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	<title>Gerd Langguth &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Gerd Langguth &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>bpb.de-Live-Chat zum &#8220;Mythos 1968&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Jun 2008 12:41:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeszentrale für politische Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Gerd Langguth]]></category>
		<category><![CDATA[1968]]></category>
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		<category><![CDATA[Reinhard Mohr]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Dienstag, den 3. juni, waren der Politikwissenschaftler Gerd Langguth und Reinhard Mohr, Redakteur von Spiegel Online und Autor des Buches &#34;Der diskrete  Charme der  Revolution&#34;, zu Gast im bpb.de-Live-Chat zum &#34;Mythos 1968.&#34; Das vollständige Transkript finden Sie auf <a href="http://www.bpb.de/themen/KOT6X2,0,Chats.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bpb.de/1968.</a> ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag, den 3. juni, waren der Politikwissenschaftler Gerd Langguth und Reinhard Mohr, Redakteur von Spiegel Online und Autor des Buches &quot;Der diskrete  Charme der  Revolution&quot;, zu Gast im bpb.de-Live-Chat zum &quot;Mythos 1968.&quot; Das vollständige Transkript finden Sie auf <a href="http://www.bpb.de/themen/KOT6X2,0,Chats.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bpb.de/1968.</a> <!--break--> </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Prof. Gerd Langguth zur Lage der Union</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/prof-gerd-langguth-zur-lage-der-union-183/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Dec 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Gerd Langguth]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Der CDU-Experte und Politikwissenschaftler Prof. Gerd 
Langguth stellte sich am 02. Dezember im tacheles.02-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de den Fragen zur Lage der Unionsparteien und zu 
deren Zukunft. Um die Geschlossenheit der Union wiederherzustellen rät 
er Frau Merkel &#34;vor wichtigen Entscheidungen diese mehr mit der 
Gesamtpartei abzustimmen, so dass Rückzieher, wie im Fall der Türkei-Unterschriftenaktion, 
nicht notwendig sind.&#34;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Der CDU-Experte und Politikwissenschaftler Prof. Gerd<br />
Langguth stellte sich am 02. Dezember im tacheles.02-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de den Fragen zur Lage der Unionsparteien und zu<br />
deren Zukunft. Um die Geschlossenheit der Union wiederherzustellen rät<br />
er Frau Merkel &quot;vor wichtigen Entscheidungen diese mehr mit der<br />
Gesamtpartei abzustimmen, so dass Rückzieher, wie im Fall der Türkei-Unterschriftenaktion,<br />
nicht notwendig sind.&quot;<!--break-->
</p>
<p class="fett">
<!-- #BeginEditable "chat" --><!-- #EndEditable -->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen<br />
im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de<br />
und von sueddeutsche.de. Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße<br />
ich heute den Professor Gerd Langguth, Politikwissenschaftler in Bonn<br />
und ausgewiesener CDU-Experte und -Insider. Herzlich willkommen, Herr<br />
Langguth.
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Ja, ich freue mich, hier mit Ihnen<br />
und mit vielen Freunden von tagesschau.de chatten zu können.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Wäre die CDU momentan in der Lage,<br />
von jetzt auf gleich die Regierungsgeschäfte zu übernehmen?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Wenn die Situation käme, wäre<br />
sie sicherlich in der Lage, aber nicht so intensiv, wie man es sich<br />
klassischerweise wünscht. Die Frage ist aber theoretisch, weil<br />
die Regierung aller Wahrscheinlichkeit nach die nächsten zwei Jahre<br />
durchhalten wird.
</p>
<p>
<b>Manfred M.: </b>Herr Langguth, glauben sie, dass sich<br />
eine protestantische, ostdeutsche Frau wie Angela Merkel in einem katholischen,<br />
westdeutschen Männerbund wie der CDU lange an der Macht halten<br />
kann und auch noch Kanzlerin werden kann? Oder gibt es dieses Konfliktpotenzial<br />
gar nicht?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Ja, die Vorraussetzung der Frage stimmt<br />
nicht ganz, denn<br />
auch in Westdeutschland gibt es viele Protestanten in der CDU. Es trifft<br />
aber zu, dass viele aus dem klassischen CDU-Milieu mit einer ostdeutschen<br />
Pfarrerstochter, die sie noch nicht seit Jahrzehnten kennen, sehr schwer<br />
tun. Sie hat keine politische Sozialisation, wie sie gemeinhin alle<br />
diejenigen haben, die schon zu Zeiten der Jungen Union oder des RCDS<br />
beschlossen haben, Politiker <br />
oder gar Kanzler zu werden. Aber es stimmt, dass Frau Merkel auf viele<br />
Westdeutsche und aber auch auf Ostdeutsche, etwas sphinxhaft wirkt.<br />
Viele wissen nicht, was ihr Menschenbild, was ihre Grundkoordinaten<br />
in der Politik wirklich darstellen.
</p>
<p>
<b>Gerold: </b>Merkel als Kanzlerkandidatin? Ist Deutschland<br />
bereit für eine Frau als Kanzler?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Die Frage kann man wahrscheinlich erst<br />
nach den Wahlen beantworten. Sie wäre die erste Frau, die es schaffen<br />
würde und zudem noch Ostdeutsche. Ich habe die Erfahrung gemacht,<br />
dass insbesondere Frauen sich schwer tun eine Frau zu wählen. Es<br />
ist ein Irrglaube zu meinen, es sei eine klassische Männerbastion,<br />
die etwas gegen Leitungsfunktionen von Frauen auf dieser Ebene hat.<br />
Aber viele hatten auch nicht gedacht, dass Schröder eines Tages<br />
Kanzler werden könnte. Ob jemand Kanzlerformat hat, zeigt sich<br />
häufig erst in der Praxis.
</p>
<p>
<b>bert:</b> Herr Langguth, Frau Merkel scheint politisch<br />
geschwächt, parteiintern aber gestärkt. Reicht eine starke<br />
Hausmacht, um die nächste Bundestagswahl zu gewinnen?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Sie hat in der Tat keine richtige Hausmacht<br />
im klassischen Sinne. Ihr Vorteil ist, dass es im Moment niemanden in<br />
der Union gibt, der ihr den Rang als Kanzlerkandidatin streitig machen<br />
wird. Sollte sie aber die Wahlen verlieren, wäre sie politische<br />
schnell weg vom Fenster, weil sie eben keine Hausmacht hat.
</p>
<p>
<b>Olieve: </b>Gesetz dem Fall, Merkel würde Kanzlerkandidatin<br />
der Union: Welche Chance hätte sie, sich gegenüber Schröder<br />
durchzusetzen?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth: </b>Ich denke, dass Schröder sich<br />
dann auf eine Kandidatin einzustellen hat, die schwerer zu bekämpfen<br />
sein dürfte als Stoiber. Aber die konkrete Wahlkampfsituation kann<br />
heute noch nicht festgemacht werden. Denken Sie daran, wie die Oder-Flut<br />
und der Irak-Krieg schlagartig die politische Diskussion in Deutschland<br />
verändert haben. Ein Amtsinhaber hat gerade bei aktuellen, unvorhergesehenen<br />
Ereignissen immer einen Bonus.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie beurteilen Sie die &quot;Leichtmatrosen&quot;<br />
&#8211; Kritik von Stoiber?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth: </b>Diese Kritik bezog sich ja auf das<br />
enge Verhältnis Merkel-Westerwelle. In der Tat ist die Vorstellung,<br />
dass die Bundesrepublik von einer ostdeutschen, protestantischen Frau,<br />
gar noch kinderlos und einem unverheirateten FDP-Vorsitzenden als Vize-Kanzler<br />
gemanaged werden soll, für klassische Unions-Milieus nicht einfach<br />
verkraftbar. Mit dieser Argumentation, die ja keine offizielle Argumentation<br />
war, die gerüchteweise an die Presse gelangt war, will natürlich<br />
die CSU klar machen, dass sie bei einer künftigen Regierungsbildung<br />
eine gewichtige Rolle spielen soll. Ich bin mir nicht einmal sicher,<br />
ob die CSU beispielsweise die Rolle eines Außenministers auf die<br />
FDP übertragen will.
</p>
<p>
<b>FeverPitch:</b> Eine zerstrittene Partei hat erfahrungsgemäß<br />
weniger Chancen auf einen Wahlsieg. Welche Strategien raten Sie der<br />
CDU, um sich geschlossen präsentieren zu können?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth: </b>Der Parteitag, der am kommenden Montag<br />
beginnt, wird ja genau den Versuch unternehmen müssen, demonstrative<br />
Geschlossenheit zu zeigen. Deshalb wird Frau Merkel, aller Voraussicht<br />
nach, auch ein sehr gutes Ergebnis erhalten, weil die meisten Delegierten<br />
spüren, dass die &quot;Kakophonie&quot; der letzten Monate zu erheblichen<br />
Wahlproblemen, insbesondere in Sachsen, geführt hat. Ich rate aber<br />
auch Frau Merkel, vor wichtigen Entscheidungen diese mehr mit der Gesamtpartei<br />
abzustimmen, so dass Rückzieher, wie im Fall der Türkei-Unterschriftenaktion,<br />
nicht notwendig sind.
</p>
<p>
<b>Tigge:</b> Öffentlichkeits-Marketing der CDU: Wer<br />
macht sich eigentlich Gedanken um das Erscheinungsbild der CDU? Es ist<br />
nicht zu begreifen, wie zum Beispiel Wörter wie &quot;Kopfpauschale<br />
&quot; gewählt werden können. Das erinnert schon bald an Kopfschuss.<br />
Die meisten Leute wissen nichts über den Inhalt, hören nur<br />
den Begriff und der ist sehr negativ belastet. Die SPD weiß leider,<br />
wie sie gut beim Volk ankommt. Zumindest kann sie mit den Medien umgehen,<br />
wenn auch nicht regieren.
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth: </b>Wer den Begriff &quot;Kopfpauschale&quot;<br />
erfunden und für die CDU kommuniziert hat, sollte sich an die Ausführungen<br />
Biedenkopfs schon vor 20 Jahren erinnern, als er auf die Bedeutung des<br />
Kampfs um politische Begriffe aufmerksam machte. Wer politische Begriffe<br />
positiv besetzen kann, wird eine politische Auseinandersetzung leichter<br />
gewinnen können. Inzwischen bestreiten ja alle CDU-Funktionsträger,<br />
sie hätten den Begriff selbst in Verkehr gebracht. Ich stimme Ihnen<br />
zu, dass diese Begriffswahl alles andere als professionell war. Nun<br />
darf man sich nicht vorstellen, dass politische Kommunikation immer<br />
nur mit einem Knopfdruck funktionieren kann &#8211; dazu dient nicht der Chor<br />
der Vielstimmigkeit, der prinzipiell in einer Volkspartei ja sogar erwünscht<br />
ist. Wir haben es mit einem Grundproblem in unserer Demokratie zu tun.<br />
Demokratien benötigen auch innerparteilich eine Streitkultur, nur<br />
dann kommt es zu &quot;guten&quot; Lösungen. Wenn aber innerparteilich<br />
Auseinandersetzungen stattfinden, wird dies von den Wählern häufig<br />
als Schwäche empfunden. Es darf aber nicht zugelassen werden, dass<br />
zum Schluss nur noch Totengräberruhe in den Parteien herrscht.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Kann die CDU mit dem aktuellen Gesundheitskompromiss<br />
überhaupt Wahlen gewinnen? Heiner Geißler meint: Auf keinen<br />
Fall!
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Ich bin sogar überzeugt, dass<br />
die CDU mit dem Schwerpunkt Gesundheitspolitik, zu dem sie natürlich<br />
Positionen haben muss, keine Wahlen gewinnen kann. In diesem Feld wird<br />
die SPD von ihrem Image her immer im Vorteil sein. Die klassischen Schwerpunktthemen<br />
und Stärken in der Union sind zum Beispiel Wirtschafts- und Haushaltspolitik.<br />
Hier muss die Union punkten. Das überhaupt eine solche Diskussion<br />
über Fragen der Gesundheitspolitik, die kein Mensch mehr verstanden<br />
hat, auch inhaltlich, solange möglich war, hat auch etwas mit dem<br />
Sachverhalt zu tun, dass hier fundamental zwischen zwei selbständigen<br />
Parteien kein Einvernehmen zu erzielen war und Seehofer den prinzipiell<br />
kompromissbereiten Stoiber hier in eine Rigorismusfalle gebracht hatte.<br />
Der Beschluss, der jetzt getroffen wurde, hat lediglich virtuellen Charakter.<br />
Er soll zeigen, dass die beiden Parteien sich einigen können: Einigung<br />
als Wert an sich! Sollte die Unionsparteien aber an die Regierung kommen,<br />
spielt ja dann aber sowieso der Koalitionspartner FDP, ohne den es ja<br />
nicht geht, eine Rolle.
</p>
<p>
<b>Alois: </b>Die FDP stellt sich gegen die Gesundheitspolitik<br />
der Union. Kommt die FDP überhaupt noch als Koalitionspartner in<br />
Frage?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Ja, wer denn sonst? Die Grünen<br />
haben sich &#8211; jedenfalls so lange Joseph (&quot;Joschka&quot;) Fischer<br />
als heimlicher Vorsitzender dieser Partei was zu sagen hat &#8211; in eine<br />
Art babylonische Gefangenschaft der SPD begeben. So wird Frau Merkel<br />
gar nichts anderes übrig bleiben, auch dem knurrenden Stoiber nicht,<br />
mit der FDP zu koalieren. Die Vorbereitungen zur Wahl des Bundespräsidenten<br />
waren hier ein interessantes Manöver &#8211; gleichzeitig ein solches<br />
Unterfangen, wofür die meisten Frau Merkel gegenüber höchsten<br />
Respekt zollten.
</p>
<p>
<b>Buitoni: </b>Wie bedeutsam ist die Rolle der CSU in der<br />
Bundespolitik der Union, Ihrer Meinung nach?
</p>
<p>
<b>Alois: </b>Welche Möglichkeit hat die CSU pol. Einfluss<br />
auf die CDU auszuüben?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Nun muss man wissen, dass zu Beginn<br />
einer jeden Legislaturperiode CDU und CSU einen Vertrag über die<br />
Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Fraktion unterschreiben. Das gibt<br />
der CSU, die auch bei Fraktionsvorstandswahlen einen besonderen Status<br />
hat, in vielen personellen wie inhaltlichen Fragen eine Veto-Macht.<br />
Politikwissenschaftlich betrachtet, waren in der Vergangenheit sogar<br />
die Kämpfe zwischen CDU und CSU &#8211; seinerzeit Strauss gegen Kohl<br />
und umgekehrt &#8211; sogar ein breites Integrationsmoment insofern, als beispielsweise<br />
sehr konservativ gesonnene Wähler im Norden, die dort die CSU nicht<br />
wählen konnten, trotzdem die CDU gewählt haben,weil sie ja<br />
wussten, dass später ein solcher Einfluss über die gemeinsame<br />
Fraktion, wie sie sie sich wünschten, wahrgenommen wird. Allerdings<br />
gab es in der Vergangenheit zwar häufig Streit, doch noch nie eine<br />
Situation, dass eine Parteivorsitzende, wie in diesem Fall Frau Merkel,<br />
inhaltlich durch einen Parteitagsbeschluss gebunden war, dass sie kaum<br />
Manövriermasse für Kompromisse hatte. Da hatte Kohl einen<br />
anderen Politikstil.
</p>
<p>
<b>Birk: </b>Hat die FDP nicht Narrenfreiheit, weil die Union<br />
keinen anderen Koalitionspartner hat? Eine große Koalition kommt<br />
wohl kaum in Frage.
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Eine Große Koalition wäre<br />
im Rahmen der politischen Kultur Deutschlands nur dann eine Möglichkeit,<br />
wenn sich überhaupt keine andere Mehrheit mehr ergäbe, wenn<br />
beispielsweise durch den Erfolg von extremistischen Parteien, Koalitionen<br />
von demokratischen Parteien erschwerten. Völlige &quot;Narrenfreiheit&quot;<br />
kann sich auch die FDP nicht erlauben, denn sie will ja an die Macht.<br />
Sie muss sehr auf den Wähler achten, dass ihre Aktionen auch von<br />
diesem verstanden werden.
</p>
<p>
<b>linda:</b> Herr Langguth, der Beschluss zur Gesundheitsreform<br />
hat ja vor allem gezeigt, dass eine gemeinsame Politik von CDU und CSU<br />
nur unter großen qualitativen Verlusten möglich ist. Kann<br />
ein solcher Eindruck die Bundestagswahl 2006 gefährden?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Wenn dieser Eindruck zu dem Zeitpunkt<br />
der Bundestagswahl noch vorherrscht, dann ja. Erfahrungsgemäß<br />
wechseln die politischen Themen sehr schnell. In einigen Wochen wird<br />
kaum noch jemand über den Gesundheitskompromiss sprechen. Wir sehen<br />
ja jetzt schon, wie zum Beispiel das Thema Bundeswehr den Gesundheitskompromiss<br />
abgelöst hat. Ich will aber hinzufügen, dass den Regierungsparteien<br />
ein Meisterstück gelungen ist. Die Grünen und die SPD haben<br />
sich hinsichtlich ihres Konzeptes einer &quot;Bürgerversicherung&quot;<br />
so zerstritten, dass sie beschlossen haben, diese Thematik erst nach<br />
den nächsten Bindestagswahlen aufzugreifen. Und kaum einer merkt<br />
es. Sicherlich wird die Union gut beraten sein, auch auf diesen Umstand<br />
in der Wahlkampfauseinandersetzung dann hinzuweisen, wenn ihr dieser<br />
Beschluss zur Gesundheitspolitik vorgehalten wird.
</p>
<p>
<b>Chris:</b> Inwieweit hat der Verlust Seehofers als Fachminister<br />
der Union geschadet? Hat die Union überhaupt noch die Möglichkeit,<br />
ihr gesundheitspolitisches Konzept überzeugend zu verkaufen?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth: </b>Seehofers Rücktritt ist einerseits<br />
ein schmerzhafter Einschnitt. Andererseits: Die harte Erfahrung, die<br />
auch Seehofer machen wird, ist die, dass jeder ersetzbar ist. Bisher<br />
hatte Frau Merkel im Fraktionsvorstand gerade in wichtigen Fragen keine<br />
wirkliche Mehrheit. Durch das Ausscheiden von Merz und Seehofer &#8211; so<br />
paradox das vielleicht klingen mag &#8211; wird intern ihre Stellung gestärkt.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Merkel beißt die besten Leute der<br />
Union weg &#8211; welche langfristige Strategie verbirgt sich dahinter?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Ich weiß nicht, ob Frau Merkel<br />
in dem Sinne eine langfristige Strategie hat. Sie agiert sehr in der<br />
Mentalität einer Naturwissenschaftlerin, die die Probleme in der<br />
Politik zu einem Zeitpunkt lösen will, zu dem diese Fragen beantwortet<br />
werden müssen. Sie hat aber eine Strategie. Sie will mit aller<br />
Wucht Kanzlerin werden und weiß alle diejenigen, die sich ihr<br />
diesbezüglich in den Weg gestellt haben, in die Schranken zu verweisen.<br />
Ich habe ja in meinem Buch darauf aufmerksam gemacht, dass die Zahl<br />
ihrer Skalps, die sie erzielt hat, enorm ist. Insofern habe ich im Moment<br />
keinen Zweifel, dass ihre Hauptstrategie darin bestehen wird, erste<br />
Kanzlerin in Deutschland zu werden.
</p>
<p>
<b>Fermina: </b>Horst Seehofer sagte kürzlich: &quot;Wer<br />
Merkel unterschätzt, hat schon verloren&quot;. Wurde Merkel innerhalb<br />
der Partei, wie zum Beispiel von Merz, unterschätzt?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth: </b>Ich glaube nicht, dass Merz Merkel<br />
unterschätzt hat. Er hat rational erkannt, dass er in einer eventuellen<br />
künftigen Merkel geführten Bundesregierung keine Chance hat,<br />
ein Superministerium aus Wirtschaft und Finanzen, worüber ja schon<br />
in der Presse spekuliert wurde, zu übernehmen.<br />
Deshalb halte ich seinen Schritt für logisch. Zumal man ja auch<br />
respektieren muss, wenn Politiker mal &quot;ins Glied zurücktreten&quot;<br />
&#8211; dass kommt ja selten genug vor. Wahr ist aber, dass Frau Merkel lange<br />
Jahre heftig unterschätzt wurde, wie übrigens auch ihr früherer<br />
politischer Ziehvater Helmut Kohl. Unterschätzte haben es in Politik<br />
(und manches Mal auch außerhalb der Politik) häufig leichter<br />
schnell &quot;nach oben&quot; zu kommen, weil sie ja am Anfang auf Viele<br />
nicht den Eindruck machen, gefährlich werden zu können.
</p>
<p>
<b>linda:</b> Sie sagten Merkel habe keine Hausmacht, und<br />
der Wunsch, Kanzlerin, zu werden, ist als Strategie ein bisschen wenig.<br />
Sind &quot;gestandene&quot; Ministerpräsidenten, wie Stoiber oder<br />
Koch, nicht gnadenlos im Vorteil?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Ministerpräsidenten sind deshalb<br />
im Vorteil, weil sie ein exekutives, ein Regierungsamt haben. Deswegen<br />
obsiegte ja auch Stoiber in der innerparteilichen Auseinandersetzung.<br />
Frühere Bundeskanzler sind, sieht man von den Anfangsjahren ab,<br />
deshalb ins Amt gekommen, weil man, wegen ihrer Erfahrung als Ministerpräsidenten,<br />
ihnen eher zugetraut hat, die<br />
Aufgaben eines Bundeskanzlers ausfüllen zu können (zum Beispiel<br />
Kiesinger, Brandt, Kohl und Schröder).
</p>
<p>
<b>franz.K.:</b> Was ist mit dem Thema Integration und Leitkultur.<br />
Hilft das der Union bei Wahlen oder für die Umfragenwerte?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Es hilft der Union dann, wenn sie das<br />
Thema in einer sensiblen Weise anpackt und nicht den Vorwurf einer prinzipiellen<br />
Ausländerfeindlichkeit möglich macht. Es gibt in der deutschen<br />
Bevölkerung &#8211; auch bei den Wählern der SPD und teilweise auch<br />
bei den Grünen &#8211; eine große Verunsicherung, wie Integrationsprobleme,<br />
die ja nicht zu bestreiten sind, friedvoll und konsequent gelöst<br />
werden können. Nun <br />
wurde ja seinerzeit Merz, als er den Begriff &quot;Leitkultur&quot;<br />
gebrauchte, mehr oder minder &quot;zurückgepfiffen&quot;. Alle<br />
Parteien nehmen sich jetzt dieser Thematik an, weil diese Probleme einfach<br />
zu den wichtigsten in der Diskussion in der Bevölkerung gehören.<br />
Hieraus kann der Union ein strategischer Vorteil erwachsen, aber nur,<br />
wenn sie nicht übers Ziel hinausschießt.
</p>
<p>
<b>Q:</b> Muss sich die Union so populistischen Themen wie<br />
der Unterschriftenaktion gegen einen EU-Beitritt der Türkei bedienen,<br />
um aus ihrem Umfragetief zu kommen? Muss die Union auf populistische<br />
Themen setzen, um sich bloß keinen Sachfragen widmen zu müssen?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Es besteht immer die Gefahr, dass man<br />
in Umfragetiefs auf populistische Themen setzt. Andererseits muss jede<br />
Partei auch die Themen ansprechen, die die Bevölkerung besonders<br />
bewegen. Wenn beispielsweise die CSU auf ihrem Parteitag die Werteproblematik<br />
besonders intensiv angesprochen hat, dann war das sicherlich auch deshalb<br />
der Fall, weil sie von dem Sozialdesaster ablenken wollte, aber auch,<br />
weil sie erkannt hat, dass die Fragen der Wertorientierung gerade in<br />
einer pluralistischen Demokratie intensiv gestellt werden. Dies war<br />
übrigens auch eine im amerikanischen Wahlkampf gemachte Erfahrung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wo wir schon beim Thema Populismus sind:
</p>
<p>
<b>HMPMP:</b> Wie bewerten Sie die Bereitschaft der CDU,<br />
auf Länderebene Koalitionen mit rechtspopulistischen Parteien einzugehen,<br />
wie es in Hamburg geschah?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Der Fall in Hamburg mit der Schill-Partei<br />
war ein besonderer. Die Schill-Partei war zwar rechtspopulistisch, aber<br />
nicht rechtsextrem. Eine Koalition der CDU mit rechtsextremen Parteien<br />
&#8211; etwa DVU oder NPD &#8211; halte ich für absolut ausgeschlossen. Dass<br />
Hamburger Wahlergebnis war ja durch die Tatsache bestimmt, dass die<br />
Schill-Partei von heute auf morgen eine zweistellige, enorme Stimmenzahl<br />
erhalten hat, dass die Wähler einen Politikwechsel in Hamburg sichtbar<br />
wollten. Im Übrigen stellt sich die Frage von Koalitionen nicht<br />
nur bei rechtspopulistischen Parteien. Auch die PDS hat einen starken,<br />
wenngleich linkspopulistischen Charakter. Hamburg ist ein Beispiel,<br />
dass eine Partei durch das Nichtbewähren in einer Koalition verbannt<br />
werden kann.
</p>
<p>
<b>Logo_08: </b>Welche Schäden hat die Finanzaffäre<br />
bei der Union hinterlassen? Ist das Gedächtnis der Bevölkerung<br />
wirklich so kurzzeitig, dass man den Skandal vergessen hat?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth: </b>Nein, dieses Thema bleibt im Langzeitgedächtnis.<br />
Frau Merkel, die ja mit dem Finanzskandal wirklich nichts zu tun hatte,<br />
hatte ja klar aufgeräumt. Die menschlichen Enttäuschungen<br />
über Helmuth Kohl hallen bis heute nach.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Wie viel Verantwortung hat Helmut Kohl<br />
noch für die derzeitige Situation in der Union?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Das kann man nicht in Prozenten messen.<br />
Er hat natürlich nicht nur eine negative Verantwortung, zu der<br />
er sich ungern bekennt. Er hat ja auch viele Erfolge &#8211; insbesondere<br />
die Deutsche Einheit &#8211; eingefahren. Wir werden auf den 2.Teil seine<br />
Memoiren gespannt sein, ob er zu mehr Einsicht kommt.
</p>
<p>
<b>r0bin: </b>So sehr sich die beiden großen Parteien<br />
auch unterscheiden mögen, so sehr gleichen sie sich doch auch in<br />
einem Punkt: Die sukzessive Verstaatlichung von Arbeitsmarkt und Gesundheitssystemen<br />
steht offenbar überhaupt nicht zur Diskussion, sondern wird ganz<br />
selbstverständlich betrieben, ob bei den Hartz-Reformen oder beim<br />
Gesundheitskompromiss. Wird die Union damit ihrem Anspruch als bürgerliche<br />
Partei überhaupt noch gerecht?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth: </b>Ja, die Verstaatlichung des Gesundheitssystems<br />
hat ja in einem obrigkeitsstaatlich geprägten System, wie in Deutschland,<br />
eine lange Tradition. Hier ist übrigens die CSU mehr auf der Seite,<br />
keine Reformen zu wollen, währenddessen ja die Konzeption von Frau<br />
Merkel darin besteht, mehr Verantwortung für den Einzelnen einzufordern.
</p>
<p>
<b>SaferVote:</b> Wie schätzen sie die Gelegenheit ein,<br />
in Deutschland eine neue Volkspartei zu gründen?
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Dazu gibt es keine Chancen. Die Gründung<br />
neuer Parteien ist fast ausgeschlossen. Auch die Partei, die sich jetzt<br />
links von der SPD gründet, wird größte Schwierigkeiten<br />
haben. Die Grünen sind das einzige gelungene Beispiel für<br />
eine Neugründung &#8211; sieht man von dem Sonderfall PDS ab.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Das war unsere Chat-Stunde, vielen Dank<br />
für Ihr Interesse. Herzlichen Dank Herr Langguth, dass Sie sich<br />
die Zeit genommen haben. Der nächste Chat findet am Mittwoch, 15.<br />
Dezember, um dreizehn Uhr statt. Den Fragen stellt sich dann der Vizechef<br />
der Unionsfraktion im Bundestag, Wolfgang Bosbach. Das Protokoll dieses<br />
Chats finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter. Einen schönen<br />
Tag wünscht allen das tacheles.02-Team.
</p>
<p>
<b>Gerd Langguth:</b> Leider ist der Chat schnell zu Ende<br />
gegangen. Ich danke allen Fragestellern.</p>
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