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	<title>Indien &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Indien &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Indien – Narendra Modis Kampf gegen das Bargeld</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronald Meinardus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Dec 2016 12:59:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Indien]]></category>
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		<category><![CDATA[Narenda Modi]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-150695 alignnone" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Indien-Schlange-vor-Bank-630x327.jpg" alt="Menschenschlange vor einer Bank in Indien, © Dr. Meinardus" width="630" height="327" /></p>
<p>Mit einem Überraschungscoup hatte die indische Regierung am 8. November sämtliche 500 und 1000-Rupien Scheine für ungültig erklärt. In wenigen Stunden verloren 86 Prozent des Geldbestandes seinen Wert. Seither herrscht Chaos an den Schaltern der Banken. Die Schlangen vor den Geldhäusern gehören zum Stadtbild.</p>
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<p>Der Mangel an frischen Geld ist eine Hauptursache für das Durcheinander, das längst auch eine Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung in der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens ist. Mit jedem Tag, der vergeht, wächst die Kritik an Ministerpräsident Narendra Modi, der die „Demonetarisierung“ als strategischen Schlag gegen Schattenwirtschaft und Steuerbetrug feiert.</p>
<p>Während die Menschen in den Schlangen den Tag herbeisehnen, an dem sie mit ihrem hart verdienten Geld wieder einkaufen können, denkt der Architekt der zusehends umstrittenen Bargeldreform in die Zukunft: Die Entwertung der Noten sei nur der Anfang, nicht das Ende, sagt Modi. „Im neuen Jahr wird es eine neue Nation geben“. Diese Worte belegen. Für Modi ist die Umstellung auf neue Geldscheine nur ein taktischer Zwischenschritt in einer strategischen Vision.</p>
<p>Diese Vision fügt sich ein in Narendra Modis Traumwelt und trägt den Namen „Digital India“. Es ist die Vision einer Nation, die Armut und Elend hinter sich gelassen hat, wo Menschen in Smart Cities leben und ihre Geschäfte per e-Commerce abwickeln. In dieser Welt spielt Bargeld keine Rolle.</p>
<p>Natürlich sieht auch Modi, dass sein Wunschbild an Indiens Realitäten vorbeigeht – und treibt seine Landsleute zur großen Aufholjagd an.</p>
<p>Die Hauptverbündeten für den Sprung in ein neues Zeitalter wähnt er vor allem bei der Jugend: „Ich brauche die Hilfe der jungen Inder“, sagte der Ministerpräsident in seiner monatlichen Radioansprache. „Es gibt viele Menschen in Euren Familien, die die Technologien wie Bezahlen per Smartphone nicht kennen. Ich rufe Euch auf: Investiert jeden Tag eine Stunde und unterrichtet zehn Familien, auf dass sie es begreifen.“</p>
<p>In wenigen Wochen finden in Teilen Indiens wichtige Landtagswahlen statt. In diesen Tagen ist Modi verstärkt als Wahlkämpfer unterwegs. In einer Rede erklärte er seinen Anhängern, das Telefon sei jetzt das Portemonaie: „Ihr braucht kein Geld vom Geldautomaten zu ziehen. Ihr könnt alles über das Telefon kaufen“, sagte Modi, der am Ende an die Versammelten appelierte: „Versprecht mir, dass Ihr Euer Telefon gebraucht, wenn ihr einkauft“.</p>
<p>Den Zeitplan für Modis Kampf gegen das Balgeld lieferte Amitabh Kant, der Chef des staatlichen Think Tanks NITI Aayog. „Bis 2024 werden Kredit- und Debitkarten in Indien überflüssig sein. Dann werden alle unsere Transaktionen über Mobiltlefone stattfinden, jede einzelne Kontobewegung“. Um den Plan in die Tat umzusetzen, hat Modi eine Kommission von politischen Schwergewichten einberufen, der bemerkenswerterweise auch Politiker der Opposition angehören.</p>
<p>Publizistischen Beistand findet der Kampf gegen das Bargeld seitens einer Vielzahl digitaler Bezahldienste. Sie nutzen die Gunst der Stunde und machen in großem Rahmen für die „cashless economy“ Werbung. „Wenn Du dich änderst, ist das Fortschritt. Wenn wir uns alle ändern, ist das eine Revolution“, lautet der Slogan des Marktführers unter den Bezahl-Apps PayTM. Hinter dem Start-up steht der chinesische E-commerce Gigant Alibaba. PayTM  meldet im Zuge der Bargeldentwertung Anfang November Zuwachsraten von über 200 Prozent.</p>
<p>Bei all dem Medienrummel gehen mahnende Stimmen fast unter – so etwa der Hinweis einer Nichtregierungsorganisation, dass im Zuge der Geldentwertung die Fälle der Cyberkriminalität in die Höhe geschnellt seien. Die Sorge um die Sicherheit im Netz fällt einer überwiegend unkritischen, blinden Fortschrittsgläubigkeit zum Opfer.</p>
<p>Substantieller als die Sicherheitsbedenken der Experten sind die Hinweise, Indien sei in Bezug auf Infrastruktur sowie die Medienkompetenz seiner Menschen nicht auf das digitale Zeitalter vorbereitet &#8211; schon gar nicht, wenn es um das Geld geht. „In Indien können über 400 Millionen Menschen weder lesen noch schreiben“, kommentiert Osama Manzar von der „Digital Empowerment Foundation“ (DEF). Hauptziel dieser Nichtregierungsorganisation ist es, das Internet in jeden Winkel des Riesenlandes zu bringen. Doch es sei ein sehr langer Weg, sagt der Aktivist. Die Bargeld-Politik Modis sieht Manzar kritisch: „Im Moment gibt es in Indien mehr Menschen ohne Bargeld als Menschen, die in der Lage wären, ein bargeldloses Leben zu führen.“</p>
<p>In weiten Teilen des Landes, vor allem außerhalb der Städte, ist das Internet schwach oder gar nicht vorhanden  – die Konnektivität dort liege bei unter zehn Prozent. Aus politischen Gründen stellt die Regierung gelegentlich das Netz in der Unruheprovinz Kaschmir oder im Nordosten des Landes kurzerhand für längere Zeiträume ab. Die „blackouts“ sind ein Albtraum für alle, die für ihre Geschäfte auf digitale Plattformen angewiesen sind.</p>
<p>Eine kleine, aber wachsende Gruppe indischer Netzaktivisten sorgt sich über die Gefahren, die der unkontrollierte Zugriff des Staates und privater Unternehmen auf persönliche Daten für die Privatsphäre der Menschen bedeutet. „Eine Welt ohne Bargeld ist eine Ermächtigung des Staates und eine Katastrophe für die bürgerlichen Freiheiten“, schreibt Salil Tripathi in einem Kommentar.</p>
<p>Für Modi und seine Anhänger gehören die Mahner in die &#8220;Schmuddelecke&#8221; der Feinde des Fortschritts. Die Prioritäten sind klar sortiert &#8211; und der Datenschutz rangiert nicht im vorderen Bereich. In einer Stellungnahme an das Oberste Gericht betonte der Vertreter der Regierung, ein Recht auf Datenschutz sei in Indiens Verfassung nicht vorgesehen.</p>
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<p>Titelbild: Indien &#8211; Schlange vor der Bank by Dr. Meinardus</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p>
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		<title>Google in Indien:  Für den Weltkonzern ist das südasiatische Land ein strategisches Versuchslabor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronald Meinardus]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Nov 2016 10:08:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Zahl lässt aufhorchen: Jede Sekunde gehen drei Inder erstmals online. In keinem Land der Welt verändert die digitale Transformation [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-150484 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/MG_394_by_Pabak_Sarkar_CC-BY-NC-ND_2.01-630x351.jpg" alt="_mg_394 by Pabak Srak CC-BY-NC-ND 2.0" width="630" height="351" />Die Zahl lässt aufhorchen: Jede Sekunde gehen drei Inder erstmals online. In keinem Land der Welt verändert die digitale Transformation das Leben so vieler Menschen wie in Indien. Mehrere Akteure treiben den historischen Prozess.</p>
<p>Im politischen Bereich ist es zuvorderst Ministerpräsident Narendra Modi. Mit seiner „Digital India“-Kampagne will der ehrgeizige Staatsmann das in Teilen noch im Mittelalter verharrende Riesenland in die Moderne katapultieren. Modi hat mächtige Verbündete – im Inland wie im Ausland. An erster Stelle stehen die großen internationalen Technologiekonzerne. Indien gleicht – im übertragenen Sinne – einem Schlachtfeld, auf dem Amazon, Apple und Google (um nur die wichtigsten zu nennen) um Macht und Einfluß kämpfen.</p>
<p>Zahlen und Prognosen befeuern die Phantasie der Investoren: Heute sind 350 Millionen Inder online, bis Ende des Jahrzehnts soll sich diese Zahl auf 500 Millionen erhöhen. Das sind dann eine halbe Milliarde Menschen, die überwiegend auf Smartphones, die sie sich noch kaufen müssen, kommunizieren und zunehmend auch Geschäfte machen.</p>
<p>Einerseits ist Indien der Markt mit den größten Wachstumsraten, wenn es um die IT-Branche geht. Anderseits belegt die Statistik, dass – heute – nur kaum jeder Dritte Inder im Netz ist: „Der Zustand des Nicht-Verbundenseins führt zum (wirtschaftlichen) Ausschluss von einer Milliarde Menschen“, sagt Osama Mansar, der Präsident der <em>Digital Emowerment Foundation</em> (DEF), einer Nichtregierungsorganaisation, die sich für die Überwindung des sogenannten „digital divide“ einsetzt.</p>
<h3>Neue Lebenschancen</h3>
<p>Google sieht sich an der Speerspitze, wenn es um die Überwindung der „digitalen Spaltung“ in Indien geht. Mit einer Vielfalt von Programmen arbeitet der Konzern daran, digitalen Medienzugang sowie Medienkompetenz zu erhöhen. Zielgruppen sind dabei vor allem die einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen. Viele dieser Menschen sind wirtschaftlich und gesellschaftlich marginalisiert. Für sie – so die Vision – eröffnet das Internet neue Lebenschancen.</p>
<p>Googles Indien-Programme kommen mit einem sozialen, philanthropischen Touch daher. Am Ende geht es aber nicht um Sentimentalitäten, sondern um knallharte wirtschaftliche Interessen, die den US-Konzern auch in Indien antreiben.</p>
<p>Wie jede gute Strategie gehen Googles Pläne in Indien auf die lokalen Besonderheiten ein. Lückenhafte Netzinfrastruktur, schwache Datenübertragungsraten und nicht weniger als 22 offizielle Landessprachen schaffen eine Vielzahl von Herausforderungen für ein Unternehmen, das im Internet Geld verdienen will. Für alle diese Herausforderungen hat Google Lösungen parat.</p>
<p>Im Schulterschluß mit der staatlichen Eisenbahngesellschaft ist Google dabei, an 400 Bahnhöfen Hotspots mit kostenlosem Wifi bereitzustellen. „<em>Google Station</em>“ heisst die nächste Etappe des Projektes, das das Internet unters Volk bringen soll. In Malls, Cafes und anderen öffentlichen Plätzen sollen Inder an Google-Hotpots kostenfrei im Internet surfen können. Die Mehrheit dieser Menschen bewegt sich heute auf dem 2 G Mobilfunkstandard durch das Netz, also mit vergleichweise niedriger Geschwindigkeit der Datenübertragung. Den in vielen Landesteilen schlechten Mobilfunkverbindungen will Google mit einer Reihe von „datenschonenden“ Programmen begegnen. Dazu gehört „<em>YouTubeGo</em>“, eine App, die – so das Unternehmen – zunächst nur für den indischen Markt entwickelt wurde, und die Datenmengen von Downloads vermindert, demnach auch bei schlechter Verbindung funktioniert.</p>
<h3>Vielsprachig im polyglotten Indien</h3>
<p>Vermutlich die nachhaltigste Wirkung werden die vielsprachigen Angebote im polyglotten Indien haben. Zwar ist Englisch (neben Hindi) die offizielle Sprache. Die große Mehrheit der Inder spricht diese Sprache aber nicht oder allenfalls lückenhaft. Von den 350 Millionen Indern, die heute online sind, kommunizieren lediglich knapp die Hälfte fliessend in der Sprache der ehemaligen Kolonialherrn, sagt Richa Singh Chitranshi, die bei Google für die asiatischen Sprachdienste verantwortlich ist.</p>
<p>Die Zahlen verweisen auf den Erfolg von Googles Sprachen-Strategie: Die Wachstumsraten in den Regionalsprachen liegen um ein Vielfaches über den Zuwächsen bei den englisch-sprachigen Angeboten. „Die Nachfrage nach Inhalten in Hindi wächst fünf Mal schneller als die Nachfrage nach englischen Inhalten“, so Chitranshi. Google erntet schon jetzt die Früchte seiner sprachlichen Diversifizierungsstrategie; das Potential ist gewaltig, nicht zuletzt auch deshalb, weil es so gut wie keine Konkurrenz gibt, die dem Beinahe-Monopolisten Paroli bieten könnte.</p>
<p>Googles Indien-Engagement hat eine zusätzliche – strategische – Dimension. Für den Konzern ist das südasiatische Land eine Art Versuchslabor, hier werden Geschäftsideen auf ihre internationale Übertragbarkeit getestet.„Wir haben etwas wichtiges festgestellt, wenn es um die Verbesserung unserer Produkte in Indien geht. Es macht diese besser für alle in der Welt. Indien liefert uns frühe Einsichten über die Zukunft des Internet.“</p>
<p>Das sagt Sundar Pichai. Er leitet seit 2015 Google – und ist Inder.</p>
<p>Titelbild: MG_394 by Pabak Sarkar via <a href="https://www.flickr.com/photos/pabak/28132302585/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Flickr</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-NC-ND 2.0</a></p>
<p><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011-305x53.png" alt="CC-Lizenz-630x110" width="305" height="53" /></p>
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		<title>Glaube in Indien und China: Von Mantren und Tablets als digitalem Höllengeld</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan Raab]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Oct 2016 10:29:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Man stelle sich vor, die Welt sei ein Dorf mit 100 Einwohnern. Fast die Hälfte von ihnen wäre online. Bereits [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Josspaper_Ganescha.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-149892 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Josspaper_Ganescha.jpg" alt="Josspaper Ganescha" width="640" height="323" /></a>Man stelle sich vor, die Welt sei ein Dorf mit 100 Einwohnern. Fast die Hälfte von ihnen wäre online. Bereits über 3,5 Milliarden User gibt es heute und es werden täglich mehr. Insbesondere im bevölkerungsreichsten Teil der Erde entdecken immer mehr Menschen das Netz. Uralte Traditionen treffen plötzlich auf moderne Technologien und verändern die Glaubenspraxis in Asien. Ein Blick auf Glauben in Indien und China in Zeiten der digitalen Revolution.</p>
<h3>Göttliche Bites für gläubige User</h3>
<p>„Was ist der Glaube wert, wenn er nicht in die Tat umgesetzt wird?“, fragte einst der Staatsgründer Mahatma Gandhi. In Indien wird die Bedeutung des Glaubens in allen seinen Farben und Facetten deutlich.</p>
<p>Fast 80% der Inder sind Hindus, doch über den ganzen Subkontinent unterscheiden sich die Traditionen und Bräuche stark. Jede Region, ja jedes Dorf kennt seine eigenen Schutzheiligen und Götter, die verehrt werden. Im Puja, wie das traditionelle Ritual in Indien bezeichnet wird, wenden sich die Gläubigen bei Fragen und Problemen an diese. Dazu werden Bildnisse oder Statuen mit Mantren angebetet in der Hoffnung, die dargestellte Gottheit möge im Bildnis anwesend sein. Anschließend werden Speisen, Blüten und edle Dufte geopfert, als dass die Gottheit die Bitten erhören möge.</p>
<p>In Indien sind die Distanzen häufig sehr groß und nicht immer ist der gewünschte Tempel in unmittelbarer Nähe. Daher bieten Portale wie <a href="http://www.saranam.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Saranam</a> einen besonderen Dienst an: Online kann jeder Hindu einfach den Tempel seiner Wahl auswählen, die anzubetende Gottheit sowie die Person für die das Puja bestimmt ist.</p>
<p>Einmal alle 12 Jahre wird die Bedeutung von Religion auf dem Subkontinent besonders deutlich. Wenn die Sonne im Widder und der Jupiter im Sternbild des Löwen stehen, so ist es wieder Zeit für die <a href="http://www.simhasthujjain.in/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Simhast Kumbh Mela</a>. Einer Legende nach soll einst der Gott Vischnu vier Tropfen des göttlichen Elixiers Amrit, das unsterblich macht, verschüttet haben, darunter auch in Ujjain, im Bundesstaat Madhya. Nach der hinduistischen Vorstellung verwandelt sich zu Kumbh Mela das Wasser des Ganges für kurze Zeit in Amrit. Viele Menschen, allein über 50 Millionen in diesem Jahr, pilgern in die Region zu den Ufern des Ganges. Sie hoffen, dass sie sich von ihren Sünden reinwaschen können, um so dem ewigen Kreislauf aus Geburt und Wiedergeburt zu entfliehen.</p>
<p>„Die Wahrheit siegt immer“, ist das Motto des Staates Indien. Analog hierzu ist die Kumbh Mela als eine Art religiöse Börse zu verstehen. Sadhus, Gurus, Gelehrte bieten dort ihre verschiedenen Erkenntnisse für ein erfülltes, spirituelles Leben auf dem Weg zur Wahrheit an. Aber nicht nur religiöse, sondern auch weltliche Dienstleister haben ihren Platz in diesem Kosmos gefunden. Ob Gottheiten per App auf dem Smartphone oder freie Parkplätze für die Pilger, das Angebot ist fast so groß wie die Weisheit der Gurus. Wer sich nicht in die Fluten des heiligen aber stark verschmutzen Ganges oder die Massen von Menschen stürzen will, dem bieten spezielle Zelte voll Technik die Möglichkeit, bequem und ungestört virtuell die Tempel zu besuchen und ungestört dem Glauben nachzugehen.</p>
<p>Aus westlicher Perspektive erscheint dieser Glauben oft archaisch, chaotisch und unverständlich. Manche fragen sich, warum Menschen bereit sind, so viel für ihre religiösen Vorstellungen auszugeben oder speziellen Ritualen nachgehen. Doch wie macht es ein altes indisches Sprichwort deutlich: „Wenn du glaubst, so ist es eine Gottheit, wenn nicht, ein Stein.“</p>
<h3>Vom Himmel auf Erden</h3>
<p>„Ist sie, oder ist sie nicht aus dem Weltall zu sehen, die chinesische Mauer?“ Diese Frage beschäftigte das Reich der Mitte für lange Zeit, ist doch der Himmel entscheidend für das Schicksal Chinas.  Als „Sohn des Himmels“ erhielt der chinesische Kaiser ein „Mandat des Himmels“, um im Zentrum des Kosmos die Geschicke der Welt zu lenken. Dieses Mandat war jedoch nicht für alle Zeiten gesichert, sondern musste stets legitimiert werden. Nur solange es dem Kaiser gelang, Harmonie und Stabilität im Reich zu wahren, nur solange war ihm die legitime Herrschaft über die Welt gesichert. Missernten und Unruhen galten hingegen immer als ein Zeichen dafür, dass der Himmel dem Herrscher nicht mehr gewogen ist. Umstürze und Machtwechsel konnten gerechtfertigt sein, wenn das „Mandat des Himmels“ abgelaufen zu sein schien. Es zählte nicht die edle Herkunft eines Herrschers, sondern seine Fähigkeit, Stabilität und Harmonie im Reich der Mitte zu wahren. Diesen Aufgaben müssen sich alle chinesischen Machthaber bis heute stellen.</p>
<p>„Lass uns eine neue Mauer bauen“, heißt es in der chinesischen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=UctriMuXYS0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nationalhymne</a>. Allerdings ist diese neue„Great Firewall“ unsichtbar. Einst wollten die Ming-Kaiser mit einer Mauer China vor äußeren Feinden schützen. Die gleiche Funktion soll nun neue digitale Mauern erfüllen. Anfangs versuchte die Führung des Landes sogar, ein eigenes Internet aufzubauen, was in Teilen auch gelang. Die Riesen des neuen digitalen Reiches wie Facebook oder Google konnten bis heute in China nicht Fuß fassen. Es erscheint fast, als ob die Kommunistische Partei das virtuelle Mandat in den Clouds und Bytes des digitalen Kosmos innehat. Zwar ist Religion in China Privatsache, die meist toleriert wird, aber nur solange die absolute Meinungsführerschaft der Partei unbestritten bleibt. Am Anfang des digitalen Chinas musste sich jeder User noch registrieren. Bis heute sind nur Spielekonsolen aus heimischer Produktion zugelassen, welche die Bedingungen der chinesischen Behörden erfüllen.</p>
<p>Nichts darf der Harmonie und der Stabilität des Riesenreiches widersprechen, soll das virtuelle Mandat erfüllt werden. Schließlich war dies ein Grund für den Erfolg und Aufstieg Chinas. Dies setzt aber die Bereitschaft voraus, sich stetig mit den neuen Technologien auseinanderzusetzen und mit ihnen auf einer Wellenlänge zu sein.</p>
<h3>Kontakte jenseits aller Kontakte</h3>
<p>Die richtige Wellenlänge in Form von Kontakten sind das, was die chinesische Gesellschaft ausmacht. Nur wer Kontakte hat, der hat einen Namen, existiert. Dieses System als „Guanxi“, zu Deutsch Netzwerk, entstammt der konfuzianischen Tradition. Sie besagt, Streit muss vermieden und Gemeinsamkeiten müssen gefördert werden. In diesem Sinne beschreibt „Guanxi“ ein komplexes Geflecht aus Beziehungen, die immer wieder aktiviert und gepflegt werden müssen. In China gelten Verträge nur als Rahmenordnung, viel wichtiger ist die einzelne Person. Gegenseitige Hilfe, kleine Aufmerksamkeiten und Gefälligkeiten pflegen und stärken das Guanxi.  Darunter fallen auch Geldgeschenke an wichtige und enge Kontakte. Je nach Anlass wie Geburt, Hochzeit oder sonstiges lassen sich mittlerweile bequem per Apps wie Wechat und Alipay Beträge an die Beschenkten versenden. Guanxi ist der Kern der chinesischen Gesellschaft. Jedes Netzwerk ist ein persönliches und nicht übertragbar.</p>
<p>Nur wer die richtigen Leute kennt, kann erfolgreich sein. Die Wichtigkeit des Guanxi geht jenseits aller Vorstellungen bis über den Tod hinaus. Gemäß der chinesischen Volksreligion gibt es zwei Welten, die Welt der Lebenden und die der Geister (Shen), welche miteinander verwoben sind. Die Traditionen und Bräuche sind zwar regional verschieden, doch eint sie alle die Verehrung der Ahnen. Sie wachen aus einer anderen Sphäre über die Familie.</p>
<p>Ob jenseits oder diesseits, in China geht man davon aus, dass die Sphäre der Geister und Ahnen ein Abbild der eigenen Lebenswelt ist. Ähnlich dem Alltag der Lebenden gibt es in der chinesischen Vorstellung Bedürfnisse, welche auch nach dem Tod noch weiterbestehen. Werden diese nicht erfüllt, die Verstorbenen nicht geehrt, können die Geister der Ahnen keinen Frieden finden und plagen als gui die Hinterbliebenen.</p>
<p>Einmal im Jahr im Geistermonat August stehen die Tore der Hölle offen, glaubt man. Dann spucken die gui durch die Straßen der Städte auf der Suche nach Opfern. Insbesondere am 17.August, dem „Fest der hungrigen Geister“, sind sie besonders aktiv. Um von diesen Angriffen verschont zu bleiben, schicken die Chinesen ihren Ahnen Güter in die andere Welt. Am einfachsten geht dies durch die Feuerpost. Traditionell werden sogenannte „Josspaper“ (auch als „Höllengeld“ bekannte Papiergeldscheine) verbrannt, damit die hungrigen Geister sich etwas kaufen können und die eigene Familie in Ruhe lassen. Aber der technische Wandel hat vor den „Toren der Hölle“ nicht haltgemacht. Mittlerweile werden auch aufwendige, teure Papierautos, Smartphones und Tablets verbrannt. Damit stimmt die Wellenlänge jenseits und diesseits wieder, die Onlinewelt vernetzt sogar jenseits aller Vorstellungskraft. Nicht einmal die Geister müssen mehr auf die Bequemlichkeiten der Onlinewelt verzichten.</p>
<h3>Digitales China am seidenen Draht</h3>
<p>„Wer am falschen Faden webt, zerstört das ganze Gewebe“, sagt ein altes chinesisches Sprichwort. Das Reich der Mitte ist eines der ältesten Gebilde aus Traditionen, Werten und Beziehungen. Bis heute hat sich der Gedanke der Stabilität und Harmonie erhalten. Nur so konnte China über die Jahrtausende bestehen und gewahrt bleiben, trotz großer Umbrüche und eines stetigen Wandels insbesondere in den letzten Jahren. Einst war es der Kaiser, heute ist es die Kommunistische Partei, welche über das Land wacht. Einst war es das Mandat des Himmels, welches die kosmische Ordnung wahren sollte, heute ist es das digitale Mandat der Clouds und Bits, welches die Ordnung im Netz wahren soll.</p>
<p>Nur solange die kommunistische Partei dieses Mandat erfüllen kann, solange kann sie den Anspruch erhalten, die Meinungsführerschaft zu haben und die letzte Instanz im digitalen Reich der Mitte zu sein. Immer wieder erschüttern aber neue Skandale das Land, seien es Umweltskandale, giftiges Milchpulver oder die großen Korruptionsskandale. Neue Technologien wie Apps und Smartphones erzeugen eine immer schnellere und unkontrollierte Meinungsflut. Immer wieder muss das digitale Mandat neu legitimiert werden. Nur zaghaft öffnet sich China ausländischen Einflüssen und reagiert immer noch mit scharfer Zensur. Angesichts von über 700 Millionen Usern wird dies aber schwer aufrechtzuerhalten sein. China wandelt sich, wenn auch langsam. Doch wie sagt eine chinesische Weisheit: „Habe keine Angst vor der Langsamkeit, sondern fürchte den Stillstand.“ Traditionen und Moderne verschmelzen im digitalen Asien immer mehr. Heute besteht Internetverbindung bereits über den Tod hinaus. Welchen Weg China aber in Zukunft gehen wird, daran scheiden sich die Geister.</p>
<p>Dies ist ein Crosspost von wahl.de, der Artikel ist zuerst <a href="https://www.wahl.de/aktuell/2016/08/29/glaube-in-indien-und-china/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dort </a>erschienen.</p>
<h3>Alle Artikel der Sommerreihe</h3>
<p><em>Prolog:</em> <a title="Religion und Internet: Glaube im digitalen Wandel" href="http://politik-digital.de/news/religion-und-internet-glaube-im-digitalen-wandel-149744/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Religion und Internet: Glaube im digitalen Wandel</a><br />
<em>Teil 1:</em> <a title="Auf einer Wellenlänge mit Gott? Zwischen Godspots und Social Media" href="http://politik-digital.de/news/auf-einer-wellenlaenge-mit-gott-zwischen-godspots-und-social-media-149751/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Auf einer Wellenlänge mit Gott? Zwischen Godspots und Social Media</a><br />
<em>Teil 2:</em> <a title="Ecclesia 2.0 – Ein Like für die frohe Botschaft" href="http://politik-digital.de/news/ecclesia-2-0-ein-like-fuer-die-frohe-botschaft-149772/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ecclesia 2.0 &#8211; Ein Like für die frohe Botschaft</a><br />
<em>Teil 3:</em> <a href="http://politik-digital.de/news/judentum-und-internet-613-mitzwot-und-einen-digitalen-sabbat-149842/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Judentum und Internet &#8211; 613 Mitzwot und einen digitalen Sabbat<br />
</a><em>Teil 4: </em><a title="Fatwas on the Internet – Wenn der Glaube digital wird" href="http://politik-digital.de/news/fatwas-on-the-internet-wenn-der-glaube-digital-wird-149890/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fatwas on the Internet – Wenn der Glaube digital wird</a><br />
<em>Teil 5:</em> <a title="Glaube in Korea: Digitalisierte Traditionen" href="http://politik-digital.de/news/glaube-in-korea-digitalisierte-traditionen-149874/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Glaube in Korea: Digitalisierte Traditionen<br />
</a><em>Teil 6:</em> <a href="http://politik-digital.de/news/glaube-in-indien-und-china-von-mantren-und-digitalem-hoellengeld-149888/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Glaube in Indien und China: Von Mantren und Tablets als digitalem Höllengeld</a><br />
<em>Teil 7:</em> <a href="http://politik-digital.de/news/der-gottesalgorithmus-digitale-suche-nach-dem-goettlichen-150280/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Der Gottesalgorithmus? &#8211; Digitale Suche nach dem „Göttlichen“ </a><br />
<em>Teil 8</em>: <a href="http://politik-digital.de/news/sterben-2-0-auf-dem-weg-zur-digitalen-unsterblichkeit-150291/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sterben 2.0 – Auf dem Weg zur (digitalen) Unsterblichkeit?</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Josspaper Ganescha von <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital</a>, <span class="licensetpl_attr">licenced <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></span></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Free Basics – Zuckerberg verliert den Kampf in Indien</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/free-basics-zuckerberg-verliert-den-kampf-in-indien-148406/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronald Meinardus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Feb 2016 09:56:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Freies Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Free Basics]]></category>
		<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Netzneutralität]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
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		<category><![CDATA[Mark Zuckerberg]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Ohrfeige für Facebook — in Indien ist das Soziale Netzwerk mit dem Versuch, ein begrenztes Internet für Alle auf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-148419 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Indien_FSMKs_walkathon_in_support_of_NetNeutrality_by_Viggy-Prabhu_via_Wikipedia_CC-BY-SA-4.0-630x337.jpg" alt="Demonstration in Indien gegen Free Basics, Viggy Prabhu via Wikipedia, CC BY-SA 4.0" width="630" height="337" />Eine Ohrfeige für Facebook — in Indien ist das Soziale Netzwerk mit dem Versuch, ein begrenztes Internet für Alle auf Kosten der Netzneutralität zu installieren, vorerst gescheitert.</p>
<p>Für Mark Zuckerberg, den erfolgsverwöhnten Facebook-Gründer, ist es ein Rückschlag. Mit erheblichem persönlichen und finanziellen Einsatz hatte der Unternehmer in Indien für Free Basics geworben. Zum Nulltarif – so das Geschäftsmodell, ja die Vision des Amerikaners – sollten Hunderte Millionen Inder Zugang zum Internet erhalten.</p>
<h3>„Walled Garden“ als Spatz in der Hand</h3>
<p>Der Plan hatte einen Haken: das <a href="http://politik-digital.de/news/gratis-internet-als-einstiegsdroge-facebook-geraet-in-indien-in-die-defensive-148221/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gratis-Angebot</a> bezog sich nicht auf das ganze Netz, sondern nur eine abgespeckte Version. Facebook und seine lokalen Partner würden darüber entscheiden, welche Apps die Nutzer ansurfen könnten und welche ihnen vorenthalten blieben.</p>
<p>Die Facebook-Pläne haben in Indien eine netzpolitische Grundsatzdebatte ausgelöst, die in der Geschichte des Landes ihres Gleichen sucht. Der Streit hat längst die engen Zirkel der Experten und Online-Aktivisten verlassen und mutierte zu einem Politikum vorderen Ranges.</p>
<p>Nach elfmonatigem Hin und Her auf allen Kanälen hat die Regulierungsbehörde für die Telekommunikation (TRAI) nun das mit Spannung erwartete Urteil gefällt. Es ist eine schallende Ohrfeige für Facebook, so die einhellige Meinung der Beobachter.</p>
<h3>Netzneutralität für ein offenes und faires Internet</h3>
<p>„Kein Provider darf diskriminierende Tarife für Datenübertragungen verlangen“, verkündete die Behörde Anfang der Woche. Der Satz ist ein Bekenntnis zum <a href="http://politik-digital.de/news/warum-man-internet-org-eine-chance-geben-sollte-145686/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Prinzip der Netzneutralität</a>, die – positiv formuliert – vorschreibt, dass die Anbieter sämtlichen Verkehr im Internet gleichberechtigt behandeln müssen.</p>
<p>Ein knappes Jahr hatte der Streit um diesen wichtigen Grundsatz, vor allem aber dessen Auslegung, gewütet. Von einem Kampf zwischen David und Goliath war die Rede. Jetzt hat – um beim Bild zu bleiben &#8211; einmal mehr der vermeintlich Schwächere gesiegt.  Das ist in diesem Fall eine lose Koalition von Netzaktivisten, Teile der indischen Telekom-Industrie, die nicht mit Facebook gemeinsame Sache machen und &#8211; bemerkenswerterweise &#8211; die politische Klasse.</p>
<p>Vertreter der großen Parteien feierten den TRAI-Beschluss schnell auch als ihren Sieg. Die Direktive bestätige „die Vision eines offenen und fairen Internet“, sagte Ravi Shankar Prasad, der Minister für Kommunikation und Informationstechnologie von der regierenden BJP-Partei. Der Vorgang ist auch deshalb interessant, da Regierungschef Narendra Modi bis vor Kurzem gerne mit Marc Zuckerberg vor der Kamera posierte und den Amerikaner geradezu hofierte für seine visonäre Digital India-Kampagne.</p>
<h3>Öffentliche Konsultation</h3>
<p>Nicht untypisch für die politische Willensbildung in der größten Demokratie der Welt hatte die Regulierungsbehörde zu einem öffentlichen Konsultationsprozess eingeladen. Inder gelten als diskussionsfreudige Menschen. Daher löste die Einladung ein breites Echo aus: Bei TRAI gingen – Medienberichten zufolge – nicht weniger als 2, 5 Millionen Eingaben ein, wobei  die klare Mehrheit für das Facebook-Projekt Partei ergriff. Zuvor hatte der Online-Konzern mit einer Riesen-PR-Kampagne dafür gesorgt, dass seine Argumente nicht überhört wurden.  Die teure Kampagne ging indes nach hinten los, denn die TRAI-Beamten fanden wenig Gefallen an den automatisierten Massen-Emails, die die Facebook-Fans mit wenigen Mausklicks verschickten.</p>
<p>Je länger die netzpolitische Debatte währte, desto stummer wurden die Fürsprecher für Zuckerbergs abgespecktes Gratis-Internet. Selbst die heimischen Telekommunkationsunternehmen, die mit „Zero-Rate“-Angeboten Geld verdienen wollen, gingen auf Tauchstation. Insofern ist der jetzige Grundsatzbeschluss keine große Überraschung.</p>
<p>Indiens Netzaktivisten feiern die Entscheidung als einen historischen Sieg. „Der Ausgang zeigt was passiert, wenn junge Menschen am politischen Prozess teilhaben“, sagte Nikhil Pahwa, der die Kampagne #SaveTheInternet (Rettet das Internet) steuerte.</p>
<h3>Globale Konsequenzen</h3>
<p>Die ordnungspolitsche Diskussion wurde auch jenseits der indischen Landesgrenzen aufmerksam verfolgt. Der Beschluss erhöhe den Druck auf die Regulatoren in den USA, die Schlupflöcher in der amerikanischen Politik zu stopfen, kommentiert der Branchendienst Motherboard die „dramatische Niederlage für Facebook“.</p>
<p>Dort zeigt man sich betreten: „Obwohl wir enttäuscht sind, werden wir unsere Bemühungen, die Barrieren im Internet zu überwinden fortsetzen, um denjenigen, die nicht verbunden sind, einen leichteren Zugang zum Internet und seinen Chancen zu gewähren“, heisst es in einer Stellungnahme.</p>
<p>Allgemein wird in Neu Delhi damit gerechnet, dass die Entscheidung der Regulierungsbehörde nicht das Ende vom Lied ist. Facebook und seine Verbündeten werden in Berufung gehen und den politschen Streit in die Gerichte verlagern, so die Annahme.</p>
<p>Derweilen warten Hunderte Millionen Inder auf ihren Anschluss an das Internet. Ob der TRAI-Beschluss ihre Chancen beschleunigt, steht auf einem anderen Blatt. Für den Moment haben die Inder einem der größten internationalen Investoren ordentlich in die Suppe gespuckt.</p>
<p style="text-align: left">Bild: <a href="http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fupload.wikimedia.org%2Fwikipedia%2Fcommons%2F0%2F04%2FFSMK%2527s_walkathon_in_support_of_NetNeutrality.jpg&amp;imgrefurl=https%3A%2F%2Fen.wikipedia.org%2Fwiki%2FFree_Software_Movement_of_Karnataka&amp;h=960&amp;w=1280&amp;tbnid=u5EztzWqFHOo_M%3A&amp;docid=AGN1AfgIz21DBM&amp;ei=OfO6VsOPMOP36ASh4o6gCw&amp;tbm=isch&amp;iact=rc&amp;uact=3&amp;dur=428&amp;page=1&amp;start=0&amp;ndsp=8&amp;ved=0ahUKEwiDkNKO4uzKAhXjO5oKHSGxA7QQrQMIIDAA" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Viggy Prabhu</a><span class="licensetpl_attr">,</span><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> CC BY-SA 4.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Gratis-Internet als Einstiegsdroge? – Facebook gerät in Indien in die Defensive</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronald Meinardus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Jan 2016 14:51:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Zuckerberg]]></category>
		<category><![CDATA[Free Basics]]></category>
		<category><![CDATA[freien Internet]]></category>
		<category><![CDATA[NASSCOM]]></category>
		<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
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					<description><![CDATA[Neu Delhi &#8211; Radikale Visionen bleiben selten ohne Widerspruch. Das erlebt auch Mark Zuckerberg, der die Menschheit mit freiem Internet [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/FB_Fotor.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-148231" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/FB_Fotor.jpg" alt="FB_Fotor" width="640" height="280" /></a><br />
Neu Delhi &#8211; Radikale Visionen bleiben selten ohne Widerspruch. Das erlebt auch Mark Zuckerberg, der die Menschheit mit freiem Internet beglücken will. Ein Lieblingsprojekt des Facebook-Gründers firmiert unter dem Markenzeichen &#8220;Free Basics&#8221;. Es soll Hunderten Millionen Menschen vor allem in dem unterentwickelten Teil der Welt kostenlosen Zugang zu ausgewählten Onlinediensten verschaffen.</p>
<p>Indien ist ein Schlüssel für das Gelingen des digitalen Großraumprojektes. Das südasiatische Schwellenland ist im Umruch. Die Digitalisierung, da ziehen Regierung und Unternehmen an einem Strang, gilt als Instrument, das die Massen aus der Armut hieven soll. Eine Milliarde der 1,3 Milliarden Inder verfügen nicht über einen Internet-Zugang. Das wird sich schnell ändern. In der Branche herrscht Goldgräber-Stimmung.</p>
<p>Mit knapp 140 Millionen Nutzern ist Facebook auf dem indischen Markt bestens platziert: Nur in den USA geniesst Zuckerbergs Social Media-Dienst mehr Zuspruch.</p>
<p>Wer gemeint hatte, Facebook würde mit seinem Angebot eines abgespeckten Gratis-Internet in Indien Begeisterung auslösen, wurde eines Besseren belehrt. Das Vorhaben hat auf den Subkontinent eine Grundsatzdiskussion ausgelöst, die längst über die versteckten Zirkel der Experten und Netzaktivisten hinausreicht.</p>
<p>Vorausgegangen war die Entscheidung der indischen Telekommunikationsaufsichtsbehörde TRAI, den Dienst vorübergehend zu stoppen. Die Auszeit solle, durchaus in guter demokratischer Tradition, für die eigene und allgemeine Entscheidungsbildung genutzt werden.</p>
<p>Es folgte eine Meinungsschlacht auf allen Kanälen, die noch nicht abgeschlossen ist. Über eine gewaltige Anzeigenkampagne stellte Facebook sicher, dass die Botschaft, <em>Free Basics</em> meine es gut mit Land und Leuten, beim besten Willen nicht übersehen werden konnte. Dieselben Zeitungen, die die teuren ganzseitigen Inserate druckten, veröffentlichten wenig später kritische Kommentare der <em>Free Basics</em>-Gegner.</p>
<p>Die Koalition der Opposition ist vielfältig: Neben der überschaubaren Gruppe der Netzaktivisten, deren Spezial-Jargon nur Eingeweihte verstehen, finden sich Unternehmer und ihre Verbände, die ihre wirtschaftlichen Interessen durch das Gratis-Internet gefährdet sehen. So etwa der Start-Up Verband NASSCOM mit seinen 2.000 Mitgliedern aus der IT-Branche und dem E-Commerce-Bereich. „Der Schutz der Netzneutralität ist eine nicht verhandelbare nationale Priorität“, sagte NASSCOM-Präsident R. Chandrashekhar zur aktuellen Diskussion.</p>
<p>Die Gleichbehandlung aller Daten bei der Übertragung im Internet ist der <a href="http://politik-digital.de/news/warum-man-internet-org-eine-chance-geben-sollte-145686/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kern</a> der Auseinandersetzung. Diesen Grundsatz sehen die <em>Free Basics</em>-Gegner verletzt, wenn Facebook-Manager darüber entscheiden können, welche Apps im Gratis-Angebot angesurft werden können und welche nicht. Unterschiedliche Menschen in Indien würden Zugang zu unterschiedlichen Informationen haben, von einem eingemauerten Garten&#8221; ist die Rede und der &#8220;Balkanisierung des Internet&#8221;.</p>
<p>&#8220;Wie kann in einem derart klaustrophobischen Umfeld Innovation gedeihen&#8221;, fragen Nandan Nilekani und Viral Shah in einem <a href="http://blogs.timesofindia.indiatimes.com/toi-editorials/free-basics-is-a-walled-garden-heres-a-much-better-scheme-direct-benefit-transfer-for-internet-data-packs/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Meinungsbeitrag</a> rhetorisch und warnen, <em>Free Basics</em> werde Indien in &#8220;eine digitale Kolonie der Internet Riesen&#8221; verwandeln.</p>
<p>In seinen PR-Aktionen stellt Facebook den gemeinnützigen Charakter des Projektes in den Vordergrund. Marc Zuckerberg vergleicht sein Gratis-Internet mit einer öffentlichen Bibliothek, wo auch nicht alle Bücher greifbar seien. „Gleichwohl liefert die Bücherei eine Welt des Guten“, schreibt der Unternehmer in der <em>Times of India</em>. Es gehe dabei nicht um kommerzielle Interessen, so der Firmengründer weiter, sondern um fundamentale soziale und wirtschaftliche Rechte wie Arbeitsplätze, Erziehung und Gesundheit. &#8220;Für zehn Menschen, die ans Internet angeschlossen werden, wird einer aus der Armut gezogen&#8221;, argumentiert Zuckerberg. Den Vorwurf, der Dienst sei ein &#8220;geschlossener Garten&#8221; erwidert der Philanthrop mit dem Hinweis, dass jeder Zweite, der zu <em>Free Basics</em> kommt, nach 30 Tagen zu einem bezahlten Serviceprovider wechsle. Kleines Gratis-Internet also als Einstiegsdroge zum regulären bezahlten Programm!</p>
<p>Die Entscheidung der Aufsichtsbehörde, wie es in dem Streit weitergehen soll, wird Ende des Monats erwartet; bis dann wollen die TRAI-Mitarbeiter die Berge von Einsendungen gesichtet und sortiert haben. Derweilen ist der Disput längst zu einem Politikum mutiert. In der veröffentlichten Meinung sind die Facebook-Kritiker eindeutig in der Mehrheit, kaum ein Kommentator bricht öffentlich für den Konzern aus Kalifornien die Lanze. Die indische Debatte leide unter einem starken anti-kapitalistischen und antiamerikanischen Vorurteil, lamentiert der amerikanische Journalist David Kirckpatrick.</p>
<p>Neutralität und Unabhängigkeit sind seit jeher Markenzeichen der indischen Außenbeziehungen, die sich nun auch in der Netzpolitik manifestieren. „Das Internet ist die feinste Schöpfung des menschlichen Verstandes. Es darf kein Monopol der Reichen werden“. Mit diesen Worten äusserte sich Indiens Kommunikations- und IT-Minister Ravi Shankar Prasad zu der aktuellen Kontroverse.</p>
<p>Der Satz hätte auch von Marc Zuckerberg stammen können – als Argument für sein abgespecktes Gratis-Internet für die Armen.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/107892497@N03/">dailymotivation</a>, <a href="https://www.flickr.com/photos/107892497@N03/">CC0 Public Domain</a></p>
<p><img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></p>
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		<title>Eine Initiative für eine Welt ohne Korruption</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/eine-initiative-fuer-eine-welt-ohne-korruption-146028/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Löser]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2015 14:39:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Korruption]]></category>
		<category><![CDATA[Transparency International]]></category>
		<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Modi]]></category>
		<category><![CDATA[Schmiergeld]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsversagen]]></category>
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					<description><![CDATA[In vielen Ländern der Welt ist Korruption im Staatsapparat ein großes Problem. Die in Indien gegründete Initiative ipaidabribe.com bietet Bürgern [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ipaidabribe.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-146032" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ipaidabribe.jpg" alt="ipaidabribe" width="640" height="280" /></a>In vielen Ländern der Welt ist Korruption im Staatsapparat ein großes Problem. Die in Indien gegründete Initiative ipaidabribe.com bietet Bürgern die Möglichkeit, Bestechungen online zu melden. Mit den gesammelten Informationen will man den Druck auf den Staat erhöhen, ein grundlegendes Umdenken in der öffentlichen Verwaltung voranzutreiben. Das Konzept ist so simpel wie genial.</p>
<p>Wer in Deutschland einen Personalausweis beantragt und das 24. Lebensjahr vollendet hat, zahlt zurzeit eine Gebühr von 28,80€. Die Gebühr mag steigen, aber auch dann ist sie für jeden gleich. Für uns ist das selbstverständlich, doch das ist nicht in allen Ländern so. Indien, die größte Demokratie der Welt, wird im <a href="http://www.transparency.org/country/#IND" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Corruption Index</a> von Transparency International regelmäßig mit schlechten Noten abgestraft. In Delhi zahlte ein Inder 2.000 Rupien (etwa 28€) für die Registrierung seiner Wohnung. Für ein Geburtszertifikat musste ein anderer in Bangalore kürzlich 3.000 Rupien (42€) auf den Tisch legen. Ohne Quittungen versteht sich.</p>
<p>Korruption kostet nicht nur Bürgern Unmengen an Geld, Zeit und Frust, auch die Wirtschaft leidet massiv darunter. Seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 wird der Schaden der wohlgemerkt aufgedeckten Fälle von massiver Korruption auf <a href="http://www.welt.de/politik/ausland/article117692051/Indien-auf-der-Suche-nach-15-Billionen-Euro.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">mehr als 15 Billionen Euro</a> beziffert. Hält man sich vor Augen, dass die Schätzung als eher vorsichtig gilt und Bestechungen im Alltag in dieser Zahl kaum eine Rolle spielen, werden die gesellschafts- und wirtschaftsschädigenden Ausmaße von Korruption deutlich.</p>
<p align="CENTER"><strong><em>„<span lang="en-US">You must be the change you want to see in the world.“ </span>(M. Gandhi)</em></strong></p>
<p>Vor einigen Jahren wurde es den Gründern der indischen Nichtregierungsorganisation <a href="http://www.janaagraha.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Janaagraha</a> zu bunt und sie beschlossen aktiv zu werden. Zunächst wollte man eine Internetplattform anbieten, die mit Hilfe von Bürgerangaben eine Art Marktpreis für Behördengänge bestimmt. Dieser Ansatz war wohl etwas zu zynisch und so startete man <a href="http://www.ipaidabribe.com/#gsc.tab=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ipaidabribe.com</a> in der heutigen Form am 15. August 2010, nicht ganz zufällig Indiens Unabhängigkeitstag.</p>
<p>Wer auf die Webseite geht, kann per Formular seine Bestechungserfahrung teilen. Wo ist es geschehen? Wofür hat der Beamte wie viel verlangt? Name und Dienstgrad des Beschuldigten? Einfach und direkt werden alle benötigten Informationen abgefragt. Will man anonym bleiben, wird das respektiert, doch falls man seine persönlichen Daten angibt, leitet ipaidabribe den Missstand auch direkt an die zuständige Regierungsbehörde weiter. Das gilt auch für diejenigen, die sich geweigert haben Schmiergeld zu bezahlen. Wer auf ehrliche Beamte trifft, kann auch das mitteilen. Sozusagen als Tipp für zukünftige Behördengänge der Mitbürger. Über 45.000 Berichte sind so schon zusammengekommen. Die Statistik ist eher ernüchternd. Mehr als 22.000 gezahlten Schmiergeldern stehen 912 ehrliche Beamte und gut 2.600 Bestechungsgeldverweigerer entgegen. Ob die Diskrepanz zwischen ehrlichen und erpresserischen Beamten in der Realität tatsächlich so groß ist sei einmal dahingestellt. Wozu einen Bericht teilen, wenn alles korrekt abgelaufen ist? Nichtsdestotrotz sind diese Zahlen alarmierend.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ipaidabribeprocedure.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-146036" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ipaidabribeprocedure.png" alt="ipaidabribeprocedure" width="529" height="480" /></a></p>
<h3>Mehr als eine Sammelstelle für Korruptionsfälle</h3>
<p>Ipaidabribe.com kann mehr als Erfahrungen sammeln und zählen. Jeder Bericht wird auf der Webseite gepostet und zugeordnet nach Behörde eingeteilt. So kann man nachlesen, dass 17,8% der Korruptionsfälle mit der Polizei zu tun haben, 6,1% geschehen bei Registrierungsbehörden. Mehr als zwei Drittel der Fälle werden jedoch unter der Rubrik „Others“ (mit 33 Unterkategorien) geführt, was davon zeugt, wie absolut die gesamte Gesellschaft von Korruption durchdrungen ist. Das war für Mitgründerin Swati Ramanatha ein <a href="http://www.ipaidabribe.com/video/why-we-should-complain-on-ipaidabribe#gsc.tab=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wichtiger Anstoß</a>: „Wir haben ipaidabribe gestartet, weil wir wissen, dass Korruption in Indien ein nationales Problem ist.“ Zwei wichtige Funktionen bilden das Herzstück des Portals. Viele Opfer von Korruption hätten auf sich allein gestellt vermutlich selten die Courage, eine offizielle Beschwerde einzureichen. Das nimmt ipaidabribe.com ihnen nun ab. Was das Projekt außerdem so vielversprechend macht, ist der permanente Einbezug der Medien. Öffentlicher Druck erscheint als vielversprechendster Ansatz bei den Entscheidungsträgern ein Umdenken herbeizuführen. Denn obwohl der im letzten Jahr neu gewählte Regierungschef Narendra Modi Korruptionsbekämpfung als eines der zentralen Themen seiner Amtszeit hervorgehoben hat, passierte bisher noch wenig. Im Februar diesen Jahres gab es dafür bei der <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/wahlen-in-indien-schlappe-fuer-ministerpraesident-narendra-modi/11351236.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kommunalwahl in Neu Delhi</a> die Quittung. Fast alle Sitze errang die junge Antikorruptionspartei AAP, für Modis Regierungspartei BJP blieben nur lange Gesichter. Ein klares Zeichen an den Premier: das Volk wird Korruption nicht mehr einfach so hinnehmen. Das lässt für die Zukunft hoffen und daran trägt auch die Initiative ihren Anteil.</p>
<p>Korruption ist nicht nur in Indien ein Übel, das jegliches Vertrauen in den Staat unmöglich macht. Da ist es nur logisch, dass es ipaidabribe.com mittlerweile in 15 Ländern gibt, von Lateinamerika über Afrika und Europa bis Asien. Für 15 weitere Länder ist eine solche Plattform noch in der Planung. In Europa sind mit <a href="http://www.fizettem.hu/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ungarn</a> und <a href="http://www.edosafakelaki.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Griechenland</a> auch zwei EU-Mitglieder dabei. Im Fall von Griechenland ist leider nur zu deutlich geworden, dass Vetternwirtschaft und Korruption das Potential haben, irgendwann auch einen ganzen Staat in die Knie zu zwingen. Es bleibt zu hoffen, dass man sich in Indien rechtzeitig von der Bakschisch-Kultur verabschiedet.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/watchsmart/1402371308/in/photolist-38Vw8E-ci1LCs-7DySU1-38VtKf-pXwz62-fvgfSw-ae3ecA-fgye8M-rnC7q-jTkkw-q4mz5A-q4kTLN-2fkufK-qkJL2D-8Zb4fu-poTuP9-9ogQ8V-6xjXxB-9ynkkP-91Eo8u-91Bfk6-8Z825M-91EnKA-91EntS-8Zb4LG-8Zb41j-8Z81GT-8Z81r6-8Zb493-8ZaSCj-8Z81yZ-8ZbZYY-acF6Wq-91Eo2Y-91BfAx-zebaQ-t2S66-8Z7EWi-8Z9jci-it72aP-9ynkwp-t2SaA-prL6Y4-dsygcf-9ym5ET-9ynk4g-9ynkGX-9ynkAg-9yqkbN-9ynkeP" target="_blank" rel="noopener noreferrer">watchsmart </a><a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY 2.0)</a> , Screenshot von <a href="http://www.ipaidabribe.com/#gsc.tab=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ipaidabribe</a></p>
<div class="attribution-info"></div>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Das gute böse Internet &#8211; Digitale Presseschau 17/2014</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Schmitt]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Apr 2014 14:39:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Zeynep Tufekci geht der Frage nach, ob das Internet gut oder schlecht sei – die Antwort ist die gleiche wie bei [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zeynep Tufekci geht der Frage nach, ob das Internet gut oder schlecht sei – die Antwort ist die gleiche wie bei den meisten Menschen auch: Beides stimmt! Bei der Frage, welche gesellschaftliche Bedeutung die Technik nach der „Stunde Null“ hat, kommen wir jedoch weder mit moralischen „Gut-Böse“-Diskussionen weiter, noch mit überbordender Melodramatik. Dies fordert Jaron Lanier in der Debatte darum, wie „evil“ Google ist. Noch nicht genug von der aktuellen Debatte um das Wesen des Internets? Dann lesen Sie bitte weiter.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?v=fklezgaf160" title="Europe, I love you? (DarkViktory/DoZaDeHas/Gretlproductions/SéanBurke/ValentinVerthé &amp; ComedyLab)" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/fklezgaf160?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Unser Video der Woche stammt von der jungen Politik-Plattform <a href="http://www.duhastdiemacht.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Du hast die Macht“</a> und beschäftigt sich mit Europa vor der EU-Wahl. Hat die EU irgendwas mit Liebe zu tun? „Europe, I love you?“ Interessant ist dabei die Idee, dem grassierenden Eurskeptizismus mit anderen medialen Mitteln – etwa ironischen Videos à la Monty Python – zu begegnen, was Miranda Neubauer in einem Artikel auf <a href="http://techpresident.com/news/wegov/24957/what-has-eu-ever-done-us-countering-euro-skepticism-viral-videos-and-monty-python" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Techpresident</a> ausführlicher beleuchtet.</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/googles-datenmacht-wer-die-daten-hat-bestimmt-unser-schicksal-12907065-p3.html?printPagedArticle=true#pageIndex_3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Google und der Datenschutz</a></h3>
<p>In die Debatte über Google der letzten Wochen ist nun auch Jaron Lanier eingestiegen: „Wir sollten aber auf Melodramatik verzichten.“ Trotzdem setzt er sich dezidiert mit den gesellschaftlichen Folgen von Unternehmen wie Google auseinander.</p>
<h3><a href="http://www.zeit.de/campus/2014/03/nsa-ueberwachung-snowden/komplettansicht" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet nach der „Stunde Null“</a></h3>
<p>Das Post-Snowden-Internet: Der Autor und Regisseur Kristo Šagor beschreibt, wie sich der private Umgang mit dem Internet seit den und durch die NSA-Enthüllungen verändert hat.</p>
<h3><a href="https://medium.com/p/1f59b4f0638a" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Ist das Internet gut oder schlecht? Ja“</a></h3>
<p>Ein Artikel von Zeynep Tufekci (<a href="https://medium.com/matter/76d9913c6011" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Englisches Original</a>) beschäftigt sich anhand mehrerer Beispiele mit der Frage, ob das Internet, im Kontext aktueller Entwicklungen als Protestmedium, gut oder schlecht ist.</p>
<h3><a href="http://netzwertig.com/2014/04/25/die-zukunft-des-internets-nutzer-uebersehen-das-gewicht-ihrer-handlungen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zukunft des Internets: Ist Online-Partizipation wichtig?</a></h3>
<p>Martin Weigert erklärt, dass Online-Partizipation und das Streben nach digitaler Autonomie ein immer wichtiger werdendes Thema ist, dessen Bedeutung aber noch nicht im kollektiven Bewusstsein verankert ist.</p>
<h3><a href="http://www.aljazeera.com/indepth/opinion/2014/04/india-polls-powered-nifty-tech-2014417112114300515.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zukunft demokratischer Wahlen: Die elektronische Wundermaschine aus Indien</a></h3>
<p>In Indien kommen elektronische Wahlmaschinenzum Einsatz, welche als nicht manipulierbar angepriesen werden, sondern auch noch Bäume retten. Eine interessante Idee für die Zukunft der freien Wahl ohne Papier, doch wahrscheinlich kein Allheilmittel gegen Korruption oder andere Probleme der Demokratie.<br />
Co-Autor: Felix Idelberger &#8211; Bild: Screenshot Video<br />
<a href="http://politik-digital.de/4-berliner-hinterhofgespraech-ist-digital-besser-demokratie-und-buergerbeteiligung-im-netz/cc-lizenz-630x110/" rel="attachment wp-att-130752"><img decoding="async" alt="CC-Lizenz-630x110" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" width="407" height="71" /></a><br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Die Utopie ist tot &#8211; lang lebe die Utopie! &#8211; Digitale Presseschau 8/2014</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Schmitt]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Feb 2014 16:06:31 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Was in älterern filmischen und literarischen Darstellungen als Dystopie erschien, ist zum Teil heute Realität. Günter Hack diagnostiziert in der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Was in älterern filmischen und literarischen Darstellungen als Dystopie erschien, ist zum Teil heute Realität. Günter Hack diagnostiziert in der FAZ das Ende der Utopien. Doch vielleicht hat gerade das Internet das Potential, sich selbst neu zu erschaffen und neue Utopien zu entwickeln. Das Neue – es ist heute dringend erforderlich! Und das nicht nur in utopischer Form, sondern auch in Form neuerer rechtlicher Rahmenbedingungen für den Datenschutz, aber auch in Form einer Änderung unserer Gewohnheiten. Da hilft es auch nichts, dass die Perspektive außerhalb der westlichen Hemisphäre ganz anders aussieht, wie uns Leena Simon von ihrer Reise aus Indien berichtet. Manchmal muss mit Traditionen auch gebrochen werden, um ein neues Leben zu ermöglichen.</p>
<h3 id="docs-internal-guid-4d69dcf0-5847-8592-3bf8-784861aa2cc8">Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?v=95jLTIGnZQE" title="Netzneutralität ist in Gefahr! Rette das Internet!" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/95jLTIGnZQE?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Das Video der Woche ist diesmal ein Video der Kampagne <a href="http://savetheinternet.eu/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Save the Internet.eu“</a>, das erklärt, warum Netzneutralität in der EU in Gefahr ist. Zudem werden Vorschläge für persönlichen Lobbyismus und Aktivismus gemacht &#8211; für die Zukunft eines offenen, freiheitlichen Internets.</p>
<h3><a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/oxford-forscher-mayer-schoenberger-wir-geben-unsere-daten-zu-schnell-her-seite-all/9495354-all.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gehen wir zu leichtsinnig mit unseren Daten um?</a></h3>
<p>Seit einigen Wochen wird anhaltend die Warnung vor <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/technologischer-totalitarismus-warum-wir-jetzt-kaempfen-muessen-12786805.html)" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„technologischem Totalitarismus“</a> von Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, diskutiert. Letzte Woche wiesen wir in der Digitalen Presseschau auf eine Antwort von Peter Schaar hin, der für mehr Datenschutz zur Sicherung der Grundrechte plädierte. Diese Woche gab Professor Viktor Mayer-Schönberger vom Internet Institute der Universität Oxford ein Interview, in dem er für mehr Verantwortung bei der Nutzung von Big Data plädiert. Für eine zeitgemäße Lösung der kritischen Probleme beim Umgang mit großen Datenmengen seien zwei Eckpfeiler notwendig: „Erstens, dass sich aus Daten Wert schöpfen lässt. Und zweitens, dass diese Wertschöpfung eben in einem rechtlichen Rahmen, der auch durchgesetzt wird, zu erfolgen hat – und zwar in klarer gesellschaftlicher Verantwortung, also nicht bloß zum Wohl der bestehenden Besitzstände, sondern vor allem auch zum Wohl der Menschen.“ Dafür sei eine „schlagkräftige und effektive Datenschutzbehörde“ unabdingbar.<br />
Zum<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/gespraech-mit-isabelle-falque-pierrotin-vor-den-netzgiganten-sind-wir-voellig-nackt-12808326.html?printPagedArticle=true" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> gleichen Thema</a> gab die Chefin der französischen Datenschutzbehörde Isabelle Falque-Pierrotin der FAZ ein Interview. Auch sie mahnt, dass wir unsere Daten nicht zu leichtfertig hergeben sollten, plädiert jedoch für einen verbindlichen Rechtsrahmen, in dem Daten international ausgetauscht werden können. Dazu müssen auch Unternehmen wie Facebook oder Google in die Pflicht genommen werden. Jedoch seien aber auch gesellschaftspolitische Initiativen notwendig.</p>
<h3><a href="https://digitalcourage.de/blog/2014/andere-laender-andere-ueberwachung-das-beispiel-indien" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Überwachung jenseits des Westens</a></h3>
<p>Vor dem Hintergrund hiesiger Diskussionen über Überwachung und Datenschutz präsentiert die Philosophin Leena Simon einen Blick jenseits von Eurozentrismus. Sie berichtet von ihren Erfahrungen einer dreiwöchigen Reise nach Indien: „Verglichen mit anderen Ländern leben wir in Deutschland im Datenschutzwunderland. Derweil wird allein in Indien ein Sechstel der Weltbevölkerung daran gewöhnt, dass Überwachung ganz normal und ein unvermeidbares Übel sei.“</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueberwachung/literarische-utopien-wir-brauchen-eine-neue-science-fiction-12805052.html?printPagedArticle=true" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das Ende der Geschichten</a></h3>
<p>Günter Hack nimmt uns mit auf eine Reise in die Dys- und Utopien der Geschichte der Science-Fiction und des Cyberpunks. Für heute stellt er eine gefährliche Stagnation dieses Genres fest. Leben wir bereits in einer Dystopie, bzw. sind wir am Ende der Utopien angelangt? „Diese Stagnation der Science-Fiction ist gefährlich, denn sie verhindert, dass die Technik-Erzählung über den Status quo hinaus geht: Man hätte es nicht mehr mit dem Ende der Geschichte zu tun, sondern mit dem Ende der Geschichten.“ Hack postuliert dagegen ein neues Feld der Utopie, das unsere „zerbrochene Kultur“ erneuere, also über das Bestehende hinausgehe.</p>
<h3><a href="http://www.netzpiloten.de/internet-der-dinge-die-black-box-in-unserem-zuhause/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Der Nutzen des Internets der Dinge</a></h3>
<p>Katharina Große von den Netzpiloten misst das Potential des sogenannten „Internet der Dinge“ aus und stellt fest, dass unser vernetzter Alltag zu einem großen Teil automatisch abläuft und dadurch von uns nicht kontrolliert werden kann. Sie fordert stattdessen die Transparenz darüber, welches Gerät welche Daten sammelt sowie ein Recht, das Sammeln von Daten durch Geräte abzulehnen.</p>
<h3><a href="http://www.cicero.de/salon/edward-snowden-verrat-ist-demokratien-nicht-legitim/57062" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verrat in Demokratien</a></h3>
<p>Zum Abschluss der Presseschau ein Text, indem das Wort „Internet“ nicht ein einziges Mal vorkommt – der also den engeren Themenkreis der Netzpolitik in die verschlungenen Pfade der Ideengeschichte verlässt. Führt Whistleblowing nicht zu mehr Transparenz und damit zu mehr Demokratie? Matthias Zimmer präsentiert uns eine spannende Untersuchung der demokratischen Legitimität des Verrats. „Ist Verrat in Demokratien legitim?“ Lesen Sie selbst!<br />
Bild: Screenshot Video<br />
<a href="http://politik-digital.de/4-berliner-hinterhofgespraech-ist-digital-besser-demokratie-und-buergerbeteiligung-im-netz/cc-lizenz-630x110/" rel="attachment wp-att-130752"><img decoding="async" alt="CC-Lizenz-630x110" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" width="407" height="71" /></a><br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Von .cn zu .中国</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hgierow]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 16:04:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die für die Verwaltung der Top-Level Domains zuständige Organisation <a href="http://www.icann.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ICANN</a> hat in ihrer vergangenen Tagung in Brüssel beschlossen neue, nicht lateinische Länderkürzel für Internetseiten einzuführen. Damit setzt sich ein Trend fort, der die Dominanz der lateinischen Schrift im Internet brechen könnte. Für regionale Endungen wie .berlin wird aber noch das „Verfahren für das Verfahren“ diskutiert.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die für die Verwaltung der Top-Level Domains zuständige Organisation <a href="http://www.icann.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ICANN</a> hat in ihrer vergangenen Tagung in Brüssel beschlossen neue, nicht lateinische Länderkürzel für Internetseiten einzuführen. Damit setzt sich ein Trend fort, der die Dominanz der lateinischen Schrift im Internet brechen könnte. Für regionale Endungen wie .berlin wird aber noch das „Verfahren für das Verfahren“ diskutiert.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
Zwar kommt nach wie vor ein großer Teil der Internetnutzer aus den westlichen Industriestaaten. Doch große Länder wie China und Indien, aber auch der arabischsprachige Raum holen auf. Die Volksrepublik China hat mittlerweile nach absoluten Zahlen mehr Internetnutzer als die USA.
</p>
<p>
Ab jetzt wird es bald durchgängig chinesische Domains geben, die dann mit der Endung 中国 bzw. der traditionellen Langfassung 中國 (zhongguo) abschließen. Auch Taiwan wird seine Endung in den beiden Variationen 台湾 und  台灣 (taiwan) bekommen. Lediglich die ehemalige englische Kolonie Hongkong muss sich mit einer Endung begnügen: 香港 (xianggang, der chinesische Name Hongkongs, steht für &#8216;duftender Hafen&#8217;).
</p>
<p>
<b>Kleiner Fortschritt für .berlin oder .nrw</b>
</p>
<p>
Fortschritte gab es auch bei dem Verfahren zur Einführung sog. generischer Top Level Domains. In Deutschland bemüht sich vor allem die Initiative <a href="http://dotberlin.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dotBerlin</a> um die Einführung von .berlin. Derzeit wird noch das „Verfahren für das Verfahren“ zur Einführung neuer Top-Level Domains diskutiert. Mit einer Entscheidung über das grundsätzliche Zulassungsverfahren ist nicht vor Dezember 2010 zu rechnen. Auch andere große Städte und Regionen wie New York (.nyc) oder Nordrhein-Westfalen (.nrw) haben Interesse an neuen Endungen.
</p>
<p>
Befürworter hoffen auf &#8216;mehr Platz im Netz&#8217;, wenn der Domainraum erweitert wird. Tatsächlich ist es mittlerweile oft schwierig, sich noch Domains zu sichern, insbesondere bei beliebten Änderungen wie .org, .com oder .de.
</p>
<p>
Kritiker hingegen sind gegen eine Zersplitterung des Domainraums: sie wollen Klarheit. Insbesondere bei international agierenden Firmen, die eine Webpräsenz mit der Endung .de betreiben, kann laut Juristen deutsches Vertrags- und Datenschutzrecht angewandt werden. Diese eindeutige Zuordnung wäre ansonsten schwieriger, da es z.B. die Stadt Berlin nicht nur in Deutschland gibt.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Indien hat die soziale Frage nicht beantwortet&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/indien-hat-die-soziale-frage-nicht-beantwortet-4159/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/indien-hat-die-soziale-frage-nicht-beantwortet-4159/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Nov 2008 16:37:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[ARD-Korrespondent]]></category>
		<category><![CDATA[Florian Meesmann]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
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					<description><![CDATA[tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de zur aktuellen Lage der &#34;größten Demokratie&#34;: Am 20. November 2008 chatette Florian Meesmann, Studioleiter der ARD für Südasien, live aus Neu Delhi. Der Südasien-Korrespondent berichtete von einem Indien zwischen Entwickelung und Stagnation sowie Armut und Reichtum.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de zur aktuellen Lage der &quot;größten Demokratie&quot;: Am 20. November 2008 chatette Florian Meesmann, Studioleiter der ARD für Südasien, live aus Neu Delhi. Der Südasien-Korrespondent berichtete von einem Indien zwischen Entwickelung und Stagnation sowie Armut und Reichtum.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich Willkommen zum tagesschau-Chat.<br />
Indien hat sich zum beliebten Reiseziel der Bundesregierung entwickelt:<br />
Allein in dieser Woche ist nach Umweltminister Gabriel nun<br />
Bundesaußenminister Steinmeier vor Ort in Neu Delhi. Aus dem ARD-Studio<br />
Südasien ist uns jetzt Florian Meesmann zugeschaltet. Vielen Dank, dass<br />
Sie sich die Zeit nehmen! Herr Meesmann, Sie sind online, können wir<br />
starten?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b> Schönen Guten Tag nach Deutschland, ich bin bereit und freue mich auf die nächste Stunde!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Warum ist Indien „in&quot; bei deutschen Spitzenpolitikern?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Die fast märchenhafte Entwicklung der größten Demokratie ist es, die<br />
viele Politiker anzieht und die Einsicht darin, dass dieses Land mit<br />
seinen 1,1 Milliarden. Menschen zunehmend wichtiger wird bei der<br />
Bewältigung globaler Krisen, dem Klimaschutz genauso wie der aktuellen<br />
Finanzkrise!
</p>
<p>
<b>FrankT:</b> Wie ist Deutschland im internationalen &#8211; und vor allem europäischen Vergleich &#8211; in seinen Beziehungen zu Indien aufgestellt?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Der Besuch der Kanzlerin im vergangenen Jahr hat dafür gesorgt, dass zu<br />
den gut entwickelten Wirtschaftsbeziehungen auch endlich eine enge<br />
politisch-strategische Partnerschaft entstehen könnte. Im<br />
internationalen Vergleich gibt es natürlich viele weitere wichtige<br />
Partner: Die USA (siehe Nuklearvertrag) sowie der Iran als<br />
Energielieferant, um nur zwei Beispiele zu nennen. Im europäischen<br />
Vergleich muss sich Deutschland nicht verstecken, viele Ansätze fußen<br />
ja eh auf EU-Initiativen.
</p>
<p>
<b>FrankT:</b> Können Sie eine kurze SWOT Analyse/Einschätzung der deutsch-indischen Beziehungen machen?
</p>
<p>
<b>Natalie:</b><br />
Inwieweit gehen die Inder auf die Wünsche und Hoffnungen deutscher<br />
Politiker ein? (Vgl. Artikel &quot;Einbahnstraße&quot; im aktuellen Spiegel)
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Das Verhältnis wandelt sich, keine Frage. Die Erwartung als deutscher<br />
Spitzenpolitiker oder Unternehmer sofort ein gesuchter Gesprächspartner<br />
zu sein, die wird sicher manches Mal enttäuscht. Das Selbstbewusstsein<br />
auf indischer Seite ist ausgeprägt und das bedeutet auch, dass man sich<br />
seine Gesprächspartner in aller Welt sucht. Da gehören die deutschen<br />
Delegationen dazu, nur sie sind eben in bester Gesellschaft. Die<br />
Amerikaner sind aktiv, die Beziehungen zu China spielen eine große<br />
Rolle. Da kann es sicher zu Enttäuschungen kommen, vor allem dann, wenn<br />
Politiker, die eher regional eine Bedeutung haben, nicht sofort einen<br />
Termin beim Spitzenpolitiker bekommen. Vor allem dann, wenn es viele<br />
Besucher in kurzer Zeit gibt. Doch nach meiner Wahrnehmung ist das<br />
Interesse größer als es in dem von Ihnen erwähnten Artikel scheint.
</p>
<p><b>Moritz: </b>Wie sehen die<br />
ehemals schlechten Beziehungen zwischen Indien und China heutzutage<br />
aus? Wäre eine Technikkooperation zwischen China (Hardware) und Indien<br />
(Software) nicht ein Riesen-Vorteil für Asien und eine echte Gefahr für<br />
die Wirtschaft in Europa/USA?</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Die Beziehungen haben sich seit den militärischen Auseinandersetzungen<br />
um den Grenzverlauf im Himalaya vor über 40 Jahren sehr verbessert. Die<br />
Inder bemerken immer mehr, wie aktiv die Chinesen in den Nachbarstaaten<br />
sind. Indien ist natürlich ein interessanter Absatzmarkt für<br />
chinesische Produkte. Die von ihnen befürchtete strategische Allianz in<br />
der IT-Industrie zeichnet sich zur Zeit nicht ab. Dafür sind beide<br />
Länder zu sehr darum bemüht, das erworbene Know-How erst einmal<br />
eigenständig zu vermarkten.
</p>
<p>
<b>Lora:</b> Welche Auswirkungen hat die Finanzkrise auf Indien?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Diese sind vielfältig: Zunächst sind natürlich die Aktienkurse, sowie<br />
in anderen Schwellenländern, scharf eingebrochen. Die Wachstumsraten<br />
sinken. Schon vor dem jetzigen Krisenszenario kämpfte die Wirtschaft<br />
mit Inflationsraten von bis zu 12 Prozent. Noch sind spektakuläre<br />
(Bank-)Pleiten ausgeblieben, doch die Industrie spürt natürlich die<br />
getrübten Konjunkturaussichten und klagt über Refinanzierungsprobleme<br />
am Kapitalmarkt. Die Zeitungen sind voll von den zum Teil<br />
erschütternden Geschichten von Kleinanlegern. Manche haben bis zu 75<br />
Prozent ihrer Geldanlagen eingebüßt!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was trägt Asiens drittgrößte Volkswirtschaft zur Lösung der internationalen Finanzkrise bei?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann: </b>Nach<br />
dem G20-Treffen am vergangenen Wochenende ist klar, ohne die<br />
Schwellenländer, ohne die BRIC-Staaten (Brasilien, Indien, China und<br />
Russland) kann diese Krise nicht gelöst werden. Die anfängliche<br />
Hoffnung, dass die Schwellenländer aufgrund höherer Reserven und<br />
robusteren Wachstums unbeschadet die Krise überstehen könnten, war<br />
unbegründet. Der spezifische Beitrag Indiens kristallisiert sich erst<br />
allmählich heraus. Dieses Thema steht ja auch im Mittelpunkt der<br />
Gespräche von Bundesminister Steinmeier heute Abend in Delhi.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Welche Rolle spielt Indien innerhalb der G20?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann: </b>Eine<br />
immer größere, soviel steht fest. Die Inder bemühen sich darum bei den<br />
Verhandlungen über Welthandelsabkommen, in Fragen des Handels mit der<br />
EU nun endlich eine gewichtigere Stimme zu bekommen. Steinmeier hat<br />
deutsche Unterstützung dafür bereits signalisiert.
</p>
<p>
<b>Klaus:</b> Wie schätzen Sie die politische und wirtschaftliche Zukunft Indiens für die nächsten fünf Jahre ein?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Ich meine, man muss die Politik und die Wirtschaft getrennt betrachten.<br />
Wirtschaftlich wird sich das Wachstum früher oder später in den jetzt<br />
bereits erkennbaren Kernen, wie zum Beispiel IT fortsetzen &#8211; trotz der<br />
Krise. Die große Frage wird sein, ob das Wachstum in den Metropolen und<br />
Städten in einigen wenigen Industrien ausreicht, um endlich den<br />
Wohlstand auch für die Inder zu erhöhen, die immer noch in großer Armut<br />
auf dem Land leben, in mittelalterlich anmutenden Verhältnissen. Das<br />
ist immer noch die breite Mehrheit der Bevölkerung. Und erst wenn diese<br />
mehrere hundert Millionen Menschen eine Perspektive haben, erst dann<br />
kann Indien auch politisch weiter reifen. Die größte Demokratie der<br />
Welt hat die &quot;soziale Frage&quot; immer noch nicht beantwortet, und das<br />
schafft Platz für radikale Agitation. Religiös und politisch!
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Sie<br />
beschreiben Indien als Land extremer Gegensätze. Auf der einen Seite<br />
steht der unermessliche Reichtum der Industriemilliardäre, andererseits<br />
leben in dem Land 200 Millionen hungernde Menschen. Wie hält die<br />
indische Demokratie diese Spannung aus?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann: </b>Genau<br />
diese Fragen stellen wir uns im Studio sehr häufig. Zum einen wissen<br />
die Bauern in den Bergen Zentralindiens oft nur wenig über den<br />
unermesslichen Wohlstand der Reichen in den Städten, zum anderen gibt<br />
es in Indien, anders als in Deutschland oder Europa, nur eine schwache<br />
Vorstellung einer sozialen Gerechtigkeit. Eine Rolle spielt dabei auch<br />
die Mehrheitsreligion des Hinduismus und das immer noch wirkmächtige<br />
Kastenwesen. Danach ist Armut oder Not, stark vereinfacht dargestellt,<br />
auch eine schicksalhafte Notlage, aus der man sich eh nicht befreien<br />
könne. Auch das führt zu einer gewissen Passivität, auch offenkundigen<br />
Ungerechtigkeiten gegenüber.
</p>
<p>
<b>Isa:</b> Ist das Kastensystem eigentlich noch aktuell im Alltag?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann: </b>Offiziell<br />
ist es ja schon lange, lange abgeschafft. Im Alltag ist es &#8211; sogar für<br />
uns Europäer &#8211; deutlich spürbar. Der Zugang zu Bildungschancen, der<br />
gesellschaftliche Stand, all das hängt immer noch auch von der<br />
Kastenzugehörigkeit ab. Trotz aller Bemühungen zur Förderung der<br />
unteren Kasten und der Kastenlosen. Manchmal spüren wir das auch in<br />
sozialen Situationen, wo bestimmte Dinge aus unerklärlichen Gründen<br />
nicht klappen wollen; zum Beispiel wenn ein Brahmane einem Dalit das<br />
Gepäck tragen soll. Erst die Kastenzugehörigkeit lässt einen diese<br />
Situation zumindest nachvollziehen.
</p>
<p>
<b>politur:</b><br />
Liege ich richtig in der Annahme, dass von der oft beschriebenen<br />
positiven Entwicklung Indiens, vor allem eine relativ kleine<br />
Mittelschicht profitiert, der Großteil der Bevölkerung jedoch z.B.<br />
ihren Kindern keine Grundbildung bieten kann?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Diese Annahme ist teilweise richtig. Es stimmt, der Reichtum wächst in<br />
der Hand weniger sehr reicher Familien und einer städtischen<br />
Mittelschicht. Offiziell sollen alle Kinder zur Schule gehen, doch auf<br />
dem Land wird dieses nicht umgesetzt und die Qualität der öffentlichen<br />
Schulen wird von Experten als sehr, sehr unterschiedlich beurteilt.
</p>
<p>
<b>joe333:</b><br />
Wie entwickelt ist in Indien eigentlich das Bildungssystem und wie<br />
flexibel kann die indische Wirtschaft jetzt ihre enormen Potentiale<br />
abrufen?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b> Wie schon angedeutet:<br />
es gibt grundsätzlich die Trennung zwischen öffentlichen und privaten,<br />
kostenpflichtigen Schulen und Universitäten. Es gibt in beiden Strängen<br />
gute und sehr gute Einrichtungen, aber auch sehr schlechte. Der<br />
flexible Abruf ist zum Beispiel im Bereich der IIT (Indian Institute of<br />
Technology) für Software-Ingenieure oder Manager sehr gut organisiert.<br />
In anderen Bereichen funktioniert das deutlich schlechter. Da behindert<br />
oft eine starre Bürokratie die flexible Reaktion der<br />
Bildungseinrichtungen auf die Wirtschaftslage.
</p>
<p>
<b>Mara: </b>Was wird der indische Staat zum Schutz der Christen tun? Indien zählte bisher zu einem friedliebenden, liberalen Land.
</p>
<p>
<b>david22:</b><br />
Warum sind die Christenverfolgungen zum Beispiel in Ostindien so selten<br />
ein Thema in Deutschland und in der deutschen Außenpolitik?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><a href="http://www.tagesschau.de/ausland/weltspiegel116.html" title="&quot;Sie wollten, dass er die Bibel verbrennt&quot;"><b> </b>Wir haben darüber Ende Oktober im &quot;Weltspiegel&quot; berichtet.</a><br />
Zuvor auch schon in den aktuellen Sendungen wie z.B. dem<br />
ARD-Mittagsmagazin aus München. Diese Verfolgungen sind ein sehr, sehr<br />
beunruhigendes Phänomen. Ich habe selbst den Distrikt Kandhamal im<br />
Bundestaat Orissa bereist. Dort begann die jüngste Welle der<br />
Verfolgungen. Aber auch in Mumbai oder Karnataka im Süden werden<br />
Kirchen angezündet und Priester geschlagen. Bis zu 50 Menschen sollen<br />
landesweit getötet worden sein. Der indische Staat wird in den<br />
einzelnen Bundesstaaten wie z.B. Orissa ja zunächst durch die jeweilige<br />
Regierung repräsentiert. Gerade in Orissa hat die Polizei vor Ort nicht<br />
genug getan, um die Christen zu schützen. Oft zögern Politiker hart<br />
durchzugreifen &#8211; gerade wenn Wahlen vor der Tür stehen, will man es<br />
sich auch mit den radikalen Hindus, die häufig die Verfolgungen<br />
ausgelöst haben, nicht verderben.
</p>
<p>
<b>Anonym:</b> Soll<br />
und wird der Außenminister die derzeitigen massiven<br />
Christenverfolgungen vor allem im Bundesstaat Orissa ansprechen? Im<br />
Vorfeld hat er dieses öffentlich nicht angekündigt, was aber nicht<br />
heißt, dass er es nicht tun wird. Die EU hat Indien bereits scharf<br />
kritisiert dafür und vielleicht setzt man hier eher auf stille<br />
Diplomatie. Doch genaues wissen wir darüber nicht.
</p>
<p>
<b>Rockenstein:</b> Muss man als Christ jetzt Angst haben nach Indien zu reisen?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b> Nein, dass muss man nicht. Meine Familie und ich sind bekennende Christen und haben noch nie irgendein Problem damit gehabt.
</p>
<p>
<b>Klea: </b>Ist Indien wirklich ein regionaler Stabilitätsfaktor? Man hört ja immer häufiger von Bombenanschlägen.
</p>
<p>
<b>pone arnas:</b> Wie haben Sie die Terroranschläge in Delhi erlebt und was steckt dahinter?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Bei den letzten Terroranschlägen waren auch mehrere Märkte betroffen,<br />
auf denen wir einkaufen gehen. Also das sitzt uns hier schon noch ein<br />
wenig in den Knochen. Die Kette von Serienexplosionen, die es ja in<br />
vielen Städten gegeben hat (Jaipur, Ahmedabad, Delhi) hat auch die<br />
Inder sehr verunsichert. Es spricht viel dafür, dass es sich dabei um<br />
radikalislamistisch motivierte Taten handelt. Bei der letzten großen<br />
Bombenserie in Assam weiß man noch wenig über die Hintermänner und zur<br />
Zeit gibt es einen Anschlag, der offenbar einen hinduistischen<br />
Hintergrund hat, der zur Zeit von der indischen Polizei untersucht<br />
wird. Also die terroristische Bedrohung hat zugenommen, keine Frage.<br />
Doch im Vergleich zu Ländern wie zum Beispiel Pakistan, Bangladesh oder<br />
Afghanistan, kann Indien immer noch als ein Stabilitätsfaktor gelten.<br />
Die Frage ist sicher, ob es dem indischen Staat gelingt, dieser<br />
Bedrohung besser Herr zu werden, als das bisher der Fall war. Das ist<br />
sicher entscheidend dafür, ob Indien seine relative Stabilität wahren<br />
kann.
</p>
<p>
<b>Pogy:</b> Sie sind ja Korrespondent für Südasien. Haben Sie sich diese Region bewusst ausgesucht? Wenn ja, was fasziniert so daran?
</p>
<p>
<b>Norbert:</b> Für welche Länder sind Sie eigentlich zuständig? Wie lässt sich das realisieren, wenn man bedenkt, wie groß allein Indien ist?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Unser Berichtsgebiet umfasst neben Indien die Länder Afghanistan,<br />
Pakistan, Nepal, Bhutan, Sri Lanka, die Malediven und Bangladesh. Dabei<br />
spielen &#8211; neben Indien &#8211; natürlich Pakistan und Afghanistan eine<br />
herausragende Rolle in der Berichterstattung. Die ist nur möglich mit<br />
Hilfe eines Netzes von Stringern und Producern in den einzelnen Ländern<br />
und durch ausgeprägte Reisen der Studiocrew. Das Faszinierende an<br />
Südasien sind sicher die atemberaubenden Widersprüche dieser Region. In<br />
Indien liegen ergreifende Naturschönheiten und menschliches Elend sehr<br />
dicht beieinander. In Afghanistan sind es die herzlichen Menschen, die<br />
trotz Jahrzehnten Bürgerkriegs den Lebensmut nicht verloren haben. Die<br />
Kette der Beispiele ist lang, aber faszinierend ist die Arbeit hier.<br />
Daran besteht kein Zweifel.
</p>
<p>
<b>am:</b> Rückblick nach einem Jahr, Herr Meesmann: was war Ihr einschneidenstes Erlebnis?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Da gab es eine ganze Menge, am meisten erschüttert haben mich zwei<br />
Dinge: Die Begegnung mit der herzzereissenden Armut der indischen<br />
Landbevölkerung und die Begegnung mit einem schwer verletzten Mädchen<br />
in einem Bundeswehrfeldlazarett in Nordafghanistan. Die Augen dieses<br />
bei einem Anschlag schwer verletzten Kindes, die begleiten mich bei<br />
meinen Reisen durch Afghanistan.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir müssen leider schon zum Schluss kommen&#8230;
</p>
<p>
<b>omg: </b>In<br />
Indien leben noch 500 bis 600 Millionen Menschen ohne ordentliche<br />
Stromversorgung. Ist es da nicht übertrieben, von einer kommenden<br />
Wirtschaftsmacht zu reden?
</p>
<p>
<b>ManDra:</b> Indien<br />
umrundet mit seiner Weltraum-Technik den Mond, hat Atomraketen und<br />
Flugzeugträger. Ist vor diesem Hintergrund die Zahlung von<br />
Entwicklungshilfe noch berechtigt?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Vielen Dank für diese beiden Fragen, denn sie werfen ein Schlaglicht<br />
auf die ungelösten Probleme Indiens: Auch in Neu Delhi fällt regelmäßig<br />
der Strom aus, dabei ist die stabile Energieversorgung sicher eine der<br />
Grundlagen für das weitere Wachstum. Entwicklungshilfe, das hat auch<br />
die zuständige Bundesministerin bei Ihrem Besuch kürzlich deutlich<br />
gemacht, kann nur sehr gezielt gegeben werden. Eines der indischen<br />
Grundprobleme ist sicher dieses: Wie können die Eliten des Landes davon<br />
überzeugt werden, dass ein leistungsfähiger Staat, ein Minimum an<br />
sozialer Grundversorgung und die Übernahme von Verantwortung,<br />
Voraussetzungen dafür sind, zu einer Weltwirtschaftsmacht aufzusteigen.<br />
In dieser Frage hat Indien und seine Gesellschaft noch ein gutes Stück<br />
Weg vor sich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war eine gute<br />
Stunde tagesschau-Chat. Vielen Dank, liebe User, für Ihre Beteiligung!!<br />
Leider konnten wir nicht alle Fragen stellen. Herzlichen Dank, Florian<br />
Meesmann, für Ihre Zeit! Grüße von Berlin nach Neu Delhi! Das Team von<br />
tagesschau.de wünscht allen noch einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b> Herzliche Grüße in die Heimat!
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Thomas Querengässer, tagesschau.de.</i></p>
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