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	<title>Hubertus Heil &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Hubertus Heil &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Kurt Becks &#8220;pragmatische Art ist der richtige Weg, um das Land zu erneuern&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/kurt_becks_quotpragmatische_art_ist_der_richtige_weg_um_das_land_zu_erneuernquot-144/</link>
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		<pubDate>Sat, 13 May 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Am Sonntag, 
den 14. Mai, war Hubertus Heil, Generalsekretär der SPD, zu 
Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. 
</span>Heil beantwortete Fragen zur Wahl Kurt Becks, der geplanten 
Mehrwertsteuererhöhung und möglichen Koalitionspartnern.</span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Am Sonntag,<br />
den 14. Mai, war Hubertus Heil, Generalsekretär der SPD, zu<br />
Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.<br />
</span>Heil beantwortete Fragen zur Wahl Kurt Becks, der geplanten<br />
Mehrwertsteuererhöhung und möglichen Koalitionspartnern.</span></span><!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, Kurt-Beck-Fans,<br />
SPD-Freunde und -Gegner, herzlich willkommen zum tagesschau-Politik-Chat.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio erwartet jetzt Hubertus Heil Ihre Fragen.<br />
Der Generalsekretär ist näher dran an Kurt Beck als die<br />
meisten, wir sind gespannt auf seine Antworten. Vielen Dank, dass<br />
Sie nach dem SPD-Parteittagsstress zu uns gekommen sind. Die erste<br />
Frage an unseren Gast:
</p>
<p>
<b>chatter0815: </b>Wieso hat Kurt Beck nicht die Chance<br />
genutzt, als neuer Vorsitzender einen eigenen Generalsekretär<br />
vorzuschlagen und damit die SPD kompetenter aufzustellen? Fühlen<br />
Sie sich als &quot;Generalsekretär auf Abruf&quot;?
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Nein. Kurt Beck hat mich gebeten,<br />
meine Arbeit fortzusetzen und ich habe dieser Bitte entsprochen.<br />
Ich wurde auf dem Karlsruher Bundesparteitag im November für<br />
zwei Jahre gewählt. Im Übrigen hat der Wechsel im Parteivorsitz<br />
von Matthias Platzeck zu Kurt Beck nicht aufgrund einer politischen<br />
Krise der SPD, sondern aus Anlass einer persönlichen gesundheitlichen<br />
Krise von Matthias Platzeck stattgefunden. Insofern möchte<br />
ich die Arbeit für die SPD und damit auch die programmatische<br />
Erneuerung der Partei, die unter Matthias Platzeck eingeleitet wurde,<br />
mit Kurt Beck fortsetzen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie kriegen Unterstützung:
</p>
<p>
<b>WahlkreisWolle:</b> An chatter0815: Warum muss jemand<br />
immer gleich &quot;auf Abruf sein&quot;, wenn er in einem guten<br />
Team nicht den Spitzenplatz einnimmt? Dieses Klischee ist doch 0815.
</p>
<p>
<b>nanunana:</b> Kurt Beck ist 57. Wäre es nicht<br />
mal an der Zeit gewesen, auch Jüngere ans Ruder zu lassen?
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Mit 57 Jahren steht Kurt Beck mitten<br />
im Leben und ist im Übrigen damit auch nur ein wenig älter<br />
als Matthias Platzeck. In der Führung der SPD ist der Generationenwechsel<br />
aber deutlich erkennbar. So haben wir heute mit Jens Bullerjahn<br />
einen stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, der mit 42 Jahren<br />
gerade als stellvertretender Ministerpräsident in Sachsen Anhalt<br />
vereidigt wurde. Auch in vielen Bundesländern und der Bundestagsfraktion<br />
sowie im Parteivorstand der SPD gibt es mittlerweile eine gute Mischung<br />
von erfahrenen und jüngeren Kräften.
</p>
<p>
<b>Xoxo:</b> Wird es in nächster Zeit eine größere<br />
Förderung der jüngeren Parteimitglieder geben?
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Eindeutig ja. Wir haben damit begonnen.<br />
Bereits vor einigen Jahren sind sogenannte &quot;Kommunalakademien&quot;<br />
eingerichtet worden, in denen junge SPD-Mitglieder gezielt auf die<br />
Übernahme von politischer Verantwortung vorbereitet werden.<br />
Zudem gibt es eine gute und starke Riege von jungen Landes- und<br />
Fraktionsvorsitzenden der SPD.
</p>
<p>
<b>bbasti:</b> Wird es mit Kurt Beck eine Hinwendung<br />
zur FDP geben? Immerhin war er Leiter einer gelb-roten Koalition.
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Wir arbeiten auf Bundesebene in<br />
der großen Koalition und wollen im Interesse unseres Landes<br />
den Erfolg dieser Regierung. Der Koalitionsvertrag gilt bis 2009.<br />
Dann wollen wir bei den Bundestagswahlen wieder stärkste Partei<br />
in Deutschland werden und den Kanzler stellen. Dann sind für<br />
uns prinzipiell alle demokratischen Parteien – mit Ausnahme<br />
der linkspopulistischen PDS koalitionsfähig. Allerdings müsste<br />
sich die FDP bis dahin massiv programmatisch erneuern. So müssten<br />
die Liberalen beispielsweise ihr gestörtes Verhältnis<br />
zum Sozialstaat klären. Mit der derzeitigen wirtschaftsradikalen<br />
Westerwelle-FDP gibt es zur Zeit wenig Schnittmengen.
</p>
<p>
<b>steinprinz:</b> Wie kann Herr Beck in der ARD sagen,<br />
dass man die Finanzsituation nicht gekannt hat und nun festgestellt<br />
hat, man kommt um die Mehrwertsteuererhöhung nicht herum? Man<br />
musste doch als Regierungspartei wissen, wie die Lage ist. Ist das<br />
vielleicht eine ganz schlimme Ausrede?
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Tatsache ist, dass die SPD im Jahre<br />
2003 mit dem damaligen Finanzminister Hans Eichel den Versuch unternommen<br />
hat, auf breiter Front Steuersubventionen abzubauen. Wir sind damals<br />
von den CDU-Ministerpräsidenten im Bundesrat brutal ausgebremst<br />
worden. Wäre das damals gelungen, hätte man auf die nun<br />
nicht mehr zu vermeidende Mehrwertsteuererhöhung verzichten<br />
können. Aber Bund, Länder und Kommunen sind heute am Rande<br />
ihrer Handlungsfähigkeit. Insofern ist dieser schwierige Schritt<br />
zum ersten Januar ohne vernünftige Alternative. Ein Punkt von<br />
der beschlossenen Erhöhung &#8211; das hat Kurt Beck deutlich gemacht<br />
&#8211; wird über die Senkung der Arbeitslosenversicherung zurückgegeben,<br />
um den Faktor Arbeit zu entlasten. Ein Punkt der Erhöhung geht<br />
an die Bundesländer, die zurzeit mehrheitlich verfassungswidrige<br />
Haushaltslagen haben, und die Mittel dringend für Bildung und<br />
Sicherheit benötigen. Der dritte Punkt wird benötigt,<br />
um im kommenden Jahr einen Beitrag zur Sanierung des Bundeshaushalts<br />
zu leisten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal Nachfrage zur FDP:
</p>
<p>
<b>Harlander:</b> Die FDP hat ja immerhin die Umweltpolitik<br />
als neues Betätigungsfeld entdeckt. Macht sie das für<br />
die SPD attraktiver? Oder ist sie aufgrund derartiger Manöver<br />
als potentieller Koalitionspartner nicht ernst zu nehmen?
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Wir wissen noch nicht, ob die FDP<br />
es mit ihrer neuen Liebe zur Umwelt ernst meint oder ob das ein<br />
PR-Trick ist um Punkte gegenüber den Grünen gut zu machen.<br />
In der Vergangenheit gab es in Deutschland durchaus erfolgreiche<br />
sozial-liberale Koalitionen. Aber noch mal: die FDP war damals nicht<br />
wie heute eine wirtschaftsradikale Partei, deren Programm sich auf<br />
den Satz reduzieren lässt &quot;Wenn jeder an sich selbst denkt,<br />
ist an alle gedacht&quot;. Insofern kann ich der FDP nur gute Besserung<br />
wünschen.
</p>
<p>
<b>tomtom: </b>Kurt Beck ist ein erfolgreicher Landesvater,<br />
ein bodenständiger Pragmatiker. Wo sind die Visionäre<br />
in der SPD, die die Partei in die Zukunft führen?
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Kurt Beck hat in Rheinland-Pfalz<br />
als Ministerpräsident bewiesen, dass gerade seine menschennahe<br />
und pragmatische Art der richtige Weg ist, um das Land zu erneuern.<br />
Rheinland-Pfalz hat sowohl in der Wirtschafts- wie auch in der Bildungspolitik<br />
einen modernen Kurs, der Maßstäbe setzt. Wir sind als<br />
SPD insgesamt aufgerufen, im Rahmen unserer Grundsatzprogrammdebatte<br />
deutlich zu machen, dass wir klare Werte und Leitbilder für<br />
die Zukunft unseres Landes haben. Dabei wollen wir deutlich machen,<br />
dass wirtschaftliche Dynamik und soziale Gerechtigkeit keine Gegensätze,<br />
sondern wechselseitige Bedingung sind. Die SPD ist in der Bundesregierung<br />
die Kraft der Erneuerung, aber wir müssen &#8211; das hat Kurt Beck<br />
deutlich gemacht &#8211; auch die Kraft haben, uns selbst zu erneuern.
</p>
<p>
<b>Ost-SPD:</b> Halten Sie es nicht für wenig taktvoll,<br />
einerseits die PDS (die im Osten zumeist deutlich vor der SPD zweitstärkste<br />
politische Kraft ist) als linkspopulistisch zu beschimpfen und gleichzeitig<br />
der FDP Wirtschaftsradikalismus zu unterstellen? Die Grünen<br />
wenden sich inzwischen der Union zu: Mit wem soll die SPD denn in<br />
Zukunft koalieren, wenn Sie derart kompromisslos sind?
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Tatsache ist, dass zurzeit im deutschen<br />
Bundestag PDS und FDP mit unterschiedlichen Vorzeichen wirtschaftlichen<br />
Fortschritt gegen soziale Gerechtigkeit ausspielen. Die FDP versucht<br />
mit der Parole &quot;Man muss nur den Menschen vom Staat befreien<br />
und den Markt mal ungebremst machen lassen&quot; Punkte zu machen.<br />
Die PDS erklärt das Gegenteil und versucht lediglich, Ängste<br />
in der Bevölkerung für ihre Zwecke zu instrumentalisieren,<br />
ohne ehrliche und realistische Lösungen vorzuschlagen. Als<br />
Generalsekretär der SPD ist es meine Aufgabe, der Überzeugung<br />
der Sozialdemokratie Ausdruck zu verleihen: In modernen Gesellschaften<br />
&#8211; das zeigen die skandinavischen Länder &#8211; ist die erfolgreiche<br />
Mischung zwischen vorsorgender Sozialstaatlichkeit und innovationsfähiger<br />
Marktwirtschaft der richtige Weg. Ich will ja nicht ausschließen,<br />
dass in den kommenden Jahren auch andere Parteien sich stärker<br />
an dieser Erkenntnis orientieren. Eine Koalition auf Bundesebene<br />
mit der PDS muss ich aber deshalb ausschließen, weil diese<br />
Partei, deren Westerweiterung zur Zeit gerade grandios scheitert,<br />
weder außen- noch sozial- oder wirtschaftspolitisch Positionen<br />
vertritt, die für unser Land verantwortbar sind.
</p>
<p>
<b>herr Bert Wehner:</b> Wieso ist das Beispiel Skandinavien<br />
richtig, wenn Sie es bringen aber falsch, wenn es von Lafontaine<br />
kommt? Brauchen Sie nicht eigentlich wieder ein soziales Gewissen<br />
vom Schlag eines Oskar Lafontaine?
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Das Wort &quot;Gewissen&quot; und<br />
&quot;Lafontaine&quot; in einen Satz zu packen entbehrt nicht einer<br />
gewissen Komik. Ich möchte mit der PDS gerne einmal darüber<br />
streiten, was &quot;links&quot; wirklich bedeutet. Eine linke Partei<br />
zu sein heißt für mich das Gegenteil von Realitätsverweigerung,<br />
nationaler Abschottung und angstschürendem Populismus. Willy<br />
Brandt hatte Recht: wer morgen sicher leben will, muss heute für<br />
Reformen kämpfen.
</p>
<p>
<b>Soeren:</b> Der Wunsch der Basis strebt doch nach<br />
einer linkeren SPD (Andrea Nahles Votum), warum widersetzt sich<br />
die SPD diesem Wunsch seit Gerhard Schröder? Welche Zukunft<br />
hat Klaus Wowereit in der Bundes SPD?
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Die SPD bleibt die linke Volkspartei<br />
in Deutschland. Wir müssen aber deutlich machen, was unter<br />
fundamental veränderten Rahmenbedingungen unsere Werte von<br />
Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität heute konkret bedeuten.<br />
So bleibt es das Ziel der SPD, dass das Leben der Menschen offen<br />
sein muss: Nicht die soziale Herkunft sollte über Bildungs-<br />
und Lebenschancen entscheiden. Ich halte es für notwendig,<br />
dass wir auf Basis unserer Werte neue Antworten finden, die den<br />
Herausforderungen der wirtschaftlichen Globalisierung, des technischen<br />
Fortschritts und der demographischen Entwicklung gerecht werden.<br />
Dazu gehört eine klare Vorstellung, wie wir soziale Gerechtigkeit<br />
im 21. Jahrhundert durchsetzen wollen, nämlich mit einer klaren<br />
Vision eines sozialen Europas als politische Antwort auf die Globalisierung,<br />
der Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland und dem<br />
Leitbild eines vorsorgenden Sozialstaats. Klaus Wowereit ist als<br />
erfolgreicher Regierender Bürgermeister von Berlin auch Bundespolitiker.<br />
Er hat die besten Chancen, die Wahlen im Herbst in Berlin zu gewinnen<br />
und wir werden ihn dabei unterstützen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Die FDP kümmert sich auf einmal<br />
um Umweltpolitik, die Union macht bei sozialdemokratischen Projekten<br />
mit und ihr neuer Parteichef Kurt Beck erklärte gerade im „Bericht<br />
aus Berlin“, dass „wir die soziale Dimension in unserer<br />
Gesellschaft bei aller Beachtung des Ökonomischen nicht kaputtmachen<br />
lassen“. Ist die Devise „Sparen und reformieren“<br />
auf einmal out?
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Nein. Wir setzen auf einen handlungsfähigen<br />
Staat, das hat sowohl Kurt Beck als auch Finanzminister Peer Steinbrück<br />
auf dem Bundesparteitag sehr deutlich gemacht. Wenn sich allerdings<br />
konservative Politiker und Kommentatoren darüber beklagen,<br />
dass die Politik der Bundesregierung zu sozialdemokratisch sei,<br />
kann ich daran nicht Schlechtes finden. Wir wollen beides: Die Modernisierung<br />
unseres Landes und die Bewahrung des sozialen Zusammenhalts. Wir<br />
sind sicher, dass eine Gesellschaft, die sozial auseinander driftet,<br />
langfristig auch wirtschaftlich nicht erfolgreich sein kann, weil<br />
sie die Potentiale und Talente der Menschen zu wenig einbezieht.<br />
Teilhabe ist also nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern<br />
auch des wirtschaftlichen Erfolgs.
</p>
<p>
<b>manuel.baumann.berli:</b> Herr Heil, ich bin regional<br />
sehr aktiv für die SPD. Was soll ich am Marktstand jemandem<br />
antworten, der auch ohne Mehrwertsteuererhöhung schon am Rande<br />
des Existenzminimums lebt?
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Es ist zweifelsohne so, dass die<br />
notwendige Mehrwertsteuererhöhung für viele Menschen eine<br />
starke Zumutung ist. Umso mehr müssen wir deutlich machen,<br />
dass alle in dieser Gesellschaft, auch die Wohlhabenden, einen angemessenen<br />
Beitrag zur Finanzierung unseres Gemeinwesens leisten müssen.<br />
Es gilt: Nur reiche Leute können sich einen armen Staat leisten.<br />
Die Mehrheit der Menschen ist darauf angewiesen, dass wir beispielsweise<br />
Bildung, innere und äußere Sicherheit und Infrastruktur<br />
öffentlich organisieren. Deshalb ist dieser schwierige Schritt<br />
notwendig, damit unsere Kommunen, unsere Länder und der Bund<br />
handlungsfähig bleiben.
</p>
<p>
<b>al33x: </b>Sie sprechen von der Erneuerung der sozialen<br />
Marktwirtschaft: Warum heißt Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft<br />
(mit ihren sozialen Sicherungssytemen) eigentlich mehr Elemente<br />
der freien Marktwirtschaft einbringen und die sozialen Sicherungssysteme<br />
auf ein Grundniveau reduzieren? Wenn Sie vom Vorbild Skandinavien<br />
reden, dann sollte man doch wissen, dass dort zum größten<br />
Teil das Gegenteil geschieht.
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Ich habe nie behauptet, dass man<br />
soziale Lebensrisiken in Deutschland weiter privatisieren sollte.<br />
Die Sozialstaatlichkeit werden wir gegen alle verteidigen, die sie<br />
abschaffen wollen. wir müssen allerdings feststellen, dass<br />
die Art und Weise, wie wir Sozialstaat in Deutschland organisieren<br />
und finanzieren, in vielen Bereichen soziale Probleme lediglich<br />
verwaltet. Ein zentraler Gesichtspunkt unserer Vorstellung eines<br />
vorsorgenden Sozialstaats ist es, durch eine kluge Bildungspolitik<br />
mehr Gesundheitsprävention und eine aktive Arbeitsmarktpolitik<br />
soziale Probleme nach Möglichkeit im Vorhinein zu verhindern<br />
und dafür zu sorgen, dass Menschen ihr Leben selbstbestimmt<br />
führen können. Unser Ziel ist nicht eine Debatte um mehr<br />
oder weniger Staat, sondern die Frage, wie wir unseren Staat besser<br />
machen können.
</p>
<p>
<b>hanswurstl:</b> In Rheinland-Pfalz hat die SPD bei<br />
den Landtagswahlen ja halbwegs erfolgreich abgeschnitten. Sachsen-Anhalt<br />
und Baden-Württemberg waren aber ein Desaster. Wie will die<br />
SPD im Osten wieder auf die Beine kommen? Und was qualifiziert ausgerechnet<br />
Herrn Bullerjahn?
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Was heißt in Rheinland-Pfalz<br />
&quot;halbwegs erfolgreich&quot;? Immerhin hat Kurt Beck in diesem<br />
früher sehr konservativen Land eine absolute Mehrheit für<br />
die SPD erreicht. In Baden-Württemberg haben wir eine bittere<br />
Niederlage erlitten, da gibt es nichts zu beschönigen. Aber<br />
im Osten Deutschlands ist die SPD, Berlin mitgerechnet, immerhin<br />
in fünf von sechs Bundesländern an der Regierung beteiligt<br />
und stellt mit Matthias Platzeck, Klaus Wowereit und Harald Ringstorff<br />
drei überaus angesehen Ministerpräsidenten. Jens Bullerjahn<br />
ist ein kluger und außerordentlich strategisch denkender Politiker,<br />
der die SPD in Sachsen-Anhalt in die Regierung geführt hat<br />
und der in der Landesregierung beweisen wird, dass die SPD in einem<br />
Bundesland, das mit erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Problemen<br />
zu kämpfen hat, neue Ideen und Konzepte durchsetzen kann. Wir<br />
werden noch viel Gutes über Jens Bullerjahn, den ich in den<br />
letzten Monaten besser kennen gelernt habe, erfahren. Kurz: Das<br />
ist ein guter Typ.
</p>
<p>
<b>peter skalitzer:</b> Sie stellen sich hinter das Modell<br />
der großen Koalition. Weshalb schneidet dann aber die SPD<br />
rund zehn Prozent schlechter als die Union ab?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Gefühl, das viele Beobachter<br />
teilen: Die SPD &quot;punktet&quot; mit ihren Projekten, den (befragten)<br />
SPD-Wähler kümmert es nicht.
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Als Generalsekretär wünsche<br />
ich mir natürlich immer bessere Umfragen. Aber was zählt<br />
ist nicht Umfragen, sondern Wahlen zu gewinnen. Und da haben wir,<br />
wie gesagt, in diesem Jahr in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern<br />
sehr gute Chancen. Meinungsumfragen wechseln ständig. Ich setze<br />
darauf, dass Schritt für Schritt auch öffentlich registriert<br />
wird, dass die SPD in der Bundesregierung Kraft der Erneuerung und<br />
Garant von sozialer Gerechtigkeit ist. Auf Bundesebene werden wir<br />
dann 2009 erleben, wem die Menschen in Zukunft die politischen Geschicke<br />
unseres Landes anvertrauen. Ich kann nur sagen: Wir haben bis dahin<br />
in der Regierung, aber auch bei der Erneuerung unserer Partei noch<br />
viel Arbeit vor uns. Aber die SPD wird nicht nur gebraucht, sondern<br />
ich bin mir sicher, dass es in Deutschland eine große Mehrheit<br />
von Menschen gibt, die soziale Demokratie für unser Land wollen.
</p>
<p>
<b>huibu:</b> Woran soll denn die deutliche Abgrenzung<br />
von der Union sichtbar werden?
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Geben Sie uns doch mal ein konkretes<br />
Beispiel.
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> In der Bildungs- und Sozialpolitik<br />
sowie in der Gesellschafts- und Familienpolitik, aber auch in der<br />
Energiepolitik gibt es erhebliche Auffassungsunterschiede zwischen<br />
uns und den Schwarzen. Lassen Sie mich das am Beispiel der Energiepolitik<br />
erläutern: Wir wollen, im Gegensatz zu einigen in der Union,<br />
die rückwärts gewandte Debatte um die Atomkraft hinter<br />
uns lassen. Moderne Energiepolitik heißt für uns, eine<br />
Strategie, die auf Versorgungssicherheit, Energieeffizienz und den<br />
Ausbau erneuerbarer Energien setzt. Die Frage der Zukunft der Energieversorgung<br />
ist am Beginn des 21. Jahrhunderts sowohl in wirtschaftlicher, ökologischer<br />
als auch sicherheitspolitischer Hinsicht eine entscheidende Zukunftsfrage.<br />
Ich bin mir sicher, dass wir mit unserem Energieminister Sigmar<br />
Gabriel unsere Vorstellungen in der Bundesregierung weiter durchsetzen<br />
werden. Jedenfalls ist Energiepolitik viel zu wichtig, als dass<br />
man sie Michael Glos alleine überlassen dürfte. In der<br />
Familienpolitik erleben wir zwar, dass eine CDU-Frau Ministerin<br />
ist, der wir aber auch gegen den Widerstand in ihren eigenen Reihen,<br />
helfen werden, eine gute, weil sozialdemokratische Politik für<br />
die Familie durchzusetzen.
</p>
<p>
<b>sunny:</b> Welche Rolle wir Matthias Platzeck zukünftig<br />
noch in der SPD spielen?
</p>
<p>
<b>Sokrates: </b>Wie sehen Sie die Zukunft Platzecks?<br />
Wird er in Zukunft in der Bundespolitik oder der SPD noch eine weitere<br />
Rolle spielen können?
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Matthias Platzeck bleibt Ministerpräsident<br />
in Brandenburg und hat damit Zugang zum SPD-Parteipräsidium,<br />
dem zentralen Führungsgremium unserer Partei. Sein Engagement,<br />
sein Rat und seine Arbeit bleiben für uns unverzichtbar.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war`s, unser tagesschau-Chat nach<br />
dem „Bericht aus Berlin“ ist vorbei. Vielen Dank Herr<br />
Heil für den Chat. tagesschau.de und politik-digital.de bedanken<br />
sich für Ihr Interesse. Die nächsten Chats folgen prompt:<br />
Morgen, Montag, stellt sich ab zwölf Uhr Ralf Brauksiepe der<br />
Diskussion. Brauksiepe ist arbeits- und sozialpolitischer Sprecher<br />
der Unionsfraktion und hat mit der Zuständigkeit für Hartz<br />
IV eines der heißesten Politikgebiete geerbt. Am Mittwoch<br />
diskutiert mit Ihnen die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast<br />
ab dreizehn Uhr. Das Protokoll dieses Chats gibt`s wie immer in<br />
Kürze zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de und Politik-digital.de.<br />
Das tagesschau-Chat-Team wünscht allen noch einen schönen<br />
Abend.
</p>
<p>
<b>Hubertus Heil:</b> Auch von mir aus allen Beteiligten<br />
einen schönen Sonntagabend. Hoffentlich ab 20.15 einen guten<br />
Krimi in der ARD, und ein besonderer Gruß an meine niedersächsische<br />
Heimat. Die Menschen in meinem Wahlkreis Gifhorn-Peine seien mir<br />
besonders gegrüßt. Wenn Sie mit mir weiter diskutieren<br />
wollen, lade ich Sie herzlich im Weblog der SPD unter www.kraft-der-erneuerung.de<br />
zur Diskussion um das neue Grundsatzprogramm der Sozialdemokratie<br />
ein.</p>
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