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	<title>hate speech &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Stark gegen Desinformation und Hate Speech 2023</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 May 2023 09:09:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Events]]></category>
		<category><![CDATA[Schüler*innen]]></category>
		<category><![CDATA[hate speech]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Hassrede]]></category>
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					<description><![CDATA[Um Desinformation und Hate Speech im Internet herumzukommen ist leider nicht leicht. Und gerade junge Menschen stoßen fast täglich auf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Um Desinformation und Hate Speech im Internet herumzukommen ist leider nicht leicht. Und gerade junge Menschen stoßen fast täglich auf Falschnachrichten, Verschwörungsmythen, propagandistische Inhalte und Hetze im Netz. Deshalb ist es umso wichtiger, sie und ihre Bezugspersonen wie Lehr- und pädagogische Fachkräfte fit zu machen im Umgang mit diesen Phänomenen.</p>
<p>Wir laden Sie also herzlich zu unserer zweiten Fachtagung mit dem Titel &#8220;Stark gegen Desinformation und Hate Speech &#8211; Medienbildung in Schule und Elternarbeit&#8221; ein! Lassen Sie uns gemeinsam mit Expert*innen aus verschiedenen Bereichen folgende Fragen diskutieren:</p>
<ul>
<li>Wie hängen Desinformation und Hate Speech zusammen?</li>
<li>Wie können Lehrende ihre Schüler*innen im Umgang mit &#8220;Fake News&#8221; und Hate Speech unterstützen?</li>
<li>Wie können sie dabei auch die Eltern der Jugendlichen einbinden?</li>
</ul>
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<p>Die Fachtagung findet <strong>im Museum für Kommunikation in Berlin </strong>statt, ist <strong>kostenfrei </strong>und <strong>offen für alle Interessierten</strong>!</p>
<p>Mehr Informationen finden Sie <a href="https://www.weitklick.de/fachtagung">hier</a>!</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
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		<title>&#8220;Nichts bringt mehr Engagement als Hass&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/debate-academy/jourfixe2hatespeech-debateacademy-161349/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Paulina Fried]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2020 15:40:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Debate Academy]]></category>
		<category><![CDATA[hate speech]]></category>
		<category><![CDATA[You Tube]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>In Zeiten von Corona schlägt die Stunde der Verschwörungstheoretiker_innen. Und wo Verschwörungen, dunkle Mächte und existenzielle Bedrohungen vermutet werden, sind Hass, Hetze und persönliche Attacken oft nicht weit.</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-1"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Welche Strategien gibt es für den Umgang mit dem Hass im Netz? Wie schützt man sich? Was ist Hate Speech eigentlich, wo fängt der Hass an? Was muss man hinnehmen, wann sollte man sich wehren? Diese Punkte – und die grundsätzliche Frage, was wir als Gesellschaft tun müssen, um zu verhindern, dass der Hass im Netz demokratische Werte und Prozesse bedroht, standen im Mittelpunkt des zweiten Jour Fixes der <a class="aioseop-link" href="https://politik-digital.de/news/debate-academy-2-157511/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Debate Academy @ Youtube. (opens in a new tab)">Debate Academy @ Youtube.</a></p>
<p>Fest steht: Während die Täter meist anonym bleiben, hat der Hass im Netz für die Betroffenen reale und oft schwerwiegende Folgen. Die Bundestagsabgeordnete Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen), der Generalsekretär der SPD, Lars Klingbeil, die Youtuberin Diana zur Löwen, und der Journalist Richard Gutjahr – alle wurden sie bereits zu Opfern von Hate Speech und mussten dessen Auswirkungen hautnah erleben.</p>
<p>In seinem Impulsvortrag verwies Richard Gutjahr auf die gesellschaftliche Dimension auf der einen, und die Verantwortung der Plattformen auf der anderen Seite. Die Ereignisse der letzten Corona-Wochen hätten deutlich gezeigt, dass die Pandemie ein “Stresstest” für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft sei. Gutjahrs These: Corona und seine Folgen haben den gesellschaftlichen Wandel um fünf bis zehn Jahre beschleunigt. Die Menschen könnten nun deutlich spüren, dass wir am Anfang einer neuen Epoche stehen. Und wenn alte Lebensentwürfe und Wahrheiten plötzlich nichts mehr wert sind, dann stelle sich schnell das Gefühl des Bedeutungsverlusts ein. Eine Gruppe, die mit diesem Bedeutungsverlust besonders schwer zu kämpfen habe, seien alte weiße Männer. Im Netz hätten sie einen Platz gefunden, ihren Frust kundzutun.</p>
<p>Gegen wen richtet sich nun der Hass im Netz? Renate Künast und Lars Klingbeil sind sich einig, dass vor allem Frauen auf massive Weise davon betroffen sind. Viele Analysen würden belegen, dass Frauenhass, neben rassistischen, antisemitischen und homophoben Ideologien, eine große Rolle bei Hate Speech spielt. Dennoch: auch Klingbeil geriet zuletzt in das Visier von Internet-Hetzern, weil er sich kritisch zu Xavier Naidoo, Atilla Hildmann und Ken Jebsen geäußert hatte. Derzeit sei es kaum möglich, seine Meinung im Netz kundzutun, ohne massiv dafür kritisiert zu werden, sagt er. Klingbeil glaubt aber: „Es hat sich lediglich die Betreffzeile geändert, die Absender sind die gleichen wie damals bei der Flüchtlingskrise oder bei den Klimaschutzmaßnahmen.“ Er ist sich sicher: „Die Vernünftigen im Netz sind in der Mehrzahl. Leider sind sie nicht die Lautesten.“</p>
<p>Auch Diana zur Löwen beobachtet bei ihren Followern eine besorgniserregende Tendenz. Sie bekomme immer öfter krude Verschwörungserzählungen weitergeleitet. Das Vertrauen in die klassischen Medien sei in der Corona-Krise gesunken. Trotzdem ist zur Löwen ihren Followern dankbar. Nachdem sie wegen ihres Afrika-Videos einen massiven Shitstorm erleben musste, hätten ihre Follower sie unterstützt: „Ich habe mich entschuldigt, daraus gelernt, und meine Community war extrem supportive.“</p>
<p>Wie also umgehen mit dem Hass im Netz? Künast findet: „Schon drei Tage ohne Social Media Aktivitäten ist doch wie Urlaub. Da muss man gar nicht mehr wegfahren.“ Und auch Klingbeil und Gutjahr lassen sich nicht einschüchtern, sie lesen einfach nicht mehr jede Nachricht, die sie bekommen. Eine Selbstzensur liegt Klingbeil aber fern. Er kenne zwar Fälle von Kolleg_innen, die irgendwann einfach keine Kraft mehr hätten – „zum Beispiel nach dem Galgen oder den Patronenhülsen im Briefkasten“ – aber er kämpfe weiter. Gutjahr rät außerdem: „Alles was strafrechtlich relevant ist, sollte man sofort zur Anzeige bringen.“</p>
<p>Doch was, wenn man als Privatperson von Hass im Netz betroffen ist? Diese Organisationen und Gruppen engagieren sich gegen Hate Speech und können weiterhelfen:</p>
<ul>
<li><a class="aioseop-link external" href="https://hateaid.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Hate Aid (opens in a new tab)">Hate Aid</a></li>
<li><a class="aioseop-link external" href="https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Amadeu Antonio Stiftung (opens in a new tab)">Amadeu Antonio Stiftung</a></li>
<li><a class="aioseop-link external" href="https://no-hate-speech.de/de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="No Hate Speech Movement (opens in a new tab)">No Hate Speech Movement</a></li>
<li><a class="aioseop-link external" href="https://www.ichbinhier.eu/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label=" #ichbinhier (opens in a new tab)">#ichbinhier </a></li>
</ul>
<p><strong>Am 22. Juni geht es mit der Debate Academy @ Youtube weiter. Dieses Mal mit dem spannenden Titel: „Gegen den Rest der Welt – Für eine bessere Welt”. Die Debate Academy @ Youtube lädt ihr Publikum zur digitalen Beteiligung ein. Im Youtube-Chat und auf der Plattform slido können parallel zum Livestream Fragen an die Teilnehmenden gestellt werden. Außerdem kann auf Twitter der hashtag #debateacademy verwendet werden.</strong></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-1" data-row="script-row-unique-1" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-1"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-2"><div class="row double-top-padding single-bottom-padding single-h-padding limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode-single-media  text-left"><div class="single-wrapper" style="max-width: 100%;"><div class="uncode-single-media-wrapper single-advanced"><div class="tmb tmb-light tmb-overlay-text-anim tmb-overlay-anim tmb-overlay-text-left tmb-image-anim  tmb-consent-blocked tmb-media-first tmb-media-last tmb-content-overlay tmb-no-bg" ><div class="t-inside" ><div class="t-entry-visual"><div class="t-entry-visual-tc"><div class="t-entry-visual-cont"><div class="dummy" style="padding-top: 56.3%;"></div><div class="t-entry-visual-overlay"><div class="t-entry-visual-overlay-in style-dark-bg" style="opacity: 0.5;"></div></div><div class="h6 youtube-video pushed"><div class="uncode-noconsent-gdpr-wrap uncode-noconsent-gdpr-wrap-no-poster">
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</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-3" data-row="script-row-unique-3" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-3"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-5"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-5" data-row="script-row-unique-5" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-5"));</script></div></div></div><!-- /wp:post-content --></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>„Die Mitte der Gesellschaft darin bestärken, Position zu beziehen“</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/landtagswahl-sachsen-2019-roland-loeffler-im-interview-156490/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Philipp Albrecht]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Aug 2019 08:21:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Medien]]></category>
		<category><![CDATA[hate speech]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl Sachsen 2019]]></category>
		<category><![CDATA[Roland Löffler]]></category>
		<category><![CDATA[Sächsische Landeszentrale für politische Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-6"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Am 1. September wird in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Dr. Roland Löffler leitet seit zwei Jahren die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung. Im Interview berichtet er über seine Erfahrungen mit den Online- und Offline-Projekten der Landeszentrale, welche Themen im Wahlkampf eine Rolle spielen und den Umgang mit Hate Speech in den Sozialen Medien.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><strong>Welche Projekte hat die Landeszentrale anlässlich der LTW neu gestartet oder auf die Wahl bezogen?</strong></p>
<p>Zur sächsischen Landtagswahl 2019 bietet die Landeszentrale verschiedene Projekte an. Unser größtes Projekt sind die Wahlforen: Zusammen mit den drei großen Regionalzeitungen Leipziger Volkszeitung, Sächsische Zeitung und Freie Presse veranstalten wir 60 Wahlforen, also in jedem Wahlkreis in Sachsen ein Wahlforum, bei dem die Bürger mit  den Wahlkreiskandidaten der sechs großen Parteien debattieren. Das sind die Parteien, die im Landtag oder Bundestag in Fraktionsstärke vorhanden sind. Das hat es so, glaube ich, noch nie gegeben, zumindest nicht in Sachsen. Auch auf Bundesebene ist mir kein solches Projekt bekannt.</p>
<p>Dann haben wir die Bücher „Wahlen in Sachsen“ und „Die Parteien in Sachsen“ herausgebracht. Außerdem bieten wir seit Anfang August wieder den Wahl-O-Mat an.</p>
<p>Mit der Aktion Zivilcourage in Pirna haben wir für junge Leute ein Peer-to-Peer-Motivationsprojekt „Ich bin wählerisch“ ausgerufen, mit dem wir junge Menschen motivieren wollen, sich mit den Wahlen auseinanderzusetzen.</p>
<p><strong>Das Projekt „Ich bin wählerisch“ läuft ja seit ein paar Wahlperioden. Wie wird das angenommen?</strong></p>
<p><a href="https://ichbinwaehlerisch.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Ich bin wählerisch“</a> hat einerseits einen spielerischen Charakter, führt andererseits aber auch zu einer ernsthaften politischen Auseinandersetzung mit den Wahlen. Mit der Aktion Zivilcourage haben wir da einen sehr guten Partner. Die sprechen gezielt junge Leute an, die wiederum in der Schule ihre Freundinnen und Freunde ansprechen. Wie schon bei den Europawahlen funktioniert das auch bei der Landtagswahl sehr gut.</p>
<h3>Analog: Wahldebatten in jedem Wahlkreis</h3>
<p><strong>Wie werden die Wahlforen angenommen?</strong></p>
<p>Bislang haben wir 36 Wahlforen veranstaltet und sind mit der Resonanz sehr zufrieden. Wir haben zwischen 50 und 250 Gäste. Die Besucher aus der Bevölkerung, aber auch die Politiker, finden es toll, dass es ein solches Angebot gibt, dass man sich über aktuelle Fragen auseinandersetzen und die Kandidaten kennenlernen kann.</p>
<p>Die Debatten sind meist sachlich und fair, wir hatten allerdings auch ein paar unruhige Abende. Insgesamt funktioniert es sehr gut, die Partnerschaft mit den drei großen Regionalzeitungen ist ein großer Gewinn. Wir haben ein sehr konstruktives Miteinander und eine sehr umfängliche Berichterstattung. Damit sind die Themen des Wahlkampfs nicht nur an diesem Abend präsent, sondern werden durch die Vor- und Nachberichterstattung einer breiteren Bevölkerung zugänglich gemacht.</p>
<p><strong>Der Wahl-O-Mat ist ein Klassiker vor den Wahlen, gerade weil er sich auf die Landtagswahlthemen bezieht. Was ist das spezifische an der Landtagswahl im Freistaat und welche Themen beschäftigen die Bürgerinnen und Bürger?</strong></p>
<p>Ich sehe im Moment nicht <em>das</em> große Wahlkampfthema. Ich sehe verschiedene kleine Themen, auch spezifische sächsische Themen. Beim <a href="https://www.wahl-o-mat.de/sachsen2019/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahl-O-Mat</a> gibt es auch einige Ähnlichkeiten beispielsweise zu Brandenburg, wo die Themen „Senkung des Wahlalters“, „Wolf“ oder „Sanktionierung von Cannabis-Besitz“ ebenfalls eine Rolle spielen. Wichtige Themen in Sachsen sind derzeit der Braunkohle-Ausstieg, das Polizeigesetz, Schule, Landarzt und Versorgung im ländlichen Raum. Das Flüchtlingsthema hat nachgelassen, ist aber emotional schnell wieder mobilisierbar. Wirtschaft und Arbeitsplätze spielen interessanterweise nur eine geringe Rolle, das war vor ein paar Jahren noch anders. Anscheinend gibt es weniger Ängste um den Arbeitsplatz als früher.</p>
<p><strong>Warum ist das Flüchtlingsthema im Wahl-O-Mat zu finden? Wird das nicht auf Bundesebene behandelt?</strong></p>
<p>Ja, aber zum Beispiel bei der Frage, wie und mit welcher Konsequenz abgeschoben wird, haben die Länder ebenfalls Regelungskompetenzen. Insgesamt gilt aber beim Wahl-O-Mat: Wir nehmen nur Themen auf, die auch auf Landesebene geregelt werden können.</p>
<h3>Digital: Kontrovers diskutieren</h3>
<p><strong>„Lasst Uns Streiten“ ist ein Format, das die Diskussion insbesondere über kontroverse Themen wie Klimawandel und „Toleranz und ihre Grenzen“ ermöglicht. Ihr Appell: „Bewerten Sie andere Kommentare und Beiträge und lassen Sie uns streiten!“ Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?</strong></p>
<p>Das ist ein bewährtes <a href="https://www.lasst-uns-streiten.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Format</a>. Wir machen das schon seit einigen Jahren und haben zwischen 600 und 3.000 User, die mitmachen. Wir hatten auch sehr heftige Debatten, unter anderem beim Thema „Sachsen-Bashing“. Das hat die Gemüter erhitzt. Unsere Strategie von der Emotionalität zur Sachlichkeit zu kommen gelingt nicht bei jedem User, meist aber doch. Allein schon deswegen, weil der User immer neue Fragen und Thesen eingeblendet bekommt, mit denen er sich auseinandersetzen kann. Dann kann er nicht nur wild „rumpolemisieren“, sondern muss Entscheidungen treffen und sich tiefer mit den Dingen auseinandersetzen, andere Perspektiven einnehmen. Das ist sicher ein Format, das Zukunft hat.</p>
<figure id="attachment_162014" aria-describedby="caption-attachment-162014" style="width: 630px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="size-large wp-image-162014" src="/wp-content/uploads/2020/06/LassUnsStreiten.png" alt="Screenshot &quot;Lass Uns Streiten&quot; © SLpB " width="630" height="293" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/LassUnsStreiten.png 1200w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/LassUnsStreiten-300x140.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/LassUnsStreiten-1024x477.png 1024w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/LassUnsStreiten-768x358.png 768w" sizes="(max-width: 630px) 100vw, 630px" /><figcaption id="caption-attachment-162014" class="wp-caption-text">Debattenportal „Lasst Uns Streiten“</figcaption></figure>
<p>Das Projekt ist aus den 150 Debatten, die die Landeszentrale rund um die Themen „Flucht“, „Asyl“ und „Asylbewerberheime“ geführt hatte, entstanden, weil es da zum Ende sehr unfruchtbar war. Da kamen dann Leute aus der rechten Szene, die ihre Statements von Karteikarten abgelesen haben – das war kein Dialog mehr. Da hat man sich nicht mehr zugehört. Das wollen wir online mit diesem Angebot durchbrechen.</p>
<p><strong>Auf der digitalen Ebene stellen Sie nicht nur den Wahl-O-Mat bereit, sondern sind auch auf Facebook, Twitter, YouTube und Instagram vertreten. Wie nutzen Sie diese Kanäle?</strong></p>
<p>Auf Twitter haben wir uns in der letzten Zeit etwas zurückgehalten. Mit Instagram sprechen wir die Jüngeren an, Facebook ist für uns aber auch wichtig, gerade für die Veranstaltungsankündigungen.</p>
<p>Noch wichtiger ist allerdings Youtube, wo wir mit „<a href="https://wtf.slpb.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">#wtf?! – Wissen, Thesen, Fakten</a>“ eine &#8211; für unsere Verhältnisse &#8211; hohe Nachfrage haben. Das Video über Reichsbürger und Verschwörungstheorien liegt bei über 70.000 Klicks. Mit Fußballstars können wir natürlich nicht mithalten, aber für politische Bildung ist das eine gute Zahl. Wir wissen auch, dass wir den Bereich noch weiter ausbauen müssen, weil sich das Nutzungsverhalten der Menschen immer weiter ins Digitale verlagert. Da gehen wir mit.</p>
<h3>„Eine sehr polarisierte Gesellschaft“</h3>
<p><strong>Ich habe mir die Post und Kommentare auf der Facebook-Seite der Landeszentrale angesehen. Entweder moderieren Sie sehr stark oder es geht da sehr gesittet zu.</strong></p>
<p>Das freut mich zu hören. Ja, es gibt Phasen und Themen, da moderieren unsere Kollegen sehr stark. Wir haben eine Netiquette, die wir anwenden, wenn sich Menschen im Ton vergreifen. Glücklicherweise gibt es aber auch Nutzer, die in den Debatten selbst zur Mäßigung aufrufen und versachlichen. Insgesamt haben wir aber sehr viele „Freunde“ aus dem sehr linken und aus dem sehr rechten Spektrum. Wir wünschen uns mehr User aus der Mitte der Bevölkerung, die sich an den Diskussionen beteiligen. Auch im Internet spiegelt sich Sachsens recht polarisierte Gesellschaft wider.</p>
<p><strong>Sie haben die Diskussionen im Netz und die analogen Diskussionen bei den Wahlforen erlebt. Geht es im Netz härter zu?</strong></p>
<p>An manchen Tagen liegen da tatsächlich Welten dazwischen. Wir hatten auch unfreundliche Situationen bei den Wahlforen, aber insgesamt ist im Internet die Hemmschwelle verbal zuzulangen geringer. Unsere Aufgabe besteht darin, die Mitte der Gesellschaft darin zu bestärken, Position zu beziehen. Dass diese Mitte der Gesellschaft deutlich macht, dass sie die Gesellschaft zusammenhält.</p>
<p><strong>Sie leiten jetzt seit zwei Jahren die Landeszentrale. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus, was macht Sachsen besonders?</strong></p>
<p>Es gibt ja kluge Leute, die sagen, man solle sich vor einem Fazit hüten, weil das Leben immer weitergeht. Dennoch: Die Arbeit macht Spaß, ich habe ein tolles Team, in Sachsen gibt es viele Leute, die sich für die Gesellschaft engagieren. Wir sind hier in Sachsen gerade eine Hochburg der Debatte. Diese Debatten sind manchmal gut und fruchtbar, manchmal aber auch unkonstruktiv und emotional. Das direkt zu erleben, gehört zu meinem Lernprozess. Ich frage mich bei emotionalen Debatten oft, ob es wirklich nur um bestimmte Sachthemen geht oder welche Gefühle hinter den Argumenten stecken.</p>
<p>Sachsen ist ein Brennglas gesellschaftlicher Entwicklungen, einmal, was den Populismus angeht, aber auch im Blick auf Themen wie den demografischen Wandel, das Verhältnis von Stadt und Land oder die Wende in der Energie- und Klimapolitik. Das was heute hier debattiert wird, dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren auch in anderen Regionen Deutschlands zum Thema werden. Und wenn man sich länger mit Sachsen beschäftigt, kann man dabei auch einiges über den Zustand der Bundesrepublik und der ost-mitteleuropäischen Länder lernen.</p>
<p>Mir ist wichtig: Sachsen und die neuen Bundesländer haben weiterhin ein großes Potenzial, neue Ideen und Konzepte zu denken und umzusetzen. Durch den öffentlichen Fokus auf den Populismus, der sich ja hier auch in einer Art Laborsituation befindet, wird leicht übersehen, dass es ganz andere zukunftsweisende, politische Themenfelder gibt, die wir schnellstens anpacken müssen und bei denen wir Modellprojekte, Kreativität, neuartige Lösungsangebote brauchen. Hier sehe ich eine echte Chance der neuen Bundesländer.</p>
<p><strong>Vielen Dank für das Interview!</strong></p>
<p>Zur Person:<br />
<img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-162011" src="/wp-content/uploads/2020/06/Roland_Loeffler_07_sw_2.jpg" alt="Roland Löffler, Foto SLpB/Benjamin Jenak" width="305" height="203" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/Roland_Loeffler_07_sw_2.jpg 640w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/Roland_Loeffler_07_sw_2-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 305px) 100vw, 305px" />Dr. Roland Löffler, 48, studierte Evangelische Theologie in Tübingen, Berlin, Cambridge und Marburg. Seit zwei Jahren ist er Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Zuvor arbeitete er u.a. als freiberuflicher Journalist, als Gastprofessor an der Universität Montreal und in leitenden Funktionen bei zwei deutschen Stiftungen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:2019-03_Fridays_For_Future_Dresden_(63).jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fridays For Future-Demonstration in Dresden</a> by Ralf Lotys (Sicherlich) viaWikicommons, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY 4.0 </a></p>
<p>Screenshot „Lasst Uns Streiten“: © SLpB</p>
<p><strong>Porträtfoto Dr. Löffler:</strong> © SLpB/Benjamin Jenak</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-6" data-row="script-row-unique-6" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-6"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-8"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-8" data-row="script-row-unique-8" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-8"));</script></div></div></div>
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		<title>Facebook &#8211; bessere Debatten und weniger Hetze, nur wie?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/facebook-debatten-hetze-156515/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonas Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Aug 2019 15:11:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Debattenkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Pub Talk]]></category>
		<category><![CDATA[Umgang mit Hetze]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[hate speech]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-9"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Am 15. August fand im Café En Passant der Berliner Pub Talk zum Thema Debattenkultur und Umgang mit Hetze im Netz statt. Unter der Moderation von Irene Waltz-Oppertshäuser wurde nach der Fishbowl-Methode, also mit Einbezug des Publikums, diskutiert. Als Expertinnen waren Dr. Viola Neu von der Konrad-Adenauer-Stiftung und Ann Cathrin Riedel von LOAD e.V. dabei.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ></p>
<h3> „If you fuck up Brexit, we will cut your fucking throat …“</h3>
<p>Zum <a href="https://berlinerpubtalk.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Einstieg</a> in das Thema verliest Dr. Robert Grimm, Leiter der Ipsos Sozial- und Politikforschung, ein Zitat, welches auf Facebook an einen britischen Abgeordneten gerichtet wurde, und stellt daraufhin gleich eine der wichtigsten Frage der Debatte: Können wir diese Art der (politischen) Kommunikation auf sozialen Netzwerken wie Facebook, in einen Zusammenhang setzen mit den politisch motivierten Straftaten der letzten Wochen und Monaten, wie beispielsweise dem Mord an Walter Lübcke oder der Schießerei von El Paso?</p>
<p>Dr. Viola Neu, die sich als Wahl- und Parteienforscherin bei der Konrad-Adenauer-Stiftung mit politischen Debatten im Netz beschäftigt, und zu diesem Zweck zigtausende Kommentare gelesen hat, konstatiert dazu später, dass sich ein solcher Zusammenhang nicht objektiv feststellen oder mit Studien belegen lässt. Auch ohne Social Media hätten sich früher terroristische Vereinigungen formiert, ausgetauscht, Taten geplant und ausgeübt. Außerdem sei die Verrohung der Debattenkultur auf Social Media stark themen- und ortsbezogen. „Auf der Facebook-Seite von Helene Fischer ist alles nur voll mit Blumen und Herzchen“ so die Politologin, und andere Themen polarisierten ihrer Ansicht nach auch außerhalb von Social Media: „Wenn ich auf der Parkbank sitze und irgendwas mit Flüchtlingen vor mich hin murmele, werde ich dort genauso polarisieren, wie durch einen Beitrag im Netz“. Diesen Aspekt nimmt auch die zweite Expertin in der Runde, Ann Cathrin Riedel, Vorsitzende von LOAD e.V. – Verein für liberale Netzpolitik, auf, sie sieht einen Grund für die Verrohung der Debatte, beispielsweise auf den Social-Media-Seiten der politischen Parteien, auch darin, dass dort wenig bis gar keine Moderation stattfindet, da gerade Parteien zu wenig Arbeit bzw. Personal in Social Media investieren.</p>
<h3>Meinungsfreiheit im Netz – und deren Grenzen</h3>
<p><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-162021" src="/wp-content/uploads/2020/06/FacebookPubTalk_.jpg" alt="PubTalk mit Ann Cathrin Riedel und Viola Neu" width="305" height="229" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/FacebookPubTalk_.jpg 800w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/FacebookPubTalk_-300x225.jpg 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/FacebookPubTalk_-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 305px) 100vw, 305px" />In ihrem ersten Statement betont Ann Cathrin Riedel, wie wichtig Meinungsfreiheit im Netz ist, „Hass ist nicht immer strafbar und eine Gesellschaft muss auch viel aushalten können“. Ein Gast der sich nach dem Fishbowl-Prinzip in die Debatte einschaltet, sieht diese grundsätzliche Meinungsfreiheit auf den sozialen Netzwerken heute nicht mehr gegeben. Der Mann, der sich selbst als „einer dieser Trolle im Netz“ bezeichnet, kritisiert die Praktiken der Social-Media Plattformen, die ihn laut eigener Aussage schon mehrfach aufgrund von, seiner Darstellung nach, nicht rechtswidrigen Kommentaren gesperrt haben sollen. Er sieht in diesen Praktiken die Ursache für politisch-motivierte Morde und Straftaten, da dadurch eine Verdrängung gewisser Meinungen und Haltungen aus dem öffentlichen Raum, und somit eine Radikalisierung auf Hinterzimmer-Plattformen, den sogenannten Dark Socials, stattfindet.</p>
<p>Dr. Viola Neu stellt daraufhin klar, dass zum einen strafbares Verhalten wie Diffamierung oder Beleidigung strafrechtlich beurteilt werden könne und zum anderen den Plattformen, als privatwirtschaftlichen Akteuren, das Recht zusteht, sozusagen auch nach eigenem Ermessen Kommentare und Beiträge zu löschen. An dieser Stelle driftet die Debatte kurz ab in eine Diskussion über die Definition der Plattformen als Netzwerke des öffentlichen Raums und deren damit verbundenen Rechte bzw. Pflichten zur Einschränkung bzw. Gewährleistung der Meinungsfreiheit. Hier wird deutlich, dass die gesellschaftliche Rolle der Social-Media-Plattformen nicht für alle Beteiligten gleich definiert, gleichzeitig jedoch ein relevanter Faktor für die geführte Diskussion ist.</p>
<h3>„Die Reichweite von Hass im Netz wird von den konventionellen Medien stark überschätzt“</h3>
<p>Beide Expertinnen relativieren jedoch auch diese Rolle und den Einfluss auf die Gesellschaft. „Die Reichweite von Hass im Netz wird von den konventionellen Medien stark überschätzt“, so Ann Cathrin Riedel. Und Dr. Viola Neu merkt an, dass auch generell die Reichweite mancher Kanäle immer schon überschätzt würde: „Wenn die FAZ etwas schreibt wird das als wichtig betrachtet, obwohl die Abonnentenzahl der FAZ unter der vieler Regionalblätter liegt“, bei Diskussionen im Netz sei das ähnlich, zumal sich ein Großteil der Nutzer sehr passiv verhalte und nicht nachweisbar beeinflusst wird. Einer der Gäste, ein Schweizer Journalist, sieht sich und seine Kollegen in der Pflicht, hassgefüllte Debatten im Netz nicht zusätzlich anzufeuern, indem man darüber berichtet. Er vermisst in allen Medien eine inhalts- und zukunftsorientierte Debatte.</p>
<h3>Persönlicher Umgang mit Hass im Netz</h3>
<p>Ein weiterer, lange diskutierter Aspekt ist der persönliche Umgang mit Hassnachrichten auf Social Media und ob man ankommen kann gegen „Armeen von Bots oder Trollen“? Aus wissenschaftlicher Sicht, so Dr. Viola Neu, gäbe es keine präzise Handlungsanweisung, da es Studien gäbe, nach denen Gegenrede zu Hass auf Social Media positive Effekte habe, jedoch auch solche, die keine oder sogar negative Effekte erkennen ließen. Es herrscht jedoch auch unter den meisten Gästen Konsens, im Zweifel seinen eigenen Standpunkt auf einer sachlichen Ebene klar zu machen. Persönliche Stellungnahmen, nach dem Vorbild von #ichbinhier, ermutigen andere Menschen, sich für eine humane und sachorientierte Debatte ohne Hass im Netz stark zu machen. Dies sei zudem wichtig, um demokratische Freiheit für alle zu ermöglichen, und den oft festgestellten Rückzug aus der Debatte zu verhindern.</p>
<p><strong>Photo by:</strong> <a href="https://unsplash.com/@jontyson?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Jon Tyson</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-9" data-row="script-row-unique-9" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-9"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-11"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-11" data-row="script-row-unique-11" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-11"));</script></div></div></div>
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		<title>Deplatforming: Die Privatisierung der Zensur</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/privatisierung-der-zensur-156019/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Erle]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 May 2019 09:52:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[hate speech]]></category>
		<category><![CDATA[Deplatforming]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Redefreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-12"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p><span style="font-weight: 400;">Der Attentäter von Christchurch war ein Anhänger des hybriden Informationskriegs: er filmte seinen Anschlag mit einer Helmkamera und streamte ihn live. Aufzeichnungen davon kursierten in Folge auf zahlreichen Social Media Plattformen. Sein Terrorakt sollte ein Aufruf zu weiterer Gewalt sein. Youtube und Facebook unternahmen schnell Schritte, diesen unmenschlichen Inhalt zu blockieren: sie löschten bestehende Videos, die auf ihre Plattformen hochgeladen worden waren. Mittels </span><a href="https://politik-digital.de/news/umgang-mit-fake-news-informationsfreiheit-vs-bullshit-faktor-155852/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">Uploadfiltern </span></a><span style="font-weight: 400;">verhinderten sie, dass Kopien wieder online gestellt würden.</span></p>
</div><div class="uncode_text_column" ></p>
<p>Die Plattformen unternahmen damit auf eigene Initiative hin eine Zensur, und es dürfte sich kaum ein Kritiker dieses Schritts finden. Andere Plattformen wie 8chan ließen das Video online. Als Reaktion darauf entschlossen sich die großen Internet-Anbieter in Australien und Neuseeland, die betreffenden Plattformen zu sperren. Zugriff auf 8chan und andere war in diesen Ländern nur noch über Umwege möglich.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dieser Schritt wiederum wurde kritisiert. Nicht nur die Verhältnismäßigkeit einer kompletten Sperrung der Plattformen </span><a href="https://slate.com/technology/2019/03/new-zealand-shooting-8chan-isps-block-facebook-youtube.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">wurde in Frage gestellt</span></a><span style="font-weight: 400;">, sondern auch das Recht der ISP (Internet Service Provider), Inhalte zu zensieren. In Deutschland </span><a href="https://www.backstagepro.de/thema/vodafone-sperrt-im-auftrag-der-gema-eine-website-die-urheberrechtsverletzungen-foerdert-2019-03-30-4kdwcDRrQ7?&amp;utm_source=newsletter&amp;utm_medium=mail&amp;utm_campaign=b9L8CQJvH2" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">sperrte</span></a><span style="font-weight: 400;"> Vodafone jüngst auf Betreiben der GEMA einen ausländischen Anbieter urheberrechtlich geschützten Materials.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch welche Teile des Ökosystems Internet haben die Möglichkeit, aus eigenem Antrieb heraus bestimmte Inhalte oder Anbieter zu unterdrücken oder völlig zu blocken? Wann geschieht dies, und wie ist dieses Verhalten zu bewerten? Ein Blick auf verschiedene Szenarien des Deplatformings und verwandter Blocks</span></p>
<h3>1. Totschweigen in den sozialen Medien</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Facebook, Youtube, Instagram und Twitter unterdrücken inzwischen regelmäßig anstößige Inhalte. Dabei sind die entsprechenden Posts noch vorhanden, werden aber in Suchen oder in den Vorschlägen nicht mehr angezeigt. Beispiele sind Videos von </span><a href="https://www.mimikama.at/allgemein/instagram-zeigt-rote-karte/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">Impfgegnern </span></a><span style="font-weight: 400;">oder </span><a href="https://www.buzzfeed.com/markdistefano/youtube-sweeping-new-restrictions-tommy-robinson" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">rechtsradikale Inhalte</span></a><span style="font-weight: 400;">. Oft, aber nicht immer, werden diese Maßnahmen mit dem Verstoß gegen Nutzungsrichtlinien begründet. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Anwender können die betreffenden Inhalte weiterhin verlinken und weiterempfehlen, so dass zumindest die enthusiastischen Follower von dieser Maßnahme kaum betroffen sind.</span></p>
<h3>2. Verbannen aus den sozialen Medien</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Gerade im Fall von Aufrufen zu Gewalt und Hass durch rechtsradikale Accounts haben sich Facebook et al. in den letzten Monaten </span><a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2018-09-06/twitter-bans-infowars-s-alex-jones-for-abusive-behavior?srnd=premium" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">zur Löschung diverser Accounts</span></a><span style="font-weight: 400;"> entschlossen. Alex Jones Blog Inforwars ist eines der prominenten Beispiele. Erst Anfang des Monats verwies Facebook abermals </span><a href="https://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-sperrt-sechs-prominente-Hassschleuderer-4412153.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">zahlreiche kontroverse User</span></a><span style="font-weight: 400;"> des Netzwerks. Auch hier liegen meist Verstöße gegen Nutzungsrichtlinien zugrunde. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Anwender haben nur dann die Möglichkeit, die Botschaften der gesperrten Teilnehmer zu empfangen, wenn diese auf anderen Plattformen oder einer eigenen Website vertreten sind.</span></p>
<h3>3. Stilllegen webbasierter Finanzierungsquellen</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Falle von Infowars oder Impfgegnern setzen die Plattform-Betreiber immer wieder auch auf das Stilllegen der Finanzierungsquellen. Im Online-Ökosystem sind Spenden oder Merchandising-Käufe über Bezahldienste wie Patreon oder Paypal ein beliebtes Mittel, einzelne Produzenten zu finanzieren. Werden diese Kanäle (die bisweilen in der Hand der Social Media Plattform sind) von den Anbietern gesperrt, schadet das dem Produzenten empfindlich. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Alternativ können die Anbieter von Online-Werbung (auch hier sind die Social Media Anbieter selbst beteiligt) einzelne Seiten aus dem Anzeigengeschäft ausschließen, und so eine weitere Finanzierungsquelle trockenlegen. In der Vergangenheit waren rechtsradikale Blogs wie </span><a href="https://www.businessinsider.de/facebook-looking-into-calls-to-cut-breitbart-off-from-its-ads-business-2017-11?r=US&amp;IR=T" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">Breitbart</span></a><span style="font-weight: 400;"> oder </span><a href="https://www.theguardian.com/technology/2019/mar/07/facebook-anti-vaxx-vaccine-hoax-ads" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">Impfgegner</span></a><span style="font-weight: 400;"> betroffen &#8211; oftmals </span><a href="https://digiday.com/media/programmatic-platforms-breitbart/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">auf Druck der Anzeigenkunden</span></a><span style="font-weight: 400;"> hin.</span></p>
<h3>4. Entzug von Webspace</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Selbst wenn ein Produzent umstrittener Inhalte einen eigenen Blog oder eine eigene Website verwendet, greift er dafür oft auf Webspace der großen Cloud-Anbieter zurück. Diese könnten den Vertrag mit ihm kündigen und die betreffenden Inhalte digital “heimatlos” machen &#8211; </span><a href="https://www.heise.de/newsticker/meldung/Nach-Anschlag-auf-US-Synagoge-Hoster-zieht-bei-Twitter-Alternative-Gab-den-Stecker-4206547.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">so geschehen mit dem Netzwerk gab.ai</span></a><span style="font-weight: 400;">. Es steht jedem Teilnehmer des Internets offen, einen eigenen Webserver zu installieren, auf dem die Inhalte gehostet werden. In den meisten Fällen dürfte dies das technische Know-How und die zeitlichen Ressourcen für Pflege und Wartung aber übersteigen.</span></p>
<h3>5. Entzug von DNS-Verweisen</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Der DNS ist eine Art Adressbuch des Internets, der eine URL in die IP-Adresse des jeweilige Anbieters übersetzt. DNS-Provider sind private Unternehmen, denen es freisteht, Kunden zu akzeptieren oder zu kündigen. So </span><a href="https://www.theregister.co.uk/2018/05/04/whackanazi_resumes_as_godaddy_exiles_altrightcom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">kündigte der Anbieter Godaddy</span></a><span style="font-weight: 400;"> vor kurzem der rechtsradikalen Seite altright.com. Findet sich kein anderer DNS-Provider, sind die betroffenen Seiten nur noch über ihre IP-Adresse zu erreichen. Ein mühsamer Weg, der den Traffic empfindlich senken dürfte.</span></p>
<h3>6. Blockierung im Netz</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Das schärfste Mittel, eine Seite oder einen Produzenten von Inhalten mundtot zu machen, sind Sperren auf der Netzebene. Zugriffe auf bestimmte Inhalte oder Seiten werden dabei vom Internetanbieter komplett geblockt. Die oben erwähnten Beispiele belegen, dass die rechtliche Grauzone bereits heute unter verschiedenen Szenarien dazu einlädt, eine digitale Totalzensur einzurichten. In beiden Fällen haben die Internet-Provider ohne rechtlichen Zwang Maßnahmen ergriffen, die vermutlich auf Basis bestehenden Rechts von einem Richter angeordnet worden wären. Aber der vorauseilende Gehorsam macht viele Netzaktivisten nervös. Es ist heute kein absurder Gedanke, dass die nächste Regierung oder der nächste CEO eines großen Tech-Unternehmens autoritäre Tendenzen hat. Die digitale Zensur könnte dann schnell zu einem Mittel des Machterhalts werden, der an das c</span><a href="https://www.heise.de/tp/features/Orwell-laesst-gruessen-China-vor-dem-Nationalen-Volkskongress-4326212.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">hinesische Modell</span></a><span style="font-weight: 400;"> erinnert. </span></p>
<h3><span style="font-weight: 400;">Die Digitalisierung der Redefreiheit</span></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Alle oben beschriebenen Maßnahmen rühren an eines der wichtigsten Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Ordnung: der Redefreiheit. Weniger stark im Falle der Punkte 1-3: es sind hier private Unternehmen, die ein eigenwirtschaftliches Interesse haben. Sie geben in erster Linie dem Druck ihrer Anwender nach, schädliche Inhalte zu tilgen und Akteure zu verbannen. Auch wenn Facebook und Youtube weitgehende Monopole innehaben, ist gegen diesen digitalen Hausputz grundsätzlich nichts einzuwenden. Selbst im Falle des Entzugs von Webspace (Punkt 4) kann man noch argumentieren, dass ein privater Anbieter von technischer Infrastruktur das Recht hat, seine Dienste verschiedenen Kunden vorzuenthalten. Man gerät aber damit an die Grenzen der Diskriminierung: warum sollte ein Bäcker verpflichtet sein, entgegen seiner religiösen Überzeugung Hochzeitstorten für gleichgeschlechtliche Paare zu backen, ein Webspace-Anbieter aber Kunden verweigern dürfen, die seinen politischen Ansichten widersprechen? Es kommt hier auf den Einzelfall an &#8211; aber damit ein Geschädigter Gerechtigkeit einfordern kann, muss die Sachlage justiziabel sein.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Als Faustregel für alle privaten Maßnahmen gegen einzelne Anbieter oder Inhalte könnte gelten: wenn ein verbannter Teilnehmer weiterhin die Möglichkeit hat, sich mit eigenen Mitteln zu helfen (eigener Webserver, eigene Bankverbindung), ist der digitale Boykott nicht zu beanstanden. Die </span><a href="https://politik-digital.de/news/warum-hetze-im-netz-nichts-mit-redefreiheit-zu-tun-hat-151871/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">positive Redefreiheit ist nicht im gleichen Maße einklagbar wie die negative Redefreiheit</span></a><span style="font-weight: 400;">.</span></p>
<p>Anders bei der Blockade oder der Zensur auf Infrastrukturebene: bei DNS-Verweis und Datenverkehr sollten sehr strenge Maßstäbe angelegt werden, bevor ein privates Unternehmen einzelne User blockieren darf. Hier sind oft keine Alternativen verfügbar &#8211; die negative Redefreiheit wird dadurch direkt verletzt. Eine richterliche Anordnung sollte deswegen grundsätzlich erforderlich sein. Sowohl im Falle des Attentäters von Christchurch als auch des Anbieters GEMA-geschützten Materials war dies nicht erfolgt.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Offenbar weist die Rechtsprechung hier eine gefährliche Lücke auf: nicht nur werden die Bürger unzureichend vor dieser privaten &#8211; und willkürlichen &#8211; Zensur geschützt. Es fehlen auch Mechanismen, um gerechtfertigte Ansprüche (wie im Falle des Terrorvideos) schnell genug umzusetzen um den Schaden zu verhindern, den sie anrichten: es fehlt, kurz gesagt, eine Charta der digitalen Redefreiheit.</span></p>
<p>Titelbild: DOE Completes Cleanup of Transuranic Waste at Berkeley Lab by United States Department of Energy, Public Domain, via <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:DOE_Completes_Cleanup_of_Transuranic_Waste_at_Berkeley_Lab.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikicommons</a><img decoding="async" src="http://vg04.met.vgwort.de/na/708ca7d6303f494388227689cae1116b" alt="" width="1" height="1" /></p>
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</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>„Hass kann man nicht mit Hass bekämpfen.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/hate-speech-interview-das-nettz-154850/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Lea Herrmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jul 2018 08:50:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[hate speech]]></category>
		<category><![CDATA[Hassrede]]></category>
		<category><![CDATA[verbale Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Anfeindungen, Beleidigungen oder Drohungen – das Internet reduziert die Hemmschwelle für den Ausdruck von verbaler Gewalt und bietet gleichzeitig eine Plattform [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Das-Nettz.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-154863 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Das-Nettz.png" alt="Smartphone mit DAS NETTZ Logo, JEESHOTScom via pixabay, (CC0); ©Logo DAS NETTZ, bearbeitet." width="640" height="350" /></a>Anfeindungen, Beleidigungen oder Drohungen – das Internet reduziert die Hemmschwelle für den Ausdruck von verbaler Gewalt und bietet gleichzeitig eine Plattform für anonymisierten Hass. In den letzten Jahren hat sich das Phänomen der sogenannten „Hate Speech“ auf diversen Online-Plattformen vermehrt ausgebreitet. Im Interview mit politik-digital.de sprechen Hanna Gleiß und Nadine Brömme aus dem Projektteam von DAS NETTZ über diese Entwicklung und erklären, wie ihr aktiv begegnet werden kann.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Das-NETTZ-hanna-und-nadine-klein1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-thumbnail wp-image-154858" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Das-NETTZ-hanna-und-nadine-klein1-195x119.jpg" alt="Das-NETTZ-hanna-und-nadine-klein" width="195" height="119" /></a></p>
<p>Hanna Gleiß und Nadine Brömme bauen seit Herbst 2017 gemeinsam Das NETTZ &#8211; Die Vernetzungsstelle gegen Hate Speech des betterplace labs auf. Hanna Gleiß hat Politikwissenschaft in Berlin und Internationale Beziehungen in Paris studiert und acht Jahre als Projektmanagerin im Bereich Völkerverständigung bei der Robert-Bosch-Stiftung gearbeitet. Nadine Brömme beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit digitaler Kommunikation &#8211; zunächst als Analystin, später als Strategin bei der Digitalagentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr. Ihr besonderes Interesse gilt dem Einfluss der Digitalisierung auf den gesellschaftlichen Diskurs.</p>
<p></div></div>
<h3>politik-digital.de: DAS NETTZ gründete sich 2017 mit dem Ziel, gegen &#8220;Hate Speech&#8221; im Internet vorzugehen. Was genau versteht man unter &#8220;Hate Speech&#8221; und wie hat sich das Phänomen in den letzten Jahren verändert?</h3>
<p>Der Begriff Hate Speech (auf Deutsch Hassrede) ist relativ neu und es gibt keine von allen akzeptierte Definition, es ist auch kein eigener juristischer Tatbestand. Häufig damit gemeint sind die Tatbestände Volksverhetzung oder Beleidigung. Eine gängige und auch von uns benutzte Definition ist der Ausdruck von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Das bedeutet, dass jemand beleidigt oder bedroht wird, weil er/sie mit einer bestimmten Gruppe identifiziert wird, z.B. eine Kopftuchträgerin. Auch Menschen, die sich für bestimmte Themen engagieren, wie z.B. Rechte für Frauen oder Geflüchtete, sind häufig Opfer von Hassrede. Es scheint, dass Hassrede in Deutschland in den letzten 2 bis 3 Jahren zugenommen hat.</p>
<h3>politik-digital.de: DAS NETTZ soll als Vernetzungsstelle gegen Hate Speech fungieren. Wie findet diese Vernetzung statt und welche anderen Angebote bietet DAS NETTZ?</h3>
<p>Wir haben verschiedene analoge Vernetzungsformate ins Leben gerufen: Unser monatlicher Stammtisch in Berlin (Termine erfahrt ihr in unserem Newsletter und auf unserer Facebook-Seite), unser jährliches <a href="https://www.das-nettz.de/unser-community-event-geht-die-naechste-runde-13-140918" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Community Event</a> vom 13.-14.09.18 sowie weitere thematische Events im Verlauf des Jahres. Eine digitale Vernetzung ermöglichen wir über einen Slack-Kanal. <a href="https://www.das-nettz.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Auf unserer Website</a> bündeln wir Wissen zum Thema Hate Speech: wissenschaftliche Publikationen sowie praktische Arbeitsmaterialien für den konkreten Umgang. Außerdem stellen wir verschiedene Initiativen und ihre Ansätze vor und machen sie so sichtbarer. Wir möchten einen Erfahrungsaustausch untereinander ermöglichen. Wir glauben, dass so alle voneinander lernen können und ihre wichtige Arbeit wirkungsvoller ausüben können. Auch mit MitarbeiterInnen von IT-Plattformen, politischen EntscheidungsträgerInnen und Medienschaffenden tauschen wir uns aus und möchten Bedarfe aus der Zivilgesellschaft weitertragen, um damit langfristig zu verbesserten Rahmenbedingungen für Engagierte beizutragen. Im Juni haben wir unseren ersten &#8220;Hack Day for Good&#8221; ins Leben gerufen, um gemeinsam mit AktivistInnen, AnalystInnen und EntwicklerInnen Lösungen auf einer technischen Ebene zu überlegen. Daraus sind organisationsübergreifend tolle Ideen für erste Prototypen entstanden, die wir demnächst veröffentlichen. Ab sofort ist auch unser jährlicher <a href="https://www.das-nettz.de/foerderwettbewerb" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Förderwettbewerb</a> (Anmeldungen bis zum 25.08.) ausgeschrieben, bei dem wir insgesamt 20.000 Euro an kleinere Projekte weiterreichen.</p>
<h3>politik-digital.de: Damit knüpft die Initiative an die Frage an, wie mit Hass im Netz umgegangen werden soll. Ignorieren, melden oder ausdiskutieren &#8211; viele Betroffenen sind zu Beginn zunächst verunsichert, wie sie auf Hate Speech reagieren sollen. Welche Reaktion empfehlen Sie?</h3>
<p>Sicher gibt es nicht die eine Lösung, da die jeweiligen Situationen sehr komplex und auch unterschiedlich sind. Das heißt, in den meisten Fällen empfiehlt sich eine Mischung unterschiedlicher Maßnahmen. Menschenfeindliche Angriffe, Drohungen und Aufrufe zur Gewalt sollten in jedem Fall gemeldet und auch zur Anzeige gebracht werden. Beleidigungen können je nach Situation und Fülle auch mal ignoriert werden &#8211; vor allem dann, wenn deutlich ist, dass der/die AbsenderIn nicht an einer konstruktiven Diskussion interessiert ist. Diskutieren sollte man mit jenen, die an einer Debatte interessiert sind. Natürlich ist es völlig menschlich, frustriert zu sein und manchmal muss das raus, aber eben in Form eines respektvollen Miteinanders. Bei solchen sachlichen Diskussionen leistet z.B. die Gegenrede-Community <a href="https://www.facebook.com/groups/718574178311688/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">#ichbinhier</a> auf Facebook wertvolle Arbeit. Wenn man selbst sehr stark betroffen ist, sollte man sich unbedingt Hilfe holen, z.B. beim Projekt <a href="https://hateaid.me/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Hate Aid&#8221;</a> von Fearless Democracy.</p>
<h3>politik-digital.de: Die <a href="https://www.ardmediathek.de/tv/funk/L%C3%B6sch-Dich-So-organisiert-ist-der-Hass-/funk/Video?bcastId=51955908&amp;documentId=51935246" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ARD Dokumentation &#8220;Lösch dich!&#8221;</a> zeigt, wie organisierte Communities online gezielt Hass verbreiten. Dabei ist eine sehr kleine Minderheit von Userinnen und Usern online überproportional sichtbar. Angenommen es steckt wirklich eine geringe Zahl an realen Personen hinter dem gezielt verbreiteten Hass im Netz &#8211; wie konstruktiv kann ein Dialog mit diesen Personen dann überhaupt werden?</h3>
<p>Bei extremen Meinungen und radikalisierten VertreterInnen dieser Anschauungen ist (Online-)Dialog oder auch Gegenrede sicher nur begrenzt wirkungsvoll. Hier ist pädagogische Expertise gefragt, um die Ursachen der Radikalisierung zu bekämpfen. Die Bereitschaft zum Dialog und auch ein Vertrauensverhältnis sind im Digitalen große Herausforderungen. Dennoch gibt es Organisationen wie das <a href="http://www.violence-prevention-network.de/de/?gclid=EAIaIQobChMIu5LDiNqR3AIVTdwZCh37BQc7EAAYASAAEgK9L_D_BwE" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Violence Prevention Network</a>, die wichtige pädagogische Arbeit leisten und dies auch zunehmend in den digitalen Raum übertragen. Bei der organisierten Verbreitung von Hass durch eine Minderheit ist Dialog und Gegenrede dennoch ein wichtiger Ansatz, um vor allem die &#8220;stillen Mitlesenden&#8221; zu erreichen. Es darf sich nicht der Eindruck manifestieren, dass die laute Minderheit einen Großteil der Gesellschaft repräsentiert. Gegenrede soll genau das leisten, um auch politisch Unentschlossene zu erreichen. Falschinformationen und Hass in der Netzöffentlichkeit dürfen wir nicht stehen lassen. Wir alle müssen diese Dialoge führen, um einer Diskursverschiebung gesellschaftlicher Themen entgegenzuwirken.</p>
<h3>politik-digital.de: Mittlerweile organisieren von rechts bis links sich viele Menschen in Gruppen, um gezielt Einfluss auf Diskussionen und Wahrnehmung der Stimmung in der Bevölkerung zu nehmen. Auch das NETTZ dockt hier an. Werden zukünftig immer mehr &#8220;digitale Truppen&#8221; aufeinanderprallen und der individuelle Austausch &#8211; zumindest bei polarisierenden Themen &#8211; auf der Strecke bleiben?</h3>
<p>Gegenrede ist nur ein Teil der Maßnahmen gegen Hassrede. Die Frage ist, warum gibt es diesen Hass in unserer Gesellschaft? Was führt dazu, dass er seit 2-3 Jahren im Netz immer sichtbarer wird? Individueller Austausch und damit die Auseinandersetzung mit den Ursachen ist unbedingt notwendig, um etwas zu verändern. Das ist sicher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und kann nicht vorrangig bei kleinen zivilgesellschaftlichen Organisationen liegen. Medien, Politik, Wirtschaft und die Zivilgesellschaft müssen hier gemeinsam Lösungen entwickeln. Genau da setzen wir mit unserem Projekt Das NETTZ an. Wir wollen intersektional zusammenarbeiten, um die Rahmenbedingungen zu verändern, sodass die Verbreitung von Hass und Hetze nicht mehr in der Form möglich ist. Was das Auseinanderdriften der Gesellschaft betrifft, sind wir natürlich alle gefragt. Und wie Sie richtig anmerken, ist das Risiko einer weiteren Polarisierung durch die entsprechenden Gegenreaktionen durchaus vorhanden und auch alle Engagierten sollten hier immer wieder selbstkritisch die eigene Wirkung hinterfragen. Hass kann man nicht mit Hass oder Gegenaggression bekämpfen. Vielleicht sind die Kommentarspalten von Facebook, Twitter &amp; Co. auch nicht der richtige Ort, um über Werte zu diskutieren. Wir brauchen eine Weiterentwicklung dieser Angebote um neue Plattformen oder Formate. Das Angebot von <a href="https://www.diskutiermitmir.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Diskutier mit mir e.V.</a>, eines der Gewinnerprojekte unseres letzten Förderwettbewerbs, setzt beispielsweise genau hier an, indem sie Menschen, die politisch möglichst weit voneinander entfernt sind, einen anonymen 1:1 Chat anbieten.</p>
<h3>politik-digital.de: Der Aufbau von parallelen Netzwerken wie Gap, VK oder Minds, in denen rassistische oder hetzerische Posts geduldet werden, steigt. Kann diese Entwicklung als Konsequenz des rigorosen Content-Managements von traditionellen Anbietern wie Facebook und Co. gewertet werden? Wenn ja, wie gelingt der Spagat zwischen Meinungsfreiheit und konstruktiver Debattenkultur in einem Netzwerk, das für alle zugänglich bleibt?</h3>
<p>Es gab schon immer parallele Netzwerke zu Facebook und Co., auf denen sich unterschiedliche Interessengruppen zusammenfinden. Die gegenwärtige Entwicklung von parallelen Netzwerken hat bestimmt teilweise mit dem Content-Management der großen sozialen Plattformen zu tun, die jetzt durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz im Zugzwang sind. Sicher kann man über die Rigorosität ihres Vorgehens aber auch streiten. Viele Betroffene wünschen sich einen konsequenteren Umgang mit menschenfeindlichen Äußerungen. Teilweise werden Gewaltandrohungen nicht entfernt, weil sie nicht gegen die Gemeinschaftsregeln verstoßen. Opfer von Hassrede fühlen sich damit allein gelassen und fordern u.a. personelle Aufstockungen. Einen Spagat zwischen Meinungsfreiheit und konstruktiver Debattenkultur sollte es nicht geben. Es muss aus gesellschaftlicher Sicht vielmehr möglich sein, respektvoll miteinander umzugehen. Das heißt auch, dass Menschenfeindlichkeit einfach nicht geduldet werden darf &#8211; weder auf den größeren Plattformen, noch auf kleineren Netzwerken. Denn das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Es ist unbedingt notwendig, dass wir moralisch argumentieren, dass wir ethische Rahmenbedingungen für unseren Online-Diskurs setzen. Diese ethischen Rahmenbedingungen sollten alle einhalten, die Plattformen im Internet anbieten &#8211; egal wie groß sie sind. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Entsprechend konsequent muss auch vorgegangen werden.</p>
<h3>politik-digital.de: Denken wir fünf Jahre in die Zukunft. Was hätte DAS NETTZ konkret erreicht, um von einer erfolgreichen Umsetzung der Initiative zu sprechen?</h3>
<p>Wir wünschen uns, dass diejenigen, die sich gegen Hass und Hetze im Netz und für ein respektvolles Miteinander engagieren, wesentlich stärker wahrgenommen werden als aktuell und dass sie ihre Arbeit wirkungsvoll machen können. Wenn wir dazu beigetragen haben, dass die Initiativen gegen Hate Speech alle miteinander vernetzt sind, sich rege austauschen über ihre Herausforderungen und Erfolge und voneinander lernen, dann sind wir einen großen Schritt weiter. Wenn wir es darüber hinaus schaffen, dass seitens der Politik, Justiz, Medien und Polizei entsprechende Rahmenbedingungen und der Diskurs verändert wird, dann kommen wir dem Ziel näher. Wenn all das zur Eindämmung von menschenfeindlichen Kommentaren und Handlungen führt und wir von einer positiven Debattenkultur sprechen können, dann haben wir unser Ziel erreicht.</p>
<p>Titelbild: JEESHOTScom via <a href="https://pixabay.com/de/iphone-smartphone-anwendungen-410324/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay</a> (<a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a>); ©Logo DAS NETTZ, bearbeitet.</p>
<p>Bild der Interviewpartnerinnen: ©betterplacelab.org</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>NetzDG, Shadowban und Facebook-Löschung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzdg-shadowban-und-facebook-loeschung-152762/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Erle]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jul 2017 08:43:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[hate speech]]></category>
		<category><![CDATA[NetzDG]]></category>
		<category><![CDATA[Shadow Ban]]></category>
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					<description><![CDATA[Hate Speech und politische Propaganda beschäftigen die öffentliche Diskussion nicht erst seit Donald Trumps Wahl 2016. Der für viele schockierende [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2017-07-07-um-13.07.18.png"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-152765" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2017-07-07-um-13.07.18-630x315.png" alt="Bildschirmfoto 2017-07-07 um 13.07.18" width="630" height="315" /></a>Hate Speech und politische Propaganda beschäftigen die öffentliche Diskussion nicht erst seit Donald Trumps Wahl 2016. Der für viele schockierende Erfolg des Populisten hat in den westlichen Demokratien und in den Zentralen von Facebook, Twitter und Co. die Alarmglocken läuten lassen. Sehr aktiv suchen Politik und Digitalwirtschaft nach Wegen, dem Problem von Hass und Lüge in den sozialen Medien Herr zu werden. Kurz vor der Sommerpause und der heißen Phase der Bundestagswahl hat der Bundestag <a href="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2017/06/Synopse-NetzDG-final.pdf">das NetzDG verabschiedet</a>, das Hasspropaganda in den sozialen Medien einen Riegel vorschiebt &#8211; und gleichzeitig die freie Meinungsäußerung erheblich einschränkt. Kritiker warnen zu Recht vor den Folgen des schwammig und zu weit gefassten Gesetzes (so <a href="http://politik-digital.de/news/zielt-das-netzdg-ins-leere-2-151888/">auch dieser Autor</a>).</p>
<p>Facebook und Twitter ihrerseits gehen das Problem in vorauseilendem Gehorsam bereits jetzt an &#8211; mit unterschiedlichem Erfolg. Nachdem Facebooks interne Richtlinien für die Sperrung von Inhalten bekannt worden sind, wird klar, wie unbeholfen der Branchenprimus agiert. Twitter dagegen scheint seine algorithmengesteuerte Zensurmaschine so scharf gemacht zu haben, dass sie reihenweise “false positives” produziert. Zahlreiche User beschweren sich darüber, digital mundtot gemacht zu sein; ihre Tweets sind nur noch ihren Followern sichtbar, nicht mehr aber in der offenen Suche. Ein Vorgang, der weder transparent ist, noch angefochten werden kann. Die Existenz dieses “<a href="https://twitter.com/search?f=tweets&amp;vertical=default&amp;q=%2523shadowban&amp;src=typd">Shadowban</a>” bestritt Twitter prompt, und <a href="http://t3n.de/news/shadowban-twitter-833350/">bezeichnete ihn als einen Fehler der Spam-Bekämpfung</a>. Doch ein <a href="https://support.twitter.com/articles/20175243#abuse-spam">Blick in die Nutzungsbedingungen</a> beschreibt exakt die Maßnahmen, die einen Shadowban auszeichnen:</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Twitter-Nutzungsbedingungen-englisch.png"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-152763" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Twitter-Nutzungsbedingungen-englisch-630x140.png" alt="Twitter-Nutzungsbedingungen-englisch" width="630" height="140" /></a></p>
<p><i>“&#8230;wir identifizieren mittels technischer Methoden solche Accounts, die beleidigendes [&#8230;] Verhalten zeigen. Wenn dies der Fall ist, ergreifen wir Maßnahmen, um bestimmte Funktionen zu beschränken. So können Tweets zeitweise etwa nur Followern sichtbar gemacht werden…”</i></p>
<h3>Subgruppen nicht geschützt</h3>
<p>Facebook hat hingegen <a href="https://www.propublica.org/article/facebook-hate-speech-censorship-internal-documents-algorithms">ein Regelwerk entworfen</a>, das absurde Blüten treibt. Hasskommentare sind nur dann nicht zulässig, wenn sie eine der geschützten Gruppen betreffen. Diese sind definiert durch ihre Abgrenzung durch Geschlecht, Religion, Nationalität, Genderidentität, Rasse, Volkszugehörigkeit, sexuelle Orientierung und Krankheit oder Behinderung. Doch dieser Schutz verfällt, sobald sich ein Hasskommentar gegen eine nicht geschützte Subgruppe richtet: etwa eine bestimmte Alterskategorie, oder Vertreter eines Berufs. Afroamerikanische Kinder sind also nicht geschützt, weiße Männer sehr wohl.</p>
<h3>Nur Menschen können Content effektiv kontrollieren</h3>
<p>Die beiden Beispiele zeigen, dass es ungemein schwierig ist, die große Bandbreite der Kommunikation in klare Regeln zu fassen. Hate Speech oder Fake News sind Stand heute nicht mit Algorithmen in den Griff zu bekommen. Es bedarf der menschlichen Intelligenz, und die ist teuer. Die Wirtschaftsbetriebe Facebook und Twitter sind zurückhaltend dabei, große Teams von Content-Kontrolleuren einzustellen. Das NetzDG ist darauf ausgelegt, sie dazu zu zwingen. In der endgültig beschlossenen Fassung sieht es vor, dass die Betreiber der sozialen Medien eine unabhängige “Einrichtung der Regulierten Selbstregulierung” anrufen können, um strittige Fälle zu schlichten. Diese Einrichtung, so scheint der Gesetzgeber vorzusehen, sollen die Unternehmen gemeinsam finanzieren und dort eine einheitliche Prüfung vornehmen lassen.</p>
<p>Das NetzDG fordert noch weitere Schritte, die es Facebook et al unmöglich machen sollen, sich wie bisher aus der Affäre zu ziehen (Gründer Marc Zuckerberg bestritt stets, dass Facebook ein Medium sei. Erst vor Kurzem <a href="https://techcrunch.com/2016/12/21/fbonc/">wich er von dieser Linie etwas ab</a>.) Die sozialen Netzwerke sind gefordert, einen Ansprechpartner in Deutschland zur Verfügung zu stellen. Gerichtsstand von Klagen ist der Wohnort des Geschädigten, nicht des Unternehmens oder des Urhebers eines verletzenden Posts. Die teils empfindlichen Strafen tun ihr übriges, den sozialen Netzwerken klar zu machen, dass sie nicht wie bisher die Zügel locker lassen und den User seine Meinung ungehemmt kund tun lassen dürfen.</p>
<h3>NetzDG könnte ungeliebte Accounts lahmlegen</h3>
<p>Die kurzfristigen Folgen werden vermutlich verheerend sein. Waren schon in der Vergangenheit Missbrauchs-Vorwürfe und Beschwerden gegenüber Usern ein beliebtes Mittel für politische Akteure, Kritik zu unterbinden und Gegner zu knebeln (so etwa seitens russischer Stellen gegen Parodieaccounts wie <a href="https://twitter.com/DarthPutinKGB">@darthputin</a> und <a href="https://twitter.com/SovietSergey">@SovietSergey</a><a href="https://twitter.com/Sputnik_Not"> @Sputnik_Not</a>), so wird diese Praxis sicherlich zum Standard-Werkzeug jeder Propaganda-Abteilung werden. Das neue Gesetz gibt etwa der russischen Regierung, welche Hackerangriffe, digitale Propaganda und soziale Medien als Dreieinigkeit der digitalen Waffengattungen begreift (wie im Fall <a href="https://www.heise.de/tp/features/Macron-Leaks-Die-Geschichte-zum-massiven-Hack-3711374.html">#macronhack nahe liegt</a> und was Grundlage der anhaltenden Vorwürfe gegen den oben erwähnten Präsidenten Trump ist), neue Möglichkeiten. Kurz vor kritischen Wahlen oder anderen Entscheidungen könnten sie mit einer Flut von Klagen gegen unliebige Accounts die Prüfstellen lahmlegen und die Betreiber der sozialen Netzwerke dazu bringen, die beklagten Accounts vorsichtshalber in den entscheidenden Tagen zu blockieren.</p>
<p>Es gibt vermutlich keine gute Antwort auf Hate Speech und Fake News. Unabhängige Organe zur Richtigstellung von gefälschten Tatsachenbehauptungen und der Unterbindung strafbarer Posts sind ein nötiger erster Schritt. Doch ihre Finanzierung und die Garantie, dass sie frei von staatlicher oder wirtschaftlicher Einflussnahme sind sowie die Frage, in welchem Rahmen Hate Speech von der Meinungsfreiheit gedeckt und geschützt ist, dürften die demokratische Gesellschaft  noch auf Jahre hinaus beschäftigen.</p>
<p>Titelbild: Debate and vote on Jean-Claude Juncker for President of the European Commission, by <a href="https://www.flickr.com/photos/european_parliament/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">European Parliament</a> on <a href="https://www.flickr.com/photos/european_parliament/14473527669/in/photolist-o3YBwv-nUHnGy-TDQKNi-eZJNW1-SP2jTs-QUMP8e-doFyKC-doFCmL-kUtCVD-9p4s1g-TGt9wN-eRdHsM-9AVPZh-VHNFF7-qQMuBZ-qJ9r9H-RFwxuw-eaCPuG-RFwxou-RV3AF1-pnjZfd-QRPFPG-Vc8erL-UBwkV7-naSexz-hEMreB-TDQL2z-7FJW8A-SkH1dc-SKXvqN-kUuFKA-7JQBFs-UD5QzG-9s8Trk-SYo5vt-cqN6KW-dkHL86-SY1JRa-dScdec-o2s14Y-S63JNC-nFZkVM-TAR9Sc-nsu7gs-a3j5hn-kUtCJ6-skqCYL-9w6d3D-7VstNS-egb8RW" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Flickr</a>,  <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/legalcode" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-NC-ND 2.0</a><strong><br />
</strong></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p><img decoding="async" src="http://vg05.met.vgwort.de/na/6904f98a617349eaa690c4eb3972da5b" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>Warum Hetze im Netz nichts mit Redefreiheit zu tun hat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Johannes Brinz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Apr 2017 11:29:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Medien]]></category>
		<category><![CDATA[hate speech]]></category>
		<category><![CDATA[Hetze]]></category>
		<category><![CDATA[positive Redefreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8220;Ich bin dafür, dass wir die Gaskammern wieder öffnen und die ganze Brut da reinstecken.&#8221; Solche und ähnliche Posts werden [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Artikelbild-Hannes.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-151873 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Artikelbild-Hannes.jpg" alt="" width="640" height="280" /></a>&#8220;<em>Ich bin dafür, dass wir die Gaskammern wieder öffnen und die ganze Brut da reinstecken</em>.&#8221; Solche und ähnliche Posts werden aufgrund menschenverachtender Inhalte aus dem Netz gelöscht und bestraft. Hier endet das Recht auf freie Meinungsäußerung. Doch es gibt auch andere, vom Inhalt unabhängige Gründe, Beiträge in den sozialen Medien zu entfernen.</p>
<p>Besonders rechte Hetzer und Verschwörungstheoretiker berufen sich gern auf die Redefreiheit. Werden entsprechende Posts im Internet gelöscht, so kommt schnell der Vorwurf, es würde eine spezifische Meinung unterdrückt. Es gibt aber auch vom Inhalt unabhängige Gründe dafür, Beiträge zu entfernen. Nämlich um anderen Ansichten die Möglichkeit zu bieten, auch wahrgenommen zu werden. Provokante Posts erfahren meist mehr Aufmerksamkeit als andere und verdrängen diese daher. Um einen ausgeglichenen Dialog zu ermöglichen, kann es nun also nötig sein, das Recht auf freie Meinungsäußerung einzelner User einzuschränken um anderen dieses Recht überhaupt erst zu ermöglichen.</p>
<p>Um nun zu verstehen, warum Hetze im Netz nicht von der Redefreiheit gedeckt wird, müssen wir hier zuerst zwei Begriffe unterscheiden, welche in der öffentlichen Diskussion oft in einen Topf geworfen werden: die positive und die negative Redefreiheit.</p>
<h3>Positive und negative Redefreiheit</h3>
<p>Unter negativer Redefreiheit versteht man, dass mir niemand verbietet, meine Meinung zu äußern. Verankert ist dieses Prinzip bereits im Grundgesetz. Laut Art. 5 Abs. 1 GG hat „[j]eder […] das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern“.<br />
Doch was ist dann positive Redefreiheit? Hierunter versteht man die Möglichkeit, seine Meinung auch tatsächlich einem Publikum zu erläutern. Nicht nur wird es mir nicht verboten zu sprechen (negative Redefreiheit), ich bekomme sogar die Gelegenheit meine Ansichten zu verbreiten. Die positive fügt der negativen Redefreiheit gewissermaßen eine öffentliche Komponente hinzu. Das ist ein Recht, welches traditionell bestimmten Berufsgruppen vorbehalten war, z.B. Journalisten, Politikern oder Professoren.</p>
<h3>Positive Redefreiheit in den sozialen Medien</h3>
<p>Das Aufkommen der sozialen Medien hat jedoch dieses Vorrecht verallgemeinert. Man muss nicht mehr Journalistik studiert oder sich als Politiker einen Namen gemacht haben. Um seine Meinung auf Facebook, Twitter &amp; Co. verbreiten zu können, braucht es nicht mehr als ein Gerät mit Internetzugang. Und das vor einem immensen Publikum! Kommentare auf Beiträge berühmter Persönlichkeiten können von zigtausenden anderer User gelesen werden. Positive Redefreiheit für jedermann gewissermaßen.</p>
<h3><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-151878" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Hass4.png" alt="Hass4" width="502" height="74" /></h3>
<h3>Probleme</h3>
<p>Eigentlich ist das sehr demokratisch. Jeder kann mit seiner Meinung an einer Diskussion teilnehmen. Es entstehen aber auch Probleme. Unabhängig davon, wie reflektiert eine solche Meinung ist, bekommt meist derjenige die größte Aufmerksamkeit, der am meisten polarisiert. Provokante Posts rufen Reaktionen anderer Nutzer hervor, in Form von Antworten, Kommentaren, etc. Dies wiederum erhöht die Sichtbarkeit gegenüber anderen Beiträgen. Nach dem Prinzip: Gehört wird, wer am lautesten schreit. Besonders rechten Hetzern und Verschwörungstheoretikern spielt das in die Karten. Besonnene Ansichten hingegen werden häufig gar nicht wahrgenommen.</p>
<h3>Gerechtigkeit und Verteilungsgleichheit</h3>
<p>Gewisse Posts verdrängen also andere. Polarisierende Kommentare oder Beiträge werden öfter selbst kommentiert oder geliket. Dadurch werden diese Posts anderen Nutzern häufiger angezeigt. Die Sichtbarkeit von verschiedenen Beiträgen ist also keinesfalls gleich.</p>
<p>Zurück zur Redefreiheit. Die Gleichverteilung der positiven Redefreiheit würde nun bedeuten, dass jeder gleich viel Aufmerksamkeit, gleich viel öffentliche Plattform bekommt. Bezieht man das auf die neuen Medien heißt das, dass nicht nur jeder Beiträge veröffentlichen darf, sondern dass diese auch von demselben oder zumindest einem gleich großen Publikum gelesen werden.</p>
<h3><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Hass2.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-151877" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Hass2.png" alt="Hass2" width="502" height="64" /></a></h3>
<h3>Warum Hetze im Netz nichts mit Redefreiheit zu tun hat</h3>
<p>Ob nun eine Gleichverteilung positiver Redefreiheit überhaupt wünschenswert ist, ob man tatsächlich jeder Meinung eine Plattform bieten sollte, steht auf einem anderen Blatt. Es gibt auch bestimmt Fälle, in denen man die (positive) Redefreiheit legitimer Weise einschränken kann. Man denke z.B. an Verleumdung und Beleidigung. Hier geht es jedoch um die Argumentation vieler Hetzer und Verschwörungstheoretiker, welche stets erklären, sie würden ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausüben.</p>
<p>Im Gegensatz zur negativen Redefreiheit konkurriert nun jedoch mein Recht auf positive Redefreiheit mit dem Recht aller anderen. Wie wir gesehen haben, verdrängen Posts sich gegenseitig. Wer also im Übermaß reißerische und provokante Beiträge postet, der übt nicht nur sein Recht aus, er schränkt gleichzeitig das Recht aller anderen ein.</p>
<p>Und genau hier liegt das Problem! Rassisten und Verschwörungstheoretiker machen nur einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung aus, sind aber im Internet sehr präsent, da ihnen dort eine Plattform gegeben wird, die sie sonst nicht haben. Sie sind deutlich überrepräsentiert. Werden dementsprechende Beiträge also gelöscht, so ist das keineswegs eine ungerechtfertigte Einschränkung der Redefreiheit, es ist nur eine Maßnahme, auch anderen dieses Recht zu ermöglichen. Nicht eine Meinung wird verboten, es wird ihr lediglich die Plattform entzogen, um auch anderen Ansichten die Gelegenheit zu geben, wahrgenommen zu werden. Bildlich gesprochen beruhigt man de Schreihals, um auch andere zu Wort kommen zu lassen.</p>
<p>Das Entfernen bewusst provokanter Beiträge ist also keines Falls eine Zensur, es schafft lediglich Platz für einen vielseitigen und offenen Meinungsaustausch. Wer für sich positive Redefreiheit einfordert, muss auch allen anderen dieses Recht gewähren.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://pixabay.com/de/hass-liebe-emotion-gef%C3%BChl-romantik-634669/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hass</a> von dinokfwong via pixabay, editiert: politik-digital <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 public domain</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Viele Internetnutzer kennen Hassbotschaften, wenige tun etwas dagegen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/viele-internetnutzer-kennen-hassbotschaften-wenige-tun-etwas-dagegen-148427/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Kastner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Feb 2016 08:39:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Umfrage]]></category>
		<category><![CDATA[hate speech]]></category>
		<category><![CDATA[Hasskommentare]]></category>
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					<description><![CDATA[Hassbotschaften sind im Internet in Deutschland weit verbreitet. Dies ergab eine Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag des Verbands [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/hatespeech-Mielon-cc0-via-wikimedia-commons.png"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-148435 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Cyberprzemoc-630x272.png" alt="Cyberprzemoc via Wikimedia Commons CCO 1.0" width="630" height="272" /></a>Hassbotschaften sind im Internet in Deutschland weit verbreitet. Dies ergab eine Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag des Verbands der Internetwirtschaft eco durchführte.</p>
<p>Ein Drittel der Befragten sind laut der Umfrage im Internet schon auf fremdenfeindliche Kommentare gestoßen. Bei den jungen Befragten zwischen 18 und 24 Jahren geben sogar 62% an, schon mit rassistischen Äußerungen in Kontakt gekommen zu sein. Das dürfte daran liegen, dass diese Gruppe verstärkt soziale Medien nutzt, denn grade dort sind solche Kommentare häufig zu finden. Dass Hassbotschaften nicht nur abstrakt sind, sondern sich gegen Personen richten, zeigt sich daran, dass nach eigenen Angaben 3% der Befragten (7% der 18-bis 24-jährigen) sich schon mal selbst von rassistischen Kommentaren angegriffen fühlten.</p>
<p>Ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage lag auf dem Umgang mit Hassbotschaften. Oft werden diese Kommentare ignoriert: Fast die Hälfte der Befragten gab an, sich so zu verhalten. Die häufigste aktive Reaktion besteht darin, die Äußerung zu melden. 20% nutzen den kürzesten Weg und melden die Äußerung direkt beim betroffenen Plattform-Betreiber. 10% melden die Verstöße bei externen offiziellen Beschwerdestellen. Nur 14% der Befragten reagieren nach eigenen Angaben öffentlich sichtbar, indem sie mit eigenen Kommentaren auf die Äußerungen antworten und sich diesen direkt entgegenstellen. Absolut hat die Zahl der Meldungen stark zugenommen: Laut einer Statistik der Beschwerdestelle des eco haben Beschwerdefälle im Bereich Rassismus von 2014 auf 2015 um 150% zugenommen.</p>
<p>Eine mögliche Erklärung für den geringen Prozentsatz an reagierenden Nutzern ist, dass sich viele User auf sich allein gestellt fühlen. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass ihnen keine einzige Initiative gegen Fremdenfeindlichkeit im Internet bekannt ist. Dieses Ergebnis der Umfrage kann man als Aufruf an die staatlichen und privaten Initiativen werten, sich noch stärker zu engagieren und mehr auf sich aufmerksam zu machen.</p>
<p>Bild: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cyberprzemoc.svg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mielon</a><span class="licensetpl_attr">,</span> <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CCo Public Domain</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Hate-Speech: Wer muss handeln?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/hate-speech-wer-muss-handeln-147587/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Katja Hellmys]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Nov 2015 17:12:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Ist das Web 2.0 tot?]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[hate speech]]></category>
		<category><![CDATA[Pegida]]></category>
		<category><![CDATA[DigiKon]]></category>
		<category><![CDATA[FES]]></category>
		<category><![CDATA[Zick]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-15"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Muss der Journalismus auf Hate-Speech reagieren? Diese Frage stellte sich im Forum „Hate-Speech im Netz – ein neues Massenphänomen?“ im Rahmen der DigiKon 2015 der Friedrich-Ebert-Stiftung.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ></p>
<h3>Die Funktion von Hate Speech</h3>
<p>Hate Speech stellt eine besondere Form der Ablehnung gegenüber Anderen dar. Sie findet signifikant im Netz statt, muss aber nicht darauf beschränkt sein. Kennzeichnend für das Internet ist jedoch die schnelle Verbreitung wie auch die Anonymität der Adressaten. Die Grenzen zwischen online und offline verschwimmen dabei zunehmend. Was im Netz stattfindet hat unmittelbare Auswirkungen auf die Realität und umgekehrt.</p>
<p>Prof. Dr. Andreas Zick, Leiter des <a href="https://ekvv.uni-bielefeld.de/pers_publ/publ/PersonDetail.jsp?personId=112507" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung</a>, erläuterte in seinem Vortrag bei der DigiKon, dass sich  Hasskommentare in ihrer Funktion unterscheiden: Handelt es sich um eine impulsartige, aber einmalige Botschaft oder um eine strategische Massenbewegung? Der Unterschied wird an dem Beispiel Pegida deutlich. Das Bündnis nutzt u.a. <a href="https://www.facebook.com/PEGIDADEUTSCHLAND2014/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Facebook</a> als Forum für Hasskommentare. Kommentare werden dabei nicht nur am Montag – dem Tag der eigentlichen Demo – gepostet, sondern durchgängig. Am 10.September 2015 veröffentlichte Pegida auf seiner Facebook-Seite eine Liste von <a href="https://www.facebook.com/PEGIDADEUTSCHLAND2014/posts/935976779789194" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Zehn Forderungen an die deutsche Asylpolitik“.</a> Bereits sprachlich ist der Kommentar von strategischen Herablassung einer bestimmten Gruppe gegenüber geprägt: Asylanten, Asyl-Notstandsgesetz, sofortiger Aufnahmestopp usw.</p>
<p>Hier zeigt sich, was Zick als vorgelagerte menschenfeindliche Mentalitäten bezeichnet: Hasskommentare bilden Emotionen und Stereotype ab, die in der radikalisierten Version als Hate Speech auftreten. Hate Speech erzeugt ein verzerrtes und hasserfülltes Bild der Wirklichkeit, dass von Einigen bewusst eingesetzt wird um populistische Meinungsbilder zu produzieren und zu verbreiten.</p>
<h3>Muss sich der Journalismus der Hate Speech annehmen?</h3>
<p>Die Berührungspunkte von Hate Speech und Journalismus zeigen sich am deutlichsten in der Kommentarzeile eines Artikels. Die Hasskommentare richten sich nicht nur gegen den Artikel, sondern auch gegen den Journalisten. Eine Abgrenzung zwischen individueller Hassbotschaft gegen einen Menschen oder Artikel ist nicht mehr oder nur schwer zu treffen. Die Kommentare entbehren <a href="http://europeanjournalists.org/blog/2015/08/13/media-should-speak-out-against-hate-speech/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">jeglicher Objektivität oder Distanz</a> und beinhalten Beleidigungen, Drohungen usw. gegen den Journalisten.</p>
<p>Dabei fragt Zick, ob der Journalismus nicht bereits hier ansetzen müsse und die Kommentare selbst kommentieren sollte, statt sie nur zu verfolgen? Die Forderung stellt sich vor dem Hintergrund, ob es nicht gerade die Aufgabe des Journalisten sei, ein möglichst breites Meinungsbild der Gesellschaft wiederzugeben. Dazu sei es notwendig, die Kommentare selbst zu beachten und gegebenenfalls zu beantworten.</p>
<p>Die Forderung scheint aus diesem Verständnis heraus verständlich, ist aber faktisch mit Problemen behaftet. Hierzu sind die verschiedenen Facetten des Hate Speech zu berücksichtigen. Wesentlich ist dabei, ob Hate Speech von einer Person ausgeht, oder ob ein kollektives wie strategisches Vorgehen dahintersteckt, wie z. B. bei Pegida. Tatsächlich muss es sich aber nicht notwendigerweise um eine derart große Gruppe handeln. Flankiert wird dieses Vorgehen dabei aber in jedem Fall von ideologischen Einstellungen, die keiner eigenen Reflexion unterzogen werden. Auch darf die „kollektive Mission“, als die für viele Nutzer der Hasskommentar empfunden wird, nicht unterschätzt werden. Mit der kommunikativen Abwertung anderer Gruppen sollen <a href="http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2013/9251/pdf/HassredeMeibauer_2013.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politische und soziale Prozesse gesteuert</a> werden.</p>
<p>Greift der Journalismus an dieser Stelle ein, wird er zu einem Teil dieses strategischen Vorgehens. Die Aufgabe des Journalismus ist es nicht Meinungen vorzugeben, sondern zur Meinungsbildung beizutragen. Insofern ist es an dieser Stelle die Aufgabe jedes Einzelnen, sich seine eigene – differenzierte – Meinung zu bilden. Soviel zur Theorie, in der Realität sollen Hasskommentare jedoch vor allem den Absendern Spaß machen und zugleich mobilisieren – Gewalt wird zum Erlebnis wie das Beispiel HOGESA zeigt. Ob das Mitkommentieren durch den Journalisten sinnvoll und zielführend ist, scheint in diesem Zusammenhang fraglich.</p>
<p>Letztlich muss jeder für sich alleine entscheiden, ob er sich von Hass instrumentalisieren lässt– und das gilt nicht nur für Journalisten.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/98706376@N00/6329770277/in/photolist-aDkJbi-gXArBC-nUAyJF-8SxTyh-nzdi73-opgPNg-46uZse-4TQZoA-op4wX5-brd3wj-nuiaTX-bE824i-8LP3B2-9tVAbA-rDX17d-qQi8GA-721w4-rnuuX7-rDXkjk-rDX1f9-j8XCPQ-57togn-dWiNtA-rntpFL-fw2wK1-49qUG-rnuvj9-56oiSP-7jG1M7-rDX1kQ-qHgpxM-rnuv1o-6tsrsE-dDip1m-4VXgjJ-jokak4-brcnWA-8gm6iz-aR3AfV-brcR9G-gWVZ1i-bE7VVB-osyf2N-bE7iuk-bE7jFx-q9xHav-jojF9p-bE824D-bE824v-brd3ws" target="_blank" rel="noopener noreferrer">No violence no hate speech</a> von <a href="https://www.flickr.com/photos/98706376@N00/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">John S. Quarterman</a> unter <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.0</a> via Flickr/ Orginal zugeschnitten</p>
<p><img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-15" data-row="script-row-unique-15" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-15"));</script></div></div></div>
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