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	<title>Hochschule &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Hochschule &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Digitale Zukunft der Hochschulen &#8211; Ziele, Voraussetzungen und Herausforderungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Philip Matthiessen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Oct 2018 11:19:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) ist ein Projekt des Stifterverbandes, des Centrums für Hochschulentwicklung und der Hochschulrektorenkonferenz und versteht sich Impulsgeber [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/FU.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-155404" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/FU.jpg" alt="FU" width="640" height="278" /></a>Das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) ist ein Projekt des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stifterverband_für_die_Deutsche_Wissenschaft" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stifterverbandes</a>, des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Centrum_für_Hochschulentwicklung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Centrums für Hochschulentwicklung</a> und der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hochschulrektorenkonferenz" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hochschulrektorenkonferenz</a> und versteht sich Impulsgeber zur Hochschulbildung im digitalen Zeitalter. Vom 21. – 28. September veranstaltete das HFD zusammen mit Partnern wie dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, dem Verein Deutscher Ingenieure oder Wikimedia Deutschland zum zweiten Mal eine Themenwoche unter dem diesjährigen Titel „Shaping the Digital Turn“ in Berlin. Programmmanager Ronny Röwert erläutert die Arbeit und die Zielsetzungen des HFD und gibt Ausblick auf die zukünftigen Veränderungen unserer Hochschullandschaft.</p>
<h3>politik-digital.de: Das Hochschulforum Digitalisierung arbeitet als eine Art Thinktank auf nationaler Ebene, bietet Strategieberatung für Hochschulen an und will den Diskurs über die Digitalisierung an Hochschulen fördern. Was sind Ihre Kernziele, welche langfristigen und unmittelbaren Ziele haben Sie sich gesetzt?</h3>
<p>Ronny Röwert: Seit dem Start des <a href="https://hochschulforumdigitalisierung.de/de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hochschulforums Digitalisierung</a> (HFD) im Jahr 2014 hat sich viel getan. Ganz allgemein hat sich der Diskurs um den Einsatz digitaler Medien in Studium und Lehre weiter bewegt, auch die Praxis an den Hochschulen schreitet weiter voran. Das HFD hat diese Bewegungen antizipiert und arbeitet mit allen Partnern nun fokussiert daran, die nächste Evolutionsstufe der Digitalisierung in der Hochschulbildung zu vollziehen: von der punktuellen Nutzung digitaler Medien in Lehrveranstaltungen einzelner Lehrende geht es nun darum, eine flächendeckende Ausschöpfung der Potenziale digitaler Technologien in der Hochschullehre, aber auch in anderen Leistungsbereichen wie Forschung und Verwaltung zu unterstützen.</p>
<p>Die Vorreiterinnen und Vorreiter sind bereits seit vielen Jahren gut vernetzt. Wir forcieren daher nun Formate, um breitenwirksam neue Akteure im Hochschulsystem dafür zu gewinnen, sich für innovative Lehr- und Lernformate einzusetzen. Eine zentrale Säule neben den Arbeitsgruppen und der Strategieberatung des HFD ist daher das Netzwerk für die Hochschullehre, das den fächer- und hochschulübergreifenden Austausch sowie den Kompetenzaufbau im Bereich des digitalen Lehrens und Lernens fördert. Hier finden sich Möglichkeiten, Handlungsfelder der hochschulischen Arbeitsebenen ganz konkret zu diskutieren. Ich denke da nicht nur an konkrete Themen wie den Datenschutz, sondern auch daran, generell Beispiele guter Praxis auszutauschen.</p>
<h3>Welche Themen sind neu auf die Agenda gekommen?</h3>
<p>Wir haben die Freude und gleichzeitig den eigenen Anspruch, der Dynamik der digitalen Transformation im Allgemeinen sowie der Hochschulbildung als Kernauftrag des HFD im Speziellen möglichst zeitgemäß gerecht zu werden. Im Vergleich zur ersten Phase des Projektes, in der dreijährige Themengruppen übergeordnete inhaltliche Schwerpunkte bearbeiteten, sind wir nun dazu übergegangen, die Fragen der Zeit durch zeitlich auf ein Jahr und thematisch auf kleinere Themenfelder begrenztere agile Arbeitsgruppen mit renommierten Expertinnen und Experten zu beleuchten.</p>
<p>Im letzten Jahr haben sich die Arbeitsgruppen jeweils mit dem digitalen Wandel in der Lehrkräftebildung, den mit veränderten Kompetenzanforderungen verbundenen Reformen der Curricula sowie Anforderungen und Wege der Anrechnung und Anerkennung digitaler Lehrformate beschäftigt. Aktuell starten drei neue Arbeitsgruppen mit ganz anderen inhaltlichen Fokussen: Die Arbeit dreht sich dabei um Fragen der Gestaltung von Lernarchitekturen und dem Bildungsbegriff für das digitale Zeitalter im europäischen Kontext. Darüber hinaus wollen wir stärker die Perspektive der Studierenden bei der Hochschulentwicklung in den Blick nehmen. Eine Arbeitsgruppe von 13 engagierten Studierenden aus ganz Deutschland wird sich als #DigitaleChangeMaker mit der Hochschule der Zukunft befassen.</p>
<p>Darüber hinaus starten aktuell viele weitere inhaltliche Initiativen aus dem HFD heraus, deren Umfang ich hier nur grob umreißen kann. So räumen wir der internationalen Sichtbarkeit und Vernetzung eine besondere Bedeutung unter dem Stichwort “Bologna Digital” ein, unter anderem im Rahmen einer Delegationsreise in die Niederlande sowie entstehenden Arbeitspapieren. Außerdem entwickelt das HFD mit dem HFDcert eine Online-Plattform, auf der Lehrende und Mitarbeitende von Didaktik- und Supporteinrichtungen alle ihre Aktivitäten im Bereich der digital gestützten Lehre durch einen Peer-Review-Prozess bescheinigen lassen und in Form eines Online-Portfolios dokumentieren können. Des Weiteren wollen wir mit der Entwicklung eines Kompetenzrahmens für 21st century skills am Beispiel von Data Literacy einen konkreten Beitrag zu diesem sehr aktuellen Diskurs leisten. Und all dies sind nur einige wenige Ausschnitte aus aktuellen Themen und Fragestellungen. Hier empfehle ich allen die Anmeldung für den HFD Newsletter, um auf dem Laufenden zu bleiben.</p>
<h3>Viele Lebenswelten werden digital transformiert, so auch die Bildung. Was hat sich in Zeiten der Digitalität an den Universitäten, die ja auf lange Traditionen zurückblicken können, verändert und was wird sich demnächst verändern?</h3>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"></p>
<p><img decoding="async" class="alignnone size-thumbnail wp-image-155368 aligncenter" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ronny_Roewert_Web-195x119.jpg" alt="Ronny_Roewert_Web" width="195" height="119" /></p>
<p>Ronny Röwert ist Programmmanager beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Im Hochschulforum Digitalisierung unterstützt er Beratungsprogramme für Hochschulen zur Entwicklung von Strategien für das digitale Zeitalter. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, University of Auckland und Albert-Ludwigs-Universität Freiburg war Ronny Röwert Referent für Projekte der Hochschulforschung und -beratung bei CHE Consult und koordinierte u.a. die Themengruppe Change Management und Organisationsentwicklung im Hochschulforum Digitalisierung. In seiner letzten Tätigkeit verantwortete er die akademischen Beziehungen bei der digitalen Bildungsplattform für Geflüchtete. Kiron Open Higher Education.</p>
<p></div></div>
<p>Wir sehen bisher in den Hochschulen vor allem, dass der digitale Wandel im Sinne eines technologischen Modernisierungsschritts – ähnlich wie auch in unserem Alltag außerhalb der Hochschule – gewirkt hat und unsere Art der Zusammenarbeit sowie Kommunikation verändert hat und weiter verändern wird, beispielsweise durch elektronisches Buchausleihen, E-Mail-Kommunikation oder digital gestütztes Prüfen. Für einen solchen Modernisierungsschritt bedarf es keiner besonderen Begeisterung an der Institution Hochschule, keiner in langwierigen Prozessen abgestimmten differenzierten Strategie mit in Maßnahmen übersetzten Handlungsrahmen sowie völlig neuer Einrichtungen und Infrastrukturen zur Begleitung des Unterfangens. Noch wenig antizipiert werden jedoch Möglichkeiten der Hochschulen, digitale Technologien für die eigene Profilbildung einzusetzen und so im Sinne einer wettbewerblichen Verbesserung im Wissenschaftssystem zu nutzen.</p>
<p>Im Bereich der Hochschullehre wäre die Weiterentwicklung des hochschulischen Lernmanagementsystems ein Modernisierungsschritt. Die Etablierung von Online-Weiterbildungsstudiengängen oder digital gestützte Studienvorbereitungskurse bzw. mit digitalen Medien individualisierte Studieneingangsphasen können hingegen das eigene Profil schärfen und die wettbewerbliche Position verbessern. Diese Beobachtung zeigt die wissenschaftspolitische Brisanz des Handlungsfeldes der digital gestützten Innovationen in der Lehre für die Zukunft der Hochschulbildung an. Gleichzeitig wird klar, dass für diese Entwicklungsschritte keine gewöhnlichen Entwicklungspläne reichen, sondern die Hochschulen neue Strategien für das digitale Zeitalter zu entwickeln haben. Den Anforderungen der aktuellen Zeit an eine entsprechende zukunftsfähige Lehre können Hochschulen durch eher kosmetische und kleinteilige Digitalisierungsstrategien nicht mehr gerecht werden.</p>
<h3>Können Sie uns an ein, zwei konkrete Beispiele veranschaulichen, wie sich das Studium in Deutschland gewandelt hat? Und wie stark ändern sich neben den Lernmethoden auch die Lerninhalte?</h3>
<p>Leuchtturmprojekte gibt es dank der letzten beiden Jahrzehnte an Projektförderung für den Einsatz von digitalen Medien in Studium und Lehre viele. Wenn es um die Übertragbarkeit von Beispielen guter Praxis geht, so kann man beispielsweise zur RWTH Aachen schauen. Im Rahmen einer für viele Einführungsveranstaltungen stellvertretenden Vorlesung „Einführung in die Betriebswirtschaftslehre“ mit über 700 Studierenden wurde durch den Einsatz digitaler Medien die begrenzte gemeinsame Zeit der Studierenden mit dem Lehrenden Prof. Piller dadurch strukturell anders genutzt, dass den Studierenden vorab eigens produzierte Lernvideos zur Vorbereitung zur Verfügung gestellt wurden. Während der gemeinsamen Präsenzveranstaltung hat der Professor so mehr Zeit für die Reflektion sowie Diskussion der Inhalte und die Interaktion mit den Studierenden. Die sonst durch die zeitliche und räumliche Begrenzung zentralisierte Wissensvermittlung wurde somit mit Hilfe digitaler Medien flexibilisiert. Studierende bewerteten genau diese Flexibilisierung der Inhaltsvermittlung durch das mediendidaktische Konzept des Flipped Classroom als großen Mehrwert.</p>
<p>Gleichzeitig wird deutlich, wie der Einsatz digitaler Medien neben den Lernmethoden auch die Lerninhalte beziehungsweise vermittelten Kompetenzen verändert, indem bei der Bereitstellung der Lerninhalte als Videos beispielsweise auf unterschiedliche Wissensquellen zugegriffen werden kann oder generell andere Kompetenzprofile (Stichwort 21st century skills) gestärkt werden. In den Wirtschaftswissenschaften ist so beispielsweise denkbar, dass die Inhalte unterschiedlicher Denkschulen für die Stoffvermittlung nutzbar gemacht werden können und auch internationale Beispiele der Aufbereitung der Inhalte möglich sind, beispielsweise durch Nutzung von MOOCs.</p>
<h3>Welche politischen, juristischen und infrastrukturellen Maßnahmen sind erforderlich, um die Digitalisierung der Hochschulen vertiefen zu können?</h3>
<p>Die Aufmerksamkeit für das Thema der Digitalisierung in der Hochschullehre ist mittlerweile bei den Entscheidungsträgerinnen und -trägern in den Hochschulleitungen sowie auf politischer Verantwortungsebene gestiegen. Das ist zunächst einmal zu begrüßen, denn so stellt sich nun für die Entwicklung einer zukunftsfähigen Lehre, die die Potenziale der Digitalisierung bestmöglich ausschöpft, nicht mehr die Frage des Ob sondern des Wie. Handlungsempfehlungen, die auf Umsetzung warten, gibt es auch genug. Da politische Agenden und Ressourcen gerade in der Hochschulbildung begrenzt sind, möchte ich daher nur wenige übergeordnete Maßnahmen hervorheben.</p>
<p>Wo drückt also der Schuh? Thema Kooperationen: Die Zusammenarbeit über Hochschulgrenzen hinweg sowie mit außerhochschulischen Akteuren ist im digitalen Zeitalter mehr denn je ein Schlüssel für Erfolg! Hochschulen müssen einerseits noch stärker untereinander zusammenarbeiten, um gemeinsam Breitenwirksamkeit zu erreichen. Andererseits sollten sie verstärkt über den eigenen Tellerrand schauen und mit innovativen außerhochschulischen Akteuren (z. B. aus der freien Wirtschaft) zusammenarbeiten, um den Anschluss nicht zu verlieren. Förderprogramme sollten diese Prozesse unterstützen.</p>
<p>Punkt zwei: die Mehrwerte des Einsatzes digitaler Medien für alle Leistungsbereiche müssen erkannt und gefördert werden. Nur wenn die Digitalisierung der Hochschulbildung als Querschnittsthema im Dienst der übergreifenden Hochschulstrategie und zentralen Handlungsfeldern wie dem Lebenslangen Lernen gestellt wird, kann eine Breitenwirksamkeit erzielt werden. Es geht also zukünftig weniger um eine Digitalisierungsstrategie, die als Selbstzweck entwickelt wird, weil man das nun so macht. Viel eher gilt es differenziert zu schauen, wie eine zeitgemäße Hochschullehre in der digitalen Welt jeweils zweckmäßig durch den Einsatz digitale Medien angereichert werden kann, abhängig von Kontextbedingungen wie dem Hochschulprofil, Anforderungen der jeweiligen Fachdisziplinen und der Heterogenität der Studierendenschaft.</p>
<p>Und drittens ein besonderes persönliches Anliegen von mir: Digitale Technologien haben immer auch internationalen Charakter und sind insbesondere europäisch zu verstehen und zu denken. Hochschulen haben vor allem eine besondere Verantwortung für den europäischen Zusammenhalt. Im Sinne von einem “Bologna Digital” sollten sie etwa verstärkt auch Möglichkeiten von digitalen Medien für die Internationalisierung der Hochschulbildung nutzen, beispielsweise durch virtuelle Austauschformate. Hier hat die Europäische Kommission mit dem “Digital Education Action Plan” bereits eine Idee entsprechender Leitlinien der Politik vorgegeben. Sie sehen: es gibt viel zu tun, packen wir&#8217;s gemeinsam an!</p>
<p>Titelbild: <a title="Freie Universität Berlin" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Freie_Universit%C3%A4t_Berlin">Freie Universität Berlin</a> (Free University of Berlin, Germany): Rost- und Silberlaube, by torinberl via <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Freie_Universitaet_Berlin_-_Gebaeudekomplex_Rost-_und_Silberlaube.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wikicommons</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 3.0</a></p>
<p>Bild des Interviewpartners: © Ronny Röwert</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>&#8220;Shaping the Digital Turn&#8221; &#8211; Themenwoche Hochschulforum Digitalisierung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/themenwoche-shaping-the-digital-turn-155324/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Philip Matthiessen]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Oct 2018 10:24:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Hochschule]]></category>
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					<description><![CDATA[Unseren Hochschulen stehen umfassende Veränderungen bevor: Im digitalen Zeitalter entwickeln sich nicht nur Lehre und Forschung weiter, sondern auch die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="wp-image-155337 size-large alignnone" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/HFD-Themenwoche-Artikelbild_by_Philip_Matthiessen_politik_digital_640x280-630x276.jpg" alt="Plenum bei der Hochschulwoche Digitalisierung by politik-digital/ Philip Matthiessen, CC-BY-SA 3.0" width="630" height="276" /></p>
<p>Unseren Hochschulen stehen umfassende Veränderungen bevor: Im digitalen Zeitalter entwickeln sich nicht nur Lehre und Forschung weiter, sondern auch die akademische Administration und Infrastruktur. Mit dem Hochschulforum Digitalisierung (HFD) geben der Stifterverband, das Centrum für Hochschulentwicklung und die Hochschulrektorenkonferenz den verschiedenen digitalen Entwicklungen eine nationale Plattform.</p>
<p>Um die Vernetzung und das gegenseitige Voneinanderlernen voranzutreiben, veranstaltete das Hochschulforum Ende September zum zweiten Mal eine Themenwoche mit dem diesjährigen Titel „Shaping the Digital Turn“.</p>
<p>Teilnehmende waren vor allem Angehörige der Hochschulen, die Inspiration suchten oder über ihre eigenen Entwicklungen digitaler Lehrformate informieren wollten. Aktuell zählt das Hochschulforum 295 Mitglieder, die 129 deutsche Hochschulen vertreten. Gemeinsam setzen sich die Mitglieder unter anderem für die Weiterbildung der Lehrenden, die Entwicklung einer (inter)nationalen Plattformstruktur für digitales Lernen und für die Schaffung von weiteren Förderstiftungen ein. Zentral ist aber vor allem der Austausch unter den Mitgliedern und die Entwicklung eines großen Netzwerks an Akteuren, die die Digitalisierung der Hochschulen vorantreiben.</p>
<p>Dieser Entwicklung diente die Session „Netzwerktreffen HFD“, bei der verschiedene Workshops zu Themen wie „Strategiebildung und Support“, „IT-infrastruktureller Ausstattung der Leerräume“ oder „Gamification von Lehrformaten und Motivational Design“, also der spielerischen Vermittlung von Lerninhalten, abgehalten wurden. Bei Letzterem ging es bspw. um die Frage „Welche Art der Motivation kann Gamification bedienen – <a href="https://www.duden.de/rechtschreibung/intrinsisch" target="_blank" rel="noopener noreferrer">intrinsisch</a> oder <a href="https://www.duden.de/rechtschreibung/extrinsisch" target="_blank" rel="noopener noreferrer">extrinsisch</a>?“.</p>
<h3>Chocolate Covered Broccoli</h3>
<p>Der Workshopleitende Björn Lefers von der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) konnte aus den Erfahrungen mit seinen Studierenden, die das Online-Learning-Tool Moodle mit verschiedenen motivationssteigernden Plug-Ins, wie dem Sammeln von Badgets oder Levelaufstiegen durch aktives Lernen auf der Plattform, nutzten, einige Erkenntnisse ziehen. Dazu zählt, dass Gamification nachweislich dazu führt, dass die Studierenden mehr Zeit auf der Lernplattform verbringen, mehr Kommentare schreiben und Übungen absolvieren und dadurch virtuelle Punkte sammeln. Solche Belohnungssysteme sind zentraler Bestandteil der Gamification, die folglich vor allem die extrinsische Motivation bedient. Am Ende der Lehrveranstaltung zeigte sich, wer mehr Kommentare geschrieben und Punkte gesammelt hat, konnte das Modul mit einer besseren Abschlussnote absolvieren, als jene, die weniger Zeit auf Moodle verbracht hatten. Eines bleibt aber festzuhalten, „Gamification kann schlechte Lehrinhalte auch nicht aufhübschen,“ wie auch „Chocolate Covered Broccoli“ immer noch Broccoli ist.</p>
<h3>Bologna goes Digital</h3>
<p>Der sechste Tag der Themenwoche behandelte ausschließlich die internationale Dimension der digitalen Entwicklung der Hochschullandschaft und wurde gemeinsam mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) veranstaltet. Dessen Generalsekretärin Dorothea Rüland hielt eingangs noch einmal fest, wie wichtig internationale Degree-Programs mit einem Mix aus Blended-Learning-Angeboten, also der Kombination aus klassischen und digitalen Lernangeboten, und physischer Mobilität in den kommenden Jahren würden. Auch die Inklusionsmöglichkeiten digitaler Lehrformate für Studierende, die keinen Austausch machen können, sollen unter dem Begriff „Internationalisation at Home“ mehr Aufmerksamkeit bekommen.</p>
<p>Im weiteren Verlauf der Veranstaltung gab die für die Zusammenarbeit der Hochschulen zuständige Attachée der Kulturabteilung der französischen Botschaft Prof. Dr. Valérie Lemarquand, ihre Einschätzung, wie die Digitalisierung die europäische Hochschullandschaft verändert wird. Dabei beantworte sie die zentrale Frage, wie die drei Hauptziele des Bologna-Prozesses durch die Digitalisierung erreicht werden könnten: Die Qualitätssteigerung der Lehre, die Förderung der Employability, d.h. der Beschäftigungsfähigkeit der Absolvierenden und die Stärkung der Inklusion europäischer Hochschullehre. Zur Qualitätssteigerung können moderne, digitale Lehrformate dienen, die im Blended-Learning-Stil noch effektiver Wissen und Kompetenzen vermitteln. Die Employability kann gefördert werden, indem den Studierenden noch mehr praktische Skills im digitalen Bereich vermittelt werden. Dazu kann die professionale Datenverarbeitung, aber auch die Produktion von Webinhalten wie Videos zählen. Diese Skills können dann digital zertifiziert und einheitlich auf europäischen Level anerkannt werden. Außerdem können digitale Lehrformate inklusiv wirken und z.B. bei der Integration von Geflüchteten an Hochschulen helfen durch digitale Sprach- und Vorbereitungskurse auf die jeweiligen Studiengänge.</p>
<p>Im letzten Teil der Veranstaltung wurden Christian Müller, DAAD, Darco Jansen, Programmmanager bei der European Association of Distance Teaching Universities, Prof. Dr. Kornelia Freitag, Vize-Rektorin Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Jürgen Handke, Professor für Linguistik und Web-Technologie an der Philipps-Universität Marburg und Oliver Janoschka, Geschäftsführer des Hochschulforums Digitalisierung, zur Panel-Diskussion gebeten. In der Diskussion sollten Möglichkeiten und Herausforderungen der digitalen Entwicklung besprochen werden. Freitag machte klar, dass die meisten Lehrenden ohne die Digitalität gelernt hätten zu Lehren und daher vor allem Support und Weiterbildung der Lehrkräfte zentral würden. Dabei spielt auch der Faktor Zeit eine wichtige Rolle. Vielen Lehrenden wäre es gar nicht möglich, neben dem normalen Lehrbetrieb noch innovative, digitale Lernformate zu entwickeln. Handke hält zustimmend fest, dass viele Lehrende sich aufgrund des hohen Aufwands davor verschließen würden. Darco Jansen fordert daher eine Top-Down-Strategie, die mit ausreichend Finanzierung die gesamte Hochschule gleichmäßig digitalisiert und nicht nur motivierten Lehrkräften den Zugang ermöglicht. Er bemängelt außerdem, dass die Unterschiede zwischen den europäischen Universitäten mit fortschreitender Digitalisierung größer würden. Aktuell investierten vor allem die besser gestellten Hochschulen. Bei den kleineren, finanziell schwächeren Hochschulen passiere dagegen wenig. Abschließend betonte Jansen, was Bologna goes Digital für ihn bedeutet. Dazu gehörten vor allem das Umdesignen der Curricula, mit mehr Formaten wie Micro-Masters und Nano-Degrees, und die Öffnung der Hochschulbildung für Lebenslanges Lernen. Sonst könnten Kompetenzen passend zu den zukünftigen Anforderungen der Arbeitswelt nicht vermittelt werden.</p>
<h3>Future-Skills-Day</h3>
<h3><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-155328 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/3cut-305x385.jpg" alt="3cut" width="305" height="385" /></h3>
<p>Beim Future-Skills-Day, dem letzten Tag der Veranstaltung, stellten die acht Finalisten des Förderprogramms „Data Literacy Education“, gefördert vom Stifterverband und der Heinz Nixdorf Stiftung, die Projekte ihrer Hochschulen vor. Zu gewinnen war eine Förderung von 250.000 Euro. Bei Data Literacy geht es darum, Datenverarbeitungskompetenzen an Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen zu vermitteln, da die Experten des Hochschulforums davon ausgehen, dass zukünftig kaum eine Forschungsdisziplin ohne fundierte Datenverarbeitungs- und Statistikkenntnisse auskommen wird. Die meisten Finalisten stellten Projekte zur Kompetenzvermittlung parallel zum Studium als Zusatzausbildung vor. Die Leuphana Universität Lüneburg hingegen ermöglicht mit dem Projekt DATAx den Studierenden die Anerkennung von Data Literacy-Veranstaltungen auf ihr ECTS-Punktekonto, da 1/3 der meisten Studiengänge an der Hochschule fächerübergreifend und frei wählbar stattfinden und somit dem Konzept der liberal education folgen. Mit ihrem inklusiven Ansatz konnten sie die Jury zur Förderung ihrer Hochschule bewegen. Weitere Gewinner waren die Hochschule Mannheim und die Georg-August-Universität Göttingen.</p>
<p>Die Themenwoche „Shaping the Digital Turn“ hat gezeigt, wie viele Hochschulangehörige sich schon jetzt für die Digitalisierung von Lehrformaten, -inhalten und der Hochschuladministration einsetzen und welche Veränderungen in der deutschen und europäischen Hochschullandschaft stattfinden müssen, um im globalen Vergleich mithalten zu können. Jetzt müssen die Länder und der Bund reagieren und den Hochschulen in ganz Deutschland strukturelle Finanzierung und Support ermöglichen, um zu den Hochschulen die aufgrund besserer finanzieller Stellung schon heute mehr investieren, aufschließen zu können. Mit der Exzellenzinitiative werden zwar knapp 30 Universitäten gefördert, kleinere Hochschulen mit weniger als 10.000 Studierenden sind aber kaum darunter und können weiter auf Unterstützung warten.</p>
<p>Titelbild: Redaktion, CC-BY-SA 3.0</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>HFD-Themenwoche 2018 &#8211; Shaping the Digital Turn</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Philip Matthiessen]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Sep 2018 14:53:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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		<category><![CDATA[Hochschulforum Digitalisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) ist ein Projekt des Stifterverbandes, des Centrums für Hochschulentwicklung und der Hochschulrektorenkonferenz und versteht sich Impulsgeber [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Banner_HFD_Themenwoche_Livestream_2-800x316-e1537532684747.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-155243" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Banner_HFD_Themenwoche_Livestream_2-800x316-630x249.jpg" alt="Banner_HFD_Themenwoche_Livestream_2-800x316" width="630" height="249" /></a></p>
<p>Das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) ist ein Projekt des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stifterverband_für_die_Deutsche_Wissenschaft" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stifterverbandes</a>, des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Centrum_für_Hochschulentwicklung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Centrums für Hochschulentwicklung</a> und der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hochschulrektorenkonferenz" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hochschulrektorenkonferenz</a> und versteht sich Impulsgeber zur Hochschulbildung im digitalen Zeitalter. Vom 21. – 28. September veranstaltet das HFD zusammen mit Partnern wie dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, dem Verein Deutscher Ingenieure oder Wikimedia Deutschland zum zweiten Mal eine Themenwoche unter dem diesjährigen Titel „Shaping the Digital Turn“ in Berlin. Im Vorfeld erklärt Programmmanager Sebastian Horndasch das Konzept und die Ziele der Themenwoche.</p>
<h3>politik-digital.de: Herr Horndasch, welche Themen werden dieses Jahr im Mittelpunkt der Veranstaltungen stehen?</h3>
<p>Sebastian Horndasch: Im Mittelpunkt der Themenwoche werden dieses Jahr vor allem die Strategien für Hochschulen im Umgang mit dem digitalen Zeitalter, didaktische Fragen zu neuen Lern- und Lehrmethoden sowie die Studierendenbeteiligung stehen. Einige Veranstaltungen werden aber auch zu konkreten Themen wie Open Science, Data Literacy und der internationalen Zusammenarbeit von Hochschulen im digitalen Bereich stattfinden.</p>
<hr />
<p><span style="font-family: 'Arial','sans-serif';">Bei der Befragung der Studierendenschaft, durchgeführt von univativ im November 2017, gaben nur 79% der Befragten an, dass es eine Download-Möglichkeit der Skripte ihrer Vorlesungen gibt und nur 65% gaben an, dass Lernplattformen wie Moodle genutzt werden. Immerhin haben schon 46% der Teilnehmer der Umfrage die Möglichkeit Prüfungsleistungen hochzuladen und 50% können Hochschulzugänge zu Online-Bibliotheken nutzen. Ihre Vorlesungen streamen können  bisher aber nur 14% der Befragten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (</span><a href="https://www.bmbf.de/de/hochschulen-im-digitalen-zeitalter-4436.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-family: 'Arial','sans-serif';">BMBF</span></a><span style="font-family: 'Arial','sans-serif';">) hält zwar fest, dass ausschließlich digitales Lernen ohne Präsenz und Austausch langfristig bei den Wenigsten zur Verbesserung der Leistung führt, jedoch wird vor allem für nicht-traditionell Studierende, die aufgrund familiärer oder beruflicher Pflichten stärker in ihrer zeitlichen und räumlichen Flexibilität eingeschränkt sind, das ortsungebundene Lernen immer wichtiger.</span></p>
<hr />
<h3>Laut einer <a href="https://univativ.com/ch/site/unicensus_details/?id=14&amp;isCompact=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie</a> digitalisieren deutsche Hochschulen nur schleppend. Nur 79% der befragten Studierenden gaben an, dass es eine Download-Möglichkeit der Skripte ihrer Vorlesungen gibt und nur 65% gaben an, dass Lernplattformen wie Moodle genutzt werden. Warum ist es so wichtig, dass sich unsere Hochschulen weiter digitalisieren?</h3>
<p>Digitalisierung ist für sich genommen kein Mehrwert. Wir denken nicht, dass „digital“ unbedingt besser ist. Ein schlechtes Präsenzformat wird digitalisiert im Zweifel sogar noch schlechter.</p>
<p>Unser Punkt: Arbeitswelt und Gesellschaft ändern sich und darauf müssen Hochschulen reagieren. Nur ein Beispiel: Es wird immer weniger wichtig, Fakten auswendig zu lernen – das können Computer viel besser. Wissen auch kreativ schaffen und anwenden zu können, ist dagegen in Zukunft wichtiger denn je. Es ändern sich im Zuge des digitalen Wandels auch die Kompetenzen, die man braucht, um auch in Zukunft noch selbstwirksam leben und arbeiten zu können.</p>
<p>Zudem haben wir heute schlichtweg neue Tools. Wir können heute Menschen, die neben dem Beruf, in Teilzeit oder aus der Distanz lernen wollen, viel bessere Angebote machen. Und wir können Präsenzlehre viel interaktiver und damit motivierender gestalten. Im Inverted Classroom wird zum Beispiel die Vorlesung ins Netz verlagert und in Präsenz arbeiten Lehrende direkt mit Studierenden. Es wäre fahrlässig, diese Möglichkeiten zu ignorieren.</p>
<h3>Das Auftaktthema der Themenwoche widmet sich unter anderem Open Access, also dem freien Zugang zu wissenschaftlichen Materialien. Wie optimistisch sind Sie, das Urheberrecht in diese Richtung verändern zu können? Und worum geht es beim Open Access allgemein?</h3>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"></p>
<p><img decoding="async" class=" wp-image-155250 aligncenter" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Sebastian-Horndaschcut-195x119.jpeg" alt="Sebastian Horndaschcut" width="164" height="100" /></p>
<p>Sebastian Horndasch arbeitet als Programmmanager für das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) und leitet dort die Themenwoche „Shaping the Digital Turn“. Er ist im HFD unter anderem für Themen wie Lebenslanges Lernen, Curriculumentwicklung und Open Science zuständig. Vorher war er bei Wikimedia Deutschland tätig und verantwortete dort die Arbeit zu Open Edcuation Ressources. Sebastian Horndasch hat Bildungsmanagement in Kairo und Ludwigsburg sowie Volkswirtschaftslehre in Nottingham und Erfurt studiert.</p>
<p></div></div>
<p>Dabei geht es um die Frage, wie Hochschulen wissenschaftliche Publikationen für ihre Studierenden bereitstellen, ohne dabei das Urheberrecht zu verletzen. Ich glaube daran, dass sich Open Access auch ohne weitere Reformen des Urheberrechtes ermöglichen lässt, da der Politik, den Hochschulen, aber eben auch den Verlagen klar wird, dass die aktuellen Bezahlformate für wissenschaftliche Publikationen nicht zukunftsgewandt sind. Teilweise wurden sogar schon Fonds gebildet und staatliche Gelder zur Verfügung gestellt, um offenen Zugriff auf wissenschaftliche Arbeiten zu ermöglichen.</p>
<h3>Am Mittwoch, den 26.09, wird unter dem Namen „Bologna goes Digital“ über Möglichkeiten der Internationalisierung bzw. Europäisierung von Fragen der digitalen Entwicklung an Hochschulen diskutiert. Was erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer?</h3>
<p>Wir hoffen, politische Debatten anzustoßen. Es geht um internationale Kooperationsbeziehungen, Studierendenmobilität, aber auch Anerkennungs- und Anrechnungsfragen von Bildungsabschlüssen/-zertifikaten. Nur ein Beispiel: Das Transfer und der Nachweis von Studienleistungen ist heute noch schwierig. Ziel muss sein, dass Unternehmen und Hochschulen europaweit nachvollziehen können, was bisher geleistet wurde. Hierfür gibt es viele gute Lösungsansätze und wir wollen unsere Ideen mit einbringen.</p>
<h3>Eine weitere Veranstaltung wird zum Thema Data Literacy stattfinden. Worum geht es da?</h3>
<p>Dabei geht es um die Fähigkeit, Daten als Information verstehen und einsetzen zu können. Data Literacy ist ein Thema, für das wir ein größeres Bewusstsein schaffen wollen. Wir glauben, dass es in Zukunft kein Fachdisziplin geben wird, in der es nicht notwendig ist, produktiv mit Daten umzugehen. Darauf müssen wir unsere Studierenden jetzt schon vorbereiten. Dabei geht es z.B. um den oder die MedizinerIn, die Daten von Tracking-Armbändern, die Patienten tragen, auswertet oder den oder die GermanistIn, der/die Textmining in der Forschung verwendet. Die Fähigkeit zum produktiven Umgang mit Daten wird unseres Erachtens in Zukunft zu den Grundfertigkeiten in fast allen akademischen Berufen gehören.</p>
<h3>An wen richtet sich die Themenwoche und wer wird daran teilnehmen?</h3>
<p>Dazu zählen vor allem Hochschulangehörige, das heißt Leitungspersonen, Lehrende und Studierende, aber auch EntscheiderInnen in der Bildungspolitik sowie Interessierte aus der Zivilgesellschaft.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/themenwoche-2018" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hochschulforum Digitalisierung</a></p>
<p>Bild des Interviewpartners: © Sebastian Horndasch</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
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			</item>
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		<title>&#034;Probleme mit Online-Prüfungen finden in Köpfen der Juristen statt&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Melching]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Apr 2010 17:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>
		<category><![CDATA[E-Assessment]]></category>
		<category><![CDATA[Jan-Armin Reepmeyer]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Prüfungen]]></category>
		<category><![CDATA[Self-Assessment]]></category>
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					<description><![CDATA[Der <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">e-teaching.org</a>-Expertenchat mit Jan-Armin Reepmeyer am 12.4.2010 zum Nachlesen.
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">e-teaching.org</a>-Expertenchat mit Jan-Armin Reepmeyer am 12.4.2010 zum Nachlesen.</p>
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<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen zum e-teaching.org-Expertenchat zum Thema E-Assessments. Wie lassen sich Online-Prüfungen durchführen, ohne rechtlich angreifbar zu sein? Verletzen elektronische Leistungsnachweise das Datenschutzrecht der Studierenden? Und inwiefern besteht die Gefahr, mit digitalen Prüfungsaufgaben gegen das Urheberrecht zu verstoßen? Hier im Chat begrüße ich jetzt Dr. Jan-Armin Reepmeyer. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen und die Fragen unserer Chatterinnen und Chatter beantworten. Gleich die erste Frage an unseren Gast: Wie sieht es aus, wollen wir starten?<b></b>
</p>
<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Ja!
</p>
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<b>Moderator:</b> Im Vorfeld des Chats hatten die User die Möglichkeit, Pre-Chat-Fragen zu stellen und diese zu bewerten. Hier kommt die am höchsten bewertete Frage aus dem Pre-Chat:
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<b>Researcherin:</b> Wie erlangt man Rechtssicherheit bei Online-Prüfungen?<b></b>
</p>
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<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Dazu müssen Sie zunächst diskutieren, was Rechtssicherheit überhaupt ist. Und damit sind dann auch die Antworten wieder in einzelne Bereiche aufgeteilt, zum Beispiel Rechtssicherheit in der Prüfungsordnung, Rechtssicherheit im Anmeldeverfahren, Rechtssicherheit in der Zuordnung Prüfer zu Prüfling oder Rechtssicherheit im Prüfungsverfahren. Ich könnte jetzt zu den einzelnen Punkten jeweils etwas sagen. Aber ich glaube, da kommen dann jeweils noch spezielle Fragen.
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<b>Heinrich: </b>Welche Formen von Online Prüfungen sind rechtlich machbar?
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<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Was verstehen Sie unter Formen von Online-Prüfungen? Meinen Sie die Typen der Fragen wie Multiple Choice oder Lückentext? Sie können im Prinzip alles online abprüfen. Die einfachste Form ist einfach die Eingabe einer Antwort in einen Editor und die Prüfung wird dann wie eine herkömmliche Klausur auch vom Prüfer einzeln bewertet. Das widerspricht aber dem typischen Sinn einer Online-Prüfung &#8211;  bei der es ja darauf ankommt, die Antworten automatisch auszuwerten und das Prüfungsergebnis möglichst rasch zu präsentieren.
</p>
<p>
<b>KuretschkaUniStuttgart:</b> Sehr geehrter Herr Reepmeyer, mich interessiert die Frage, inwieweit denn gerade bei Online-Klausuren, die nicht in den Räumlichkeiten der Hochschule abgehalten werden (ohne Aufsicht), sichergestellt werden kann, dass es keine verbotenen Hilfsmittel gibt oder andere Personen sich der Prüfung unterziehen
</p>
<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer: </b>Das können Sie aus meiner Sicht überhaupt nicht überprüfen. Aus meiner Sicht muss bei jeder Prüfung &#8211; außer bei einem Self-Assessment &#8211; im Sinne der Prüfungsordnung eine Kontrolle durch Aufsichten vorhanden sein. Ansonsten können Sie zum Beispiel nicht sicherstellen, dass wirklich der Prüfling selber vor dem Computer sitzt und nicht ein von ihm bestellter Helfer.
</p>
<p>
<b>researcherin:</b> Sind Ihnen Beispiele für komplett orts- und zeitunabhängige, rein webbasierte Prüfungen bekannt?
</p>
<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Aus der Frage von eben ergibt sich, dass komplette Ortsunabhängigkeit nicht realisierbar ist, weil eben eine Aufsicht dabei sein muss. Wenn Sie allerdings auf Self-Assessment anspielen, also die Möglichkeit seinen Wissensstand selber zu überprüfen, dann könnte man auf diese Aufsichten verzichten und die Prüfungen über das Web anbieten &#8211; also an allen Orten &#8211; und jederzeit. Es gibt allerdings auch im Bereich der Prüfungen, bei denen eine Aufsicht erforderlich ist, schon sogenannte Online-Prüfung-on-demand, bei der zumindest der Zeitpunkt der Prüfung vom Studenten selber bestimmt werden kann.
</p>
<p>
<b>Stine: </b>Welche Möglichkeiten der Identifikation von Studierenden bei Online-Prüfungen gibt es?
</p>
<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer: </b>Die Aufsicht muss die Identität des Studierenden feststellen, zum Beispiel anhand des Studentenausweises. Nur dann kann sichergestellt sein, dass auch wirklich die Prüfung von der Person abgelegt wird, die sie vorgibt zu sein. Noch einmal: Bei Self-Assessments sieht das alles ganz anders aus. <b></b>
</p>
<p>
<b>peter:</b> Gibt es Fächer/Fachbereiche in denen Online Prüfungen sinnvoller sind als in anderen?
</p>
<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Das hängt davon ab, wie Sie den Stoff aufbereiten können. Wenn Sie typischerweise viel Wissen abfragen und in vorformatierten Fragetypen arbeiten können, geht das einfacher als wenn Sie lange Texte selber verfassen müssen. Daraus leitet sich dann auch ab, dass zum Beispiel juristische Prüfungen eher unwahrscheinlich sind  &#8211; anders als Prüfungen zum Beispiel in den Wirtschaftswissenschaften. Es gibt allerdings ein Argument, dass inzwischen auch von den Juristen eingesehen wird: Man kann Texte, die in einem Editor eingetippt werden, deutlich besser lesen als Texte, die handschriftlich zu Papier gebracht werden.
</p>
<p>
<b>Mauch:</b> Könnte eine Ortsunabhängigkeit bei Prüfungen gewährleistet werden, wenn eine Webcam während einer &quot;mündlichen&quot; Online-Prüfung verwandt wird und sich somit die Person identifiziert?
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<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Das ist eine Frage, wie sehr die Prüfungsverwaltung auf diese Überwachung vertraut. Ich selber kenne keinen Fall, wo das so organisiert wird. Es gibt zwar Ortsunabhängigkeit in dem Sinne, dass die Prüfung gleichzeitig an vielen Orten abgehalten wird, aber an jedem Ort bleibt trotzdem eine Aufsicht notwendig.
</p>
<p>
<b>mopet:</b> Können durch Online-Prüfungen Gelder im universitären Betrieb eingespart werden?
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<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Also aus meiner Sicht sehr sehr deutlich. Sie müssen einfach einmal überlegen, wie viel Geld sie ausgeben für die Korrektur zum Beispiel von 500 Klausuren, die mit der Hand geschrieben worden sind. Und wie viel Sie brauchen, um 500 Klausuren von einem Computersystem korrigieren und bewerten zu lassen. Ich selber habe eine Berechnung vorgenommen, die für unsere Fakultät ein Einsparpotenzial von deutlich über 100.000 Euro pro Jahr ausweist.
</p>
<p>
<b>helga: </b>Wie hoch ist der technische Aufwand für Online Prüfungen? Kann eine Uni das alleine bewältigen?
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<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Das Hauptproblem ist: Sie müssen eine hinreichend große Anzahl von Computerarbeitsplätzen bereitstellen können und zwar möglichst an einer Stelle und nicht an vielen Stellen verteilt, denn sonst haben Sie wieder das Aufsichtsproblem. Wenn Sie diese Computerarbeitsplätze haben, können Sie diese mit den technischen Mitteln relativ einfach betreiben. Ein Browser genügt in der Regel für den Prüfungsplatz. Dazu kommen natürlich die Server, die Sie entweder selber betreiben oder gegen Gebühr von einem Provider anmieten.
</p>
<p>
<b>Martin M.:</b> Ist bei E-Prüfungen das Datenschutzrecht der Teilnehmer/innen in Gefahr?
</p>
<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Das sehe ich nicht so. Erstens müssen solche Systeme sowieso wie alle anderen universitären Systeme datenschutzrechtlich einwandfrei betrieben werden. Zum zweiten werden ja auch in herkömmlichen Klausuren entsprechende Informationen und ähnliche Dinge vom Studenten abgefragt und archiviert. Man sollte an dieser Stelle auch deutlich unterscheiden zwischen dem System, das die Prüfungen abnimmt und dem System, das die Prüfungen und die Ergebnisse der Prüfungen verwaltet. Solche Prüfungsamtsysteme sind heute schon lange in Betrieb, ohne dass dort noch über datenschutzrechtliche Probleme diskutiert wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier eine Frage, die sich direkt daran anschließt:
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<b>Lehrbuch:</b> Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein, dass Online-Prüfungsfragen von den Prüflingen weiterverbreitet werden können?
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<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Das ist genau das gleiche Problem wie das Weitergeben von Klausuraufgaben. Sie dürfen die gleichen Fragen eben nicht immer und immer wieder verwenden, sondern müssen sich neue ausdenken. Dabei hilft allerdings ein umfangreicher Fragenkatalog, in dem Sie auch immer wieder Varianten von bekannten Fragen erzeugen können, so dass ein reines Auswendiglernen für die Prüflinge keinen Sinn mehr macht &#8211; weil es einfach zu viele Fragen gibt.
</p>
<p>
<b>flegel:</b> Was passiert, wenn ein Prüfling technische Probleme hat, die ihn an der Teilnahme an einer Prüfung hindern?
</p>
<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Für solche Fälle muss die Prüfungsorganisation vorsehen, dass es Ersatzarbeitsplätze gibt, so dass die Prüfung ohne Zeitverzug trotzdem fortgesetzt werden kann. Wenn es sich um ganz schwer wiegende technische Probleme handelt, muss die Prüfung eben erneut angesetzt werden, aber das haben Sie auch bei klassischen Klausuren. Wenn zum Beispiel das Licht im Hörsaal ausfällt oder die Heizung im Winter nicht in Betrieb ist.
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<p>
<b>sr:</b> Wie stellen Sie sicher, dass die Studierenden die Bedienung des Programms beherrschen?
</p>
<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Das ist ein ganz wichtiger Punkt, der auch bei der Rechtssicherheit berücksichtigt werden sollte. Die Studierenden müssen unbedingt die Möglichkeit haben, mit der im Prüfungsverfahren eingesetzten Software vorher arbeiten zu können und somit entsprechende Kenntnisse in der Bedienung nachweisen können und auch zum Beispiel überprüfen können, ob sie scharf genug sehen können, um bestimmte Fragetypen einwandfrei beantworten zu können. Sie müssen also dafür sorgen, dass es hinreichend Übungsmöglichkeiten gibt. Am besten natürlich auf dem heimischen PC der Studenten.
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<p>
<b>Hedwig:</b> Wie barrierefrei sind Online-Prüfungen? Eher ein Hindernis oder eine Erleichterung?
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<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Das müssen Sie ähnlich sehen wie auch bei klassischen Prüfungen. Es muss einfach eine Möglichkeit geschaffen werden, dass auch Studierende mit Behinderungen einwandfrei solche Prüfungen ablegen können. Das heißt, die Software muss zum Beispiel so geschrieben sein, dass sie entsprechend bearbeitet werden kann, die Computerarbeitsplätze müssen das ermöglichen und die Prüfungsräume müssen entsprechend zugänglich sein. Mir sind auch Fälle bekannt, wo Dritte unter Aufsicht die Antworten der Prüflinge in ein System eingegeben haben.
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<b>Moderator:</b> Hier kommt noch eine aktuelle Nachfrage:
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<b>Anne Thillosen:</b> Gab es schon mal Klagen, weil es vorher keine Probemöglichkeiten gab?
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<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Das ist mir nicht bekannt. Die neueren Systeme, die ich kenne, bieten alle ausdrücklich diese Möglichkeit an. Klagen sind mir an der Stelle nicht gegenwärtig.
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<p>
<b>Wolfgang Plank:</b> Ist die Tippgeschwindigkeit ein rechtliches Problem?
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<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Dazu möchte ich mal aus einer Folie einer Rechtsanwältin zitieren: &quot;Unterschiedliche PC-Kenntnisse sind als unvermeidbar hinzunehmen und bedeuten keine Beeinträchtigung des Grundsatzes der Chancengleichheit.&quot; Das ist ein juristisches Zitat und ich sehe das ähnlich wie mit der unterschiedlichen Schreibgeschwindigkeit bei handschriftlichen Prüfungen. Die Studierenden sollten wissen, dass es heute so etwas gibt und sich zum Beispiel durch Schreibmaschinenkurse auf solche Systeme vorbereiten.
</p>
<p>
<b>fivo:</b> Sehen Sie eine rechtliche Verpflichtung, in Prüfungsordnungen zwischen elektronischen Prüfungen am PC als gesonderter Prüfungsform und mündlicher, schriftlicher und praktischer Prüfung abzugrenzen &#8211; oder spielt die Darbietungsform keine Rolle?
</p>
<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer: </b>Das sollte ausdrücklich gemacht werden. In Prüfungsordnungen sollte expressis verbis stehen, dass auch Prüfungen unter Zuhilfenahme von Computern abgenommen werden können. Und wenn sie noch genauer sind, dann erlauben sie auch ausdrücklich Multiple-Choice-Prüfungen oder andere &#8211; nur am Computer sinnvoll einsetzbare &#8211; Frageformen. Die meisten Anfechtungen von Online-Prüfungen stammen aus diesem Bereich.
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<b>AMGallus:</b> Gibt es generelle juristische Regelungen, die herangezogen werden können, solange die Institution, an der E-Klausuren durchgeführt werden, noch keine rechtsgültigen Richtlinien zu E-Klausuren hat?
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<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Ja, Sie müssen die gültige Prüfungsordnung heranziehen ohne die Sie ja sowieso keine Prüfung abnehmen können. Und dann gibt es zum Beispiel den juristischen Grundsatz, dass nach Paragraph 126 BGB die Schriftform auch durch eine elektronische Form ersetzt werden kann. Außerdem kann nach meiner Kenntnis ein kurzfristig herbeizuführender Beschluss des Prüfungsausschusses hier auch ohne lange Verfahren zur Änderung der Prüfungsordnung Abhilfe schaffen.
</p>
<p>
<b>hajo78: </b>Gibt es Erfahrungswerte bei Online-Prüfungen aus anderen Ländern? Wie sieht es z.B. in Großbritannien aus?
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<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Die Briten sehen viel weniger Probleme als wir Deutschen beim Einsatz von elektronischen Prüfungen. Deswegen ist es auch dort sehr viel weiter verbreitet. Inzwischen werden dort sogar Zeichnungen am Computer angefertigt und bewertet. Man könnte also boshaft sagen, dass die ganzen Probleme mit Online-Prüfungen mehr in den Köpfen der deutschen Juristen stattfinden als im tatsächlichen Betrieb.
</p>
<p>
<b>KuretschkaUniStuttgart:</b> Gibt es schon Erkenntnisse, wie sich die hochschulrechtliche Rechtsprechung zum Thema Online-Prüfungen und deren Durchführung bzw. Ausgestaltung in Prüfungsordnungen verhält?
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<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Es gibt einzelne Urteile, die man aber nicht als einheitliche Rechtsprechung zu diesem Thema interpretieren kann. Der einzige Bereich, der etwas ausführlicher und schon länger behandelt wird, sind die Prüfungen bei den Medizinern, die ja schon lange Multiple-Choice einsetzen und damit auch natürlich die computergestützte Form präferieren. Deswegen gibt es auch hier immer wieder spezielle Vorschriften, wenn Sie Prüfungen nur und ausschließlich mit Multiple-Choice-Fragen abnehmen. Das geht von der Bewertung bis hin zu der Forderung, dass alle Prüfungen wirklich exakt gleich sein müssen. Nach meiner Auffassung gilt das aber alles nicht mehr, sobald sie andere Fragetypen als Multiple-Choice in den Prüfungen verwenden.
</p>
<p>
<b>CarmenQuintela:</b> Sie erwähnten eingangs, dass Rechtssicherheit in der Prüfungsordnung bestehen müsse. Können Sie Eckpunkte nennen, die in jedem Fall in der Prüfungsordnung gegeben sein müssen?
</p>
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<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Ja, haben wir vorhin schon gesagt: Es muss ausdrücklich drinstehen, dass man Prüfungen in Form von Online-Prüfungen abnehmen darf und eventuell müssen auch einzelne Frageformen in diesen Vorschriften erwähnt werden. Sobald dass der Fall ist, kann niemand mehr daran zweifeln, dass Online-Prüfungen in diesem Bereich als rechtssicher gelten können.
</p>
<p>
<b>bach:</b> Wie bzw. wo kann man sich über Gründe für die bisherigen Anfechtungen informieren?
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<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Eventuell bei den Herstellern der entsprechenden Systeme, dann bei Prüfungsämtern von Universitäten oder ähnlichen Einrichtungen, die schon viele Online-Prüfungen hinter sich haben. Ein Portal oder so etwas Ähnliches ist mir nicht bekannt. 
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<b>Tuttle:</b> Wie sicher sind Campus-Management-Systeme? Und wer kann intern auf meine Daten zugreifen?
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<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Zunächst einmal: Die Unterscheidung zwischen Campus-Management-Systemen &#8211; also zum Beispiel einem Prüfungsamtssystem &#8211; und einem Prüfungsabnahmesystem ist immer wieder wichtig. Zur Rechtssicherheit von Online-Prüfungen gehört es aber auch, dass man die Sicherheit der Anmeldungen zu solchen Prüfungen sicherstellt. Also zum einen nur die Leute an der Prüfung teilnehmen lässt, die sich auch angemeldet haben und zum anderen auch nur die Leute wegen Nicht-Erscheinens bestraft, die sich tatsächlich angemeldet haben. Wenn hier Verfahren wie das Pin-TAN-Verfahren eingesetzt werden, sollte analog zum Online-Banking alles rechtssicher ablaufen. Ansonsten ist das eine Thematik, die man vielleicht mal an einem anderen Termin generell diskutieren könnte. Zum Datenzugriff bleibt zu sagen, dass das ein Thema der eingesetzten Systeme und des Betriebes dieser Systeme im jeweiligen universitären Bereich ist. Auch hier sollte man sich an die Datenschutzbeauftragten halten.
</p>
<p>
<b>Hans:</b> Wie können digitale Prüfungsdokumente am besten archiviert werden? Was muss hierbei beachtet werden?
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<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Zum Einen müssen Sie natürlich sicherstellen, dass die Prüfung, die Sie jetzt archivieren, auch im Nachhinein immer noch der Person zuzuordnen ist, die sie geschrieben hat. Zum anderen brauchen Sie ein technisches Verfahren, um die Prüfung mit den Antworten des Prüflings aus der Datenbank herauszuholen und unveränderbar langfristig zu speichern. Es bietet sich hier an, die Prüfung mit Antworten und eventuellen Korrekturbemerkungen als PDF zu speichern und mit der Matrikelnummer und zum Beispiel der bei der Prüfung vergebenen TAN zu sichern. Und dann auf einem dauerhaft verfügbaren Medium, zum Beispiel einer CD, zu archivieren. Ob das länger als zehn Jahre hält, ist allerdings im Moment technisch umstritten.
</p>
<p>
<b>CarmenQuintela:</b> Zur Nachhaltung der Prüfungsergebnisse: Gibt es einheitliche Regelungen, in welcher Form und wie lange Prüfungsergebnisse aus Online-Prüfungen nachgehalten werden müssen bzw. gibt es überhaupt diesbezüglich Unterschiede zu Offline-Prüfungen?
</p>
<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Mir sind keine Unterschiede bekannt. Generell sollte es doch so sein, dass, wenn es keine ausdrücklichen Regelungen für Online-Prüfungen gibt, die Regelungen für gewöhnliche Prüfungen gelten. Und hier sind die Archivierungsvorschriften zu nennen, die für klassische papiergestützte Klausuren gelten: Meines Wissens müssen solche Prüfungen zehn Jahre aufgehoben werden und die Daten, die man zum Erstellen eines Zeugnisses oder Diploms benötigt, müssen sechzig Jahre archiviert werden. Diese Regelungen sollten dann auch für Online-Prüfungen und deren Ergebnisse angewendet werden.
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<p>
<b>AMGallus:</b> Welcher Zeitraum muss den Studierenden nach Bekanntgabe der Klausurergebnisse für Rückfragen zu ihren Klausuren gegeben werden bevor die Noten ins Prüfunssystem eingegeben werden?
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<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Auch hier gelten natürlich zunächst einmal die Grundsätze für herkömmliche Klausuren. Sie müssen einen Zeitraum für die Einsichtnahme in die geschriebenen Klausuren durch das Prüfungsamt benennen und allen Betroffenen die Möglichkeit zur Einsichtnahme geben. Wenn dieser Zeitraum abgelaufen ist, ist auch die Möglichkeit zur nachträglichen Anfechtung des Ergebnisses nicht mehr vorhanden. Wenn Sie in Online-Prüfungen Einsicht nehmen lassen, müssen Sie natürlich die entsprechenden technischen Voraussetzungen dafür schaffen. Sie müssen also zum Beispiel dafür sorgen, dass der Prüfling bei der Einsichtnahme nicht nachträglich in der Prüfung etwas verändert. Ich kenne Verfahren, in denen die PDF-Datei &#8211; die auch für die Archivierung verwendet wird &#8211; als Basis für eine Klausureinsicht herangezogen wird. Ein Vorteil einer solchen Regelung wäre, dass sie vielen Kandidaten gleichzeitig die Möglichkeit zur Einsichtnahme gibt und damit wiederum eine Entlastung des Korrekturpersonals verbunden ist, das sonst jede einzelne Klausur heraussuchen und mit dem Kandidaten besprechen müsste.
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<b>Moderator:</b> Hier kommt eine aktuelle Nachfrage:
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<b>Horst Schneider:</b> Was sind die &quot;Daten die man zum Erstellen eines Zeugnisses oder Diploms benötigt&quot;? 
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<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Wenn Sie eine Klausur in einem examensrelevanten Fach geschrieben haben, dann ist die Note, die Sie dort erzielt haben, für das Diplom und das Zeugnis relevant, die Klausur selber aber nicht.
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<b>Phillip S.:</b> Wie kann der Prüfling sicherstellen, dass seine Antworten richtig gespeichert wurden? Bei einer handschriftlich durchgeführten Prüfung sollte das ja im Nachhinein kein Problems sein, in einem elektronischen System kann hingegen, z.B. durch Softwarefehler, hinterher alles mögliche stehen.
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<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Das ist die typische Angst, dass ein Computer die eigenen Angaben durcheinander bringt. Hier kann man auch wieder auf die Einsichtnahme verweisen, die ja eine Gesamtschau der Fragen und Antworten inklusive Korrekturhinweisen bietet. Ansonsten wäre es noch möglich, dass der Hersteller von solchen Programmen seine Software zertifizieren lässt, so wie es seit langem zum Beispiel mit Buchführungsprogrammen geschieht bei denen selbst das Finanzamt solchen Zertifizierungen vertraut.
</p>
<p>
<b>trumancapote:</b> Gibt es für Sie ein Best-Practice für E-Asessments?
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<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer: </b>Ich persönlich setze zum Beispiel das System &quot;LPLUS&quot; ein, das auch in der Universität Bremen und in Duisburg/Essen verwendet wird. Hier könnte man natürlich fragen und sich Anregungen dazu holen. Dieses System &quot;LPLUS&quot; wird seit langem auch in der Luftfahrt eingesetzt &#8211; zum Beispiel zur Erlangung der Privatpilotenlizenz &#8211; oder zur Prüfung von und Zertifizierung der Weiterbildung von Mitarbeitern der Lufthansa. Ich glaube, alle diese Angesprochenen sind bereit, über ihre positiven Erfahrungen mit diesem Werkzeug zu sprechen.
</p>
<p>
<b>Lehrbuch:</b> Wissen Sie von Manipulationen an E-Prüfungs-Systemen?
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<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Mir ist ein Fall persönlich untergekommen, in dem ein Student bewusst den Rechner ausgeschaltet hat, in der Hoffnung, die Prüfung (die bis dahin extrem schlecht ausgefallen war) noch einmal ablegen zu dürfen. Diese Manipulation hat aber nicht geholfen, weil wir auf solche Fälle vorbereitet sind und den Studenten unmittelbar an einen Ersatzrechner setzen konnten. Das Hacken der Serverkomponenten muss man halt mit den üblichen Mitteln sehr sorgfältig zu verhindern versuchen. Ansonsten sehe ich bei den mir bekannten Systemen keine Möglichkeit die Beantwortung der Fragen zu manipulieren. Dass man unerlaubte Hilfsmittel heranzieht, ist durchaus möglich und muss halt durch eine Aufsicht wie bereits oben diskutiert verhindert werden.
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<p>
<b>Moderator:</b> Hier eine Frage zu einem Themenkomplex, den wir bisher noch angesprochen haben:
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<b>Klinger: </b>Können E-Assements in Bezug auf die CO2-Bilanz umweltverträglich gestaltet werden? Gleicht das eingesparte Papier (mehr Bäume in Brasilien) die Emissionen durch zusätzlich verbrauchten Strom wieder aus?
</p>
<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Was Sie einsparen, ist sicherlich Papier. Unser Prüfungsamt gibt ca. 10.000 Euro im Jahr für Klausurhefte aus. Ob jetzt die Server mehr Strom verbrauchen, vermag ich nicht zu sagen. Einsparpotenziale gibt es meines Erachtens vor allen Dingen bei Personen &#8211; aber die sind ja nicht CO2-relevant.
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<p>
<b>Moderator:</b> Hier noch eine aktuelle Nachfrage zu den E-Assessment Systemen:
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<b>Daniel Möbs:</b> Gibt es denn auch noch weitere Systeme, die seit langem e-Prüfungen durchführen?
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<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Erwähnen möchte ich hier das System ILIAS, ein Open-Source-System, bei dem allerdings die Fragen der Rechtssicherheit nicht so deutlich geklärt sind wie bei professionellen kommerziellen Systemen. Außerdem wird in der medizinischen Hochschule in Hannover ein System &quot;Q&quot; eingesetzt. Ich möchte noch einmal deutlich sagen, dass es im Bereich des Self-Assessment und des Assessment-Centers zum Beispiel für Einstellungen von Mitarbeitern eine Reihe weiterer Systeme gibt, die aber eben gerade nicht ihren Schwerpunkt auf der Rechtssicherheit von Systemen haben, die sich mit Prüfungen beschäftigen.
</p>
<p>
<b>chatter:</b> Was bedeuten häufigere Online-Prüfungen für den Prozess des Lernens und der Prüfungsvorbereitung der Studenten? Reicht es noch aus, aus einem Lehrbuch zu lernen?
</p>
<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Das können Sie jetzt unter verschiedenen Gesichtspunkten sehen. Wenn Sie, wie es ja im Moment am meisten passiert, die klassische Klausur am Semesterende durch eine Online-Prüfung ersetzen, haben Sie keine deutlichen Unterschiede in den typischen Lernverhalten zu erwarten. Sie können aber natürlich mit einem guten Online-Prüfungssystem auch regelmäßige Prüfungen im Semester abhalten, in denen der Lernfortschritt überprüft wird und sich zum Beispiel das Gesamtergebnis aus diesen einzelnen Prüfungsteilen zusammensetzt. Ich persönlich nutze zum Beispiel das Online-Prüfungssystem, um mehrere Prüfungstermine im Semester anzubieten. Bei jedem Termin wird die gleiche Prüfung abgenommen &#8211; natürlich mit verschiedenen Fragen &#8211; aber die Studierenden haben die Möglichkeit, selber zu entscheiden, ob sie zum Beispiel schon zur Mitte des Semesters eine Prüfung hinter sich bringen wollen, die dann am Semesterende nicht mehr anliegt.  Außerdem biete ich Wiederholer-Prüfungen an zu Beginn des folgenden Semesters für diejenigen, die am Ende des vorigen Semesters durchgefallen sind. Und das geht eben besonders gut, wenn Sie ein Online-Prüfungssystem mit einem umfangreichen Fragenkatalog haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> So, die Chat-Zeit ist auch schon fast um: Wollen sie noch ein kurzes Schlusswort an die User richten?
</p>
<p>
<b>Jan-Armin Reepmeyer:</b> Ja, ich bedanke mich bei allen Chat-Teilnehmern für die interessanten Fragen. Ich möchte Sie ermutigen, sich mit dem Thema &quot;Online-Prüfungen&quot; ausführlich auseinanderzusetzen und vor allen Dingen unvoreingenommen an die Sache heranzugehen. Es gibt eine ganze Zahl von Vorurteilen, von denen man sich hier auf keinen Fall leiten lassen sollte. Bei dieser Beschäftigung wünsche ich allen viel Erfolg.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">e-teaching.org</a>-Expertenchat. Vielen Dank an die User für die vielen Fragen – die wir aus Zeitgründen leider nicht alle beantworten konnten. Vielen Dank auch an Dr. Jan-Armin Reepmeyer für die kompetenten Antworten.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Fremdkörper im Bildungsstreik</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/fremdkoerper-im-bildungsstreik-4662/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Jung]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 09:08:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Streik]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsstreik]]></category>
		<category><![CDATA[Unibrennt]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[Überall in Deutschland besetzen Studenten ihre Unis. Was in Österreich begann, hat sich längst über Ländergrenzen hinweg ausgebreitet. Auch im Internet schlagen die Proteste Wellen. Doch nicht alle bestreikten Unis nutzen die modernen Netzwerke überzeugend. Österreichs Studis zeigen, wie es besser geht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Überall in Deutschland besetzen Studenten ihre Unis. Was in Österreich begann, hat sich längst über Ländergrenzen hinweg ausgebreitet. Auch im Internet schlagen die Proteste Wellen. Doch nicht alle bestreikten Unis nutzen die modernen Netzwerke überzeugend. Österreichs Studis zeigen, wie es besser geht.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
2000 Studentinnen und Studenten sitzen eng gedrängt in dem<br />
trotz hoher Decke stickigen Audimax der Justus-Liebig-Universität in Gießen. In<br />
einer Vollversammlung beschließen sie ihre gemeinsamen Forderungen an Politik<br />
und Hochschule. Über das gesamte Publikum verteilt zeigen sich die weit<br />
scheinenden Bildschirme von Laptops und in den Händen, die sich zum<br />
Fotografieren der Menschenmenge in die Höhe recken, finden sich fast ebenso<br />
viele Telefone wie Digitalkameras. Ganz selbstverständlich erscheint das den<br />
Studierenden der Generation Internet.
</p>
<p>
<b>Vollversammlung offline </b>
</p>
<p>
Doch die Vollversammlung bleibt Offline. Von<br />
den mehr als 200 Zuschauern, die den <a href="http://www.ustream.tv/recorded/2638789">Live-Stream</a> im Internet geöffnet haben,<br />
erfährt man im Audimax nichts. Nur einmal blitzt etwas Interaktivität durch,<br />
als solidarische Grüße aus anderen Universitätsstädten übermittelt werden. Wie<br />
genau die aber ihren Weg ins mittelhessische Gießen gefunden haben, weiß<br />
vermutlich auch am Rednerpult niemand.
</p>
<p>
Das Internet wirkt wie ein Fremdkörper im Gießener<br />
Bildungsstreik. Als die Politik- und Sozialwissenschaftler in den späten<br />
Abendstunden des 15. Novembers ihr dreistöckiges Seminargebäude besetzten,<br />
drangen nur wenige Informationen an die Außenwelt. Schon einige Tage zuvor<br />
hatte man eine erste Website eingerichtet, zu der man aber just in den ersten<br />
Tagen der Besetzung das Passwort verlegt hatte. Stattdessen teilte man sich in<br />
unregelmäßigen Abständen und wenig gesprächig über eine Mailing-Liste mit &#8211; von<br />
der jedoch kaum Studenten erfahren hatten. Bilder von der Besetzung tauchten<br />
erst nach Tagen auf.
</p>
<p>
<b>Streik auf studiVZ </b>
</p>
<p>
Wesentlich zeitnaher kann man am Geschehen über studiVZ<br />
teilhaben. Bereits vom 9. November stammt der erste Beitrag in der Gruppe „<a href="http://www.studivz.net/Groups/Overview/53be1bc0612dd1d1">-::<br />
Bildungsstreik 2009 Gießen::-</a>&quot;, in dem auf die vergleichbaren Gruppen aus Kiel<br />
und Marburg verwiesen wird. Zwei Tage vor der Besetzung wird hier schon die<br />
Mailing-Liste als dominierendes Kommunikationsmittel beworben und auch über die<br />
tatsächliche Besetzung erfährt man hier wesentlich früher als auf der eigenen<br />
Internetseite. Auch ein Hinweis auf den <a href="http://twitter.com/giessenstreikt">Twitter-Account der Gießener Besetzer</a> findet<br />
sich, doch bis heute kommt er nicht einmal über 200 Follower hinaus. Wie weit Twitter damit außerhalb der studentischen Aufmerksamkeit liegt, zeigt der Vergleich<br />
mit der Gruppe im studiVZ: hier finden sich fast 2000 Mitglieder ein.
</p>
<p>
<b>studiVZ: Ausschlafen oder Kurzurlaub?<br />
 </b>
</p>
<p>
Doch so beeindruckend die Zahlen wirken, inhaltlich kann die<br />
Gruppe im VZ nicht viel bieten. Bilder oder Videos scheitern schon an den<br />
technischen Möglichkeiten der studiVZ-Plattform. Eine Handvoll<br />
Diskussionsfäden ist gefüllt mit wenigen Ankündigungen und vielen Nachfragen,<br />
wie lange denn nun noch besetzt sei. Viele Studenten wollen offensichtlich lieber wissen, ob<br />
man nicht doch ausschlafen kann am nächsten Tag oder ob die Zeit sogar für<br />
einen Kurzurlaub bei den Eltern reicht.
</p>
<p>
<b>Kein Internetanschluss im Philosophenwald </b>
</p>
<p>
Dass das wenig repräsentativ ist, zeigt ein Blick in die<br />
arbeitsame Atmosphäre in den mittlerweile immer zahlreicher werdenden besetzten<br />
Gebäuden in der Straße am Philosophenwald. Eifrig organisiert in Arbeitskreisen und<br />
allabendlichem Plenum arbeiten die Studentinnen und Studenten an ihrem<br />
Forderungskatalog. Gleich in der ersten Woche treffen sie sich zu<br />
Sondierungsgesprächen mit den Dozenten der betroffenen Fachbereiche und tauschen<br />
sich aus. Aus der bekundeten Solidarisierung erwachsen gemeinsame, von<br />
Studenten und Dozenten besetzte Arbeitskreise. Im Internet erfährt man nichts<br />
davon.
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/unibrennt.jpg" width="460" height="283" />
</p>
<p>
<b>Österreichs Studis setzen auf das Netz</b>
</p>
<p>
Ein Blick nach Österreich, gewissermaßen in das Mutterland<br />
der aktuellen Studentenproteste, zeigt das Kontrastprogramm. Wie ein Drehkreuz<br />
sammelt die <a href="http://unibrennt.at/">offizielle Website zum Protest</a> als „veritables Web 2.0-Portal&quot;<br />
(<a href="http://www.homopoliticus.de/2009/11/05/wir-2-0/">Christoph Bieber</a>) die über das gesamte Netz verteilten Informationen zu den<br />
Bildungsstreiks und bietet dem Nutzer Orientierung. Die eher statischen<br />
Elemente wie Forderungen und Kontaktdaten finden sich wie gewohnt auf der<br />
Internetseite, aber ebenso stößt man auf gesammelte Live-Streams aus dem<br />
deutschsprachigen Protestraum oder bei flickr aggregierte Bilder von den<br />
Hochschulen vor Ort.
</p>
<p>
Die Facebook-Seite „<a href="http://www.facebook.com/unsereuni">unsereuni</a>&quot; zeigt in bisher ungekanntem Maße die Funktionalität der amerikanischen Plattform<br />
auf. Mehr als 30.000 Fans solidarisieren sich und nutzen die öffentliche<br />
Pinnwand des Profils, um Informationen auszutauschen und Diskussionen<br />
auszutragen. Geschickt vernetzt man die Seite mit anderen streikenden<br />
Studierenschaften. Videos und Fotos von den bekannten Plattformen wie YouTube<br />
und flickr hat man da gleich noch mit eingebunden.
</p>
<p>
Die heutige Kundgebung am österreichischen Parlament ist<br />
selbstverständlich als Termin verfügbar. Neben Details über den geplanten<br />
Ablauf &#8211; von Eröffnung bis Lichterkette &#8211; sieht man auch die 173 bestätigten<br />
Gäste.
</p>
<p>
In Gießen wird morgen ebenfalls eine Demonstration<br />
stattfinden, vom Audimax will man in die Stadt marschieren. Genauso Offline wie<br />
bisher.
</p>
<p>
<b>Gibt es bessere Beispiel für Internetnutzung bei den Unistreiks? Hinweise gerne in den Kommentaren! </b></p>
]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>E-Government studieren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[lbuhr]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 16:19:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[E-Government]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Studium]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Bachelor-Studiengang E-Government der <a href="http://www.hochschule-rhein-waal.de/index.php" target="_blank" title="Hochschule Rhein-Waal" rel="noopener noreferrer">Hochschule Rhein-Waal</a> will Grundlagen der Informatik mit Informations- und Wissensmanagement kombinieren. Am 21. September startet der erste Jahrgang. 
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Bachelor-Studiengang E-Government der <a href="http://www.hochschule-rhein-waal.de/index.php" target="_blank" title="Hochschule Rhein-Waal" rel="noopener noreferrer">Hochschule Rhein-Waal</a> will Grundlagen der Informatik mit Informations- und Wissensmanagement kombinieren. Am 21. September startet der erste Jahrgang. </p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
Die Hochschule Rhein-Waal mit ihren Standorten in Kleve und Kamp-Lintfort im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen hat am 1. August 2009 ihren Betrieb aufgenommen. Zum Wintersemester 2009/10 beginnen 40 Studierende den <a href="http://www.hochschule-rhein-waal.de/studium/Studiengaenge/e-government.php" target="_blank" title="Studium E-Government" rel="noopener noreferrer">Bachelorstudiengang E-Government</a>.</p>
<p>Die Absolventen sollen Soft- und Hardware-Angebote und Dienstleistungen für die öffentliche Verwaltung und die Wirtschaft erstellen können. Der anwendungsbezogene und interdisziplinäre Studiengang kann auch mit Ausbildungsberufen kombiniert als Duales Studium belegt werden.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>e-teaching.org-Expertenchat</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/projekt/e-teachingorg-expertenchat-zu-e-learning-20-4107/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 10:23:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[e-teaching.org]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Chat_tag]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Studenten]]></category>
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					<description><![CDATA[Neben der analogen Lehre setzen immer mehr Hochschulen auf Lernplattformen. Aber kommen die E-Learning-Angebote überhaupt bei den Studierenden an? Am 27. Oktober 2008 ab 14 Uhr ist Prof. Dr. Ullrich Dittler zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?pid=1&#38;id=eteaching&#38;cid=193" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ihre Fragen zum Thema &#34;E-Learning an Hochschulen&#34; können Sie bereits jetzt online stellen</a>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Neben der analogen Lehre setzen immer mehr Hochschulen auf Lernplattformen. Aber kommen die E-Learning-Angebote überhaupt bei den Studierenden an? Am 27. Oktober 2008 ab 14 Uhr ist Prof. Dr. Ullrich Dittler zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?pid=1&amp;id=eteaching&amp;cid=193" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ihre Fragen zum Thema &quot;E-Learning an Hochschulen&quot; können Sie bereits jetzt online stellen</a>.<!--break--> </p>
<p>
An vielen Hochschulen werden inzwischen Lernplattformen eingesetzt und Blended Learning-Szenarien realisiert, die Technik läuft stabil. Die Akzeptanz und die Nutzung dieser webbasierten, multimedialen Zusatzangebote treffen jedoch vielerorts immer noch auf weniger Begeisterung als von den Verantwortlichen erhofft.
</p>
<p>
Wird versucht, mit Schlagworten wie &quot;Web 2.0&quot; und &quot;E-Learning 2.0&quot; dem Thema E-Learning neuen Auftrieb zu verleihen? Wieviel Potenzial steckt wirklich in den neuen Werkzeugen?
</p>
<p>
Im e-teaching.org Expertenchat am 27. Oktober stellt sich der E-Learning-Experte Prof. Ullrich Dittler von der Hochschule Furtwangen den Fragen der Community.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>„Das Internet vergisst nicht&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/wie-schuler-das-mitmach-internet-nutzen/das-internet-vergisst-nicht-3330/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/wie-schuler-das-mitmach-internet-nutzen/das-internet-vergisst-nicht-3330/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Jul 2007 10:50:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wie Schüler das Mitmach-Internet nutzen]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Felling]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/das-internet-vergisst-nicht-3330/</guid>

					<description><![CDATA[Kinder und Jugendliche hantieren schon früh mit Handy und Internet. Sie verschicken SMS, chatten und bloggen. Dabei gehen sie zu sorglos mit Fotos und persönlichen Daten um, meint Medienpädagoge Matthias Felling im Interview mit politik-digital.de.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Kinder und Jugendliche hantieren schon früh mit Handy und Internet. Sie verschicken SMS, chatten und bloggen. Dabei gehen sie zu sorglos mit Fotos und persönlichen Daten um, meint Medienpädagoge Matthias Felling im Interview mit politik-digital.de.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>politik-digital.de: Ab wann beginnen Kinder damit, sich<br />
mit Computern, Internet und Handy zu beschäftigen? Welche Formate<br />
nutzen sie dabei?</b><br />
<br />
Matthias Felling: Bereits ein Viertel der Sechs- bis Siebenjährigen<br />
hat ein Handy. Ab einem Alter von zehn Jahren besitzt dann ungefähr<br />
die Hälfte der Kinder ein Mobiltelefon. Man kann also sagen:<br />
Während der Grundschule werden die Kinder mit einem Handy ausgestattet.<br />
<br />
Bei den Jüngeren steht dabei ganz klar das Telefonieren an<br />
erster Stelle, dabei werden sie häufiger angerufen, als dass<br />
sie selbst anrufen. Denn Eltern geben ihren Kindern oft das Handy<br />
mit, damit sie erreichbar sind. Jugendliche nutzen das Handy ebenfalls<br />
am häufigsten zum Telefonieren oder um Kurznachrichten zu versenden.<br />
Sie fotografieren aber auch damit oder hören Musik.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/images/Matthias_Felling.jpg" alt="Matthias Felling" align="middle" height="376" width="250" /><br />
<i>Medienpädagoge Matthias Felling</i>
</p>
<p align="left">
Mit dem Internet hatten immerhin schon über 90<br />
Prozent der Jugendlichen einmal Kontakt. Häufig wird das in<br />
der Schule passieren, wo Computer und Internet im Unterricht genutzt<br />
werden. Hier ist auch wieder die Kommunikation ganz weit vorne:<br />
ICQ-Messenger und E-Mail nutzen die Jugendlichen am häufigsten.<br />
Darauf folgen Spiele und die Informationssuche, wobei es Unterschiede<br />
nach dem Bildungungsstand der Jugendlichen gibt: Für Hauptschüler<br />
ist das Spielen im Netz wichtiger, Gymnasiasten suchen eher nach<br />
Informationen.</p>
<p>Bei der Handy-Nutzung und im Internet geht es Jugendlichen also<br />
um die Kommunikation mit ihren Freunden, um Kontakt zu den so genannten<br />
Peers. Die Jugendlichen wollen auch nach der Schule mit ihrem eigenen<br />
Leben kommunizieren.
</p>
<p>
<b>Welches Alter empfehlen Sie für den Einstieg in die<br />
Kommunikation über neue Medien? Was müssen Eltern beachten<br />
und wann sollten sie dabei sein, wenn ihr Kind das Handy benutzt<br />
oder im Internet surft?</b> <br />
Eltern sollten eigentlich die ganze Zeit darauf achten, was ihre<br />
Kinder im Internet und mit dem Handy treiben. Sie sollten sich dafür<br />
interessieren, womit ihre Kinder sich beschäftigen.<br />
Es gibt aber kein bestimmtes Alter, bei dem ich sagen würde,<br />
hier fängt man mit Internet und Handy an. Auch für Kinder<br />
gibt es sinnvolle Angebote im Internet, zum Beispiel moderierte<br />
Chaträume. Da achtet ein Moderator darauf, was passiert. Für<br />
diese Chaträume müssen die Kinder sich anmelden, Eltern<br />
werden darüber zum Teil über eine E-Mail informiert. Dort<br />
können die Kinder per Knopfdruck auch Leute ausblenden, die<br />
versuchen, sie zu beleidigen. Genauso gibt es Chatangebote für<br />
Jugendliche, die zum Beispiel ebenfalls einen derartigen Ignorieren-Button<br />
haben.
</p>
<p>
Ich denke, es kann durchaus sinnvoll sein, dass Kinder im Internet<br />
surfen. Schließlich bedeuten die Neuen Medien nicht nur Gefahr,<br />
sondern stellen einen großen Teil der heutigen Lebenswelt<br />
dar. Wichtig ist allerdings, dass Eltern ihre Kinder im Internet<br />
begleiten und sie dort nicht allein lassen. Als konkretes Beispiel:<br />
Ein Sechsjähriger kann durchaus ins Internet gehen, sollte<br />
aber nicht herumsurfen, wo er gerade Lust hat. Eltern können<br />
den PC etwa mit Filtern versehen. Oder spezielle Kinderseiten ansurfen,<br />
etwa die Kindersuchmaschine Blinde Kuh, bei denen sie sicher sein<br />
können, dass gefilterte Suchergebnisse geliefert werden. <br />
Das Netz ist riesengroß, das kann Kinder natürlich auch<br />
überfordern. Daher sollten Eltern dabei sein und sich darum<br />
kümmern, dass Kinder nicht zu lange im Netz unterwegs sind<br />
und für Ausgleich sorgen.
</p>
<p>
Auch ein Handy kann für Kinder sinnvoll sein. Es kann praktisch<br />
sein, wenn ein Sechsjähriger ein Handy hat, zum einen, um damit<br />
anzurufen. Zum anderen kann er darüber aber auch Spiele spielen,<br />
etwa wenn er einen langen Schulweg im Bus zurücklegen muss.<br />
Es sollte den Eltern allerdings bewusst sein, welche Medien es auf<br />
dem Handy gibt: Dass man SMS senden, Filme drehen und ins Internet<br />
gehen kann.<br />
Eltern können sich das Handy auch von ihren Kindern erklären<br />
lassen, die sind ja oft fitter als ihre Eltern.
</p>
<p>
<b>Interaktive Webseiten wie MySpace oder SchülerVZ liegen<br />
im Trend bei Jugendlichen, auch Chats und Blogs. Welche Vorlieben<br />
gibt es hier? </b><br />
Persönliche Seiten und Blogs sind gar nicht so stark verbreitet,<br />
wie die Medien weismachen wollen. Das ist ähnlich wie bei Second<br />
Life: Es wird viel darüber geredet, aber kaum genutzt. Dennoch<br />
ist es für Jugendliche wichtig, auf Plattformen wie MySpace<br />
präsent zu sein. Es geht wieder um Kommunikation: Jugendliche<br />
wollen sich hier mit ihren Freunden unterhalten und ihren Kreis<br />
erweitern. Für pubertierende Jugendliche ist es wichtig, die<br />
eigene Identität zu finden, dazu kann es heute auch gehören,<br />
sich ein mediales Abbild zu schaffen.
</p>
<p>
<b>Sehen Sie hier auch Risiken, zum Beispiel bei der Weitergabe<br />
persönlicher Daten und Fotos?</b> <br />
Ja, definitiv. Den Jugendlichen fehlt das Bewusstsein dafür,<br />
dass das Internet nicht vergisst. Es ist was anderes, ob ich ein<br />
Bild irgendwo aufhänge, wo ich es wieder abnehmen kann, oder<br />
ob ich es im Internet veröffentliche. Es gibt da eine Geschichte<br />
von einer Sozialarbeiterin, die mit Jugendlichen aus einem Jugendzentrum<br />
einen Chatraum aufbaute. Die Kinder sollten auch Fotos für<br />
ihr Profil veröffentlichen. Einige Mädchen haben dann<br />
Bikini-Fotos eingestellt. Die Sozialarbeiterin hat diese Fotos groß<br />
ausgedruckt und im Jugendzentrum aufgehängt. Die Mädchen<br />
waren total entsetzt, dass jemand so etwas tun konnte. Dadurch haben<br />
sie aber verstanden, dass ein Foto im Internet kein kleines Ding<br />
ist, sondern von jedem gesehen werden kann, ähnlich wie im<br />
Jugendzentrum.</p>
<p>Hier ist auf jeden Fall Aufklärung nötig. Die Technik<br />
ist mittlerweile soweit – es gibt auf einigen Handys etwa<br />
die Funktion, direkt vom Handy auf dem Blog zu veröffentlichen.<br />
Vor zehn Jahren ging vieles noch nicht, was heute möglich ist,<br />
zumindest wurde es nicht auf immer und ewig gespeichert.<br />
Die Problematik im Chat ist dabei die größte, denn hier<br />
kann Gefahr für Leib und Seele bestehen. Das belegen auch Zahlen<br />
aus der Studie „Jugend, Information, Multimedia“: 63<br />
Prozent der Jugendlichen sind im Chat schon einmal nach persönlichen<br />
Daten gefragt worden, 23 Prozent haben diese Daten auch weitergegeben,<br />
das ist schon sehr viel. Die Mädchen waren dabei zurückhaltender:<br />
18 Prozent der Mädchen haben ihre Daten weitergegeben, aber<br />
28 Prozent der Jungen. Mädchen sind hier aufgeklärter,<br />
es ist stärker in ihrer der Erziehung verankert, dass sie vorsichtig<br />
sein müssen. Diese Ergebnisse zeigen also auch, das Aufklärung<br />
etwas bringt. Das ist zumindest eine mögliche Erklärung.<br />
<br />
Generell kann man sagen, dass bei Jugendlichen das Bewusstsein für<br />
Urheberrecht und Persönlichkeitsrecht wenig vorhanden ist.</p>
<p><b>Stichwort E-Mobbing, also Mobbing über E-Mails, in<br />
Chats und in Foren oder über Handy: Welche Formen des E-Mobbing<br />
gibt es?</b><br />
Zum einen Gewalt rund ums Handy: Das können zum Beispiel Filme<br />
sein oder Fotos, die in peinlichen Situationen gemacht wurden und<br />
dann in der Schule die Runde machen. Mobbing und Beleidigung in<br />
der Schule gab es praktisch schon immer, das Mobbing über das<br />
Handy ist eine Fortsetzung davon. <br />
Weiterhin kommt es zu Belästigungen im Chat oder über<br />
SMS. Hier liegt das Problem darin, dass das für Lehrer schwerer<br />
zu sehen ist als herkömmliches Mobbing. Den Lehrern muss bewusst<br />
sein, dass jemand fertig gemacht werden kann, ohne das jemand anderes<br />
etwas sagt. </p>
<p>Zudem werden nicht nur Filme selbst gedreht, sondern auch aus dem<br />
Netz heruntergeladen. Die sind auf den Videoportalen wie YouTube<br />
sehr einfach zu bekommen. Das kann Belästigung sein, weil auf<br />
die Schüler ein ein Druck ausgeübt wird, mitzumachen.<br />
<br />
Auch die Lehrer beschweren sich zunehmend über Mobbing: Es<br />
kursieren zum Beispiel Filme über Lehrer auf YouTube. Das können<br />
ganz banale Szenen sein, etwa aus dem Unterricht. Dann gibt es aber<br />
auch Fälle wie in Schottland: Einem Lehrer wurde im Unterricht<br />
die Hose heruntergezogen, die Schüler haben das gefilmt und<br />
online gestellt. <br />
Oder es werden fiktive Charaktere, mit dem Namen der Lehrer, bei<br />
Flirtlines angelegt.
</p>
<p>
<b>Wann sollte Medienförderung in der Schule beginnen?<br />
Wie können Schulen besser auf den Umgang mit den Neuen Medien<br />
vorbereiten?</b><br />
Auch schon Grundschulen sollten sich über Medienförderung<br />
Gedanken machen. Das machen sie aber auch, viele Schulen unternehmen<br />
ja etwas. Im Schulgesetz Nordrhein-Westfalen etwa ist verankert,<br />
dass Schüler einen verantwortungsbewussten Umgang mit Medien<br />
lernen sollen. <br />
Ich berate Schulen rund ums Handy, da geht es zum Beispiel darum,<br />
Regeln für die Handynutzung an der Schule aufzustellen. Vertreter<br />
aus Schülerschaft, Elternschaft und Lehrerschaft setzen sich<br />
zusammen und beschließen gemeinsam eine Ordnung. Denn auch<br />
Schüler stört das Handy im Unterricht.
</p>
<p>
An Schulen ist eine grundsätzliche Auseinandersetzung wichtig.<br />
Medien sollten in den Unterricht eingebaut werden – das hängt<br />
aber stark vom Engagement einzelner Lehrer ab. <br />
Lösungen sind zum einen, in der Lehrerausbildung den Umgang<br />
mit Neuen Medien einzuschließen. Die Haltung gegenüber<br />
den Neuen Medien muss sich auch verändern: Sie dürfen<br />
nicht nur als Störfaktoren gesehen werden.
</p>
<p>
Für die Schulen ist die Situation häufig schwierig: Sie<br />
bekommen immer etwas Neues aufgedrückt, andererseits werden<br />
die Stellen gestrichen. Mediennutzung ist hier ein Problem unter<br />
vielen.
</p>
<p><i>Matthias Felling hat Diplom-Pädagogik in Bielefeld studiert<br />
und arbeitet als selbständiger Pädagoge. Er ist Redakteur<br />
bei <a href="http://www.handysektor.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Handysektor.de</a>,<br />
einem Informationangebot für Jugendliche von der Landesmedienanstalt<br />
Nordrhein-Westfalen und dem Medienpädagogischen Forschungsverbundes<br />
Südwest. Felling selbst beschäftigt sich seit etwa zwei<br />
Jahren verstärkt damit, wie Jugendliche das Handy nutzen. Auf<br />
Elternabenden erläutert er die Probleme, die dabei auftauen<br />
können – etwa mit der Handykamera gefilmte Gewaltszenen,<br />
die Kinder auf dem Schulhof tauschen. </i></p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>&#8220;Das Problem ist, dass e-Learning nicht oben auf der Agenda von Bologna steht&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[E-Learning]]></category>
		<category><![CDATA[Birgit Hennecke]]></category>
		<category><![CDATA[Bologna-Prozess]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschulreform]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Freitag, 27. Oktober, 
war Birgit Henneke, Expertin für die Einführung von Bachelor 
und Master-Studiengängen in Deutschland, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a> 
Live-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. 
Sie sprach mit den Nutzern über den Bologna-Prozess und die 
Rolle, die e-Learning dabei spielt.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Freitag, 27. Oktober,<br />
war Birgit Henneke, Expertin für die Einführung von Bachelor<br />
und Master-Studiengängen in Deutschland, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a><br />
Live-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.<br />
Sie sprach mit den Nutzern über den Bologna-Prozess und die<br />
Rolle, die e-Learning dabei spielt.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Nutzerinnen und<br />
Nutzer von e-teaching.org, willkommen zum e-teaching.org Live-Chat.<br />
Zu Gast ist Birgit Hennecke, Expertin für die Einführung<br />
von Bachelor und Master-Studiengängen in Deutschland. Einen<br />
schönen guten Tag Frau Hennecke und vielen Dank, dass Sie Zeit<br />
für uns haben. Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, gerne und herzlichen Dank<br />
für die Einladung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Können Sie uns erklären,<br />
was sich hinter dem Begriff des Bologna-Prozesses verbirgt?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Der Bologna-Prozess zielt ab<br />
auf die Harmonisierung des europäischen Hochschulraumes, d.h.<br />
die Mobilität von Studierenden und Lehrenden soll verbessert<br />
werden, die Studiengänge und -abschlüsse an europäischen<br />
Hochschulen sollen vergleichbarer werden. Die Vision ist, dass Studierende<br />
problemlos innerhalb ihres Studiums von Oslo bis nach Barcelona<br />
und von London bis nach Bukarest ihren Studienplatz wechseln können<br />
und die Studienleistungen überall gleichermaßen anerkannt<br />
werden.
</p>
<p>
<b>Z_P1a/8Xy:</b> Seit wann gibt es die Initiative?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Seit 1999. Im Juni 1999 haben<br />
sich damals Bildungsministerinnen und -Minister aus noch 29 Ländern<br />
in Bologna zusammen gefunden und haben die gemeinsame Erklärung<br />
unterschrieben. Hier wurde auch schon die Zeitvorgabe der Umsetzung<br />
des Prozesses bis 2010 festgelegt. Heute sind es übrigens 46<br />
Länder.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wird es nach dem Jahr 2010 ein Nachfolgeprojekt<br />
geben?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Es wird sicherlich nötig<br />
sein, aber ich weiß es nicht. Ich hoffe es.
</p>
<p>
<b>Kurator:</b> Wer ist in der Politik verantwortlich<br />
für die Einhaltung der hochschulpolitischen Rahmenvorgaben<br />
in Bezug auf den Bologna-Prozess?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Einige Rahmenvorgaben (Zugänge<br />
und Abschlüsse) sind beim Bundesministerium für Bildung<br />
und Forschung angesiedelt. Die wesentliche Gestaltung obliegt aber<br />
den Kultusministern der Länder.
</p>
<p>
<b>Z_P1a/8Xy: </b>Welche politischen Absichten stehen<br />
hinter dem Vorhaben Bologna-Prozess?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Vorrangig die Internationalisierung<br />
der Hochschullandschaft, die Herstellung von Mobilität von<br />
Studierenden und Lehrenden, mehr Transparenz der Studiengänge<br />
und -abschlüsse.
</p>
<p>
<b>europeunited: </b>Ist der Bologna-Prozess ursprünglich<br />
für die Schaffung einer europäischen Harmonisierung gedacht<br />
gewesen oder spielt dieser Gedanke hier überhaupt eine Rolle?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, das ist das wesentlichste<br />
Element.
</p>
<p>
<b>Aford:</b> Von welchen Ländern wird die Harmonisierung<br />
der Hochschullandschaft denn mitgetragen?<br />
<b><br />
Birgit Hennecke:</b> Das sind wie gesagt 46 mehr oder weniger<br />
europäische Länder von Island bis Russland, von Norwegen<br />
bis Zypern.
</p>
<p>
<b>Heurist:</b> Eines der Ziele des Bologna-Prozesses<br />
ist die internationale Mobilität auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.<br />
Haben Sie hierzu Zahlen, inwieweit sich die Bereitschaft der Absolventen<br />
geändert hat?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Es gibt noch relativ wenig statistische<br />
Angaben zu Bachelor-Absolventen und deren Verhalten in Bezug auf<br />
den ausländischen Arbeitsmarkt. Das wird sicher noch einige<br />
Jahre dauern.. Ich gehe aber davon aus, dass sich durch eine stärkere<br />
internationale Ausrichtung des Studiengangs auch die Motivation<br />
von Studierenden, die vielleicht schon Auslandspraktika gemacht<br />
haben, erhöhen wird, auch im Ausland zu arbeiten.
</p>
<p>
<b>anna:</b> Wie sieht die Umsetzung von Bologna in der<br />
Realität aus? Wie kommen Hochschulen, Lehrende und Studierende<br />
damit zurecht?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Immer besser. Aber es gibt noch<br />
viele Herausforderungen. Viele Hochschulen müssen mehrere Aspekte<br />
der Reform gleichzeitig bewältigen. Zum Beispiel müssen<br />
die Prüfungsverwaltungen viel mehr Aufgaben übernehmen.<br />
Die Studierendenverwaltung verändert sich, die Curriculumsentwicklung<br />
verändert sich komplett. Und auch die Lehrenden sind mit neuen<br />
Aufgaben konfrontiert. Da all dies gleichzeitig passieren muss,<br />
ohne dass die Hochschulen zusätzliche Mittel oder Personal<br />
bekommen, bewegt sich manches langsamer, als es vielleicht 1999<br />
gewünscht war.
</p>
<p>
<b>Next one please: </b>Welche Fortschritte und Erfolge<br />
hat es denn bisher gegeben?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Es sind bis zu diesem Wintersemester<br />
ca. 45 % aller deutschen Studiengänge in die Bachelor- und<br />
Masterform überführt worden und die Tendenz ist steigend.<br />
Alle deutschen Hochschulen haben einen Bologna-Koordinator/Koordinatorin,<br />
der sich vor Ort um die Herausforderungen des Bologna-Prozesses<br />
kümmert. Die Reform ist mittlerweile auf der operativen Ebene<br />
angekommen.
</p>
<p>
<b>anna:</b> Wie können die Studierenden sich in<br />
den Bologna-Prozess einbringen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Das ist eine gute Frage. Über<br />
den Weg von studentischen Organisationen wie den FZS oder ESIB,<br />
die sehr aktiv den Prozess mitgestalten. Und vor Ort an den Hochschulen<br />
hören wir eigentlich immer wieder die Klage, dass bei dem Wunsch<br />
von Fachbereichen, ihre Studierenden bei der Curriculumsentwicklung<br />
zu beteiligen, sie häufig auf Desinteresse stoßen. Ansprechpartner<br />
wären hier z.B. die Studiendekane, die sich sicher über<br />
interessierte Studierende freuen.
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> Wieso heißt der Prozess eigentlich<br />
&#8216;Bologna&#8217;?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Weil er 1999 in der italienischen<br />
Stadt Bologna angestoßen wurde.
</p>
<p>
<b>korea:</b> In Deutschland ist Bildung Ländersache<br />
&#8211; ist das ein Hindernis für den Bologna-Prozess? In anderen<br />
Ländern ist man da durch zentralistische Regierungen doch sicher<br />
schneller handlungsfähig, oder?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Wir hoffen sehr auf die gute<br />
Zusammenarbeit der Kultusministerkonferenz nach der Föderalismusreform.
</p>
<p>
<b>Möhnke:</b> Bologna ist ein bürokratisches<br />
Monster, das schwer vermittelbar ist. Was tut die Hochschulrektorenkonferenz,<br />
um die guten Ansätze des Prozesses öffentlichkeitswirksam<br />
zu promoten?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Die Hochschulrektorenkonferenz<br />
hat extra zwei Projekte dafür angestoßen &#8211; die Servicestelle<br />
Bologna und das Kompetenzzentrum Bologna, um den Prozess aktiv zu<br />
unterstützen. Diese Projekte sind zuständig für die<br />
persönliche Beratung von Fragenden aus der Hochschule, für<br />
die Veranstaltungsorganisation zum Thema, für die Herausgabe<br />
von Publikationen und für die Vernetzung der verschiedenen<br />
Akteure im Bologna-Prozess. Das sind unter anderem die schon genannten<br />
Bologna-Koordinatoren. Im Kompetenzzentrum sind zudem 21 Beraterinnen<br />
und Berater koordiniert, die an 21 Hochschulstandorten nur für<br />
die Umsetzung des Bologna-Prozesses delegiert sind.
</p>
<p>
<b>anna:</b> Werden die Lehrenden bei der Umsetzung von<br />
Bologna ausreichend unterstützt?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Da gibt es verschiedene Aspekte.<br />
Viele Lehrende fühlen sich mit der zusätzlichen Arbeit,<br />
die auf sie zukommt, ziemlich allein gelassen. Aber es gibt auch<br />
Hochschulen, die sehr aktive Unterstützungsangebote für<br />
ihre Lehrenden institutionalisiert haben, sei es kurzfristig zusätzliches<br />
Personal in den Studierenden- und Prüfungsverwaltungen oder<br />
jene genannten Bologna-Beraterinnen und –Berater,<br />
die den Lehrenden unter die Arme greifen. Die schon genannten Projekte<br />
der Hochschulrektorenkonferenz bieten ebenso ihre Unterstützung<br />
vor Ort an. Aber es bräuchte sicher weitaus mehr Fortbildungsangebote<br />
und strukturelle Maßnahmen und auch zusätzliches Geld.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage vom Nutzer &#8216;frager&#8217;<br />
auf die Frage von Möhnke:
</p>
<p>
<b>frager:</b> Das hört sich alles eher bürokratisch<br />
an, da hat Möhnke schon recht. Was ist der Output?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Der Output sind geschultere Lehrende,<br />
wissendere Curriculumsentwickler, sensibilisierte Hochschulleitungen,<br />
viel mehr Berücksichtigung von didaktischen Fragen in der Curriculumsentwicklung<br />
wie z.B. die sogenannte Kompetenzorientierung, ein viel stärkeres<br />
Interesse an Qualitätsentwicklungsfragen an den Hochschulen<br />
und zum Teil das Angehen von lange anstehenden Problemen.
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> Wie wird eigentlich den Personen<br />
mit Diplom Rechnung getragen? Gibt es hier eine Regelung, die besagt,<br />
dass das Diplom dem Master entspricht (im Ausland wird es nur als<br />
Bachelor anerkannt)?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, es gibt eine Regelung. In<br />
der ländergemeinsamen Strukturvorgaben der Kultusministerkonferenz<br />
gibt es eine klare Aussage zur Gleichwertigkeit der Abschlüsse.<br />
Hier wird allerdings unterschieden nach Diplomabschlüssen an<br />
Fachhochschulen und Universitäten: „Bachelor-Abschlüsse<br />
verleihen grundsätzlich dieselben Berechtigungen wie Diplomabschlüsse<br />
an Fachhochschulen. Masterabschlüsse verleihen dieselben Berechtigungen<br />
wie Diplom- und Magisterabschlüsse an Universitäten und<br />
gleichgestellten Hochschulen.&quot;
</p>
<p>
<b>Boschlektor Mostar:</b> Gibt es speziell zur Kompetenzorientierung<br />
interessante Publikationen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, es gibt einige. Hier verweise<br />
ich auf die Bibliothek der Hochschulrektorenkonferenz, die auch<br />
von Nicht-HRK-Mitgliedern benutzt werden kann. Man kann die Bibliothek<br />
anmailen oder anrufen, die Nummer finden sie unter http://www.hrk.de.
</p>
<p>
<b>Helga Maria Schneide:</b> Wie wird die Initiative<br />
Bologna denn von den Nichtteilnehmenden Ländern bewertet? Gibt<br />
es in anderen Ländern der Welt ähnliche Projekte?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, gibt es. In Lateinamerika<br />
wird der Bologna-Prozess sehr intensiv beobachtet und freundlich-kritisch<br />
begleitet. Auch asiatische Hochschulen stehen in einem intensiven<br />
Austauschprozess. Zudem sind viele ehemalige Sowjetrepubliken in<br />
intensivem Austausch zum Bologna-Prozess, u.a. auch mit der Internationalen<br />
Abteilung der Hochschulrektorenkonferenz.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zum Thema e-Learning im<br />
Bologna-Prozess:
</p>
<p>
<b>tmennig-FU-Berlin:</b> Wie viel e-Learning braucht<br />
Ihrer Ansicht nach Bologna?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Bologna kann e-Learning sehr<br />
gut gebrauchen, meiner Meinung nach. Das Problem ist nur, dass e-Learning<br />
nicht weit genug oben auf der Agenda von Bologna steht. Es gibt<br />
ja viele gemeinsame Berührungspunkte zwischen e-Learning und<br />
den Bologna-Notwendigkeiten.
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> In welchem Zusammenhang stehen e-Learning<br />
und Bologna?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Wie schon gesagt, gemeinsame<br />
Ziele sind die Förderung von Mobilität und Internationalisierung,<br />
die Selbststeuerung des Lernens, die Orientierung an den Kompetenzen,<br />
die die Studierenden erwerben können und das &quot;automatische&quot;<br />
Erwerben von zusätzlichen Kompetenzen von den Studierenden<br />
neben dem eigentlichen Fachwissen. Für beide gemeinsam gilt<br />
die Basis des Paradigmenwechsels &quot;vom teaching zum learning&quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei ähnliche Fragen:
</p>
<p>
<b>StephanMosel:</b> Wo und wie sehen Sie die Rolle von<br />
e-Learning im Bologna-Prozess?
</p>
<p>
<b>veronika:</b> Welche Bedeutung hat nun eigentlich<br />
tatsächlich e-Learning bei &#8216;eBologna&#8217;?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ganz konkret bei der Unterstützung<br />
von Joint-Degrees oder Joint-Programs, d.h. gemeinsame Studiengänge<br />
an Hochschulen verschiedener Nationen,<br />
oder auch bei der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen.
</p>
<p>
<b>Katrin Windolf:</b> Inwieweit wird die Bedeutung und<br />
Rolle von e-Learning bei den Entscheidungsträgern erkannt und<br />
gefördert?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ich glaube, dass die Potentiale<br />
hier noch nicht ausgeschöpft sind. <br />
Die Probleme von Bologna bewegen sich noch so sehr an den Wurzeln,<br />
dass über e-Learning bisher noch nicht viel diskutiert wurde.
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> Mich interessiert, inwieweit Bologna<br />
Dozenten dazu motivieren kann, e-Learning in der Lehre einzusetzen,<br />
und ob es dazu Bestimmungen gibt im Bologna-Verfahren.
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Soweit ich weiß gibt es<br />
keine Bestimmungen. Aber die Motivation kommt vielleicht durch den<br />
erhöhten Druck, der auf Lehrende durch viele zusätzliche<br />
Aufgaben zukommt, indem sie sich z.B. durch e-Teaching Tools bei<br />
den studienbegleitenden Prüfungen Erleichterung verschaffen.
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ein Beispiel wären digitale<br />
Lernertagebücher statt Abschlussprüfungen.
</p>
<p>
<b>Bernhard Hiegl:</b> Wie sehen Sie die Notwendigkeit<br />
und den Einsatzrahmen sogenannter E-Portfolios?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> E-Portfolios als von den Studierenden<br />
selbst gesteuerte Lerninstrumente finde ich ein ausgezeichnetes<br />
Instrument. Es gibt keine Vorgaben und Bestimmungen, da ist der<br />
gestalterische Spielraum der Lehrenden gefragt.
</p>
<p>
<b>Müller:</b> Welche Formen des e-Learning werden<br />
an den Hochschulen, die den Bachelor eingeführt haben, praktiziert?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Dazu gibt es noch keine generelle<br />
Erhebungen oder Untersuchungen. Ich weiß nur von der anderen<br />
Seite, dass es häufig Probleme gibt bei der Akkreditierung<br />
von e-Learning-Modulen. Diese Form des Lernens und Lehrens wird<br />
von den Akkreditierern häufig nur dem Fernstudium oder Weiterbildungsmastern<br />
zugeordnet. In grundständigen Bachelorn führen sie noch<br />
häufig zu Irritationen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage von e-learnerin:
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> Nachfrage: Ist irgendwo festgelegt,<br />
dass die neuen Studiengänge e-Learning Veranstaltungen enthalten<br />
müssen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Nein.
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Vom „teaching zum learning“<br />
heißt mehr Eigenverantwortlichkeit der Lernenden. Wie ist<br />
das mit Verschulungstendenz bei Bologna vereinbar?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Dies ist ein hervorragendes Instrument<br />
gegen die Verschulungstendenz. Dieser sogenannte Paradigmenwechsel<br />
setzt aber auch eine wirkliche Curriculumsveränderung voraus,<br />
eine Bereitschaft der Lehrenden, von der bisher normalen Input-Orientierung<br />
wegzugehen und sich stärker an dem zu orientieren, was als<br />
Kompetenzen bei den Lernern heraus kommen kann. Dies setzt auch<br />
voraus, dass Lehrende neue Lehrformen ausprobieren.
</p>
<p>
<b>Katrin Windolf:</b> Wie hoch ist Ihrer Erfahrung nach<br />
die Akzeptanz dieses Lernmediums bei den Studenten?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Die Akzeptanz der Studierenden<br />
hängt sehr stark von der Vermittlung der Lehrenden ab. Ist<br />
e-Teaching für die Lehrenden selbstverständlich, so akzeptieren<br />
dies auch die Studierenden.
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Bologna ist Mehrarbeit, e-Learning ist<br />
Mehrarbeit. Gibt es ein Anreizsystem, sich da zu engagieren?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Mehr Anreizsysteme wären<br />
sicherlich wünschenswert, in beiderlei Hinsicht. Vor allem<br />
für die Lehrenden. Dies ist vor allen Dingen Hochschulsache.<br />
Einige Hochschulleitungen fördern den Bologna-Prozess sehr<br />
stark an ihrer Hochschule und schaffen z.B. Anreizsysteme, indem<br />
sie die Akkreditierungsprozesse aus zentralen Mitteln bezahlen und<br />
dies nicht den Fachbereichen überlassen. Es gibt auch entsprechende<br />
pekuniäre oder ideelle Anreizsysteme an Hochschulen im Bereich<br />
e-Learning. Aber es ist der Autonomie der einzelnen Hochschule überlassen,<br />
diese beiden Bereiche mit noch mehr Anreizsystemen zu versehen.
</p>
<p>
<b>Katrin Windolf:</b> Womit hat diese Verkennung des<br />
e-Learning-Potenzials denn Ihrer Meinung nach zu tun?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Mit der Gleichzeitigkeit von<br />
unglaublich vielen Prozessen und Herausforderungen, die die Hochschulen<br />
förmlich überrollen. Sie müssen sich mit den Auswirkungen<br />
der Föderalismusreform beschäftigen, mit Globalhaushalten<br />
und Zielvereinbarungen. Gleichzeitig sollen sie die Systeme für<br />
die Auswahl von Studierenden entwickeln. Sie müssen sich mit<br />
der Verwaltung der Studiengebühren beschäftigen und gleichzeitig<br />
ihre gesamten Curricula verändern. Da ist e-Learning eben nur<br />
ein kleiner Bereich von sehr vielen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gibt es gerade im Bereich e-Learning<br />
und Bologna internationale Best-Model Practice-Kooperationen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja. Mir fällt das Kompetenznetz<br />
Skandinavistik ein, das an den Universitäten Basel, Freiburg,<br />
Straßburg und Tübingen angesiedelt ist. Mit ihrem blended<br />
learning-Konzept können sie die kleinen Skandinavistiklehrstühle<br />
an allen Hochschulen erhalten. Es gibt noch weitere Joint-Degree-Programme,<br />
die e-Learning benutzen. Z.B. ein Joint-Degree-Masterstudiengang<br />
an der Fachhochschule Frankfurt. Genaueres finden Sie auf der Internetseite<br />
http://www.fh-frankfurt.de/.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier noch ein Kommentar zum Thema e-Learning:
</p>
<p>
<b>e-teacher:</b> Zur Frage der e-learnerin: Meine Erfahrungen gehen dahin,<br />
dass e-Learning bislang weder in den Hochschulleitungen noch bei<br />
den Lehrenden als wichtiges Element des Selbststudiums erkannt und<br />
begriffen wurde.
</p>
<p>
<b>master:</b> Ist denn e-Learning nicht auch im Weiterbildungsbereich<br />
wirtschaftlich interessant für die Hochschulen? Gibt es Anreize,<br />
sich da zu engagieren (z.B. finanzielle Hilfen, wenn ein e-Learning-Programm<br />
aufgesetzt wird)?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, das ist auch der Bereich,<br />
in denen die Hochschulen e-Learning als neues Potenzial erkennen<br />
werden. Durch die Möglichkeit, auch Weiterbildungsmaster anbieten<br />
zu können, wachsen die Potentiale der wissenschaftlichen Weiterbildung<br />
enorm. Da die Zielgruppen hier fast immer berufstätig sind,<br />
ist e- oder blended-Learning ein notwendiges Instrument. Mir sind<br />
zur Zeit keine Anreize bekannt. Aber ich bin sicher, dass sich hier<br />
Hochschulen einen lukrativen Markt erobern werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es gibt noch eine Nachfrage nach den<br />
Kooperationen im Bereich e-Learning:
</p>
<p>
<b>Boschlektor Mostar:</b> Existieren Kooperationen auch<br />
mit Osteuropa und speziell mit Germanistik-Lehrstühlen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Für konkrete Nachfragen<br />
verweise ich auf die internationale Abteilung der Hochschulrektorenkonferenz,<br />
z.B. Herrn Smolarczyk oder Frau Assenmacher. Die können ganz<br />
konkrete Projekte in diesem Bereich benennen.
</p>
<p>
<b>Ellen Fetzer:</b> Der Prozess führte ja teilweise<br />
zu einer Reduktion von Lehrinhalten. Wäre e-Learning eine Chance,<br />
europäische Kooperationen zu fördern, so dass auch selten<br />
gelehrte Inhalte eine Zukunftschance haben?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Zum Teil. Die Lehrenden spezifischer<br />
Inhalte müssten bereit sein, mit e-Learning und e-Teaching<br />
umzugehen. Grundsätzlich sehe ich aber die großen Chancen<br />
von e-Learning bei der Unterstützung von europäischen<br />
Kooperationen. Welche selten gelehrten Inhalte sind denn gemeint,<br />
Ellen Fetzer?
</p>
<p>
<b>Bernhard Hiegl:</b> Welche konkreten Nachteile haben<br />
Hochschulen langfristig zu erwarten, die sich bewusst gegen e-Learning<br />
entscheiden, weil sie es zwar aus Gründen der Personalknappheit<br />
für nötig aber aus didaktischer Sicht für schlechter<br />
als klassische Lehrformen halten?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ich glaube, dass sie zur Zeit<br />
keine Nachteile haben, dass sie perspektivisch aber gerade im Bereich<br />
der internationalen Kooperationen strukturell schlechter gestellt<br />
sind.
</p>
<p>
<b>schröder: </b>Noch mal zu Forschungs- und Bildungsmarketing:<br />
Wer muss eigentlich für den Bildungsstandort werben: Der Bund,<br />
die Länder oder die Hochschulen selbst?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Durch die zunehmende Autonomie<br />
der Hochschulen ist dies primär Aufgabe der Hochschulen selbst.<br />
Diese stehen ja auch im Wettbewerb miteinander. Für die Präsentation<br />
der deutschen Hochschulen insgesamt sind auch die Länder und<br />
der Bund zuständig. Hier sind natürlich auch Wissenschaftsorganisationen<br />
wie die Hochschulrektorenkonferenz gefragt.
</p>
<p>
<b>trier:</b> Die Engländer, Amerikaner, aber auch<br />
die Australier machen uns vor, wie man Ausländer an Hochschulen<br />
lockt. Dabei vermute ich, dass das oft nicht mit Qualität der<br />
Lehre, sondern mit selbstbewusstem Auftreten der Unis und Marketing<br />
zu tun hat. Machen die Hochschulen hier da alles richtig?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Da würde ich ihre Vermutung<br />
teilen. Zumindest hängt sicherlich einiges auch von den Marketingstrategien<br />
ab. Aber z.B. durch das Gate-Projekt, das bei der Hochschulrektorenkonferenz<br />
und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) angesiedelt<br />
ist, entwickeln die deutschen Hochschulen ja eine Marketingstrategie.<br />
Etwas mehr Bewusstsein für ihre Repräsentation nach außen<br />
täte den deutschen Hochschulen sicherlich ganz gut.
</p>
<p>
<b>veronika:</b> Durch die Modularisierung kommen immer<br />
mehr Prüfungen auf die Lehrenden zu. Sind &#8216;e-Prüfungen&#8217;<br />
nicht auch ein wichtiger Bestandteil? Was sagen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Sie wären sicherlich eine<br />
Entlastung. Darauf bin ich oben bereits zum Teil eingegangen. Die<br />
Möglichkeiten hier sind vielfältig. Hier könnten<br />
digital gestützte Tests geschrieben werden oder studienbegleitend<br />
kleine Prüfungen, z.B. durch Multiple Choice, vereinfacht werden.<br />
Wichtig ist hier die Bereitschaft der Lehrenden, die Prüfungen<br />
wirklich studienbegleitend (!) durchzuführen und nicht ausschließlich<br />
am Ende eines Moduls.
</p>
<p>
<b>anna: </b>Welches Potenzial steckt für die Hochschulen<br />
in Europa als Markt für den Export von &#8216;Bildungsdienstleistungen&#8217;?
</p>
<p>
<b>Geophys:</b> e-Learning war Ihr Schwerpunktthema.<br />
Was mich interessieren würde: Welche Ausmaße hat das<br />
im Hochschulbereich inzwischen angenommen? Ich erinnere mich an<br />
Prognosen, dass der Bereich ein milliardenschwerer Markt (für<br />
die Anbieter) werden sollte. Ist dem so?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> e-Learning ist noch kein milliardenschwerer<br />
Markt geworden. Allerdings beschleunigt der Bologna-Prozess die<br />
Notwendigkeit der hochschulweiten digitalen Vernetzung an der Schnittstelle<br />
von Studierendenverwaltung und Lehre. Ich glaube, dass dies eine<br />
zukunftsträchtige Branche sein könnte. Natürlich<br />
kann Bologna auch den europaweiten Export von Bildungsdienstleistungen<br />
beschleunigen. Dies ist zur Zeit aber noch kein Spielfeld für<br />
die Haupt-Bologna-Akteure, soweit ich weiß.
</p>
<p>
<b>gido: </b>Wie sieht der typische Arbeitstag einer<br />
Bologna-Beraterin aus?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ich bin keine Bologna-Beraterin<br />
im Wortsinne. Der Begriff ist &quot;belegt&quot; mit den schon benannten<br />
21 Delegierten an ausgewählten Modellhochschulen. Wenn Sie<br />
meinen Arbeitstag meinen, besteht er häufig in der Beantwortung<br />
von E-Mails, in der Entwicklung von Evaluationsverfahren, in der<br />
Vorbereitung von Vorträgen und in der Projektierung von Veranstaltungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zur letzten Frage für<br />
unseren heutigen e-teaching.org Live-Chat:
</p>
<p>
<b>haerka:</b> Wo sind eigentlich die Grenzen von e-Learning?<br />
Man kann doch nicht alle Curricula damit abdecken?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Stimmt. Es geht sicherlich grundsätzlich<br />
um die Ergänzung von Curricula mit e-Learning-Modulen. Ich<br />
würde auch eher für blended-Learning, also für eine<br />
Mischung von e-Learning und Präsenzlehre, plädieren. Das<br />
macht zumindest für die meisten deutschen Hochschulen mit einem<br />
hohen Anteil von Präsenzlehre mehr Sinn.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 90 Minuten e-teaching.org<br />
Live-Chat. Unsere Zeit ist um. Vielen Dank für Ihr Interesse<br />
und Dank an Frau Hennecke für den Chat! Das Protokoll des Chats<br />
finden Sie in Kürze auf http://www.e-teaching.org. Unsere Bitte<br />
um Verständnis an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht<br />
berücksichtigen konnten. Unter der URL http://www.e-teaching.org/community<br />
können Sie weiter über dieses Thema diskutieren. Der nächste<br />
e-teaching.org Live-Chat findet am 20. November ab 10.00 Uhr statt.<br />
Dann stellt sich Wolfgang Coy, Professor für Informatik, Ihren<br />
Fragen zum Thema &quot;Open Access und Open Content&quot;. e-teaching.org<br />
wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag!
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ich danke allen Beteiligten für<br />
ihre rege Teilnahme und für die interessanten Fragen. Mir hat<br />
es sehr viel Spaß gemacht und Sie haben mich ganz schön<br />
auf Trab gebracht. Falls Sie noch weitere Fragen haben, können<br />
Sie sich auch gerne unter meiner E-Mail-Adresse hennecke@hrk.de<br />
an mich wenden. Ich danke für die Einladung zum Chat und für<br />
die gute Moderation und wünsche noch einen schönen Tag.
</p>
<p class="normal">
</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Keine Eliteunis in Ostdeutschland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Exzellenzinitiative]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschen Forschungsgemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst-Ludwig Winnacker]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Montag, 16. Oktober, war Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern über die Exzellenzinitiative für deutsche Hochschulen.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag, 16. Oktober, war Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern über die Exzellenzinitiative für deutsche Hochschulen.<br />
<!--break--></p>
<p>
Herzlich willkommen zu 60 Minuten tagesschau-Chat. Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist heute Ernst-Ludwig Winnacker. Er ist Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).<br />
Sein Name steht &#8211; wie der seiner Organisation &#8211; für den Elitewettbewerb, der zwei Hochschulen in München und einer in Karlsruhe jüngst Fördermittel in Millionenhöhe eingebracht hat. Mit am Tisch sitzt auch der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider. Herr Winnacker, können wir beginnen?
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>coulomb:</b> Warum waren an der Entscheidung zur Exzellenzinitiative 90 Prozent ausländische Wissenschaftler beteiligt? Hätten nicht viel mehr deutsche Wissenschaftler, die die beengten Möglichkeiten deutscher Universitäten kennen, stärker in die Begutachtung eingebunden werden müssen? Amerikanische Verhältnisse können aufgrund der vorgegebenen deutschen Rahmenbedingungen doch gar nicht erreicht werden!
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es waren 60 Prozent Europäer, 30 Prozent aus Übersee und zehn Prozent Deutsche. Hätten wir mehr Deutsche verwendet, wären diese befangen gewesen &#8211;<br />
sie hätten über sich selbst entscheiden müssen. Das halte ich für undenkbar. Außerdem ging es nicht über beengte Verhältnisse, sondern um wissenschaftliche Qualität.
</p>
<p>
<b>carell:</b> Ich habe Herrn Winnacker in der Tagesschau gesehen, wo er sehr dafür angegriffen wurde, dass die Preise nur nach Süddeutschland gegangen sind. Ich fand, dass Herr<br />
Winnacker zu weich und ausweichend geantwortet hat. Er hätte mehr die Kompetenz der internationalen Gutachter mit Ihrer Fachkompetenz in die Waagschale legen sollen und ganz klar zum Ausdruck bringen sollen: Wer Spitzenleistungsuniversitäten will, der darf nicht nach dem Proporz gehen.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Einverstanden.
</p>
<p>
BrainDrain2007: Ich gehe, wie viele meiner Kollegen, ins Ausland. Dort rekrutieren Top-Universitäten auf Lebenszeit, während hier mittelmäßige Universitäten mit Zweijahresverträgen locken. Wann stellen sich die deutschen Universitäten dem globalen Wettkampf und führen ein Research Assessment Exercise (RAE) ein wie in Großbritannien? Hier freuen sich Universitäten, wenn Professuren für einige Jahre unbesetzt bleiben &#8211; das würde in Großbritannien sofort mit Ranking-Verlust bestraft.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Exzellenzinitiative ist die RAE, von der Sie sprechen. Außerdem gibt es seit Jahren ein Förderranking der DFG, das die Qualitätsunterschiede der deutschen Universitäten seit langem dokumentiert.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Herr Winnacker, Sie haben Aachen, Heidelberg und Freiburg gute Chancen für die zweite Runde der Exzellenzinitiative eingeräumt. Aber auch andere Universitäten, etwa in Berlin, machen sich große Hoffnungen. Wollen Sie eine Art Nervenkrieg entfachen oder sind solche Aussagen bereits eine Vorankündigung?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich habe nur gesagt, dass sie automatisch in die zweite Runde kommen. Das sieht der Wettbewerb so vor.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Diese Universitäten können, wenn sie wollen, mit ihren Anträgen dabei sein. Das wird dann sicher nicht zu einem Nervenkrieg führen, aber doch zu einer Schärfung des Wettbewerbs. Und das ist gewollt mit der Exzellenzinitiative.
</p>
<p>
<b>bvogler:</b> Ich bin selbst Professor an einer amerikanischen Universität und würde über alles dem deutschen System den Vorzug geben. Der ständige Zwang &quot;Geld zu jagen&quot; führt sicherlich zu extremen Verzerrungen. Die Ausbildung in Deutschland war zu meiner Zeit sehr viel besser als das, was amerikanische Universitäten heute leisten. Ein Problem: Massen-Uni, hier viel mehr als in Deutschland. Ich bin seit fünf Jahren hier.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es gibt in Amerika eine viel größere Differenzierung der Universitäten. Es gibt ca. 4500 Universitäten und darunter etwa 100 Forschungsuniversitäten, während es in Europa 2500 Universitäten gibt, die alle den Anspruch erheben, Spitzenuniversitäten zu sein. Das führt notwendigerweise zu einer Verwässerung der Ressourcen.
</p>
<p>
<b>albrecht möller:</b> Peinlich, peinlich; seit 1984 ist Prof. Winnacker mit München innig verbunden, jetzt sorgt er mit Forschungsmillionen für seine bayrische Kamarilla.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Völlig abwegig. Der Präsident der DFG hat in keinem Förderverfahren eine Stimme, auch in diesem nicht. Außerdem haben DFG und Wissenschaftsvorsitzende extrem strikte Befangenheitsregeln in allen Stufen des Verfahrens. Und so haben Prof. Strohschneider und ich an keinen Beratungen über München teilgenommen.
</p>
<p>
<b>Dr. Schorsch:</b> Wie kann man den politischen Druck in weiteren Runden, doch noch die &quot;Gießkanne&quot; zu zücken, abwehren? Kann es auch eine Runde (bei den &quot;Eliteunis&quot;) ohne Sieger geben?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es kann in einem solchen Wettbewerb natürlich nicht ohne &quot;Sieger&quot; und &quot;Verlierer&quot; abgehen. Die Politik hat sich auf ein strikt wissenschaftsgeleitetes Verfahren festgelegt und genau so haben wir es auch durchgeführt.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Das wird auch so bleiben.
</p>
<p>
<b>cycologist: </b>Wann wird es in Deutschland endlich Auswahlverfahren für Studierende geben? &quot;Eliteuniversitäten&quot; wie Harvard, Yale oder Princeton sichern ihren Bestand vor allem aus der Rekrutierung der besten Bewerber die über den S.A.T. und andere Eingangstests ausgewählt werden. Diese Auswahl soll dem Ideal einer Meritokratie dienen, in der die Bildungselite nicht nach Abstammung, Staatsangehörigkeit, oder Wohlstand ausgewählt wird, sondern nach Eignung.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Gibt es längst. Es gibt zahllose Bachelor &#8211; und Masterstudiengänge, in denen Studierende im Wettbewerb ausgewählt werden.
</p>
<p>
<b>markus76: </b>Kann es sein, dass abgesehen von finanziellen und politischen Problemen in Deutschland vor allem auch ein kulturelles Problem dafür sorgt, dass die deutsche Forschung international nicht anschlussfähig ist? Ich war einige Jahre Teil des deutschen Systems und beobachte es jetzt aus Nordamerika. Im Vergleich hat man das Gefühl, dass das mittelalterliche Ständesystem sich in die Universitäten zurückgezogen hat.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die deutsche Forschung ist durchaus anschlussfähig, in vieler Hinsicht. In diesen Bereichen sind die auch die Hierarchien längst abgeschafft.
</p>
<p>
<b>elitestudent:</b> Warum gibt es kein Geld für &quot;arme Unis&quot;? Die brauchen es doch am meisten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Entscheidung wurde nicht nach Armut und Reichtum der Universitäten getroffen, sondern nach der wissenschaftlichen Qualität ihrer Anträge. Es zahlt sich eben jetzt aus, wenn man über Jahrzehnte hinweg in die Forschung in den Universitäten investiert hat.
</p>
<p>
<b>moechtegernphd:</b> Heißt Förderung der Spitzenuniversitäten gleichzeitig Vernachlässigung der anderen Universitäten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Nein, überhaupt nicht. Ich habe immer das Bild einer Pyramide im Blick, mit einer breiten soliden Basis, aber mit einer Spitze. Die Spitze haben wir in der Vergangenheit vernachlässigt.
</p>
<p>
<b>unitrier:</b> Wie sehen die Konzepte aus, damit in Zukunft kleinere und abgelegenere Universitäten nicht zu reinen Ausbildungsstätten verkommen, sondern auch dort weiterhin qualitative Forschung betrieben werden kann?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Exzellenzinitiative ist ein Instrument, ein ganz bestimmtes Problem zu bearbeiten: Das Fehlen der Spitzen.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Die Initiative ist kein Instrument zur Lösung aller und jeder Probleme im deutschen Wissenschaftssystem, insbesondere nicht der Unterfinanzierung.
</p>
<p>
<b>ExInt_Fan:</b> Herr Prof. Winnacker, warum versuchen<br />
wir in Deutschland, die amerikanischen Universitäten wie Stanford,<br />
Harvard oder das MIT krampfhaft zu kopieren? Haben wir nicht andere<br />
Stärken, die wir umsetzen sollten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Tun wir das wirklich? Es gibt viele Wege<br />
nach Rom. Und diese haben wir im Laufe der ersten Runde auch kennen<br />
gelernt.
</p>
<p>
<b>Björn:</b> In Deutschland fehlt es nicht an guten<br />
Ideen oder qualifizierten Akademikern. Eine Möglichkeit, mehr<br />
Forschungsgelder zu erhalten, sehe ich in der stärkeren Zusammenarbeit<br />
zwischen Hochschulen und der Industrie und die dadurch beschleunigte<br />
Entwicklung marktreifer Produkte. Welche Möglichkeiten sehen<br />
sie diese Zusammenarbeit auszubauen? Was muss die Politik der Länder<br />
und des Bundes tun?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das Ergebnis zeigt genau, dass mit sehr<br />
unterschiedlichen Modellen &#8211; durchaus nicht nur mit solchen, die<br />
sich an wenigen amerikanischen Universitäten orientieren &#8211;<br />
in der Exzellenzinitiative erfolgreich sein kann. Auch das war oder<br />
ist in der Exzellenzinitiative vorgesehen. Dafür gibt es gute<br />
Beispiele.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Vor allem auf der Ebene der Cluster.
</p>
<p>
<b>thomas1962: </b>Lieber Herr Winnacker, was mich an<br />
Deutschland immer so irritiert, ist diese Fixierung auf bestimmte<br />
Lebensplanungen. Man muss bis 35 angekommen sein, sonst wird es<br />
schwierig. Ich bin gerade dabei, aus den USA zurückzukehren.<br />
Dort habe ich eher das Gefühl, es kommt darauf an &quot;can<br />
he/she do the job?&quot; Und nicht &quot;ist der/die nicht schon<br />
über 40?&quot;
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich denke, dass der Reichseinheitsbrei<br />
des deutschen Hochschulsystems längst passé ist und<br />
auch vielleicht auch so nie existiert hat. Inzwischen sind Altersgrenzen<br />
weithin abgeschafft.
</p>
<p>
<b>Webmaster5:</b> Darf es sich Deutschland denn erlauben,<br />
keine Elite-Universität in der Hauptstadt zu bieten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Natürlich darf es das.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Deutschland ist aus vielen Gründen ein<br />
föderaler, dezentraler Staat und es steht viel kultureller<br />
und intellektueller Reichtum darin, dass es so ist.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Außerdem haben die<br />
Berliner Unis noch eine zweite Chance.
</p>
<p>
<b>PP: </b>Bringt die Exzellenzinitiative denn überhaupt<br />
so viel Geld pro Universität? Die Ludwig-Maximilians-Universität<br />
München zum Beispiel erhält doch gerade mal zehn Prozent<br />
ihres bisherigen Budgets extra?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> 15 Prozent, wie ich gehört habe und<br />
das ist natürlich schon ein beachtlicher Freiraum.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Es gibt ein hartes sachliches Argument: Man<br />
muss die Mittel aus der Exzellenzinitiative nicht nur zu den Gesamtetats<br />
in ein Verhältnis setzen, sondern zu dem, worüber die<br />
Uni frei disponieren kann. Und diese Beträge in den Haushalten<br />
werden durch die Exzellenzinitiative dramatisch gesteigert
</p>
<p>
<b>Kai Jennrich: </b>Fakultäten an Hochschulen ohne<br />
das &quot;Elite&quot;-Prädikat, die aber über anerkannt<br />
hervorragende Lehrreputation verfügen und deren Absolventen<br />
sollten nicht Opfer eines undifferenzierenden Etiketten-Wettbewerbs<br />
in der Öffentlichkeit werden &#8211; nach dem Motto: &quot;Elite&quot;-Kleider<br />
machen Leute. Ist diese Besorgnis begründet? Auf welche Weise<br />
wirkt die Deutsche Forschungsgemeinschaft einer solchen verallgemeinernden<br />
und fatalen Fehlentwicklung entgegen?
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Durch Differenzierung in der Exzellenzinitiative.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Außerdem wird dieses Label nicht<br />
auf Ewigkeit verliehen, sondern muss sich immer wieder neu erarbeitet<br />
werden. Aber eines ist auch klar: Es wird in Deutschland Universitäten<br />
mit eher regionaler Bedeutung geben oder mit internationaler Bedeutung.<br />
Daran werden wir uns gewöhnen müssen.
</p>
<p>
<b>a-j-k85:</b> Herr Winnacker, auf welche Art können<br />
sich Universitäten beim Ranking der Exzellenzinitiative hervortun?<br />
Auch durch bessere Bedingungen in der Lehre oder nur durch Programme<br />
für die Forschung?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Zukunftsperspektiven beziehen sich<br />
im Wesentlichen auf die Forschung, aber gute Forschung ist in der<br />
Regel von guter Lehre nicht zu trennen. Deswegen wird am Ende auch<br />
die Lehre von diesen Entscheidungen profitieren.
</p>
<p>
<b>Phelps:</b> Wie kommt es zu dieser Konzentration von<br />
Eliteuniversitäten ausschließlich im Süden der Bundesrepublik<br />
Deutschland?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weil man Jahrzehntelang in die Forschung<br />
und die Hochschulen insgesamt investiert hat. Und weil dies auch<br />
zu einer Ansammlung von außeruniversitärer Forschung<br />
geführt hat.
</p>
<p>
<b>biologisch: </b>Müsste der Bundesetat für<br />
Bildung und Forschung nicht der allergrößte Etatposten<br />
eines Landes sein, das angeblich die Ressource &quot;Wissen&quot;<br />
stärken möchte?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Natürlich.
</p>
<p>
<b>Merlin:</b> Soll sich die Politik wirklich in die<br />
Entscheidung dieser Initiative einmischen dürfen?
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Die Politik hat sich auf ein strikt wissenschaftsgeleitetes<br />
Gefahren festgelegt. Dafür sind wir sehr dankbar. Und sie hat<br />
sich auch an diese Festlegung gehalten
</p>
<p>
<b>ziggeding:</b> Wie vertragen sich Forschungsqualität<br />
und Studiengebühren, die nicht an die Universitäten gehen?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Überhaupt nicht. Ich bin immer davon<br />
ausgegangen, dass Studiengebühren an die Universitäten<br />
gehören.
</p>
<p>
<b>ringo star:</b> Wenn man Eliteuniversitäten in<br />
anderen Ländern betrachtet, findet man sowohl in den Ländern,<br />
als auch bei den Universitäten eine &quot;Kultur&quot; der<br />
Eliteuniversitäten. Glauben sie, dass &quot;künstlich&quot;<br />
benannte Eliteuniversitäten, wie im Rahmen der Exzellenzinitiative,<br />
wirklich einen vergleichbaren Status sowohl national als auch international<br />
erlangen können? Wenn ja, in welchem Zeitraum?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Ernennung einiger der Unis zu Spitzen-Universitäten<br />
ist erst der Anfang. Die entsprechenden Kulturen müssen sich<br />
erst noch entwickeln. Hoffen wir, dass in zehn Jahren die erste<br />
der geförderten Unis in den internationalen Ranglisten ganz<br />
vorne auftauchen.
</p>
<p>
<b>seltmann:</b> Bundesministerin Schavan hatte im Bewilligungsausschuss<br />
ja die Zustimmung der Politik an die Bedingung geknüpft, in<br />
der zweiten Runde das Verfahren abzuändern, damit die Politiker<br />
mehr Einfluss auf die Entscheidungen nehmen können. Wie wollen<br />
sie diesmal verhindern, dass sich die Wissenschaft dem Druck der<br />
Politik beugt?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weder hat sich die Wissenschaft der Politik<br />
noch hat sich die Politik der Wissenschaft gebeugt, sondern beide<br />
der Sache, nämlich der wissenschaftlichen Exzellenz. Ich bin<br />
überzeugt, dass sich daran nichts ändern wird. Was nicht<br />
heißt, dass die Politik noch frühzeitiger informiert<br />
wird. Es war ja das erste Mal, dass wir so was deutschlandweit gemacht<br />
haben. Wir haben bei dem Verfahren viel gelernt und wir werden das<br />
sicher in Einzelheiten optimieren.
</p>
<p>
<b>Trude: </b>Im Ausland (USA) ist die Spitze der deutschen<br />
Forschung meist als Max-Planck-Institut bekannt. Wäre es nicht<br />
von Vorteil, diese im Ausland bekannte Spitze so zu fördern,<br />
dass auch Topwissenschaftler aus den USA nach Deutschland gehen<br />
würden? Das ist das wahre Geheimnis der Elite-Unis in den USA:<br />
Es werden oftmals sehr gute Professoren weltweit abgeworben.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das ist ja das Problem. In der Max-Planck-Gesellschaft<br />
ist der Anteil ausländischer Wissenschaftler sehr viel höher<br />
als bei den Universitäten. Genau das sollte die Exzellenzinitiative<br />
verbessern. Und verbessert es hoffentlich auch.
</p>
<p>
<b>kajac: </b>Ich bin Professorin an einer kleineren<br />
Universität. Für mich scheint sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft<br />
der Universitäten anzubahnen: Die großen machen die Forschung,<br />
die kleinen die Lehre.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das ist nicht meine Beobachtung. Wir haben<br />
auch Cluster an kleineren Universitäten eingerichtet. Aber<br />
natürlich bedarf es in vielen Fällen für Spitzenforschung<br />
auch der kritischen Masse.
</p>
<p>
<b>sophie:</b> Das einzige Kriterium bei dem Verfahren<br />
soll doch &quot;wissenschaftliche Exzellenz&quot; sein. Kann ein<br />
in der ersten Runde abgelehnter Antrag, der automatisch in die zweite<br />
Runde geht, dann überhaupt in der zweiten Runde genehmigt werden?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Wir reden hier von einem sehr hohen Niveau.<br />
Es ist durchaus denkbar, dass die antragstellenden Wissenschaftler<br />
ihre Anträge dann auch noch modifizieren. Im Januar wird ja<br />
nur über Antragsskizzen entschieden, über Anträge<br />
erst in einem Jahr.
</p>
<p>
<b>TA:</b> Sie haben gesagt, der Titel der Exzellenzinitiative<br />
kann einer Hochschule auch verlustig gehen. Für wie lange wird<br />
er verliehen?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Förderdauer ist zunächst<br />
auf fünf Jahre festgelegt. Die Bundesministerin Frau Annette<br />
Schavan hat angekündigt, den Wettbewerb verstetigen zu wollen.<br />
Schon aus diesem Grund, also der Möglichkeit, auch anderen<br />
eine neue Chance zu geben, begrüße ich das sehr.
</p>
<p>
<b>pi-nutzz:</b> Sie waren ja bereits selbst als Forscher<br />
in Amerika. Gibt es etwas, dass sie an den Unis dort besonders beeindruckt<br />
hat, das Sie sich auch für unsere Unis wünschen würden?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Was mich dort vor allem beeindruckt ist<br />
die frühe Selbständigkeit der jungen Wissenschaftler,<br />
die ganz selbstverständlich auf Augenhöhe respektiert<br />
werden. Das habe ich versucht, in meiner Arbeit bei der Deutschen<br />
Forschungsgemeinschaft möglich zu machen.
</p>
<p>
<b>tecker: </b>Spitzenforschung sollte dort gefördert<br />
werden, wo sie ist. Aber wenigstens eine Uni im Osten und im Norden<br />
sollte doch zumindest dahingehend gefördert werden, Spitzenforschung<br />
leisten zu können &#8211; oder?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das war aber nicht die Aufgabe des Exzellenzwettbewerbs.<br />
Die Voraussetzungen für Exzellenz müssen die Länder<br />
schaffen, die ausschließlich für die Hochschulen zuständig<br />
sind. Die Hochschulen in Ostdeutschland hatten bisher nur wenig<br />
Zeit, sich zu entwickeln. Dennoch gibt es wunderbare Beispiele für<br />
Spitzenforschung in Ostdeutschland, denken sie nur an Dresden oder<br />
denken sie nur an die wunderbaren Max-Planck-Institute in Ostdeutschland.<br />
40 Jahre Misswirtschaft sind eben nicht von heute auf morgen zu<br />
beseitigen.
</p>
<p>
<b>Titanmond:</b> Im Tagesspiegel werden Sie zitiert<br />
mit den Worten: &quot;Es waren nicht mehr gute Anträge da&quot;.<br />
Ist es dann realistisch, dass in der zweiten Phase mehr als drei<br />
weitere Universitäten Exzellenzzentren werden und wenn ja,<br />
was stimmt Sie so optimistisch?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Neues Spiel, neues Glück. Und außerdem<br />
werden alle Beteiligten ihre Anträge noch einmal anschauen<br />
und gegebenenfalls überarbeiten. Dazu ist auch noch genügend<br />
Zeit.
</p>
<p>
<b>pede:</b> Warum werden ganze Universitäten gefördert.<br />
Wäre es nicht sinnvoller, einzelne Teilgebiete hervorzuheben,<br />
die wirklich auch international mithalten können?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es geschieht beides. Bei den Hochschulen<br />
und den Exzellenzclustern werden nur bestimmte Fachgebiete gefördert.<br />
Auch die Mittel der dritten Säule werden nicht nach dem Gießkannenprinzip<br />
verteilt werden, sondern auf bestimmte Gebiete der Universitäten.
</p>
<p>
<b>Evam:</b> Was ich sehr bedenklich an dem ganzen Verfahren<br />
finde ist, dass es ein so deutliches Übergewicht an naturwissenschaftlichen<br />
und technischen Anträgen, die gefördert wurden, gibt.<br />
Wenn ich das richtig sehe, gibt es lediglich eins von 18 Exzellenzclustern<br />
aus den Geisteswissenschaften. Ich glaube nicht, dass die naturwissenschaftlichen<br />
Anträge einfach besser waren und ich finde eine solche Förderpolitik<br />
skandalös. Wie können Sie das ändern?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich denke, dass auf die Dauer sich der<br />
Anteil der Geisteswissenschaften erhöhen wird. An sich sind<br />
Exzellenzcluster auch ideale Instrumente für die Geisteswissenschaften,<br />
wenn sie denn richtig verstanden würden, das heißt als<br />
ein großes Dach unter dem Vieles Platz hat. Auf jeden Fall<br />
hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft viele andere Förderinstrumente,<br />
die auf die Bedürfnisse der Geisteswissenschaften vielleicht<br />
besser zugeschnitten sind. Bei den Graduiertenschulen übrigens<br />
ist die Lage schon sehr viel besser: Bei den Anträgen waren<br />
es noch 27 Prozent, was höher ist als der übliche Anteil<br />
der Geisteswissenschaften an der Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft.<br />
Wir werden unser bestes tun, die Gutachtergruppen noch besser auf<br />
die kulturellen Unterschiede der verschiedenen Fächer einzustimmen.
</p>
<p>
<b>Sarah:</b> Wieso gibt es keine bessere Förderung<br />
hochbegabter Studenten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Eine gute Frage. Seit Mitte ca. 1850 gibt<br />
es in Bayern die Einrichtung des Maximilianeums, in dem Personen<br />
mit einem Einser-Abitur, was aber nicht einmal ausreicht, aufgenommen<br />
werden. Die bayerische Staatsregierung hat schon 2002 mit dem Ausbau<br />
sogenannter Elitenetzwerke begonnen &#8211; auch hier geht es um nichts<br />
anderes als die Förderung besonders begabter Studierender.<br />
Außerdem gibt es die Studienstiftung des Deutschen Volkes<br />
und die Begabtenförderung, die das, was sie gefordert haben,<br />
ebenfalls leisten. Es ist eindrücklich, wie oft die Leibnitz-Preisträger<br />
der Deutschen Forschungsgemeinschaft auch Studienstifter waren.<br />
Auch die auskömmliche Finanzierung der Begabtenförderung,<br />
insbesondere der Studienstiftung, sollte auf Dauer gesichert werden.
</p>
<p>
<b>MKno:</b> Was kann ich als Student an der Ludwig-Maximilians-Universität<br />
(Diplom-Geographie) nun konkret von der Ernennung meiner Universität<br />
zur Elite-Universität erwarten? Wird sich die Förderung<br />
überhaupt in den Studienbedingungen bemerkbar machen?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich hoffe es, weiß allerdings nichts<br />
über die Einzelheiten, die die Universität nun zu fördern<br />
beabsichtigt. Vielleicht entwickeln sie selbst ein paar Vorschläge<br />
aus bester Kenntnis vor Ort, die sie dem Rektorat übermitteln.<br />
Das wäre doch ein guter Aufhänger. Als Rektor würde<br />
ich mich über so was freuen.
</p>
<p>
<b>Schwertsik:</b> Herr Prof. Winnacker, mir ist nicht<br />
ganz klar, was denn nun das Ergebnis des Auswahlverfahrens ist.<br />
Haben wir nun tatsächlich &quot;Elite-Universitäten&quot;<br />
oder nicht doch eher &quot;Elitestrukturen&quot; bzw. &quot;Elite-Institute&quot;?<br />
Gibt es ein Gesetz, eine Vereinbarung, ab wann sich eine Universität<br />
offiziell Elite-Universität nennen darf?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Nein, das wird eine Abstimmung mit den<br />
Füßen klären. Es wird am Ende darauf ankommen, wie<br />
weit die nun geförderten Universitäten international sichtbar<br />
werden und wie weit es ihnen gelingt, die besten Studierenden und<br />
Lehrenden anzuziehen.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Das waren 60 Minuten tagesschau.de-Chat. Wir bedanken<br />
uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um Verständnis<br />
an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht berücksichtigen<br />
konnten. Unser besonderer Dank gilt Herrn Winnacker und Herrn Strohschneider,<br />
dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. Der nächste<br />
Chat findet am kommenden Mittwoch, den 18. Oktober, mit der CDU-Bundestagsabgeordneten<br />
Anette Widmann-Mauz statt. Los geht’s um dreizehn Uhr. Das<br />
letzte Wort gehört Ihnen, Herr Winnacker.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich bedanke mich für diese interessanten<br />
Fragen. Es war eine spannende Zeit, die wir hinter uns haben. Ich<br />
drücke die Daumen für alle Beteiligten und für das<br />
System, dass es wirklich besser wird.</p>
]]></content:encoded>
					
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