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	<title>Gernot Erler &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Gernot Erler &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>SPD-Parteitag und Zuwanderung</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Mar 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Gernot Erler]]></category>
		<category><![CDATA[SPD-Parteitag]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Gernot Erler, SPD-Fraktionsvize<!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->22.3.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Gernot Erler, SPD-Fraktionsvize<!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->22.3.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute ist Gernot Erler,<br />
Vizefraktionschef der SPD im Bundestag zum Chat ins<br />
ARD-Hauptstadtstudio bekommen. Herzlich willkommen, können wir beginnen?</span>
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b> Wir können gerne beginnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Wir kommen später noch auf die Krise in Irak und die<br />
Terrorismus-Bedrohung zu sprechen, Sie können Fragen zu diesem und<br />
allen anderen Themen bereits stellen. Zunächst aber zum Wechsel an der<br />
SPD-Spitze und zum neuen strahlenden Parteichef Franz Müntefering.
</p>
<p>
<b>olpe:</b><br />
Es ist gestern auf dem Parteitag kein Vorschlag gemacht worden, der<br />
einsichtig gemacht hätte, was vorher nicht zu verstehen war. Was hat<br />
der Parteitag also bezweckt?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b> Der<br />
Parteitag hat einen Wechsel im Vorsitz beschlossen, der dazu führen<br />
wird, dass sich Franz Müntefering bemühen wird, die SPD mitzunehmen bei<br />
dem Reformkurs, der nicht populär sein kann. Mitnehmen heißt: Mehr<br />
zuhören, mehr erklären. Vorschläge aufgreifen, gemeinsam die Ziele auch<br />
deutlicher Machen und die Zusammenhänge zwischen den Einzelmaßnahmen,<br />
die durchaus umstritten sein können, deutlich zu machen. Das ist in<br />
erster Linie ein Wechsel der sich an die SPD nach innen richtet, die<br />
sich nicht mehr richtig beteiligt fühlte, an den vor allen Dingen, an<br />
den bisweilen hektischen Maßnahmen in Berlin.<br />
Aber natürlich hoffen<br />
wir auch, dass sich über das wiedererstarkte Engagement der Partei<br />
selbst auch Verbesserungen und Verständnis für die Reformen in der<br />
Öffentlichkeit ergeben.
</p>
<p>
<b>18prozent:</b><br />
Franz Müntefering hat klargemacht, dass es mit ihm kein Abrücken von<br />
Schröders Agenda geben wird. Wird das die Partei spalten oder einen?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Darüber besteht ein Konsens. Es wäre auch geradezu verrückt, erst<br />
Tausende von Leuten auszusenden, die auch schwierige, unpopuläre<br />
Maßnahmen erklären und dann hinterher zu rufen: &quot;April, April&quot; &#8211; wir<br />
machen es jetzt alles anders. Aber eins wird passieren, und darüber<br />
berät heute schon das Präsidium der SPD, wir werden die Agenda 2010<br />
ergänzen, ganz besonders in dem Bereich, wo es um Maßnahmen des<br />
Wirtschaftswachstums, für bessere Wettbewerbsfähigkeit und neue<br />
Innovationen geht, aber z.B. auch bei einem Projekt wie der neuen<br />
Bürgerversicherung. Der Reformprozess wird also fortgesetzt und<br />
ergänzt, ohne dass die bisherigen Maßnahmen in Frage gestellt werden.
</p>
<p>
<b>BAhner:</b>  Ein Kommunikationsproblem von Schröder, dass Müntefering besser machen soll? Eine Kritik am Kanzler also?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Keine Kritik, aber eine Einsicht: nämlich die Einsicht, dass heute ein<br />
Bundeskanzler bei den intensiven europäischen Integrationsprozessen,<br />
bei der kritischen Weltlage und bei den gestiegenen Anforderungen an<br />
die Deutschen in der Welt nicht mehr genug Kraft, übrig hat, um einen<br />
solchen Reformprozess auch nach innen, in die Parteigliederungen, in<br />
die Regionen zu vermitteln. Das ist Irrsinn, das alles auf die<br />
Schultern eines einzigen Mannes zu laden. Insofern ist es auch eine<br />
neue Arbeitsteilung an der Spitze.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Also gilt Helmut Schmidts Credo &quot;Alles in einer Hand&quot; definitiv nicht mehr?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Es geht jedenfalls nicht im Jahr 2004, wo sich die EU um 10 Länder<br />
erweitert, wo Deutschland mit einer neuen Nahostinitiative von Joschka<br />
Fischer eine globale Politik leisten möchte, wo der Kanzler gefordert<br />
ist bei der deutschen Unterstützung für die Stabilisierung in<br />
Afghanistan, und wo gleichzeitig der komplexeste &quot;Reformkomplex&quot; der<br />
Nachkriegszeit bewältigt werden muss.
</p>
<p>
<b>Heinz8:</b><br />
Ist es nicht naiv zu glauben, noch mehr Wirtschaftszugeständnisse<br />
würden die SPD-Wählerschaft erweitern? Hat die SPD nicht einen sehr<br />
sehr veralteten Wachstumsbegriff? (30 Jahre nach dem Bericht an den<br />
Club of Rome)
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b> Eben gerade nicht,<br />
denn was wir im Bereich von Innovation an Konzepten entwickeln, ist ja<br />
gerade nicht klassische Wachstumspolitik, wir leben in einem weltweiten<br />
Wettbewerb, in dem Deutschland nur als Wissensgesellschaft bestehen<br />
kann, bei der wir unsere Humanressourcen, unsere guten Traditionen im<br />
Bildungswesen und unsere technische und wissenschaftliche Kreativität<br />
einsetzen. Deswegen wird diese Innovationsoffensive in die Richtung<br />
bessere Schulbildung bessere Betreuungssituation in den Familien, mehr<br />
Qualifikation und mehr Fortbildung angesiedelt, um etwas abzusichern,<br />
was wir auch gerne &quot;neuen Fortschritt&quot; nennen. Das ist das Gegenteil<br />
von den Wachstumsprozessen der 70er und 80er Jahre.
</p>
<p>
<b>nrwler:</b><br />
Für Clement war das ein Vertrauensbruch, berichten die, die ihm Nahe<br />
stehen, über die Reaktionen auf Schröders und Münteferings einsame<br />
Entscheidung. Ist er unbeliebt bei der Fraktion, der Superminister?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Minister Clement sieht sich als Sachverwalter der Wettbewerbsfähigkeit<br />
der deutschen Wirtschaft und wird in dieser Rolle auch akzeptiert &#8211; im<br />
Kabinett und in der Partei. Aber wir erwarten natürlich auch von ihm,<br />
dass er Sorgen anderer Ernst nimmt und auch erkennt, dass Ungeduld<br />
aufkommen kann, wenn die Wirtschaft z.B. trotz aller Versprechen nicht<br />
genug Ausbildungsplätze zur Verfügung stellt. Er weiß, dass wir eine<br />
freiwillige Lösung bei den Ausbildungsplätzen bevorzugen, aber wir<br />
können uns auch nicht mit unerfüllten Versprechen auf der Nase<br />
rumtanzen lassen. Wir müssen jetzt das Schwert Ausbildungsplatzabgabe<br />
scharf machen, gerade weil wir es lieber nicht nutzen wollen, sondern<br />
es vorziehen würden, dass dieses Instrument gar nicht erst angewandt<br />
werden muss.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Clement will die Abgabe<br />
nicht, die SPD-Länder wollen sie nicht, wie wollen Sie die dann<br />
durchkriegen? Verfassungsrechtlich wirds wohl nicht ohne Zustimmung des<br />
Bundesrats gehen.
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b> Wir haben hier<br />
eine erfolgreiche Arbeit zu beobachten, der Wirtschaftsverbände &#8211; auch<br />
in den SPD-geführten Ländern &#8211; aber bei einem blanken Nein kann es<br />
nicht bleiben, sondern ich erwarte dann &#8211; gerade bei den SPD-geführten<br />
Ländern &#8211; eine überzeugende Alternative für die 30.000 jungen Leute,<br />
die allein im letzten Jahr vergeblich nach einem Ausbildungsplatz<br />
gesucht haben. Solange es diese Alternative nicht gibt, werden wir an<br />
dem Konzept der Ausbildungsabgabe festhalten, natürlich verbunden mit<br />
der Stichtagsregelung, die ja der Wirtschaft ermöglicht, über genügende<br />
Angebote die Anwendung des Gesetzes zu vermeiden.
</p>
<p>
<b>Heinz8:</b><br />
Ist es nicht eher so, dass die SPD in den Umfragewerten die konsequente<br />
Quittung für Ihre handwerkliche katastrophale Arbeit bekommt?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Sicherlich spielt die eine oder andere Schwäche bei der Umsetzung des<br />
Agendapaketes auch eine Rolle. Aber ich glaube nicht, dass das der<br />
Hauptpunkt ist. Wir sind dabei, die sozialen Sicherungssysteme an neue<br />
gesellschaftliche und ökonomische Realitäten anzupassen. Das ist<br />
verbunden in vielen Einzelfällen mit schmerzlichen Einschränkungen mit<br />
bisherigen Besitzständen: Renten wachsen langsamer, die Leute müssen<br />
mehr zuzahlen für ihre gesundheitliche Versorgung, längerfristige<br />
Arbeitslose müssen flexibler sein bei der Suche nach neuen<br />
Arbeitsplätzen. Niemand erwartet, dass die Betroffenen Begeisterung<br />
über diese Maßnahmen zeigen und die Parteien unterstützen, die solche<br />
Maßnahmen treffen müssen. Das Schwierige ist, dass es trotzdem keine<br />
Alternative gibt, die die Interessen der Betroffenen besser schützen<br />
würden als das, was die SPD macht. Wir haben erst dann wieder eine<br />
Chance auf mehr Zustimmung ,wenn zwei Dinge passieren: Einmal, wenn<br />
durch einen gewissen zeitlichen Abstand zu den Einzelmaßnahmen es den<br />
Menschen klar wird, dass es sich um ein Gesamtkonzept handelt, das als<br />
Gesamtkonzept auch Erfolg hat und zweitens, wenn die Menschen<br />
deutlicher erkennen, was die politischen Alternativen sind. Lassen sie<br />
mich ein Beispiel aus der Gesundheitspolitik geben: Wir wollen die<br />
Brücke bauen zu der Bürgerversicherung, bei der die Kosten des<br />
Gesundheitswesens entsprechend der finanziellen Kraft möglichst auf<br />
alle Schultern gleich verteilt wird. Das Gegenkonzept der Opposition<br />
heißt Kopfpauschale: Jeder soll 264 Euro<br />
Krankenkosten/Gesundheitskosten bezahlen, das ist für die<br />
Besserverdienenden ein enormer Vorteil. Viele Menschen mit kleinem<br />
Einkommen sind aber gar nicht in der Lage, diese Kopfpauschale von 264<br />
Euro pro Monat zu bezahlen. Sie sollen dann durch Steuermittel<br />
unterstützt werden und die höheren Steuereinnahmen sollen dann wieder<br />
aus der Masse, das heißt von den kleinen und mittleren Einkommen,<br />
eingetrieben werden. Wenn die Menschen unvoreingenommen und mit den<br />
exakten Zahlen diese beiden Konzepte vergleichen, dann werden sie<br />
besser verstehen, warum wir unseren Weg der Gesundheitsreform gegangen<br />
sind, obwohl der auch unpopuläre Maßnahmen enthält. Diese politische<br />
Mündigkeit diese politische Urteilsfähigkeit brauchen wir, um in der<br />
zeitlichen Perspektive wieder mehr Zustimmung für unsere Politik zu<br />
gewinnen.
</p>
<p>
<b>Böse-Rentners:</b> Solange Sie es nur der<br />
Masse, den einfachen Leuten abnehmen und die Habenden verschonen, mit<br />
Wirtschaftsargumenten und so, werden Sie nicht zugewinnen bei Wahlen<br />
und auch kein Verständnis bekommen. Außerdem erlebt fast jeder Bürger,<br />
wie viele Probleme einfach nicht gelöst werden (können?).
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Ich frage Sie mal zurück: Ist es falsch den Eingangssteuersatz bei der<br />
Steuer von 25.9 auf jetzt 16 und im nächsten Jahr 15 zu senken? Schadet<br />
das den Kleinen?<br />
Ist es eine Maßnahme für Millionäre wenn wir den<br />
Grundfreibetrag bei der Steuer raufsetzen, oder nützt es nicht gerade<br />
den kleinen Einkommen, wenn jetzt über Millionen Haushalte überhaupt<br />
keine Steuern mehr bezahlen müssen und wer profitiert davon, wenn das<br />
Kindergeld in den letzten Jahren nahezu verdoppelt worden ist? Wer<br />
behauptet, dass unsere Reformen es immer nur von den Geringverdienern<br />
holen, der kennt schlicht die Fakten nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  apropos Haushalte: die Zahl der verschuldeten Haushalte steigt. Dazu die Frage von:
</p>
<p>
<b>nivk</b>:<br />
Wie kommt die SPD eigentlich mit den horrenden Insolvenzen klar und mit<br />
den hereinbrechenden oder schon vorhandenen Schulden, die vor allem den<br />
sozial nicht so gut gestellten Bevölkerungsteil ein richtiges Problem<br />
aufgedrückt wird? Die Schuldenfallen, in die viele gerauscht sind, das<br />
nimmt doch überhand und viele Bürger kommen damit nicht mehr klar. Das<br />
ist ein Sprengstoff, der doch nicht mehr aufzuhalten ist?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Wir beobachten natürlich mit Sorge die Zahl der steigenden Insolvenzen<br />
und setzen sie in Beziehung mit der anhaltend hohen<br />
Massenarbeitslosigkeit von 4,5 Mio. Betroffenen. Immer wieder geraten<br />
Haushalte, die langfristige Zahlungsverpflichtungen und<br />
Abzahlungsverpflichtungen machen, in Schwierigkeiten, wenn ein oder<br />
mehrere Mitglieder der Familie den Arbeitsplatz verlieren. Deswegen ist<br />
die einzige überzeugende Antwort, neben einer kompetenten<br />
Schuldnerberatung auf Kommunaler Ebene &#8211; eine wirksame<br />
Arbeitsmarktpolitik, und das was ich vorhin beschrieben habe, eine<br />
Investition in Bildung und Ausbildung und Innovation. Denn nur über<br />
bessere Wettbewerbsfähigkeit und über die Schaffung von anspruchsvollen<br />
Arbeitsplätzen werden wir diesen enormen Überhang an<br />
Dauerarbeitslosigkeit abbauen können. Eine vernünftigere Antwort, auf<br />
die zu vielen verschuldeten Haushalte kenne ich nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Nachtrag des wohl engagierten SPD-&quot;Rentners&quot;:
</p>
<p>
<b>Böse-Rentners:  </b>Ok,<br />
habe im Detail nicht so viel Ahnung, bin Rentner und ,,zufällig &quot; hier,<br />
habe Plakate geklebt und so &#8211; war &#8211; musste kämpferisch sein &#8211; wo ist<br />
das alles?!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Erlahmt das Engagement an der Basis der SPD?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Ich finde, dass es genug Ziele, die wir formuliert haben, gibt, für die<br />
zu kämpfen sich lohnt. Entscheidend ist doch, ob wir das Prinzip der<br />
Solidarität in unseren sozialen Sicherungssystemen erhalten können. Die<br />
Opposition will doch die Chance nutzen um unsere gewachsenen<br />
Sicherungssysteme, für die wir Jahrzehnte lang gekämpft haben, mit<br />
einem völlig neuen System ersetzen. Die eigentliche Botschaft heißt<br />
dort: Jeder soll für sich selber sorgen soll mit seiner eigenen Kraft<br />
sich schützen gegen die Risiken des Lebens, sei es <br />
Krankheit,<br />
Alter, Arbeitslosigkeit. Das missachtet aber unsere Erkenntnis, dass<br />
wir eben auch viele Schwache in unserer Gesellschaft haben und nicht<br />
nur junge und starke, für die diese Botschaft natürlich attraktiv ist.<br />
Das ist jetzt eine historische Auseinandersetzung und eine Chance haben<br />
die Solidaritätsprinzipien zwischen gesunden und Kranken, zwischen<br />
Alten und Jungen, zwischen Beschäftigten und Arbeitslosen, nur wenn wir<br />
den jetzigen Reformprozess erfolgreich abschließen können. Ich finde,<br />
dafür lohnt sich jedes Engagement, weil das sind die Werte für die wir<br />
von 141 Jahren eingetreten sind und die wie ich finde, nichts an<br />
Aktualität verloren haben.
</p>
<p>
<b>Thomas:</b><br />
Viele Genossen haben ihre Heimat verloren und sie werden sie nicht<br />
durch Disziplinierungsmaßnahmen wiederfinden. Das Problem ist doch,<br />
dass z.Z. kein ergebnisoffener Dialog in der SPD geführt. Ihr müsst das<br />
so schlucken oder ihr schadet der SPD, das ist die Argumentationslinie.
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Ich gebe zu, dass im März letzten Jahres, als der Kanzler die Agenda<br />
2010 verkündet hat, der Dialog zu kurz gekommen ist. Das hatte aber<br />
seine Gründe und die hat Franz Müntefering gestern auf dem Parteitag<br />
auch offen angesprochen. Wir haben zu lange auf einen Genossen gewartet<br />
und auf sein Kommen vertraut, nämlich auf den Genossen<br />
Konjunkturaufschwung. Wir haben gehofft, dass bessere wirtschaftliche<br />
Daten uns vor schmerzlichen Einschnitten retten können. Diese Erwartung<br />
ist nicht erfüllt worden und es gab dann einen Punkt, wo man sehr<br />
schnell handeln musste, wenn man nicht eine Selbstabschaffung unseres<br />
sozialen Sicherungssystems riskieren wollte. Selbstabschaffung damit<br />
meine ich Explosion von Renten- und Krankenkassenbeiträgen und so<br />
weiter, dass war also das Ziehen der Notbremse, diese Verkündung der<br />
Agenda 2010 am 14.3. letzen Jahres. Das soll nicht unsere normale<br />
Vorgehensweise werden und deshalb hat z. B. Franz Müntefering gestern<br />
die Gewerkschaften zu einem neuen Dialog aufgefordert. Er hat deswegen<br />
ausdrücklich angekündigt, sich Zeit nehmen zu wollen für die Sorgen,<br />
Gedanken und Ideen innerhalb der Gliederungen der SPD, d.h. wir werden<br />
jetzt zu unseren normalen Verfahren bei der Willensbildung zurückkehren<br />
können.
</p>
<p>
<b>Moderator:  </b>Aber inhaltlich angeboten hat er nichts. Folglich bleibt die Frage:
</p>
<p>
<b>Aurelius:</b>  Sehr viele Menschen sind von der SPD enttäuscht. Eine neue Linkspartei mit Attac hat Potenzial. Macht sich die SPD Sorgen?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Eine neue Linkspartei hat nach allen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte<br />
in Deutschland keine Chance. Selbst die im Osten sehr starke PDS, die<br />
dort in einigen Regionen über 20 Prozent kommt, ist bei den letzten<br />
Bundestagswahlen an der 5-Prozent-Hürde gescheitert und hat heute nur<br />
zwei direkt gewählte Abgeordnete im Bundestag. Eine Abspaltung von der<br />
SPD löst kein einziges Problem, sondern wird den Konservativen als<br />
willkommene Mehrheitsbeschafferin dienen. Denn jede Stimme für eine<br />
solche Partei, die dann an der 5-Prozent-Hürde scheitert, ist verloren<br />
für die Mehrheitsbildung im Bundestag und damit auch verloren für die<br />
Politik. Das sollte jeder wissen, der mit einer solchen<br />
Scheinalternative liebäugelt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir<br />
haben in der SPD jetzt mehrere Machtzentren: Den Kanzler (ist er noch<br />
einer?), Müntefering, die Parteibasis und die Minister, die ihre<br />
eigenen Wege gehen:
</p>
<p>
<b>resta:</b>  Schmeißt Clement den Bettel hin, wenn er sich gegen Trittin nicht durchsetzt?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b>Spannungen<br />
zwischen den Bereichen Wirtschaft auf der einen Seite, Umwelt auf der<br />
anderen Seite und es ist Aufgabe eines jeden Kabinetts einen Ausgleich<br />
zwischen diesen Interessen zu finden. Ich erwarte in der schwierigen<br />
Situation der rot-grünen Bundesregierung, das jetzt beide Minister ihre<br />
Verantwortung erkennen und statt die Sache auf die Spitze zu treiben<br />
(z.B. bei der Frage des Emissionshandels) sich auf Ihre Verantwortung<br />
für das Ganz zu besinnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Die Gerüchte, Clement habe keine Lust mehr, stimmen also nicht?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Wolfgang Clement ist ein Vollblutpolitiker mit einer großen<br />
Gestaltungsmöglichkeit im Kabinett, denn er trägt dei Verantwortung für<br />
diesen gewaltigen Komplex Wirtschaft und Arbeit. Wer ihn kennt, der<br />
kann sich nicht vorstellen, dass er diese großen<br />
Gestaltungsmöglichkeiten freiwillig aufgibt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Noch mal zum Thema Linkspartei:
</p>
<p>
<b>Aurelius:</b><br />
Sie übersehen dabei den zweifelhaften Ruf der PDS und die vielen<br />
Menschen die mittlerweile händeringend nach einer Wahlalternative<br />
suchen.
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b> Nein, ich übersehe das<br />
nicht, sondern ich bin entschlossen, diesen Suchenden eine Perspektive<br />
innerhalb der SPD zu geben es ist eben einfach ein Irrtum, dass es hier<br />
einen wirksamen Hebel von außen geben wird, den Hebel gibt es nur<br />
innerhalb der SPD, wie er einer Volkspartei mit verschiedenen<br />
Strömungen und gemeinsamen Werten darstellt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Kommen wir zum Irak &#8211; vor fast exakt einem Jahr, am 20. März, hat der<br />
Irak-Krieg begonnen. Sie waren damals gegen den Krieg. Wie beurteilen<br />
sie die heutige Situation des Irak -besser oder schlechter als zu<br />
Saddam-Zeiten?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b> Es gab einen großen<br />
Schrecken für die Bevölkerung im Irak, der von dem damaligen Regime von<br />
Hussein ausging. Heute gibt es dieses Regime nicht mehr, der Schrecken<br />
ist aber geblieben. Der geht heute aus von täglichen Attentaten von<br />
einem Kampf um die täglichen Mittel zum Überleben und von den enormen<br />
Problemen des so genannten<br />
Nation Building. Wenn man sich überlegt,<br />
welche irrsinnigen Mittel heute für 150.000 Soldaten im Irak ausgegeben<br />
werden, und wenn man sich überlegt, wie lange es noch dauern wird, bis<br />
wir dort Stabilität und Sicherheit haben werden, dann fühle ich mich in<br />
meiner Ablehnung des Krieges bestätigt. Die Massenvernichtungswaffen,<br />
die der Irak angeblich hatte, wurden nicht gefunden, die Behauptung,<br />
dass Saddam-Regime hätte Kontakte mit Al Quaida gehabt, sind widerlegt,<br />
aber heute ist der Irak ein Tummelplatz für Extremismus und Terrorismus<br />
geworden. Das was angeblich den Terrorismus eindämmen sollte, hat eher<br />
zu einem neuen Tummelplatz für neue terroristische Aktivitäten geführt.<br />
Ich finde, dass die Welt durch den Irak-Krieg nicht sicherer, sondern<br />
schlimmer und unsicherer geworden ist .
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Welche Konsequenzen wollen Sie ziehen?
</p>
<p>
<b>schilys:</b>  Sollte Polen seine Soldaten auch abziehen oder wäre das ein Zugeständnis an den Terrorismus und eine Ermunterung?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Ich glaube wir müssen hier zwischen zwei Dingen unterscheiden:<br />
Natürlich wird kein Problem gelöst, wenn immer mehr Länder ihre<br />
Soldaten aus dem Irak abziehen. Auf der anderen Seite ist es das Recht<br />
von Staaten, die meist nur für eine begrenzte Zeit Soldaten entsendet<br />
habe, diese auch wieder zu beenden. Es ist fahrlässig und gefährlich,<br />
etwa den künftigen spanischen Ministerpräsidenten Zapatero zu<br />
beschuldigen, er folge dem Druck des Terrorismus. In Wirklichkeit hat<br />
er nur das in sein Wahlprogramm angekündigt, was 90% der Spanier für<br />
richtig halten, nämlich die Beteiligung an der Besetzung des Irak zu<br />
beenden. Auch in Polen ist die Mehrheit der Meinung, dass das<br />
Engagement beendet werden soll. Es ist in Demokratien nicht nur üblich,<br />
sondern auch richtig, dass die Meinung der Mehrheit bei der Politik<br />
Beachtung findet .Wer das in der Sache für falsch findet, sollte nicht<br />
so tun, als seien das Leute, die Unverantwortlich mit den Terrorismus<br />
umgehen. Wenn wir damit anfangen, mit solchen Argumentationen, geben<br />
wir in Wirklichkeit tatsächlich den Terroraktionen Einfluss auf<br />
innenpolitische Entscheidungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Das ist die Brücke zum Thema Zuwanderung:
</p>
<p>
<b>Uffesheimer:</b><br />
Die Union verlangt, die Ausweisung potenzieller Terroristen innerhalb<br />
des künftigen Zuwanderungsgesetzes zu regeln. Stimmen sie dem zu?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Das Problem ist nicht die Ausweisung, sondern die Frage auf welcher<br />
Grundlage Ausweisungen erfolgen sollen: Auf der Grundlage von<br />
erwiesenen Tatbeständen oder Vermutungen? Unsere Rechtsordnung hat es<br />
bisher aus gutem Grund vermieden, Maßnahmen gegen Menschen auf der<br />
Basis von bloßen Vermutungen durchzuführen. Ich finde hier ist noch<br />
eine sehr gründliche Prüfung dieser Frage notwendig, weil wir an<br />
unserem bisherigen Weg weiterarbeiten sollten wegen der terroristischen<br />
Gefahr nicht unsere grundsätzlichen Rechtsgüter in Frage zu stellen. In<br />
Amerika gibt es schon viele Beobachter, die sagen, der so genannte<br />
&quot;Patriot Act&quot; sei die schlimmste Einschränkung von Bürgerrechten in der<br />
amerikanischen Geschichte. Ich finde es gut, dass es in Deutschland<br />
einen Konsens gibt, diesem Beispiel nicht zu folgen und dabei sollte es<br />
auch bleiben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Wann können wir denn mit einer endgültigen Einigung beim Zuwanderungsgesetz rechnen? Schaffen Sie das vor Ostern?
</p>
<p>
<b>Gernot Erler:</b><br />
Man kann Politik nur mit einer vernünftigen Portion Optimismus<br />
betreiben. Ich finde, eine Verständigung in der Frage ist überfällig<br />
und so sehen es auch die Kirchen, die Leute, die sich mit diesen Fragen<br />
beschäftigen und die Mehrzahl der Deutschen. Ich hoffe, dass deren<br />
Erwartungen jetzt ohne weitere Verzögerungen erfüllt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Vielen Dank für ihr Interesse, unsere Diskussions-Stunde ist damit zu<br />
Ende. Vielen Dank Herr Erler, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Am<br />
Mittwoch, 24. März gibt es den nächsten Chat. Dann stellt sich ab<br />
dreizehn Uhr Christian Schmidt, Verteidigungsexperte der Union, Ihren<br />
Fragen. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den<br />
Seiten der Veranstalter. Das tacheles.02-Team wünscht Ihnen noch einen<br />
schönen Tag!
</p>
<p><!-- #EndEditable --></p>
<p>
&nbsp;</p>
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		<title>&#8220;Es geht den Vereinigten Staaten um eine &#8216;Pax Americana&#8217; im Nahen Osten&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotes_geht_den_vereinigten_staaten_um_eine_039pax_americana039_im_nahen_ostenquot-321/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Mar 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Gernot Erler]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/gerler.gif" alt="Gernot Erler" align="left" height="103" width="87" /> 
Gernot Erler, Fraktionsvize der SPD, am 12. März, 2003 zu Gast im 
tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/gerler.gif" alt="Gernot Erler" align="left" height="103" width="87" /><br />
Gernot Erler, Fraktionsvize der SPD, am 12. März, 2003 zu Gast im<br />
tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Moderator: </b>Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr<br />
Erler. Herzlich willkommen im tacheles.02 Live-Chat. Unser heutiger Gast<br />
in Berlin ist der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Herr Erler,<br />
sind Sie bereit für sechzig Minuten Diskussion mit unseren Nutzern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Ja</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Stichwort Irak: Gerhard Schröder ist zu Gesprächen mit dem britischen<br />
Premierminister Tony Blair in London eingetroffen. Thema: die Irak-Krise.<br />
Beide Politiker wollen bei dem Treffen erörtern, ob doch noch eine<br />
gemeinsame Haltung im UN-Sicherheitsrat möglich ist. Welche Vorschläge<br />
hat Schröder Blair zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich glaube die Positionen sind soweit auseinander, dass sie nicht<br />
durch einen deutschen Vorschlag überbrückt werden können.<br />
Es geht darum zu zeigen, dass die Unterschiede nicht zu einem Bruch in<br />
den guten deutsch-britischen Beziehungen führen sollen und dass die<br />
führenden europäischen Staaten im Gespräch bleiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zwei Fragen zum gleichen Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sonnendeck:<br />
</b>Der wegen seines Irak-Kurses ums politische Überleben kämpfende<br />
Premierminister Tony Blair stellte nun einen Forderungskatalog vor. Ist<br />
das der richtige Weg?<br />
Krisenrat: Was halten Sie von den sechs Bedingungen aus London. Sind die<br />
erfüllbar, oder wird hier nur der Krieg legitimiert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Das Problem ist, dass auch bei diesen sechs Bedingungen, die<br />
im übrigen bis zum 17.3. gar nicht erfüllbar sind, es zu einer<br />
Umkehr des Vetos kommen soll. Das heißt, hinterher müsste der<br />
Sicherheitsrat sagen, wenn er einen Krieg verhindern will, Saddam hat<br />
alles erfüllt. Aber wer beurteilt das? Und warum sollte nicht Washington<br />
ein Veto einlegen, wenn alle anderen für gute Kooperation votieren?<br />
Das ist kaum konsensfähig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FreiburgBerliner:</b><br />
Inwiefern halten Sie einen Rückzug Blairs für möglich,<br />
falls der Druck auf ihn zur offenen Rebellion in Partei und Fraktion wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Darüber wird in England bereits offen spekuliert. Tony Blair<br />
braucht einen Kompromiss und eine Legitimation durch einen Sicherheitsratsbeschluss.<br />
Sonst wird ihm das britische Volk die Gefolgschaft verweigern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>redo: </b>Glauben<br />
Sie, dass es der USA um eine demokratische Nachkriegsordnung geht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es geht den Vereinigten Staaten um eine &quot;Pax Americana&quot;<br />
im Nahen Osten, das heißt eine Neuordnung dieser sensiblen Region<br />
im Sinne amerikanischer Interessen. In der Vergangenheit hat Washington<br />
dabei auch mit Diktaturen und autoritären Regimes zusammen gearbeitet.<br />
Nichts weist darauf hin, dass sich daran etwas ändern würde.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Mal nachgefragt: der Nahe Osten ist nicht mehr in der Situation<br />
wie 1990/91. Könnte ein Sturz des irakischen Regimes nicht auch ein<br />
positive Wendung für einige Staaten dort bringen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Unsere Befürchtung ist, dass die Ohnmachtgefühle bei<br />
der arabischen Bevölkerung, wenn sie die Bilder von Opfern im Irak<br />
sehen, eher zu eruptiven Reaktionen führen werden, und damit die<br />
Existenz der moderaten arabischen Staaten der Region aufs Spiel setzen<br />
werden. Präsident Bush glaubt dagegen, dass ein Regime Change alle<br />
radikalen Kräfte in der Region abschrecken und zum verstummen bringen<br />
würde. Was halten Sie für das Wahrscheinlichere?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ich habe nur den Eindruck, dass die Nahostexperten die Kraft<br />
der so genannten &quot;arabischen Straße&quot; äußerst<br />
unterschiedlich einschätzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich stimme zu, es gibt verschiedene Einschätzungen, aber<br />
die meisten Experten erwarten eher eine Destabilisierung der Nahostregion<br />
nach einem Irak-Krieg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bernie: </b>Herr<br />
Erler, die Position der Bundesregierung verdient Anerkennung, aber sie<br />
macht sich offenbar keine Gedanken um die inhumanen Zustände im Irak.<br />
Haben wir kein Interesse die Menschen im Irak zu unterstützen? Wir<br />
wissen doch genau wie gefährlich und schrecklich diese Diktatur ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Das stimmt. Wir wissen das seit vielen Jahren, und leider wissen<br />
wir auch, dass die Maßnahmen der Vereinten Nationen im Sinne von<br />
Sanktionen weniger dem Clan von Saddam als den einfachen Menschen geschadet<br />
haben. Aber ein Krieg, das sagen auch die humanitären Hilfsorganisationen,<br />
hat den selben Effekt: die Eliten können sich schützen und verbergen,<br />
die einfachen Menschen sind dem Bombenhagel und den militärischen<br />
Aktionen ausgeliefert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FreiburgBerliner:<br />
</b>Herr Erler, wie schätzen Sie das weitere Vorgehen der USA<br />
ein &#8211; nach einem Irak-Krieg- in Hinsicht ihrer &quot;axes-of-evil&quot;-Politik:<br />
also Iran?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es gibt Anzeichen dafür, dass der Irak-Krieg exemplarisch<br />
die neue amerikanische Doktrin der nationalen Sicherheit umsetzen soll.<br />
In einer Weltordnung nach einem Irak-Krieg würde das heißen,<br />
dass wir mit weiteren Entwaffnungskriegen gegen anti-westliche Staaten<br />
mit gefährlichen Waffen rechnen müssten. Ich sage immer: in<br />
einer solchen Weltordnung möchte ich nicht leben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Akanesh: </b>Vorausgesetzt<br />
das derzeitige Kräfteverhältnis im UN-Sicherheitsrat würde<br />
auch in Zukunft bestehen bleiben und ein Kriegsautomatismus damit nicht<br />
legitimiert werden. Wenn überhaupt &#8211; wie könnten die USA ihrer<br />
Meinung nach ohne &quot;ihr Gesicht zu verlieren&quot; zu einem Konsens<br />
im Sicherheitsrat finden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich halte das für die entscheidende Frage, wie man im letzten<br />
Moment Präsident Bush noch eine Brücke bauen kann. Ich glaube,<br />
es geht nur so: Amerika hat einen großen Erfolg erzielt, hat durch<br />
das Engagement auch im militärischen Bereich die Voraussetzung dafür<br />
geschaffen, dass Saddam jetzt tatsächlich abrüstet, und wir<br />
sollten uns wünschen, dass Präsident Bush dies als seinen Erfolg<br />
feiern kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kajsanka:</b><br />
Wie, denken Sie, wird die UN und die Bundesregierung reagieren, wenn es<br />
zu einem Krieg ohne UN Mandat kommt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Die Vereinten Nationen können von ihrer Struktur her nichts<br />
gegen ein Veto-Land unternehmen, eben weil dieses Land mit einem Veto<br />
auf jeden Beschluss der UN reagieren kann. Die Bundesregierung wird in<br />
jedem Fall bei ihrer Haltung bleiben: keine Beteiligung an einem Irak-Krieg,<br />
weder mit Geld noch mit Soldaten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Traube: </b>Wird<br />
sich Deutschland nach einem möglichen Irak-Krieg am &quot;nation<br />
building&quot; im Irak beteiligen und wenn ja, wie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Wir geben darauf bisher keine Antwort, weil wir es für unglaubwürdig<br />
halten, nein zum Krieg zu sagen, aber jetzt schon Zusagen für den<br />
erfolgten Kriegsfall zu geben. Ich finde es makaber, dass einerseits die<br />
Vereinten Nationen noch um den Frieden ringen, aber die amerikanische<br />
Administration bereits die Ausschreibungen für die Wiederaufbauarbeiten<br />
nach dem Krieg verteilt hat!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ghostman:</b><br />
Warum werden den USA in jedem Fall Überflugrechte gewährt? Bei<br />
einem Krieg ohne UN-Mandat wäre das eine Unterstützung eines<br />
völkerrechtswidrigen Angriffskrieges.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Die Bundesregierung kann nach unserer Verfassung in ihren Exekutiven<br />
eine solche Zusage machen und hat dies getan, um das transatlantische<br />
Verhältnis nicht dauerhaft zu beschädigen. An Spekulationen<br />
darüber, ob die Vereinigten Staaten das Völkerrecht verletzen<br />
werden, kann und sollte sich Berlin nicht beteiligen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ewd: </b>Der<br />
Irak und die USA buhlen beide um die Gunst der Russen. Sind sie der heimliche<br />
Gewinner?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Nein, die Russen sind in einer schwierigen Lage. Putins Politik<br />
will eine Partnerschaft mit dem starken Amerika, und will diese Partnerschaft<br />
wegen des Iraks nicht aufs Spiel setzen. Andererseits gibt es eine sehr<br />
starke Anti-Kriegshaltung in der russischen Bevölkerung, die im Moment<br />
zu einer anti-amerikanischen Haltung werden kann. Man sieht, dass Putin<br />
und Iwanow mit verteilten Rollen diese Gratwanderung zu bestehen versuchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rosiensche:<br />
</b>Was hätte Schröder eigentlich gemacht, wenn die anderen<br />
Länder nicht auch alle nach und nach gegen den Krieg argumentiert<br />
hätten? Dann wäre er jetzt wirklich ziemlich isoliert, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ja das stimmt. Das zeigt aber, dass es sich international nicht<br />
um eine populistische Position gehandelt hat, sondern um eine risikoreiche<br />
und eine, die mit Grundüberzeugungen zu tun hat. Wir waren von vornherein<br />
davon überzeugt, dass der Irak-Krieg den Kampf gegen den Terrorismus<br />
erschweren wird, dass er die Nahostregion und damit auch Israel unsicherer<br />
machen wird, und dass wir am Ende mit einem weltweiten Anwachsen des Anti-Amerikanismus<br />
rechnen müssen. Inzwischen gibt es auch immer mehr Amerikaner, die<br />
diese Risikobeurteilung teilen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mensch Gerd<br />
!:</b> Wenn Deutschland plötzlich an der Seite von Russland<br />
steht und sich gegen die USA stellt, was passiert dann mit unserer stark<br />
vom Export abhängigen Wirtschaft ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Das gute deutsch-russische Verhältnis lag bisher immer auch im amerikanischen<br />
Interesse, und das wird auch so bleiben. Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen<br />
sind stark und robust gegen diese Herausforderungen. Vor allem gibt es<br />
dabei ebenso deutliche amerikanische wie deutsche Interessen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bernie: </b>Im<br />
Bericht des Irak, wurde erwähnt, dass ca. 80 deutsche Firmen dem<br />
Irak bei der Aufrüstung halfen. Von denen hört man gar nichts<br />
mehr&#8230; geht dem keiner nach? Was wissen Sie darüber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es hat in dieser Frage mehrere Prozesse in Deutschland gegeben,<br />
bei denen auch Firmen bestraft wurden, die illegale Exporte durchgeführt<br />
haben. Die meisten dieser Fälle beziehen sich allerdings auf die<br />
80er und 90er Jahre. Die nach der Vorlage des Waffenreports von Saddam<br />
aufgetauchten Listen deutscher Firmen (übrigens auch amerikanischer<br />
Firmen) stammen aus der Zeit des 1. Golfkrieg (1980-88).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nort: </b>Die<br />
nichtständigen Mitglieder im Sicherheitsrat: sind sie entscheidend<br />
oder nicht? Wenn nicht, zeigt das nicht, wie undemokratisch die UN derzeit<br />
ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Leider stimmt es, dass die Vereinten Nationen Unterschiede zwischen<br />
ihren Mitgliedsstaaten machen, eben solche zwischen Veto-Staaten und Nicht-Veto-Staaten.<br />
Insofern finde ich es eher beruhigend, dass in der gegenwärtigen<br />
Situation die eher &quot;kleinen&quot; Staaten Mexiko, Chile, Pakistan,<br />
Kamerun, Guinea, Angola quasi das Zünglein an der Waage darstellen.<br />
Ich habe Riesenrespekt vor diesen Staaten, die zum Teil wirtschaftlich<br />
und politisch abhängig von Washington sind, dass sie bisher dem enormen<br />
Druck nicht nachgegeben haben, und sich sogar zu einem eigenen inhaltlichen<br />
Vorschlag zusammen gefunden haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zu einem anderen Thema: Der serbische Ministerpräsident<br />
wurde heute erschossen. Kannten Sie ihn gut?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ja, ich kannte Zoran Djindjic persönlich gut, vor allem<br />
auch aus seiner Zeit als einer der führenden Oppositionellen gegen<br />
Milosevic. Sein Tod wirft den serbischen Demokratisierungsprozess schwer<br />
zurück, und mit ihm ist eine Hoffnung für die ganze Balkanregion<br />
brutal ermordet worden. Ich bin persönlich erschüttert und sehr<br />
traurig heute.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>oasis:</b><br />
Droht Serbien in ein Chaos zu verfallen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Das hängt von der Klugheit der anderen Verantwortungsträger<br />
im Lande ab. Die ersten Reaktionen auf den professionellen und brutalen<br />
Anschlag waren besonnen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Kennen Sie Gründe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Nein, bisher tappt man bei der Suche nach den Hintergründen<br />
noch völlig im Dunkeln. Aber es gibt Spuren offenbar ins Milieu der<br />
Mafia, die stets gute Verbindungen des Milosevic-Regimes unterhalten hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bernie:</b><br />
Wie sehen sie die Situation im Kosovo? So richtig gut läuft das ja<br />
wohl auch nicht &#8211; immer wieder gibt es Schiessereien, Minderheiten haben<br />
nichts zu lachen, etc.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Im Kosovo führt der Uno-Sonderbeauftragte Michael Steiner eine strenge<br />
Politik nach dem Motto, erst Standards, dann Status, durch. Die Uno benutzt<br />
den Wunsch der albanischen Kosovaren nach Status-Klärung, um sie<br />
dazu zu bringen, Minderheitenrechte im Kosovo zu respektieren. Uns helfen<br />
die schwierigen Erfahrungen aus Bosnien-Herzegowina. Ich persönlich<br />
bin optimistisch, dass bei einer Fortsetzung dieser Politik die Normalisierung<br />
im Kosovo schneller erfolgen wird als in Bosnien-Herzegowina, wo am Anfang<br />
zu viele Fehler gemacht wurden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ludi: </b>Zeigt<br />
Jugoslawien bzw. Kosovo nicht aber, was ohne die USA passiert wäre?<br />
Die EU war zum Eingreifen nicht bereit. Hier war auch die SPD für<br />
Krieg, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es stimmt, dass sowohl in Bosnien als auch im Kosovo die europäische<br />
Politik im Sinne einer Kriegsprävention versagt hat, und letztlich<br />
auf die Autorität Amerikas zurückgreifen musste. In Mazedonien<br />
2002 allerdings war das anders: da funktionierte zum ersten Mal eine präventive<br />
europäische Politik und konnte einen Bürgerkrieg verhindern.<br />
Es ist eine Tragödie, dass in der Zeit nach dem 11. September und<br />
bei dem jetzigen Irak-Konflikt Europa in seiner Handlungsfähigkeit<br />
nicht an das positive Mazedonien-Beispiel anknüpfen konnte. Die Idee<br />
einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU hat durch<br />
die Risse im Irak-Konflikt einen schweren Rückschlag erlitten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>uit: </b>In<br />
Mazedonien war der Konflikt aber auch auf einer anderen Eskalationsstufe.<br />
Da hinkt doch der Vergleich, Herr Erler?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>In Mazedonien drohte eindeutig ein Bürgerkrieg, und die<br />
EU hat mit einer politischen Strategie und einem Friedensvertrag, der<br />
auch eine militärische Absicherung vorsah, diese Gefahr entschärfen<br />
können. Insofern bedauern wir nachträglich, dass bei den vier<br />
vorangegangenen Kriegen auf dem Balkan Europa nicht ähnlich gemeinsam<br />
und entschlossen gehandelt hat. Das hätte viele Menschenleben mitten<br />
in Europa retten können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ringläufer:<br />
</b>Fehlt in der deutschen Argumentation nicht ein klares Konzept<br />
wie mit der Hydra Hussein umgegangen werden soll?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es gibt auf der Welt kein Kontroll- und Überwachungsregime,<br />
dass so rigide ist, wie das, das gegenwärtig gegen Saddam angewandt<br />
wird. Der irakische Diktator ist nicht mehr souverän: in seinem Luftraum<br />
fliegen die besten amerikanischen, französischen und demnächst<br />
auch russischen und deutschen Aufklärungssysteme, die Inspektoren<br />
dürfen überall hin, wo sie wollen, auch in Saddams Paläste,<br />
und er muss sich richtig abhetzen, um die fristenbewehrten Auflagen der<br />
Inspektoren zu erfüllen. Ich glaube, das ist das richtige Konzept<br />
im Umgang mit Saddam, was der Erfolg auch zeigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zur Innenpolitik: Bundeskanzler Schröder will am Freitag<br />
eine Regierungserklärung zu seinen Reformplänen abgeben. In<br />
Berliner Politikkreisen wird befürchtet, dass der Kanzler wieder<br />
nur große Linien verkündet. Wird der Kanzler endlich mal konkret?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Die großen Linien sind notwendig und sie sind besser, als<br />
jeden Tag einen Einzelvorschlag durch die Landschaft zu jagen, der nach<br />
einer voraussehbaren Reaktion dann wieder vom Tisch genommen wird. Allerdings<br />
wird es auch konkrete Daten in der Rede des Bundeskanzlers geben. Es wäre<br />
sinnlos gewesen, die jetzt vorher schon bekannt zu machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
&#8230;wäre aber interessant. Vielleicht ein kleiner Hinweis?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Wir brauchen ein Gesamtkonzept für die großen Reformfelder<br />
Gesundheit, Arbeitsmarkt und Investitionen, an dem sich die konkrete Gesetzgebungsarbeit<br />
der nächsten Monate orientiert. Ich glaube der Kanzler wird einen<br />
solchen Rahmen so konkret bieten, dass für die parlamentarische Arbeit<br />
&#8211; und darauf lege ich als Bundestagsabgeordneter wert &#8211; noch genügend<br />
Spielraum bleiben wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Glauben Sie oder wissen Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Ich habe sehr aufmerksam am Montag und am Dienstag dieser Woche Gerhard<br />
Schröder zugehört, und darauf stützt sich meine Erwartung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>framex: </b>Was<br />
halten sie von der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe? soll<br />
ein Arbeitsloser der bisher ca. 700 ? bekommen hat dann ins Obdachlosenasyl<br />
ziehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe ist beschlossene<br />
Sache, aber es kommt auf die Ausgestaltung an. Wir haben im Augenblick<br />
eine widersprüchliche Situation: <br />
Familien mit mehreren Kindern stellen sich besser mit Sozialhilfe, Einzelverdiener<br />
profitieren bei der Arbeitslosenhilfe. Das jetzige System ist nicht gerecht.<br />
Wir wollen es nicht abschaffen, sondern zukunftsfähig machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Ullrich,<br />
München: </b>Warum stellen Sie sich &#8211; als Vertreter der SPD<br />
Linken &#8211; seit Jahren nachhaltig gegen die von allen seriösen Fachleuten<br />
angemahnten Reformen? Haben Sie schon jemals die Politik verlassen und<br />
jemals auch nur einen Arbeitsplatz geschaffen? Woher nehmen Sie Ihre Weisheit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich kann darauf hinweisen, dass ich 20 Jahre berufstätig<br />
war, unter anderem als Leiter eines Unternehmens und mit der Berechtigung<br />
zur Ausbildung, bevor ich beruflich in die Politik gegangen bin. Deswegen<br />
bilde ich mir ein, dass ich auch innenpolitische Fragen aus eigener Anschauung<br />
einschätzen kann. Ich wende mich nicht gegen Reformen, aber Vorschläge<br />
von &quot;Fachleuten&quot; sind immer auch Vorschläge von Leuten<br />
mit Interessen. Aus meiner Erfahrung werde ich mich gegen eine Entwicklung<br />
des Sozialstaats zu einem Sozialhilfestaat wenden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mensch Gerd<br />
!: </b>Es kann doch nicht die Rede von besser stellen sein! Es geht<br />
darum, dass die Menschen keine ARBEIT mehr haben!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Deswegen wird es auch um eine Stärkung der Gemeindefinanzen<br />
gehen und um ökologisch sinnvolle Investitionsprogramme, die neue<br />
Arbeitsplätze schaffen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>goo: </b>Sie<br />
gehören zum linken Flügel in der SPD. Haben Sie da nicht ein<br />
besonders gespaltenes Verhältnis zum Kanzler? In der Außenpolitik<br />
ein Friedensengel, in der Innenpolitik ein neoliberaler Sozialabbauer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich habe Vertrauen zu Gerhard Schröder, auch deswegen, weil<br />
er auf Ratschläge hört, auch wenn sie von Vertretern des linken<br />
Flügels der SPD kommen, wenn sie nur sachlich begründet sind.<br />
Die Politik des Bundeskanzlers wird kein neoliberaler Sozialabbau sein:<br />
das wollen in der jetzigen Situation die Vertreter der Opposition in Gemeinschaft<br />
mit den Arbeitsgeberverbänden. Aber genau dafür gibt es keine<br />
Mehrheit in der SPD-Bundestagsfraktion und damit auch nicht für die<br />
Bundesregierung!</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei.<br />
Herzlichen Dank, Herr Erler, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen<br />
sind und vielen Dank an alle UserInnen für Ihr Interesse. Jede Menge<br />
Fragen blieben unbeantwortet, ich denke wir müssen Herrn Erler noch<br />
einmal einladen. Noch ein Terminhinweis: Morgen kommt der nordrhein-westfälische<br />
Finanzminister, Jochen Dieckmann, zum Chat. Knapp eine Woche später,<br />
am 19.März, werden wir mit Friedbert Pflüger, dem außenpolitischen<br />
Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, sprechen. Beide Chats finden<br />
zwischen 17:00 und 18:00 Uhr statt. Wir würden uns freuen, wenn Sie<br />
wieder dabei sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie<br />
auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Gernot Erler hat übrigens einen eigenen Webauftritt: www.gernot-erler.de</span></p>
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