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	<title>Internationale Politik &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Internationale Politik &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Kanzler Schröder fährt nicht zum UN-Gipfel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Nov 2012 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[UN-Weltinformationsgipfel in Genf]]></category>
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					<description><![CDATA[...aber dafür Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;aber dafür Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement<!--break-->
                    </p>
<p>Innenpolitik, Vermittlungsausschuss zur Agenda 2010 und die Abschluss-Sitzungen des EU-Gipfels zur Europäischen Verfassung haben zu starkes Gewicht. Bundeskanzler Gerhard Schröder wird nach Aussagen eines Regierungssprechers nicht am UN-Gipfel zur Informationsgesellschaft vom 10. bis zum 12. Dezember in Genf (WSIS) teilnehmen. Ursprünglich wollte Schröder eine Rede im Gipfelplenum halten und vom Nachmittag des 10. bis zum Mittag des 11. Dezembers vor Ort sein.</p>
<p>Stattdessen wird Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement am 11. Dezember zum Gipfel fahren, bestätigte am Donnerstag (27.11.) das Ministerium gegenüber politik-digital.de. Das Wirtschaftsministerium hat derzeit die Federführung für den UN-Gipfel von Seiten der Regierung.</p>
<p>&#8220;Dieses kurzfristige Umdisponieren zeigt deutlich, dass der Bundesregierung die weitreichenden Bedeutungen der auf dem WSIS diskutierten Themen nicht klar ist&#8221;, bemängelt Ralf Bendrath, Mitglied des zivilgesellschaftlichen Koordinierungskreises zum Informationsgipfel. Die Bundesregierung setze die falschen Prioritäten.</p>
<table cellpadding="2" width="170" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Zuerst erschienen bei<br />
                            <a href="http://www.gipfelthemen.de">gipfelthemen.de</a> am 27.11.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></p>
<table cellspacing="0" cellpadding="2" width="390" border="0">
<tbody>
<tr>
<td align="middle">
                            <em><br />
                              <a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:">Kommentieren Sie diesen Artikel!</a><br />
                            </em></p>
<p>                            <em><br />
                              <a href="/salon/diskussion/">Diskutieren Sie mit anderen in unserem Forum!</a><br />
                            </em><br />
                            
                          </td>
</tr>
</tbody>
</table>
<hr class="tidy-3" width="390" noshade="noshade" size="1" />
                    </p>
<p>
                      <strong>Weiterführende Artikel:</strong>
                    </p>
<ul>
<li>
                        <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/doss5ungi.shtml">Bundeskanzler Schröder will zum Gipfel fahren</a>
                      </li>
</ul>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Vom WSIS zum SMSI</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/un-weltinformationsgipfel-in-genf/wissensgesellschaftaktuell_5-shtml-3041/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[clerche]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Nov 2012 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[UN-Weltinformationsgipfel in Genf]]></category>
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					<description><![CDATA[Abschluss des UN-Weltinformationsgipfels in Genf: Regierungen beschließen Deklaration und Aktionsplan. Die Kompromisse sollen bis Tunis 2005 von der UN zur Lösung vorbereitet werden. Doch neuer Streit deutet sich an.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Abschluss des UN-Weltinformationsgipfels in Genf: Regierungen beschließen Deklaration und Aktionsplan. Die Kompromisse sollen bis Tunis 2005 von der UN zur Lösung vorbereitet werden. Doch neuer Streit deutet sich an.<!--break--></p>
<p>Die erste Gipfelkonferenz der Vereinten Nationen (UN) zur Informationsgesellschaft (WSIS) wurde am Freitag, den 12.12.2003, beendet &#8211; mit einer unverbindlichen<br />
<a href="http://www.itu.int/wsis/geneva/docs.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Grundsatzerklärung</a> und einem<br />
<a href="http://www.itu.int/wsis/geneva/docs.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aktionsplan</a>, von dem vor allem die armen Länder profitieren sollen. Neben dem guten Gefühl, auf dem Redemarathon während der drei Gipfeltage eine Sensibilisierung für die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) herbeigeredet zu haben, soll es auch harte Fakten geben. Daher habe man sich &#8220;auf klare Ziele verständigt&#8221;, wie der Generalsekretär der International Telecommunication Union (ITU) Yoshio Utsumi auf der Abschlusskonferenz stolz verkündete. Die Hälfte der Weltbevölkerung soll demnach bis zum Jahr 2015 über einen Zugang zu IKT verfügen, versprechen die 176 Staaten im 13-seitigen Aktionsplan.</p>
<p><strong>Was ist ein Erfolg?</strong></p>
<p>Für die ITU, den Ausrichter des Gipfels, ist der Gipfel ein Erfolg. Die Anwesentheit der vielen Teilnehmer &#8211; rund 11.000 werden offiziell angegeben, sei allein ein Erfolg, wie Utsumi sagte. &#8220;Dass es keine Demonstrationen gegen den Gipfel gegeben hat, ist ein Erfolg für den Multi-Stakeholder Ansatz&#8221;, überraschte Utsumi mit eigenwilliger Logik die Presse. Demnach wären die auf dem Gipfel anwesenden Vertreter der Zivilgesellschaft Schuld an fehlenden Gegendemonstrationen, was zum einem nicht stimmt, da es sehr wohl Gegendemonstrationen und Gegenveranstaltungen wie WeSeize gab. Zum anderen haben Anti-Globalisierungsgegner wie Attac erst sehr spät den Gipfel wahrgenommen und keine Massen mobilisieren können. Pascal Couchepin, Bundespräsident des Gastlandes Schweiz, gab der Zivilgesellschaft die Hausaufgabe mit auf den Weg, sie müsse lernen, wie man auf Internationalen Konferenzen zu Kompromissen kommen würde.</p>
<p>Moritz Leuenberger, Leiter der Schweizer Delegation und Bundesrat, führte aus, dass es zahlreiche Befürchtungen vor dem Gipfel gegeben habe, aber dass er mit den gefundenen Kompromissen, der Teilnahme der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft (Multi-Stakeholder) und dem &#8220;nicht vorhandenden Gegen-Gipfel&#8221; &#8220;glücklich und stolz&#8221; sei.</p>
<p><strong>Erfolgsmodell Outsourcing</strong></p>
<p>Dem konnte Nitin Desai, Beauftragter von UN-Generalsekretär Kofi Annan für den Gipfel, nur zustimmend beipflichten. &#8220;Am Ende hat alles funktioniert&#8221;, sagte er. Auch zeigte er sich erfreut, dass die offenen Fragen der Internet-Verwaltung (ICANN oder ITU) und des digitalen Solidaritätsfonds zur klärenden Vorbereitung an den Generalsekretär der UN delegiert wurden. &#8220;Am Anfang gab es nichts zu besprechen&#8221; sagte Desai. Nun sei die Wirtschaft dialogbereit, um über Fragen der Internet Governance zu sprechen. Denn &#8220;vor zwei Jahren wollte die Wirtschaft gar nicht darüber sprechen&#8221;, ergänzte Couchepin. So misst man auf diplomatischer Ebene Erfolge. Allerdings trübt die Aussage von Richard D. McCormick, Vorsitzender der International Chamber of Commerce (ICC), die Freude über diesen Erfolg. Er erklärte, dass der Begriff &#8220;Internet Governance&#8221; ein Widerspruch in sich sei und das gegenwärte Modell &#8220;sehr gut funktioniert&#8221;. Die Wirtschaft wird sich also ihr Modell &#8211; sprich die ICANN &#8211; nicht ohne Widerstand wegnehmen lassen.</p>
<p>Couchepin gab zu, dass der digitale Solidaritätsfond &#8211; von Afrika gefordert und besonders von der EU und Deutschland bekämpft, &#8220;die Dialogpartner getrennt hat&#8221;. Doch ITU Chef-Diplomat Utsumi brachte es in seiner sachlichen Art auf den Punkt: &#8220;Nicht alle teilnehmenden Regierungen sind mit dem Kompromiss 100-prozentig zufrieden, aber ich glaube, sie sind mehr oder weniger zufrieden.&#8221;</p>
<p>Der Beauftragte Kofi Annans belehrte unverbesserliche Kritiker der Ergebnisse des Gipfels mit der Aussage eines erfahrenen Gipfelfuchses: &#8220;Ich mache das jetzt seit zehn Jahren. Auf jeder Konferenz wird über Geld gesprochen, aber noch nie wurde ein Scheck ausgestellt.&#8221;</p>
<p><strong>Gastgeber 2005: Tunesien</strong></p>
<p>Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel, denn in zwei Jahren wird in Tunis die zweite Phase des &#8220;sommet mondial sur la societe information&#8221; (SMSI) stattfinden, um eine UN-Charta zur &#8220;digitalen Solidarität&#8221; zu verabschieden. Nicht alle sind glücklich mit der Entscheidung, den Gipfel in Tunesien abzuhalten. Tunesische Menschrechtsgruppen wie die Tunisian League for Human Rights berichteten in Genf von Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit in ihrem Land. Couchepin gab auf der Abschlusskonferenz zu, dass &#8220;Fortschritte in Tunesien in Fragen der Menschenrechte erreicht werden müssen&#8221;, aber dass es ihm nicht zustehen würde, ein Mitgliedsland der UN zu beurteilen. Desai versicherte, dass &#8220;in Tunesien die selben Standards gelten werden wie überall auf der Welt, egal ob es New York, Genf oder Tunis&#8221; sei.</p>
<p>Ein weiteres Konfliktthema kündigt sich an. Wie aus deutschen Regierungskreisen zu erfahren war, sei man mit der Organisation und Durchführung der Vorbereitungskonferenzen (PrepCom) seitens der ITU nicht zufrieden gewesen. Sie seinen schlecht organisiert und nicht erfolgreich moderiert worden. Utsumi gab zu, dass es statt der drei geplanten Konferenzen am Ende sechs gegeben habe und die UN &#8220;einen effizienteren Vorbereitungsmodus suche&#8221;. Auf Nachfrage der Presse verdeutlichte er, dass die Vorbereitungskonferenzen mit der rasanten Entwicklung der IKT nicht mithalten würden, &#8220;da die Diskussionen zu langsam sind&#8221;. Ein Mitarbeiter Utsumis ergänzte gegenüber politik-digital.de, dass an den Einsatz von Cyber-Konferenzen gedacht würde. Deutsche Regierungskreise wünschen sich aber vielmehr eine von der ITU unabhängige Vorbereitung des zweiten Gipfels 2005 in Tunesien. Hier deutet sich hinter den Türen der UN ein Machtkampf um die Austragung der nächsten Vorbereitungskonferenzen ab. Bleibt nur die Hoffnung, die ein deutscher Regierungsvertreter äußerte: &#8220;Wichtig ist, dass der ganze Prozess nach Genf jetzt nicht wieder einschläft.&#8221;</p>
<table border="0" width="170" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Zuerst erschienen bei<br />
<a href="http://www.gipfelthemen.de">gipfelthemen.de</a> am 17.12.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<table border="0" width="390" cellspacing="0" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td align="middle"><em><br />
<a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:">Kommentieren Sie diesen Artikel!</a><br />
</em><em><br />
<a href="/salon/diskussion/">Diskutieren Sie mit anderen in unserem Forum!</a><br />
</em></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<hr class="tidy-3" noshade="noshade" size="1" width="390" />
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Weiterführende Artikel:</strong></p>
<ul>
<li><strong><br />
<a href="/edemocracy/wissensgesellschaft/index.shtml#ungi1">Dossier: UN-Weltinformationsgipfel in Genf</a><br />
</strong></li>
</ul>
<p><!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Macht und Geld im Cyberspace</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/macht_und_geld_im_cyberspace-81/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/buecherreport/macht_und_geld_im_cyberspace-81/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:44:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><span class="fett"> <font size="2">Genf 2003. Tunis 2005. Die erste        Phase des Weltgipfels zur Informationsgesellschaft ist vorüber        und dieses Jahr steht das Folgetreffen an. Da macht es Sinn, den        Prozess selber noch mal nachzuzeichnen. Und sei es nur, um eine        Bestandsaufnahme des Erreichten durchzuführen.</font>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="fett"> <span style="font-size: x-small;">Genf 2003. Tunis 2005. Die erste Phase des Weltgipfels zur Informationsgesellschaft ist vorüber und dieses Jahr steht das Folgetreffen an. Da macht es Sinn, den Prozess selber noch mal nachzuzeichnen. Und sei es nur, um eine Bestandsaufnahme des Erreichten durchzuführen.</span><!--break--> </span><br />
<span style="font-size: x-small;"><br />
Die Geschichte des Weltgipfels erzählt Wolfgang Kleinwächter in seinem Buch “Macht und Geld im Cybespace”. Detailliert schildert er die Stationen, die über 11000 Vertreter von staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren nach Genf brachte. Mit eben so großer Detailliertheit widmet er sich den Inhalten, die auf dem Wege dahin produziert wurden.</span><br />
Er beginnt seine Darstellung damit mit den ersten grenzüberschreitenden Verregelungen kommunikativer Inhalte. Und damit in der Steinzeit der Regimeforschung, bei den Karlsbader Verträgen. Am Interessantesten sind die Seiten zu den WSIS-Vorläufern bzw. den Foren, die sich mit internationalen kommunikationspolitischen Problemen beschäftigen. Hier spielt das Buch seine Stärke aus, da die historische Kontinuität der NWIO-Diskussion zum Genfer Gipfel aufgezeigt wird.<br />
Der überwiegende Teil des Textes ist die mitunter minutiöse Darstellung der einzelnen Konferenzen auf dem Weg nach Genf. Vorbereitungstreffen gab es viele, und auch diese mussten durch Treffen vorbereitet werden. Die Details der großen Diplomatie bekommt der Leser aufgezeigt.<br />
Für diese Details ist der Gipfelprozess ein dankbares Thema, denn durch die schrittweise Selbsteingemeindung der NGOs kam es im Endeffekt zu einer Erweiterung des Teilnehmerkreises. Was auch eine Vergrößerung und Verfeinerung der Regelungen notwendig machte.<br />
Die Analyse scheint aber trotzdem etwas euphorisch. Die breite und formalisierte Beteiligung von NGO unterschiedlichster Couleur als Aushöhlung der Geheimdiplomatie zu werten, ist gewagt. Klassische Geheimdiplomatie findet sich zu einem unter den Bedingungen der Informationsgesellschaft kaum mehr. Ob diese Verfahrensweise, die mehr Spezialwissen in den Prozess eingebracht hat, am Ende ein nachhaltigeres Ergebnis produziert als andere Gipfelprozesse, kann sowieso nur die Zukunft zeigen.<br />
Etwas gewünscht hätte sich der Leser aber dennoch, dass Vergleichsgrößen und Vorbilder für diesen als innovativ geschilderten Pfad der öffentlichen Diplomatie mitgeteilt werden. Eine theoriegeleitete Aufbereitung des Weges zum WSIS sucht man vergebens. Zwar weiss man am Ende der Lektüre viel mehr – nur bleibt man mit diesem Wissen etwas alleine.<br />
KLEINWÄCHTER, WOLFGANG: Macht und Geld im Cyberspace. Wie der Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS) die Weichen für die Zukunft stellt. Heise Verlag, Hannover 2004. 186 Seiten, 16,00 €.<br />
<span style="font-size: x-small;"><span class="fett"><br />
</span></span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Im Labyrinth des Cyberspace</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/im_labyrinth_des_cyberspace-72/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/buecherreport/im_labyrinth_des_cyberspace-72/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:44:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgipfel zur Informationsgesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><span class="fett"><font size="2">Rechtzeitig zum zweiten Teil        des Weltinformationsgipfels der UNO in Tunis, erscheint Wolfgang        Kleinwächters Leitfaden durch die Welt von WSIS, WGIG, PrepComs,        Aktionsplänen, Vorbereitungstreffen, Arbeitspapieren und UN-Deklarationen.        </font>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="fett"><span style="font-size: x-small;">Rechtzeitig zum zweiten Teil des Weltinformationsgipfels der UNO in Tunis, erscheint Wolfgang Kleinwächters Leitfaden durch die Welt von WSIS, WGIG, PrepComs, Aktionsplänen, Vorbereitungstreffen, Arbeitspapieren und UN-Deklarationen. </span><!--break--></span><br />
<span style="font-size: x-small;"> Wer sich bisher noch nicht in den verwirrenden Dschungel der Konferenzen rund um die Informationsgesellschaft hineingetraut hat, findet hier einen Wegweiser durch die Mysterien der internationalen Großkonferenz, ihrer Vorbereitungstreffen und Akteure.</span><br />
Kleinwächter hat hier eine detaillierte und kenntnisreiche Studie über den Prozess des ersten UNO-Weltgipfels zur Informationsgesellschaft vorgelegt. Sie wird ergänzt durch einen umfangreichen Anhang, der wichtigsten Texte und Dokumente des Gipfels sowie einem wirklich nützlichen Abkürzungsverzeichnis. Das Buch wird so schon fast zum Nachschlagewerk.<br />
Kleinwächter geht es um zwei Dinge. Zum einen will die Studie den jahrzehntelangen Prozess in all seinen Facetten darzustellen. Zum anderen, so suggeriert der Titel, sollen die Machtstrukturen und Geldflüsse innerhalb dieses Prozesses aufgezeigt werden. Kleinwächters Analyse beginnt in den Tiefen der Informationsgesellschaftsgeschichte und endet mit einem Ausblick auf den zweiten Teil des Gipfels im November 2005 in Tunis.<br />
<span class="fett">Mit Bausch und Bogen</span><br />
<span style="font-size: x-small;"><br />
Der weite Rückgriff auf die Erfindung des Buchdruckes und den ersten internationalen Abkommen zur Regelung grenzüberschreitender Informationsverbreitung (Karlsbader Beschlüsse von 1819) bis hin zu den letzten Vorbereitungen des Genfer Gipfels wirkt zunächst etwas langatmig, gibt aber dennoch einen guten Einstieg in die Problematik. Wem es hier jedoch zu Grundsätzlich wird, der kann dieses Kapitel auch überblättern.</span><br />
Deskriptiv und detailreich geht es weiter. Kleinwächter taucht tief in die Materie der Konferenzarchitektur ab und zeigt damit einerseits die Notwendigkeit solcher hochgradig organisierter Unternehmungen, andererseits entsteht so aber auch eine Fülle von Details, die dem Leser fast physisch die Qualen solcher Mammutunternehmungen vor Augen führt. Informationen geht dabei nicht verloren, denn das Buch ist übersichtlich strukturiert, als Lesebuch wirkt es allerdings schwerfällig. Gerade für den unbefangenen Leser sind diese Details aber auch unumgänglich, da man sich nur so im Labyrinth der Titel und Organisationen nicht verläuft.<br />
<span class="fett">Mit Blick aufs Wesentliche</span><br />
Dies ist manchmal mühsam, aber Kleinwächter gelingt das Kunststück, trotz dieser Detailfülle den Blick auf das Wesentliche nicht zu verlieren. Welche Themen etwa diesen Prozess so schwierig machen (Internet Governance), welche Befürchtungen gehegt werden (Wer kontrolliert im Internet? Wer muss vor wem sicher sein?) und schließlich warum dieser Gipfel so einzigartig ist: Wegen des Multistakeholder-Ansatzes. Es handelt sich also um einen UN-Gipfel, bei dem zum ersten Mal Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft an einem Tisch sitzen und gemeinsam Lösungen erarbeiten wollen. Erstmals ist die Zivilgesellschaft nicht ausgesperrt und nicht auf sog. Gegengipfel angewiesen.<br />
Kleinwächter zeigt auf, welche Interessen die jeweiligen Vertreter haben, ob sie diese durchsetzen konnten und wie anschwellende Beteiligung von Stakeholdern den WSIS-Prozess fast zu einer Schimäre machten.<br />
<span class="fett">Die Frage nach der Legitimation</span><br />
Nun ist Kleinwächter Professor für Kommunikation und kein Politikwissenschaftler. Wer an dieser Stelle etwas über die Legitimation nichtstaatlicher Akteure wissen will, oder die demokratische Verfasstheit der WSIS-Gipfelkonstruktion, wird enttäuscht. Solche Fragen drängen sich zwar auf, werden aber kurz gehalten. Kleinwächter beschränkt sich auf eine Schilderung der Konstitutionsbemühungen wirtschaftlicher und zivilgesellschaftlicher Organisationen. Angesichts der Fülle von Veranstaltungen und der immensen Anzahl von Wirtschafts- und Zivilgesellschaftsvertretern, eine durchaus notwendige und hinreichende Strategie.<br />
Das Buch „Macht und Geld im Cyberspace“ ist ein stellenweise enzyklopädischer Ritt durch Geschichte und Konstitution der Informationsgesellschaft. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Kleinwächter fügt diesem Dokument der Gigantomanie noch ein versöhnlichen Ausblick hinzu, der deutlich machen soll, welche Fortschritte denn nun eigentlich erzielt wurden und was man von den folgenden Vorbereitungstreffen und schließlich dem Gipfel in Tunis, erwarten kann.<br />
Dennoch kann man sich dem Eindruck nicht erwehren, Kleinwächters Bonmot „Der Weg entsteht beim Gehen“, schwinge eine fast schon resignative Note, ob der zu bewältigenden Aufgabe des UN-Gipfels, mit. Aber Sisyphos soll man sich ja auch als einen glücklichen Menschen vorstellen.<br />
„Macht und Geld im Cyberspace“ ist im Heise Verlag erschienen und kostet 16,00 Euro.<br />
<span style="font-size: x-small;"><span class="fett"><br />
</span></span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Merkel will keine faulen Klima-Kompromisse&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/merkel_will_keine_faulen_klima_kompromisse-488/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Jun 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[G8]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Töpfer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span class="fett"><b> Klaus Töpfer war am 4. Juni zu Gast im
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Der ehemalige
Leiter des UN-Umweltprogramms und Ex-Bundesumweltminister sprach
über den Einfluss der G8-Staaten auf den Klimawandel und den
neuen klimapolitischen Weg von USA und China.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span class="fett"><b> Klaus Töpfer war am 4. Juni zu Gast im<br />
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Der ehemalige<br />
Leiter des UN-Umweltprogramms und Ex-Bundesumweltminister sprach<br />
über den Einfluss der G8-Staaten auf den Klimawandel und den<br />
neuen klimapolitischen Weg von USA und China.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Liebe Globalisierungs- und Klima-Interessierte,<br />
herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Im ARD-Hauptstadtstudio<br />
ist unser Chat-Gast heute Klaus Töpfer, langjähriger Bundesumweltminister,<br />
langjähriger Leiter des UN-Umweltprogramms und damit einer<br />
der fachkundigsten Politiker bei den Themen Klimaschutz und Globalisierungsproblematik.<br />
Vielen Dank fürs Kommen, Herr Töpfer, kann es losgehen.</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Ja. Ich freue mich, dass ich<br />
hier bin. Hoffentlich haben wir viele Interessierte an der anderen<br />
Seite der Leitung. </p>
<p><b>arzt im einsatz:</b> Was könnte es denn für<br />
Auswirkungen haben, wenn sich die USA nicht am Klimaschutz beteiligen?</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Die Auswirkungen wären<br />
erstens, dass die Schwellenländer dies als Signal nehmen, selbst<br />
Anstrengungen zu einer kohlenstoffärmeren Energieversorgung<br />
mit einer geringer Priorität zu behandeln. Zweitens, dass auch<br />
andere entwickelte Länder in Europa die Besorgnis hätten,<br />
dadurch Wettbewerbsnachteile zu haben. Drittens, dass viele Menschen<br />
in der Welt die Rolle und die Aufgaben der Vereinigten Staaten von<br />
Amerika extrem kritisch betrachten und an der Leistungsfähigkeit<br />
demokratischer Systeme zweifeln könnten. Letztlich, dass über<br />
25 Prozent der globalen CO²-Emissionen, die von der USA verursacht<br />
werden, in den Kampf gegen den Klimawandel nicht einbezogen würden.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ktoepfer85x.jpg" alt="Klaus Töpfer" height="120" width="85" /><br />
<i>Klaus Töpfer, <br />
ehemaliger Leiter des UN-Umweltprogramms <br />
und Ex-Bundesumweltminister</i>
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt: Klimaschutz-Förderung<br />
ist auch Demokratieförderung?</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Ich glaube, dass ist sehr, sehr<br />
ernst zu betrachten. Wir müssen sehen, dass gegenwärtig<br />
das hohe Wohlstandsniveau der entwickelten Länder auch zu einem<br />
Teil über die Klimafolgekosten durch die Ärmsten der Armen,<br />
etwa in Afrika, durch Wetteränderungen, durch Wüstenbildung,<br />
durch Veränderung der Niederschläge, bezahlt wird. Dies<br />
hat weitreichende Konsequenzen für Spannungen und Krisen in<br />
dieser Welt, auch für Flüchtlingsströme und &#8211; wie<br />
gesagt &#8211; für die Glaubwürdigkeit und moralische Integrität<br />
der hoch entwickelten Demokratien. </p>
<p><b>Moderator:</b> Doppelt zum Thema:</p>
<p><b>davidper: </b>Glauben Sie persönlich an eine konstruktiven<br />
Mitwirkung der Bush-Administration in Sachen Klimaschutz?</p>
<p><b>dreigradkälter:</b> Wie lange können sich<br />
Bush bzw. die USA eigentlich noch weigern, das Kyoto-Protokoll zu<br />
unterzeichnen? Wird der internationale Druck nicht irgendwann zu<br />
stark?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Der internationale Druck ist<br />
Grund dafür, dass Präsident Bush jetzt zum ersten Mal<br />
die Notwendigkeit eines quantitativen Ziels auch für die USA<br />
akzeptiert hat. Nach wie vor bedeutet das nicht die Annahme einer<br />
rechtlichen Verbindlichkeit. Nach wie vor ist dies nicht eingebunden<br />
in den rechtlichen Prozess im Rahmen der Vereinten Nationen. Und<br />
es war in besonderer Weise der Druck in den USA, der in der jüngsten<br />
Vergangenheit drastisch angestiegen ist. Die Aktivitäten großer<br />
Unternehmen, etwa des weltweit größten Unternehmens,<br />
General Electric, ja selbst General Motors, auf die Bush-Administration<br />
für eine Klimapolitik bestätigen das. Ebenso die Entwicklung<br />
in den Bundesstaaten, so vor allem in Kalifornien mit Gouverneur<br />
Schwarzenegger und in den Neuenglandstaaten. Nicht zuletzt aber<br />
in einem breiten Druck der Zivilgesellschaft, der in besonderer<br />
Weise durch den Film von Al Gore völlig neue Dimensionen erreicht<br />
hat.
</p>
<p>
<b>Erneuerbare Energien sichern die Wettbewerbsfähigkeit</b></p>
<p><b>malnor:</b> Spätestens seit dem „Stern-Review“<br />
dürften doch die wirtschaftlichen Risiken eines ungebremsten<br />
Klimawandels angekommen sein. Wieso weigern sich die sonst immer<br />
so wirtschaftlich denkenden Amerikaner dann, endlich aktiv zu werden?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Es ist richtig, die wirtschaftliche<br />
Dimension nicht mit Hinblick auf die Amerikaner, sondern auch mit<br />
Hinblick auf die wachsenden Schwellenländer zu sehen. Zum einen<br />
mit Blick auf die Anpassungskosten an den Klimawandel. Der Bericht<br />
von Sir Nicolas Stern belegt dies und hat gerade auch in der Wirtschaft<br />
der USA, wie bereits zuvor kurz angesprochen, Wirkung gezeigt. Zum<br />
anderen: Die globale wirtschaftliche Entwicklung, so vor allem auch<br />
in China und Indien, bedeutet einen massiven Anstieg der Energienachfrage.<br />
Sie kann nur bei massiv steigenden Preisen und bei erheblicher Versorgungsunsicherheit<br />
bewältigt werden, wenn sich das Energieangebot nur auf Kohle,<br />
Erdöl und Gas begrenzt. Auch die Energieeffizienz ist Voraussetzung<br />
für die Wettbewerbsfähigkeit. Daher sind erneuerbare Energien<br />
und Energieeffizienz auch für die USA eine Grundvoraussetzung,<br />
auch für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. </p>
<p><b>DasWetter:</b> Was ist von Bushs Plan zu halten, mit<br />
China und Indien einen Alleingang in Sachen Klimaschutz zu starten?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Dieser Ansatz ist ja gemeinsam<br />
mit Japan und Australien bereits vor einiger Zeit als gemeinsame<br />
Technologie-Initiative gestartet worden. Als Ergänzung zu erfolgreichen<br />
Klima-Verhandlungen im Rahmen der UN ist dieses sinnvoll. Auch Europa<br />
hat mit den asiatischen Staaten und darüber hinaus diese energiebezogene<br />
Technologie-Kooperation deutlich verstärkt. Die Initiative<br />
der USA ist jedoch kein Ersatz, sondern eben nur eine Ergänzung,<br />
eine wichtige Ergänzung, des Klimaprozesses.
</p>
<p>
<b>g-Achter:</b> Ist die Bundeskanzlerin in Sachen Klimaschutz<br />
zu zögerlich, was ein Ergebnis beim G8-Gipfel angeht?</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Ich glaube, dass die Bundeskanzlerin<br />
sehr herausfordernd in die Verhandlungen eines Schlussdokumentes<br />
in das Thema hineingegangen ist. Sie konnte dies von einer guten<br />
Basis tun, nämlich von dem Beschluss der EU, 20 Prozent &#8211; bei<br />
gemeinsamem Handeln sogar 30 Prozent &#8211; des CO²-Ausstoßes<br />
zurückzuführen. Auch die Akzeptanz der wissenschaftlichen<br />
Fakten, so vor allem die Begrenzung des Klimaanstiegs auf maximal<br />
zwei Grad, sind als nicht verhandlungsfähig gestellt worden.<br />
Dies ist sicherlich keine Zögerlichkeit. Der neue Ansatz aus<br />
Washington führt natürlich dazu, das gemeinsam Erreichbare<br />
so kurz vor dem Gipfel zu analysieren und das Nötige auch als<br />
Untergrenze festzulegen. Zu Recht hat Angela Merkel unmissverständlich<br />
klar gemacht, dass sie faule Kompromisse nicht zu unterzeichnen<br />
gedenkt. </p>
<p><b>Moderator:</b> War der Klimaschutzplan von Bush ein<br />
Versuch, Merkel den Wind aus den Segeln zu nehmen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Es war sicherlich der Versuch,<br />
wieder Wind in die eigenen Segel zu bekommen. Die USA waren und<br />
sind nach wie vor in der Klimafrage unter den hoch entwickelten<br />
Ländern weitgehend isoliert, verbunden mit Australien und neuerdings<br />
auch mit Kanada. Die Chancen der Führerschaft auf diesem Gebiet<br />
wurden vertan. Die technologischen Möglichkeiten der USA sind<br />
für eine wirksame Klimapolitik dringlich erforderlich. </p>
<p><b>Substitut:</b> Sind die Treffen der G8 überhaupt<br />
noch zeitgemäß? Müssen nicht viel mehr Interessenvertreter<br />
beteiligt werden, um über die Themen zu beraten?</p>
<p><b>tom l.: </b>Denken Sie, dass die Teilnehmer des G8-Gipfels<br />
legitimiert sind, für die Völker dieser Welt zu entscheiden?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Die G8 entscheiden nicht für<br />
die Völker dieser Welt. Noch einmal ist zu betonen, dass die<br />
Beratungen und Überlegungen der G8, wie die auch anderer Staatengemeinschaften,<br />
etwa die der Gruppe der 77 &#8211; also der Entwicklungsländer &#8211;<br />
in den rechtlichen Prozess der UN einzubinden sind. Die G8 hat keine<br />
rechtlich verbindliche Entscheidungsmöglichkeit für die<br />
globale Staatengemeinschaft.
</p>
<p>
<b>Globalisierung bedarf der Auseinandersetzung</b></p>
<p><b>Räato: </b>Können Sie die (auch gewalttätigen)<br />
Proteste gegen den Gipfel nachvollziehen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer: </b>Ich kann gewalttätige<br />
Proteste nicht nachvollziehen. Und ich bin auch deswegen empört,<br />
weil durch solche Proteste eine Diskussion, die dringlich erforderliche<br />
Diskussion über die Gestaltung der Globalisierung, ganz verdrängt<br />
oder an den Rand gedrückt wird. Globalisierung bedarf auch<br />
der sehr strittigen Auseinandersetzung. Aber eben einer Auseinandersetzung<br />
mit Argumenten und mit Überzeugung, nicht mit Gewalt, die wiederum<br />
nur entsprechende Gegenreaktionen auslöst. So wird die Chance<br />
vertan, anlässlich eines solchen globalen Gespräches den<br />
Verantwortlichen der hoch entwickelten Staaten die Konsequenzen<br />
der Globalisierung vorzustellen und ergänzende Lösungsmöglichkeiten<br />
zu vermitteln. Globalisierung wird nur erfolgreich mit den Menschen<br />
gestaltet werden können. Dies wiederum ist nur möglich,<br />
wenn Globalisierung die Kluft zwischen Arm und Reich nicht weiter<br />
vertieft, sondern sie Stück für Stück abbaut. </p>
<p><b>Moderator:</b> Die Veranstalter der Demonstration in<br />
Rostock und Attac-Vertreter haben sich sehr deutlich von den gewalttätigen<br />
Demonstranten distanziert. Wie bewerten Sie das?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Dies ist eine gute Entwicklung.<br />
Ich bin sicher, dass sie auch in entsprechende Verhaltensweisen<br />
einmündet und dass man sich von diesen chaotischen Gruppen,<br />
denen die Argumente fehlen und die Gewalt suchen, bei Demonstrationen<br />
distanziert. Dies ist eine gute Voraussetzung für ernsten und<br />
auch fordernden Dialog, auch für Demonstrationen und Protest.<br />
Diese grundgesetzlichen Rechte dürfen in keiner Weise in Frage<br />
gestellt werden. </p>
<p><b>Daniel Fischer: </b>Wie schätzen Sie den Einfluss<br />
der Zivilgesellschaft und die Bedeutung von friedlichen, gewaltfreien<br />
Protesten ein, um den notwendigen Druck auf die Politik auszuüben,<br />
damit der Klimaschutz in der Praxis tatsächlich vorankommt?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Dieser Einfluss ist sehr weit<br />
reichend und in demokratischen Staaten auch sehr wirksam. Die klaren<br />
Signale, dass ein wirksamer Klimaschutz auch von den Menschen definitiv<br />
und ultimativ eingefordert wird, ist für die politischen Entscheidungen<br />
in einem demokratischen System von entscheidender Bedeutung. Gerade<br />
deswegen bin ich so daran interessiert, dass diese friedlichen Demonstrationen,<br />
diese Artikulationen an politisches Handeln, sehr machtvoll bestätigt<br />
wird, und nicht durch Chaos und Gewalt erdrückt wird.
</p>
<p>
<b>Das Umweltkapital begrenzt das Wirtschaftswachstum</b>
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Sie haben die Kluft zwischen Arm und<br />
Reich angesprochen:</p>
<p><b>tom l.:</b> Herr Töpfer, glauben Sie, dass maximale<br />
Profite mit einem ehrlichen und kurzfristigen Umweltschutz vereinbar<br />
sind?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Ich glaube, verantwortliches<br />
wirtschaftliches Handeln kann sich nicht ausrichten an maximalen<br />
kurzfristigen Profiten. Die Stabilität der Gesellschaft im<br />
nationalen und globalen Bereich sind entscheidende Voraussetzungen<br />
für globale wirtschaftliche Entwicklung. Ohne diese Stabilität<br />
in Zeiten von Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen<br />
werden auch wirtschaftliche Entwicklungen massiv beeinträchtigt.<br />
Dies gilt auch für den Umweltbereich. Nicht zuletzt in China<br />
ist klar geworden, dass man wirtschaftliches Wachstum nur über<br />
eine begrenzte Zeit ohne Rücksicht auf die Umweltkonsequenzen<br />
maximieren kann. Inzwischen ist das Umweltkapital, also die Verfügbarkeit<br />
und die Sauberkeit von Wasser, die Belastung der Böden, die<br />
Auswirkungen chemischer Stoffe, aber auch die Folgen des Klimawandels,<br />
etwa auf die Wasserwirtschaft, zum begrenzenden Faktor für<br />
das Wirtschaftswachstum geworden. Investitionen in dieses Umweltkapital<br />
erweisen sich nicht als Luxus, sondern als Grundvoraussetzung weiterer<br />
wirtschaftlicher Entwicklung. Diese Erkenntnis wird nicht nur in<br />
China gewonnen und hat auch vor etwa 30, 40 Jahren die Entwicklung<br />
einer bewussten Umweltpolitik in den hoch entwickelten Ländern<br />
zwingend gemacht &#8211; nebenbei auch herausgefordert von einer sehr<br />
kritischen, sehr fordernden Zivilgesellschaft und Bürgerinitiativen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In diesem Zusammenhang: </p>
<p><b>Marbastmann: </b>Wie bewerten Sie den aktuellen chinesischen<br />
CO²-Plan? Wie wird sich China bei den Verhandlungen verhalten?<br />
Moderator: Ist dieser chinesische Plan ein echter Fortschritt?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Zunächst ist festzuhalten,<br />
dass sich China auch in der chinesischen Öffentlichkeit dieser<br />
Herausforderung des Klimawandels stellt. Die Rede des Premierministers<br />
im Parteikongress ist ein Zeichen dieser neuen Orientierung, die<br />
eben nicht mehr nur auf das Wirtschaftswachstum, sondern auch auf<br />
die sozialen Verwerfungen, regionalen Unterschiede zwischen Stadt<br />
und Land sowie auf die weit reichenden Umweltprobleme konkret eingeht.<br />
Der Plan ist umzusetzen und wird, nicht zuletzt auch aus der engen<br />
technologischen Zusammenarbeit mit den hoch entwickelten Staaten,<br />
deutlich weitergehen müssen. Die Entscheidung in China, 20<br />
Prozent der Energieversorgung aus erneuerbaren Energien zu erhalten,<br />
entspricht der Zielsetzung, die sich auch die EU gegeben hat. <br />
Moderator: Sie sind ja einer der Menschen, der in Sachen Klimaschutz<br />
am meisten unterwegs war:
</p>
<p>
<b>Es gibt nur Verlierer des Klimawandels</b></p>
<p><b>Dogmatix: </b>Ich lebe hier in Irland &#8211; was von der<br />
Distanz nicht weit weg von Deutschland ist. Aber Umweltschutz ist<br />
hier nicht so präsent, man freut sich eher über wärmeres<br />
Wetter durch den Klimawandel. In Tschechien hat der Präsident<br />
sogar ein Buch über das Thema geschrieben. Wie sehr ist das<br />
Klimaproblem eigentlich global gesehen bei den Menschen angekommen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Eine ganz wichtige Frage. Nach<br />
wie vor gibt es die Meinung, dass vom Klimawandel auch viele Menschen<br />
positiv betroffen sind. Dies kann für eine Übergangszeit<br />
sicher auch der Fall sein. Mittel- und langfristig gibt es jedoch<br />
nur Verlierer des Klimawandels: Von den Klimaflüchtlingen bis<br />
hin zu den veränderten Eismassen auf dieser Welt und den damit<br />
verbundenen Veränderungen der Meeresspiegel. Nicht zuletzt<br />
wird auch durch die immer wieder erfolgende Überlegung einiger<br />
Wissenschaftler, dass Klimawandel nicht auf menschliche Aktivitäten<br />
zurückzuführen ist, der Handlungsdruck abgeschwächt.<br />
So ist Klimawandel sicherlich noch nicht überall auf diesem<br />
Globus angekommen. Auch in den Entwicklungsländern wie etwa<br />
in Afrika, die gegen den Klimawandel angesichts ihrer Energiestruktur<br />
nichts tun können &#8211; diesen auch nicht verursachen, wird der<br />
Kampf gegen den Klimawandel als Verpflichtung der hoch entwickelten<br />
Länder angesehen, der das Streben nach mehr wirtschaftlicher<br />
Perspektive nicht in Frage stellen darf. </p>
<p><b>Gerhard123: </b>Gibt es noch wissenschaftlich ernstzunehmende<br />
Zweifel an den Ergebnissen des Weltklimarates?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Wissenschaft besteht immer<br />
darin, dass man bemüht ist, gesichertes Wissen wieder in Frage<br />
zu stellen. Wissenschaft ist nicht die Suche nach bestätigenden<br />
Ereignissen, sondern die gezielte Suche nach widerlegenden, nach<br />
falsifizierenden Fakten. Deswegen muss jeder Wissenschaftler auch<br />
die gesicherten Kenntnisse über den Klimawandel in Frage stellen.<br />
Dies ist nicht zu kritisieren, sondern herauszufordern. Nicht hinzunehmen<br />
ist allerdings, dass die geäußerten Vorbehalte oder Bedenken<br />
als Alibi für Nicht-Handeln missbraucht werden. Eine weniger<br />
kohlenstoffhaltige Energieversorgung ist unter allen Aspekten zwingend<br />
geboten. Wenige Felder politischen Handelns sind wissenschaftlich<br />
so gut abgesichert und erforscht wie die im Klimabereich. <br />
Moderator: Ein Problembereich, den wir im industrialisierten Deutschland<br />
vielleicht gelegentlich aus den Augen verlieren:<br />
mattes: Herr Töpfer, die Entwicklung der Landwirtschaft, vor<br />
allem der Kampf gegen Bodenerosion als erster Schritt, um Umweltkapital<br />
zu sichern, scheint unterzugehen. Welche Rolle spielt die Landwirtschaft<br />
beim G8-Gipfel?</p>
<p><b>baldur:</b> Für wie wichtig halten Sie den Beitrag,<br />
den eine ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft zum Thema<br />
Klimawandel machen kann?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Der Beitrag der Landnutzung<br />
insgesamt in der Beeinflussung des Klimas ist außerordentlich<br />
weit reichend. Es ist gesichert, dass sowohl die Ozeane als auch<br />
die Lebewesen in den Böden und die Biomasse so genannte Senken<br />
für Kohlendioxid sind. Besonders bedeutsam sind in diesem Zusammenhang<br />
Wälder. Eine ökologisch bewusste Landbewirtschaftung,<br />
eine Erhaltung und Weiterentwicklung von Wäldern erhöhen<br />
damit auch die Senken und ist ein wichtiger Bestandteil jeder Klimapolitik.<br />
So wird zum Beispiel die Aufforstung auch in die Zusammenarbeit<br />
zwischen entwickelten und Entwicklungsländern im so genannten<br />
„sauberen Entwicklungsmechanismus“ (CDM) finanziell<br />
gefördert. Raubbau an Wäldern, Brandrodung und andere<br />
Eingriffe erhöhen dagegen die Risiken des Klimawandels. Nicht<br />
zuletzt ist ergänzend darauf hinzuweisen, dass auch die Art<br />
der landwirtschaftlichen Produktion und der damit verbundenen Energienutzung<br />
sowie der Einsatz von Kunstdünger Rückwirkungen auf den<br />
Klimawandel haben. Etwas pointiert ist oft gesagt worden: &quot;Wir<br />
essen Öl&quot;. </p>
<p><b>malnor: </b>Sehen sie eine Gefahr in den steigenden<br />
Bestrebungen, Pflanzen als Treibstoffe und ähnliches zu benutzten?<br />
Wird mit diesen theoretisch nachhaltigen Energieträgern nicht<br />
der Druck auf die bestehenden Regenwälder erhöht und der<br />
positive Effekt damit wieder ausgeglichen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Dies ist eine sehr berechtigte<br />
Besorgnis. Es ist ein Fakt, dass etwa in Malaysia oder Indonesien<br />
der Anbau von Ölpalmen zur Erzeugung von Palmöl weitreichende<br />
Veränderungen in den Wäldern bewirkt hat. Deswegen ist<br />
es zwingend nötig, schnellstmöglich ökologische Standards<br />
als Voraussetzung für die Erzeugung von Biomasse zu verabschieden,<br />
die selbstverständlich auch bei uns selbst gelten müssen.<br />
Die Weiterentwicklung zu einer zweiten Generation der Treibstoffe<br />
aus Biomasse ist massiv in der Forschung und Entwicklung zu unterstützen.<br />
Der Konflikt zwischen &quot;vollen Tellern, vollen Tanks und intakter<br />
Natur&quot; ist stets zu beachten.
</p>
<p>
<b>Das Konsumverhalten muss sich verändern</b></p>
<p><b>Marko: </b>Wie sehen Sie den Zusammenhang zwischen<br />
Klimaschutz und Bevölkerungspolitik? Etwas platt gefragt: Muss<br />
die Weltbevölkerung nicht möglichst abnehmen, um einen<br />
effektiven Klimaschutz zu erreichen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Ich glaube, dass wir zunächst<br />
einmal hinterfragen müssen, ob es sinnvoll ist, dass 20 Prozent<br />
der Weltbevölkerung, also die Menschen in den hoch entwickelten<br />
Ländern, 80 Prozent der Ressourcen für sich in Anspruch<br />
nehmen. Die Bevölkerungsfrage stellt sich bereits gegenwärtig,<br />
wenn jeder Mensch dieser Welt denselben Anspruch an Energie, Rohstoffen<br />
und Lebensmittelversorgung hätte wie der Durchschnitt in den<br />
hoch entwickelten Ländern. Es muss also der Einsatz auch bei<br />
einer Veränderung des Konsumverhaltens in diesen Ländern<br />
glaubwürdig in Angriff genommen werden. Es zeigt sich auch,<br />
dass die Zunahme der Bevölkerung in den einzelnen Regionen<br />
sehr eng geknüpft ist an die Lebensmöglichkeiten in diesen<br />
Ländern. </p>
<p><b>mpichemieAndreas:</b> Menschen, die den Klimawandel<br />
ernst nehmen und differenziert betrachten, tun dies oft, weil sie<br />
viel gereist sind und verschiedensten Landschaften und Kulturen<br />
begegnet sind. Andererseits sollten wir insbesondere Flugreisen<br />
einschränken. Ich würde mich über einen Kommentar<br />
zu diesem Widerspruch sehr freuen.</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Dies ist im Kern kein Widerspruch.<br />
Auch in Zukunft bedeutet Globalisierung immer die Möglichkeit,<br />
Kontakt zu haben mit anderen Menschen, andere Regionen kennen zu<br />
lernen, Verständnis zu entwickeln für unterschiedliche<br />
Kulturen, Werte und Überzeugungen. Dies ist durchaus in Einklang<br />
zu bringen mit einem sehr viel bewussteren, sparsameren Reisen,<br />
mit weniger Kurzzeittrips und längeren, aber wesentlich wenigeren<br />
Reisen. Es ist auch in Einklang zu bringen damit, dass Flugbenzin<br />
besteuert wird und dass die Kosten der Umweltnutzung auch bei diesen<br />
Reisen in den Preisen berücksichtigt werden. So wünsche<br />
ich Ihnen auch weiterhin viele gute Kontakte um die ganze Welt herum,<br />
die, wie sie ja wissen, auch sehr gut gepflegt werden können<br />
mit den modernen Techniken der Informations- und Kommunikationstechnologie<br />
&#8211; nicht zuletzt mit der Technologie, durch die ich mich heute mit<br />
ihnen unterhalten konnte. Nebenbei: Ohne Reisen, ohne CO²-Belastung,<br />
ohne Lärm &#8211; von Irland bis Deutschland, sicherlich auch rund<br />
um die Erde. Herzlichen Dank, dass Sie in dieser Stunde mitgewirkt<br />
haben.
</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren unsere 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Wer ihn verpasst hat, kann wie immer das komplette Protokoll dieser<br />
Diskussion in Kürze auf www.tagesschau.de oder www.politik-digital.de<br />
nachlesen. Herzlichen Dank für Ihr Interesse und die zahlreichen<br />
Fragen und herzlichen Dank an Herrn Töpfer, dass Sie sich die<br />
Zeit für den Chat genommen haben.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/merkel_will_keine_faulen_klima_kompromisse-488/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#034;Nordkorea wird seine Atomwaffen niemals aufgeben&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotnordkorea_wird_seine_atomwaffen_niemals_aufgebenquot-535/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotnordkorea_wird_seine_atomwaffen_niemals_aufgebenquot-535/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Feb 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Mario Schmidt]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Fritz]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Kernwaffe]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotnordkorea_wird_seine_atomwaffen_niemals_aufgebenquot-535/</guid>

					<description><![CDATA[<span class="fett">Am
16.2. waren die Korrespondenten Martin Fritz und Mario Schmidt aus
dem ARD-Büro in Tokio zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation
mit politik-digital.de. Sie sprachen über Nordkoreas Atomwaffenprogramm
und berichteten über ihre Besuche in einem der abgeschottetsten
Ländern der Welt.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="fett">Am<br />
16.2. waren die Korrespondenten Martin Fritz und Mario Schmidt aus<br />
dem ARD-Büro in Tokio zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation<br />
mit politik-digital.de. Sie sprachen über Nordkoreas Atomwaffenprogramm<br />
und berichteten über ihre Besuche in einem der abgeschottetsten<br />
Ländern der Welt.</span><!--break--></p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politikinteressierte,<br />
herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Heute sind die Asien-Korrespondenten<br />
der ARD, Mario Schmidt und Martin Fritz, zu Gast im Chat. Die beiden<br />
haben Nordkorea diverse Male bereist und als &quot;sehr mysteriöses<br />
Land mit vielen Rätseln&quot; beschrieben. Am Tag des 65. Geburtstages<br />
von Diktator Kim Jong Il und nur wenige Tage, nachdem sich Nordkorea<br />
zum Stopp seinen Atomwaffenprogramms bereit erklärt hat, chatten<br />
sie mit uns aus der japanischen Hauptstadt Tokio. Herr Schmidt,<br />
Herr Fritz, tragen Sie heute eine &quot;Kimjongilia&quot; im Knopfloch?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Gibt es leider in Japan nicht.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Geht leider nicht, ich trage einen<br />
Pullover.
</p>
<p align="center">
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/photos/schmidtfritz.jpg" height="225" width="300" /><br />
<i><br />
Die ARD-Korrespondenten Mario Schmidt (links) und <br />
Martin Fritz haben Nordkorea mehrfach bereist.</i>
</p>
<p>
<b>cafetero:</b> Wie ist die aktuelle Einigung mit Nordkorea<br />
zu beurteilen?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Schwierig, ein erster Schritt,<br />
mehr nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Nordkorea das Atomwaffenprogramm<br />
wirklich aufgeben will.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Zunächst kann sich die Lage<br />
etwas entspannen, aber die nächsten Verhandlungen werden zeigen,<br />
wie ernst Nordkorea es wirklich mit der Abrüstung meint.
</p>
<p>
<b>uwe ernst:</b> Worauf führen Sie das Einlenken<br />
der Regierung im Atomstreit zurück?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Ein großer Faktor dürfte<br />
der Druck von China gewesen sein. China war sehr verärgert<br />
über den Atomtest. Es hat Nordkorea offenbar massiv unter Druck<br />
gesetzt, eine diplomatische Lösung zu suchen.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Vielleicht will Nordkorea nur Zeit<br />
gewinnen. Kim Jong Il wartet auf das Ende der Bush-Regierung. Er<br />
hofft, mit der neuen Regierung einen besseren Deal aushandeln zu<br />
können.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Ist es denn wirklich<br />
ein Einlenken? Kritiker sprechen auch von einem Einknicken von George<br />
W. Bush.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Ich glaube, dass die USA sich tatsächlich<br />
mehr auf den Iran konzentrieren. Die Haltung gegenüber Nordkorea<br />
ist viel milder.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Das kann man tatsächlich so<br />
sehen. Die USA haben viele Konzessionen gemacht, die sie bis Ende<br />
letzten Jahres abgelehnt haben. Aber Nordkorea bekommt erst mal<br />
nur 50.000 Tonnen Heizöl und Diesel, die übrigen 950.000<br />
Tonnen fließen erst, wenn alle Atomprogramme offen gelegt<br />
sind. Insofern würde ich nicht von einem Kotau sprechen.
</p>
<p>
<b>hagbart:</b> Was beinhaltet der gerade ausgehandelte<br />
Abrüstungsplan Nordkoreas?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Die Einzelheiten sehen so aus: Einmotten<br />
des Atomreaktors von Yongbyon und der Wiederaufbereitungsanlage,<br />
dafür gibt es 50.000 Tonnen Schweröl. Offenlegung der<br />
Atomprogramme danach für weitere 950.000 Tonnen Schweröl.<br />
Ungeklärt ist die Frage, wie viel Atomwaffen Nordkorea hat<br />
und ob es sie wirklich abgeben will.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Eine Nagelprobe wird sein, ob Nordkorea<br />
erklärt, dass es ein geheimes Uranprogramm hat. Bislang behauptet<br />
Nordkorea, es habe nur ein Plutoniumprogramm. Die USA sehen das<br />
anders.
</p>
<p>
<b>Master Of Desater:</b> Hätten die USA nicht eine<br />
wesentlich bessere Verhandlungsposition, wenn gegen alle Länder<br />
mit Atomwaffen (Indien, Pakistan, Israel) gleichermaßen konsequent<br />
vorgegangen würde?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Jeder Fall ist anders. Auf Nordkorea<br />
Einfluss auszuüben ist komplizierter. Gezielte Angriffe gegen<br />
Atomanlagen sind zum Beispiel unmöglich. Man weiß nicht,<br />
wo sie sind. Außerdem könnte es schlimme Vergeltungsschläge<br />
gegen Südkoreas Hauptstadt Seoul geben. Die Lage könnte<br />
sofort eskalieren.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> So hart wie Nordkorea verhandelt<br />
wohl kein Land. Es hat nur sein Atomprogramm zu verkaufen und will<br />
deshalb so viel wie möglich dafür rausschlagen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen im Block&#8230;
</p>
<p>
<b>max43:</b> Wie wahrscheinlich ist es, dass Nordkorea<br />
all seine Atomwaffen tatsächlich aufgibt und nicht hinter den<br />
Kontrollen der Internationalen Atombehörde weiter forscht und<br />
baut, ähnlich wie der Iran?
</p>
<p>
<b>hagbart:</b> Wie glaubwürdig ist die ausgehandelte<br />
Atomvereinbarung?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Ich bin der festen Überzeugung,<br />
dass Nordkorea seine Atomwaffen niemals aufgeben wird. Wir waren<br />
im November da und haben überall gehört, wie stolz die<br />
Menschen auf den Atomtest waren. Wie kann die Führung ihrem<br />
Volk verkaufen, dass es diese Superwaffe wieder abgibt? Das ist<br />
eigentlich unmöglich.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Nordkorea hat die Vereinbarung<br />
von 1994 mit den USA gebrochen. Diesmal spricht für die Einhaltung,<br />
dass die Vereinbarung mit fünf Staaten getroffen wurde.
</p>
<p>
<b>Master Of Desater:</b> Warum war China über den<br />
Atomtest verärgert?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> China hat Nordkorea öffentlich<br />
aufgefordert, keinen Test zu machen. China stand danach als ziemlich<br />
machtlos dar. Der Einfluss von China auf Nordkorea wird seitdem<br />
bezweifelt.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> China fürchtet sich vor einem<br />
atomaren Wettrüsten vor seiner Haustür. Wenn Nordkorea<br />
nuklear bewaffnet ist, könnten auch Südkorea, Japan und<br />
Taiwan nach der Bombe greifen. Das wäre ein Alptraum für<br />
Peking.
</p>
<p>
<b>DennisL:</b> Hinsichtlich der Vergangenheit: Welche<br />
Gründe hat Nordkorea, sich an die Abmachungen der letzten Sechsergespräche<br />
zu halten?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Nordkorea ist wirtschaftlich am<br />
Ende und abhängig von Hilfe aus China und Südkorea. Beide<br />
Länder haben deutlich gemacht, dass sie Nordkorea nicht mehr<br />
weiter unterstützen, wenn es auf dem Atomkurs bleibt.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Wenn Nordkorea auch diese Vereinbarung<br />
bricht, gilt das Land endgültig als unglaubwürdig.
</p>
<p>
<b>jockl:</b> Gilt es inzwischen eigentlich als gesichert,<br />
dass das wirklich ein Atomtest war?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Ja, es war ein Atomtest, aber wohl<br />
nur ein Bömbchen. Vermutlich haben sich die Nordkoreaner einen<br />
größeren Knall versprochen. Es war kurz vor einer Blamage<br />
wie bei der Taepondong 2 &#8211; Rakete, die kurz nach dem Start explodierte.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Eben weil der Test eigentlich nicht<br />
erfolgreich war, muss man damit rechnen, dass Nordkorea irgendwann<br />
noch mal einen Test machen wird, um der Welt zu beweisen, dass es<br />
tatsächlich Atommacht ist. Diesen Status möchte das Land<br />
auf jeden Fall erringen.
</p>
<p>
<b>raisingirl:</b> Die ganzen Drohungen Nordkoreas &#8211;<br />
alles nur Bluff oder hat Kim Jong Il wirklich soviel Macht?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Ja, ich glaube, er hat nichts zu<br />
befürchten im Land. Das Militär ist auf seiner Seite.<br />
Die Bevölkerung kann sich gegen ihn nicht erheben. Sie ist<br />
komplett überwacht. Nordkorea ist nicht zu vergleichen mit<br />
anderen kommunistischen Staaten. Die Kontrolle durch Geheimdienste<br />
ist unbeschreiblich. Kein Mensch kann seine Stadt zum Beispiel ohne<br />
Erlaubnis verlassen. Für etwa 40 Familien gibt es einen Blockwart,<br />
der täglich Bericht erstattet, was die Leute gemacht haben,<br />
mit wem sie sich getroffen haben. Bei Verdacht werden die Leute<br />
aus der Stadt geschickt oder ins Arbeitslager.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Kim Jong Il war sehr clever. Er<br />
hat die Parteidiktatur in eine Militärdiktatur umgewandelt.<br />
Das Militär ist sehr stolz auf seine Bombe. Auch aus diesem<br />
Grund dürfte es schwer für Kim sein, die Bombe am Verhandlungstisch<br />
wieder aufzugeben. Das könnte ihn die Unterstützung des<br />
Militärs kosten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nochmal zwei Fragen im Block&#8230;
</p>
<p>
<b>basti07:</b> Mein Endruck ist, dass die Gefahr, die<br />
von Nordkorea ausgeht, stark überschätzt wird. Die Armee<br />
ist doch größtenteils marode und auf dem Stand der 50er<br />
Jahre. Könnte es eine Atombombe überhaupt irgendwo hinbringen?<br />
Hat es die Trägersysteme?
</p>
<p>
<b>hugo:</b> Stimmt es, dass Nordkorea Mittelstreckenraketen<br />
besitzt, die somit die Westküste Amerikas erreichen könnten?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Vermutlich kann Nordkorea die Bomben<br />
noch nicht auf Raketen stecken. Aber vielleicht könnte es eine<br />
Bombe aus dem Flugzeug abwerfen. Von Pjöngjang bis zur Millionenstadt<br />
Seoul sind es nur 300 Kilometer.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Die größte Gefahr ist<br />
weniger ein Angriff mit Raketen auf die USA, wobei die bisherigen<br />
Raketen bisher nur den Rand von Alaska oder die Inseln von Hawaii<br />
erreichen können. Die größte Gefahr aus amerikanischer<br />
Sicht ist, dass Nordkorea sein atomares Knowhow an andere Länder<br />
wie den Iran und Syrien verkauft oder sogar Plutonium an Terrorgruppen<br />
verscherbelt. Das ist die rote Linie für Washington, die auf<br />
keinen Fall überschritten werden darf.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Nordkoreas Armee ist total marode,<br />
aber man weiß wenig über den tatsächlichen Zustand,<br />
ein Großteil der Anlagen ist unterirdisch. 50 Kilometer von<br />
Seoul entfernt steht genug Artillerie, um Seoul in Schutt und Asche<br />
zu legen.
</p>
<p>
<b>joefox842001:</b> Was, meinen Sie, wird die USA machen,<br />
sollte Nordkorea doch ein geheimes Uranprogramm haben? Kann man<br />
davon ausgehen, dass die USA etwas militärisch gegen Nordkorea<br />
unternehmen werden?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Nein, die USA werden nie militärisch<br />
gegen Nordkorea vorgehen. Nordkorea könnte jeden Angriff sofort<br />
vergelten. Es gibt unzählige Kanonen in Grenznähe. Eine<br />
militärische Option gibt es nicht. Da sind sich alle Experten<br />
einig.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Man sollte davon ausgehen, dass<br />
Nordkorea mit allen Wasser gewaschen ist und mit allen Finten arbeitet.<br />
Ein geheimes Urananreicherungsprogramm war der Auslöser für<br />
die jetzige Atomkrise, die Amerikaner werden diesen Streit nicht<br />
ohne Grund begonnen haben. Aber Beweise wurden bisher nicht vorgelegt.<br />
Das könnte aber in den nächsten Verhandlungsrunden passieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nochmal zwei Fragen&#8230;
</p>
<p>
<b>hugo:</b> Was für ein Interesse hat China an<br />
Nordkorea?
</p>
<p>
<b>jan2:</b> Ist China nicht mit Abstand Nordkoreas größter<br />
Handelspartner, beziehungsweise hätte die stärkste Sanktionsmacht?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> China ist zum einen ein traditioneller<br />
Bruderstaat und hat das Land im Korea-Krieg verteidigt. Zum anderen<br />
hat China große Angst, es könnte eine Wiedervereinigung<br />
mit Süden geben unter südkoreanischer Führung. Aufgrund<br />
des Bündnisses von Südkorea mit den USA hätte China<br />
Amerika dann an seiner Grenze. Das will es überhaupt nicht.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> China und Nordkorea waren einst<br />
so eng befreundet wie &quot;Lippen und Zähne&quot;. Es gibt<br />
weiterhin einen Beistandspakt, der China verpflichtet, bei einem<br />
Angriff auf Nordkorea Pjöngjang beizustehen. In den letzten<br />
Jahren hat es sehr viel Geld in Nordkorea investiert, um die Wirtschaft<br />
anzukurbeln. Damit will man Flüchtlingsströme über<br />
die Grenzflüsse vermeiden. Jenseits der Grenze leben nämlich<br />
zwei Millionen koreanischstämmige Menschen, bei denen die Nordkoreaner<br />
schon seit Jahren oft Zuflucht finden.
</p>
<p>
<b>nozzy:</b> Würde man Korea zutrauen, sich auf<br />
einen Krieg einzulassen?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Die Paranoia in Pjöngjang gegenüber<br />
den USA ist groß. Man darf nicht vergessen, dass Nordkorea<br />
im Korea-Krieg von amerikanischen Bomben systematisch in Schutt<br />
und Asche gelegt wurde. Die heutige Führung hat den Krieg nur<br />
unterirdisch überlebt. Während des Krieges haben die Amerikaner<br />
überlegt, Nordkorea mit Atombomben anzugreifen. Diese Angst<br />
sitzt bis heute sehr tief. Deshalb gibt es kein Vertrauen gegenüber<br />
den USA.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Gute Frage. Wenn das Regime am<br />
Ende ist, ist nicht auszuschließen, dass es wild um sich schießt.<br />
Es ist reine Spekulation. Aber auszuschließen ist es nicht,<br />
dass das Regime andere mit in den Abgrund ziehen würde.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Erneut zwei Fragen zusammen&#8230;
</p>
<p>
<b>Zuhörer2:</b> Wird sich mit dem Tod Kim Jong<br />
Ils Grundlegendes ändern?
</p>
<p>
<b>Hi Dung Gu:</b> Gibt es schon einen Nachfolger für<br />
Kim Jong Il?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Das hängt davon ab, wann er<br />
stirbt. Stirbt er überraschend schnell, ohne einen Nachfolger<br />
ausgewählt zu haben, entsteht ein Machtvakuum. Dann ist alles<br />
möglich. Er hat drei Söhne, einer davon wird wohl sein<br />
Nachfolger. Aber über sie ist so wenig bekannt, dass es reine<br />
Spekulation ist, was nach Kim Jong Il kommen könnte.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Die Nachfolge ist bisher ungeklärt.<br />
Kim ließ vor zwei Jahren erklären, sein Vater Kim Il<br />
Sung habe gesagt, sein Sohn und sein Enkel sollten sein Werk vollenden.<br />
Das würde bedeuten, die Dynastie ginge weiter. Aber in Südkorea<br />
gibt es auch Stimmen, die eine erneute Nachfolge innerhalb der Familie<br />
für unmöglich halten. Dafür sei Nordkorea innenpolitisch<br />
nicht stabil genug.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen die Söhne von Kim Jong<br />
Il in Frage?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Ja, eigentlich kommen nur die drei<br />
Söhne in Frage. Der älteste Sohn heißt Jong-nam,<br />
er ist eigentlich nicht mehr geeignet, nachdem er 2001 in Japan<br />
festgenommen wurde &#8211; er wollte nach Disneyland. Das war sehr peinlich<br />
für Nordkorea&#8230; Die besten Karten hat im Moment Chon-chol,<br />
er ist vermutlich 25 Jahre alt. Man weiß wenig über ihn,<br />
aber er hat wohl bereits Regierungsämter. Sollte Kim Jong Il<br />
bald sterben, wäre er jedoch vermutlich zu unerfahren, um sich<br />
gegen Partei und Militär behaupten zu können. Kim Jong<br />
Il sagt, er könne noch lange regieren. In Nordkorea darf die<br />
Nachfolge offiziell nicht thematisiert werden. Absolutes Tabu.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Andererseits gilt er als Favorit<br />
seines Vaters. Als Jong-nam geboren wurde, soll Kim nachts mit einem<br />
Autokorso durch Pjöngjang gefahren und ein Hupkonzert veranstaltet<br />
haben. Er scheint seinem Vater ziemlich ähnlich: Übergewichtig,<br />
dem Luxus, dem guten Essen nicht abgeneigt. Die letzten drei Jahre<br />
soll er im chinesischen Glücksspielerparadies Macao in einem<br />
5-Sterne-Hotel gelebt haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein bisschen Klatsch&#8230;
</p>
<p>
<b>DennisL:</b> Wurde der mittlere Sohn nicht letztes<br />
Jahr in Japan beim Besuch eines Eric-Clapton- Konzerts gefilmt?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Das Konzerte war in Europa, ein<br />
japanisches Team hat ihn angeblich mit einer Frau gefilmt.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Je weniger man weiß, desto<br />
mehr wird spekuliert.
</p>
<p>
<b>Hi Dung Gu:</b> Habt ihr schon mal mit Kim Jong Il<br />
gesprochen?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Wir haben ein guten Zugang, aber<br />
das ist unvorstellbar. Wir würden es sehr gerne tun. Fragen<br />
hätten wir reichlich. Diplomaten bekommen ihn zu sehen, können<br />
aber auch nicht mit ihm sprechen. Das nordkoreanische Volk kennt<br />
seine Stimme übrigens auch nicht wirklich. Die Nachrichten<br />
zeigen meist nur Fotos.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Kim Jong Il hat nur eine einzige<br />
Pressekonferenz gegeben. Das war für südkoreanische Journalisten<br />
beim innerkoreanischen Gipfel 2000. Aber sonst gilt in Nordkorea:<br />
Journalisten sind die schlimmsten Menschen. Das haben wir bei unseren<br />
Reisen mehrmals gehört. Ein Interview mit ihm ist deshalb so<br />
gut wie unmöglich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gibt es irgendein logisch nachvollziehbares<br />
Ziel, das Diktator Kim Jong Il abseits des eigenen Überlebens<br />
verfolgt?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Nein, er will überleben, darum<br />
geht es. Sein Problem ist doch: Sollte sich das Land auch nur ansatzweise<br />
öffnen, könnte die Bevölkerung Vergleiche ziehen.<br />
Die Menschen würden sehen, wie schlecht es ihnen im Vergleich<br />
mit anderen Ländern geht. Sie würden sehen, dass sie betrogen<br />
werden, dass Südkoreaner nicht mehr in Hütten wohnen,<br />
sondern wohlhabend sind. Davor hat er Angst, denn irgendwann würde<br />
die Bevölkerung fragen, warum es anderen so gut geht. Und sie<br />
würden sehen, dass Amerika nicht an allem Schuld ist.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Es gab angeblich mal eine Überlegung<br />
der europäischen Botschafter in Pjöngjang, Kim Jong Il<br />
ein Auslandsexil anzubieten. Man kam angeblich auf folgende Idee:<br />
Eine Villa am Schwarzen Meer mit vielen Frauen, viel Wein und vielen<br />
Hollywood-Filmen. Auf jeden Fall heißt es, Kim habe Angst<br />
davor, so zu enden wie Ceaucescu in Rumänien, nämlich<br />
vom eigenen Geheimdienst hingerichtet zu werden.
</p>
<p>
<b>*raisingirl:</b> Wie groß ist die Distanz zwischen<br />
dem Luxusleben des &quot;geliebten Führers&quot; und den Menschen<br />
auf der Straße?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Ein Problem. Niemand kann ganz<br />
genau sagen, wie üppig der &quot;geliebte Führer&quot;<br />
lebt. Kein ausländischer Beobachter war je in seinen Palästen.<br />
Es gibt einzelne Stimmen, denen man glauben kann oder nicht. Ich<br />
habe mal Kim Jong Ils ehemaligen Privatkoch kennen gelernt. Demnach<br />
lebt er tatsächlich ein wunderbares Leben. Auf der Höhe<br />
der Hungersnot in den 90er Jahren hat er sich Fisch einfliegen lassen,<br />
während die Bevölkerung gestorben ist.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Der Abstand ist unvorstellbar groß.<br />
Kim soll in den achtziger und neunziger Jahren der beste Kunde einer<br />
großen französischen Cognacbrennerei gewesen sein. Bei<br />
seiner Zugreise nach Moskau vor einigen Jahren ließ er sich<br />
Hummer aus Europa einfliegen. Dagegen leben viele Menschen vor allem<br />
in den abgelegeneren Gebieten bis heute von Grassuppe. Diese Menschen<br />
gehören in der nordkoreanischen Einteilung oft zu den Gruppen,<br />
die als nicht wichtig für das Regime eingestuft werden und<br />
deshalb bei Arbeit und Essensverteilung gezielt benachteiligt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier kommen drei Fragen zum gleichen<br />
Thema&#8230;
</p>
<p>
<b>kerstin:</b> Wieso gibt es keinerlei Putschversuche?<br />
Werden zum Beispiel die Eliten auch so strikt überwacht? Oder<br />
gibt es keine bzw. sind sie zufrieden?
</p>
<p>
<b>mdms:</b> Gibt es eigentlich in irgendeiner Form eine<br />
Opposition in Nordkorea?
</p>
<p>
<b>nikolaus12:</b> Gibt es eigentlich eine Opposition<br />
in Nordkorea?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Revolutionen sind in der Geschichte<br />
fast immer von Mittelschichten ausgelöst worden, also Gruppen,<br />
die bereits etwas hatten und Angst hatten, diesen Besitz zu verlieren.<br />
Diese Gruppe ist in Nordkorea offenbar noch vergleichsweise klein.<br />
Allerdings gab es letztes Jahr Gerüchte, dass es erstmals zu<br />
einer Protestdemonstration gekommen sein soll. Die Demonstranten<br />
waren Händler, die davon leben, dass sie in andere Gebiete<br />
fahren, Waren einkaufen und auf Märkten verkaufen. Diese Gruppe<br />
ist während der letzten Jahre ziemlich reich geworden und auch<br />
zahlenmäßig gewachsen. Von ihr könnte eine Gefahr<br />
ausgehen. Vermutlich deswegen versucht das Regime neuerdings, die<br />
Märkte stärker zu regulieren. Reis wird zum Beispiel seit<br />
dem Herbst wieder vom Staat verteilt.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Vergleich DDR: Dort konnte man<br />
sich treffen, in Kneipen, Kirchen, wo auch immer. In Nordkorea würde<br />
schon der Ansatz einer Versammlung Gleichgesinnter scheitern. Die<br />
Überwachung ist unvorstellbar. Man kann nicht einfach am Wochenende<br />
eine Nachbarstadt besuchen. Wenn man Besuch bekommt, wird das vom<br />
Geheimdienst registriert. Die Menschen verschwinden so schnell samt<br />
Familien in Arbeitslagern, so schnell kann man gar nicht gucken.<br />
Die Opposition sitzt im Ausland. Flüchtlinge. Es gibt Internetseiten<br />
und Radiosender. Jedes kritische Wort ist lebensgefährlich.
</p>
<p>
<b>raschputin:</b> Konnten Sie erleben, wie der Alltag<br />
eines typischen Nordkoreaners aussieht?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Ja und nein. Die Leute, die uns<br />
präsentiert werden, wurden vorher ausgewählt, aber wir<br />
konnten bei unserem letzten Besuch erstmals Wohnungen besuchen.<br />
Darin konnte man leben. Aber wir wissen, dass es vielen wesentlich<br />
schlechter geht.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Bei Interviews bekommen wir häufig<br />
vorgestanzte politische Formeln zu hören. Das liegt daran,<br />
dass der Nordkoreaner ein Drittel des Tages mit ideologischer Schulung<br />
und Kontrolle verbringt. Wir wissen deshalb gar nicht, was die Menschen<br />
wirklich denken. Das werden wir wohl erst dann erfahren, wenn sie<br />
keine Angst mehr zu haben brauchen, ihre Meinung frei zu äußern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stimmt es, dass die Nordkoreaner sich<br />
durch Reisen nach China inzwischen ein sehr viel besseres Bild von<br />
ihrem eigenen Land machen können?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Ja, auf jeden Fall, aber das betrifft<br />
nur die Elite. Es gibt Gegenden in Nordkorea, die sind so abgeschottet,<br />
dass sie überhaupt keine Ahnung vom Rest der Welt haben. Wir<br />
reden von Millionen von Menschen. In der Grenzregion zu China ist<br />
es anders. Dort haben einige sogar Handys aus China und können<br />
heimlich mit Südkorea telefonieren. Diese Leute wissen, wie<br />
es im Rest der Welt aussieht.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> In letzter Zeit ist der Strom der<br />
Flüchtlinge über die Grenze stark zurückgegangen.<br />
Die Grenze wird viel stärker kontrolliert als früher.<br />
Viele Informationen sickerten eine Zeitlang über das nordkoreanische<br />
Mobiltelefonnetz ins Netz. Als die Führung merkte, dass die<br />
Zahl der Handys explosionsartig anwuchs, hieß es plötzlich,<br />
das Netz müsse repariert werden. Alle mussten ihre Handys abgeben.<br />
Seitdem dürfen nur noch ganz ausgewählte Nordkoreaner<br />
und Ausländer mobil telefonieren.
</p>
<p>
<b>kts:</b> Wäre Südkorea eine Wiedervereinigung<br />
überhaupt recht in Anbetracht der gesellschaftlichen und nicht<br />
zuletzt der wirtschaftlichen Lage?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Südkoreas Präsident Roh<br />
hat mir selbst in einem Interview gesagt, die deutsche Wiedervereinigung<br />
sei für ihn ein abschreckendes Beispiel. Das Problem: Das Verhältnis<br />
Südkorea zu Nordkorea bei der Bevölkerung ist zwei zu<br />
eins, bei Deutschland war es West zu Ost vier zu eins. Wirtschaftlich<br />
gesehen ist der Abstand Süd- zu Nordkorea 20 zu eins. Eine<br />
Wiedervereinigung wäre deshalb für Südkorea viel<br />
zu teuer. Man schiebt sie so weit wie möglich in die Zukunft<br />
und will Nordkorea bis dahin wirtschaftlich hoch päppeln.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Südkorea hat panische Angst<br />
vor der Wiedervereinigung. Wir kennen die deutschen Probleme. Aber<br />
zu den wirtschaftlichen Problemen kommen noch andere: Die Sprachen<br />
haben sich unterschiedlich entwickelt. Mir hat ein Flüchtling<br />
gesagt, sie wusste nicht, was ein Parfum ist. Die Nordkoreaner sind<br />
durch Jahrzehnte ideologischer Schulung gegangen. Wie will man die<br />
Menschen in eine moderne Wirtschaft und Gesellschaft eingliedern?<br />
Das kann Jahre dauern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gibt es, was die Wiedervereinigungsfrage<br />
angeht, unter den südkoreanischen Parteien ähnliche Kontroversen<br />
wie einst in der Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Es gibt die offizielle Version:<br />
Pro Wiedervereinigung, wir sind ein Volk. Aber die inoffizielle<br />
lautet anders: Bitte Nordkorea, brich nicht zusammen, zumindest<br />
nicht so schnell.
</p>
<p>
<b><b>Martin Fritz:</b></b> Südkorea ist<br />
politisch zweigeteilt: Die Generationen über 40 haben noch<br />
Gefühle für den Norden, oft auch verwandtschaftliche Beziehungen.<br />
Die jungen Leute unter 40 sehen Nordkorea als fernes Land und wollen<br />
ihr gutes Leben nicht durch die Wirtschaftsprobleme nach einer Wiedervereinigung<br />
verlieren.
</p>
<p>
<b>kts:</b> Wie würde das Regime reagieren, wüsste<br />
es von diesem Chat und Ihren Aussagen? Würde das Ihre Beziehungen<br />
beschädigen oder gar eine Gefahr für Sie darstellen?
</p>
<p>
<b><b>Mario Schmidt:</b></b> Wir hatten bislang<br />
keine Probleme, trotz äußerst kritischer Berichterstattung.<br />
Wenn wir aus dem Land berichten, versuchen wir auch den normalen<br />
Alltag der Menschen zu zeigen. Was sind ihre Sorgen, ihre Freuden?<br />
Aber natürlich leben wir immer mit dem Risiko, dass ein falscher<br />
Satz an der falschen Stelle uns zum Verhängnis wird. Das heißt,<br />
wir bekommen kein Visum mehr.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Wir bekommen zwar anders als viele<br />
oft ein Visum, aber wir mussten uns dafür nicht verbiegen.<br />
Bis jetzt haben wir immer gesagt, was wir sagen wollten und dabei<br />
wird es auch bleiben, selbst wenn wir keine Einreisegenehmigung<br />
mehr bekommen.
</p>
<p>
<b>Anni:</b> Kim Jong Il wird ja heute offiziell 65.<br />
Ich habe aber gehört, dass er eigentlich schon ein Jahr älter<br />
sein soll. Warum verschweigt er sein wahres Geburtsdatum?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Nach offizieller Geschichtsschreibung<br />
ist er am 16. Februar 1942 geboren. Angeblich in einem Dorf am Fuß<br />
des heiligen koreanischen Berges Paekdu. Dabei soll ein Stern über<br />
dem Berg aufgegangen sein, eine Parallele zum Neuen Testament und<br />
Jesu Geburt. Russische Historiker haben aber nachgewiesen, dass<br />
Kim Jong Il in einem Lager der nordkoreanischen Kommunisten in der<br />
Sowjetunion zur Welt gekommen ist. Das passt natürlich nicht<br />
zur offiziellen Hagiographie.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Auf jeden Fall wird heute groß<br />
gefeiert. Was die Menschen wirklich von ihrem &quot;lieben Führer&quot;<br />
halten, wir wissen es nicht. Eine der großen Fragen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unser Chat ist um, vielen Dank für<br />
Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen &#8211; auch wenn manche unbeantwortet<br />
geblieben sind. Herzlichen Dank, Herr Schmidt und Herr Fritz, dass<br />
Sie sich für den Chat Zeit genommen haben. Das Transkript dieses<br />
Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Nächster<br />
Chatgast wird Oskar Lafontaine, Fraktionschef der Linkspartei, am<br />
28. Februar von 13 bis 14 Uhr sein. tagesschau.de wünscht allen<br />
Beteiligten noch einen schönen Tag. Herr Fritz und Herr Schmidt,<br />
Ihnen gehört das letzte Wort.
</p>
<p>
<b>remember:</b> Danke für den schönen und<br />
informativen Chat!
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Nordkorea ist weit weg und schwer<br />
zu verstehen. Wir hoffen, wir konnten ein bisschen zum Verständnis<br />
beitragen.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Es ist schwer, über Nordkorea<br />
zu berichten. Aber dort leben viele Menschen, die ein Interesse<br />
an anderen Ländern haben. Ich hoffe sehr, dass es eine Öffnung<br />
in irgendeiner Form geben wird. Auf jeden Fall freue ich mich sehr<br />
über das große Interesse an dem Land.
</p>
<p><!-- #EndEditable --></p>
<p>
<!-- Content --></p>
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		<title>Transparenz für den Rüstungsexport</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Sep 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sicherheitsrisiko Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>(Artikel, 21. September 2006) Rüstungsexport ist nicht gleich Rüstungsexport. Auf der Webseite ruestungsexport.info kann man bequem nachlesen, welchen Ländern Deutschland keine Waffen liefern sollte. Die Bewertungskriterien richten sich nach einem Verhaltenskodex für EU-Mitgliedsstaaten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>(Artikel, 21. September 2006) Rüstungsexport ist nicht gleich Rüstungsexport. Auf der Webseite ruestungsexport.info kann man bequem nachlesen, welchen Ländern Deutschland keine Waffen liefern sollte. Die Bewertungskriterien richten sich nach einem Verhaltenskodex für EU-Mitgliedsstaaten.<!--break--><br />
</b></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Grün für „Waffenembargos“, gelb für „Good Governance“, rot für „internationale Konflikte“. So wird beispielsweise das Waffenexportprofil von Bangladesh beschrieben. Dabei steht rot für „problematisch“. Das<br />
<a href="http://www.bicc.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bonn International Center for Conversion</a> („BICC“) hat einen grauen Datenwust zu für die Bewertung einzelner Länder anhand offizieller EU-Kriterien zu Waffenexporten übersichtlich aufbereitet.</p>
<p>In seinem neuen Internet-Projekt<br />
<a href="http://www.ruestungsexport.info/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.ruestungsexport.info</a> hat das BICC Grunddaten zu Rüstung, Militär, Sicherheit, Menschenrechten und Regierungsführung von 170 Ländern zusammen gestellt, um so die Bewertung der deutschen Rüstungsexportpolitik zu ermöglichen.
</p>
<p>
Grundlage für die Zusammenstellung ist der 1998 von der Europäischen Union beschlossene<br />
<a href="http://www.ausfuhrkontrolle.info/bekanntmachungen/kwkg/eu-verhaltenskodex.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verhaltenskodex für Rüstungsexporte</a>. Dieser Kodex benennt acht Kriterien, die vom jeweiligen &quot;Endbestimmungsland&quot; der Exporte zu erfüllen sind. Darunter fallen neben der Achtung der Menschenrechte auch die innere und regionale Stabilität sowie das &quot;Verhalten des Käuferlandes gegenüber der internationalen Gemeinschaft&quot;.
</p>
<p>
Angelehnt an den EU-Kriterien hat das BICC sieben Kategorien &#8211; von &quot;Good Governance&quot; bis Waffenexportkontrolle &#8211; erstellt, und für jedes der 170 Länder Informationen in diesen Kategorien gesammelt. Dafür kooperierte das BICC unter anderem mit<br />
<a href="http://www.sipri.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm International Peace Research Institute</a> (SIPRI), der<br />
<a href="http://www.worldbank.org/" target="_self" rel="noopener noreferrer">Weltbank</a>, den<br />
<a href="http://www.un.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vereinten Nationen</a> und<br />
<a href="http://www.transparency.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Transparency International</a>.
</p>
<p>
Ergebnis ist eine umfassende Datenbank, die nach einem übersichtlichen Ampelsystem organisiert ist. Jedes Land bekommt für jede Kategorie eine kleine Ampel, die anzeigen soll, ob für Waffenexporte grünes Licht gegeben werden kann. Wie es sich für ein Forschungsinstitut gehört, hat das BICC umfassend aufgeschlüsselt, auf welchen<br />
<a href="http://www.bicc.de/ruestungsexport/pdf/misc/formulas.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berechnungen</a> die jeweiligen Bewertungen beruhen. So bekommt Thailand, der drittgrößte Abnehmer deutscher Waffenexporte, in den Kategorien „Menschenrechte“ und „Mitgliedschaft in Menschenrechtskonventionen“ eine rote Ampel.
</p>
<p>
Das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte Projekt bietet neben der Datenbank auch umfassende Länderporträts von sechzehn ausgewählten Empfängerländern deutscher Rüstungsexporte außerhalb der NATO. Die rund 30seitigen Berichte umfassen sowohl Datensätze und Grafiken als auch Ausschnitte aus NGO-Dokumenten und wissenschaftlichen Studien. Sie wurden im Frühjahr 2006 erstellt und sollen jährlich aktualisiert werden.
</p>
<p>
Laut Projekt-Koordinator Marc von Boemcken ist ruestungsexport.info ein weltweit einzigartiges Internet-Projekt. „Meines Wissens gibt es kein anderes Projekt, welches das Verhältnis aller Länder der Welt zu den Kriterien des EU Verhaltenskodex für Rüstungsexporte aufgrund von Datensätzen, die jedes Jahr aktualisiert, systematisch erfasst und bewertet werden.“ Während Michael Brzoska, ehemaliger Forschungsdirektor des BICC und inzwischen Direktor des Instituts für Sicherheit und Frieden an der Universität Hamburg (IFSH), die Datensammlung initiierte, hat von Boemcken die Projektleitung 2006 übernommen und seine eigene Idee einer Länderdatenbank umgesetzt. Gemeinsam mit nur einer wissenschaftlichen Hilfskraft stellte von Boemcken die Informationen zusammen, die technische Umsetzung übernahmen zwei studentische Hilfskräfte.
</p>
<p>
Aufbau und Design der Seite sind schlicht und übersichtlich gehalten. So wäre es auf der Seite der Länderportraits durchaus interessant zu erfahren, welches Land das größte Empfängerland deutscher Waffenexporte ist. Und unter &quot;allgemeine Informationen&quot; sind lediglich Rüstungsexportberichte herunterzuladen, wo aktuelle kurze Zusammenfassungen einen großen Zugewinn an Nutzerfreundlichkeit bedeuten würden. Auch sucht man vergeblich Informationen über die eigentlichen Akteure: die Unternehmen, die Waffen exportieren. Eine solche Auflistung gemäß des Prinzips des &quot;name and shame&quot; wäre jedoch viel zu aufwändig zu recherchieren, erklärt Projektkoordinator Boemcken. Deshalb beschränkt sich ruestungsexport.info auf das Verhältnis der Länder zu den EU-Kriterien. Es bleibt abzuwarten, inwieweit dadurch die Rüstungsexportpolitiken der Länder beeinflusst werden. Zumindest was die Rolle der Öffentlichkeit anbelangt, gibt von Boemcken eine zuversichtliche Zukunftsprognose ab: „Das Internet hat hier sicherlich ein großes Potenzial, um mehr Menschen für Rüstungsexportpolitik zu interessieren und relevante Informationen verfügbar zu machen.“<b><br />
</b></p>
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		<title>Welt &#8211; Pokal &#8211; Politik</title>
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		<pubDate>Wed, 31 May 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[WM 06]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
Historische Rivalität nicht nur auf dem Fußballfeld]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
Historische Rivalität nicht nur auf dem Fußballfeld<!--break--><br />
<b></b>
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<b>(1. Juni 2006) Bei der WM 2006 treffen auf dem Rasen nicht nur Fußballrivalen aufeinander. Auch historisch-politische und ökonomische Konflikte färben auf das Spiel ab, wie etwa zwischen ehemaligen Kolonien und Mutterländern.</b>
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<p><b></b></p>
<p>
Unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ trifft sich im Juni 2006 die Fußballelite zum Stelldichein in Deutschland – der viel zitierte Slogan suggeriert eine schöne heile Sportwelt, die freilich nach dem Anpfiff umgehend mit einer harten Wirklichkeit vertauscht wird, in der nur noch Siege zählen. Beim Fußball geht es – frei nach Bill Shankly, dem ehemaligen Coach des FC Liverpool – eben nicht nur um Leben und Tod, sondern um mehr. Dies zeigt auch ein Blick auf die zahlreichen Konfliktsituationen, die sich bei der Sortierung der Länderauswahlen in acht Gruppen zu je vier Mannschaften ergeben haben. Nur selten stehen sich dort gute Freunde beim Kampf in den Einzug in die nächste Runde im Weg, weitaus häufiger erleben über lange Jahre gehegte und gepflegte Rivalitäten eine Neuauflage.</p>
<p>Dass es beim WM-Turnier nicht nur friedlich zugehen wird, liegt in der Natur der Sache, denn nicht alle Mannschaften können gewinnen. Dass es dabei gelegentlich auch recht rau werden könnte – dafür spricht die Debatte um den Umgang mit gewaltbereiten Hooligans, sogar ein Inlandseinsatz der Bundeswehr scheint nicht ausgeschlossen. Ein Grund für das besondere Konfliktpotenzial der WM-Endrunde liegt in der Entwicklung des modernen Vereinsfußballs, denn die Internationalisierung der Mannschaftsaufstellungen eröffnet den Fans nur noch selten lokale oder regionale Identifikationsangebote – klassische „Länderwettkämpfe“ erscheinen daher um so stärker von national gebündelten Interessen geprägt. Dadurch geraten neben den häufig über Jahrzehnte gewachsenen sportlichen Rivalitäten stets auch solche Konfliktpotenziale in den Blick, die im multikulturellen Vereinsfußball längst überwunden scheinen.
</p>
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<b>Historische Rivalität nicht nur auf dem Fußballfeld</b>
</p>
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Treffen kann es dabei jeden: So wurde Ex-Weltmeister Frankreich im Eröffnungsspiel der WM 2002 von der eigenen Kolonialvergangenheit eingeholt – gegen den Senegal, gespickt mit Profis aus der französischen Liga, setzte es eine Niederlage, die den sang- und klanglosen Abschied der „Equipe Tricolore“ aus Asien einläutete. Der historisch-politische Hintergrund färbt besonders häufig auch die sportliche Konkurrenz: mit schöner Regelmäßigkeit messen Engländer und Argentinier auf dem Rasen ihre Kräfte – und werden stets an den Falkland-Krieg von 1982 erinnert. Streitfälle zwischen den USA und Mexiko gibt es nicht nur am Verlauf entlang des „Tortilla Curtain“, sondern gelegentlich auch an überwindlichen Hindernissen in Höhe der Strafraumgrenze. Und für die nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen gelten ohnehin besondere Regeln – die zuletzt wieder heftiger geführte Diskussion um Antisemitismus und Vertreibung unterlegt ganz aktuell das Aufeinandertreffen in der Gruppe A.</p>
<p>Die Liste lässt sich fortsetzen, doch schon eine kleine Zusammenschau deutet an, dass neben dem Geschehen auf dem Rasen sehr häufig ein Subtext zum Spiel existiert, der die sportliche Auseinandersetzung begleitet und nicht selten direkt darauf einwirkt. Die Halbwertszeit solcher Differenzen kann getrost in Jahrzehnten gemessen werden: In den Niederlanden hat sich die Wahrnehmung, 1974 als Vizeweltmeister die weit bessere Mannschaft gewesen zu sein, ins nationale Gedächtnis eingebrannt. Der Journalist Auke Kok spricht in seinem Buch „1974, wij waren de besten“ von einer wahren „Fußballfeindschaft“, deren Wurzeln bis in die Zeit des NS-Besatzungsregimes zurück reichen. In dieses Bild fügt sich auch ein ebenso ungewöhnlicher wie umstrittener Fanartikel für Anhänger des niederländischen Teams: ein orangefarbener Wehrmachtshelm aus Plastik.</p>
<p>Doch längst nicht nur nachbarschaftliche Beziehungen stehen unter dem Eindruck sportlicher Traumata. So interpretiert etwa der (schwedische) Schriftsteller Per Olov Enquist den legendären 2:0-Erfolg Argentiniens über England bei der WM 1986 als direkte Folge des Falkland-Krieges: „Eine gedemütigte Nation rächte sich an denen, die sie entwürdigt und kastriert hatten.“ Die Analyse unternimmt dabei auch einen Flankenlauf zu politisch-psychologischen Empfindsamkeiten – denn das südamerikanische Land des „Machismo“ sah sich vom England der Thatcher-Regierung gleich mehrfach in der Ehre verletzt.
</p>
<p>
<b>Die Rolle der Medien</b></p>
<p>Eine wichtige Rolle für die Intensivierung und Ausbreitung solcher Konflikte übernimmt dabei die Berichterstattung – was angesichts der öffentlichkeitswirksamen Überzüchtung großer Turniere durch die jeweiligen Veranstalter nicht verwundern darf. Allen Regulierungsversuchen der Fifa zum trotz tragen gerade die Printmedien regelmäßig zu einer Erwärmung des Meinungsklimas in den Teilnehmerländern bei, zuletzt bekam dies vor zwei Jahren der Schweizer Unparteiische Urs Meier zu spüren. Bei der Europameisterschaft 2004 hatte er die umkämpfte Partie zwischen Gastgeber Portugal und England geleitet und dabei nach Meinung der wenig zimperlichen britischen „yellow press“ die Gastgeber bevorzugt: auf Schlagzeilen wie „You Swiss Banker“ und „Idiot Ref“ folgte eine Flutwelle von E-Mails und sogar Morddrohungen gegen den Schiedsrichter – weitere diplomatische Verwicklungen konnten gerade noch verhindert werden.</p>
<p>Auch die politische Neutralität der Schweiz bildet keinen Schutzmantel – so wurden die Eidgenossen bei den diesjährigen Play-Offs gegen die Türkei in einen neuen „Sportkonflikt“ gerissen. Nach erfolgreicher Qualifikation wurden Schweizer Spieler und Offizielle bei den Stadiontumulten von Istanbul getreten und geschlagen – seitdem sind die Beziehungen zwischen den beiden Ländern deutlich belastet. Nach dem Ursprung auf dem Fußballfeld erlangen solche Krisen über die Bühne der Massenmedien mindestens nationale Öffentlichkeit und Relevanz. Aufgrund der großen Popularität des Fußballs suchen politische Entscheidungsträger häufig die Nähe zum Sport und den zugehörigen Verbandsvertretern – damit ist der Weg zu einer „Politisierung“ des sportlichen Kräftemessens nicht allzu weit.
</p>
<p>
<b>Geschichtsträchtige Konstellationen bei der WM 2006</b></p>
<p>Auch in der bevor stehenden Finalrunde gibt es interessante Konstellationen in den acht Vorrunden-Gruppen. So wird etwa das Thema „Kolonialvergangenheit“ diesmal zwischen Portugal und Angola (Gruppe D) verhandelt, gleiches gilt für Frankreich und Togo (Gruppe G), und auch das Team Englands findet sich mit Trinidad und Tobago (Gruppe B) in einer geschichtsträchtigen Konstellation wieder. Generell bilden die Gegensätze von „Mutterland“ und „Kolonie“ die größte Ansatzfläche für politische Hintergrundkonflikte, doch auch ohne solch direkte Beziehungen dürfte das Aufeinandertreffen europäischer und afrikanischer Teams für Aufregung sorgen. So steht die Paarung Italien gegen Ghana (Gruppe E) unter dem Eindruck eines zunehmend offenen Rassismus in der Serie A, der in dieser Saison eine neue Eskalationsstufe erreicht hat. Auch die spanische Primera División ist keineswegs frei von solchen Vorwürfen, wegen rassistischer Beleidigungen hatte der kamerunische Stürmerstar Samuel Eto´o (FC Barcelona) ein Spiel vorzeitig beenden wollen – in der Gruppe H treffen die Spanier jedoch „nur“ auf die Nordafrikaner aus Tunesien.
</p>
<p>
<b>Ökonomische Dimensionen</b></p>
<p>Neben den „geopolitischen“ Konflikten fällt noch eine andere „Konfliktsorte“ ins Auge: Das Aufeinandertreffen von Australien und Japan (Gruppe F) führt zwei Nationen ins Stadion, deren grundverschiedene Haltung zum Walfang im vergangenen Jahr zur erheblichen diplomatischen Verstimmungen geführt hat. Auch um das nordmittelamerikanische Freihandelsabkommen Cafta gibt es Dissonanzen – allerdings scheint ein direktes Aufeinandertreffen der Kontrahenten Costa Rica (Gruppe A) und USA (Gruppe E) eher unwahrscheinlich. Gleich mehrfach werden handelsbezogene Partnerschaften auf die Probe gestellt: mit Tunesien und Saudi-Arabien unterhalten zwei Mitglieder der Arabischen Liga enge Kultur- und Wirtschaftsbeziehungen, dennoch konkurrieren sie in der Gruppe H um einen Achtelfinalplatz.</p>
<p>Neben der politisch-historischen bildet die ökonomische Dimension demnach einen zweiten Ansatzpunkt zur Beschreibung von Konfliktstellungen entlang der Auslosung des WM-Turniers. In der Kombination mit sportlich gewachsenen Rivalitäten ergibt sich so ein überaus reizvolles Konfliktpanorama, ein anderer Grundkurs in internationalen Beziehungen: der Fußball zeigt die Welt in einer überraschend politischen Perspektive.
</p>
<p>
Dieser Text erschien ursprünglich auf<br />
<a href="http://www.arte-tv.com/de/wissen-entdeckung/fussball/942730,CmC=1206396.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.arte-tv.com</a>.</p>
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		<title>Bundeskanzler Schröder will zum Gipfel fahren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jkern]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Oct 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Gerhard Schröder]]></category>
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					<description><![CDATA[Weiterführende Artikel:]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Weiterführende Artikel:<!--break-->
                    </p>
<p>
                      <strong>Dossier: &#8220;Regierung &amp; Opposition zur digitalen Spaltung&#8221;</strong>
                    </p>
<ul>
<li>
                      <a href="/edemocracy/wissensgesellschaft/doss3ungi.shtml">Brücken über den digitalen Graben</a> (von Heidemarie Wieczorek-Zeul)</li>
<li>
                      <a href="/edemocracy/wissensgesellschaft/doss4ungi.shtml">Digitale Spaltung überwinden</a> (von Dr. Angela Merkel)</li>
</ul>
<p>
                      <br />
                      <strong>Dossier:<br />
                      <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/index.shtml#ungi">&#8220;UN-Gipfel zur Informationsgesellschaft&#8221;</a></strong>
                    </p>
</p>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>gipfelthemen.de ist&#8230;.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[amaerker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jun 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[warum 
                  gipfelthemen.de entstanden ist....]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>warum<br />
                  <a href="http://www.gipfelthemen.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gipfelthemen.de</a> entstanden ist&#8230;.<!--break--></p>
<p>&#8230;weil ein umfassendes, leicht verständliches und deutschsprachiges Medium über die Gipfelthemen noch nicht vorhanden ist. Debattiert wird bislang vor allem in Expertenkreisen, die Öffentlichkeit ist weitgehend unbeteiligt.</p>
<p>&#8230;weil die Bedeutung des Gipfels bisher nicht genug erkannt wird. Voraussichtlich wird das öffentliche Interesse am Informationsgipfel erst direkt vor Beginn ansteigen. Für eine breite Debatte der Gipfelthemen ist es dann allerdings zu spät. Gerade deshalb erscheint es den Initiatoren von gipfelthemen.de notwendig, schon frühzeitig zu informieren, um die Diskussion weiter anzuregen.</p>
<p>&#8230;weil auf dem Informationsgipfel erstmals Vertreter von nichtstaatlichen Organisationen aus eigenem Recht zu Wort kommen sollen. Der Gipfel dürfte das bislang hochrangigste Treffen von Akteuren werden, die mit der Entwicklung der globalen Wissens- und Informationsgesellschaft befasst sind. Auch diesem Umstand wird bislang nicht ausreichend Rechnung getragen.</p>
<p>&#8230;weil die Entwicklung der globalen Informations- und Kommunikationsgesellschaft mehr umfasst, als den weltweiten Ausbau von &#8220;Leitungen und Festplatten&#8221;. Zwischen den reichen und den weniger entwickelten Staaten existieren enorme Ungleichheiten. Nur ein Bruchteil der Weltbevölkerung ist überhaupt in der Lage, die Vorteile des Internets zu nutzen. Die zentrale Herausforderung des Gipfels wird es deshalb sein, Vorschläge zur schrittweisen Überwindung der &#8220;Digitalen Spaltung&#8221; zu erarbeiten.</p>
<p>&#8230;weil in Genf noch viele andere wichtige Gipfelthemen &#8211; z.B. &#8220;Virtuelle Sicherheit&#8221; oder die Gewährleistung von &#8220;Wissen und Besitz&#8221; &#8211; debattiert werden. Der Weltgipfel zur Informationsgesellschaft hat also nicht nur ein Mammutprogramm, sondern wird auch mancherlei Streit provozieren.</p>
<p>&#8230;weil sich die Vereinten Nationen einem zentralen Zukunftsthema angenommen haben, das uns alle angeht. Um sich ein Urteil über die Entwicklung der globalen Informations- und Wissensgesellschaft bilden zu können, ist es notwendig, die einzelnen Sachverhalte und Positionen zu kennen, die zur Sprache kommen.</p>
<p>
                  <strong>unsere Ziele sind&#8230;.</strong></p>
<p>&#8230;gipfelthemen.de will ausgewogen informieren. Alle beteiligten Akteure sollen zu Wort kommen: Politik &#8211; Zivilgesellschaft &#8211; Wirtschaft.</p>
<p>&#8230;gipfelthemen.de möchte allgemein verständlich und umfassend berichten, durch vielfältige, leicht verständliche Formate.</p>
<p>&#8230;gipfelthemen.de soll ein Forum sein und damit ein Gespür für eine der wichtigsten Aufgaben der Vereinten Nationen entwickeln: das Zusammenbringen von unterschiedlichen globalen Akteuren und Positionen.</p>
<p>&#8230;gipfelthemen.de will aufzeigen, dass es wichtig ist, sich an der globalen Entwicklung der Informations- und Wissensgesellschaft zu beteiligen.</p>
<p>&#8230;gipfelthemen.de wendet sich an alle, die an der Arbeit der Vereinten Nationen und dem Thema Informations- und Wissensgesellschaft interessiert sind.</p>
<p>                  <strong>gipfelthemen.de ist ein gemeinsames Projekt&#8230;.</strong></p>
<p>&#8230;der<br />
                  <a href="http://www.dgvn.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen</a> und<br />
                  <a href="http://www.politik-digital.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>. Es wird vom<br />
                  <a href="http://www.bmz.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung</a> gefördert und soll den Weltgipfel zur Informationsgesellschaft bis Ende Dezember 2003 begleiten. Bei Erfolg und abgesicherter Finanzierung soll gipfelthemen.de bis zum Folgegipfel in Tunis 2005 verlängert werden. Dafür ist es notwendig, dass sich möglichst viele an unserem Projekt beteiligen &#8211; sei es durch inhaltliche Mitarbeit, sei es durch finanzielle Unterstützung oder sonstige Förderung.</p></p>
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