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	<title>Hartz-Konzept &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Hartz-Konzept &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Chat mit Dirk Niebel (FDP)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[awegscheider]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Dec 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz-Konzept]]></category>
		<category><![CDATA[Dirk Niebel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><a href="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/dniebel.shtml#ta">tacheles.02</a>: 
Chat am 4. Dezember 2002<br />
</b> <br />
<br />
<b><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dniebel2.jpg" alt="Dirk Niebel" align="left" height="107" width="78" /></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><a href="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/dniebel.shtml#ta">tacheles.02</a>:<br />
Chat am 4. Dezember 2002<br />
</b> </p>
<p><b><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dniebel2.jpg" alt="Dirk Niebel" align="left" height="107" width="78" /></b><br />
Moderator:</b> Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Heute ist Dirk Niebel,<br />
der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, unser<br />
Gast. Vielen Dank Herr Niebel, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen<br />
sind.<br />
Herr Niebel, Sind Sie soweit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Ja, klar.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Heute gab es die neuen Zahlen der BfA. Die Zahl der Arbeitslosen lag im<br />
November bei 4,026 Millionen. Es ist der höchste November-Wert seit<br />
fünf Jahren. Sie waren Arbeitsvermittler in Heidelberg bis Sie 1998<br />
Abgeordneter wurden; Sie kennen also die Arbeitsämter aus eigener<br />
Erfahrung. Die Reform der Bundesanstalt für Arbeit soll maßgeblich<br />
zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit beitragen. Kann das funktionieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Wenn eine wirkliche Reform der Strukturen der Bundesanstalt eingeleitet<br />
und umgesetzt wird, kann der Arbeitsmarktausgleich deutlich beschleunigt<br />
werden. Leider sind davon bisher nur rudimentäre Anfänge zu<br />
erkennen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hartz: </b>Hätten<br />
Sie und Ihre Fraktion das Hartz-Konzept wortgetreuer umgesetzt? Was ist<br />
ihre Hauptkritik?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:<br />
</b>Nein, wir hätten das Hartz-Konzept nicht wortgetreuer umgesetzt.<br />
Hauptkritikpunkte waren und sind: Ich-AG statt Abschaffung des Scheinselbständigengesetzes,<br />
Personal Service Agenturen als faktische Verstaatlichung der Zeitarbeit<br />
statt wirkliche Deregulierung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes;<br />
500 Euro Haushaltsjobs statt eines wirkliche Niedriglohnbereiches.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ines</b>:<br />
Wie sinnvoll ist die Trennung der Arbeitslosenhilfe und die der Sozialhilfe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Die Trennung ist überhaupt nicht sinnvoll. Allein die Doppelverwaltung<br />
kostet uns 5 Milliarden Euro pro Jahr.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Resi: </b>Sie<br />
wollen, dass der Arbeitslose die Beweislast für die Zumutbarkeit<br />
eines Arbeitsplatzes erhält. Wie wollen Sie das moralisch rechtfertigen?<br />
Ist der Arbeitslose nicht eh schon arm genug dran?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel</b>:<br />
Solidarität ist keine Einbahnstraße. Wer eine zumutbare Beschäftigung<br />
ablehnt und weiterhin die Unterstützung der Solidargemeinschaft haben<br />
möchte, dem kann auch abverlangt werden nachzuweisen, dass er für<br />
diese Ablehnung einen wichtigen Grund hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>grafschaft:</b><br />
Kann man wirklich mit harten Konsequenzen im Sozialbereich die Arbeitslosigkeit<br />
drastisch drosseln?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:<br />
</b>Hier gilt das Prinzip: keine Leistung ohne grundsätzliche<br />
Bereitschaft zur Gegenleistung, oder auch: fördern und fordern genannt.<br />
Es muss auch jede Möglichkeit genutzt werden, in den Arbeitsprozess<br />
zurückzukehren, was manchmal durch falsche Anreizsetzung erschwert<br />
wird. Dies bedeutet nicht nur Einschnitte, sondern auch die Notwendigkeit,<br />
z.B. höhere Hinzuverdienstgrenzen in der Sozialhilfe zu ermöglichen.<br />
Zu deutsch: Wer arbeitet, muss mehr in der Tasche haben als wer nicht<br />
arbeitet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hartzer:</b><br />
Was ist denn zumutbar? Ist es zumutbar, dass ein Akademiker am Bau arbeitet,<br />
im Büro? Wo zieht man denn da die Grenzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Die Zumutbarkeitsregelungen im SGB III sind im Wesentlichen ausreichend.<br />
Sie müssen nur konsequenter angewendet werden.<br />
Moderator: SGB = Sozialgesetzbuch, das auch solche Dinge regelt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Einkommen nach der ersten Zeit der<br />
Arbeitslosigkeit bis zur Höhe des Leistungssatzes zumutbar ist. Eine<br />
Regelung die auch von rot-grün nicht geändert worden ist. Oder<br />
aber, dass Pendelzeiten erwartet werden können, um einen Arbeitsplatz<br />
zu bekommen. Darüber hinaus bedeutet es auch, gegebenenfalls nach<br />
einer längeren Zeit der Arbeitslosigkeit eine Tätigkeit unterhalb<br />
der formalen Qualifikation anzunehmen. Dies ist jeweils im Einzelfall<br />
zu entscheiden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Kleiner Kommentar zwischendurch von:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jobvermittler:</b><br />
Herr Niebel, mir ist zwar klar, dass das alles kompliziert ist, aber ihre<br />
Antworten sind sehr fachsprachlich. Geht’s auch deutlicher?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Klar geht’s auch deutlicher, aber auf Kosten der Genauigkeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ok, nächste Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sommer:</b><br />
Sind die Vorstandsgehälter großer Unternehmen nicht völlig<br />
unangemessen angesichts der derzeitigen Lage? Wo bleibt da die Solidarität<br />
mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:<br />
</b>Wenn ich mir die Abfindungen der Telekom-Manager angucke, empfinde<br />
ich die Größenordnung vor dem Hintergrund, dass die Kleinaktionäre<br />
keine Dividende bekommen, als unanständig. Grundsätzlich soll<br />
derjenige, der viel leistet, auch gut verdienen, wie manche Milliongehälter<br />
erwirtschaftet werden, ist mir dabei schwer erklärlich, aber irgendwie<br />
muss es sich ja wohl rechnen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>niebelungen:<br />
</b>Was ist mit Managementfehlern wie bei Babcock, Kirch oder Holzmann?<br />
Das kostet doch mehr Arbeitsplätze, als die wenigen Arbeitsunwilligen,<br />
auf denen alle rumhacken?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:<br />
</b>Managementfehler wird es immer wieder geben. Es ist dann allerdings<br />
sinnvoll, wenn nicht der Bundeskanzler mit Kamerateams versucht, diese<br />
zu Lasten von solide wirtschaftenden Firmen wie bei Holzmann kurzzeitig<br />
zu kaschieren. Das ändert aber gar nichts daran, dass Politik dafür<br />
Sorge tragen muss, dass die sozialen Sicherungssysteme denjenigen Hilfe<br />
geben, die sich alleine nicht helfen können, und diese Schwachen<br />
vor den Faulen schützt, die die Systeme ausnutzen wollen, sonst reicht<br />
das Geld nicht für die wirklich Bedürftigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pogo: </b>Die<br />
FDP fordert einen flexiblen Arbeitsmarkt zur Überwindung der Beschäftigungsmisere<br />
sowie tendenziell Lohnverzicht zur Rettung von Arbeitsplätzen. In<br />
Ostdeutschland ist die Arbeitslosigkeit fast doppelt so hoch wie im Westen<br />
und das, obwohl der ostdeutsche Arbeitsmarkt extrem flexibel ist: nur<br />
ca. 25 Prozent der ostdeutschen Unternehmen sind in einem Flächentarifvertrag<br />
organisiert, die Löhne sind gegenüber dem Westen niedriger und<br />
die Wochenarbeitszeit ist länger, warum also dennoch die hohe Arbeitslosigkeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Wären in Ostdeutschland nicht so flexible Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer<br />
und wären nicht so viele Betriebe aus den Arbeitgeberverbänden<br />
ausgetreten, wäre die Arbeitslosigkeit dort vermutlich doppelt so<br />
hoch. Auch rot-grün und die Gewerkschaften haben gegen diesen Umstand,<br />
dass kaum Tarifverträge angewendet werden, nichts unternommen, weil<br />
sie die Folgen kennen. In Ostdeutschland muss sich etwas wie eine mittelständische<br />
Wirtschaft immer noch entwickeln. Hier werden 80% der Ausbildungs- und<br />
70% der Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt. Das schafft man<br />
nicht, wenn der Staat fast alle Aufträge an Beschäftigungsgesellschaften<br />
gibt, wie es z.B. durch die im Jobaqtiv-Gesetz vorgesehenen sog. beschäftigungsfördernden<br />
Infrastrukturmaßnahmen fast notwendig ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mymelody:</b><br />
Naja: sich auf Vermutungen stützen wirkt aber nicht sehr sicher&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gast33:</b><br />
Na das macht den Ostdeutschen sicher Mut Herr Niebel &#8211; wie sehen sie denn<br />
blühende Landschaften entstehen, etwa in Sachsen-Anhalt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel</b>:<br />
Zu gast33: Zum Beispiel wie in der vorigen Antwort angedeutet: 1. Gesetzgebung,<br />
die Privaten die Möglichkeit gibt, am Markt teilzunehmen. 2. eine<br />
Steuer- und Abgabenpolitik, die es den Bürgern ermöglicht, zu<br />
konsumieren und den Betrieben zu investieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>küstenniebel</b>:<br />
Ja aber angesiedelt und subventioniert werden doch von allen Parteien<br />
eher vorzeigbare Großprojekte wie BMW (glaube ich?) in Leipzig,<br />
oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Ansiedlung zu unterstützen ist etwas anderes als a) dauerhaft zu<br />
subventionieren oder b) durch rechtliche Rahmenvorgaben Wettbewerb zu<br />
verhindern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>küstenniebel:</b><br />
Sie sagen: Nur wenn die Lohnnebenkosten der Unternehmen endlich deutlich<br />
gedrückt werden, werden vor allem im lohn- und beschäftigungsintensiven<br />
Mittelstand wieder nachhaltig Stellen entstehen. Billiglohnland D? Dann<br />
geht der Konsum im Inland auch nicht hoch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Das habe ich nie gesagt. Lohnnebenkosten belasten Unternehmen und Arbeitnehmer<br />
in gleicher Weise. Beide müssen entlastet werden, um Konsum und Investitionen<br />
anzukurbeln. Nur das schafft Arbeitsplätze, und nur wer Arbeit hat,<br />
kann auch Steuern und Abgaben zahlen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>petra:</b><br />
Regiert zurzeit der DGB Deutschland?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jüsi:</b><br />
Wie beurteilen Sie die Rolle der Gewerkschaften in Deutschland? Hindern<br />
sie das Land am wirtschaftlichen Aufschwung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Ich anerkenne die Notwendigkeit von Gewerkschaften, weil ich nicht möchte,<br />
dass Arbeitnehmer ausgebeutet werden. Ich anerkenne nicht, wenn die Gewerkschaften<br />
versuchen, die Richtlinien der Politik zu bestimmen. Das müsste der<br />
Bundeskanzler machen. Leider hat er sich durch die Wahlkampfführung<br />
und die Tatsache, dass 74,1% der Mitglieder der SPD Fraktion und fast<br />
25% der Mitglieder der Grünen Fraktion Gewerkschaftsmitglieder sind,<br />
in eine erhebliche Abhängigkeit gebracht. Das führt dazu, dass<br />
der Einfluss der Gewerkschaften auf die Regierungspolitik ungesund groß<br />
ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pogo: </b>Bundeskanzler<br />
Gerhard Schröder (SPD) hat sich gegen die Pläne einiger SPD-Länder<br />
zur Wiedereinführung der Vermögensteuer gewandt. Ist das Thema<br />
damit vom Tisch oder nur ein Trick vor den Landtagswahlen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Nein. Der Bundeskanzler hat den entsprechenden SPD-Länder faktisch<br />
freie Hand gelassen. Das Thema ist noch nicht erledigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dicki</b>:<br />
Aber die Politik braucht eine freie Wirtschaft, die mitzieht und nicht<br />
ins Ausland abwandert bzw. damit droht. Wer zahlt denn keine Steuern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Die Vermögenssteuer ist aus mehreren Gründen abzulehnen: 1.<br />
Sie ist verfassungswidrig, weil die Gesamtbelastung der Menschen und der<br />
Unternehmen in diesem Land zu hoch ist. 2. Sie besteuert aus bereits versteuertem<br />
Einkommen bestehendes Vermögen. 3. Der größte Teil der<br />
kleinen und mittleren Betriebe sind Personengesellschaften, bei denen<br />
Privat &#8211; und Betriebsvermögen nicht voneinander getrennt werden können.<br />
Hier wird die Substanz der Unternehmen besteuert und dadurch Arbeitsplätze<br />
vernichtet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>homer:</b><br />
Befürworten Sie einen von der CDU/CSU initiierten Untersuchungsausschuss<br />
zum sogenannten Wahlbetrug der SPD?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kazak: </b>Die<br />
Regierungsseite wird möglicherweise die Wahlversprechen der Regierung<br />
Kohl zum Thema machen. Droht damit nicht ein kleinteiliges gegenseitiges<br />
Aufrechnen von Fehlern, so dass sich am Ende die Öffentlichkeit angewidert<br />
abwendet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel</b>:<br />
Ich denke, dass der Untersuchungsausschuss deshalb notwenig ist, weil<br />
ein großer Unterschied darin besteht, sich mit Einschätzungen<br />
vor der Wahl geirrt zu haben oder regierungsamtlich erworbene Kenntnisse<br />
wissentlich zurückgehalten zu haben. Ein kleinteiliges gegenseitiges<br />
Ausrechnen von Fehlern kann durch die konkrete Fragestellung des Untersuchungsausschusses<br />
verhindert werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Einen &quot;Egomanen&quot;, von dem sich die Liberalen &quot;nicht<br />
immer wieder in Geiselhaft nehmen&quot; lassen dürften &#8211; so haben<br />
Sie Jürgen W. Möllemann vor kurzem genannt. Der hat noch immer<br />
sein Bundestagsmandat, wie werden Sie ihn begrüßen, wenn Sie<br />
sich demnächst im Bundestag begegnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Das Bundestagsmandat kann er nur selbst niederlegen. Parteien und Fraktionen<br />
haben auf die Mandate richtigerweise keinen Zugriff. Die FDP-Bundestagsfraktion<br />
hat das Ausschlussverfahren gegen Herrn Möllemann eingeleitet, weil<br />
eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihm nicht mehr möglich ist.<br />
Das gilt für mich ganz genau so. Wenn er die Möglichkeit des<br />
rechtlichen Gehörs wahrnimmt, werde ich ihn ganz normal begrüßen<br />
und für seinen Ausschluss aus der Fraktion stimmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>supergirl:</b><br />
Hätte sich Westerwelle nicht eher von Möllemann distanzieren<br />
müssen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Guido Westerwelle weiß in der rückschauenden Betrachtung auch,<br />
dass er früher, klarer hätte agieren müssen. Dies war auch<br />
schon im Mai meine Meinung. Damals war er in der Situation, den Laden<br />
zusammenhalten zu wollen und möglichst intern den Konflikt zu lösen.<br />
Heute wissen wir, dass das nicht funktioniert hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>russland:<br />
</b>War Westerwelle zu feige, sich von dem Mann zu trennen, der die<br />
FDP in Nordrhein Westfalen erst hoch gebracht hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Westerwelle war zu keinem Zeitpunkt gegenüber Möllemann feige.<br />
Er hat als Vorsitzender zunächst versucht, das Problem intern zu<br />
lösen. Er hat Beschlüsse aller Parteigremien herbeigeführt,<br />
die Möllemanns Verhalten missbilligt haben. Möllemann hat sich<br />
für sein Verhalten bei ihm entschuldigt und Besserung gelobt. Zumindest<br />
bei letzterem hat er es mit der Wahrheit nicht so genau genommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>homer: </b>Wie<br />
stehen Sie inhaltlich zum Wahlkampfblatt von J.W.Möllemann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>brüderchen:<br />
</b>Distanzieren Sie sich auch von seinen Inhalten wie den Attacken<br />
auf jüdische Mitbürger und das Stimmenfangen am rechten Rand?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Ich habe mich von Anfang an intern und öffentlich von den einseitigen<br />
anti-israelischen politischen Aussagen Möllemanns distanziert und<br />
werde das auch in Zukunft weiterhin laut und deutlich tun.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wellerückwärts:</b><br />
Befürchten Sie nicht hohe Stimmenverluste bei den Landtagswahlen<br />
durch die Möllemann-Posse?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Die Möllemann-Affäre überlagert leider unsere inhaltliche<br />
politische Arbeit. Dennoch rechne ich bei beiden Landtagswahlen mit einem<br />
guten Ergebnis für die FDP. In Hessen wird die gute Regierungsarbeit<br />
von Ruth Wagner zur Wiederwahl gestellt. Und in Niedersachsen geht es<br />
bei der Landtagswahl nicht mehr um die Frage, wer Kanzlerkandidat der<br />
SPD wird, wie beim letzten Mal, sondern um landesspezifische Fragen, aber<br />
auch um eine Beurteilung der Arbeit der Bundesregierung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>anton_wohlfahrt:<br />
</b>Ist Möllemann nicht auch ein Bauernopfer, weil die FDP sich<br />
so massiv verkalkuliert hat mit ihren 18%?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Nein. Möllemann ist Täter und nicht Opfer. Außerdem haben<br />
wir die Ziele, die das Projekt 18 beinhaltet, nicht aufgegeben. Wir werden<br />
weiterhin als eigenständige liberale Partei daran arbeiten, möglichst<br />
viele Menschen auf dem Weg zur Reform für unser Land zu überzeugen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wasserwoge:</b><br />
Die FDP beutelt es ja ziemlich durch. Wahldebakel, Möllemann. Ist<br />
jetzt der Spaß in der Spaßpartei vorbei?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>brüderchen</b>:<br />
Ist das Projekt 18% vorbei und auch die Zeiten des Guidomobils? Warum<br />
sind sie diesem Irrweg gefolgt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Die FDP hat immer einen sachlichen Wahlkampf mit politisch notwendigen<br />
Forderungen geführt, die wir versucht haben, medial interessant den<br />
Menschen zu vermitteln. Die politischen Inhalte sind immer noch notwendig,<br />
um die Probleme Deutschlands in der Zukunft zu lösen. Das Guidomobil<br />
unterschied sich von Joseph Fischers Tour-Bus vor allem dadurch, dass<br />
es sieben Liter weniger auf 100 km verbrauchte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>floppy:</b><br />
Aber die 18 % sind demnach vom Tisch, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:<br />
</b>Die 18% waren für mich immer synonym für eine starke<br />
liberale Partei. Das Ziel ist das Gleiche und wer sich in Europa umsieht,<br />
wird feststellen, dass fast jedes unserer Nachbarländer eine oder<br />
zwei liberale Parteien hat, die ähnliche Wahlergebnisse schon erreicht<br />
haben. Wir arbeiten dran.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gulli:</b><br />
Arbeitet der umstrittene Berater Herr Goergen noch für die FDP? Er<br />
ist doch mitverantwortlich für den Kurs 18 und Fun-Faktor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Er arbeitet nicht mehr für die FDP und ist auch nicht Mitglied der<br />
FDP.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>brüderchen:<br />
</b>Der Noch-Liberale Jürgen W. Möllemann hat seiner Partei<br />
für den Fall eines Ausschlusses unmissverständlich gedroht:<br />
Dann werde er eine eigene Partei gründen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>7%:</b><br />
Vom Überflieger zur Unperson, ein Haider in Deutschland?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Wenn Möllemann meint, eine Partei gründen zu wollen, soll er<br />
das tun. Er wird sich wundern, wie wenige ihm folgen. Eine derartige Partei<br />
könnte im besten Fall am äußerst rechten Wählerspektrum<br />
agieren. Ich halte dies für nicht sonderlich erfolgsversprechend.</p>
<p><b>libertine:</b> Droht, wenn Möllemann eine Partei gründet,<br />
eine populistische FDP ähnlich der FPÖ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Zu libertine: Eine populistische FDP wird es nicht geben. Der Reformdruck<br />
in der Mitte der Gesellschaft ist groß genug, um unsere Ziele durchzusetzen.<br />
Auch die Verhinderung einer Haiderisierung der FDP gebietet es, sich von<br />
Herrn Möllemann zu trennen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sepp: </b>Wird<br />
die FDP in zukünftigen Wahlkämpfen wieder verstärkt auf<br />
Programm und weniger auf Show setzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel</b>:<br />
Wir haben immer sehr stark auf unsere programmatischen Aussagen gesetzt.<br />
Manches muss man mediengerecht verpacken, um wahrgenommen zu werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Letzte Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sepp:</b><br />
Wird die FDP in Zukunft wieder Kanzlerkandidaten aufstellen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel:</b><br />
Die Frage von Kanzlerkandidaturen stellt sich zur Zeit nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Sehr geehrter Herr Niebel, liebe Chatterinnen und Chatter, eine<br />
Stunde ist vorbei. Ich danke Herrn Niebel für&#8217;s Kommen und den Chat-Interessierten<br />
für die Fragen. </span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk Niebel</b>:<br />
Es tut mir leid, dass ich nicht alle Fragen beantworten konnte, aber die<br />
Zeit vergeht wie im Fluge, wenn man sich mit Dingen beschäftigt,<br />
die Spaß machen.<br />
Vielen Dank und auf Wiedersehen.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Chat mit Dietrich Austermann (CDU)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[awegscheider]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Dec 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz-Konzept]]></category>
		<category><![CDATA[Dietrich Austermann]]></category>
		<category><![CDATA[Lüge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><a href="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/daustermann.shtml#ta">tacheles.02</a>: 
Chat am 2. Dezember 2002<br />
</b> <br />
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><a href="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/daustermann.shtml#ta">tacheles.02</a>:<br />
Chat am 2. Dezember 2002<br />
</b> </p>
<p><b><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dausterm.gif" alt="Dietrich Austermann" align="left" height="107" width="90" /></b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Für die nächste<br />
Stunde ist Dietrich Austermann, haushaltspolitischer Sprecher der Unionsfraktion<br />
im Bundestag, Chat-Gast hier im ARD-Hauptstadtstudio.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. </span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Kann<br />
es losgehen, Herr Austermann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:</b><br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herr Austermann, Sie sind Haushaltsexperte der Unionsfraktion &#8211; was kostet<br />
den Steuerzahler der vor einer Stunde von der Union beschlossene Untersuchungsausschuss<br />
zu den angeblichen Wahlkampflügen von Rot-Grün?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann</b>:<br />
Er kostet soviel wie jeder andere Ausschuss des Parlaments auch, d.h.<br />
er ist in den Kosten des Bundestages insgesamt enthalten. Für den<br />
Bürger dürfte er sich auszahlen, wenn dadurch künftig vermieden<br />
wird, dass eine Regierung so schamlos die Wähler betrügt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hergan:</b><br />
Wahlbetrug-Ausschuss: Haben Sie auch für den Ausschuss gestimmt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:</b><br />
Ja. Ich bin davon überzeugt, dass es aus Gründen der politischen<br />
Hygiene und zur Abschreckung für alle Politiker notwendig ist darauf<br />
hinzuweisen, dass Amtsautorität und Regierungsämter nicht missbraucht<br />
werden dürfen gegen Bürger, die Vertrauen haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sparsocke33:</b><br />
Ist das Ergebnis der Arbeit nicht vorhersehbar? Geht es Ihnen auch darum,<br />
die Regierung bis zu den Landtagswahlen Anfang Februar in Hessen und Niedersachsen<br />
vorzuführen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann</b>:<br />
Das Ergebnis des Untersuchungsausschusses wird vor der Wahl im Februar<br />
nicht bekannt sein. Der Ausschuss wird erst in der letzten Dezemberwoche<br />
seine Arbeit aufnehmen. Wenn ich wüsste, welches Ergebnis der Ausschuss<br />
hat, brauchten wir dieses Gremium nicht. Wir haben einen gezielten Verdacht,<br />
dass die Regierung Kenntnisse und Wissen nicht in dem Maße eingesetzt<br />
hat, wie es der Wahrheit am ehesten entsprechen würde. Wir haben<br />
Vermutungen zur wirtschaftlichen Entwicklung geäußert, die<br />
sich jetzt bestätigt haben. Die Regierung hat das Gegenteil behauptet,<br />
obwohl sie es hätte besser wissen müssen. Jeder Bürger<br />
muss dem Staat gegenüber bei Steuererklärungen und ähnlichem<br />
wahrhaftig sein und vollständige Auskunft geben. Da kann niemand<br />
Verständnis haben, wenn es umgekehrt für die Regierung ohne<br />
Konsequenzen bleibt, wenn sie die Bürger täuscht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fis.kus: </b>Politische<br />
Hygiene? Wäre es nicht auch hygienisch gewesen, wenn Ex-Bundeskanzler<br />
Kohl seine Spender verraten hätten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:</b><br />
Der Unterschied liegt hier darin, dass in einem Fall Helmut Kohl als Parteivorsitzender<br />
gehandelt bzw. geschwiegen hat. Im vorliegenden Fall wird die Regierung<br />
auf dem Feld tätig, in dem nur die Regierung tätig werden kann.<br />
Nach Schwindeleien von Schröder als Parteivorsitzendem wird in dem<br />
Untersuchungsausschuss nicht gefragt.<br />
gerard: Mal ganz demokratietheoretisch: Muss nicht jede Partei im Wahlkampf<br />
so sehr verkürzen, dass der Unterschied zu einer Lüge oft kaum<br />
spürbar ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:</b><br />
Ich muss noch einmal wiederholen, dass es nicht um Aussagen von Politikern,<br />
von Wahlkämpfern oder Abgeordneten geht, die in dem Untersuchungsausschuss<br />
bewertet werden sollen. Wir wollen die Tätigkeit von Personen unter<br />
die Lupe nehmen, die für das, was sie getan haben, einen Eid geleistet<br />
haben. Zu ihrer eigentlichen Frage: Auch nach 20 Jahren im Bundestag bemühe<br />
ich mich, die Dinge so darzustellen, dass ich morgens und abends in den<br />
Spiegel sehen kann. Bei Herrn Eichel scheint der Spiegel heruntergefallen<br />
zu sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gerard:</b><br />
Das ist schon klar: Aber deswegen habe ich ja ganz allgemein nach der<br />
Demokratietheorie gefragt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:</b><br />
Zur Demokratie gehört die Wahrhaftigkeit in der Politik genauso wie<br />
die Wahrhaftigkeit bei privaten Verträgen und persönlichen Beziehungen.<br />
Als Kandidat und Abgeordneter bewirbt man sich um das Vertrauen des Wählers,<br />
das bekommt man nur, wenn man auch nach der Wahl das tut, was man vor<br />
der Wahl versprochen hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fis.kus:</b><br />
Meiner Meinung nach hat sich das politische Klima in Deutschland extrem<br />
verschlechtert. Dass der Wind so rau geworden ist, daran hat auch die<br />
CDU/CSU Schuld. Dem Bürger dient das alles nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann</b>:<br />
Ich weiß nicht, woraus sie das Verschulden der Union an der gegenwärtigen<br />
Situation ableiten. Wir haben eine klare rot-grüne Mehrheit seit<br />
Ende 1998, die lange auch eine Mehrheit im Bundesrat hatte. Wir haben<br />
seit einem Jahr auf die Gefahr einer sich abzeichnenden Rezession hingewiesen.<br />
Unsere schlimmsten Erwartungen sind übertroffen worden. Wir haben<br />
auch im Bundestag konkrete Vorschläge gemacht, die helfen sollten,<br />
die wirtschaftliche Situation zu verbessern. Als wir 1998, also vor 4<br />
Jahren, abgewählt wurden, lag dies wohl auch daran, dass wir auf<br />
die Notwendigkeit von Strukturveränderungen hingewiesen haben, und<br />
diese auch durchsetzen konnten, bei Rente, Krankenversicherung und auf<br />
dem Arbeitsmarkt. Schröder ist es Mitte 1998 gelungen, die Bürger<br />
in die Irre zu führen, indem er behauptet hat, es ginge ohne die<br />
von uns vorgeschlagenen Einschränkungen. Die jetzige Rezession ist<br />
Schröders Rezession.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sorge22:</b><br />
CDU-Vize Christoph Böhr sagte dazu: &quot;Mir persönlich wäre<br />
es lieber, wenn unsere Bundestagsfraktion als Verfassungsorgan Klage beim<br />
Bundesverfassungsgericht einreichen dürfte. Dann könnten wir<br />
die Frage aus dem politischen Meinungsstreit heraushalten.&quot; Stimmen<br />
sie dem zu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:<br />
</b>Jeder weiß, das Verfahren vor dem Verfassungsgericht einen<br />
erheblichen Zeitbedarf benötigen. Jetzt geht es darum, dafür<br />
zu sorgen, dass mit den Erkenntnissen des Untersuchungsausschusses die<br />
Strafe für die Regierung durch die Offenlegung ihres Verhaltens auf<br />
dem Fuße folgt. Trotzdem ist der Gedanke von Herrn Böhr in<br />
der Richtung sicher nicht falsch. Es geht in der Tat darum, dass ein Verfassungsorgan,<br />
also die Bundesregierung, ihre Stellung gegenüber dem Souverän,<br />
also dem Volk, missbraucht hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>gerard:</b> Wie ist dass denn mit Frau Merkel gewesen: Die<br />
Presse schrieb, dass sie von Koch geradezu genötigt worden wäre,<br />
sich für den Ausschuss stark zu machen. Ist da was dran?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:</b><br />
Ich war bei den internen Sitzungen nicht dabei, habe aber selbst vielleicht<br />
als erster in der Bundestagfraktion bereits in der vorletzten Sitzung<br />
des Bundestages öffentlich den Ausschuss ins Gespräch gebracht.<br />
Nach der Darstellung im Fraktionsvorstand heute bin ich davon überzeugt,<br />
dass Angela Merkel und Roland Koch von Anfang an einem Strang gezogen<br />
haben. Die Debatte in unserer Fraktion heute hat gezeigt, dass die Fraktion<br />
sich auch nicht fernsteuern lassen würde.<br />
Moderator: Wie war den die Debatte heute in der Fraktion? Wie haben ihre<br />
Fraktionskollegen argumentiert, die gegen den Ausschuss waren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann</b>:<br />
Teilweise gab es die Sorge, dass die Bürger annehmen könnten,<br />
<br />
wir würden uns nur mit Vergangenheitsbewältigung, also mit dem<br />
letzten Wahlkampf befassen. Diese Sorge wurde schnell zerstreut, als auf<br />
die bevorstehende Debatte in dieser Woche und auf das heute vorgestellt<br />
10-Punkte Programm zur wirtschaftlichen Belebung verwiesen wurde. Wir<br />
wollen die Kontrolle der Regierung, aber natürlich auch unseren Beitrag<br />
leisten, damit es in Deutschland vorwärts und wieder aufwärts<br />
geht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen:</b><br />
Anderes Thema. Meines Erachtens viel wichtiger: Was würde die CDU<br />
besser machen ? Heide Simonis (SPD) fordert ja von ihrem Bundeskanzler<br />
eine &quot;Schweiß, Blut und Tränen-Rede&quot; ! Wäre<br />
das nicht ein Weg, den die CDU bestreiten könnte? Gerade vor den<br />
Wahlen im Februar könnte hier gezeigt werden, dass die CDU, im Gegensatz<br />
zu den Regierungsparteien, ehrlich an die Sache rangeht!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:</b><br />
Das Problem liegt darin, dass rot-grün nach wie vor im Bundestag<br />
eine klare Mehrheit hat, und bisher nicht bereit ist zu Kompromissen in<br />
Fragen der Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Finanzpolitik. Zur Zeit wird<br />
die Bundesregierung aus der DGB Zentrale ferngesteuert. Unsere Vorschläge<br />
zur Verbesserung der Situation lauten: Ein ehrlicher Kassensturz, ein<br />
Finanzvorbehalt für alle neuen Ausgaben, die Entriegelung des Arbeitsmarktes<br />
(Minijobs, Scheinselbständigkeit, befristete Beschäftigung,<br />
Betriebsverfassung), die Erleichterung von Genehmigungen, wirkliches Sparen<br />
(zur Zeit haben wir die teuerste Regierung aller Zeiten), Subventionsabbau,<br />
Bekämpfung des Umsatzsteuerbetruges, Stärkung von Investition,<br />
Steuersenkung für Mittelstand und Bürger, und Strukturreformen<br />
bei den Sozialsystemen. Die Regierung tut leider das Gegenteil, indem<br />
sie die Steuern am 1. Januar um fast 15 Mrd. Euro erhöht, den Arbeitsmarkt<br />
verriegelt und Investitionen drosselt. Weil kein Vertrauen da ist in eine<br />
vernünftige Entwicklung, wird das vorhandene Geld von Bürgern<br />
und Betrieben nicht investiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Damit hat sich diese Frage von&#8230;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zapzarap:<br />
</b>&quot;Zehnpunkteprogramm für Wachstum und Arbeit&quot; ,<br />
was ist der Kern davon?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
wohl erledigt. Aber die Frage ist noch offen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>zapzarap:</b><br />
DGB ferngesteuert und Sie vom BDI (Bund Deutscher Industrie) oder BDA<br />
(Arbeitgeberverbände)?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Dietrich Austermann:</b> Sozial ist, was Arbeit schafft.<br />
Ich fühle mich den Arbeitnehmern und den Unternehmen verpflichtet,<br />
und hier besonders den Mittelständlern, die den Löwenanteil<br />
aller Arbeits- und Ausbildungsplätze stellen. Wenn wir ihnen die<br />
Arbeit immer schwerer machen, nehmen wir ihnen die Lust am investieren.<br />
Das verhindert Einstellungen und Mehrbeschäftigung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen:</b><br />
Fakt ist doch, die Bürger im Lande sind nicht blöd. Jeder weiß,<br />
dass in Zukunft Opfer nötig sind. Warum geht die CDU nicht in die<br />
Offensive ?! Ein großer Teil der Bevölkerung ist bereit, Opfer<br />
zu bringen. Aber nur, wenn ein klares Konzept auf dem Tisch liegt und<br />
nicht weiter &quot;das Blaue vom Himmel&quot; erzählt wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:<br />
</b>Ich habe darauf hingewiesen, dass wir bereits vor 1998 klar Opfer<br />
verlangt haben. Dies wurde auch in Gesetzen durchgedrückt,. zum Beispiel<br />
um Arbeit billiger zu machen, Veränderungen bei befristeter Beschäftigung,<br />
Lohnfortzahlung, Kündigungsschutz, Zuzahlung bei Krankenversicherung<br />
usw. Diese Ehrlichkeit wurde uns nicht gedankt. Trotzdem sagen wir, obwohl<br />
dies eigentlich Sache des Kanzlers wäre, es geht bei Rente und Krankenversicherung<br />
nicht ohne eine Beschränkung auf die Grundleistungen. SPD Generalsekretär<br />
Scholz hingegen behauptet, es ginge die nächsten 10 Jahre ohne Veränderung<br />
bei der Rente. Weshalb hat die Koalition dann eine Rentenkommission eingerichtet?<br />
Wir sind bereit, heute den Bürgern zu sagen, dass es ohne längere<br />
Arbeitszeit nicht geht, wenn nicht immer weniger Arbeitnehmer für<br />
immer mehr Rentner aufkommen sollen. Zur Zeit entlasten sich viele Betriebe<br />
über Vorruhestand und Altersteilzeit zu lasten des Arbeitsamtes,<br />
und erfahrene arbeitsfähige Frührentner laufen auf der Straße<br />
herum. Andererseits ist nicht einzusehen, dass wir alleine von Opfern<br />
reden, während sich Schröder und Eichel darauf beschränken,<br />
50 Steuern zu erhöhen, sich im Übrigen aber einen schlanken<br />
Fuß machen und die Zukunft verweigern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sorge22: </b>Zu<br />
Beginn des Jahres hatten alle Wirtschaftsforschungsinstitute prognostiziert,<br />
&quot;dass wir in der zweiten Hälfte des Jahres todsicher mit Aufschwungstendenzen<br />
werden rechnen können&quot;. Wie waren denn vor Monaten ihre Prognosen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:</b><br />
Am 16.11. 2001 habe ich während der Haushaltsdebatte für 2002<br />
darauf hingewiesen, dass der Haushalt an der Verfassungsgrenze laboriert.<br />
Ich habe Eichel vorgeworfen, dass er mit seiner Defizitmeldung gegenüber<br />
Brüssel bei einem Wachstum von 1,25 Prozent voll daneben liegen würde.<br />
Bereits seit Anfang 2001 ist zu erkennen, dass die Arbeitslosigkeit saisonbereinigt<br />
ständig angestiegen ist. Die zunehmende Zahl der Pleiten war ein<br />
weiterer Beleg für die schlechte wirtschaftliche Entwicklung. Dies<br />
gilt auch für das Wegbrechen der Steuereinnahmen. Wenn Eichel sich<br />
darauf beruft, dass angeblich alle Prognosen seine Position bestätigt<br />
hätten, dann frage ich mich, wofür wir überhaupt einen<br />
Minister brauchen und nicht an seine Stelle einen Schreibautomaten stellen.<br />
Wo ist sein gesunder Menschenverstand geblieben, der die Entwicklung in<br />
unserem Land mit Vernunft kritisch begleitet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hergan:</b><br />
Hartz-Konzept: Sind CDU und SPD wirklich so weit auseinander oder spielt<br />
die CDU nur eine Rolle im Bundesrat, wegen der Wahlen in Niedersachen<br />
und Hessen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:</b><br />
Teile des Hartz-Konzepts sind akzeptabel und werden von uns unterstützt.<br />
Dies betrifft insbesondere die Bereiche, die die Zumutbarkeit betreffen<br />
und eigene Verantwortung der Arbeitnehmer stärken sollen. Einzelne<br />
Teile entsprechen aber nicht einmal mehr dem Konzept von Herrn Hartz,<br />
weshalb dieser sich inzwischen weigert, für die Vorstellungen der<br />
Regierung zu werben. Es macht beispielsweise keinen Sinn, den Lohn für<br />
Leiharbeit von Anfang an an den Tarif zu koppeln, weil damit der Anreiz,<br />
Arbeitnehmer zusätzlich einzustellen, entfällt. Auch das Brückengeld,<br />
das praktisch den Vorruhestand ausweitet, ist angesichts der Rentenfinanzen<br />
ziemlich unsinnig. Wir sind jedoch insgesamt, wie auch in anderen Bereiche,<br />
kompromissbereit wenn es darum geht, für mehr Beschäftigung<br />
zu sorgen, soweit der Staat das überhaupt kann. Ein bisschen haben<br />
wir den Verdacht, dass &quot;Hartz&quot; für sich genommen keinen<br />
zusätzlichen Arbeitsplatz schafft, allenfalls eine bessere Verwaltung<br />
der Arbeitslosigkeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lügenbaron25:</b><br />
Wie wollen Sie/CDU weg von der unverhältnismäßigen Entlastung<br />
der Großkonzerne? Gerade in einer so wirtschaftfreundlichen Partei<br />
wie der CDU, wo viele höhere Mitglieder schon in einem Vorstand sitzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:</b><br />
Dies ist für mich ein zentrales Thema. Die handwerkliche Unfähigkeit<br />
der Bundesregierung bei der Steuerreform 2000 und weitere Entscheidungen<br />
der rot-grünen Koalition haben dazu geführt, dass Kapitalgesellschaften<br />
als solche praktisch seit 2 Jahren keine Steuern mehr zahlen, während<br />
dies 2001 noch 44 Mrd. DM waren. Wir müssen Kapitalgesellschaften<br />
wieder gerechter besteuern und die zusätzlichen Steuern nehmen, um<br />
Mittelstand und Arbeitnehmer zu entlasten. Das steigert Investitionsbereitschaft<br />
und kostet unter dem Strich nichts, schafft aber zusätzliche Arbeitsplätze.<br />
Es war nachgerade unsozial, bei Kapitalgesellschaften die Veräußerung<br />
von Beteiligungen seit 2000 steuerfrei zu stellen, während Mittelständler<br />
und kleine Handwerksbetriebe in einer gleichen Situation hohe Steuern<br />
zahlen. Dies muss angeglichen werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard der<br />
Große:</b> Bei welchem Unternehmen sitzen Sie im Vorstand Herr<br />
Austermann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:<br />
</b>In keinem einzigen. Ich bin selbständiger Anwalt. Allerdings<br />
bin ich wegen der zeitlichen Beanspruchung nur noch in geringem Maße<br />
als Anwalt tätig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hartzaberherzlich:</b><br />
Die Hartz-Kommission hat das Rad nicht neu erfunden. Job-Center, Personalservice-Agenturen,<br />
Fördern und Fordern: So neu diese Begriffe in deutschen Ohren klingen,<br />
so vertraut sind sie anderswo. Sollten wir nicht mehr ins Ausland schauen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:</b><br />
Selbstverständlich ist der Blick über die Grenzen immer lehrreich.<br />
Ich kommen aus Schleswig-Holstein, der nördliche Nachbar Dänemark,<br />
über viel Jahre sozialdemokratisch regiert, hat es mit harten Konsequenzen<br />
im Sozialbereich geschafft, die Arbeitslosigkeit drastisch zu drosseln.<br />
Es geht vor allem darum, dass diejenigen, die nicht wollen, die Konsequenzen<br />
ihres Verhaltens spüren müssen. Das ist bei uns weder in der<br />
Sozialhilfe noch bei der Arbeitslosenhilfe im erforderlichen Maße<br />
der Fall. Ein junger Mensch, der eine Lehrstelle in Dänemark vorzeitig<br />
hinwirft, hat Problem beim Sozialamt. Dies ist deshalb richtig, weil gerade<br />
Ungelernte am ehesten arbeitslos sind. Vieles, was für Dänemark<br />
gilt, kann man auch in Holland bestätigt finden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jobflooder:</b><br />
Sind kollektive Kürzungen für Arbeitslose ein sinnvolles Instrument?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:</b><br />
Arbeitslosengeld ist eine Versicherungsleistung, für die Beiträge<br />
gezahlt wurden. Kollektive Kürzungen verbieten sich hier genauso,<br />
wie bei jeder anderen Versicherung. Allerdings muss überprüft<br />
werden, ob alles, was das Arbeitsamt tut, dem Versicherungsgedanken entspricht.<br />
Nur die Hälfte der Ausgaben der Bundesanstalt für Arbeit betreffen<br />
das Arbeitslosengeld. Anders sieht die Sache allerdings bei der Arbeitslosenhilfe<br />
aus, die aus dem Bundeshaushalt oftmals unbefristet gezahlt wird. Hier<br />
muss dringend eine Überprüfung und eine Anpassung an die Sozialhilfe<br />
vorgenommen werden, die in der Regel nur dann gezahlt wird, wenn Bedürftigkeit<br />
vorliegt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Viele Fragen und Meinungen zu Lüge, Wahrheit und Hartz.<br />
Zum Abschluss vielleicht noch eine kleine Hilfereichung für die Oppositionskolleginnen<br />
und Kollegen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>DoroM.:</b><br />
Was raten Sie der FDP im Zuge der Möllemann-Spendenaffäre aus<br />
der Sicht der CDU, die so etwas ja auch schon durchgemacht hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:<br />
</b>Wir sollten es ähnlich machen wie bei der FDP damals, und<br />
uns mit Ratschlägen oder gar Schadenfreude heraushalten. Meine Sorge<br />
ist, dass eine lange öffentliche Auseinandersetzung wegen des Fehlverhaltens<br />
von im wesentlichen einer Person die Partei über Jahre hinweg in<br />
einer negativen Diskussion hält. Wo bekommen wir dann einen Koalitionspartner<br />
her, wenn dies nötig ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chat-Gäste, sehr geehrter Herr Austermann. Unsere Chatzeit<br />
ist leider vorbei. Vielen Dank für Ihre Fragen. Wir würden uns<br />
freuen, Sie bei unserem nächsten Chat wieder begrüßen<br />
zu dürfen. Übermorgen, am Mittwoch, den 4. Dezember 2002, ist<br />
Dirk Niebel (FDP) von 18.00 bis 19.00Uhr zu Gast im tacheles.02 Live-Chat.<br />
Am Dienstag, 10. Dezember 2002, stellt sich SPD-Generalsekretär Olaf<br />
Scholz von 17.00 bis 18.00 Uhr Ihren Fragen. Vielen Dank, Herr Austermann,<br />
dass Sie sich die Zeit genommen haben, ins ARD-Hauptstadtstudio zu kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dietrich Austermann:</b><br />
Herzliche Grüße an alle Chatterinnen und Chatter. Ich hoffe,<br />
ich habe Sie davon überzeugt, dass Politik trotz allem interessant<br />
ist und wir uns bemühen, die Interessen der Bürger nicht aus<br />
dem Auge zu verlieren.</span>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Weitere Informationen<br />
zu Dietrich Austermann:</b></span>
</p>
<ul>
<li><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><a href="http://www.dietrich-austermann.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dietrich<br />
	Austermann </a></span></li>
</ul>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<a title="ta" name="ta"></a><b>tacheles.02</b> ist ein Format von <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau.de</a><br />
und <a href="http://www.politik-digital.de/index.shtml">politik-digital.de</a> und<br />
wird unterstützt von <a href="http://www.tagesspiegel.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesspiegel.de</a></span></p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat-mit-dietrich-austermann-cdu-274/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Der deutsche Einigungsprozess ist eine radikale Umstrukturierung, die kein Land dieser Welt in vergleichbarer F</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotder_deutsche_einigungsprozess_ist_eine_radikale_umstrukturierung_die_kein_land_dieser_welt_in_ve-323/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Aug 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Riester-Rente]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Riester]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz-Konzept]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wriester.jpg" alt="Walter Riester" align="left" height="90" width="80" /></b></span>
</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wriester.jpg" alt="Walter Riester" align="left" height="90" width="80" /></b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Sehr geehrte<br />
Damen und Herren! Herzlich willkommen im tacheles.02 Chat. tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von<br />
Der Tagesspiegel. Unser heutiger Gast im ARD Hauptstadtstudio ist Bundesarbeitsminister<br />
Walter Riester. Herr Riester, sind Sie bereit für sechzig Minuten Diskussion<br />
mit unseren Nutzern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Natürlich, gern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Morgen wird endlich das Geheimnis um die Hartz-Vorschläge gelüftet.<br />
Wäre es nicht schöner, alle würden von den Riester-Plänen<br />
reden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Die Riester-Pläne waren JUMP für Jugendliche, das sind 450.000<br />
zusätzliche Chancen in Ausbildung und Arbeit. Zweitens die Reduzierung<br />
der Arbeitslosigkeit Schwerbehinderter um 12Prozent, drittens die schnellere Vermittlung<br />
durch das Job-AQTIV-Gesetz. Und jetzt kommen die Hartz-Pläne.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>richy:</b><br />
Die Hartz-Vorschläge verbessern zwar vielleicht die Vermittlungsquote,<br />
gleichzeitig werden die Jobs aber weniger attraktiv – Leiharbeit, Testanstellungen,<br />
veränderte Zumutbarkeitsbestimmungen. Was tut man, um attraktive Jobs zu<br />
schaffen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Als erstes, viele attraktive Jobs, denn über eine Million, sind leider<br />
nicht zur Vermittlung gemeldet. Die aktivieren wir, dass Arbeitslose an diese<br />
Jobs kommen. Als zweites ist es richtig: Beschäftigung muss zusätzlich<br />
im qualifizierten Bereich aufgebaut werden. Dafür werden wir die Rahmenbedingungen<br />
weiter verbessern.<br />
Als drittes auch Teilzeitarbeit und befristete Arbeit kann qualifizierte Arbeit<br />
sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lucky:</b><br />
Herr Riester, warum kommen die Reformvorschläge der Hartz-Kommission erst<br />
so spät, 6 Wochen vor der Wahl und warum kommen die nicht von Ihnen!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Als erstes wurde die Kommission schon im März eingesetzt, und seit März<br />
arbeiten wir mit Hochdruck, im übrigen auch im Ministerium, als Geschäftsstelle<br />
der Hartz-Kommission an den Ergebnissen.<br />
Vieles baut auf den Vorentscheidungen auf. Was wir nicht berücksichtigt<br />
haben, war der starke Wirtschaftseinbruch seit Beginn 2001. Er erfordert zusätzliche<br />
tiefgreifende Reformmaßnahmen. Ein weiterer Auslöser waren die erkennbaren<br />
Probleme der Bundesanstalt für Arbeit über den sogenannten Vermittlungsskandal.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>claire:</b><br />
Bessere Vermittlung schafft noch keine Arbeitsplätze. Was soll geschehen,<br />
um neue Jobs zu schaffen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Als erstes: viele offene Stellen werden nicht gemeldet. Es muss sicher<br />
gestellt werden, dass diese schnell vermittelt werden können. Aber zur<br />
Schaffung neuer Jobs bedarf es auch qualifizierten Wachstums. Von 1999 bis Ende<br />
2000 entstanden so 1,2 Millionen zusätzliche Jobs. Das muss fortgeführt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bernie:</b><br />
Wie muss ein Job aussehen, zu dem Sie sagen würden: „Nee, danke,<br />
dann nehme ich lieber weiter Arbeitslosengeld“?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Ich war zwar schon dreimal kurzfristig arbeitslos und bekam nie ein Angebot,<br />
dass ich ablehnen musste, insofern habe ich keine eigene Erfahrung. Aber es<br />
gibt klare Regeln, was zumutbar ist und was nicht. Und deshalb ist es eine Einzelfallentscheidung.<br />
Aktuell steht sie bei mir nicht an.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>marco: </b>Werner<br />
Busch, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall,<br />
behauptet, dass die ganz wesentlichen Probleme von der Kommission überhaupt<br />
nicht angesprochen worden seien. Er nennt vor allem Flexibilisierung und Deregulierung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Werner Busch kennt entweder den Bericht nicht oder versteht ihn nicht. Aber<br />
beides kann man ändern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>marco:</b><br />
Friedrich Merz titelt in einem Gastkommentar in der Welt hämisch: „Die<br />
Wundertüte von Herrn Hartz wird bald auf Normalmaß geschrumpft sein.“<br />
Wurden die Vorschläge tatsächlich derart zerredet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Die Gefahr besteht, dass einige sie schlimm zerreden. Stoiber entgleist noch<br />
stärker, er nannte die Vorschläge ohne sie zu kennen, nur Hartz-Gequatsche.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman33:</b><br />
Aus Kleinunternehmersicht ist es auch sehr schwierig Arbeitsplätze zu schaffen,<br />
da bereits ab 5 Mitarbeitern viele bürokratische Hürden kommen (z.B.<br />
erweiterter Kündigungsschutz etc.). Muss hier nicht einiges gelockert werden,<br />
um die Unternehmen von der Angst vor Abfindungen etc. zu entlasten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
In fast allen Ländern beginnt der Kündigungsschutz ab dem 1. Beschäftigten.<br />
Hier hat Deutschland keine Ausnahmesituation. Eher die der Entlastung der Unternehmen<br />
bis fünf Beschäftigte. Bei jeder Neueinstellung kann eine Befristung<br />
bis zu 24 Monate mit dreimaliger Neufestsetzung gemacht werden. Also Flexibilität<br />
ist genügend da. Es müssen aber auch die legitimen Interessen der<br />
Beschäftigten berücksichtigt werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tom:</b> Guten<br />
Morgen, wie steht ein Arbeitsminister zu der Tatsache, dass die „Innovationsumbauten“<br />
in der Bundesanstalt für Arbeit, die Hartz vorsieht, vier Jahre dauern<br />
sollen. Ist die Bundesanstalt für Arbeit nicht ein Klotz am Bein und reif<br />
für das Museum?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Es wird viel schneller gehen. Ich selbst habe nach den Vorwürfen Anfang<br />
des Jahres die Auswechslung der Spitze und &#8211; wichtiger &#8211; erste Strukturentscheidungen<br />
innerhalb von fünf Wochen getroffen. Wir werden mit Hochdruck und Tempo<br />
rangehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>joe20:</b><br />
Lothar Späth meinte, alle Reformvorschläge, die bei SPD oder Gewerkschaften<br />
auf Widerstand gestoßen seien, habe die Kommission „still und leise“<br />
wieder zurückgenommen. Kann das Konzept so Bestand haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Wenn es so wäre, wie Herr Späth sagt, wäre es ein Problem. Nur:<br />
Es ist falsch, was Lothar Späth sagt. Die Kommission ist mit hochrangigen<br />
Wirtschaftsvertretern und Unternehmensberatern besetzt, die wohl nicht als Leisetreter<br />
in Verdacht kommen. Wenn sie auf der Ebene der bisherigen Verlautbarungen bleiben,<br />
erwarte ich leider nichts Brauchbares, denn die bisherigen Vorschläge sind<br />
weder zu finanzieren noch führen sie zu einem Mehr an Beschäftigung.<br />
Aber warten wir es mal ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>coco:</b> Stellt<br />
nicht auch das Betriebsverfassungsgesetz eine weitere Hürde für mehr<br />
Beschäftigung dar?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Das Betriebsverfassungsgesetz gilt seit 1972. Würde diese These<br />
stimmen, hätte Deutschland eindeutig eine schlechte Beschäftigungssituation.<br />
Deutschland ist nachweislich einer der wettbewerbsfähigsten Standorte der<br />
Welt, nicht zuletzt weil die Beschäftigten informiert und beteiligt werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
In den siebziger Jahren war die Konjunkturlage anders. Muss man nicht mit der<br />
Zeit gehen und sich modernisieren? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Da käme die Nachfrage „Was ist modern?“ Ist es modern,<br />
die Menschen nicht mitbestimmen zu lassen, sie nicht zu informieren? Mein Begriff<br />
ist ein anderer: Menschen zu beteiligen und zu informieren ist für mich<br />
modern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>WS-SB: </b>Wie<br />
wollen Sie in Zukunft mit den sogenannten „schwarzen Schafen“ unter<br />
den Arbeitslosen, die bewusst keine Arbeitsstelle annehmen, umgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Wenn die Ablehnung von Arbeit auf die persönliche Entscheidung<br />
zurückgeht, muss zukünftig der Beschäftigte nachweisen, dass<br />
die Arbeit unzumutbar ist. Kann er dies nicht, bekommt er Sperrzeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Nobody:</b><br />
Das Volumen für den Job-Floater soll von 150 auf nur 20 Milliarden gekürzt<br />
werden. Kann das so noch funktionieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
20 Millarden wären schon mächtig viel. Wir sprechen von Euro. Ob 20<br />
oder 150. Milliarden ist eine Frage der Inanspruchnahme. Das sind Rechenbeispiele.<br />
Wir sind gegenwärtig der Meinung, dass sich die Inanspruchnahme nicht so<br />
schlagartig entwickelt. Auch 20 Milliarden sind aus meiner Sicht kurz- und mittelfristig<br />
eher hochgegriffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Selbst<br />
wenn, das Problem im Osten ist doch nicht unbedingt das Geld. Es gibt doch genügend<br />
Förderprogramme!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Das muss man differenziert sehen. Es gibt viel Arbeit auch im Osten,<br />
die teilweise deswegen nicht gemacht werden kann, weil entsprechende Geldmittel<br />
nicht vorhanden sind. Infrastruktur in den Kommunen, dort denke ich v.a. an<br />
die ländlich strukturierten Bereiche, aber auch im Dienstleistungsbereich.<br />
Also manches, wenn auch nicht alles, kann schon mit mehr Mitteleinsatz bewegt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bernie: </b>Beschäftigung<br />
im qualifizierten Bereich wollen Sie fördern (siehe oben). Was heißt<br />
das konkret?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Das heißt zuerst mal, Menschen richtig und geeignet zu qualifizieren.<br />
Das heißt als zweites, der Qualität der Arbeit, sprich Verbesserung<br />
der Arbeitsbedingungen, wieder einen höheren Stellenwert einzuräumen.<br />
Drittens, Wissenschafts- und Technologieförderung zu betreiben, um zusätzliche<br />
Impulse für qualifizierte Beschäftigung auszulösen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>McCabe:</b><br />
Ich habe das mit den Ich-AGs immer noch nicht richtig verstanden. Kann man die<br />
Ich-AGs vergleichen mit Selbstständigkeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Richtig: es ist eine einfache, unkomplizierte Form der Selbständigkeit,<br />
die allerdings auf einen Jahresverdienst von 25.000 € begrenzt ist, der<br />
Sozialversicherungspflicht unterliegt, allerdings nur mit 10 Prozent Steuern<br />
belegt ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>WS-SB: </b>In<br />
Ihrem Wahlprogramm schreiben Sie, dass durch die Verzahnung von Arbeitslosenhilfe<br />
und Sozialhilfe die Langzeitarbeitslosen schneller vermittelt werden sollen.<br />
Wie ist das zu verstehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Zuerst muss die Beratung qualifizierter erfolgen: Worauf ist Langzeitarbeitslosigkeit<br />
zurückzuführen? Bei diesen Menschen ist es häufig eine Mischung<br />
von Problemen: Qualifikationsprobleme, Überschuldung, familiäre Probleme.<br />
In der Verbindung der Leistungen der Sozialämter und Arbeitsämter<br />
wollen wir eine schnellere Wiedereingliederung ermöglichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>be:</b> Als<br />
Arbeitgeber kann ich in der jetzigen Marktsituation nur dann Arbeitsplätze<br />
besetzen, wenn ich diese auch wieder freisetzen kann. Sonst ordne ich lieber<br />
Überstunden an. Hier hilft das Reförmchen nicht, die Bürokratie<br />
bleibt. Zum Problem, mit wem ich die Arbeitsplätze denn besetzen könnte,<br />
komme ich also nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Sie sind schlecht informiert. Sie können jede Neueinstellung befristen,<br />
und zwar dreimal hintereinander, bis zu 24 Monaten. Dann allerdings denke ich,<br />
sollten Sie auch wissen, und der Beschäftigte auch, ob es eine Festanstellung<br />
werden soll.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Aber<br />
der Kündigungsschutz in Deutschland ist doch im internationalen Vergleich<br />
sehr stark?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Auch das ist falsch: Der Kündigungsschutz in Spanien ist wesentlich<br />
stärker, in Italien auch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Vergleichen<br />
wir den Kündigungsschutz mit den Vereinigten Staaten!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Das ist richtig: den wollen wir auch nicht. Wir brauchen mehr Sicherheit auch<br />
für die Beschäftigten. Von 1996 bis 1999 haben wir schon mal in Kleinbetrieben<br />
den gesetzlichen Kündigungsschutz ausgesetzt, im Ergebnis waren da nicht<br />
mehr, sondern weniger Arbeitsplätze da. Das ist zu belegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>McCabe: </b>Nochmal<br />
zur Ich-AG. Die Anmeldung zur Ich-AG läuft dann schnell und unbürokratisch<br />
– wirklich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Echt versprochen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tom:</b> Dieser<br />
Job-Floater kann nicht funktionieren, wie soll das Geld zurückbezahlt werden<br />
und welchen Nutzen hat der Kapitalgeber (Einzahler) davon, dass er sein Geld<br />
gibt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Der Kapitalgeber hat eine Absicherung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau,<br />
eine staatsnahe Institution. Der Kapitalnehmer zahlt geringere Zinsen, aber<br />
entliehenes Geld wird natürlich auch zurückgezahlt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>morgenrot:</b><br />
Herr Riester, nochmal zu „JUMP“ &#8211; ein Erfolg? Die Jugendarbeitslosigkeit<br />
vor allem in den neuen Bundesländern steigt eher an. Dazu kommt, dass gerade<br />
in ländlichen Gegenden keiner weiß, was „JUMP“ ist &#8211;<br />
ein Vermittlungsproblem?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Nicht alles ist ein Vermittlungsproblem, wir haben etwa 10 Millionen in die<br />
Öffentlichkeitsarbeit von JUMP gesteckt. 450.000 Jugendliche haben es in<br />
Anspruch genommen, bei 75 Prozent mit Erfolg. Also offensichtlich gibt es ein<br />
Vermittlungsproblem.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Neyhaus:</b><br />
Wie geht das denn jetzt weiter mit der Hartz-Reform &#8211; wird die direkt so umgesetzt<br />
(und wann) oder werden jetzt erstmal noch weiteren Beratungsrunden angesetzt,<br />
wo die Vorschläge noch mehr aufgeweicht werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Nein, da wird nichts aufgeweicht. Schon in der nächsten Woche<br />
gehen alle Entscheidungspunkte ins Kabinett. Schneller geht’s gar nicht<br />
und sie werden sofort veröffentlicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Themenwechsel,<br />
Stichwort Riester-Rente!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>manolo: </b>Wieso<br />
diese Halbherzigkeit bei der Rentenreform?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Das war nicht halbherzig. Erstmals wird in Deutschland eine breite<br />
Säule zusätzlicher ergänzender Rente aufgebaut. Bereits im Betrieb<br />
und als unterstütztes Angebot für eine Privatrente. Unterstützt<br />
mit 11 Milliarden €.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Holger: </b>Herr<br />
Riester, sind Sie zufrieden mit der bisherigen Wirksamkeit (Abschlüsse<br />
etc.) der „Riester-Rente“?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Mit den Abschlüssen ja, weil ich in mittelfristigen Zeiträumen<br />
denke. Mit der öffentlich Diskussion bin ich nicht zufrieden. Ich gehe<br />
von einer großen Welle der betrieblichen Alterssicherung innerhalb der<br />
nächsten 12 Monate aus, für viele Milionen Menschen. Das ist ziemlich<br />
sicher.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Wie können sie die öffentliche Diskussion verbessern? Was muss getan<br />
werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Noch bessere Information, aber v.a. weniger verunsichernde Fehlinformationen<br />
der unterschiedlichen Finanzlobbyverbände und natürlich auch der Politik<br />
im Wahlkampf momentan.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ango: </b>Herr<br />
Minister, ist es abzusehen, welche Folgen das katastrophale Ergebnis der PISA-Studie<br />
(für Deutschland) auf den Arbeitsmarkt hat, z. B. bezüglich der Qualifikation<br />
der Absolventen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Wichtiger ist mir, welche Folgen hat das für Politikentscheidungen, die<br />
richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen – eine wichtige Entscheidung.<br />
Wir werden in den nächsten 4 Jahren Länder und Kommunen mit jeweils<br />
eine Milliarde € unterstützen – also insgesamt 4 Milliarden –<br />
um Ganztagsschulen zu fördern, als einen von vielen Punkten, die angegangen<br />
werden müssen. Natürlich sind hier auch die Länder, die Bildungsträger,<br />
die Familien und die Unternehmen gefordert, siehe IT-Ausbildung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Werden da die unionsregierten Länder mitmachen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Hoffentlich, wenn nicht: einfach abwählen. Es gibt bessere Alternativen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zurück zur Rente.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>loser:</b><br />
Und langfristig? Glauben Sie, dass für die, die jetzt jung sind, sagen<br />
wir 25, überhaupt noch jemand Rente bezahlen wird? Bis dahin wird sich<br />
die Alterspyramide in Deutschland ja noch krasser verschoben haben. Kommt der<br />
Zeitpunkt, wo, wer nicht privat abgesichert ist, gar nicht mehr abgesichert<br />
ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Nein, das ist überzogen. Loser, wir machen Sie zum Winner. Deswegen ja<br />
auch die Kombination von Sozialversicherungsrente, die wir nun mit Steuern stark<br />
unterstützen, und dem Aufbau einer zweiten Rente.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BWW:</b> Sind<br />
Sie stolz auf das neue Rentengesetz? Warum wurde die Erwerbsunfähigkeits-<br />
und Berufsunfähigkeitsrente abgeschafft? Ist dies mit den sozialen Verständnis<br />
der SPD zu vereinbaren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Beides wurde so nicht abgeschafft. Die Berufsunfähigkeitsrente war abgeschafft,<br />
als ich Minister wurde. Wir haben sie für alle 40-jährigen und Älteren<br />
wieder eingeführt. Der Berufsschutz allerdings muss im Rentenversicherungssystem<br />
ja auch bezahlt werden. Und die Leistungen bringen die auf, die letztlich als<br />
Hilfsarbeiter gar keinen Berufsschutz haben. Die Erwerbsminderungsrente wurde<br />
nicht abgeschafft, sondern umgestaltet. Vor allem für Arbeitslose gilt<br />
sie jetzt wieder voll und nicht nur zu 50 Prozent, wie von der alten Regierung<br />
beschlossen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wallenstein: </b>Welche<br />
private Rente haben Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Leider keine, weil meine Vorgänger doch keine „Blüm-Rente“<br />
geschaffen hat. Und Minister haben leider nicht das Privileg für die Riester-Rente.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Zu<br />
einem anderen aktuellen Problem in Deutschland:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ex: </b>Glauben<br />
Sie, dass durch die Flutkatastrophe kurzfristig Arbeitsplätze zum Wiederaufbau<br />
entstehen? Sind weitere Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen dort geplant?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Zur ersten Frage: Ja, allerdings wünschen wir uns diesen Umweg<br />
zum Aufbau von Arbeitsplätzen nicht. Zum zweiten: Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen<br />
(ABM) werden dort, wo es keine besseren Alternativen gibt, auch weiterhin eine<br />
Berechtigung haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lucky: </b>Glauben<br />
Sie, dass die mediale Aufmerksamkeit, die die Überschwemmungen im Moment<br />
generieren, der Präsentation der Hartz-Kommission morgen schaden werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Nein, das glaube ich nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>WS-SB: </b>Dass<br />
Gerhard Schröder sein Versprechen, die Arbeitslosenzahlen zu senken, nicht<br />
einhalten konnte, ist offensichtlich. Wie ist aus Ihrer Sicht dieses Scheitern<br />
zu erklären.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Wir hatten zum Zeitpunkt des „Versprechens“ (1. Mai 2000) ein Wachstum<br />
von 3 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt ging niemand vom radikalen Wirtschafteinbruch<br />
in den USA aus und dem damit ausgelösten Wachstumseinbruch, den wir leider<br />
weltweit haben. Interessanter Hinweis: kaum einer weiß, Stoiber hat in<br />
Bayern versprochen, die Arbeitslosigkeit zu halbieren. Wie wir alle wissen,<br />
ist sie nur gestiegen. Auch das sollte man mal thematisieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dallo:</b><br />
Wieso macht es ihre Regierung nicht wie Ihre Vorgänger: kurz vor der Wahl<br />
durch ABM die Statistik drücken?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Da unterscheiden wir uns grundsätzlich und angenehm von unseren<br />
Vorgängern. Denn Arbeitslose sind für mich keine Manipulationsinstrument<br />
für Statistiken und Wahltäuschung. 1998 schob die alte Regierung 525.000<br />
Personen in den öffentlich geförderten Arbeitsmarkt, und „entlastete“<br />
damit die Statistik. Das machen wir nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Aber<br />
auch während Ihrer Amtszeit gab es in der Bundesanstalt für Arbeit<br />
ein Zahlenproblem!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Das ist richtig. Nur wir haben sofort konsequent alles auf den Tisch gelegt<br />
und gehandelt, an der Spitze verändert, und leiten nun eine tiefgreifende<br />
Reform, sowohl bei der Bundesanstalt für Arbeit als auch in der Arbeitsmarktpolitik<br />
ein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>meike: </b>Sie<br />
sprechen von einem weltweiten Wachstumseinbruch. Wie erklären Sie sich,<br />
dass dann nicht alle Länder mit so einer hohen Arbeitslosigkeit zu kämpfen<br />
haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Deutschland hat eine ganz außergewöhnliche Herausforderung seit Anfang<br />
der neunziger Jahre. Das ist der deutsche Einigungsprozess. 1990 kamen aus der<br />
alten DDR zehn Millionen Arbeitsverhältnisse, heute haben wir 5,9 Millionen<br />
sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse. Eine radikale Umstrukturierung,<br />
die kein Land dieser Welt in vergleichbarer Form hat. Deswegen sind Vergleiche<br />
mit anderen Ländern auch häufig hinkend.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gallus: </b>Mal<br />
aus der Sicht des Arbeitsministers: Wäre eine große Koalition nach<br />
der Wahl nicht sinnvoll, um endlich mal die Reformen für den Arbeitsmarkt<br />
voran zu bringen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Nur dann, wenn sie wirklich vorangebracht wird. Die bisherigen Verlautbarungen<br />
der Union lassen nichts Gutes hoffen. Auch bei der Rentenreform habe ich mich<br />
bemüht, die Opposition zu beteiligen. Im Ergebnis hat es die Reform aber<br />
nur um ein halbes Jahr verschleppt. In allen Punkten, in denen es eigentlich<br />
inhaltliche Zustimmung gab, wurde die Entscheidung verweigert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bodman:</b><br />
Herr Riester, mal angenommen, eine Ampel-Koalition wäre nach der Bundestagswahl<br />
möglich: Ist eine Einigung mit der FDP auf Basis der Hartz-Vorschläge<br />
denkbar?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Ich glaube nicht, weil die FDP zuerst Hurra schrie, jetzt aber, wo<br />
es konkret wird, alles ablehnt. Aber Ampel ist in der Politik auch keine erstrebenswerte<br />
Kombination.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Persönliche Frage, in diesen Tagen ist der Name Hartz in aller Munde. Sind<br />
sie in der Öffentlichkeit präsent genug?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Ich denke ja, aber ich messe es nicht daran, ob mein Name jeden Tag in aller<br />
Munde ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>meike: </b>Geben<br />
sie einen Tipp ab: wenn die SPD an der Regierung bleibt, mit welcher Arbeitslosigkeit<br />
dürfen wir 2006 rechnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:<br />
</b>Mit einer stark verminderten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Wodurch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Durch Wachstum einerseits, und bessere Qualifizierung und Vermittlung der Menschen<br />
andererseits.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Letzte Frage, die Zeit ist fast vorbei:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>coco:</b> Wenn<br />
sie vor 4 Jahren gewusst hätten, was auf sie zukommt, hätten sie dennoch<br />
den Posten des Arbeits- und Sozialministers angenommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Walter Riester:</b><br />
Hoffentlich ja, aber so ganz sicher bin ich mir nicht.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Vielen Dank Herr Riester für Ihre Antworten!<br />
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Wir würden uns<br />
freuen, Sie bei unserem nächsten Chat wieder begrüßen zu dürfen.<br />
Die Ankündigungen für die nächsten Chats finden Sie auf den Webseiten<br />
der Veranstalter <a href="http://www.tagesschau.de/">tagesschau.de</a> und <a href="http://www.politik-digital.de/index.shtml">politik-digital.de</a><br />
sowie des Unterstützers <a href="http://www.tagesspiegel.de/">tagesspiegel.de</a>.<br />
Bis zur Wahl werden wir zudem eine innovative Reihe unter dem Namen tacheles.02<br />
spezial anbieten: In einem neuartigen Chatmodul treffen zwei Gäste aufeinander,<br />
Sie als Nutzer können das gesagte live kommentieren. Gäste in der<br />
Reihe tacheles.02 spezial werden unter anderem sein: Am 4. September Edelgard<br />
Bulmahn, Bundesbildungsministerin (SPD) mit Annette Schavan, Kultusministerin<br />
in Baden-Württemberg (CDU) zum Thema Bildung sowie am 6. September Gregor<br />
Gysi (PDS) und Christoph Schlingensief (Regisseur) zum Thema „Politik<br />
oder Show“. Wir wünschen allen Nutzern und Herrn Riester einen schönen<br />
Tag!!</span></p>
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