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	<title>Hermann Otto Solms &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Hermann Otto Solms &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Hermann Otto Solms zu Steuer-und Gesundheitsreform</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/hermann_otto_solms_zu_steuerund_gesundheitsreform-184/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[thauswedell]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Nov 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Hermann Otto Solms]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms</b> 
<span class="fett">beantwortete im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de Fragen zu Steuer-und Gesundheitsreformen der 
FDP und verteidigte seine Pläne zur Steuersenkung nicht nur für 
den deutschen Arbeitsmarkt als unerläßlich - sondern auch, 
um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Denn, so Solms: &#34;Wir 
stehen im globalisierten Wettbewerb, auch im Wettbewerb der Steuersysteme.&#34;</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms</b><br />
<span class="fett">beantwortete im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de Fragen zu Steuer-und Gesundheitsreformen der<br />
FDP und verteidigte seine Pläne zur Steuersenkung nicht nur für<br />
den deutschen Arbeitsmarkt als unerläßlich &#8211; sondern auch,<br />
um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Denn, so Solms: &quot;Wir<br />
stehen im globalisierten Wettbewerb, auch im Wettbewerb der Steuersysteme.&quot;</span><!--break-->
</p>
<p class="normal">
Moderator: Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Zum Chat ist heute der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen. Herr Solms, sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit<br />
unseren Usern?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Ich bin bereit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie sind Finanzexperte der FDP und beschäftigen<br />
sich u. a. mit Steuern. Merz´ Bierdeckel Drei-Stufen-Steuermodell<br />
war in aller Munde und allgemein bekannt. Sie waren viel schneller mit<br />
einem ähnlichen Modell. Warum hat man in der Öffentlichkeit<br />
so wenig über das Solms`sche Modell gehört?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Wir haben ein komplett ausformuliertes<br />
Einkommenssteuergesetz vorgelegt. Es ist natürlich komplizierter<br />
sich damit zu befassen &#8211; der Bierdeckel lässt sich eben leichter<br />
verkaufen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Warum haben Sie sich dann nicht des Bierdeckels<br />
bedient?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Der Bierdeckel ist nicht realisierbar.<br />
Nach den CDU Vorschlägen bliebe es bei einer immer noch komplizierten<br />
Steuererklärung und Herr Merz ist damit ja auch gescheitert. Immerhin<br />
haben wir ein Steuererklärungsformular entwickelt auf einer DIN-A4-Seite.<br />
Das kann jeder in einer halben Stunde ausfüllen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zu Inhaltlichem:
</p>
<p>
<b>stefanzwanzger:</b> Ist es eigentlich nachweislich richtig,<br />
dass eine Senkung der Steuern (um eine gewissen Prozentsatz) dem Staat<br />
am Ende MEHR Steuereinnahmen verschafft. Glauben Sie, dass 35% ohne<br />
Ausnahmeregelungen mehr Staatseinnahmen generieren als 42% + Soli +<br />
Gewerbesteuer &#8211; Steuerschlupflöcher?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Wir unterstellen, dass durch Steuer-<br />
und Abgabensenkung Wirtschaftswachstum ausgelöst wird, mehr Investitionen<br />
in Deutschland stattfinden und damit Hunderttausende neue Arbeitsplätze<br />
entstehen. Diese neuen Arbeitnehmer leben nicht mehr vom Sozialstaat,<br />
sondern zahlen Steuern und Sozialbeiträge und erhöhen damit<br />
das Staatseinkommen. Das haben uns andere Länder vorgemacht und<br />
dort hat es funktioniert, wie beispielsweise in Irland, England, Neuseeland,<br />
USA usw. Die steuerlichen Ausnahmen werden konsequent abgeschafft, auch<br />
das schafft Steuermehreinnahmen und führt zu mehr Steuergerechtigkeit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Apropos Steuergerechtigkeit:
</p>
<p>
<b>megalomane: </b>Geht Ihr Finanzierungsmodell nicht eindeutig<br />
zu Lasten der Wenigverdiener? Die FDP mal wieder als Partei der Besserverdienenden?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Bei unserem Modell werden alle<br />
entlastet. Ein Schwerpunkt der Entlastung liegt bei den Familien mit<br />
Kindern, weil jedes Kind einen Grundfreibetrag wie jeder Erwachsene<br />
erhält. Eine vierköpfige Familie zahlt erst Steuern bei einem<br />
Jahreseinkommen von über 37.000 Euro, d.h. ein Großteil der<br />
kinderreichen Familien wäre in Zukunft steuerfrei. Das Kindergeld<br />
wird auf 200 Euro pro Kind und Monat erhöht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort steuerfrei und Erhöhung<br />
des Kindergeldes &#8211; Inga fragt:
</p>
<p>
<b>inga: </b>Die CDU/CSU hat für ihr Drei-Stufen-Steuer-Modell<br />
reichlich Kritik geerntet, da sie nicht plausibel machen konnte, wodurch<br />
die fehlenden Steuereinnahmen aufgefangen werden sollen. Worin unterscheidet<br />
sich Ihr Drei-Stufen-Modell von dem der CDU?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Unser Konzept führt zu einer<br />
viel weiter gehenden Vereinfachung des Steuerrechtes als das der CDU.<br />
Die Finanzministerien von Bund und Ländern haben errechnet, dass<br />
dieses zu Steuerausfällen von 14,5 Milliarden Euro führt.<br />
Um dieses abzudecken haben wir Vorschläge zu Einsparungen bei Finanzhilfen<br />
des Staates und bei Umsatzsteuerbetrug gemacht, die die Steuerausfälle<br />
mehr als kompensieren würden. Die Mehreinnahmen bzw. Minderausgaben<br />
haben ein Volumen von 20 bis 25 Milliarden Euro, d.h. mit diesem Konzept<br />
kann zusätzlich ein Beitrag zum Schuldenabbau geleistet werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachgehakt:
</p>
<p>
<b>Rudi:</b> Sie fordern, Steuervergünstigungen abzuschaffen.<br />
Welche genau sind gemeint?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Sie sollen alle abgeschafft werden.<br />
Seien es Sonderabschreibungen für die Wirtschaft oder den Wohnungsbau<br />
oder seien es Ausnahmen für die Arbeitnehmer, wie z.B. die Begünstigung<br />
der Zuschläge für Sonn-, Feiertags- oder Nachtarbeit bzw.<br />
die Entfernungspauschale oder die Abziehbarkeit des häuslichen<br />
Arbeitszimmers. Auch die Eigenheimzulage kann bei entsprechender Steuersenkung<br />
entfallen.
</p>
<p>
<b>handsup:</b> Dass die steuerlichen Ausnahmen wirklich<br />
abgeschafft werden, glaubt Ihnen &#8211; bei allem Respekt &#8211; kein Mensch mehr.<br />
Das haben Sie auch nicht in der Amtszeit von Kohl geschafft. Was machen<br />
Sie, um hier wieder glaubwürdig zu werden?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Zwei Antworten: Erstens, zur Zeit<br />
unserer Regierungsbeteiligung haben wir ein Steuerreform durch den Bundestag<br />
gebracht, die bekannt ist unter der Bezeichnung &quot;Petersberger Beschlüsse&quot;,<br />
die schon viele Verbesserungen verwirklicht hätte, wenn Lafontaine<br />
mit seiner SPD-Mehrheit sie durch den Bundesrat gelassen hätte.<br />
Diese Reform wäre schon seit sechs Jahren in Kraft, wenn sie nicht<br />
blockiert worden wäre. Zweitens, um unseren Vorstellungen Glaubwürdigkeit<br />
zu verleihen, haben wir diese in Gesetzesform in den Deutschen Bundestag<br />
eingebracht. Der Gesetzestext liegt im Internet vor und kann von jedem<br />
eingesehen werden.<br />
Im Januar werden wir im Finanzausschuss dazu eine öffentliche Anhörung<br />
durchführen.
</p>
<p>
<b>Dennis:</b> Wie werden sich ihre neuen Steuermodelle auf<br />
die mittelständischen Unternehmen auswirken?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Durch das Ersetzen der Gewerbesteuer<br />
wird es für Mittelständler nicht nur eine Steuerentlastung,<br />
sondern auch ein deutliche Steuervereinfachung geben. Dazu kommt, dass<br />
der Steuertarif auf 35 Prozent netto gesenkt wird. An der steuerlichen<br />
Gleichbehandlung arbeiten wir noch. Wir werden im ersten Halbjahr 2005<br />
auch einen Entwurf für ein neues Körperschaftsteuergesetz<br />
(vorlegen).
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie wird das aussehen?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Das kann ich im Einzelnen noch<br />
nicht bekannt geben, da hier äußerst komplizierte Probleme<br />
der Besteuerung von international tätigen Konzernen und der steuerlichen<br />
Behandlung von Umgestaltungen im Unternehmensbereich national wie international<br />
gelöst werden müssen. Wir orientieren uns dabei stark an der<br />
Steuerreform, die Österreich gerade durchführt.
</p>
<p>
<b>Finanzbeamte:</b> Sehr geehrter Herr Solms, wäre<br />
es nicht sinnvoll anstatt immer nur die Ausgaben zu kürzen, mal<br />
die Erhöhung der Einnahmen in Erwägung zu ziehen?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Darüber denkt die Bundesregierung<br />
ja laufend nach. Wer so denkt, unterliegt einem Trugschluss: Wir stehen<br />
im globalisierten Wettbewerb, auch im Wettbewerb der Steuersysteme.<br />
Wer Investitionen, genauso wie menschliche Arbeitsleistungen und wie<br />
Erträge der Sparer bei uns höher zu belasten wünscht<br />
als z.B. im europäischen Ausland, wird sehen, dass die Investitionen<br />
und das Sparvermögen ins Ausland abwandern, die Arbeitskräfte<br />
ihren Job verlieren und auch die hoch qualifizierten Arbeitskräfte,<br />
wie Forscher oder Entwickler, ins Ausland abwandern.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Wo soll das Geld herkommen &#8211; bzw.- wer<br />
hat das Geld ausgegeben? Dazu eine Nachfrage:
</p>
<p>
<b>OskarLafontaine: </b>Welchen Anteil an der Staatsverschuldung<br />
müssen Sie auf Ihre Kappe nehmen (siehe Ära Kohl)?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Seit 1970 haben wir nur defizitäre<br />
Haushalte, d.h. an der Überforderung des Staates waren alle Parteien<br />
beteiligt. Die besondere Gefahr heute liegt darin, dass die Neuverschuldung<br />
Jahr um Jahr zusätzlich steigt, und damit die Stabilitätskriterien,<br />
die wir selbst veranlasst haben, verfehlt werden. Eine Kehrtwende ist<br />
überfällig.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Weg von der Vergangenheit &#8211; ein Blick in<br />
die Zukunft:
</p>
<p>
<b>verboomen@web.de:</b> Ist es möglich, dass irgendwann<br />
alle EU-Mitgliedstaaten das gleiche Steuersystem haben?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> In der EU ist bislang nur vereinbart,<br />
die indirekten Steuern zu harmonisieren (Umsatzsteuer, Tabaksteuer,<br />
Mineralölsteuer, usw.). Die direkten Steuern sind der nationalen<br />
Gesetzgebung vorbehalten. Gegenwärtig gibt es allerdings Bestrebungen<br />
auch die Bilanzierungsvorschriften und die Errechnung der steuerlichen<br />
Grundlagen zu vereinheitlichen. Ich halte das für richtig. Ansonsten,<br />
was die Steuertarife angeht, spreche ich mich für einen internationalen<br />
Steuerwettbewerb aus.
</p>
<p>
<b>Karol:</b> Ihre Meinung zum gerade verabschiedeten Bundeshaushalt?
</p>
<p>
<b>Nachfrage vom Moderator:</b> Werden sie gemeinsam mit<br />
der Union gegen den Haushalt klagen?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Der Bundeshaushalt ist eindeutig<br />
verfassungswidrig, weil die Neuverschuldung das Ausmaß der öffentlichen<br />
Investitionen deutlich übersteigt. Er wird zum vierten Mal den<br />
europäischen Stabilitätspakt verletzen. Der FDP-Vorschlag<br />
einer Verfassungsklage wird von der CDU/CSU unterstützt, und auch<br />
eingebracht werden.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Und wann?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Eine Verfassungsklage muss natürlich<br />
vorbereitet werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wechseln wir zum Thema Gesundheit:
</p>
<p>
<b>regina:</b> Herr Solms, das Gesundheitsmodell der FDP<br />
ist immer noch nicht durchgerechnet. Meinen Sie nicht, dass das der<br />
Glaubwürdigkeit des Konzepts schadet?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Die Modelle aller Parteien sind<br />
bis jetzt noch nicht durchgerechnet, alle vorgelegten Berechnungen sind<br />
falsch. Um uns diesem Vorwurf nicht auszusetzen wollen wir erst alle<br />
Einzelbedingungen unseres Modells festlegen, bevor wir den Auftrag zur<br />
Berechung geben. Ich denke dass unsere Arbeiten bis Herbst nächsten<br />
Jahres abgeschlossen sein können &#8211; das ist ausreichend vor der<br />
nächsten Bundestagswahl.
</p>
<p>
<b>dieter:</b> Sie betonen, dass Steuer- und Gesundheitsreform<br />
gleichzeitig umgesetzt werden müssen. Muss nicht erst einmal der<br />
von Ihnen erhoffte Gewinn aus der Steuerreform erzielt werden, um die<br />
Gesundheitsreform bezahlen zu können?</p>
<p><b>Hermann Otto Solms:</b> Das ist eine statische Betrachtungsweise.<br />
Wirtschaft ist aber ein dynamischer Prozess. Wenn sie so schnell wie<br />
möglich Wachstum und Beschäftigung erzeugen wollen, müssen<br />
sie die Erneuerung unserer Systeme gleichzeitig vornehmen. Dazu gehört<br />
insbesondere die Abkoppelung der Sozialkosten von den Arbeitskosten,<br />
die Flexibilisierung der Arbeitsmarktbedingungen und die Erneuerung<br />
unserer Finanzpolitik. Wenn sie dies stufenweise angehen würden,<br />
würden sie nicht den notwendigen Effekt erzielen und eine Wiederherstellung<br />
der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands würde auf den Sankt-Nimmerleins-Tag<br />
aufgeschoben.
</p>
<p>
<b>giebert: </b>Sie werfen der Union vor, die Gesundheitsprämie<br />
zu niedrig angesetzt zu haben und gehen davon aus, dass sie sich in<br />
den kommenden Jahren vielleicht sogar verdreifachen wird. Wie schätzen<br />
Sie die Entwicklung des Basisbeitrags in ihrem Modell ein? Wird er stabil<br />
bleiben können?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Prof. Rürup, der die Gesundheitsprämie<br />
mit entwickelt hat, hat errechnet, dass sich die Höhe der Prämie<br />
nach dem CDU-Vorschlag vervielfachen wird. Die Prämie ist schon<br />
heute zu niedrig festgesetzt und vernachlässigt völlig die<br />
Steigerung der Gesundheitskosten aufgrund der Alterung der Gesellschaft<br />
und durch den medizinischen Fortschritt. Insbesondere das Weglassen<br />
einer Altersrückstellung, die Frau Merkel ja ursprünglich<br />
vorgesehen hatte, ist ein zentraler Fehler. Wenn sie sich an den privaten<br />
Krankenversicherungen orientieren, so stellen sie fest, dass diese Altersrückstellungen<br />
für ihre Kunden gebildet haben. Sie haben mit diesen Rückstellungen<br />
einen Kapitalstock gebildet, der schon heute ein Volumen von 80 bis<br />
90 Milliarden Euro umfasst. Und mit den Erträgen aus dem Kapitalstock<br />
werden die höheren Gesundheitskosten im Alter abgedeckt. Wenn man<br />
das nicht tut, dann wird man mit mathematischer Sicherheit eine dramatische<br />
Steigerung der Versicherungsbeiträge verursachen.
</p>
<p>
<b>Catch22:</b> Halten Sie es wirklich für verantwortlich,<br />
Krankenversicherungen als private Akteure wirtschaften zu lassen? Ich<br />
verweise auf das Beispiel der USA wo die Prämien für Krankenversicherungen<br />
kontinuierlich ins unermessliche steigen und Gesundheit zum kostbaren<br />
Luxusgut verkommen ist. Wie wollen sie solche Entwicklungen vermeiden?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Wir wollen eine gesetzliche Pflicht<br />
zur Versicherung für einen Leistungskatalog, der das medizinisch<br />
notwendige umfasst, vergleichbar mit der Haftpflichtversicherung beim<br />
Automobil. Wer zusätzliche Leistungen in Anspruch nehmen will,<br />
muss diese dann selber versichern. Durch die Umwandlung der gesetzlichen<br />
Krankenversicherungen in private Versicherungsunternehmen schaffe ich<br />
fairen Wettbewerb zwischen diesen, und erreiche damit mehr Effizienz<br />
und dämpfe die Kosten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Trotzdem:
</p>
<p>
<b>Kerstin:</b> Demontieren sie mit den gesetzlichen Krankenversicherungen<br />
nicht ein Fundament des Sozialstaates?</p>
<p><b>Hermann Otto Solms: </b>Das soziale Element gehört<br />
selbstverständlich dazu. Wir wollen dass alle, die bedürftig<br />
sind, aus dem Haushalt, d.h. vom Steuerzahler, unterstützt werden.<br />
Voraussetzung dafür ist allerdings eine Bedürftigkeitsprüfung,<br />
damit das Sozialsystem nicht von denen missbraucht wird, für die<br />
es nicht gedacht ist. Alle Kinder sollen ebenfalls durch die öffentliche<br />
Hand abgesichert werden.
</p>
<p>
<b>megalomane:</b> Welche Gefahren der so genannten Gesundheitskarte<br />
sehen Sie momentan? Brauchen wir sie wirklich?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Obwohl Liberaler, glaube ich,<br />
dass wir mit der Gesundheitskarte mehr Effizienz im Abrechungsbereich<br />
erreichen. Darin liegt ein Beitrag, die Gesundheitskosten unter Kontrolle<br />
zu halten. Der Datenschutz muss hier partiell zurücktreten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage zum amerikanischen Modell:
</p>
<p>
<b>Liberty: </b>Der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen,<br />
wie man ihn in den USA sieht, hat doch als Hauptfolge, dass Kosten zwischen<br />
den Beteiligten hin und her geschoben werden. Wie wollen Sie einen Wettbewerb<br />
fördern, der zu einer effizienteren medizinischen Versorgung führt?
</p>
<p>
<br />
<b>Hermann Otto Solms: </b>Das deutsche Gesundheitssystem<br />
ist mit dem amerikanischen nicht zu vergleichen. Wir haben eine breite<br />
Absicherung für alle Gruppen der Bevölkerung, was man in den<br />
USA nicht kennt. Die USA sind für uns in diesem Bereich kein Vorbild.<br />
Auch die Qualität der Gesundheitsleistungen in Deutschland steht<br />
nicht hinter der in den USA zurück. In Gegensatz zu den USA steht<br />
die Hochleistungsmedizin in Deutschland allen Bürgern zur Verfügung<br />
und nicht nur denen, die das bezahlen können, und so muss es auch<br />
bleiben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gehen wir nun in das Reich der Spekulationen,<br />
die wir aber trotzdem wissen wollen:
</p>
<p>
<b>lassi:</b> Wird die Position der FDP bei möglichen<br />
Koalitionsverhandlungen mit der Union durch den Weggang Seehofers gestärkt?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Seehofer hat nach meiner Auffassung<br />
die sozialen Vorstellungen des letzten Jahrhunderts vertreten. Dass<br />
dieses System schon lange nicht mehr bezahlbar ist, zeigen die jährlichen<br />
Kämpfe um das Sozialprodukt. Ein modernes Sozialsystem muss auf<br />
neue Grundlagen gestellt werden und dieser Aufgabe hat sich die FDP<br />
verschrieben. Der soziale Gedanke wird dabei nicht vernachlässigt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zurück zur Gesundheitskarte:
</p>
<p>
<b>megalomane:</b> Ich hatte nach den Gefahren gefragt, Herr<br />
Solms!
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Ich glaube dass man die Gefahren<br />
des &quot;Gläsernen Patienten&quot; in den Griff kriegen kann.<br />
Ich bin aber selbst nicht kompetent genug, diese Fragen zu beantworten.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Wir kommen zur Schlussrunde:
</p>
<p>
<b>Wietolb:</b> Wie erklären Sie sich den allgemeinen<br />
Akzeptanzverlust der FDP in der Bevölkerung?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Ich kann ihn gar nicht feststellen.<br />
Wir haben bei den letzten 27 Wahlen bis auf einmal deutlich zugelegt.<br />
Wir sind in diesem Jahr in drei Parlamente zurückgekehrt: Europa,<br />
Saarland und Sachsen, und wir haben bei der Kommunalwahl in NRW erst<br />
vor kurzem das beste Ergebnis seit 30 Jahren erzielt. In den Umfragen<br />
liegen wir zwischen 7 Prozent (Forschungsgruppe Wahlen) und 9 Prozent<br />
(Forsa und Allensbach). Ich glaube, dies ist eine gute Voraussetzung<br />
für die beiden anstehenden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein<br />
und NRW im nächsten Jahr.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist das ihre Eigenleistung oder liegt es<br />
an den &quot;Großen&quot;, mit denen die Wähler unzufrieden<br />
sind?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Es liegt an beidem.
</p>
<p>
<b>carlo:</b> Aber werden 9% für eine Regierungsbeteiligung<br />
wirklich reichen?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Wir sind noch steigerungsfähig.
</p>
<p>
<b>verboomen@web.de:</b> Liegt es an der Führung von<br />
Westerwelle?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Westerwelles Ruf war nach der<br />
verlorenen Wahl von 2002 beschädigt. Er hat sein Ansehen seitdem<br />
wieder deutlich verbessert und er, wie wir alle, haben vor, unser Ansehen<br />
bis zur Bundestagswahl zu erhöhen. Deswegen legen wir das modernste<br />
Wahlprogramm aller Parteien vor. Und an den Fakten wollen wir gemessen<br />
werden.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Haben Sie die 18-Prozent-Diskussion bedauert?
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms:</b> Ich habe es für eine Übertreibung<br />
gehalten. Und leider hat sich das als richtig herausgestellt.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Unsere Zeit ist bereits um. Vielen Dank<br />
an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen sind<br />
leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Solms, dass Sie sich<br />
Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript dieses Chats finden<br />
Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten Chat gibt es<br />
am Donnerstag ab 13.00 Uhr mit dem Bonner Politikwissenschaftler und<br />
CDU-Insider Gerd Langguth. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch<br />
einen angenehmen Tag!
</p>
<p>
<b>Hermann Otto Solms: </b>Vielen Dank für die interessanten<br />
Fragen. Leider muss ich mich jetzt anderen Fragen zuwenden, damit das<br />
Wahlprogramm gut wird.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Es gibt auf der Welt viele Einkommens-Steuersysteme, die besser sind als das in Deutschland, keines das sc</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotes_gibt_auf_der_welt_viele_einkommenssteuersysteme_die_besser_sind_als_das_in_deutschland_keines-303/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotes_gibt_auf_der_welt_viele_einkommenssteuersysteme_die_besser_sind_als_das_in_deutschland_keines-303/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[rfuchs]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 May 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Gemeindefinanzreform]]></category>
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		<category><![CDATA[Herrmann Otto Solms]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/hsolms2.jpg" alt="Hermann Otto Solms" align="left" border="0" height="157" width="120" /> 
Herrman Otto Solms, </b><b> FDP-Finanzexperte, ist </b><b>am 
22. Mai 2003, zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/hsolms2.jpg" alt="Hermann Otto Solms" align="left" border="0" height="157" width="120" /><br />
Herrman Otto Solms, </b><b> FDP-Finanzexperte, ist </b><b>am<br />
22. Mai 2003, zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span><!--break-->
</p>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b><br />
Moderator:</b> Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Heute ist der finanzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion,<br />
Hermann Otto Solms, ist heute zum Chat im ARD-Hauptstadtstudio. Vielen<br />
Dank, dass Sie gekommen sind, können wir beginnen, Herr Solms?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Herr Solms, Sie haben drei<br />
Kinder, ist das richtig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Ja, drei Mädchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Glauben Sie, dass die es noch<br />
erleben werden, dass der Bund mal keine Schulden mehr hat? Oder schaffen<br />
das wenigstens die Urenkel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Wenn Sie es nicht<br />
erleben sollten, dann deshalb, weil sie sich in ein anderes Land abgesetzt<br />
haben. Sie wollen nicht die Schulden bezahlen, die wir als Eltern- und<br />
Großelterngeneration gemacht haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Schuldenfalle2010:</b> Lieber Herr Solms,<br />
so wie die Regierung es macht, geht&#8217;s nicht. So wie Sie es machen wollen,<br />
aber auch nicht. Haushaltslöcher stopfen durch weitere Privatisierungsgewinne,<br />
heißt eine ihrer Devisen. Ist das aber nicht genauso kurzsichtig<br />
wie die Agenda der Regierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Privatisierung ist<br />
nicht der Kern der Problemlösung. Wir müssen alle unsere Strukturen<br />
wieder von kollektiven Lösungsansätzen umwandeln hin zu mehr<br />
privater Verantwortung, d.h. dass die Sozialsysteme auf eine neue Grundlage<br />
gestellt werden müssen, so dass die Beiträge zu den Sozialsystemen<br />
von den Arbeitskosten getrennt werden und den Arbeitsplatz nicht belasten.<br />
Durch die Senkung der Arbeitskosten können dann wieder neue Arbeitsplätze<br />
entstehen und nur durch mehr Arbeit lassen sich dann auch die Finanzprobleme<br />
lösen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Das heißt im Klartext:<br />
Den Einzelnen (Versicherten) stärker belasten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Mehr Eigenverantwortung<br />
heißt auch weniger Ausnutzung des Sozialsystems und damit mehr Effizienz<br />
und geringere Kosten. Und nur wenn die Ausgaben insgesamt gesenkt werden,<br />
entsteht Freiraum für einen ausgeglichenen Haushalt auf der staatlichen<br />
Seite und für mehr Investitionen und Arbeitsplätze auf der privaten<br />
Seite.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>karl:</b> Nachfrage direkt: Heißt private<br />
Verantwortung auch, dass wir amerikanische Verhältnisse von ihrer<br />
schlechtesten Seite übernehmen? Also &quot;Hire and fire&quot; von<br />
heute auf morgen? Den Generationenvertrag haben wir ja eh schon abgeschrieben.<br />
Nicht war?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Der Generationenvertrag<br />
muss neu gestaltet werden und zwar für drei Generationen und nicht<br />
für zwei, wie heute. Nicht jedes soziale Schutzinstrument schützt<br />
die Betroffenen wirklich. Der übertriebene Kündigungsschutz<br />
ist längst zum Einstellungshemmnis geworden. Ein Handwerker mit 7<br />
Mitarbeitern stellt keinen zusätzlichen ein, weil er, wenn die Aufträge<br />
zurückgehen, sich nur durch hohe Entschädigungsleistungen wieder<br />
von ihm trennen könnte und deswegen werden diese Tätigkeiten<br />
häufig in die Schwarzarbeit abgleiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Welches Land könnte denn<br />
nach Ihren Vorstellungen beim Arbeitsmarkt oder vielleicht etwas genauer<br />
beim Arbeitsrecht Vorbild für die Bundesrepublik sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Viele europäische.<br />
Länder, wie beispielsweise Schweden, Dänemark, Holland oder<br />
die Schweiz, die ähnlich überbordende Schutzsysteme hatten,<br />
haben in den 90er Jahren ihre Systeme auf mehr Wettbewerbsfähigkeit<br />
umgestellt.<br />
Schweden, in unserer Vorstellung ein soziales Musterland, hat z.B. längst<br />
Karenztage bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall eingeführt,<br />
wo bei uns der Arbeitgeber immer noch 6 Wochen 100% Lohn zahlen muss und<br />
zwar unabhängig davon, ob der Betroffene wirklich krank ist, oder<br />
nur mal 1-2 Tage Pause machen möchte.<br />
Anderes Beispiel. Die Holländer haben die Rentenversicherung in etwa<br />
der Form geändert, wie es uns vorschwebt: Die gesetzliche Rentenversicherung<br />
die durch eine Umlage finanziert wird, hat nur noch den Charakter einer<br />
Grundsicherung. Zur Absicherung des sozialen Standards im Alter müssen<br />
die Versicherten einen eigenständigen und individuell finanzierten<br />
Kapitalstock aufbauen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Ludwig61:</b> Wenn Sie von der Sanierung<br />
der Sozialsysteme sprechen, wäre es nicht die klarste und gerechteste<br />
Lösung, wenn alle, als auch die Leistungsfähigen unserer Gesellschaft<br />
mitmachen müssten? Wäre das nicht ein wirkliches SOZIALsystem?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Die Bürger,<br />
deren Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt, müssen<br />
für ihre Vorsorge heute schon alleine aufkommen. Sie genießen<br />
im Alter auch nicht den Schutz der gesetzlichen Rentenversicherung. Wenn<br />
man sie einbeziehen würde, würde man automatisch zusätzlichen<br />
Belastungen des Rentenversicherungssystems auslösen das ja heute<br />
schon überfordert ist. In der Bundesrepublik haben wir unter allen<br />
Industriestaaten die deutlich höchste Steuer- und Abgabenquote. Dadurch<br />
wird die wirtschaftliche Betätigung und der Investitionsprozess erstickt.<br />
Der durchschnittliche Arbeitnehmer hat in Deutschland eine Grenzabgabenquote<br />
von rund 65 %, d.h. dass er für eine zusätzlich zu seine Normaleinkommen<br />
bezahlte Stunde nur noch 35 % seines Bruttogehaltes ausgezahlt bekommt.<br />
Das gibt es in keinem anderen Land und das erdrückt jede Leistungsbereitschaft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Wir haben heute wieder fantasievolle<br />
nicknames: es fragt:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>mafia_fdp:</b> Aber die SPD will ja jetzt<br />
den Kündigungsschutz lockern. Werden Sie die Reformen unterstützen<br />
oder blockieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Wir werden alles<br />
unterstützen, was unseren Arbeitsmarkt wieder auf die Beine hilft.<br />
Bis jetzt liegen kein konkreten Vorschläge der SPD vor.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Simone</b>: Zur Frage von Ludwig61: Ich denke<br />
auch, dass ALLE in das soziale System mit einbezogen werden sollten, auch<br />
die Besserverdienenden! Beispiel Norwegen: Alle zahlen ein in Relation<br />
zu ihrem Einkommen, und alle bekommen die gleiche Rente.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>The Wanderer:</b> Herr Solms, seit Bestehen<br />
der Bundesrepublik steigt die Staatsverschuldung mit nur kurzzeitigen<br />
Ausnahmen stetig an. Was lässt Sie glauben, dass sich dies ändern<br />
lässt und was wäre dazu nötig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Die FDP hat schon<br />
vor 10 Jahren gefordert, <br />
dass in die Verfassung ein Artikel aufgenommen wird, der es allen staatlichen<br />
Ebenen untersagt neue Schulden aufzunehmen. Dem ist keine andere Partei<br />
gefolgt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>wolfgang:</b> Herr Solms, Sie fordern mehr<br />
Finanzautonomie für die Gemeinden. Andere Experten raten dazu, die<br />
Gemeinden gerade jetzt stärker zu kontrollieren, weil Sie einen Grossteil<br />
der Finanzmisere des Bundes mitverschuldet haben. Wie verteidigen Sie<br />
ihr Konzept?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms: </b>Mehr Finanzautonomie<br />
heißt auch mehr Verantwortung vor dem Wähler. Deshalb fordern<br />
wir, dass die Gemeinden über einen eigenen Zuschlag auf die Einkommen-<br />
und Körperschaftssteuer über ihre Steuereinnahmen selbst entscheiden<br />
können, sich dafür aber vor ihren steuerpflichtigen Wählern<br />
rechtfertigen müssen.<br />
So manches Hallenbad wäre nicht gebaut worden, wenn die Bürger<br />
in der Kommune direkt zur Kasse gebeten worden wären. Den Magistrat<br />
hätten sie bei der nächsten Wahl wieder abgewählt.<br />
Heute gibt es diesen Verantwortungszusammenhang nicht, weil das Gemeindefinanzsystem<br />
völlig intransparent und unverständlich ist. Ziel muss sein,<br />
dass jede Gemeinde, jedes Land und der Bund über seine jeweilig eigenen<br />
Steuern und seine jeweiligen Ausgaben unabhängig und eigenständig<br />
entscheidet. Nur so kann Kontrolle durch den Wähler sichergestellt<br />
werden. Bei unserem heutigen Mischsystem kann niemand erkennen, wer eigentlich<br />
für welche Steuern, für welche Abgaben oder Ausgaben verantwortlich<br />
ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Zwei Fragen dazu: Der User<br />
&quot;karl&quot; sieht das Problem wohl andersherum und Patrick sieht<br />
die Konkurrenz:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>karl:</b> Lieber Herr Solms, die FDP interne<br />
Pinkwart-Kommission will, dass die Gewerbesteuer ersetzt wird durch eine<br />
Kommunalsteuer und eine Beteiligung der Gemeinden an der Umsatzsteuer.<br />
Besteht bei ihrer Gemeindefinanzreform nicht die Gefahr, dass die Bürger<br />
neben der EU auch die lokale Ebene nicht mehr verstehen können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>patrick: </b>Nachfrage zur Gemeindesteuerreform:<br />
Gibt es bei mehr Finanzautonomie der Gemeinden nicht Zuständigkeitskämpfe,<br />
die alle ihre Vorteile wieder zu Nichte machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms: </b>Die Grundidee ist,<br />
wie gesagt, Transparenz und Eigenverantwortung auf jeder Ebene, abgeleitet<br />
aus dem Demokratieprinzip. Der Wählerwille kann sich nur entfalten,<br />
wenn der Wähler überhaupt eine Chance hat, die Wirkungszusammenhänge<br />
zu verstehen und darauf Einfluss nehmen kann.<br />
Beispiel Gewerbesteuer: Es wird heute eine Gewerbesteuer erhoben, dafür<br />
muss eine Gewerbesteuererklärung erarbeitet werden, obwohl die Gewerbesteuer<br />
dann wieder von der Einkommensteuer abgesetzt werden kann.<br />
Ein völlig unsinniger Aufwand für nichts. Von der gemeindlichen<br />
Gewerbesteuer werden aber wieder 30% an Länder und Bund abgeführt.<br />
Im übrigen muss die Gemeinde bei der Anhebung der Hebesätze<br />
auf die wenigen Gewerbesteuerzahler wegen der Wahlfolgen kaum Rücksicht<br />
nehmen , deswegen unsere Forderung:<br />
Dass die Gemeinden statt dessen einen Zuschlag auf die Einkommen und Körperschaftsteuer<br />
erheben wie bei der Kirchensteuer und die Höhe des Zuschlages selbst<br />
festlegen können. Der Zuschlag steht dann ausschließlich den<br />
Gemeinden zur Verfügung und alle steuerpflichtigen Bürger der<br />
Gemeinde sind daran beteiligt. Dann muss der Bürgermeister gut begründen,<br />
warum er die Steuer anheben will und nachweisen, dass die Ausgaben tatsächlich<br />
notwendig sind. Nur so entsteht eine Verantwortungsbeziehung zwischen<br />
gewählten Stadtvätern und wählenden Steuerzahlern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Seit heute wissen wir, dass<br />
Eichel auch das Doppelte der bisher geplanten Neuverschuldung, das wären<br />
rund 38 Milliarden Euro, für &quot;denkbar&quot; hält. Da fragt:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>marc:</b> Was würden Sie Herrn Eichel<br />
heute Abend raten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Eichel hat zwei Chancen.<br />
Entweder er beginnt nun wirklich einmal zu sparen, was er uns seit 5 Jahren<br />
versprochen hat, dann muss er gesetzlich normierte Ausgaben durch ein<br />
neues Haushaltssicherungsgesetz einschränken. Und erstmals wirklich<br />
die Subventionen kürzen. Oder er muss seinen Hut nehmen. Dann kann<br />
er sich wenigstens noch einigermaßen gesichtswahrend in den Ruhestand<br />
begeben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> In der Öffentlichkeit<br />
scheint von Seiten der Opposition vor allem die Forderung nach einem Rücktritt<br />
Eichels anzukommen. Wäre nicht angesichts der Lage ein wenig mehr<br />
Zusammenarbeit zwischen Opposition und Regierung notwendig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms: </b>Ich habe im Bundestag<br />
mehrfach für die FDP-Fraktion angeboten, bei einer Sanierung des<br />
Haushaltes auch bei unpopulären Maßnahmen konstruktiv mitzuwirken.<br />
Wir haben Herrn Eichel angeboten, die staatlichen Subventionen und Zuwendungen<br />
pauschal um 20% zu kürzen, allerdings dann auch ohne Ausnahme. Das<br />
würde etwa Einsparungen von 15 Mrd. Euro im Jahr bringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>wolfgang:</b> Angenommen, Sie wären<br />
Finanzminister. Was würde der Finanzminister Solms zur Deflationsgefahr<br />
sagen. Nur ein Ammenmärchen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms: </b>Wir haben keine Deflation,<br />
aber man darf dei Gefahr nicht verniedlichen. Gerade deshalb ist es so<br />
wichtig, dass jetzt durch einschneidende Maßnahmen wieder Vertrauen<br />
geschaffen wird, denn nur bei Vertrauen in die Entwicklung sind die Bürger<br />
bereit, wieder mehr Geld auszugeben und der Unternehmer bereit, mehr zu<br />
investieren. Wer diesen Zusammenhang missachtet, provoziert geradezu Deflationsängste.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Sind die 20 Prozent pauschale<br />
Kürzung nicht die gefürchtete Rasenmähermethode, die alles<br />
gleich reduziert? Wäre nicht schwerpunktmäßiges Kürzen<br />
besser und wo wäre Ihr Schwerpunkt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Das ist eine philosophische<br />
Frage. Politisch wäre es richtiger, auszuwählen. Aber die Erfahrung<br />
hat gezeigt, dass dann die Wiederstände so groß werden, dass<br />
die politischen Kräfte dann wieder einknicken. Sehen Sie sich nur<br />
das sogenannte Hartz-Konzept an, welches eins zu eins umgesetzt werden<br />
sollte und von dem so gut wie nichts übrig geblieben ist. Der Vorteil<br />
der Rasenmäher-Methode ist, dass keiner behaupten kann, er würde<br />
schlechter behandelt als der andere. Und in einer solchen Notsituation<br />
kann man durchaus zu diesem Mittel greifen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Das klingt letztlich pessimistisch:<br />
Alle im Parlament wollen Veränderungen, keiner kann sie durchsetzen,<br />
weil sich die Lager und die Lobbyisten gegenseitig blockieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Wenn Sie sehen, dass<br />
75% der Mitglieder der SPD-Fraktion Gewerkschaftsmitglieder und rund 50%<br />
der CDU/CSU-Fraktion dem Öffentlichen Dienst entstammen, dann sehen<br />
Sie sehr schnell, warum die Besitzstände in diesen Bereichen nicht<br />
aufgebrochen werden können. Dagegen kommen auch die beiden kleinen<br />
Parteien nicht an.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>marc:</b> Warum gibt es eigentlich kein gemeinsames<br />
Konzept von CDU-CSU und FDP gegenüber der Agenda2010. Seid ihr keine<br />
Freunde mehr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Jede Partei macht<br />
ihr eigenes Programm. Die Union ist viel zu sehr verstritten, um sich<br />
auf das sehr klar und präzise formulierte Programm der FDP einlassen<br />
zu können. Bis heute weiß z.B. niemand welche Strategie die<br />
Union bei der überfälligen Reform des Gemeindefinanzsystems<br />
verfolgt. Auch die Strategie der Gesundheitspolitik der Union bleibt schleierhaft.<br />
Ähnliches gilt für den Arbeitsmarkt und die Reform der Bundesanstalt<br />
für Arbeit. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>apotheker_lobby:</b> Ist das mit der Zusammenarbeit<br />
nicht ihr Dilemma? Wenn die Reformen wirken, steht Rot-Grün 2006<br />
vor der Wahl gut da und wird wiedergewählt, während sie die<br />
Steigbügel gehalten haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Das Land steht in<br />
einer tiefen Krise. Wir haben viele Jahre Reformarbeit gegenüber<br />
unseren europäischen Nachbarn nicht nur verstreichen lassen, wir<br />
haben sogar vieles noch verschlechtert. Denken Sie nur an die misslungene<br />
Riester-Rente oder die Bekämpfung der Scheinselbständigen oder<br />
die Einschränkungen bei den geringwertigen Beschäftigungsverhältnissen.<br />
Deswegen wäre es mir gegenwärtig egal, wer 2006 die besseren<br />
Wahlchancen hat .Ich wäre bereit auch vermeintlich unpopuläre<br />
Maßnahmen konsequent durchzusetzen, damit wir die Basis für<br />
einen wirtschaftlichen Wiederaufstieg schaffen. Das sind wir unseren Kindern<br />
schuldig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Luxus: </b>Wenn die FDP die Steuern senken<br />
möchte, um die Nachfrage anzukurbeln, woher kommt dann das Geld in<br />
der Staatskasse während der Übergangsphase, bis die Wirtschaft<br />
wieder funktioniert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> 1. Steuersenkungen<br />
müssen Hand in Hand gehen mit einschneidenden Reformen bei allen<br />
sozialen Sicherungssystemen in der Arbeitsmarktpolitik und in der Bildungspolitik.<br />
Steuersenkungen allein würden nicht ausreichen, sind aber ein zwingendes<br />
Mittel um den Bürgern wieder mehr verfügbares Einkommen für<br />
ihre Konsum- und Investitionsausgaben bereit zu stellen und um den internationalen<br />
Investoren zu signalisieren, es lohnt sich wieder in Deutschland zu investieren.<br />
Der Arbeitsmarkt wird flexibilisiert, die Arbeitskosten werden gesenkt<br />
und die Steuerbelastung ist nicht höher als beispielsweise in Großbritannien<br />
oder den USA. In der globalisierten Wettbewerbswelt muss man sich den<br />
internationalen Spielregeln und Rahmenbedingungen anpassen, wenn man bestehen<br />
will. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Man darf nicht Rücksicht<br />
nehmen auf das, was uns Frau Engelen-Kefer täglich in die Ohren bläst.<br />
Das ist wie im Sport: Wenn der deutsche Teilnehmer im 10.000 m-Lauf bei<br />
internationalen Meisterschaften im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern<br />
einen Rucksack mit 10 Kilo Ballast mitschleppen muss, kann er nicht gewinnen.<br />
Wie soll der deutsche Mittelständler auf den Märkten bestehen<br />
können, wenn er weltweit die höchsten Lohnzusatzkosten, die<br />
strengsten Kündigungsbestimmungen und die engsten Vorschriften<br />
und die investitionsfeindlichsten Steuern erleiden muss. Und weil er das<br />
nicht kann, gehen Tausende von mittelständischen Unternehmen verloren<br />
und mit ihnen Hunderttausende von Arbeitsplätzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Zwei Kommentare mal zwischendurch:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>sacxhsenring:</b> Sie wollen nicht an die<br />
Macht kommen? Sie sind ja bescheiden&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>patrick: </b>Wenn Sie zum Wähler ehrlich<br />
sein wollen, dann benutzen Sie bitte nicht den Euphemismus &quot;Reform&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Und noch zwei Fragen mit der<br />
Bitte um Konkretes, tacheles reden eben:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>apotheker_lobby:</b> Eine direktere Antwort<br />
bitte!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Simone: </b>Einige Beispiele für sog.<br />
unpopuläre Maßnahmen neben der Pauschalkürzung von Subventionen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms: </b>Beispiele: Absenkung<br />
des Rentenniveaus von heute 70% auf unter 60% in der gesetzlichen Rentenversicherung.<br />
Dafür als Ersatz ein gefördertes System der privaten Vorsorge<br />
ohne die komplizierten und unverständlichen Bedingungen mit denen<br />
Riester seine eigentlich gute Idee kaputt gemacht hat. <br />
2. Beispiel: Die Beiträge zur Krankenversicherung werden nicht mehr<br />
kollektiv entrichtet, die Arbeitgeberanteile werden als Lohnbestandteile<br />
an den Arbeitgeber ausgezahlt, die Arbeitnehmer können dann eine<br />
eigene Versicherung nach ihrer eigenen Wahl abschließen Hohe Beiträge<br />
gleich hohe Absicherung, niedrige Beiträge gleich niedrige Absicherung.<br />
<br />
Die Versicherten werden wie mündige Bürger behandelt, d.h. sie<br />
bekommen für den Arztbesuch eine Rechnung, die sie bezahlen und mit<br />
der Versicherung abrechnen müssen, wie bei jeder Kfz-Reparatur. Auch<br />
dadurch entsteht eigenverantwortliches Handeln und auch mehr Wettbewerb.<br />
Und der Wettbewerb zwischen den Versicherungen, Ärzten und Krankenhäusern<br />
muss verschärft werden. <br />
3. Beispiel: Die zentrale Mammutbehörde Bundesanstalt für Arbeit<br />
wird aufgelöst. Die einzelnen Arbeitsämter sollen eigenständig<br />
handeln und leistungsabhängig finanziert werden. 4. Beispiel: Die<br />
weltweit einzigartig unverständliche Einkommenssteuer in Deutschland<br />
wird so vereinfacht, dass jeder seine Einkommensteuererklärung in<br />
einer halben Stunde ausfüllen kann. Gleichzeitig wird die Steuerbelastung<br />
auf ein erträgliches Niveau gesenkt. 7500 Euro pro Person und Jahr<br />
auch für jedes Kind, sind steuerfrei. Die nächsten 7500 Euro<br />
werden mit 15 % belastet, die darüber hinaus gehenden Einkünfte<br />
bis zur Höhe von 60.000 Euro werden mit 25 % belastet, alles darüber<br />
hinaus mit 35 %. Unabhängig davon, aus welcher Quelle das Einkommen<br />
stammt, in welcher Rechtsform es verdient wurde oder für welche Zwecke<br />
es verwendet wurde.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Gibt so ein Einkommenssteuersystem<br />
schon irgendwo auf der Welt, das funktioniert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Es gibt auf der Welt<br />
viele Einkommens-Steuersysteme, die besser sind als das in Deutschland,<br />
keines das schlechter ist. In Neuseeland hat man ein solches System mit<br />
großem Erfolg ausprobiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
unsere Zeit ist leider um. Vielen Dank an alle User für das Interesse,<br />
vielen Dank Herr Solms, dass Sie sich die Zeit für den Chat genommen<br />
haben. Unser nächster Chat findet am Dienstag 27. Mai statt. Dann<br />
stellt sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Pronold, einer der SPD-internen<br />
Kritiker der Agenda 2010, von 17.00 bis 18.00 Uhr Ihren Fragen. Am Dienstag,<br />
3. Juni, kommt Bundesfamilienministerin Renate Schmidt von 17.30 bis 18.30<br />
Uhr zum Chat. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei sind!<br />
Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten der<br />
Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de sowie des Unterstützers<br />
tagesspiegel.de. Einen schönen Abend!</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Vielen Dank für<br />
die rege Beteiligung und die interessanten Fragen!</span></p>
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