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	<title>Hans Herbert von Arnim &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Hans Herbert von Arnim &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Organisierte Unverantwortlichkeit ist das Problem&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotorganisierte_unverantwortlichkeit_ist_das_problemquot-276/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[ameyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Direkte Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Herbert von Arnim]]></category>
		<category><![CDATA[Parteiensystem]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/hhvarnim.jpg" alt="Hans Herbert von Arnim" align="left" border="0" height="109" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Der<b>Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim</b></span></b><span style="color: #000000"><b><b> 
ist am 21. Oktober 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/hhvarnim.jpg" alt="Hans Herbert von Arnim" align="left" border="0" height="109" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Der<b>Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim</b></span></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
ist am 21. Oktober 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin begrüße ich heute Hans Herbert<br />
von Arnim, Professor für öffentliches Recht und Verfassungslehre<br />
an der Universität Speyer. Herr von Arnim ist unter anderem engagiert<br />
beim Verein &quot;Mehr Demokratie e.V.&quot;, der sich für mehr direkte<br />
Demokratie einsetzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Herr von Arnim, Sie<br />
sind einer der kritischsten Beobachter des Parteiensystems in der Bundesrepublik.<br />
Wenn Sie auf die derzeitigen Debatten um die Sanierung von<br />
Sozialsystemen und Staatsfinanzen schauen, machen die Parteien da ihren<br />
Job richtig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Sie versuchen es. Immerhin sind einige Reformen in Gang gesetzt,<br />
aber ob beispielsweise die Rentenreform oder das Vorziehen der Steuerstufe<br />
tatsächlich zustande kommt, ist leider noch völlig offen. Da<br />
muss der Bundesrat noch zustimmen und dort hat die Opposition die Mehrheit<br />
und die weiß noch nicht so recht, ob sie der Regierung einen Erfolg<br />
gönnen soll. Das Problem ist halt auch das System. In diesem Fall<br />
die Zustimmungsbedürftigkeit wichtiger Gesetze durch die Opposition<br />
im Bundesrat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chatta</b>: Meinen<br />
Sie, dass eine Große Koalition die Lösung für den Reformstau<br />
wäre?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Eine Große Koalition hat zwar viele Nachteile, aber im<br />
Augenblick wäre ich fast dafür, denn dann wäre die große<br />
Oppositionspartei mit in der politischen Verantwortung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oleg</b>: Meinen<br />
Sie, die Opposition riskiert es wirklich, die Reformen zu verschleppen?<br />
Das kann denen doch auch nur schaden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Wenn die Reformen der Regierung scheitern, geht das vor allen<br />
Dingen mit der Regierung nach Hause. Deshalb ist die Opposition im Bundesrat<br />
versucht zu blockieren. In einer Großen Koalition wäre das<br />
anders.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jon</b>: Haben<br />
wir nicht faktisch schon eine Große Koalition?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Wir haben eine hinkende Große Koalition, weil die Opposition<br />
zustimmen muss, aber die Hauptverantwortung für das Gelingen oder<br />
Misslingen die Regierung vor der Öffentlichkeit trägt, und da<br />
will dann die Opposition vielleicht verhindern, dass sich die Regierung<br />
diese Feder an den Hut stecken kann. Vor der Öffentlichkeit wird<br />
das von der Opposition immer anders dargestellt.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/arnim.jpg" alt="Hans Herbert von Arnim" align="right" height="152" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mischa</b>: Sollten<br />
wir vielleicht den Bundesrat abschaffen bzw. die Zustimmungspflichtigkeit,<br />
um das System zu verbessern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Alexander Morhart</b>:<br />
Wäre es nicht besser, die Bundesländer abzuschaffen? Sie sind<br />
schließlich die Ursache für die Blockade bei entsprechender<br />
Konstellation der Mehrheiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Man sollte die Zahl der zustimmungsbedürftigen Gesetze<br />
massiv einschränken. Man sollte auch darüber nachdenken, ob<br />
der Bundesrat nicht anders gestaltet werden müsste. Wenn die Ministerpräsidenten<br />
in ihren Ländern direkt vom Volk gewählt werden würden,<br />
wären sie nicht mehr so leicht an die parteipolitische Kandare zu<br />
nehmen und könnten sich mehr an den Sachproblemen orientieren. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Ich bin gegen eine<br />
Abschaffung der Bundesländer. Der Föderalismus ist von der Idee<br />
her gut, bloß haben sich bei uns in der Praxis erhebliche Deformationen<br />
ergeben, die dazu führen, dass die Wähler im Bund und in den<br />
Ländern kaum noch jemandem gute oder schlechte Politik zurechnen<br />
und sie verantwortlich machen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Kommentar zu Ihrem Vorschlag, die Ministerpräsidenten direkt zu wählen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bjthie</b>: Das<br />
würde ja dann schon beizeiten zu einer Volksabstimmung avancieren,<br />
damit wäre ich auch nicht einverstanden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>helgoland</b>:<br />
Denken Sie wirklich eine Direktwahl würde den Parteizwang lockern?<br />
Warum?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: In den Städten, auch in den Großstädten, gibt<br />
es ja inzwischen die Direktwahl der Bürgermeister und Oberbürgermeister<br />
in allen 13 Flächenländern, weil man mit der Direktwahl des<br />
Exekutivchefs in Süddeutschland gute Erfahrungen gemacht hat. Man<br />
sollte dieses System deshalb auch auf die Bundesländer übertragen.<br />
Ein Ministerpräsident in einem Land wird zwar kaum ohne Unterstützung<br />
einer Partei gewählt werden können, aber die Abhängigkeit<br />
wird lockerer und der Kreis in Frage kommender Kandidaten wird größer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gecko</b>: Wäre<br />
ein Senatsystem dem jetzigen nicht vorzuziehen? Die Landesregierungen<br />
hätten dann keinen direkten Einfluss mehr auf die Bundespolitik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Ja, ein Senatssystem wäre meines Erachtens zu befürworten,<br />
aber die Ministerpräsidenten werden nicht freiwillig auf ihre starke<br />
Stellung im Bundesrat verzichten. Der Vorteil meines Vorschlags, Ministerpräsidenten<br />
direkt zu wählen, liegt darin, dass man Landesverfassungen durch<br />
Volksbegehren und Volksentscheid ändern und so die Direktwahl des<br />
Ministerpräsidenten einführen könnte. Auch gegen den Widerstand<br />
der politischen Klasse. Auf Bundesebene gibt es dagegen kein Volksbegehren<br />
und Volksentscheid &#8211; leider.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Kommen wir zur &quot;politischen Klasse&quot;:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Caliban</b>: Die<br />
Diktatur der Parteien hat zwischenzeitlich immense Ausmaße angenommen,<br />
wie stellen Sie sich hier konkret eine Veränderung vor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Es gibt nur ein mächtiges Gegengewicht gegen Parteienmissbrauch<br />
und das ist das Volk selbst. Man muss ihm nur die Möglichkeit geben,<br />
sich wirksam zu äußern: Durch Einführung der direkten<br />
Demokratie auch auf Bundesebene, durch Erleichterung der direkten Demokratie<br />
auf Landes- und Kommunalebene und durch Verbesserungen des Wahlrechts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Verstehe ich Sie richtig, alles andere, mehr Kontrolle, anderen Regelungen<br />
bei den Parteien, halten Sie letztlich für wirkungslos?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Nein, es bedarf auch einer ganzen Reihe von sonstigen Änderungen.<br />
Die aber durchzusetzen, gegen die Interessen der etablierten Politik,<br />
ist gerade das Problem und dafür kommt häufig nur das Volk selbst<br />
in Betracht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ulli</b>: Halten<br />
Sie es für notwendig, die Strukturen innerhalb der Parteien zu ändern?<br />
Heutzutage kann man sich als Politiker doch nur allmählich nach oben<br />
arbeiten, ist auf Kontakte angewiesen etc. Ein reinstes Keimbecken für<br />
Korruption.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: In der Tat erhält man ein Mandat in einem Parlament regelmäßig<br />
nur nach langjähriger &quot;Ochsentour&quot;. Das schreckt viele<br />
ab. Man müsste das Wahlrecht ändern, um tüchtigen Leuten<br />
den Einstieg zu erleichtern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jon</b>: Denken<br />
sie nicht, dass eine zu plebiszitäre Demokratie zu populistisch und<br />
fortschrittsfeindlich wäre?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Die Einführung von Volksbegehren und Volksentscheid auf<br />
Bundesebene schafft ja noch lange keine plebiszitäre Demokratie.<br />
Hauptgesetzgeber blieben der Bundestag. Aber es bestünde ein Mittel<br />
zur äußersten Kontrolle durch Volksentscheide. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>george</b>: Was<br />
meinen Sie mit Senatsystem &#8211; ein System nach amerikanischem Vorbild und<br />
der Möglichkeit einer Abwahl durch Volksentscheid wie in Kalifornien.<br />
Besteht da nicht die Gefahr, dass der Einfluss der Medienpolitik politische<br />
Inhalte und Meinungsbildungen präformiert und damit die latente Gefahr<br />
einer politischen, weil meinungspolitischen, Manipulation einfacher wird?<br />
Meine Meinung dazu: Ich bin sehr skeptisch, aber nicht gänzlich abgeneigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Der Einfluß der Medien ist jetzt ja schon gewaltig. Nicht<br />
umsonst spricht man von einer Mediendemokratie. Mehr direkte Demokratie<br />
brächte den Common Sense der Bürger stärker zur Geltung<br />
als das bisher der Fall ist. <br />
Vor lauter Political Correctness in den Medien und der Politik kommen<br />
die wirklichen <br />
Kernfragen, die den Bürgern auf den Nägeln brennen, oft gar<br />
nicht mehr zur Geltung.<br />
Eine Abwahl von Amtsträgern unter stark erschwerten Bedingungen wäre<br />
vielleicht gar nicht schlecht. Dann würde die politische Verantwortlichkeit<br />
gegenüber den Bürgern, die den Kern von Demokratie ausmacht,<br />
verwirklicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Alexander Morhart</b>:<br />
Im Gegenteil: Das Schielen auf Wahl-Prozente verleitet zum Populismus.<br />
Und die Volksgesetzgebung ist an sich bereits der größte Fortschritt<br />
seit 1949.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>misterL</b>: Agiert<br />
unsere Politik nicht jetzt schon nach &quot;Trend in Prozent&quot;? Ist<br />
nicht gerade ein weniger davon besser für Inhalte und Konzepte? Falls<br />
dem so ist, muss dann der parlamentarischen Demokratie nicht der Rücken<br />
gestärkt werden, statt sie durch weiteren Medieneinfluss zu schwächen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Man sollte beide Wege beschreiten. Das parlamentarische System<br />
könnte durch eine grundlegende Reform des Wahlrechts gestärkt<br />
werden, Mehrheitswahl nach englischem Vorbild würde starke Regierungen<br />
schaffen, Koalitionen wären überflüssig und nach Ablauf<br />
der Wahlperiode könnten die Wähler ihr Urteil fällen. Die<br />
Zurechenbarkeit der Politik wäre ganz klar. Man könnte aber<br />
auch den anderen Weg von mehr direkter Demokratie gehen. Die erste Änderung,<br />
also die Änderung des Wahlrechts, könnte jedenfalls nur durch<br />
Volksbegehren und Volksentscheid durchgesetzt werden. Das nach einem anderen<br />
Wahlweg gewählte Parlament würde eine solche Reform des Wahlrechts<br />
niemals vornehmen, weil sie den Eigeninteressen der derzeitigen Parlamentarier<br />
widersprechen würde.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>knalli</b>: Zeigt<br />
sich an der gegenwärtigen Situation nicht nur die Stärke der<br />
Parteien, sondern die Schwäche der Demokratie? Meiner Meinung nach<br />
geht der Kanzler grundsätzlich richtig vor und belastet, da es einfach<br />
weniger zu verteilen gibt, alle gesellschaftlichen Gruppen, jetzt auch<br />
die Rentner. Folge: Nur wenige werden ihm bei der nächsten Wahl seine<br />
Stimme geben. Wie sehen Sie das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="left" height="150" width="200" />Hans<br />
Herbert von Arnim</b>: Das derzeitige Stimmungstief für die Regierung<br />
kann sich im Laufe der Legislaturperiode noch ändern. Alle wissen,<br />
dass es ohne grundlegende Reformen unserer Sozial- und Steuersysteme nicht<br />
mehr weitergeht. Wenn die Regierung ihre Reformen durchbringt und ihre<br />
Notwendigkeit plausibel macht, kann sie am Ende vielleicht auch als Gewinner<br />
dastehen. Andererseits reichen die jetzt anstehenden Reformen ja noch<br />
nicht aus. Helfen würde es auch, wenn die Politik bei Einschränkungen,<br />
zum Beispiel bei der Altersversorgung, bei sich selbst deutlich anfangen<br />
würde. Die Überversorgung von vielen Politikern müsste<br />
eingeschränkt werden. Dann würden die Bürger auch eigene<br />
Einschränkungen eher akzeptieren. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>taoli7</b>: Welche<br />
weiteren Reformschritte halten Sie in den Kernfragen für notwendig?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ich denke, hier geht es vor allem um die Kernfragen Sozialversicherungssysteme<br />
und was der Staat noch bezahlen kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Ich sagte es schon: Änderungen unseres Wahlsystems und<br />
Einführung der direkten Demokratie. Dadurch würde das Hauptproblem<br />
unseres politischen Willensbildungsprozesses entschärft: Die organisierte<br />
Unverantwortlichkeit. Und dann könnten auch die zahlreichen erforderlichen<br />
Reformen durchgeführt werden. Die demografischen Änderungen<br />
und das Nachlassen des Wirtschaftswachstums machen diese Reformen auf<br />
Dauer unausweichlich. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne</b>: Haben<br />
sie eine Vermutung darüber, wie wahrscheinlich es ist, dass solche<br />
grundlegenden notwendigen Veränderungen, wie von Ihnen beschrieben,<br />
in den nächsten, sagen wir zehn bis 15 Jahren, geschehen werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Ich bin nicht so skeptisch wie Sie. Es bedürfte eines<br />
spektakulären Erfolges auf diesem Weg, zum Beispiel die Einführung<br />
der Direktwahl des Ministerpräsidenten in einem Land durch Volksentscheid.<br />
Das könnte wie ein Fanal wirken, wie ein &quot;demokratischer Urknall&quot;,<br />
der die Reformbereitschaft in anderen Ländern und auch im Bund erhöhen<br />
könnte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Soziologe</b>:<br />
Wollen sie wirklich, dass direkt über weitreichende Themen abgestimmt<br />
wird, ohne Kontrollorgane zwischenzuschalten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>oleg</b>: Meinen<br />
Sie nicht, dass es gerade in der jetzigen Situation besser wäre,<br />
wenn statt mehr Leuten eher weniger mitreden würden? Wenn neben Bundestag<br />
und Bundesrat auch noch die Bevölkerung an der gegenseitigen Blockade<br />
teilnehmen würde, kämen wir doch nie vom Fleck.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Mir geht es um Reformen des politischen Willensbildungsprozesses<br />
selbst, insbesondere des Wahlrechts und die sind nur mit direkter Demokratie<br />
möglich. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>demos</b>: Ich<br />
fände es gut, wenn wenigstens der Bundespräsident direkt gewählt<br />
werden würde. Warum lässt sich das eigentlich nicht durchsetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: Ich bin auch dafür, aber ein direkt gewählter Bundespräsident<br />
bekommt eine stärkere Stellung und schwächt dadurch die Position<br />
anderer, deshalb erscheint eine Änderung des Grundgesetzes, die für<br />
die Einführung der Direktwahl nötig würde, politisch chancenlos,<br />
denn Zweidrittel des Bundestages und des Bundesrates müssten ihr<br />
zustimmen&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Professor?</b>:<br />
Herr Professor zu jedem Thema das richtige Buch mit tollen Tipps, warum<br />
gründen Sie denn keine Partei? Eine gute populistische fehlt uns<br />
ja. Sie liefern ja auch genug Argumente um gegen unsere Kartellparteien<br />
vorzugehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans Herbert von<br />
Arnim</b>: A very good Question!</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Chat-Interessierte, vielen Dank für Ihr Interesse und die zahlreichen<br />
Fragen. Vielen Dank, Herr von Arnim, dass Sie sich die Zeit genommen haben.<br />
Alle Chat-Transkripte finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter.<br />
Das tacheles.02-Team wünscht noch einen schönen Tag. Und noch<br />
eine kleine Entschuldigung an den User Mischa: Seine Frage wäre als<br />
nächstes dran gewesen, ging aber durch unser kleines Leitungsproblem<br />
verloren. Bis zum nächsten Chat. Infos gibt es übrigens auch<br />
noch unter www.mehr-demokratie.de.</span></p>
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