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	<title>Informationsflut &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Informationsflut &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Konkurrenz oder Ergänzung zum professionellen Journalismus? Teil I</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cneuberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Oct 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zehn Jahre Online-Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie wird Onlinejournalismus den klassischen Journalismus verändern, wie wird er von den etablierten Medienformen bislang angesehen? In einer zweiteiligen Studie untersucht Christoph Neuberger, ob sich das Internet auch journalistisch gegenüber dem professionellen Journalismus behaupten wird können. Teil I befasst sich mit den Hintergründen und der Entwicklung des Netzes in den letzten Jahren.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Wie wird Onlinejournalismus den klassischen Journalismus verändern, wie wird er von den etablierten Medienformen bislang angesehen? In einer zweiteiligen Studie untersucht Christoph Neuberger, ob sich das Internet auch journalistisch gegenüber dem professionellen Journalismus behaupten wird können. Teil I befasst sich mit den Hintergründen und der Entwicklung des Netzes in den letzten Jahren.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Solange der Journalismus auf die klassischen Massenmedien angewiesen war, also bis Mitte der neunziger Jahre, war redaktionelle Arbeit Mangelverwaltung. Die Vermittlungskapazität von Presse und Rundfunk reichte nicht aus, um jedem, der etwas öffentlich mitteilen wollte, die Möglichkeit dazu zu geben: Es gab nicht genügend Sendezeit und Frequenzen, nicht ausreichend Druckseiten und publizistische Einheiten.</p>
<p>Der Nachrichtenstrom musste in ein Rinnsal verwandelt werden. Diese Aufgabe wurde an Redaktionen, Verleger und Intendanten delegiert, die bestimmten, welche Nachrichten und Meinungen veröffentlicht wurden. Sie begleitete stets der Argwohn, dass sie ihre mächtige &#8220;Gatekeeper&#8221;-Rolle nicht neutral ausüben, sondern missbrauchen. Das Publikum kam nur selten zu Wort. Wer als Leser-briefschreiber seine Gedanken veröffentlichen wollte, war auf die Gnade der Redaktion angewiesen, die darüber entschied, ob die eingesandten Zeilen gedruckt wurden oder nicht.</p>
<p>Auch die Bewegung der Alternativmedien – aus der als bekannteste, professionellste und einflußreichste Publikation die taz hervorging – konnte dies nicht wesentlich ändern verändern.</p>
<p>In der Medienpolitik stand nicht umsonst jahrzehntelang die Kontrolle über den begrenzten Zugang zur Öffentlichkeit im Mittelpunkt. Egal, ob über Pressekonzentration oder Rundfunkregulierung diskutiert wurde, immer ging es um die Frage, wie unter den Bedingungen der Kanalknappheit Vielfalt und Ausgewogenheit gewährleistet werden können.</p>
<p class="fett">Das Nadelöhr ist im Internet an einer anderen Stelle</p>
<p>Ist im Internet nun alles anders, weil es ein unschlagbar billiges, flexibles und einfach bedienbares Publikationsmedium ist, sodass sich praktisch jeder öffentlich zu Wort zu melden kann? Nur scheinbar sind im Internet fast alle Hürden, die bisher den Weg in die Öffentlichkeit versperrt haben, beseitigt. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass auch hier nicht jeder allen alles sagen kann und nicht jeder alles lesen kann, was er lesen will.</p>
<p>Im Internet ist das Nadelöhr nicht verschwunden, sondern nur an eine andere Stelle gerückt: von der Anbieter- auf die Nutzerseite. Nun herrscht nicht mehr Knappheit an Vermittlungskapazität, sondern Knappheit an Zeit und Kompetenz der Rezipienten. Sie sind alleine mit der Aufgabe konfrontiert, aus der Überfülle an verfügbaren Informationen eine sinnvolle Auswahl zu treffen.</p>
<p class="fett">Drei Vermittlungsformen im Internet: Profession, Partizipation,<br />
                            <br />Suchalgorithmen</p>
<p>Der offene Zugang zum Internet wirft also zwei Folgeprobleme auf: die Auffindbarkeit von Informationen und die Prüfung ihrer Qualität. Auch im neuen Medium sind deshalb Vermittler notwendig, die für die Rezipienten diese Probleme lösen. Allerdings besitzen die professionellen Journalisten kein Vermittlungsmonopol mehr. Stattdessen gibt es im Internet ein Nebeneinander von drei Formen der Vermittlung öffentlicher Kommunikation: professionelle, partizipative und technisch gesteuerte Vermittlung.</p>
<p>Ihre Leistungsfähigkeit kann man jeweils danach beurteilen, wie sie das Problem der &#8220;Informationsflut&#8221; und das Problem des &#8220;Informationsmülls&#8221; bewältigen. Professioneller Journalismus wird vor allem von den klassischen Medien im Internet betrieben und nur von sehr wenigen reinen Online-Anbietern wie der<br />
                            <a href="//www.netzeitung.de%3E" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzeitung</a> . Wie der Presse- und Rundfunkjournalismus ist er im Wesentlichen einseitig (also ohne oder nur mit geringem Nutzer-&#8220;Feedback&#8221;) und auf ein Massenpublikum ausgerichtet. Die<br />
                            <a href="//www.onlinejournalismus.de/forschung/studie_ilmenau.php%3E%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Online-Journalisten</a> unterscheiden sich in ihrem Rollenselbstverständnis, nach ihren Tätigkeiten und Qualifikationen kaum von den Kollegen in anderen Medienbereichen.</p>
<p>Das Problem des professionellen Onlinejournalismus: Er ist teuer, weil eine Redaktion unterhalten werden muss. Da die Nutzer selten zahlungsbereit sind und die Werbeerlöse gering sind, ist er im Netz kaum finanzierbar. Presse und Rundfunk begnügen sich deshalb oft mit Billigjournalismus im Internet, mit Tickermeldungen und so genannter &#8220;Shovelware&#8221;, also Beiträgen, die vom Muttermedium übernommen werden. Außerdem wächst die Neigung, journalistische Inhalte als verkaufsförderndes Umfeld für Werbung und E-Commerce zu betrachten. Dennoch: Professioneller Journalismus ist prinzipiell ein Garant für eine hohe Angebotsqualität. Das unterscheidet ihn von Suchmaschinen wie<br />
                            <a href="//news.google.de/%3E" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Google News</a> und<br />
                            <a href="//de.news.yahoo.com/%3E" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Yahoo Nachrichten</a>, die Nachrichten automatisch selektieren und gewichten. Sie können große Datenmengen verarbeiten, sind aber nicht in der Lage, deren inhaltliche Qualität zu prüfen. Außerdem können Suchmaschinen nur jene Beiträge auswerten und sortieren, die schon im Internet vorhanden sind. Sie selbst steuern keinen Content bei – anders<br />
                            <br />als der Peer-to-Peer-Journalismus , der auch<br />
                            <a href="http://www.ojr.org/ojr/workplace/1060217106.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">partizipativer Journalismus</a> oder &#8221;<br />
                            <a href="http://www.firstmonday.org/issues/issue6_10/deuze/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Open source</a>&#8220;-Journalismus genannt wird: Hier kann jeder schreiben, der sich dazu berufen fühlt.</p>
<p>Gemeint sind damit sowohl kollaborative Websites mit vielen Teilnehmern (wie<br />
                            <a href="http://www.slashodot.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Slashdot.org</a>,<br />
                            <a href="http://www.shortnews.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Shortnews</a> oder<br />
                            <a href="http://www.wikipedia.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikipedia</a>)als auch Weblogs, die nur von einzelnen Personen betrieben werden, die aber untereinander eng vernetzt sind. Die &#8220;Blogosphäre&#8221; ist ebenfalls eine Gemeinschaft, in der unter Gleichen und ohne zentrale Kontrolle kommuniziert wird.</p>
<p>Ob Blogs und Peer-to-Peer-Communities die Bezeichnung &#8220;Journalismus&#8221; verdienen, ist eine derzeit heiß diskutierte Frage – etwa bei<br />
                            <a href="http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/on/17694/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Telepolis</a>. Die Anbieter selbst betrachten ihr Tun als neue Art von Journalismus, so das<br />
                            <a href="http://www.onlinejournalismus.de/forschung/weblogs.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ergebnis einer Befragun</a><br />
                            <a href="http://www.onlinejournalismus.de/forschung/weblogs.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">g</a>. Als Vorzüge im Vergleich zum traditionellen Journalismus sehen sie die subjektive<br />
                            <br />Perspektive, die Zugänglichkeit des Autors, die Aktualität sowie den<br />
                            <br />vielfältigen und intensiven Meinungsaustausch. Wenn ihnen Journalisten klassischer Medien das Etikett &#8220;Journalist&#8221; absprechen, so nicht zuletzt deshalb, weil sie damit den eigenen Beruf vor Konkurrenz schützen wollen, stellte das<br />
                            <a href="http://www.ojr.org/ojr/ethics/1017968389.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Online Journalism Review</a> schon 1998 fest.</p>
<p class="normal">Weiter zum<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkultur/neuberger_Konkurrenz2.shtml">zweiten Teil</a> des Artikels.</p>
<p>
                              <strong>Weiterführende Links:</strong>
                            </p>
<ul>
<li>
                                <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkultur/index.shtml#tab">Dossier: Der Bundestag untersucht die netzbasierte Kommunikation</a>
                              </li>
</ul>
<p class="normal">
                              
                            </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Konkurrenz oder Ergänzung zum professionellen Journalismus? Teil II</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/zehn-jahre-online-journalismus/netzkulturneuberger_konkurrenz2-shtml-2791/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[cneuberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Oct 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wie wird Onlinejournalismus den klassischen Journalismus verändern, wie wird er von den etablierten Medienformen bislang angesehen? In einer zweiteiligen Studie untersucht Christoph Neuberger, ob sich das Internet auch journalistisch gegenüber dem professionellen Journalismus behaupten wird können. Teil II befasst sich mit möglichen Zukunftsszenarien.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Wie wird Onlinejournalismus den klassischen Journalismus verändern, wie wird er von den etablierten Medienformen bislang angesehen? In einer zweiteiligen Studie untersucht Christoph Neuberger, ob sich das Internet auch journalistisch gegenüber dem professionellen Journalismus behaupten wird können. Teil II befasst sich mit möglichen Zukunftsszenarien.</p>
<p><!--break--></p>
<p class="fett">Sind wir alle Journalisten?</p>
<p>Der Medienwissenschaftler John Hartley von der australischen University Queensland hat im Juli 2004 auf einer internationalen Tagung in Erfurt die These vertreten, dass im Internet jeder ein Journalist ist (&#8220;everyone is a journalist&#8221;) und dass wir uns auf dem Weg in eine &#8220;redaktionelle Gesellschaft&#8221; (&#8220;’redactional’ society&#8221;) befinden. Diese Vorstellung ist naiv, weil sie den Journalismus auf den schlichten Vorgang des Veröffentlichens reduziert und seine spezifischen Leistungen ignoriert oder sie als in jedem Fall gegeben unterstellt, sobald sich nur jemand öffentlich zu Wort meldet.</p>
<p>Einen realistischeren Blick auf das Internet hat Hans Magnus Enzensberger in seinem Essay &#8220;Das digitale Evangelium&#8221; geworfen. Darin hat er von der eigenen utopischen Hoffnung Abschied genommen, dass neue Medien mit einem Rückkanal schon ihrer Struktur nach emanzipatorisch wirken: &#8220;Das interaktive Medium ist weder Fluch noch Segen; es bildet schlicht und einfach die Geistesverfassung seiner Teilnehmer ab.&#8221; Entscheidend ist nicht das technische Potenzial, sondern der Gebrauch eines Mediums. Nur wenig von dem, was im Internet publiziert wird, wird journalistischen Ansprüchen gerecht. Von den Kritikern werden vor allem zwei Einwände dagegen vorgetragen, dass auch Laien einen wesentlichen Beitrag zur öffentlichen Kommunikation leisten können.</p>
<p class="fett">Viele Augen sehen mehr, viele Köpfe wissen mehr</p>
<p>Einwand Nummer 1: Redaktionen von Presse und Rundfunk können kontinuierlich recherchieren und berichten. Dazu sind Laien in ihrer Freizeit nicht in der Lage. Dem lässt sich entgegen halten: Durch die Vielzahl der Nutzer, die ihr Wissen in den Communities teilen, wird dieser Nachteil wettgemacht. Je mehr Teilnehmer mitmachen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand Experte für ein Thema ist oder zur richtigen Zeit am richtigen Ort war – wie &#8220;Salam Pax&#8221; und einige andere<br />
                            <a href="http://www.diegegenwart.de/ausgabe33/warblogs.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Warblogger</a>, die während des Irakkriegs 2003 vom Ort des Geschehens berichten konnten.</p>
<p>Auch der US-Präsidentschaftswahlkampf 2004 liefert Belege für diese These: Dass sich John Kerry für John Edwards als Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten entschied, konnte man zuerst im Forum einer<br />
                            <a href="http://www.USAviation.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Luftfahrt-Website</a> lesen. Dort berichtete ein Mechaniker, dass das Wahlkampf-Flugzeug von Kerry, das in einem Hangar in Pittsburgh stand, gerade den Schriftzug &#8220;Kerry – Edwards&#8221; bekommen hatte. Und dass CBS-Anchorman Dan Rather auf gefälschte Dokumente über Bushs Wehrdienstzeit hereingefallen war, wurde in Weblogs wie<br />
                            <a href="http://www.rathergate.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rathergate</a> aufgeklärt.</p>
<p>Das letzte Beispiel belegt auch die Wirksamkeit der „Watchdog “-Rolle des P2P-Journalismus, der etablierte Journalisten und Medien kritisch begleitet (wie in Deutschland der<br />
                            <a href="http://www.onlinejournalismus.de/webwatch/bildblog.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BILDBlog</a> die Bild-Zeitung).Dass auch nach dem Urteil professioneller Journalisten im Internet nicht<br />
                            <br />nur Belangloses und Minderwertiges publiziert wird, zeigt die große Bedeutung, die das Medium inzwischen als Recherchequelle besitzt – und das nicht immer nur zur Freude der Blogger: Als die Frankfurter Tabloidzeitung &#8221;<br />
                            <a href="http://www.ojour.de/logbuch/index.php?action=fullnews&amp;showcomments" target="_blank" rel="noopener noreferrer">News</a>&#8221; umfangreich aus Weblogs zitierte, ohne bei den Autoren um Erlaubnis zu bitten, erntete das Blatt heftige Kritik.</p>
<p class="fett">Geprüft wird nach der Veröffentlichung</p>
<p>Einwand Nummer 2: Die Angebote haben keine Redaktion, um die Nachrichten und Meinungen vor ihrer Veröffentlichung zu prüfen. Es gibt keine Qualitätssicherung, journalistische Normen werden fortlaufend verletzt. Auch dieser Einwand lässt sich – zumindest teilweise – entkräften: Die Besonderheit des P2P-Journalismus besteht gerade darin, dass die Prüfung von Informationen und Meinungen erst nach der Publikation stattfindet: Was veröffentlicht wird, gilt als vorläufig und unfertig, es soll infrage gestellt und diskutiert werden. Die anderen Nutzer sind aufgerufen, fremde Beiträge in einer offenen Diskussion oder auf Bewertungsskalen zu kritisieren und, falls nötig, zu korrigieren. An diesem Prüfverfahren beteiligen sich auch andere Anbieter im Internet, vor allem in der &#8220;Blogosphäre&#8221;. Der Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass die Qualitätskontrolle transparent ist und dass der oft an die Adresse von Redaktionen gerichtete Vorwurf, dass &#8220;hinter den Kulissen&#8221; manipuliert werde, nicht erhoben werden kann.</p>
<p>Wie effektiv diese in die Öffentlichkeit verlagerte Qualitätsprüfung ist – gemessen an journalistischen Standards –, ist bisher noch nicht gründlich untersucht worden. Viel dürfte davon abhängen, ob das Qualitätssicherungssystem gute Leistungen (durch Reputation, Bonuspunkte oder erweiterte Teilnahmemöglichkeiten) belohnt und schlechte bestraft.</p>
<p>Es muss die Bereitschaft gefördert werden, eigenes Wissen mit anderen zu teilen und vorgegebene Regeln einzuhalten. Reputation kann ein Teilnehmer z.B. nur dann erwerben, wenn das System über ein Gedächtnis verfügt, das seine Verdienste aus der Vergangenheit speichert und transparent macht. Über ein ausgefeiltes System verfügt etwa<br />
                            <a href="http://slashdot.org/faq/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Slashdot.org</a>. Letztlich kommt es aber darauf an, dass die Teilnehmer fähig und willens sind, niveauvolle Beiträge zu schreiben und zu würdigen.</p>
<p>Professioneller und P2P-Journalismus ergänzen einander Denkbar ist das Entstehen eines Öffentlichkeitssystems, in dem sich professioneller und P2P-Journalismus ergänzen: Die Vorteile des professionellen Journalismus sind die hohe Reichweite, die er über Presse und Rundfunk erreicht, sowie die gründliche redaktionelle Prüfung. Die Stärken des P2P-Journalismus sind die Informations-vielfalt, der intensive Meinungsaustausch und die Schnelligkeit.</p>
<p>Professionelle Journalisten nutzen Blogs und Communities als Recherchequellen. Hier finden sie Themenideen, Argumente und Informationen aus &#8220;erster Hand&#8221;, die sie weiter verarbeiten. Dadurch können sie zusätzliche Aufmerksamkeit auf die partizipativen Websites lenken. Die Laienkommunikatoren im Internet filtern ihrerseits die Medienberichterstattung, indem sie auf ausgewählte Nachrichten linken, und sie begleiten den professionellen Journalismus als &#8220;Media watchdogs&#8221;. Der P2P Journalismus wird deshalb keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zum professionellen Journalismus sein.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Neue Unübersichtlichkeit im Netz</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/neue-unuebersichtlichkeit-im-netz-2874/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jan 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Kluft]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsflut]]></category>
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		<category><![CDATA[Webauftritt]]></category>
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					<description><![CDATA[Netzutopisten erteilt der Kommunikationsexperte Prof. Neuberger einen Dämpfer: Zu viele Informationen ohne Qualtität. Auch weil Anbieter wie Parteien zur Selbstdarstellung neigen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Netzutopisten erteilt der Kommunikationsexperte Prof. Neuberger einen Dämpfer: Zu viele Informationen ohne Qualtität. Auch weil Anbieter wie Parteien zur Selbstdarstellung neigen.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
&quot;Wie verändert sich politische Kommunikation unter den Bedingungen eines neuen Mediums?&quot; Diese demokratietheoretisch ebenso interessante wie umstrittene Frage nahm Christoph Neuberger, Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft der Wilhelms-Universität Münster, zum Anlaß, die Qualität der Informationsvermittlung im Internet unter die Lupe zu nehmen. Im Rahmen seines Vortrags auf dem vom Adolf-Grimme-Institut und der Bundeszentrale für politische Bildung veranstalteten Medienkongreß &quot;<br />
<a href="http://www.bpb.de/veranstaltungen/G5HRVA,0,0,Strukturwandel_der_%D6ffentlichkeit_2_0.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Strukturwandel der Öffentlichkeit 2.0</a>&quot;, erteilte Neuberger den Hoffnungen der &quot;Netzutopisten&quot; eine klare Absage. Es sei grundsätzlich richtig, daß das Internet Abhilfe für einige Beschränkungen der &quot;klassischen&quot; Medien geschaffen habe. Anders als bei den Print- und Funkmedien eröffne die Dezentralität des Internets jedem Interessenten die Chance, bestimmte Informationen der (Netz-) Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
</p>
<p>
<b>Geplatzte Illusionen</b><br />
<br />
Nichtsdestotrotz ist das Internet laut Neuberger nach wie vor weit entfernt davon, ein Hort des von Jürgen Habermas beschworenen &quot;herrschaftsfreien Diskurses&quot; zu sein. Zum einen bestehe die unter dem Stichwort &quot;digitale Spaltung&quot; immer wieder beschriebene Gefahr einer sozialen Segmentierung der Gesellschaft in &quot;Internetkundige&quot; und &quot;Internetmuffel&quot;. Zum anderen, so Neuberger weiter, müsse die Vorstellung eines &quot;hyperaktiven Netz-Publikums&quot; insbesondere in Zusammenhang mit dem Bereich der politischen Kommunikation als illusionär zurückgewiesen werden. Auch wenn das Internet den Bürgerinnen und Bürgern ohne Zweifel verschiedene Möglichkeiten der Partizipation am politischen Prozeß einräume, mangelt es der breiten Masse aus Sicht von Neuberger nach wie vor am Willen, die vom Internet eröffneten Möglichkeiten auch tatsächlich zu nutzen.<br />
<br />
Doch auch für die kundigen Nutzerkönne man mit Blick auf den gegenwärtigen Zu-stand des Internets (noch) nicht von einem Prototyp funktionierender demokratischer Öffentlichkeit sprechen. Abgesehen davon, daß das Internet immer mehr für kommerzielle Zwecke genutzt werde, prangerte Neuberger in diesem Zusammenhang insbesondere die Netzaktivitäten der politischen Akteure an. Insbesondere die politischen Parteien setzten bei der Gestaltung ihrer Internetauftritte gezielt auf Methoden aus PR und Werbung, um die User für sich zu gewinnen. Wer sich von den technischen Möglichkeiten des Internets einen offenen und interaktiven Dialog zwischen Bürgern und politischen Akteuren erhofft habe, werde zumeist bitter enttäuscht: Das Internet diene den politischen Akteuren in erster Linie als Medium der Selbstdarstellung.
</p>
<p>
<b>Lust als Gefahr?</b><br />
<br />
Neubergers Hauptkritikpunkt an den überzogenen Hoffnungen und Erwartungen der &quot;Netzutopisten&quot; setzt jedoch ausgerechnet dort an, wo gemeinhin das demokratische Potential des Internets verortet wird: an dem Umstand nämlich, daß dem Internet die althergebrachten Zugangsbarrieren zur Öffentlichkeit fremd sind. Die Tatsache, daß grundsätzlich jeder nach Lust und Laune im Netz publizieren könne, was häufig als große Chance einer demokratischen Öffentlichkeit beschrieben wird, beschreibt Neuberger dann auch eher als Gefahr. Herrschte früher über lange Zeit ein Mangel an allgemein zugänglichen Informationen, hätten wir seit der Einführung des Internets nun mit einem Zuviel an qualitativ mangelhaften Datenmengen zu tun.
</p>
<p>
<b>Ich bin ein Surfer, holt mich hier raus!</b><br />
<br />
Die vordringlichste Aufgabe sieht er dementsprechend in der Bewältigung der gigantischen &quot;Informationsflut&quot;. Abschließend sprach sich Neuberger entschieden für die Etablierung von &quot;Sortier- und Interpretationshilfen&quot; im Internet aus. Auch wenn die bereits vorhandenen Modelle der Qualitätskontrolle im Netz aus seiner Sicht bislang noch nicht richtig funktionieren, seien diese doch unerläßlich, um die &quot;neue Unübersichtlichkeit&quot; zu durchbrechen wie auch einen bestimmten Qualitätsstandard zu erhalten. Ohne die jeweiligen Angebote von Mediatoren, Suchmaschinen, Webkatalogen, Internetportalen, Peer-to-Peer-Angeboten, Weblogs etc., so Neubergers Fazit, drohe die verheißungsvolle Offenheit des Internets für alle Teilnehmer und Meinungen in ihr Gegenteil umzuschlagen: In einen für den einzelnen User nicht mehr überschaubaren Datendschungel, der es ihm unmöglich mache, zwischen seriösen Quellen und &quot;Informationsmüll&quot; zu unterscheiden.<br />

</p>
<table width="146" border="0" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
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			Erschienen am 28.01.2004
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<p></p>
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<td align="middle">
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<!-- Content Ende --></p>
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		<title>Spannungsfelder der Wissensgesellschaft</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/geheimniskramerei-im-amt/wissensgesellschaftspannung-shtml-2971/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Apr 2002 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geheimniskrämerei im Amt]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen macht Wert]]></category>
		<category><![CDATA[Informationstechnologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensmanagement]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsflut]]></category>
		<category><![CDATA[Resource]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsfreiheitsgesetz]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Einleitung in einen komplexen Gegenstand]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Einleitung in einen komplexen Gegenstand<!--break--></p>
<p>Schon 1973 veröffentlichte Daniel Bell seine<br />
                  <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3593335557/qid=1018522502/sr=1-2/ref=sr_1_0_2/028-3121851-5913359" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Thesen</a> vom Leben in einer &#8220;postindustriellen Gesellschaft&#8221;. Im Bereich der Wirtschaft vollzog sich ein Übergang von der güterproduzierenden zur Dienstleistungsgesellschaft. Damals zeigten sich tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen, die seit den 90er Jahren mit dem Begriff der &#8220;Wissensgesellschaft&#8221; gekennzeichnet werden. Die Begriffe wurden gewählt, um die gewachsene Bedeutung von &#8220;Wissen&#8221; als ein weiterer Produktionsfaktor neben Boden, Arbeit und Kapital zu erfassen. Wissen wird zu handelbaren Ware &#8211; Wissensarbeit zu unserem täglichen Brot. Aber Wissen ist auch ein öffentliches Gut, dass für alle frei zugänglich sein muss, will er oder sie in einer ausdifferenzierten und komplexen Gesellschaft überleben. Wissen ist speicherbar, sei es auf käuflichen Datenträgern oder in Form von geteilten Erlebnissen, die von Generation zu Generation kostenlos mitgeteilt werden.</p>
<p>Doch was ist das wirklich Neue? Schließlich galt noch in jeder Gesellschaft, dass Wissen Macht ist.<br />
                  <br />&#8220;Der Wissensraum ist so groß und im Prinzip frei wie nie, für den einzelnen kann er aber so klein bzw. kontrolliert werden, wie ebenfalls nie zuvor&#8221;, sagte der Konstanzer Medienwissenschaftler Rainer Kuhlen auf der letztjährigen Konferenz &#8220;Gut zu Wissen&#8221; der Heinrich-Böll-Stiftung im Interview mit<br />
                  <a href="/salon/transcripte/kuhlen.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital</a>.</p>
<p>Neue Informationstechnologien (IT) &#8211; vornehmlich das globale Internet &#8211; strukturieren Unternehmen, das Privatleben, aber auch die Politik neu. Die informationstechnologische Revolution schafft neue Handlungs- und Bewegungsspielräume, die die Wirtschaft z.T. radikal geändert haben: eCommerce, eBusiness. Innerhalb der Politik wird viel von eGovernment, eDemocracy oder eSociety gesprochen.</p>
<p>Wenn die oben genannte These von Rainer Kuhlen zutrifft, wird der Zugang zur Ressource in der entstehenden Wissensgesellschaft zur zentralen gesellschaftlichen Frage. Welches Wissen wird wie Nachgefragt und unter welchen Konditionen angeboten? Denn schon zu Zeiten der Industriegesellschaft war der Zugang zu den Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital von entscheidender Bedeutung. Daran scheint sich nichts grundlegendes geändert zu haben. Vielmehr kommt ein neuer Faktor hinzu und verändert das Verhältnis der Produktionsfaktoren untereinander.</p>
<p>Folgerichtig stellt die Konferenz<br />
                  <a href="/edemocracy/wissensgesellschaft/wissenswert.shtml">&#8220;WissensWert&#8221;</a> die Frage nach dem Zugang zur Ressource Wissen aus unterschiedlichen Perspektiven: wirtschaftliche, rechtliche und politische Aspekte kommen auf der Konferenz zur Sprache.</p>
<p>Im Zusammenhang damit steht die zentrale Fragestellung, wie das Verhältnis Staat-Bürgerinnen in der aufkommenden Wissensgesellschaft geregelt ist. Neben dem bekannten Schreckensbild des &#8220;gläsernen Menschen&#8221; steht das positive Leitbild des &#8220;gläsernen Staates&#8221;. Welche Informationen braucht der mündige Bürger vom Staat, um seinen demokratischen Pflichten nachzukommen?</p>
<p>Bisher war es aufgrund der in Deutschlands Amtsstuben herrschenden Verschwiegenheit und Geheimniskrämerei kaum möglich, Einblick in Akten zu erhalten. Im Informationsfreiheitsgesetz (IFG) soll nun geregelt werden, dass Jedermann/frau unter Wahrung des Datenschutzes ein Recht auf Auskunft hat. Dass dieses Recht, dass bisher nur in vier Bundesländer eingeführt wurde, bisher kaum genutzt wird, liegt schlicht an seiner geringen öffentlichen Bekanntheit. Die Wichtigkeit eines offenen Informationszuganges für ein funktionierendes demokratisches System und einer aufgeklärten Öffentlichkeit kann nicht genug betont werden. Das<br />
                  <a href="/edemocracy/wissensgesellschaft/redelfs.shtml">Interview</a> mit Manfred Redelfs beleuchtet die Bedeutung des IFG aus der Perspektive des Journalismus und zeigt die praktischen Folgen.</p>
<p>Doch warum hat Deutschland immer noch kein IFG? Diesen Mangel beleuchtet der<br />
                  <a href="/edemocracy/wissensgesellschaft/ifg.shtml">Artikel</a> von Mortimer Treichel.</p>
<p>Ein anderes Spannungsfeld liegt in dem schnellen Wachstum des Wissensangebotes, dass zu einer Informationsflut und dem Problem der Verarbeitung dieses Überangebotes führt. Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Wissensmanagement aus der Perspektive der Wirtschaftswissenschaften. Im<br />
                  <a href="/edemocracy/wissensgesellschaft/walger.shtml">Interview</a> mit Prof. Dr. Gerd Walger von der Privat-Universität Witten-Herdecke umschreibt er seinen Lösungsansatz mit dem Begriff des &#8220;Vergessensmanagement&#8221;.</p>
<p>Gerade da die Konturen ebenso wie der Begriff der Wissensgesellschaft noch unscharf und uneindeutig sind, ist es wichtig, den Weg Deutschlands in das Informationszeitalter mittels rechtlicher Grundlagen vorzugeben. Andererseits bedarf es der Suche nach Lösungspotentialen für die Spannungen zwischen der zunehmenden Kommerzialisierung und Verwertung von Wissen und der Bewahrung des öffentlichen Reichtums von Wissen.<br />
                  </p>
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		<title>Wissensmanagement + Vergessensmanagement = Wissensgesellschaft</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/uncategorized/wissensgesellschaft-walger-shtml-3141/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Apr 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsflut]]></category>
		<category><![CDATA[Resource]]></category>
		<category><![CDATA[Beratung]]></category>
		<category><![CDATA[Gerd Walger]]></category>
		<category><![CDATA[E-Government]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensmanagement]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Gespräch mit dem Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Gerd Walger, 
                  Universität Witten-Herdecke]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Gespräch mit dem Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Gerd Walger,<br />
                  <a href="http://www.uni-wh.de/de/wiwi/lehrstuhle/walger/index.htm?uni-wh" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Universität Witten-Herdecke</a><!--break--></p>
<p>                  <strong>politik-digital:</strong> Seit wann ist Wissensmanagement in Unternehmen ein Thema und welche Faktoren waren dafür ausschlaggebend?</p>
<p>
                  <strong>Dr. Gerd Walger:</strong> Wissensmanagement ist zunächst Thema in den großen Unternehmensberatungsgesellschaften geworden und zwar Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre. Beratungsgesellschaften haben das Problem, Wissen, das sich einzelne Berater in und für einzelne Beratungsprojekte erworben haben, auch anderen Beratern zweckentsprechend verfügbar und auf einfache Weise zugänglich zu machen. Ein solches Wissensmanagement ist für Beratungsgesellschaften wesentlich, da die Expertise ihrer Berater ihr wesentlicher Produktionsfaktor ist. Dabei wird Wissen als Bestand begriffen, der von der Person des einzelnen Beraters und seiner Erfahrung abgelöst werden kann. Erst dieses bestandsmäßige Verständnis von Wissen läßt Wissen besitzen, speichern und auf andere Berater übertragen. Einen Aufschwung genommen hat dieses Wissensverständnis nicht zuletzt mit der modernen Informationstechnologie.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Wird das Thema in Deutschland ausreichend berücksichtigt?</p>
<p>
                  <strong>Dr. Gerd Walger:</strong> Über die international tätigen Beratungsgesellschaften ist das Thema in Deutschland rasch aufgegriffen worden &#8211; zunächst in den Beratungsgesellschaften selbst und von da aus &#8211; als Beratungsleistung &#8211; auch bei den Klientenunternehmen. Einen Schub hat dabei die Entwicklung des Internets ausgelöst, mit dem per EDV auch auf einfache Weise auf Wissen ausserhalb des Unternehmens Zugriff genommen werden kann. Allerdings hat gerade diese Flut an Wissen, die über das Internet verfügbar wird, immer mehr die Frage aufkommen lassen, ob es sinnvoll ist, Wissen unabhängig und ohne Bezug auf seinen Entstehungs- und Verwendungskontext zu benutzen. Meine These lautet: Gerade die Wissensflut macht es erforderlich, im Hinblick auf die Anwendbarkeit von Wissen in einem bestimmten Anwendungskontext den Entstehungskontext des Wissens jeweils genau anzuschauen. Ich denke, dass Wissen seinen spezifischen Sinn und seine Bedeutung erst in seinem Kontext gewinnt. Erst die Bezugnahme auf den Entstehungs- und Anwendungskontext ermöglicht einen verantwortlichen Umgang mit den immensen und differenzierten Wissensbeständen gerade der heutigen Informationsgesellschaft.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Gibt es Ansätze, die sich auf den Bereich politische Kommunikation übertragen lassen? Beispielsweise gibt es Ansätze von Wissensmanagement im Rahmen der öffentlichen Verwaltung bei Bund, Ländern und Kommunen oder besteht da Nachholbedarf &#8211; auch im Hinblick auf die zu erwartenden Kosteneinsparungen bei gleichzeitig angespannten Haushaltslagen?</p>
<p>
                  <strong>Dr. Gerd Walger:</strong> Es gibt vielfältige Ansätze für Wissensmanagement im Rahmen der öffentlichen Verwaltung &#8211; ein Stichwort ist e-government. Schaut man sich das Geschehen genauer an, dann wird deutlich, dass das Thema vor allem über die Aufrüstung der Informationstechnologie angegangen wird. Was aus meiner Sicht fehlt, ist ein Wissensmanagement, das für den persönlichen und verantwortlichen Umgang mit Wissen steht. Dies ist eine Frage der Kompetenzentwicklung derjenigen, die sich tagtäglich mit Wissen auseinanderzusetzen haben. Wird hier investiert, so kann aus meiner Sicht viel gewonnen werden.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> &#8220;Nicht Wissensmanagement: Vergessensmanagement&#8221;: Was ist darunter zu verstehen?</p>
<p>
                  <strong>Dr. Gerd Walger:</strong> Meiner Ansicht nach weist der Begriff des Vergessensmanagements hin auf ein immer größer werdendes, wichtiges Problem, das es zu lösen gilt. Es handelt sich um das Problem der Überladung durch die wachsende Informationsflut. Die Lösung für dieses Problem sehe ich darin, selbst beurteilungsfähig zu werden, d.h. in die Lage zu kommen, selbstständig Wissen daraufhin zu prüfen, ob es sich für den jeweiligen Zusammenhang eignet. Dafür ist Nicht-Wissen wesentlich. Denn Nicht-Wissen ermöglicht es erst zu fragen und macht es sinnvoll, Wissen zu prüfen. Für die Prüfung von Wissen ist es notwendig, den Entstehungskontext des Wissens zu erinnern und die Frage zu klären, in welchem Verhältnis der jeweilige Anwendungszusammenhang zu dem Entstehungskontext des Wissens steht und was dies bedeutet. Dadurch dass dies jeweils neu im jeweiligen Anwendungszusammenhang zu prüfen ist, wird Wissen zu einem Ereignis.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Ist ihrer Meinung nach der Zugang zur Ressource Wissen in Deutschland angemessen geregelt?</p>
<p>
                  <strong>Dr. Gerd Walger:</strong> Ich denke, mit dem Internet ist der Zugriff auf Wissen für alle Menschen, die über einen Internetanschluß verfügen, so leicht geworden wie niemals zuvor. Die Regelung des Zugangs ist in diesem Sinne heute weniger denn je das Problem. Was fehlt, ist nicht der Zugang, sondern die persönliche Auseinandersetzung mit Wissen. Dies Problem betrifft Schulen, Universitäten und Weiterbildung gleichermaßen. Beobachtbar ist aus meiner Sicht ein Trend zur Verschulung auf allen Ebenen, d.h. z.B. dass Schüler und Studierende mit Wissen überhäuft werden. Demgegenüber fehlen Bildungskonzepte, die es ermöglichen zu lernen, sich selbstständig zu orientieren und eigenverantwortlich mit dem Wissen umzugehen. Es fehlen Bildungskonzepte, deren Ziel es ist, dass gelernt wird, Wissen selbstständig auf seine jeweilige Anwendbarkeit zu prüfen. Solche Konzepte zu entwickeln, betrachte ich als eine wichtige Aufgabe.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Welche betriebs- und volkswirtschaftliche Bedeutung hat das Wissen?</p>
<p>
                  <strong>Dr. Gerd Walger:</strong> Zur Beschreibung unserer Gesellschaft wird immer häufiger der Begriff der Wissensgesellschaft benutzt. Ich denke, der Begriff stimmt. Wissen ist mehr denn je für die Entwicklung eines Unternehmens und einer Volkswirtschaft entscheidend. Aus meiner Sicht ist dabei gerade die Prüfung des Wissens, seiner Bedeutung und Reichweite wesentlich. Nur wenn sie erfolgt, handelt es sich um tragfähiges Wissen. Denken Sie z.B. an Existenzgründer in der Entscheidung, sich selbstständig zu machen: sie können nur gründen und das damit verbundene Risiko eingehen, wenn sie sich ihres Wissen über den Markt und über die eigene Produktreife persönlich vergewissern.<br />
                  </p>
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