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	<title>Innovation &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Innovation &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Wissenschaftsjahr 2018 – Arbeit, Innovation und Gleichstellung in der Zukunft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Philip Matthiessen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Oct 2018 08:35:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Arbeit und Arbeiten verändern sich so rasant wie nie zuvor. Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte kommunizieren direkt miteinander, wodurch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-155388" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbildcut.jpg" alt="Titelbildcut" width="922" height="500" />Arbeit und Arbeiten verändern sich so rasant wie nie zuvor. Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte kommunizieren direkt miteinander, wodurch neue Arbeitswelten entstehen. Diese so konkret und anschaulich wie möglich darzustellen, hat sich die Veranstaltung &#8220;Wissenschaftsjahr 2018 – Arbeitswelten der Zukunft&#8221; als Ziel gesetzt.</p>
<figure id="attachment_155410" aria-describedby="caption-attachment-155410" style="width: 192px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="  wp-image-155410" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CareJackcut1-305x464.jpg" alt="" width="192" height="292" /><figcaption id="caption-attachment-155410" class="wp-caption-text">Care Jack</figcaption></figure>
<p>Im Fokus steht dabei vor allem die Frage nach Reichweite und Tiefe der Veränderungen in der Arbeitswelt. Beispielhaft wurden einige innovative Ansätze in der <a href="https://www.fraunhofer.de/de/veranstaltungen-messen/veranstaltungen/zukunftsarbeit.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fraunhofer-Erlebniswelt #Zukunftsarbeit</a> als interaktive Exponate präsentiert, die zukünftig Bereiche wie Produktion, Medizin oder Pflege verändern werden.</p>
<p>Dazu gehört z.B. der Care Jack, ein an den Menschen angepasstes Geschirr, das den Arbeitenden bei schwerer körperlicher Arbeit unterstützt. Er erkennt korrekte Hebebewegungen oder weist daraufhin, wie Gewicht noch besser verteilt werden kann. Außerdem kann er dem Nutzer beim in die Knie gehen durch mechanische Federsysteme das Heben schwerer Last erleichtern.</p>
<p>Ein weiteres spannendes Beispiel ist das Perceptual User Interface System, das dem Computer durch Kameras und Projektoren ermöglicht, mit dem oder der ProduzentIn zu interagieren. Das System kann dem oder der Produzierenden auf das Produkt Montageanweisungen projezieren, die korrekte Montage prüfen oder Materialfehler, die der oder die Produzierende entdeckt, ins System aufnehmen und zur Ausbesserung weiterleiten. Und das alles ohne Tablet, PC oder sonstige Hilfsmittel.</p>
<p>Doch wer entwickelt eigentlich solche intelligenten Helfer und wie sieht es in Forschung und Technik mit der Gleichstellung zwischen Männern und Frauen aus? Dieser Frage widmete sich die Diskussionsrunde „Frauen in der Tech-Szene“, die am vorletzten Tag der Veranstaltungsreihe stattfand.</p>
<h3>Frauen in der Tech-Szene</h3>
<p>Die Techbranche ist so zukunftsrelevant wie kaum eine andere, das steht fest. Gerade dort ist es daher wichtig, für Diversität und Perspektivenpluralismus zu sorgen. Aktuell wird die Szene aber deutlich von Männern dominiert, besonders in der Führung. Warum besteht dieses Verhältnis und welche Wege führen heraus? Diesen und anderen Fragen stellten sich die Diskussionsteilnehmer Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Leiter der Abteilung &#8220;Forschung für Digitalisierung und Innovationen&#8221; des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), Katharina Hochfeld, stellvertretende Leitung des Center for Responsible Research and Innovation des Fraunhofer IAO und Christine Henning von der Gesellschaft für Informatik (GI), Fachgruppe &#8220;Frauen und Informatik in der GI&#8221;.</p>
<p>Die Forscherin Hochfeld stellte fest, der Großteil der Organisationen, Unternehmen wie öffentliche Einrichtungen, hätten eigentlich erkannt, dass sie für Gleichstellung sorgen müssten und riefen verschiedene Diversity-Programme ins Leben. Trotzdem sei der Erfolg bisher nur mäßig eingetreten, was zeige, dass die Gründe tiefer lägen. Wichtigster Faktor wären die Stereotypen, die zwar menschlich seien, aber eben bedeutende Nachteile mit sich brächten. Die Untersuchung des Fraunhofer IAOs zeigte, dass vor allem die Zuschreibung von Fähigkeiten zentral für die Unterschiedlichkeit der Karriereerfolge ist. Männer und Frauen sind sich einig, wer erfolgreich sein will, benötigt Durchsetzungsvermögen und die Fahigkeiten des Selbstmarketings und des Networkens. Wurden die Teilnehmer der Untersuchung aber gefragt, welche Attribute sie Frauen oder Männern zuschreiben würden, antwortete die Mehrheit mit denselben Kategorien bei der Beschreibung der Männer. Frauen wurden aber eher Attribute wie Teamfähigkeit oder Empathie zugeschrieben. Diese ungleiche, in großen Teilen unbewusste, Beurteilung prägt das Geschlechterverhältnis in Organisationen maßgeblich.</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Faktor sei die Veränderung der Kommunikation und Arbeitsweise der männlichen Kollegen, sobald eine Frau in die Abteilung oder das Team eintritt, so Hochfeld weiter. Viele hätten das Gefühl sich in ihrem gewohnten Umgang untereinander beschränken zu müssen und würden daher männliche Kollegen bevorzugen.</p>
<p>Die Informatikerin Henning betonte, dass diese Beurteilung auch schon in der Schule problematisch sei und dazu führe, dass Mädchen empfohlen würde: &#8220;Mathematik studieren ist doch zu schwer, versuch lieber etwas anderes.&#8221; Diese Mädchen, gerade auch in den ländlichen Regionen, müssten schon früh dabei unterstützt werden, mutig voranzuschreiten und sich in der Studien- und Berufswahl nicht von Geschlechterrollen beeinflussen zu lassen.</p>
<figure style="width: 305px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-155392 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/PerceptualUserInterfacecut-305x153.jpg" alt="PerceptualUserInterfacecut" width="305" height="153" /><figcaption class="wp-caption-text">Perceptual User Interface&nbsp;</p>
<p></figcaption></figure>
<p>Prof. Dr. Lukas stimmte seinen Diskussionspartnerinnen zu und sieht ein Push- and Pull-Modell als Weg, um Gleichstellung im Berufsleben und speziell in der Tech-Branche zu erreichen. Auf der einen Seite müssten, wie Henning schon betonte, junge Frauen bei der Karrierewahl motiviert werden, nicht-traditionelle Tätigkeiten und Studiengänge auszuwählen. Dazu könnten die Stärkung von Vernetzung und interdisziplinärem Lernen in der Schule und z.B. auch die Auflösung der Prädestination des Karriereweges durch die Leistungskurswahl, wie Hochfeld anmerkte, dienen. Auch monoedukative Modelle, wie Mädchenschulen, die mitunter viel höhere Zahlen von Studierenden der MINT-Fächer, Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik unter den Absolventinnen aufweisen würden, könnten hilfreich sein, so Henning.</p>
<h3>&#8220;Wir müssen bei den Führungskräften anfangen.&#8221;</h3>
<p>Auf der anderen Seite stehe, laut Lukas, aber das Vorleben von Gleichstellung in den Eliten der Gesellschaft. &#8220;Wir müssen bei den Führungskräften anfangen.&#8221; Nur so könnten Vorbilder erzeugt werden, die jungen Frauen anziehen und bei der Berufswahl helfen könnten. Wichtig sei im späteren Berufsleben auch die Veränderung der Arbeitsverhältnisse hinsichtlich der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, so Hochfeld. Viele Frauen mit bedeutenden Karriere würden ähnlich leben wie die erfolgreichen männlichen Kollegen. Zuhause übernehme dann häufig der Mann mehr familiäre Pflichten, was die gleichen negativen Folgen für die Partnerschaft haben könne.</p>
<p>Abschließend sind sich die Diskutierenden einig, Frauen müssten in Machtfragen stärker für ihre Position kämpfen und auf ihren Zielen beharren. Dieses Einfordern müsse jetzt geschehen und gemeinsam mit einem strukturellen Wandel in der Förderung junger Mädchen einhergehen, da das Bewusstsein dafür in der Gesellschaft nie größer war als heute. Nur so kann Gleichstellung in allen Branchen und speziell in der Tech-Branche ermöglicht werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Titelbild: Redaktion, CC-BY-SA 3.0</h3>
<h3>Bilder im Text: Redaktion, CC-BY-SA 3.0</h3>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Smart Cities: Eine Reise durch die Städte von morgen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lea Herrmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jul 2018 08:53:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Urbanisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Strom-Sharing mit den Nachbarn, Polizei-Roboter mit Webcam oder Stadtnutzungsdaten, die für alle Anwohnerinnen und Anwohner frei zugänglich sind. Sogenannte „Smart [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Teaser-Bild-Smart-City.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-154874 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Teaser-Bild-Smart-City.png" alt="12019 via Pixapay, CC0, bearbeitet. Manuchi via Pixabay, CCo, bearbeitet." width="640" height="350" /></a>Strom-Sharing mit den Nachbarn, Polizei-Roboter mit Webcam oder Stadtnutzungsdaten, die für alle Anwohnerinnen und Anwohner frei zugänglich sind. Sogenannte „Smart Cities“ sollen den Problemen der steigenden Urbanisierung mit Hilfe von modernster digitaler Technik kreativ entgegenwirken. Doch was ist dran an den Lösungsansätzen der Digitalisierung? Bietet das digitale Zeitalter ausreichend Möglichkeiten, die wachsenden Herausforderungen des Städtewachstums zu meistern oder droht dabei eine Kollision mit dem Datenschutz? In unserer Sommerreihe stellen wir fünf Beispiele aus Großstädten vor, in denen die Smart City längst zur Realität geworden ist.</p>
<p>Im Jahr 2050 werden voraussichtlich rund <a href="https://esa.un.org/unpd/wup/publications/files/wup2014-highlights.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">75% der Weltbevölkerung</a> in urbanen Regionen ansässig sein, Tendenz steigend. Wachsende Treibhausgasemissionen, ein Mangel an Wohnraum und eine nicht ausreichende Infrastruktur sind nur einige Beispiele für die Probleme, die steigende Urbanisierung mit sich bringt. Die Smart City – die intelligente und vernetzte Stadt – ist zum Schlagwort für die Lösung dieser Probleme avanciert. Laut dem „Committee of Digital and Knowledge-Based Cities“ ist die Smart City eine Stadt, in der Ziele wie Nachhaltigkeit, Wirtschaftswachstum und ein hoher Lebensstandard mit Hilfe von modernsten Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) umgesetzt werden. Kurz gesagt, eine Smart City setzt IKT gezielt ein, um das Leben in der Stadt auf vielfältige Art und Weise zu verbessern. Dabei gilt vor allem das Gebot der Effizienz, denn Zeit-, Geld- und Energieersparnis sind die deklarierten Ziele der intelligenten Stadt. Verbesserte Infrastruktur, intelligenter Wohnraum oder mehr Sicherheit sind nur wenige Beispiele für die potentiellen Gewinne der Smart Cities, wie in diese <a href="https://de.rs-online.com/web/generalDisplay.html?id=i/smart-city-technologien-einfach-erklart" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Infografik</a> dargestellt. Vor allem in Kombination mit den sich verändernden Werten und Einstellungen der <a href="https://www.zeit.de/2013/11/Generation-Y-Arbeitswelt" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Generationen Y und Z</a>, die andere Ansprüche an das Leben in der Stadt stellen als vorherige Generationen, erscheinen neue Gestaltungsansätze essentiell.</p>
<h3>Grenzgebiet Datenschutz und Finanzierung</h3>
<p>Ungeachtet der Vorteile der Smart City bereitet vor allem die Frage nach dem Datenschutz vielerorts Sorge. Müssen Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch Besucherinnen und Besucher explizit ihre Erlaubnis geben, wenn die Straßenlaterne in ihrer Straße zukünftig Bewegungsmuster speichert? Welche Rückschlüsse erlaubt der von einem Smart Meter protokollierte Stromverbrauch über mein Leben? Und wer erlaubt dem „Robo Cop“ (zu dt.: Polizei-Roboter) eigentlich, mich zu filmen, während ich meine täglichen Einkäufe in der Stadt erledige? Besonders für die Bewohnerinnen und Bewohner der intelligenten Stadt könnte der Schutz ihrer Daten zum Problem werden. Denn eine Stadt, die die Daten ihrer Bürger ungefragt sammelt, stößt auch auf Widerstand. So hat die Stadt Oakland im US-Bundesstaat Kalifornien im Mai dieses Jahres beispielsweise ein neues Gesetz erlassen, das dieses Problem aufgreift. Entschieden wurde, dass eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern einen Bericht über die Auswirkungen von neu in der Stadt eingesetzten Technologien verfasst. Von dieser Bewertung hängt dann ab, wie diese Technologie zukünftig in der Stadt eingesetzt wird. Ein erster Versuch einer Stadt, ihren Bürgerinnen und Bürgern mehr Gestaltungsfreiräume im Hinblick auf die Entwicklung ihres Umfelds zu gewähren.</p>
<p>Neben dem Datenschutz stellt sich auch die Frage nach der Finanzierung der Städte von morgen. Tech-Konzernriesen wie Intel oder Huawei sehen in aufwändigen Pilotprojekten ihre Chance, den technologischen Wandel im Bereich Stadtentwicklung zu beflügeln. Da die eigene Technologie dabei selbstverständlich als Universallösung vermarket wird, kommt technischen Mängeln oder preisgünstigeren Alternativlösungen unter Umständen nicht die Aufmerksamkeit zu, die ihnen zusteht. Auf Grund der fehlenden finanziellen Mittel bleibt der Markt der Zukunftsstädte daher nur bedingt ein Markt, der bottom-up von den Bewohnerinnen und Bewohnern der Städte gestaltet werden kann.</p>
<h3>Der Begriff „SmartCity“ bleibt vor allem eines: abstrakt</h3>
<p>Unabhängig von seinen Vor- oder Nachteilen ist der Begriff „Smart City“ ist zum Buzzword für Innovation und Zukunftsvision geworden. Dabei bleibt er vor allem eines: abstrakt. Was genau an der Smart City eigentlich smart ist, darunter können sich viele Bürgerinnen und Bürger noch immer wenig vorstellen. Eine <a href="https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Was_die_Deutschen_ueber_Algorithmen_denken.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie der Bertelsmann Stiftung</a> beispielsweise zeigt, dass 45% der Befragten zum Begriff „Algorithmus“ spontan nichts einfällt. Weitere 43% der Befragten sind unentschieden, ob Algorithmen mehr Chancen oder Risiken bedeuten. Diese Ergebnisse untermauern ein Problem, das in vielen Bereichen auftritt, in denen der technologische Fortschritt Einzug hält. Vor allem das fehlende technologische Verständnis verursacht Berührungsängste bei Userinnen und Usern. Ähnlich geht es der Smart City. Fehlendes technisches Know-How verstärkt das Gefühl des Kontrollverlustes. Rasante technologische Entwicklungen, so gewinnbringend sie auch sein mögen, erfordern gerade deshalb auch immer eine Betrachtung und Akzeptanz von allen Seiten. Dabei sollte gerade Fachfremden ermöglicht werden, sich ausreichend zu informieren.</p>
<h3>Die Sommerreihe „Smart Cities: Eine Reise durch die Städte von morgen“</h3>
<p>Auch wenn sich Befürworter und Gegner noch nicht einig sind, wie die Umsetzung der Smart City voranschreiten soll, so ist vor allem eines sicher: Die Smart City kommt. Vielmehr noch, an vielen Orten ist sie – zumindest in Teilbereichen &#8211; bereits zur Realität geworden. Dabei bieten sich neben Vorteilen für Bewohnerinnen und Bewohner auch attraktive Investitionsmöglichkeiten für Wirtschaft und Handlungspotenziale für die Politik. Der Markt wächst und es gilt, sich umzuschauen. Wie setzen andere Städte Projekte um, die ihrer Stadt zu einer intelligenten und vernetzten Zukunft verhelfen sollen?</p>
<p>In unserer Sommerreihe stellen wir fünf konkrete Beispiele vor, die zeigen, dass die Smart City kein Begriff ist, der abstrakt blieben muss. Wir beleuchten Projekte aus Großstädten rund um den Globus und berichten dabei nicht nur über deren Aufbau, sondern fragen auch nach dem Mehrwehrt, den das Projekt für Verbraucherinnen und Verbraucher darstellt. Wie steht es um den Datenschutz der einzelnen Projekte und wie finanziert sich das, was nach einer glänzenden Zukunft aussieht? Unsere Reise durch die Städte von morgen bietet erste Antworten.</p>
<p><strong><em>Teil 1 befasst sich mit dem Projekt <a href="https://politik-digital.de/news/smart-citiesteil-1-rio-de-janeiro-154888/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Smart Favelas in Rio de Janeiro</a>. Die weiteren Stationen auf unserer Smart-City-Reise sind: <a href="https://politik-digital.de/news/smart-cities-teil-2-kopenhagen-154895/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kopenhagen</a>, <a href="https://politik-digital.de/news/smart-cities-teil-3-dubai-154901/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dubai</a>, <a href="https://politik-digital.de/news/smart-cities-teil-4-wien-154912/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wien</a> und <a href="https://politik-digital.de/news/smart-cities-teil-5-santander-154917/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Satander</a>.</em></strong></p>
<hr />
<p>Titelbild: Hong Kong via <a href="https://pixabay.com/de/hong-kong-stadt-st%C3%A4dtischen-1990268/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pixabay</a>, <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a>, bearbeitet. Manuchi via <a href="https://pixabay.com/de/hintergrund-zusammenfassung-linie-2462431/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pixabay</a>, <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a>, bearbeitet.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>EU: Datenschutz als Chance für Innovationen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/eu-datenschutz-grundverordnung-147011/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Teresa Keil]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Oct 2015 15:20:19 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Yves Bot]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
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		<category><![CDATA[Datenschutz-Grundverordnung]]></category>
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		<category><![CDATA[Friedemann Ebelt]]></category>
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		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit Jahren bemüht sich die EU, eine zeitgemäße Datenschutz-Grundverordnung zu verabschieden. Noch dieses Jahr sollen die Verhandlungen zu einem Ergebnis [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/4367213556_1cd28e2c07_b.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-147061 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/4367213556_1cd28e2c07_b.jpg" alt="4367213556_1cd28e2c07_b" width="640" height="280" /></a>Seit Jahren bemüht sich die EU, eine zeitgemäße Datenschutz-Grundverordnung zu verabschieden. Noch dieses Jahr sollen die Verhandlungen zu einem Ergebnis führen &#8211; was muss die Reform beinhalten, was bedeutet das für Europa und wo steht die USA?</p>
<p>Am 16. September nahmen die drei Parteien, EU-Kommission, EU-Parlament und EU-Rat ihre Trilog-Verhandlungen zur neuen Datenschutzverordnung wieder auf. Seit die Kommission Anfang 2012 ihre Entwürfe vorlegte, sind die drei Institutionen in regem Austausch und änderten die Entwürfe regelmäßig ab. Nun liegt es an Rat und Parlament, sich zu einigen. Doch die Themen, bei denen Uneinigkeit herrscht, sind nicht nebensächlich oder von minderer Wichtigkeit. Ganz im Gegenteil: Es wird sehr deutlich, mit welch unterschiedlichem Ansatz Rat und Parlament die Sache angehen. So will der Rat der Europäischen Union gewisse Punkte möglichst locker und vage formulieren, um zukünftigen Geschäftsmodellen der Datenverarbeitung keine Steine in den Weg zu legen. Das EU-Parlament hingegen spricht sich für den höchsten Schutz der EU-Bürger.innen, auch über Ländergrenzen hinweg, aus. Die endgültige Fassung soll noch Ende dieses Jahres vorliegen und die aktuell gültige <del>Verordnung</del> [Korrektur:] Richtlinie von 1995 ablösen.</p>
<p>Bei einem Sachgebiet, das sich schneller verändert und rasender wächst als Bambus, stellt sich aber die Frage: können die Gesetze von heute auch in drei oder fünf Jahren noch sinnvoll sein? Und in 10? Zudem herrscht eine gewisse Skepsis bei Beobachter.innen der Verhandlungen bezüglich der Wirtschaftslobby. Die soll starken Einfluss auf Entscheidungsträger.innen verübt haben, denn wie es oft heißt, schließen sich freie Wirtschaft und höchstmöglicher Schutz der EU-Bürger.innen gegenseitig aus. Dennoch gibt es interessante Ansätze, die vom Gegenteil überzeugen.</p>
<blockquote><p>„Mit der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) schafft die Europäische Union (EU) weltweit erstmals eine umfassend direkt anwendbare supranationale Datenschutzregelung.“ (Thilo Weichert (2015): Europas Datenschutz)[1]<a href="#sdfootnote1sym" name="sdfootnote1anc"></a></p></blockquote>
<p>Dreh- und Angelpunkt der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung ist die Harmonisierung. Das bedeutet, dass es einheitliche Standards in allen EU-Ländern gibt, was es sowohl Unternehmen als auch Bürgern.innen und Regierungen erleichtert, sich zurecht zu finden. Mit 3000<em>[2]</em><a href="#sdfootnote2sym" name="sdfootnote2anc"></a> Änderungsanträgen versuchten Lobbygruppen Einfluss auszuüben. Auf dem Portal „LobbyPlag.eu“ wurden einige der Anträge analysiert. Von 517 untersuchten Anträgen zielten über 400 auf eine Absenkung der Datenschutzstandards, nur die übrigen hundert anderen versuchten die Standards zu heben. Die Verbindung zur Wirtschaftslobby liegt nahe, diese kommt dennoch nicht an einer Sache vorbei: dem Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention. In diesem werden das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens geregelt und die Bürger.innen und ihr Privatleben geschützt.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"></p>
<h3>Hintergrundinfo</h3>
<ul>
<li>europäischer Binnenmarkt erforderte übergreifenden Datenschutz</li>
<li>Europäische Datenschutzrichtlinie, 1995</li>
<li>Weitere Regelungen folgten oder wurden überarbeitet</li>
<li>Neue Technologien  machen eine Reform dennoch unbedingt notwendig</li>
<li>Ziel der Reform: Datenschutzrecht harmonisieren, „Recht auf Vergessen“, Unabhängigkeit der Datenschutzbehörden verbessern, Regelungen über den Datentransfer in Drittstaaten optimieren.</li>
</ul>
<p></div></div>
<p>Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte urteilte, dass das systematische Sammeln und Speichern, auch von öffentlichen Daten, gegen Artikel 8 der EMRK verstoßen kann.</p>
<p>Das Thema erfordert höchste Verhandlungskompetenzen aller Beteiligten, denn es soll eine direkt anwendbare Verordnung dabei entstehen, die so wie sie verhandelt wird dann für alle EU-Staaten gleichermaßen gilt.</p>
<h3>Fünf Mindestanforderungen</h3>
<p>politik-digital.de sprach mit Friedemann Ebelt von <a href="https://digitalcourage.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digitalcourage</a> e. V. über seine Position zu der neuen Verordnung und die roten Linien, die nicht überschritten werden dürfen. Klare Worte findet Digitalcourage zu Datensparsamkeit, Zweckbindung, Profiling, Auskunftsrecht und Datenportabilität. Das wird in dem Aufsatz „Fünf rote Linien für Datenschutz in Europa“ (von Dennis Romberg) dargelegt. Der Verein spricht sich dafür aus, dass Datensammlung auf ein Minimum beschränkt werden muss und ein Datensammeln auf Vorrat verhindert werden soll. Zudem müsse die Verarbeitung der Daten nachvollziehbar sein und an einen vorher bekannten Zweck unumgänglich gebunden werden. Auch soll kein.e Nutzer.in einen Nachteil erfahren, weil er oder sie einer Anwendung das s.g. Profiling nicht erlaubt. Dieses beinhaltet, dass Bewegungs- , Kauf-, und Kommunikationsprofile von Nutzer.innen angelegt werden. Eine Verwehrung des Dienstes, nur weil ein.e Nutzer.in die Anlegung solch eines Profils verweigert, ist inakzeptabel und diskriminierend. Digitalcourage spricht sich zudem für ein kostenfreies Auskunftsrecht aus. Jede.r Bürger.in soll erfahren dürfen, welche Daten über ihn/sie erhoben und gespeichert wurden. Als letzte rote Linie sieht die Organisation die Ermöglichung von Datenportabilität vor: Jede.r Nutzer.in soll seine Daten von einem Anbieter auf einen anderen übertragen können. Das ist wichtig für den Wettbewerb zwischen Anbietern und für die Entscheidungsfreiheit von Nutzer.innen. Solange diese fünf Prinzipien nicht mit der neuen Verordnung geltend gemacht werden, wird sie laut Digitalcourage nutzlos sein. Auf keinen Fall dürfe die neue Verordnung hinter die derzeit gültige von 1995 zurückfallen.</p>
<h3>Viel Potenzial für den europäischen Markt</h3>
<p>Auf die Sorge, die Datenschutzverordnung könnte bei in Kraft treten schon wieder veraltet sein, da technologischer Fortschritt die Verhandlungen einholen wird, gab Ebelt eine Antwort, die zum Nachdenken anregt: Was, wenn die neue Verordnung die Geschäftsmodelle der Zukunft nicht verbaut, sondern gar eigene Innovationen hervorrufen würde, die den Europäische Raum sogar stärken?</p>
<p>Damit ist gemeint, dass die neue Verordnung europäische Unternehmen und Dienstleister dazu zwingt, datenschutzfreundliche Anwendungen bereitzustellen. Also E-Mail-Dienste, die mit Verschlüsselungstechniken arbeiten, neue Software, die vor Hackangriffen sicher ist und z.B. autonomes Fahren ultimativ schützt, sowie soziale Netzwerke mit benutzerfreundlichen Voreinstellungen. Mit der neuen Verordnung erwartet die Europäische Union ein großes Potenzial: einen Markt mit Daten schützenden Diensten zu eröffnen, den es sonst auf der Welt so nicht gibt.</p>
<p>Das derzeitige Problem liegt laut Friedemann Ebelt zu einem großen Teil in dem Trend, kostenfreie Dienste anzubieten. Allerdings ist der Service nur augenscheinlich kostenfrei, denn bezahlt wird nicht mit Geld, sondern mit Daten. Es sei also wichtig, die Unternehmen und Anbieter zum Umdenken zu bringen &#8211; statt kostenlose Anwendungen lieber Dienste mit Datenschutzvorkehrungen, dafür zu einem erkennbaren Preis.</p>
<p>Die Nutzer.innen werden ein tieferes Vertrauen in europäische Dienstleistungen entwickeln, was ein deutlicher Wettbewerbsvorteil wäre.</p>
<h3>Safe Harbour Abkommen mit USA – noch gültig?</h3>
<p>Der aktuell meist genutzte Anbieter eines sozialen Netzwerks geriet aufgrund mangelnden Datenschutzes vor kurzem in die Schlagzeilen. Die Rede ist von Facebook und dem Kläger Max Schrems, welcher auf das Safe Harbour Abkommen zwischen EU und USA aufmerksam machte. Das Problem hierbei: Facebook darf laut Abkommen Daten von EU-Bürger.innen in den USA lagern. Dort sind sie aber vor dem Geheimdienst (NSA) nicht geschützt, wie mit der Snowden Enthüllung bekannt wurde. Dies verstößt gegen das bereits genannte Menschenrecht auf Achtung der Privatsphäre (Artikel 8 des EMRK). Der Generalanwalt Yves Bot erklärte das Abkommen für ungültig. Friedemann Ebelt erkennt darin etwas positives, denn der Fall verdeutlicht, dass das Safe Harbour Abkommen die Daten der Menschen nicht schützt. Für die neue Datenschutzverordnung sei das aber nicht weiter von Bedeutung, denn der Datenverkehr zwischen EU und Drittstaaten müsse mit eigenen Abkommen geregelt werden. In Bezug auf die USA werden TTIP und TiSA dabei eine erhebliche Rolle spielen. Für die Europäische Datenschutzverordnung ist aber eins dennoch wichtig: Möchten Anbieter von sozialen Netzwerken und Dienstleistungs-Portalen aus Drittstaaten ihre Dienste innerhalb der Länder der EU anbieten, müssen auch diese sich an die neue Verordnung halten. Ein verpflichtender Firmensitz im jeweiligen Land sichert die Auskunftsrechte der Nutzer.innen und vereinfacht die Kontrollierung rechtlicher Anforderungen.</p>
<p>Der Fall um Facebook bewirkte, dass die Dringlichkeit eines europäischen Datenschutzes nochmals erkennbar wurde, das Problem der Geheimdienste nochmals verdeutlicht. Eine Reform der Datenschutzverordnung ist also dringend notwendig, dennoch so Ebelt, liegt es jetzt an uns, gewisse Grundelemente des Datenschutzes einzufordern. Demokratische Prinzipien wie Entscheidungsfreiheit, Gleichberechtigung und Schutz der Privatsphäre dürfen nicht untergraben werden, das steht fest.<a href="#sdfootnote1anc" name="sdfootnote1sym"></a></p>
<p>[1]DANA 2015, Rote Linien, S. 112 <span lang="zxx"><a href="https://www.datenschutzverein.de/wp-content/uploads/2015/08/DANA_3-2015_RoteLinien_Web.pdf">https://www.datenschutzverein.de/wp-content/uploads/2015/08/DANA_3-2015_RoteLinien_Web.pdf</a></span></p>
<p>[2]DANA 2015, Rote Linien, S. 115</p>
<p id="sdfootnote2">Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/vicc/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Victoria Ristenbatt and Scott Redding</a> <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-SA 2.0)</a></p>
<p><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-130752" src="http://i0.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png?resize=305%2C53" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></p>
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		<title>Telegraphenlunch zum Thema &#034;Digitale Deformation&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/telegraphenlunch-vom-15-04-14-139082/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jakob Werlitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Apr 2014 09:04:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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		<category><![CDATA[Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Kulturverlust]]></category>
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					<description><![CDATA[Beim Telegraphenlunch der Deutschen Telekom stand am 15. April nichts weniger zur Debatte als der kulturelle Wandel selbst. Verlernen wir [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Deformation2.png"><img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Deformation2.png" alt="Deformation2" width="640" height="300" class="alignnone size-full wp-image-139095" /></a><br />
Beim Telegraphenlunch der Deutschen Telekom stand am 15. April nichts weniger zur Debatte als der kulturelle Wandel selbst. Verlernen wir in der digitalen Gesellschaft substanzielle Fähigkeiten oder sind Kulturtechniken wie die Handschrift und das Kopfrechnen letztlich entbehrlich? Dabei waren sich die zwei Podiumsgäste, Autorin Kathrin Passig und Design-Professor Reto Wettach, schon früh darin einig: Eine einseitige Betrachtung ist keine Lösung. Auch die negative Pointierung des Titelthemas mochten die zwei Impulsgeber nicht so recht mittragen.<br />
So warb die Autorin des Buches „Internet &#8211; Segen oder Fluch“ Kathrin Passig schon zu Beginn ihres Beitrags für eine differenzierte Betrachtung des Themas. Jede Innovation habe ihre Kehrseite, und überall, wo neue Wege zu arbeiten, zu denken und sozial zu interagieren entstünden, würden alte Formen des Handelns verblassen. Passend zum Anlass stimme auch hier die alte Weisheit: &#8220;There ain&#8217;t no such thing like free lunch&#8221;.<br />
Wir sollten uns angesichts des Wandels weder in reflexartige Verurteilungen noch in Lobeshymnen stürzen, sondern die stattfindenden Veränderungsprozesse genau analysieren. Ob das Bahnfahren oder der Buchdruck, jede neue Entwicklung stellte den Menschen auch vor neue Herausforderungen. Passig plädierte dafür, die Anpassungsleistungen der Menschen aufmerksamer zu betrachten.</p>
<h3><strong>Neukonfiguration statt Deformation</strong></h3>
<p>Auch Reto Wettach, Professor an der FH Potsdam und Gründer der Designschmiede IXDS, wandte sich klar gegen eine pessimistische Lesart der Digitalisierung. Zwar ließe sich durchaus eine gewisse Verarmung unserer körperlichen Fähigkeiten beobachten, es sei jedoch nur eine Frage der Zeit und der Kreativität, bis der Mensch lerne, sein gesamtes Potenzial im Internet und über Gadgets einzusetzen: „Ich bin nicht davon überzeugt, dass wir den Schatz, den wir als Menschen mitbekommen haben, voll ausschöpfen“. Mit der richtigen Technik, so der Designer, würden dem Menschen auch gänzlich neue Welten und Möglichkeiten der Wahrnehmung eröffnet werden.<br />
Auch Innovationsreichtum und Experimentierfreude würden durch die Unverbindlichkeit der digitalen Lebenswelt drastisch zunehmen, obgleich Wettach sich auch skeptisch zeigte gegenüber einer Kultur, die nach dem Motto „Apfel-Z geht immer“ funktioniere. Risiko- und Verantwortungsbewusstsein würden in Zeiten vielfältiger Alternativen und permanenter Backups einem nicht unerheblichen Wandel unterzogen.</p>
<h3><strong>„Es ist anstrengender geworden“ </strong></h3>
<p>Einen weiteren interessanten Punkt erreichte die Debatte, als Moderator Wieprecht (Radio Eins) seine Sorge um die Überforderung des menschlichen Gehirns durch die expandierenden und beschleunigten Informationsströme zum Ausdruck brachte. Klar sei auch dies ein ewiges Thema der Moderne, aber in der heutigen Zeit von umso größerer Bedeutung. Wo liegen beispielsweise die Grenzen menschlicher Aufnahmefähigkeit? Reto Wettach plädierte dafür, eine Balance aus Selektion, Oberflächlichkeit und Tiefgründigkeit herzustellen, um die Vielfalt an Information kreativ und variabel zu nutzen. „Das nötige Maß an Desinformation macht den Dialog spannend“, so seine These.</p>
<h3><strong>Die Unsicherheit aushalten</strong></h3>
<p>Insgesamt warf die Runde immer wieder interessante Schlaglichter und stellte wichtige Fragen zur Diskussion. Dennoch verpasste man es an der einen oder anderen Stelle, auf diese vertieft einzugehen. Stattdessen wurde über fehlgeleitete Navigationssysteme sinniert, Technikskeptizismus als typisch deutsch und konservativ verabschiedet und Kritik immer wieder mit den Einwänden gegenüber heute akzeptierten Entwicklungen gleichgesetzt, wie dem Zugfahren, dem Fernsehen oder der Tageszeitung. Auch die anschließende Zuschauerdiskussion zeichnete sich vor allem durch die von Kathrin Passig thematisierten verhärteten Fronten aus: Alt und jung, digital versus analog, Schriftkultur gegen Netzwelt. Am Ende bleiben viele gute Fragen und ein großes Fragezeichen.<br />
Bild: NASA per <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:AC89-0437-20_a.jpeg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikimedia Commons</a><br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></p>
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		<title>Durch die Decke denken: Interview mit Juergen Erbeldinger</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 May 2013 10:46:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
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		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Juergen Erbeldinger]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn wir vor einem Problem stehen, haben wir die Lösung häufig schon im Kopf und kommen immer wieder zu den [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a style="font-size: 16px" href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bild_Designthinking1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-128936" alt="Bild_Designthinking" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bild_Designthinking1.jpg" width="640" height="426" /></a>Wenn wir vor einem Problem stehen, haben wir die Lösung häufig schon im Kopf und kommen immer wieder zu den gleichen Antworten. Dass es auch anders gehen kann, haben Juergen Erbeldinger und Thomas Ramge in ihrem Buch „Durch die Decke denken“ beschrieben. Dahinter steht das Konzept des Design Thinking, eine Management- und Innovationsmethode, die künftig stärker in der Politik eingesetzt werden soll. Wie das gehen kann, erklärt Autor Juergen Erbeldinger im Interview.<br />
<strong>politik-digital:</strong> Fangen wir mal von hinten an: Was beschäftigt Sie, nachdem das Buch erschienen ist, derzeit beim Thema Design Thinking?<br />
<strong>Juergen Erbeldinger</strong>: Derzeit beschäftigt mich das fünfte Kapitel. Im Buch haben wir uns dafür entschieden, nach vier Kapiteln Schluss zu machen. Das erste Kapitel behandelt die Frage: Wie funktioniert Design Thinking konkret? Wie führt man Workshops und Projekte durch, wie verändert man Unternehmen? Das, was mich jetzt sehr stark interessiert, ist die Frage „Wie kann man Design Thinking als Methodenset einsetzen, um gesellschaftspolitisch relevante Fragen zu behandeln?&#8221;. Das wird das fünfte Kapitel.<br />
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><strong>Dr. Juergen Erbeldinger</strong> beschäftigt sich seit zehn Jahren mit Innovations-Management. Er ist Gründer und CEO der <a href="http://partake.de/">partake AG</a> mit Sitz in Berlin. Erbeldinger studierte Volkswirtschaftslehre und Mathematik an der Freien Universität Berlin. Zusammen mit dem Wirtschaftstheoretiker Professor Ulrich Baßeler beschäftigte er sich mit der Simulation von ökonomischen Prozessen und promovierte über die Zusammenhänge zwischen Geldpolitik und Ökonomie. Er berät Unternehmen und Organisationen mit Schwerpunkt auf Innovation von Geschäftsmodellen und -prozessen.<br />
Das Buch <strong><a href="https://www.facebook.com/DurchDieDeckeDenken" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Durch die Decke denken – Design Thinking in der Praxis“</a> </strong>schrieb er gemeinsam mit dem Journalisten Thomas Ramge.</div></div><br />
<strong>politik-digital:</strong> Wie kann Design Thinking interessant für die Politik werden?<br />
<strong>Juergen Erbeldinger:</strong> Wenn man mit alten Methoden und immer den gleichen Ansätzen an Fragestellungen herangeht, dann kommen immer wieder dieselben Antworten heraus. Wenn man immer mit demselben Team arbeitet, bekommt man immer wieder die gleichen Aussagen. Deswegen ist die Herangehensweise im Design Thinking: Wenn es ein vertracktes Problem gibt und es bisher keine Lösung für dieses Problem gibt,muss man mit anderen Methoden arbeiten. Ein Beispiel: Stuttgart 21. Der Umbau des Stuttgarter Innenstadtbereiches ist ein solches Problem. Da sollte man nicht einfach auf ein über 15 Jahre laufendes Planänderungsverfahren setzen, und dann glauben, dass damit die Probleme gelöst werden.<br />
<strong>politik-digital:</strong> Was wäre demnach die Strategie für dieses Problem?<br />
<strong>Juergen Erbeldinger:</strong> Der Planungsansatz bei Stuttgart 21 war gekennzeichnet durch folgendes Vorgehen: “Ich weiß, was die Lösung ist, und jetzt beschreibe ich den Weg dahin“. Das waren alte Planungsansätze. Beim Design Thinking wird die Fragestellung umgedreht: Das Ergebnis bleibt erst mal unscharf und ungewiss. Vielmehr sollte die Frage nach der richtigen Frage gestellt werden! Um beim Thema S21 zu bleiben: Ist es die Aufgabe von S21 gewesen, den Zugfahrt nach Paris um 7 Minuten zu verkürzen? War das der Anlass für das Projekt? Mit gesundem Menschenverstand hätte man sich hier schon sehr früh fragen müssen, wie viele Leute denn überhaupt von Stuttgart nach Paris fahren und ob es das wirklich wert ist, dafür derart viel Geld auszugeben. Vermutlich hätte man dann schon sehr früh sehen können, dass es eigentlich um etwas ganz anderes geht. Wahrscheinlich wäre herausgekommen, dass es bei S21 konkret darum geht, den Güterbahnhof zu trennen, um damit eine Bundesstraße zu entlasten, denn da fehlte eine Zugstrecke.<br />
Auf diese Art und Weise schält man Schicht von Schicht von jedem Problem herunter, bis man den Kern der Sache entdeckt. Und erst dann fängt man an, daran zu arbeiten. Aus diesem iterativen Vorgehen, dem Arbeiten mit Unsicherheit, entstehen neue Lösungen. Da sollte man auch mal für fünf Minuten zulassen, dass man das Ergebnis nicht kennt und noch nicht weiß, wie man dahin kommt.<br />
<strong>politik-digital:</strong> Dieses Vorgehen ist für Politiker natürlich sehr untypisch, denn sie geben gerne vor, schon genau zu wissen, was sie wollen. Wie kriegt man Politiker dazu, dass sie Nichtwissen eingestehen?<br />
<strong>Juergen Erbeldinger:</strong> Politiker treten gerne vor die Öffentlichkeit und behaupten, sie wüssten, wie es geht. Das tun sie, weil sie glauben, damit wiedergewählt zu werden und erfolgreich zu sein. Die Umkehrung von dem Prinzip wäre ja, dass Politiker bekennen „Ich weiß es nicht, aber ich beschäftige mich vernünftig mit dem Problem“. Wenn dieses Bekenntnis Erfolge bringt, dann wird sich etwas ändern. Deswegen muss man den Politikern verständlich machen, dass sie auch dann gewählt werden, wenn sie nicht behaupten, sie wüssten alles und würden alle Lösungen kennen. Weil es ihnen sowieso niemand abnimmt. Und ich glaube, dass wir an diesem Punkt anfangen, Verhaltensänderungen hervorzubringen.<br />
<strong>politik-digital:</strong> Ist es auch ein Teil der Design Thinking-Methode, Verhaltensänderung bei den Rezipienten zu bewirken?<br />
<strong>Juergen Erbeldinger:</strong> Ich bin mir sicher, wenn jemand erlebt, wie stark diese Methode echte Lösungen bringt, wenn man am Anfang die Lösung nicht kennt , dann wird er anfangen, das zu leben und sich verändern. Ich habe das am eigenen Leibe erlebt. Ich bin Volkswirtschaftler und noch dazu Theoretiker und habe mich mit der Bildung von Theorien beschäftigt. Analytischer und strukturierter geht es nicht! Dazu kommt meine zweite Profession als Mathematiker. Ich hab irgendwann gemerkt, dass etwas fehlt, wenn man immer nur analytische, dekonstruktivistische Ansätze wählt. Es geht mehr! Und tatsächlich sind Intuition, Pluralität, Transdisziplinarität und Kreativität Themen, die in diesem Jahrtausend eine riesige Rolle spielen werden. Weil sie viel angemessener für die Fragestellungen sind, als das, was wir in den letzten 100 Jahren gemacht haben.<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/2012_Dr_Juergen_Erbeldinger.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-128937 alignleft" alt="2012_Dr_Juergen_Erbeldinger" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/2012_Dr_Juergen_Erbeldinger.jpg" width="236" height="220" /></a><br />
<strong>politik-digital:</strong> Als „Wunderheilmittel“ gegen Politikverdrossenheit werden seit einiger Zeit Partizipation und Bürgerbeteiligung genannt. Aber die Beteiligung der Bürger bleibt oft intransparent in diesen Verfahren. Meist wird nicht deutlich, was denn nun genau vom Bürger übernommen wurde. Ist es für Design Thinking nicht ein Ausschlusskriterium, wenn der Bürger nur konsultiert wird, aber nicht mitentscheiden kann?<br />
<strong>Juergen Erbeldinger:</strong> Ich finde es grundsätzlich richtig, wenn man die Möglichkeit hat, den Bürger zumindest einzubinden, indem man ihn um seine Meinung fragt. Dafür bietet sich das Internet als Medium an, um ganz direkt Stellung zu verschiedenen Dingen zu beziehen. Wenn jemand eine Entscheidung trifft und dafür eintritt, muss er aber auch mit den Konsequenzen leben. Auch dann, wenn sein Vorschlag scheitert. Das unterscheidet den Bürger vom Politiker. Als Politiker übernehme ich politische Verantwortung und habe dann die Möglichkeit des politischen Rücktritts, wenn das, was ich vertrete, nicht funktioniert.<br />
<strong>politik-digital:</strong> Verspricht Partizipation auf kommunaler Ebene mehr Erfolg, weil hier die Bezugspunkte zum täglichen Leben näher sind?<br />
<strong>Juergen Erbeldinger:</strong> Ja. Ich denke, dass der Wunsch nach Teilhabe und Partizipation der Bürger größer ist, je näher die Politik an der Lebenswirklichkeit der Bürger ist. Natürlich ist ein Bürger, dem durch den Bau einer Starkstromtrasse eine Wertminderung seines Grundstücks ins Haus steht, sehr daran interessiert, dass diese Trasse nicht gebaut wird. Aber schon, wenn es darum geht, dass der Bau dieser Stromtrasse zu mehr Arbeitsplätzen führt und somit in vielerlei Hinsicht von Vorteil für diese Gemeinde ist, fällt auf, dass die Probleme vielschichtig sind. An dieser Stelle kommt Design Thinking wieder ins Spiel: Wenn die Leute mit ihren verschiedenen Interessen an einen Tisch geholt werden, wenn sie mal, etwa im Rahmen einer Simulation, Rollen tauschen und somit Gegenperspektiven kennenlernen, bringt das schon die erste Kommunikation. Design Thinking kann also durchaus ein Prozess sein, der die Art der Meinungsbildung entscheidend prägt und unter Umständen auch ganz andere Lösungen hervorbringen kann. Man sollte bei diesem Beispiel die Fragen stellen, ob die Trasse überhaupt in der Form gebaut werden muss oder ob es nicht Alternativen gibt. Darum geht es bei diesen Design Thinking-Konzepten.<br />
<strong>politik-digital:</strong> Hätten Sie der Bundeskanzlerin nach Fukushima geraten, erst einmal zu warten, bevor der Atomausstieg beschlossen wird? Im Sinne des Design Thinking hätte sie Zeit und Raum benötigt, den die Regierung nicht hatte. Wie bringt man Zeit und den Zwang zur Reaktion im politischen Umfeld unter einen Hut?<br />
<strong>Juergen Erbeldinger:</strong> Design Thinking braucht nicht notwendigerweise Zeit. Damit kann man sehr schnell reagieren. Zwar braucht man Zeit, um eine Energiewende zu bewerkstelligen, aber man braucht vor allen Dingen politischen Willen! Das betrifft aber nicht nur die Regierungsparteien. Als Rot-Grün damals den Atomausstieg verabschiedet hat, hätte man mit aller Macht darauf drängen müssen, Antworten auf die Frage zu finden: „Wie sieht denn jetzt das neue energiepolitische Konzept aus, mit dem wir die bundesdeutsche Wirtschaft in die Zukunft führen wollen?“.<br />
Man hat zu spät angefangen, konsequent einen energiepolitischen Konsens zu finden und zu fragen, mit welchem Energiemix man zukünftig arbeiten will. Heute werden keine Pumpenkraftwerke mehr gebaut, weil Erdgas so billig ist. Was ist das denn bitte für eine kurzfristige Perspektive? Diese Fragen sollte man mal angehen! Und da ist Design Thinking eine der Methoden, mit der man da arbeiten kann.<br />
<strong>politik-digital:</strong> Das wäre aber schon eine kleine Revolution, weil das ja eine andere Haltung bedingt. Sehen Sie Politiker, mit denen man so arbeiten könnte?<br />
<strong>Juergen Erbeldinger:</strong> Ja, auf jeden Fall! Und das auch parteiübergreifend. Wir arbeiten an einem Format, das sich „governancelab“ nennt. Wir versuchen, einen Raum zu finden, in dem sich Politiker, Industrie und Bürger treffen können. Wir bieten Methodenwerkzeuge, Räume und vor allem auch erfahrene Moderatoren, um Probleme mit Design Thinking zu bearbeiten. Dieses Format haben wir im Bundestag vorgestellt. Viele MdBs sind offen für die Idee, mal einen neuen Meinungsbildungsprozess auszuprobieren. Und für viele war es vor allem interessant, in ihren Heimatwahlkreisen damit Themen zu besetzen. Hier sieht man wieder den Bezug zur regionalen Bindung. Interessanterweise haben sich auch die Industrieunternehmen, die wir angesprochen haben, in der gleichen Weise geäußert, da sie das alte Lobbying für tot erklärt haben. Ich glaube, dass man mit Design Thinking etwas aufbauen kann, was eine ganz große Akzeptanz haben wird.<br />
<strong>politik-digital:</strong> Das heißt also, dass Lobbyvertreter in solche Prozesse mit einbezogen werden sollten?<br />
<strong>Juergen Erbeldinger:</strong> Genau. Auf der einen Seite die Politik, also Politiker und Verwaltung, auch die Ministerialebene sollte mit einbezogen werden. Gleichzeitig müssen die betroffenen Unternehmen durch die vertretenden Lobbyisten mit an den Tisch. Und natürlich auch die Bürger.<br />
<strong>politik-digital</strong>: Aber wer vertritt eigentlich die Bürger? Wie würden Sie die Bürger mit einbeziehen? Brauchen wir da eine Organisation?<br />
<strong>Juergen Erbeldinger</strong>: Als Design-Thinker würde ich sagen, wir brauchen jeweils sehr starke segmentspezifische, beobachtende Benutzergruppen. Also würde man tatsächlich mal fragen, wer von dieser bestimmten Politikmaßnahme betroffen ist. Das genau ist der Gedanke: „Triff keine Annahme über deine Zielgruppe, sondern lade deine Zielgruppe mal ein“. Dann wird oft festgestellt, dass es gar nicht die richtige Zielgruppe ist. Das Ergebnis kann sehr verblüffend sein. Einfach nicht mit dem Bürger zu sprechen, weil man ihn nicht kennt, ist jedenfalls der falsche Weg.<br />
<strong>politik-digital:</strong> Lässt sich Design Thinking auch digitalisieren bzw. virtualisieren oder ist der direkte, persönliche Kontakt nicht zu ersetzen?<br />
<strong><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/cover_durchdiedecke_3D_klein.png"><img decoding="async" class="size-full wp-image-128962 alignleft" alt="cover_durchdiedecke_3D_klein" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/cover_durchdiedecke_3D_klein.png" width="200" height="287" /></a>Juergen Erbeldinger:</strong> Ja und Nein. Man kann sehr viel über digitale Medien machen. Man kann sehr gut und schnell Informationen finden und verteilen. Man kann zusammen an unterschiedlichen Orten arbeiten, man kann sich austauschen, man kann skypen. Das alles hilft, Design Thinking zu ermöglichen, weil wir nicht im selben Raum sitzen müssen, aber wir müssen auch miteinander reden. Zudem lassen sich mit den digitalen Medien sehr gut Fragebogentechniken abbilden, Beobachtungssituationen jedoch weniger gut, weil die Kamera immer nur einen festen Punkt hat. Wenn ich aber mit dabei, also im selben Raum bin, dann kann ich selbst den Raum ganz anders wahrnehmen. Und diese Beobachtungssessions, also, wenn man einen Kunden einen ganzen Tag oder eine ganze Woche lang begleitet, und schaut, was er macht, das lässt sich aus meiner Sicht nicht digitalisieren.<br />
<strong>politik-digital:</strong> Brauchen wir eine andere Haltung bei den Politikern, diese Sachen selbst erleben zu wollen, zu erfahren und zu teilen? Ist es eine Plattitüde zu sagen, die Politiker früher waren ja noch „Leute wie wir, wie das Volk“?<br />
<strong>Juergen Erbeldinger</strong>: Ich finde die Plattitüde an der Stelle sehr hilfreich. Aus des Volkes Mitte, das ist doch gut. Ich möchte mich jetzt nicht als Helmut Kohl-Fan outen, aber das war jemand, der in seinem Wahlkreis sehr stark verankert war. Johannes Rau genauso. Aber je mehr man sich entfernt von den Leuten, die man vertritt, braucht man Instrumente, um zu verstehen, wen man da überhaupt vertritt, wer das überhaupt ist. Da würde ich ansetzen, und da kann Design Thinking einen großen Beitrag leisten. Ein Verständnis haben für denjenigen, den man vertritt und für dessen Bedürfnisse. Eine Innovation der Methoden, wie man zu Entscheidungen kommt und natürlich auch der Prozess, mit dem man arbeitet. Auch Liquid-Themen will ich da nicht ausschließen.<br />
&nbsp;<br />
Bilder: <a href="http://www.flickr.com/photos/joerg-u/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">HainYogi</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY NC SA</a>), partake AG , Redline Verlag</p>
<div><img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></div>
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		<title>Interview Teil II: Innovationen erwünscht? Die Einbeziehung der Leser</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Apr 2013 14:32:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Deutschland Land der Innovationen? Im Medienbereich wohl eher weniger. Aber wie sollte sich das deutsche Pressewesen im digitalen Zeitalter verändern? [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ScaarAT-CC-BY-SA-3.0.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-128399" alt="ScaarAT (CC BY-SA 3.0)" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ScaarAT-CC-BY-SA-3.0-630x420.jpg" width="630" height="420" /></a>Deutschland Land der Innovationen? Im Medienbereich wohl eher weniger. Aber wie sollte sich das deutsche Pressewesen im digitalen Zeitalter verändern? Antworten finden sich im zweiten Teil des Interviews mit Kommunikations- und Medienwissenschaftler Leif Kramp.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Viele Printverlage wie die Frankfurter Rundschau bangen um ihre Existenz. Das Problem: die Verzahnung der Online- und Printausgabe. Gibt es wirklich eine Krise der Massenmedien oder handelt es sich eher um eine Krise der traditionellen Geschäftsmodelle?<br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Das Ende der Massenmedien ist noch nicht in Sicht, auch wenn kleinere Journalismusprojekte wie eigenständige Nachrichtenwebsites selbständiger Journalisten oder gemeinnützige Projekte wie u.a. <a href="http://www.vocer.org/de/home.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">VOCER</a> an Bedeutung gewinnen. Die großen Medienorganisationen werden auf absehbare Zeit die Stützpfeiler des Journalismus bleiben. Insbesondere in Deutschland gibt es auch keinen Grund zur Hysterie: Die Schicksale von „Frankfurter Rundschau“ oder der „Financial Times Deutschland“ sind keine akuten Folgen der aktuellen Krise der Verlagswirtschaft, sondern diese Titel schwächelten aus betriebswirtschaftlicher Perspektive schon seit vielen Jahren. Dennoch wird es neue, spezialisierte Geschäftsmodelle für Journalismus brauchen, welche die derzeit noch weitgehend alternativlose Erlösstruktur aus Anzeigen- und Vertriebseinnahmen ergänzen – nicht aber ersetzen. Die durch den digitalen Wandel vorangetriebene Flexibilität der Mediennutzung zwingt Medienhäuser dazu, nicht nur redaktionell, sondern auch bei der Vermarktung von Journalismus zu experimentieren. In Zukunft werden viele neue Modellvarianten ausprobiert werden, von diversen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Paywall" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Paywall-Konzepten</a> über zugeschnittene Premium-Dienste für bestimmte Zielgruppen bis zur Verbindung von Journalismus und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Standortbezogene_Dienste" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Location Based Services</a>.<br />
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><strong>Dr. Leif Kramp</strong> ist Kommunikations- und Medienwissenschaftler sowie Historiker und arbeitet als Forschungskoordinator am ZeMKI, Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen. Zuletzt erschienene Publikationen: <strong>„Journalismus in der digitalen Moderne“</strong> (gem. hrsg. mit Leonard Novy, Dennis Ballwieser und Karsten Wenzlaff) und <strong>„Innovationsreport Journalismus“</strong> (gem. mit Stephan Weichert).</div></div><br />
<strong>politik-digital.de:</strong> In den USA hat die <a href="http://www.huffingtonpost.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Huffington Post</a> als Onlinezeitung im Stile eines Polit-Weblogs sehr großen Erfolg. Hier wird oftmals der Leser zum Autor von Beiträgen. 2012 erhielt das Onlinemagazin sogar <a href="http://politik-digital.de/online-journalismus-the-huffington-post-und-politico-mit-pulitzerpreis-ausgezeichnet/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">als erste kommerzielle Onlinezeitung den Pulitzerpreis</a>. Man gewinnt den Eindruck, dass in Deutschland kein Platz für Innovationen ist und dass die meisten großen Medienhäuser nicht mehr als Onlineausgaben der Printtitel anbieten. Warum gibt es (noch) keine deutsche „Huffington Post“?<br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Die Genese der „Huffington Post“ ist eine sehr spezielle und lässt sich nur schwerlich auf den deutschen Markt projizieren. Die HuffPo verdankt ihre Relevanz jenen Bloggern, die sich jahrelang vielfach aus Unzufriedenheit über die Qualität des US-amerikanischen Politikjournalismus unbezahlt engagierten, bis der Medienkonzern AOL die Blog-Zeitung kaufte und nun einen internationalen Expansionskurs vorantreibt, der auch sehr bald nach Deutschland führen soll. Bisher sind hierzulande Versuche der Verlage gescheitert, eine Onlinezeitung als eigenständige Marke zu installieren, wie die Beispiele <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Netzeitung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Netzeitung“</a> oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zoomer.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Zoomer“</a> gezeigt haben. In Deutschland ist ein unabhängiges Start Up, wie es einst Arianna Huffington gründete, eher unwahrscheinlich, da die Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem überregionalen Journalismus verhältnismäßig hoch ist. Etwas anders verhält es sich im Lokalen: Dort gab es in einigen Regionen bereits erfolgreiche Gründungen unabhängiger kommerzieller Alternativmedien, die sich in Opposition zu den etablierten Lokalzeitungen schon seit längerem am Markt behaupten.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Eine Ausnahme ist die Wochenzeitung „Der Freitag“, die seit ihrem Relaunch vor einiger Zeit versucht, die <a href="http://www.freitag.de/community" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Community stärker in ihren Online-Auftritt einzubeziehen</a>. Und das offenbar mit Erfolg. Wie sehr muss sich ein Medienunternehmen auf die Leser einlassen?<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/kramp_4c-e1366386424530.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-128352" alt="Leif Kramp" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/kramp_4c-e1366386424530.jpg" width="150" height="244" /></a><br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Das geschieht beim „Freitag“ sehr erfolgreich deshalb, weil seit Jahren konsequent signalisiert wird, dass ernstzunehmende Meinungsbeiträge der Nutzer nicht nur auf der Website der Zeitung geduldet, sondern besonders gelungene Texte sogar für den Abdruck in der Zeitung gegen Honorar ausgewählt werden. Redaktionen sollten verschiedene Wege ausprobieren, ihre Nutzer stärker an sich zu binden. Journalisten können beispielsweise über soziale Netzwerke, Twitter etc. Kontakt mit Nutzern aufnehmen, sie können sich an den Diskussionen der Nutzer mittels der Kommentarfunktion unter ihren Beiträgen beteiligen, sie können sich aber auch erreichbar und ansprechbar zeigen, ob nun in einem „Open Newsroom“ oder per E-Mail. Dabei geht es nicht darum, sich blind den Wünschen der Nutzer zu unterwerfen, sondern vielmehr um die Bereitschaft, offen für Anregungen und Kritik zu sein, und das nicht nur im Nachhinein, sondern schon während des journalistischen Arbeitsprozesses. Auch Journalisten müssen sich heutzutage das Vertrauen der Nutzer immer wieder neu verdienen.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Der Begriff <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datenjournalismus" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Datenjournalismus</a> ist zurzeit in aller Munde. Handelt es sich nur um einen kurzfristigen Hype oder ist die Auswertung von Daten die Zukunft des Journalismus?<br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Daten journalistisch zu verarbeiten und für den Nutzer zu verdeutlichen – zum Beispiel durch Info-Graphiken – gehört schon lange zum Tagesgeschäft in den Redaktionen. Mit digitalen Medientechnologien haben Journalisten aber nun Werkzeuge an der Hand, die es ermöglichen, ihrer Vermittlungsfunktion noch besser nachzukommen, weil sie erstens hochkomplexe Datenbestände verarbeiten und zweitens diese interaktiv veranschaulichen können. Solche Instrumente zu beherrschen, ist freilich nicht voraussetzungsfrei, sondern erfordert in der Regel fortgeschrittene Kenntnisse statistischer Verfahren und bestimmter Software-Anwendungen. Deshalb ist Datenjournalismus vor allem als Teamarbeit von Journalisten und Informatikern ein wachsendes und angesichts der zunehmenden Komplexität verfügbarer Daten auch ein immer wichtigeres Tätigkeitsfeld im digitalen Journalismus.<br />
Bilder: ScaarAT (CC BY-SA 3.0), Leif Kramp</p>
<div><img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></div>
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		<title>Interview Teil I: Zukunft der Medienhäuser – der Journalismus am Scheideweg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Apr 2013 10:41:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Klassischer Journalismus ist jetzt schon retro. Neue Formen drängen auf den Markt und lassen den traditionellen Journalisten alt aussehen. Ein [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Alexander-Zell-CC-BY-NC-SA-3.0.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-128350" title="Alexander Zell (CC BY-NC-SA 3.0)" alt="Alexander Zell (CC BY-NC-SA 3.0)" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Alexander-Zell-CC-BY-NC-SA-3.0-630x419.jpg" width="630" height="419" /></a>Klassischer Journalismus ist jetzt schon retro. Neue Formen drängen auf den Markt und lassen den traditionellen Journalisten alt aussehen. Ein Interview mit Kommunikations- und Medienwissenschaftler Leif Kramp über die Zukunft von Medienorganisationen und Veränderungen im Journalismus.<br />
Mit dem Internet, den sozialen Medien und der Weiterentwicklung mobiler Kommunikation hat die Digitalisierung die Medienbrache maßgeblich verändert. Der neu entstandene Markt birgt Chancen, aber auch Risiken. Fest steht: Der traditionelle Journalismus und die herkömmlichen Geschäftsmodelle der Presseverleger haben ausgedient. Heute muss ein Redakteur nicht nur Textprofi sein, sondern gleichzeitig auch Communty-Manager und am besten über Programmierkenntnisse verfügen. Und die Medienhäuser? Sie stehen vor der schwierigen Aufgabe, neue Geschäftsmodelle entwickeln und neue Strukturen finden zu müssen, um den immer anspruchsvolleren Leser für sich zu gewinnen. Das Buch &#8220;Journalismus in der digitalen Moderne&#8221; (Springer VS Verlag) befasst sich sowohl mit den Veränderungen in traditionellen Medienhäusern als auch mit dem Wandel des klassischen Journalismus. Mit wissenschaftlichen Beiträgen und journalistischen Erfahrungsberichten schafft es das Buch, die Thematik anschaulich und praxisnah zu beschreiben und dem Leser Probleme und Chancen dieser Entwicklung zu verdeutlichen.<br />
Im zweiteiligen Interview erklärt einer der Herausgeber, der Kommunikations- und Medienwissenschaftler Leif Kramp, warum der Journalismus am Scheideweg steht und die Medienhäuser umdenken müssen.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Herr Kramp, Sie sind Kommunikations- und Medienwissenschaftler am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen und Mitherausgeber des Buches „Journalismus in der digitalen Moderne“. Zu Beginn eine ganz generelle Frage: Ist die Digitalisierung gut oder schlecht für den Journalismus? Und wie sieht es mit der Wirkung auf die Medienhäuser aus?<br />
<div class="c33l info-box"><div class="subc">Dr. Leif Kramp ist Kommunikations- und Medienwissenschaftler sowie Historiker und arbeitet als Forschungskoordinator am ZeMKI, Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen. Zuletzt erschienene Publikationen: „<strong>Journalismus in der digitalen Moderne</strong>“ (gem. hrsg. mit Leonard Novy, Dennis Ballwieser und Karsten Wenzlaff) und „<strong>Innovationsreport Journalismus</strong>“ (gem. mit Stephan Weichert).</div></div><br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Weder das Internet noch die Digitalisierung insgesamt gefährden den Journalismus per se. Im Gegenteil: Journalismus kann aus dem Vollen schöpfen. Niemals war die Reichweite größer, und niemals standen vielfältigere Darstellungsformen zur Verfügung. Eigentlich ist die digitale Moderne also ein Segen für den Journalismus. Woran es aber hapert, ist die Wertschöpfung. Journalismus ist am Ende des Tages nicht nur eine hehre Aufgabe, sondern in der Regel auch ein Geschäft, das Journalisten ernähren und eine gute Rendite erzielen soll. Noch immer wird händeringend nach effektiven Geschäftsmodellen gesucht, um die bestehenden Strukturen des Pressewesens vor dem Hintergrund des digitalen Medienwandels aufrechtzuerhalten. Die Medienhäuser haben zwar ihre Schwierigkeiten, sinkende Anzeigen- und Vertriebserlöse zu kompensieren, ziehen daraus aber zum Teil die falschen Schlüsse und lassen die Redaktionen und damit das Personal dafür bluten. Dabei lautet das Gebot der Stunde, in Journalismus zu investieren und ihn nicht durch vorschnelle Sparmaßnahmen zu schwächen.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Auf welche Veränderungen müssen sich Journalisten im digitalen Zeitalter einstellen? Was bedeuten diese für die nächste Generation von Journalisten, auch wirtschaftlich gesehen?<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/kramp_4c-e1366386424530.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-128352" alt="Leif Kramp" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/kramp_4c-e1366386424530.jpg" width="150" height="244" /></a><br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Journalismus hat auf allen wesentlichen Ebenen gesellschaftlicher Kommunikation an Relevanz verloren. Journalisten müssen sich ihre ehemalige Exklusivstellung bei der gesellschaftlichen Selbstverständigung heute mit einer Vielzahl weiterer Kommunikatoren teilen – aus der PR, der Politik oder aus den Reihen der Bürger. Sie alle haben – und viele nutzen – die Möglichkeit, die Plattformen und Kanäle des Netzes für ihre Kommunikationszwecke einzusetzen. Für Journalisten bedeutet das, sich stärker auf einen Dialog einzulassen statt sich allein auf den Vertrieb fertiger journalistischer Produkte zu konzentrieren. Je mehr Akteure an der Kommunikation und Informationsverbreitung in der digitalen Sphäre beteiligt sind, desto stärker ist auch die Sortier- und Einordnungsfunktion des Journalismus gefordert. Ohne die sozialen Medien, ohne intensive Verlinkung zu externen Inhalten und ohne die Anreicherung journalistischer Beiträge mit zusätzlichen Dokumenten wie beispielsweise Quellenmaterial kommt ein solcher transparenterer, dialogischer und kontextueller Journalismus nicht aus. Das steht nicht im Widerspruch zu den weiterhin geltenden journalistischen Tugenden, sondern überträgt sie auf die Ansprüche nach mehr Interaktion, aber auch besserer Orientierung im digitalen Zeitalter.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Geht es mit dem Journalismus den Bach runter oder befindet er sich am Scheideweg? Wie wichtig sind dabei innovative Ideen von Journalisten bzw. Medienhäusern?<br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Der Journalismus ist eine Profession am Scheideweg, weil Entscheidungsträger auf verschiedenen Ebenen mit einer fundamentalen Unsicherheit konfrontiert sind. Wir erleben zurzeit eine aufklaffende Schere zwischen einer tariflich abgesicherten Belegschaft mittleren Alters, die bei traditionellen Medien beschäftigt ist und einem schlechter bezahlten, meist jüngeren und hauptsächlich für Online-Medien arbeitenden Journalistenprekariat. Um diese Differenzen zu überwinden und den sozialen Zündstoff zu entschärfen, braucht es Mut an vielen Stellen: Gesellschafter müssen den journalistischen Kern ihrer Marken stärken, auch wenn dies zeitweise schlechte Jahresabschlüsse nach sich zieht; Chefredakteure müssen an der Schnittstelle zwischen Geschäftsführung und Redaktion die Handlungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter sichern und ihnen Freiräume verschaffen, in denen Neues ausprobiert und Unkonventionelles zugelassen wird; und der einzelne Journalist – ob freischaffend oder angestellt – muss sich einlassen auf die Veränderungen, die der digitale Wandel mit sich bringt – was einfacher gesagt ist als getan, solange Kosten- und Arbeitsdruck auf einem lasten. Es gibt also viele Stellschrauben, an denen gedreht werden muss.<br />
Bilder: Alexander Zell (CC BY-NC-SA 3.0), Leif Kramp</p>
<div><img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></div>
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		<title>Digitale Innovationen: Co:llaboratory stellt Abschlussbericht vor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Germar Molter]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Dec 2012 11:03:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetzgebung]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Co:llaboratory]]></category>
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					<description><![CDATA[Gestern stellte das Internet &#38; Gesellschaft Co:llaboratory seinen Abschlussbericht der 6. Initiative „Innovation im digitalen Ökosystem“ vor. Im Fokus standen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/digitalen-innovationen-collaboratory-stellt-abschlussbericht-vor/colab_bericht6_version2/" rel="attachment wp-att-124003"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-124003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Colab_Bericht6_Version2-630x891.jpg" alt="Cover des Abschlussberichts von Colab" width="276" height="390" /></a>Gestern stellte das Internet &amp; Gesellschaft Co:llaboratory seinen Abschlussbericht der 6. Initiative „Innovation im digitalen Ökosystem“ vor. Im Fokus standen die Voraussetzungen für Innovationen im Spannungsfeld zwischen Staat und Internet.</p>
<p>Stellvertretend für die <a href="http://www.collaboratory.de/w/Expertengruppe_Innovation_im_digitalen_%C3%96kosystem" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Expertengruppe </a>aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik und Privatwirtschaft stellten der Geschäftsführer des Co:Lab Sebastian Haselbeck, der Informationswirtschaftler Carl Philipp Burkert, der Jurist Jiannis Koudounas sowie Max Senges von Google Deutschland die Ergebnisse der <a href="http://www.collaboratory.de/w/Abschlussbericht_Innovation_im_digitalen_%C3%96kosystem" target="_blank" rel="noopener noreferrer">6. Initiative </a>vor. Diese hatte sich im Sommer drei Monate lang mit Fragen nach den nötigen politischen, rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen für gesellschaftlich wertvolle Entwicklungen beschäftigt.</p>
<h3>Internet-Rat und transparente Gesetzgebung stärken Innovationen</h3>
<p>Eines der Ergebnisse aus ihrem <a href="http://www.collaboratory.de/w/Datei:Bericht6.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Abschlussbericht </a>ist der Vorschlag, ein Gremium einzurichten, das die Bundesregierung in Fragen des Internets berät, ähnlich wie der <a href="http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rat der Wirtschaftsweisen</a> es in Belangen der Wirtschaft macht. Bestehende Strukturen wie die Anhörung von Experten in Ausschüssen würden der Bedeutung des Internets nicht ausreichend gerecht. Bestärkt sieht sich das Co:llaboratory durch eine repräsentative <a href="http://www.collaboratory.de/w/Forsa-Umfrage_Innovation_im_digitalen_%C3%96kosystem" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Umfrage</a>, die es selbst bei Forsa in Auftrag gegeben hatte, wonach 62 Prozent der Deutschen die Etablierung eines solchen Gremiums befürworten.</p>
<p>Kritisch sieht Carl Philpp Burkert Versuche seitens des Staates, „böse“ Begleiterscheinungen des Internets zu reglementieren. Dies würde häufig Innovationen abwürgen.</p>
<p>Weiterhin sprechen sich einige Mitglieder des Think Tanks für einen offenen Dialog über Gesetzesvorhaben aus. Beispielsweise könnten Gesetzesentwürfe als Beta-Version online zur Diskussion gestellt werden und sich einem Innovationscheck unterziehen.</p>
<p>Eine Reihe von Netzpolitikern hat sich zu Kernfragen der 6. Initiative <a href="http://www.collaboratory.de/w/Politische_Stellungnahmen_zu_Innovation_im_Netz" target="_blank" rel="noopener noreferrer">geäußert </a>und fordert die Unterstützung digitaler Innovationen, u.a. durch eine vitale Gründerkultur, die nötige technische Infrastruktur und Offenheit in der Gesellschaft.</p>
<p>Das Internet &amp; Gesellschaft Co:llaboratory wird seit August 2012 von einem Verein getragen. Aktuell führt es bereits die 7. Initiative <a href="http://www.collaboratory.de/w/Initiative_Lernen_in_der_digitalen_Gesellschaft" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Lernen in der digitalen Gesellschaft&#8221; </a>durch. Sebastian Haselbeck verkündete gestern den Start der 8. Initiative zum Thema <a href="http://www.collaboratory.de/w/Initiative_Nachhaltigkeit_in_der_Digitalen_Welt" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Nachhaltigkeit in der digitalen Welt&#8221;</a> im Februar 2013, zu der sich Experten ab sofort bewerben können. politik-digital.de ist Medienpartner des Co:Lab.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/internationale-datenschutzkonferenz-von-paragrafenreitern-und-versaeumnissen/cc-lizens/" rel="attachment wp-att-121978"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-121978 alignleft" alt="CC-BY-SA-Lizenz" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x53.png" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Keine Angst vorm Internet!</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/keine-angst-vorm-interne-120228/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Tobias Schwarz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Aug 2012 11:04:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Digitaler Wandel]]></category>
		<category><![CDATA[Ben Scott]]></category>
		<category><![CDATA[TOR]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Co:llaboratory]]></category>
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					<description><![CDATA[Durch das Internet können Bürger stärker an demokratischen Prozessen beiteiligt werden. Davon ist Ben Scott, Senior Advisor am Open Technology [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/keine-angst-vorm-interne/ben-scott-bild-isarmatrose-cc-by-sa-3-0_630x345/" rel="attachment wp-att-120229"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-120229" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ben-Scott-Bild-Isarmatrose-CC-BY-SA-3.0_630x345.jpg" alt="" width="630" height="345" /></a>Durch das Internet können Bürger stärker an demokratischen Prozessen beiteiligt werden. Davon ist Ben Scott, Senior Advisor am Open Technology Institute der New America Foundation in Washington D.C., überzeugt. Am Donnerstagabend hielt der ehemalige Netzpolitik-Berater von US-Außenministerin Hillary Clinton im Rahmen der 6. Initiative der Internet &amp; Gesellschaft Co:llaboratory e.V. (Co:Lab), &#8220;Innovation im digitalen Ökosystem&#8221;, einen Vortrag über über das Innovationspotential des Internets als Grundlage für technischen und wirtschaftlichen Fortschritt, demokratische Entwicklung und internationale Netzpolitik.</p>
<p>Die Kultur von Menschen ist der Schlüssel, um das Internet zu verstehen und wie Menschen das Internet sehen. Das war der erste Ratschlag, den <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Ben_Scott_%28policy_advisor%29">Ben Scott</a> als junger Diplomat in der US-Botschaft in Berlin bekommen hat. Bis heute sieht Scott die Richtigkeit dieser Aussage in vielen persönlichen Erlebnissen bestätigt, von denen er am Donnerstagabend einem interessierten Fachpublikum berichtete. In Deutschland werde das Internet (aus Sicht der US-Diplomaten) oft als ein bedrohliches Medium betrachtet. „In Germany it&#8217;s not about Steve Jobs“, erklärte Scott in einem Satz den Unterschied zu den USA. Doch auch in Washington D.C. gibt es politische Entscheidungsträger, die wie ihre deutschen Kollegen den Machtverlust über Informationen nicht akzeptieren können, erklärt der gebürtige Texaner. In dieser Ohnmacht und dem Kontrollverlust sieht Ben Scott genau die Hürden in den Köpfen der Politiker, die das gesellschaftliche und ökonomische Potenzial des Internets verhinderten.</p>
<p>In den letzten Jahren hat Scott als Diplomat und Forscher viele Politiker zum Thema Internet beraten und aus den Ängsten und Sorgen seiner Gesprächspartner drei Richtlinien entwickelt, wie Netzpolitik gestaltet sein sollte, um die wirtschaftlichen und demokratisierenden Potenziale optimal zu nutzen.<strong></strong></p>
<h3>1. Innovation ist die kreative Antwort auf zerstörerischen Wandel</h3>
<p>Informationen ließen sich nicht mehr kontrollieren. Dieser Kontrollverlust sei Grundlage negativer und positiver Effekte im Internet. Klar sei, freie Kommunikation über Netzwerke ermögliche genauso Cyber-Kriminalität wie es Grundlage für eine Enthüllungsplattform wie WikiLeaks sei und Menschen helfe, sich selbstbestimmt zu informieren. Als ein positives Beispiel nannte Scott die Kommunikation von Bürgern über das <a href="http://www.zeit.de/2011/33/China-Zugunglueck/komplettansicht">Zugunglück im chinesischen Wenzhou</a>. Dort kam es am 23. Juli 2011 zu einem Zusammenprall von zwei Hochgeschwindigkeitszügen, bei dem 40 Menschen starben und 192 verletzt wurden. Die lokalen Autoritäten verweigerten eine Untersuchung des Unfalls, verhinderten eine Berichterstattung und vergruben die Wrackteile der beiden Züge. Chinesische Bürger berichteten dann in sozialen Netzwerken über den Fall und protestierten gegen das Vorgehen der Verwaltung. Daraufhin wurden die Züge wieder ausgegraben und es gab eine Untersuchung, durch die die Verantwortlichen für den Unfall zur Rechenschaft gezogen werden konnten. Schließlich wurde ein neues Sicherheitsgesetz für den Zugverkehr erlassen.</p>
<h3>2. Um Innovation zu ermöglichen, muss mit Schwachstellen offen umgegangen werden.</h3>
<p>Scott betont, dass politische Entscheidungsträger ständig bedachte Entscheidungen populistischen Reaktionen vorziehen müssten. Das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tor_%28Netzwerk%29">Tor-Netzwerk</a> zum Beispiel, mit dem Verbindungsdaten anonymisiert werden, stelle die Sicherheitsstrategen der USA vor ein Dilemma. Einerseits ermögliche es Kriminellen oder Terroristen unerkannt zu kommunizieren, andererseits sei die anonyme Kommunikation elementar für Aufständische in der ganzen Welt. Der Gebrauch dieser Freiheit berge viele Gefahren, aber auch viel Potenzial für die Gesellschaft. Totale Sicherheit werde sich aber in einer offenen und freien Gesellschaft niemals herstellen lassen, erst recht nicht auf Kosten der Offenheit und Freiheit. Viel mehr müssen laut Scott die Schwachstellen akzeptiert und kultiviert werden. Offenheit könne eine Schwachstelle der Politik sein, zugleich aber auch seine stärkste Seite. Das Internet sei ein Netzwerk nach besten Kräften und so sollte auch die Netzpolitik sein, fasste Scott seinen Lösungsansatz zusammen.</p>
<h3>3. Die Kultur des Internets basiert sowohl auf Anpassung als auch Kombination</h3>
<p>Als ein Beispiel für Anpassung berichtete Ben Scott über libysche Rebellen, die das Kommunikationszentrum von Gaddafi eroberten und in diesem Moment erst das Ausmaß der technischen Überwachung und Unterdrückung von freier Kommunikation richtig verstanden. Als Folgen passten sie die Politik der neuen Regierung dieser Erkenntnis an, die sich nun für freie und offene Netze sowie Kommunikation einsetzt. Kombination wiederum sei das wichtigste Prinzip, dass hinter dem amerikanischen IT-Wunderland <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Silicon_Valley">Silicon Valley</a> stecke. Erst die Kombination verschiedener kreativer Menschen mit Potenzialen, führe zu einem produktiven Cluster von Kreativität. &#8220;Go to breakfast&#8221; ist deshalb auch der Rat von Ben Scott an Politiker in der ganzen Welt, die ihr eigenes Silicon Valley aufbauen wollen. Wenn die entscheidenden Menschen nahe genug zusammen wohnen, um miteinander frühstücken zu gehen, könnten dadurch wichtige Synergien entstehen.</p>
<p>In seinem Fazit fasste Ben Scott zusammen, dass es durch das Internet einen bedeutsamen Wandel gegeben hab, der den Bürgern vor allem Teilhabe am Entstehungsprozess von Entscheidungen biete. Regierungen könnten darauf verschlossen reagieren und versuchen, die Kontrolle über die Kommunikation durch Regulierungen zurück zu gewinnen, oder sie begegneten diesem Zustand partizipativer Offenheit mit einer Politik der Offenheit.</p>
<address><em>Dieses Werk</em><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" rel="license"><img decoding="async" class="alignleft" style="border-width: 0px;" src="http://i.creativecommons.org/l/by-sa/3.0/88x31.png" alt="Creative Commons Lizenzvertrag" width="88" height="31" /></a><em> bzw. Inhalt steht unter einer<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de"> Creative Commons Namensnennung </a> Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.</em></address>
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		<title>Innovationen öffnen sich zur Gesellschaft</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/soziale-innovation/innovationen-oeffnen-sich-zur-gesellschaft-11225/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 13:10:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[Mikrokredite, soziale Medien, aber auch politische Bewegungen wie Occupy – all dies sind soziale Innovationen: teils geplante, teils unerwünschte neue [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mikrokredite, soziale Medien, aber auch politische Bewegungen wie Occupy – all dies sind soziale Innovationen: teils geplante, teils unerwünschte neue Handlungsweisen. Was haben diese Phänomene gemeinsam und wie wirken sie sich auf die Gesellschaft aus? Der Dortmunder Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Jürgen Howaldt gibt Antworten.</p>
<p>Prof. Dr. Jürgen Howaldt ist Direktor der Sozialforschungsstelle Dortmund an der Technischen Universität Dortmund und Professor an der dortigen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Organisationsberatung und -entwicklung, Unternehmensnetzwerke und die Erforschung sozialer Innovationsprozesse. Gemeinsam mit weiteren Kollegen beschäftigt er sich derzeit sehr intensiv mit dem Forschungsfeld der &#8220;Sozialen Innovation&#8221;. Im Interview legt er dar, worum es sich dabei handelt.</p>
<h3><a href="http://politik-digital.de/category/themen/soziale-innovation/">Weitere Beiträge zum Thema &#8220;Soziale Innovation&#8221; in unserem Dossier</a>.</h3>
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<p><strong>Herr Prof. Howaldt, was ist eine soziale Innovation? </strong></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/innovationen-oeffnen-sich-zur-gesellschaft/juergen-howaldt/" rel="attachment wp-att-11227"><img decoding="async" class="size-full wp-image-11227 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/juergen-howaldt.png" alt="" width="225" height="300" /></a>Soziale Innovation bedeutet die absichtsvolle Veränderung bestehender sozialer Praktiken – also die Abweichung von bisherigen Routinen des Handelns und Verhaltens. Dabei ist nicht entscheidend, ob diese neue Handlungsweise „gut“ oder „sozial erwünscht“ ist. Das sind technologische Innnovationen auch nicht immer. Wichtig ist, dass die neue Handlungsweise absichtsvoll eingesetzt wird und auch Wirkung erzielt – also etwas verändert. Soziale Innovationen unterscheiden sich von technologischen Innovationen, die auf ein greifbares Produkt zielen, und auch von sozialen Wandelsprozessen wie der demografischen Entwicklung.<strong> </strong></p>
<p><strong>Das klingt sehr theoretisch. Ein Beispiel bitte.</strong></p>
<p>Ein bekanntes Beispiel sind<strong> </strong>die Mikrokredite von Nobel-Preisträger Muhammad Yunus. Sie stellen eine Veränderung von Handlung dar: Banken geben nicht mehr große, sondern kleine Kredite. Und diese neue Handlungsweise wird von Menschen angenommen, entfaltet also Wirkung. Das ist sicher gleichzeitig auch eine „sozial erwünschte“ soziale Innovation. Aber nehmen Sie zum Beispiel neue Arbeitskonzepte wie etwa Leiharbeit oder Mini-Jobs. Auch das ist eine soziale Innovation, auch wenn sie von vielen nicht gewünscht wird.</p>
<p><strong>Sie beschäftigen sich mit neuen Managementkonzepten, auch mit dem Thema Wissensmanagement – worin besteht in diesem Bereich die soziale Innovation?</strong></p>
<p>In einer frühen Phase wurde darunter zunächst die Einführung von IT-Produkten im Unternehmen verstanden – also neue Software und Datenspeicher. Dieses technologischen Neuerungen führten im Unternehmen jedoch zu einem großen Problem: Die Software wurde zwar entwickelt, aber das Wissensmanagement verbesserte sich nicht. Im Gegenteil führten diese Versuche zu einer Verschärfung der Wissensprobleme. Wir wollten verstehen, woran das liegt, und kamen zu der Erkenntnis, dass die Einführung von Wissensmanagement veränderte kommunikative und kulturelle Handlungspraktiken in einem Unternehmen mit sich bringt.</p>
<p><strong>Welche Lehren sollte man daraus ziehen?</strong></p>
<p>Die Technologie muss in die grundlegenden sozialen Veränderungen, die sie mit sich bringt, eingebunden werden, damit sie überhaupt sinnvoll genutzt werden kann. In einem hierarchisch strukturierten Unternehmen, in dem die Mitarbeiter nie gelernt haben, ihr Wissen einzubringen, bringt es wenig, eine Datenbank zu installieren. Wir gehen vielmehr davon aus, dass die Einführung von Wissensmanagement als „soziale Innovation“ zu gestalten ist. Hier spielen Technologien selbstverständlich eine Rolle – zentral ist aber die Veränderung der Kommunikations- und Kooperationsstrukturen, also der Handlungspraktiken.</p>
<p>Technologische Innovationen können nur dann funktionieren, wenn sie in die entsprechenden sozialen Innovationen eingebettet werden. Unsere Gesellschaft setzt aber viel zu oft auf Technologien, ohne die Interessen der Bürger zu berücksichtigen. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit sozialen Innovationen hilft uns hier, hinter die Phänomene zu blicken und zu verstehen, warum bestimmte Abläufe funktionieren, und was noch zu tun ist.</p>
<p><strong>Warum sind soziale Innovationen gerade heute wichtig?</strong></p>
<p>Mit dem Übergang von der Industrie zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft verlieren technologische Innovationen – neue Maschinen und Produkte zum Beispiel – auch wirtschaftlich an Bedeutung, dafür werden Dienstleistungen wichtiger, also Handlungsweisen wie eben Mikrokredite oder neue Formen der Unternehmens- und Organisationsberatung. Es ist nicht mehr der einzelne Unternehmer, der Innovationen vorantreibt, sondern erfolgreiche Innovationen erfordern eine Vielzahl von Akteuren und entsprechende Rahmenbedingungen. Dabei werden auch potenzielle Anwender zunehmend in Innovationsprozesse einbezogen, wie es etwa bei dem Konzept <a href="http://www.openinnovation.net/">„Open Innovation“</a> der Fall ist. Innovationen entstehen also nicht mehr vorwiegend in einem Unternehmen, sondern in Netzwerken zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen bzw. zwischen Unternehmen und Anwendern und so weiter.</p>
<p><strong>In welchen anderen Bereichen wirkt sich diese Entwicklung aus?</strong></p>
<p>Wir sehen diesen Prozess auch in der Politik: Viele der aktuell zu beobachtenden politischen Bewegungen wie Occupy, Indignado oder die Piraten zielen auf eine Einbeziehung von gesellschaftlichen Gruppen in Prozesse, die ihnen bisher versperrt sind. Sie wollen politische Handlungsweisen verändern. Insofern öffnen sich die Innovationen zur Gesellschaft.</p>
<p><strong>Wo ist die Relevanz für die Politik?</strong></p>
<p>Nehmen wir den Lissabon-Prozess, also das Ziel der Europäischen Union, zur weltweit wettbewerbsfähigsten Region zu werden. Hier sehen wir, dass wesentliche Ziele nicht erreicht wurden. Darüber haben sich die sozialen Probleme weiter verschärft. Beispiele hierfür sind Arbeitslosigkeit oder die Ausgrenzung bestimmter Schichten vom Bildungssystem. Ein rein auf technologische und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtetes Innovationsverständnis führt also weder zu den wirtschaftlichen Zielen noch löst es soziale Probleme wie manche neo-liberale Theoretiker meinen. Ich denke, hier ist das Konzept der Sozialen Innovation von großer Bedeutung. Denn es zeigt, dass die Frage der sozialen Entwicklung als eigenständiges Phänomen mit in die Betrachtung einbezogen werden muss. Darüber sollte Politik nachdenken – am besten gemeinsam mit einer Beteiligung der Betroffenen und vielleicht sogar begleitet von der Forschung.</p>
<p><strong>Was wünschen Sie sich für die Sozialwissenschaften?</strong></p>
<p>Die bisherige Arbeitsteilung in der Innovationsforschung sieht so aus, dass die Ingenieur- und Naturwissenschaften Innovationen gestalten. Die Sozialwissenschaften beobachten sie dabei und analysieren die Prozesse – im Grunde ist es Begleitforschung. Nach unserem Verständnis würde sich dies im Hinblick auf Soziale Innovationen anders darstellen. In dieser Sichtweise sind die Sozialwissenschaften auch Gestalter dieser Innovationsprozesse. Sozialwissenschaftler können Unternehmen, Gesellschaft und Politik helfen, soziale Innovationsprozesse zu organisieren.</p>
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