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	<title>Hans-Peter Friedrich &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Hans-Peter Friedrich &#8211; politik-digital</title>
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		<title>BigBrotherAwards 2015: Preise für de Maizière und „Hello Barbie“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julie Rothe]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2015 16:11:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Datensammelwut von Unternehmen und Behörden kennt kaum Grenzen und nimmt mit jeder technischen Innovation zu. Viele Angebote, die auf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/bigbrother_bearb.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-145406" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/bigbrother_bearb.jpg" alt="bigbrother_bearb" width="640" height="280" /></a>Die Datensammelwut von Unternehmen und Behörden kennt kaum Grenzen und nimmt mit jeder technischen Innovation zu. Viele Angebote, die auf den ersten Blick verlockend erscheinen und als Entlastung des Alltags gepriesen werden, entpuppen sich als bloße Überwachungsinstrumente auf dem Weg zum gläsernen Kunden, Bürger oder Arbeitnehmer. Der Verein Digitalcourage zeichnet solche Konzepte und die dahinter stehenden Institutionen seit 2000 mit dem BigBrotherAward aus.</p>
<p>Seit 15 Jahren lenkt der Verein <a href="https://digitalcourage.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digitalcourage e.V.</a> jedes Jahr mit der Vergabe der <a href="https://bigbrotherawards.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BigBrotherAwards</a> den Blick auf Datenkraken aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre zählen neben der Payback-Karte (2000) und dem Unternehmen Google (2013) auch die Ministerpräsidenten der Bundesländer (2013) für die Einführung des personenabhängigen „Gemeinsamen Beitragsservice“ der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sowie der Discounter Lidl (2004) für die Überwachung der eigenen Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wurde zum ersten Mal der Positivpreis „Julia-und-Winston-Award“ (benannt nach den Hauptfiguren aus dem Roman „1984“ von George Orwell, der auch den Begriff „Big Brother“ geprägt hat) an den Whistleblower Edward Snowden für die Enthüllung der NSA-Überwachungsprogramme vergeben.</p>
<p>Die diesjährige Preisverleihung fand heute in Bielefeld statt und zeichnete die größten Datensünder der vergangenen zwölf Monate aus. In der Kategorie Politik wurden Bundesinnenminister Thomas de Maizière und sein Vorgänger im Amt Hans-Peter Friedrich für das erfolgreiche Ausbremsen und Sabotieren der Europäischen Datenschutzgrundverordnung ausgezeichnet. Beide Minister haben ihre Beamten nahezu unbehelligt die hohen Ziele der Datenschutzgrundverordnung zugunsten von Lobbyinteressen aufweichen lassen. Datensparsamkeit, die Zweckbindung von gespeicherten Daten und die Zustimmungspflicht der Nutzer blieben dabei auf der Strecke.</p>
<p>In seiner Laudatio berichtete Max Schrems, österreichischer Datenschützer und aktuell mit einer Klage gegen Facebook wegen Verstoßes gegen das EU-Recht befasst, exemplarisch von einem Interview mit dem damaligen Innenminister Friedrich über Datenschutz, das von einem Ministerialbeamten „gekapert“ wurde, da der Minister selbst über keinerlei Wissen in grundlegenden Datenschutzfragen verfügte. Dabei handelt es sich wohl nicht um einen Einzelfall. So haben Lobbyisten immer wieder leichtes Spiel, ihre Interessen gegenüber der weniger einflussreichen Zivilgesellschaft durchzusetzen.</p>
<p>Einen weiteren Preis konnte sich die Bundesregierung im Namen von Gesundheitsminister Hermann Gröhe und seinem Ministerium in der Kategorie Verbraucherschutz sichern. Ausschlaggebend für die Auszeichnung waren die neu eingeführte Elektronische Gesundheitskarte und das geplante „eHealth“-Gesetz, mit Hilfe dessen nicht nur immer mehr persönliche Informationen gesammelt werden, sondern auch hohe Summen in wenige börsennotierte IT-Konzerne für die Entwicklung neuer technischer Lösungen zur Umsetzung der Vorhaben fließen werden.</p>
<p>Der zum dritten Mal vergebene „Neusprech“-Award ging in diesem Jahr an die Bezeichnung „digitale Spurensicherung“. Der Begriff wurde von der CSU wiederholt eingebracht, um die anlasslose Sammlung von Kommunikationsdaten aller Bürger (auch unter „Vorratsdatenspeicherung“ und neuerdings unter „<a title="Rebranding: Aus #VDS wird Höchstspeicherfrist" href="http://politik-digital.de/rebranding-aus-vds-wird-hoechstspeicherfrist" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Höchstdatenspeicherung</a>“ bekannt) an die Verbrechensbekämpfung zu knüpfen und somit den höheren Zweck zu unterstreichen. Der Begriff „digitale Spurensicherung“ erhält den Preis dafür, dass er den Generalverdacht verdeutlicht, unter den alle Bürger gestellt werden. Ein klassisches Eigentor, das heute mit der ihm gebührenden Ehrung bedacht wurde.</p>
<p>Zwei Jahre nachdem die ersten Informationen über die Überwachungsmethoden der NSA enthüllt wurden, wurde jetzt der Bundesnachrichtendienst in der Kategorie Behörde/Verwaltung für seine enge Zusammenarbeit mit der NSA und die Weitergabe von Telekommunikationsdaten an diese Behörde ausgezeichnet.</p>
<p>Auch der US-Konzern Amazon konnte zwei Preise für sich verbuchen. In der Kategorie Arbeitswelt wurden die Standorte Bad Hersfeld und Koblenz für die Verletzung der Persönlichkeitsrechte von Arbeitnehmern durch die Einforderung des Zugriffs auf die Gesundheitsdaten ihrer Mitarbeiter ausgezeichnet, während im Bereich Wirtschaft die Crowdworking-Plattformen Amazon Mechanical Turk und Elance-oDesk für die Implementierung des digitalen Tagelöhnertums geehrt wurden. Hart erkämpfte Arbeitnehmerrechte wie Urlaubsanspruch, Krankenversicherung und Mindestlohn werden von den Plattformen umgangen und Arbeitsleistungen durch automatische Screenshots und das Auslesen von Tastenanschlägen überprüft.</p>
<p>In der Kategorie Technik ging der Preis an die Spielzeughersteller Mattel und Toytalk für die „Hello Barbie“-Puppe. Sie kann Gespräche aufzeichnen, diese in der Cloud speichern und nach passenden Antworten suchen. Eine zusätzliche Funktion der Spionin im Kinderzimmer ist das Versenden automatischer Tagesberichte an die Eltern. So sind die Kinder niemals alleine und die besorgten Eltern stets beruhigt – dabei wäre ein flaues Gefühl in der Magengegend bei solchen Produkten angebracht.</p>
<p>Eine Übersicht über alle verliehenen Preise ist <a href="https://bigbrotherawards.de/2015" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> zu finden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/duncan/5510161001/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">duncan c</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Bürger sucht Staat: Edward Snowden und das nicht-wirtschaftliche Moment der digitalen Gegenwart</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Krystian Woznicki]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Aug 2013 13:14:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Occupy]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Debatten in der Post-Snowden-Welt übersehen meistens einen wichtigen Punkt: Überwachung, das vermeintliche Produkt des Staats, ist ebenso ein Baby [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Edward-Snowden_klpixel.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-131381" alt="Edward-Snowden_klpixel" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Edward-Snowden_klpixel-630x350.jpg" width="630" height="350" /></a>Die Debatten in der Post-Snowden-Welt übersehen meistens einen wichtigen Punkt: Überwachung, das vermeintliche Produkt des Staats, ist ebenso ein Baby der privaten Wirtschaft. Ob Werkzeuge oder Experten, Infrastruktur oder Ideologie – Überwachung wird heute maßgeblich vom Markt geprägt. Edward Snowden stellt sich mit seinen Enthüllungen in mehrfacher Weise gegen diese Entwicklung. Auf diese Weise belebt er die Figur des Bürgers und zieht den Staat zur Verantwortung. Berliner Gazette-Herausgeber Krystian Woznicki kommentiert.<br />
<a href="sydney.edu.au/arts/sociology_social_policy/docs/seminar/Lyon_on_Bauman.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Total-Überwachung</a> gehört in westlichen Demokratien zu den angenommenen und zu den <a href="https://netzpolitik.org/2013/die-bequeme-staatsglaubigkeit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">geduldeten Szenarien</a>. Die weit verbreitete Akzeptanz geht auf die Neuzeit zurück. Die staatlichen Überwacher galten als Beschützer – sowohl in der Gestalt von distanzierten Autoritäten als auch von konkreten Vertrauenspersonen im Alltag der Bürger. Sie profilierten sich durch Fürsorge, Verantwortung, Wachsamkeit und boten größtmöglichen Schutz – sowohl für den Einzelnen als auch für dessen Eigentum. Insbesondere nachts, wenn die meisten schlafen. Für dieses Rundumversorgungspaket erwarteten die Überwacher Disziplin und Gehorsam. Man musste sich an deren Normen und Gesetze halten.<br />
Das waren in der Neuzeit “Stoff, Form und Gewalt eines staatlichen Gemeinwesens” (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leviathan_%28Thomas_Hobbes%29" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Thomas Hobbes</a>). Und heute? Der Staat bietet nicht mehr Schutz, sondern Sicherheit. Das ist ein entscheidender Unterschied. Neuerdings zum “Super-Grundrecht” avanciert, dient Sicherheit als Legitimation für verfassungswidrige Operationen. Für den Staat ist in Friedenszeiten jeder Exzess denkbar: Ob nun für die paranoide Übererfüllung seiner Beschützerfunktion oder für die Vernachlässigung eben dieser Pflicht.<br />
Die seit dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elfter_September_2001" target="_blank" rel="noopener noreferrer">11.09.2001</a> unablässig “boomende Sicherheitsindustrie” (<a href="http://www.naomiklein.org/shock-doctrine" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Naomi Klein</a>) katalysiert beide Extreme: Der mit der privaten Wirtschaft verwachsene Überwachungsstaat ist den Produktversprechen der Sicherheitsfirmen erlegen und wird im Zuge dessen zu neuartigem Größenwahn beflügelt. Andererseits entzieht er sich seiner Verantwortung, wenn er Überwachung an private Dienstleister auslagert.</p>
<h3>Duldung und Division</h3>
<p>Der Fall Snowden zeigt: Die Zumutungen haben einen Punkt erreicht, an dem die Duldung einem Aufbegehren weicht. Aus “ich weiß, dass ich Zugang zu ungeheurem Wissen habe” wird “ich kann nicht länger mit dem Wissen um dieses Wissen leben”. Snowdens innere Kehrtwende wäre ein Identifikationsangebot unter vielen, wenn das Problem nicht uns alle beträfe. Und so drängt es sich geradezu auf, dass zudem aus “wir wissen, dass wir nicht wirklich wissen wollen, wie es nun genau ist” so etwas wird wie “wir können nicht länger mit dem Wissen um unser Nicht-Wissen-Wollen leben”.<br />
Darüber hinaus zeigen <a href="http://www.theguardian.com/profile/glenn-greenwald" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Snowdens Enthüllungen</a> über die Zusammenarbeit zwischen Staaten und transnationalen IT-Konzernen: die Überwacher sind auf maximale Distanz zu ihren Subjekten gegangen, die sie nur noch datentechnisch erfassen, einsortieren und analysieren wollen, aber für die sie nicht mehr sorgen wollen, geschweige denn Verantwortung übernehmen wollen.<br />
Eine tiefe Kluft tritt deutlicher denn je zu Tage: Die Division zwischen Staat und Bürger. Das zeigt sich in den Enthüllungen selbst – sowohl in der großen Erzählung als auch in jedem einzelnen Detail. Und die Berichterstattung über die Enthüllungen zementiert diese Spaltung. Man setzt entweder auf Personengeschichten oder auf die Skandalisierung von Machtmißbrauch. So werden Snowdens Situation und die Inhalte seiner Enthüllungen von einander getrennt. Kein Bericht strebt eine Synthese an.</p>
<h3>Bürger und Staat zusammendenken</h3>
<p>Bürger- und Staatsfragen zusammenzudenken, liegt offenbar nicht im Interesse von Journalisten. Selbst jene, die politisch engagiert das Wort ergreifen, verweigern sich in dieser Sache. John Naughton etwa betont, nicht Snowden sei die Geschichte, sondern das, was seine Enthüllungen über die <a href="http://www.theguardian.com/technology/2013/jul/28/edward-snowden-death-of-internet?view=mobile" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zukunft des Internet</a> aufzeigen. <a href="https://netzpolitik.org/2013/die-bequeme-staatsglaubigkeit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lorenz Matzat</a> gibt wiederum zu verstehen, er habe den Staat in dieser Sache abgeschrieben, der Bürger hingegen müsse sich neu sammeln. Jedoch erinnert uns der zwischenzeitig an einem Flughafen gestrandete und dann in Russland Asyl suchende Edward Snowden daran: ein Staat <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Staatenlose" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ohne Bürger</a> und umgekehrt ein <a href="http://plato.stanford.edu/entries/citizenship/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bürger ohne Staat</a> sind nicht denkbar.<br />
Snowden macht deutlich: Wer einen Bürger, der wie Edward Snowden <a href="http://brianholmes.wordpress.com/2013/06/10/from-the-margins-to-the-center/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">außerordentliche Zivilcourage</a> beweist, zum Staatsfeind erklärt, schwächt nicht nur die Identität des Bürgers. Sondern auch des Staats. Welche Legitimation hat die USA noch als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gescheiterter_Staat" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rechtsstaat</a>, wenn sie berechtigte Kritik aus den Reihen ihrer Bürger unterdrückt? Diese Frage stellt sich insbesondere dann, wenn der Gegenstand der Kritik staatliche Programme sind, die nicht nur auf der Beschneidung von Bürgerrechten basieren sondern darüber hinaus sogar darauf ausgerichtet sind, Bürger in ihren Freiheiten und Rechten massiv einzuschränken. Wäre dem nicht so, könnten wir folgende Fragen beantworten: Wird Snowden jemals wieder ein freier Bürger sein können? Wird er jemals Anerkennung finden von jenem Staat, dem sein konstruktives Aufbegehren als Bürger gilt? Doch das steht wohl genauso in den Sternen wie der Verbleib des Bürger-Modells an sich.<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Edward-Snowden_kls.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-131382" alt="Edward-Snowden_kls" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Edward-Snowden_kls-630x350.jpg" width="630" height="350" /></a><br />
Die Veränderungen von Staatlichkeit lassen offen, ob und wie wir in Zukunft in der Lage sein werden, uns als Bürger zu begreifen. Welche Rechte werden wir haben? Auf welchen Gesetzen werden sie fußen? Welches Selbst-Bewusstsein wird uns antreiben? Wie groß und in welcher Weise ausgeprägt wird unser Wille zum Politischen sein? Welches Verhältnis zum Staat werden wir haben? Eines ist klar, und auch daran erinnert: Sowohl der Bürger als auch der Staat – beides muss immer und immer wieder erkämpft werden, weil beides nicht gegeben ist (allenfalls nur auf dem Papier oder als Lippenbekenntnis). Und weil beides überformt ist durch die Logik des Marktes. Das heißt aber auch, dass der Kampf sowohl auf der politischen Ebene als auch auf der intellektuellen Ebene geführt werden muss. Wir müssen Staat und Bürger auch neu denken.</p>
<h3>Hindernisse und Hürden</h3>
<p>Die Kluft zwischen Bürger und Staat ist inzwischen eine immer größer und undurchdringlicher werdende Schattenzone, in der auch <a href="http://berlinergazette.de/http:/de.wikipedia.org/wiki/Prism/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PRISM</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tempora" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tempora</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/XKeyscore" target="_blank" rel="noopener noreferrer">XKeyscore</a> entstehen konnten. Diese Schattenzone rund um die Geheimdienste wird strukturell zusehends ununterscheidbarer von der Schattenzone des Staats, die aufgrund der immer weniger parlamentarischen/demokratischen Prozessen unterworfenen Gestaltung von Politik entsteht. Diese Entwicklung hin zu einem “neoliberalen Staat” (David Harvey) begünstigt die Wirtschaft und ermöglicht die so genannte privat-public-partnership sowie die Privatisierung staatlicher Leistungen.<br />
Denn auch so lässt sich die Auflösung des Staats lesen: Er löst sich nicht in Luft auf, stattdessen lösen sich seine vertrauten Konturen und Strukturen auf, an dessen Stelle neue treten: Staatliche Überwachungsinfrastrukturen etwa, die in weitgehend undurchsichtiger Weise auf verschiedenen Ebenen privatisiert sind. Erstens werden sie nicht mehr allein von Behörden, sondern zu großen Teilen von privaten Security-Anbietern betrieben. Zweitens kauft der Staat auf dem freien Markt <a href="http://berlinergazette.de/technologien-unternehmen-verantwortung-menschenrechte/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sicherheitsprodukte</a> ein. Drittens unterstützt der Staat die IT-Industrie mit Subventionen sowie Sonderrechten und bittet im Gegenzug um freien Zugang zu Kundendaten.<br />
Ob die besagten Schattenzonen lediglich eine Begleiterscheinung des Transformationsprozesses sind oder ob sie das Wesen des neuen Staats ausmachen – das wird auch die zivilgesellschaftliche Transparenzbewegung so schnell nicht beantworten können. Zwar adressiert sie mit ihrer Forderung nach Abschaffung der Schattenzonen den richtigen Punkt. Doch zeigt sich schon heute: Nicht nur die Verweigerung der Transparenz, sondern auch das <a href="http://berlinergazette.de/totale-transparenz-zukunft-der-zeitung/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Transparenz-Washing</a> ist ein großes Problem. Apropos: “US-Regierung will Details zur Telefonüberwachung offenlegen” (<a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/telefonueberwachung-us-regierung-will-details-offenlegen-a-913991.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spiegel Online</a>). Das “Offenlegen” wird von hochbezahlten Image-Agenturen betreut. Es zielt auf die Orchestrierung von Transparenz und damit auf die systematische Irreführung jeglichen Engagements seitens der Bürger.</p>
<h3>Was bringt der “Snowden-Effekt” in Bewegung?</h3>
<p>Ohnehin ist dieses Engagement heutzutage nicht mit allzu rosigen Aussichten aufgeladen. Verglichen mit der Weltrevolution 1968 gehen heute weltweit deutlich mehr Menschen auf die Straße. Die Regierungen sind jedoch weniger denn je gewillt einzulenken, geschweige denn auf die Proteste zu hören. Entsprechend realistisch gibt sich Snowden. Gefragt nach der schlimmsten Konsequenz seiner Enthüllungen über die Überwachungsprogramme <a href="http://www.youtube.com/watch?v=5yB3n9fu-rM" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sagt Snowden</a>: “das sich nichts ändert.”<br />
Bereits jetzt absehbar ist, dass der “Snowden-Effekt” (<a href="http://pressthink.org/2013/07/the-snowden-effect-definition-and-examples/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jay Rosen</a>) einiges in Bewegung bringt. Er setzt unbequeme Themen auf die Agenda von Politik und Massenmedien und hält sie dort erstaunlich lange ‘oben’. Nebenbei könnte der “Snowden-Effekt” Bürger und Staat zu einer Renaissance verhelfen und damit Begriffe neu beleben, denen der Beigeschmack einer kafkaesk-verwalteten Welt anhaftet.<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/vieles_pxl.jpeg.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-131383" alt="vieles_pxl.jpeg" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/vieles_pxl.jpeg-630x351.jpg" width="630" height="351" /></a><br />
Die Frage der Stunde ist ob und wie Bürger und Staat neu aufgeladen werden können: Kann einer wie Edward Snowden, der sich weitaus seriöser präsentiert als der geistesverwandte <a href="http://www.theguardian.com/world/bradley-manning" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bradley Manning</a> – kann ein solcher Bürger- und Staats-Idealist das Ideal des Bürgers und das Ideal des Staats neu beleben? Und damit gleichsam neue Ideale des Bürgers sowie des Staats definieren helfen?</p>
<h3>Von EZLN über WikiLeaks zu Snowden</h3>
<p>Edward Snowden hat mehrfach zu verstehen gegeben, dass er mit seinen Enthüllungen der USA nicht schaden möchte – im Gegenteil. Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter entpuppt sich als demokratietheoretisch geschulter Bürgerrechtler, wenn er <a href="http://www.theguardian.com/world/2013/jun/09/edward-snowden-nsa-whistleblower-surveillance" target="_blank" rel="noopener noreferrer">in seinen Ausführungen</a> auf die Notwendigkeit einer öffentlichen Debatte verweist. Er macht den Schritt an die Öffentlichkeit in einem besonderen Moment: Noch während Bradley Manning der Prozess gemacht worden ist, sichtlich darum bemüht alle potenziellen Whistleblower einzuschüchtern, legte er Informationen nach, die die von Manning angestoßenen Debatten über das Verhältnis von Staat und Bürger in neuer Weise befeuern.<br />
Während Manning den Rohstoff (Informationen) lieferte, verstand es <a href="http://berlinergazette.de/feuilleton/dossiers/wikileaks/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">WikiLeaks</a> den Informationen eine Perspektive, eine Stoßrichtung zu geben: die Rechenschaftspflicht öffentlicher Institutionen reaktivieren. Die Whistleblower-Plattform konnte die an sie gerichteten Erwartungen nicht vollends erfüllen. Doch hat sie ein wichtiges historisches Bindeglied geschaffen zwischen disparaten Ansätzen und Bewegungen, die die Rolle des (aufbegehrenden) Bürgers und die Aufgaben des Staats auf ihre Agenda gesetzt haben. Der Fall Snowden erscheint vor diesem Hintergrund als Sperrspitze einer <a href="http://berlinergazette.de/anarchie-der-zukunft/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">diffusen Bewegung</a>, die so unterschiedliche Strategien verfolgt wie Raumbesetzungen und Online-Aktivismus. Und das in so unterschiedlichen Ländern wie Deutschland und Mexiko.<br />
Einmal aus der Vogelperspektive betrachtet: Die jüngsten Aufstände rund um den <a href="http://berlinergazette.de/digitale-avantgarde-arabische-welt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">arabischen Frühling</a>, die <a href="http://berlinergazette.de/occupygezi-protest-istanbul/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Occupy-Bewegung</a>, netzpolitische Initiativen (u.a. <a href="http://berlinergazette.de/aufbegehren-gegen-acta-digitale-generation/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ad-Acata</a>) sowie die Riots von Paris bis <a href="http://berlinergazette.de/blackberry-riots-dialektik/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">London</a> beerben die globalisierungskritischen Bewegungen nach den Ausschreitungen von Seattle im Jahre <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/1999_Seattle_WTO_protests" target="_blank" rel="noopener noreferrer">1999</a>. Ihren Vorläufer haben jene wiederum in den Aktionen der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Subcomandante_Marcos">EZLN</a>. Sie besetzen seit den frühen 1990er Jahren eine verarmte Region in Süd-Mexiko und verzichten dabei auf Waffengewalt. Ihren öffentlichen Druck entfalten sie stattdessen medial. Dabei gilt das Aufbegehren nicht primär den multinationalen Konzernen und der globalen Wirtschaft, die als primäre Ursachen für das Elend gelten. Vielmehr wendet sich ihr Widerstand gegen den Staat. Wer sonst könnte Rechte garantieren? Wer sonst könnte den Ausverkauf des Landes und somit auch die Macht der multinationalen Konzerne eindämmen?</p>
<h3>Willkommen im Bürgerkrieg!</h3>
<p>Es ist eine Bewegung, die sich (noch) nicht als solche begreift. Ob wir hier über die 99% sprechen oder eher eine Minderheit der Weltbevölkerung, sei dahin gestellt. So oder so: All jene, die sich heute noch in einem sich auflösenden beziehungsweise im Entstehen begriffenen Rechtsrahmen bewegen und engagieren sind noch “informelle politische Subjekte” (<a href="http://press.princeton.edu/titles/8159.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Saskia Sassen</a>), die im bevorstehenden Geschichtsabschnitt zu “formal politischen Subjekten” reifen, sprich: die neuen Bürger werden.<br />
Dass dieser Prozess nicht ohne Kampf möglich ist, daran erinnern <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tiqqun_%28Literatur%29" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tiqqun</a>. Das Autorenkollektiv aus Frankreich meint: Recht zu haben reiche nicht aus, man müsse auch in der Lage sein, Veränderungen herbeizuführen. Tiqqun ist nicht so dumm Gesetze (und Rechte) für “nutzlos” (<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueberwachung/information-consumerism-the-price-of-hypocrisy-12292374.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Evgeny Morozov</a>) zu erklären, sondern relativiert ihre gesellschaftspolitische Funktion und verweist nicht zuletzt auf das Dilemma der Rechtsdurchsetzung – deren schleichende Privatisierung einerseits, deren Aufhebung andererseits. Konsequenterweise ruft Tiqqun den Bürgerkrieg aus. Unter anderem mit dem Ziel, den Rechtsstaat zu reanimieren.<br />
Man kann den “Snowden-Effekt” mit “Paranoia” und “Getöse” (<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nsa-ex-innenminister-schily-haelt-furcht-vor-ueberwachung-fuer-paranoid-a-913507.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Otto Schily</a>) abtun, aber damit weder das “Ende der Debatte” (<a href="http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/hr/sendung_vom_18082013-102.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frank Schirrmacher</a>) legitimieren, noch den “kommenden Bürgerkrieg” in Abrede stellen. Zu ernsthaft bedrohen sowohl die Überwachungsverfahren als auch deren Undurchsichtigkeit die Gesellschaft. Die Vermählung von Staat und Wirtschaft ermöglicht ein post-panoptisches Schattenregime der “sozialen Klassifizierung” (<a href="http://berlinergazette.de/buerger-staat-edward-snowden-digitale-gegenwart/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">David Lyon</a>), der “kumulativen Benachteiligung” (<a href="www.surveillance-and-society.org/ojs/index.php/journal/article/download/consumer_editorial/consumer_editorial" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Oscar Gandy</a>), der “datenbasierten Diskriminierung” (<a href="http://datenfresser.info/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kurz/Rieger</a>) sowie der “Adiaphorisierung” (<a href="http://baumaninstitute.leeds.ac.uk/conference/conference-papers/milovic/10/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zygmunt Baumann</a>) – derweil sich die Spaltung zwischen Bürger und Staat verschärft.</p>
<h3>Bedrohungen, Gegenmittel, Forderungen</h3>
<p>Wenn Rechtsstaat und Bürgerschaft erkämpft werden müssen, dann sind Grundrechte nicht alles, aber wichtig. Schutzrechte müssen zugunsten des “Super-Grundrechts Sicherheit” (<a href="http://www.spreezeitung.de/10132/gibt-es-ein-super-grundrecht-auf-sicherheit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hans-Peter Friedrich</a>) verteidigt werden. Datenschutz etwa gehört in der Post-Snowden-Welt ganz oben auf die Agenda. Ebenso die Forderung nach einem Whistleblower-Schutz. Vielleicht muss sogar eine “Whistleblower-Gewerkschaft” (<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/der-soziologe-ulrich-beck-im-gespraech-digitaler-weltstaat-oder-digitaler-humanismus-12287900.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ulrich Beck</a>) her.<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/vieles_klar.jpeg.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-131384" alt="vieles_klar.jpeg" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/vieles_klar.jpeg-630x384.jpg" width="630" height="384" /></a><br />
Die Rechenschaftspflicht öffentlicher Institutionen muss durchgesetzt werden. Geheimdienste sind davon nicht ausgeschlossen. Die Komplexität der Technik, nationale Sicherheit oder Betriebsgeheimnisse privatwirtschaftler Partner können nicht ernsthaft als Argumente herhalten um die Undurchsichtigkeit der neuen Überwachungsverfahren zu legitimieren.<br />
Transparenz als Kontrollmechanismus kann ein probates Gegenmittel sein. Doch kann es nicht Transparenz, um der Transparenz willen sein. Wir, die Bürger von morgen, müssen uns fragen: Wie wollen wir Transparenz herstellen? Wozu genau? Was dann machen damit? Unreflektierte Transparenz kann nicht zuletzt dem Daten- und Informationsfetischismus zum Opfer fallen. Deshalb gilt auch analog dazu: Leaks nicht der Leaks willen. Es geht vielmehr darum auf der wachsenden Informationsbasis der Leaks und den daraus resultierenden gesellschaftspolitischen Konsequenzen möglichst bald <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/der-soziologe-ulrich-beck-im-gespraech-digitaler-weltstaat-oder-digitaler-humanismus-12287900.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nicht nur noch mehr Informationen zu leaken, sondern auch Medizin, Essen, Häuser</a> und öffentliche Netz-Infrastrukturen.</p>
<h3>Das nicht-wirtschaftliche Moment</h3>
<p>Zu Beginn des 21. Jahrunderts lösen Konzerne aus dem IT-Bereich das Militär als Technologie-Avantgarde ab. Darüber hinaus ersetzen sie den Staat als Container, in dem wir uns aufgehoben fühlen. Die Allgegenwart der Ökonomisierung zeitigt nicht nur einen neoliberalen Staat, sondern auch Sinnsysteme wie Facebook, die Menschen das ersehnte Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln. Hier ist das Verhältnis von Bürger und Staat an einem Nullpunkt angekommen. Hier ist es in fortgeschrittener Auflösung begriffen.<br />
Wollen wir das Verhältnis von <a href="http://berlinergazette.de/gemeingut-debatte-theorien/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bürger und Staat</a> neu im Konnex Technologie und Zugehörigkeit denken – dann gilt es nicht zuletzt für das “nicht-wirtschaftliche Moment” (<a href="http://berlinergazette.de/teilen-kulturrecht-statt-marktversagen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Philippe Aigrain</a>) unserer digitalen Ära zu sensibilisieren. Wie auch immer das Selbstverständnis als Mitglied eines sozialen Netzwerks (ob Kunde, Konsument oder Produkt, ob unfreiwillig oder selbstbestimmt überwachtes Objekt), längst überformt es das Mindset des Bürgers. Sich als Bürger neu zu begreifen (mit allem was dazu gehört, mit allen Konsequenzen, auch im Hinblick auf den Staat) das bedeutet heute das “nicht-wirtschaftliche Moment” auf die eigene Existenz zu beziehen. Sich als Bürger zu rekonzipieren, bedeutet Nicht-Kunde, Nicht-Konsument, Nicht-Produkt der (Selbst-)Überwachung zu sein. Zumindest für einen Moment, in dem sich potenziell alles neu ordnet.<br />
Schließlich bedeutet es Bürgerschaft mit anderen zu teilen – als Lebensgefühl, als Gesinnung, als innere Notwendigkeit. Wie es Edward Snowden mit uns tut: Statt weiterhin ein Angestelltendasein zu fristen, hat er sich, seinem Gewissen folgend, auf seine Rolle als verantwortungsvoller Bürger besonnen. Statt die Informationen an den Meistbietenden zu verkaufen, macht er sie der Öffentlichkeit <a href="http://www.nytimes.com/2013/08/18/magazine/laura-poitras-snowden.html?pagewanted=all&amp;_r=1&amp;" target="_blank" rel="noopener noreferrer">in Zusammenarbeit mit glaubwürdigen Journalisten</a> frei zugänglich. Statt sich von den Massenmedien als <a href="http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/hr/sendung_vom_18082013-102.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Widerstandspopstar</a> feiern zu lassen, lässt er sein Wissen sprechen. Zwecks konstruktiver Kritik am Staat. Snowden zeigt damit nicht zuletzt, dass das “nicht-wirtschaftliche Moment” ein besonders kostbares Moment ist in Zeiten, die hoffnungslos überladen scheinen mit den Werten und der Logik des Marktes. Darüber hinaus zu denken, fällt schwer. Etwa genauso schwer, wie sich selbst als Bürger und den Staat als Rahmen der eigenen Existenz zu begreifen. Wie das doch möglich ist – das führt Snowden in einer sehr radikalen Weise vor.<br />
&nbsp;<br />
Dieser Artikel ist ein Crosspost und wurde zuerst in der <a href="http://berlinergazette.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berliner Gazette</a> veröffentlicht.<br />
Bilder: Portrait von Edward Snowden: Standbild aus einem <a href="http://www.youtube.com/watch?v=5yB3n9fu-rM">Film</a> von <a title="w:Laura Poitras" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Laura_Poitras">Laura Poitras</a> (<a href="http://www.praxisfilms.org/" rel="nofollow">Praxis Films)</a>; Demonstration: <a title="flickruser:48973657@N00" href="http://www.flickr.com/people/48973657@N00">See-ming Lee</a><br />
&nbsp;</p>
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		<title>Tradition und Moderne &#8211; Digitale Presseschau KW 29</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ludwig Lagershausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Jul 2013 12:14:45 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Alles nimmt seinen gewohnten Gang: die Regierung schweigt sich zum Überwachungsskandal aus, die Opposition übt lautstarke Kritik, der netzpolitische Wahlkampf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Alles nimmt seinen gewohnten Gang: die Regierung schweigt sich zum Überwachungsskandal aus, die Opposition übt lautstarke Kritik, der netzpolitische Wahlkampf rollt. Doch Google steht darüber und reißt weiter eifrig große Löcher in die Privatsphäre der User, während andere Suchmaschinen unerwünschte Inhalte zensieren. Neu ist allerdings, dass niemand geringeres als die Terrorgruppe Al-Kaida nun ihr dringendes Mitteilungsbedürfnis bei Twitter befriedigt.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?v=cpQpYVlulmI&amp;feature=youtu.be&amp;a" title="Überwachungsstaat für Dummies: PRISM - Jeder ist im Fadenkreuz!" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/cpQpYVlulmI?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Ganz langsam und der Reihe nach: Diese Animation der Piratenpartei erklärt den aktuellen Überwachungsskandal in verständlicher Art und Weise. So sollte jede/r in der Lage sein, das Ausmaß des PRISM-Tempora-Überwachungsprogramms einzuschätzen.</p>
<h3><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/w-lan-daten-google-kopiert-kennwoerter-unverschluesselt-auf-us-server-a-911574.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Passwortsalat</a></h3>
<p>Google könnte Millionen privater Passwörter für W-Lan-Netze besitzen. Der Grund: Die Backup-Funktion des Google-Betriebssystems Android kopiert diese Passwörter standardmäßig unverschlüsselt auf den Server des Konzerns. Micah Lee, Chefentwickler bei der US-Bürgerrechtsorganisation EFF, hat dies als Fehlermitteilung in Googles offiziellem Android-Entwicklerforum öffentlich gemacht. Das Vorgehen Googles ist in vielerlei Hinsicht problematisch: So könnten beispielsweise Regierungsstellen die Daten abfragen. Da viele Nutzer dieselben Passwörter für  unterschiedliche Dienste verwenden, verfüge Google augenblicklich über eine Menge brisanter Zugangsdaten, schreibt Konrad Lischka im Spiegel. Dazu kommt, dass diese Weitergabe-Funktion zumindest auf einem Teil der Android-Geräte standardmäßig aktiviert ist. Gleichzeitig ist es für den Nutzer nicht möglich, einzelne Datensätze zu Android-Geräten von den Google-Servern zu löschen. Das EFF fordert, den Fehler schleunigst zu korrigieren und die übertragenen Daten zumindest zu verschlüsseln.</p>
<h3><a href="http://blog.zeit.de/radikale-ansichten/2013/07/15/terror-auf-twitter/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Terror-Tweet</a></h3>
<p>Die Terrorgruppe Al-Kaida twittert. Das ist kein Scherz; trotz größter Abneigung gegen alles Westlich-Amerikanisch-Neumodische nutzen bin-Ladens Jünger den Kurznachrichtendienst für islamistische Propagandazwecke und „berichten“ etwa live von Anschlägen. Laut einer Studie zweier Terrorismusforscher bestehen etwa 20.000 Accounts mit Al-Kaida-Bezug. Journalisten und Forscher konnten auf diese Weise gar mit Dschihadisten in Kontakt treten und Interviews führen. So gelangt man zwar an äußerst interessante Infos, deren Wahrheitsgehalt sollte aber mit der nötigen Portion Skepsis betrachtet werden.</p>
<h3><a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/peer-steinbrueck-zur-nsa-affaere-merkel-nimmt-bruch-der-buergerrechte-in-kauf/8495572.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Klare Kante gegen Salami</a></h3>
<p>Als ob die Spionageaffäre nicht schon schlimm genug wäre: Die Bundesregierung übt sich derzeit in fatalem Krisenmanagement, fällt vor allem durch unklare Informationen und Uneinigkeit auf oder versucht, den Skandal mit „Wir wussten von nichts“-Kommentaren wegzumoderieren. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kritisiert das Verhalten von Kanzlerin und Innenminister in einem Gastbeitrag auf tagesspiegel.de scharf. Sollten die Behauptungen Edward Snowdens stimmen, so seien „persönliche Grundrechte bis tief ins Persönliche hinein verletzt worden“. Konkret fordert der Sozialdemokrat eine &#8221; volle Aufklärung statt Salami-Taktik &#8220;. Die USA-Reise von Innenminister Friedrich sowie die das schweigende Abwarten von Bundeskanzlerin Merkel machen, so Steinbrück, „den Anschein, „als werde der millionenfache Bruch der Bürgerrechte billigend in Kauf genommen“.</p>
<h3><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/netzpolitik-grosse-parteien-im-neuland-1.1721594" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ehemalige Nischen</a></h3>
<p>Die beiden großen Volksparteien profilieren sich zusehends in der Netzpolitik. So verantwortet Gesche Joost das Thema im Kompetenzteam von Peer Steinbrück, Peter Tauber und Michael Kretschmer halten die netzpolitische Fahne der CDU hoch. Johannes Boie beschreibt auf sueddeutsche.de die großen Unterschiede zwischen dem jungen, aber schon sehr routinierten christdemokratischen Nachwuchs und der parteilosen Akademikerin, die den Quereinstieg wagte. Leistungsschutzrecht, Vorratsdatenspeicherung, Internetministerium – der netzpolitische Wahlkampf läuft an.</p>
<h3><a href="http://blog.zdf.de/hyperland/2013/07/vom-internet-zum-filternet/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nicht erwünscht</a></h3>
<p>„Halaalgoogling“: So nennt sich eine Suchmaschine, die automatisch all das filtert und aussortiert, was nach Auffassung der Betreiber nicht halaal, also nach islamischem Recht erlaubt ist. Das umfasst beispielweise Nacktheit, Homo- oder Bisexualität, Alkohol oder gegen den Islam gerichtete Inhalte. Die „schwarze Liste“ der Betreiber ist dabei nicht öffentlich zugänglich. Andreas Winterer, ein Autor des ZDF-Blogs „Hyperland“ verweist in diesem Zusammenhang auf Online-Zensur, die auch im sogenannten „aufgeklärten Westen“ stattfindet. Zum Beispiel die SafeSearch-Funktion von Google, die Pornografie ausblendet. Oder „CleanIT“, ein Projekt der EU, das den Online-Zugriff auf „terroristische“ und „illegale Inhalte“ verhindern möchte. Winterer warnt: Möglicherweise seien solche Initiativen nur ein erster Schritt. „Irgendwann sind solche Suchhilfen vielleicht ausdrücklich erlaubt – alle anderen Suchmaschinen hingegen anrüchig, tabu oder gar bei Strafe verboten.“</p>
<h3><a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-04/harper-reed-datenschutz" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> </a></h3>
<div><img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></div>
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		<title>Internationale Datenschutzkonferenz: Von Paragrafenreitern und Versäumnissen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Wilke]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Oct 2012 12:32:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Peter Friedrich]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz-Grundverordnung]]></category>
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					<description><![CDATA[In der vergangenen Woche lud Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich zu einer zweitägigen Datenschutzkonferenz. Zahlreiche internationale Experten aus Politik, Verwaltung, Verbänden, Wissenschaft [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/internationale-datenschutzkonferenz-von-paragrafenreitern-und-versaeumnissen/untitled-1-4/" rel="attachment wp-att-122042"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-122042" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Untitled-12-630x289.jpg" alt="Referenden des 1.Panels und Prof. Hoeren" width="630" height="289" /></a>In der vergangenen Woche lud Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich zu einer zweitägigen Datenschutzkonferenz. Zahlreiche internationale Experten aus Politik, Verwaltung, Verbänden, Wissenschaft und Industrie diskutierten in Berlin über die aktuellen „Baustellen“ des europäischen Datenschutzes.</p>
<p>Grundlage der Konferenz war der im Januar dieses Jahres von der Europäischen Kommission vorgelegte <a href="http://ec.europa.eu/justice/newsroom/data-protection/news/120125_en.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vorschlag</a> für eine neue Datenschutz-Grundverordnung. Dieser hat den Anspruch, die bisherige Ausarbeitung der <a href="http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:31995L0046:DE:HTML" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Datenschutz-Richtlinie von 1995</a> neu zu regeln. Der besonderen Herausforderung,  möglichst alle Interessensgebiete aller europäischen Mitgliedsstaaten bei der Ausarbeitung zu berücksichtigen, schien sie nämlich nicht gewachsen zu sein. Vor allem von deutscher Seite kam bereits Anfang des Jahres und insbesondere während der Konferenz deutliche Kritik. Und obwohl sich die Kritikpunkte von den Teilnehmer der zweitägigen Konferenz unterschieden, (einerseits das Verlangen nach Selbstregulierung, andererseits eine Konkretisierung hinsichtlich eines starken, universalen Datenschutzstandards) wurde eine Vielzahl der Regelungsvorschläge als nicht „konkret“ oder „ausführlich“ genug bezeichnet.</p>
<p>Dabei hatte Bundesinnenminister Hans-Peter-Friedrich (CSU) <a href="http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2012/10/datenschutzkonferenz.html?nn=109632" target="_blank" rel="noopener noreferrer">seine Position</a> bereits zum Auftakt der Konferenz  am Mittwochklar formuliert. Seiner Meinung nach böten die Vorschläge eine solide Grundlage, auf der es aufzubauen gelte. Gleichwohl forderte er strengere Regelungen für eine Datenverarbeitung sowie eine Verschärfung bzw. eine deutlicheren Bezug zu Persönlichkeits- und Freiheitsrechten. Weiterhin warnte er davor, dass das Datenschutzrecht nicht im Sinne eines „One-size-fits-all-Modells“ auf alle Problembereiche des Datenschutzes angewandt werden dürfe. Schließlich lobte er den hohen Standard des deutschen Datenschutzrechts und aus der Mehrzahl der Wortmeldungen im Verlaufe der beiden Tage lässt sich schließen, dass die Mehrheit der Experten diese Ansicht teilt.</p>
<p>Am zweiten Konferenztag ging es dann insbesondere darum, die einzelnen Ergebnisse eines im August abgehaltenen Workshops zu präsentieren. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits zahlreiche der auch jetzt anwesenden Experten getroffen, um verschiedene Sachverhalte und die Formulierungen einzelner Artikel der europäischen Datenschutzverordnung zu diskutieren. Die Themenbandbreite der insgesamt drei Workshops reichte von bekannten Problemen wie dem bereits angesprochenen Persönlichkeitsrecht  bis hin zum Wortlaut einzelner Artikelgruppen im Gesetzestext.</p>
<p>Unter der Moderation von Prof. Dr. Thomas Hoeren (Universität Münster) referierten am Donnerstag  einzelne Vertreter der Workshops, im Anschluss wurde das jeweilige Panelthema zur Diskussion freigegeben.</p>
<p>Die Referenten des ersten Panels (Thema: &#8220;Stärkere Regelungen für besondere Gefährdungen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts&#8221;) waren Dr. Alexander Dix, Berliner Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit; die Juristin Prof. Dr. Anna-Bettina Kaiser (HU Berlin); und Diplominformatiker Jörg Pohle (HU Berlin). Gleich zu Beginn warnte Pohle davor, das Thema Datenschutz auf eine typische Juristendiskussion zu reduzieren, was zu diesem Zeitpunkt angesichts eines Juristenanteils von geschätzten 98 Prozent im Saal wohl eher Wunschdenken war. Des Weiteren forderte Pohle, dass verstärkt alle Fachgebiete der Informatik in die Diskussion miteinbezogen werden müssten, um allen technischen Problemen adäquat auf den Grund gehen zu können.</p>
<p>Die Juniorprofessorin für öffentliches Recht Anna-Bettina Kaiser stellt die Ergebnisse eines Workshops vor, der sich mit  den Mängeln des Artikels 23 der Europäischen Datenschutzgrundverordnung beschäftigt hatte. Darin geht es darum, die Sicherstellung von Daten einzelner Personen durch staatliche Behörden dann zu erlauben, wenn es um den Schutz von Personen geht. Seiner Vorrednerin folgend kritisierte Alexander Dix ebenfalls bestimmte Artikel der Verordnung und bemängelte unter anderem die teils unkonkreten Formulierungen. In der anschließenden Diskussion mit allen Anwesenden wurde dann hitzig über die Rolle des Jugendschutzes und die Einwilligung in die Freigabe bestimmter Daten debattiert. Teilweise musste Moderator Thomas Hoeren in die Diskussion eingreifen und Übereifrigen die Redezeit kürzen.</p>
<p>Kernthema des zweiten Panels war die Regelung für Privatpersonen, welche durch die Referate von Prof. Dr. Hans Peter Bull (Bundesdatenschutzbeauftragter a.D.) und Dr. Ulrich Wuermeling (Rechtsanwalt) angeregt worden war. Auffallend waren dabei die teils einseitige Würdigung auf der einen Seite und andererseits  die Geringschätzung der Arbeit anwesender Mitarbeiter der Kommission. Deutliche Uneinigkeit herrschte insbesondere in der Frage, ob es einer komplett neuen Verordnung bedürfe oder eine umfangreiche Änderung genüge.</p>
<p>Im letzten Panel galt es schließlich zu klären, wie wettbewerbsrechtliche Elemente im Datenschutz der Zukunft integriert und verbessert werden können.  Besonderen Änderungsbedarf sahen die Referenten bei den Grenzen der Selbstregulierung, bei der Mitwirkung von Behörden, Verbänden und Unternehmen sowie bei kartellrechtlichen Schranken.</p>
<p>Welche Konsequenzen die Ergebnisse der einzelnen Workshops und der zweitägigen Konferenz haben, ist noch nicht ganz genau geklärt. Jedoch beraten sich mittlerweile die zuständigen Gremien im Europäischen Parlament sowie im Rat der Europäischen Union, um beizeiten Änderungsvorschläge für den Vorschlag der Datenschutz-Grundverordnung vorzulegen. Doch trotz der bisherigen Bemühung aller EU-Mitgliedstaaten konkrete Änderungen auszuarbeiten, schien es während der beiden Konferenztage so, als käme der Löwenanteil von deutscher Seite. Was allerdings nichts zuletzt an dem hohen Stellenwert für den Datenschutz im Bundesinnenministerium liegen vermag.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/internationale-datenschutzkonferenz-von-paragrafenreitern-und-versaeumnissen/cc-lizens/" rel="attachment wp-att-121978"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-121978" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x53.png" alt="" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>BigBrotherAward: Die Goldene Himbeere des Datenschutzes</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/bigbrotheraward-die-goldene-himbeere-des-datenschutzes-92030/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Wilke]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Apr 2012 16:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Peter Friedrich]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Big Brother Award]]></category>
		<category><![CDATA[Privacy International]]></category>
		<category><![CDATA[Foebud e.V.]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute werden die Preisträger der deutschen BigBrother Awards verliehen, die Negativauszeichnung für „Datenkraken“. Prominentester „Gewinner“ ist Innenminister Hans Peter Friedrich, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/bigbrotheraward-die-goldene-himbeere-des-datenschutzes/www-bba-de/" rel="attachment wp-att-92191"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-92191" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/www.bba_.de_-630x155.jpg" alt="" width="630" height="155" /></a>Heute werden die Preisträger der deutschen BigBrother Awards verliehen, die Negativauszeichnung für „Datenkraken“. Prominentester „Gewinner“ ist Innenminister Hans Peter Friedrich, der überraschendste „die Cloud&#8221;.</p>
<p>Die Verleihung ist online per <a href="http://www.bigbrotherawards.de/stream" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Live-Stream</a> verfügbar.</p>
<p>1989 wurden in Großbritannien zum ersten Mal die Auszeichnungen, über die sich die Empfänger nur wenig freuen dürften, von der Nichtregierungorganisation “Privacy International” verliehen. Seit dem Jahr 2000 werden sie auch in Deutschland vergeben. Das internationale Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, Personen und Unternehmen auszuzeichnen, die durch fragwürdige oder bedenkliche Praktiken beim Datenschutz aufgefallen sind. Der Name des Preises ist von George Orwells Roman „1984“ inspiriert. In  Deutschland wird die Verleihung der BigBrohter Awards vom Bielefelder Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs (<a href="https://www.foebud.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">FoeBuD</a>) ausgerichtet. Heute fand die Verleihung in Bielefeld statt.</p>
<p>In der Kategorie Behörden und Verwaltung „siegte“ der sächsische Innenminister Markus Ulbig. Ihm gebührt die Ehre für seine <a href="http://www.datenschutzbeauftragter-info.de/dresden-polizei-und-staatsanwaltschaft-verstossen-gegen-recht-und-gesetz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Funkzellenabfrage im Raum Dresden</a>. Im Februar 2011 hatten tausende Menschen gegen einen Aufmarsch von Rechtsradikalen demonstriert. Die Polizei und das Landeskriminalamt forderten daraufhin die Telekommunikationsverbindungsdaten für insgesamt 28 Funkzellen in der Dresdner Innenstadt an. Wenig später wurden diese Daten im Strafverfahren gegen rechtsextreme Personen genutzt. Dabei hatte man in Kauf billigend genommen, dass 55.000 weitere Anschlussinhaber identifiziert worden. Ulbig sieht dieses Vorgehen bis heute als rechtmäßig an.</p>
<p>Die Cloud ist der nächste unrühmliche Gewinner des BigBrotherAwards. Das ist besonders bemerkenswert, weil es sich dabei weder um eine Person noch um eine Organisation handelt. Ausgezeichnet in der Kategorie Kommunikation erweist sich die Cloud als neuer Trend zur massiven Datensammlung und dem Entziehen der Nutzungsrechte über diese gleichermaßen. Insbesondere US-amerikanische Firmen wie Google, Amazon, Apple oder Microsoft sind Anbieter von Cloud-Funktionen. Das Problem ist hierbei der in den USA geltende Anspruch der Behörden, auf die Daten der Cloud-Nutzer zugreifen zu können. Der sogenannte Foreign Intelligence Surveillance Act fordert die Betreiber sogar dazu auf, die Daten freizugeben. Dass einige der Server allerdings in Europa stehen, stellt dabei kein Hindernis dar. Das deutsche Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme wird dabei jedoch rigoros missachtet.</p>
<p>Der prominenteste Preisträger ist Bundesinnenminister Hans Peter Friedrich in der Kategorie Politik. Ihm wurde der Preis aufgrund seines unnachgiebigen Durchsetzens bei der Errichtung eines Cyber-Abwehrzentrums, der Einrichtung eines Gemeinsamen Abwehrzentrums gegen Rechtsextremismus (GAR) sowie den Plänen für eine zentrale Verbunddatei für „gewaltbezogenen Rechtsextremismus“ verliehen. Beide Abwehrzentren wurden dabei ohne die Legitimation des Bundestages aufgebaut. Die Zentrale Verbunddatei und das Abwehrzentrum werden künftig für eine Vernetzung unterschiedlicher Sicherheitsbehörden in Deutschland genutzt. Die Effizienz der Ermittlungen soll damit deutlich verbessert werden und zu einem schnelleren Vollzug bei verdächtigen Personen führen. Trotz der vermeintlich positiven Effekte wird mit diesem Konzept das  historisch begründete deutsche Verfassungsgebot, nach dem diese Sicherheitsbehörden strikt voneinander getrennt sein und arbeiten müssen, ignoriert.</p>
<p>Weitere Preisträger der diesjährigen BigBrother Awards sind in der Kategorien Verbraucherschutz die Spieleentwicklungsfirma Blizzard Entertainment für zahlreiche Datenschutzverletzungen bei ihren Online-Spielen, Gamma International in der Kategorie Technik für die von ihr entwickelte Spionagesoftware „FinFisher“, in der Sparte Arbeitswelt der Lebensmittelhändler Bofrost für die Ausforschung des Betriebsratscomputers und in der Kategorie Wirtschaft der Wasserfilterhersteller Brita GmbH für ihre kostenpflichtigen Wasserspender in Schulen „Schoolwater“.</p>
<p>Durch die Verleihung der BigBrother Awards hofft man, verstärkt auf das Gefahrenpotential des Datenschutzes hinweisen zu können. Insbesondere durch die öffentliche Bekanntgabe der Negativbeispiele und dem mehrheitlich positiven Feedback durch die internationale Presse, lässt sich ein positiver Trend in Sachen Aufklärung beobachten.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Open Data- und IT-Experten gesucht</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/open-data-und-it-experten-gesucht-5903/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Lena Herzog]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Dec 2011 15:15:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Peter Friedrich]]></category>
		<category><![CDATA[Apps für Deutschland]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/APPS.png" width="350" height="154" /><br />
Apps für Deutschland geht in die letzte Runde – jetzt noch schnell mitmachen.
<p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/APPS.png" width="350" height="154" /><br />
Apps für Deutschland geht in die letzte Runde – jetzt noch schnell mitmachen.</p>
<p>
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</p>
<p>
Der Programmierwettbewerb <a href="http://apps4deutschland.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Apps für Deutschland</a> auf Basis von Open Data wurde Anfang November von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich eröffnet, politik-digital.de <a href="/wettbewerb-apps-f%C3%BCr-deutschland" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichtete</a>. In einer ersten positiven Bilanz erklären die Organisatoren jetzt, dass der Wettbewerb sowohl bei Behörden, als auch bei der Netzgemeinde auf reges Interesse stoße. Bislang wurden rund 70 Datensätze, fast 50 Ideen und bereits 20 Applikationen eingereicht. </p>
<p>Am 15. Dezember ist der Einsendeschluss für Daten und Ideen. Behörden, die neue Daten veröffentlichen wollen, sind aufgefordert, diese auch bereitzustellen. Gefragt sind zudem alle guten Ideen, wie öffentliche Daten sinnvoll und zum Nutzen der Bürger weiterverarbeitet werden können. Entwickler und Programmierer, die funktionsfähige Anwendungen und Visualisierungen beitragen wollen, können sich noch bis zum 1. Februar 2012 Zeit lassen. Den Gewinnern winken hoch dotierte Preise.</p>
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		<item>
		<title>Sehnsucht nach der analogen Welt</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/sehnsucht-nach-der-analogen-welt-5900/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Lena Herzog]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Dec 2011 18:41:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratiekongress]]></category>
		<category><![CDATA[Jeff Jarvis]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Peter Friedrich]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad-Adenauer-Stiftung]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/jarvis-demokratiekongress.png" height="317" width="480" /><br />
Unter dem Motto „Digitale (Un)Kultur und Demokratie“ veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung gestern ihren 3. Demokratiekongress. Mit Jeff Jarvis und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich als Redner standen sich zwei Personen gegenüber, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.
<p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/jarvis-demokratiekongress.png" height="317" width="480" /><br />
Unter dem Motto „Digitale (Un)Kultur und Demokratie“ veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung gestern ihren 3. Demokratiekongress. Mit Jeff Jarvis und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich als Redner standen sich zwei Personen gegenüber, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.</p>
<p>
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</p>
<p>
Um ihrem Veranstaltungsthema treu zu bleiben, passte die Konrad-Adenauer-Stiftung auch ihre Technik den Ansprüchen ihres <a href="http://www.kas.de/wf/de/71.9919/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Demokratiekongresses 2011</a> in Berlin an. So wurde die politische Grundsatzrede „Politische Bildung im Zeitalter der Digitalisierung“ des Bundesinnenministers zu Beginn des Kongresses per Livestream von der Adenauer-Stiftung übertragen und gleichzeitig von tagesspiegel.de gebloggt. Zudem kommentierte Jeff Jarvis, Professor an der Graduate School of Journalism der City University of New York, Friedrichs Beitrag auf Twitter. Die Leser von tagesspiegel.de und die anwesenden Kongressteilnehmer hatten die Möglichkeit, ihre Fragen direkt an die Redner zu richten.
</p>
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<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/friedrich-demokratiekongress.png" height="302" width="480" />
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<br />
Im Gegensatz zum relativ innovativen Format der Veranstaltung gab sich Innenminister Friedrich in Bezug auf die Chancen und Möglichkeiten des Internet skeptisch. Im Mittelpunkt seiner Rede standen stärker Themen wie Gefahren, Hierarchisierung und fehlende Gestaltungsfreiheit. Zwar schätze er E-Petitionen als Beteiligungsmöglichkeit, Skype als Mittel der Kommunikation mit Familienmitgliedern im Ausland und Google+, um sich Meinungen außerhalb seines Ortsverbandes einzuholen &#8211; einen vorantreibenden Input zum Thema Internet gab er jedoch nicht. Stattdessen vertrat er die These, dass die Digitalisierung die Sehnsucht nach Rückbindung in die analoge Welt erhöhe. Diese Rückbindung zu ermöglichen, solle auch Aufgabe der politischen Bildung sein. Im Vergleich zu seinem Vorgänger Thomas de Maizière, der sich mit seinen <a href="/Netzpolitik+BMI+Thomas+de+Maiziere+Online-Konsultation" target="_blank" rel="noopener noreferrer">14 Thesen zur Netzpolitik</a> eine Reputation in der Netzgemeinde verschafft hatte, waren die Statements des Innenministers für eine politische Grundsatzrede zu hausbacken und allgemein gehalten. Der CSU-Politiker erhielt nicht nur <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/friedrichs-internet-grundsatzrede-wie-ein-innenminister-netzpolitik-simuliert-1.1222720" target="_blank" rel="noopener noreferrer">reichlich Kritik in den Medien</a>, sondern auch <a href="http://blog.stecki.de/archives/268-Friedrich-im-netzpolitischen-Tiefflug.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">aus dem eigenen politischen Lager</a>. Lars Klingbeil (SPD), Mitglied der Internet-Enquete des Deutschen Bundestages, sagte gegenüber politik-digital.de, dass die Rede des Ministers die Verzagtheit zeige, mit der auf Regierungsseite über Netzpolitik gesprochen wird. „Was fehlt ist ein Gestaltungsanspruch, der die Chancen der Digitalisierung für Bildung, Wirtschaft und für die offene und demokratische Gesellschaft insgesamt in den Mittelpunkt stellt. Progressive netzpolitische Ideen und wegweisende Gestaltungsvorschläge habe ich von ihm noch nicht vernommen“, so Klingbeil. </p>
<p>Als Generationenproblem lässt sich das aber nicht entschuldigen, blickt man auf Jeff Jarvis. Dieser konnte die Trennung von digitaler und analoger Welt, die der CSU-Politiker durchführte, nicht nachvollziehen und stellte fest, dass das Analoge digital werde. Seinem Auftritt am Nachmittag haben vor allem netzpolitisch aktive Kongressteilnehmer entgegengefiebert. Wie in seinem kürzlich veröffentlichten Buch „Public Parts“ stellte er auch in seiner Rede heraus, wie wichtig freie Kommunikation im Internet sei und dass das Teilen von Wissen und Erfahrungen mehr Chancen biete als der Rückzug in die Privatsphäre. Eine gelebte Öffentlichkeit im Internet verbessere Beziehungen, sei gut für Transparenz und gegenseitiges Vertrauen, verhindere Schubladendenken und befördere die Zusammenarbeit in Wirtschaft und Politik. Was Jarvis beunruhigt, ist nicht die Sorge um den Verlust unserer privaten Daten, sondern die Sorge um die Freiheit des Internet. Er weist darauf hin, dass das Zeitalter der Digitalisierung erst in der Anfangsphase ist. Das, was noch kommen wird, sei fernab aller unserer Vorstellungskraft.
</p>
<div align="center">
<a href="/wp-content/uploads/illustration-demokratiekongress.png" target="_blank" class="colorbox" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/illustration-demokratiekongress.png" height="256" width="480" /></a>
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<br />
<b>Eine Illustration von Mathias Weitbrecht vom Kongressablauf </b>
</div>
<p>
<br />
Der zweite Teil des Demokratiekongresses spielte sich in drei kleineren Gesprächsforen ab. Zusammen mit Experten konnten die Teilnehmer über die Auswirkungen der Digitalisierung auf Politik, politische Bildung und die Medien diskutieren. Dr. Melanie Piepenschneider, Leiterin Politische Bildung der Konrad-Adenauer-Stiftung, zeigte sich in ihrem Schlusswort von deren Ergebnissen angetan und wertete den Demokratiekongress 2011 als großen Erfolg.</p>
<p><b>Hinweis:</b> </p>
<p>politik-digital.de wird in den nächsten Tagen Jeff Jarvis im Porträt vorstellen.</p>
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		<title>&#8220;Das Internet ist eine kritische Infrastruktur&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/das-internet-ist-eine-kritische-infrastruktur-5428/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Thomas Würdinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Sep 2011 14:55:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Cyberwar]]></category>
		<category><![CDATA[Vorratsdatenspeicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Anonymität]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Peter Friedrich]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Tauber]]></category>
		<category><![CDATA[Netzgemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[CDU/CSU]]></category>
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					<description><![CDATA[Die CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestags veröffentlichte am Dienstag ein Positionspapier zur Sicherheits- und Freiheitsdebatte im Internet. Der Koalitionspartner, Opposition und Netzgemeinschaft reagieren mit teilweise harscher Kritik.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestags veröffentlichte am Dienstag ein Positionspapier zur Sicherheits- und Freiheitsdebatte im Internet. Der Koalitionspartner, Opposition und Netzgemeinschaft reagieren mit teilweise harscher Kritik.</p>
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</p>
<p>
Das von der &quot;Arbeitsgruppe Innen&quot; erstellte <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/110920-AG-Innen-Positionspapier-Die-Freiheit-des-Internets-sichern-und-erhalten.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Papier</a> mit dem Namen &quot;Die Freiheit des Internet sichern und erhalten&quot; beinhaltet derzeit heftig diskutierte Themen wie die Klarnamendebatte, Vorratsdatenspeicherung oder Überlegungen zum Schutz vor Cyberwarangriffen. Die Autoren sehen Nachholbedarf in der Gestaltung der Netzstrukturen und polemisieren gleichzeitig gegen die &quot;wenigen Meinungsmacher oder selbsternannten Netzaktivisten&quot;, die den Diskurs um Freiheit und Sicherheit im Netz dominierten. Man müsse verhindern, dass die Zukunft des Internet von einer digitalen Avantgarde bestimmt werde. Als Spitze gegen die digitale Freiheitsbewegung kann folgende Aussage verstanden werden: &quot;Wer Mobbing, Betrug, Einbruch, Kinderpornografie oder Diebstahl als unvermeidliche Nebenwirkung einer unbeschränkten Freiheit im Internet akzeptiert, untergräbt das Vertrauen in das Netz.&quot; Ohne Vertrauen in die Durchsetzung von Recht und Ordnung würde sich die gesellschaftliche Akzeptanz des Internet dauerhaft nicht erhöhen, heißt es darüber hinaus in dem Papier. Der Staat brauche daher &quot;effektive Werkzeuge, um Rechtsverstöße im Internet zu unterbinden und zu ahnden&quot; und müsse auch im Netz handlungsfähig werden. In Anlehnung an den bekannten Ausspruch Wilhelm von Humboldts konstatieren die Verfasser, dass sich Freiheit nur in Sicherheit entfalten könne. Darin lässt sich ein Plädoyer für die von Innenminister Friedrich kürzlich wieder geforderte Vorratsdatenspeicherung erkennen. Zumal die Sicherheitsvorfälle der vergangenen Monate gezeigt hätten, &quot;dass das Internet kein gefahrloser Raum&quot; und &quot;eine kritische Infrastruktur&quot; sei.
</p>
<p>
Gleichwohl ziehen die Autoren Selbstregulierung in Form von Kodizes staatlicher Regulierung vor und wollen keine Fürsorgepolitik betreiben. „Wer unsichere E-Mails schreibt, die Rotlichtbezirke des Internet frequentiert, seine Computer und Netze nicht gegen Viren und andere Schadprogramme schützt oder sein gesamtes Privatleben im Internet verbreitet&quot; dürfe sich nicht über den Missbrauch persönlicher Daten wundern. Der Staat solle vielmehr lediglich Sicherheitsempfehlungen abgeben und die Eigenverantwortung der Bürger stärken. Allerdings sei eine staatliche Intervention dann legitim, wenn die Nutzer und Betreiber mit dem Schutz vor Bedrohungen im Netz überfordert sind. Des Weiteren betonen die Autoren die Gefahren, die durch Cyberwar und Cyberterror ausgingen. Angesichts der Bedeutung des Internet für die Infrastruktur des Landes müssten geeignete Schutzmaßnahmen ergriffen werden und im Notfall dürfe auf &quot;keine Option zur Gefahrenabwehr verzichtet werden&quot;. Welche Maßnahmen damit gemeint sind, geht aus dem Papier nicht hervor.
</p>
<p>
Ferner stellen die Verfasser das häufig eingefordertere Recht auf Anonymität im Netz in Frage. Eine offene und transparente Gesellschaft zeichne sich dadurch aus, dass die Bürger unter Preisgabe ihrer realen Identität am öffentlichen Willensbildungsprozess partizipierten. Demgemäß resümieren sie, dass die Gesellschaft eine &quot;Kultur der Offenheit&quot; und &quot;keine Foren, die sich in die Feigheit der Anonymität flüchten&quot;, brauche. Eine anonyme Teilhabe am politischen Meinungs- und Willensbildungsprozess sei daher abzulehnen. Mit dieser Forderung dürften die Autoren jedoch an die Grenzen des <a href="http://www.telemediengesetz.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Telemediengesetzes</a> stoßen.
</p>
<p>
Über die Thesen und Forderungen des Positionspapiers hat sich in den vergangenen Tagen eine lebhafte Diskussion entwickelt. Der netzpolitische Aktivist Markus Beckedahl stellt die <a href="https://netzpolitik.org/2011/eine-anonyme-teilhabe-am-politischen-meinungs-und-willensbildungsprozess-ist-abzulehnen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frage</a>, ob die CDU/CSU in Anbetracht der Äußerungen zur Anonymitätsdebatte nun das Prinzip der geheimen Wahl abschaffen wolle. Der Bundesvorsitzende der Piratenpartei <a href="http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13619114/Schwarz-gelber-Streit-ueber-Schutz-der-Privatsphaere.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sebastian Nerz</a> sieht in der Anonymität eine Voraussetzung für freie Meinungsäußerungen. Widerstand regt sich aber auch in den eigenen Reihen. Die Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU) und Peter Tauber (CDU) gehörten zu den Unterzeichnern eines kürzlich veröffentlichten <a href="/offener-brief-an-google-kritik-an-pseudonymverbot" target="_blank" rel="noopener noreferrer">offenen Briefs an Google+</a>, der das Unternehmen aufforderte, die anonyme Nutzung des Dienstes zuzulassen. Auch in der Frage der Vorratsdatenspeicherung ist die schwarz-gelbe Koalition uneins. Während Innenminister Friedrich den Nutzen der Vorratsdatenspeicherung anpreist, lehnt das Justizministerium unter Sabine Leutheusser-Schnarrenberger eine anlasslose Speicherung sämtlicher Nutzerdaten ab. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion scheint sich mit diesem Positionspapier in der Debatte eindeutig positionieren zu wollen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Koalitionskrach um Vorratsdatenspeicherung?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/koalitionskrach-um-vorratsdatenspeicherung-5276/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Johann Eggert]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Jun 2011 10:58:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Vorratsdatenspeicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesverfassungsgericht]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Sabine Leutheusser-Schnarrenberger]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Peter Friedrich]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Konflikt zwischen den Koalitionspartnern auf Bundesebene schwelt auf dem Feld der Innen- und Rechtspolitik schon seit längerem. Nun hat, folgt man aktuellen <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article13422422/Die-Justizministerin-schockfrostet-die-Union.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Presseberichten</a>, die  Bundesministerin der Justiz (FDP) einen Gesetzentwurf zur Ausgestaltung der Vorratsdatenspeicherung vorgelegt. Ein weiteres Mal droht ein Konflikt mit dem CSU-geführten Innenministerium.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Konflikt zwischen den Koalitionspartnern auf Bundesebene schwelt auf dem Feld der Innen- und Rechtspolitik schon seit längerem. Nun hat, folgt man aktuellen <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article13422422/Die-Justizministerin-schockfrostet-die-Union.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Presseberichten</a>, die Bundesministerin der Justiz (FDP) einen Gesetzentwurf zur Ausgestaltung der Vorratsdatenspeicherung vorgelegt. Ein weiteres Mal droht ein Konflikt mit dem CSU-geführten Innenministerium.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenn in den aktuell laufenden parlamentarischen Beratungen um finanzielle Hilfen für den akut gefährdeten griechischen Staatshaushalt Differenzen nicht nur zwischen Regierung und Opposition, sondern zwischen CDU/CSU und FDP deutlich werden, so ist dieser Streitfall nur einer von mehreren Konfliktherden zwischen den regierungstragenden Parteien. Zündstoff droht auch auf einem Politikfeld, das neben der Wirtschafts-, Finanz- und Gesundheitspolitik in den vergangenen Tagen und Wochen zumindest in der medialen Wahrnehmung in den Hintergrund getreten war.</p>
<p>Der zwischen dem Innen- und dem Justizministerium umstrittene Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung trägt den offiziellen Titel „Gesetz zur Sicherung vorhandener Verkehrsdaten und Gewährleistung von Bestandsdatenauskünften im Internet“. Jedoch ist nicht nur die Bezeichnung des Vorhabens sperrig, auch inhaltlich sind bei der vom höchsten deutschen Gericht angeordneten Neuregelung noch nicht alle Hürden genommen. Der jüngste Entwurf aus Sabine Leutheuser-Schnarrenbergers Ministerium (FDP) berücksichtigt, so berichtet Welt-Online es heute morgen, die Vorgaben des Karlsruher Urteils und soll für eine Begrenzung der Menge an gespeicherten Daten sorgen.</p>
<p>Die technische Grundlage von Leutheuser-Schnarrenbergers Plan ist das sogenannte <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bundesdatenschuetzer-plaediert-fuer-Quick-Freeze-statt-Vorratsdatenspeicherung-1021967.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Quick-Freeze-Verfahren“</a>, mit dessen Hilfe die bei den Service-Providern ohnehin gespeicherten Daten „eingefroren“ werden und den Sicherheitsbehörden zur Bekämpfung schwerer Straftaten nutzbar gemacht werden sollen. Vertreter der Unionsparteien, die das von der FDP favorisierte Quick-Freeze-Verfahren ablehnen und den Strafverfolgungsbehörden die Speicherung von Verbindungsdaten am liebsten für einen Zeitraum von sechs Monaten ohne konkreten Anlass ermöglichen würden, hatten in den vergangenen Wochen zwar Kompromissbereitschaft signalisiert, jedoch nur in der Frage der Speicherdauer. So hatte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier laut <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article13396785/So-will-Bouffier-die-Anti-Terror-Gesetze-retten.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Presseberichten</a> jüngst eine Speicherfrist von drei statt sechs Monaten als Kompromissvorschlag in die Diskussion eingebracht.</p>
<p>Bereits in den vergangenen Tagen und Wochen hatten sowohl Gegner als auch Befürworter in der <a href="http://www.rp-online.de/politik/deutschland/FDP-Innenminister-tritt-Verfassung-mit-Fuessen_aid_1004694.html">Debatte</a> ihr Terrain mit deutlichen Worten abgesteckt. So nannte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich die Gegner der Vorratsdatenspeicherung „linksliberale Fundamentalisten“. Lasse Becker, Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, grenzte sich daraufhin in Anspielung auf Friedrichs Äußerungen von „konservativen Verfassungsgegnern“ ab.</p>
<p>Die gesetzliche Neuregelung der Vorratsdatenspeicherung war nötig geworden, nachdem sich das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe im März 2010 zwar nicht grundsätzlich gegen das Instrument der Vorratsdatenspeicherung ausgesprochen hatte, die konkrete Ausgestaltung der damals gültigen Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung im Zuge einer Sammelklage jedoch für verfassungswidrig <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg10-011" target="_blank" rel="noopener noreferrer">erklärt</a> hatte.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Hans-Peter Friedrich und die Netzpolitik</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/hans-peter-friedrich-und-die-netzpolitik-5265/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/hans-peter-friedrich-und-die-netzpolitik-5265/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johann Eggert]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2011 11:50:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Peter Friedrich]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Netzsperren]]></category>
		<category><![CDATA[Cornelia Rogall-Grothe]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit Anfang März ist Hans-Peter Friedrich Bundesminister des Inneren. Sein Amtsvorgänger Thomas de Maizière konnte die angekündigte umfassende Online-Strategie des Bundes nicht mehr umsetzen. Wie versteht Hans-Peter Friedrich sein neues Amt aus netzpolitischer Perspektive, welche Initiativen hat er angestoßen und mit welcher Kritik sieht er sich aktuell konfrontiert? politik-digital.de zieht eine erste Bilanz.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Anfang März ist Hans-Peter Friedrich Bundesminister des Inneren. Sein Amtsvorgänger Thomas de Maizière konnte die angekündigte umfassende Online-Strategie des Bundes nicht mehr umsetzen. Wie versteht Hans-Peter Friedrich sein neues Amt aus netzpolitischer Perspektive, welche Initiativen hat er angestoßen und mit welcher Kritik sieht er sich aktuell konfrontiert? politik-digital.de zieht eine erste Bilanz.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>“Lieber bin ich ein liberaler Fundamentalist als ein konservativer Verfassungsgegner&#8221;. Mit diesen deutlichen Worten reagierte Lasse Becker, der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, in einer Äußerung gegenüber der <a href="http://www.rp-online.de/politik/deutschland/FDP-Innenminister-tritt-Verfassung-mit-Fuessen_aid_1004694.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rheinischen Post</a>. Der Doktorand der Volkswirtschaft bezog sich auf Äußerungen des Bundesinnenministers, der in der <a href="http://www.bild.de/news/standards/bild-kommentar/linksliberale-fundamentalisten-18130486.bild.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BILD</a>-Zeitung mit den Kritikern der Online-Überwachung ins Gericht gegangen war. Der Vorsitzende des FDP-Nachwuchses steht mit seiner äußerst skeptischen Meinung hinsichtlich der datenschutz- und netzpolitischen Vorstellungen des neuen Innenministers jedoch keinesfalls alleine da. Friedrich, noch bis Anfang März Chef der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, ist kraft seines Amtes einer der maßgeblichen Ansprechpartner für netzpolitische Belange auf bundespolitischer Bühne. Seinem Ministerium ist die Staatssekretärin und „Bundes-CIO“ Cornelia Rogall-Grothe zugeordnet. Sie hatte diese Position bereits unter Friedrichs Amtsvorgänger inne.</p>
<p>Neben den Themen Vorratsdatenspeicherung und Netzsperren, die er von Thomas de Maizière (CDU) &#8220;geerbt&#8221; hatte, hat Friedrich in seinen ersten Amtsmonaten auch mit eigenen Akzenten aufgewartet. So machte er bei der Vorstellung der jüngsten Polizeilichen Kriminalstatistik auf die stetig zunehmende Internetkriminalität aufmerksam. Notwendig seien, so Friedrich, aber keine neuen Gesetze, sondern Selbstverpflichtungen der Internetwirtschaft. “Das Internet braucht nicht immer gleich Gesetze“, schrieb Friedrich mit Blick auf die Debatte über Googles Geodaten-Dienst „Streetview“ in einem <a href="http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:gastkommentar-des-innenministers-das-internet-braucht-nicht-immer-gleich-gesetze/60056634.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gastkommentar</a> für die Financial Times Deutschland. In einem gewissen Widerspruch hierzu stehen Friedrichs frühere Aussagen hinsichtlich der Bekämpfung von Internetkriminalität.</p>
<p><strong>Internet-Kriminalität</strong><br />
Der studierte Jurist aus dem oberfränkischen Neila sprach sich erst kürzlich wieder für mehr Sicherheit im Internet aus. Künftig müssten Internetanbieter, Wirtschaft, Bürger und Staat enger zusammenarbeiten, um das Internet als sicheren Raum weiter zu erhalten. Der Staat müsse stärker als Partner gesehen werden, sagte der Minister anlässlich eines Besuchs beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden. &#8220;Das Stehlen digitaler Identitäten ist heute ein Massendelikt.&#8221;</p>
<p><strong>Anti-Terror-Kampf</strong><br />
Diese Initiative war jedoch nicht sein erster öffentlicher Vorstoß in netzpolitischer Hinsicht. Bereits gut einen Monat nach Antritt seines neuen Amtes hatte der CSU-Politiker durch eine sprachpolitische Novellierung versucht, der Debatte um die Vorratsdatenspeicherung eine neue Richtung zu geben. Bei einem seiner ersten größeren öffentlichen <a href="/alter-wein-in-neuen-schlaeuchen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Auftritte</a> regte der ehemalige Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Rahmen eines Kongresses der Deutschen Polizeigewerkschaft am 4. April an, nicht länger von einer in der Netzgemeinde äußerst kontrovers diskutierten Vorratsdatenspeicherung zu sprechen, sondern zukünftig von einer „Mindestspeicherfrist“ entsprechender Telefon- und Internetdaten. Ein Gesetzesvorhaben zur Neuregelung dieses Sachverhalts steht an, nachdem das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe die ursprünglichen Regierungspläne für die Vorratsdatenspeicherung als verfassungswidrig verworfen hatte.</p>
<p align="center"><img decoding="async" title="Hans-Peter Friedrich auf dem DPolG-Kongress in Berlin am 4. April 2011/ Foto: Johann Eggert" src="/wp-content/uploads/friedrich-dgpol_1.jpg" alt="Hans-Peter Friedrich auf dem DPolG-Kongress in Berlin am 4. April 2011/ Foto: Johann Eggert" width="480" height="307" /></p>
<p>Des weiteren &#8211; die Verlängerung der Sicherheitsgesetze zum Zweck der Terrorismusbekämpfung steht in naher Zukunft an &#8211; pochte Friedrich bereits auf eine Verlängerung der operativen Möglichkeiten zur Einsichtnahme in Telefon- und Internetdaten, die den Sicherheitsbehörden mit den Gesetzen an die Hand gegeben sind. Auch dies ist ein Feld, auf dem netz- und sicherheitspolitischer Streit mit dem Koalitionspartner FDP ins Haus steht, denn das FDP-geführte Justizministerium möchte nur vier von zehn Sicherheitsgesetzen verlängern und des weiteren den Militärischen Abschirmdienst (MAD) am liebsten ganz auflösen.</p>
<p><strong>Gegenspieler von Leutheuser-Schnarrenberger?<br />
</strong><br />
Vieles spricht also, betrachtet man Friedrichs bisherige netzpolitische Initiativen, dafür, dass dieser versucht, sich als kabinettsinterner Gegenspieler der auf die strikte Wahrung der Bürgerrechte eingestellten FDP-Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger zu profilieren. Bei dem bis vor wenigen Wochen ungelösten internetpolitischen Streitthema Netzsperren hatte sich die FDP-Seite im Koalitionsausschuss mit ihrer Forderung nach Abschaffung des „Zensursula-Gesetzes“ aus dem Jahr 2009 durchsetzen können. Auch beim Thema Vorratsdatenspeicherung liegen die inhaltlichen Standpunkte der Koalitionäre aktuell noch weit auseinander. Die FDP hatte als Alternative zur Ausgestaltung der von den Karlsruher Verfassungsrichtern bemängelten Vorratsdatenspeicherung ein sogenanntes <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bundesdatenschuetzer-plaediert-fuer-Quick-Freeze-statt-Vorratsdatenspeicherung-1021967.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Quick-Freeze-Verfahren“</a> vorgeschlagen, das auf Seiten des Bundesinnenministeriums und der Unionsfraktion prompt auf Ablehnung stieß.</p>
<p>Als vorläufiges Fazit bleibt festzuhalten, dass Friedrich zwar auf allen netzpolitisch relevanten Themenfeldern Pflöcke eingeschlagen hat, jedoch noch keine Strategien vorlegen konnte, die über die bereits im Juni 2010 vorgestellten <a href="http://www.bmi.bund.de/cae/servlet/contentblob/1099988/publicationFile/88667/thesen_netzpolitik.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Vierzehn Thesen zur Netzpolitik“</a>seines Amtsvorgängers Thomas de Maizière hinausweisen.</p>
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