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	<title>Gerhard Schröder &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Gerhard Schröder &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Kanzler Schröder fährt nicht zum UN-Gipfel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Nov 2012 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[UN-Weltinformationsgipfel in Genf]]></category>
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					<description><![CDATA[...aber dafür Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;aber dafür Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement<!--break-->
                    </p>
<p>Innenpolitik, Vermittlungsausschuss zur Agenda 2010 und die Abschluss-Sitzungen des EU-Gipfels zur Europäischen Verfassung haben zu starkes Gewicht. Bundeskanzler Gerhard Schröder wird nach Aussagen eines Regierungssprechers nicht am UN-Gipfel zur Informationsgesellschaft vom 10. bis zum 12. Dezember in Genf (WSIS) teilnehmen. Ursprünglich wollte Schröder eine Rede im Gipfelplenum halten und vom Nachmittag des 10. bis zum Mittag des 11. Dezembers vor Ort sein.</p>
<p>Stattdessen wird Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement am 11. Dezember zum Gipfel fahren, bestätigte am Donnerstag (27.11.) das Ministerium gegenüber politik-digital.de. Das Wirtschaftsministerium hat derzeit die Federführung für den UN-Gipfel von Seiten der Regierung.</p>
<p>&#8220;Dieses kurzfristige Umdisponieren zeigt deutlich, dass der Bundesregierung die weitreichenden Bedeutungen der auf dem WSIS diskutierten Themen nicht klar ist&#8221;, bemängelt Ralf Bendrath, Mitglied des zivilgesellschaftlichen Koordinierungskreises zum Informationsgipfel. Die Bundesregierung setze die falschen Prioritäten.</p>
<table cellpadding="2" width="170" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Zuerst erschienen bei<br />
                            <a href="http://www.gipfelthemen.de">gipfelthemen.de</a> am 27.11.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></p>
<table cellspacing="0" cellpadding="2" width="390" border="0">
<tbody>
<tr>
<td align="middle">
                            <em><br />
                              <a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:">Kommentieren Sie diesen Artikel!</a><br />
                            </em></p>
<p>                            <em><br />
                              <a href="/salon/diskussion/">Diskutieren Sie mit anderen in unserem Forum!</a><br />
                            </em><br />
                            
                          </td>
</tr>
</tbody>
</table>
<hr class="tidy-3" width="390" noshade="noshade" size="1" />
                    </p>
<p>
                      <strong>Weiterführende Artikel:</strong>
                    </p>
<ul>
<li>
                        <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/doss5ungi.shtml">Bundeskanzler Schröder will zum Gipfel fahren</a>
                      </li>
</ul>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bleibt alles anders?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/bleibt_alles_anders_0-30/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch &#8222;Der Bundestagswahlkampf 1998 - Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis&#8220;.</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch „Der Bundestagswahlkampf 1998 &#8211; Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis“.<br />
<strong>Machtwechsel 1998: wie kam es dazu?<br />
</strong> Fernsehduell? Dazu hatte der Herausforderer Schröder den Amtsinhaber Kohl aufgefordert. Doch der verzichtete freiwillig, das TV-Duell wurde als „Personality-Show“ abgetan. Das war vor vier Jahren. Am 27. September 1998 kam es auch ohne eine vorhergehende Fernsehdiskussion zu einem Machtwechsel. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hatten Bundestagswahlen den Austausch der kompletten Regierung zur Folge. 16 Jahre lang hatte Helmut Kohl mit einer Koalition aus CDU/CSU und FDP regiert, nun übernahm Gerhard Schröder mit einem Bündnis aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen. So weit, so klar. Bleibt nur eine Frage: wie konnte es dazu kommen?<br />
Knut Bergmann hat die Antwort auf diese Frage zum Thema seiner Dissertation gemacht. 377 Seiten und 10 Kapitel lang ist sein Erklärungsversuch. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die beiden großen Parteien CDU und SPD und fasst die „kleinen“ Parteien in einem Kapitel zusammen. Bergmann untersucht Kandidaten, Kampagnen und Koalitionsstrategien, analysiert den Einfluss der Landespolitik und den der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Bundestagswahl. Schließlich geht er auf die angebliche „Amerikanisierung“ des Wahlkampfes und das endgültige Ergebnis ein.<br />
<strong>Kandidatenkampf und Strategiepläne bei den großen Parteien<br />
</strong> Was nach langweiliger wissenschaftlicher Arbeit klingt, liest sich wie ein spannender Krimi. Kohl ist geköpft, Schröder hat gesiegt. Detektiv Bergmann begibt sich auf Spurensuche. Chronologisch wird der Prozess aufgerollt. Wir erinnern uns beispielsweise an Lafontaine und Schröder und die „Strategie der späten Entscheidung“ der SPD. Die Landtagswahlen in Niedersachsen hatte Schröder selbst als Plebiszit über die Kanzlerkandidatur definiert. Er siegt, Lafontaine zieht zurück. In einer Fußnote zitiert Bergmann einen Kommentar Schröders zum Messerattentat auf Lafontaine während des Bundestagswahlkampfes. Dieses habe ihm in Niedersachsen zwei Prozent mehr an Wahlstimmen gebracht.<br />
Auf Seiten der CDU konkurrieren der „Kronprinz“ Wolfgang Schäuble mit dem Endlos-Bundeskanzler Kohl. Während die SPD eine erstaunliche Kommunikationsdisziplin an den Tag legt, gibt es bei der Union bis zuletzt Spekulationen und Diskussionen um die Kandidatur. Schuld am „Bild der Uneinigkeit“ sei letztlich die Tatsache, zu Kohl keine wirkliche Alternative zu haben, so Bergmann (44).<br />
Schröder will mit der SPD an die Macht, die CDU und vor allem der Vorsitzende Kohl hat zu viel davon. Daraus lassen sich die Strategien der Parteien logisch ableiten. Die SPD greift an. Sie will sich als „Markenprodukt“ (53) verkaufen, setzt auf die Begriffe „Innovation“, „Gerechtigkeit“ und „Neue Mitte“. Bergmann: „Die SPD setzt ihre langfristig angelegte Strategie sehr konsequent um.“ (79) Genau das Gegenteil ist bei der Union der Fall. Sie lässt sich in die Defensive drängen und schafft es nicht einmal, sich auf einen Minimalkonsens zu einigen. „Erkennbar wird eine Art parallele Wahlkampfführung des Bundeskanzleramtes und der Parteizentrale“ (103).<br />
Weder CDU noch SPD nutzen das Internet als effektives Kommunikationsinstrument. Während es die Sozialdemokraten noch nicht einmal zu einer eigenen Kandidatenhomepage schaffen, umfasst das Webangebot der Konkurrenz immerhin eine Reihe von Chats in der heißen Schlussphase. Trotzdem, 1998 kann von „Internet-Wahlkampf“ keine Rede sein.<br />
<strong>Wer koaliert mit wem und was machen die „kleinen“ Parteien?<br />
</strong> Sehr opportun auch die koalitionspolitische Lage der Sozialdemokraten. Sie geben sich als „Hahn im Korb“ und halten sich alle Optionen offen (128). Die CDU hingegen befindet sich in einem „koalitionspolitischen Dilemma“: die FDP bleibt nach wie vor einziger potenzieller Koalitionspartner. Diese „alternativlose Bindung“ macht eine Disziplinierung der Liberalen unmöglich.(134).<br />
Der große Coup gelingt der SPD mit der „Kampa“, der eigenständigen Wahlkampfzentrale. Die hat Symbolwert nach außen wie nach innen, wird selbst Gegenstand zahlreicher Medienberichte und unterstreicht somit das neue Image der Sozialdemokraten. (144) Wie bei der Strategie, so fehlt es auch bei der Wahlkampf-Organisation der Christdemokraten an einer einheitlichen Linie. Hier sieht Bergmann sogar eine Dreiteilung in Bundeskanzleramt, CDU-Bundesgeschäftsstelle und Bundestagsfraktion (165).<br />
„Bündnis 90/Die Grünen oder der Versuch, regierungsfähig zu werden“ überschreibt der Autor das Kapitel über den Wahlkampf der grünen Partei (167). Für ihn überwiegen die negativen Aspekte wie mangelnde Disziplin und Konflikte zwischen realpolitischen und fundamentalistisch orientierten Parteimitgliedern. Der Kardinalfehler unterläuft den Grünen mit der Forderung nach einem Benzinpreis von fünf D-Mark. Unter schwierigen Bedingungen – „beschränkte finanzielle Mittel, lange Regierungszeit, geringes Profil des Spitzenpersonals (…)“ &#8211; starten die Liberalen in den Wahlkampf (205). Der geht zum Teil auch gegen den eigenen Koalitionspartner CDU und wird von Bergmann insgesamt durchaus positiv bewertet. Auch die PDS steckt ´98 in einem „doppelten Dilemma“: bleibt sie in der Fundamentalopposition oder wird sie koalitionsfähig, und bleibt sie Regionalpartei oder dehnt sie sich gen Westen aus? Dem entkommt sie nicht, im Gegenteil. Das Scheitern vor Augen zieht sie sich auf halbem Wege nach Osten zurück (223).<br />
<strong>Der Einfluss der Landtagswahlen und das absolut dominante Problem „Arbeitslosigkeit“<br />
</strong> Einzig die Landtagswahlen in Niedersachsen können als voller Erfolg für die Sozialdemokraten gewertet werden. Schon eine halbe Stunde nach der ersten Hochrechnung verkündet der SPD-Bundesgeschäftsführer Münterfering die Kanzlerkandidatur Schröders vor den Medien (243). Ein strategischer Fehler unterläuft der SPD dagegen bei der Entscheidung zur Fortsetzung des „Magdeburger Modells“ nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (253), bilanziert Bergmann. Auch die vorhergegangene Hamburger Bürgerschaftswahl wird als „totaler Flop“ für die SPD bezeichnet. In Bayern triumphiert die CSU unter Ministerpräsident Stoiber. Schröder geht gelassen auf Distanz und lässt sich von dem Ergebnis der bayrischen Landtagswahl nicht irritieren (269).<br />
Im Gegensatz dazu ist der Einfluss der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Wahlentscheidung der Deutschen riesig. Der SPD wird mehr Kompetenz in Sachen Wirtschaftspolitik zugeschrieben als der unionsgeführten Bundesregierung. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht in dem Problem „Arbeitslosigkeit“ einen entscheidenden Faktor für die Wahlniederlage der CDU. Die Sozialdemokraten bauen auf Gefühle der sozialen Verunsicherung und Benachteiligung in der Bevölkerung und treffen mit dem Stichwort „Gerechtigkeitslücke“ den Nagel auf den Kopf. Die SPD weiß auszunutzen, dass mit dem „absolut dominanten Problem Arbeitslosigkeit“ die „Wirtschaftslage zu einem Faktor der Wahlentscheidung“ wird (300).<br />
<strong>Weder „Amerikanisierung“ noch erhöhte „Personalisierung“<br />
</strong> Abschließend räumt Bergmann noch mit zwei Thesen auf, die gerne in den Medien verbreitet werden. Weder sei ein Phänomen der „Amerikanisierung“ noch das der erhöhten „Personalisierung“ festzustellen. Vielmehr handele es sich um eine modernisierte Wahlkampfführung und der Grad der Personalisierung im Bundestagswahlkampf 1998 sei „nicht höher als in vergangenen Kampagnen“ (329).<br />
Spaß macht die Lektüre vor allem vor dem Hintergrund des laufenden Wahlkampfes. Denn bald ist man geneigt, die bisher geschehenen Ereignisse selbständig in die Kapitel einzuordnen und sich somit – logisch – ein Ergebnis herzuleiten. „Machtwechsel sind normalerweise nur dann möglich, wenn der potenzielle Nutzen eines Regierungswechsels die potenziellen Kosten deutlich übertrifft“ (338) und „der Wahlsieg der SPD war keinesfalls mittels eines Wunder-Wahlkampfes herbeigezaubert“ (344), meint Knut Bergmann. Wie sieht das im Bundestagswahlkampf 2002 aus? Ein Kapitel dieses Buches wird erst am 22. September geschrieben.<br />
(Seitenzahlen in Klammern)</p>
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		<title>Bleibt alles anders?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:04 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch &#8222;Der Bundestagswahlkampf 1998 - Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis&#8220;.</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch „Der Bundestagswahlkampf 1998 &#8211; Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis“.<br />
<strong>Machtwechsel 1998: wie kam es dazu?<br />
</strong> Fernsehduell? Dazu hatte der Herausforderer Schröder den Amtsinhaber Kohl aufgefordert. Doch der verzichtete freiwillig, das TV-Duell wurde als „Personality-Show“ abgetan. Das war vor vier Jahren. Am 27. September 1998 kam es auch ohne eine vorhergehende Fernsehdiskussion zu einem Machtwechsel. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hatten Bundestagswahlen den Austausch der kompletten Regierung zur Folge. 16 Jahre lang hatte Helmut Kohl mit einer Koalition aus CDU/CSU und FDP regiert, nun übernahm Gerhard Schröder mit einem Bündnis aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen. So weit, so klar. Bleibt nur eine Frage: wie konnte es dazu kommen?<br />
Knut Bergmann hat die Antwort auf diese Frage zum Thema seiner Dissertation gemacht. 377 Seiten und 10 Kapitel lang ist sein Erklärungsversuch. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die beiden großen Parteien CDU und SPD und fasst die „kleinen“ Parteien in einem Kapitel zusammen. Bergmann untersucht Kandidaten, Kampagnen und Koalitionsstrategien, analysiert den Einfluss der Landespolitik und den der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Bundestagswahl. Schließlich geht er auf die angebliche „Amerikanisierung“ des Wahlkampfes und das endgültige Ergebnis ein.<br />
<strong>Kandidatenkampf und Strategiepläne bei den großen Parteien<br />
</strong> Was nach langweiliger wissenschaftlicher Arbeit klingt, liest sich wie ein spannender Krimi. Kohl ist geköpft, Schröder hat gesiegt. Detektiv Bergmann begibt sich auf Spurensuche. Chronologisch wird der Prozess aufgerollt. Wir erinnern uns beispielsweise an Lafontaine und Schröder und die „Strategie der späten Entscheidung“ der SPD. Die Landtagswahlen in Niedersachsen hatte Schröder selbst als Plebiszit über die Kanzlerkandidatur definiert. Er siegt, Lafontaine zieht zurück. In einer Fußnote zitiert Bergmann einen Kommentar Schröders zum Messerattentat auf Lafontaine während des Bundestagswahlkampfes. Dieses habe ihm in Niedersachsen zwei Prozent mehr an Wahlstimmen gebracht.<br />
Auf Seiten der CDU konkurrieren der „Kronprinz“ Wolfgang Schäuble mit dem Endlos-Bundeskanzler Kohl. Während die SPD eine erstaunliche Kommunikationsdisziplin an den Tag legt, gibt es bei der Union bis zuletzt Spekulationen und Diskussionen um die Kandidatur. Schuld am „Bild der Uneinigkeit“ sei letztlich die Tatsache, zu Kohl keine wirkliche Alternative zu haben, so Bergmann (44).<br />
Schröder will mit der SPD an die Macht, die CDU und vor allem der Vorsitzende Kohl hat zu viel davon. Daraus lassen sich die Strategien der Parteien logisch ableiten. Die SPD greift an. Sie will sich als „Markenprodukt“ (53) verkaufen, setzt auf die Begriffe „Innovation“, „Gerechtigkeit“ und „Neue Mitte“. Bergmann: „Die SPD setzt ihre langfristig angelegte Strategie sehr konsequent um.“ (79) Genau das Gegenteil ist bei der Union der Fall. Sie lässt sich in die Defensive drängen und schafft es nicht einmal, sich auf einen Minimalkonsens zu einigen. „Erkennbar wird eine Art parallele Wahlkampfführung des Bundeskanzleramtes und der Parteizentrale“ (103).<br />
Weder CDU noch SPD nutzen das Internet als effektives Kommunikationsinstrument. Während es die Sozialdemokraten noch nicht einmal zu einer eigenen Kandidatenhomepage schaffen, umfasst das Webangebot der Konkurrenz immerhin eine Reihe von Chats in der heißen Schlussphase. Trotzdem, 1998 kann von „Internet-Wahlkampf“ keine Rede sein.<br />
<strong>Wer koaliert mit wem und was machen die „kleinen“ Parteien?<br />
</strong> Sehr opportun auch die koalitionspolitische Lage der Sozialdemokraten. Sie geben sich als „Hahn im Korb“ und halten sich alle Optionen offen (128). Die CDU hingegen befindet sich in einem „koalitionspolitischen Dilemma“: die FDP bleibt nach wie vor einziger potenzieller Koalitionspartner. Diese „alternativlose Bindung“ macht eine Disziplinierung der Liberalen unmöglich.(134).<br />
Der große Coup gelingt der SPD mit der „Kampa“, der eigenständigen Wahlkampfzentrale. Die hat Symbolwert nach außen wie nach innen, wird selbst Gegenstand zahlreicher Medienberichte und unterstreicht somit das neue Image der Sozialdemokraten. (144) Wie bei der Strategie, so fehlt es auch bei der Wahlkampf-Organisation der Christdemokraten an einer einheitlichen Linie. Hier sieht Bergmann sogar eine Dreiteilung in Bundeskanzleramt, CDU-Bundesgeschäftsstelle und Bundestagsfraktion (165).<br />
„Bündnis 90/Die Grünen oder der Versuch, regierungsfähig zu werden“ überschreibt der Autor das Kapitel über den Wahlkampf der grünen Partei (167). Für ihn überwiegen die negativen Aspekte wie mangelnde Disziplin und Konflikte zwischen realpolitischen und fundamentalistisch orientierten Parteimitgliedern. Der Kardinalfehler unterläuft den Grünen mit der Forderung nach einem Benzinpreis von fünf D-Mark. Unter schwierigen Bedingungen – „beschränkte finanzielle Mittel, lange Regierungszeit, geringes Profil des Spitzenpersonals (…)“ &#8211; starten die Liberalen in den Wahlkampf (205). Der geht zum Teil auch gegen den eigenen Koalitionspartner CDU und wird von Bergmann insgesamt durchaus positiv bewertet. Auch die PDS steckt ´98 in einem „doppelten Dilemma“: bleibt sie in der Fundamentalopposition oder wird sie koalitionsfähig, und bleibt sie Regionalpartei oder dehnt sie sich gen Westen aus? Dem entkommt sie nicht, im Gegenteil. Das Scheitern vor Augen zieht sie sich auf halbem Wege nach Osten zurück (223).<br />
<strong>Der Einfluss der Landtagswahlen und das absolut dominante Problem „Arbeitslosigkeit“<br />
</strong> Einzig die Landtagswahlen in Niedersachsen können als voller Erfolg für die Sozialdemokraten gewertet werden. Schon eine halbe Stunde nach der ersten Hochrechnung verkündet der SPD-Bundesgeschäftsführer Münterfering die Kanzlerkandidatur Schröders vor den Medien (243). Ein strategischer Fehler unterläuft der SPD dagegen bei der Entscheidung zur Fortsetzung des „Magdeburger Modells“ nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (253), bilanziert Bergmann. Auch die vorhergegangene Hamburger Bürgerschaftswahl wird als „totaler Flop“ für die SPD bezeichnet. In Bayern triumphiert die CSU unter Ministerpräsident Stoiber. Schröder geht gelassen auf Distanz und lässt sich von dem Ergebnis der bayrischen Landtagswahl nicht irritieren (269).<br />
Im Gegensatz dazu ist der Einfluss der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Wahlentscheidung der Deutschen riesig. Der SPD wird mehr Kompetenz in Sachen Wirtschaftspolitik zugeschrieben als der unionsgeführten Bundesregierung. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht in dem Problem „Arbeitslosigkeit“ einen entscheidenden Faktor für die Wahlniederlage der CDU. Die Sozialdemokraten bauen auf Gefühle der sozialen Verunsicherung und Benachteiligung in der Bevölkerung und treffen mit dem Stichwort „Gerechtigkeitslücke“ den Nagel auf den Kopf. Die SPD weiß auszunutzen, dass mit dem „absolut dominanten Problem Arbeitslosigkeit“ die „Wirtschaftslage zu einem Faktor der Wahlentscheidung“ wird (300).<br />
<strong>Weder „Amerikanisierung“ noch erhöhte „Personalisierung“<br />
</strong> Abschließend räumt Bergmann noch mit zwei Thesen auf, die gerne in den Medien verbreitet werden. Weder sei ein Phänomen der „Amerikanisierung“ noch das der erhöhten „Personalisierung“ festzustellen. Vielmehr handele es sich um eine modernisierte Wahlkampfführung und der Grad der Personalisierung im Bundestagswahlkampf 1998 sei „nicht höher als in vergangenen Kampagnen“ (329).<br />
Spaß macht die Lektüre vor allem vor dem Hintergrund des laufenden Wahlkampfes. Denn bald ist man geneigt, die bisher geschehenen Ereignisse selbständig in die Kapitel einzuordnen und sich somit – logisch – ein Ergebnis herzuleiten. „Machtwechsel sind normalerweise nur dann möglich, wenn der potenzielle Nutzen eines Regierungswechsels die potenziellen Kosten deutlich übertrifft“ (338) und „der Wahlsieg der SPD war keinesfalls mittels eines Wunder-Wahlkampfes herbeigezaubert“ (344), meint Knut Bergmann. Wie sieht das im Bundestagswahlkampf 2002 aus? Ein Kapitel dieses Buches wird erst am 22. September geschrieben.<br />
(Seitenzahlen in Klammern)</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Mehr Ironie, bitte!</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/neuwahlen-zum-bundestag-2005/wahlkampfbundestagswahl05interviewmitulrichsollmann050901-shtml-2834/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Aug 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuwahlen zum Bundestag 2005]]></category>
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					<description><![CDATA[Interview mit dem Berater und Coach Ulrich Sollmann über sein Internetprojekt www.charismakurve.de und die Interpretationsmöglichkeiten der Körpersprache von Angela Merkel und Gerhard Schröder.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Interview mit dem Berater und Coach Ulrich Sollmann über sein Internetprojekt www.charismakurve.de und die Interpretationsmöglichkeiten der Körpersprache von Angela Merkel und Gerhard Schröder.</p>
<p><!--break--></p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Herr Sollmann, die &#8220;Charismakurve&#8221; untersucht die öffentliche Wirksamkeit von Angela Merkel und Gerhard Schröder anhand ausgewählter Bilder. Was haben Sie bislang rausfinden können?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Das Projekt<br />
                            <a href="http://www.charismakurve.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.charismakurve.de</a> zeigt, dass das Internet schnell, direkt und weltweit reagiert und sich dabei eigenständig entwickelt. Es passieren unvorhergesehene Dinge. Absichten, wie bspw. bestimmte Zielgruppen wie Parteien und andere Institutionen zu erreichen, gingen nicht oder selten auf. Unsere Website bildet Trends der Online-Bewertung des Charismas von Schröder und Merkel ab, setzt aber auch eigene Zeichen. Inzwischen gibt es mehr als 47.000 Zugriffe. 85 % kommen aus Deutschland und Europa, 15 % aus dem außereuropäischen Bereich. Hinsichtlich der Bewertung der Bilder durch die User lässt sich festhalten, dass Schröder positiver und charismatischer eingeschätzt wird als Merkel und politische Ereignisse, wie bspw. die Vorstellung des Kompetenzteams, sich auf das Ergebnis auswirken.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Wie unterscheiden sich die Ergebnisse im Internet von den Umfragewerten der Spitzenkandidaten aus den anderen Medien?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Der Zeitfaktor, nämlich die Unmittelbarkeit von Einschätzung und Ergebnis, macht das Internet spannend. Umfragen in den anderen Medien brauchen viel länger, bis sie ihre Ergebnisse veröffentlichen können. Ein weiterer Unterschied ist das Feedback und die hierdurch angeregte Interaktion. Auch wenn dieser Aspekt noch einiger Reflexion bedarf. Zum Inhalt folgendes: die Umfragen zum Thema in den Medien unterscheiden in der Regel nicht zwischen der persönlichen Ausstrahlung und der Verkörperung von Macht bei den Kontrahenten. In so weit sind die Ergebnisse dieser Umfragen unspezifisch und im Grunde genommen nicht aussagekräftig, um handlungsanleitende Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen zu ziehen.<br />
                            <br />Die Ergebnisse der Online-Befragung dürfen aber nicht nur für sich gesehen werden. Sie müssen immer auf den politischen Kontext sowie die anderen Medien bezogen gesehen werden. Letztendlich, und das werden wir hoffentlich in unserer Auswertung zeigen können, gewinnt das Internetprojekt durch die spezifizierte Unterscheidung zu den anderen Medien eine eigene, interessante Aussagekraft, da sich die User interaktiv beteiligen und an konkreten Bildern Bewertungen abgeben können.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Aus den Ergebnissen der Charismakurve können konkrete Verbesserungsvorschläge an die Kandidaten abgeleitet werden. Glauben Sie Frau Merkel oder Herr Schröder lassen sich diesbezüglich coachen?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Die User differenzieren deutlich ihre Empfehlungen zur Verbesserung der Performance. Ebenso beziehen sie sich auf die jeweils neue Entwicklung der aktuellen Bilder von Schröder und Merkel im Netz. Ich glaube nicht, dass die Politik schon so weit ist, solche Empfehlungen aufzugreifen. Sie täte aber m.E. gut daran, dies zu tun.<br />
                            <br />Herkömmliche Verbesserungsvorschläge für ein TV-Duell bleiben eher auf der Ebene von Kamera- und Sprechtraining. Dies sind zwei Arbeits-Konzepte. Sie reichen aber nicht aus, will man das Zusammenspiel von Körpersprache, nonverbaler Wirkung, Persönlichkeit und Handlungsmustern gerecht werden. Und um die geht’s. Will man die ganze Person und den besonderen Streß beim TV-Duell gerecht werden. Nehmen Sie Stoiber 2002. Alle Welt wollte sehen, wie oft er wohl „äh“ sagen würde. Im 1. TV-Duell glänzte er ohne ein einziges „äh“ , kam aber nicht glaubhaft als Person rüber. Offensichtlich hatte er sich “gutes Benehmen vor der Kamera“ antrainieren lassen, was man natürlich sofort bemerkt.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Wie wichtig ist die Körpersprache der Kandidaten für die Wahlentscheidung des Wählers?</p>
<p>
                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Die Körpersprache bzw. nonverbale Wirkung der Kandidaten ist für die Wahlentscheidung von großer Bedeutung. Entscheidet man doch gerade beim TV-Duell zu einem großen Prozentsatz aufgrund der nonverbalen Botschaften wie Mimik, Gestik, Stimme usw.<br />
                            <br />Der eingeschränkte Blick auf die Körpersprache verfälscht jedoch das Wirkungsbild der beiden Kontrahenten. Der Königsweg ist die Analyse des Zusammenspiels von Körpersprache, nonverbaler Wirkung, Persönlichkeit und Handlungsmustern. In der Regel gewinnen die Menschen intuitiv und spontan ihren eigenen Eindruck, der wie eine Überzeugungsebene wirkt. Über diese kann der Politiker sich als Identifikationsangebot darstellen. Er wird dann von den Wählerinnen und Wählern mit seinem typischen Habitus wahrgenommen.<br />
                            <br />Würde man Körpersprache lediglich auf der deskriptiven Ebene belassen, kämen fotografische Aussagen über die Körpersprache der Kontrahenten einer subjektiven, wenn nicht gar einer moralisierenden Befindlichkeitszuschreibung gleich. Hierauf aufbauende Empfehlungen würden „gutes Benehmen“ als antrainiertes Verhalten entlarven. Ein solches goutieren die Wählerinnen und Wähler nicht.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Was erwarten Sie an neuen Erkenntnissen im Hinblick auf das TV-Duell?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Das TV-Duell wird eine hohe Aufmerksamkeit bei den Medien und insbesondere bei den Wählerinnen und Wählern haben. Es hat in diesem Jahr zudem eine besondere Bedeutung dadurch bekommen, dass es nur ein TV-Duell gibt. Alles muß punktgenau getroffen werden. Jeder der Kontrahenten hat nur einen Schuß frei. Beide werden die Gelegenheit nutzen, um deutlich, nachdrücklich und persönlich überzeugend „zur Sache zu gehen“. In so weit kann man eine spannende Auseinandersetzung erwarten. Entscheiden wird aber die Kunst der Choreographie von Sachverstand, Souveränität und Verkörperung von Macht in der Gesprächsführung und nonverbalen Präsenz. Hierbei ist von besonderer Bedeutung wie der enorme Stress der Situation gemeistert wird. Eine sichere und souveräne Performance steht und fällt mit der Stresskompetenz in der direkten Konfrontation. Während Merkel wahrscheinlich auf sachliche Korrektheit und Überzeugung bauen wird, bei gleichzeitiger nachdrücklicher Abgrenzung von Schröder, wird Schröder hart an der Sache bleibend Merkel persönlich konfrontieren. Letztendlich wird derjenige der beiden punkten, der klar in der Sache, hart in der Konfrontation und überzeugend in der rhetorischen Wertschätzung ist.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Die Charismakurve ist ein reines Internetprojekt, das natürlich keine repräsentative Daten erheben kann. Dennoch, für wie valide halten Sie die Ergebnisse und gab es auch bereits Manipulationsversuche?<br />
                            <strong></p>
<p>Ulrich Sollmann:</strong><br />
                            <a href="http://www.charismakurve.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.charismakurve.de</a> zielt nicht auf eine empirisch-statistische Validität ab. Es geht in dem Projekt um die Wirkungsanalyse und die sorgsame und sparsame Steuerung derselben. Interessant ist für uns, wie die Website im Internet als selbstreferenziellem System wahrgenommen wird, Bedeutung bekommt und faktische Wirkung, d.h. Interaktion erzeugt. Das genaue Studium der Zugriffs-Statistik hilft uns dies zu ermitteln, ebenso die Analyse der Art und Weise wie die Website mit ihrem Inhalt thematisch aufgegriffen wird. Der Prozess im Internet läuft aber nicht von alleine, was vielleicht manche glauben mögen. Man muss Trends und Themen, die sich abzeichnen, aufzugreifen und zu kommunizieren. Dies ist wichtig, um Spielräume und Entwicklungsräume der Meinungsbildung auszuloten.<br />
                            <br />Insoweit ist<br />
                            <a href="http://www.charismakurve.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.charismakurve.de</a> auch eine gesellschaftspolitische Kampagne, die das Ziel hat, das Zusammenspiel von Körpersprache, nonverbaler Kommunikation und persönlichen Handlungsmustern in der Politik als Thema zu platzieren, an dem man in Zukunft nicht mehr vorbeikommt. Zum Thema Manipulationsversuch: Es gab einen Manipulationsversuch einer Partei oder Unterstützergruppe, der aber durch die Analyse der Statistik schnell erkannt und abgefedert werden konnte.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Was empfehlen Sie oder die User den beiden Kandidaten hinsichtlich der Verbesserung ihrer Körpersprache?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Frau Merkel wird empfohlen energischer und kraftvoller aufzutreten, wie sie es z.B. in der Fernsehsendung „Berliner Runde“ getan hat. Sie wirkt dann überzeugender. Außerdem muss sie gerade in Stresssituationen noch selbstsicherer werden. Bundeskanzler Schröders Körpersprache wird oft als zu souverän empfunden. Er sollte sich nicht zu präsidial geben, sondern &#8211; wie beim Parteitag in Berlin &#8211; auch mal ironisch und mit Humor Sachverhalte interpretieren.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Vielen Dank für das Gespräch.</p>
<p>Das Interview führte Steffen Wenzel</p>
<p class="fett">
<p class="fett">
]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>Vorwärts im Netz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Jul 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuwahlen zum Bundestag 2005]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Kampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Negative Campaigning]]></category>
		<category><![CDATA[Interaktivität]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Schröder]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
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					<description><![CDATA[spd.de ist voll auf Wahlkampf ausgerichtet]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>spd.de ist voll auf Wahlkampf ausgerichtet<!--break--></p>
<p>
                              <strong>Der Bundespräsident hat entschieden: am 18. September finden Neuwahlen statt. Und mag die SPD in den Umfragen noch so weit hinten liegen – mit ihrem Internet-Wahlkampf ist sie den anderen Parteien einen Schritt voraus.</strong>
                            </p>
<p>Für ein paar Tage war der Mann groß in den Schlagzeilen. Klaus Ness, Landesgeschäftsführer der Brandenburger SPD, habe Oskar Lafontaine als „Hassprediger“ bezeichnet, war zu lesen. Die umstrittene Aussage fand sich in einem Positionspapier mit Argumenten für den Wahlkampf, die Ness an die Brandenburger SPD verteilen ließ. Nach harscher Kritik von allen Seiten zog Ness seine Äußerung zurück. Doch es waren nicht seine Worte, wie sich später herausstellte. Ness hatte bei<br />
                            <a href="http://www.wirkaempfen.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.wirkaempfen.de</a> abgeschrieben, einer Initiative von sozialdemokratischen Bundes- und Landtagsabgeordneten, die als „Nachrichten-, und Motivations- und Informationsbörse“ dienen soll. Ein Beispiel dafür, wie der Internet-Wahlkampf das reale Politik-Geschehen zunehmend mitbestimmt.</p>
<p>
                              <strong>spd.de ist voll auf Wahlkampf ausgerichtet</strong>
                            </p>
<p>Während die anderen Parteien noch an Online-Konzepten feilen, hat der Internet-Wahlkampf für die längst begonnen. Die Seite „<br />
                            <a href="http://www.spd.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">spd.de</a>“, zu Normalzeiten eine eher gewöhnliche Partei-Plattform, wurde bereits Anfang Juli voll auf den Wahltag ausgerichtet. Unter dem Konterfei eines kämpferischen Gerhard Schröder dreht sich alles um die Entscheidung am 18. September. Prominente SPDler von Müntefering bis Stolpe rollen ihre Argumente aus, den Gegner ständig im Blick behaltend: Merkel fehle das „Handwerkszeug“, die CDU habe kein Gesamtkonzept, ihre Politik führe in die „Sackgasse“. Wolfgang Clement darf berichten, dass die Konjunktur anziehe, Heidemarie Wieczorek-Zeul wendet sich sogar per Videobotschaft an die Seiten-Besucher. Für die zur „Richtungsentscheidung“ (Müntefering) deklarierte Wahl findet der Nutzer jede Menge Argumente für die SPD und gegen die CDU.</p>
<p>
                              <strong>Negative Campaigning in Schwarz-Gelb</strong>
                            </p>
<p>Bei einem anderen SPD-Angebot geht es eine Spur schärfer zur Sache. Die komplett in schwarz-gelb gehalten Seite<br />
                            <a href="http://www.die-falsche-wahl.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.die-falsche-wahl.de</a> ist ein eindeutiger Fall von „negative campaigning“. Unter dem Stichwort „Vorfahrt für Wahrheit“ wird das CDU-Programm boulevardtauglich auseinander genommen. So erfährt der Besucher, dass ein Bier in der Kneipe nach der Mehrwertsteuer-Erhöhung 1,53€ kostet (heute 1,50€) oder dass für den „neuen Fernseher zur Fußball-WM“ 16 Euro mehr zu kalkulieren sind. Unter dem Punkt „das schwarze Glossar“ werden „wolkige Formulierungen“ des CDU-Programms in „Klartext“ übersetzt – für Differenzierungen bleibt da naturgemäß wenig Raum. Klare Sprache gibt es auch unter den Punkten „Die Kandidatin“ und „Der Kandidat“. Neben dem Foto einer übel gelaunt dreinblickenden Merkel heißt es: „Gesellschaft begreift sie als Versuchsanordnung“. Guido Westerwelle wird als „größtes Problem seiner Partei“ beschrieben. Einen Verweis auf seinen Besuch im „Big-Brother“-Container konnten sich die Seitengestalter auch nicht verkneifen.</p>
<p>
                              <strong>Interaktivität als Ziel</strong>
                            </p>
<p>Doch das sind bekannte Wahlkampf-Mittel. Schmähungen des Gegners und Loblieder auf die eigene Partei lassen sich auch auf Broschüren drucken, dafür braucht es kein Internet. Der spezifische Reiz liegt im direkten Austausch mit den Nutzern, vor allem den Nicht-Parteimitgliedern, die ansonsten schwer in den Wahlkampf eingebunden werden können. Auch dazu hat die SPD eine spezielle Seite ins Netz gestellt: unter<br />
                            <a href="http://www.rote-wahlmannschaft.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.rote-wahlmannschaft.de</a> kann sich jeder registrieren lassen, der im SPD-Wahlkampf mitmischen will. Auf<br />
                            <a href="http://www.wirkaempfen.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.wirkaempfen.de</a> werden die Besucher aufgefordert, sich mit eigenen Argumenten zu beteiligen. Die Argumente werden gesammelt und schließlich in mehreren „Staffeln“ zusammengefasst – so wie jener zum Duo Lafontaine/Gysi, in dem das –mittlerweile gelöschte- Wort „Hassprediger“ fiel. Auf der Hauptseite der SPD halten sich die interaktiven Möglichkeiten dagegen in Grenzen: Online-Spenden sind willkommen und auch der Download von Materialien wird angeboten. Eine inhaltliche Diskussion findet aber nicht statt. Im Vergleich zu den sehr gut frequentierten Angeboten während des US-Wahlkampfs 2004 –vor allem den Blogs- sieht der deutsche Online-Wahlkampf noch reichlich bescheiden aus.</p>
<p>
                              <strong>Der Kanzler hat zwei Seiten</strong>
                            </p>
<p>Auf der persönlichen<br />
                            <a href="http://www.gerhard-schroeder.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Seite</a> von Gerhard Schröder ist vom Wahltag bisher noch gar nichts zu spüren – was sich aber bald ändern soll. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde dagegen die Seite<br />
                            <a href="http://www.bundeskanzler.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.bundeskanzler.de</a> neu gestaltet. Dort schrödert es gewaltig: sechs Fotos haben die Macher vom Bundespresseamt gleich auf der ersten Seite untergebracht: Schröder mit Frau, Schröder mit Kindern, Schröder als Staatsmann. Ebenfalls auf Seite eins: ein Link zum Bericht „Lob für Deutschland“, der Adaption eines Capital-Artikels. Für Kinder gibt es eine eigene Sektion mit einer lustigen Animation über die Arbeit des Bundeskanzlers. Ob sich dieses Angebot lange auf der Seite befinden wird, ist allerdings fraglich. Bei dem gezeichneten Kanzler handelt es sich eindeutig um Gerhard Schröder.</p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bundeskanzler Schröder will zum Gipfel fahren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jkern]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Oct 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Regierung und Opposition zur digitalen Spaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinte Nationen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesregierung]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Schröder]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgipfel zur Informationsgesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Weiterführende Artikel:]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Weiterführende Artikel:<!--break-->
                    </p>
<p>
                      <strong>Dossier: &#8220;Regierung &amp; Opposition zur digitalen Spaltung&#8221;</strong>
                    </p>
<ul>
<li>
                      <a href="/edemocracy/wissensgesellschaft/doss3ungi.shtml">Brücken über den digitalen Graben</a> (von Heidemarie Wieczorek-Zeul)</li>
<li>
                      <a href="/edemocracy/wissensgesellschaft/doss4ungi.shtml">Digitale Spaltung überwinden</a> (von Dr. Angela Merkel)</li>
</ul>
<p>
                      <br />
                      <strong>Dossier:<br />
                      <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/index.shtml#ungi">&#8220;UN-Gipfel zur Informationsgesellschaft&#8221;</a></strong>
                    </p>
</p>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Regierung und Opposition zur digitalen Spaltung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/uncategorized/regierung_und_opposition_zur_digitalen_spaltung-3383/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Oct 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Schröder]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[UNO]]></category>
		<category><![CDATA[WSIS]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Spaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Kluft]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Kanzler wählen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wahlkampf-bundestagswahl2002-kanzler-shtml-2761/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[skoesch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Sep 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Spitzenkandidat]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Schröder]]></category>
		<category><![CDATA[Domain]]></category>
		<category><![CDATA[Quellcode]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Kreuz mit dem Kreuz im Netz]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Kreuz mit dem Kreuz im Netz<!--break-->
                    </p>
<p>
                    <strong>Just do it.</strong><br />
                    <br />Die Fähigkeit Politiker-Webseiten anzusehen, muss in ungefähr mit der Fähigkeit gleichgestellt werden nach einem 25-Stunden-Marathon-Vormittagstalkshowprogramm 2 Stunden auf dem Klo mit der neuen Allegra zuzubringen. Unmenschlich also. Dazu braucht man sie sich nicht anzusehen. Wir tun es aber trotzdem, weil wählen ja so traditionsbewusst ist und wir vor 4 Jahren schon versucht haben unserer Wahlentscheidung durch das Netz nachzuhelfen.</p>
<p>Damals war die Zeit, als das Netz noch aufregend und neu war (für Politiker), und man konnte allerlei Peinliches, Zusammengeschustertes und Halbfertiges in den Quellcodes finden. Heutzutage, dachten wir, beauftragt man ja normalerweise Agenturen (oder Ricky) damit, im Netz so geleckt auszusehen wie unter dem wirklichen Scheinwerferlicht, ja selbst Onlinewahlkampfstrategien (sieh an!) werden ausgedacht, und die Foren diverser Parteien haben oft genug schon einen tatsächlichen Nachrichtenwert, so dass z.B. Spiegel.de gerne mal aus den Forenorakeln liest, wenn es was Aktuelles gibt, das dem digitalen Volksmund so auf der Seele brennen könnte.</p>
<p>Also nicht fragen, ob ich nicht Besseres mit meinem Leben anfangen könnte, als mir Politpopbrowsereskapaden reinzuziehen, sondern getreu dem vorherrschenden Marketingmotto aller Parteien: Just do it, erst mal rein in die schmutzige Welt der Tables. Kurze Vorbemerkung noch. Mir ist klar, dass ich mit Mozilla (Explorer verweigert seit ein paar Tagen die Koexistenz) auf Mac und einer Bildschirmauflösung von 600&#215;800 als Exot vermutlich nicht besonders freundlich empfangen werde, wer aber glaubt, das Netz als Wahlkampfinstrument zu einem Mittel der digitalen Ausgrenzung machen zu müssen, hat halt eben Pech und ich bin nicht bereit, mir den DRM- und Virenwahn ins Haus zu holen, nur um zu einer Wahlentscheidung zu kommen, es gibt schließlich Wichtigeres. Da aber die Wahlprogramme der Parteien einen mit ihrem einmütigen &#8220;Lass uns was für die Wirtschaft tun und das Netz beschneiden wo wir nur können&#8221;, eh nicht dazu überreden können sie zu wählen, müssen wir zum WYSIWYG-Test greifen. What you see is what you get: Was die für sich selber machen, das wollen sie dann auch irgendwie. Also: Wessen Webseite verleitet einen dazu, den Kandidat zum Kanzler zu wählen?</p>
<p>
                    <strong>Whois?</strong><br />
                    <br />Es gibt bekanntlich, glaubt es oder glaubt es nicht, drei Kanzlerkandidaten, auch wenn man mehr als drei Parteien wählen kann. Die anberaumte Personalisierung des Wahlkampfs 2002 lässt einen quasi reflexhaft bei den Homepages der drei Kandidaten vorbeisehen. Denic (wir sind vorsichtige Herantaster und wollen den vollen digitalen Wahlblast etwas herauszögern) gibt einem für<br />
                    <a href="http://www.stoiber.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stoiber.de</a> die klassische Antwort: Das gehört Edmund, wohnhaft in der FJS-Straße, ist über Netplace.de angebunden, (die hosten vieles von der CSU; wir sparen uns blöde Bemerkungen über den dritten Nameserver (nsd.netplace.com)), hört eigentlich auf den schönen Namen stoiber.netplace.de (213.183.5.67), ist recht gut erreichbar (im Mittel 0,069 Sekunden) und liegt ganz kuschelig zwischen www2.csu.de und www3.csu.de. Edmund-stoiber.de hat man noch über Strato dazugekauft (redirect auf -&gt;stoiber.de), falls mal jemand der Vorname einfällt und Edmundstoiber.de gehört Maximilian Kreuzer aus Waldmünchen, ist aber vorsorglich abgeschaltet, und obwohl seine Handynummer (0175/560 4601) auf seiner Autoleasing-Seite steht und der Mann Webadmin einer Homöopathie-Seite ist, können wir nur mutmaßen, was der um alles in der Welt damit wollte.<br />
                    <br />Klar, dass Schröder nicht so viel Glück hatte, nur auf seinen Nachnahmen bauen zu können, denn Schröders gibt es bekanntlich irre viele, und da war das Berliner Ingenieurbüro Schröder einfach schneller, obwohl die Webseite seit 1996 &#8220;under construction&#8221; ist. Sowohl gerhardschroeder.de als auch gerhard-schroeder.de sind aber sicher in der Domainbörse des SPD-Parteivorstands, heißen etwas merkwürdigerweise zwar eigentlich www.hessen.spd.de (?), führen aber nur auf eine Art Visitenkartenseite innerhalb vom<br />
                    <a href="http://www.spd.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SPD.de</a> Köpfeangebot, die einen (nur Lebenslauf und E-Mail) auf<br />
                    <a href="http://www.bundeskanzler.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.bundeskanzler.de</a> verweist.<br />
                    <br />Westerwelle.de ist zwar ein Karriereportal, gehört aber zur Westerwelle AG und linkt Surfer, die die Namespace-Gier von Guido grundlos überschätzt haben, nicht mal auf die richtige Seite.<br />
                    <a href="http://www.guido-westerwelle.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Guido-westerwelle.de</a> gehört dem Universum Verlag in Wiesbaden (der die Webseiten für die FDP-Abgeordneten macht) und obwohl Guido gerne als Rezensent des dort erschienen Buchs &#8220;Arbeit ohne Barrieren&#8221; auftritt, leitet die Seite auf den Abgeordnetenserver der FDP, wo ein PHP-Script dann abfängt, woher man kam, und einem die Homepage von Guido ausspuckt.<br />
                    <a href="http://www.guidowesterwelle.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Guidowesterwelle.de</a> (gehosted von Kontent in Duisburg) ist dann aber seine eigene Domain (wobei wir nur mutmaßen können, warum der Anwaltssohn sich die mit dem Bindestrich nicht hat überschreiben lassen), hat aber keinen Index, vielleicht benutzt er ja nur den Mailserver (mail.guidowesterwelle.de). Das komplizierteste Setup jedenfalls bislang. Und ob am Ende 18% der Surfer die Seite finden, ist fraglich.</p>
<p>
                    <strong>Sourcecode Stoiber</strong><br />
                    <br />Es lohnt sich eigentlich immer, sich den Sourcecode von Webseiten anzusehen. Nicht nur um festzustellen, dass Jan-Henrick Hempel (Ricky) (Google kennt ihn nicht) die Webseite von Stoiber macht und die Metatags vergessen hat (Google findet Stoiber.de trotzdem im Ranking ganz oben vor stoiber-verhueten.de, verhindert-stoiber.de, stoppt-stoiber, stoiber-for-bundeskanzler.de, spiel-mit-stoiber.de, stoiber-poppen.de im Gegensatz zum Hompagegewusel privater Schröders). Oder um zu sehen, dass das Stylesheet nicht grade auf websafe Farben baut (#CC730B z.B.). Sondern auch, um zu sehen, dass die Webseite nach dem Index sofort auf Frames umsteigt, die keine Noframebrowser mehr unterstützt, weshalb man Inhalte auf der Stoiberseite außer der Homepage auch nicht wirklich über Searchengines findet (Tag vergessen?) und mit Textbrowser (eigentlich ein Muss bei Politikerseiten) gleich ganz aussteigt und deshalb die Frameinfo auch gnadenlos hinter den Head setzen kann. Die auf PHP basierende Seite auf einem Apache Server (1.3.26, mal updaten!) hat nebenbei die Optimierung auf 600&#215;800 ein wenig falsch verstanden, so dass einige Bereiche für mich z.B. nur durch viel Trickerei zu erwischen sind, da die Image-Navigationen ständig aus dem Bild ragen und die Noresizetags doch etwas zu streng sind. Die überschwängliche Verwendung von Bildern überhaupt lässt die Information in einem Minirechteck verschwinden, das man nur durch intensivstes Scrollen dazu bekommt, einem zu sagen, was denn nun auf der Webseite überhaupt an Information ist. Man findet zwar mit etwas Mühe, dass Karin ihm seine Schwäche verzeiht (abends mal ein Stück Schokolade), ein paar sortierte News aus dem CSU-Office (16 Stück, um genau zu sein), kann sich darüber informieren, dass Stoiber trotz schöner Mouseover-Landkarte nur noch zwei Termine hat (einen in Bayern, einen in Berlin), viele Bilder ansehen und Downloaden (das schärfste davon ist selbst gezippt noch fast 8 MB groß, das kleinste, sein @mund Logo, ist übrigens wirklich ein @ und ein Mund, und so hässlich, dass man sich nicht wundert, dass es niemand benutzt). Ansonsten aber verweist die Seite am liebsten auf die sachlicheren Domains<br />
                    <a href="http://www.wahlfakten.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.wahlfakten.de</a> (eigentlich eine Anti-Einwanderungsseite, die hauptsächlich die Asylpolitik der Bundesregierung angreift), auf<br />
                    <a href="http://www.regierungsprogramm.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.regierungsprogramm.de</a> (Downloadseite für das Wahlprogramm der CDU/CSU mit dem &#8220;X&#8221;-Force Inc.-Logo) und<br />
                    <a href="http://www.zeit-fuer-taten.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.zeit-fuer-taten.de</a> (in meinem Fall ein richtiges Browserdesaster), die eigentlichen Wahlkampf Domains.</p>
<p>
                    <strong>Outsourcing Westerwelle</strong><br />
                    <br />Anstatt also mail.guidowesterwelle.de zu hacken, beglückwünschen wir erst mal die Idee, den Quellcode der Startseite von guido-westerwelle.de mit Shockwave-Begrüßungsanrede von Guido mit &lt;/html&gt; zu beginnen. Astreine Arbeit, liebe Universal Verlagsanstalt. Glück gehabt, dass normale Browser das ignorieren. (Textbrowser sehen eh nur zwei Bilderreferenzen, obwohl Guido an eine Textversion gedacht hat unter www.guido-westerwelle.de/text/). Wenigstens bleibt alles in meinem etwas schmalen 600 Pixel breiten Fenster. Und auch wenn die Images in den Tables (stellenweise bis zu sieben ineinander genested) weder gut gerendert sind noch ganz aufeinander passen wollen. Das gibt der gesamten Seite den Charme einer selbst gebastelten von vor vier Jahren. Aber es gibt zumindest, wie man es bei der FDP nicht anders erwarten würde, ein Revenue-Konzept (man kann Westerwelle-Bücher direkt bei Amazon kaufen), astreine, schmierige, animierte Gifs für ein wenig Volksnähe, jede Menge Videos (Real) und Vorträge von Guido auf der PHP basierten Seite (auch hier übrigens wieder ein Apache Server und mit 1.3.19 noch ein wenig updatebarer als der von Stoiber), und Links zu Seiten, die nicht alle nur Wahlkampf sind. Im Gegenteil: von Madonnamusic.com über Beethoven.de bis metmuseum.org ein reichhaltiges Kulturprogramm, mit Firsttuesday.de auch was für Jungunternehmer und sogar ein bisschen Service für Surfer (Paperball, Stadtplandienst etc.). Trotzdem linken auf ihn nur 116 Seiten zurück, wohingegen Stoiber.de glatt über 400 erreicht, der bundeskanzler.de Server 2300 (die Schröder-Seiten übrigens überraschenderweise 0), aber das kann man wohl kaum vergleichen. Mehr als 8000 FDP-Pressemitteilungen runden das Ganze recht informativ-propagandistisch-persönlich ab, mit dem sicheren Gefühl, dass die Zukunft von Westerwelle 1998 eingefroren wurde.</p>
<p>
                    <strong>Bundeskanzler Sourcecode</strong><br />
                    <br />Die Bundeskanzler.de Seite (trotz personalisiertem Wahlkampf immerhin Verzicht auf gerhard-schröder.de usw.) hinterlässt von Anfang bis Ende den Eindruck einer typisch gemachten Business-Seite. Also Layer-Navigation, die so ungefähr auf allen Browsern hinhaut, fast realisierte 600&#215;800 Optimierung, leicht pixeliges, modernes Backdrop-Design, Foren (grade geschlossen), Kinderecke, virtuelle Touren &#8211; der Mann hat Geld, das sieht man sofort. Metatags bis zum Umfallen, auch für Robots, Druckversionen, Textbrowser-fähig, Ausrichtung auf die Zielgruppe (bei Kanzlerpolitik steht ganz oben in den Menus &#8220;Internet für alle&#8221;). Google gibt einem 744 Einträge über Internet auf der Bundeskanzler Seite (Vergleich: Westerwelle 5, Stoiber 0, aber auf der Stoiberseite findet man ja wegen fehlendem Noframetag eh nix). Jegliche 404-Seite wird redirected auf den Index, weder die Forms noch sonst was sind gut auszutricksen, und abgesehen mal davon, dass man die Seite bis nach Togo runterscrollen kann und man nicht auf die Schnelle alles findet, irgendwie slick genug. Selbst wenn man Bundesadler Findulin als Ask-Jeeves-Agenten der Seite fragt, wer Kanzler wird, bekommt man eine Auskunft, die, so orakelig sie auch sein mag, irgendwie stimmt: &#8220;Das entscheiden die Bundesbürgerinnen und Bürger im September&#8221;. Warum er allerdings auf die Frage, welchen Server die Seite benutzt, mit &#8220;Was halten sie eigentlich von der Berliner Currywurst?&#8221; antwortet, ist uns einigermaßen rätselhaft, er erweist sich allerdings im Folgenden als ziemlicher Currywurst-Experte. (Erfunden 1949, September, Imbissbude am Stuttgarter Platz). Die ]Init[ Aktiengesellschaft für digitale Kommunikation hat ihren Auftrag auf jeden Fall erfüllt. Aber Wahlkampf? Hier nicht so direkt.<br />
                    <br />Der findet bei der SPD scheinbar dezentral statt, trotz Kampa und Online-Wahlkampf-Team, und geht von Werbung auf Google bis zu Horden von Anti-Stoiberseiten &#8211; von denen es auch noch welche ohne SPD und Juso-Unterstützung gibt, Übersicht auf<br />
                    <a href="http://www.netz-gegen-stoiber.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.netz-gegen-stoiber.de</a> oder<br />
                    <a href="http://www.gemeinsam-gegen-stoiber.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.gemeinsam-gegen-stoiber.de</a>, wie überhaupt die Antistoiberfraktion auf das Sammeln von URLs aus ist, was wohl nach der Stoiberwahl so nicht mehr gehen dürfte. Das mag zwar erst mal dezentral aussehen, hinterlässt aber trotzdem irgendwie den Eindruck, ähnlich strukturiert zu sein wie das Porno-Netzwerk. Wer einmal drin ist, kommt nicht wieder raus.</p>
<p>Kanzler wählen geht also irgendwie gar nicht. Die Ausnahmeperson (G.W.) vertritt Internetdesign-Oldschool-Konzepte, die auch ein Bäckermeister kaum anders machen würde. In Funktionalität lässt er auf Open Source setzen, ohne es vermutlich selber zu wissen oder das nach außen zu vertreten oder gelegentlich mal upzudaten.<br />
                    <br />Dann haben wir den bayrischen Aspirant, der auf die vielsagenden Bilder für diejenigen setzt, die viel Bandbreite, aber wenig Inhalt brauchen und sich von Amigo Ricky nur scheinbar gut updaten lässt, ohne dafür auf die billige Umsonst-Basisarbeit der Opensourcegemeinde (PHP, Apache) verzichten zu wollen. Und den Kanzler, der einerseits nach reiner Wirtschaftlichkeit riecht, einem aber andererseits das Argument des Nicht-Stoiber-Wählens durch eine Horde von Fusselpornoseiten-Aktivismus vermiest. Da kann man sich zumindest bis auf weiteres nur noch darüber freuen, dass man ja in Deutschland eh keinen Kanzler wählt, sondern Parteien. Doch davon mehr nächstes Mal.</p>
<p>
                      <em>zuerst erschienen in DE:BUG.62 &#8211; 08/2002<br />
                      <br />Mit freundlicher Genehmigung von<br />
                      <a href="http://www.de-bug.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DE:BUG</a></em>
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 18.09.2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      
                    </p>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Medienforschung in der Mediendemokratie</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/medienforschung-in-der-mediendemokratie-2833/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Sep 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Dilemma der Dynamik
<br />
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Dilemma der Dynamik<br />
<br />
<!--break-->Auch wenn in den Publikationen aufgrund der Produktionszyklen zwangsläufig ein Aktualitätsschnitt in Kauf zu nehmen ist, bleibt, was aus verlegerischer Sicht verständlich ist, mit Problemen behaftet. Die Nähe des Publikationstermins zum Wahlkampf erhebt – bei aller gebotenen und formulierten Vorsicht – den Anspruch, eine aktuelle Kommentierung neuster Entwicklungen und Formate leisten zu können. Dabei steht selbst die empirische Absicherung und theoretische Einordnung der Medienanalysen des 98er Wahlkampfes in Deutschland, der Präsidentschaftswahlen 2000 in den USA und der Parlamentswahlen 2001 in Großbritannien noch unter dem Vorbehalt der Vorläufigkeit. Um diesem Dilemma einer adäquaten Analyse dynamischer Wandlungsprozesse in den Medien und der politischen Kommunikation zu begegnen – zumal wenn die eigenen Befunde eben dieser sich verändernden Rezeptionsdynamik der Medien unterliegen –, wird verständlicher Weise der rettende Anker eines tragfähigen Oberbegriffs gesucht. Dieser scheint mit der Definition und Deutung der Medialisierungshypothese gefunden zu sein, die je nach Geltungsanspruch und analytischer Reichweite auf „Politische Akteure in der Mediendemokratie“ (Rössler/Schatz/Nieland), „Parteien in der Mediendemokratie“ (Alemann/Marschall) oder den „Medienkanzler“ (Meng) zugeschnitten wird.</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Der Medienkanzler<br />
<br />
</b>Der Autor Richard Meng, selbst stellvertretender Studioleiter des Berliner Büros der Frankfurter Rundschau, nimmt in seiner Bilanz über vier Jahre rot-grüne Regierung nicht nur politische Inhalte und deren Inszenierung ins Visier, sondern auch den Generations- und Stilwechsel an der politischen Spitze der Berliner Republik. Anhand der Orte (Medienmetropole, Regierungsparlament, Kanzlerpartei) und der politischen Großereignisse der Legislaturperiode wird der Wandel des Kanzlerneulings zum „System Schröder“ nachgezeichnet. Bereits die Anlehnung an die Metapher, die eigentlich den 16 Jahren Regierungshandeln und 25 Jahren Parteivorsitz seines Amtsvorgängers vorbehalten ist, lässt Zweifel an der analytischen Tragweite der Gegenüberstellung einer persönlichen Medienbiographie und der Transformation des politisch-medialen Komplexes aufkommen, die in einem „für die Bundesrepublik neuen, stark medial ausgerichteten Machtsteuerungssystems“ münden soll. Auch wenn Meng seine Darstellung um ausgewählte Kabinettsbiographien (Schily, Eichel, Scharping) anreichert, lässt er letztlich immer alle Fäden beim Medienkanzler Schröder zusammenlaufen. Die Ambivalenz zwischen politischem System und Medienwelt wird durch die Methode der Personalisierung jedoch nur scheinbar aufgelöst. Dies kann bei einem Protagonisten wie Gerhard Schröder auch kaum verwundern, dessen „System“ – wenn überhaupt – im Erkennen und Ergreifen von politischen Gelegenheiten und der Nutzung von Medienereignissen zu erkennen ist. Der publikationsbedingte Verzicht auf den Bundestagswahlkampf 2002 wirkt sich hier nicht nur negativ aus, weil damit beispielsweise das neue Format der Fernsehduelle ausgeblendet bleibt, deren Zustandekommen ebenso wenig vorhersehbar war wie die mittelmäßige Medienperformance des Medienkanzlers. Eine Bilanz der Legislaturperiode muss vor allem aufgrund der offen beleibenden Frage des Machterhalts durch Medien zwangsläufig unvollendet bleiben, insbesondere dann, wenn auf der Gegenseite ein altbekanntes Mediensystem von Allensbach bis Springer die Rückgewinnung seiner Deutungsmacht erprobt.
</p>
<p>
<b>Parteien in der Mediendemokratie<br />
<br />
</b>Ulrich von Alemann und Stefan Marschall wollen in ihrem Sammelband „Parteien in der Mediendemokratie“ die Grenzen und Möglichkeiten der Parteien in der modernen Mediengesellschaft aufzeigen. Durch die Fokussierung auf die Parteienkommunikation, die gleiche Gewichtung von Massenmedien und Internet sowie die Auswahl des Personals aus Politik- und Medienwissenschaften sowie aus etablierten und Nachwuchswissenschaftlern gelingt es, eine oft beklagte wissenschaftliche Lücke an der Schnittstelle von Politik- und Kommunikationsforschung zu schließen. Das Verhältnis von Parteien und Medien charakterisieren die Herausgeber dahingehend, dass sie Parteien wie Medien als „Organisationen des so genannten intermediären Bereichs“ definieren. Sie vermitteln demnach beide zwischen Entscheidungsträgern und Bürgern indem sie die Sphären der Darstellung und Herstellung von Politik verkoppeln. „In dieser Vermittlungseigenschaft sind beide komplementär, nicht substituierend.“ Die „Medialisierung“ der Gesellschaft führt demnach zu einer „Medialisierung“ der Politik und Parteiendemokratie, die aber weder eine völlige Auflösung alter Strukturen noch eine Substituierung der Kernfunktionen von Parteien durch die Medien zur Folge hat. Im Umkehrschluss ist aber auch nicht zu erwarten, dass die Parteien mit alten oder neuen Medien die Funktionen der Öffentlichkeitsherstellung in ihren Zuständigkeitsbereich verlagern können. Nach Meinung der Autoren ist vielmehr ein erneuter Strukturwandel angezeigt, der zu den bestehenden Teilöffentlichkeiten eine komplementäre hinzufügt, die jedoch ebenso nachhaltig durch das Zusammenwirken von Parteien und Medien geprägt sein wird.
</p>
<p>
<b>Akteure in der Mediendemokratie<br />
<br />
</b>Unter dem Begriff der „Mediendemokratie“ lassen sich einerseits die Tendenzen einer Amerikanisierung, Personalisierung, Professionalisierung politischer Kommunikation relativ konfliktfrei subsumieren. Andererseits wird der Anspruch der politischen Kommunikationsforschung proklamiert, „vom Nischendasein zur Forschungsperspektive in politikwissenschaftlichen Kernbereichen“ vorzudringen, wie es Ulrich Sarcinelli in dem Sammelband „Akteure in der Mediendemokratie“ von Rössler/Schatz/Nieland formuliert. Hier werden die Erträge der gemeinsamen Jahrestagung 2001 des Arbeitskreises Politik und Kommunikation der DVPW und der Fachgruppe Kommunikation und Politik der DGPuK in Erfurt dokumentiert. Ob sich die „Politiker in den Fesseln der Medien“ befinden, wie die Herausgeber im Untertitel in Anlehnung an ein Zitat des Verfassungsrichters Wolfgang Hoffman-Riem fragen, oder ob umgekehrt die Rituale der Wahlkampfkommunikation die Medien okkupieren, wird hier aber nicht wirklich alternativ diskutiert. Dies verwundert angesichts der immensen Schnittmenge der Autoren mit der Publikation von Alemann/Marschall. Der Ansatz und das Ergebnis scheint daher vor allem dem Anspruch geschuldet, einen Überblick aller Akteure zu präsentieren, die von Medialisierung betroffen oder an ihr beteiligt sind, und die Auswirkungen in den jeweiligen Teilbereichen zu überprüfen. Damit steht jedoch die Ambivalenz im Verhältnis von Medien und Politik nicht mehr im Mittelpunkt. Eine Konsequenz daraus ist, dass – gewollt oder ungewollt – eine starke Medialisierungshypothese propagiert wird, die einen bestimmenden Einfluss der Medien auf die politischen Akteure und Prozesse nahe legt. „Unter dem Eindruck der Dynamik aktueller technologischer Innovationen im Übergang zur Mediengesellschaft geraten die herkömmlichen Strukturen und Prozesse der politischen Meinungs- und Willensbildung immer mehr unter Anpassungsdruck“, so die Herausgeber.
</p>
<p>
Die politischen Akteure geben diesem Druck bewusst nach oder erliegen ihm einfach, wenn sie als Kanzler, Regierungssprecher, Partei, Wahlkampftberater oder Wahlkreiskandidat von den Chancen der Massenkommunikation gefesselt werden. Eher indirekt wirken die Wahrnehmungsmuster, die auch bei den politischen Akteuren als Rezipient öffentlicher Medienkommunikation ausgeprägt werden. Hier skizziert Helmut Scherer mit seinem Beitrag ein interessantes und vernachlässigtes Forschungsfeld. Nach Luhmann wissen wir alles, was wir von der Gesellschaft und der Welt wissen, fast ausschließlich von den Massenmedien. Aber ebenso haben wir selbstverständlich auch die Funktions- und Wirkungsweisen des Mediensystems verinnerlicht und wissen nach welchen Regeln man sich in ihnen reproduziert.
</p>
<p>
<b>Macht der Bilder und Rituale<br />
<br />
</b>Diesen Zusammenhang haben die Fernsehduelle auf eindringliche Weise vorgeführt. Einerseits stellen sie einen Quantensprung in der Medialisierung der Wahlkampfkommunikation dar. Andererseits haben es die politischen Akteure – hier vor allem die Kampagnenführer – verstanden, den Medien ein Korsett an Reglementierungen anzupassen, das auf die Ziele und Bedürfnisse der Parteien und Kandidaten im Wahlkampf abgestimmt war. Diesen Befund bestätigen auch Hans-Georg Soeffner und Dirk Tänzler für die Inszenierung von Wahlparteitagen im Hinblick auf die Berichterstattung in den Medien. In ihrem Beitrag für den Sammelband „Wahl-Kämpfe“, der von Andreas Dörner und Ludgera Vogt hausgegeben wurde, und in dem die rituellen – und damit nachhaltig wirkenden – Aspekte des Wahlkampfes in den Mittelpunkt gerückt werden, beschreiben sie die „Krönungsmesse“ für Gerhard Schröder auf dem Leipziger Parteitag der SPD 1998. In ihrer Analyse decken sie auf, dass die mediale Berichterstattung über den Wahlparteitag trotz der kritischen Attitüde nichts anderes als eine „Hofberichterstattung“ liefert. „Die Medienvertreter erliegen selbst der Macht der schönen Bilder und haben kein adäquates Medienformat zur Bewältigung der neuen Realität.“
</p>
<p>
Die Medien unterliegen demnach also denselben Zwängen, die sie gegenüber politischen und gesellschaftlichen Akteuren in einer Mediendemokratie aufstellen. Dadurch bleiben sie jedoch extrem berechenbar, ebenso wie die eingeschliffenen Rituale der Wahlkampfkommunikation nicht durch ihre Übertragung in neue Medienformate an Bedeutung und Durchschaubarkeit verlieren. Ein Umstand – so scheint es –, den sich wissenschaftliche Akteure jedoch erst bewusst machen müssen, wenn in die Wahlkampfinszenierungen auf der Medienbühne verwickelt werden.
</p>
<p>
Ulrich von Alemann/ Stefan Marschall (Hg.): Parteien in der Mediendemokratie. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2002, 444 Seiten, 29,90 Euro.
</p>
<p>
<br />
Andreas Dörner/ Ludgera Vogt (Hg.): Wahl-Kämpfe. Betrachtungen über ein demokratisches Ritual. Suhrkamp, Frankfurt/Main 2002, 200 Seiten, 10 Euro.
</p>
<p>
<br />
Richard Meng: Der Medienkanzler. Was bleibt vom System Schröder? Suhrkamp, Frankfurt/Main 2002, 247 Seiten, 10 Euro.
</p>
<p>
<br />
Patrick Rössler/ Heribert Schatz/ Jörg-Uwe Nieland (Hg.): Politische Akteure in der Mediendemokratie. Politiker in den Fesseln der Medien? Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2002, 375 Seiten, 29.90 Euro.
</p>
<table width="146" border="0" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#ffcc33">
<div class="tidy-2">
			Erschienen am 18.09.2002
			</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
<!-- Content Ende --></p>
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		<title>Knapp lebendig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Sep 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Körpersprache und Kommunikation beim zweiten TV-Duell zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Körpersprache und Kommunikation beim zweiten TV-Duell zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber<!--break-->
                    </p>
<p>
                    <br />Körpersprache drückt sich im Verhalten der Menschen aus und ist ein wesentlicher Wirkfaktor in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Politische Macht wirkt über Entscheidungen, die getroffen werden, aber auch über die Kommunikation politischer Inhalte. Da sich diese Inhalte immer mehr angleichen, fällt es den WählerInnen immer schwerer trennscharfe Unterschiede festzustellen. Sie schauen daher deutlicher auf die Performance der Politiker, auf ihren nonverbalen Auftritt.</p>
<p>Das gelockerte Korsett des 2. TV-Duell (auch wenn die Regeln nicht geändert wurden) erleichterte den schnelleren Schlagabtausch der beiden Kontrahenten. Beide zeigten sich spontaner, kontaktfreudiger und angriffslustiger. Auch wenn Alice Schwarzer das Duell im anschließenden Kommentar als „fatal steril“ erlebt hatte und „die Kandidaten für plattgecoacht“ erklärte, sind aus körpersprachlicher Perspektive betrachtet eindeutige Kommunikationsmuster sichtbar geworden:</p>
<p>
                    <strong>Kanzler Schröder als Choreograph (Schröder)</strong><br />
                    <br />Kanzler Schröder choreographiert, so wie man es von ihm als Medienkanzler gewohnt ist, mit charmantem Lächeln, ruhigen Gesten das zweite TV-Duell. Er steht in sich geerdet hinter seinem Pult und wendet sich während des Gesprächs in der Regel dem jeweiligen Gesprächspartner so zu, wie man es im Alltag üblicherweise macht., mit dem Blick und dem ganzen Körper und bleibt, so lange er zu jemandem redet, mit dem Blick bei diesem Menschen. Mal wiegt er nachdenklich den Kopf. Mal unterstreicht er durch seine differenzierte, ruhige Gestik seine Ausführungen. Während Mimik und Betonung den Feinschliff setzen. So spielt er nicht nur auf der Klaviatur der Möglichkeiten, sondern gewinnt auch durch den Ausdruck seiner Gesamtgestalt. Er strahlt souveräne Ruhe, aber auch Konsequenz aus, die er insbesondere durch das situative Wechselspiel von Betonung und Pausen regelt.</p>
<p>Auf der Beziehungsebene glänzt Schröder gleich von Anfang an durch die charmante Art und Weise, gleich mit seiner ersten Antwort die beiden Moderatorinnen zu sich ins Boot zu holen . Gleichzeitig stellt er dem Fernsehpublikum seine kritische Selbstreflexion unter Beweis. Er habe schließlich gerade durch die Zuschauerkritik nach dem ersten Duell persönlich viel gelernt. Er zeigt sich kooperativ und schwingungsfähig, lässt bei einer Unterbrechung seinem Kontrahenten mit einem freundlichen „Bitteschön“ weiterhin den Raum zum Reden. Spätere Attacken und Vorwürfe von Seiten Stoibers federt er persönlich ab, ohne sich persönlich zu ereifern und mit dem Herausforderer zu verhakeln. Statt dessen bietet Schröder Erklärungen und sorgt durch seine einfache und bildhafte Sprache für Transparenz. Richtet sich aber nicht selten gerade dabei an die beiden Moderatorinnen, nicht an Stoiber. Er unterbricht Stoiber, ohne seine Souveränität zu verlieren. Das schrödersche „darf ich auch mal“ lässt Stoiber schließlich sofort verstummen..</p>
<p>Schröder unterstreicht durch das feine Wechselspiel von Durchsetzungsstärke und „langer Leine“ seine Führungskompetenz. Gleichzeitig beugt er sich, wie er betont, der von ihm explizit gesuchten, gesellschaftlichen Legitimation. Humorvoll schließlich gratuliert er Stoiber zu dessen Schattenkabinett und korrigiert mit einem süffisanten Lächeln das stoibersche 63- DM-Gesetz.</p>
<p>Im Schlussstatement trumpft Schröder schließlich auf und besiegt Stoiber mit dessen eigenen Waffen, indem er aus dem Klischee des sogenannten Befürworters der Ich-AG schlüpft. Er wolle, und das sei Schröders tiefe Überzeugung, auch weiterhin aus der Kraft schöpfen, die er während der Flutkatastrophe bei den Menschen in ganz Deutschland erlebt hatte. Dabei spricht er bewußt nicht mehr in der Ich-Form , sondern ordnet sich dem allgemeinen „Wir“ unter. Dem „Wir“, das die Unionsparteien, im Sinne einer Unterscheidung zur SPD, zum Wahlkampfmotto gemacht hatten. Und das Stoiber im ersten Duell für sich pachten wollte.</p>
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                    <strong>Stoiber: Angriffsspieler, aber keine Spielführer</strong><br />
                    <br />Der Herausforderer Stoiber steht aufrecht aber eher versteift mit gekrallten Händen an seinem Rednerpult. Man könnte annehmen, er hätte Angst, alleine auf seinen eigenen Beinen zu stehen. Auch wenn er sich mit seinem Blick zu Schröder hin wendet, tut er dies lediglich mit den Augen, mit dem Kopf und nicht mit dem Rumpf. Er lächelt weniger, stellenweise noch im unpassenden Moment (z.B. beim Thema Krieg, Terroranschlag). Blickt er ernst, beherrscht seine tiefe Stirnfalte voller Skepsis und Widerspruch sein Gesicht. Mal blickt er indifferent, mal leicht abwesend mit schmalen zusammen gepreßten Lippen. Immer wieder blinzelt er. Und man weiß nicht, ob es das Licht ist, das ihn blendet oder der große Stress in den Augen, weil er der Aufforderung nachkommt, den Blickkontakt zu halten.<br />
                    <br />Auf der Beziehungsebene zeigt sich Stoiber bemüht zugewandt. Er will moderat und selbstsicher bleiben, scheint aber nicht genügend in sich selbst geerdet zu sein. Seine Sätze sind durchweg zu lang, zu kompliziert, gegen Ende des Duells zu schnell ausgesprochen. Er unterbricht Schröder und die Moderatorinnen, und erweist sich dabei als guter Kämpfer. Stoiber macht Schröder Vorwürfe. Er attackiert ihn, wirkt aber gelegentlich dabei wie ein Störer im Hintergrund, der nicht zum Zuge kommt.</p>
<p>Mal wirkt er dann wie ein Prediger, der überhaupt nicht auf die an ihn gerichteten Fragen antwortet. Stoiber ist nicht im Dialog mit Schröder, nicht im Dialog mit den Moderatorinnen, nicht im Dialog mit dem Publikum. Als Herausforderer folgt er seiner Strategie, nämlich Schröder zu attackieren, um sein Thema Arbeitslosigkeit zu besetzen. Und er kämpft gut! Seine gebremste Aggression zeigt er, indem er, mit seinen Händen am Pult festgekrallt, nur mit dem drohenden linken Zeigefinger auf Schröder zeigt. Er nennt aber dabei weder „Ross noch Reiter“. Schließlich kommt es kurze Zeit später beinah noch zu einer psychologischen Fehlleistung, zum Vergessen des Namens seines Gegenübers („&#8230;Herr Ministerpräsident a. D., Herr Kanzler,&#8230;Pause&#8230;äh &#8230;Schröder“).</p>
<p>Kurz darauf, es geht jetzt um das Thema Arbeitslosigkeit, wird er während seiner dauerhaft wiederholten Vorwürfe von Frau Christiansen ausgebremst. Sie entzieht Stoiber das Wort, reicht es weiter an Schröder, um von ihm zu erfahren, was gegen die hohe Arbeitslosigkeit zu tun sei. Stoiber, der gerade dieses Thema besetzen wollte, lässt sich die Verfügung über sein Thema einfach aus der Hand nehmen. Ist dies, so kann man sich berechtigter Weise fragen, die Auswirkung einer möglichen Retraumatisierung? Eine Folge der beschämend wirkenden Erfahrung aus dem Januar-Talk mit Frau Christiansen, als er sie Frau Merkel nannte.</p>
<p>Stoiber ist trotz einiger überzeugender Gesten unflexibel und reagiert eher in seinen alten Mustern. Im Schlussstatement wirkt er ungemein angespannt, wenn er gerade von Offenheit und Toleranz erzählt. Er wirkt wieder wie angeknipst und ist sich selbst nicht mehr treu. Denn ganz im Unterschied zum Wahlkampfmotto der Union, nämlich dem Teamgeist, dem „Wir“, verliert er sich in deutlich betonten Ich-Aussagen.</p>
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                    <br />
                    <strong>Thema versus Kontakt</strong><br />
                    <br />Beide Kontrahenten zeigen sich körpersprachlich so wie sie sind. Stoiber will das Thema Arbeitslosigkeit besetzen und fährt die Strategie des Angriffs. Eine solche Art des Angriffs, wenn man Marketingstrategen Glauben schenkt, ist aber in den Wirtschaft nicht gerade beliebt , sondern eher verpönt. Angeblich könne man nämlich, so die Werbung, nur dann glaubwürdig punkten, wenn man deutlich und substantiell nach vorne schaut.</p>
<p>Schröder ruht sich hingegen nicht auf der Rolle des souveränen Staatsmanns aus, sondern zeigt sich als Gestalter der Situation im Studio. Er agiert als Choreograph. Dies gelingt ihm gerade aufgrund seines intuitiven Talents, sich auf Menschen und Situationen einlassen zu können. Man sieht es ihm an und man glaubt ihm.</p>
<p>Seine Strategie ist es, nicht an der Strategie festzuhalten, während Stoiber auf die geheime Regieanweisung fixiert bleibt, seiner Angriffsstrategie mit der „Themenwaffe“ Arbeitslosigkeit treu zu bleiben.</p>
<p>Beide Politiker zeigen sich als engagierte Menschen, als leidenschaftliche Politiker. Knapp lebendig, wie der Körperspracheexperte Samy Molcho sie im ZDF-Kommentar charakterisiert hat, konturieren sich die Kontrahenten nonverbal und kommunikativ so deutlich, dass die Umfrageergebnisse ganz im Unterschied zum ersten Duell klare Meinungsunterschiede aufzeigen. Menschen schauen auf die Anmutung von Politikern, wenn sie keine politischen Unterschiede mehr wahrnehmen können. Sie suchen nach Schlüsseltugenden wie Glaubwürdigkeit, Tatkraft, Führungsstärke usw. Sie suchen all das, was man wohl unter Authentizität fassen könnte. Im zweiten Duell spätestens haben sie gefunden, was sie suchten. Beide Kontrahenten waren insoweit authentisch, als sie sich nicht verstellt haben bzw. ihre Bemühungen , einen bestimmten Eindruck zu erwecken, nicht verbergen konnten.</p>
<p>Ulrich Sollmann arbeitet als Körperpsychotherapeut und Unternehmensberater in Bochum. Er ist Autor des Buches &#8220;Schaulauf der Mächtigen &#8211; was uns die Körpersprache der Politiker verrät&#8221;, dass im TB Knaur Verlag erschienen ist.</p>
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<div class="tidy-2">Erschienen am 09.09.2002</div>
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                    </p>
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                      <!-- Content Ende --></p>
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