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	<title>Identität &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Identität &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Dialogperspektiven digital &#8211; Identität und Religion im Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Oct 2018 08:21:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Ende September veranstaltete unser freier Autor Stephan Raab ein Seminar über die Parallelen und das Zusammenspiel von Religion, Digitalisierung und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/prayercut.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-155343" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/prayercut.jpg" alt="prayercut" width="640" height="280" /></a></p>
<p>Ende September veranstaltete unser freier Autor Stephan Raab ein Seminar über die Parallelen und das Zusammenspiel von Religion, Digitalisierung und Identitätsfindung. Hier fasst er die Erkenntnisse zusammen.</p>
<p>Wie gehen Religionen mit Digitalisierung um? Eine unserer Sommerreihe stellte die Gretchenfrage. Aber wie gehen Religionen in Zeiten der Digitalisierung miteinander um? Dieser Frage widmeten sich die Dialogperspektiven vom 26.-30.09. in Horn- Bad Meinberg.</p>
<h3>Digitalisierung als Dialog</h3>
<p>Wir befinden uns mitten im Prozess der Digitalisierung. Die Grenzen zwischen virtueller und realer Welt verschwimmen immer weiter. Aber Internet bedeutet für jeden etwas anderes. „Das Internet ist für mich ein Ort der politischen Meinungsbildung.“ „Das Internet ist für mich eine Möglichkeit der Repräsentation.“ „Für mich ist das Internet vor allem ein Diskursmedium“. Diese unterschiedlichen Auffassungen im  interreligiösen Diskurs standen im Zentrum des Seminars „Religion und Technologie“ in Horn Bad Meinberg. Das Seminar ist Teil der <a href="https://dialogperspektiven.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dialogperspektiven</a>, welche seit 2015  jährlich durch das jüdische Ernst Ludwig Ehrlich Studierendenwerk organisiert werden. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionen und Weltanschauungen treffen hier mit Expertinnen und Experten zusammen, um gemeinsam über ein zentrales Thema zu diskutieren: die Rolle von Religion für Individuum und Gesellschaft, hier anhand des technischen Wandels.</p>
<p>Im Rahmen von vier Arbeitsgruppen wurden das Verhältnis von Religion und Wissenschaft, die Entstehung von Scifi-Religionen, Chancen und Risiken des Transhumanismus erläutert. Hier durfte ich mit Studierenden verschiedener Herkunft und Religion für politik-digital.de aufbauend auf der Reihe <a href="https://politik-digital.de/news/religion-und-internet-glaube-im-digitalen-wandel-149744/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Religion und Internet</a> die  Parallelen zwischen Identität im Internet und die Diskussion um die Leitkultur betrachten.</p>
<h3>Informatik eine Religion für sich?</h3>
<p>Kann ein Informatiker auch Theologe sein, oder ein Theologe Informatiker? Beide scheinen in verschiedenen Welten zu leben, doch glaubt man dem Werk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Das_brandneue_Testament" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Das brandneue Testament“</a>, so werden Parallelen deutlich. Im Film sitzt Gott in einem großen Büro und bestimmt über seinen Computer die Gebote, welche das Leben der Menschen schwer machen sollen. Daher war es naheliegend, zu Beginn des Seminares beide Welten miteinander zu verknüpfen.</p>
<p>So verschieden Informatik und Theologie auch sein mögen, beide verbindet eine Aufgabe, konkret gesagt, das Ziel Antworten zu finden. Beide pflegen ihre besonderen Rituale, sei dies der Besuch eines Gottesdienstes oder einer Codeparty. Beide versuchen Komplexität zu reduzieren, folgen eigenen Regeln und Grundsätzen, schaffen Ordnungen und Systeme. Beide unterscheiden sich aber in einer Sache grundlegend. Für die Informatik ist das richtige Ergebnis zentral. Handlungsanweisungen für Computer sind entscheidend, aber widerlegbar. Für die Religion sind die Wahrheitsfrage und Sinnfrage zentral, Religion ist hingegen Überzeugung und kann als solche nicht ohne weiteres widerlegt werden. Beide streben aber nach Sinn und Ordnung.</p>
<h3>Identität mehr als Internet</h3>
<p>Schaut man sich das Leben in einer digitalen Welt an, wird schnell deutlich, dass die Digitalisierung nicht eine rein technische, sondern vor allem eine soziale und gesellschaftliche Frage darstellt. Einerseits dient das Internet als Parallelwelt zur Realitätsflucht, sich auszuprobieren. Andererseits bietet das Internet auch die Möglichkeit von Kommunikation, Identifikation, Teil einer Gruppe etwa in den sozialen Medien zu werden, Zugehörigkeit zu erfahren. In diesem Sinne dient der digitale Raum auch als Ort der Selbstdarstellung und sozialen Bestätigung.</p>
<p>„Im Internet kann ich sein, wer ich will!“, meinte die Pfarrerin und PR-Referentin Iris Battenfeld im interreligiösen Podiumsgespräch. Sie betreibt den Twitter Account <a href="https://pressepfarrerin.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pressepfarrerin</a>. Die Zeit im Netz empfindet sie als angenehm, um Leute zu treffen. Wenn sie gerade keine Lust habe, so würde sie einfach nicht twittern. Die Theologin und ehemalige Geschäftsführerin des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Österreich Sarah Egger entgegnete: „Ich bin lieber im Moment. Daher fällt es mir schwer eine Nachricht dazu zu schreiben!“.  Die Wienerin betreibt den Blog <a href="https://davidssplitter.com/ueber/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Davidsplitter</a>. Ihr ginge so vieles durch den Kopf, dass sie es als positiv empfinde, diese Gedanken mit Menschen zu teilen. Die muslimische Bloggerin Safiye Aslan von <a href="http://denkerinnen.de/category/safiyye-arslan-blog/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">denkerinnen.de</a> gab allerding zu Bedenken, jede Nutzerin und jeder Nutzer sei in einer gewissen Blase. Daher plädierte sie dafür: „Wir müssen einen gemeinsamen Raum schaffen, in welchem sich alle Weltanschauung begegnen können!“.</p>
<h3>Digitaler Raum für Diskussion</h3>
<p>Aber wie soll dieser Raum aussehen? Im dritten Teil des Seminars stand die Frage nach den Parallelen zwischen Digitalisierung und der Frage nach einer spezifischen Leitkultur im Raum. Das Internet als technische Infrastruktur ist gekennzeichnet durch seine dezentrale Struktur.  Einen Kern für das Internet gibt es nicht. Dennoch existieren verschiedene Knotenpunkte, an welchen die großen Datenströme zusammenkommen und verarbeitet werden.  Sie stellen sozusagen die Leitfäden für das globale Netz. Aber kann dies auch für die „Leitkultur“ gelten?</p>
<p>Klar ist, dass die Prozesse von Globalisierung und Digitalisierung zusammenhängen. Zwar wurden auf diese Weise Menschen aller Regionen miteinander verbunden, doch erkannte der amerikanische Geograph Arjun Appadurai eine fundamentale Problematik für den Globus: „Je globaler die Welt wird, desto deutlicher werden die Unterschiede sichtbar!“. Heute konkurrieren verschiedene gesellschaftliche Modelle, Religionen und Weltanschauung darum, die global vernetzte Welt miteinander zu verbinden. Hier scheint die Religion wieder bedeutsamer zu werden, wie der Publizist Erik Händeler feststellt: <em>„Religion macht den Unterschied. Religion vermittelt Werte; Werte bestimmen wie Menschen miteinander umgehen […] wie sie Staat und Wirtschaft organisieren!“</em></p>
<p>Ein Fazit aus den anderen Arbeitsgruppen lieferte auf dieses Spannungsfeld mögliche Antworten. So gehen bestimmte Strömungen davon aus, alles müsse auf beweisbaren, klaren Fakten beruhen, die Religion verliere so ohnehin ihre Legitimation. Der Transhumanismus geht hier einen Schritt weiter, indem sich der Mensch praktisch selbst zu den Göttern aufschwinge. Das einzige, was zählen würde, das wäre der technische Fortschritt. Irgendwann als Cyborgs hätte die Menschheit alle Mängel des menschlichen Körpers überwunden und wäre unsterblich. Noch viel weiter gehen verschiedene neue Science-Fiction-Religionen. Einige wie die Präastronautik behaupten, Außerirdische hätten einst die Erde besucht. Diese wären aufgrund ihres technischen Fortschrittes als Götter verehrt worden. Doch könnten moderne Raumschiffe es den Menschen ermöglichen diese Götter zu besuchen, zu ihnen aufzusteigen. Andere sprechen gar vom Mind Uploading, man könne der realen Welt entfliehen und eine neue bessere Welt in einer Art selbst geschaffenen virtuellen, digitalen Garten Eden erlangen.</p>
<h3>Vernetzt und doch verbunden</h3>
<p>Bisher ist das meiste davon noch Fiktion, Utopie oder Dystopie. Nichtsdestoweniger ist dies erst der Anfang einer Entwicklung voller Veränderungen und Umwälzungen. Aber was bleibt? Wer sind „wir“ in dieser globalen Welt? Angesichts von steigender Zuwanderung und Pluralisierung der Gesellschaft ist eine neue Debatte über die spezielle deutsche Identität erwacht. Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang der Begriff der „Leitkultur“.</p>
<p>Der letzte Teil des Seminares widmete sich insbesondere diesen Begriff. Einige Teilnehmer lehnten den Begriff vollkommen ab, da sie diese Debatte als überflüssig empfanden, andere bedauerten, der Begriff werde vor allem als Kampfbegriff von bestimmten Gruppen missbraucht. Der Tag der deutschen Einheit gab dennoch Anlass über die Veränderung in und der deutschen Gesellschaft nachzudenken: Was bedeutet es heute ein Teil Deutschlands zu sein?</p>
<h3>Fazit:</h3>
<p>Die Frage nach einer spezifischen deutschen Identität konnte im Seminar nicht beantwortet werden. Es bestand viel eher Einigkeit in Vielseitigkeit, dass es einen festen Kriterienkatalog nicht geben könnte, der definiere, was Deutschland ausmache und was nicht. Viel eher ist die Frage parallel zur Digitalisierung zu betrachten. Der Cyberspace verändert sich ständig je nach den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer und passt sich diesen an.  Auf der Suche nach den Möglichkeiten eines gesellschaftlichen Miteinander müssen wir etwas ähnliches, sich stetig veränderndes schaffen.</p>
<p>Das Bedürfnis nach Identität und Zugehörigkeit ist angesichts einer entgrenzten Welt groß. Hierzu müssen wir gemeinsame Räume des Austausches und des Dialoges finden. Eine Woche mit Menschen verschiedener Religionen und Weltanschauungen zu verbringen, ob beim Freitagsgebet, der Schabbatfeier oder einem ökumenischen Gottesdienst, macht deutlich, dass eher der Diskurs als das Ergebnis entscheiden ist, denn die Digitalisierung wird vieles im stetigen Wandel halten, auch das gesellschaftliche Miteinander.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/YBR-AWm1HQ4?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Chris Liverani</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></p>
<p>Bilder im Text: Redaktion, CC-BY-SA 3.0</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Digitaler Habitus: Können wir uns im Netz neu erfinden?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Teresa Keil]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jul 2015 15:38:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Bourdieu]]></category>
		<category><![CDATA[Habitus]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Miieus]]></category>
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					<description><![CDATA[Im analogen Leben grenzen wir uns durch Sprache, Kleidung, Verhalten und Ziele von anderen sozialen Gruppen ab. Inwiefern aber haftet [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/news/digitaler-habitus-koennen-wir-uns-im-netz-neu-erfinden-146514/attachment/artikelfoto-digitaler-habitus/" rel="attachment wp-att-146518"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-146518" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Artikelfoto-Digitaler-Habitus.jpg" alt="Artikelfoto Digitaler Habitus" width="640" height="349" /></a>Im analogen Leben grenzen wir uns durch Sprache, Kleidung, Verhalten und Ziele von anderen sozialen Gruppen ab. Inwiefern aber haftet uns auch im Netz unser Habitus an, und wie äußert er sich dort? Entstehen im Netz neue soziale Felder, oder bilden sich dieselben Milieus wie auch in der analogen Welt? Verfestigt das Internet also bestehende Grenzen oder erschaffen wir uns dort neu?</p>
<p>Der Habitus umfasst nach Pierre Bourdieu (1930-2002) allgemein das Auftreten, die Gedanken und Umgangsformen, Sprache, Vorlieben und alle Gewohnheiten eines Menschen. Der Habitus ist demnach die Verinnerlichung des Umfelds und der Herkunft einer Person. Er ist geprägt durch mehr oder weniger Teilhabe an gesellschaftlichen Gütern (ökonomisches, kulturelles, soziales Kapital). Bourdieu teilt die Gesellschaft in unterschiedliche Felder/Milieus ein, gemessen an der Erreichbarkeit und Teilhabe an diesen gesellschaftlichen Gütern. Durch die Verinnerlichung des Lebensraums, der dort gemachten Erfahrungen und Verhaltensstrukturen entsteht ein Konstrukt aus Denk- und Handlungsweisen, das einen Menschen hinsichtlich seiner Entscheidungen und seines Verhaltens maßgeblich lenkt. Das bedeutet auch, dass jeder Mensch aus einem begrenzten Spektrum an Handlungsoptionen heraus agiert. Das Habitus-Konzept ist also ein System von Grenzen und Limitierungen.</p>
<p>Das Internet, der digitale Lebensraum, bietet allerdings einen nahezu unendlichen Pool an Möglichkeiten, Entscheidungen und Verhaltensweisen und hebt viele Grenzen auf. Im Netz scheint es leicht zu sein, das eigene Umfeld zu erweitern und mit Menschen aus anderen Milieus in Kontakt zu kommen. Die Frage ist nun, ob und inwiefern es in der digitalen Welt ebenfalls soziale Felder und habituelle Handlungsschemata gibt, beziehungsweise wo deren Grenzen sind. Dieser Frage gehen auch die sogenannten Sinus-Milieus nach.</p>
<p>Die <a href="http://www.sinus-institut.de/fileadmin/dokumente/Infobereich_fuer_Studierende/2015-01-01_Infoblatt_Sinus-Milieus_Studentenversion.pdf">Sinus-Milieus</a> werden seit 1972 von der gleichnamigen Agentur ermittelt. Dabei werden Menschen mit ähnlichen Lebensweisen und Lebensauffassungen in zehn strukturierte Milieus gruppiert, wobei die Grenzen sich überlappen. Aspekte aus Beruf, Bildung, Grundeinstellungen und Aktivitäten werden untersucht und bilden die Lebenswelt der Gesellschaft ab. Seit zwei Jahren hat Sinus  die Milieus auch auf die digitale Lebenswelt übertragen.</p>
<h3>Digitale Sinus-Milieus</h3>
<p>Die <a href="http://www.sinus-institut.de/fileadmin/dokumente/downloadcenter/Artikel_und_Vortraege/2014-04-04_Pressemitteilung_Digitale_Sinus-Milieus.pdf">digitalen Sinus-Milieus </a>untersuchen erstmals die digitale Lebenswelt auf dieselbe Weise, wie auch die herkömmlichen Sinus-Milieus ermittelt werden. Menschen werden anhand von gewissen medienbezogenen Faktoren in Gruppen (Milieus) zusammengefasst und erlauben so eine „Landkarte“ der Gesellschaft hinsichtlich der Nutzung digitaler Medien. Veröffentlicht wurde unter anderem eine Digital User Group <a href="http://www.netzstrategen.com/media/2014-01-14_Kartoffel_Digital-User-Groups_722x543.jpg">Grafik</a>, bei der die Gesellschaft in sieben Milieus eingeteilt ist und sich mit dem Zugang und der Nutzungsweise/Intensität auseinandersetzt.</p>
<p>Ursprünglich für die Zielgruppenanalyse in der Werbung entwickelt, bietet die Erhebung auch interessante sozialwissenschaftliche und politische Ergebnisse. Aus der Grafik wird deutlich, dass gewisse Übereinstimmungen der digitalen und analogen Welt vorhanden sind. Die Milieus gleichen sich zwar nicht eins zu eins, dennoch sind sie aber ähnlich fragmentiert. Daraus lässt sich schließen, dass sich Bildung, Einkommen und Beruf, sowie Grundhaltung zu Geld, Familie, Politik und Konsum nicht nur auf die analoge Welt, sondern deutlich auch auf das Verhalten im Internet auswirken.</p>
<p>Der Habitus, also die verinnerlichte Lebensweise und Lebensauffassung der direkten Umgebung, prägt auch Entscheidungen, Umgangsform und Einstellungen im und zum Internet. Insofern kann man also von einem milieuspezifischen Umgang mit digitalen Medien sprechen. Dabei stellt sich die Frage, ob sich der digitale Habitus im Netz immer deutlich abzeichnet. Kann man, wie in der analogen Welt auch, anhand des Verhaltens im Internet erkennen, welchen persönlichen Hintergrund ein Mensch hat? Womöglich bewegen sich die Menschen im Internet viel authentischer und werden ihrem Habitus somit mehr gerecht als in der analogen Welt. Die Erfahrung, anonym mutiger, ehrlicher oder offener zu sein, kennen viele. Das Internet bietet genau das: Grenzen ertasten, von denen man sich sonst fern hält. Sei es aus Höflichkeit gegenüber anderen, oder aus Angst vor der Reaktion anderer. Im Internet sind die Hemmungen geringer.</p>
<p>Ist es also möglich, dass sich die habituell bedingten Grenzen unserer Denk- und Handlungsweise im Internet erweitern? Können wir gar aus unserem üblichen Milieu leichter heraustreten und mal etwas anderes probieren?</p>
<p>Wie und wo sich eine Person sowohl im analogen als auch im digitalen Raum bewegt, ist vom eigenen Milieu abhängig. In der analogen Welt sind das Schauplätze wie Beruf, Wohnbezirk und Familie. In der digitalen Welt ist entscheidend, auf welcher Plattform man sich bewegt, ob man bei Facebook, Twitter oder Linkedin angemeldet ist, welche Nachrichtenseiten aufgerufen werden und auf welchen Foren man aktiv ist.</p>
<p>Spaltet sich also doch auch im Netz die Gesellschaft in ihre Milieus auf und vermischt sich doch eher wenig?</p>
<p><a href="http://www.medienpaed.com/globalassets/medienpaed/17/biermann0908.pdf">Befunde </a> belegen, dass das Internet nicht unbedingt der große „Gleichmacher“ ist, wie einst erhofft wurde. Das bedeutet, dass sich auch im Netz soziale Ungleichheiten reproduzieren. Der Zugang zu digitalen Medien und die Fähigkeit damit umzugehen sind Faktoren, die darüber entscheiden wie und ob eine Person das Internet nutzt. Hinzu kommt aber auch der persönliche Hintergrund (Habitus). Er beeinflusst stark, wo sich eine Person im Netz bewegt, und wie sie sich dort präsentiert. Dadurch können sich die Milieus auch in der digitalen Welt ihre eigenen Schauplätze konstruieren, ohne groß mit anderen Milieus in Berührung zu kommen. Die soziale Ungleichheit ist auch im Internet gegenwärtig.</p>
<p>Technisch betrachtet könnte es also möglich sein, sich online in milieufremden Arenen zu bewegen, andere Erfahrungen zu machen und den eigenen Horizont zu erweitern. Doch die Grenzen des eigenen Habitus leiten uns dann doch oft wieder in bekannte Gefilde, die wir kennen und in denen wir uns bereits zuhause fühlen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/132604339@N03/18161731052" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Joe The Goat Farmer </a><a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY 2.0)</a></p>
<div class="attribution-info"></div>
<div class="attribution-info">
<div class="attribution-info"> <img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-130752" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></div>
</div>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Irgendwas mit Europa &#8211; Digitale Presseschau 15/2014</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Schmitt]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Apr 2014 13:13:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[So oft die Europäische Union auch abgekanzelt wird – in den letzten beiden Wochen fanden einige Entscheidungen auf verschiedenen Ebenen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>So oft die Europäische Union auch abgekanzelt wird – in den letzten beiden Wochen fanden einige Entscheidungen auf verschiedenen Ebenen der EU statt, die aus netzpolitischer Sicht erfreulich sind: Das Europäische Parlament entschied für die Netzneutralität, der EuGH kippte die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung. Vielleicht bestätigt das doch die Wichtigkeit der anstehenden Wahl des Europäischen Parlaments im Mai. Dass diese Entscheidungen aber nicht ausreichen, wir selber mit unseren eigenen Widersprüchlichkeiten und denen des Internets umgehen müssen, lesen Sie in unserer Presseschau.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?v=TWu6IdhOQmo" title="#11 - Jacob Appelbaum on surveillance" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/TWu6IdhOQmo?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Der Programmierer, Hacker und Netzaktivist <a href="https://twitter.com/ioerror" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jacob Applebaum</a> kritisiert für die <a href="http://politik-digital.de/wepromise-europawahl-im-zeichen-der-digitalen-grundrechte/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kampagne WEPROMISE</a> die totale Überwachung und fordert dazu auf, das formelle wie informelle Recht auf Widerstand und eine gerechtere Gesellschaft zu nutzen.</p>
<h3><a href="http://irights.info/eugh-entscheidung-zur-vorratsdatenspeicherung-kein-grund-zur-freude)" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Vorratsdatenspeicherung ist tot &#8211; lang lebe die Vorratsdatenspeicherung?</a></h3>
<p>Am Dienstag kippte der Europäische Gerichtshof in Luxemburg die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung. Die Diskussion, ob die anlasslose Speicherung von Daten nun endgültig vom Tisch ist, beschäftigte seither die Online- wie Print-Redaktionen. Sogar die Tagesthemen sendeten einen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=-TA0_r3_W6c" target="_blank" rel="noopener noreferrer">6-minütigen Beitrag zur VDS</a>. In einem <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/urteil-zur-vorratsdatenspeicherung-ende-der-masslosigkeit-1.1932057" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kommentar</a> spricht Heribert Prantl von einer Zäsur in der Rechtssprechungspraxis des EuGH und einer „Zeitenwende im europäischen Grundrechtsschutz“. Aus der Sicht von Prantl und vielen anderen ist das Urteil ein Grund zur Freude. Deutlich kritischer sieht das die Politikwissenschaftlerin Lorena Jaume-Palasi. Auf irights.info setzt sie sich dezidiert mit dem Urteil des EuGH auseinander und kommt zu dem Schluss: <a href="http://irights.info/eugh-entscheidung-zur-vorratsdatenspeicherung-kein-grund-zur-freude" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Das Urteil ist kein Sieg gegen die Vorratsdatenspeicherung.“</a></p>
<h3><a href="http://blogs.faz.net/digitaltwin/2014/04/09/titel-550/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Anonymität im Internet ist unter derzeitigen Bedingungen fast unmöglich</a></h3>
<p>Warum Anonymität im Internet unter den heutigen Bedingungen kaum mehr möglich ist, erklärt Stefan Schulz im FAZ-Blog. Das Internet habe keine dunklen Ecken, auch ohne die Speicherung von Verbindungsdaten und IP-Adressen. Unter Berufung auf neue Forschungen an der Universität Princeton ließe sich nachweisen, dass allein durch „3rd Party Cookies“ Identifizierungen und Überwachung vorgenommen werden können.</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/politik-in-der-digitalen-welt/katrin-goering-eckardt-antwortet-auf-martin-schulz-12890070.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Widersprüchlichkeiten</a></h3>
<p>Eine weitere Antwort auf den Artikel zum <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/technologischer-totalitarismus-warum-wir-jetzt-kaempfen-muessen-12786805.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„determinierten Menschen“</a> von Martin Schulz liefert heute Katrin Göring-Eckhardt von den Grünen. Sie argumentiert, dass das reale menschliche Leben komplexer sei als seine virtuelle Verdopplung. Das Internet dürfe nicht bloß pessimistisch, in Begriffen der Kontrolle und Überwachung, betrachtet werden, es habe darüber hinaus eine freiheitlich-politische und subversive Dimension. Die politischen Umwälzungen in vielen Teilen der Welt seien ohne das Netz nicht mehr denkbar: „Gemacht werden muss die Revolution natürlich weiterhin auf der Straße, aber auf Twitter steht immerhin, auf welcher. In der revolutionären Situation gehört das Netz der Bürgergesellschaft.“</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/netzaufsicht-wer-regiert-das-internet-12887940.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Zukunft der Internet Governance</a></h3>
<p>Bereits Ende 2013 setzten sich im sogenannten <a href="http://www.w3.org/2013/10/montevideo.html.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Montevideo Statement</a> zentrale Organisationen, die sich mit der Verteilung der Internet-Ressourcen befassen, für eine Internationalisierung der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) ein. Am 14. März diesen Jahres gaben die USA bekannt, dass sie die Aufsicht über die ICANN aufgeben werden. Wer regiert also in Zukunft das Internet?, fragt Florian Zimmer-Amrhein.</p>
<h3><a href="http://www.dw.de/hohe-wahlbeteiligung-dank-netzkampagne/a-17550590" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlen, Politik und Soziale Netzwerke</a></h3>
<p>Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sind hierzulande nicht selten als „Datenkrake“, Plattform für Empörungswellen oder Spaß-Medium verschrien. Wie sieht das eigentlich in anderen Ländern aus? Masood Saifullah <a href="http://www.dw.de/hohe-wahlbeteiligung-dank-netzkampagne/a-17550590" target="_blank" rel="noopener noreferrer">beschreibt</a>, wie in Afghanistan eine Netzkampagne auf Facebook signifikanten Einfuss auf die Wahlbeteiligung genommen habe. Auch aus <a href="http://m.aljazeera.com/story/201449145535825472" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Indien wird berichtet</a>, dass Social Media wahlrelevant sei. Der Social-Media-Forscher des Think Tanks <a href="http://www.demos.co.uk/projects/casm/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Demos</a>, Carl Miller, ist sogar der Auffassung, dass Social Media die Krise der modernen Politik in Europa lösen könne: <a href="http://www.wired.co.uk/news/archive/2014-02/12/the-coming-storm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Social media is taking a more and more political turn.“</a><br />
Bild: Screenshot Video<br />
<a href="http://politik-digital.de/4-berliner-hinterhofgespraech-ist-digital-besser-demokratie-und-buergerbeteiligung-im-netz/cc-lizenz-630x110/" rel="attachment wp-att-130752"><img decoding="async" alt="CC-Lizenz-630x110" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" width="407" height="71" /></a><br />
&nbsp;</p>
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		<title>„Der unsichtbare Mensch“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Mar 2014 10:45:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Anonymität im Internet ist ein zweischneidiges Schwert. Sie kann Whistleblower bei der Preisgabe von Informationen schützen. Doch die vermeintliche Unsichtbarkeit [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/unsichtbarer-mensch-oben.jpg"><img decoding="async" class="size-large wp-image-138605 alignnone" alt="unsichtbarer mensch oben" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/unsichtbarer-mensch-oben-630x472.jpg" width="630" height="472" /></a>Anonymität im Internet ist ein zweischneidiges Schwert. Sie kann Whistleblower bei der Preisgabe von Informationen schützen. Doch die vermeintliche Unsichtbarkeit wird von Menschen auch missbraucht, die Hass und Gemeinheiten verbreiten. <a href="https://twitter.com/brodnig">Ingrid Brodnig</a>, Leiterin des Medienressorts und Netzpolitik-Journalistin bei der Wiener Wochenzeitung „<a href="http://www.falter.at/">Falter</a>“, diskutiert in ihrem Buch „<a href="http://www.czernin-verlag.com/buch/der-unsichtbare-mensch">Der unsichtbare Mensch</a>“ die Licht- und Schattenseiten von Anonymität. Sie liefert aktuelle Beispiele und erläutert, wie sich Unidentifizierbarkeit auf das menschliche Verhalten auswirken kann. Brodnig motiviert den Leser darüber nachzudenken, wie Anonymität, Meinungsfreiheit, Demokratie und Überwachung zusammenhängen und wie jeder zu konstruktiven Debatten und einem respektvollen Umgang im Netz beitragen kann.<br />
Einleitend (im zweiten Kapitel des Buchs) zeigt die Autorin, wie sich unser Verständnis von Anonymität im Laufe der Zeit verändert hat. Das Neue an Anonymität im Internet ist laut Brodnig, dass die rein textbasierte Kommunikation den Menschen ein Gefühl von „Unsichtbarkeit“ verleiht. Dass man weder gesehen noch gehört wird, kann sich sowohl positiv als auch negativ auf das menschliche Verhalten auswirken. Einerseits gelingen Kollaborationen, wie z. B. das Online-Lexikon Wikipedia, bei dem auch „Halbwissen“ zur Diskussion gestellt wird. Auch kann Anonymität den Schwachen oder Unterdrückten als Instrument dienen, um sich Gehör zu verschaffen. Brodnig schreibt über den Schutz von Informanten wie Whistleblower und investigative Journalisten, die für die Öffentlichkeit relevante Dinge aufdecken.<br />
Ein Großteil des Buchs (das dritte und vierte Kapitel) beschäftigt sich mit den „dunklen Seiten“ der Anonymität im Netz: Mobs, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Netzkultur)">Trolle</a> und Kinderpornografie. Brodnig nennt u. a. Cybermobs, die in China als „Menschenfleisch-Suchmaschine“ bezeichnet werden. In einer Art Hexenjagd rächt sich die Meute an anderen. Anonymität in Form einer „gesichtslosen Masse“, die sich unsichtbar durch das Netz bewegt, verleitet häufig Menschen zu aggressivem und rücksichtslosem Verhalten. Viele Menschen trennen zwischen Online- und Offline-Identität und denken beim Verfassen einer Hass-Mail: „Das bin doch nicht ich“.<br />
Manche Gruppen, wie z. B. Antifeministen oder das Kollektiv „Anonymous“ (die beide ausführlich im Buch besprochen werden), sind oft lauter als der durchschnittliche Kommentierende. Sie nutzen die vermeintliche Unsichtbarkeit im Netz, um zahlreicher zu erscheinen als sie tatsächlich sind. Ganze Debatten können sie ins Destruktive lenken, selbst wenn die Mehrheit der Leser anders denken mag.</p>
<h3><b>Stärkt oder schwächt Anonymität im Internet die Demokratie? </b></h3>
<p>Problematisch ist, dass die meisten Trolle oder Hassposter ihr Verhalten oft mit dem Argument der Meinungsfreiheit rechtfertigen. In einer demokratischen Gesellschaft sollte man angstfrei debattieren können. Dass Meinungsäußerungen Angriffsfläche bieten, wird in demokratischen Gesellschaften immer der Fall sein. Viktor Mayer-Schönberger vom Oxford Internet Institute schreibt im Vorwort zu Brodnigs Buch, dass vermehrte Anonymität im Internet ein „effektives Frühwarnsystem unserer Demokratie“ sei. Je weniger die Menschen bereit sind, unter ihrem echten Namen zu diskutierten, desto gefährdeter sei ein freier Diskurs.<br />
Auch Unternehmer wie Mark Zuckerberg oder Arianna Huffington verlangen, dass Menschen unter ihrem echten Namen im Internet verkehren. Das Onlinemedium „Huffington Post“ verbietet anonyme Kommentare, da ihre Gründerin denkt, dass Menschen zu ihrer Meinung stehen und sich nicht „hinter der Anonymität verstecken“ sollten. Zuckerberg hingegen betrachtet mehrere Identitäten als einen „Mangel an Integrität“. Das hört sich vielleicht plausibel an, Brodnig weist in ihrem Buch jedoch darauf hin, dass Geheimdienste, Staaten und Internetkonzerne ein großes Interesse daran haben, zu wissen, wer, was und wo im Internet tut. Meinungsfreiheit und Demokratie könnten demnach als Vorwand für umfangreicheres Datensammeln und eine Kontrolle der Bevölkerung ausgenutzt werden.</p>
<h3><b>Gibt es überhaupt noch echte Anonymität? </b></h3>
<p>Ob es überhaupt noch Sinn mache, über Anonymität zu reden, wird im letzten Teil des Buchs besprochen (Kapitel 5). Denn durch die Bekanntmachung von Überwachungsapparaten und Vorratsdatenspeicherung ist bekannt, dass wir heute weder anonym noch privat im Netz unterwegs sind. Auch als Privatperson kann ich – z. B. anhand der Emailadresse &#8211; herausfinden, woher die  Hass-Poster kommen. Viele Menschen würden ihre Anonymität komplett falsch einschätzen, sagt Brodnig.<br />
Lohnt es sich dann überhaupt, Anonymität im Internet zu schützen? Brodnig zitiert dazu in ihrem Buch den chinesischen Cyberdissidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Anti_(Journalist)">Michael Anti</a> (echter Name: Zhao Jing):  „Es ging nicht um Anonymität, es ging um diese neue Identität &#8230; Als ich meinen Namen wechselte, wurde ich immer mutiger“. In dem Bewusstsein, dass die chinesische Regierung seine Identität stets kannte, kritisierte Anti im Internet unter seinem Pseudonym die kommunistische Führung. Sein Facebook-Profil wurde aufgrund der Klarnamenpflicht des sozialen Netzwerkes 2011 gelöscht. Anonymität bedeutet heute vielleicht eher die Möglichkeit, eine Seite der eigenen Persönlichkeit im Netz auszuleben und nicht komplett unerkannt zu sein. In diesem Sinne ist Identität  also nicht notwendig singulär, sondern passt sich an das Gegenüber an.<br />
<figure id="attachment_138602" aria-describedby="caption-attachment-138602" style="width: 188px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/der-unsichtbare-mensch.jpg"><img decoding="async" class=" wp-image-138602 " alt="der unsichtbare mensch" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/der-unsichtbare-mensch.jpg" width="188" height="302" /></a><figcaption id="caption-attachment-138602" class="wp-caption-text">Ingrid Brodnig: Der unsichtbare Mensch &#8211; Wie die Anonymität im Internet unsere Gesellschaft verändert. Wien: Czernin Verlag, 2013, € 18,90</figcaption></figure><br />
Es gibt weitere Gründe, Anonymität im Internet nicht als Ganzes abzuschaffen. Brodnig liefert erschreckende Beispiele: Ein Realnamen-Gesetz, dass 2007 in Südkorea in Kraft trat, um bösartige Postings zu unterbinden, verpflichtete alle Bürger auf Websites, nur unter ihrem richtigen Namen und mit Nennung ihrer Einwohnernummer zu kommentieren. Kurz darauf wurden die privaten Daten von 70 Prozent der südkoreanischen Bevölkerung von Hackern geklaut.</p>
<h3><b>Der Ton macht die Debatte</b></h3>
<p>In einer Zeit in der on- und offline zunehmend miteinander verschmelzen, kann man nicht mehr von „Cybermobbing“ oder einer „virtuellen Welt“ sprechen. Anfeindungen im Netz sind real und schmerzhaft. Im letzten Teil des Buchs stellt Brodnig Wege für ein soziales Miteinander im Netz vor. Die Moderation von Kommentaren auf „Zeit Online“ wird als Beispiel genannt, wie eine respektvolle und sachliche Diskussion gefördert werden kann. Ein mehrköpfiges Community-Team überprüft jedes einzelne Posting anhand einer „digitalen Hausordnung“. Wird ein Kommentar gelöscht, gibt es eine Begründung wie: „Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion“. Solch eine umfangreiche Moderation ist jedoch teuer und zeitaufwändig.<br />
Die Hervorhebung von nützlichen Kommentaren durch Bewertungen anderer Nutzer, wie auf der Website <a href="http://stackoverflow.com/">Stack Overflow</a>, ist eine preiswertere Möglichkeit, für einen freundlicheren Umgang im Internet zu sorgen. Konstruktive Beiträge werden durch positive Bewertungen belohnt und die Community überwacht sich selbst. Oft hilft es auch, wenn Journalisten oder Verfasser von Texten im Internet sich früh einschalten und mit ihrer Leserschaft diskutieren. „Zeit“-Redakteur David Schmidt sagte Brodnig, dass Artikel oft als ein fertiges, unmenschliches Produkt angesehen würden. Gegen diese „unpersönliche Wand“ ließe es sich leicht argumentieren. „Sobald da aber ein Mensch ist, der sagt, dass er sich Gedanken dazu gemacht hat, gehe ich ganz anders damit um“.<br />
Im Allgemeinen könne aber jeder Einzelne ohne viel Aufwand für einen besseren Ton im Netz sorgen, z. B. indem man sich die Situationen im Internet offline vorzustellt. Die Autorin verweist auf ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=UMpgVRCm9d4">YouTube Video</a>, in dem Studenten den „Online Disinhibition Effect“ schauspielerisch darstellen. Es würde einem schon seltsam vorkommen, wenn Menschen ohne Vorwarnung öffentlich angepöbelt und beschimpft werden.</p>
<h3><b>Fazit</b></h3>
<p>„Der unsichtbare Mensch“ bespricht die historischen, politischen und psychologischen Dimensionen von Anonymität und erläutert die Komplexität des Konzepts im virtuellen Raum. Für Community-Manager und Moderatoren von Nachrichtenseiten oder Foren enthält das Buch eine Reihe von nützlichen Tipps, um besser auf anonyme Poster zu reagieren bzw. mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das Einbinden von spannenden, aktuellen Beispielen sorgt für eine abwechslungsreiche Lektüre. Die Autorin bezieht zwischendurch immer wieder klar Position, was das Buch persönlich und zugänglich macht. So schreibt sie direkt zu Anfang des Buchs: „Ich plädiere weder für null noch für hundert Prozent Anonymität, sondern für eine komplexere Auseinandersetzung mit diesem Thema“. Was mich betrifft, hat Ingrid Brodnig ihr Ziel erreicht.<br />
Bilder: oben: <a href="http://www.flickr.com/photos/29487767@N02/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Daniela Hartmann</a> <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-SA 2.0)</a>, Buchcover: © <a href="http://www.czernin-verlag.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Czernin Verlag</a><br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></p>
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		<title>Er lädt, und lädt und lädt&#8230; &#8211; Digitale Presseschau KW 18</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ludwig Lagershausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 May 2013 16:55:08 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Das Internet ist randvoll, soviel ist klar. Und was es da alles zu bestaunen gibt: Regierungskritik, kostenlose Werbung, private Details, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Internet ist randvoll, soviel ist klar. Und was es da alles zu bestaunen gibt: Regierungskritik, kostenlose Werbung, private Details, all jenes, worüber es sich zu berichten lohnt. Doch um diesen digitalen Datenwust auf die Screens zu bringen, sind natürlich Datenautobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzungen nötig. Aber aufgepasst, denn bei voller Fahrt kann die E-Identity sehr schnell zum Wanderpokal werden.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&amp;v=LqIvz7Z1sbw" title="Werbespot: Deutsche Telekom-Drosselpläne mit Ladebalken" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/LqIvz7Z1sbw?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Vor wenigen Jahren erst pries die Deutsche Telekom die Abschaffung des zeitfressenden Ladebalkens mit einem Werbespot als Schritt in die Zukunft an. Die nun bekannt gewordenen Pläne, nach 75 GB Datenvolumen pro Nutzer auf die digitale Bremse zu treten, erscheinen da doch eher wie ein großer Rückschritt denn als Zukunftsmodell. „Keine halben Sachen!“ fordert daher auch die Digitale Gesellschaft mit dieser ironischen Anspielung auf die magentafarbene Selbstbeweihräucherung.</p>
<h3><a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/britische-regierung-startet-twitter-offensive-a-897226.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Angsthasen?</a></h3>
<p>Grassiert in London Angst vor schlechter Publicity? Anders lässt es nicht wohl nicht erklären, warum der britische Premierminister David Cameron seine Pressemitarbeiter dazu anhält, imageschädigenden Tweets schnellstmöglich den Garaus zu machen. &#8220;Jede Minute, die vergeht, verbreitet sich das Gift durch das System&#8221;, drückt ein Vertrauter Camerons seine hohe Meinung zu digitalem Meinungsaustausch aus. Dass obendrein auch noch ausgewählte Journalisten mit exklusiven Infos versorgt werden sollen, um gutes Twitter-Karma für die Tories zu erzeugen, riecht doch sehr nach verzweifelter Medieninstrumentalisierung an der Themse.</p>
<h3><a href="http://gutjahr.biz/2013/05/identity-theft/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bruder Leichtfuß mein Name!</a></h3>
<p>Who is who? Die Frage ist oft einfach zu beantworten, weil viele Menschen mit ihren Daten allzu leichtfertig und öffentlichkeitswirksam umgehen und dann eine böse Überraschung erleben. Richard Gutjahr gesteht nämlich, wie er zufällig wichtige Daten eines Sitznachbarn am Flughafen aufschnappte und nun theoretisch in der Lage wäre, auf fremde Kosten online auf Shoppingtour zu gehen. Ganz so einfach ist das letzten Endes zwar nicht, doch wessen digitales Ich einmal gehackt wurde, der wird die nächsten Wochen damit verbringen, seine Identität in den weltweiten Datenströmen wieder einzufangen. Die Tipps am Artikelende sollten helfen, sich diese unnötige Arbeit zu ersparen.</p>
<h3><a href="http://socialmediawatchblog.de/2013/04/wie-medien-politik-und-unternehmen-andauernd-fuer-facebook-twitter-und-google-werbung-machen-und-sich-dafuer-auch-noch-feiern/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier könnte Ihre Werbung stehen.</a></h3>
<p>Social Media ist wichtig. Wirtschaft, Politik, Medien, beinahe jedes Unternehmen und jede Person des öffentlichen Lebens ist bei Facebook, Twitter und Co. vertreten, überall wird mit den Auftritten auf den einschlägigen Plattformen gelockt. Aber das Wettrennen um mediale Aufmerksamkeit beschert vor allem den Sozialen Netzwerken selbst eine riesige, allgegenwärtige und vor allem kostenlose Präsentationsfläche. Spitzenpolitiker werden zu Werbefiguren für den Facebook-Leitfaden, Sonntagabend wird der Mörder im Tatort in Windeseile am Second Screen per Twitter ermittelt und Angela Merkel lässt sich im Google Hangout befragen. Es scheint, als ob die Social Networks – private Unternehmen also – die Kontrolle über unsere Kommunikation übernehmen. Der Social Media Watchblog fragt stellvertretend: „Was sind die Alternativen?“</p>
<h3><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-die-fuenf-luegen-der-breitband-schoenredner-a-897385.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahres Wortspiel</a></h3>
<p>Bestnote im Dummdeuten! In den Fächern Schönfärberei, Verschleierung und Herauswinden hat die Politik ihre Hausaufgaben gemacht – und Sascha Lobo zur Erfindung eines neuen Wortes animiert. Denn wenn es darum geht, das eigene Versagen in Sachen Netzpolitik und Breitbandausbau als Erfolg zu verkaufen (=dummzudeuten) und somit bitter nötige Investitionen zu blockieren, sieht Sascha Lobo unsere Volksvertreter in der Champions League. Was allerdings den tatsächlichen Fortschritt im Internetausbau angeht, da spiele Deutschland eher in der Kreisklasse. Und so rechnet der SPON-Kolumnist mit der Bundesregierung und ihren vielen leeren Versprechen zur digitalen Infrastruktur ab und verteilt deftige Strafarbeiten ans Wirtschaftsministerium: „Es führt kein Weg an massiven staatlichen Investitionen in eine netzneutrale Glasfaserinfrastruktur vorbei“, lautet eine seiner Forderungen.</p>
<h3><a href="http://blog.zdf.de/hyperland/2013/04/das-limit-des-netzes/#more-11323" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(K)ein Ende in Sicht</a></h3>
<p>Jeden Tag, jede Sekunde wird das Internet mit Informationen und Daten in Form von Texten, Bildern, Videos und vielem Weiteren gefüttert. Doch was, wenn das Netz irgendwann einmal &#8216;voll&#8217; sein sollte, wenn also die physikalische Grenze erreicht ist? Dass genau das in gar nicht mehr so weit entfernter Zukunft eintreten könnte und schlichtweg den Ausfall des Internets bedeuten würde, ist wohl den wenigsten Usern bewusst. Zur Vermeidung dieses Super-GAUs wird händeringend ein effizienteres Kodierungssystem als Ersatz für die bald zugeparkte Binärkodierung gesucht. Ansatz: das Internet muss intelligenter werden und Rohdaten als zusammenhängende Information verarbeiten, Bits und Bytes könnten somit bald Geschichte sein.</p>
<h3><a href="http://blogs.faz.net/medienwirtschaft/2013/04/29/die-huffington-post-attackiert-den-deutschen-internetmarkt-200/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Huffington Post im Anmarsch</a></h3>
<p>Die deutsche Medienlandschaft wird bald um ein Medium reicher: die US-amerikanische Internetzeitung Huffington Post drängt auf den Nachrichtenmarkt und will innerhalb von nur drei bis vier Jahren 10 Millionen Besuche einfahren. Das Erreichen dieser hochgesteckten Ziele soll mit der Hilfe von Focus Online gesichert werden, das die Neulinge zu Beginn des Deutschland-Engagements unterstützen und bewerben wird. Sollten diese Pläne Erfolg haben, dann wäre die Huffington Post das erste Portal in Deutschland, das sich ohne angeschlossene Printversion durchsetzen würde. Der Clou dabei: die Einbindung von mehreren Tausend Bloggern, die die Seite mitgestalten. „Wir brauchen Menschen, die auf unserer Seite schreiben, die sich in einem Fachgebiet auskennen und ihr Wissen teilen wollen“, so Jimmy Maymann von AOL, dem die HP angeschlossen ist.</p>
<h3><a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-04/harper-reed-datenschutz" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ein besseres Leben durch Daten</a></h3>
<p>Harper Reed weiß, wie man US-Präsident wird. Immerhin übernahm er die technische Leitung für Barack Obamas Wahlkampf. Dafür verteilte er keine Flyer oder Prospekte, sondern entwickelte mit entsprechenden Tools eine ausgeklügelten Internetkampagne, die die nötigen Wählerstimmen per Mausklick einfing. Dass er sich im WWW auskenne dürfte, scheint daher unbestritten. Ob Reed in Deutschland Ähnliches gelingen würde scheint ob seiner laxen Ansichten zu Datenschutz und fraglich: &#8220;Ich habe einen Facebook-Account, ich poste täglich mein Gewicht&#8221;. Ob Reed zu- oder abnimmt, ist sicherlich weniger wichtig als dieses lesenswerte und unterhaltsame Interview auf Zeit Online.</p>
<div><img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></div>
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		<title>Identität im Kontext von Medienkultur</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/identitaet_im_kontext_von_medienkultur-71/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:44:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Medientheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationswissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">Die Beschäftigung mit dem Begriff Identität        boomt &#8211; in vielen Disziplinen wird sie geführt und entsprechend        unübersichtlich ist das Feld mittlerweile geworden. Das Buch        &#8222;Medienidentitäten&#8220; will mit der Unübersichtlichkeit        aufräumen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Die Beschäftigung mit dem Begriff Identität boomt – in vielen Disziplinen wird sie geführt und entsprechend unübersichtlich ist das Feld mittlerweile geworden. Das Buch „Medienidentitäten“ will mit der Unübersichtlichkeit aufräumen.<!--break--></p>
<p>Bei der Untersuchung des Begriffs Identität stellt man schnell fest, da man bei diesem Forschungsgegenstand interdisziplinär vorgehen muss. Es gibt keine geschlossene Theorie, sondern mehrere übergeordnete Herangehensweisen, deren Ursprung sehr vielfältig ist und die aus zahlreichen Disziplinen kommen. Die Rolle der Identität in einer globalisierten Welt ist vielgestaltig. Ganz besonders dann, wenn der Einfluss der Medien berücksichtigt wird. Identität und Medien sind fast nicht mehr zu trennen. Diesem spannenden Feld versucht das von Carsten Winter, Tanja Thomas und Andreas Hepp herausgegebene Buch „Medienidentitäten“ gerecht zu werden. Aufgrund der aktuellen Diskussionen rund um die Identität verdient dieser Sammelband gegenwärtig eine genauere Betrachtung.<br />
Auf rund 400 Seiten kommen namhafte Experten zu Wort, die in fünf Abschnitten erklären, wie die zentralen Diskurse um den Begriff der Medienidentität in der Medien- und Kommunikationswissenschaft aussehen und wie die Vielschichtigkeit dieses Feldes deutlich zu machen ist. Nach einer Einleitung wird zuerst die Theorie angesprochen, danach werden mediale Angebote aufgeführt, im nächsten Schritt werden Alltagsbeobachtungen wie Talkshows, Soap Operas und andere populäre Phänomene empirisch analysiert. Schließlich werden die Chancen und Risiken angesprochen, die sich beispielsweise in politischen Protestplakaten, Globalisierungskritik oder Fanidentitäten ausdrücken.<br />
In der Einleitung diskutieren die Herausgeber die Frage, woher der Boom der Identitätsforschung in den Medienwissenschaften kommt und erörtern die Diskussionsfelder der kulturellen Identität und der Medien. Schließlich kommen die Autoren auf die theoretischen und empirischen Positionen des Bandes zu sprechen, die hier kurz umrissen werden sollen.<br />
Die Theoriediskussionen beginnen mit einem Beitrag von Friedrich Krotz, der Medien als Konstitution von Identität untersucht Dabei greift er auf die Theorie des symbolischen Interaktionismus zurück und plädiert für eine mediale Durchdringung der alltäglichen Lebenswelt. Carsten Winter widmet sich der konfliktären Artikulation von Identität im Kontext der Globalisierung von Medienkulturen, während Kurt Imhoff das Zusammenwirken von Öffentlichkeit und Identität betrachtet. Andreas Hepp beendet den Theorieexkurs mit der Frage der Deterritorialisierung: ihm geht es dabei vorrangig um die ethnischen, kommerziellen und politischen Aspekte von Medienidentitäten in Zeiten der Globalisierung. Nachdem die Theoriediskussionen eine differenzierte Einführung in das Thema ermöglichen, widmen sich weitere Autoren konkreten Identitätsangeboten in den Medien. Diese Beispiele sind rundweg passend und einwandfrei analysiert, doch entfalten sie oft erst auf den zweiten Blick ihre wahre Wirkung. Denn es ist überraschend, wenn man als Leser zuerst ein wenig irritiert von der Zeitschrift „Kolonie und Heimat“, der österreichischen Mediensituation am Beispiel des Atomkraftwerks Temelin in Tschechien oder der Darstellung von Dresdnern in Stadtvideos zu lesen bekommt. Nicht weit entfernt ist der Weg von den Identitätsangeboten hin zu den Medienidentitäten im Alltag. Nach einem Beitrag, der sich unter anderem der theoretischen Analyse kultureller Identität in den Cultural Studies widmet, liefert der Autor konkrete Beispiele: so wird sehr differenziert über die Identitätskonstitution italienischer Migrantenjugendlicher und über Talkshows und Daily Soaps gesprochen. Nach all diesen Beispielen werden Risiken und Potenzialen von Medienidentitäten dargestellt. Lothar Mikos erörtert die Risiken der öffentlichen Selbstdarstellung im Fernsehen, beispielsweise bei „Big Brother“, und widmet sich der durch die Medien ausgelösten Identitätsarbeit. Horst Niesyto und Peter Holzwarth beschäftigen sich mit der Jugendforschung im Bereich der Videoproduktionen als Möglichkeit interkultureller Kommunikation. Christian Wenger untersucht die Identitätsstiftung in Fangemeinden am Beispiel der Star-Trek-Fans und Jeffrey Wimmer und Sebastian Haunss diskutieren politische Fragen der Liberalisierung des Welthandels und Protestplakate und ihre Wirkung in Bezug auf die kollektive Identität sozialer Bewegungen.<br />
Die Schwerpunktsetzung vieler Beiträge auf zeitgenössische Medienanalysen und besonders in den Cultural Studies bedeutenden Themen wie Soaps oder Talkshows helfen dem Leser, die Verknüpfungen von Theorie und Praxis herzustellen. Auch wenn die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit Identitätsbildungsprozessen als alltägliches Problem empirisch einleuchtend daherkommt, kann der Prozess der Identitätsbildung mit seinen Ausmaßen schnell allzu mächtig erscheinen. Doch nicht nur die gutsortierte Literaturliste und die beeindruckende Zahl der Mitwirkenden machen diesen Sammelband zu einer wichtigen Quelle in Sachen Medienidentität. Vor allem die Zusammenführung der verschiedensten Themen und der gelungene Überblick, der dadurch entsteht. Die Diskussionen rund um den Begriff der Identität haben sich seit Georg Simmel und George Herbert Mead exponentiell vervielfacht und sind unübersichtlicher und verstreuter geworden. Das Buch „Medienidentitäten“ bietet durch eine gelungene Zusammenfassung zugleich auch fortgeschrittenen Interessenten einen aufschlussreichen Einblick in die Identitätsdiskussionen der letzten Jahre.</p>
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		<title>Blick hinter die Kulissen der Ich-Identität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:42:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Schizophrenie]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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		<category><![CDATA[Individuum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett"><font size="2">Bereits in der zehnten Auflage erscheint        ein Klassiker der Identitätsforschung in der Soziologie. Lothar        Krappmanns Buch &#8222;Soziologische Dimensionen der Identität&#8220;        ist aber mehr als nur ein sozialwissenschaftliches Standardwerk        &#8211; vielmehr gibt es hier auch für den Nichtwissenschaftler        viel zu entdecken. Beispielsweise, wie in den Zeiten des Internets        die Interaktion mit anderen gewinnbringend für das eigene Ich        eingesetzt werden kann.</font>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett"><span style="font-size: x-small;">Bereits in der zehnten Auflage erscheint ein Klassiker der Identitätsforschung in der Soziologie. Lothar Krappmanns Buch „Soziologische Dimensionen der Identität“ ist aber mehr als nur ein sozialwissenschaftliches Standardwerk – vielmehr gibt es hier auch für den Nichtwissenschaftler viel zu entdecken. Beispielsweise, wie in den Zeiten des Internets die Interaktion mit anderen gewinnbringend für das eigene Ich eingesetzt werden kann.</span><!--break--></p>
<p class="normal">Bereits seit einiger Zeit ist der Begriff der Ich-Identität in den Sozialwissenschaften von großer Bedeutung. Doch auch im alltäglichen Leben bekommen wir zu spüren, wie schwierig die Aufrechterhaltung des eigenen Ichs ist. Das Buch von Lothar Krappmann ist seit vielen Jahren als Standardwerk in den Sozialwissenschaften bekannt. Die Tatsache, dass es erstmals 1969 erschienen ist, mindert keinesfalls Qualität und Relevanz dieses Buchs. Im Gegenteil: setzt man heute als Sozialwissenschaftler den Fokus auf die Identitätsanalyse, kommt man an Krappmanns Bestseller auch weiterhin nicht vorbei. Und aufgrund der komplexer gewordenen Welt ist ein Blick hinter die Kulissen der Ich-Identität, deren Ausgestaltung in den vergangenen Jahren zweifelsohne nicht einfacher geworden ist, auch für Nichtwissenschaftler hilfreich. Besprochen wird hier die zehnte Auflage, die seit 2005 erhältlich ist.</p>
<p class="normal"><strong>Zwischen Einzigartigkeit und der Erfüllung der Erwartungen anderer</strong></p>
<p>Krappmann eröffnet die Diskussion, indem er die Identität als Untersuchungsgegenstand beleuchtet. Er grenzt den Forschungsbereich ein, definiert die Identität als vom Individuum für die Beteiligung an Kommunikation und gemeinsamem Handeln zu erbringende Leistung und stellt sein in der Folge zu entwickelndes Konzept vor: betrachtet wird die Diskrepanz der an das Individuum gestellten Erwartungen als die ihm in bestimmten sozialen Verhältnissen angebotene Chance zur Individuierung . Er lehnt sich damit an Gedankengänge Durkheims und Simmels an. Doch die Entwicklung bleibt hier nicht stehen. Der Autor bezieht andere Theoretiker wie Goffmann und Mead ein, entwickelt sein Identitätskonstrukt geschickt weiter und bildet erstaunlich konkrete Grundlagen der Identitätsforschung heraus, die auch heute noch bei der Betrachtung medialer Identitätseinflüsse sehr hilfreich sein können. Im zweiten Kapitel dreht sich alles um Interaktion und Identität. Zuerst werden die Identität und die Beteiligung des Einzelnen an Interaktionsprozessen beleuchtet. Danach geht es um die balancierende Identität, also den Vorgang der ständigen Neueinschätzung und Selbstdarstellung mit dem letztendlichen Ziel, erfolgreich zu interagieren. Im Gegensatz dazu steht die stabile Identität, die Grundvoraussetzung für die weitere Sozialisation, welche mit einigen Beispielen andersartiger Auffassungen untermauert wird. Das dritte Kapitel widmet Krappmann der Erklärung der Begriffe Identität und Rolle. Während zuvor vor allem die Belastungen des Individuums erörtert wurden, die aufgrund der Unklarheiten und mangelnden Übereinstimmung innerhalb und zwischen Interaktionssystemen herrschen, widmet sich Krappmann nun dem Rollenhandeln. Dabei stellt er fest, dass die Ich-Identität nicht als Hemmnis, sondern als Bedingung erfolgreichen Rollenhandelns zu sehen ist. Im vierten Kapitel geht es um identitätsfördernde Fähigkeiten, die als Grundlage die Erfüllung von individuellen und gesellschaftlichen Bedingungen voraussetzen. Besprochen werden die Rollendistanz, „Role taking“ und Empathie, Ambiguitätstoleranz, also die Fähigkeit, widersprüchliche Informationen wahrzunehmen und zu verarbeiten, Abwehrmechanismen sowie die Identitätsdarstellung.</p>
<p class="normal">Das fünfte Kapitel widmet sich der soziologischen Schizophrenieforschung und bietet somit einen Beitrag zum Bereich der gestörten Identität. Schwerpunkt bildet die Betrachtung der Schizophrenie, da sie ein zu damaliger Zeit häufig diagnostiziertes psychotisches Krankheitsbild darstellt. Um den Sozialisationsprozess entsprechend zu berücksichtigen, widmet sich Krappmann Untersuchungen von Kindern und zeigt auf, wie durch die fehlerhafte Sozialisation Identitätsstörungen auftraten. Ein möglicher Versuch von empirischer Überprüfung des Identitätskonzeptes wird im sechsten Kapitel unternommen. Dabei spricht Krappmann nicht nur die Schwächen des bisherigen Konzepts an, sondern liefert auch Ideen für eine Beobachtungsanordnung, die im Rahmen eines seiner Forschungsprojekte entstanden sind. Besonders ausführlich widmet er sich den Watzlawick´schen Axiomen, die Grundprobleme bezeichnen, die sich in allen Systemen kommunikativen Handelns stellen, wie beispielsweise, dass man in sozialen Situationen nicht nicht kommunizieren kann, jede Kommunikation einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt hat und zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe entweder durch das Streben nach Gleichheit geprägt sind oder asymmetrisch stattfinden.</p>
<p class="normal">Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Krappmanns Werk weder an Bedeutung noch den Bezug zu gegenwärtigen Identitätsdiskussionen verloren hat. Es ist und bleibt ein Standardwerk, welches in vielen Punkten wie beispielsweise der Definition von Ich-Identität Vorbildcharakter hat. Und so ist auch sein Fazit zeitlos: Das Individuum verhält sich stets balancierend. Es versucht, Einzigartigkeit darzustellen und dennoch Erwartungen anderer gerecht zu werden. Diese Balance auszuhalten, ist die Bedingung für die Behauptung von Ich-Identität, sagt Krappmann. Ich-Identität wird in dem Ausmaß erreicht, indem, so Krappmann, das Individuum „die Erwartungen der anderen zugleich akzeptierend und sich von ihnen abstoßend, seine besondere Individualität festhalten und im Medium gemeinsamer Sprache darstellen kann“. Da die Ich-Identität in jedem Interaktionsprozeß neu formuliert wird, soll der von Krappmann entwickelte Identitätsbegriff helfen, „die Normen, unter denen Interaktionen stattfinden, kreativ zu verändern“. Dies ist Krappmann gelungen, so dass sein Buch als Referenz in dem Bereich gilt. Wer also auch als Laie wissen möchte, wie er Interaktionsprozesse für sich und andere gewinnbringend gestalten kann, der findet in diesem Buch eine hervorragende Basis. Für Sozialwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Identität ist es so oder so ein Muss.</p>
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		<title>Wegen Cybersex entlassen, aber nicht bestraft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Mar 2007 10:43:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Cybersex]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die niederländische Polizei hat gestern einen Polizisten entlassen, weil er mit einem minderjährigen Mädchen in einem Chat Cybersex hatte. Gute Sache, so eine Entlassung. Aber der Polizist hat dem Gericht nach keine Straftat begangen. </p>
<p>Häh? Wieso das denn? </p>
<p>Die Antwort lautet: Identitätsfälschung. Das geht sehr einfach im Netz. Das minderjährige Mädchen ist eigentlich ein erwachsener Mann, der sich im Netz als Mädchen ausgab.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die niederländische Polizei hat gestern einen Polizisten entlassen, weil er mit einem minderjährigen Mädchen in einem Chat Cybersex hatte. Gute Sache, so eine Entlassung. Aber der Polizist hat dem Gericht nach keine Straftat begangen. </p>
<p>Häh? Wieso das denn? </p>
<p>Die Antwort lautet: Identitätsfälschung. Das geht sehr einfach im Netz. Das minderjährige Mädchen ist eigentlich ein erwachsener Mann, der sich im Netz als Mädchen ausgab.</p>
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