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	<title>Humboldt-Universität &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Humboldt-Universität &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Zwischen neuen Chancen und alten Grenzen: Gehörlose im Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Mahler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Oct 2016 08:34:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Gehörlosen Jugend e.V.]]></category>
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					<description><![CDATA[Sprechen, sich austauschen, Kontakt haben: Für Gehörlose ist die Kommunikation der hörenden Mehrheitsgesellschaft praktisch eine unerreichbare Welt. Eigene Schulen und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-150387 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/barrier-gates-280628_640x314_CC0_by_Ben_Kerckxvia_pixabay.jpg" alt="Schranke auf einem Weg im Wald, barrier gates by Ben_Kerckx CC0 via Flickr" width="640" height="314" />Sprechen, sich austauschen, Kontakt haben: Für Gehörlose ist die Kommunikation der hörenden Mehrheitsgesellschaft praktisch eine unerreichbare Welt. Eigene Schulen und Vereine waren deshalb für sie lange Zeit die einzigen Orte, in denen sich ihnen diese Welt auftat. Mit dem Internet hat sich das geändert: Das Netz beeinflusst nicht nur die Kultur der Gehörlosen. Dass deren Herzstück, die Gebärdensprache, auch beim Videochat eingesetzt werden kann, ist für taube Menschen inzwischen sogar der Hauptgrund, online zu gehen. Doch bei allem Fortschritt: Taube Menschen treffen auch online immer noch auf alte Barrieren.</p>
<p>Inzwischen klingen die Buchstaben schon fast banal: WWW, weltweites Netz. Dabei schafft das Internet manchmal sogar weit mehr, als die eine Welt zu verbinden: Manchmal eröffnet es regelrecht neue Welten. Zum Beispiel für Gehörlose.</p>
<p>Denn dass im Analogen oft Welten zwischen Hörenden und Gehörlosen liegen, erfahren taube Menschen alltäglich: Anders als für Hörende ist es für Gehörlose ohne Dolmetscher alles andere als einfach, jemanden auf der Straße mal kurz anzusprechen und nach dem Weg zu fragen oder einkaufen zu gehen. Verständnisprobleme sind immer vorprogrammiert. Eigentlich besitzen taube Menschen mit der Gebärdensprache eine perfekte Möglichkeit sich mitzuteilen und zu verständigen. Aufgrund eines von der hörenden Mehrheitsgesellschaft bestimmten Kommunikationssystems sind Gehörlose jedoch de facto immer auf andere Mitglieder der eigenen Minderheit angewiesen, um sich austauschen zu können. Lange Zeit waren deshalb Gehörlosenschulen und eigene Vereine praktisch <a href="http://fzgresearch.org/PDF_VUGS/(41)%20Hohl%202004.pdf%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">die einzigen Örtlichkeiten der Gehörlosengemeinschaft</a>, in denen sich ihnen die weithin unerreichbare Welt der Alltagskommunikation erschloss.</p>
<p>Mit dem Internet ist ein neuer Ort dazugekommen, der – wie bei Hörenden auch – die menschliche Kommunikation teilweise sogar überflüssig gemacht hat: Wer nach einer Straße sucht, fragt einfach schnell Google-Maps. Und wer shoppen oder eine Reise buchen will, kann dies mit wenigen Klicks auch zuhause online erledigen. Für Gehörlose ist das nicht nur genauso bequem wie für Hörende. Es bedeutet für sie auch, im Alltag ohne Dolmetscher weniger mit Verständigungsschwierigkeiten konfrontiert zu sein. „Das Internet ermöglicht Gehörlosen also eine stärkere Individualisierung. Es schafft Unabhängigkeit“, erklärt Andreas Bittner. Bittner ist nicht nur selbst taub, sondern auch Dozent am <a href="https://www.reha.hu-berlin.de/lehrgebiete/gsd/lehre-und-studium/ds" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deaf-Studies-Lehrstuhl der Humboldt-Universität in Berlin</a>. Für ihn steht fest: „Es hat durch das Internet einen großen Wandel für Gehörlose gegeben.“</p>
<h3>Das Internet prägt die Kultur der Gehörlosen mit</h3>
<p>Seit den 1990er Jahren gibt es etwa eigene Webseiten für die sprachliche Minderheit. Der spätertaubte Bernd Rehling gehört dabei zu den „Dinosauriern“ des Deaf Internet (Gehörlosen-Internet), wie er sich selbst nennt. Er hat 1997 das Portal <a href="http://taubenschlag.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">taubenschlag.de</a> mitgegründet, das Informationen aus der Deaf World bündelt. Seine Motivation beschreibt er so: „Im Internet habe ich gerade für Hörgeschädigte eine große Chance gesehen, um Informationen zu bekommen, zu kommunizieren und zu lernen.“ Und der 73-Jährige sieht die Chancen auch zu einem guten Stück erfüllt, nicht zuletzt auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die eigenständige Kultur der Gehörlosen: „Es gibt kulturelle Angebote für Gehörlose wie nie zuvor. Die wären überregional ohne das Internet kaum zugänglich, ja, viele gäbe es gar nicht.“ Erst durch das Internet seien ausländische Impulse wie die Deaf Poetry Slams in Deutschland schnell verbreitet worden. Auch das Entstehen einer selbstbewussten Jugendkultur habe das Netz beschleunigt. Und durch Online-Veröffentlichungen finden lokale Angebote wie Museumsführungen für Gehörlose überhaupt erst ein breites Publikum, so Rehling.</p>
<p>Um ein vielfaches verbessert habe sich auch der Informationserwerb, sagt der pensionierte Lehrer. So würden zumindest einige öffentlich-rechtlichen Sender inzwischen 90 Prozent ihres Angebots untertiteln. Und über das Live-Streaming kämen Gehörlose nun sofort an aktuelle Informationen. Zum Medium schlechthin sei für Gehörlose der Video-on-demand-Dienst Netflix geworden: Dort werden alle Filme und Serien ausnahmslos untertitelt. Und selbst Facebook ermöglicht jetzt Werbetreibenden – wenn auch primär aus Rücksicht auf mobile Nutzer und deren Klickzahlen – <a href="https://www.facebook.com/business/news/updated-features-for-video-ads" target="_blank" rel="noopener noreferrer">automatisch Untertitel in Videos einzubauen</a>. Eine wichtige Entwicklung, schließlich nimmt dort die Zahl der Videos im Newsfeed rasant zu. Und Andreas Bittner vom Berliner Deaf-Studies-Lehrstuhl bestätigt, dass durch das Internet Gehörlosen so grundsätzlich mehr Informationen zugänglich gemacht werden: „Man bekommt stärker mit, was in der hörenden Gesellschaft passiert.“</p>
<h3>Das barrierefreie Netz gibt es noch nicht</h3>
<p>Trotzdem gibt es auch online immer noch starke Einschränkungen für Gehörlose. <a href="http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">So rufen schon jetzt 53 Prozent der Mehrheitsgesellschaft mindestens einmal wöchentlich audiovisuelle Inhalte im Netz auf, um sich zu informieren. </a>Werden diese in Zukunft nicht überall barrierefrei angeboten, wird die Kluft zwischen Hörenden und Gehörlosen bei der Informationsbeschaffung wieder zunehmen, die sich durch die <a href="http://www.deutsche-gesellschaft.de/fokus/tagesspiegel-inklusion-im-fernsehen-untertitel-ersetzen-keine-gebaerden" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gestiegene Zahl an Untertiteln im Fernsehen</a> gerade langsam vermindert. Momentan sehen sich laut einer aktuellen Studie der Rheinischen Fachhochschule Köln 76 Prozent der Gehörlosen ausgebremst, wenn es um audiobasierte Inhalte im Netz geht.</p>
<p>Andreas Bittner von der HU Berlin sieht aber auch unabhängig davon noch lange kein barrierefreies Netz. Zu tun habe das mit der Schriftsprache, von der es natürlich im Internet ebenfalls nur so wimmelt. So wie sie von der Mehrheitsgesellschaft gebraucht wird, unterscheidet sich die Schriftsprache von der Gebärdensprache nicht nur durch die fehlende visuelle Ausdrucksweise. Für taube Menschen ist sie auch deshalb nur mit Mühe zu verstehen, weil ihr eine andere Grammatik zugrunde liegt. Bittner: „Deutsche Schriftsprache ist wie eine Fremdsprache für deutsche taube Menschen.“ Eine entscheidende Rolle für Gehörlose spiele daher auch im Internet ihre Schriftsprachkompetenz. Und die brauche es oft schon zum Verstehen von Untertiteln, so der Deaf-Studies-Experte. „Erst die Gebärdensprache wäre ein wirklicher Vorteil“, findet Bittner. „Doch die ist im Internet noch die absolute Ausnahme.“ Das gilt auch für die <a href="http://www.bpb.de/apuz/179341/leichte-und-einfache-sprache-versuch-einer-definition" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Leichte Sprache“</a>. Gehörlose profitieren also bislang – abhängig von ihrer Schriftsprachkompetenz – unterschiedlich stark von den Vorzügen des Internet.</p>
<h3>Deaf World: Gehörlose können jetzt auch in die Ferne mittels Gebärdensprache kommunizieren</h3>
<p>Von unschätzbarem Wert für alle tauben Menschen sind dagegen die Kontakt- und Vernetzungsmöglichkeiten, die das Netz bietet. Welche große Rolle die Vernetzung für sie spielt, beweist allein schon Achim Feldmann: Er hat lange vor Facebook und Co 1995 mit gehoerlos.de das erste Diskussionsforum für taube Menschen in Deutschland gegründet: „Ich wollte, dass die Gehörlosen weniger isoliert sind. Zuvor mussten sie erst in die nächste Großstadt fahren, um sich mit anderen Gehörlosen zu unterhalten. Das hat Zeit und Geld gekostet.“ Zwar nutzten Gehörlose damals auch Faxgeräte oder seit 1975 schon Schreibtelefone, um in die Ferne zu kommunizieren. Mit einem schnellen Chat vermögen diese Geräte aber freilich nicht mitzuhalten. Mehr noch: Heute können auf Skype, Whatsapp oder per Email auch Videos verschickt werden. Und damit wird der Austausch in Gebärdensprache über Entfernungen hinweg möglich. „Das ist ein Quantensprung in der Entwicklung“, findet auch taubenschlag.de-Gründer Rehling. „Gehörlose können jetzt weltweit Kontakte pflegen, sogar in ihrer Muttersprache.“</p>
<p>Tatsächlich bietet das Internet die Chance, dass der Bedeutung der Gebärdensprache für taube Menschen auch bei der Kommunikation in die Ferne noch Rechnung getragen wird: Weil die Gebärdensprache die Gehörlosengemeinschaft überhaupt erst stiftet, gilt sie als <a href="http://fzgresearch.org/PDF_VUGS/(41)%20Hohl%202004.pdf%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Herzstück der Gehörlosenkultur“</a>. Das bedeutet, dass sogar Gehörlose die Gebärdensprache lernen oder weiter pflegen, denen ein Cochlea-Implantat das Hören und Verstehen der Lautsprache ermöglicht. Sie wollen damit ihrer Gemeinschaft treu bleiben. Florian Lothmann, Leiter der erwähnten Studie aus Köln, hat in seiner Umfrage von 2015 sogar folgendes festgestellt: Die gebärdensprachliche Kommunikation räumlich unabhängig einsetzen zu können, ist für Gehörlose inzwischen sogar der Hauptgrund, das Internet zu nutzen und nicht die erleichterte Informationsbeschaffung. Doch überraschenderweise war das nicht immer so.</p>
<h3>Neue Möglichkeiten im Netz trafen zunächst auf alte Nutzungsgewohnheiten</h3>
<p>Eine Studie der HU Berlin aus dem Jahr 2012 zur Nutzung sozialer Medien durch Gehörlose zeigt, dass der Trend, die Gebärdensprache zu pflegen, online erst verzögert eingesetzt hat. So ergab die Studie damals folgendes Bild: Von 106 befragten Gehörlosen und einigen wenigen Schwerhörigen setzte nur eine Person ausschließlich auf Video-Chats. Dagegen gaben umgekehrt mehr als 61 Prozent der Befragten an, sich dort nur schriftlich mit anderen auszutauschen und damit sogar ganz auf das Gebärden zu verzichten. Die Übrigen nutzten beide Möglichkeiten. Studienleiterin Laura Schulze hatte ferner festgestellt, dass es bei der Wahl des Netzwerks keinen Unterschied zur Mehrheitsgesellschaft gibt: Auch bei den befragten Gehörlosen waren die meisten bei Facebook angemeldet. Und das, obwohl es seit 2007 ein visuell orientiertes Netzwerk gegeben hatte, das speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit einer Hörschädigung abgestimmt war.</p>
<p>Andreas Bittner vom Deaf-Studies-Lehrstuhl erklärt diese Ergebnisse mit ausgeprägten alten Nutzungsgewohnheiten, die erst mit der Zeit zurückgegangen sind. Noch heute kommunizierten ältere Gehörlose teils immer noch lieber per Fax als sich etwa via Skype in ihrer Muttersprache mit anderen auszutauschen – „weil sie es so gewohnt sind.“ Technikaffinität und digitale Nutzungsgewohnheiten sind also offenbar ausschlaggebender als die Nähe zur eigenen Muttersprache. „Und ich denke: Wenn man die Gebärdensprache über Video und Webcam einsetzt, zeigt man gleichzeitig sehr viel von sich persönlich, der ganze Mensch in seiner Verfassung ist dann sichtbar“, so Bittner. Wenn Gehörlose also im Internet ihre Muttersprache einsetzen wollen, ist das – anders als bei Hörenden – zwangsläufig mit Sichtbarkeit verbunden. Und setzt damit – genau umgekehrt zu den Hörenden, die problemlos auch unsichtbar kommunizieren können – immer die Überwindung einer gewissen Hemmschwelle voraus.</p>
<h3>Die Muttersprache liegt bei tauben Menschen inzwischen auch online  im Trend</h3>
<p>Dass Video-Nachrichten inzwischen im Trend liegen, hängt für Deaf-Studies-Experte Andreas Bittner auch damit zusammen, dass die technischen Voraussetzungen dazu immer besser geworden sind: Videonachrichten setzen geeignete Endgeräte, schnelles Internet, gute Videoqualität und ausreichendes Datenvolumen voraus. Bittner: „Ist das alles erfüllt, schafft das zusätzliche Anreize, die Gebärdensprache auch digital einzusetzen.“ Gerade bei gehörlosen Jugendlichen führen die neuen Videochatmöglichkeiten nach Angaben der <a href="http://www.gehoerlosen-jugend.de/allesueberdgj/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Deutschen Gehörlosen Jugend e.V.“</a> dazu, dass diese sich ihrer Muttersprache stärker bewusst werden.</p>
<p>Trotzdem kann Andreas Bittner der Schriftform nach wie vor etwas abgewinnen. Und zwar was das Verhältnis zu Hörenden angeht: „Wenn man nur schreibt, merkt man nicht zwangsläufig, ob jemand hörend ist oder nicht. Und auch wenn Gehörlose in der Schriftform nicht immer grammatisch perfekt sind: Der Kontakt zu Hörenden wird erleichtert.“ So gaben von den 241 Gehörlosen, die in der bereits genannten Studie der Rheinischen Fachhochschule befragt wurden, zwei Drittel an, durch das Internet sogar häufiger mit Hörenden zu kommunizieren. Den digitalen Austausch in Schriftform hält der taube Softwareentwickler Achim Feldmann dabei vor allem in der Arbeitswelt für wichtig: „Die Selbstständigkeit von Gehörlosen am Arbeitsplatz hat dadurch zugenommen. Und damit auch die Verantwortung und das Selbstbewusstsein.“ Aufgrund der Unabhängigkeit von Dolmetschern zieht Feldmann im Kontakt mit hörenden Arbeitskollegen Emails sogar <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Relay-Dienst" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Relay-Diensten</a> vor.</p>
<h3>Filter Bubble: Auch online trennen Gehörlose und Hörende oft noch Welten</h3>
<p>Doch konnte das Internet auch insgesamt dabei helfen, die Welten zwischen Gehörlosen und Hörenden wegzuräumen? Führen die neuen digitalen Kontaktmöglichkeiten beide Seiten stärker zusammen? Bernd Rehling bringt es mit Blick auf die sozialen Netzwerken so auf den Punkt: „Wie alle Nutzer schmoren auch Gehörlose dort im eigenen Saft, gründen also Gruppen zu ihren Interessengebieten und tauschen Informationen aus der Gehörlosenwelt aus.“ Die taube Lippenleserin und Inklusionsaktivistin Julia Probst hält Rehling dabei für eine Ausnahme: <a href="https://twitter.com/einaugenschmaus?lang=de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Probst hat auf Twitter mehr als 34.000 Follower</a>, hauptsächlich Hörende. Doch bei allen sprachlichen Barrieren und, in ihren Augen, nach wie vor ungenügender Inklusion im Netz, sieht die 34-Jährige selbst die Lage weniger pessimistisch: „Das Internet spielt eine wichtige Rolle, das Verständnis von Gehörlosen und Hörenden zu verbessern – auch wenn es nicht immer gelingt. Und es hat sich auch schon etwas verändert, aber eher bei Menschen, die schon immer offener waren.“</p>
<p>Denn bei allem technischen Fortschritt bleiben zwischen Hörenden und Gehörlosen in der Regel unterschiedliche Interessen und Denkweisen bestehen. Schon allein aufgrund ihrer visuellen Ausrichtung nähmen Gehörlose manches ganz anders wahr als Hörende, so Bernd Rehling. Das beginne schon bei Witzen und höre längst noch nicht bei einem unterschiedlichen Zugang zu Musik und Literatur auf. Rehling: „Nach anfänglicher Begeisterung brechen Kontakte zwischen hörenden und gehörlosen Jugendlichen daher meistens schnell ab – es sei denn, die Hörenden erlernen die Gebärdensprache und begeben sich in die deaf world. Solche Kontakte lassen sich dann aber besser real als im Internet pflegen.“</p>
<p>So viel das Internet also auch für Gehörlose verbessert haben mag: Mentalitätsunterschiede lassen sich eben dann doch nicht mal eben schnell wegdigitalisieren.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://pixabay.com/de/barrier-gates-walking-pfad-natur-280628/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Barrier Gates von Ben Kerckx via Pixabay</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 Public Domain</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>VDS: Späte Kritik von Datenschützerin Voßhoff</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Löser]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 May 2015 08:19:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Humboldt-Universität]]></category>
		<category><![CDATA[VDS]]></category>
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		<category><![CDATA[Voßhoff]]></category>
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					<description><![CDATA[An diesem Dienstag gab die Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Andrea Voßhoff einen ihrer seltenen öffentlichen Auftritte. Bei der Veranstaltung [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/1984.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-145873" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/1984.jpg" alt="1984" width="640" height="280" /></a>An diesem Dienstag gab die Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Andrea Voßhoff einen ihrer seltenen öffentlichen Auftritte. Bei der Veranstaltung an der Humboldt-Universität zu Berlin forderte sie energisch eine Aufwertung ihres Hauses, Äußerungen zum aktuellen Gesetzesentwurf zur Vorratsdatenspeicherung waren ihr jedoch leider nur auf Nachfrage zu entlocken.</p>
<p>Nicht von ungefähr erwähnte Gastgeber Professor <a href="http://kloepfer.rewi.hu-berlin.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Michael Kloepfer</a> in seinen einleitenden Worten, dass die Hauptvortragende des Abends schon mal „von der Journaille als scheues Reh bezeichnet“ wird. Umso erfreuter sei er, dass er die Bundesbeauftragte für einen Gastvortrag zum Thema „Datenschutzaufsicht in der digitalen Gesellschaft“ gewinnen konnte.</p>
<p>Nach einer knappen Stunde Vortrag schienen die meisten Zuhörer im Saal von der juristischen Herangehensweise an das Thema Datenschutz erschlagen zu sein – obwohl sich die Mehrheit der Zuhörer im mehr oder weniger fortgeschrittenen Jurastudium befindet. Trotzdem wurden einige Forderungen und Standpunkte Voßhoffs deutlich: Eine Datenschutzgrundverordnung mache nur Sinn, wenn sie im europäischen Kontext harmonisiert ist. Dies könne auch für den weltweiten Datenschutz eine Art Vorbildcharakter haben. Einen genauen Fahrplan für ein solches Vorhaben nannte sie jedoch nicht.</p>
<p>Dann kam Voßhoff zu ihrem Hauptanliegen. Eine effektive Überwachung der Einhaltung datenschutzrechtlicher Verordnungen von staatlicher Seite könne nur sichergestellt werden, wenn ihrer Behörde in Zukunft mehr Geld, mehr Personal und mehr Kompetenzen zur Verfügung stehen. Erstrebenswert sei der Status einer Obersten Bundesbehörde. Ob es dazu kommen wird ist zumindest fraglich. Datenschutz ist vor allem in einer digitalen Gesellschaft ein immer wichtigeres Thema und der Staat hat Sorge zu tragen, dass das Recht der Bürger auf informationelle Selbstbestimmung gewährleistet wird. Doch Voßhoff wird es schwer haben, ihren Forderungen Gehör zu verschaffen, wenn sie nicht konkretere Vorschläge unterbreitet.</p>
<h3>Zu wenig mediale Präsenz</h3>
<p>Und dann war da ja noch das Thema Vorratsdatenspeicherung. In ihrem Vortrag ging die Bundesbeauftragte leider mit keinem Wort auf die Gesetzesinitiative der Bundesregierung ein und so war es am Publikum nachzuhaken. Voßhoffs Entschuldigung zur medialen Abstinenz: die „BfDI wird Kraft ihrer Funktion nicht [in den Gesetzgebungsprozess] eingebunden“ und so sind „nur Stellungnahmen möglich“. Eine solche wolle sie am folgenden Tag nach eingehender Prüfung des Gesetzesentwurfs veröffentlichen. Das ist mittlerweile geschehen und die <a href="http://www.bfdi.bund.de/DE/Infothek/Pressemitteilungen/2015/15_VDS.html?nn=5217154" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pressemitteilung</a> fällt eindeutig aus: „Die Neuregelung kann meine bereits geäußerten Bedenken an die Vorgaben für eine verfassungsgemäße Vorratsdatenspeicherung nicht ausräumen.“ Neben weiteren Kritikpunkten erachtet Voßhoff „die unnötige Eile“ des Gesetzgebungsverfahrens als „inakzeptabel“.</p>
<p>Es ist begrüßenswert, dass Frau Voßhoff die Bundesregierung für den Gesetzesentwurf so deutlich kritisiert. Doch entweder unterschätzt sie ihre Möglichkeiten der Einflussnahme durch mehr mediale Präsenz oder sie will der Konfrontation mit der Bundesregierung aus dem Weg gehen. Denn Pressemitteilungen werden Fragen wie die eines interessierten Studenten nicht verstummen lassen: „Warum sind sie nicht viel präsenter in der aktuellen Debatte?“</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/26010838@N06/2932250016/in/photolist-5t7xLL-5t7xKE-5t39Y4-5t7xFs-5t7xDE-74GhkT-5t7xNY-74Lb59-3TjnDB-3ToDeA-3TjjuM-3ToBwu-3TjhWa-3Tjh5V-3Tjgig-3TjfqK-3TjeDT-3TjdJF-3Tjc8e-3TosNC-3ToqSJ-3Tj7za-3ToprG-3Tj55V-3TomW3-3Tom4Q-3Tj2Bi-3Tojsq-3ToGYU-3aPUNg-5Y6rPD-pt1SLL-bAp8dE-pby9e5-3bsW69-3b1Gm1-pby9yd-pt1Qko-pbxNZL-3bjnAG-pt1QKS-pt1Quw-pt1R4h-pbyA6V-pr1u3A-pbyzWg-psLbq2-6Y2LgG-3bjoRA-3beTUn" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dominik Wagner</a></p>
<div class="attribution-info"></div>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>&#8220;Transparenz des Internet ändert alles“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Johann Eggert]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Feb 2011 18:45:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Schmidt]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Humboldt-Universität]]></category>
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					<description><![CDATA[Der scheidende Google-Chef Eric Schmidt hielt im Audimax der Berliner Humboldt-Universität einen Vortrag zur Entwicklung und Bedeutung des Internet. Dabei bekräftigte er die Absicht zur Errichtung eines Instituts für Internet und Gesellschaft.    
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der scheidende Google-Chef Eric Schmidt hielt im Audimax der Berliner Humboldt-Universität einen Vortrag zur Entwicklung und Bedeutung des Internet. Dabei bekräftigte er die Absicht zur Errichtung eines Instituts für Internet und Gesellschaft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bereits zu Beginn seines knapp einstündigen Vortrags verdeutlichte Schmidt die politische und gesellschaftliche Bedeutung des Internet. Dabei verwies er u.a auf dessen mobilisierende Rolle bei den erfolgreichen Protesten gegen das ägyptische Regime sowie die Transparenz bei der <a href="http://europa.eu/index_de.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">digitalen Bereitstellung</a> von EU-Dokumenten für die Bürger. &#8220;Dass jemand in diesem Raum innerhalb der kommenden sechs Monate etwas entwickelt, wovon 100 Millionen Menschen weltweit betroffen sein könnten, diese Möglichkeit hat nie zuvor bestanden&#8221;, so Schmidt.</p>
<p align="center"><img decoding="async" title="Audimax" src="/wp-content/uploads/110216_audimax.jpg" alt="Audimax" width="340" height="255" /></p>
<p align="center"><strong>(Audimax der Berliner Humboldt-Universität)</strong></p>
<p>Im Laufe seines Vortrags kam Schmidt auf das bereits <a href="http://www.morgenpost.de/wirtschaft/article1545854/Google-gruendet-Zukunftsinstitut-in-Berlin.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">angekündigte</a> Google-Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin zu sprechen. Dieses will der weltweit größte Internetkonzern in Kooperation mit lokalen akademischen Einrichtungen wie der Humboldt-Universität noch dieses Jahr eröffnen. In der deutschen Debattenkultur sieht Schmidt ein willkommenes Fundament für die Aktivitäten des Instituts. Dieses soll Untersuchungen rund um die Zukunft des Internet durchführen: wie z. B. zu webbasierten Innovationen. Die Rolle seines eigenen Unternehmens in diesem Prozess ließ Schmidt nicht unerwähnt. Zeit sei ein zunehmend kostbares Gut für Menschen. Unternehmen wie Google würden den Internet-Nutzern dabei helfen, ihre Zeit durch das Management von Netzinhalten effizienter zu nutzen. In zahlreichen kritischen Nachfragen aus dem Publikum wurden jedoch Bedenken zur dominierenden Rolle Googles in diesem Prozess geäußert, die Schmidt nicht vollständig ausräumen konnte.<br />
Zudem stellte Schmidt den neuen Google-Dienst &#8220;<a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Google-startet-Bezahldienst-One-Pass-1191208.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">OnePass</a>&#8221; vor, ein kostenpflichtiges System zur Nutzung von Presseinhalten.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Open Access wird sich einbürgern&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Nov 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Humboldt-Universität]]></category>
		<category><![CDATA[Open Access]]></category>
		<category><![CDATA[Open Content]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Coy]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>
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					<description><![CDATA[<b><span style="font-size: x-small">Am 
Montag, 20<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">. November 2006 war Wolfgang 
Coy,</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b> Professor für 
Informatik</b></span><span style="font-size: x-small">, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a> 
Live-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit 
den Nutzern über die Möglichkeiten und den Nutzen von Open 
Access für die Wissenschaft</span></span>.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><span style="font-size: x-small">Am<br />
Montag, 20<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">. November 2006 war Wolfgang<br />
Coy,</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b> Professor für<br />
Informatik</b></span><span style="font-size: x-small">, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a><br />
Live-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit<br />
den Nutzern über die Möglichkeiten und den Nutzen von Open<br />
Access für die Wissenschaft</span></span>.</span></b><!--break--> </p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Nutzerinnen und<br />
Nutzer von e-teaching.org, willkommen zum e-teaching.org Live-Chat.<br />
Zu Gast ist Professor Wolfgang Coy, Professor für Informatik<br />
an der Humboldt Universität zu Berlin. Einen schönen guten<br />
Herr Professor Coy und vielen Dank, dass Sie Zeit für uns haben.<br />
Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Gerne!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was genau ist denn unter dem Begriff<br />
Open Access eigentlich zu verstehen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Open Access ist der Versuch, wissenschaftliche<br />
Literatur über das Internet weltweit und frei zugänglich<br />
zu machen.</p>
<p><b>HU-Student:</b> Welchen Nutzen verspricht sich die<br />
Humboldt-Universität von Open Access?</p>
<p><b>Wolfgang Coy:</b> Die Humboldt-Universität hofft<br />
damit die vielfältige wissenschaftliche Aktivität ihrer<br />
Mitarbeiter deutlich zu machen. Des Weiteren versuchen wir international<br />
und national sichtbar zu sein. Dahinter steht eine grundsätzliche<br />
Frage, nämlich WER soll Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen<br />
haben. Insbesondere geht es darum, wissenschaftliche Arbeit, die<br />
mit öffentlichen Mitteln erstellt wurde, der Öffentlichkeit<br />
zurück zu geben. Der deutsche Steuerzahler hat ein direktes<br />
Recht dazu. Aber wir Wissenschaftler sind auch der Ansicht, dass<br />
wir etwas für die anderen Länder tun sollten. Zudem sind<br />
elektronische Veröffentlichungen im Regelfall viel schneller<br />
als gedruckte Veröffentlichungen.
</p>
<p>
<b>ulfi:</b> Was genau erhoffen Sie sich durch den freien<br />
Zugang zu Informationen im Internet?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wir hoffen auf das Interesse möglichst<br />
vieler Leser und damit einer breiten Diskussion dessen, was wir<br />
veröffentlichen.
</p>
<p>
<b>HU-Student:</b> Blicken Sie mal in die Zukunft: Wird<br />
Open Access und Open Content die Wissenschaft nachhaltig verändern?<br />
Wie wird das ihrer Meinung nach aussehen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Unbedingt! Die Kosten herkömmlicher<br />
Druckpublikationen und der beschränkte Markt hat die Wissenschaft<br />
bislang eher beschränkt. Mit den elektronischen Formen kommen<br />
wir in eine neue Ära. Es wird viel mehr veröffentlicht<br />
und die Leser sorgen hoffentlich dafür, dass das Wichtige aus<br />
diesen Publikationen herausgefiltert wird.
</p>
<p>
<b>Zucchero:</b> Ist Open Access nur für wissenschaftliche<br />
Literatur?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Überhaupt nicht. Denken sie<br />
an Blogs, in denen jeder seine Meinung äußern kann und<br />
manches auch gelesen wird. In der Wissenschaft ist das nicht anders.<br />
Nur: Wissenschaftliche Literatur wird entweder als Self-Archive<br />
veröffentlicht oder in den Archiven der Open Access-Bewegung<br />
in ähnlicher Weise wie in Zeitschriften, nämlich in einem<br />
Peer-Review-Prozess. Das heißt, dass andere Wissenschaftler<br />
die Veröffentlichung lesen und begutachten und eventuell ablehnen,<br />
bevor sie erscheinen kann. Wissenschaftliche Literatur ist also<br />
gefiltert im Gegensatz zu Blogs.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Sind die Professoren offen gegenüber<br />
einer Publikation über Open Access oder sind ihnen klassische<br />
Publikationsmedien lieber?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das hängt vom Gebiet ab. Tatsächlich<br />
sind die Publikationskulturen in den verschiedenen Wissenschaften<br />
sehr verschieden. In den Naturwissenschaften und Technikwissenschaften<br />
sind kurze Aufsätze in Zeitschriften oder Tagungsbänden<br />
vorherrschend. Bei den Geisteswissenschaftlern sind es eher Bücher.<br />
Während die Naturwissenschaftler die elektronischen Publikationen<br />
sehr begrüßen, sind die Geisteswissenschaftler etwas<br />
zurückhaltend. Das Ganze hängt von zwei großen Randbedingungen<br />
ab: Erstens müssen die Wissenschaftler das System kennen lernen<br />
(die meisten sind ja neugierig) und zweitens ist es eine Altersfrage.<br />
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat eine Umfrage vor einem Jahr<br />
gemacht, wo sich über 80% positiv zu Open Access geäußert<br />
haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie sieht es denn in der deutschen<br />
Hochschullandschaft aus? Gibt es neben der Humboldt-Universität<br />
weitere Universitäten, die Open Access befürworten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ja. Die Bielefelder Uni war vor<br />
uns, andere haben sich angeschlossen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft<br />
empfiehlt Open Access. Die Max-Planck-Gesellschaft empfiehlt Open<br />
Access, die Helmholtz-Gemeinschaft empfiehlt Open Access. Also alle<br />
großen Forschungsorganisationen stehen hinter dieser Idee.
</p>
<p>
<b>Ulfi:</b> Was hat die Tatsache, dass verschiedene<br />
Universitäten Open Access unterstützen für einen<br />
Einfluss auf das Studieren beziehungsweise auf die Studenten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die Studenten haben Zugang zu vielen<br />
Publikationen aus dem eigenen Haus, die sie sonst nicht gesehen<br />
hätten. Die Humboldt-Universität hat bereits 1261 Dissertationen<br />
und 273 Habilitationen, sowie 111 Magister- und Diplomarbeiten als<br />
Open Access veröffentlicht. Die hätte sonst niemand gesehen.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Sind denn alle Wissenschaftler der Humboldt-Universität<br />
damit einverstanden? Wie motiviert man die Professoren zu Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Natürlich nicht. Wissenschaftler<br />
sind sich niemals einig. Aber es werden immer mehr, die ihre Veröffentlichungen<br />
als Open Access zugänglich machen.
</p>
<p>
<b>acw:</b> Was genau ist der Unterschied zwischen Open<br />
Access und Open Content?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Open Access bezieht sich auf wissenschaftliche<br />
Veröffentlichungen, die entweder in einem Repository nach einem<br />
Peer-Review-Prozess stehen oder als Self-Archiving veröffentlicht<br />
werden. In beiden Fällen handelt es sich um Open Content, aber<br />
im ersten Fall ist die Kontrolle durch andere Wissenschaftler gegeben.<br />
Open Content ist dagegen eine Lizenz. Unser Repository heißt<br />
„edoc-Server“ (www.edoc.hu-berlin.de). Das hat den Vorteil,<br />
dass unser Rechenzentrum sowohl die langfristige Archivierung garantiert,<br />
wie auch die nötigen Metadaten hinzufügt. So dass diese<br />
Veröffentlichungen weltweit leicht gefunden werden können.
</p>
<p>
<b><b>paula:</b></b> Kann ich einfach alle<br />
meine Publikationen ins Netz stellen und das dann Open Access nennen<br />
oder sind noch andere Kriterien erforderlich?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> In diesem Falle wäre das Self-Archiving.<br />
Bei Open Access wird typischerweise erwartet, dass es einen Begutachtungsprozess<br />
gibt (Peer-Review).
</p>
<p>
<b>hintz:</b> Können Sie erfolgreiche Beispiele<br />
für Open Content im Internet nennen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Natürlich die Gutenberg-Server,<br />
aber auch unser edoc-Server.
</p>
<p>
<b>gordon:</b> Wie umgehen Sie Urheberrechte/Datenschutzrechte?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Gar nicht. Die Idee ist, dass die<br />
Wissenschaftler ja über ihr eigenes Copyright verfügen,<br />
wenn sie etwas unter Open Access veröffentlichen. Das bedeutet,<br />
dass sie sich mit den Verlagen einigen müssen, wenn das auch<br />
gedruckt werden soll. Das ist in den letzten Jahren leichter geworden.<br />
Häufig gibt es bei gedruckten Veröffentlichungen Schutzzeiten<br />
von sechs Monaten bis zwei Jahren, die aber jeweils ausgehandelt<br />
werden müssen.
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Wer berät denn Wissenschaftler beim<br />
&quot;Self-Archiving&quot;? Ich kann mir vorstellen, dass da leicht<br />
rechtliche Probleme entstehen können.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Eigentlich kann es keine Probleme<br />
geben: Wer seine eigenen Sachen veröffentlicht, hat auch die<br />
Rechte. Ansonsten steht auf den edoc-Servern meist ein Hinweis,<br />
wie man mit den Verlagen reden muss &#8211; falls dies die Frage war.
</p>
<p>
<b>Gordon:</b> Ist Open Access mit &quot;creative commons&quot;<br />
vergleichbar?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Creative Commons ist eine Lizenz.<br />
Open Access ist ein soziales System. Beides hängt zusammen,<br />
aber Creative Commons kann viele andere Fragen betreffen, z.B. Filme,<br />
Bilder, Musik etc.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In der Ankündigung dieses Chats<br />
wurde auch auf die „Berlin Declaration“ hingewiesen.<br />
Hierzu eine Nachfrage von hintz:
</p>
<p>
<b>hintz:</b> Was ist die &quot;Berlin Declaration&quot;?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die Open Access-Bewegung beruht<br />
auf zwei Startdokumenten: Der „Budapester Erklärung“<br />
und der „Berliner Erklärung“. In beiden haben Wissenschaftsorganisationen<br />
den Willen erklärt, Open Access einzuführen und zu propagieren.<br />
Später hat der WSIS, eine UNO-Konferenz, ebenfalls die Nutzung<br />
von Open Access weltweit vorgeschlagen. Es handelt sich also um<br />
eine globale Bewegung.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Sie sagen: Der Steuerzahler hat ein<br />
direktes Recht darauf. Das stimmt aus moralischer Sicht &#8211; muss sich<br />
da gesetzlich nicht auch noch einiges ändern?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Eigentlich nicht. Wenn Wissenschaftler<br />
öffentlich bezahlt werden, gehören die Ergebnisse ihrer<br />
Forschung auch der Öffentlichkeit. Historisch haben wir den<br />
Wissenschaftlern große Freiräume bei der Verwertung eingeräumt.<br />
Das war aber eher eine praktische Frage. Mehr und mehr verlangen<br />
die Universitäten und Hochschulen an Patentauswertungen und<br />
Veröffentlichungen beteiligt zu werden. Das wäre eher<br />
der Normalfall.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Welche Rolle spielt die Politik, um Open<br />
Access voran zu bringen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Sie behindert Open Access durch<br />
die mögliche Abschaffung des Paragraphen 52a des Urheberrechtsgesetztes.<br />
Dort wird die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Material<br />
gesetzlich geregelt. Wenn diese Vorschrift fällt, wird die<br />
Verbreitung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen erheblich<br />
beschränkt. Es wäre schön, wenn die Politiker sich<br />
über die Bedeutung von Open Access klar würden.
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Wie beurteilen Sie staatliche Förderung<br />
von Open Access Journals wie z.B. die Digital Peer Publishing Initiative<br />
in Nordrhein-Westfalen? Braucht Open Access Förderung oder<br />
ist es besser, wenn das Publizieren in E-Journals selbstorganisiert<br />
passiert?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wissenschaftliche Veröffentlichungen<br />
wurden schon immer von den Hochschulen und den Fördermittelgebern<br />
gefördert. Natürlich ist auch der Betrieb von Server und<br />
die Wartung nicht kostenlos. Das ist der Beitrag, den die öffentliche<br />
Hand leisten muss. Nur bisher haben die Verlage diese Gelder kassiert.<br />
Jetzt stecken wir sie in unsere eigene Infrastruktur.
</p>
<p>
<b>schildkröte:</b> Mit Open Access ist ja kein<br />
Geld zu verdienen. Denken Sie, dass sich das trotzdem durchsetzen<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wissenschaftler werden von der Öffentlichkeit<br />
bezahlt. Sie sind froh, wenn sie gelesen werden und nicht auch noch<br />
für die Publikation bezahlen müssen (was gelegentlich<br />
vorkommt: Druckkostenzuschuss).
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Wie stehen Verlage zu Open Access/Open<br />
Content?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ursprünglich feindselig. Inzwischen<br />
haben die Verlage gemerkt, dass sie sehr wohl eine Archivfunktion<br />
wahrnehmen mit gedrucktem Material, dass sie sehr wohl mit Büchern<br />
Geld verdienen. Seitdem ist die Situation entspannter und es zeigt<br />
sich die Möglichkeit, dass Verlage und Open Access miteinander<br />
leben können.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Werden dadurch nicht die wissenschaftlichen<br />
Verlage gefährdet?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das Internet gefährdet ALLE<br />
ökonomischen Strukturen &#8211; wenn die Verantwortlichen nicht neu<br />
über ihr Geschäft nachdenken. Es gibt sehr wohl Geschäftsmodelle,<br />
bei denen Verlage verdienen können. Aber möglicherweise<br />
nicht vorzugsweise mit wissenschaftlichen Aufsätzen.
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Will Open Access den Verlagen komplett<br />
das Wasser abgraben oder sehen Sie eine Chance für &quot;Arbeitsteilung&quot;?
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Wie durchsetzungsfähig schätzen<br />
Sie Open Access ein gegenüber dem etablierten (Verlags-)Publikationswesen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die Perspektive liegt sicher in<br />
einem Miteinander. Das ist schon durch die unterschiedliche Publikationskultur<br />
in den Wissenschaften begründet. Wissenschaftler wollen niemandem<br />
&quot;das Wasser abgraben&quot; sondern sie wollen gelesen werden.<br />
Und da haben elektronische Publikationen deutlich mehr Zugriffe<br />
als gedruckte Publikationen.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Welches Interesse haben denn die Verlage,<br />
einer elektronischen Publikation zuzustimmen? Die möchten doch<br />
ihre Print-Produkte verkaufen. Wenn alles offen im Netz steht, bestellt<br />
doch z.B. sicher niemand mehr den gedruckten Tagungsband?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das Geschäft mit dem Tagungsband<br />
besteht darin, am Anfang der Tagung den Tagungsband, der mit der<br />
Teilnahmegebühr bezahlt ist, zu verteilen. Danach gibt es kein<br />
Geschäft mehr mit Tagungsbänden. Die elektronische Fassung<br />
bleibt aber für alle leicht zugänglich. Das Verlagsgeschäft<br />
kann zwei Wege verfolgen: Die Erstveröffentlichung für<br />
etwa sechs Monate und die Archivfunktion für Bibliotheken.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Bei aller Sympathie für freie Inhalte:<br />
Wissenschaftliche Qualitätssicherung kostet Geld &#8211; woher soll<br />
das künftig kommen, wenn den Verlagen die Vermarktungsgrundlage<br />
entzogen wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die wissenschaftliche Qualitätssicherung<br />
durch Gutachter ist bislang eine unbezahlte Tätigkeit der Wissenschaftler.<br />
Soll heißen, sie wird aus öffentlichen Mitteln bezahlt.<br />
Das soll so bleiben.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Offen publizieren ist die eine Sache. Wie<br />
aber kann die Auffindbarkeit dieser Publikationen auch sicher gestellt<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Da hat die elektronische Publikation<br />
im Open Access-Archiv einen eindeutigen Vorteil. Solche Publikationen<br />
werden mit Metadaten versehen, nach denen mit Suchmaschinen gesucht<br />
werden kann. Das ist bei gedruckten Publikationen viel schwieriger.
</p>
<p>
<b>Wiebke Oeltjen:</b> Wer gibt die Metadaten zu den<br />
Veröffentlichungen beim edoc-System ein? Die Autoren, Bibliothekare,<br />
anderes Fachpersonal?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Alle. Das soll heißen, die<br />
Autoren können Vorschläge machen. Aber die Betreuer des<br />
Repository ergänzen diese.
</p>
<p>
<b>Richard: </b>Sind die Dokumentenserver der Hochschulen<br />
eigentlich ausreichend erschlossen? Oder würde hier ein &quot;Meta“-Server<br />
benötigt, der die lokalen Angebote vernetzt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Beispielsweise die edoc-Server sind<br />
weltweit miteinander verbunden. Dies ist freilich noch verbesserbar.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Werden heute bereits Artikel, die frei<br />
zugänglich (z.B. über Google Scholar auffindbar) häufiger<br />
zitiert? Ist das die große Chance für Open Access, bei<br />
den Autoren beliebter zu werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Es gibt Untersuchungen, die das<br />
bestätigen.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Gibt es Untersuchungen dazu, inwieweit<br />
sich bei elektronischen Publikationen die Zitation erhöht?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Vorsichtig gesagt scheint das so<br />
zu sein. Es ist freilich so, dass Wissenschaftler meistens einen<br />
engen Bereich an Veröffentlichungen sehr gut im Blick haben.<br />
Das können gedruckte ebenso wie elektronische Publikationen<br />
sein. Höhere Zitattreffer kommen dann meistens durch Wissenschaftler,<br />
die Suchmaschinen benutzen. Es gibt in den einzelnen Wissenschaften<br />
zum Teil über 100 elektronische Journale, die im Peer-Review-Prozess<br />
begutachtet werden. Es gibt aber immer noch tausende von gedruckten<br />
Zeitschriften. Wir sind mit Open Access also erst am Anfang.
</p>
<p>
<b>luba:</b> Wie sehen die Peer-Review-Kontrollen denn<br />
aus? Wer bestimmt, was ins Netz gestellt wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das ist im Prinzip das gleiche wie<br />
bei gedrucktem Material. Bei Zeitschriften ist das eine Redaktion,<br />
die auf akademische Gutachter zurückgreift. Bei Büchern<br />
ist es typischerweise der Lektor, der sich Gutachten erstellen lässt.<br />
Das geschieht elektronisch und gedruckt in gleicher Weise. Es gibt<br />
elektronische Zeitschriften, zu deren Herausgeber Nobelpreisträger<br />
gehören.
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Birgt Open Access/Open Content die Gefahr<br />
eines Qualitätsverlusts?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich glaube nicht. Aber es ist klar:<br />
Wenn mehr veröffentlicht wird, muss die Qualität nicht<br />
unbedingt steigen. Es können aber auch interessante abweichende<br />
Meinungen erscheinen, die sonst vielleicht untergegangen wären.<br />
Letztlich liegt die Kontrolle im Kopf des Lesers.
</p>
<p>
<b>schildkröte:</b> Kann durch Open Access nicht<br />
auch jeder &quot;Schrott&quot; veröffentlicht werden, da es<br />
so einfach wird, seine Arbeiten zu publizieren? Gibt es irgendwelche<br />
Qualitätsstandards?
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Wie kann eine Qualitätssicherung<br />
im Zusammenhang mit Open Access/Open Content realisiert werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Noch einmal: Die Qualitätsstandards<br />
sind bei elektronischen Zeitschriften die gleichen wie bei gedruckten<br />
Zeitschriften. Auch wenn sie es noch nicht festgestellt haben: Es<br />
gibt sehr schlechte gedruckte Aufsätze und Bücher.
</p>
<p>
<b>godzilla:</b> Kann ich als Nicht-Student auch meine<br />
wissenschaftlichen Arbeiten bei Ihnen auf diesem edoc-Server veröffentlichen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Bei allen wissenschaftlichen Zeitschriften,<br />
ob gedruckt oder elektronisch publiziert, können alle Aufsätze<br />
eingereicht werden. Was die Redaktion damit macht, kann ich natürlich<br />
nicht vorhersagen. Wir veröffentlichen auf dem edoc-Server<br />
alle Dissertationen, die freilich schon durch eine sehr komplexe<br />
Begutachtung gegangen sind. Wir veröffentlichen auch Magister-<br />
und Diplomarbeiten, wenn sie mindestens mit Gut beurteilt wurden.
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Wissenschaftler sind daran interessiert,<br />
dass ihre Veröffentlichungen gelesen werden, d´accord.<br />
Aber möchten sie auch ihre Lehrskripte freigeben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Sie werden ja nicht dazu gezwungen.<br />
Aber ich kenne viele Kollegen, die das gern tun, denn der &quot;Marktwert&quot;<br />
einer Wissenschaftlerin steigt auch mit erfolgreicher Lehre.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Bleiben wir bei der Qualität: Online-Angebote<br />
würden auch ein Rating durch die Leser erlauben. Ist das sinnvoll<br />
bzw. gibt es bereits solche Initiativen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das ist sehr richtig und es gibt<br />
elektronische Journale, die den Lesern solche Beurteilungen vor<br />
der Veröffentlichung erlauben. Das Endurteil erfolgt dann trotzdem<br />
durch Gutachter. Aber man könnte sich natürlich auch Zeitschriften<br />
vorstellen, die allein von den Lesern herausgegeben werden. So gibt<br />
es eine Zeitschrift im Bereich Klimaforschung, die alle eingereichten<br />
Papiere öffentlich darstellt. Die Leser können ihre Kommentare<br />
schreiben und in einer zweiten Phase werden diese Artikel von den<br />
Gutachtern, die die Leserzuschriften kennen, begutachtet. Erst dann<br />
wird entschieden, ob der Artikel &quot;veröffentlicht&quot;<br />
ist. Ich halte das für ein sehr interessantes Verfahren &#8211; ein<br />
Stück Demokratisierung der Wissenschaft.
</p>
<p>
<b>Martin:</b> In Blogs wird häufig darüber<br />
diskutiert, mit welchen Stichworten ein gutes Ranking erreicht wird.<br />
Droht der Wissenschaft ebenfalls ein Wettbewerb um möglichst<br />
gute Platzierung in Suchmaschinen? Und schadet der den wissenschaftlichen<br />
Inhalten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das gibt es doch jetzt schon. Es<br />
gibt gute Zeitschriften, es gibt sehr gute Zeitschriften und es<br />
gibt exzellente Zeitschriften. Wissenschaftler versuchen oft, in<br />
die letzte Kategorie zu kommen.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Glauben Sie, dass der Open Content Gedanke<br />
sich auch bei Lehrmaterialien durchsetzen wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich hoffe das sehr. Ein schönes<br />
Beispiel ist die Open Course Ware-Initiative des Massachusetts Institute<br />
of Technology, die viele Lehrmaterialien bereitstellt. Das kann<br />
alles umfassen. Von Texten, Powerpoint-Dateien bis zu Videomitschnitten.
</p>
<p>
<b>acw: </b>Lautet der nächste Schritt der Humboldt-Universität:<br />
Open Courseware?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wir arbeiten daran.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Auch bei Open Access gibt es schwarze Schafe:<br />
Manche E-Journals werden mit großem Elan gelauncht und dümpeln<br />
dann doch nur dahin. Besteht die Gefahr, dass hier insgesamt die<br />
Glaubwürdigkeit elektronischer Publikationen geschädigt<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich sehe keine besonderen Probleme<br />
des elektronischen Publizierens in dieser Frage. Bei Modethemen<br />
werden auch schnell neue Druckjournale aufgelegt.
</p>
<p>
<b>lobotom: </b>Mal jenseits der Hoffnung auf eine einfachere,<br />
transparentere Veröffentlichungspraxis: Was sind die Probleme<br />
beim Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das Hauptproblem besteht darin,<br />
Open Access zum Normalfall zu machen. Da muss noch viel Überzeugungsarbeit<br />
geleistet werden. Aber es ist natürlich auch eine Frage der<br />
jeweiligen Ressourcen. Die Uni muss Server bereitstellen und Betreuung.<br />
Das geht nicht kostenfrei.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Wie erkenne ich, ob ein E-Journal auch<br />
nächstes Jahr noch besteht oder nur eine Eintagsfliege ohne<br />
Rückhalt in der Scientific Community ist?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Erfahrung.
</p>
<p>
<b>Chrissy:</b> Müssen mehr E-Journals gegründet<br />
werden, damit Open Access erfolgreich sein kann?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Nicht zwingend. Aber ich glaube,<br />
dass mit der Ausweitung von Open Access viele neue Journals entstehen<br />
werden &#8211; immer dann wenn sich eine Community bildet, die eine eigene<br />
Zeitschrift betreiben will und kann.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Eine Nachfrage zum<br />
weltweiten Zugriff auf wissenschaftliche Inhalte von Martin:
</p>
<p>
<b>Martin:</b> Die Verlage und ihre Interessen sind die<br />
eine Seite. Spannend wird es doch auch in Hinblick auf die wissenschaftlichen<br />
Inhalte: Wie kann sichergestellt werden, dass der Zugang wirklich<br />
weltweit und frei ist? Gibt es da nicht bestimmte Regierungen, die<br />
kein allzu ausgeprägtes Interesse an freiem Wissensaustausch<br />
haben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Zensur ist sicher ein großes<br />
Problem. Zugang ein anderes großes Problem. Aber ich sehe<br />
mehr Möglichkeiten im Internet weltweiten Zugang zu erreichen,<br />
als mit Druckmedien.
</p>
<p>
<b>ZUckerhut:</b> Warum ist denn der freie Zugang zu<br />
Inhalten für e-learning und e-teaching von besonderer Relevanz?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> e-learning sollte sich nicht auf<br />
einen eng zugeschnittenen Bereich beschränken. Die breite Nutzung<br />
des Internets ist sozusagen Basis von e-learning und e-teaching.<br />
Und da fügen sich elektronische Veröffentlichungen gut<br />
ein.
</p>
<p>
<b>gordon:</b> Ist die „Scholar-Suche“ bei<br />
Google das Paradebeispiel für Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das wird unterschiedlich gesehen.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Wie lange, meinen Sie, dauert es, bis sich<br />
die Publikationskultur an einer Hochschule ändert?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Zwei Generationen &#8211; von Doktoranden.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Wie beratungsintensiv ist die Publikation<br />
über OA? Wie werden Hochschullehrende an der Humboldt-Universität<br />
beraten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wir haben das Glück, ein sehr<br />
aktives Rechenzentrum zu haben, das diesen Bereich aus Drittmitteln<br />
finanziert. Das ist leider kein allgemein umsetzbares Modell. Letztendlich<br />
kommt es darauf an, dass Menschen sich engagieren.
</p>
<p>
<b>luba:</b> Sind andere Länder viel weiter und<br />
fortschrittlicher als Deutschland, was Open Access betrifft? Wenn<br />
ja, welche?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Großbritannien hat eine Vorreiterrolle<br />
gespielt, aber auch viele amerikanische Bibliotheken. Auch Skandinavien<br />
und Frankreich sind sehr weit. Das ist ein schöner internationaler<br />
Wettbewerb, von dem wir alle profitieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hat die Politik dieser Länder<br />
dabei eine Rolle gespielt? Oder hat sich die Wissenschaftskultur<br />
in diesen Ländern selbst so schnell weiterentwickelt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Negativ könnte man sagen: Ohne<br />
die finanziellen Kürzungen der Bibliotheken wäre das Problem<br />
nicht so schnell klar geworden. Andererseits gibt es auch positive<br />
Impulse aus der Politik, z.B. die Bibliothèque Nationale<br />
in Paris.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der Nutzer &quot;Kram&quot; fragt noch<br />
einmal zu den positiven Effekten von Open Access auf die Verlage:
</p>
<p>
<b>kram:</b> Kommen die Verlage vielleicht in einen positiv<br />
zu bewertenden Druck, die Bücher schneller als bisher zu drucken?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das kann ich nicht beurteilen. Es<br />
ist aber klar, dass in den wissenschaftlichen Verlagen diese Fragen<br />
diskutiert werden. Das kann zu besseren Arrangements führen.<br />
Ein schönes Beispiel ist die Veröffentlichung von kritischen<br />
Werkausgaben, die sich oft über Jahre oder Jahrzehnte ziehen<br />
kann. Hier können elektronische Zwischenergebnisse oder auch<br />
das Endprodukt ganz neue Wege der Publikation eröffnen. Interessant<br />
ist auch die Reaktion der Lexikon-Redaktionen auf die Wikipedia.<br />
So ist jetzt der Meyer online frei verfügbar.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Wenn der Bürger ein Recht auf freien<br />
Zugang zu den Publikationsinhalten hat &#8211; gibt es dann nicht auch<br />
ein Recht für Studenten, auf Vorlesungsmaterialien aller Hochschulen<br />
zuzugreifen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das ist eine interessante Frage.<br />
Prinzipiell finde ich &quot;ja&quot;. Man muss aber berücksichtigen,<br />
dass die Lehrenden ihr Material freiwillig herausgeben müssen.<br />
Es gibt ja gute Gründe, warum man etwas nicht breit streuen<br />
will. Und dazu das unsägliche Urheberrecht.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Steigen aufgrund von Open Access auch<br />
die Ansprüche und Erwartungen für wissenschaftliche Publikationen?<br />
Schließlich ist es jetzt leichter, sich einen guten Überblick<br />
zu verschaffen, die Recherche geht um ein Vielfaches schneller.<br />
Wird dann z.B. von Doktoranden auch mehr Output verlangt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das wäre doch ein wunderschöner<br />
Nebeneffekt.
</p>
<p>
<b>lobotom:</b> Vorhin haben sie darauf hingewiesen,<br />
dass die zu veröffentlichenden Inhalte von Steuergeldern finanziert<br />
wurden. Das gilt ja auch für Lehrinhalte.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Nochmals: Ja. Es gibt aber keine<br />
Veröffentlichungspflicht für Lehrinhalte.
</p>
<p>
<b>Daniel Kämmerling:</b> Artikel 52a wird 2008<br />
voraussichtlich nicht mehr verlängert. Welche weitere Gefahren<br />
sehen Sie, wenn die Schrankenregelung abgeschafft wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Anarchie und Chaos.
</p>
<p>
<b>undwarum?:</b> Denken Sie, dass Open Access für<br />
die Wissenschaft ein Vorläufer sein kann für eine generelle<br />
Form von Open Access und Open Content?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich glaube, dass Open Access ein<br />
Teil einer ganz großen Bewegung ist, nämlich möglichst<br />
viel im Netz frei anzubieten.
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Nachfrage 52a: Inwiefern kommen dadurch<br />
Beschränkungen, wenn doch das Urheberrecht eigentlich bei den<br />
Autoren liegt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Für selbst erstellte Inhalte<br />
gibt es selbstverständlich keine Schranke. Es geht um die Nutzung<br />
von fremd erstellten Inhalten für die Lehre. Die Streichung<br />
des 52a wird zu unsäglichen Auseinandersetzungen über<br />
das angemessene Zitieren führen. In der Folge werden immer<br />
weniger fremde Materialien in den Unterricht eingeführt.
</p>
<p>
<b>Chrissy:</b> Sie haben ja eben erläutert, dass<br />
sich Print und Online bei der Qualität nichts vergeben &#8211; in<br />
beiden wird auch mal Quatsch verbreitet. Wie objektiv ist Peer Review<br />
eigentlich? Gibt es dazu Untersuchungen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Peer-Review ist nicht objektiv und<br />
das ist gelegentlich untersucht worden. Aber wir haben keine besseren<br />
Formen bislang gefunden. Vielleicht ist die Einbeziehung der Leser<br />
ein Ausweg aus dem Qualitätsproblem des Peer-Review.
</p>
<p>
<b>luba:</b> Ich schätze, ein Problem von Open Access<br />
wird sein, dass ein gedrucktes Buch in der Hand zu halten immer<br />
noch mehr Wert für einen selbst hat als die elektronische Version<br />
im Internet. Sehen Sie das auch so?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ja das sehe ich auch so. Deshalb<br />
haben wir für unseren edoc-Server auch die Publishing-on-Demand<br />
Variante vorgesehen. Wenn jemand einen Text ausgedruckt haben möchte,<br />
kann er den &#8211; gegen Geld &#8211; drucken lassen.
</p>
<p>
<b>Chrissy:</b> Ist es vorstellbar, dass wir zukünftig<br />
Publikationsmechanismen aus der Blogosphäre auch in E-Journal-Beiträgen<br />
finden, z.B. ein Blogroll von E-Journals, die der Autor liest?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Warum nicht? Allerdings sehe ich<br />
den Platz nicht im E-Journal sondern eben in einem Qualitätsblog.<br />
Interessanterweise hat Vannevar Bush mit seinem Memex schon 1945<br />
ein solches Verfahren des &quot;Mitlesens&quot; vorgeschlagen. Man<br />
kann immer von anderen lernen &#8211; auch das Lesen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der Nutzer bezieht sich vermutlich<br />
auf die Verbreitung des Open Access-Gedanken:
</p>
<p>
<b>lobotom:</b> Was sind eigentlich ihre Hauptwidersacher?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Tradition und desinteressierte Ökonomie.
</p>
<p>
<b>anne:</b> Wohin geht Ihrer Meinung nach der langfristige<br />
Trend? Publikation nur noch über Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Sagen sie doch so was nicht! Wir<br />
brauchen doch Bücher.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zu letzten Frage:
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Wie sieht Ihre Zukunftsprognose für<br />
Open Content und Open Access für Deutschland aus?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Open Access wird sich an den Hochschulen<br />
und Universitäten als ein Publikationsstandard einbürgern.<br />
Das hat ökonomische Gründe &#8211; Bibliotheken verarmen -,<br />
ebenso wie technische Gründe &#8211; wir leben alle mehr und mehr<br />
im Internet. Trotzdem glaube ich nicht daran, dass Bücher &quot;verschwinden&quot;.<br />
Die Technik ist einfach noch zu praktisch.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 90 Minuten e-teaching.org<br />
Live-Chat. Vielen Dank für Ihr Interesse und Dank an Herrn<br />
Professor Coy für den Chat! Das Protokoll des Chats finden<br />
Sie in Kürze auf <a href="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/www.e-teaching.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.e-teaching.org</a>.<br />
Unsere Bitte um Verständnis an jene, die wir heute mit ihrer<br />
Frage nicht berücksichtigen konnten. Unter der URL <a href="http://www.e-teaching.org/community" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.e-teaching.org/community</a><br />
können Sie weiter über dieses Thema diskutieren. e-teaching.org<br />
wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag!
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich bedanke mich auch, besonders<br />
bei den Fragestellern, die die wunden Punkte schnell herausgefunden<br />
haben.</p>
]]></content:encoded>
					
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