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	<title>Holocaust-Mahnmal &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Holocaust-Mahnmal &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Ich mache es den Deutschen eben einfach nicht leicht genug.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Sep 2001 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
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		<category><![CDATA[Holocaust-Mahnmal]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chat mit Lea Rosh, 
Publizistin und Vorsitzende des &#34;Förderkreises zur Errichtung eines Denkmals für die ermordeteten Juden Europas&#34;</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chat mit Lea Rosh,<br />
Publizistin und Vorsitzende des &quot;Förderkreises zur Errichtung eines Denkmals für die ermordeteten Juden Europas&quot;</b></span><!--break--> </p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/lrosh_transcript.jpg" alt="Lea Rosh" align="left" height="134" width="112" /><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen im Chat von politik-digital.de und stern.de. Unser<br />
heutiger Gast: Lea Rosh, Publizistin und Initiatorin des<br />
Holocaust-Mahnmals in Berlin. Herzlich willkommen, liebe Chatter und<br />
Chatterinnen. Herzlich willkommen auch an Sie, Frau Rosh.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b> Ja, ich freue mich, dass ich hier bin. Ich bin sehr gespannt auf die Fragen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Wir steigen gleich ein in die ersten Fragen:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Peter:</b> Was wollten Sie mit dem Plakat erreichen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Zweierlei: Wir wollen und wollten damit Menschen erreichen, die sich<br />
bisher überhaupt nicht für das Denkmal interessiert hatten, also die<br />
sozusagen abseits gestanden hatten. Das ist uns ja gelungen. Bei aller<br />
Kritik, die wir für das Plakat bekommen haben, ist die Zustimmung<br />
natürlich nicht veröffentlicht worden, weil die öffentliche Meinung<br />
etwas anderes ist als die veröffentlichte Meinung. Die jungen Benutzer<br />
von Internet (bis 40-45 Jahre) haben uns zu zwei Dritteln zugestimmt.<br />
Also man kann ein solches Anliegen auf diese Weise unter die Leute<br />
bringen. Im übrigen haben wir unendlich viele zustimmende E-mails<br />
bekommen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Woher stammen diese Zahlen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Der Tagesspiegel hat zwei Internet-Umfragen gemacht. Und wir haben über<br />
unsere E-mail-Adresse sehr viele E-mails bekommen mit Zustimmung, also<br />
wirklicher Zustimmung zu dieser Plakataktion, dieser Provokation. Wir<br />
haben auch sehr viel Zustimmung von Jüdinnen und Juden bekommen, die<br />
uns versichert haben, dass sie das Plakat in keiner Sekunde<br />
missverstanden haben, und das waren Leute, die Anghörige in Auschwitz<br />
verloren haben.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Maja:</b> Waren sie von dem Plakat nicht mehr überzeugt, oder warum wurde es zurückgezogen? Ich fand es richtig gut!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Wir haben es zurückgezogen erstens mal, weil Paul Spiegel, der<br />
Vorsitzende des Zentralrats der Juden, uns darum gebeten hatte. Und es<br />
fällt mir sehr schwer, mich den Wünschen von Paul Spiegel zu entziehen.<br />
Und ich habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass es offensichtlich Juden<br />
gab, die den Inhalt des Plakates missverstanden haben, und das haben<br />
wir zwar nicht geteilt, aber akzeptiert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Peter:</b> Sind die Spendengelder mehr geworden nach der umstrittenen Plakataktion?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Ja, sehr viel mehr. Wir hatten vorher einen sehr ruhigen, gemässigten<br />
Geldfluss. Mit der Plakataktion ist das sprunghaft angestiegen bis zu<br />
dem Moment, als wir das Plakat am Pariser Platz haben abnehmen müssen.<br />
Die Leute haben das auch missverstanden, sie haben gedacht, dass mit<br />
der Abnahme unsere Werbeaktion beendet sei. Wir haben aber dann ein<br />
neues Plakat aufgehängt, was aber viel ruhiger ist. Die Spendenaktion,<br />
auch die Telefonaktion laufen aber immer noch, und da kommt auch immer<br />
noch Geld.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gagarin:</b> Wie viele Spenden haben Sie schon gesammelt und wieviel davon über das Internet?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Kann ich im Moment noch nicht genau sagen, weil wir die Abrechnung der<br />
Kosten erst Ende November bekommen. Ich kann es nur über den Daumen<br />
gepeilt sagen, da haben wir etwa 100-120.000 DM bekommen. Die Aktion<br />
läuft aber noch weiter. Auch über das Internet:<br />
www.holocaust-denkmal-berlin.de kommen jeden Tag Spenden herein, da ist<br />
auf der letzten Seite angezeigt, wie man das macht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Noch einmal zurück zum Plakat:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nicky:</b> Worin bestand ihrer Meinung nach das Missverständnis der öffentlichen Meinung?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Einer, der uns angezeigt hat, hat uns die Leugnung des Holocaust<br />
unterstellt. Und ich habe damals nicht gesagt, das sei lächerlich, dass<br />
dieser Mann uns anzeigt, sondern es sei lächerlich, uns die Leugnung<br />
des Holocaust oder der Ermordung der Juden zu unterstellen. Also das<br />
ist absurd. Das war das grundlegendste Missverständnis. Wir haben es<br />
aber als Zitat auf das Plakat genommen, also in Anführungsstriche<br />
gesetzt. Dann aber ging der Text weiter und wer diesen Text nicht<br />
weiter gelesen hat, hat eben nur einen Teil des Plakattextes gelesen,<br />
denn in dem weitergehenden Text haben wir ja ausdrücklich gesagt, dass<br />
man, weil die Leugnung des Holocaust weitergehen könnte, für das<br />
Denkmal für die ermordeten Juden Europas Geld spenden soll. Damit war<br />
unsere Position völlig klar beschrieben, man muss eben nur lesen. Wir<br />
haben sicher einen Fehler gemacht: Wir haben das Zitat zu gross<br />
geschrieben und den Text darunter zu klein.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>micha:</b> Glauben sie, dass auch sie Fehler in der Plakatdiskussion gemacht haben?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b> Was meinen Sie damit konkret?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JeanPierreHintze:</b>Ja<br />
zur Provokation, nein zur Art der Plakatierung: In einem derart breiten<br />
Rahmen war sie meines Erachtens umstritten; denn leider weiss ein<br />
Grossteil der Bevölkerung (besonders junge) wenig bis gar nichts über<br />
den Holocaust.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Ja, eben. Aber das war ja das Interessante an den Reaktionen, dass wir<br />
auf das Plakat hin Einladungen von Lehrern und von Schülern noch und<br />
nöcher bekommen haben, die nach dem Plakat über das Thema Holocaust<br />
diskutiert haben. Ein Beispiel: Eine Schulklasse &#8211; da haben 27 Schüler<br />
gesagt, wieso, der Holocaust hat doch stattgefunden. Drei haben gesagt,<br />
nein, da sieht man´s doch, der Holocaust hat nicht stattgefunden. Die<br />
haben also das Zitat wörtlich genommen. Und da haben so lange die 27<br />
gegen die drei diskutiert, bis sie Klarheit darüber hatten, wo, wie und<br />
wann und in welchem Ausmass der Holocaust stattgefunden hatte.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernd:</b> Werden Sie in Zukunft wieder auf das Mittel der Provokation setzen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Tja, das kann ich nicht jetzt entscheiden. Wir haben einen Vorstand,<br />
das sind sieben Leute. Wir werden jetzt etwas Ruhe einkehren lassen.<br />
Wir werden weiter plakatieren und für das Denkmal werben, auch<br />
Spendengelder einwerben, aber sicher nicht mehr mit einer so<br />
ausgeprägten Provokation.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dr_jekyll:</b><br />
was haben sie sich von den Gratispostkarten für die Szene-Gastronomie<br />
versprochen, auf denen das Plakat teilweise abgebildet war?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Na ja, das gleiche wie von dem Plakat. Man musste ja nur die Karte<br />
umdrehen, da stand ja alles drauf, worauf es uns ankam. Also die<br />
Telefonnummer, das Spendenkonto und, und, und.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bogus:</b> Was sagen sie den Menschen, die das Plakat einfach geschmacklos und beleidigend fanden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Ich habe versucht, vielen zu antworten und mich auseinanderzusetzen mit<br />
ihrer Meinung und ihnen das Plakat zu erklären. Wir haben versucht,<br />
ihnen zu erklären, dass diese Landschaft die Sehnsucht nach Harmonie<br />
und &quot;es sei ja alles nicht so schlimm gewesen&quot; in unserer Geschichte<br />
ausdrücken sollte, also als sei nichts geschehen in unserer Geschichte,<br />
heile Welt &#8230; Aber es war eben so nicht, und deswegen war dieser<br />
Hammer, den Holocaust hat es nicht gegeben, als Zitat in diese<br />
Landschaft gesetzt. Das haben viele verstanden und manche nicht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bogus:</b> Warum Berge und Seen &#8211; was hat die Landschaft mit dem Vergessen zu tun?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Na, das sollte heile Welt ausdrücken. Wir hätten auch etwas anderes<br />
nehmen können. Das drückt auch für viele die heile Welt aus, es ist ja<br />
auch eine sehr deutsche Landschaft. Natürlich gibt es auch andere<br />
Motive, aber wir hatten uns nun für dieses entschieden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Hatten Sie andere Landschafts-Motive als Alternativplanungen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Nein, das war ein Vorschlag unserer Werbeagentur, die das übrigens<br />
selbstverständlich ohne Honorar gemacht hatte. Und die fanden dies mit<br />
dieser Absicht, die ich ihnen erklärt hatte, gut.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dr_jekyll:</b><br />
Ist diese Art der Werbung dem Gegenstand nicht grundsätzlich<br />
unangemessen, wir tolerieren ja auch nicht jede Art filmischer<br />
Darstellung?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Ich sage noch einmal, die jungen Leute haben es eigentlich nicht<br />
missverstanden. Wir haben viele E-mails aus dem Ausland bekommen, aus<br />
Spanien, Portugal, England und vor allem den USA, die haben das alle<br />
nicht missverstanden. Ich denke, dass vor allen Dingen die Amerikaner<br />
mit diesem Thema anders umzugehen gelernt haben als wir. Ich sag&#8217; mal,<br />
Claudia Schiffer hat uns anrufen lassen, die war so begeistert von<br />
dieser Anzeige, dass sie mit uns zusammenarbeiten will. Also wir sind<br />
mit ihr in Kontakt. Sie hat wegen dieser Annonce angerufen und gesagt,<br />
Sie sind so toll.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dr_jekyll:</b><br />
Das Mahnmal wird doch massgeblich von der öffentlichen Hand finanziert<br />
(und das ist auch gut so) &#8211; wozu braucht es dann die Spenden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Sehr richtige und sehr gute Frage. Erstens, das Denkmal ist in der<br />
Grundfinanzierung durch den Bund gesichert, aber eben nur in der<br />
Grundfinanzierung. Es werden für den &quot;Ort der Information&quot; für eine<br />
zusätzliche elektronische, unbedingt notwendige Ausstattung zusätzliche<br />
Mittel nötig werden. Aber das ist nicht der Hauptgrund, weshalb wir<br />
Geld sammeln. Wir sind eine Bürgerinitiative, und die ganze Idee zu<br />
diesem Denkmal ist von uns, der Bürgerinitiative, ausgegangen. Und<br />
deswegen wollen wir die Bürger weiter an dem Denkmal beteiligen. Es<br />
wäre falsch, das Denkmal zu einer reinen Staatsaktion werden zu lassen<br />
und es sozusagen den Bürgern nur eines Tages fertig hinzustellen. Wir<br />
sagen im Gegenteil: Beteiligt Euch, bezahlt auch Geld dafür, errichtet<br />
also auch das Denkmal und identifiziert Euch auf diese Art und Weise<br />
mit dem Denkmal.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Hier eine ganz grundsätzliche Frage:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marion:</b> Was ist der Sinn eines Mahnmals?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Wir haben seit 1988 gesagt, aus zwei Gründen brauchen wir das Denkmal.<br />
Wir wollen an DIE TAT erinnern, also nicht einfach zur Tagesordnung<br />
unserer wunderbaren bundesrepublikanischen Wirklichkeit übergehen. Und<br />
wir wollten die Opfer ehren. Wir haben in jedem Dorf Kriegsdenkmäler,<br />
Erinnerungen an die durch deutsche Schuld getöteten deutschen Soldaten.<br />
Und an die in deutschem Namen ermordeten europäischen Juden wollen wir<br />
nicht erinnern?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>frank:</b> Was sagen sie den Kritikern, die ein Mahnmal für ALLE Opfer der NS-Zeit fordern?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Ein Denkmal für alle Opfer der NS-Zeit ist ganz unspezifisch und sagt<br />
überhaupt nichts aus. Man muss die einzelnen Opfergeschichten<br />
verstehen. Und deswegen muss man die Opfergeschichten einzeln erzählen.<br />
Und deshalb bin ich für das Denkmal für die ermordeten Juden, ich bin<br />
für ein Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma, ich bin für ein<br />
Denkmal für die Euthanasie-Opfer und für die Schwulen. Alles eigene<br />
Geschichten, die begriffen werden müssen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Kann das geplante Denkmal einzelne Geschichten erzählen? Ist es dafür nicht viel zu monumental?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Nein, dieses, was wir jetzt bauen, ist ja ausschliesslich für die<br />
Juden. Die Geschichten der anderen Opfergruppen erzählt man in deren<br />
eigenen Denkmälern.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JeanPierreHinze:</b><br />
Ich bin beeindruckt von der Arbeit und der Dokumentation des<br />
Simon-Wiesenthal-Centers (Museum of Tolerance) in Los Angeles &#8211; wird<br />
hier der &quot;Ort der Infomation&quot; ansetzen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Erstmal: Ich kenne das in Los Angeles nicht. Zweitens haben wir eine<br />
eigene inhaltliche Bestimmung für unseren &quot;Ort der Information&quot;, der<br />
vier Schwerpunkte hat. Digitalisiert werden die Namen aller jüdischen<br />
Opfer nachlesbar sein, also die sind digitalisiert gespeichert und<br />
nachlesbar. Diese Namen bekommen wir aus der israelischen Gedenkstätte<br />
in Jerusalem. Ein zweiter Raum wird die Orte des Verbrechens zeigen.<br />
Die europäischen Juden sind ja eben nicht auf deutschem Boden oder in<br />
deutschen Konzentrationslagern ermordet worden, sondern in den<br />
Vernichtungsstationen auf polnischem Boden und in den grossen<br />
Erschiessungszentren in der ehemaligen Sowjetunion. Das gilt es<br />
aufzuzeigen in einem anderen Raum. Und dann gibt es einen Raum mit<br />
Hinweisen zu den deutschen Konzentrationslagern und schliesslich einen<br />
Raum der Stille, in dem man einfach nochmal nachdenkt über das, was man<br />
gesehen und erlebt hat auf dem Gelände, nach dem Rundgang. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>claudia:</b> Was halten sie von Steven Spielbergs Projekt, der ja alle Überlebenden auf Video aufnehmen und so verewigen will?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b> Grossartiges Projekt von Spielberg. Es ist einfach wichtig, die Leute nochmal zu befragen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Wissenschaftlich genug aufgezogen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Nein, ist es nicht. Ich habe Interviews gesehen, die zeugten einfach<br />
davon, dass sehr viele Leute hier beschäftigt waren, die zu wenig<br />
Ahnung hatten von dem Thema.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Ein anderes Thema: Das jüdische Museum in Berlin wurde soeben eröffnet.<br />
Hat dies in irgendeiner Weise Einfluss auf Ihr Projekt oder sehen Sie<br />
das Museum als komplett unabhängig, da es die gesamte jüdische<br />
Geschichte darstellen will und nicht &quot;nur&quot; den Holocaust?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Hatte überhaupt gar keinen Einfluss auf das, was wir geplant und<br />
durchgesetzt haben. Denn unser Denkmal ist den Ermordeten, den Toten<br />
gewidmet, während sich das jüdische Museum mit jüdischem Leben<br />
beschäftigt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>micha:</b> Warum glauben sie, dass es in der Vergangenheit kein Mahnmal für die ermordeten Juden in Deutschland gegeben hat?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Weil keiner auf die Idee gekommen war, so etwas errichten zu wollen.<br />
Und wir haben ja an diesem jahrelangen Streit auch gesehen, wie schwer<br />
sich die Hälfte der deutschen Bevölkerung damit tut. Es ist eben auch<br />
nicht so einfach, sich dem grössten Verbrechen seines eigenen Volkes zu<br />
widmen und das so auszudrücken.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JeanPierreHinze:</b><br />
Warum tun sich die Deutschen mit dem Thema &quot;Antisemitismus&quot; so schwer<br />
bzw. weshalb gibt es hier keine breite, öffentliche Ursachenforschung,<br />
die schliesslich automatisch entsprechend gefärbte Vorurteile ausräumt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Ja, das stimmt nicht, dass es hier keine Auseinandersetzung mit dem<br />
Thema gibt. Es gibt unendlich viele Bücher dazu, auch von Deutschen<br />
geschrieben. Also es gibt Ursachenforschung. Ja, und Antisemitismus als<br />
eine Ausdrucksform von Fremdenfeindlichkeit: Xenophobie, Rassismus, das<br />
eignet sich eben gut, um Minderheiten zu diskriminieren, um eigene<br />
Fehler nicht eingestehen zu müssen. Es ist eben einfach, einen anderen<br />
zu beschuldigen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Themenwechsel zur aktuellen politischen Lage:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>maja:</b> Haben Sie Angst vor Anschlägen auf jüdische Einrichtungen in Deutschland?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Nicht mehr als gegen andere Einrichtungen, wenn man das Thema<br />
Terrorismus damit meint. Nur eines will ich auch sagen: Ich fliege<br />
lieber mit der israelischen Luftlinie als mit einer anderen<br />
Fluggesellschaft, weil die Israelis einfach bessere<br />
Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Nocheinmal kurz zurück zum Mahnmahl&#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernd:</b> Was denken Sie über die ja auch sehr persönlichen Angriffe gegen Sie?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Also, jeder wird lieber geliebt, geehrt und geachtet, aber ich habe<br />
mich über 12-13 Jahre daran gewöhnt, dass ich herhalte für Angriffe,<br />
die eigentlich das Thema meinen. Ich mache es den Deutschen eben<br />
einfach nicht leicht genug.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>steffen:</b> Wie sehen Sie die gegenwärtige Aussenpolitik von Israel?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b><br />
Man kann doch nur hoffen, wünschen, dass es möglich gemacht wird, dass<br />
Israelis und Palästinenser in diesem kleinen Erdstrich miteinander<br />
Frieden finden und endlich aufhören mit der gegenseitigen Morderei.<br />
Schlimm finde ich, dass der tödliche Angriff auf eine Israelin ein<br />
bereits verabredetes Gespräch zwischen Arafat und Peres unmöglich<br />
gemacht hat, denn das ist ja genau das, was diese Leute wollen. Dem<br />
dürfte man nicht nachgeben.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Wir kommen zur letzten Frage für heute:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>steffen:</b> Wann wird das Mahnmal denn fertig sein?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b> 2004.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chatter und Chatterinnen! Sehr geehrte Frau Rosh! Die Stunde ist<br />
schon wieder um! Wir bedanken uns, dass Sie bei uns waren!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea Rosh:</b> Ich grüsse alle und bedanke mich für das Interesse an dem Thema.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Nocheinmal die Internet-Adresse: <a href="http://www.holocaust-denkmal-berlin.de/">www.holocaust-denkmal-berlin.de</a>!<br />
stern.de und politik-digital.de freuen sich auf Ihren erneuten Besuch bei unserem<br />
nächsten Chat mit Margret Johannsen, Friedensforscherin, am Freitag, dem 28.<br />
September zwischen 16 und 17 Uhr.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JeanPierreHintze:</b><br />
&#8230; war interessant. Allen Diskussionen zum Trotz: Das Denkmal ist<br />
wichtig und auf jeden Fall zu unterstützen! Viel Erfolg und alles<br />
Gute!!!</span></p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Gedenken im Netz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Simone Gerdesmeier]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Dec 1979 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenkstätte]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust-Mahnmal]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust]]></category>
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		<title>Das Holocaust-Mahnmal: eine Geschichte voller Verzögerungen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/gedenken-im-netz/das_holocaust_mahnmal_eine_geschichte_voller_verzoegerungen-883/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[swieboldt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 1969 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gedenken im Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenkstätte]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust-Mahnmal]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Am 27. Januar 2000 sollte sie stattfinden: die Grundsteinlegung des Berliner
Holocaust-Mahnmals, des &#34;Denkmals für die ermordeten Juden Europas&#34;.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Am 27. Januar 2000 sollte sie stattfinden: die Grundsteinlegung des Berliner<br />
Holocaust-Mahnmals, des &quot;Denkmals für die ermordeten Juden Europas&quot;.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ein symbolträchtiges Datum, der<br />
Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers<br />
Auschwitz. Doch der Termin konnte nicht eingehalten werden. Also wurde stattdessen eine offizielle<br />
Feier anberaumt; ein &quot;symbolischer Akt&quot;, um den Willen zu bekräftigen, die vom Bundestag beschlossene<br />
Errichtung des Mahnmals voranzutreiben. Die geplante Fertigstellung am 27. Januar 2002 wird damit hinfällig.<br />
Dabei ist der verspätete Baubeginn nur der Schlusspunkt einer ganzen Reihe von Verzögerungen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Idee für das Mahnmal entstand vor zwölf Jahren. Die Publizistin Lea Rosh und der Historiker Eberhard Jäckel<br />
initiierten das Projekt in Anlehnung an die zentrale israelische Gedenkstätte<br />
<a href="http://%20www.yad-vashem.org.il/">Yad Vashem</a> in Jerusalem. Dafür fanden sie prominente Unterstützer,<br />
unter anderem Willy Brandt und Günter Grass. Im Herbst 1989 wurde der <a href="http://www.holocaust-denkmal-berlin.de/">&quot;Förderkreis zur Errichtung eines Denkmals für die ermordeten Juden Europas&quot;</a><br />
ins Leben gerufen. In den folgenden Jahren begann der Streit um die<br />
Opfergruppen. Sollte mit dem Mahnmal ausschließlich der ermordeten<br />
Juden oder aller Naziopfer gedacht werden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">1993 nahm sich der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl der Sache an. Er bekannte sich zu dem Projekt,<br />
sprach sich für eine rein jüdische Gedenkstätte aus. Die Bundesregierung stellte denn auch ein Gelände im<br />
Zentrum Berlins zur Verfügung: ein unbebautes Grundstück zwischen der Ebertstraße und der Wilhelmstraße<br />
nahe dem Brandenburger Tor.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Der erste Wettbewerb zur Gestaltung des Mahnmals im Jahre 1995 brachte aber einen Entwurf hervor, der wegen<br />
seiner Geschmacklosigkeit allgemein abgelehnt wurde: die sogenannte Grabplatte, eine 20 000 Quadratmeter<br />
große schiefe Ebene aus Beton mit den eingravierten Namen aller ermordeten Juden. Kohl legte sein Veto gegen<br />
den Entwurf ein. Der Bund, das Land Berlin und der Förderkreis &#8211; die Auslober des Wettbewerbs &#8211; bekräftigten<br />
zwar ihren Entschluss, nahe dem Brandenburger Tor das Mahnmal zu errichten; die Realisierung des Projekts<br />
kam trotzdem nicht voran. Stattdessen entwickelte sich eine öffentliche Diskussion über die grundsätzliche<br />
Möglichkeit und die konkrete Gestaltung eines solchen Mahnmals. Neben der Einbeziehung anderer Opfergruppen<br />
wurde vor allem die Frage diskutiert, ob der Judenmord überhaupt mit künstlerischen Mitteln fassbar und das<br />
geplante Areal der richtige Ort dafür sei.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Frühjahr 1997 wurde der zweite Wettbewerb ausgeschrieben, allerdings endete er im November desselben<br />
Jahres ohne eindeutiges Ergebnis. Wieder nahm sich Kohl der Sache an. Der Pfälzer erkor den Entwurf des<br />
amerikanischen Architekten Peter Eisenman &#8211; ein begehbares Feld aus 4000 unterschiedlich großen Betonpfeilern<br />
&#8211; und bat gleichzeitig um dessen Überarbeitung. Der nächste Entwurf vom Juni 1998, Eisenman II genannt,<br />
umfasste 2700 Pfeiler, wellenförmig angeordnet, mit den Namen der Hinrichtungsstätten versehen.<br />
Nach dem Regierungswechsel meldete Schröders Kulturbeauftragter Michael Naumann Änderungsbedarf an.<br />
Im Januar 1999 einigte er sich mit dem amerikanischen Architekten auf Eisenman III: Das Gedenkfeld mit den<br />
Betonstelen soll ergänzt werden durch ein &quot;Haus des Erinnerns&quot; und eine Holocaust-Bibliothek.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Juni 1999 beschloss der Bundestag aber den Bau des Mahnmals in einer anderen Variante: Eisenman II<br />
mit einem &quot;Ort des Information&quot;. Um ihn zu verwirklichen, wurde eine vorerst unselbständige Mahnmal-Stiftung<br />
gegründet &#8211; im Geschäftsbereich Naumanns, der sich explizit für eine andere Mahnmal-Variante ausgesprochen<br />
hatte. An der Spitze dieser Stiftung stehen der Kuratoriumsvorsitzende Wolfgang Thierse und als Stellvertreterin<br />
Lea Rosh. Über diesen Kompetenzwirrwarr hat sich Eisenman mehrfach beschwert mit der Forderung nach klaren<br />
Vorgaben.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Es warten noch andere ungelöste Probleme auf die unterfinanzierte Stiftung: Das vorgesehene Grundstück ist<br />
nicht vollständig in Bundesbesitz, denn ein kleiner Teil gehört der Wohnungsbaugesellschaft Mitte, die angeblich<br />
sechs Millionen Mark verlangt. Die Baukosten von bisher 20 Millionen Mark werden sich also noch erhöhen. Der<br />
Förderkreis hingegen hat zu Spenden aufgerufen und sich vorgenommen, mehrere Millionen Mark zu den Kosten<br />
beizutragen. Wie der Restbetrag zwischen Bund und Berlin aufgeteilt werden soll, ist noch unklar. Fest steht, die<br />
Mittel können erst im Haushalt 2001 verbucht werden, weil im Haushalt 2000 kein entsprechender Posten für<br />
Baumaßnahmen vorgesehen ist. Es ist also fraglich, ob die Errichtung des Mahnmals &quot;schon&quot; im Sommer 2001<br />
beginnen kann. Vor dem Jahr 2003 ist mit der Fertigstellung nicht zu rechnen.<br />
</span></p>
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