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	<title>Heinz Hilgers &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Heinz Hilgers &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>BMBF-Livechat zum Thema Nanotechnologie</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/bmbflivechat_zum_thema_nanotechnologie-165/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Nov 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Heinz Hilgers]]></category>
		<category><![CDATA[Nanotechnologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
<span class="fett">Nanotechnologie 
gilt als die Zukunftstechnologie. Doch was ist eigentlich Nanotechnologie? 
Wo steckt „Nano“ drin? Beim BMBF-Livechat am 10. November 
2005 konnten diese und andere Fragen zum Thema Nanotechnologie mit 
einem Experten diskutiert werden.</span>
</p>
<p>
Sie sind unvorstellbar klein – der Durchmesser eines Haares 
ist rund 50.000-mal größer. Die Rede ist von Nanoteilchen. 
Ihre geringe Größe verleiht den Winzlingen ganz besondere 
Eigenschaften. Das macht die Nanotechnologie für viele Anwendungen 
interessant: Hausfassaden auf denen Graffitis nicht haften, Autolacke 
die auf Knopfdruck ihre Farbe wechseln oder gar Medikamente für 
die Krebstherapie. Nicht umsonst gilt Nanotechnologie als die Zukunftstechnologie 
schlechthin. Doch was ist eigentlich Nanotechnologie? Wo steckt 
bereits „Nano“ drin? Was wird mit Nano-Produkten zukünftig 
alles möglich sein? Welche Berufschancen gibt es auf diesem 
Gebiet? Zu diesen und anderen Fragen stand Nanoexperte Dr. Heinz 
Hilgers stand am 10. November von 12.00 bis 13.00 Uhr live von der 
WING-Konferenz Rede und Antwort.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
<span class="fett">Nanotechnologie<br />
gilt als die Zukunftstechnologie. Doch was ist eigentlich Nanotechnologie?<br />
Wo steckt „Nano“ drin? Beim BMBF-Livechat am 10. November<br />
2005 konnten diese und andere Fragen zum Thema Nanotechnologie mit<br />
einem Experten diskutiert werden.</span>
</p>
<p>
Sie sind unvorstellbar klein – der Durchmesser eines Haares<br />
ist rund 50.000-mal größer. Die Rede ist von Nanoteilchen.<br />
Ihre geringe Größe verleiht den Winzlingen ganz besondere<br />
Eigenschaften. Das macht die Nanotechnologie für viele Anwendungen<br />
interessant: Hausfassaden auf denen Graffitis nicht haften, Autolacke<br />
die auf Knopfdruck ihre Farbe wechseln oder gar Medikamente für<br />
die Krebstherapie. Nicht umsonst gilt Nanotechnologie als die Zukunftstechnologie<br />
schlechthin. Doch was ist eigentlich Nanotechnologie? Wo steckt<br />
bereits „Nano“ drin? Was wird mit Nano-Produkten zukünftig<br />
alles möglich sein? Welche Berufschancen gibt es auf diesem<br />
Gebiet? Zu diesen und anderen Fragen stand Nanoexperte Dr. Heinz<br />
Hilgers stand am 10. November von 12.00 bis 13.00 Uhr live von der<br />
WING-Konferenz Rede und Antwort.<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Chatterinnen und Chatter, herzlich<br />
Willkommen im BMBF-Livechat. Dieser Livechat ist ein Format vom<br />
Bundesministerium für Bildung und Forschung in Kooperation<br />
mit wasistwas.de. Heute chatten wir mit Dr. Heinz Hilgers, Forscher<br />
und Experte für Nanotechnologie. Herr Dr. Hilgers chattet aus<br />
den Räumen der Konferenz &quot;Werkstoffinnovationen für<br />
Industrie und Gesellschaft&quot; in Aachen. Herzlich willkommen<br />
Herr Dr. Hilgers, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Gerne!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Dr. Hilgers, was genau ist denn<br />
nun eigentlich unter dem Begriff Nanotechnologie zu verstehen?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das ist etwas schwieriger zu<br />
erklären, aber ich will es versuchen: Die Menschen haben es<br />
bisher geschafft sich mit makroskopischen Dingen zu befassen. Sie<br />
haben es sogar geschafft, Dinge unterhalb eines Millimeters konstruktiv<br />
exzellent zu beherrschen. Danach wurde es etwas schwieriger: Man<br />
hat aber inzwischen auch die Ebene 1000 mal kleiner als ein Millimeter<br />
erobert. Die Mikroelektronik ist ein Beispiel; die noch mal um den<br />
Faktor 1000 kleinere Ebene ist jetzt besonders wichtig. Und das<br />
eben ist Aufgabe der Nanotechnologie. Alle naturwissenschaftlichen<br />
Fächer sind beteiligt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Welche Fachgebiete der Naturwissenschaften<br />
sind an der Erforschung der Nanotechnologie beteiligt?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das interessante ist, dass<br />
die Chemiker sich mit einer noch kleineren Ebene befassen, der Ebene<br />
des ‚Angström’, noch zehn Mal kleiner als ein Nanometer.<br />
Die Elektronik und Physik nähert sich der Nanotechnologie also<br />
von „oben“, die Chemie von „unten“. Der<br />
Treffpunkt ist eben die Nanotechnologie.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wo kann man die Nanotechnologie im<br />
alltäglichen Leben finden?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Ebenfalls in fast allen Bereichen.<br />
Beispiel sind der Automobilbereich, der Haushaltsbereich, der Bereich<br />
der täglichen Arbeit und der Hobbybereich. Eigentlich überall.
</p>
<p>
<b>Suse:</b> Hallo Dr. Hilgers. Wie funktioniert das<br />
eigentlich, wenn sich ein Auto oder eine Jacke selbst reinigt?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das Geheimnis ist eine Oberflächenbehandlung,<br />
deren Funktionsprinzip sowohl chemisch, als auch physikalisch nach<br />
einem ganz bestimmten Muster arbeitet. Chemisch ist wichtig, dass<br />
die Oberfläche keine Adhäsion zeigt, vergleichbar mit<br />
einer Teflonpfanne, in der nichts anbrennt. Das physikalische Prinzip<br />
unterstützt diese chemische Eigenschaft durch eine ganz gezielte<br />
Oberflächenstruktur die z. B. aus vielen kleinen, spitzen Hügeln<br />
besteht, die ein Benetzen der Oberfläche nicht möglich<br />
machen. Dies findet man in der Natur bei sogenannten Fettpflanzen,<br />
wie zum Beispiel bei der Lotuspflanze.
</p>
<p>
<b>horstkevin:</b> Mit Hilfe des Lotuseffekts ist die<br />
Selbstreinigung von Werkstoffen möglich. Wo können wir<br />
dieses Prinzip in Haushalten finden und welche Entwicklungen gibt<br />
es derzeit dazu?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Die Entwicklung werden zum<br />
Beispiel bei der Herstellung von Badewannen und -becken genutzt.<br />
Die Teflonpfanne selbst ist ein Vorläufer dieses Prinzips und<br />
schon lange bekannt. Aber es gibt auch verschiedene Systeme, die<br />
auf Folien appliziert werden, die für den medizinischen Bereich<br />
interessant sind und später vielleicht auch im Haushalt Anwendung<br />
finden können, wenn man zum Beispiel eine glatte Fläche<br />
einfacher sauber halten möchte. Denken wir an Jalousien oder<br />
auch an Farben für Außenwände einer Hausfassade.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine konkrete Frage zu einer Anwendung<br />
im Haushalt von Hendrik Markowski:
</p>
<p>
<b>Hendrik Markowski:</b> Wie weit ist die Entwicklung<br />
des Nano-Klettverschlusses? Auf welchen Materialien funktioniert<br />
er, auf welchen kann man ihn anbringen?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Ich befasse mich selber nicht<br />
mit diesem Thema und kann Ihnen leider keine Auskunft geben.
</p>
<p>
<b>Berlina:</b> Hallo Dr. Hilgers! Mich würde interessieren,<br />
ob man aus Nanoteilchen winzige Maschinen bauen kann, die dann zum<br />
Beispiel durch unseren Körper reisen und Krankheiten heilen?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Die Vision von Nano-Robotern<br />
stammt aus den USA und ist wissenschaftlich ziemlich kindisch. Es<br />
gibt allerdings durch die Nanotechnologie eine sehr wichtige Entwicklung,<br />
die aus Deutschland stammt. Sie sieht vor, durch winzige Rostpartikel,<br />
die in einer neutralen Lösung in Tumore gespritzt werden, Krebs<br />
zu heilen. Dies wird bei Hirntumoren angewandt. Der Patient wird<br />
nach der Anwendung in ein großes Magnetfeld gesetzt, das Schwingungen<br />
und Vibrationen der kleinen magnetischen Partikel verursacht. Da<br />
diese Partikel vorher mit einer organischen Hülle versehen<br />
wurden, die sicherstellt, dass sie ausschließlich an Tumorzellen<br />
andocken und von gesunden Zellen fernbleiben, wird die Vibration<br />
über eine Reibungs- und Temperaturerhöhung nur an den<br />
Krebszellen wirken. Bewegungen im Kleinen heißt Temperatur,<br />
Temperatur im Körper heißt Fieber. Die Krebszellen haben<br />
also Fieber, zum Beispiel 46 Grad. Das Eiweiß denaturiert,<br />
die Krebszelle ist gezielt getötet.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie ist hier der Stand der Forschung?<br />
Wird dieses Verfahren bereits angewendet oder befindet es sich noch<br />
im Entwicklungsstadium?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Dieses Verfahren wird im Versuchsstadium<br />
bereits an Menschen erprobt. So weit mir bekannt, sind bisher 19<br />
Patienten behandelt worden. Die meisten von ihnen hatten einen Tumor,<br />
Glioblastom genannt, der normalerweise innerhalb eines halben Jahres<br />
zum Tode führt. Die meisten der 19 Patienten leben noch.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage von Iomoist zu Nano-Robotern:
</p>
<p>
<b>lomoist:</b> Nano-Roboter: Ist es möglich, dass<br />
man zum Beispiel Spritzen, wie für Insulin, einbaut, die dann<br />
funktionieren, ohne von außen gesteuert werden zu müssen?<br />
Ist das eine Vision oder schon Wirklichkeit? Ich meine, so etwas<br />
gelesen zu haben.
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das Problem ist, dass man eine<br />
nicht geringe Menge Insulinlösung braucht, die ein bestimmtes<br />
Volumen hat. Eine Maschine zu bauen, die ein wesentlich kleineres<br />
Volumen hat, ist daher nicht möglich. Es sind aber derzeit<br />
Untersuchungen zu möglichst kleinen mikrosystemtechnischen<br />
Einheiten im Gange, die vollständig in den Körper einoperiert<br />
werden können und keine notwendige Verbindung mehr nach außen<br />
haben. Über Sensoren wird die Abgabe von Insulin aus einem<br />
Reservoir in den Körper gesteuert. Das Reservoir wird alle<br />
paar Monate mittels einer Spritze durch ein Septum neu befüllt.<br />
Hoffen wir, dass diese Entwicklung in wenigen Jahren auch eingesetzt<br />
wird.
</p>
<p>
<b>lillifee:</b> Wird die Nanotechnologie bereits in<br />
der internationalen Raumfahrt genutzt?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Ja. Ich selbst arbeite derzeit<br />
an einem Projekt mit der Firma EADS, das die Funktion von Sonnenpaddeln<br />
deutlich erleichtert. Ich darf aber noch nicht über Einzelheiten<br />
sprechen. Dieses Projekt wird vom BMBF gefördert.
</p>
<p>
<b>Stefan:</b> Und gibt es schon Materialien aus der<br />
Raumfahrt, die im Alltag angekommen sind?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Alles, was in der Raumfahrt<br />
erforscht wird, hat bisher sehr schnell Einzug in die allgemeine<br />
Anwendung gefunden. Die Computer über die wir uns derzeit unterhalten,<br />
sind ein klassisches Beispiel.
</p>
<p>
<b>christian wu:</b> Wird die Nanotechnologie in der<br />
BRD bereits im Militär eingesetzt? Welche Möglichkeiten<br />
des Einsatzes sind hier denkbar?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Ich bin davon überzeugt.<br />
Mir sind aber keine konkreten Beispiele bekannt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gleich zwei Fragen zum Thema Gefahren<br />
durch die Nanotechnologie:
</p>
<p>
<b>legolas:</b> Was für Gefahren und Chancen birgt<br />
die Nanotechnologie in sich (zum Beispiel bei Militäreinsätzen)?
</p>
<p>
<b>Rapunzel:</b> Hallo Herr Dr. Hilgers, besteht die<br />
Gefahr des Missbrauchs der Nanotechnologie?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> In der Vergangenheit haben<br />
die Menschen es immer wieder verstanden, jede Technologie zu missbrauchen.<br />
Es ist also eine Sache der Verantwortlichkeit der Menschen, die<br />
dies tun und eine Sache der Gesamtbevölkerung, diesen Missbrauch<br />
zu unterbinden. Die Technologie kann im Grunde nichts dafür.
</p>
<p>
<b>Steffi:</b> Hallo Dr. Hilgers, ist es möglich,<br />
Nanoteilchen einzuatmen, wenn ja, was würde passieren?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das tun wir bereits täglich.<br />
In der Atemluft sind eine unvorstellbare Zahl von Mikro- und Nanopartikelchen<br />
sowie Keimen enthalten. Die Gefahr besteht in Zukunft vielleicht<br />
darin, dass künstlich erzeugte und sehr giftige Partikel in<br />
die Atemluft gelangen könnten. Das wäre dann genauso gefährlich<br />
wie ein Chemieunfall mit giftigen Gasen. Die Verantwortlichen müssen<br />
alles tun, um solche Unfälle von vornherein und möglichst<br />
vollständig zu vermeiden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Drei Chatter/innen interessieren sich<br />
für die Neuentwicklung von Werkstoffen durch die Nanotechnologie:
</p>
<p>
<b>Stefan:</b> Gibt es schon neue „künstliche“<br />
Materialien, die hochwertiger sind als Gold oder Platin?
</p>
<p>
<b>Thommy:</b> Gibt es durch die Nanotechnologie auch<br />
neue Werkstoffe, die man bisher nicht kennt?
</p>
<p>
<b>Stefan:</b> Neue Werkstoffe gibt es ja viele, welche<br />
sind die innovativsten?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Zur ersten Frage: Die Herstellung<br />
mancher Nanooberflächen ist heute schon wesentlich teurer als<br />
die genannten Edelmetalle, wenn man den Preis pro Volumen berechnen<br />
würde. <br />
Zur zweiten Frage: Es gibt völlig neue Werkstoffe deren Einzelbestandteile<br />
in der Regel schon bekannt sind, aber deren nanotechnologische Anordnung<br />
und Struktur völlig neue Funktionen eröffnen und die Eigenschaften<br />
der Materialien in völlig neuem Licht erscheinen lassen. Zur<br />
dritten Frage: Innovation bedeutet schnelle Umsetzung von Ideen.<br />
Die innovativsten Werkstoffe sind aus meiner Sicht also die, die<br />
am schnellsten in Produkten für die Gesellschaft eingesetzt<br />
werden können. Da gibt es einige Beispiele, Teflon hatte ich<br />
schon genannt. Schon sehr bald wird es Wischlappen geben, die nicht<br />
mehr von Bakterien befallen werden und damit keine Krankheitskeime<br />
weitergeben – ebenfalls eine deutsche Entwicklung, die das<br />
BMBF fördert.
</p>
<p>
<b>alois_g:</b> Sind die Oberflächen der Stelen<br />
des Holocaust Mahnmals in Berlin mittels Nanotechnologie behandelt<br />
worden?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das weiß ich leider nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen zur staatlichen Regulierung:
</p>
<p>
<b>Mammut:</b> Kontrolliert der Staat eigentlich, wo<br />
Nanotechnologie eingesetzt wird und darf?
</p>
<p>
<b>rübenkopf100:</b> Gibt es gesetzliche Einschränkungen<br />
bezüglich des Einsatzes von Nanotechnologie?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Die Gefahren, die mit Nanotechnologie<br />
verbunden sein könnten, werden sowohl im europäischen<br />
Forschungsbereich als auch bei den Ministerien der einzelnen europäischen<br />
Länder sehr ernst genommen und sind selbst Gegenstand intensiver<br />
Forschung. Zudem ist jeder seriöse Wissenschaftler und jede<br />
entsprechende Firma, die sich mit Fabrikation von Nanopartikeln<br />
befasst, bemüht, diese Gefahr frühzeitig auszuschließen.<br />
Die chemische Industrie hat gelernt, täglich mit sehr giftigen<br />
Substanzen umzugehen, ohne die Umwelt zu belasten. Diese Sorgfalt<br />
wird in der Nanotechnologie noch wesentlich ernster genommen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zu Ihrem Arbeitsfeld, der<br />
Erforschung der Nanotechnologie:
</p>
<p>
<b>Berlina:</b> Was machen eigentlich Nanowissenschaftler<br />
und wo arbeiten Sie?
</p>
<p>
<b>Banane:</b> Wie sind Sie eigentlich zur Erforschung<br />
der Nanotechnologie gekommen?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Zur ersten Frage: Es gibt keine<br />
Nanowissenschaftler. Es gibt ja auch kein Studium der Nanotechnologie.<br />
Die Nanotechnologie ist eine interdisziplinäre Technik, bei<br />
der sowohl Biologen, Physiker, Chemiker, Mediziner, Maschinenbauer,<br />
Mathematiker etc. gebraucht werden. Alle zusammen begründen<br />
die Nanotechnologie. Dies ist ein großer Vorteil für<br />
junge Nachwuchswissenschaftler und Studenten, ganz gleich was sie<br />
studieren. Sie werden dies zwangsläufig zu schätzen wissen<br />
Zur zweiten Frage: Durch die Forschung für die Produktion von<br />
Festplattenlaufplatten unter Optimierung der Oberflächen der<br />
Magnetplatten bin ich zur Nanotechnologie gekommen. Im übrigen<br />
darf ich Ihnen sagen, dass Sie über diese Form der Anwendung<br />
bereits täglich mit Nanotechnologie arbeiten.
</p>
<p>
<b>tante_kaethe:</b> Wird die Nanoforschung aus Ihrer<br />
Sicht ausreichend gefördert?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das ist eine gefährliche<br />
Frage, denn ich selbst bin Forscher und daher einseitig geprägt.<br />
Aber im Ernst: Gerade für Deutschland ist diese Technologie<br />
besonders wichtig und aus meiner Sicht sollte sie in Zukunft mindestens<br />
genauso stark gefördert werden, wie sie es derzeit wird. Eine<br />
Verstärkung wäre von Vorteil, weil dadurch die Ausbeute<br />
der einschlägigen Forschung in der Nanotechnologie noch besser<br />
gewährleistet würde und noch mehr mittelständigen<br />
und kleinen Unternehmen zugänglich gemacht werden würde.
</p>
<p>
<b>gladiator:</b> Auf welche Schwierigkeiten stoßen<br />
Sie bei ihrer Forschung?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Auf alle Schwierigkeiten, die<br />
in der Material- und <br />
Verfahrensforschung vorkommen können. Und diese Herausforderung<br />
ist der beste Kick für einen Wissenschaftler.
</p>
<p>
<b>nolsen:</b> Was war das überraschende und spektakulärste<br />
Ergebnis ihrer Forschungsarbeit?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Die erstaunliche Erkenntnis,<br />
dass weniger mehr sein kann&#8230; Dies bezogen auf das Beispiel: wie<br />
gering die Veränderung der Chemie einer Oberfläche sein<br />
muss, um völlig überraschende und ungemein wichtige Einsatzmöglichkeiten<br />
zu erzielen, z. B. die Biokompatibilität einer beliebigen Oberfläche,<br />
d. h. das Vermögen, biologische Zellen wachsen zu lassen und<br />
nicht abzutöten. Übrigens mein derzeit spannendstes Forschungsgebiet.
</p>
<p>
<b>nanochen:</b> Was definiert Ihrer Meinung nach den<br />
Durchbruch in der Nanotechnologie?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Die Nanotechnologie ist so<br />
vielseitig, dass es nicht einen Durchbruch, sondern eine ganze Reihe<br />
geben wird. Die Nanotechnologie wird in vielen Bereichen der Materialforschung<br />
und Anwendung Revolutionen erzeugen.
</p>
<p>
<b>Niebelunge:</b> Ist die deutsche Nanoforschung im<br />
internationalen Vergleich führend?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> In vielen Bereichen ja. Vor<br />
allem im Bereich der Partikelforschung und der Plasmatechnik und<br />
Oberflächenmodifikation.
</p>
<p>
<b>Wagenheber:</b> Wird der Forschungsstandort Deutschland<br />
Ihrer Meinung nach unterschätzt?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Ja, vor allen Dingen von den<br />
deutschtypischen Bedenkenträgern. Im Ausland, vor allem im<br />
europäischen, wird die Förderung der Nanotechnologie allseits<br />
bewundert.
</p>
<p>
<b>julian_88:</b> Die Nanotechnologie ist eine zukunftsträchtige<br />
Branche, die weiterhin viele neue Arbeitsplätze schaffen wird.<br />
Empfehlen Sie, als Praktiker, den Zugang zu diesem Berufsfeld eher<br />
durch eine Ausbildung oder durch ein Studium?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Beides ist interessant und<br />
unterscheidet sich von den Bedürfnissen übriger Technologien<br />
durch rein gar nichts. Wie schon gesagt, ist jede Disziplin Bestandteil<br />
der Nanotechnologie.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zur wirtschaftlichen Bedeutung<br />
der Nanotechnologie:
</p>
<p>
<b>kildran:</b> Ist Nanotechnologie auch ein großes<br />
Business, oder wird es das? Wie sind die Prognosen?
</p>
<p>
<b>Prinz Charles:</b> Wird mit Nanotechnologie schon<br />
Geld verdient oder gibt es dafür einen Markt?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> In fast allen Branchen hat<br />
die Nanotechnologie schon jetzt Einzug gehalten. Die Produktionszahlen<br />
für einzelne Produkte schwanken von 100.000 Dollar bis zu mehreren<br />
Milliarden. Solche Zahlen werden meist von Betriebswirten generiert.<br />
Der eigentliche Anteil der Nanotechnologie für diese Produkte<br />
kann unter Umständen sehr klein sein, ist aber entscheidend,<br />
da sonst das Endprodukt (und hierfür stehen die Zahlen) nicht<br />
möglich ist.
</p>
<p>
<b>Sternschnuppe:</b> Sind Ihre Forschungsergebnisse<br />
durch Patente gesichert?
</p>
<p>
<b>Hans-Joachim:</b> Kann man sich als Urheber der Forschungsergebnisse<br />
nicht (z. B. durch Patente) gegen Missbrauch absichern?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> In vielen Fällen sind<br />
nanotechnologische Patente auch in Deutschland gemacht worden. Bedauerlich<br />
ist, dass derzeit einige Patente eine Umsetzung eher verhindern,<br />
anstatt sie möglich zu machen. Wir sollten uns immer daran<br />
erinnern, dass Innovation Umsetzung bedeutet und erst die Umsetzung<br />
eine Wertschöpfung bringt. Patente, die im Schrank vergammeln,<br />
sind kontraproduktiv. Crosslicensing wäre eine Lösung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie sind also gegen die Patentierbarkeit<br />
der Forschungsergebnisse?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Sie haben mich falsch verstanden.<br />
Ich möchte, dass Patente umgesetzt werden, und die Entscheidung,<br />
ob die Ergebnisse einer Produktion zugängig sind, nicht ausschließlich<br />
Juristen überlassen wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zur letzten Frage:
</p>
<p>
<b>kildran:</b> Die Reise ins Ich: Wie wichtig sind solche<br />
Visionen eigentlich, um die Nanotechnologie bekannt und akzeptiert<br />
werden zu lassen?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Wir Menschen interessieren<br />
uns naturgemäß am meisten für uns selbst. Wenn die<br />
Nanotechnologie uns hilft – und das wird sie sicher –<br />
Zugang zu uns selbst und unserem Inneren zu verschaffen, dann hat<br />
sie eines der interessantesten Geheimnisse der Menschheit gelöst.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unsere Chat-Stunde, vielen<br />
Dank für Euer Interesse im Namen des Veranstalters, des Bundesministeriums<br />
für Bildung und Forschung und des Kooperationspartners wasistwas.de.<br />
Herzlichen Dank Herr Dr. Hilgers, dass Sie sich die Zeit genommen<br />
haben. Kein Wunder bei einem so interessanten Gast: Es sind viele<br />
Fragen übrig geblieben. Weitere Informationen zum Thema Nanotechnologie<br />
findet Ihr unter der Internetadresse des Bundesministeriums für<br />
Bildung und Forschung <a href="http://www.bmbf.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.bmbf.de</a><br />
und unter <a href="http://www.wasistwas.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.wasistwas.de</a>.
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Ich habe zu danken, vor allem<br />
unserem interessierten Nachwuchs!!!</p>
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