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	<title>Heinz-Peter Meidinger &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Heinz-Peter Meidinger &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Ansehen der Lehrer muss steigen&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jun 2008 15:38:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Dienstag, den 24. Juni 2008, war Heinz-Peter Meidinger, Schulleiter und Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über nötige Reformen im Bildungssystem, das Image des Lehrberufes und Eignungstests für Lehrer.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag, den 24. Juni 2008, war Heinz-Peter Meidinger, Schulleiter und Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über nötige Reformen im Bildungssystem, das Image des Lehrberufes und Eignungstests für Lehrer.<!--break--> </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Die Schüler in<br />
Deutschland starten in diesen Tagen in die Sommerferien, aber haben<br />
sich Lehrer und Bildungspolitiker eigentlich eine Pause verdient?<br />
Kanzlerin Merkel hat die „Bildungsrepublik Deutschland&quot;<br />
ausgerufen &#8211; endlich oder wieder einmal? Seit Jahrzehnten preist<br />
die Politik die Bildung als höchstes Gut im rohstoffarmen<br />
Deutschland &#8211; die Zuständen an den Schulen und die Leistungen<br />
der Schüler im internationalen Vergleich zeigen allerdings viel<br />
Mittelmaß und wenig Spitzenleistung. Für Kinder aus<br />
Familien ohne Bildungshintergrund und aus armen Schichten wird die<br />
Chance zum Aufstieg immer schwieriger, dabei müssten doch gerade<br />
sie mehr von der Schule bekommen. Was kann und muss heute Schule<br />
leisten? Dazu ist unser Gast heute Heinz-Peter Meidinger,<br />
Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes und Schulleiter in<br />
Deggendorf. Herzlichen Dank Herr Meidinger, dass Sie Zeit für<br />
den Chat haben. Wir starten damit:</p>
<p><b>Pennaeler:</b> Was kann<br />
man dagegen tun, dass die Hauptschulen zu &quot;Restschulen&quot;<br />
werden?
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="/wp-content/uploads/hmeidinger_klein.jpg" alt="Heinz-Peter Meidinger" height="212" width="250" /><br />
<i>Heinz-Peter Meidinger</i>
</div>
<p></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Es ist ganz wichtig, dass Hauptschulen eine enge<br />
Verbindung zu den späteren Berufsfeldern, also zu Firmen<br />
aufbauen. Eine Hauptschule ist dann erfolgreich, wenn sie ihre<br />
Absolventen gut auf Arbeitsplätzen unterbringt. Erfolgreiche<br />
Hauptschulen tun dies.</p>
<p><b>Moderator</b>: Das löst in<br />
strukturschwachen Gebieten &#8211; zum Beispiel im Osten Deutschlands &#8211; das<br />
Problem aber nicht.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Im Osten Deutschlands gibt es inzwischen keine<br />
Hauptschulen mehr, dort existiert eine Art Zweigliedrigkeit: neben<br />
dem Gymnasium Mittelschulen, Regelschulen und Sekundarschulen. Auch<br />
da sollten allerdings verschiedene Abschlüsse angeboten werden.<br />
Man muss der Wirtschaft den Vorwurf machen, dass sie für viele<br />
Berufsbilder keine Hauptschüler mehr einstellt, obwohl sie dafür<br />
eigentlich geeignet wären.</p>
<p><b>Klassen-Kämpfer:</b><br />
Die PISA-Ergebnisse für Deutschland sind desaströs und es<br />
zeichnet sich im Bildungssektor keine Besserung ab? Was verhindert<br />
Ihrer Meinung nach echte (und schnelle!) Reformen im deutschen<br />
Bildungswesen? Ist der Föderalismus der Hemmschuh? Oder sind es<br />
verkrustete Denkmuster bei Lehrern, Bildungspolitikern und<br />
Kultusministerkonferenz?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Da muss ich zunächst einmal deutlich<br />
widersprechen. Bei PISA 2006 ist Deutschland im Bereich der<br />
Naturwissenschaften sogar in das beste Viertel der Teilnehmerländer<br />
vorgestoßen. Trotzdem haben wir natürlich weiter<br />
Reformbedarf. Gott sei Dank haben sich die Länder in der<br />
Kultusministerkonferenz auf gemeinsame Reformen verständigt:<br />
Bildungsstandards, Frühförderung, zentrale<br />
Abschlussprüfungen, bessere Integration von Migrantenkindern im<br />
Schulsystem.
</p>
<p>
<b>&quot;Das Bildungswesen ist unterfinanziert&quot;</b></p>
<p><b>Moderator</b>: Noch mal sehr grundsätzlich,<br />
bevor die Detaildiskussion kommt:</p>
<p><b>volltoll:</b> Macht man<br />
nicht einen Fehler, wenn man sich auf die endlose Diskussion über<br />
pädagogische Konzepte einlässt, solange bei den<br />
maßgeblichen Politikern keine Bereitschaft besteht, die<br />
Grundprobleme des deutschen Schulwesens auch nur zu diskutieren? Das<br />
wichtigste dieser Probleme ist doch, dass es in unserer merkwürdigen<br />
„Bildungsrepublik&quot; (Angela Merkel) schlicht an der Bereitschaft<br />
mangelt, auch das dringend benötigte Geld für unseren<br />
wichtigsten Rohstoff auszugeben. Der deutsche Bildungsetat liegt<br />
deutlich unter dem OECD-Durchschnitt! Die Folgen sind riesige Klassen<br />
und überforderte Lehrer, die zum großen Teil mit 50 Jahren<br />
reif für den Ruhestand sind.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Sie haben Recht, das deutsche Bildungswesen ist klar<br />
unterfinanziert. Allerdings ist ja nicht Frau Merkel, sondern die<br />
Länder sind gefordert. Hier gilt es, politischen Druck<br />
aufzubauen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Das Problem Geldmangel existiert<br />
seit vielen Jahrzehnten &#8211; warum ist es bislang nicht gelungen, diesen<br />
politischen Druck zu erzeugen?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Es ist so, dass erst durch den PISA-Schock in<br />
Deutschland deutlich geworden ist, dass wir an unseren Schulen<br />
Probleme haben. Von der Analyse bis zur Problembehebung dauert es<br />
gerade in Deutschland leider ziemlich lange. Allerdings ist Bildung<br />
zum Top-Thema geworden, Politiker wissen, mit Bildung kann man Wahlen<br />
verlieren (Hessen). Deshalb habe ich Hoffnung, dass der Bildungsetat<br />
in allen Ländern mittelfristig deutlich aufgestockt<br />
wird.</p>
<p><b>Moderator</b>: Kommentar von:</p>
<p><b>Schnirk:</b><br />
Ich glaube, dass es bereits vorhandene Lösungen gibt, die unser<br />
Bildungssystem extrem verbessern könnten. Da unsere Politiker<br />
aber nicht bereit sind, ein wenig Geld in die Hand zu nehmen und<br />
Personal einzustellen, bleibt alles beim Alten. Ich unterrichte in<br />
Klassen mit 35 SchülerInnen und arbeite im Schnitt 80 Stunden<br />
und mehr in der Woche.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Wir haben natürlich neben der Unterfinanzierung<br />
auch das Problem des Lehrermangels. Derzeit wären viele<br />
Bundesländer durchaus bereit, mehr Lehrer einzustellen,<br />
allerdings finden sich kaum Bewerber. Dies ist nicht zuletzt eine<br />
Folge einer völlig verfehlten Personalplanung der<br />
Kultusbehörden.</p>
<p><b>Moderator</b>: Wie lange dauert es, um<br />
dieses Problem zu beheben?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Zum einen steigen derzeit die Studienanfängerzahlen<br />
im Lehramt wieder an. Allerdings gilt dies nicht für den Bereich<br />
der Naturwissenschaften. Entscheidend wird sein, inwieweit das Image<br />
des Lehrberufs wieder so verbessert werden kann, dass sich viele<br />
geeignete junge Leute dafür entscheiden.</p>
<p><b>Amish:</b><br />
Die Lehrerausbildung ist auch nicht mehr zeitgemäß,<br />
geschweige denn die Bezahlung. Wer geht schon freiwillig für<br />
einen Grund- und Hauptschullehrergehalt in eine Hauptschule?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Ich glaube, dass das Gehalt noch nie der<br />
hauptentscheidende Grund dafür war, Lehrer zu werden. Sie haben<br />
zwar Recht, dass Grund- und Hauptschullehrer besser bezahlt werden<br />
müssen, insbesondere steht ihnen auch ein Beförderungsamt<br />
zu. Wichtiger ist allerdings, dass das gesellschaftliche Ansehen<br />
dieses Lehrerberufs wieder steigt. Und dazu können alle etwas<br />
beitragen: Politik, Medien, und jeder einzelne von uns.
</p>
<p>
<b>&quot;Zentralisierung ist nicht die Lösung der Probleme&quot; </b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Nochmal Kommentar von:</p>
<p><b>Schnirk:</b><br />
In Hessen wird zurzeit alles eingestellt, was nicht bei drei auf den<br />
Bäumen ist. Ob das der richtige Weg ist, mag ich bezweifeln.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Ich gebe Ihnen Recht, dass bei der Lehrereinstellung<br />
auf Qualität zu achten ist. Ich bin dagegen, dass wir jetzt alle<br />
Bewerber unabhängig von ihrer Qualifikation auf Beamtenstellen<br />
einstellen, obwohl Lehrermangel herrscht. Soweit möglich,<br />
sollten geeignete Nachqualifizierungsmöglichkeiten genutzt<br />
werden.</p>
<p><b>Moderator</b>: Noch<br />
ein Kommentar:</p>
<p><b>Amish:</b> In<br />
Rheinland-Pfalz werden sogar Studierende, die erst kurz vor dem 1.<br />
(!!!) Staatsexamen stehen, als Vertretungslehrer eingestellt.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Zum Thema Geld und &quot;Bildungsrepublik Deutschland&quot;:</p>
<p><b>Flips:</b><br />
Klar ist Bildung Ländersache. Was halten sie denn von der<br />
stärkeren Beteiligung / Einmischung des Bundes, den Frau Merkel<br />
jetzt ja offensichtlich anstrebt?</p>
<p><b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Ich persönlich glaube, dass eine Zentralisierung<br />
der Bildungspolitik nicht der Schlüssel zur Lösung der<br />
Probleme ist. Was wir brauchen, ist ein echter Bildungswettbewerb im<br />
Föderalismus, den hatten wir nämlich bisher nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Also wäre die Antwort auf diese Frage aus Ihrer Sicht ein klares<br />
nein?</p>
<p><b>starlight:</b> Glauben Sie, dass ein weniger<br />
föderalistisches Bildungssystem, in dem die Entscheidungen vom<br />
Bund getroffen werden können, besser wäre?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Ich bin ein Anhänger des Föderalismus,<br />
allerdings heißt das auch, dass sich die Länder auf<br />
gemeinsame Standards und gemeinsame Bildungsinhalte verständigen<br />
müssen.<br />
Wenn dies gelingt, funktioniert auch der<br />
Bildungsföderalismus. Zentralismus birgt immer die Gefahr der Nivellierung nach unten.
</p>
<p>
<b>Meier:</b> Wie<br />
soll dieser Wettbewerb ins Leben gerufen werden?</p>
<p><b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Entscheidend ist, dass die Karten offen auf den Tisch<br />
gelegt werden. Ich meine den Ländervergleich im Rahmen von PISA,<br />
der ja vielen Ländern klare Hausaufgaben aufgibt. Es ist Aufgabe<br />
der Wähler, zu beobachten, ob die Landesregierungen ihre<br />
Hausaufgaben erledigen.
</p>
<p>
<b>Lehrer sollten Eignung in Tests beweisen</b></p>
<p><b>Elb:</b> Um nochmal auf die<br />
Lehrerausbildung zu sprechen zu kommen: Wäre nicht hier der<br />
Ansatzpunkt, um die deutschen Schulen qualitativ zu verbessern? In<br />
vielen Fällen sind Lehramtsstudiengänge nichts anderes als<br />
ein Magister- oder Bachelorstudiengang, dem man das eine oder andere<br />
Fachdidaktikseminar hinzugefügt hat. Wäre eine losgelöste<br />
Lehrerausbildung in eigenen Studiengängen nicht die sinnvollere<br />
Alternative?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Im Lehramtsstudium muss die Integration von<br />
Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Erziehungswissenschaft erfolgen.<br />
Dies ist nicht überall gelungen. Neben der Reform der<br />
Lehrerausbildung halte ich allerdings die Frage der Lehrerauswahl &#8211;<br />
also wie kann es gelingen, geeignete Bewerber zu finden &#8211; für<br />
ganz entscheidend. Ich bin für Eignungsfeststellungsverfahren<br />
für angehende Lehrer auf freiwilliger Basis. Es gibt<br />
Untersuchungen, die nachweisen, dass rund ein Drittel der<br />
Studienanfänger im Lehramt grundlegende dafür erforderliche<br />
Persönlichkeitsmerkmale nicht mitbringt. Darauf muss man<br />
reagieren.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Wie könnte so eine Prüfung (Eignungsfeststellungsverfahren)<br />
aussehen? Ein Gespräch beim Schulpsychologen?</p>
<p><b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Es gibt erste Ansätze an einzelnen Universitäten,<br />
z.B. in Zürich und Paderborn. Die sind sehr unterschiedlich, und<br />
das reicht von so genannten Assessmentcenter bis hin zu ausgefeilten<br />
psychologischen Fragebögen. Wichtig ist, dass dieses<br />
Eignungsfeststellungsverfahren durch intensive Beratung begleitet<br />
wird.</p>
<p><b>pr:</b> Wäre es<br />
sinnvoll, einheitliche Standards in allen Bundesländern für<br />
die Lehrerausbildung zu schaffen?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Da haben Sie vollkommen Recht. Es gibt zwar<br />
Vereinbarungen in der Kultusministerkonferenz, ich fürchte aber,<br />
dass wir im Zuge der Umstellung auf Bachelor und Master noch größere<br />
Unterschiede in der Lehrerausbildung zwischen den Ländern und<br />
zwischen einzelnen Universitäten bekommen als bisher. Es ist ein<br />
Witz, dass der Einsatz eines französischen Lehrers an einer<br />
deutschen Schule besser geregelt und einfacher ist, als der Wechsel<br />
eines deutschen Lehrers von einem Bundesland zum anderen.</p>
<p><b>Pepe:</b><br />
Was halten sie davon, Lehrer in den Schulferien zu Fortbildungen zu<br />
verpflichten?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Diese Möglichkeit gibt es bereits. Allerdings<br />
halte ich nach wie vor viel davon, dass Lehrer von sich aus sich für<br />
Fortbildungen motivieren und melden. Ansonsten wird nicht viel dabei<br />
herausspringen.
</p>
<p>
<b>Das Image der Lehrer verbessern</b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Ok. Zum Image für Lehrer, das ich für ein ganz wichtiges<br />
Thema halte. (Das ist übrigens vermutlich der Rekord für<br />
die bislang längste Frage im Chat &#8211; und keine Aufforderung,<br />
den zu brechen, bitte!)</p>
<p><b>Daniel:</b><br />
Derzeit ist, denke ich, das Image des Lehrerberufs einfach schlecht.<br />
Das liegt nicht nur an teilweise ungenügenden Finanzierung, also<br />
mangelnder Ausstattung, sondern hauptsächlich an der<br />
&quot;problematischen&quot; Zielgruppe. Es ist leider traurige<br />
Realität, dass bei unterschiedlichen Schulformen (Gymnasium,<br />
Realschule, Hauptschule) und damit häufig verbunden auch der<br />
steigende Anteil sozial schwächerer Schichten (Deutsche wie<br />
Ausländer), die Arbeitsbedingungen für Lehrer deutlich<br />
absinken. Das Thema ist sehr komplex und bedarf einer<br />
Berücksichtigung vieler Faktoren, dabei kommt man schnell von<br />
&quot;Hölzchen auf Stöckchen&quot;. Das Problem ist<br />
einfach, dass niemand &#8211; vor allem kein Politiker &#8211; sich vor die<br />
Öffentlichkeit stellen kann und ausspricht, wie die Realität<br />
aussieht: Die Probleme fangen schon bei der Kinderstube der<br />
Heranwachsenden an. Wenn hier der Umgang sowohl unter den Kindern als<br />
auch den Lehrern gegenüber zivilisierter wäre, würde<br />
die Attraktivität des Berufs automatisch steigen. Von welchem<br />
Politiker kann man aber verlangen, sich hinzustellen und von dem Volk<br />
zu verlangen &quot;Erzieht Eure Kinder vernünftig!&quot;. Danach<br />
wäre man als Politiker womöglich sehr schnell aus dem<br />
Rennen. Mängel in der Ausbildung unserer Lehrer will ich an<br />
dieser Stelle nicht ausschließen, aber das heute schwierige<br />
Umfeld für Lehrer schafft einfach keine Anreize mehr, sich<br />
überhaupt für diesen Beruf zu entscheiden.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Zweifellos ist das pädagogische Umfeld in der<br />
Schule schwieriger geworden. Trotzdem warne ich davor, den<br />
Lehrerberuf und seine Belastungen zu negativ darzustellen. Ich kenne<br />
viele Lehrerinnen und Lehrer, die nach wie vor sich für ihren<br />
Beruf und für ihre Schüler einsetzen und begeistern können.<br />
Was ist Schuld am schlechten Lehrerimage? Wir machen leider die<br />
Erfahrung, dass alle Berufe, die zu einem überwiegenden Teil von<br />
Frauen ergriffen werden, in der gesellschaftlichen Anerkennung<br />
sinken. Das liegt wohl daran, dass Männer verstärkt in so<br />
genannte Karriereberufe strömen, und der Lehrerberuf dazu nicht<br />
mehr gerechnet wird. Aber natürlich haben auch Politiker und<br />
Medien dazu beigetragen (&quot;Schröders faule<br />
Säcke&quot;).</p>
<p><b>Moderator</b>:<br />
Kommentar von: </p>
<p><b>Karl Meier:</b><br />
Ich bin angehender Lehrer und fühle mich von der Uni überhaupt<br />
nicht richtig auf den Beruf vorbereitet.
</p>
<p>
<b>Richie:</b><br />
Ich denke, dass Image der Lehrer ist differenziert, je nach Person zu<br />
sehen. Ich kenne Lehrerinnen und Lehrer der Rütli-Schule in<br />
Berlin, die ihren schweren Job gern machen und ihn als<br />
Herausforderung begreifen. Genauso wie es LehrerInnen gibt, die ihren<br />
Job nicht gern machen. Genauso wird das bei den Schülerinnen und<br />
Schülern dann je nach Person anders wahr genommen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Zum Thema Problemschulen &#8211; das ist hier in Berlin ein Problem:<br />
Eigentlich müsste es doch so sein: In den Schulen in den<br />
„Problemvierteln&quot; müssten viel mehr Lehrer pro Klasse<br />
vorhanden sein, als in den Schulen in den übrigen Stadtteilen.<br />
Das klingt zwar vielleicht &quot;ungerecht&quot;, macht aber doch<br />
Sinn, oder?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Da stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu. Schulen<br />
mit schwierigen Rahmenbedingungen brauchen zusätzliche<br />
Ressourcen.
</p>
<p>
<b>turbotaste:</b><br />
An dieser Stelle ein Vorschlag: Wie wäre es, wenn angehende<br />
Lehramtsstudenten erst einmal ein Praktikum an der ein oder anderen<br />
Schule absolvieren, sozusagen als pädagogische Hilfskraft;<br />
vielleicht sogar an verschiedenen Schulformen?</p>
<p><b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Das ist ein guter Vorschlag, der inzwischen in fast<br />
allen Bundesländern umgesetzt worden ist. Da gibt es<br />
Orientierungspraktika, die vor dem Studium abgelegt werden und<br />
studienbegleitende Praktika, im Grund- und Hauptstudium. Ich finde es<br />
auch wichtig, dass man nicht nur an seiner eigenen Schulform<br />
Erfahrungen sammelt, vielleicht sogar außerhalb der Schule in<br />
der Jugendarbeit von Kirchen, Sportvereinen etc.</p>
<p><b>Elternforum<br />
Bildung Dbr:</b> Was glauben Sie, sollten wir nicht mehr Personen<br />
unterschiedlicher Qualifizierung an den Schulen haben? Also mehr<br />
Lehrer, Assistent Teachers, Sozialarbeiter, Experten usw.?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Mit der Verkürzung der Schulzeit am Gymnasium<br />
entwickelt sich diese Schulart immer stärker zur Ganztagsschule.<br />
An einer Ganztagsschule brauche ich zusätzliches Personal, für<br />
die Betreuung von Schülern. Leider gibt es dafür<br />
ausgebildetes Betreuungspersonal kaum.
</p>
<p>
<b>&quot;Bei schwierigen Kindern Eltern verstärkt mit einbeziehen&quot; </b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Noch mal zum Thema Schüler und Lehrer:</p>
<p><b>mango:</b><br />
Wie soll die Integration der Migrantenkinder genau ablaufen, werden<br />
dort nicht detaillierte Schulungen für die Lehrkräfte<br />
benötigt? In welcher Hinsicht sollen wir etwas beitragen, wenn<br />
tagtäglich Hunderte von Schülern keinen Respekt gegenüber<br />
ihren Lehrern haben?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Die Integration von Migrantenkindern ist zunächst<br />
einmal ein gesamtgesellschaftliches Problem. In der Schule spiegeln<br />
sich die Versäumnisse einer völlig verfehlten bzw. nicht<br />
existenten Integrationspolitik. Trotzdem kann Schule natürlich<br />
gegensteuern. Zum einen benötigen wir mehr Lehrer mit<br />
Migrationshintergrund, die hier einen wertvollen Beitrag zur<br />
Integration der Schüler leisten können. Zum anderen setze<br />
ich große Hoffnungen in eine intensive Frühförderung<br />
vor der Schule. Kinder mit Migrationshintergrund sollten die deutsche<br />
Sprache soweit beherrschen, dass sie dem Unterricht folgen können,<br />
wenn sie eingeschult werden.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Das hilft allerdings erst in der Zukunft &#8211; und die frühe<br />
Förderung von kleinen Kindern ist immer noch nicht<br />
&quot;flächendeckend&quot; &#8211; pauschal gesagt. Wie hilft man den<br />
Lehrern, die heute Probleme mit schwierigen Schülern<br />
haben?</p>
<p><b>Heinz-Peter Meidinger</b>:<br />
Da gibt es ganz sicher kein Patentrezept. In dieser Frage können<br />
wir von anderen Ländern lernen, die in solchen Klassen oft<br />
mehrere Lehrer gleichzeitig einsetzen. Außerdem müssen bei<br />
schwierigen Kindern auch die Eltern verstärkt mit einbezogen<br />
werden.</p>
<p><b>müller:</b> Was halten Sie davon, Schüler<br />
als Betreuungspersonal auszubilden, wie es zurzeit in Rheinhessen<br />
umgesetzt wird (Projektname: SAMS)</p>
<p><b>Heinz-Peter Meidinger</b>:<br />
In bestimmten abgegrenzten Bereichen ist das durchaus sinnvoll. Zum<br />
Beispiel gibt es in vielen Ländern Tutoren-Systeme, bei denen<br />
sich ältere Schüler gezielt um jüngere Mitschüler<br />
kümmern. Schüler können allerdings Lehrer nicht<br />
ersetzen.</p>
<p><b>Moderator</b>:<br />
Dieses Statement ist schon ein paar Minuten her, passt aber zur<br />
Diskussion. Diese Entwicklung &#8211; in Berlin recht häufig &#8211; muss<br />
Lehrern doch eigentlich Angst machen.</p>
<p><b>lelloo:</b><br />
Also wir werden sicherlich in einen anderen Stadtteil ziehen, wenn<br />
unsere Kleine in die Schule kommt. Ich sehe da keine andere Chance.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Während bei den weiterführenden Schulen<br />
freie Schulwahl besteht, gilt im Grundschulbereich die so genannte<br />
Sprengel-Pflicht, das heißt, dass man sein Kind nur an einer<br />
bestimmten Grundschule anmelden kann. Dies führt dann zu dieser<br />
von Ihnen angesprochenen &quot;Fluchtbewegung&quot;. Ich<br />
bin durchaus der Auffassung, dass die Sprengel-Bildung zu überdenken<br />
ist. Wir haben in Frankreich zum<br />
Beispiel eine ganz extreme &quot;soziale Entmischung&quot; an<br />
Schulen, kurzum, an Schulen mit Migrantenanteil steigt dieser<br />
kontinuierlich an. Die Idee, Höchstgrenzen für<br />
Migrantenquoten einzuführen, halte ich allerdings auch für<br />
problematisch. Nur wenn Schulen durch Qualität überzeugen,<br />
und da gibt es auch viele Schulen mit hohem Migrationsanteil, können<br />
sie bestehen.
</p>
<p>
<b>&quot;Durchlässigkeit nach oben ist verbesserungsfähig&quot; </b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Noch ein Problem im dreigliedrigen deutschen Schulsystem:</p>
<p><b>fosbos:</b><br />
Also, ich habe mein Abitur gerade über die Fachoberschule<br />
gemacht und bin von der Hauptschule auf diese gewechselt. Was mich<br />
dabei stört ist, dass es Schülern schwer gemacht wird, von<br />
der Hauptschule auf höhere Schulen zu wechseln, obwohl man auch<br />
bei mir festgestellt hat, dass ich durchaus fähig war, auf eine<br />
höhere Schule zu wechseln. Im Gegenteil, man hat mir sogar<br />
abgeraten, nach dem Abschluss auf eine weiterführende Schule zu<br />
gehen. Ich finde, in dem Bereich sollte etwas unternommen werden.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Ich stimme Ihnen zu, dass die Durchlässigkeit<br />
unseres Schulsystems nach oben verbesserungswürdig ist.<br />
Allerdings hat eine Studie kürzlich festgestellt, dass 30<br />
Prozent der Hauptschüler noch höhere Abschlüsse<br />
erreichen und 25 Prozent der Realschüler ebenso. Dieser Anteil<br />
lässt sich allerdings noch steigern.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Zum Schluss noch die Top-Frage aus unserem &quot;Warteraum vor dem<br />
Chat&quot;: </p>
<p><b>chance:</b> Ich selbst musste lange Zeit unter<br />
einem schlechten Bildungs-/Schulsystem und unter Menschen, die für<br />
den Beruf des Lehrers nicht geeignet waren und sind, leiden. Vor<br />
allem der Beamten-Status lockt Menschen an, die eher ihr<br />
Sicherheitsbedürfnis befriedigen wollen, als sich<br />
leidenschaftlich einer Tätigkeit als Lehrer zu widmen. Daher<br />
meine Frage: Halten Sie es für sinnvoll, das Beamtentum im<br />
deutschen Bildungssystem abzuschaffen? Was würden Sie sonst<br />
vorschlagen, um einerseits zu verhindern, dass Personen, die<br />
menschlich und psychisch völlig ungeeignet sind, diesen Beruf<br />
ergreifen, und andererseits jene aus dem Lehrerberuf ausschließen<br />
zu können, bei denen sich die fehlende Eignung leider erst<br />
während der Tätigkeit herausstellt? Sollten nicht erst mal<br />
Leistungsfähigkeit und Eignung der Lehrer besser getestet<br />
werden, bevor Sie diesen Beruf ergreifen dürfen?
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Zum Eignungstest wurde ja schon einiges von Herrn Meidinger gesagt.<br />
Wie steht es mit dem Beamtentum?</p>
<p><b>Heinz-Peter Meidinger</b>:<br />
Ich bin ein Befürworter eines stärker leistungsorientierten<br />
Beamtentums. Das heißt, gute Lehrer sollten auch besser bezahlt<br />
werden. Der Beamtenstatus verhindert immerhin, dass in Deutschland<br />
das amerikanische Hire-and-Fire-Prinzip Einzug hält und er<br />
sichert die Unabhängigkeit des Lehrers gegenüber dem<br />
Schulleiter wie auch den Schülern und Erziehungsberechtigten.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Damit ist unsere Stunde tagesschau-Chat leider schon wieder vorbei.<br />
Vielleicht hat dieser Chat ja geholfen, das Interesse am Lehrerberuf<br />
zu steigern. Mein Name ist Wolfram Leytz. Herzlichen Dank, Herr<br />
Meidinger, dass Sie Zeit für den Chat gefunden haben. Das<br />
Chat-Protokoll gibt es in Kürze auf den Webseiten von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de. tagesschau.de wünscht noch<br />
einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Ich bedanke mich bei allen Teilnehmern für die<br />
lebendige Diskussion, bei der auch ich dazugelernt habe. Einen<br />
schönen Nachmittag!</p>
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