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	<title>Hans J. Kleinsteuber &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Hans J. Kleinsteuber &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Die politische Zukunft von Gerhard Schröder wird wahrscheinlich sehr unpolitisch sein&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/die-politische-zukunft-von-gerhard-schroeder-wird-wahrscheinlich-sehr-unpolitisch-sein-167/</link>
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		<pubDate>Sun, 16 Oct 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Hans Kleinsteuber]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
<span class="fett">Universitätsprofessor 
Hans Joachim Kleinsteuber war am 17. Oktober 05 zu Gast im tagesschau-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de. Kleinsteuber sprach über 
die Rolle der Medien im Wahlkampf und das Verhältnis der beiden 
Schwesterparteien CDU und CSU.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
<span class="fett">Universitätsprofessor<br />
Hans Joachim Kleinsteuber war am 17. Oktober 05 zu Gast im tagesschau-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de. Kleinsteuber sprach über<br />
die Rolle der Medien im Wahlkampf und das Verhältnis der beiden<br />
Schwesterparteien CDU und CSU.</span><!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, herzlich<br />
Willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe ist ein Format<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de. Heute chatten wir mit<br />
Professor Hans J. Kleinsteuber, der am Institut für Politische<br />
Wissenschaft an der Universität Hamburg lehrt. Guten Tag Herr<br />
Professor Kleinsteuber, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Einen schönen guten<br />
Tag, wir können beginnen!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Professor Kleinsteuber, Heute<br />
lesen wir von neuerlichem Zank zwischen CDU und CSU – Merkel<br />
soll versucht haben, Stoiber auszutricksen, der hat prompt zurück<br />
geschossen. Übliche Kabbeleien unter Schwestern oder doch ein<br />
ernster Machtkampf?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Tatsache ist, dass es unter<br />
Politikern eigentlich keine Freundschaften gibt, sondern nur Zweck-Beziehungen.<br />
Es gibt das bekannte Wort der Begriffssteigerung: Freund &#8211; Feind<br />
&#8211; Parteifreund. Was betont, dass es in der Politik nicht um persönliche<br />
Freundschaften gehen kann. Sicherlich sind Parteivorsitzende Angela<br />
Merkel und Edmund Stoiber auch seit vielen Jahren Rivalen und im<br />
Moment pflegen beide ihre Vorgärten. Das kann man Zank nennen,<br />
aber es geht zugleich darum, unter Bedingungen unterschiedlicher<br />
Interessen um Gemeinsamkeiten zu ringen.
</p>
<p>
<b>MasterMouse: </b>Ist die Medienschelte des Kanzlers<br />
in seinem Auftritt in der Elefantenrunde berechtigt gewesen, oder<br />
bloß pure Eitelkeit?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Die Medienschelte des Kanzlers<br />
hat zwei Dimensionen: Die erste ist, dass Politiker eitel sind,<br />
aber das sind auch Journalisten. Fast alle Politiker fühlen<br />
sich in Berlin von Journalisten verfolgt und schlecht behandelt.<br />
Dem geben sie dann schon einmal &#8211; vielleicht auch unangemessen &#8211;<br />
Ausdruck und das gilt sicherlich auch hier für den Kanzler.<br />
Die zweite Dimension allerdings ist, dass in den Wochen vor der<br />
Wahl in Auflagenstarken Zeitungen, vor allem auch in einer Boulevardzeitung,<br />
sehr viel Berichterstattung zu finden war, die vor allem Rot-Grün<br />
kritisierte und deren Politikern schwere Vorwürfe machte. Darauf<br />
reagieren die angesprochenen Politiker entsprechend sensibel und<br />
lassen dann am Wahlabend ihren Ärger auch raus.
</p>
<p>
<b>Kassenschlager:</b> Wie sehen Sie die politische Zukunft<br />
von Gerhard Schröder?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Die politische Zukunft von<br />
Gerhard Schröder wird wahrscheinlich sehr unpolitisch sein.<br />
Wenn nicht eine internationale oder europäische Institution<br />
ihn aufnimmt, was eher unwahrscheinlich ist, so wird er voraussichtlich<br />
zum Privatier. Spitzenpolitiker, Helmut Schmidt oder Helmut Kohl<br />
sind hier gute Beispiele, können nach Ende ihrer Karriere gut<br />
von ihrem Ruf leben. Sie schreiben Memoiren, lassen sich zu Vorträgen<br />
einladen, übernehmen repräsentative Auftritte im Ausland,<br />
übernehmen vielleicht auch Leitungsfunktionen in Kommissionen<br />
und Ähnlichem. Sie sind dann, was wir ‚Elderly Statesmen’<br />
nennen, und das ist eine im Prinzip recht angenehme Form des Tagesvertreibs.
</p>
<p>
<b>chemnitz77:</b> Schwächen Stoiber und Merkel<br />
mit ihrem Streit nicht ihre Verhandlungsposition mit der SPD? Die<br />
Sozis müsste es doch freuen.
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Ich denke, der Fragende<br />
hat mit seiner Unterstellung Recht, CDU /CSU geben derzeit nicht<br />
das beste Bild ab. Die SPD hat mit ihrer schnellen Benennung der<br />
Ministerkandidaten ein hohes Maß an Gemeinsamkeiten demonstriert.<br />
Wir wissen aus wissenschaftlichen Untersuchungen, dass CDU/CSU ein<br />
besonders heterogenes Parteiengeflecht darstellen. Hier sind die<br />
Kosten der Konsensbildung deutlich höher und entsprechend ist<br />
auch mehr Zeit erforderlich.
</p>
<p>
<b>Wahlver Aka Schröder:</b> Wird die Koalition<br />
der beiden Unionsparteien die Legislaturperiode überstehen?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Ich werde keine Prognosen<br />
aufstellen, damit kann man schnell auch daneben liegen. Ich kann<br />
Ihnen allerdings versichern, dass der Streit zwischen CDU und CSU<br />
Jahrzehnte alt ist. Denken Sie an Helmut Kohl und Franz-Joseph Strauß<br />
und deren Konkurrenzen um die höchsten Ämter. Bisher haben<br />
sich die Beteiligten immer wieder zusammenraufen können und<br />
ich denke, dass wird auch für die nächsten vier Jahre<br />
der Fall sein.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es ist die Rede von dem beeindruckenden<br />
Personaltableau der SPD in der Ministerriege und dass Merkel nicht<br />
richtig nachziehen kann. Wie beurteilen Sie diese Einschätzung?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Also ich denke die SPD hat<br />
einen guten Job gemacht und eine Ministerriege angeboten, die unter<br />
den zentralen Aspekten der politischen Erfahrung, des Alters, des<br />
Geschlechts und der regionalen Herkunft ausgewogen erscheint. CDU/CSU<br />
arbeiten offensichtlich noch daran. Aber noch einmal: Für die<br />
Unionsparteien gilt, dass wegen der vergleichsweise heterogenen<br />
Ausgangslage das Erarbeiten von Übereinkünften besonders<br />
viel Zeit und Energie kostet. Allen gemeinsam aber ist die Neigung,<br />
gemeinsam politische Ämter zu erobern und politische Macht<br />
auszuüben und das zwingt auch ganz unterschiedliche Politiker<br />
und Positionen dazu, sich für die nächsten vier Jahre<br />
zu einigen.
</p>
<p>
<b>Lissy:</b> Ist die Art und Weise dieser Koalitionsverhandlungen<br />
nicht ungewöhnlich &#8211; bevor über die Inhalte gesprochen<br />
wird, wird das Personaltableau verabschiedet?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> In der Tat ist Ihre Beobachtung<br />
richtig. Dass derzeit mehr von Ministerposten als von Regierungsprogrammen<br />
die Rede ist. Dies umso mehr, da man uns ursprünglich versprochen<br />
hatte, erst die Inhalte zu klären und danach nach qualifizierten<br />
Personen zu suchen. Ich denke, dies liegt an der ungewöhnlichen<br />
Formation der Großen Koalition, bei deren Konstituierung man<br />
sich auf das Personengleichgewicht von jeweils acht Parteirepräsentanten<br />
im Kabinett geeinigt hat. Aber natürlich kann man politische<br />
Positionen nicht von Ministerkandidaten trennen, so sind mit den<br />
Personen auch schon erste Festlegungen erfolgt.
</p>
<p>
<b>Mourinho:</b> Glauben Sie, dass die Kompromisse, die<br />
SPD und Union bei der Gesetzgebung eingehen werden, gut für<br />
Deutschland sind? Oder wird es dann nichts Halbes und nichts Ganzes?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Politik besteht aus Pragmatismus<br />
und Kleinschrittigkeit. Die großen Entwürfe klangen im<br />
Wahlkampf noch gut, mit dem Alltag des Regierens in Berlin haben<br />
sie wenig zu tun. Dies gilt für jede Regierung und jede Koalition.<br />
Der Kompromiss zwischen beiden großen Parteien birgt immer<br />
die Gefahr des Stillstandes in sich. Dies umso mehr, da zu befürchten<br />
ist, dass die beiden großen Parteien sich gegenseitig blockieren.<br />
Das Regierungsprogramm würde dann aus einem Mittelweg des kleinsten<br />
gemeinsamen Nenners bestehen. Das wäre sehr bedauerlich. Aber<br />
auch ein Gegenentwurf ist denkbar: Die rot-grüne Regierung<br />
war blockiert, weil sie die Mehrheit im Bundesrat verloren hatte.<br />
Die neue Regierung verfügt dagegen über eine sichere Mehrheit<br />
im Bundesrat und kann deswegen auch komplizierte Gesetzgebungsprojekte<br />
reibungslos durch die zweite Kammer leiten. Damit besteht die Chance,<br />
dass Reformprojekte erfolgreicher in Angriff genommen werden können,<br />
als bisher. Insofern bietet die Große Koalition die Chance,<br />
von deutschem Immobilismus wegzukommen. Nach vier Jahren werden<br />
wir sehen in welche Richtung die Regierungsarbeit tatsächlich<br />
ging.
</p>
<p>
<b>erjotes:</b> Warum um alles in der Welt wird Wolfgang<br />
Schäuble Innenminister und damit der Bock zum Gärtner<br />
Anbetrachts der immer noch ungeklärten Spendenaffäre um<br />
Schreiber, Max Strauß und Pfahls? Da wird die Politik doch<br />
erst recht unglaubwürdig, wenn solche Verschleierer an die<br />
Schalthebel der Macht, den Geheimdienst kommen.
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Wolfgang Schäuble war<br />
früher schon als Innenpolitiker tätig und er hat in diesem<br />
Bereich große Erfahrungen. Welche Rolle er tatsächlich<br />
in der Spendenaffäre spielte, wird wohl nie aufzuklären<br />
sein. Er ist nie bestraft worden und sollte daher als Ehrenmann<br />
angesehen werden. Da er einer der Politiker mit der größten<br />
Expertise überhaupt ist, gilt er allemal als ministrabel. Gehen<br />
Sie allgemein davon aus, dass viele Politiker irgendwann in Skandale<br />
einbezogen wurden und vielen hat dies nicht dauerhaft geschadet.<br />
Außenminister Fischer z.B. war noch kurz vor der Wahl in den<br />
Visa-Skandal verwickelt und konnte gute Ergebnisse für die<br />
Partei einholen, deren Spitzenkandidat er war. Politik findet in<br />
einem ruppigen Umfeld statt, und manch ein Politiker hat im Verlauf<br />
seiner Karrieren schon einmal Federn lassen müssen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist Angela Merkel nicht eingekeilt<br />
von drei Personen: Stoiber, Müntefering und auch Wolfgang Schäuble?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Ganz sicherlich ist sie<br />
das und ich denke eine Kanzlerin Angela Merkel wird besonders schwierige<br />
Startbedingungen haben. Aber Spitzenpolitiker haben viele Jahre<br />
des Sammelns von Erfahrungen, also der politischen Sozialisation<br />
hinter sich und müssen wissen wie sie mit Widersachern und<br />
potenziellen Konkurrenten umzugehen haben. Frau Merkel hat mehrfach<br />
bemerkenswertes politisches Gespür demonstriert, z.B. bei der<br />
Wahl des Bundespräsidenten Horst Köhler. Es ist zu hoffen,<br />
dass es ihr gelingt, die Riege der drei genannten selbstbewussten<br />
Männer im Zaum zu halten und damit zu dem Regierungsgeschäft<br />
als ‚business as usual’ zu kommen.
</p>
<p>
<b>Ihr Benutzername2:</b> Ist die Männerhochburg<br />
Politik geeignet für eine Kanzlerin Merkel, die eine labile<br />
Koalition führen muss?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Politik denke ich ist heute<br />
keine Männerhochburg mehr, die erste deutsche Kanzlerkandidatin<br />
steht für den allmählichen Wandel. Und denken Sie z.B.<br />
daran, dass unter den acht sozialdemokratischen Ministerkandidaten<br />
drei Frauen zu finden sind. Auf der anderen Seite sagt man, dass<br />
das öffentliche Handeln der beiden Geschlechter doch recht<br />
unterschiedlich ist. Männer im Sinne von &quot;Hahnenkämpfen&quot;,<br />
eher die Konfrontation, Frauen dagegen im Sinne von &quot;Familienfrieden&quot;<br />
eher den Ausgleich suchend. Ich hoffe, dass dies auch für eine<br />
Kanzlerin Merkel gilt, und es ihr in besonderer Weise gelingt, die<br />
mitunter im Stammtischton auftretenden Männer mit Charme und<br />
sicherem Gefühl für die mittlere Linie zu domestizieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gleich mehrere Fragen zur Personalie<br />
Seehofer:
</p>
<p>
<b>Tom:</b> Wie hat es Seehofer geschafft&#8230;? Seehofer<br />
hat ja immer für eine Bürgerversicherung gesprochen &#8211;<br />
wird dieses vielleicht (endlich) eine Option der großen Koalition?
</p>
<p>
<b>Derrick:</b> Ist der Ministerposten für Seehofer<br />
nicht auch ein Hinweis auf eine kommende Bürgerversicherung?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Ich denke, dass das eine<br />
falsche Einschätzung ist. Die Personalie Seehofer wird ja als<br />
Agrar- und Verbraucherminister gehandelt. Damit allein stellt man<br />
schon sicher, dass er in den nächsten Jahren in die Kabinettsdisziplin<br />
einbezogen ist und zu gesundheitspolitischen Fragen nicht mehr Stellung<br />
beziehen wird. Gleichzeitig ist die Nominierung Seehofers ein interessantes<br />
Beispiel dafür, wie man versucht, potenzielle politische Querulanten<br />
in die Regierungslinie mit einzubinden. Bei Seehofer mag dazu kommen,<br />
dass Stoiber seinen Vize aus dem CSU-Präsidium auch nominiert<br />
hat, um Kanzlerin Merkel dafür abzustrafen, dass sie zuvor<br />
mit seinem Parteikollegen Glos über das Verteidigungsministerium<br />
gesprochen hatte.
</p>
<p>
<b>aef:</b> Wie beurteilen Sie die Vertrauenswürdigkeit<br />
von Politikern im Allgemeinen, wenn diese zuerst gegeneinander,<br />
wie vor der Wahl, und dann plötzlich miteinander arbeiten?<br />
Kann man denen überhaupt noch vertrauen, oder ist jeder Glaube<br />
an die Politik als Naiv einzustufen?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Wir sollten immer skeptisch<br />
sein, wenn Politiker uns große Versprechungen machen, deswegen<br />
werden sie uns häufig wenig vertrauenswürdig erscheinen.<br />
Aber wir müssen sehen, dass Politiker immer auch Rollen spielen<br />
müssen. Vor der Wahl die eines Kandidaten für ein politisches<br />
Mandat, nach der Wahl als Minister, Oppositionschef oder vielleicht<br />
Präsident des Deutschen Bundestages. Die Übernahme solcher<br />
Rollen ist wichtig und notwendig für das funktionieren des<br />
parlamentarischen Prozesses. In Wahlen sollen uns die Kandidaten<br />
vorspielen, welche politischen Positionen und Optionen zur Verfügung<br />
stehen. Erst in dieser streitigen Darstellung &#8211; z.B. in Fernsehduellen<br />
&#8211; erhalten unterschiedliche politische Programmpunkte deutliche<br />
Konturen. Dies erleichtert dem Wähler die Findung seines Kandidaten<br />
und seiner Partei; gleichzeitig gilt aber auch, dass Regieren immer<br />
aus Zwischenschritten besteht und gerade die schnellen und großen<br />
Versprechen niemals umzusetzen sind. Insofern würde ich sagen,<br />
die meisten Politiker erscheinen mir vertrauenswürdig, gleichwohl<br />
ist es in den nächsten vier Jahren unsere Pflicht, sie auf<br />
transparente Amtsführung zu verpflichten und ihnen bei der<br />
Arbeit kritisch auf die Finger zu schauen.
</p>
<p>
<b>Dr.Medicus:</b> Welche Linie wird es in Deutschland<br />
künftig geben? Denken Sie, dass eher die Konservativen sich<br />
für Änderungen stark machen können, oder können<br />
die Sozialdemokraten ihre Route annähernd beibehalten?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> So oder so werden wir in<br />
Deutschland zu erheblichen Veränderungen kommen müssen,<br />
etwa in den Feldern Haushaltssanierung, Arbeitsplätze, Steuern,<br />
Gesundheit. Diese Veränderungen kann man in ein simples Schema<br />
von rechts und links oder konservativ gegen Sozialdemokratie nicht<br />
einordnen, wichtiger hierbei ist, dass deutliche Mehrheiten im Bundestag<br />
und Bundesrat sich zu wichtigen Reformschritten zusammenraufen und<br />
dafür mag eine große Koalition sogar günstigere<br />
Voraussetzungen bieten, als eine Regierungsverbindung, die nur eine<br />
schwache Mehrheit im Parlament hat.
</p>
<p>
<b>sldkf:</b> Ich hatte die Ankündigung dieses Chats<br />
so verstanden, dass es vor allem um die Art der Kommunikation gehen<br />
soll. Ich hoffe auch um Sprache. Ludwig Stiegler wurde erwähnt.<br />
Wie ist eine solche Polter-Rhetorik einzuschätzen, die doch<br />
die Konsensverliebte Bevölkerungsmehrheit eher abstößt?<br />
Welche Funktion hat das?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Sehen sie, in der Politik<br />
tritt ein breites Spektrum von unterschiedlichen Akteuren im Namen<br />
einer Partei oder politischen Richtung auf. Da gibt es die Vordenker,<br />
die intellektuell Brillianten, die Macher und letztlich auch die<br />
Ausputzer. Die Parteien wissen, dass einige in ihrer Wählerschaft<br />
das grobschlächtige Argument lieben und darum gibt es immer<br />
auch einzelne Politiker, die diesen Markt bedienen. Denken Sie z.B.<br />
an Franz-Joseph Strauß oder Edmund Stoiber und ihre Bierzeltauftritte.<br />
Ludwig Stiegler übernimmt &#8211; nicht ganz zufällig auch aus<br />
Bayern &#8211; diese Rolle in der SPD und ich denke, die SPD Parteispitze<br />
ist froh, das sie ihn zuverlässig einsetzen kann, wenn sie<br />
einmal wieder meint, dass das grobe Wort angebracht ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der Cicero-Fall interessiert gleich<br />
mehrere User:
</p>
<p>
<b>Journalist_48:</b> Wie bewerten sie das Vorgehen von<br />
Schily im Cicero- Fall? Sehen sie eine Bedrohung für die Pressefreiheit?
</p>
<p>
<b>Pirarucu:</b> Hallo Herr Kleinsteuber, wie bewerten<br />
Sie die Affäre des scheidenden Innenministers um die Durchsuchung<br />
der Privaträume des Cicero-Journalisten?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Ich bin auch Professor für<br />
Journalistik und stehe deswegen prinzipiell auf der Seite derer,<br />
die die Pressefreiheit verteidigen. Wir haben im Deutschen Presserecht<br />
das hohe Institut des Zeugnisverweigerungsrechtes und dies darf<br />
durch Polizeiaktionen a la Cicero nicht unterlaufen werden. Schily<br />
hat in dieser Affäre eine Art ich-bin-der-Staat-Mentalität<br />
an den Tag gelegt, und dies ist nicht akzeptabel, selbst wenn es<br />
um Geheimnisverrat geht. Zumal hier die Straftaten wohl eher im<br />
Bundeskriminalamt, also im Einflussbereich Schilys zu suchen sind,<br />
als in dem von Durchsuchungen betroffenen Redakteur und der Redaktion.<br />
Meine persönliche Interpretation ist, dass Schily sowieso das<br />
Ende seiner Karriere als Minister gesehen hat und die Situation<br />
nutzt, um mit seinen Lieblingsfeinden, den Journalisten, noch ein<br />
letztes Mal öffentlich abzurechnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist diese Affäre auch ein Zeichen<br />
dafür, dass Politiker ab einem gewissen Alter nicht immer rational<br />
handeln? Schily ist jenseits der siebzig &#8211; Altersgrenze für<br />
Politiker?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Also viele erfolgreiche<br />
und bekannte Politiker hatten ein fast biblisches Alter, ich erinnere<br />
etwa an Adenauer oder Reagan. Mag sein, dass ein Politiker in höherem<br />
Alter in der einen oder anderen Situation nicht mehr ganz auf der<br />
Höhe der Zeit ist, auf der anderen Seite meine ich aber, dass<br />
man auch Jahrzehntelange pol. Erfahrungen nicht unterschätzen<br />
sollte. Im Fall Schily allerdings sehe ich keinerlei Altersschwäche,<br />
eher eine jugendliche Angriffsfreude, so als wäre die Jahre<br />
an ihm spurlos vorbei gegangen. Ich hätte auch keine Sorge,<br />
ihm weiterhin ein Ministeramt anzutragen, aber vielleicht war es<br />
gerade die Affäre Cicero, die dazu geführt hat, dass die<br />
SPD dann doch auf seine Weiterbeschäftigung als Minister verzichtet<br />
hat.
</p>
<p>
<b>Humussalat:</b> Inwiefern wird Angela Merkel einem<br />
Vergleich mit Thatcher gerecht? Muss Angela Merkel sich jetzt durch<br />
Härte beweisen?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Der Vergleich wischen Merkel<br />
und Thatcher ist natürlich alt. Beide werden oder waren in<br />
ihrem Land die erste Regierungschefin / sein. Gleichwohl meine ich,<br />
dass die Parteien, die sie an die pol. Spitze gebracht haben &#8211; in<br />
GB die Conservative Party, in Deutschland die CDU &#8211; von recht ungleicher<br />
Statur sind. Die Konservativen in GB haben immer den neoliberalen<br />
Positionen, wie sie die &quot;eiserne Lady&quot; durchgesetzt hat,<br />
näher gestanden, als die christliche Volkspartei CDU. So verfügt<br />
die CDU auch über einen starken Arbeitnehmerflügel, in<br />
der Partei institutionalisiert vor allem über die Sozialausschüsse.<br />
Die werden dafür sorgen, so schätze ich es ein, dass CDU/CSU<br />
über eine gemäßigt-konservative Politik nicht hinausgehen<br />
werden und z.B. Grundprinzipien der Sozialstaatlichkeit nicht in<br />
Frage stellen werden.
</p>
<p>
<b>Thomas:</b> Merkel hat vor der Wahl den Versuch unternommen<br />
mit dem Wähler probeweise ehrlich umzugehen (Mehrwertsteuer<br />
etc.) und wurde bestraft. Muss man als Resümee nicht sagen,<br />
der Wähler will nicht ehrlich behandelt werden, oder hat es<br />
nicht verdient?
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Ich denke, dass die schlechten<br />
Wahlergebnisse für CDU / CSU nur teilweise mit der Spitzenkandidatin<br />
Merkel und ihren Äußerungen zur Mehrwertsteuer zu tun<br />
hat. Im Übrigen hat sie ja auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer<br />
unmittelbar verbunden mit einer Verminderung der Abgaben für<br />
die Arbeitslosenversicherung. Von daher denke, ich, dass man diesen<br />
Bereich nicht überschätzen sollte. Gleichwohl muss man<br />
sehen, dass die Welt sich nach der Wahl viel nüchterner darstellt,<br />
als in den sonnendurchstrahlten Politikerreden während des<br />
Wahlkampfes. So wird schlicht das Geld für Steuerermäßigungen<br />
fehlen, die fast alle Parteien vor der Wahl versprochen haben. Wir<br />
können hier nur an den gesunden Menschenverstand seitens der<br />
Wähler appellieren, die nicht jeder überzogenen Versprechung<br />
gleich auf den Leim gehen sollten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unsere Chat-Stunde, vielen<br />
Dank für Ihr Interesse. Herzlichen Dank Herr Professor Kleinsteuber,<br />
dass Sie sich die Zeit genommen haben. Wir wünschen allen einen<br />
schönen Tag!
</p>
<p>
<b>Hans J. Kleinsteuber:</b> Vielen Dank dem Moderator<br />
und vielen Dank den vielen Fragestellungen. Ich war über die<br />
Qualität der Fragen positiv erstaunt und denke, es steht nicht<br />
schlecht um die Republik, wenn sich viele Menschen für solche<br />
Fragestellungen interessieren. Auf Wiedersehen.</p>
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