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	<title>Holocaustleugnung &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Holocaustleugnung &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Haben es mit Unbelehrbaren zu tun&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Feb 2009 19:38:17 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden, war am Mittwoch, 11. Februar zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Sie erneuerte ihre Kritik am Umgang des Vatikans mit dem Holocaust-Leugner Williamson und sprach sich für ein NPD-Verbot aus. <a href="/chat-mit-charlotte-knobloch-von-hackern-attackiert">Kurz vor Ende wurde der Chat von Unbekannten mit maschinellen Massenanfragen gestört.</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden, war am Mittwoch, 11. Februar zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Sie erneuerte ihre Kritik am Umgang des Vatikans mit dem Holocaust-Leugner Williamson und sprach sich für ein NPD-Verbot aus. <a href="/chat-mit-charlotte-knobloch-von-hackern-attackiert">Kurz vor Ende wurde der Chat von Unbekannten mit maschinellen Massenanfragen gestört.</a><!--break--> </p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Herzlich willkommen beim tagesschau-Chat im ARD-Hauptstadtstudio. Aus München ist uns Charlotte Knobloch zugeschaltet, die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland. Ihnen ein herzliches Willkommen &#8211; vielen Dank, dass Sie sich Zeit für die Diskussion mit den Lesern von tagesschau.de und politik-digital.de nehmen. Können wir loslegen?<b></b>
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Ja!
</p>
<p>
<b>benny</b>:<br />
Frau Knoblauch, glauben Sie, dass die Vorfälle der vergangenen 14 Tage<br />
in Rom rund um die Piusbruderschaft nachhaltig das Verhältnis zwischen<br />
dem Vatikan und dem Judentum schädigen wird?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich hoffe nicht. Es ist natürlich viel in dieser Zeit passiert, was man<br />
hätte verhindern können. Man hätte es zum Beispiel dadurch verhindern<br />
können, indem man die Situation entschärft und die Piusbrüder und den<br />
Herrn Williamson ganz entschieden sofort in die Schranken gewiesen<br />
hätte.
</p>
<p>
<b>beobachter</b>: Wie empfanden Sie es, dass<br />
ein Vertreter einer Glaubensgemeinschaft den Holocaust, das mit am<br />
besten dokumentierte geschichtliche Ereignis, einfach leugnet?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Wir haben es hier mit einem Menschen zu tun, der sich mit den<br />
Äußerungen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad und mit diesem auf<br />
eine Stufe stellt. Er findet damit natürlich ein offenes Ohr bei<br />
Rechtsextremisten, aber ich weiß, dass es sehr viele Menschen gibt, die<br />
diese Äußerungen verurteilen und das bestärkt mich.
</p>
<p>
<b>Kölner</b>: Für wie verbreitet halten Sie Antisemitismus innerhalb der katholischen Kirche in- und außerhalb Deutschlands?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Vor dem zweiten vatikanischen Konzil war der Antisemitismus in der<br />
Kirche durch vorhandene Textstellen in einzelnen Themen und Büchern<br />
vorhanden. Das hat sich nach dem zweiten vatikanischen Konzil und der<br />
Haltung des Papstes und der Päpste nachhaltig verbessert, hat aber<br />
jetzt durch die Aussage der Piusbrüder, die uns als Gottesmörder<br />
bezeichnen, und der Aussage von Williamson, einen erheblichen<br />
Rückschlag erlitten.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Die nächste Frage an Sie ist zugleich eine, die viele User vorab für besonders wichtig bewertet haben.
</p>
<p>
<b>Buchinger</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Präsidentin Charlotte Knobloch, der Eichstätter<br />
Bischof Gregor Maria Hanke kritisiert Frau Merkel für ihr Eingreifen<br />
mit folgenden Worten: Es sei &quot;unbegreiflich und empörend&quot;, wenn die<br />
Kanzlerin &quot;vom Papst klare Worte fordert in einem Zusammenhang, in dem<br />
gerade Papst Benedikt es nie an Eindeutigkeit hat fehlen lassen&quot;. Wie<br />
bewerten Sie eine solche Stellungnahme eines bayerischen Bischofs, der<br />
zudem noch für die theologische Lehre in der Uni Eichstätt<br />
verantwortlich zeichnet?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Ich<br />
glaube nicht, dass Bischof Hanke von seinen Äußerungen selbst überzeugt<br />
ist. Ich habe es sehr begrüßt und die Ereignisse haben es mir ja<br />
bestätigt, dass durch die sehr höfliche Aufforderung unserer Kanzlerin<br />
Türen geöffnet wurden, die vorher noch verschlossen waren. Der<br />
Eichstätter Bischof ist für seine extrem konservative Einstellung<br />
bekannt. Er sollte es aber nicht soweit kommen lassen, dass man ihm<br />
vorwerfen kann, dass er sich mit den bereits genannten Äußerungen<br />
identifiziert.
</p>
<p>
<b>MM</b>: Sehr geehrte Frau Knobloch!<br />
Bundeskanzlerin Merkel hat vom Vatikan eine Klarstellung in Sachen<br />
Williamson und Piusbruderschaft gefordert. Dies hat ihr viel Kritik<br />
eingebracht. Ist ein deutsches Verfassungsorgan wie die Kanzlerin<br />
aufgrund der historischen Situation Deutschlands verpflichtet, hier<br />
eine Klarstellung einzufordern? Darf die Politik von einer Religion (ob<br />
katholisch oder jüdisch oder andere) Positionen einfordern?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Nachdem was hier vorgefallen ist, hoffe ich, es bleibt eine<br />
Einmaligkeit. Keiner von uns hätte sich vorstellen können, dass wir<br />
Juden uns von einer Äußerung eines Bischofs distanzieren müssen, ihn<br />
zur Rücknahme auffordern müssen, bevor es der Papst getan hat. Und<br />
deswegen war die Kanzlerin als Repräsentantin eines Landes, das den<br />
Holocaust verursacht hat, verpflichtet, zu diesem Thema eine eindeutige<br />
Stellungnahme abzugeben. Meine Aufforderung an die jungen Menschen in<br />
diesem Lande geht immer dahin, für die Zukunft die Verantwortung zu<br />
übernehmen, die ihnen aufgetragen wird &#8211; sofern sie sie akzeptieren.<br />
Damit dieser Völkermord, der in diesem Lande geschehen ist, nicht<br />
wieder vorkommt. Das ist meine Aufforderung an alle unsere Nachkommen<br />
und da gehört die Kanzlerin auch dazu.
</p>
<p>
<b>Markus Diliberto</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Knobloch, warum lädt die deutsch-jüdische Gemeinde<br />
die Piusbrüder nicht ein, um ihnen in den ehemaligen<br />
Konzentrationslagern die Verbrechen der Nazis erklären zu können?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich werde diese Frage in meinen Gremien mal besprechen. Sicher nicht in<br />
der nächsten Zeit, denn sie können sich vorstellen, wie es mir zumute<br />
ist, zu diesem Thema Stellung zu nehmen. Aber wenn es heutzutage in<br />
dieser geistig hochqualifizierten Bruderschaft Menschen gibt, die mir<br />
erklären wollen, dass für sie der Holocaust noch etwas unbekanntes ist<br />
&#8211; und dies auch glaubhaft erklären &#8211; dann gehe ich davon aus, dass man<br />
sich vielleicht über ihre Frage Gedanken machen müsste.
</p>
<p>
<b>Chefkoch81</b>:<br />
Zum Beitrag von Diliberto: Man müsste die Piusbrüder einmal nach<br />
Auschwitz führen. Vielleicht ergeht es ihnen genauso wie dem Papst<br />
damals, der sichtlich berührt war und große Worte sprach.
</p>
<p>
<b>Ntexv</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Knobloch, wäre es nicht sinnvoll, auch einmal die<br />
Hauptleugner des Holocaust zu einem Gespräch in einem<br />
öffentlich-rechtlichen Medium (Fernsehen) einzuladen? Ich finde, das<br />
wäre die beste Gelegenheit, sie vor der Öffentlichkeit vorzuführen und<br />
ihre abartigen und verlogenen Argumente zu widerlegen.
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich kann hier natürlich über die Entscheidungen der Medien bzw. der<br />
Fernsehanstalten nicht befinden, aber ich habe das Gefühl, dass wir es<br />
mit Unbelehrbaren zu tun haben. Und ich glaube, dass wir diesen<br />
Menschen kein Forum geben dürfen.
</p>
<p>
<b>Aligator</b>:<br />
Hätten Sie es auch gut geheißen, wenn die Aufforderung von Angela<br />
Merkel nicht öffentlich gefordert worden wäre, sondern über<br />
diplomatische Kanäle?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Gerade<br />
weil die Aufforderung in dieser Form ergangen ist, hat sie eben das<br />
bewirkt, was man bis jetzt nur als positiv bezeichnen kann.
</p>
<p>
<b>timmy</b>: Wie schätzen Sie die Verbreitung von Antisemitismus in Deutschland im Allgemeinen ein?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Das ist auch ein Thema, das mir große Gedanken macht. Weil ich eben<br />
feststellen kann, dass es wieder einen sogenannten neuen Antisemitismus<br />
gibt, der natürlich auf dem bereits bestehendem aufbaut. Die Tatsache,<br />
dass man der Meinung ist &#8211; obwohl wir immer dieser Meinung<br />
widersprechen &#8211; wenn man Israel kritisiert, sei man bereits ein<br />
Antisemit: das sind alles Klischees, Vorurteile wie man es auch nennen<br />
kann, die dem Antisemitismus wieder einen fruchtbaren Boden bereiten.
</p>
<p>
<b>Buchinger</b>:<br />
Frau Präsidentin Knobloch, Sie sprechen ganz bewusst die &quot;jungen<br />
Menschen in diesem Lande an&quot;. Was können wir hier in Deutschland, in<br />
Europa, konkret in der Jugendarbeit gegen den erneut aufflammenden<br />
Antisemitismus tun?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Indem<br />
man den jungen Menschen sagt, dass sie in einem Land leben, in einem<br />
demokratischen Land, dass sie in diesem Land eine Zukunft haben. Dass<br />
sie einen gesunden Patriotismus entwickeln sollen, dass sie ihr Land<br />
gegen verbale Angriffe verteidigen sollen und dass sie summa summarum<br />
allen Grund haben, ihr Land zu lieben. Immer in Hinblick aber auch<br />
darauf, dass sie auch die Vergangenheit dieses Landes im Blickfeld<br />
haben und gerade dann, wenn sie sich all das aneignen, was ich jetzt<br />
vorgeschlagen habe, dann sind sie auch gefeit gegen Rechtsradikalismus<br />
und den Versprechungen, die die NPD und ihre Helfershelfer ihnen<br />
täglich vorführen.
</p>
<p>
<b>uhri</b>: Ich denke, Frau<br />
Knobloch weiß im Gegensatz zu Markus Diliberto, dass es nicht Sache der<br />
Juden ist, Antisemitismus zurückzuweisen. Das wäre die Aufgabe einer<br />
aufgeklärten Gesellschaft und nicht die der Opfer.
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Antisemitismus und der Judenhass ist natürlich eine Aufgabe, die die<br />
Allgemeinheit zu regeln hätte. Schon im Hinblick auf die Vergangenheit<br />
dieses Landes. Aber wir werden manchmal sehr alleine gelassen, werden<br />
mit Sonntagsreden beruhigt. Aber Handlungen, wie zum Beispiel das<br />
Verbot der NPD und ihrer Parteienfinanzierung in Angriff zu nehmen, die<br />
ja die Grundlagen für den Antisemitismus weiter verbreiten, vermisse<br />
ich eben.
</p>
<p>
<b>timmy</b>: Wie stehen Sie denn zum NPD-Verbot?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich kenne die Nachteile, die momentan vorhanden sind, um dieses<br />
NPD-Verbot nochmal anzugehen. Es geht aber auch nicht an, dass eine<br />
antidemokratische Partei es für sich in Anspruch nimmt, von Demokraten<br />
gewählt zu sein und demokratisch gewählt zu sein. Die NPD verachtet das<br />
Grundgesetz, verachtet unsere Werte und deswegen muss etwas geschehen,<br />
damit sie nicht ihre abscheulichen Ideen und Beurteilungen weiterhin<br />
unter jungen Menschen &#8211; vor allem im Internet &#8211; verbreiten kann.
</p>
<p>
Zumindest<br />
sollte sie nicht mehr in der Lage sein, Steuergelder von Menschen, die<br />
diese Inhalte der NPD auch ablehnen, für ihre eigenen Zwecke zu<br />
benutzen &#8211; vor allem auch für Zwecke, die diesem unserem Land in der<br />
Welt einen negativen Stellenwert geben. Das hat dieses Land in der<br />
heutigen Zeit nicht verdient.
</p>
<p>
<b>abc</b>: Es scheint,<br />
als würden antisemitische Klischees wie etwa das &quot;des Juden&quot; als<br />
lästigen, nachtragenden Mahners in letzter Zeit immer offener geäußert.<br />
Stellen Sie eine Zunahme manifest antisemitischer Positionen bzw. eine<br />
Auflösung des gesellschaftlichen Kommunikationstabus für<br />
antisemitischen Einstellungen und Ideen in Deutschland fest?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich habe diesem Land nicht den Rücken zugewandt, obwohl meine Biografie<br />
und mein damaliges Erleben mich fast dazu gezwungen haben. Ich wäre<br />
glücklich und zufrieden, wenn ich nicht immer als lästiger Mahner<br />
dargestellt würde, sondern dass die Menschen, die das Mahnen als<br />
negativ empfinden, mit mir zusammen, mit uns zusammen, ein Bollwerk<br />
errichten würden gegen diesen Antisemitismus. Und ich bin aber trotzdem<br />
ein Optimist.
</p>
<p>
Ich werde es nie zulassen, dass Hitler Recht gehabt<br />
hätte, wenn es hier keine Juden mehr geben würde, sondern ich baue<br />
weiter an der Zukunft des jüdischen Lebens in Deutschland, das mir auch<br />
Recht gibt und in vielen neu errichteten Möglichkeiten, wie<br />
Synagogenneubauten und Gemeindezentrenneubauten. Und ich freue mich,<br />
dass es auch diesen Grund gibt, Optimist zu sein.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Das heißt, Sie sehen eine positive Entwicklung? Kann man von einer<br />
Normalisierung des jüdischen Lebens in Deutschland sprechen?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich würde noch nicht von einer Normalisierung sprechen, sondern ich<br />
würde von einem positiven Miteinander sprechen, das sich nach einem<br />
jahrzehntelangem Nebeneinander entwickelt hat. Normalität muss wachsen.<br />
Normalität kann man nicht als Befehl durchführen, vor allem, wenn man<br />
heute noch die Menschen nach ihrer Religionszugehörigkeit beurteilt und<br />
nicht nach ihren charakterlichen Eigenschaften.
</p>
<p>
<b>HermyMA</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Knobloch, wo würden Sie die Grenze ziehen zwischen<br />
Kritik und Antisemitismus &#8211; beziehungsweise wo fängt Antisemitismus an?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Antisemitismus fängt für mich an, wo sich Kritik unsachlich,<br />
beleidigend darstellt: In dem man uns, die Überlebenden und ihre<br />
Nachkommen, als Helfershelfer von Hitlers Vernichtungspolitik<br />
bezeichnet und weitere Klischees verbreitet werden.
</p>
<p>
<b>Sarah Rosenthal</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Knobloch, als in Deutschland geborene Jüdin<br />
interessiert mich besonders: Halten Sie eine Kritik am Staat Israel &#8211;<br />
zum Beispiel aufgrund des Vorgehens im Flüchtlingslager Gaza &#8211;<br />
zwangsläufig für antisemitisch?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich muss immer wieder betonen, dass sachliche Kritik nicht<br />
Antisemitismus darstellt. Die Regierung in Israel muss sich einer<br />
massiven Kritik ihrer Bevölkerung unterziehen. Sachliche Kritik hat<br />
immer auch etwas Positives, sie kann manchmal zum Nachdenken anregen.
</p>
<p><span class="zitatBox breit"><br />
<span class="zTitle"></span><span class="zContent"><span class="zParagrNoLine"></span><span class="inv"><br />
</span></span><br />
</span></p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Damit wir thematisch nicht zu<br />
sehr springen, habe ich inzwischen ein paar eingetroffene Fragen im<br />
Chat zum Thema Israel gesammelt:
</p>
<p>
<b>same</b>: Hallo nach München. Frau Knobloch, wie bewerten Sie das Wahlergebnis in Israel?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Das noch nicht endgültige Wahlergebnis. Die Wählerstimmen der<br />
Soldatinnen und Soldaten sind nämlich noch nicht ausgezählt. Momentan<br />
werden sich die einzelnen Parteien, sollten sie sich nicht für eine<br />
Große Koalition entscheiden, sehr schwer tun, eine für alle<br />
zufriedenstellende Regierungskoalition einzurichten.
</p>
<p>
<b>aysam</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Knobloch, ich habe eine Frage zu den Wahlen in<br />
Israel. Befürchten Sie, dass aufgrund der Wahlergebnisse in Israel,<br />
lassen Sie es mich einen &quot;Rechtsruck&quot; nennen, der Friedensprozess<br />
weiter geschwächt und darüber hinaus der Antisemitismus in Europa neuen<br />
Nährboden gewinnen könnte?
</p>
<p>
<b>Buchinger</b>: Sehr<br />
geehrte Frau Präsidentin, die Wahlen in Israel sind voraussichtlich<br />
gelaufen. Was sagen Sie zu Rechtsnationalen, wie Benjamin Netanjahu und<br />
seinem Kollegen Liebermann, auch hinsichtlich einer wohl möglichen<br />
Regierungsbildung? Gibt es in Israel auch Rechtsextremismus?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Es gibt rechte Parteien, aber es gibt keinen Rechtsextremismus. Ich<br />
hoffe sehr, dass es eine Regierungsbildung geben wird, die den Frieden<br />
der Völker in diesem Gebiet an erster Stelle in ihrem Programm hat.
</p>
<p>
<b>Frank</b>:<br />
Guten Tag Frau Knobloch. Glauben Sie, dass es langfristig eine<br />
Alternative zu einem Staat Israel und einem Staat Palästina geben kann?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Die bisherigen Regierungen haben sich immer dafür eingesetzt, dass es<br />
zwei Staaten, einen Staat Israel und einen Staat Palästina, in der<br />
Zukunft geben wird. Ich konnte auch immer wieder lesen, dass die<br />
Vereinigten Staaten, wie auch die Europäer, dies auch als Ziel sehen.<br />
Und ich hoffe, dass diese Konstruktion sich entwickeln wird und den<br />
Menschen dort den Frieden bescheren wird.
</p>
<p>
<b>Dirk</b>:<br />
Geehrte Frau Präsidentin, ich möchte da nachhaken. Was bedeutet denn<br />
für sie &quot;Rechtsextremismus&quot;? Was sagen Sie zu ultranationalistischen<br />
Strömungen in Israel, die einem palästinensischen Staat eine klare<br />
Absage erteilen und arabischstämmige Israeliten &quot;ausbürgern&quot; möchten?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Eine israelische Regierung, die sich jetzt, in absehbarer Zeit, sicher<br />
konstituieren wird und die die demokratischen Werte noch in ihr<br />
Regierungsprogramm aufnehmen wird, wird diese angesprochenen Themen<br />
sicher nicht vertreten.
</p>
<p>
<b>JBraun</b>: Zur<br />
&quot;Zwei-Staaten Lösung&quot;: Glauben Sie wirklich ernsthaft, dass nach dem<br />
neuerlichen Rechtsruck in Israel noch eine tragfähige Mehrheit für<br />
diese Position besteht?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Ich<br />
kann mir sehr gut vorstellen, dass die Verantwortlichen zu der<br />
Überzeugung kommen, dass zwei starke Parteien, die sich ja jetzt<br />
abzeichnen, eine Regierung bilden können.
</p>
<p>
<b>uwe wällner</b>:<br />
Dass Sie als Jüdin eine besondere Beziehung zur Bevölkerung Israels<br />
haben, ist nur verständlich und lauter. Allerdings sind ja fast 25<br />
Prozent der israelischen Staatsbürger nichtjüdischen Glaubens. Hegen<br />
Sie auch zu dieser Gruppe eine besondere Solidarität?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Ich habe eine Solidarität für Menschen, die sich auch in dieser<br />
Hinsicht darstellt: Dass sie Menschen sind &#8211; und wie man so schön sagt<br />
&#8211; auch an das Gute im Menschen glauben.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Hier kommen zwei Fragen aus dem Pre-Chat, für die sehr viele User gestimmt haben:
</p>
<p>
<b>Leonardo</b>: Ist &quot;Verzeihen&quot; eine Haltung, die für Sie in Bezug auf die Shoah möglich ist?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Es gibt kein Verzeihen einer Überlebenden für sechs Millionen Opfer,<br />
die die Shoah verursacht hat. Ich kann nur für mich persönlich eine<br />
Äußerung abgeben, aber nicht für die Menschen, die nicht mehr unter uns<br />
sind.
</p>
<p>
<b>ida</b>: Sie lehnen das Projekt<br />
&quot;Stolpersteine&quot; strikt ab, nannten die Initiatoren sogar einmal<br />
&quot;Gedenktäter&quot;. Was macht diese Leute in ihren Augen zu Tätern?
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Zu dieser Frage eine Info: &quot;Stolpersteine&quot; sind in vielen Städten<br />
verbreitete Gedenksteine in Pflasterstein-Größe aus Metall, auf denen<br />
Namen, Geburts- und Todesdaten von Holocaust-Opfern lesbar sind &#8211; eine<br />
Aktion des Kölner Künstlers Gunter Demnig.
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Bei den Stolpersteinen handelt es sich aus der Natur der Sache heraus<br />
um keine angemessene und würdige Form des Gedenkens. Passanten gehen<br />
achtlos an Stolpersteinen vorbei oder schlimmer noch, laufen darüber<br />
und treten darauf. Hunde verrichten an den Stolpersteinen ihre<br />
Notdurft. Wir sollten das Andenken von Menschen &#8211; und darunter auch<br />
meine Familie &#8211; die Verfolgung und Entwürdigung erleben musste, bevor<br />
sie auf schreckliche Weise ermordet wurden, nicht nochmals entwürdigen<br />
und sprichwörtlich mit Füßen treten.
</p>
<p>
<b>timmy</b>: Wie gestaltet sich derzeit das Verhältnis zum Zentralrat der Muslime in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Wir hoffen und sind wirklich interessiert an einem guten Einvernehmen<br />
mit den zuständigen Gremien des Islams. Sind aber auf der anderen Seite<br />
sehr überrascht, dass gerade an den antiisraelischen Demonstrationen<br />
mit den Rechtsradikalen auch viele Islamisten teilgenommen haben.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Hier kommt eine User-Frage zu folgendem Hintergrund: Der Zentralrat der<br />
Juden war am 27. Januar 2009 der Feierstunde des Bundestages zum<br />
Holocaust-Gedenktag mit der Begründung ferngeblieben, seine Vertreter<br />
seien bei der Feier nie persönlich begrüßt worden. Dies hatte im<br />
Bundestag Verwunderung ausgelöst.
</p>
<p>
<b>ninu</b>: Sehr<br />
geehrte Frau Knobloch, in letzter Zeit erscheint es mir, als würde sich<br />
die jüdische Gemeinde in Deutschland immer öfter von der Mehrheit der<br />
Gesellschaft (aber auch von der Politik &#8211; Stichwort Holocaustgedenktag<br />
&#8211; ) alleine gelassen fühlen. Welche Form der Unterstützung im Kampf<br />
gegen Antisemitismus wünschen Sie sich und wie sollte die Solidarität<br />
der nicht-jüdischen Bevölkerung aussehen?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Hier geht es vor allem um diejenigen, die Menschen und die Bevölkerung<br />
erreichen. Das sind die Medien, das sind die Kirchen. Und hier freue<br />
ich mich, wenn ich eine ausgewogene Berichterstattung &#8211; aber auch einen<br />
Beitrag der Kirchen &#8211; feststellen kann, die das jüdische Leben, das<br />
sich sehr &#8211; zumindest zahlenmäßig &#8211; positiv entwickelt hat, auch<br />
unterstützen. Und die Möglichkeiten sind natürlich mit einer<br />
Wahrnehmung, dass Unterstützung vorhanden ist, in der Öffentlichkeit<br />
gegeben oder sollten gegeben sein.
</p>
<p>
<b>Peter</b>: Wird<br />
in Deutschland von muslimischer Seite auf den Zentralrat der Juden in<br />
Deutschland zugegangen und wie entwickelt sich dieser Dialog?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Es gibt verschiedene Dialoge in diesem Bereich in verschiedenen Stätten<br />
und wenn er sich weiterentwickelt, kann man das nur positiv sehen.
</p>
<p>
<b>luna</b>:<br />
Frau Knobloch, meinen Sie nicht, dass die Nicht-Teilnahme des<br />
Zentralrats der Juden an der Veranstaltung zum Holocaust Gedenktag eine<br />
zu empfindliche Reaktion war?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Das ist eine Empfindlichkeit, die sich schon jahrelang, wenn sie<br />
überhaupt vorhanden ist, festgesetzt hat. Aber ich bin guten Mutes,<br />
dass in Zukunft an diesem so wichtigen internationalen Gedenktag auch<br />
die Überlebenden wahrgenommen werden. Und dass vor allem mit den jungen<br />
Menschen die an diesem Tag in den Bundestag eingeladen sind, ein<br />
effizienter Dialog mit Überlebenden stattfinden kann.
</p>
<p>
<b>Horst</b>:<br />
Frau Knobloch, wäre es nicht Zeit in Deutschland, dass einmal ein<br />
Deutscher jüdischen Glaubens Bundespräsident wird? Es würde dem<br />
Verhältnis der Deutschen zum Judentum einen unglaublichen Schub geben.
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>:<br />
Wenn unsere Jugendlichen oder die jüngeren Mitglieder unserer Gemeinden<br />
sich der Politik zur Verfügung stellen würden, wäre das wirklich &#8211;<br />
meiner Ansicht nach, für mich persönlich &#8211; ein willkommener Anlass,<br />
auch darüber nachzudenken, inwieweit solche Personen in die höhere<br />
Politik eingebunden werden können.
</p>
<p>
<b>neville</b>: Sehr<br />
geehrte Frau Knobloch, haben Sie Hoffnung, dass eines Tages der<br />
Polizeischutz für die Synagogen in Deutschland nicht mehr nötig sein<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Diese Hoffnung habe<br />
ich bereits im Jahre 1990 zum Ausdruck gebracht in Zusammenhang mit der<br />
Errichtung unserer neuen Gebäude &#8211; Synagoge und Gemeindezentrum. Leider<br />
bin ich eines besseren belehrt worden, dass diese Schutzmaßnahmen noch<br />
verstärkt werden müssten, bis zum heutigen Tag, anstatt sie langsam<br />
abbauen zu können.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Das war bereits<br />
eine gute Stunde hier im tagesschau-Chat. Herzlichen Dank, Charlotte<br />
Knobloch, dass Sie sich Zeit für die Diskussion mit den Lesern von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de genommen haben. Ein Dankeschön<br />
auch an unsere User für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle<br />
stellen konnten.
</p>
<p>
<b>Charlotte Knobloch</b>: Ich freue<br />
mich, dass ich einen Dialog führen konnte &#8211; mit Unbekannten natürlich &#8211;<br />
aber ich wünsche mir gleichzeitig, dass das Miteinander, das ich<br />
anstrebe und das ich auch sehe, sich entwickelt, weiterhin den Erfolg<br />
zeigt, den ich mir wünsche und der uns allen nur Positives bringen kann.
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<i>Der Chat wurde moderiert von Corinna Emundts, tagesschau.de.</i></p>
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