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	<title>Herrmann Otto Solms &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Herrmann Otto Solms &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Es gibt auf der Welt viele Einkommens-Steuersysteme, die besser sind als das in Deutschland, keines das sc</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotes_gibt_auf_der_welt_viele_einkommenssteuersysteme_die_besser_sind_als_das_in_deutschland_keines-303/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 May 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/hsolms2.jpg" alt="Hermann Otto Solms" align="left" border="0" height="157" width="120" /> 
Herrman Otto Solms, </b><b> FDP-Finanzexperte, ist </b><b>am 
22. Mai 2003, zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/hsolms2.jpg" alt="Hermann Otto Solms" align="left" border="0" height="157" width="120" /><br />
Herrman Otto Solms, </b><b> FDP-Finanzexperte, ist </b><b>am<br />
22. Mai 2003, zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span><!--break-->
</p>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b><br />
Moderator:</b> Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Heute ist der finanzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion,<br />
Hermann Otto Solms, ist heute zum Chat im ARD-Hauptstadtstudio. Vielen<br />
Dank, dass Sie gekommen sind, können wir beginnen, Herr Solms?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Herr Solms, Sie haben drei<br />
Kinder, ist das richtig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Ja, drei Mädchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Glauben Sie, dass die es noch<br />
erleben werden, dass der Bund mal keine Schulden mehr hat? Oder schaffen<br />
das wenigstens die Urenkel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Wenn Sie es nicht<br />
erleben sollten, dann deshalb, weil sie sich in ein anderes Land abgesetzt<br />
haben. Sie wollen nicht die Schulden bezahlen, die wir als Eltern- und<br />
Großelterngeneration gemacht haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Schuldenfalle2010:</b> Lieber Herr Solms,<br />
so wie die Regierung es macht, geht&#8217;s nicht. So wie Sie es machen wollen,<br />
aber auch nicht. Haushaltslöcher stopfen durch weitere Privatisierungsgewinne,<br />
heißt eine ihrer Devisen. Ist das aber nicht genauso kurzsichtig<br />
wie die Agenda der Regierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Privatisierung ist<br />
nicht der Kern der Problemlösung. Wir müssen alle unsere Strukturen<br />
wieder von kollektiven Lösungsansätzen umwandeln hin zu mehr<br />
privater Verantwortung, d.h. dass die Sozialsysteme auf eine neue Grundlage<br />
gestellt werden müssen, so dass die Beiträge zu den Sozialsystemen<br />
von den Arbeitskosten getrennt werden und den Arbeitsplatz nicht belasten.<br />
Durch die Senkung der Arbeitskosten können dann wieder neue Arbeitsplätze<br />
entstehen und nur durch mehr Arbeit lassen sich dann auch die Finanzprobleme<br />
lösen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Das heißt im Klartext:<br />
Den Einzelnen (Versicherten) stärker belasten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Mehr Eigenverantwortung<br />
heißt auch weniger Ausnutzung des Sozialsystems und damit mehr Effizienz<br />
und geringere Kosten. Und nur wenn die Ausgaben insgesamt gesenkt werden,<br />
entsteht Freiraum für einen ausgeglichenen Haushalt auf der staatlichen<br />
Seite und für mehr Investitionen und Arbeitsplätze auf der privaten<br />
Seite.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>karl:</b> Nachfrage direkt: Heißt private<br />
Verantwortung auch, dass wir amerikanische Verhältnisse von ihrer<br />
schlechtesten Seite übernehmen? Also &quot;Hire and fire&quot; von<br />
heute auf morgen? Den Generationenvertrag haben wir ja eh schon abgeschrieben.<br />
Nicht war?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Der Generationenvertrag<br />
muss neu gestaltet werden und zwar für drei Generationen und nicht<br />
für zwei, wie heute. Nicht jedes soziale Schutzinstrument schützt<br />
die Betroffenen wirklich. Der übertriebene Kündigungsschutz<br />
ist längst zum Einstellungshemmnis geworden. Ein Handwerker mit 7<br />
Mitarbeitern stellt keinen zusätzlichen ein, weil er, wenn die Aufträge<br />
zurückgehen, sich nur durch hohe Entschädigungsleistungen wieder<br />
von ihm trennen könnte und deswegen werden diese Tätigkeiten<br />
häufig in die Schwarzarbeit abgleiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Welches Land könnte denn<br />
nach Ihren Vorstellungen beim Arbeitsmarkt oder vielleicht etwas genauer<br />
beim Arbeitsrecht Vorbild für die Bundesrepublik sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Viele europäische.<br />
Länder, wie beispielsweise Schweden, Dänemark, Holland oder<br />
die Schweiz, die ähnlich überbordende Schutzsysteme hatten,<br />
haben in den 90er Jahren ihre Systeme auf mehr Wettbewerbsfähigkeit<br />
umgestellt.<br />
Schweden, in unserer Vorstellung ein soziales Musterland, hat z.B. längst<br />
Karenztage bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall eingeführt,<br />
wo bei uns der Arbeitgeber immer noch 6 Wochen 100% Lohn zahlen muss und<br />
zwar unabhängig davon, ob der Betroffene wirklich krank ist, oder<br />
nur mal 1-2 Tage Pause machen möchte.<br />
Anderes Beispiel. Die Holländer haben die Rentenversicherung in etwa<br />
der Form geändert, wie es uns vorschwebt: Die gesetzliche Rentenversicherung<br />
die durch eine Umlage finanziert wird, hat nur noch den Charakter einer<br />
Grundsicherung. Zur Absicherung des sozialen Standards im Alter müssen<br />
die Versicherten einen eigenständigen und individuell finanzierten<br />
Kapitalstock aufbauen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Ludwig61:</b> Wenn Sie von der Sanierung<br />
der Sozialsysteme sprechen, wäre es nicht die klarste und gerechteste<br />
Lösung, wenn alle, als auch die Leistungsfähigen unserer Gesellschaft<br />
mitmachen müssten? Wäre das nicht ein wirkliches SOZIALsystem?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Die Bürger,<br />
deren Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt, müssen<br />
für ihre Vorsorge heute schon alleine aufkommen. Sie genießen<br />
im Alter auch nicht den Schutz der gesetzlichen Rentenversicherung. Wenn<br />
man sie einbeziehen würde, würde man automatisch zusätzlichen<br />
Belastungen des Rentenversicherungssystems auslösen das ja heute<br />
schon überfordert ist. In der Bundesrepublik haben wir unter allen<br />
Industriestaaten die deutlich höchste Steuer- und Abgabenquote. Dadurch<br />
wird die wirtschaftliche Betätigung und der Investitionsprozess erstickt.<br />
Der durchschnittliche Arbeitnehmer hat in Deutschland eine Grenzabgabenquote<br />
von rund 65 %, d.h. dass er für eine zusätzlich zu seine Normaleinkommen<br />
bezahlte Stunde nur noch 35 % seines Bruttogehaltes ausgezahlt bekommt.<br />
Das gibt es in keinem anderen Land und das erdrückt jede Leistungsbereitschaft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Wir haben heute wieder fantasievolle<br />
nicknames: es fragt:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>mafia_fdp:</b> Aber die SPD will ja jetzt<br />
den Kündigungsschutz lockern. Werden Sie die Reformen unterstützen<br />
oder blockieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Wir werden alles<br />
unterstützen, was unseren Arbeitsmarkt wieder auf die Beine hilft.<br />
Bis jetzt liegen kein konkreten Vorschläge der SPD vor.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Simone</b>: Zur Frage von Ludwig61: Ich denke<br />
auch, dass ALLE in das soziale System mit einbezogen werden sollten, auch<br />
die Besserverdienenden! Beispiel Norwegen: Alle zahlen ein in Relation<br />
zu ihrem Einkommen, und alle bekommen die gleiche Rente.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>The Wanderer:</b> Herr Solms, seit Bestehen<br />
der Bundesrepublik steigt die Staatsverschuldung mit nur kurzzeitigen<br />
Ausnahmen stetig an. Was lässt Sie glauben, dass sich dies ändern<br />
lässt und was wäre dazu nötig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Die FDP hat schon<br />
vor 10 Jahren gefordert, <br />
dass in die Verfassung ein Artikel aufgenommen wird, der es allen staatlichen<br />
Ebenen untersagt neue Schulden aufzunehmen. Dem ist keine andere Partei<br />
gefolgt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>wolfgang:</b> Herr Solms, Sie fordern mehr<br />
Finanzautonomie für die Gemeinden. Andere Experten raten dazu, die<br />
Gemeinden gerade jetzt stärker zu kontrollieren, weil Sie einen Grossteil<br />
der Finanzmisere des Bundes mitverschuldet haben. Wie verteidigen Sie<br />
ihr Konzept?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms: </b>Mehr Finanzautonomie<br />
heißt auch mehr Verantwortung vor dem Wähler. Deshalb fordern<br />
wir, dass die Gemeinden über einen eigenen Zuschlag auf die Einkommen-<br />
und Körperschaftssteuer über ihre Steuereinnahmen selbst entscheiden<br />
können, sich dafür aber vor ihren steuerpflichtigen Wählern<br />
rechtfertigen müssen.<br />
So manches Hallenbad wäre nicht gebaut worden, wenn die Bürger<br />
in der Kommune direkt zur Kasse gebeten worden wären. Den Magistrat<br />
hätten sie bei der nächsten Wahl wieder abgewählt.<br />
Heute gibt es diesen Verantwortungszusammenhang nicht, weil das Gemeindefinanzsystem<br />
völlig intransparent und unverständlich ist. Ziel muss sein,<br />
dass jede Gemeinde, jedes Land und der Bund über seine jeweilig eigenen<br />
Steuern und seine jeweiligen Ausgaben unabhängig und eigenständig<br />
entscheidet. Nur so kann Kontrolle durch den Wähler sichergestellt<br />
werden. Bei unserem heutigen Mischsystem kann niemand erkennen, wer eigentlich<br />
für welche Steuern, für welche Abgaben oder Ausgaben verantwortlich<br />
ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Zwei Fragen dazu: Der User<br />
&quot;karl&quot; sieht das Problem wohl andersherum und Patrick sieht<br />
die Konkurrenz:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>karl:</b> Lieber Herr Solms, die FDP interne<br />
Pinkwart-Kommission will, dass die Gewerbesteuer ersetzt wird durch eine<br />
Kommunalsteuer und eine Beteiligung der Gemeinden an der Umsatzsteuer.<br />
Besteht bei ihrer Gemeindefinanzreform nicht die Gefahr, dass die Bürger<br />
neben der EU auch die lokale Ebene nicht mehr verstehen können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>patrick: </b>Nachfrage zur Gemeindesteuerreform:<br />
Gibt es bei mehr Finanzautonomie der Gemeinden nicht Zuständigkeitskämpfe,<br />
die alle ihre Vorteile wieder zu Nichte machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms: </b>Die Grundidee ist,<br />
wie gesagt, Transparenz und Eigenverantwortung auf jeder Ebene, abgeleitet<br />
aus dem Demokratieprinzip. Der Wählerwille kann sich nur entfalten,<br />
wenn der Wähler überhaupt eine Chance hat, die Wirkungszusammenhänge<br />
zu verstehen und darauf Einfluss nehmen kann.<br />
Beispiel Gewerbesteuer: Es wird heute eine Gewerbesteuer erhoben, dafür<br />
muss eine Gewerbesteuererklärung erarbeitet werden, obwohl die Gewerbesteuer<br />
dann wieder von der Einkommensteuer abgesetzt werden kann.<br />
Ein völlig unsinniger Aufwand für nichts. Von der gemeindlichen<br />
Gewerbesteuer werden aber wieder 30% an Länder und Bund abgeführt.<br />
Im übrigen muss die Gemeinde bei der Anhebung der Hebesätze<br />
auf die wenigen Gewerbesteuerzahler wegen der Wahlfolgen kaum Rücksicht<br />
nehmen , deswegen unsere Forderung:<br />
Dass die Gemeinden statt dessen einen Zuschlag auf die Einkommen und Körperschaftsteuer<br />
erheben wie bei der Kirchensteuer und die Höhe des Zuschlages selbst<br />
festlegen können. Der Zuschlag steht dann ausschließlich den<br />
Gemeinden zur Verfügung und alle steuerpflichtigen Bürger der<br />
Gemeinde sind daran beteiligt. Dann muss der Bürgermeister gut begründen,<br />
warum er die Steuer anheben will und nachweisen, dass die Ausgaben tatsächlich<br />
notwendig sind. Nur so entsteht eine Verantwortungsbeziehung zwischen<br />
gewählten Stadtvätern und wählenden Steuerzahlern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Seit heute wissen wir, dass<br />
Eichel auch das Doppelte der bisher geplanten Neuverschuldung, das wären<br />
rund 38 Milliarden Euro, für &quot;denkbar&quot; hält. Da fragt:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>marc:</b> Was würden Sie Herrn Eichel<br />
heute Abend raten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Eichel hat zwei Chancen.<br />
Entweder er beginnt nun wirklich einmal zu sparen, was er uns seit 5 Jahren<br />
versprochen hat, dann muss er gesetzlich normierte Ausgaben durch ein<br />
neues Haushaltssicherungsgesetz einschränken. Und erstmals wirklich<br />
die Subventionen kürzen. Oder er muss seinen Hut nehmen. Dann kann<br />
er sich wenigstens noch einigermaßen gesichtswahrend in den Ruhestand<br />
begeben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> In der Öffentlichkeit<br />
scheint von Seiten der Opposition vor allem die Forderung nach einem Rücktritt<br />
Eichels anzukommen. Wäre nicht angesichts der Lage ein wenig mehr<br />
Zusammenarbeit zwischen Opposition und Regierung notwendig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms: </b>Ich habe im Bundestag<br />
mehrfach für die FDP-Fraktion angeboten, bei einer Sanierung des<br />
Haushaltes auch bei unpopulären Maßnahmen konstruktiv mitzuwirken.<br />
Wir haben Herrn Eichel angeboten, die staatlichen Subventionen und Zuwendungen<br />
pauschal um 20% zu kürzen, allerdings dann auch ohne Ausnahme. Das<br />
würde etwa Einsparungen von 15 Mrd. Euro im Jahr bringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>wolfgang:</b> Angenommen, Sie wären<br />
Finanzminister. Was würde der Finanzminister Solms zur Deflationsgefahr<br />
sagen. Nur ein Ammenmärchen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms: </b>Wir haben keine Deflation,<br />
aber man darf dei Gefahr nicht verniedlichen. Gerade deshalb ist es so<br />
wichtig, dass jetzt durch einschneidende Maßnahmen wieder Vertrauen<br />
geschaffen wird, denn nur bei Vertrauen in die Entwicklung sind die Bürger<br />
bereit, wieder mehr Geld auszugeben und der Unternehmer bereit, mehr zu<br />
investieren. Wer diesen Zusammenhang missachtet, provoziert geradezu Deflationsängste.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Sind die 20 Prozent pauschale<br />
Kürzung nicht die gefürchtete Rasenmähermethode, die alles<br />
gleich reduziert? Wäre nicht schwerpunktmäßiges Kürzen<br />
besser und wo wäre Ihr Schwerpunkt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Das ist eine philosophische<br />
Frage. Politisch wäre es richtiger, auszuwählen. Aber die Erfahrung<br />
hat gezeigt, dass dann die Wiederstände so groß werden, dass<br />
die politischen Kräfte dann wieder einknicken. Sehen Sie sich nur<br />
das sogenannte Hartz-Konzept an, welches eins zu eins umgesetzt werden<br />
sollte und von dem so gut wie nichts übrig geblieben ist. Der Vorteil<br />
der Rasenmäher-Methode ist, dass keiner behaupten kann, er würde<br />
schlechter behandelt als der andere. Und in einer solchen Notsituation<br />
kann man durchaus zu diesem Mittel greifen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Das klingt letztlich pessimistisch:<br />
Alle im Parlament wollen Veränderungen, keiner kann sie durchsetzen,<br />
weil sich die Lager und die Lobbyisten gegenseitig blockieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Wenn Sie sehen, dass<br />
75% der Mitglieder der SPD-Fraktion Gewerkschaftsmitglieder und rund 50%<br />
der CDU/CSU-Fraktion dem Öffentlichen Dienst entstammen, dann sehen<br />
Sie sehr schnell, warum die Besitzstände in diesen Bereichen nicht<br />
aufgebrochen werden können. Dagegen kommen auch die beiden kleinen<br />
Parteien nicht an.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>marc:</b> Warum gibt es eigentlich kein gemeinsames<br />
Konzept von CDU-CSU und FDP gegenüber der Agenda2010. Seid ihr keine<br />
Freunde mehr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Jede Partei macht<br />
ihr eigenes Programm. Die Union ist viel zu sehr verstritten, um sich<br />
auf das sehr klar und präzise formulierte Programm der FDP einlassen<br />
zu können. Bis heute weiß z.B. niemand welche Strategie die<br />
Union bei der überfälligen Reform des Gemeindefinanzsystems<br />
verfolgt. Auch die Strategie der Gesundheitspolitik der Union bleibt schleierhaft.<br />
Ähnliches gilt für den Arbeitsmarkt und die Reform der Bundesanstalt<br />
für Arbeit. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>apotheker_lobby:</b> Ist das mit der Zusammenarbeit<br />
nicht ihr Dilemma? Wenn die Reformen wirken, steht Rot-Grün 2006<br />
vor der Wahl gut da und wird wiedergewählt, während sie die<br />
Steigbügel gehalten haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Das Land steht in<br />
einer tiefen Krise. Wir haben viele Jahre Reformarbeit gegenüber<br />
unseren europäischen Nachbarn nicht nur verstreichen lassen, wir<br />
haben sogar vieles noch verschlechtert. Denken Sie nur an die misslungene<br />
Riester-Rente oder die Bekämpfung der Scheinselbständigen oder<br />
die Einschränkungen bei den geringwertigen Beschäftigungsverhältnissen.<br />
Deswegen wäre es mir gegenwärtig egal, wer 2006 die besseren<br />
Wahlchancen hat .Ich wäre bereit auch vermeintlich unpopuläre<br />
Maßnahmen konsequent durchzusetzen, damit wir die Basis für<br />
einen wirtschaftlichen Wiederaufstieg schaffen. Das sind wir unseren Kindern<br />
schuldig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Luxus: </b>Wenn die FDP die Steuern senken<br />
möchte, um die Nachfrage anzukurbeln, woher kommt dann das Geld in<br />
der Staatskasse während der Übergangsphase, bis die Wirtschaft<br />
wieder funktioniert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> 1. Steuersenkungen<br />
müssen Hand in Hand gehen mit einschneidenden Reformen bei allen<br />
sozialen Sicherungssystemen in der Arbeitsmarktpolitik und in der Bildungspolitik.<br />
Steuersenkungen allein würden nicht ausreichen, sind aber ein zwingendes<br />
Mittel um den Bürgern wieder mehr verfügbares Einkommen für<br />
ihre Konsum- und Investitionsausgaben bereit zu stellen und um den internationalen<br />
Investoren zu signalisieren, es lohnt sich wieder in Deutschland zu investieren.<br />
Der Arbeitsmarkt wird flexibilisiert, die Arbeitskosten werden gesenkt<br />
und die Steuerbelastung ist nicht höher als beispielsweise in Großbritannien<br />
oder den USA. In der globalisierten Wettbewerbswelt muss man sich den<br />
internationalen Spielregeln und Rahmenbedingungen anpassen, wenn man bestehen<br />
will. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Man darf nicht Rücksicht<br />
nehmen auf das, was uns Frau Engelen-Kefer täglich in die Ohren bläst.<br />
Das ist wie im Sport: Wenn der deutsche Teilnehmer im 10.000 m-Lauf bei<br />
internationalen Meisterschaften im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern<br />
einen Rucksack mit 10 Kilo Ballast mitschleppen muss, kann er nicht gewinnen.<br />
Wie soll der deutsche Mittelständler auf den Märkten bestehen<br />
können, wenn er weltweit die höchsten Lohnzusatzkosten, die<br />
strengsten Kündigungsbestimmungen und die engsten Vorschriften<br />
und die investitionsfeindlichsten Steuern erleiden muss. Und weil er das<br />
nicht kann, gehen Tausende von mittelständischen Unternehmen verloren<br />
und mit ihnen Hunderttausende von Arbeitsplätzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Zwei Kommentare mal zwischendurch:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>sacxhsenring:</b> Sie wollen nicht an die<br />
Macht kommen? Sie sind ja bescheiden&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>patrick: </b>Wenn Sie zum Wähler ehrlich<br />
sein wollen, dann benutzen Sie bitte nicht den Euphemismus &quot;Reform&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Und noch zwei Fragen mit der<br />
Bitte um Konkretes, tacheles reden eben:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>apotheker_lobby:</b> Eine direktere Antwort<br />
bitte!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Simone: </b>Einige Beispiele für sog.<br />
unpopuläre Maßnahmen neben der Pauschalkürzung von Subventionen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms: </b>Beispiele: Absenkung<br />
des Rentenniveaus von heute 70% auf unter 60% in der gesetzlichen Rentenversicherung.<br />
Dafür als Ersatz ein gefördertes System der privaten Vorsorge<br />
ohne die komplizierten und unverständlichen Bedingungen mit denen<br />
Riester seine eigentlich gute Idee kaputt gemacht hat. <br />
2. Beispiel: Die Beiträge zur Krankenversicherung werden nicht mehr<br />
kollektiv entrichtet, die Arbeitgeberanteile werden als Lohnbestandteile<br />
an den Arbeitgeber ausgezahlt, die Arbeitnehmer können dann eine<br />
eigene Versicherung nach ihrer eigenen Wahl abschließen Hohe Beiträge<br />
gleich hohe Absicherung, niedrige Beiträge gleich niedrige Absicherung.<br />
<br />
Die Versicherten werden wie mündige Bürger behandelt, d.h. sie<br />
bekommen für den Arztbesuch eine Rechnung, die sie bezahlen und mit<br />
der Versicherung abrechnen müssen, wie bei jeder Kfz-Reparatur. Auch<br />
dadurch entsteht eigenverantwortliches Handeln und auch mehr Wettbewerb.<br />
Und der Wettbewerb zwischen den Versicherungen, Ärzten und Krankenhäusern<br />
muss verschärft werden. <br />
3. Beispiel: Die zentrale Mammutbehörde Bundesanstalt für Arbeit<br />
wird aufgelöst. Die einzelnen Arbeitsämter sollen eigenständig<br />
handeln und leistungsabhängig finanziert werden. 4. Beispiel: Die<br />
weltweit einzigartig unverständliche Einkommenssteuer in Deutschland<br />
wird so vereinfacht, dass jeder seine Einkommensteuererklärung in<br />
einer halben Stunde ausfüllen kann. Gleichzeitig wird die Steuerbelastung<br />
auf ein erträgliches Niveau gesenkt. 7500 Euro pro Person und Jahr<br />
auch für jedes Kind, sind steuerfrei. Die nächsten 7500 Euro<br />
werden mit 15 % belastet, die darüber hinaus gehenden Einkünfte<br />
bis zur Höhe von 60.000 Euro werden mit 25 % belastet, alles darüber<br />
hinaus mit 35 %. Unabhängig davon, aus welcher Quelle das Einkommen<br />
stammt, in welcher Rechtsform es verdient wurde oder für welche Zwecke<br />
es verwendet wurde.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Gibt so ein Einkommenssteuersystem<br />
schon irgendwo auf der Welt, das funktioniert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Es gibt auf der Welt<br />
viele Einkommens-Steuersysteme, die besser sind als das in Deutschland,<br />
keines das schlechter ist. In Neuseeland hat man ein solches System mit<br />
großem Erfolg ausprobiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
unsere Zeit ist leider um. Vielen Dank an alle User für das Interesse,<br />
vielen Dank Herr Solms, dass Sie sich die Zeit für den Chat genommen<br />
haben. Unser nächster Chat findet am Dienstag 27. Mai statt. Dann<br />
stellt sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Pronold, einer der SPD-internen<br />
Kritiker der Agenda 2010, von 17.00 bis 18.00 Uhr Ihren Fragen. Am Dienstag,<br />
3. Juni, kommt Bundesfamilienministerin Renate Schmidt von 17.30 bis 18.30<br />
Uhr zum Chat. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei sind!<br />
Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten der<br />
Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de sowie des Unterstützers<br />
tagesspiegel.de. Einen schönen Abend!</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small"><b>Hermann Otto Solms:</b> Vielen Dank für<br />
die rege Beteiligung und die interessanten Fragen!</span></p>
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