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	<title>Internationaler Strafgerichtshof &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Internationaler Strafgerichtshof &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Die Stärke des Rechts muss weltweit bestimmen, und nicht das Recht des Stärkeren.&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Jul 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
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		<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Heidemarie Wieczorek-Zeul]]></category>
		<category><![CDATA[Internationaler Strafgerichtshof]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wiecz.jpg" alt="Heidemarie Wieczorek-Zeul" align="left" height="90" width="80" /></b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02: Chat mit 
Heidemarie Wieczorek-Zeul am 03. Juli 2002</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wiecz.jpg" alt="Heidemarie Wieczorek-Zeul" align="left" height="90" width="80" /></b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02: Chat mit<br />
Heidemarie Wieczorek-Zeul am 03. Juli 2002</b></span><!--break--><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
<br />
Moderator: </b>Herzlich willkommen zum tacheles.02 Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de mit Unterstützung von tagesspiegel.de! Heute ist bei<br />
uns die Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, SPD. In der<br />
nächsten Stunde haben Sie Gelegenheit, Ihre Fragen zu entwicklungspolitischen<br />
Fragen zu stellen. Zunächst: Schön, dass Sie hier sind, Frau Ministerin!<br />
Sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Jawohl, hier bin ich, hallo.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Eine Frage<br />
zu einem ersten Themenkomplex:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pur:</b> Wie könnte<br />
man die USA in Sachen Strafgerichtshof noch umstimmen? Und welche Druckmittel<br />
hat Europa?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Wir müssen versuchen, mit allen Möglichkeiten die amerikanische Regierung<br />
umzustimmen. Und wichtig ist, dass alle europäischen Länder die gleiche<br />
Position beziehen, denn mit dem internationalen Strafgerichtshof soll ja ein<br />
Signal in alle Länder gesandt werden, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit,<br />
Völkermord, nie mehr hingenommen werden, und dass wir in einer globalen<br />
Welt globale Rechtstaatlichkeit brauchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Desarollo:</b> Glauben<br />
Sie, dass der Bundestag für einen Bosnien-Einsatz auch ohne UN-Mandat stimmen<br />
wird? Was hätte das zur Folge?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Hallo Desarollo. Der Name ist bei Ihnen Programm, hoffentlich. <br />
Ich kann jedenfalls für die Fraktionen der Regierung sagen, dass wir für<br />
die Verlängerung des Einsatzes stimmen werden; aber das Verhalten der US-Regierung<br />
hätte massive Konsequenzen, möglicherweise auch für künftige<br />
UN-Friedensmissionen und das würde die UN schwer beschädigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Osaft: </b>Nach Informationen<br />
der Frankfurter Rundschau zählen Sie in einem internen Papier 20 Unstimmigkeiten<br />
mit den USA auf. Ist das nicht ein bisschen übertrieben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Nein, ich könnte natürlich eine größere Zahl von Konflikten<br />
nennen, aber die Punkte, um die es geht, möchte ich besonders nennen: Ein<br />
zentraler Konflikt ist das Verhalten der Regierung Bush zur drastischen Aufstockung<br />
von Agrarproduktsubventionen entgegen allen Versprechungen an die Adresse der<br />
Entwicklungsländer, derartige Subventionen zurückzufahren. Mit dieser<br />
Art von Protektionismus wird den Entwicklungsländern auf den Weltmärkten<br />
unfaire Konkurrenz gemacht. Damit werden ihre Einkommensmöglichkeiten deutlich<br />
gemindert. Das ist das Gegenteil dessen, was notwendig ist. Ein anderes Konfliktfeld<br />
ist das Verhalten der amerikanischen Regierung gegenüber den internationalen<br />
Organisationen, die weltweit für Familienplanung eintreten. Denen will<br />
die Bush-Administration die Mittel streichen, d.h. aber, weltweit, zumal in<br />
den Entwicklungsländern, dem Kampf gegen AIDS zu schaden und die Geburtenraten<br />
in den Entwicklungsländern zu steigern. Das Gegenteil davon ist notwendig.<br />
Man könnte hier noch deutlich mehr hinzufügen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>halligalli: </b>War ihr<br />
Kritikpapier mit Außenminister Fischer abgesprochen, der sich ja immer<br />
sehr, sehr diplomatisch gegenüber der amerikanischen Politik äußert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Der Vorteil von Enwicklungsministerinnen ist, dass sie nicht diplomatisch sein<br />
müssen. Im Übrigen: die Punkte, die ich eben genannt habe, werden<br />
von allen EU-Entwicklungsministern geteilt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pur:</b> Fühlen<br />
Sie sich nicht manchmal ziemlich hilflos angesichts der mächtigen US-Regierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Nein. Ich bin schon immer für die Notwendigkeit der Selbstbehauptung Europas<br />
eingetreten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Noch einmal<br />
eine Nachfrage zum Internationalen Strafgerichtshof:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang:</b> Wieso erwähnen<br />
Sie eigentlich nicht, dass Russland und China ebenfalls den Internationalen<br />
Strafgerichtshof nicht anerkennen? Ihre einseitige Position sieht mir so eher<br />
nach Antiamerikanismus aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Die Forderung zum Internationalen Strafgerichtshof geht an alle Länder.<br />
Das besondere Problem bezogen auf die USA ist, dass sie ihre Zustimmung zu einer<br />
weiteren Entscheidung zum Einsatz der UN-Friedensmission in Bosnien-Herzegowina<br />
in fast erpresserischer Weise verkoppeln mit der Forderung, amerikanische Soldaten<br />
von Entscheidungen und Urteilen des Internationalen Strafgerichtshofs auszunehmen.<br />
Kein Staat kann sich aber über andere Staaten stellen. Es gilt: Die Stärke<br />
des Rechts muss weltweit bestimmen, und nicht das Recht des Stärkeren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BastianZ: </b>Denken<br />
Sie, dass der Kompromissvorschlag der amerikanischen Regierung akzeptabel ist<br />
oder würde dieser den internationalen Gerichtshof dauerhaft beschädigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
BastianZ, welchen &quot;Kompromissvorschlag&quot; meinen Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BastianZ: </b>Ich meine<br />
den Vorschlag, Mitgliedsstaaten des Weltsicherheitsrats zu ermöglichen,<br />
Verfahren zunächst für 12 Monate zu stoppen um das Verfahren damit<br />
hinauszögern zu können&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Für mich ist das kein &quot;Kompromissvorschlag&quot;, denn wenn ein<br />
Staat sich den Verpflichtungen erst einmal entziehen kann, ist das ja ein völlig<br />
falsches Signal an alle Staaten der Weltgemeinschaft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sfor: </b>Wäre ein<br />
Bosnien-Einsatz ohne UN-Mandat nicht auch ein falsches Zeichen? Würde die<br />
UN da nicht an Wichtigkeit verlieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Deshalb ist es ja so wichtig, UN-Friedensmissionen nicht zu beschädigen.<br />
Und vor allen Dingen darf nichts passieren, was den Menschen in Bosnien-Herzegowina<br />
den Schutz entzieht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Ein kleiner<br />
Themenwechsel: Gesundheitspolitik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>torben76: </b>Glauben<br />
Sie, dass AIDS das größte Problem der Entwicklungsländer ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Es ist ein zentrales Problem, denn AIDS droht gerade die Generation der<br />
Menschen, die berufstätig sein können und das Land aufbauen können,<br />
auszulöschen. Zurück blieben ältere Menschen und Waisenkinder.<br />
Weltweit gibt es etwa 12 Million solcher Aidswaisen bereits. Aids ist eine menschliche<br />
und wirtschaftliche Katastrophe für Entwicklungsländer und deshalb<br />
ist die Bekämpfung von Aids ein Schwerpunkt unserer Zusammenarbeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ankeline:</b> Wie stehen<br />
Sie dazu, dass Entwicklungsländer Patente für Arzneimittel brechen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Das Abkommen zum Schutz des geistigen Eigentums sieht vor, dass Entwicklungsländer<br />
im Falle derartiger Gefährdungen wie bei Aids 1. billigere Produkte importieren<br />
können (sog. Parallelimporte), oder auch 2. sogenannte Generika herstellen<br />
oder beziehen können. Das ist im letzten Jahr im November auf der Handelskonferenz<br />
in Doha ausdrücklich bestätigt worden. Ich habe mich von Anfang an<br />
gegen die ursprünglichen Klagen der Pharmaindustrie gewandt, denn, um ein<br />
Beispiel zu geben: In Tansania gibt es pro Kopf der Bevölkerung vielleicht<br />
fünf US$ für das Gesundheitswesen. Es ist klar, dass kein Entwicklungsland<br />
Tausende von Dollar für die Behandlung von Kranken ausgeben kann. Und deshalb<br />
müssen die Produkte sehr kostengünstig zur Verfügung gestellt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ooo: </b>Die Pharmaindustrie<br />
beutet ja auch durch Genpatente die Ressourcen des Regenwaldes aus&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Es gibt ein Abkommen, das vorsieht, dass die Nutzung von genetischen Ressourcen<br />
der Entwicklungsländer durch die entsprechenden Firmen dem betreffenden<br />
Land gegenüber finanziell kompensiert wird. So dass das Land von der Nutzung<br />
des Patentes profitiert. Was nicht geht, ist, dass die genetischen Ressourcen<br />
durch Firmen patentiert werden und anschließend die Menschen in dem betroffenen<br />
Entwicklungsland die Produkte teuer bezahlen müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Hier gehen<br />
inzwischen Fragen zu sehr unterschiedlichen Fragenkomplexen ein; wir werden<br />
eine kleine Runde mit einer Frage pro Fragenkomplexe machen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JRicken:</b> Ende letzten<br />
Jahres haben Sie in Berlin die von Ihrem Ministerium bei Prof. Spahn in Auftrag<br />
gegebene Studie zur Tobin Tax und zu Regulierung der Internationalen Finanzmärkte<br />
vorgestellt. Wie sieht es mit Initiativen zur Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen<br />
aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Die Studie belegt, dass eine moderne Tobin Tax durchaus realisierbar wäre,<br />
auch in einer Zeitzone, z. B. der europäischen. Wir führen jetzt die<br />
Diskussion sowohl in Entwicklungsländern als auch mit europäischen<br />
Ländern, um bestimmte Fragen weiter zu klären. Zum Beispiel die Frage,<br />
wie ein Abwälzen einer Devisentransaktionssteuer verhindert werden könnte<br />
und eine Reihe weiterer, zum Teil sehr technischer Fragen. Ich halte alle Vorschläge,<br />
die dazu beitragen, gemeinsame globale Güter zu finanzieren, für unterstützenswert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Elchtest 2002: </b>Müsste<br />
man nicht die Banken viel stärker in die Pflicht nehmen, ärmsten Ländern<br />
Kredite zu erlassen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Beim Schuldenerlass für die ärmsten Entwicklungsländer geht<br />
es einmal um den Erlass von Schulden der aus Finanzkrediten der Entwicklungszusammenarbeit<br />
resultiert, sowie aus sogenannten Handelsschulden, aber es gibt auch die Verpflichtungen<br />
des privaten Sektors, wenn auch in vergleichsweise geringem Umfang.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>halligalli:</b> Der Beitrag<br />
an Entwicklungshilfe der BRD ist im Vergleich zu anderen Staaten zwar hoch,<br />
gemessen am eigenen BSP aber beschämend niedrig. warum fordern sie nicht<br />
gemeinsam mit ihren AmtskollegInnen eine drastische Erhöhung und setzen<br />
sich so an die Spitze einer Bewegung, die auch die Globalisierungskritiker einbinden<br />
würde?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Meine Entwicklungsministerkollegen und ich engagieren uns dafür, die Entwicklungsmittel<br />
drastisch aufzustocken. Angesichts der notwendigen Haushaltskonsolidierungen<br />
war das in den letzten Jahren schwierig. Wir haben aber gleichwohl eine Trendwende<br />
in der Entwicklungsfinanzierung in Gang gesetzt.<br />
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Unser SPD-Ziel ist,<br />
bis in der nächsten Legislaturperiode das Zwischenziel von 0,33 % Bruttonationaleinkommen<br />
zu erreichen. Das heißt von jetzt rund 5 Mrd. Euro auf dann rund 7 Mrd.<br />
Euro zu kommen. Und die nächste Stufe ist dann die darauffolgende Legislaturperiode.<br />
Im Übrigen, am Ende der sozialdemokratisch geführten Regierung Helmut<br />
Schmidt 1982 waren wir bei 0,48 %. Am Ende der Regierung Helmut Kohl waren es<br />
0,26 % Bruttosozialprodukt. Neben der Entwicklungsfinanzierung ist aber auch<br />
die Frage der Öffnung von Märkten entscheidend. Die Entwicklungsländer<br />
könnten rund 50 Mrd. US$ Einnahmen erreichen, wenn die Industrieländer<br />
ihre Märkte im Agrarbereich nicht abschotten würden. Zum Vergleich,<br />
die Zahl ist ungefähr so hoch wie die gesamte Summe für offizielle<br />
Entwicklungszusammenarbeit weltweit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tintin:</b> was sagen<br />
sie zu ATTAC?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Die Mitglieder von ATTAC, die ich kenne, sind alle keine Globalisierungsgegner,<br />
sondern Globalisierungskritiker. Und das ist gut so. Im übrigen finde ich<br />
es prima, dass es endlich eine Öffentlichkeit für die Fragen gibt,<br />
die heute alle als quasi fachspezifische Themen von wenigen Experten verhandelt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Sauer:</b> Was<br />
denken Sie über die demokratische Entwicklung in Afghanistan &#8211; besonders<br />
die Rechte von Frauen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Sowohl die Bundesregierung als auch die internationale Gemeinschaft tut alles,<br />
um einen Prozess von Demokratie zu fördern, wobei Rückschläge<br />
immer befürchtet werden müssen. Wir tragen in unserer praktischen<br />
Entwicklungspolitik dazu bei, dass die Mädchen wieder in die Schule gehen<br />
können, dass Frauen wieder Zugang zur Gesundheitsversorgung haben und dass<br />
sie in ihren Rechten bestärkt werden, auch bei der zu erarbeitenden neuen<br />
afghanischen Verfassung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Hier sind<br />
einige Nachfragen zur so genannten Tobin-Steuer, also der Besteuerung von internationalen<br />
Kapitaltransfers, eingegangen. Hier die erste dieser Fragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zion:</b> Könnte<br />
eine Tobin Tax überhaupt gegen deutsche Wirtschaftsinteressen durchgesetzt<br />
werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Die moderne Tobin Tax hat zum Ziel, gerade kurzfristige Kapitalspekulationsbewegungen<br />
zu verhindern. Wer langfristig Kapital anlegen will, den würde die Tobin<br />
Tax faktisch nicht betreffen. Es ist aber trotzdem notwendig, sich europäisch<br />
und international in Bezug auf eine Devisentransaktionssteuer abzusprechen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JRicken: </b>Wird der<br />
Deutsche Bundestag einen Vorratsbeschluss, ähnlich wie in Frankreich fassen,<br />
d.h. die moderne Tobin Tax auf dem EU-Markt einführen zu wollen, sobald<br />
alle anderen EU-Staaten auch dafür sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Mit allem Respekt gegenüber den französischen Kolleginnen und Kollegen:<br />
eine solche Entscheidung wäre ja ziemlich folgenlos. An dieser Stelle setzt<br />
ja gerade der Vorschlag von Professor Spahn an. Im übrigen: Prof. Spahn<br />
ist ein hochangesehener Ökonom an der Universität Frankfurt, der gerade<br />
für die hessische Landesregierung unter Roland Koch ein Gutachten zum Finanzplatz<br />
Frankfurt erarbeitet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Unsere<br />
Zeit geht langsam zu Ende. Hier eine letzte Fragen zum Wahlkampf:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kannibal: </b>Warum ist<br />
Entwicklungspolitik kein Wahlkampfthema?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Entwicklungspolitik ist ein Wahlkampfthema. Für mich als Entwicklungsministerin<br />
und für die SPD insgesamt ist Entwicklungspolitik ein wichtiger Beitrag<br />
zur gerechten Gestaltung der Globalisierung und nicht-militärische Sicherheitspolitik.<br />
Sie steht damit im Zentrum internationaler Beziehungen. Die FDP will z. B. das<br />
Entwicklungsministerium auflösen. Die CDU/CSU betrachtet ausweislich ihres<br />
Wahlprogramms Entwicklungspolitik als Wurmfortsatz. Da fällt die Entscheidung<br />
doch leicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Liebe<br />
Chatterinnen und Chatter! Unsere tacheles.02-Zeit ist bereits wieder abgelaufen.<br />
Wir bedanken uns im Namen von tagesschau.de und politik-digital.de sowie von<br />
unserem Unterstützer tagesspiegel.de für Ihre Teilnahme und die vielen<br />
Fragen; leider konnten wieder einmal nicht alle beantwortet werden, da es zu<br />
viele waren. Herzlichen Dank besonders an Frau Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul<br />
für Ihre Bereitschaft, an diesem Chat teilzunehmen. Wir hoffen, dass es<br />
auch für Sie interessant war!<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">tacheles.02 ist ein Format<br />
von <a href="http://www.tagesschau.de/">tagesschau.de</a> und <a href="http://www.politik-digital.de/index.shtml">politik-digital.de</a><br />
und wird unterstützt von <a href="http://www.tagesspiegel.de/">tagesspiegel.de</a>.</span></p>
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