />
das die Unternehmen einen Mindestlohn zu zahlen haben. Das würde<br />
nur dazu führen, dass weniger Praktikumsplätze existieren.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Das Problem beim Thema &quot;Praktikum&quot; ist vor<br />
allen Dingen, dass es sich auch wieder nur bestimmte junge Leute<br />
leisten können, lange, zum Teil ein Jahr lang, unentgeltlich<br />
zu arbeiten. Was dazu kommt, ist, dass sich die Idee eines &quot;Reinschnupperns&quot;<br />
in einen Beruf in der Zeit des Praktikums längst zu einem,<br />
für viele Firmen wichtigen Teil an unbezahlter, qualifizierter<br />
junger Arbeitskräfte ausgemacht hat. Die Forderung nach einem<br />
Mindestlohn würde den Wildwuchs in diesem Bereich stark eingrenzen<br />
und mehr dazu führen, dass deutlich sind: das sind Minijobs<br />
oder halbe Stellen und das ist wirklich qualitativ gute Ausbildung.<br />
Es gibt bei aller Kritik gute Beispiele in Unternehmen im Wirtschaftsbereich.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Und genau aus dem Grund, dass es sich viele junge<br />
Leute nicht leisten können, längere Zeit unbezahlte Praktika<br />
zu machen, müssen wir endlich wieder genügend Arbeitsplätze<br />
für diese jungen Leute schaffen. Nur so schaffen wir doch,<br />
eine Perspektive auf ein selbstbestimmtes und selbstverwirklichendes<br />
Leben. Das geht nur, wenn wir die grundlegenden Strukturprobleme<br />
auf dem Arbeitsmarkt und beim Wirtschaftswachstum lösen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie sollten Ihrer Meinung nach in Zukunft<br />
die Kompetenzen in der Bildungspolitik aufgeteilt werden?
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Das pluralistische System der Länderhoheit macht<br />
in vielen Dingen sicher Sinn und hat seine Traditionen, doch wie<br />
wir zur Zeit an jeder deutschen Uni &#8211; durch die Einführung<br />
von Bachelor und Master &#8211; gemerkt haben, sind längst europäische<br />
Richtlinien in unserem System und es ist dringend notwendig, dass<br />
die Kompetenzen zwischen Land und Bund geklärt werden und sich<br />
Deutschland, meiner Meinung nach, klar darauf konzentriert, ein<br />
Wissenschafts- und Bildungsland in der EU und international zu werden.<br />
Dort liegt für mich ein großes Stück, wie die Zukunft<br />
auch für Arbeitsplätze hier aussehen könnte.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich bin klar für einen Bildungsföderalismus.<br />
Das heißt, dass die Länder ihre bisherigen Kompetenzen<br />
in der Bildungspolitik behalten und wir nicht zu bundeseinheitlichen<br />
Standards übergehen, weil diese dann oft nur zu einem Einheitsbrei<br />
auf niedrigen Niveau führen würden. Grundsätzlich<br />
glaube ich, dass einzelnen Bildungsstätten, also jeder einzelnen<br />
Schule und Hochschule, viel mehr Autonomie geben müssen. So<br />
könnten diesen dann um das beste Konzept für die individuelle<br />
Förderung jedes Einzelnen wetteifern. Jeder sucht sich dann<br />
das Modell aus, welches am besten zu ihm passt. So werden wir ganz<br />
unterschiedliche pädagogische Konzepte in einem Wettbewerb<br />
haben, was dann wiederum das Gesamtniveau der Bildung in Deutschland<br />
erhöht.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Wichtig ist bei der Kompetenzentflechtung, dass es<br />
weniger Mischbereiche zwischen Land und Bund gibt und dass z.B.<br />
für alle verbindlich ist, dass Bildung von Lehrmittelfreiheit<br />
bis zu Studiengebühren kostenlos ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir noch einmal zur Arbeitsmarktpolitik:<br />
Welche Rolle sollte die Politik bei der Schaffung von Ausbildungsplätzen<br />
übernehmen?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich glaube, das Problem beim Mangel der Ausbildungsplätze<br />
ist im Grundsatz dasselbe wie bei den Arbeitsplätzen allgemein.<br />
Wir müssen durch eine Politik, die der Marktwirtschaft wieder<br />
traut, den Rahmen für mehr Bildungs- und Ausbildungsplätze<br />
schaffen. Das geht durch eine Steuerreform als eine dynamische Impuls<br />
für mehr Wirtschaftswachstum und Flexibilisierung auf dem Arbeitsmarkt,<br />
damit sich dieses auch auswirkt zusätzlich können wir<br />
glaube ich durch eine Reform der beruflichen Bildung noch etwas<br />
für die spezielle Attraktivität von Ausbildung für<br />
Unternehmen tun.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Wie schon beim Thema Praktikum kann nicht immer die<br />
schlechte Konjunktur dafür verantwortlich gemacht werden, dass<br />
Betriebe Unternehmen sich entziehen und nicht oder schlecht ausbilden.<br />
Viele Unternehmer haben den Zukunftsblick verloren und hoffen, dass<br />
sie auf dem Arbeitsmarkt früher oder später die Arbeitnehmer<br />
finden, die sie brauchen, aber selbst nicht ausgebildet haben. Das<br />
System kann auf Dauer nicht funktionieren.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Natürlich ist nicht nur die Konjunktur für<br />
alles verantwortlich aber die Dramatik von 5 Millionen Arbeitslosen<br />
zeigt doch wohl, wo der Kern all unser Probleme liegt. Und das müssen<br />
wir endlich ändern, damit junge Menschen wieder mehr Perspektiven<br />
haben. <b></p>
<p>Moderator:</b> Zum Thema Generationengerechtigkeit: Besteht<br />
nicht die Gefahr, dass angesichts unserer Altersstruktur in der<br />
Gesellschaft eine Politik für junge Leute kaum noch Mehrheiten<br />
findet?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich hoffe nicht. Aber sollte es zu einem solch<br />
&quot;klientelistischen&quot; Agieren der jeweiligen Altersschichten<br />
bedauerlicher Weise jemals kommen, steigt die Gefahr hierfür<br />
logischerweise von Jahr zu Jahr. Deshalb ist es ja gerade so wichtig,<br />
dass wir die Probleme der aktuellen Generationengerechtigkeit nicht<br />
länger vor uns her schieben. Ich glaube, dass sehen wir als<br />
politische Jugendvereinigungen aber alle relativ ähnlich.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Eines der wichtigsten Politikfelder der Grünen<br />
war das Thema &quot;nachhaltige Politik&quot;. Das bedeutet, sich<br />
in allen Politikfeldern sich darum zu bemühen, dass an Morgen<br />
gedacht wird: bei der Umwelt, bei den Staatsfinanzen aber auch in<br />
der Frauen- und Familienpolitik, was hoffentlich dazu führt,<br />
dass Familie und Beruf besser vereinbar miteinander wird und wir<br />
auch mehr Kinder kriegen. Der derzeitige Wahlkampf hat allerdings<br />
schon gezeigt, dass das Thema Jugend an sich bei keiner Partei unter<br />
den vorderen Plätzen der Themen lag. Das ist eigentlich unverständlich.<br />
Deshalb haben wir als Grüne Jugend dafür eingesetzt, dass<br />
wir nun im Wahlprogramm von Bündnis 90/Grüne ein extra-Kapitel<br />
&quot;Jugend&quot; haben. Was sich allerdings auch in diesem Wahlkampf<br />
seltsamerweise entwickelt hat, ist die Idee, die PDS stehe für<br />
eine moderne und junge Linke, dabei ist diese Partei mit Abstand<br />
die mit den meisten Rentnern und den ältesten Ideen.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Das ist ja alles als Ansatz sehr löblich,<br />
aber leider konnten sich die Grünen damit ja offenbar nicht<br />
durchsetzen: Wir hatten in diesem Jahr mit einer Neuverschuldung<br />
des Staates von 39 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2005 einen<br />
neuen, bisher unerreichten Rekord. Darüber hinaus sind die<br />
Sozialsysteme Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung immer noch<br />
nicht grundlegend reformiert, was insbesondere die junge Generation<br />
belasten wird. Da müssen wir als junge Politiker darauf drängen,<br />
dass sich hier endlich etwas tut. Ich weiß aber, dass das<br />
nicht an der Grünen Jugend liegt 😉
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Ich bin natürlich etwas jung, möchte dennoch<br />
an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der Hauptteil der Staatsschulden<br />
in der Regierungszeit mit FDP-Verantwortung angehäuft wurde.<br />
Daran sind natürlich auch die jungen Liberalen nicht schuld<br />
und ich bin mir sicher, wenn wir Jugendvertreter miteinander verhandeln<br />
würden, würde eine alternative und modernere Politik dabei<br />
herauskommen.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Das stimmt. Wir sollten beim Thema Generationengerechtigkeit<br />
noch viel mehr als bisher gemeinsam unseren &quot;Seniorenorganisationen&quot;<br />
Druck machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Schluss noch eine Frage zum Politikverdruss:<br />
Wie wollen Sie die jungen Leute wieder für Politik interessieren?
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Ich bin mir sicher, für jede und jeden, die sich<br />
aufmerksam in ihrer Umgebung und unserer Gesellschaft umsehen, gibt<br />
es genügend Themen und Anstöße, sich einzubringen<br />
und zu interessieren. Ich widerspreche auch vehement dem Eindruck,<br />
unsere Generation sei politkmüder als andere. Die letzten Wahlkampfsommerwochen<br />
haben vom Baggersee bis zum Schulhof mir eigentlich nur Mut gemacht,<br />
dass es genug Interesse an Politik gibt.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Das beste Argument, junge Leute für politisches<br />
Engagement zu gewinnen, ist, dass ansonsten die Alten alles alleine<br />
unter sich entscheiden. Es gibt so viele Themen die jeden Einzelnen<br />
betreffen und unsere Zukunft so stark beeinflussen, dass man in<br />
Gesprächen mit fast jedem oder jeder Gleichaltrigem schnell<br />
zu der Einigung kommt, dass wir uns als junge Generation da einfach<br />
nicht raushalten dürfen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten Live-Chatduell<br />
der Bundeszentrale für politische Bildung, vielen Dank für<br />
Ihr Interesse. Herzlichen Dank auch an Frau Wessel und Herrn Vogel,<br />
dass Sie sich die Zeit genommen haben. Es sind viele Fragen und<br />
Kommentare übrig geblieben. Der nächste Chat findet morgen<br />
in der Zeit von 15.00 bis 16.00 Uhr statt. Den Fragen stellen sich<br />
dann die Vorsitzenden von Jusos und der Jungen Union, Philipp Missfelder<br />
und Björn Böhning. Wir freuen uns, wenn Sie auch morgen<br />
wieder dabei sind!
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Vielen Dank. Hat super Spaß gemacht, nur<br />
schade, dass wir nicht auf alle Fragen eingehen können. Aber<br />
jeder kann mich auch gerne persönlich anmailen. Einfach auf<br />
www.julis.de reingucken!
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Vielen Dank fürs Mitlesen und Chatten. Nicht<br />
vergessen, am Sonntag zu wählen und wer persönlich noch<br />
Fragen hat, einfach an gruene-jugend.de schicken.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/jungpolitiker_fuer_mehr_gemeinsamen_druck_auf_mutterparteien-170/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
