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	<title>Internet Governance Forum &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Internet Governance Forum &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Internet Governance Forum 2019</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sarah Merz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Dec 2019 10:09:27 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Das Internet Governance Forum (IGF) ist eine Diskussionsplattform für verschiedene Interessengruppen, die Informationen zu Praktiken und Strategien im Zusammenhang mit dem Internet und Technologien austauschen. Da das Thema Internet Governance auf dem Weltinformationsgipfel, der von der UN ausgerichtet wird, immer für große, kontroverse Diskussionen sorgte, entschied man sich 2006 das Internet Governance Forum ins Leben zu rufen. 2019 fand dieser in Berlin statt.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ></p>
<h3>Datenverwaltung (Data Governance)</h3>
<p>Der Ausgangspunkt der verschiedenen Panels und Workshops ist, dass Daten DIE Schlüsselressource für Wirtschaft und Gesellschaft darstellen und bei ihrer Benutzung der Mensch im Vordergrund stehen soll. Da in unterschiedlichen Ländern oftmals verschiedene Richtlinien zum Benutzen von Daten gelten, die Globalisierung aber dafür sorgt, dass die Welt immer vernetzter wird, führt dies oft zu Komplikationen. Auf dem IGF werden Möglichkeiten für globale Datenrichtlinien diskutiert und vorgestellt. Diese sollen sich nach moralischen Standards richten und dadurch die fundamentalen Persönlichkeitsrechte sichern.</p>
<h3>Digitale Inklusion</h3>
<p>Im Zuge der Agenda für nachhaltige Entwicklung (SDGs) diskutieren die Teilnehmer*innen darüber, wie man den Zugang zum Internet inklusiv gestalten kann. Im Fokus stehen in diesem Zusammenhang soziale und wirtschaftliche Teilhabe, Gleichstellung der Geschlechter und die Wahrung der Menschenrechte. Dafür muss eine Kultur des Vertrauens zwischen Bürger*innen und Staat etabliert werden. Der Aufbau und Ausbau digitaler Infrastruktur ist der erste Schritt, damit alle Menschen von den Vorteilen des Internets profitieren zu können. Digitale Bildung soll im nächsten Schritt das Potenzial der Nutzung des Internets erhöhen und Diskriminierung bekämpfen.</p>
<h3>Sicherheit, Stabilität und Beständigkeit</h3>
<p>Das Internet kann seine positive Wirkung nur entfalten, wenn sich Individuen im digitalen Raum sicher fühlen. Gegen Hate Speech vorzugehen ist deswegen die gemeinsame Verantwortung von Zivilbevölkerung, Wirtschaft und Politik. Dasselbe gilt für die Desinformationen und Fake News. Auch die Rechte von Kindern müssen im Internet gewahrt bleiben. Dafür soll sichergestellt werden, dass Provider besser mit Strafverfolgungsorganen zusammenarbeiten, um eine effektivere Verurteilung von Straftaten im Netz zu gewährleisten. Die Diskutant*innen tauschen sich darüber aus, wie die Kooperation zwischen Staaten, Unternehmen und einzelnen Personen verbessert werden kann, um Sicherheitsrisiken zu minimieren und gleichzeitig die digitalen Persönlichkeitsrechte zu gewährleisten. Auch Cybersecurity-Ansätze von Staaten müssen diese respektieren.</p>
<h3>Das Internet of Things und das Problem mit der Sicherheit</h3>
<p>Unter dem Titel „The Internet of Things towards the future, building on inherent Core Internet Values“ fand auf dem diesjährigen IGF eine große Diskussionsrunde der Dynamic Coalition on IoT statt.</p>
<p>Der Ausdruck Internet der Dinge (Internet of Things, kurz: IoT) beschreibt vernetzte, intelligente Gegenstände, die sowohl untereinander als auch mit dem Internet verbunden sind. Dabei kann es sich um unterschiedlichste Objekte handeln, vom Alltagsgegenstand wie einem Fernseher oder medizinischem Equipment bis zur industriell genutzten Maschine, die die Produktionsparameter per Sensoren überwacht, um Verzögerungen zu vermeiden und die Qualität zu sichern. Mit komplexeren IoT-Anwendungen könnte es zukünftig möglich sein, globale Probleme wie den Welthunger zu lösen. So könnte die Produktion von Lebensmitteln verbessert werden, indem alltägliche Prozesse, wie die Überwachung der Feuchtigkeit von Pflanzen und der langzeitigen Reproduktionsrate des Saatguts automatisiert werden.</p>
<p>Wie bei jeder neuen Technologie müssen neben den neu entstehenden Möglichkeiten auch die neu entstehenden Risiken beachtet werden. Diese liegen vor allem in der Sicherheit der einzelnen Geräte. Diese sind oft schlecht gesichert und zugleich Teil eines Netzwerks, was sie zu einer Sicherheitslücke für das gesamte System machen kann. Um das IoT für eine „free, secure and enabling rights environment,[and for] the future we want“zu nutzen, müssen die Risiken minimiert werden.</p>
<h3>Wie lässt sich das erreichen?</h3>
<p>Ein Teilnehmer der Diskussionsrunde war Frederic Dnock, von der Internet Society, einer NGO, die sich weltweit für den Ausbau der Internet-Infrastruktur einsetzt. Dnock stellte Richtlinien für unterschiedliche Sektoren vor, die dazu beitragen sollen, das IoT sicherer zu nutzen. Für die Hersteller und Verkäufer sollte „security by design“ zum festen Prinzip in der Produktion von IoT-Geräten werden. Ein echter Fortschritt in Sachen IoT-Sicherheit war im vergangen Jahr in Kooperation mit der Mozilla Foundation gelungen. Man einigte sich auf 5 Minimum-Standards für die Sicherheit des IoT, deren Einhaltung durch die Hersteller die Konsumenten und ihre Geräte schützen. Diese umfassen:</p>
<ol>
<li>Verschlüsselte Kommunikation für jedes Gerät</li>
<li>Regelmäßige Sicherheitsupdates</li>
<li>Ankündigung des nächsten Updates für den Konsumenten</li>
<li>Starke Passwörter</li>
<li>Zugängliche Datenschutzerklärung (Einfache Sprache)</li>
</ol>
<p>Diese Prinzipien werden von unterschiedlichen Ländern weltweit propagiert, besonders hervor tut sich jedoch Kanada, das diese Standards für IoT tatsächlich implementiert hat. Ein großer Fortschritt für die Sicherheit des IoT, da nun NGO und Regierungen damit beginnen können sich hinter diesen Standards zu vereinen und sie rechtlich auch in anderen Ländern bindend zu machen.</p>
<p>Doch IoT-Sicherheit ist ein Thema, das nicht nur große Firmen mit industriellen Fertigungsanlagen betrifft, sondern zieht sich bis in den häuslichen Bereich und dort liegt die Hauptgefahr für den Endverbraucher und seine Daten.</p>
<h3>Sicherheit im SmartHome von Morgen</h3>
<p>Die zahlreichen smarten Gerätschaften, die bereits in viel Haushalten zu finden sind, bleiben bisher nahezu komplett ohne staatliche Regulierungen. Ein Zustand der so nicht weiter existieren darf. Um diesen jedoch zu ändern besteht Handlungsbedarf in unterschiedlichen Bereichen. Zum einen müssen aus der Politik technologieunabhängige Regulierungsgesetze kommen, die für Hersteller Sicherheitsupdates zur Pflicht machen. Gleichzeitig müssen die Bürger*nen besser gebildet werden, wenn es um Programmieren und Internetsicherheit geht. Erreichen lässt sich das am einfachsten über eine Implementierung in die Schulbildung.</p>
<p>Zusätzlich könnten auch unabhängige Verbraucherschutz-Organisationen, wie hier in Deutschland z.B. die Stiftung Warentest, eine entscheidende Rolle in der Bewertung einnehmen. Sie würden zwar keinen politischen Druck auf die Industrie ausüben, dafür aber einen finanziellen, denn informierte Bürger*innen können ein klares Zeichen für Sicherheit setzten und so die Wirtschaft zwingen, den Anforderungen zu folgen. Letztlich wäre speziell eine Art „Label“ oder Klassifizierung von IoT-Geräte in Bezug auf Sicherheit und Nutzbarkeit besonders sinnvoll. Wer diese jedoch vergeben sollte, konnte auch von den Teilnehmer*innen der Diskussion nicht vollständig geklärt werden.</p>
<h3>Sicherheit schon heute?</h3>
<p>Am Ende liegt die Sicherheitsentscheidung aktuell beim Kunden, der diese vor dem Kauf alleine treffen muss. Dabei sollte vor allem eine Risiko- vs.-Nutzen-Abwägung des IoT-Gegenstands im Vordergrund der Entscheidung stehen. Brauche ich das wirklich? Entsteht für mich persönlich durch die Internetanbindung tatsächlich ein Mehrwert? Bei vielen der Geräten kann man die IoT-Option, also die Verbindung zum Internet, deaktivieren und damit natürlich sicher bleiben Allerdings opfert man so auch den Mehrwert, den uns IoT-Geräte bieten.</p>
<p>Für die sichere Nutzung von IoT oder „smarten Geräten“ hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik auf seiner Website einige Tipps zusammengefasst. Diese reichen von dem Ratschlag, die Software und damit die Sicherheitsupdates aktuell zu halten, über die Verwendung von sicheren Passwörter (und nicht die des voreingestellten Werkspassworts) bis hin zu der Verwendung eines virtuellen privaten Netzwerks (VPN) für einen sichere Zugriff auf das Heimnetzwerk, auch von außerhalb. Wer mehr dazu erfahren möchte, sollte diesem <a href="https://www.bsi-fuer-buerger.de/BSIFB/DE/DigitaleGesellschaft/IoT/SmartHome/SmartHome_node.html;jsessionid=10F42E34F376008A36D863B28C3F6F16.2_cid351">Link </a>folgen.</p>
<p>Das IoT bietet immer mehr Möglichkeiten, komplexe Aufgaben einfach und automatisiert zu lösen und bildet heute die Grenze zwischen virtueller und realer Welt, nun liegt es an den Herstellern sowie den Regierungen zu handeln und letztlich leider beim Konsumenten, diese sicher und sinnvoll zu nutzen.</p>
<p id="fn-1">Photo by IGF</p>
<div class="_3bJ2H CHExY">
<p>&nbsp;</p>
</div>
<p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-2"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-2" data-row="script-row-unique-2" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-2"));</script></div></div></div>
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		<title>IGF Deutschland &#8211; &#8220;für die Stärkung des globalen, sicheren, freien, interoperablen Internets&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jonas Hartmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Sep 2019 15:21:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Altmeier]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-3"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Am vergangenen Mittwoch fand in Berlin das Internet Governance Forum (IGF) Deutschland statt. Das nach dem Multi-Stakeholder-Modell, also unter Einbindung diverser Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft, organisierte Treffen wird jährlich im Vorfeld zum UN-IGF durchgeführt, welches diesen November ebenfalls in Berlin tagen wird.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Bei diesem seit 2006 stattfindenden internationalen <a href="https://www.intgovforum.org/multilingual/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Treffen</a> handelt es sich um eine offene Diskussionsplattform der Vereinten Nationen. Alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen können dort die zentralen sozialen, rechtlichen, politischen und technischen Fragen des Internets beraten. Im gleichberechtigten Dialog sollen sich die verschiedenen Interessensgruppen austauschen, inspirieren und die Diskussion in den internationalen wie nationalen politischen Gremien vorantreiben.</p>
<p>Die <a href="https://www.intgovforum-deutschland.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Veranstaltung</a> vergangene Woche im Bundeswirtschaftsministerium umfasste zahlreiche Podiumsdiskussionen und Workshops zum Thema Internet Governance, also der Entwicklung und Festlegung von Regularien, Normen und Einsatzfeldern für die Nutzung des Internets. Es ging in erster Linie um die großen politischen Fragen der Digitalisierung und Internetnutzung, wie beispielsweise die nach effektivem Datenschutz oder dem Umgang mit Hate Speech im Netz. Aber auch technische Aspekte wurden debattiert, beispielsweise auf dem Podium zur Infrastruktur der Zukunft oder dem Workshop zu Datenschutz und -sicherheit in 5G-Netzen.</p>
<p><img decoding="async" class="wp-image-156736 size-large alignnone" src="/wp-content/uploads/2020/06/P1050075_c.jpg" alt="Workshop zu Künstlicher Intelligenz auf dem Internet Governance Forum 2019" width="630" height="344" /></p>
<p>Auf dem Podium zu Plattformökonomie wurde nach einem europäischen Modell im Umgang mit den großen Internet-Plattformen wie Facebook oder Google gesucht. Zentrale Themen sind dabei die richtige Regulierung und die effektive Umsetzung der bestehenden europäischen Richtlinien. Der KI-Workshop diskutierte ethische Dimensionen und den gemeinwohlorientierten Einsatz der Technik. Weitere Panels gab es zum Thema Nachhaltigkeit und alternatives Wirtschaften in Zeiten der Digitalisierung sowie zur Rolle der Zivilgesellschaft und deren Engagement in der Netzpolitik und Digitalisierungsfragen.</p>
<h3>Eine große Diversität an Gästen</h3>
<p>Besonders bemerkenswert war die große Diversität der Gäste, die privat oder beruflich an der Veranstaltung teilnahmen. So betonten die Gastgeber die hohe Anzahl an jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Am Vortag hatte bereits das <a href="https://yigf.de/events/jugend-internet-governance-forum-deutschland/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jugend Internet Governance Forum Deutschland</a> getagt, bei dem 18- bis 30-jährige Speaker eigene Forderungen aufgestellt hatten, die sie in die lebhaften Diskussionen bei den verschiedenen Panels einbrachten.</p>
<p><img decoding="async" class="size-large wp-image-156735 alignnone" src="/wp-content/uploads/2020/06/P1050068_c.jpg" alt="Plakate beim Internet Governance Forum Deutschland 2019" width="630" height="337" /></p>
<p>Ein Kritikpunkt auf der diesjährigen Veranstaltung lautete, dass sich die geführten Debatten in den letzten Jahren nur wenig geändert hätten und immer wieder die gleichen Themen mit ähnlichen Argumenten behandelt werden würden. Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier betonte jedoch die Notwendigkeit, gewisse Forderungen und Argumente immer weiter vorzutragen: „Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass all das, was Sie hier diskutieren, in der Politik bereits jedem einzelnen Abgeordneten, jedem einzelnen Minister bewusst ist.“</p>
<p><a href="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/Altmaier.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-161989" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/Altmaier.jpg" alt="Peter Altmaier beim Internet Governance Forum 2019" width="645" height="484" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/Altmaier.jpg 640w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/Altmaier-300x225.jpg 300w" sizes="(max-width: 645px) 100vw, 645px" /></a></p>
<h3>Ausblick auf das UN-Internet Governance Forum im November</h3>
<p>In seiner Keynote nach der Mittagspause wünschte er sich, „dass die Ergebnisse des IGF […] für ein bisschen mehr Klarheit sorgen, […], dass davon Führung ausgeht und dass die dann tatsächlich in konkrete politische Maßnahmen eingehen“. Besonders gefördert werden soll im November die Teilnahme von Vertreterinnen und Vertretern aus dem Globalen Süden, sowie kleiner und mittelständischer Unternehmen.</p>
<p>„Wir wollen hier von Berlin aus ein klares Signal geben für die Stärkung des globalen, sicheren, freien, interoperablen Internets“, sagte der Bundesminister zum Ende und schloss mit dem Motto des diesjährigen Internet Governance Forums: „One World. One Net. One Vision“.</p>
<p><strong>Fotos by:</strong> politik-digital</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-3" data-row="script-row-unique-3" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-3"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-5"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-5" data-row="script-row-unique-5" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-5"));</script></div></div></div>
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		<title>Internet Governance Forum Deutschland 2016: zur Ethik der Digitalisierung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/internet-governance-forum-deutschland-2016-zur-ethik-der-digitalisierung-150211/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Sep 2016 15:01:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Personalisiertes E-Shopping, selbstfahrende Autos und Fitness-Tracker: einen bequemeren Alltag können Algorithmen sicherlich ermöglichen. Der Preis dafür ist aber hoch. So [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_150213" aria-describedby="caption-attachment-150213" style="width: 640px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/DSC07712.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-150213" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/DSC07712.jpg" alt="Panel des Internet Governance Forum Deutschland 2016 &quot;Encoding Values&quot;" width="640" height="280" /></a><figcaption id="caption-attachment-150213" class="wp-caption-text">Im Panel (v.l.n.r.): Matthias Spielkamp (iRights/Algorithm Watch), Dr. Mirja Kühlewind (Transport AD/ETH Zürich, IETF), Constanze Bürger (Bundesministerium der Innern), Prof. Dr. Iris Eisenberger (BOKU Uni Wien), Dr. Benedikt Köhler (DataLion), Moderatorin Lena-Sophie Müller (Initiative D21)</figcaption></figure>
<p><strong>Personalisiertes E-Shopping, selbstfahrende Autos und Fitness-Tracker: einen bequemeren Alltag können Algorithmen sicherlich ermöglichen. Der Preis dafür ist aber hoch. So diskutierten letzten Freitag auch die TeilnehmerInnen des Panels „Encoding Values – zur Ethik von Protokollen“ des diesjährigen Internet Governance Forum Deutschland (IGF-D) über die Ethik digitaler Gesellschaften und die technische (Un)Kontrollierbarkeit von Algorithmen.</strong></p>
<p>Kontrovers diskutierten die Panellisten auf dem IGF-D 2016 über die Objektivität von Algorithmen und die Frage, ob die Einführung eines allgemein gültigen Wertekodexes eine Lösung darstelle. Einigkeit herrschte jedoch in einem anderen Punkt: „Wie es wirklich funktioniert, wissen wir, glaub ich, alle nicht“, konstatierte Dr. Benedikt Köhler (<a href="http://datalion.com/de/home_de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DataLion</a>). Dr. Mirja Kühlewind von der Internet Engineering Taskforce (<a href="https://www.ietf.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IETF</a>) stellte fest, dass „seit Snowden“ die Frage „Wie können wir Werte schützen?“ in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt ist. Auch wenn die Ethik der Digitalisierung immer mehr zum Thema wird, so bleiben dennoch essentielle Fragen rund um die (Un)Kontrollierbarkeit von Algorithmen unbeantwortet.</p>
<h3>Kann ein Algorithmus überhaupt neutral sein?</h3>
<p>In der Debatte um die theoretische Möglichkeit digitaler Neutralität und Objektivität betonte Matthias Spielkamp (<a href="https://irights.info/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">iRights</a>/<a href="http://algorithmwatch.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Algorithm Watch</a>), dass (halb-)automatisierte Prozesse auch nicht unbedingt wertneutral seien. Als Beispiel führte Spielkamp die Nutzung einer Software in den USA an, die helfen sollte, zukünftige Kriminelle zu prognostizieren. <a href="https://www.propublica.org/article/machine-bias-risk-assessments-in-criminal-sentencing" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das Ergebnis</a>: technisch generierte Parteilichkeit durch Algorithmen. Menschen mit schwarzer Hautfarbe wurden automatisch als höheres Risiko eingestuft. Zugleich warf Spielkamp die Frage auf, inwiefern eine alternative Handhabung durch Menschen überhaupt weniger diskriminierend verlaufen könne.</p>
<p>Mehr Informationen preiszugeben als beabsichtigt – die Erfahrung hat auch Benedikt Köhler bereits gemacht, durch Algorithmen. Im Sinne einer <a href="http://blog.metaroll.de/wp-content/uploads/2007/09/blogrolls.PNG" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kartographie</a> der deutschsprachigen Blogosphäre stellte er Blogvernetzungen – d.h. ein Blog verlinkt einen weiteren Blog – graphisch dar. Letztendlich kontaktierten ihn kartographierte Blogger, warum sie denn als nah vernetzt zu privat-bekannten BloggerInnen dargestellt wurden, ohne jemals einen Link zu ihrem Blog gesetzt zu haben. Köhler betonte, einen „neutralen Algorithmus“ genutzt zu haben. Dennoch: lediglich ähnliche NutzerInnen zweier Blogs können bereits private Vernetzungen andeuten. So verbinde ein neutraler Algorithmus auch Dinge auf eine Weise, die niemand steuern kann, geschweige denn offenbaren will. Köhler zufolge „macht das der Algorithmus selbst“. Auch den transparenten Umgang mit Algorithmen erachtet Köhler daher als „notwendig“, aber „nicht hinreichend“. Das sah Professorin Dr. Iris Eisenberger (<a href="https://www.boku.ac.at/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BOKU Uni Wien</a>) anders, da sie bereits zuvor den entscheidenden Schritt in Richtung Neutralität ausmache. Für sie sei ein Algorithmus bereits wertend, sobald sich ein Unternehmen für einen speziellen Algorithmus entscheide.</p>
<h3>Die Lösung für „interdisziplinären Analphabetismus“: Transdisziplinarität</h3>
<p>Moderatorin Lena-Sophie Müller (<a href="http://www.initiatived21.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Initiative D21</a>) fragte in die Runde, wie die Ethik nun zu den richtigen AkteurInnen kommt sowie von ihnen gestaltet und verinnerlicht werden könne. Constanze Bürger (<a href="http://www.bmi.bund.de/DE/Home/startseite_node.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesministerium des Innern</a>) stellte dazu fest, dass es einen allgemein gültigen Wertekodex bislang noch nicht gebe und sprach sich für einen internationalen Wertekatalog der digitalen Welt aus. Während die Regierungen derzeit keinen ethischen Gestaltungsrahmen setzen, sind nicht-staatliche Akteure schon einen Schritt weiter: Matthias Spielkamp berichtete, dass bei Algorithm Watch bereits ein <a href="http://algorithmwatch.org/das-adm-manifest-the-adm-manifesto/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kriterienkatalog</a> erstellt wurde. Nichtsdestotrotz bleibe in der ethischen Diskussion die Frage eine ganz andere, so Spielkamp: „Man sollte sich als Gesellschaft fragen, welche Innovationen überhaupt eingeführt werden sollten, wenn sie nicht kontrollierbar scheinen. Manche Dinge sollte man nicht zulassen.“</p>
<p>Mit diesem Statement saß Spielkamp nicht alleine im Panel. Auch Prof. Dr. Iris Eisenberger plädierte für „Regeln von Menschen für Maschinen“ und diagnostiziert in der heutigen Zeit einen „interdisziplinären Analphabetismus“. Viele Menschen wüssten gar nicht, dass sie Werte implementieren. Zu Beginn gelte es, eine riesige Kommunikationslücke zwischen verschiedenen Disziplinen zu schließen, so Eisenberger. Dem schloss sich Spielkamp an, indem er sich abschließend für eine transdisziplinäre Betrachtung aussprach, die es bald geben werde und müsse – „aber nicht nächste Woche.“</p>
<p>Titelbild: Panel des IGF-D 2016 &#8220;Encoding Values&#8221; von <a href="http://politik-digital.de/user/jdonat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jana Donat</a> / <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>, licenced <a href="http://i0.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Menschenrechte im Cyberspace zwischen Panoptikum und Privatsphäre</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Wolff]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 May 2016 09:19:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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		<category><![CDATA[Digitale Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Gesellschaft kämpft mit steigender Intransparenz, Internetüberwachung und sinkendem Vertrauen in traditionellen politischen Institutionen. Unsere demokratischen Rechte und unsere Privatsphäre [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Think_global_pixabayjpg.jpg" rel="attachment wp-att-149197"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-149413 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Think_global_pixabayjpg.jpg" alt="Think global by geralt via pixabay.jpg" width="640" height="280" /></a>Unsere Gesellschaft kämpft mit steigender Intransparenz, Internetüberwachung und sinkendem Vertrauen in traditionellen politischen Institutionen. Unsere demokratischen Rechte und unsere Privatsphäre im digitalen Raum werden gleichermaßen ausgehöhlt. Eines wird deutlich, die Potentiale der Digitalisierung sind von ihren Problemen eingeholt worden. Doch wie sollen wir ihnen begegnen?</p>
<p>Das Internet hat unser Verständnis von Machtstrukturen revolutioniert. Die Grenzenlosigkeit der globalen Vernetzung fordert unsere etablierten Gewalten heraus und bricht traditionelle Strukturen auf. Dabei werden wir aber auch mit den Kehrseiten der Digitalisierung konfrontiert. So ist das, was da alles online passiert und was wir machen könnten, nicht immer mit dem demokratischen Wertesystem und einer friedlich harmonisierenden internationalen Gesellschaft in Einklang zu bringen.</p>
<h3>Die (un)begrenzten Weiten der digitalen Welt</h3>
<p>Mit ca. 3,5 Milliarden NutzerInnen ist das Internet das allumfassendste Territorium der Welt – anders als unsere traditionellen Staatensysteme, grenzenlos. Anarchisch fließen unüberschaubare Mengen von Daten entlang eines nie endenden Stromes aus Bits und Bytes.</p>
<p>Bereits 1996 machte sich Internetpionier John Perry Barlow mit seiner <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/1/1028/1.html">Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace</a> Luft und stellte das Internet den traditionellen Staatsstrukturen gegenüber. Seine Schrift ist eines der bekanntesten Werke zur Legitimation staatlicher Kontrolle im Internet. In dieser neuen Heimat des Geistes haben die etablierten politischen Institutionen keine Macht mehr. So erschaffe die Zivilisation des Internet schließlich das, was Regierungen nicht erreicht haben, eine humanere und gerechtere Welt: „Wir glauben daran, dass unsere Regierungsweise sich aus der Ethik, dem aufgeklärten Selbstinteresse und dem Gemeinschaftswohl eigenständig entwickeln wird.“</p>
<p>Fest steht: Das Internet kann nicht regiert werden, zumindest nicht im konventionellen Sinne und schon gar nicht von oben herab. Anders als Staaten, mit ihren festen Grenzen, Regeln und nationaler Bevölkerung, sind die Grundfesten des Internet fluide.</p>
<h3>Der Teufelskreis der Digitalisierung</h3>
<p>In Zeiten eines steigenden Sicherheitsbedürfnisses und der verstärkten Auseinandersetzungen mit Hass und Hetze im Internet stoßen wir immer häufiger an die Grenzen dessen, was erlaubt und was richtig ist. Wir sind zerrissen zwischen Angst, Sicherheit und Freiheit. Wir wollen das Internet frei und anonym nutzen, auf keine der unzähligen Möglichkeiten der Digitalisierung verzichten und gleichzeitig staatliche Machtstrukturen aus dem Cyberspace verbannen. Demgegenüber stehen die neuen Herausforderungen, Misstrauen und Gefahren.</p>
<p>Denn die breite Gesellschaft ist nicht der einzige Profiteur der Digitalisierung. Auch TerroristInnen und Cyberkriminelle haben die Potentiale des Internet für sich erkannt. Als Folge fordert die Gesellschaft mehr Sicherheit. Um wieder Herr der Lage zu werden, reagieren unsere etablierten politischen Institutionen und Sicherheitsorgane mit Überwachung und Datenspeicherung. Dabei werden aber immer häufiger die Grenzen der grundrechtskonformen Strafverfolgung überschritten. So werden Persönlichkeitsrechte missachtet und die individuelle Privatsphäre verletzt. Auch geltende Menschenrechte im digitalen Raum werden nebensächlich. Gleichzeitig fehlen wirkungsvolle Durchsetzungs-, Deutungs- und Kontrollmechanismen, weshalb Staaten zwar grenzüberschreitend im Internet agieren, aber keine internationalen Grundlagen für ihr Handeln bereitstehen.</p>
<p>Doch nicht nur Staaten sind im Internet aktiv. Auch IT-Großkonzerne haben ihren internationalen Einfluss gesteigert und sind zu ebenbürtigen Gegenspielern im digitalen Roulette um unsere Persönlichkeitsrechte geworden. Trotzdem gehört diesen Unternehmen das Internet ebenso wenig wie den Staaten. Letzten Endes sinkt nicht das Risiko, sondern unser Recht auf Privatsphäre und unser Vertrauen in traditionelle Staatsstrukturen.</p>
<p>Wir sind gefangen im Teufelskreis der Digitalisierung – auf Kosten der Freiheit im Internet. Schließlich beeinflusst die Art und Weise, wie sich das Internet entwickelt, die Art und Weise, wie wir das Internet nutzen: Vorsichtiger, besonnener, unfreier?</p>
<h3>Überwachen und Staaten: Internoptikum vs. Internet Governance</h3>
<p>Von einer ähnlichen Unfreiheit handelt auch das 1975 veröffentlichte Werk „Überwachen und Strafen“ des französischen Philosophen Michel Foucault. In ihm beschreibt er das Macht- und Wahrheitsregime des Panoptikums, eines von Jeremy Bentham ersonnenen „perfekten Gefängnisses“, in dem strahlenförmig angeordnete Zellen von einem zentralen Turm permanent eingesehen und überwacht werden können. Für ihn repräsentiert es die Konstellation der modernen Disziplinargesellschaft.</p>
<p>Erschreckend ist: Die von Foucault aufgezeigten Strukturen sind vielerorts Ansatzpunkt für Diskussionen um die Struktur der heutigen Internetgesellschaft und Ordnungsmechanismen des Cyberspace. Es wird deutlich, dass das Internet zunehmend in Konkurrenz mit traditionellen Staatsstrukturen steht und nationale Sicherheitsinstitutionen und Rechtssysteme an der Unüberschaubarkeit des der digitalen Weltmeere scheitern. Letztlich wissen sich Staaten nur mit Überwachung zu helfen. Dahin ist die Privatsphäre, willkommen im Internoptikum.</p>
<p>Trotz dieses düsteren Szenarios ist auch Hoffnung am digitalen Horizont zu erkennen: so zum Beispiel das Projekt der Internet Governance. Was in erster Linie nach Relaunch oder Regierung 2.0 klingt, verfolgt einen innovativen Ansatz: das Internet regierbar machen, in einem dezentralen, internationalen Netzwerk. Die zentrale Grundannahme dafür ist, dass Staaten nicht die einzigen Akteure sind, die das Internet strukturieren und Handlungen vorgeben können. Das Internet besteht aus verschiedenen Entitäten, die nur gemeinsam Regeln und Prinzipien vorgeben können. Aus diesem Grund kann die Internet Governance nur als global verbundenes Netzwerk ohne zentrales Leitungsgremium bestehen, dessen „Regierung“ aus VertreterInnen der Zivilgesellschaft, des Privatsektors und der Regierungen besteht. Die Vielfalt dieser Akteure soll dazu beitragen, dass gemeinsame Regeln, Normen und Entscheidungsmechanismen gefunden werden können, die die Evolution und Nutzung des Internet ausformen.</p>
<h3>Eine Charta für die Zukunft der Informationsgesellschaft</h3>
<p>Was zunächst nach einer fixen Idee klingt, dessen wirkliche Umsetzung in weiter Ferne liegt, wird auf internationaler Ebene bereits in Form von globalen Plattformen Realität. Eine dieser Plattformen ist das IGF, das <a href="http://www.intgovforum.org/cms/">Internet Governance Forum</a>, welches 2005 beim internationalen Dialog der Vereinten Nationen zur Internet Governance ins Leben gerufen wurde und sich seitdem für digitale Menschenrechte einsetzt. Als Diskussionsforum zu Themen der Internet Governance verkörpert das IGF also schon jetzt den dezentralen Archetyp der digitalen Regierung.</p>
<p>Der Schutz unserer Rechte im digitalen Raum ist dennoch kein Selbstläufer, so innovativ die Internetregierung der Zukunft auch sein mag. Wir müssen sie in einen lesbaren Code übersetzen und Hardware schaffen, die diesen auslesen und verstehen kann. In Zeiten, da jeder Bestandteil, jedes lokale Netzwerk sein eigenes Regelwerk etabliert, müssen wir unsere Menschenrechte als letzte Bastion und einziger international gemeinsamer Nenner im grenzenlosen Raum des Internet verteidigen.</p>
<p>Das IGF tut genau das und steht seit 2013 mit der <a href="http://www.internetrightsandprinciples.org/site/wp-content/uploads/2014/06/IRPC_booklet_29May2014_German.pdf">Charta der Menschenrechte und Prinzipien für das Internet</a> für unsere Rechte ein. Neben dem eingängigen 1. Artikel, der angelehnt an die <a href="http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf">Menschenrechtscharta der UN</a> die Universalität und Gleichheit aller Menschen online sowie offline unterstreicht, stechen vor dem Hintergrund von Überwachung, algorithmischer Entscheidungsfindung und sinkender Privatsphäre ebenso Artikel 4 und 5 hervor. Da jede Person das Recht haben soll, Informationen im Internet frei von Zensur oder anderen Eingriffe zu suchen, zu empfangen und weiterzugeben, ist auch das Recht auf Privatsphäre und Datenschutz fest in der Charta des IGF verankert. So habe jede Person das Recht auf Privatleben im Internet. Das setzt die Freiheit von Überwachung sowie das Recht auf Verschlüsselung und Anonymität im Internet voraus. Personenbezogene Daten gelte es zu schützen und die Sammlung, Speicherung, Verarbeitung und Bekanntgabe persönlicher Daten zu kontrollieren.</p>
<p>Die im Dezember vergangenen Jahres von der UN-Generalversammlung ratifizierte <a href="http://www.un.org/depts/german/gv-70/band1/ar70125.pdf">Resolution 70/125</a> schließt an diese ambitionierten Projekte zum Thema Internet an. Sie verstärkt die Bestrebungen, einen international geltenden Grundlagenkatalog zu finden. Unterstrichen werden dabei besonders die Neutralität im Cyberspace und der Stellenwert eines Internetzugangs für alle. Als Zeichen gegen die zunehmenden Überwachungs- und Sicherheitsmaßnahmen wird zudem an die Freiheiten des Internet appelliert. Um einen Gegenpol zu Cyberkriminalität, Cybersicherheit und Cyberüberwachung zu etablieren und den Schutz der Freiheits- und Persönlichkeitsrechte im Internet zu stärken, sei schließlich ein am Gemeinwohl orientiertes Handeln aller Akteure unabdinglich.</p>
<p>Bis dato werden digitale Bedrohungspotentiale häufig auf Kosten unserer Privatsphäre bekämpft. Um die grenzenlosen Potentiale des Internet nicht einzuschränken, ist es aber unabdingbar, das Internet als Medium der Privatsphäre zu erhalten und die UserInnen vor dem Zugriff, Verkauf und der Veröffentlichung ihrer Daten, zu schützen. Staaten müssen sich deshalb auf ihre demokratischen Verpflichtungen zurückbesinnen, mit und nicht gegen BürgerInnen handeln. Dafür stehen politische Institutionen schon heute ein, doch werden ihre Ansätze aufgegriffen und überhaupt beachtet? Die Vereinten Nationen nehmen wie so oft eine Vorreiterposition in dieser Rückbesinnung ein. Nationale Institutionen müssen jetzt nachlegen, um dem ihnen gewährten Vertrauen nicht langfristig zu schaden und einen verantwortungsvollen Weg für die Zukunft der Informationsgesellschaft zu bereiten.</p>
<p><span class="licensetpl_attr">Titelbild: <a href="https://pixabay.com/en/social-media-social-networks-ball-748101/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Think Global</a> by <a href="https://pixabay.com/en/users/geralt-9301/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">geralt</a> via <a href="https://pixabay.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay</a> licenced <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a><br />
</span></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>7. Internet Governance Forum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julie Rothe]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2015 16:33:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Domain-Registrierung]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance Forum]]></category>
		<category><![CDATA[Cyber-Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[IANA-Prozess]]></category>
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		<category><![CDATA[Verbraucherschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 21. Mai findet bereits zum siebten Mal das Internet Governance Forum Deutschland statt. Vertreter aus Politik und Zivilgesellschaft diskutieren [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/globuli_bearb.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-145761" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/globuli_bearb.jpg" alt="globuli_bearb" width="640" height="280" /></a>Am 21. Mai findet bereits zum siebten Mal das Internet Governance Forum Deutschland statt. Vertreter aus Politik und Zivilgesellschaft diskutieren am Donnerstag in Berlin gemeinsam über die Zukunft der Internet Governance. Die Teilnahme ist kostenlos, jeder kann sich aktiv einbringen.</p>
<p>In diesem Jahr wird es auf den Panels um digitalen Verbraucherschutz, Cyber-außenpolitische Initiativen der Bundesregierung, den IANA-Transitionsprozess, die deutsche Netzpolitik und neue Domain-Endungen gehen. Wie üblich finden die Diskussionen in Form eines Multistakeholder-Dialogs statt, in den sich Vertreter verschiedener zivilgesellschaftlicher, privater und öffentlicher Akteure einbringen können. Gemeinsam erarbeiten sie auf der ganztägigen Veranstaltung den deutschen Diskursbeitrag zum <a href="http://www.intgovforum.org/cms/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">10. Internet Governance Forum der Vereinten Nationen</a>, das im November in Brasilien ausgerichtet wird.</p>
<p>Aus den Diskussionen des Internet Governance Forums Deutschland werden Debatten, Argumente, Perspektiven und Empfehlungen zusammengefasst und als <em>Messages from Berlin</em> an das UN-Sekretariat nach Genf geschickt sowie im europäischen EuroDIG sowie beim internationalen UN Forum präsentiert.</p>
<p>Neben einer Keynote des Sonderbeauftragten für Cyber-Außenpolitik der Bundesregierung, Botschafter Dr. Nobert Riedel, werden auf den Podien unter anderem Prof. Dr. Wolfgang Kleinwächter (Åarhus Universität, Mitglied des Board of Directors ICANN), Christian Mihr, (Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen), Lars Klingbeil MdB (SPD), Malte Spitz (Mitglied im Parteirat von Bündnis 90/Die Grünen) und Halina Wawczyniak (MdB Die Linke) an den Diskussionsrunden teilnehmen.</p>
<p>Das Forum findet am Donnerstag, 21.05., von 9 bis 18 Uhr im Wappensaal des Roten Rathauses statt. Anmeldungen sind noch möglich.</p>
<p>Hier geht’s zur <a href="https://www.eventbrite.com/e/vii-internet-governance-forum-deutschland-igf-d-tickets-16559662396" target="_blank" rel="noopener noreferrer">kostenlosen Anmeldung</a> und zu weiteren <a href="http://www.intgovforum.de/igf-d-2015.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Informationen</a></p>
<p>Am Vorabend veranstaltet Co:llaboratory e.V. ein Pre-Event zum Internet Governance Forum mit dem Titel „Internet als Weltpolitik: stehen wir vor einer neuen Ära der Zukunft des Internets?“ am Mittwoch ab 18.30 Uhr bei <a href="https://www.microsoft.com/de-de/corporate/microsoft-berlin/events/detail.aspx?id=1137" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Microsoft Berlin</a>.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/criminalintent/2827206615/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lars Plougmann</a></p>
<div class="attribution-info"></div>
<div class="attribution-info"></div>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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			</item>
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		<title>Wer reguliert das Internet? Ein Überblick über Lösungsansätze</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wer-reguliert-das-internet-ein-ueberblick-ueber-loesungsansaetze-139691/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Idelberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 May 2014 15:33:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Jeanette Hofmann]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Rieger]]></category>
		<category><![CDATA[Regulierung]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance Forum]]></category>
		<category><![CDATA[NETmundial]]></category>
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		<category><![CDATA[Multikstakeholder]]></category>
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		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn man mal wieder verzweifelt eine verloren geglaubte Datei oder einen Link sucht, kommt neuerdings mit Sicherheit der Spruch: „Frag [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/internetgovernance_puzzle_cut.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-139692" alt="internetgovernance_puzzle_cut" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/internetgovernance_puzzle_cut.jpg" width="639" height="280" /></a>Wenn man mal wieder verzweifelt eine verloren geglaubte Datei oder einen Link sucht, kommt neuerdings mit Sicherheit der Spruch: „Frag doch die NSA“. Obwohl scherzhaft gemeint, ist die Vorstellung keinesfalls lustig! Regeln fürs Internet? Ja! Aber: Wer soll die aufstellen und wie?</p>
<p style="text-align: left">In seinen Anfangsjahren galt das Internet als freier und anarchischer Ort, an dem niemand uns vorschrieb, was wir dort zu tun oder zu lassen hatten. Machen wir uns nichts vor, diese Zeit ist seit Langem vorbei und wird auch nicht wiederkommen. Das Leben vieler Menschen spielt sich zunehmend online ab, viele Unternehmen verdienen ihr Geld mit dem Internet – daraus ergeben sich handfeste Interessen, die Entwicklung des Internets und seiner Strukturen zu beeinflussen. Auch Regierungen spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, denn deren Funktionsträger haben die offizielle Aufgabe, den Staat und seine Bürger auch online vor Bedrohungen zu schützen. Das Internet bedarf also offenkundig der Regulierung. Es bleibt nur die Frage „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=2hnE4dB9CXo" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wer soll uns regulieren?</a>“, mit der <a href="http://frank.geekheim.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frank Rieger</a>, Sprecher des <a href="http://www.ccc.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Chaos Computer Clubs</a> (CCC), seinen Vortrag auf der re:publica &#8217;14 betitelte. Sollten das Regierungen, Geheimdienste, die globale Internetwirtschaft oder Multikstakeholder-Organisationen sein?</p>
<h3>Historische Bedeutung von NETMundial</h3>
<p>Ausgelöst durch die von Edward Snowden aufgedeckten weltweiten NSA-Bespitzelungen, initiierte die brasilianische Präsidentin Dilma Roussef gemeinsam mit der Internet Cooperation for Assigned Names and Numbers (ICANN) die globale Multistakeholder-Konferenz „<a href="http://www.netmundial.br" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NETmundial</a>“ über die Zukunft des Internets, die vom 23.-24. April 2014 in São Paulo stattfand und an der knapp 1.500 Personen aus 93 Ländern teilnahmen.<br />
<a href="http://www.hiig.de/en/staff/dr-jeanette-hofmann/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jeanette Hofmann</a>, Berliner Politikwissenschaftlerin und Expertin für Urheberrecht und Internetregulierung, hat in einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=I5U8Cs91oJ4" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vortrag</a> auf der re:publica&#8217;14 die NETmundial als historisches Ereignis bezeichnet. Sie begründete diese Einschätzung mit dem Hinweis darauf, dass zum ersten Mal als Ergebnis einer solchen Multistakeholder-Konferenz ein <a href="http://netmundial.br/wp-content/uploads/2014/04/NETmundial-Multistakeholder-Document.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gemeinsames Dokument</a> vorgestellt werden konnte, in dem die Menschenrechte als Fundament für die Struktur und Regulierung des Internets verankert wurden. Obwohl das Dokument für die Akteure nicht bindend ist, sieht Hofmann, die maßgeblich an der Organisation der Konferenz beteiligt war, dieses Ergebnis als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung, um belastbare Strukturen für das Internet zu schaffen.<br />
Mit Begeisterung erzählte <a href="https://twitter.com/achdujeh" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hofmann</a>, dass die Akteure – aus den vier Gruppen Regierung, Wirtschaft, NGOs und Wissenschaft – sich die Redezeit gleichmäßig aufteilten. Das führte dazu, dass sich selbst Minister in eine Schlange stellen mussten und maximal zwei Minuten Redezeit hatten. Trotz dieser positiven Nachrichten musste Hofmann zugestehen, dass schlussendlich nicht alle Teilnehmer das <a href="http://netmundial.br/wp-content/uploads/2014/04/NETmundial-Multistakeholder-Document.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Abschlussdokument</a> mittragen wollten. Es offenbarten sich große Kontroversen, insbesondere in der Frage, ob Netzneutralität als Prinzip für die Struktur des Internets festzuschreiben sei. Ein anderer großer Streitpunkt war die „Innovation ohne Zustimmung“ (permissionless innovation). Die Startup-Szene hält diese Bedingung für unabdingbar für das Umsetzen von Ideen, während Inhaltsanbieter ihre Urheberrechte verletzt sehen. Zum Schluss hatten sich die Teilnehmer auf folgende Internet Governance-Prinzipen geeinigt: 1. die Menschenrechte als ihr grundlegendes Fundament; 2. die rechtliche Haftung von Mittelsunternehmen (Netzanbietern) zu beschränken; 3. die kulturelle und sprachliche Vielfalt im Internet zu schützen und zu fördern, 4. das Internet als ein ungeteiltes Netz zu erhalten; 5. dass alle Akteure sich für ein sicheres, stabiles und wehrhaftes Internet einsetzen; 6. eine offene Systemarchitektur einzusetzen und technische Probleme kollaborativ zu lösen; 7. Innovation ohne Zustimmung zu ermöglichen.<br />
Gründe für die Uneinigkeit in einigen Punkten erkennt Hofmann in der alt bekannten gegensätzlichen politischen Diskussionskultur und in den stark differierenden politischen Entscheidungsstrukturen der unterschiedlichen Staaten. Als Beispiele nannte sie die skeptische Haltung der Regierungen Chinas, Russlands und Indiens gegenüber dem Multistakeholder-Ansatz.<br />
Obwohl das Ergebnis der NETMundial medial überwiegend positiv aufgenommen wurde, hat die Konferenz mitnichten eine Antwort auf Frank Riegers Frage „Wer soll uns regulieren?“ gefunden. Es bleiben zu viele Zweifel, ob der Multistakeholder-Ansatz tatsächlich ein gleichermaßen demokratisch wie effizienter Lösungsweg sein kann. Multistakeholder-Organisation wird oft der <a href="http://www.economist.com/node/21531011" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vorwurf</a> gemacht, dass ihre Mitglieder zu langsam entscheiden und die Resultate unvorhersehbar seien.</p>
<h3>Mehr nationale Internetregulierung mit Wirtschaftsbeschränkungen verbunden</h3>
<p>Die wenigsten Regierungen dürften sich leicht mit der Vorstellung anfreunden, ihre Kompetenzen teilweise auf nicht-staatliche Akteure – seien es Gruppen aus der Wirtschaft oder Zivilgesellschaft – zu übertragen. Stattdessen haben einzelne Regierungsvertreter (Indien, Südafrika und Brasilien) vorgeschlagen, die Aufsicht über das Internet einer neuen globalen Behörde zu überlassen. Es ist umstritten, ob ausgerechnet die UN, die in den vergangenen Jahren selten mit Durchschlagskraft geglänzt hat, der richtige Ort ist, um einen sich so dynamisch entwickelnden Bereich wie das Internet zu regulieren. Doch steckt möglicherweise bei einigen Befürwortern die Überlegung dahinter, auf die Unfähigkeit der UN-Behörden zu spekulieren.<br />
Doch auch Staaten, die Zensurmaßnahmen eingeführt haben, können die Realität des globalen Internets nicht ignorieren. Eine komplette Abschottung vom Datenverkehr der restlichen Welt kann weder in ihrem Interesse sein, noch ist sie technisch umsetzbar, sofern diese Staaten weiter am globalen Handelsverkehr teilhaben wollen. Die Teilnahme dieser Staaten an der NETMundial demonstrierte jedoch immerhin ihre generelle Bereitschaft, über die Prinzipien des Internets zu verhandeln.</p>
<h3>Die heiße Phase hat begonnen</h3>
<p>Die Suche nach einer Antwort auf die Frage, nach welchen Prinzipien und von wem das Internet in der Zukunft verwaltet werden soll, ist derweil ein laufender Prozess, innerhalb dessen NETMundial ein wichtiger Meilenstein war. Auf die NETmundial wird nun zunächst das <a href="http://www.intgovforum.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet Governance Forum für Deutschland</a> und im Anschluss die europäische Konferenz <a href="http://eurodig.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EuroDIG</a> (12-13. Juni 2014 in Berlin) folgen. Multistakeholder-Konferenzen erfreuen sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit. Dank des prinzipiell offenen Zugangs für alle soll Entscheidungen mehr Legitimation verliehen werden. Frank Rieger vom CCC hingegen hält auf diese Weise getroffene Entscheidungen jedoch nicht für fair, weil „die Stärkeren mit mehr Geduld und Ressourcen“ am Ende gewännen.<br />
Auch aus demokratietheoretischer Perspektive sind Multistakeholder-Konferenzen nicht unproblematisch, weil Lobbyisten, gleich aus welcher Ecke der Gesellschaft sie kommen, zu Mitgesetzgebern werden können, obwohl sie keine Wählerschaft vertreten. Sollte sich der Multikstakeholder-Ansatz als fruchtbar erweisen, um nicht nur unverbindliche Erklärungen hervorzubringen, sondern auch Dokumente mit spezifischen Maßnahmen zu erstellen, dann wird sich die Legitimationsfrage in Zukunft noch viel dringender stellen.</p>
<h3>Die Internetunternehmen warten nicht bis zu einer Einigung</h3>
<p>Während Experten jedoch mühsam über Formen der Internet-Governance diskutieren, schaffen Unternehmen wie Google, Facebook, Amazon, Microsoft und Yahoo längst ständig neue Fakten, die nur noch schwer rückgängig zu machen sind. Gemeinsam mit 30 anderen Webseiten vereinigten sie 2013 <a href="http://www.theconnectivist.com/2013/06/the-expanding-consolidation-of-the-consumer-internet/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">50 Prozent</a> aller Klicks weltweit auf sich. Selbst wenn Prinzipien, wie sie die NETmundial herausarbeitete, dauerhaft als Norm international etabliert werden könnten, werden diese nicht die Macht der großen Suchmaschinen tangieren. In den USA wurde kürzlich entschieden, dass Google seine Suchergebnisse beliebig sortieren darf, da diese vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sein sollten. Ganz anders haben in dieser Woche die Richter des Europäischen Gerichtshofs <a href="http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/eugh-urteil-c-131-12-google-suchergebnisse-loeschen-recht-auf-vergessenwerden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">geurteilt</a>, indem sie die Suchmaschinenbetreiber verpflichteten, Ergebnisse aus ihrer Suche auf Wunsch zu entfern, sofern diese diese Persönlichkeitsrechte verletzen.<br />
Der Auffassung, dass es Unternehmen frei stehen sollte, auf welche Weise sie ihre Dienste anbieten – denn de jure ist niemand gezwungen, ihre Dienste in Anspruch zu nehmen –, stehen gute <a href="http://irights.info/ben-scott-das-internet-ist-zu-einem-offentlichen-gut-geworden" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gründe</a> gegenüber, das Internet als öffentliches Gut aufzufassen und bestimmte Bereiche öffentlich zu regulieren. Das Internet nimmt inzwischen einen so prominenten Platz in der politischen Debatte ein, dass es als quasi öffentlicher Diskussionsraum nicht profitorientierten Unternehmen überlassen werden sollte. In jedem Fall sollte die Debatte weiter geführt werden, inwieweit wir als Gesellschaft das Internet als öffentliches Gut betrachten und Diskriminierungsaspekte berücksichtigen möchten.<br />
Auch <a href="https://twitter.com/frank_rieger" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frank Rieger</a> konnte in seinem Vortrag keine abschließende Antwort auf seine Frage „Wer soll uns regulieren“ geben. Dennoch gab er seinen Zuhörern Vorschläge mit auf den Weg, wie seiner Ansicht nach die Zukunft des Internets aussehen könnte. Anstatt die Struktur und Regulierung des Internets vollständig in staatliche Hände zu geben oder den Multistakeholder-Ansatz zu verfolgen, schlägt er genossenschaftliche Strukturen für die Bereitstellung der Infrastruktur vor, ähnlich den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Dazu zählt Rieger auch ausdrücklich Suchmaschinen. Allen, denen ein offenes und freies Internet ein Anliegen ist, sollten sich daher Gedanken darüber machen, wie eine demokratische Institution für diese Aufgabe und ihre Entscheidungsregeln aussehen und wie deren Etablierung erreicht werden könnte.<br />
Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/graells/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">graells/flickr</a> (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.0</a>)<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Michael Rotert zum EuroDIG: „Auf einem guten Weg“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Schmitt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Apr 2014 14:45:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[In der vergangenen Woche fand die internationale Multistakeholder-Konferenz zur Kontrolle und Verwaltung des Internets „Netmundial“ in São Paulo statt. Neben einem [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/EuroDIG-2.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-139407" alt="EuroDIG 2" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/EuroDIG-2.png" width="636" height="300" /></a>In der vergangenen Woche fand die internationale Multistakeholder-Konferenz zur Kontrolle und Verwaltung des Internets „Netmundial“ in São Paulo statt. Neben einem Appell zum Schutz der Privatsphäre und gegen Überwachung sprach man sich auch für ein globales und offenes Internet aus. Vom 12. bis 13. Juni folgt nun mit dem EuroDIG die bedeutendste europäische Zusammenkunft zur Gestaltung des Internets, die in diesem Jahr in Deutschland unter dem Motto „Multistakeholder dialogue &#8211; a broken model or next level democracy?“ stattfinden wird. Michael Rotert, Vorstandsvorsitzender des offiziellen Gastgebers eco &#8211; Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V., beantwortet Fragen zum EuroDIG und zur Zukunft der Internetgovernance.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Herr Prof. Rotert, bereits Ende 2013 setzten sich im sogenannten <a href="http://www.w3.org/2013/10/montevideo.html.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Montevideo Statement</a> zentrale Organisationen, die sich mit der Verteilung der Internet-Ressourcen befassen, für eine Internationalisierung der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) ein. Am 14. März dieses Jahres gaben die USA bekannt, dass sie die Aufsicht über die (ICANN) aufgeben werden.<br />
Für wie hoch halten Sie derzeit die Gefahr einer nationalstaatlichen Fragmentierung des Internets?<br />
<strong>Michael Rotert:</strong> Ich halte diese Idee generell nicht für realistisch, denn selbst wenn Daten national bleiben, könnten sie theoretisch abgefangen werden, nämlich immer dann, wenn z.B. der Provider einer anderen Jurisdiktion unterliegt oder die Datenleitungen einem ausländischen Carrier gehören. Sollte man trotzdem versuchen, teure Umwege zu verwenden, nur um „national“ zu bleiben, würden bei keinerlei Sicherheitsgewinn die dadurch entstehenden Mehrkosten auch noch auf die Endverbraucher abgewälzt.<br />
Vielleicht hilft ja hier auch eine Selbstverpflichtung der Provider, Daten national zu lassen, wenn immer es möglich ist. Nur so kann man natürlich kein Gesetz formulieren. ICANN ist eine technische Gruppierung, die im Zweifelsfall durch eine neue Technik obsolet wird, und noch ist nicht sicher, ob ICANN das Angebot der US-Regierung überhaupt umsetzen kann. Zu einer Fragmentierung des Internet trägt diese Entwicklung egal in welche Richtung nicht bei.<br />
<figure id="attachment_139409" aria-describedby="caption-attachment-139409" style="width: 179px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-139409     " alt="rotert" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/rotert.png" width="179" height="250" /><figcaption id="caption-attachment-139409" class="wp-caption-text">Michael Rotert ist seit 2000 Vorstandsvorsitzender des <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0CDMQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.eco.de%2F&amp;ei=M7lfU6jSBYfUsgbc44HwCQ&amp;usg=AFQjCNHnaJZFGIfUl4E2Z5LZMCKYlzbVeg&amp;sig2=ZjmnoZinYf6JGdSHh9NziA&amp;bvm=bv.65636070,d.Yms" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eco &#8211; Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V.</a>. Der Professor am Fachbereich Informatik der Hochschule Karlsruhe berät u.a. die Europäische Kommission sowie die Vereinten Nationen (UN) und ist Gründungsmitglied mehrerer Internet-Organisationen wie der Internet Society.</figcaption></figure><br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Was könnte diese Entwicklung für internationale Multistakeholder-Gremien wie den „European Dialogue on Internet Governance“ (<a href="http://www.eurodig.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EuroDIG</a>) oder auch andere Gremien bedeuten?<br />
<strong>Michael Rotert:</strong> Das Internet ist ein globales Medium und EuroDIG wie auch andere Gremien treten genau für die Erhaltung der Globalität ein, und zwar unter Beteiligung aller Teilnehmergruppierungen. Ein Multistakeholder-Ansatz aber lebt vom Konsens, auch in dieser Frage. Eine mögliche Übereinkunft könnte aber auch Verschlüsselung auf allen Ebenen heißen. Auch wenn es technisch zwar möglich wäre, bedarf es hier doch noch einiger Anstrengungen, damit ein Verschlüsselungsansatz massentauglich ist. Da wären dann auch noch technische Gremien gefragt.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Welche Interessengruppen sollten an einem Multi-Stakeholder Modell teilhaben? Sollten Regierungen eine zentrale Rolle spielen? Welche Rolle sehen Sie für die Wirtschaft und für die Zivilgesellschaft?<br />
<strong>Michael Rotert:</strong> In einem Multistakeholder-Modell haben alle Beteiligten die gleichen Rechte und/oder die gleiche Stimme. Eine ideale Besetzung bestünde z.B. aus Zivilgesellschaft, Regierung, Wissenschaft und Wirtschaft. Je nach Thematik können diese Gruppen auch noch feiner untergliedert werden, z.B. Verbraucherschutzverbände innerhalb der Zivilgesellschaft. Bei der Gesetzgebung muss natürlich der Staat eine zentrale Rolle spielen, aber Konsultationen der anderen Stakeholder können dabei sicher nicht schaden, hat sich doch gezeigt, dass die Gesetzgebung in Bezug auf das Internet den technischen Möglichkeiten oft hinterher läuft.<br />
Selbstverpflichtungen der Wirtschaft innerhalb vom Staat gesetzter Leitplanken, um Rechtssicherheit zu schaffen, wäre optimal. Die „Zivilgesellschaft“ ist mir hier zu allgemein, wählt doch diese ihre Vertreter in das Parlament. Hier wären im Einzelfall entsprechende Untergruppierungen der Zivilgesellschaft gefragt.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Welchen Einfluss könnte der EuroDIG auf den Datenschutz, die Meinungsfreiheit sowie den freien Informationsfluss weltweit bzw. in Europa haben?<br />
<strong>Michael Rotert:</strong> Auch wenn bei EuroDIG keine verbindlichen Verträge verhandelt werden, besteht dennoch Einfluss. Hat man sich auf allgemeine Grundsätze aus den genannten Bereichen geeinigt, so können bzw. werden damit Empfehlungen an die jeweiligen Einrichtungen/Nutzer gegeben. Selbst bei einer teilweisen Umsetzung entsteht dadurch eine Dynamik bei allen Beteiligten und auf allen Ebenen. Das Weiterreichen von EuroDIG-Empfehlungen an das globale Internet Governance Forum (<a href="http://www.intgovforum.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IGF</a>) geschieht jetzt schon und beeinflusst durchaus globale Diskussionen. Sanktionieren können durchaus die Verbraucher, nämlich z.B. indem sie Provider oder Dienste meiden, die sich nicht an die abgesprochenen Grundsätze halten. So ist z.B. der wirtschaftliche Verlust nach den Snowden-Veröffentlichungen durchaus bei amerikanischen Cloud-Anbietern spürbar.<br />
Allgemein ist der Einfluss natürlich dann am größten, wenn es um Themen geht, die man nicht unbedingt in Gesetze fassen kann, weil diese nicht durchsetzbar wären oder weil das Gesetzgebungsverfahren länger dauert als die Technologieentwicklung. Selbstverpflichtungen, auf die man sich geeinigt hat, können derartige Schwachstellen in der Gesetzgebung kompensieren.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Ganz generell: Welche Erwartungen haben sie an den „EuroDIG“ 2014?<br />
<strong>Michael Rotert:</strong> Nachdem in Brasilien im April 2014 bei der <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=2&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0CD4QFjAB&amp;url=http%3A%2F%2Fnetmundial.br%2F&amp;ei=2blfU6O9BIeRswbLnYCgCg&amp;usg=AFQjCNHlmceSXtZSYSIRBAeaZTjaZzwzBw&amp;sig2=6Cpu67FhFCABnGqX2Z6MBw&amp;bvm=bv.65636070,d.Yms" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netmundial</a> erstmalig in einem Multistakeholder Prozess ein Manifest erarbeitet wurde, welches aus Prinzipien besteht und das auch eine Roadmap für die Zukunft enthält, könnte ich mir vorstellen, diese Papiere zu „europäisieren“ und auf unsere wirtschaftliche Umgebung anzupassen.<br />
Generell erhoffe ich mir natürlich eine Ausweitung des Multistakeholder-Ansatzes in Europa und in Deutschland im Besonderen. Nur eine „digitale Agenda“ ohne Beteiligung der anderen Stakeholder reicht da sicher nicht, und je nach Empfehlungen aus dem EuroDIG 2014 kann dann sicher auch bei uns noch „nachgebessert“ werden. Trotzdem glaube ich, dass wir in Deutschland bereits auf einem sehr guten Weg sind, aber auf jeden Fall gibt es noch deutliches Verbesserungspotential, zumindest in der Kommunikation untereinander.<br />
Bild: <a href="http://visibleearth.nasa.gov/view.php?id=55167" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NASA</a> (<a href="http://visibleearth.nasa.gov/useterms.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Terms of Use</a>)<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="378" height="66" /></a></p>
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		<title>Dirk Brengelmann zur Internet Governance: „Regierungen in einer besonderen Verpflichtung“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Schmitt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Apr 2014 13:10:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Heute beginnt das „Global Multistakeholder Meeting on the Future of Internet Governance“ (NETmundial) in São Paulo, wo eine Woche über [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Multistakeholder-Skal.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-139174" alt="Multistakeholder-Skal" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Multistakeholder-Skal.jpg" width="629" height="303" /></a><br />
Heute beginnt das „Global Multistakeholder Meeting on the Future of Internet Governance“ (NETmundial) in São Paulo, wo eine Woche über die Zukunft des freien Internets und über eine Neuregulierung der Internet Governance diskutiert wird. Um diese Fragen wird es auch auf dem „European Dialogue on Internet Governance“ (EuroDIG) in Berlin vom 12. bis 13. Juni 2014 gehen. Der Sonderbeauftragte für Cyber-Außenpolitik der Bundesregierung, Dirk Brengelmann, gibt im Interview Auskunft über die Ziele der Bundesregierung.<br />
<strong>politik-digital.de: </strong> Herr Brengelmann, bereits Ende 2013 setzten sich im sogenannten <a href="//www.w3.org/2013/10/montevideo.html.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Montevideo Statement</a> zentrale Organisationen, die sich mit der Verteilung der Internet-Ressourcen befassen, für eine Internationalisierung der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) aus. Am 14. März dieses Jahres gaben die USA bekannt, dass sie die Aufsicht über die ICANN aufgeben werden. Auf verschiedenen internationalen Konferenzen wird in diesem Jahr über eine Neuregulierung der Internet Governance diskutiert. Was verspricht das Auswärtige Amt sich von einer Diskussion auf europäischer Ebene im Rahmen des <a href="www.eurodig.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„EuroDIG“ 2014</a>?<br />
<strong>Dirk Brengelmann:</strong> Ziel der Debatte ist insbesondere ein intensiver Austausch unter sogenannten „like-minded“ über die verschiedenen europäischen Positionen der beteiligten Stakeholder, also Regierungen, internationale Organisationen, Privatsektor, Zivilgesellschaft, technische Gemeinschaft und Wissenschaft, zu Fragen der Internet Governance. Die Diskussion ist dabei nicht auf technische Aspekte beschränkt, sondern bezieht zum Beispiel auch weitere rechtliche Rahmenbedingungen und Menschenrechte, entwicklungspolitische Fragen, wirtschaftliche Entwicklung und Innovation mit ein.<br />
Diese europäische Perspektive kann dann auf dem globalen <a href="http://www.intgovforum.org/cms/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet Governance Forum (IGF)</a> im September in Istanbul vorgestellt und weiterentwickelt werden.<br />
Bei der Entwicklung einer europäischen Perspektive spielt der „EuroDIG“ eine wichtige Rolle, der 2014 erstmals in Deutschland ausgerichtet und von der Bundesregierung tatkräftig unterstützt wird: Gleich zwei Ministerien beteiligen sich daran. Das Auswärtige Amt ist Gastgeber. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), das in der Bundesregierung auch die Federführung für das Thema Internet Governance hat, übernimmt die Schirmherrschaft.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Viele Akteure sprechen sich derzeit für einen Ausbau des Multistakeholder-Modells der Internet Governance aus. Es gibt jedoch keine direkten Vorbilder dafür. Wie könnte dieser Ansatz weiter entwickelt werden?<br />
<figure id="attachment_139159" aria-describedby="caption-attachment-139159" style="width: 183px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CA-B_Bild_lang.jpg"><img decoding="async" class=" wp-image-139159  " alt="CA-B_Bild_lang" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CA-B_Bild_lang-305x400.jpg" width="183" height="240" /></a><figcaption id="caption-attachment-139159" class="wp-caption-text">Dirk Brengelmann ist seit August 2013 Sonder­beauf­­­­trag­­ter für Cyber-Außenpolitik des Auswärtigen Amts. Davor war er bei der NATO, in den Botschaften in Port-au-Prince, London und Washington, im Kanzleramt sowie als Refe­rat­sleiter für Sicherheits- und Verteidigungspolitik im Auswärtigen Amt tätig.</figcaption></figure><br />
<strong>Dirk Brengelmann</strong>:<strong> </strong>Dies ist ein iterativer Prozess, die meisten Konferenzen zu Internet-relevanten Themen finden aber schon heute in Multistakeholder-Foren statt, siehe das IGF, siehe <a href="http://netmundial.br/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NETMundial in São Paulo</a>, aber auch durch Rückkopplung – zum Beispiel zwischen Regierungen und Nichtregierungsorganisationen (NROs). Im Übrigen werden Multistakeholder-Modelle bereits vielfach angewendet: Hierzu gehören die Selbstregulierungsorganisationen des Internets, die die eingangs zitierte Montevideo-Erklärung abgegeben haben.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Welche Interessengruppen sollten an einem solchen Multi-Stakeholder Modell teilhaben? Sollten Regierungen eine zentrale Rolle spielen? Welche Rolle sehen Sie für die Wirtschaft und für die Zivilgesellschaft?<br />
<strong>Dirk Brengelmann: </strong>Grundsätzlich sollten sich alle Interessengruppen in Entscheidungsprozesse einbringen können. Für bestimmte Fragen stehen aber Regierungen in einer besonderen Verpflichtung: So haben Regierungen etwa in den Vereinten Nationen (VN) noch eine spezielle Rolle. Gleiches gilt für die nationale Gesetzgebung.<strong><br />
</strong><br />
<strong>politik-digital.de:</strong>  In Brasilien wurde ein <a href="http://netmundial.br/hlmc/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">inter-ministerielles Multi-Stakeholder-Kommittee</a> kreiert. Wäre so etwas von Seiten der Bundesregierung ebenfalls denkbar?<br />
Bei welchen Themen beabsichtigt die Bundesregierung eine Diskussion mit anderen Stakeholdern? Bei welchen Themen ist eine Beratung durch andere Stakeholder vorgesehen bzw. notwendig?<br />
<strong>Dirk Brengelmann: </strong>Auch in Deutschland gibt es bereits jetzt einen intensiven Austausch. Das BMWi hat für NETMundial in São Paulo beispielsweise ein Vorbereitungstreffen bzw. eine Videokonferenz mit den anderen Stakeholdern organisiert und auch sonst richtet es solche Gesprächsrunden zu wichtigen Fragen oder vor wichtigen Konferenzen zu Internet Governance aus. Das Auswärtige Amt pflegt ebenfalls einen engen Austausch, unter anderem in Form von Runden Tischen mit den IKT-Verbänden sowie mit NROs zum Thema „Internet und Menschenrechte“.<strong><br />
</strong><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Who-Runs-the-Internet-graphic.png"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-139165" alt="Who-Runs-the-Internet-graphic" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Who-Runs-the-Internet-graphic-630x407.png" width="630" height="407" /></a><br />
<strong>politik-digital.de:</strong>  Wie schätzen Sie die Bedeutung des „NETmundial“ in São Paulo für die weitere Entwicklung der Internet Governance ein?<br />
<strong>Dirk Brengelmann:</strong>  Die Konferenz ist wichtig für den Austausch zu globalen Internetprinzipien und einem Fahrplan für die Weiterentwicklung der Internet Governance. Sie wird allerdings keinen Abschluss der Debatten herbeiführen können. Ein wesentliches Signal dürfte sein, dass die verschiedenen Stakeholder, aber auch das Gastgeberland Brasilien in die weitere Diskussion eng eingebunden werden sollten, wenn es um die Globalisierung von ICANN und die Ausbuchstabierung des Angebots seitens der USA geht, ihre Aufsichtsfunktion über IANA aufzugeben.<br />
<strong>politik-digital.de</strong>: Im <a href="https://wikileaks.org/netmundial-outcome/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„NETmundial Executive Stakeholder Committee (EMC) Outcome Document“</a> heißt es:<br />
<em>„All the organizations, forums and processes of the Internet Governance ecosystem are expected to commit to implementing, as well as explicitly adhere, to all the principles agreed in NETmundial.“</em><br />
Inwiefern könnte beim „EuroDIG“ sowie der europäischen IGF-Initiative eine Internetcharta für Grundrechte, Datenschutz und Rechtsstaatlichkeit formuliert werden?<br />
<strong>Dirk Brengelmann</strong>: Noch steht das Ergebnis von NETMundial nicht fest; danach wird es noch das Treffen der Freedom Online Coalition in Tallinn geben, beides wird in die Diskussion beim EuroDIG einfließen. Für uns sind Datenschutz, Rechtstaatlichkeit und der Schutz der Privatsphäre wichtige Prinzipien.<br />
<strong>politik-digital.de</strong>: Die Europäische Kommission hat sich bereits am 12. Februar 2014 in die Debatte eingemischt, unter anderem <a href="http://europa.eu/rapid/press-release_IP-14-142_de.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">fordert sie</a> <em>„a set of principles of Internet governance</em>“. Die Europäische Union ist institutioneller Partner des „Euro DIG“. Welches Signal soll damit gegeben werden?<br />
<strong>Dirk Brengelmann</strong>: Die EU leistet wesentliche Arbeiten in diesem Bereich, unter anderem durch die Europäische Cybersicherheitsstrategie, die Europäische Digitale Agenda oder die zitierte Kommissionsmitteilung zur Internet Governance. Die Mitgliedstaaten sind an einigen dieser Arbeiten beteiligt, diese fließen auch in unsere nationalen Politiken und die der anderen EU-Mitgliedstaaten ein. Insofern beeinflussen sie auch die europäische Perspektive, sozusagen in beide Richtungen.<br />
Bilder: oben: <a href="https://www.flickr.com/photos/ttc_press/5088486967/in/photolist-8KDPTV-8Cvuj7-9w7QW1-9w7RzL-cXXqUw-cXXqVW-dcKB5G-dcKyKe-evrDec-7xxQgi-7KWeAc-8KDQDT-8CseXP-8Cvmpb-8KGQWJ-8CvkYN-bzV9EW-8CvjBj-hxDiFh-hxCRCY-hxCzWB-hxEgBz-hxEbgK-hxEfcv-hxEchc-eveU6u-eveUhY-7KWTHz-7L1ury-hxCPPY-hxCJn5-hxDm6h-hxCvdt-hxEeBH-7KZRuW-7L17f9-7KZPXJ-7KWmvv-7L16xm-7L1xcY-7KVNpn-7L15ps-7KZEaS-7L19yq-7L1FjU-7KW3Sx-7KWnnV-7KWjHV-7KZzc5-7KZNXU" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tactical Technology Collective</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 2.0</a>) ; Portät: © <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/DE/AAmt/Koordinatoren/Cyber-AP/Uebersicht_node.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Auswärtiges Amt</a>; unten: <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Who-Runs-the-Internet-graphic.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lynnalipinski</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 3.0</a>)<br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /><br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Human Rights and Internet Governance: Die neue Publikation des Collaboratory</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Solinski]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Nov 2012 15:16:24 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Internet und Gesellschaft Co:llaboratory]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Kleinwächter]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 14. November wurde die mittlerweile vierte Ausgabe von MIND (Abkürzung für &#8220;MultiStakeholder Internet Dialog&#8221;) des Internet &#38; Gesellschaft Collaboratory [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/human-rights-and-internet-governance-die-neue-publikation-des-collaboratory/mindbaku2_1/" rel="attachment wp-att-123376"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123376" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/mindbaku2_1.jpg" alt="Alice Munyua, Wolfgang Kleinwaechter, Markus  Kummer, Nicolas Seidler und Joy Liddicoat am IGF Baku" width="630" height="308" /></a><br />
Am 14. November wurde die mittlerweile vierte Ausgabe von MIND (Abkürzung für &#8220;MultiStakeholder Internet Dialog&#8221;) des <a href="http://www.collaboratory.de/w/Hauptseite" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet &amp; Gesellschaft Collaboratory</a> veröffentlicht. Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft antworten darin auf den Beitrag von Shirin Ebadi, in dem die Nobelpreisträgerin den Zugang zum Internet als indirektes Menschenrecht proklamiert.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"> <em><strong>Internet &amp; Gesellschaft Collaboratory</strong></em> (kurz: Colab) ist eine offene Experten- und Interventionsplattform mit dem Ziel, die Wechselwirkungen zwischen Internet und Gesellschaft aus unterschiedlichen Perspektiven mit relevanten Stakeholdern zu diskutieren.<br />
<em><strong>MIND</strong></em> steht für „Multistakeholder Internet Dialog“ und ist der Titel der seit Mai 2011 erscheinenden Zeitschrift des Collaboratory, die unter einem festgelegten Thema Beiträge verschiedener Stakeholder versammelt. Herausgeber ist Wolfgang Kleinwächter.</div></div>
<p>Datenschutz oder Überwachung? Selbstreguliert oder national gesteuert? In den Augen von Shirin Ebadi sind solche Entscheidungen über das Internet weder Expertensache noch Luxusproblem, sondern Gegenstand der Menschenrechtsdebatte. Sie führt ein Beispiel aus ihrem Heimatland an: 2009 wurde über das Internet ein Video verbreitet, auf dem zu sehen war, wie iranische Militärs in eine friedlich demonstrierende Menschenmenge schossen und dabei eine junge Frau trafen. Während in den 80er Jahren die Exekution von 12.000 politischen Gefangenen noch lange Zeit von der Regierung verschwiegen werden konnte, ging der Tod von „Neda“ in Sekundenschnelle um die Welt. Die Menschenrechtsaktivistin Ebadi glaubt: „Once people are informed about an event, they will not stay indifferent“; der Arabischen Frühling gibt ihr Recht.</p>
<h3>Debatte zwischen allen Beteiligten</h3>
<p>Mit zunehmender Bedeutung steigt aber auch die Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung des Internet. Wobei die Rede von „dem einen“ Internet bereits irreführend ist: eher müsste man von einem Netzwerk der Netzwerke sprechen. Gerade weil es sich um ein technisch frei gewachsenes Gefüge handelt und sich Deregulation als innovationsförderlich erwiesen hat, ist die Etablierung einer nationalstaatlichen Rechtsordnung umstritten. Das von den Vereinten Nationen eingesetzte <a href="http://www.intgovforum.org/cms/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet Governance Forum (IGF) </a>versammelt all die Akteure, die stattdessen ein Multi-Stakeholder-Modell vorziehen. Das bedeutet, dass Staaten, Wissenschaftler, zivilgesellschaftliche und Wirtschaftsakteure gemeinsam über das Ausmaß der Internetregulierung beraten.<br />
Der Aufbau der Publikation spiegelt dieses Verständnis wider: Jede Akteursgruppe ist mit drei Beiträge vertreten, welche die Verbindung von Internet und Menschenrechten aus ihrer Perspektive beleuchten. Besonders lesenswert ist der Beitrag von Raúl Echeberrria, Vorsitzender der Lateinamerikanischen und Karibischen Internet Adress-Registrierungsstelle LACNIC. Wie er verdeutlicht, kann Meinungsfreiheit im Internet nicht nur durch autoritäre Regime, sondern auch durch Eigentumsrechte und Sicherheitsbedenken beschnitten werden.</p>
<h3><a href="http://politik-digital.de/human-rights-and-internet-governance-die-neue-publikation-des-collaboratory/mind4/" rel="attachment wp-att-123420"><img decoding="async" class="wp-image-123420 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/MIND4-630x933.jpg" alt="" width="227" height="336" /></a>Letzter Stop vor der ITU</h3>
<p>Zudem ist die Publikation „Human Rights and Internet Governance“ hochaktuell, denn schon in drei Wochen könnte sich die Zukunft des Internet entscheiden. Vom 3. bis zum 14. Dezember versammeln sich Vertreter der 193 UN-Mitgliedsstaaten zur „World Conference on International Telecommunications“ (WCIT-12) in Dubai. Veranstalter ist die <a href="http://www.itu.int/en/Pages/default.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internationale Telekommunikationsorganisation (ITU)</a>, eine Sonderorganisation der UN. „Dubai ist einerseits nicht, andererseits sehr ernst zu nehmen.“, sagte Wolfgang Kleinwächter beim Treffen der IGF-Arbeitsgruppe des Collaboratory am 19. November in Berlin. Angesichts dessen, dass die verschiedenen Akteure allesamt ihren eigenen Prinzipienkatalog vorgelegt haben, wäre eine Magna Charta zwar wünschenswert, allerdings werden in der ITU nur Regierungsvorschläge gehört. Deshalb wird der Professor für Internetpolitik auf der Konferenz auch keine Vorschläge machen oder abstimmen, sondern lediglich als Ohr der deutschen Zivilgesellschaft agieren können. Kleinwächter, der MIND herausgibt, sieht in einem staatenzentrierten Entscheidungsverfahren eine Gefahr für das Multi-Stakeholder-Modell und für die Freiheit des Internet überhaupt. Die neue Ausgabe von MIND ist auch ein Versuch, die Politik auf diesen Punkt hinzuweisen.</p>
<p><a href="http://www.collaboratory.de/w/MIND_4_-_Human_Rights_and_Internet_Governance" target="_blank" rel="noopener noreferrer">MIND #4: &#8220;Human Rights and Internet Governance&#8221; gibt es hier</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/internationale-datenschutzkonferenz-von-paragrafenreitern-und-versaeumnissen/cc-lizens/" rel="attachment wp-att-121978"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-121978 alignleft" alt="CC-BY-SA-Lizenz" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x53.png" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Im Internet gibt es keine nationalen Interessen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/im-internet-gibt-es-keine-nationalen-interessen-5447/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Sebastian Drescher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Oct 2011 14:31:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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		<category><![CDATA[Initiative Mindestlohn]]></category>
		<category><![CDATA[Internetpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/header_kleinwaechter_0.jpg" align="left" height="150" width="150" />Vergangene Woche fand in Nairobi das sechste Internet Governance Forum (IGF) statt. Wolfgang Kleinwächter war vor Ort und zieht im Interview eine positive Bilanz. Außerdem erklärt der Professor für Internet, Politik und Regulierung an der Universität Aarhus, warum wir endlich eine Magna Charta für das Internet brauchen. 
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/header_kleinwaechter_0.jpg" align="left" height="150" width="150" />Vergangene Woche fand in Nairobi das sechste Internet Governance Forum (IGF) statt. Wolfgang Kleinwächter war vor Ort und zieht im Interview eine positive Bilanz. Außerdem erklärt der Professor für Internet, Politik und Regulierung an der Universität Aarhus, warum wir endlich eine Magna Charta für das Internet brauchen. </p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<b><br />
Herr Kleinwächter, Sie kommen soeben vom IGF aus Nairobi zurück: In welcher Funktion haben Sie an der Konferenz teilgenommen? </b></p>
<p>Ich habe in den letzten beiden Jahren die grenzüberschreitende Internet-Expertengruppe des Europarats geleitet, in der wir eine Deklaration über Grundprinzipien zu Internet Governance ausgearbeitet haben. Diese stand nun in Nairobi zur öffentlichen Diskussion. Zudem haben wir dort die kürzlich erschienene <a href="/paradigmenwechsel-in-der-gestaltung-des-internet">MIND-Publikation</a> vorgestellt, die sich mit dem Multistakeholder-Modell beschäftigt, das alle Akteure einbezogen wissen will. <b></b>
</p>
<p>
<b>Wie hat sich Deutschland in Nairobi positioniert? Welche Interessen vertritt es auf dem Forum?</b>
</p>
<p>
Im Internet gibt es eigentlich keine nationalen Interessen, es gibt kein Internet für Deutschland. Vielmehr prallen im Netz die Interessen unterschiedlicher Akteure, die wir in diesem Zusammenhang Stakeholder nennen, aufeinander. Das umfasst die Interessen von Regierungen, Dienstanbietern, der technischen Community sowie der Internetnutzer. Die Deutschen waren in allen Gruppen gut vertreten. Zum ersten Mal seit 2006 hat auch ein Bundestagsabgeordneter, Jimmy Schulz von der FDP, an einem IGF teilgenommen. Die Bundesregierung war mit drei Ministerien vertreten (Außen-, Innen- und Wirtschaftsministerium), die technische Community mit <a href="http://www.denic.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DENIC</a>, der Privatsektor mit <a href="http://www.eco.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ECO</a> und <a href="http://www.bitkom.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BITKOM</a>, und dazu kamen viele zivilgesellschaftlichen Netzwerke.
</p>
<p>
<b>Was sind Ihre Eindrücke vom diesjährigen Forum? Sind nennenswerte Ergebnisse zu erwarten?</b>
</p>
<p>
Bemerkenswert war, dass es in den Workshops ziemlich schnell zur Sache ging und zwar auf hohem Niveau. Das Besondere war, dass es fast überall wirklich zu einem Multistakhoder-Dialog kam, also Regierungen und Parlamentarier mit technischen Experten, der Internet-Wirtschaft und den Nutzern in durchaus konstruktive Streitgespräche eintraten. Man redete nicht mehr übereinander, sondern miteinander.<b></b>
</p>
<p>
<b>Sie fordern eine gemeinsame Magna Charta für das Internet. Was würde eine solche Erklärung bringen? Und woran ist sie bisher gescheitert? </b>
</p>
<p>
In diesem Jahr haben ein halbes Dutzend zwischenstaatlicher Organisationen Prinzipien für das Internet vorgeschlagen: Neben dem Europarat auch die OECD, die OSZE sowie die NATO. US-Präsident Obama hat in dem von ihm unterzeichneten <a href="http://www.whitehouse.gov/sites/default/files/rss_viewer/international_strategy_for_cyberspace.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Strategiepapier</a> zur Zukunft des Internet zehn Prinzipien aufgelistet, EU Kommissarin Kroes hat einen Internet Compact vorgeschlagen mit <a href="http://news.dot-nxt.com/2011/09/27/kroes-speech-gf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sieben Prinzipien</a>. Indien, Brasilien und Südafrika wollen innerhalb der UNO eine neue Organisation für das Internet gründen, zudem haben China und Russland der 66. UN-Vollversammlung vorgeschlagen, einen <a href="/verhaltenskodex-fuer-internetsicherheit" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verhaltenskodex</a> für das Internet auszuarbeiten. Da entstehen viel Irritation und Überlappungen. Das Risiko ist, dass jeder sich die Prinzipien raussucht, die ihm gefallen. Es ist also an der Zeit, sich grundsätzlich über allgemeine Rahmenrichtlinien Gedanken zu machen, die nicht nur von Regierungen, sondern auch von den anderen Akteuren mitgetragen werden. Das könnte eine gute Aufgabe für das IGF sein<b>.</b>
</p>
<p>
<b>Am vergangenen Samstag haben die USA und Japan das umstrittene Anti-Piraterieabkommen (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ACTA</a>) unterzeichnen, später sollen die EU und andere Länder folgen. Wie beurteilen Sie diese Initiative? </b>
</p>
<p>
ACTA ist das Resultat eines ziemlich geschlossenen intergouvernementalen Prozesses. Internetpolitik wird heute eigentlich offen und transparent entworfen und benötigt die Teilnahme aller Stakeholder. Das war eben bei ACTA nicht der Fall. Es bleibt zu bezweifeln, ob dieses Abkommen nachhaltige Wirkung entfalten kann.
</p>
<p>
<b>In welche Richtung sollte sich das IGF in Zukunft entwickeln? Braucht das Forum ein stärkeres Mandat oder sollte es seine beratende Funktion beibehalten? </b>
</p>
<p>
Das <a href="http://www.intgovforum.org/cms/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IGF</a> ist in erster Linie eine Diskussionsplattform. Aber man kann natürlich nicht ewig diskutieren, es muss auch etwas herauskommen. Die gerade angesprochene Magna Charta könnte ein solches Resultat sein. <b></b>
</p>
<p>
<b>Das Forum fand in diesm Jahr bereits zum zweiten Mal in Afrika statt. Wie stark sind die afrikanischen Staaten bei dem Forum vertreten?  </b>
</p>
<p>
Die Internet-Situation in Afrika ist noch sehr unausgewogen. Es gibt Boomregionen, aber auch Regionen, die völlig abgeschnitten sind. Das Breitband-Unterseekabel, das jetzt ganz Afrika umspannt, schafft eine gute Ausgangsbasis. Das Internet hat in Afrika insgesamt ein großes Wachstumspotenzial, das betrifft insbesondere die Nutzung mit mobilen Endgeräten.
</p>
<p>
<b>Wieviel Relevanz hat das, was auf dem Forum besprochen wird, tatsächlich für den einzelnen Internetnutzer? </b>
</p>
<p>
Fragen wie Meinungsfreiheit und der Schutz der Privatsphäre sind für den einzelnen Internetnutzer sehr relevant. Das Innovative an dem Forum ist, dass sich jeder Nutzer in die Diskussion einmischen kann. Das IGF ist offen für alle. Es gibt keine Konferenzgebühren oder andere Teilnahmerestriktionen. Und man kann sich auch von zu Hause aus seinem Büro oder der eigenen Wohnung  in die Debatte einmischen. Alle Workshops werden live gestreamt und bieten Möglichkeiten für eine Teilnahme aus der Ferne.
</p>
<p>
<br />
Eine ausführliche Reflexion über das diesjährigen IGF und die partizipatorische Internetpolitik als neues Politikmodell findet sich im <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/35/35612/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Artikel von Wolfgang Kleinwächter</a> auf Telepolis.</p>
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