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	<title>Irak-Konflikt &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Irak-Konflikt &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Es geht den Vereinigten Staaten um eine &#8216;Pax Americana&#8217; im Nahen Osten&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotes_geht_den_vereinigten_staaten_um_eine_039pax_americana039_im_nahen_ostenquot-321/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Mar 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Irak-Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Gernot Erler]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/gerler.gif" alt="Gernot Erler" align="left" height="103" width="87" /> 
Gernot Erler, Fraktionsvize der SPD, am 12. März, 2003 zu Gast im 
tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/gerler.gif" alt="Gernot Erler" align="left" height="103" width="87" /><br />
Gernot Erler, Fraktionsvize der SPD, am 12. März, 2003 zu Gast im<br />
tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Moderator: </b>Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr<br />
Erler. Herzlich willkommen im tacheles.02 Live-Chat. Unser heutiger Gast<br />
in Berlin ist der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Herr Erler,<br />
sind Sie bereit für sechzig Minuten Diskussion mit unseren Nutzern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Ja</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Stichwort Irak: Gerhard Schröder ist zu Gesprächen mit dem britischen<br />
Premierminister Tony Blair in London eingetroffen. Thema: die Irak-Krise.<br />
Beide Politiker wollen bei dem Treffen erörtern, ob doch noch eine<br />
gemeinsame Haltung im UN-Sicherheitsrat möglich ist. Welche Vorschläge<br />
hat Schröder Blair zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich glaube die Positionen sind soweit auseinander, dass sie nicht<br />
durch einen deutschen Vorschlag überbrückt werden können.<br />
Es geht darum zu zeigen, dass die Unterschiede nicht zu einem Bruch in<br />
den guten deutsch-britischen Beziehungen führen sollen und dass die<br />
führenden europäischen Staaten im Gespräch bleiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zwei Fragen zum gleichen Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sonnendeck:<br />
</b>Der wegen seines Irak-Kurses ums politische Überleben kämpfende<br />
Premierminister Tony Blair stellte nun einen Forderungskatalog vor. Ist<br />
das der richtige Weg?<br />
Krisenrat: Was halten Sie von den sechs Bedingungen aus London. Sind die<br />
erfüllbar, oder wird hier nur der Krieg legitimiert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Das Problem ist, dass auch bei diesen sechs Bedingungen, die<br />
im übrigen bis zum 17.3. gar nicht erfüllbar sind, es zu einer<br />
Umkehr des Vetos kommen soll. Das heißt, hinterher müsste der<br />
Sicherheitsrat sagen, wenn er einen Krieg verhindern will, Saddam hat<br />
alles erfüllt. Aber wer beurteilt das? Und warum sollte nicht Washington<br />
ein Veto einlegen, wenn alle anderen für gute Kooperation votieren?<br />
Das ist kaum konsensfähig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FreiburgBerliner:</b><br />
Inwiefern halten Sie einen Rückzug Blairs für möglich,<br />
falls der Druck auf ihn zur offenen Rebellion in Partei und Fraktion wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Darüber wird in England bereits offen spekuliert. Tony Blair<br />
braucht einen Kompromiss und eine Legitimation durch einen Sicherheitsratsbeschluss.<br />
Sonst wird ihm das britische Volk die Gefolgschaft verweigern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>redo: </b>Glauben<br />
Sie, dass es der USA um eine demokratische Nachkriegsordnung geht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es geht den Vereinigten Staaten um eine &quot;Pax Americana&quot;<br />
im Nahen Osten, das heißt eine Neuordnung dieser sensiblen Region<br />
im Sinne amerikanischer Interessen. In der Vergangenheit hat Washington<br />
dabei auch mit Diktaturen und autoritären Regimes zusammen gearbeitet.<br />
Nichts weist darauf hin, dass sich daran etwas ändern würde.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Mal nachgefragt: der Nahe Osten ist nicht mehr in der Situation<br />
wie 1990/91. Könnte ein Sturz des irakischen Regimes nicht auch ein<br />
positive Wendung für einige Staaten dort bringen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Unsere Befürchtung ist, dass die Ohnmachtgefühle bei<br />
der arabischen Bevölkerung, wenn sie die Bilder von Opfern im Irak<br />
sehen, eher zu eruptiven Reaktionen führen werden, und damit die<br />
Existenz der moderaten arabischen Staaten der Region aufs Spiel setzen<br />
werden. Präsident Bush glaubt dagegen, dass ein Regime Change alle<br />
radikalen Kräfte in der Region abschrecken und zum verstummen bringen<br />
würde. Was halten Sie für das Wahrscheinlichere?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ich habe nur den Eindruck, dass die Nahostexperten die Kraft<br />
der so genannten &quot;arabischen Straße&quot; äußerst<br />
unterschiedlich einschätzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich stimme zu, es gibt verschiedene Einschätzungen, aber<br />
die meisten Experten erwarten eher eine Destabilisierung der Nahostregion<br />
nach einem Irak-Krieg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bernie: </b>Herr<br />
Erler, die Position der Bundesregierung verdient Anerkennung, aber sie<br />
macht sich offenbar keine Gedanken um die inhumanen Zustände im Irak.<br />
Haben wir kein Interesse die Menschen im Irak zu unterstützen? Wir<br />
wissen doch genau wie gefährlich und schrecklich diese Diktatur ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Das stimmt. Wir wissen das seit vielen Jahren, und leider wissen<br />
wir auch, dass die Maßnahmen der Vereinten Nationen im Sinne von<br />
Sanktionen weniger dem Clan von Saddam als den einfachen Menschen geschadet<br />
haben. Aber ein Krieg, das sagen auch die humanitären Hilfsorganisationen,<br />
hat den selben Effekt: die Eliten können sich schützen und verbergen,<br />
die einfachen Menschen sind dem Bombenhagel und den militärischen<br />
Aktionen ausgeliefert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FreiburgBerliner:<br />
</b>Herr Erler, wie schätzen Sie das weitere Vorgehen der USA<br />
ein &#8211; nach einem Irak-Krieg- in Hinsicht ihrer &quot;axes-of-evil&quot;-Politik:<br />
also Iran?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es gibt Anzeichen dafür, dass der Irak-Krieg exemplarisch<br />
die neue amerikanische Doktrin der nationalen Sicherheit umsetzen soll.<br />
In einer Weltordnung nach einem Irak-Krieg würde das heißen,<br />
dass wir mit weiteren Entwaffnungskriegen gegen anti-westliche Staaten<br />
mit gefährlichen Waffen rechnen müssten. Ich sage immer: in<br />
einer solchen Weltordnung möchte ich nicht leben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Akanesh: </b>Vorausgesetzt<br />
das derzeitige Kräfteverhältnis im UN-Sicherheitsrat würde<br />
auch in Zukunft bestehen bleiben und ein Kriegsautomatismus damit nicht<br />
legitimiert werden. Wenn überhaupt &#8211; wie könnten die USA ihrer<br />
Meinung nach ohne &quot;ihr Gesicht zu verlieren&quot; zu einem Konsens<br />
im Sicherheitsrat finden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich halte das für die entscheidende Frage, wie man im letzten<br />
Moment Präsident Bush noch eine Brücke bauen kann. Ich glaube,<br />
es geht nur so: Amerika hat einen großen Erfolg erzielt, hat durch<br />
das Engagement auch im militärischen Bereich die Voraussetzung dafür<br />
geschaffen, dass Saddam jetzt tatsächlich abrüstet, und wir<br />
sollten uns wünschen, dass Präsident Bush dies als seinen Erfolg<br />
feiern kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kajsanka:</b><br />
Wie, denken Sie, wird die UN und die Bundesregierung reagieren, wenn es<br />
zu einem Krieg ohne UN Mandat kommt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Die Vereinten Nationen können von ihrer Struktur her nichts<br />
gegen ein Veto-Land unternehmen, eben weil dieses Land mit einem Veto<br />
auf jeden Beschluss der UN reagieren kann. Die Bundesregierung wird in<br />
jedem Fall bei ihrer Haltung bleiben: keine Beteiligung an einem Irak-Krieg,<br />
weder mit Geld noch mit Soldaten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Traube: </b>Wird<br />
sich Deutschland nach einem möglichen Irak-Krieg am &quot;nation<br />
building&quot; im Irak beteiligen und wenn ja, wie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Wir geben darauf bisher keine Antwort, weil wir es für unglaubwürdig<br />
halten, nein zum Krieg zu sagen, aber jetzt schon Zusagen für den<br />
erfolgten Kriegsfall zu geben. Ich finde es makaber, dass einerseits die<br />
Vereinten Nationen noch um den Frieden ringen, aber die amerikanische<br />
Administration bereits die Ausschreibungen für die Wiederaufbauarbeiten<br />
nach dem Krieg verteilt hat!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ghostman:</b><br />
Warum werden den USA in jedem Fall Überflugrechte gewährt? Bei<br />
einem Krieg ohne UN-Mandat wäre das eine Unterstützung eines<br />
völkerrechtswidrigen Angriffskrieges.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Die Bundesregierung kann nach unserer Verfassung in ihren Exekutiven<br />
eine solche Zusage machen und hat dies getan, um das transatlantische<br />
Verhältnis nicht dauerhaft zu beschädigen. An Spekulationen<br />
darüber, ob die Vereinigten Staaten das Völkerrecht verletzen<br />
werden, kann und sollte sich Berlin nicht beteiligen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ewd: </b>Der<br />
Irak und die USA buhlen beide um die Gunst der Russen. Sind sie der heimliche<br />
Gewinner?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Nein, die Russen sind in einer schwierigen Lage. Putins Politik<br />
will eine Partnerschaft mit dem starken Amerika, und will diese Partnerschaft<br />
wegen des Iraks nicht aufs Spiel setzen. Andererseits gibt es eine sehr<br />
starke Anti-Kriegshaltung in der russischen Bevölkerung, die im Moment<br />
zu einer anti-amerikanischen Haltung werden kann. Man sieht, dass Putin<br />
und Iwanow mit verteilten Rollen diese Gratwanderung zu bestehen versuchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rosiensche:<br />
</b>Was hätte Schröder eigentlich gemacht, wenn die anderen<br />
Länder nicht auch alle nach und nach gegen den Krieg argumentiert<br />
hätten? Dann wäre er jetzt wirklich ziemlich isoliert, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ja das stimmt. Das zeigt aber, dass es sich international nicht<br />
um eine populistische Position gehandelt hat, sondern um eine risikoreiche<br />
und eine, die mit Grundüberzeugungen zu tun hat. Wir waren von vornherein<br />
davon überzeugt, dass der Irak-Krieg den Kampf gegen den Terrorismus<br />
erschweren wird, dass er die Nahostregion und damit auch Israel unsicherer<br />
machen wird, und dass wir am Ende mit einem weltweiten Anwachsen des Anti-Amerikanismus<br />
rechnen müssen. Inzwischen gibt es auch immer mehr Amerikaner, die<br />
diese Risikobeurteilung teilen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mensch Gerd<br />
!:</b> Wenn Deutschland plötzlich an der Seite von Russland<br />
steht und sich gegen die USA stellt, was passiert dann mit unserer stark<br />
vom Export abhängigen Wirtschaft ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Das gute deutsch-russische Verhältnis lag bisher immer auch im amerikanischen<br />
Interesse, und das wird auch so bleiben. Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen<br />
sind stark und robust gegen diese Herausforderungen. Vor allem gibt es<br />
dabei ebenso deutliche amerikanische wie deutsche Interessen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bernie: </b>Im<br />
Bericht des Irak, wurde erwähnt, dass ca. 80 deutsche Firmen dem<br />
Irak bei der Aufrüstung halfen. Von denen hört man gar nichts<br />
mehr&#8230; geht dem keiner nach? Was wissen Sie darüber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es hat in dieser Frage mehrere Prozesse in Deutschland gegeben,<br />
bei denen auch Firmen bestraft wurden, die illegale Exporte durchgeführt<br />
haben. Die meisten dieser Fälle beziehen sich allerdings auf die<br />
80er und 90er Jahre. Die nach der Vorlage des Waffenreports von Saddam<br />
aufgetauchten Listen deutscher Firmen (übrigens auch amerikanischer<br />
Firmen) stammen aus der Zeit des 1. Golfkrieg (1980-88).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nort: </b>Die<br />
nichtständigen Mitglieder im Sicherheitsrat: sind sie entscheidend<br />
oder nicht? Wenn nicht, zeigt das nicht, wie undemokratisch die UN derzeit<br />
ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Leider stimmt es, dass die Vereinten Nationen Unterschiede zwischen<br />
ihren Mitgliedsstaaten machen, eben solche zwischen Veto-Staaten und Nicht-Veto-Staaten.<br />
Insofern finde ich es eher beruhigend, dass in der gegenwärtigen<br />
Situation die eher &quot;kleinen&quot; Staaten Mexiko, Chile, Pakistan,<br />
Kamerun, Guinea, Angola quasi das Zünglein an der Waage darstellen.<br />
Ich habe Riesenrespekt vor diesen Staaten, die zum Teil wirtschaftlich<br />
und politisch abhängig von Washington sind, dass sie bisher dem enormen<br />
Druck nicht nachgegeben haben, und sich sogar zu einem eigenen inhaltlichen<br />
Vorschlag zusammen gefunden haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zu einem anderen Thema: Der serbische Ministerpräsident<br />
wurde heute erschossen. Kannten Sie ihn gut?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ja, ich kannte Zoran Djindjic persönlich gut, vor allem<br />
auch aus seiner Zeit als einer der führenden Oppositionellen gegen<br />
Milosevic. Sein Tod wirft den serbischen Demokratisierungsprozess schwer<br />
zurück, und mit ihm ist eine Hoffnung für die ganze Balkanregion<br />
brutal ermordet worden. Ich bin persönlich erschüttert und sehr<br />
traurig heute.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>oasis:</b><br />
Droht Serbien in ein Chaos zu verfallen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Das hängt von der Klugheit der anderen Verantwortungsträger<br />
im Lande ab. Die ersten Reaktionen auf den professionellen und brutalen<br />
Anschlag waren besonnen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Kennen Sie Gründe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Nein, bisher tappt man bei der Suche nach den Hintergründen<br />
noch völlig im Dunkeln. Aber es gibt Spuren offenbar ins Milieu der<br />
Mafia, die stets gute Verbindungen des Milosevic-Regimes unterhalten hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bernie:</b><br />
Wie sehen sie die Situation im Kosovo? So richtig gut läuft das ja<br />
wohl auch nicht &#8211; immer wieder gibt es Schiessereien, Minderheiten haben<br />
nichts zu lachen, etc.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Im Kosovo führt der Uno-Sonderbeauftragte Michael Steiner eine strenge<br />
Politik nach dem Motto, erst Standards, dann Status, durch. Die Uno benutzt<br />
den Wunsch der albanischen Kosovaren nach Status-Klärung, um sie<br />
dazu zu bringen, Minderheitenrechte im Kosovo zu respektieren. Uns helfen<br />
die schwierigen Erfahrungen aus Bosnien-Herzegowina. Ich persönlich<br />
bin optimistisch, dass bei einer Fortsetzung dieser Politik die Normalisierung<br />
im Kosovo schneller erfolgen wird als in Bosnien-Herzegowina, wo am Anfang<br />
zu viele Fehler gemacht wurden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ludi: </b>Zeigt<br />
Jugoslawien bzw. Kosovo nicht aber, was ohne die USA passiert wäre?<br />
Die EU war zum Eingreifen nicht bereit. Hier war auch die SPD für<br />
Krieg, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es stimmt, dass sowohl in Bosnien als auch im Kosovo die europäische<br />
Politik im Sinne einer Kriegsprävention versagt hat, und letztlich<br />
auf die Autorität Amerikas zurückgreifen musste. In Mazedonien<br />
2002 allerdings war das anders: da funktionierte zum ersten Mal eine präventive<br />
europäische Politik und konnte einen Bürgerkrieg verhindern.<br />
Es ist eine Tragödie, dass in der Zeit nach dem 11. September und<br />
bei dem jetzigen Irak-Konflikt Europa in seiner Handlungsfähigkeit<br />
nicht an das positive Mazedonien-Beispiel anknüpfen konnte. Die Idee<br />
einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU hat durch<br />
die Risse im Irak-Konflikt einen schweren Rückschlag erlitten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>uit: </b>In<br />
Mazedonien war der Konflikt aber auch auf einer anderen Eskalationsstufe.<br />
Da hinkt doch der Vergleich, Herr Erler?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>In Mazedonien drohte eindeutig ein Bürgerkrieg, und die<br />
EU hat mit einer politischen Strategie und einem Friedensvertrag, der<br />
auch eine militärische Absicherung vorsah, diese Gefahr entschärfen<br />
können. Insofern bedauern wir nachträglich, dass bei den vier<br />
vorangegangenen Kriegen auf dem Balkan Europa nicht ähnlich gemeinsam<br />
und entschlossen gehandelt hat. Das hätte viele Menschenleben mitten<br />
in Europa retten können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ringläufer:<br />
</b>Fehlt in der deutschen Argumentation nicht ein klares Konzept<br />
wie mit der Hydra Hussein umgegangen werden soll?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es gibt auf der Welt kein Kontroll- und Überwachungsregime,<br />
dass so rigide ist, wie das, das gegenwärtig gegen Saddam angewandt<br />
wird. Der irakische Diktator ist nicht mehr souverän: in seinem Luftraum<br />
fliegen die besten amerikanischen, französischen und demnächst<br />
auch russischen und deutschen Aufklärungssysteme, die Inspektoren<br />
dürfen überall hin, wo sie wollen, auch in Saddams Paläste,<br />
und er muss sich richtig abhetzen, um die fristenbewehrten Auflagen der<br />
Inspektoren zu erfüllen. Ich glaube, das ist das richtige Konzept<br />
im Umgang mit Saddam, was der Erfolg auch zeigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zur Innenpolitik: Bundeskanzler Schröder will am Freitag<br />
eine Regierungserklärung zu seinen Reformplänen abgeben. In<br />
Berliner Politikkreisen wird befürchtet, dass der Kanzler wieder<br />
nur große Linien verkündet. Wird der Kanzler endlich mal konkret?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Die großen Linien sind notwendig und sie sind besser, als<br />
jeden Tag einen Einzelvorschlag durch die Landschaft zu jagen, der nach<br />
einer voraussehbaren Reaktion dann wieder vom Tisch genommen wird. Allerdings<br />
wird es auch konkrete Daten in der Rede des Bundeskanzlers geben. Es wäre<br />
sinnlos gewesen, die jetzt vorher schon bekannt zu machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
&#8230;wäre aber interessant. Vielleicht ein kleiner Hinweis?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Wir brauchen ein Gesamtkonzept für die großen Reformfelder<br />
Gesundheit, Arbeitsmarkt und Investitionen, an dem sich die konkrete Gesetzgebungsarbeit<br />
der nächsten Monate orientiert. Ich glaube der Kanzler wird einen<br />
solchen Rahmen so konkret bieten, dass für die parlamentarische Arbeit<br />
&#8211; und darauf lege ich als Bundestagsabgeordneter wert &#8211; noch genügend<br />
Spielraum bleiben wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Glauben Sie oder wissen Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Ich habe sehr aufmerksam am Montag und am Dienstag dieser Woche Gerhard<br />
Schröder zugehört, und darauf stützt sich meine Erwartung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>framex: </b>Was<br />
halten sie von der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe? soll<br />
ein Arbeitsloser der bisher ca. 700 ? bekommen hat dann ins Obdachlosenasyl<br />
ziehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe ist beschlossene<br />
Sache, aber es kommt auf die Ausgestaltung an. Wir haben im Augenblick<br />
eine widersprüchliche Situation: <br />
Familien mit mehreren Kindern stellen sich besser mit Sozialhilfe, Einzelverdiener<br />
profitieren bei der Arbeitslosenhilfe. Das jetzige System ist nicht gerecht.<br />
Wir wollen es nicht abschaffen, sondern zukunftsfähig machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Ullrich,<br />
München: </b>Warum stellen Sie sich &#8211; als Vertreter der SPD<br />
Linken &#8211; seit Jahren nachhaltig gegen die von allen seriösen Fachleuten<br />
angemahnten Reformen? Haben Sie schon jemals die Politik verlassen und<br />
jemals auch nur einen Arbeitsplatz geschaffen? Woher nehmen Sie Ihre Weisheit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich kann darauf hinweisen, dass ich 20 Jahre berufstätig<br />
war, unter anderem als Leiter eines Unternehmens und mit der Berechtigung<br />
zur Ausbildung, bevor ich beruflich in die Politik gegangen bin. Deswegen<br />
bilde ich mir ein, dass ich auch innenpolitische Fragen aus eigener Anschauung<br />
einschätzen kann. Ich wende mich nicht gegen Reformen, aber Vorschläge<br />
von &quot;Fachleuten&quot; sind immer auch Vorschläge von Leuten<br />
mit Interessen. Aus meiner Erfahrung werde ich mich gegen eine Entwicklung<br />
des Sozialstaats zu einem Sozialhilfestaat wenden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mensch Gerd<br />
!: </b>Es kann doch nicht die Rede von besser stellen sein! Es geht<br />
darum, dass die Menschen keine ARBEIT mehr haben!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Deswegen wird es auch um eine Stärkung der Gemeindefinanzen<br />
gehen und um ökologisch sinnvolle Investitionsprogramme, die neue<br />
Arbeitsplätze schaffen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>goo: </b>Sie<br />
gehören zum linken Flügel in der SPD. Haben Sie da nicht ein<br />
besonders gespaltenes Verhältnis zum Kanzler? In der Außenpolitik<br />
ein Friedensengel, in der Innenpolitik ein neoliberaler Sozialabbauer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich habe Vertrauen zu Gerhard Schröder, auch deswegen, weil<br />
er auf Ratschläge hört, auch wenn sie von Vertretern des linken<br />
Flügels der SPD kommen, wenn sie nur sachlich begründet sind.<br />
Die Politik des Bundeskanzlers wird kein neoliberaler Sozialabbau sein:<br />
das wollen in der jetzigen Situation die Vertreter der Opposition in Gemeinschaft<br />
mit den Arbeitsgeberverbänden. Aber genau dafür gibt es keine<br />
Mehrheit in der SPD-Bundestagsfraktion und damit auch nicht für die<br />
Bundesregierung!</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei.<br />
Herzlichen Dank, Herr Erler, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen<br />
sind und vielen Dank an alle UserInnen für Ihr Interesse. Jede Menge<br />
Fragen blieben unbeantwortet, ich denke wir müssen Herrn Erler noch<br />
einmal einladen. Noch ein Terminhinweis: Morgen kommt der nordrhein-westfälische<br />
Finanzminister, Jochen Dieckmann, zum Chat. Knapp eine Woche später,<br />
am 19.März, werden wir mit Friedbert Pflüger, dem außenpolitischen<br />
Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, sprechen. Beide Chats finden<br />
zwischen 17:00 und 18:00 Uhr statt. Wir würden uns freuen, wenn Sie<br />
wieder dabei sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie<br />
auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Gernot Erler hat übrigens einen eigenen Webauftritt: www.gernot-erler.de</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wie Bush diese Politik verkauft hat, ist eine Schande&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Mar 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsch-Amerikanische Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Jeffrey Gedmin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/jgedmin.jpg" alt="Jeffrey Gedmin" align="left" height="103" width="87" /> 
Jeffrey Gedmin, Direktor des Aspen Instituts Berlin, ist am 4. März 
2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/jgedmin.jpg" alt="Jeffrey Gedmin" align="left" height="103" width="87" /><br />
Jeffrey Gedmin, Direktor des Aspen Instituts Berlin, ist am 4. März<br />
2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b><br />
Moderator: </b>Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Heute ist Jeffrey Gedmin, der Direktor des Aspen-Instituts<br />
in Berlin, ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Eine Stunde haben wir Zeit<br />
zum Chatten, kann es losgehen Herr Gedmin?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:</b><br />
Ja!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Ich gehe davon aus, dass Saddam Hussein Ende 2003 weg ist, haben Sie vor<br />
einigen Wochen gesagt. Das klingt nicht so, als gäbe es eine Alternative<br />
zum Krieg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:</b><br />
Ich glaube, dass der Krieg immer noch vermeidbar ist. Das liegt aber an<br />
Saddam Hussein. Wenn er bereit ist, alle Massenvernichtungswaffen aufzugeben,<br />
dann ist die Sache erledigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedensfalke:<br />
</b>Ist der Kampf gegen den Irak noch Kampf gegen den Terror? Wie<br />
viel Anteil hat das Ölinteresse der US-Regierung an diesem Konflikt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Wenn die Frage gestellt wird, haben wir, die Amerikaner, wirtschaftlich<br />
Interessen, dann ist die Antwort eindeutig: Ja! Interesse am Öl haben<br />
übrigens die Franzosen und Russen auch. Ist es aber unsere Priorität?<br />
Nein, das Ziel ist nach wie vor die Abrüstung Iraks.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>SaschaSiekmann:<br />
</b>Ich dachte es geht den USA um Regimewechsel und nicht mehr nur<br />
um Abrüstung. Zumindest war das das Ziel des gestrigen Tages, man<br />
kann da leicht den Überblick verlieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Das stimmt. Wie die Bush-Administration diese Politik verkauft<br />
hat, ist bis jetzt eine Schande gewesen. Für mich zumindest geht<br />
es um die Abrüstung und ich bin zu dem Schluss gekommen: Solange<br />
Saddam Hussein an der Macht ist, ist es nicht möglich, das Ziel mit<br />
friedlichen Mitteln zu erreichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zaphod: </b>Hi<br />
Jeff, wie dauerhaft ist das Verhältnis der USA und Deutschlands durch<br />
den aktuellen Streit über die Irak-Frage beschädigt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:</b><br />
Hi Zaphod! Auf der einen Seite ist das Verhältnis zwar nicht am Ende,<br />
es gibt nach wie vor viele Gebiete, wo wir eng miteinander zusammenarbeiten.<br />
Aber zugleich muss zugegeben werden: Es gibt auf beiden Seiten ein Problem<br />
der Glaubwürdigkeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Warlord: </b>Herr<br />
Gedmin, stellen Sie einen wachsenden Anti-Amerikanismus in Deutschland<br />
fest?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ja und Nein. Anti-Amerikanismus hat es doch immer gegeben, aber<br />
nicht nur in Deutschland. Ich würde aber folgendes sagen: Viele im<br />
heutigen Deutschland haben eine komplizierte Beziehung zu den USA. Die<br />
haben wir auch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Manche führen die deutsch-amerikanischen Probleme explizit<br />
auf die Tatsache zurück, dass US-Truppen und Alliierte Deutschland<br />
befreiten. Teilen Sie diese Meinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Eine wichtige Frage. Ich bin mir nicht ganz sicher. Auf jeden<br />
Fall könnte es eine Rolle spielen, dass die Amerikaner nicht nur<br />
Deutschland befreit haben, sondern damals auch Deutschland besiegt haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hänschen:<br />
</b>Aber ist es nicht eigentlich verständlich, dass es einen<br />
Anti-Amerikanismus gibt? Bei der &quot;prominenten&quot; Rolle, die die<br />
USA international spielen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:</b><br />
Zum Teil ja. Ich habe z.B. als Amerikaner den Eindruck, bei manchen sei<br />
es völlig egal, was wir machen &#8211; es ist fast immer die Schuld der<br />
Amerikaner. Entweder sind wir zu stark, oder am nächsten Tag zu schwach<br />
und nicht bereit, zu handeln.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zaphod: </b>Noch<br />
mal zum Verhältnis: Ist das nicht sehr an den Personen Bush, Rumsfeld<br />
und Schröder orientiert &#8211; und ändert sich nicht ohnehin alles,<br />
wenn die Regierungen Bush bzw. Schröder einmal abtreten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Es wird bestimmt helfen, wenn die beiden &#8211; Schröder, Bush<br />
&#8211; weg sind, und ich gebe sofort zu: der arme George W. hat nicht die richtige<br />
Sprache, auch nicht die richtige Körpersprache für unsere Freunde<br />
in Europa.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>SaschaSiekmann:</b><br />
Hallo und einen schönen Tag. Herr Gedmin, halten Sie die Verquickung<br />
von Politik und Religion in den USA eigentlich für unproblematisch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:</b><br />
Das ist wirklich eine sehr komplizierte Geschichte! Die Religion mit allen<br />
Vor – und Nachteilen hat von Anfang an eine wichtige Rolle bei uns<br />
gespielt und das ist ein wesentlicher Unterschied zum heutigen Deutschland.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rawon: </b>Manche<br />
vergleichen den vermeintlich wachsenden Anti-Amerikanismus mit dem Antisemitismus.<br />
Was halten sie von solchen Parallelen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Der Antisemitismus ist natürlich ein sehr altes Phänomen,<br />
aber ich kann mir vorstellen, dass es bei manchen Menschen eine Verbindung<br />
gibt. Auf jeden Fall ist Israel der kleine Bruder von den USA.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Janek Albinsky:</b><br />
Wie steht die breite Masse der Bevölkerung der USA zum Krieg? Und<br />
was sind die &quot;Hawks?&quot;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Die Hawks, sogenannte Falken, sind die Bush-Berater, die in der<br />
Außenpolitik eine harte Linie vertreten und z.B. in der Irak-Frage<br />
meinen: &quot;Genug ist genug&quot;. Was die amerikanische Bevölkerung<br />
betrifft unterstützen heute etwa 70% eine Intervention im Irak, wollen<br />
aber zugleich, dass wir die Unterstützung des Sicherheitsrates haben/bekommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>arthur_dent:<br />
</b>Sie vergleichen bisweilen die Weigerung der Bush-Regierung, das<br />
Kyoto-Protokoll zu ratifizieren, mit Schröders striktem Anti-Kriegskurs.<br />
Hinkt dieser Vergleich nicht ein bisschen? Immerhin hat Bush in BEIDEN<br />
FÄLLEN große Teile der Weltöffentlichkeit gegen sich (wie<br />
die Demonstrationen gegen den Irak-Krieg belegen) – Und hat nicht<br />
Rumsfeld inzwischen durch seine kalkulierten Provokationen mehr Porzellan<br />
zerschlagen als Schröder und Bush zusammen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Rumsfeld ist kein Diplomat und seine Äußerungen haben<br />
mich amüsiert, aber ich weiß, dass sie in Deutschland nicht<br />
gut angekommen sind. Zur Analogie Kyoto-Irak: Für mich geht es darum,<br />
dass das Wesentliche ist, wie die beiden Themen von den jeweiligen Regierungschefs<br />
angesprochen wurden. Und das &quot;Wie&quot; ist vielleicht von höchster<br />
Bedeutung. Arrogant, dogmatisch und engstirnig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
So, wie groß ist der Anteil Schröders am deutsch-amerikanischen<br />
Scherbenhaufen: 50 Prozent? mehr? weniger?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Als Amerikaner würde ich sagen: Etwa 70%.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Janek Albinsky:<br />
</b>Mr. Gedmin, wie bewerten Sie die Rolle der deutschen und amerikanischen<br />
Medien für die politische Meinungsbildung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Das bezieht sich auf die Irak-Krise, nehme ich an…</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Die Rolle ist enorm: Und ich bedauere es manchmal. Wenn ich Deutscher<br />
wäre und jede Woche den &quot;Spiegel&quot; lesen würde, dann<br />
würde ich bestimmt kein guter Freund der USA sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>arthur_dent:<br />
</b>Nach dem 11.September waren die meisten Amerikaner verwirrt,<br />
weil sie offenbar nicht geahnt hatten, wie unbeliebt die USA in manchen<br />
Weltregionen sind, geschweige warum. Wissen die Amerikaner im Fall Irak,<br />
dass ihre eigene Regierung an der Aufrüstung des Landes maßgeblich<br />
beteiligt war?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ja. Wissen die meisten Deutschen, dass Deutschland auch damals<br />
Saddam Hussein stark unterstützt hat? Wir haben einen Fehler gemacht.<br />
Und ich hoffe, wir sind endlich bereit, den Fehler zu korrigieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Stephan: </b>Warum<br />
hat Herr Bush nun ausgerechnet ein Interesse daran, Saddam Hussein zu<br />
entmachten? Es gibt doch noch so viele Despoten auf dieser Erde. Ist der<br />
Konflikt im Irak also nur der Anfang eines nie vorher gesehenen &quot;Befreiungs-<br />
und Präventionsfeldzuges&quot; der USA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ich bin fest davon überzeugt, dass das Thema Saddam Hussein<br />
sowieso gekommen wäre. Für mich war es ein Fehler, dass wir<br />
damals &#8211; 1991 &#8211; nach der Befreiung Kuwaits aufgehört haben und ich<br />
glaube viele innerhalb der Bush-Administration haben das auch begriffen.<br />
Was nicht heißt, dass wir überall angreifen werden! Im Fall<br />
von Nord-Korea handeln wir diplomatisch und versuchen, das Problem multilateral<br />
zu lösen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Vorausgesetzt Nordkorea hat die Atomwaffen, die man dort vermutet<br />
&#8211; mit einem Land mit Atomwaffen verhandelt man aber eher, nicht wahr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Nordkorea ist ein ernstes Problem! Nuklearwaffen, 900.000 Soldaten<br />
und Seoul, die Hauptstadt von Südkorea eine Panzerstunde weg von<br />
der Grenze! Bedauerlicherweise ist unser Spielraum gering. Das ist natürlich<br />
auch ein Vorteil für das Regime in Nordkorea.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>DiveMaxx:<br />
</b>Sehr geehrter Herr Gedmin, der Irak ist offenbar im Begriff,<br />
die fraglichen Al-Samud2-Raketen zu zerstören. Dies scheint von amerikanischer<br />
Seite nicht weiter beachtet zu werden. Welche Forderungen müsste<br />
der Irak Ihrer Ansicht nach erfüllen, um die USA von einem Angriff<br />
abzuhalten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ich bin in dem Punkt der Meinung von Gerhard Schröder, der<br />
sagt: Es handele sich um die vollständige, bedingungslose Abrüstung.<br />
Oder wie Hans Blix das deutlich zum Ausdruck bringt: Wir brauchen Belege<br />
für die Abrüstung. Saddam Hussein hat alle möglichen gefährlichen<br />
Sachen gehabt. Er behauptet, das sei alles zerstört worden. Belege<br />
muss man haben. Kennen Sie das Zitat von Hans Blix: &quot;Senfgas ist<br />
keine Marmelade&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Stephan: </b>Herr<br />
Gedmin, ich möchte von Ihnen wissen, was nach einem Krieg in der<br />
Golfregion passieren soll und ob ein Krieg nicht zu einem zweiten &quot;Israel&quot;<br />
führt, wo Attentäter sich in die Luft sprengen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Für mich ist die erste Aufgabe nach dem Krieg, Stabilität<br />
zu schaffen. Wobei nicht vergessen werden darf: Alle Länder der Region<br />
haben Interesse daran. Die zweite Aufgabe ist, dass wir mit den Menschen<br />
im Irak eine gemäßigte Regierung aufbauen. Das wird eine harte<br />
Arbeit sein. Aber das halte ich auch für möglich. Wenn wir diese<br />
Ziele erreichen, dann kommt es nicht zur großen Katastrophe.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>musikantenstadl:<br />
</b>Zu Präsident Bushs Nachkriegs- oder Nach-Saddam-Plänen:<br />
Wie soll eine Region demokratisiert werden, wenn die Mehrheit ihrer Bevölkerung<br />
die Demokratie (oder zumindest die West-Variante davon) ablehnt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ich weiß, dass viele meinen: Wie kann man Menschen helfen,<br />
die Demokratie nicht kennen oder anstreben? Diese Meinung teile ich nicht.<br />
Ich glaube, dass die Mehrzahl der Bevölkerung im Irak diese Intervention<br />
als Befreiung begrüßen wird. Das Regime ist verhasst &#8211; was<br />
nicht heißt, das es einfach wird. Ich gebe aber zu, es wird nicht<br />
leicht sein, dort eine echte westliche Demokratie aufzubauen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wie sieht es aber mit der Bevölkerung in den Nachbarländern<br />
aus, die zwar auch nicht durch demokratische Regierungen aber doch moderatere<br />
&quot;Regimes&quot; geführt werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Es gibt 21 oder 22 Staaten in der Region und keine einzige echte<br />
Demokratie. Das ist ein Problem für uns alle und vor allem für<br />
die Menschen, die dort leben. Wo und wie fängt man an? Wie viel Einfluss<br />
haben wir eigentlich? Die Fragen sind nicht leicht zu beantworten, aber<br />
ich kann mir vorstellen, wenn wir das bekommen, was wir im Irak wollen,<br />
dann wird das als moralische Unterstützung für die demokratische<br />
Bewegung im Iran angesehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Der User Holger verweist darauf, dass es im Libanon eine parlamentarische<br />
Demokratie gibt und fragt weiter:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Holger 27:<br />
</b>Wie schätzen Sie die Folgen des Krieges für den gesamten<br />
Nahen Osten ein, wenn der Irak in bestimmte Bereiche zerfällt, die<br />
alle Machtansprüche signalisieren werden? Ich habe ein Jahr im Libanon<br />
studiert, wo mir Dozenten sagten, dass innerhalb kurzer Zeit, nachdem<br />
der Krieg begonnen hat, sich der Konflikt ausweiten und der Bürgerkrieg<br />
im Libanon z. B. wieder ausbrechen wird. Wie kann man einen Flächenbrand<br />
im Nahen Osten verhindern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Die drei Teile, die Holger anspricht sind: die Kurden im Norden,<br />
die Schiiten im Süden und ein &quot;Rest-Irak&quot; in der &quot;Mitte&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Die Frage ist gut. Und sicherlich hat diese Intervention Kosten,<br />
die enorm sein könnten. Die Antwort aber ist: Erfolg. Wir müssen<br />
einen einheitlichen Irak haben, wir müssen den Nachbarländern<br />
zeigen, dass es den Menschen endlich gut geht und dass sie, die Iraker,<br />
diesen Schritt begrüßt haben. Wenn der Krieg schlecht läuft<br />
oder wenn wir ernste Probleme danach haben, dann wird die Lage ernst.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>doris: </b>Wie<br />
lange wird ein Krieg wohl dauern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Keine Ahnung. Krieg ist natürlich immer eine schmutzige<br />
und gefährliche Arbeit. Ich hoffe darauf, dass das Regime in den<br />
ersten Wochen zusammenbricht. Und das halte ich für durchaus möglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>KlausN: </b>Warum<br />
legen die Alliierten so viele Beweise vor, die sich später als falsch<br />
herausstellen? Die &quot;Terror-Zellen&quot; in Spanien und Italien sind<br />
beide aus der Haft entlassen worden. Anfangs hieß es, es gebe keine<br />
Zeit für Inspektionen, weil der Irak nur noch ein halbes Jahr für<br />
den Bau einer Nuklearwaffe bräuchte, die Geheimdienststudie des Tony<br />
Blair war die Studienarbeit eines Doktoranden usw. Man gewinnt den Eindruck,<br />
dass die USA und Großbritannien nicht ganz ehrlich sind zum Rest<br />
der Welt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Wir haben Fehler gemacht, sogar Tony Blair macht ab und zu einen<br />
Fehler. Aber man darf das wichtigste nicht aus den Augen verlieren. Das<br />
Problem ist nicht Blair, Bush oder gar Schröder &#8211; Saddam Hussein<br />
hat 1991 versprochen, seine Massenvernichtungswaffen aufzugeben und bis<br />
heute gibt es Katz und Maus-Spiele aber keine vollständige Abrüstung.<br />
Damit sind alle Länder des Sicherheitsrates einverstanden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gerald baars:<br />
</b>Ist es nicht ein Erfolg für Präsident Bush, wenn seine<br />
Militärdrohung am Ende zur freiwilligen Abrüstung im Irak führt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ja. Für Bush wäre das die beste Lösung, denn wenn<br />
der Krieg schlecht läuft, ist der arme George W. weg. Wenn Hans Blix<br />
morgen sagt: Der Irak hat die verlangte Abrüstung akzeptiert, dann<br />
würde George Bush das Ergebnis begrüßen und sagen: Es<br />
war die glaubhafte Bedrohung militärischer Gewalt. Unsere Strategie<br />
war die richtige.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Das ist eine eher unwahrscheinliche Variante. Wie könnte<br />
eine Lösung auch bei einer nicht 100-prozentigen Abrüstung (oder<br />
deren Nachweis) aussehen, bei der es keinen Krieg gibt und die USA bzw.<br />
Präsident Bush dennoch das Gesicht wahren können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Bush ist nicht wild entschlossen, einen Krieg zu führen.<br />
Er ist meiner Meinung nach aber absolut entschlossen, den Irak völlig<br />
zu entwaffnen. Es gibt einfach Dinge, die man braucht, nämlich die<br />
Belege für die Abrüstung. Und wenn Blix und seine Leute sagen:<br />
Die haben wir alle bekommen, dann müsste und würde Bush zufrieden<br />
sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>arthur_dent:<br />
</b>Eine Regierung Al Gore hätte sicher ebenfalls die Taliban<br />
entmachtet. Hätte eine Regierung Gore aber auch den Irak auf diese<br />
Art in die Ecke getrieben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Jeffrey Gedmin: Die<br />
Demokraten sagen, sie hätten in beiden Fällen ähnlich reagiert,<br />
hätten aber die Diskussion mit den Verbündeten klüger behandelt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>noch eine Nachfrage zu ihrer vorletzten Antwort: </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk:</b><br />
Meinen Sie, dass eine militärische Abrüstung als Kriegsprävention<br />
ausreichen würde, oder ist dies doch nur durch einen Regime Wechsel<br />
im Irak möglich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass das Hauptproblem Saddam<br />
Hussein ist. Und solange er an der Macht ist, ist die vollständige<br />
Abrüstung unmöglich. Übrigens: Saddam Hussein schickt jetzt<br />
Wissenschaftler ins Ausland, und ich spekuliere, dass er vorhat, sie in<br />
ein paar Jahren wieder ins Land zu holen. Er denkt strategisch und nicht<br />
nur taktisch. Sein Ziel ist nach wie vor, Zeit zu gewinnen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Stephan: </b>Was<br />
passiert, wenn der Sicherheitsrat sich gegen einen Krieg im Irak entscheidet?<br />
Wird Herr Bush den Angriffsbefehl trotzdem geben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ja. Und dann haben wir alle ein Problem. Von einem Alleingang<br />
kann nicht die Rede sein. Es gibt etwa 25 Länder, die die amerikanische<br />
Position unterstützen. Wenn wir aber die Unterstützung des Sicherheitsrates<br />
nicht bekommen, dann gibt es eine Spaltung innerhalb Europas. Die Nato<br />
wird schwächer sein und die Uno weniger relevant. Wie gesagt: Ein<br />
Problem für uns alle.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Sie sagen, &quot;weniger relevant&quot;, muss die Frage nicht<br />
wie von martinmartin gestellt lauten:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>martinmartin:</b><br />
wird die UNO dieses Machtspiel überleben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:</b><br />
Aus amerikanischer Sicht gibt es die Frage: Saddam Hussein hat im Laufe<br />
der letzten 12 Jahre 17 Resolutionen verletzt. Was bedeutet das für<br />
die Glaubwürdigkeit der UNO, wenn der Sicherheitsrat nicht bereit<br />
ist, die eigenen Resolutionen durchzusetzen?</p>
<p><b>bios: </b>Würden sie sagen, dass das Völkerrecht<br />
außer Kraft gesetzt ist, sollten die USA eine Angriffskrieg ohne<br />
UN-Mandat führen; das Völkerrecht ist doch zur Vermeidung von<br />
Angriffskriegen geschaffen worden…</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jammet: </b>Wird<br />
das Völkerrecht nach dieser Aktion überhaupt einen Wert haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Wer Völkerrecht mag, muss auch bereit sein, es durchzusetzen.<br />
Und das ist mein Problem in der Irak-Frage. Übrigens haben wir alle<br />
im Kosovo ohne UN-Mandat gehandelt. Joschka Fischer und Gerhard Schröder<br />
waren auch dabei. Ich gebe zu, das war auf der einen Seite völkerrechtswidrig,<br />
aber zugleich war es das Richtige, denn Menschen wurden gerettet. Der<br />
Punkt, den Sie machen, ist ein wichtiger Punkt, vielleicht habe ich ein<br />
Problem wie das alles in der wirklichen Welt funktioniert.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei. Herzlichen<br />
Dank, Herr Gedmin, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen sind und<br />
vielen Dank an alle UserInnen für Ihr Interesse. Jede Menge Fragen<br />
blieben unbeantwortet, sorry, ich denke wir müssen Herrn Gedmin gelegentlich<br />
noch einmal einladen. Noch ein Terminhinweis: Am Donnerstag, 13. März,<br />
kommt der nordrhein-westfälische Finanzminister, Jochen Dieckmann,<br />
zum Chat. Knapp eine Woche später, am 19.März, werden wir mit<br />
Friedbert Pflüger, dem außenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion<br />
im Bundestag, sprechen. Beide Chats finden zwischen 17:00 und 18:00 Uhr<br />
statt. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei sind. Die Transkripte<br />
aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter<br />
tagesschau.de und politik-digital.de.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Jeden Tag eine neue Parole macht die Basis ziemlich ratlos&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Feb 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/anahles.jpg" alt="Andrea Nahles" align="left" height="113" width="87" /> 
SPD-Vorstandsmitglied Andrea Nahles, am 26. Februar 2003 </b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>ist 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de 
</b></span><b>im ARD-Hauptstadtstudio</b>.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/anahles.jpg" alt="Andrea Nahles" align="left" height="113" width="87" /><br />
SPD-Vorstandsmitglied Andrea Nahles, am 26. Februar 2003 </b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>ist<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
</b></span><b>im ARD-Hauptstadtstudio</b>.</span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 ist ein Format von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de<br />
Heute ist Andrea Nahles, SPD-Vorstandsmitglied und Sprecherin des Forums<br />
Demokratische Linke 21 ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Eine Stunde<br />
haben wir Zeit, kann es losgehen Frau Nahles?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Ja, gerne.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zuckerpuppe:</b><br />
Liebe Frau Nahles: was machen Sie jetzt eigentlich genau, seitdem Sie<br />
aus dem Bundestag ausgeschieden sind? Ist das nicht bitter, jetzt in der<br />
zweiten Reihe zu stehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ich arbeite für die IG Metall in Berlin und arbeite weiter ehrenamtlich<br />
in der Politik. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Löns:<br />
</b>Warum besinnt sich Schröder in schwierigen &#8211; und für<br />
ihn unpopulären &#8211; Zeiten so oft auf die linke Tradition der SPD?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Es gibt zur Zeit eine große Verunsicherung in der eigenen Anhängerschaft.<br />
Hat man auch bei den Landtagswahlen gesehen. Deshalb versucht Schröder<br />
da sicher Vertrauenskapital aufzubauen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hillu: </b>Sie<br />
kritisieren die Wirtschaftspolitik von Minister Clement. Wie sehen ihre<br />
Vorschläge zur Reduzierung der Arbeitslosenzahlen aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Wir brauchen in erster Linie Investitionen &#8211; vor allem auf der kommunalen<br />
Ebene. Dafür ist es nötig, die Finanzpolitik umzustellen. Clement<br />
verzettelt sich in Einzelfragen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>In welchen Einzelfragen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Kündigungsschutz ist sicher die Prominenteste.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cle_home:</b><br />
Unterstützen Sie den Sparkurs von Hans Eichel oder sollte der Staat<br />
die Wirtschaft mit mehr Geld ankurbeln?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Sparen ist o.k., wenn die Konjunktur gut läuft. Zur Zeit würgen<br />
wir die Wirtschaft damit ab. Deshalb bin ich für eine vorübergehende<br />
Lockerung der Sparpolitik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Wie lange soll die Lockerung denn dauern, eine Besserung der Wirtschaftslage<br />
ist ja nicht in Sicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Alle treten zur Zeit auf die Bremse: Die Konsumenten, der Staat,<br />
die Wirtschaft. Dann kommt mit Sicherheit nix in Gang. Deshalb müssen<br />
wir diesen Teufelskreislauf nach unten durchbrechen und jetzt im öffentlichen<br />
Bereich ankurbeln.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>irene_adler:</b><br />
Sie sagen, dass &quot;Die Kommunikation unserer Politik hat doch um ein<br />
Vielfaches zu wünschen übrig gelassen, es ist oft nicht so rüber<br />
gekommen, es gab zu viele Irritationen, da müssen wir einfach besser<br />
werden.&quot; Was hätte besser laufen können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Tatsache ist, dass wir zur Zeit jeden Tag eine neue Parole von der Parteispitze<br />
hören, das ist nicht mehr nachvollziehbar und macht die Leute an<br />
der Basis ziemlich ratlos. Man kann nicht Steuererhöhungen vorschlagen,<br />
die man im Bundesrat absehbar nicht durchbekommt, sich dafür öffentlich<br />
prügeln lassen und sich wundern, dass man Wahlen darüber verliert.<br />
Mist ist auch, dass es Kurswechsel gab bei der Vermögenssteuer, wo<br />
alle in der SPD dafür waren und einige Ministerpräsidenten das<br />
machen wollten und dann hat Schröder das in letzter Minute verhindert.<br />
Nicht glücklich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>&quot;Parole&quot; &quot;Mist&quot; &#8211; harte Worte für die<br />
eigenen Genossen &#8211; die SPD krebst in den Umfragen bei 30 Prozent herum,<br />
ist es da taktisch klug, als Parteilinke die eigene Regierung abzuwatschen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Wir haben hohe Solidarität im Wahlkampf 2002 und auch vor<br />
den Landtagswahlen gezeigt, aber das hat dann seine Grenze erreicht, wenn<br />
die Politik, die vorgegeben wird nicht erfolgreich verläuft und es<br />
Änderungen braucht. Im übrigen: Die SPD hat zwei Flügel,<br />
damit sie fliegen kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Noch mal zur Person und zur IG Metall:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zuckerpuppe:</b><br />
Was ist denn Ihre Aufgabe bei der IG Metall?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ich kümmere mich um die Kommunikation mit den politischen Entscheidungsträgern<br />
und mache politische Einschätzungen für Zwickel &amp; Co. und<br />
habe da noch so ein paar Sonderprojekte, die ich nicht unbedingt hier<br />
ausbreiten will :-))</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cle_home:<br />
</b>Wo ist für die IG Metall die Grenze der Reformen? Die Gewerkschaften<br />
wollen &quot;ohne Tabus&quot; und &quot;offen&quot; über alles reden.<br />
Aber wo ist beim Kündigungsschutz Schluss?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Einerseits werden wir in der Öffentlichkeit als totale Reformverweigerer<br />
gebrandmarkt, als Traditionalisten beschimpft. Andererseits gibt es natürlich<br />
Bereitschaft der Gewerkschaften zu Reformen, z.B. Gesundheitspolitik.<br />
Beim Kündigungsschutz sehe ich nicht viel Spielraum, da haben sich<br />
die Vorsitzenden der Gewerkschaften ja klar geäußert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>SPD-Fraktionschef Franz Müntefering liegt derzeit auf ihrer<br />
Linie. Er will beim Kündigungsschutz nichts verändern, allenfalls<br />
über die Abfindungen reden. Bei Wirtschaftsminister Clement sieht<br />
das anders aus. Sie haben erklärt, sie wollten sich nicht mehr &quot;erpressen&quot;<br />
lassen. Wie sah er denn aus, der Erpressungsversuch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Wenn ein Minister mit hoher Öffentlichkeitswirkung seine<br />
politische Glaubwürdigkeit an einem einzigen Punkt, der zu verhandeln<br />
ist, festmacht, dann ist das so, als würde er diejenigen, die das<br />
begründet anders sehen, in den Schwitzkasten nehmen. Dann wird jeder,<br />
der sachlich anderer Meinung ist zu jemanden, der ihm persönlich<br />
schadet. So kann eine Willensbildung nicht laufen. Ich habe mich auch<br />
deshalb geärgert, weil es längst auch vernünftige Gespräche<br />
gegeben hat, wie man da ohne Provokation vorgehen kann. Clement neigt<br />
leider zu heftigen Auftritten, das ist nicht immer hilfreich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sideshow:</b><br />
Finden Sie nicht, das Interessensgruppen (wie die IGM) in diesem Land<br />
viel zu sehr auf die Bremse treten und einen bedenklichen Kurs (mit Modellen,<br />
die den heutigen Herausforderungen nicht mehr gerecht werden) fahren,<br />
was das wirtschaftliche und gesellschaftliche Fortkommen behindert? Und<br />
das obwohl die Gewerkschaften nur noch einen kleinen Teil der Bevölkerung<br />
überhaupt vertreten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Die deutschen Gewerkschaften organisieren derzeit 6 Millionen<br />
Arbeitnehmer<br />
das ist keine Minderheit; oft ist das &quot;wording&quot; der Gewerkschaften<br />
ein wenig unzeitgemäß, so empfinde ich es jedenfalls, aber<br />
es ist völlig überzeichnet was da an Negativimage in der Presse<br />
über Gewerkschaften zu lesen ist. In den Betrieben vor Ort werden<br />
ungeheuer flexible und zeitgemäße Lösungen miteinander<br />
verabredet. Ich finde, dass die Gewerkschaften eine sehr gute Arbeit machen,<br />
was die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt angeht. Sie sind oft<br />
einfach eine Anlaufstelle und eine Stütze für die Interessen<br />
der Beschäftigten; wenn das diskreditiert wird, dann frage ich mich,<br />
welche Interessen dahinter stehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Haben Sie das Gefühl, dass die Gewerkschaften im Moment eine besonders<br />
&quot;schlechte Presse&quot; bekommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jüppchküsch:<br />
</b>Sie vertreten eher den linken, gewerkschaftsnahen Flügel<br />
in der SPD. IG-Metallchef Zwickel wir nachgesagt, dass er an der Übernahme<br />
von Vodafone bei Mannesmann persönlich kräftig mitverdient hat.<br />
Steinkühler musste vor einigen Jahren aufgrund von Aktien-Insiderwissen<br />
zurücktreten. Was meinen Sie: Jeder von uns bereichert sich doch<br />
mehr oder weniger, wenn er die Gelegenheit dazu bekommt. So hat der Sozialismus<br />
doch keine Chance oder sehen Sie das anders?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Zwickel hat nichts an der Übernahme verdient, er hat zugegeben, dass<br />
es besser gewesen, mit „Nein“ zu stimmen, als es um die hohe<br />
Abfindung von Esser ging. Aber er hat sich (als einziger übrigens)<br />
nur enthalten. Immerhin! Eine persönliche Bereicherung hat es zu<br />
keinem Zeitpunkt gegeben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Glaube ich gerne, aber eine Frage an die Insiderin: Wie ist das Feedback<br />
in der Gewerkschaft angesichts dieser immens hohen Abfindungen. Das sind<br />
für &quot;normale&quot; Arbeitnehmer ja schon Traumzahlen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Die Abfindungen sind lächerlich hoch und nicht zu rechtfertigen.<br />
Das ist auch die Grundstimmung in den Gewerkschaften</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Der Zauber<br />
von Madeira:</b> Was halten Sie denn konkret von Michael Sommer.<br />
mit der IG Metall ist der ja auch nicht immer auf einer Linie, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Michael Sommer macht seinen Job öffentlichkeitswirksamer<br />
und moderner als sein Vorgänger und das finde ich gut. Das er sich<br />
mit der Mehrwertsteuer an einer Stelle mal vergaloppiert hat, nun ja.<br />
Ansonsten sehe ich aber eine große Übereinstimmung zwischen<br />
DGB und IGM.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cle_home:</b><br />
Hans Eichel sagte im &quot;Wahlbetrugs-Ausschuss&quot;, dass in der Politik<br />
nicht um Fakten gehe, sondern um Meinungen und politische Entscheidungen.<br />
Teilen sie seine Ansicht von Politik?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Es geht nicht nur um Faktenhuberei. Es geht auch darum, ob man Tendenzen<br />
in die eine oder andere Richtung verstärkt. Wenn man in eine abschwächende<br />
Konjunktur auch noch mit Horrorzahlen reinhaut kann das den Abschwung<br />
befördern. Wirtschaft ist zu 50% Psychologie hat mal jemand Schlaueres<br />
gesagt als ich. Das heißt nicht, dass man frei erfinden sollte.<br />
Aber es heißt doch, dass es auch um Abwägungen geht</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wie ehrlich kann Politik dann noch sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Politik wird von den Entwicklungen immer eingeholt und geprüft<br />
und in einer Demokratie steht sie immer im Kreuzfeuer der Demokraten.<br />
Sie hat die Verpflichtung zur &quot;Ehrlichkeit&quot;, aber das ist eben<br />
kein Begriff, der im privaten wie im politischen Spielräume von Entscheidungen<br />
ausschließen würde. Wo es Spielräume auszuloten gibt,<br />
gibt es auch Fehlentscheidungen, Irrtümer, bewusste Täuschungen,<br />
Ungenauigkeiten, oder man nennt das auch &#8211; LEBEN</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Welcher politischer Flügel schlägt ehrlicher, der rechte oder<br />
der linke?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Keiner von beiden, keine taugliche Kategorie.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sideshow:<br />
</b>Wie glauben Sie ist der &#8211; von allen Seiten unbestritten notwendige<br />
&#8211; Reformprozess nun anzupacken? Ist es nicht so, dass die politisch Verantwortlichen<br />
immer mehr Ihr Vertrauen verspielen, nicht den Mut haben, über Parteigrenzen<br />
hinweg endlich aktiv zu werden und gemeinsam das Land für die Zukunft<br />
fit zu machen? Und ganz konkret &#8211; da Sie ja nun nicht mehr ein Mandat<br />
der SPD-Bundestagsfraktion haben: Ist die aktuelle Regierung aus Ihrer<br />
Sicht gescheitert, wenn nicht bis zum Sommer endlich mehr passiert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ich bin zuversichtlich das wir einen guten Batzen Reformumsetzung bis<br />
zum Sommer haben werden. Ich finde aber auch, dass die Ungeduld sehr unpassend<br />
ist. Wir haben die mit Abstand größte arbeitsmarktpolitische<br />
Reform mit Hartz angepackt. In den Arbeitsämter ist derzeit ein Umbruch,<br />
ein Neuanfang wie noch nie. Davon habe ich mich erst letzte Woche selber<br />
überzeugt bei mir vor Ort. Und bevor überhaupt etwas sichtbar<br />
wird, etwas wirken KANN, schreien alle schon nach neuen Reformen. Demokratie<br />
und auch Reformen brauchen Zeit. Aktionismus &#8211; und danach scheint es manchmal<br />
zu gehen -hilft überhaupt nicht. Ich stimme Ihnen jedoch zu: es muss<br />
in der Gesundheitspolitik Strukturreformen geben. Da sind wir dran. Und<br />
wir brauchen auch neue Impulse bei der Investitionspolitik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>irene_adler:</b><br />
Aber Hartz wurde doch &#8211; wie er selbst bemängelt – verwässert&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
&#8216;Tschuldigung. Aber Hartz ist nicht Buchstabe für Buchstabe umgesetzt<br />
worden. Da finde ich, dass der Manager etwas gekränkt reagiert hat.<br />
Die Kernpunkte Zeitarbeitsfirmen (PSA) und Mini-Jobs und Umbau der Bundesanstalt<br />
laufen doch auf vollen Touren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zu einem anderen Thema, beginnend mit einer &quot;Glaubens&quot;-Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>irene_adler:</b><br />
Glauben Sie, dass der Krieg kommt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Ja, leider.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Es gibt nur noch ein kleines Fenster für eine friedliche Lösung<br />
und daran arbeitet Deutschland im Verbund mit Frankreich auf Hochdruck.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>joe333:</b><br />
Halten sie einen US-Angriff auf den Irak ohne weitere UN-Resolution für<br />
völkerrechtswidrig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sozenfreund:<br />
</b>Frau Nahles, warum liefert die Bundesregierung nicht die Waffen<br />
an die Türkei, welche von der Nato angefordert wurden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Die UN-Resolution ist für einen Krieg die einzige legitime Grundlage.<br />
Die Türkei wird von uns materiell unterstützt um ihre Verteidigung<br />
aufrechtzuerhalten. Für mehr haben wir keine Kapazität da wir<br />
massiv im Kosovo, Bosnien und Afghanistan engagiert sind</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">j<b>oe333:</b><br />
Wie stehen sie zu den Überflug- und Nutzungsrechten der US-Truppen<br />
in Deutschland im Falle eines Angriffs auf den Irak ohne eine neue UN<br />
Resolution?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Die müssen und sollten wir gewährleisten. Deutschland hat mit<br />
seinem klaren Nein zu einer Beteiligung an dem Krieg und zu seiner konsequenten<br />
Diplomatie viele Chancen auf eine KRIEGSVERHINDERUNG ermöglicht.<br />
Da wiegt für mich diese Frage gering.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Trotzdem: Wäre es nicht völkerrechtlich konsequent,<br />
diese dann zu verweigern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Nein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sonnenlicht:</b><br />
Hat Frau Merkel in den USA mit ihrer Kritik an der Regierung einen Tabubruch<br />
begangen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ja, aber schlimmer ist, dass Frau Merkel sich an den Rockzipfel der Bush-Administration<br />
hängt</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zuckerpuppe:</b><br />
Was sagen Sie zu den Vorschlägen der CDU, wonach die Bundeswehr nun<br />
auch im Inneren eingesetzt werden soll?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Panikmache.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lunabar:</b><br />
Die Koalition der Antikriegsgegner ist ja einen ziemlich unhomogene Gruppe:<br />
Rechte treffen auf Linke, Antisemiten auf Philosemiten, Globalisierungsgegner<br />
auf Labelträger&#8230; ist es überhaupt eine Bewegung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ich glaube, dass es nicht eine so kohärente Bewegung ist wie in den<br />
80ern. Es sind auch keine rein pazifistischen Strömungen dominant.<br />
Es ist eine Koalition der Vernunft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Sie unterstützen Schröders Kurs in der Irak-Frage in vollem<br />
Umfang. Keine Bedenken wegen des zerbrochenen deutsch-amerikanischen Porzellans?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Wir sollten nicht unnötig eskalieren, aber ich sage: Bush hat sich<br />
mit seiner Präventivschlag- Strategie sehr weit vom bisherigen vernünftigen<br />
außenpolitischen Konsens entfernt, dass da was dagegen gesetzt werden<br />
musste und muss. USA ist nicht gleich Bush-Administration.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Was passiert, wenn der irakische Diktator Saddam Hussein nicht<br />
wie vom Waffeninspektor Blix gefordert, seine El-Samud 2-Raketen vernichtet<br />
&#8211; und Blix die nötige Kooperation des Irak als nicht vorhanden feststellt<br />
&#8211; ist dann das &quot;letzte Mittel Gewalt&quot; nicht notwendig? Könnte<br />
das von der SPD nicht mitgetragen werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Im Memorandum, das Deutschland und Frankreich dem UN-Sicherheitsrat vorgelegt<br />
haben, ist als letztes Mittel Gewalt angeführt. Es ist aber doch<br />
so, dass es den Anschein hat, als sei die Gewalt schon beschlossene Sache<br />
für einen Teil des UN-Sicherheitsrat und die andere Seite versucht,<br />
die friedlichen Möglichkeiten auszuschöpfen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Das beantwortet nicht ganz meine Frage: Alle drücken sich<br />
gerne vor den „was-wäre-wenn“ &#8211; Szenarien, aber trotzdem<br />
muss man sich die Frage als Politiker doch mal stellen, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Deutschland wird sich nicht an einem Krieg beteiligen. Wie die<br />
genaue Abstimmungssituation ist &#8211; auch wenn das ausweichend klingt &#8211; kann<br />
ich nicht sagen. Es ist für mich nur klar, was Schröder erklärt<br />
hat, wird er auch halten: Eine den Krieg legitimierende Resolution wird<br />
Deutschland nicht zustimmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>peter_licht:</b><br />
Warum glauben Sie zieht Blair mit? Er hat davon keine innenpolitischen<br />
Vorteile &#8211; weder von den Bürgern, noch von der eigenen Partei. Was<br />
treibt ihn?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Es gibt sicher auch den seltenen Fall :-)), dass ein Politiker einfach<br />
das tut, was er für richtig hält. Das unterstelle ich Blair<br />
&#8211; obwohl ich seine Meinung nicht teile &#8211; durchaus. Es kommt Geltungsbedürfnis<br />
und mittelfristige – „Wir sind die besten Partner der USA<br />
in Europa“-Überlegungen dazu.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Noch eine „was-wäre-wenn“-Frage: Wie schätzen<br />
sie den Schaden ein, wenn die USA und Großbritannien ohne UNO-Mandat<br />
gegen Irak ziehen. Ist die UNO dann eine &quot;Ruine&quot;, wie es jüngst<br />
mehrfach in der Presse zu lesen war?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ich glaube im Gegenteil, dass sich die mangelnde Legitimation höchst<br />
negativ für die USA und Großbritannien auswirken werden. Meine<br />
Befürchtung ist, dass die Welt durch so ein Verhalten insgesamt unsicherer<br />
wird. Die UN ist allerdings ohne die USA immer in einer schwierigen Situation.<br />
Deshalb muss versucht werden, beieinander zu bleiben. Es kann aber nicht<br />
sein, dass die UN für die USA immer nur dann funktioniert, wenn sie<br />
die Meinung der USA voll umsetzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Noch mal zur Person:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hillu: </b>Wo<br />
sehen Sie denn Ihre politische Zukunft? wollen Sie 2006 wieder in den<br />
Bundestag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ja, ich werde kandidieren. Ich bin weiter politisch sehr aktiv, es ist<br />
nicht so,<br />
dass ich da einen größeren Bruch ausmache.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, eine Stunde ist vorbei. Herzlichen Dank Frau<br />
Nahles, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen sind und herzlichen<br />
Dank an alle User/innen für das Interesse. Noch ein Terminhinweis:<br />
Am Dienstag, 4.März, kommt der Leiter des Aspen Institute, Jeffrey<br />
Gedmin, zum Chat. Das Aspen Institute ist vermutlich die wichtigste amerikanische<br />
Denkfabrik in Deutschland. Gedmin ist Experte für die deutsch-amerikanischen<br />
Beziehungen und den Nahen Osten. Wir würden uns freuen, wenn Sie<br />
wieder dabei sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie<br />
auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de<br />
sowie des Unterstützers tagesspiegel.de. Die Website von Andrea Nahles<br />
erreichen Sie unter http://www.andreanahles.de. Das tacheles.02-Team wünscht<br />
allen noch einen schönen Abend.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Selbst der Papst schließt Krieg als letztes Mittel nicht aus&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cberghahn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Feb 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">    </span> <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> CDU-Bundesvorsitzende 
Angela Merkel an 5. Februar 2003  <span style="color: #000000">   
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> ist 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de </span> 
im ARD-Hauptstadtstudio. </span>
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">    </span> <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> CDU-Bundesvorsitzende<br />
Angela Merkel an 5. Februar 2003  <span style="color: #000000"><br />
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> ist<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de </span><br />
im ARD-Hauptstadtstudio. </span>
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 ist ein Format von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Wir haben eine Stunde Zeit, kann es losgehen, Frau Merkel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Mhhmh. Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Eine Frage von mir vorweg: Frau Merkel, Sie haben angesichts<br />
der jüngsten Arbeitslosenzahl von 4,6 Millionen heute einen &quot;nationalen<br />
Kraftakt&quot; von der Regierung gefordert. National schließt die<br />
Union wohl mit ein &#8211; was ist konkret der Beitrag der Union zum Kraftakt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
National schließt in der Tat die Union mit ein. Wenn die Bundesregierung<br />
auf uns zukommt, werden wir uns zum Wohle der Menschen nicht verschließen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Freundchen: Guten<br />
Tag, in wie weit ist nach Ihrer Meinung das Modell der sozialen Marktwirtschaft<br />
in Bezug auf die Arbeitslosigkeit noch zeitgemäß?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Ich glaube, dass wir eine neue soziale Marktwirtschaft brauchen.<br />
Neu, weil sich durch die Informationsgesellschaft die Gegebenheiten auf<br />
dem Arbeitsmarkt sehr stark verändert haben. Darauf müssen wir<br />
auch im Arbeitsrecht, Steuerrecht und bei der Gesundheits &#8211; und Rentenpolitik<br />
reagieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rup-knechtrecht:</b><br />
Warten Sie, bis die Bundesregierung auf sie zukommt? Was sind &#8211; von der<br />
Bundesregierung unabhängig &#8211; die eigenen Vorschläge der Union?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Wir haben den Vorschlag unterbreitet, wenn es um Beschäftigungssicherung<br />
geht, abweichend vom Tarifvertrag auch betriebliche Bündnisse für<br />
Arbeit zu zulassen. Wir fordern im Rentensystem einen demografischen Faktor,<br />
um Generationengerechtigkeit durchzusetzen. Im Gesundheitssystem kommen<br />
wir um mehr Eigenbeteiligung nicht herum.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gregor:</b><br />
Guten Tag Frau Merkel, apropos soziale Marktwirtschaft &#8211; wo sehen Sie<br />
die Rolle der Familie. Es müssen doch die Menschen noch mehr gewürdigt<br />
und gefördert werden, die in den Familien Verantwortung für<br />
andere übernehmen!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Da haben Sie Recht. Unsere sozialen Sicherungssysteme sind zu stark an<br />
den Faktor Arbeit gekoppelt und berücksichtigen die Leistung der<br />
Kindererziehung zu wenig. Deshalb müssen wir hier Schritt für<br />
Schritt Verbesserungen durchsetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rasmussen:</b><br />
Liebe Frau Merkel, wie würden Sie die Arbeitslosigkeit bekämpfen?<br />
Neuverschuldung um damit die Konjunktur anzukurbeln?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Nein, Abbau von Bürokratie und starren Regelungen, um damit die Konjunktur<br />
anzukurbeln. Aus Wachstum entstehen auch wieder mehr Einnahmen, und nur<br />
so nimmt die Neuverschuldung ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Untobias:</b><br />
Wie schaut es denn mit dem Thema Zuwanderung aus im Zusammenhang mit den<br />
Arbeitslosenzahlen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Wir werden den Wettbewerb um die besten Köpfe auch in Deutschland<br />
brauchen. Angesichts der vielen Arbeitslosen brauchen wir aber mit Sicherheit<br />
keine unkontrollierte Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Kleine Nachfrage:<br />
Das Zuwanderungsgesetz dürfte der erste Prüfstein für eine<br />
Kooperation zwischen Union und Regierung sein. Ihr Parteifreund Peter<br />
Müller sah kaum noch Einwände gegen das Gesetz, jetzt liegen<br />
im Bundesrat 121 Änderungsanträge vor. Das sieht nicht nach<br />
Kooperation aus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Die Anträge liegen schon immer vor. Dennoch wäre Kooperation<br />
möglich gewesen und wird sie auch sein, wenn die Bundesregierung<br />
ein Stück auf unsere Bedenken über eine ungesteuerte Zuwanderung<br />
zugeht. Den ersten Fall der Kooperation haben wir aber bereits hinter<br />
uns, das war bei den 400 Euro-Jobs.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch mal eine Nachfrage zur &quot;Geldgewinnung&quot;:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rasmussen:</b><br />
Aber wo soll das Geld denn so schnell herkommen, Abbau von Bürokratie<br />
dauert doch Jahre…</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Das stimmt nicht ,das kann sehr schnell gehen. Wir können aber ja<br />
auch nicht alle Investitionen streichen, dann würden noch mehr Arbeitsplätze<br />
wegfallen. Vor allen Dingen brauchen wir Verlässlichkeit. Die gibt<br />
es bei der Bundesregierung im Augenblick nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Gleich noch mal vom gleichen Politik-Interessierten:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rasmussen:</b><br />
Warum sollen die Wähler annehmen, dass die Union die besseren Konzepte<br />
für den Arbeitsmarkt hat? Nach den 16 Jahren Kohl-Regierung war sie<br />
ja auch bei vier Millionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Nachdem wir die Wahl verloren hatten, haben wir 1998 neu nachgedacht.<br />
Deshalb sind unsere Vorschläge heute besser.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FrankMG: </b>Sollte<br />
in dieser kritischen Situation, in der sich die Bundesrepublik befindet,<br />
nicht endlich die parteipolitischen Streiterein beendet werden und eine<br />
gemeinsame Lösung der Probleme gefunden werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Der Streit um den besten Weg muss immer geführt werden.<br />
Aber dann muss man entscheiden. Beim Niedriglohnsektor haben wir das gut<br />
geschafft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bastian Lux:</b><br />
weniger Bürokratie = mehr Geld&#8230; das verstehe ich nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Wenn weniger Bürokratie herrscht, haben Leute Mut, ihren Betrieb<br />
zu erweitern und damit mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Das bringt<br />
mehr Steuern und kostet weniger Sozialuntestützung für den Staat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
noch mal Bürokratie:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Berlin: </b>Abbau<br />
der Bürokratie ist ein schönes Schlagwort; aber wo sieht die<br />
CDU eine Möglichkeit zum Abbau?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Quadratus:</b><br />
Wie kann man die Bürokratie abbauen, wenn sich doch eine starke Bürokratie<br />
dagegen wehrt, z.B. Bundesanstalt für Arbeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Das ist in der Tat ein Kraftakt. Aber man kann viele Verordnungen einfach<br />
zeitlich befristen, wenn anschließend keinem auffällt, dass<br />
sie weggefallen sind, kann man auch auf sie verzichten. Man kann auch<br />
mehr Freiräume für Unternehmerentscheidungen z.B. im Baurecht<br />
schaffen und damit Bauzeiten verkürzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jennifer:<br />
</b>Meine Frage: Was wird Angela Merkel als Vorsitzender der CDU<br />
gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit (neue Zahlen: über 9%) vorschlagen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Ich schlage vor, dass wir uns mehr um neue Technologien und den Mittelstand<br />
kümmern. Im Augenblick haben viele keine Lust, in Deutschland zu<br />
investieren. Auch wegen der Unsicherheit, wie viel Steuererhöhung<br />
es geben wird. Das muss geändert werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Seehaserl:</b><br />
Liebe Frau Merkel, was sagen Sie der jugendlichen Bevölkerung, um<br />
ihr Angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen nicht den Mut für die<br />
Zukunft zu nehmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Die jugendliche Bevölkerung soll alle Chancen, die sich<br />
bieten, nutzen und notfalls auch mal bereit sein, dahin zu ziehen, wo<br />
es mehr Arbeitsplätze gibt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Kurz vor dem Chat hat die Sitzung des UNO-Sicherheitsrats in New York<br />
begonnen, bei der US-Außenminister Powell die Beweise der USA gegen<br />
Irak vorlegt. Sie haben einen ersten Agenturbericht dazu bereits gelesen.<br />
Danach wurden Expertenbefragungen verhindert und Fahrzeuge durch den Irak<br />
vor Beginn der Inspektionen versteckt. Wie ist Ihre erste Einschätzung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Das was ich bisher gehört habe, bestätigt meine Vermutung, dass<br />
der Irak &#8211; wenn überhaupt &#8211; die UN-Resolution 1441 nur unvollkommen<br />
einhält.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jens:</b><br />
Liebe Frau Merkel, sind sie bereit, auch deutsche Soldaten notfalls in<br />
den Krieg zu schicken ? Bitte um kurze und präzise Antwort &#8230; danke<br />
sehr.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Die Frage deutscher Soldaten in Form von Truppen stellt sich<br />
nicht. Deutsche Soldaten in Awacs-Maschinen, wenn sie von der Nato angefordert<br />
würden, <br />
sollten im Falle eines UN-unterstützten Einsatzes allerdings nicht<br />
aus den Maschinen aussteigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MINK: </b>Halten<br />
sie das Vorgehen von George W. Bush für besonders intelligent?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Ich glaube, dass es gute Gründe gibt, ein Drohpotenzial gegen den<br />
Irak aufzubauen, weil ich Saddam Hussein für einen Diktator halte,<br />
der nur durch die Völkergemeinschaft gezwungen werden kann, sein<br />
Drohpotenzial abzuschaffen. Ich glaube, dass wir in Deutschland häufig<br />
die Bedrohung nicht ausreichend berücksichtigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">r<b>up-knechtrecht:</b><br />
Das &quot;Nein&quot; zum Krieg spiegelt die Meinung der Mehrheit der deutschen<br />
Bevölkerung wieder. Sollte gerade deshalb dieser Weg nicht vorbehaltlos<br />
unterstützt werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>So einfach ist es leider nicht. Nach meiner Auffassung sollte<br />
die demokratische Gemeinschaft der Völker Saddam Hussein drohen.<br />
Dabei darf man nicht von vorne herein das allerletzte Mittel des Krieges<br />
ausschließen, <br />
weil Hussein sich ansonsten sofort sicher fühlt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ako: </b>Ist<br />
das nur unvollkommene Einhalten der UN-Resolution 1441 Ihrer Meinung nach<br />
ein ausreichender Grund, den Irak militärisch anzugreifen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Damit wird sich der UN-Sicherheitsrat in den nächsten Wochen<br />
befassen. Am 14. Februar werden die Waffeninspekteure einen nächsten<br />
Bericht geben. Dem kann ich nicht vorgreifen. Auf gar keinen Fall darf<br />
man wie der Bundeskanzler schon vor dem UN-Bericht sagen, was man alles<br />
nicht tut.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch mal zur Stimmung in der Bevölkerung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jan Krz: </b>Die<br />
Angst der Bevölkerung vor einem Krieg, ist die ihnen egal?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Natürlich nicht. Jeder Mensch hat Angst und wird deshalb alles tun,<br />
um einen Krieg zu vermeiden. Aber ich frage zurück: haben Sie keine<br />
Angst vor Saddam Hussein? Auch dafür gibt es viele Gründe. Deshalb<br />
die ganze Mühe, Ihn durch Bedrohung zum Einlenken zu bringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>be_fruit:</b><br />
Denken sie Saddam Hussein ist eine akute Bedrohung für Europa, geschweige<br />
denn die Vereinigten Staaten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Ich kann das nicht ausschließen. 1991 hat er Israel angegriffen<br />
und Kuwait besetzt. Durch solche Aktionen sind von ihm Bedrohungen ausgegangen,<br />
die sehr schnell auch auf Europa Einfluss haben können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hr. Dreier:<br />
</b>Welche konkrete Bedrohung liegt denn vor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Dazu sind die Inspektoren unterwegs und Herr Powell berichtet darüber<br />
gerade. Insbesondere geht es um die Möglichkeit, biologische Waffen,<br />
z.B. Milzbranderreger, herzustellen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>SOKRATES:</b><br />
Der Krieg ist doch nur ein Ölkrieg, Frau Merkel!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ali99:</b><br />
Auf der ganzen Welt unterdrücken Diktatoren ihr Volk, warum sollte<br />
Deutschland eine von Eigeninteressen geleitete US-Politik unterstützen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Zu Sokrates: Das ist ein falsches Klischee. Wenn ein Land für andere<br />
eine Bedrohung ist, kann die UNO das nicht einfach ignorieren. Ich glaube,<br />
es ist nicht nur im Interesse der USA, sondern auch noch in unserem eigenen,<br />
deutschen Interesse, dass wir uns Gefahren nicht einfach aussetzen. Außerdem<br />
ist eine der Lehren unserer Geschichte, dass Deutschland keine Sonderwege<br />
abseits seiner europäischen und amerikanischen Verbündeten gehen<br />
sollte. Wir sollten unser Gewicht einbringen, um an einer gemeinsamen<br />
Meinungsbildung mitzuwirken.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Alces:</b><br />
Stellt Nord-Korea nicht eine viel größere Gefahr für die<br />
Menschheit da?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Nord Korea gehört nach Aussage des damaligen Präsidenten Clinton<br />
auch zu den &quot;Schurkenstaaten&quot;. Dort ist die Gefahr vor allen<br />
Dingen die Kapazität zur Herstellung von Nuklearwaffen. Deshalb sind<br />
sie ja auch unter scharfer Überwachung seitens der Amerikaner.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tom491:</b><br />
Sie haben doch eben gesagt, dass Hussein eine Bedrohung sei, und wenn<br />
man nach einer konkreten Bedrohung fragt, verweisen Sie auf die Inspektoren?!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bastian Lux:<br />
</b>Geht es nicht weniger um die Bedrohung als mehr um die konsequente<br />
Durchsetzung der UN-Resolution 1441?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Die Resolution ist ja nur wegen der Bedrohung verabschiedet worden. Die<br />
Bedrohung besteht darin, dass der Irak nicht von sich aus nachweist, dass<br />
er seine biologischen und chemischen Waffen vernichtet hat. Deshalb sollen<br />
die Inspektoren genau dies herausfinden. Aber sie können es nur,<br />
wenn Hussein seine Kenntnisse offen legt. Das tut er bis jetzt nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bastian Lux:<br />
</b>Mich ärgert, dass in der Irakfrage überhaupt nicht<br />
differenziert wird: Geht es bei der Frage &quot;Krieg, ja oder nein?&quot;<br />
nun um Angst vor einer irakischen Bedrohung, um die Durchsetzung der UN-Resolution,<br />
um politische Annäherung zu den USA oder um unsere weltpolitische<br />
Verantwortung gegenüber einem hungernden Volk?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Das sind ja alles keine Gegensätze. Um eine Drohkulisse aufzubauen,<br />
darf man den Krieg als letztes Mittel nicht ausschließen. Die UN-Resolution<br />
ist doch nur die Folge der gemeinsamen Erkenntnis, dass man beim Irak<br />
vermuten muss, dass er seine Massenvernichtungswaffen nicht vernichtet<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jens:</b><br />
Liebe Frau Merkel, finden sie, dass möglicherweise eine permanente<br />
Inspektorenpräsenz nicht viel intelligenter wäre und billiger<br />
als ein Krieg?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Über die Dauer des Aufenthalts von Inspektoren müssen die Gegebenheiten<br />
entscheiden. Ich bin dafür, dass man den Inspektoren ausreichend<br />
Zeit gibt. Wenn Hussein sie allerdings an der Nase herumführt, dann<br />
wird man vielleicht einen Schlussstrich setzen müssen. Am 14. Februar<br />
werden wir mehr wissen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hr. Dreier:</b><br />
Die CDU trägt noch das &quot;C&quot; für christlich im Parteinamen.<br />
Wie vereinbart sich Ihre Haltung mit der christlichen Grundlage?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Genau aus diesem Grunde darf man es sich mit dem Beginn eines Krieges<br />
nicht zu leicht machen, aber selbst der Papst, der den Krieg als Versagen<br />
der Menschheit bezeichnet, schließt den Krieg als letztes Mittel<br />
nicht aus. Deutschland wäre vom Nationalsozialismus ohne militärisches<br />
Eingreifen der Alliierten nicht befreit worden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zwei Fragen zu einem Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Borris Guglia:</b><br />
Amerika ist sehr fixiert auf bestimmte Feinde, je nach dem, wie es ihnen<br />
gerade passt. Europa sollte sich endlich von Amerika emanzipieren!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ersti:</b><br />
Noch mal zu der Rolle Europas im Irak-Konflikt. Sie haben in einem Interview<br />
angegeben, dass Sie an Schröders Stelle den Brief der acht EU-Staaten<br />
unterschrieben hätten. Steht das nicht im krassen Widerspruch zu<br />
der Forderung nach einer gemeinsamen EU-Außenpolitik?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Europa muss mit einer Stimme sprechen, damit es mehr Gewicht in der Nato<br />
bekommt. Leider sind wir militärisch zurück und wirtschaftlich<br />
nicht sehr stark, das muss sich ändern. Der Aufruf einiger europäischer<br />
Staaten war die Antwort auf den Bundeskanzler, der schon vor einem Bericht<br />
der Inspekteure seine Festlegung getroffen hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Meinung:</b><br />
Wenn Schröder zum Irak-Krieg ja sagt, werden sie ein Misstrauensvotum<br />
einberufen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Ich sehe gar nicht, dass der Bundeskanzler seine Meinung ändert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Jetzt wieder ein paar Fragen zur Innenpolitik:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>SOKRATES:</b><br />
Die Opposition ist unfair, wenn sie nur die Bundesregierung für die<br />
gegenwärtige Finanzmisere verantwortlich macht, da auch sie die negativen<br />
Folgen der Einheit zu tragen hat und nicht nur den Profit!!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Daniela:</b><br />
Sind sie bereit, die Steuerpläne der Regierung zu unterstützen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Zu Daniela: Nein. Weil sie das Wachstum noch weiter abwürgen werden.<br />
Zu Sokrates: Natürlich müssen wir gemeinsam die Lasten der deutschen<br />
Einheit tragen, aber gerade deshalb müssen wir zu mehr Wachstum kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Unternehmerin:</b><br />
Die CDU hatte heute eine Sitzung, bei der über die Zustimmung / Ablehnung<br />
der Regierungssteuerpläne beraten wurde. Was sind die Ergebnisse<br />
in wichtigen Schlagworten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bastian Surmann:<br />
</b>Welche Steuern würden Sie zuerst senken bzw. abschaffen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Die Sitzung findet erst morgen statt, aber es wird darum gehen,<br />
dass wir das so genannte Steuervergünstigungsabbaugesetz mit 48 Steuererhöhungen<br />
diskutieren. Wir halten dieses Gesetz für falsch, wollen allerdings<br />
eine Veränderung bei der Körperschaftssteuer, weil dort die<br />
Einnahmen dramatisch eingebrochen sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Freundchen:</b><br />
Sehr geehrte Frau Merkel, mit großer Sorge verfolge ich als junger<br />
Mensch die Thematik Altersvorsorge. Welches Konzept ist Ihrer Meinung<br />
nach entscheidend, damit wir als junge Bevölkerung nicht nur Einzahler<br />
sondern in 40 Jahren auch Empfänger bleiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Wir befürworten einen demografischen Faktor, der nicht nur<br />
die Jungen belastet. Um allerdings Sicherheit zu bekommen, ob das für<br />
die nächsten 20 Jahre schon reicht, habe ich Roman Herzog gebeten,<br />
mit einer Kommission auf diese Frage eine Antwort zu suchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rurupro: </b>Frau<br />
Merkel, sehen Sie Ihre Position in der CDU nach dem grandiosen Wahlsieg<br />
von Roland Koch im Hinblick auf die nächste Kanzlerkandidatur geschwächt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b> Nein.<br />
Im übrigen sind wir froh, einmal keine Kandidatendiskussion zu führen.<br />
Im übrigen war der Erfolg in Hessen und Niedersachsen ein Gemeinschaftswerk.</p>
<p><b>Kleio:</b> Und wie sollte dieser demografische Faktor aussehen?<br />
Ich bin 31 und gehe davon aus, mal kein Geld mehr vom Staat zu bekommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
So pessimistisch würde ich das nicht sehen. Im übrigen kommt<br />
das Geld ja von den Beitragszahlern. Der Faktor muss das veränderte<br />
Verhältnis von Rentnern zu heute noch Arbeitenden wiederspiegeln.<br />
Es werden ja von Jahr zu Jahr mehr Rentner und weniger im arbeitsfähigen<br />
Alter sein. Deshalb müssen wir auch von den hohen Arbeitslosenzahlen<br />
runter.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Prof. Dr.<br />
Abeltshauser: </b>Haben wir es durch die Wahlsiege in Hessen und<br />
Niedersachsen, zu denen ich gratuliere, faktisch mit einer Großen<br />
Koalition auf Bundesebene zu tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Nein. Wir haben eine Mehrheit im Bundesrat, es gibt aber viele Gesetze,<br />
zu denen wird die Zustimmung der Mehrheit des Bundesrates gar nicht gebraucht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Frau Merkel, mal ehrlich, wenn Sie wollten, könnten Sie Bundespräsidentin<br />
werden? Reizt Sie das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:</b><br />
Ich finde es sehr reizvoll, Partei- und Fraktionsvorsitzende zu sein.<br />
Für mehr Reize habe ich im Augenblick keine Kraft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Politik-Interessierte, unsere Chat-Zeit ist leider vorbei. Über<br />
800 Fragen sind eingegangen, da musste vieles unbeantwortet bleiben, sorry.<br />
Herzlichen Dank an Frau Merkel fürs Kommen und alle User für<br />
ihr Interesse. Noch ein Terminhinweis: Am Mittwoch, 12. Februar, kommt<br />
der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Friedbert<br />
Pflüger, zum Chat. Wir würden uns freuen, wenn sie wieder dabei<br />
sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Websiten<br />
der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de sowie des Unterstützers<br />
tagesspiegel.de. Frau Merkel hat übrigens einen neuen Web-Auftritt,<br />
zu finden unter: http://www.angela-merkel.de. Allen Beteiligten wünscht<br />
das tacheles.02-Team noch einen schönen Abend.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angela Merkel:<br />
</b>Auf Wiedersehen!</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Chat mit Hans-Christian Ströbele, dem Fraktionsvize der Grünen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat-mit-hans-christian-stroebele-dem-fraktionsvize-der-gruenen-327/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[cberghahn]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Feb 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Christian Ströbele]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/cstroebele.jpg" alt="Christian Ströbele" align="left" height="90" width="87" /></b> </span> <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #000000">tacheles.02: 
Chat mit<b> </b></span></b><span style="color: #000000"><b><b> 
Hans-Christian Ströbele, Fraktionsvize B`90/Grüne, am 4. Februar 
2003</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/cstroebele.jpg" alt="Christian Ströbele" align="left" height="90" width="87" /></b> </span> <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #000000">tacheles.02:<br />
Chat mit<b> </b></span></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
Hans-Christian Ströbele, Fraktionsvize B`90/Grüne, am 4. Februar<br />
2003</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Ströbele! Herzlich<br />
willkommen im tacheles.02 Live-Chat. Unser heutiger Gast in Berlin ist<br />
Hans-Christian Ströbele, stellvertretender Fraktionsvorsitzender<br />
von Bündnis 90 / Die Grünen. Herr Ströbele, sind Sie bereit<br />
für sechzig Minuten Diskussion mit unseren Nutzern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Ja, ich bin bereit, danke.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Eine Frage vorab: Die amtlichen Endergebnisse der Wahlen liegen jetzt<br />
vor. Was natürlich derzeit alle beschäftigt, ist der rasante<br />
Verlust der SPD. Woran liegt das und inwieweit hat dies auch Auswirkungen<br />
auf Rot-Grün im Bund? Kommt jetzt die heimliche Große Koalition?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele: </b>Eine Große Koalition ist nicht in Sicht.<br />
Richtig ist, dass die Wählerinnen und Wähler offensichtlich<br />
der Bundesregierung einen Denkzettel verpassen wollten. Aber die Konsequenz<br />
kann nicht sein, dass die Bundesregierung jetzt von einer Großen<br />
Koalition ersetzt wird. Dass wäre erst das große Desaster,<br />
und sicher nicht gut für die Bundesrepublik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>girf3:</b><br />
Steht die Regierung und damit ja auch die Grünen nach der Wahlschlappe<br />
vor einem Richtungsstreit?.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele: </b>Die Bundregierung muss jetzt ganz klar die Richtung<br />
bestimmen, in der die notwendigen Reformen umgesetzt werden. Daran hat<br />
es gefehlt. Für mich heißt das, es darf keinen signifikanten<br />
Sozialabbau geben, d.h. die Leute mit geringem Einkommen dürfen nicht<br />
schon wieder die Kosten der Reform allein tragen müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Damian2k+:<br />
</b>Befürchten Sie, dass die Union jetzt erst recht alle Vorhaben<br />
der Koalition im Bundesrat blockiert ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Das steht zu befürchten, allen gegenteiligen<br />
Beteuerungen zum Trotz. Das Zuwanderungsgesetz wird die Nagelprobe. Wenn<br />
die Union hier nicht vernünftig ist, fürchte ich, wird auch<br />
für zukünftige Reformen des Arbeitsmarktes und der Sozialversicherung<br />
keine Zustimmung zu erreichen sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Cassandra:</b><br />
Wie bewerten sie den Sieg des rechtslastigen Roland Koch in Hessen? Ist<br />
das der neue F.J. Strauß?!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele: </b>Das wäre zuviel Ehre für den in den<br />
Untersuchungsausschüssen unangenehm aufgefallenen hessischen Ministerpräsidenten.<br />
Er wird, wie sein Vorbild Stoiber, wahrscheinlich jetzt erst mal Kreide<br />
essen, um sich als Kanzlerkandidat der Union zu empfehlen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Berich: </b>Sind<br />
sie der Meinung, der Kanzler sollte die Verantwortung für das Wahlergebnis<br />
voll übernehmen und hieraus die persönlichen Konsequenzen ziehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Das Wahlergebnis ist nicht nur dem Kanzler anzulasten,<br />
sondern dem unsicheren Bild mehrerer Mitglieder der Bundesregierung, das<br />
nicht erkennen lässt, wie die wirtschaftlichen Probleme in der Bundesrepublik<br />
jetzt angepackt werden sollen. Da müssen sich alle an die Nase fassen,<br />
ein schlüssiges Konzept vorlegen und die Umsetzung zügig betreiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Bei der folgenden Frage interessiert vor allem der zweite Teil<br />
der Frage, denke ich:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>girf3:</b><br />
Wie bewerten Sie das Abschneiden der Grünen bei den Wahlen? Sie haben<br />
ja nicht die Verluste der SPD für sich vereinnahmen können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Die Grünen haben dazu gewonnen. Ich will<br />
das nicht überbewerten, aber sie konnten ein Teil der Verluste in<br />
früheren Wahlen jetzt wieder ausbessern. Offensichtlich war ihr Profil<br />
vielen Wählern einleuchtender als das der SPD. Jetzt aber sind beide<br />
Fraktionen gefragt, dass sie die Regierung auf Reformkurs bringen und<br />
erste Erfolge vorweisen, sonst wird es mit zukünftigen Wahlergebnissen<br />
für die Grünen auch nicht mehr so gut aussehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Aus Ihrer Sicht haben wir es also mit einem reinen SPD-Problem zu tun?<br />
Immerhin wollten die Wähler offensichtlich keine weitere rot-grüne<br />
Koalition. Zudem profitiert eine kleine Partei normalerweise von niedriger<br />
Wahlbeteiligung, nicht wahr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Die Wahlbeteiligung unterscheidet sich nicht besonders<br />
von der früherer Wahlen. Die Wählerinnen und Wähler wussten,<br />
dass sie diesmal mit ihrer Stimme die rot-grüne Regierung nicht abwählen<br />
konnten. Das wollten sie wohl auch nicht. Sie wollten einen Denkzettel,<br />
mehr wohl nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Damian2k+:<br />
</b>Meinen Sie, die Bundesregierung sollte ihren Kurs trotz der Wahlergebnisse<br />
beibehalten ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Das Problem ist, dass der Kurs der Bundesregierung<br />
nicht eindeutig und klar genug ist. Und mir fehlt auch die soziale Komponente<br />
sehr weitgehend. Ich will Reformen, aber ich will auch ein bisschen mehr<br />
Umverteilung von oben nach unten. Das heißt: Nicht nur die Arbeitslosen<br />
und Rentner und die geringverdienenden Verbraucher müssen die notwendigen<br />
Einsparungen erbringen, sondern alle, und vor allem die, die mehr haben<br />
und mehr verdienen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Eine Nachfrage zu Ihrem Statement, dass einige Mitglieder der Regierung<br />
ein &quot;unsicheres Bild&quot; abgeben würden:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>walter-rotgrün:<br />
</b>Welche Mitglieder der Bundesregierung sorgen denn Ihrer Ansicht<br />
nach für ein unsicheres Bild?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Das sind die Minister, die die Schwankungen im<br />
Kurs der Bundesregierung nach außen zu vertreten haben, also etwa<br />
der Finanzminister oder auch die Gesundheitsministerin, die zunächst<br />
von wesentlich geringeren Einsparnotwendigkeiten ausgegangen sind. Und<br />
etwa die Rentenbeiträge halbwegs stabil lassen wollten, sich dann<br />
aber immer wieder korrigieren mussten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rudi: </b>Sollte<br />
Eichel nicht wenigstens z.B. durch Gabriel ersetzt werden? Der arme Kerl<br />
kann doch nun wirklich nichts für die verlorene Wahl.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Sicher lagen die Gründe für die Wahlniederlage<br />
in Niedersachsen nicht nur auf Bundesebene. Ich will jetzt niemanden aus<br />
der Verantwortung entlassen, aber Personalentscheidungen für die<br />
Bundesregierung stehen nicht an.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>z43:</b><br />
Die rot-grüne Koalition will das Reformtempo erhöhen. Geht das<br />
zulasten linker Positionen und wieweit wollen sie dem folgen z.B. beim<br />
Kündigungsschutz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Beim Kündigungsschutz kann man viel diskutieren,<br />
auch die Frage, ob er ab fünf Arbeitnehmern so wie bisher immer zwingend<br />
bleiben muss. Aber jetzt am Kündigungsschutz rumlaborieren, wäre<br />
ganz falsch, weil gerade die SPD vor der Bundestagswahl sich zu diesem<br />
Punkt festgelegt hat, und im Gegensatz zur Union immer wieder darauf gepocht<br />
hat, den Kündigungsschutz nicht anzutasten. Wenn wir Glaubwürdigkeit<br />
behalten und wiederherstellen wollen, müssen wir vor allem solche<br />
festen Wahlversprechen halten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Plippy:</b><br />
Größtenteils sind die Stimmen von Arbeitern, Angestellten und<br />
Arbeitslosen der SPD an die CDU verloren gegangen. Warum nicht an die<br />
Grünen, denen die Interessen dieser Gruppe (soziale Gerechtigkeit<br />
und Umverteilung von oben nach unten) eher als der CDU am Herzen liegt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele: </b>Die Wahlentscheidung war wohl sehr stark bestimmt<br />
von der Überlegung, einen Denkzettel zu geben und weniger davon,<br />
dass nun Koch oder Westerwelle die Herzen zufliegen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hugo: </b>Glauben<br />
Sie, die neoliberalen Ideen (Kündigungsschutz, Arbeitszwang für<br />
unter 25jährige) eines Herrn Clement haben die SPD-Stammwähler<br />
abgeschreckt? Muss der Kanzler für solche Fehlgriffe nicht Verantwortung<br />
tragen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Nicht alles was aus dem Wirtschaftsministerium<br />
kommt oder was dort gedacht wird, kann gleich dem Minister zugeschrieben<br />
werden. Bisher geht es um Überlegungen, und das, was etwa zu den<br />
Hartz-Vorschlägen umgesetzt wurde, kann nicht als neo-liberal verschrien<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>walter-rotgrün:</b><br />
Trotz guter Werte für die Grünen &#8211; war das nicht auch ein Denkzettel<br />
für Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Natürlich, die Grünen sind Teil der<br />
Koalition und der Regierung und haben auch Grund darüber nachzudenken,<br />
wie es jetzt mit den wichtigen innenpolitischen Themen weitergehen soll,<br />
um rasch zu konkreten Ergebnissen zu kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Wir kommen nun zum zweiten aktuellen Thema, der Irak-Krise. Hier die erste<br />
Frage dazu:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>limo:</b><br />
Sollte man den Irak nicht notfalls doch militärisch entwaffnen und<br />
das irakische Volk von diesem Diktator befreien?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Der Sturz eines Diktators &#8211; wie Saddam Hussein<br />
im Zweifel einer ist &#8211; muss durch die eigene Bevölkerung erfolgen.<br />
Die Entwaffnung des Regimes kann am besten und schnellsten durch die UN-Inspektoren<br />
erfolgen. Diese waren schon sehr erfolgreich. Sie können sich im<br />
Irak völlig frei bewegen und die Waffen zerstören, die sie auffinden.<br />
Vor allem aber ist die Entwaffnung durch sie nicht mit dem Tod von möglicherweise<br />
100.000 Menschen, der Zerstörung des Landes und unendlichem Leid<br />
für viele Familien verbunden. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>walter-rotgrün:</b><br />
Was ist mit einem Einsatz der Awacs-Flugzeuge in der Türkei bei einem<br />
möglichen Irak-Krieg? Ist eine Zustimmung des Bundestags notwendig?<br />
Da gibt’s auch keine eindeutigen Signale von Rot-Grün.</p>
<p><b> Hans-Christian Ströbele: </b>So lange die AWACS Flugzeuge<br />
ihre Arbeit auf das NATO-Gebiet wie etwa die Türkei beschränken<br />
ist eine Zustimmung des Bundestages nicht erforderlich. Erst wenn sie<br />
über die Grenzen hinaus, etwa im Irak, den USA für einen Krieg<br />
Ziele ausmachen oder andere Unterstützung leisten, müsste der<br />
Bundestag zustimmen. Eine solche Grenzüberschreitung will aber weder<br />
die Bundesregierung noch die Koalition.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>z43: </b>Hat<br />
die rot-grüne Regierung Beweise und Informationen über den Irak<br />
zurückgehalten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele: </b>Nein, alle Informationen die der Bundesregierung<br />
zur Verfügung stehen, wurden an die Inspektoren im Irak weitergegeben<br />
und von diesen vor Ort überprüft. Selbstverständlich gibt<br />
es immer auch Informationen, die nicht an die große Glocke gehängt<br />
werden können, aber diese wurden den Abgeordneten aller Fraktionen<br />
zugänglich gemacht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Erwarten Sie, dass am Mittwoch wirklich neue Beweise vorgelegt<br />
werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele: </b>Das erwarte ich nicht. Es wäre völlig<br />
unverantwortlich von der US-Regierung, wenn sie von Massenvernichtungswaffen<br />
und Raketen im Irak gewusst hätte oder weiß und wenn sie diese<br />
Information nicht unverzüglich an die Inspektoren im Irak weitergibt,<br />
damit diese die Angaben überprüfen und gegebenenfalls solche<br />
Waffen entsprechend ihrem Auftrag sofort vernichten können. Deshalb<br />
gehe ich davon aus, dass neues, bisher den Inspektoren nicht bekanntes<br />
nicht mitgeteilt und nicht bewiesen werden kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>War der Termin eine Brüskierung Außenminister Fischers,<br />
da er eigentlich am gleichen Tag mit Blix verabredet war?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Ich glaube nicht, dass Präsident Bush so<br />
genau über die Besuchstermine des deutschen Außenministers<br />
informiert ist und seine Terminplanung auf eine Störung des deutschen<br />
Terminkalenders ausrichtet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>peacecorp:</b><br />
Warum dreht sich die Frage nur um Krieg oder nicht Krieg? Es gibt doch<br />
weitere Mittel zur Konfliktbearbeitung, aber von den Grünen höre<br />
ich auch leider nicht viel dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Es gibt sicher sehr wirksame Mittel, auch zur<br />
Lösung des Irakkonfliktes. Einige, wie der Einsatz der UN-Inspektoren,<br />
sind mitten in der Anwendung. Nur scheint das die US-Administration wenig<br />
zu kümmern. Sie ist offenbar entschlossen, diesen Krieg zu führen,<br />
unabhängig davon, was die Inspektoren mit ihrer Arbeit erreichen<br />
können. Deshalb ist derzeit die Verhinderung des Krieges eine sehr<br />
zentrale Aufgabe geworden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lutzs: </b>Was<br />
ist mit der Unterstützung durch Überlassung von Stützpunkten,<br />
Überflugrechten etc. Gutachten des Bundestags sagen, dass diese bei<br />
einem Angriff der USA ohne UNO-Mandat nicht gewährt werden dürften?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele: </b>Ein Angriff der USA auf den Irak ohne UNO Mandat<br />
wäre ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg und deshalb nach<br />
dem Grundgesetz verfassungswidrig. Dieser Auffassung bin ich schon lange.<br />
Die juristischen Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes haben mich<br />
bestätigt, ein solcher Krieg dürfte in Deutschland auch nicht<br />
dadurch unterstützt werden, dass Luftbasen zur Verfügung gestellt<br />
werden. Ich nehme aber zur Kenntnis, dass das Auswärtige Amt zur<br />
der Rechtsfrage eine andere Auffassung vertritt. Und die letzte Resolution<br />
des Weltsicherheitsrats Nr. 1441 als ausreichende Legitimation für<br />
einen Krieg gegen den Irak in Betracht zieht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Klaus-Jürgen:<br />
</b>Wenn es ein zweites, eindeutiges UNO-Mandat gibt, würden<br />
Sie dann einen Militärschlag gegen den Irak mittragen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele: </b>Nein, ich halte einen solchen Krieg für falsch<br />
und die Folgen für nicht verantwortbar. Ich weiß, dass die<br />
Zustimmung von Mitgliedern des Weltsicherheitsrats zu solchen Resolutionen<br />
häufig auch aus wirtschaftlichen und anderen Interessen heraus erfolgt.<br />
So möchte Russland den unmenschlichen Krieg in Tschetschenien ungehindert<br />
weiterführen und könnte deshalb zum Einlenken bereit sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lutzs: </b>Werden<br />
Sie in Sachen Awacs &#8211; wenn es zu einer Bundestagsabstimmung kommt &#8211; mit<br />
Nein stimmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b>&#8230;oder<br />
sich einer Fraktionsdisziplin beugen? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele: </b>Fraktionsdisziplin muss sein. Ohne sie wird es<br />
jede Regierung schwer haben, aber Fraktionsdisziplin hat Grenzen. Für<br />
die Frage einer Zustimmung zu Krieg und Frieden kann dies kein entscheidender<br />
Gesichtspunkt sein. Davon werde ich mich bei einer Entscheidung im Bundestag<br />
leiten lassen. Zu dem AWACS Einsatz plant die Bundesregierung keine Entscheidung<br />
des Bundestages herbeizuführen.<br />
Deshalb stellt sich hierzu die Frage nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Klaus-Jürgen:<br />
Sie sagen, wenn Angriff ohne Uno-Mandat &#8211; keine Unterstützung Deutschlands.<br />
Dann wäre doch einen Klage vor dem Verfassungsgericht zur Klärung<br />
dieser Streitfrage angemessen. Werden Sie klagen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Die Klagemöglichkeiten beim Bundesverfassungsgericht<br />
sind sehr eingeschränkt. Nicht jeder kann so einfach das Bundesverfassungsbericht<br />
anrufen. Ob das Bundesverfassungsgericht zu einer solchen Frage angerufen<br />
wird, ist überhaupt nicht vorauszusagen, weil wir nicht wissen, welche<br />
Situationen konkret werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nasa:</b><br />
Glauben sie, dass es lediglich um Öl geht? Auch &quot;Kriegsgegner&quot;<br />
wie Frankreich haben ihre Interessen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele: </b>Ganz sicher haben viel Länder und Industrien<br />
im Irak ihre Interessen. Dazu gehören auch Frankreich und Russland.<br />
Die Frage des Öls ist eine der wesentlichen Interessen der USA, die<br />
zu diesem Krieg führen können. Das wird von Ministern in der<br />
US-Administration &#8211; wie dem Verteidigungsminister Rumsfeld &#8211; gar nicht<br />
bestritten, sondern bestätigt und für viele US-Journalisten<br />
scheint ein solcher Kriegsgrund auch kein Problem zu sein. Für mich<br />
dürfen nationale ökonomische Interessen aber niemals ein Grund<br />
sein, Krieg gegen ein Land zu führen. Das Ist Imperialismus, dem<br />
ich mich immer widersetzen werde.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nasa:</b><br />
Wird die Politik dieser Tage militarisiert und Krieg zum Spektakel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hans-Christian<br />
Ströbele:</b> Es besteht die große Gefahr, dass Krieg<br />
als Mittel der Politik nicht nur in den USA, sondern auch in Europa als<br />
ganz normal und normales Mittel der Politik angesehen wird. Der Krieg<br />
gegen den Irak droht zu einem Medienspektakel zu werden, bei dem niemand<br />
mehr daran denkt, welch unendliches Leid, Tod und Zerstörung er für<br />
die betroffene Bevölkerung bringt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Gäste! Unsere Zeit ist leider bereits abgelaufen. Im Namen<br />
der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de sowie des Unterstützers<br />
tagesspiegel.de wünschen wir allen Beteiligten einen schönen<br />
Abend. Vielen Dank besonders an Sie, Herr Ströbele! </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Hans-Christian Ströbele:<br />
Danke auch, und schöne Grüße. Wie sehen uns am Brandenburger<br />
Tor bei der Antikriegsdemo!<br />
</span><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> </span>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Mehr Informationen zu </b>
</p>
<table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" width="650">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="545">
<li><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><a href="http://www.stroebele-online.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hans-Christian<br />
			Ströbele</a></span></li>
<p>
			<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
			tacheles.02 ist ein Format von <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau.de</a><br />
			und <a href="http://www.politik-digital.de/index.shtml">politik-digital.de</a> und<br />
			wird unterstützt von <a href="http://www.tagesspiegel.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesspiegel.de</a>.</span>
			</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat-mit-hans-christian-stroebele-dem-fraktionsvize-der-gruenen-327/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Chat mit Rainer Funke, dem rechtspolitischen Sprecher der FDP</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat_mit_rainer_funke_dem_rechtspolitischen_sprecher_der_fdp-333/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat_mit_rainer_funke_dem_rechtspolitischen_sprecher_der_fdp-333/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jan 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Rainer Funke]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/rfunke2.jpg" alt="Rainer Funke" align="left" height="113" width="87" /></b> 
</span> <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> 
Herzlich willkommen im <b>tacheles.02 Live-Chat.</b> tacheles.02 
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/rfunke2.jpg" alt="Rainer Funke" align="left" height="113" width="87" /></b><br />
</span> <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen im <b>tacheles.02 Live-Chat.</b> tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Heute ist der rechtspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion,<br />
Rainer Funke, zum tacheles.02-Chat ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Herzlich willkommen, ich hoffe auf eine lebhafte Diskussion.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Steigen wir gleich mit einem FDP-Dauerbrenner ein:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>piedro:</b><br />
Haben Sie Angst vor einer neuen Möllemann-Partei?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Zunächst mal ist es sehr interessant, dass die erste Frage an einen<br />
FDP-Abgeordneten Herrn Möllemann betrifft. Lieber würde ich<br />
über liberale Politik reden als über diesen Dauerbrenner. Trotzdem<br />
will ich mich dem nicht entziehen. Ich habe keine Angst vor einer Möllemann-Partei,<br />
auch wenn ich glaube, dass es für eine populistische Partei kurzfristig<br />
durchaus Erfolgschancen gibt, das haben wir z.B. in Hamburg bei der Schill-Partei<br />
erlebt. Langfristig hat eine solche populistische Partei aber keine Chance.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Das ist interessant. Wie hoch würden Sie denn das Potential für<br />
eine Möllemann-Partei einschätzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Ein solches Potenzial kann zwischen 5 und 7 Prozent liegen, bei einer<br />
Landtagswahl in kleineren Ländern könnte das sogar ein wenig<br />
mehr sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>goergi:</b><br />
Ihre Partei warnt erneut vor einem militärischen Alleingang der USA<br />
im Irak. Sind sie also gute Patrioten oder schlechte? Nach der Definition<br />
von Olaf Scholz (SPD).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Ich glaube nicht dass man eine solche Unterscheidung von &quot;guten&quot;<br />
oder &quot;schlechten&quot; Patrioten machen kann, es geht darum, den<br />
Frieden insbesondere im Nahen Osten sicherer zu machen. Danach muss auch<br />
die deutsche Politik ausgerichtet sein, denn schließlich ist der<br />
Nahe Osten in der Tat sehr nah. Jede kriegerische Auseinandersetzung wird<br />
auch Auswirkungen direkt oder auch indirekt für Deutschland haben.<br />
Und deshalb muss in erster Linie geprüft werden, was im Interesse<br />
der deutsche Politik ist. Deswegen hätte ich zunächst den Blix-Bericht<br />
abgewartet, und nicht aus wahltaktischen Gründen von vorne herein<br />
eine Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland ausgeschlossen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wer:</b><br />
Wie viel Zeit würden Sie den Inspektoren geben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Auch das kann man nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Das können<br />
am besten die Inspektoren selber beurteilen und diese müssten mit<br />
entsprechenden Vorschlägen und Berichten an den Sicherheitsrat herantreten,<br />
denn das ist die Gruppierung, die zu entscheiden hat. Ohne Sicherheitsrat<br />
sollte es insoweit keinerlei Entscheidungen geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schalom:</b><br />
Können Sie die Kritik von Paul Spiegel verstehen, der den Kurs der<br />
Bundesregierung im Irak-Konflikt kritisiert, denn Demonstranten hätten<br />
Auschwitz nicht befreit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Ich glaube, dass man die Situation im Nazi-Regime und der heutigen Situation<br />
nicht miteinander vergleichen kann. Die Betroffenheit von Paul Spiegel<br />
kann ich aber sehr wohl verstehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mohammed:</b><br />
Sind Sie auch aus Gründen der Menschenrechte gegen einen Krieg?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Ich bin selber stellvertretender Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses<br />
des Deutschen Bundestages und beachte natürlich die Menschenrechte<br />
sehr. Man muss bei jeder kriegerischen Auseinandersetzung mit ins Kalkül<br />
ziehen, dass auch Zivilisten, aber auch ethnische Minderheiten wie die<br />
Kurden, ungewollt Opfer sein können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Was macht der Menschenrechtsausschuss derzeit in Sachen Irak?<br />
Ist er damit beschäftigt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Wir werden uns sicherlich damit beschäftigen, aber aktuell haben<br />
wir uns mit dem Problem in den letzten Sitzungen nicht beschäftigt.<br />
Da waren Themen wie Afghanistan, Tschetschenien, Menschenrechtsverletzungen<br />
in Südamerika und Afrika bestimmend.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>warlord:</b><br />
Und wie sehen Sie das UN Embargo gegen den Irak?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Das ist eine Beschlusslage der UN, die habe ich zu akzeptieren. Ich würde<br />
mir wünschen, dass die Lockerung des Embargos unter dem Motto &quot;Öl<br />
für humanitäre Hilfe&quot; intensiviert wird, damit die Zivilbevölkerung<br />
weniger unter dem Regime Saddam Hussein zu leiden hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>DaRock:</b><br />
Wie kommt es, dass sich der Menschenrechtsausschuss gerade in dieser Situation<br />
NICHT mit dem Irak beschäftigt? Wann denn sonst?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Zunächst mal: Wir werden uns ja damit beschäftigen, aber zunächst<br />
ist dies eine Frage, die außenpolitisch, gegebenenfalls auch unter<br />
militärpolitischen Gesichtspunkten behandelt werden muss. Der Bundestag<br />
in seiner Gesamtheit beschäftigt sich intensiv mit der Irak-Krise.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rolfe:</b><br />
Haben Sie keine Angst, dass eine militärische Einmischung im Irak<br />
(in welcher Form auch immer) Anschläge provoziert, die sonst ausbleiben<br />
würden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Anschläge sind, und das hat der 11. September gezeigt, auf Grund<br />
der terroristischen Aktivitäten überhaupt nicht mehr auszuschließen.<br />
Dies gilt unabhängig davon, ob es zu Auseinandersetzungen kommen<br />
wird oder nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Massa:</b><br />
Was halten Sie von Rumsfelds Äußerungen vom &quot;alten Europa&quot;<br />
vor einigen Tagen? Sehen Sie die Zukunft auch im Osten Europas, wo sich<br />
einige Staaten nicht gegen eine Einmischung der USA zu Wehr setzen können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Ich glaube, dass die Äußerung von Herrn Rumsfeld nicht sehr<br />
diplomatisch gewesen ist. Ich bezeichne mich gerne als alten Europäer,<br />
ich habe eine humanistische Schulausbildung mit Latein und Griechisch<br />
genossen. Mein Denken ist vom Humanismus geprägt, und ich bin, bevor<br />
ich in die FDP eingetreten bin, leitend in der europäischen Bewegung<br />
tätig gewesen. Für mich ist die deutsch-französische Freundschaft<br />
die Grundlage für die europäische Einigung und ich war stolz,<br />
am letzten Mittwoch in Versailles dabei gewesen zu sein. Insoweit bin<br />
ich gerne alter Europäer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ert:</b><br />
Fehlt nicht eine gemeinsame und einheitliche EU-Außenpolitik in<br />
der Irak-Krise, um den USA etwas entgegenzusetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Das ist richtig. Die Europäer müssen mehr denn je eine gemeinsame<br />
Außen- und Verteidigungspolitik definieren. Ich wünsche mir<br />
eine politische Europäischen Union. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Wie bewerten Sie denn die deutsch-französischen Pläne für<br />
die EU, speziell den möglichen &quot;EU-Außenminister&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Das ist sicherlich ein guter Vorstoß und zunächst mal ein politischer<br />
Anstoß. Mir kommt es aber in erster Linie nicht auf formale Kriterien<br />
an, sondern auf inhaltliche Fragen der politischen Union. Dann werden<br />
sich von selbst auch die formalen Kriterien ergeben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Es gibt immer noch viele Fragen zum Irak, daher noch einmal, bevor wir<br />
zu anderen Themen kommen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>unimog:</b><br />
Kann Bush denn noch sein Gesicht wahren, wenn er nach den Drohungen nichts<br />
macht? Und ist die Exillösung für Hussein realistisch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Ich glaube, dass jeder amerikanische Präsident sein Gesicht wahren<br />
kann, wenn eine friedliche Lösung im Nahen Osten nicht nur angestrebt,<br />
sondern auch realisiert wird. Es geht im Nahen Osten um eine langfristige<br />
friedliche Lösung, denn wir dürfen nicht verkennen, dass z.B.<br />
der Iran z.Zt. die bestimmende militärische und wirtschaftliche Macht<br />
ist. Es muss für die gesamte Region eine friedliche Lösung angestrebt<br />
werden, dann kann Herr Bush auch der große Friedensschaffer sein,<br />
wenn dies gelingt. Eine Exillösung für Hussein ist von der deutschen<br />
Position her kaum zu beurteilen. Das sind Fragen, die auch bilateral zwischen<br />
den USA und Irak gelöst werden müssen. Allein mit dem Verschwinden<br />
von Saddam Hussein sind die eigentlichen Probleme der Region und des Irak<br />
nicht gelöst.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Sie sind Rechtsexperte, Jurist. Wie groß ist der völkerrechtliche<br />
&quot;Schaden&quot;, wenn die USA ohne ein UN-Mandat militärisch<br />
gegen den Irak vorgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Wir Deutschen haben uns in der Vergangenheit immer dafür eingesetzt,<br />
dass multilaterale Lösungen gefunden werden, z.B. auch, was Völkerstrafrecht<br />
und den Völkerstrafgerichtshof angeht. Der internationale Strafgerichtshof<br />
ist von den USA abgelehnt worden. Wir setzen uns nach wie vor dafür<br />
ein, dass die USA diesen Strafgerichtshof akzeptieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Es kamen noch mehrere Nachfragen zur Zukunft der EU: Davon zwei:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mom:</b><br />
Eine politische europäische Union? Wie weit würden Sie damit<br />
gehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>d</b><b>ahrendörfle:</b><br />
Können Sie die Vorbehalte in der Bevölkerung gegenüber<br />
der EU verstehen, das ist doch nicht transparent!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Die Vorbehalte der Bevölkerung, wenn sie denn bestehen sollten, kann<br />
ich nicht verstehen. Unser Wohlstand, unsere politische Bedeutung innerhalb<br />
Europas und der Welt haben wir mit dem europäischen Einigungswerk<br />
zu verdanken. Ohne die europäische Einigung hätten wir nie die<br />
deutsche Einheit bekommen. Ich glaube auch, dass der Euro langfristig<br />
ein großer Erfolg, nicht nur für Europa, sondern auch für<br />
uns Deutsche ist. Denn schließlich können wir nicht nur ohne<br />
Währungsumtausch in Europa reisen, sondern wir können auch etwa<br />
60 % unseres Außenhandels ohne Währungstausch vornehmen. Die<br />
politische EU würde ich so weit wie irgend möglich gestalten,<br />
allerdings unter den Grundsätzen des Föderalismus und der Subsidiarität.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch einmal ein Doppelpack:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mohammed:</b><br />
Warum sind Sie gegen einen Beitritt der Türkei zur EU?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lui:</b><br />
Sie sagen, Sie können die Vorbehalte vor der EU nicht verstehen.<br />
Sind Sie nicht selbst gegen einen Beitritt der Türkei? Wie ist das<br />
zu erklären?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:<br />
</b>Die Türkei ist zweifellos innerhalb der NATO ein strategischer<br />
und wichtiger Partner. Die EU auf der anderen Seite nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft,<br />
sondern auch eine Rechts- und Wertegemeinschaft. Die letzteren Voraussetzungen<br />
erfüllt die Türkei auch unter dem Gesichtspunkt der Menschenrechte<br />
bislang nicht. Ich wäre daher zunächst dafür, dass wir<br />
enge vertragliche Bindungen zwischen der EU und der Türkei aufbauen,<br />
und dann die Entwicklungen abwarten. Immerhin muss man bedenken, dass<br />
mit dem Beitritt der Türkei in die EU der Schwerpunkt auch bevölkerungsmäßig<br />
in Vorderasien wäre und nicht mehr in Zentraleuropa.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bauer:</b><br />
Aber gerade in der kulturellen Vielfalt &#8211; und nicht nur in der Wirtschaft<br />
&#8211; liegt doch der Reiz und die Stärke der EU!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:<br />
</b>Ich bin sehr für kulturelle Vielfalt, die haben wir auch,<br />
z.B. in Berlin oder Hamburg und sicher auch in der EU. Aber wir müssen<br />
auch eine gemeinsame Wertegemeinschaft darstellen, denn nur so können<br />
wir auch gemeinsame Außen- und Verteidigungspolitik betreiben. Eine<br />
solche Wertegemeinschaft sehe ich z.Zt. nicht mit der Türkei, z.B.<br />
werden dort christliche Glaubensgemeinschaften durchaus verfolgt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>werther:</b><br />
Kann die EU den Kurs der Türkei nicht besser unterstützen, wenn<br />
die Türkei Mitglied wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Das glaube ich nicht Es wäre besser zunächst enge vertragliche<br />
Beziehungen zu etablieren. Man kann sich auch erst verloben, bevor man<br />
heiratet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zu einem anderen, nicht weniger spannenden Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tutzi:</b><br />
Ist die Rasterfahndung ein legitimes Mittel eines demokratischen Staates<br />
oder ist das der Orwell’sche Überwachungsstaat? Die FDP war<br />
doch immer recht kritisch, aber jetzt höre ich wenig von Ihnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Ich persönlich halte die Rasterfahndung für nur wenige Straftaten,<br />
insbesondere die Bekämpfung des Terrorismus, für zweckmäßig<br />
und würde sie &#8211; wenn überhaupt &#8211; nur unter sehr eingeschränkten<br />
Voraussetzungen zulassen wollen. Ich gebe aber zu, dass es hierzu auch<br />
in meiner Partei auch unterschiedliche Meinungen gibt. Und das halte ich<br />
sogar für gut, denn eine liberale Partei lebt von der offenen Diskussion.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>SPD:</b><br />
Ist der elektronische Fingerabdruck im Sinne der liberalen FDP?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Rückfrage: Was meinen Sie mit elekt. Fingerabdruck?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch ein Kommentar zum Thema Rasterfahndung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ally:</b><br />
Mit der Überwachung gerade von eMails usw., die ja recht massiv betrieben<br />
wird, erreicht man keine Terroristen und sonstige Verbrecher: die verschlüsseln<br />
ihre Mails. Aber Privatuser, die sich nichts zu Schulden kommen lassen,<br />
werden überwacht…</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Sie haben recht! Das Internet lebt gerade davon, dass es nicht überwacht<br />
werden kann. Das ist die Konzeption des Internets. Jeder sucht seine eigenen<br />
Informationswege, von einer Überwachung halte ich nichts. Auf der<br />
anderen Seite muss man auch sehen, dass Missbräuche, z.B. Kinderpornografie,<br />
bekämpft werden müssen.<br />
Ich will keinen Überwachungsstaat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Purer Blitz:</b><br />
Herr Funke, was halten Sie von den Plänen der Bundesjustizministerin<br />
Zypries, das Sexualstrafrecht zu verschärfen? Ist das angemessen<br />
oder nur Populismus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Die Vorschläge sind erst einmal in verbalisierter Form von der Justizministerin<br />
vorgeschlagen worden. Ehe ich mich dazu äußere, möchte<br />
ich zunächst einmal den Gesetzestext-Vorschlag auch sehen. Man kann<br />
schnell etwas fordern. wenn es dann aber darum geht, das Sexualstrafrecht<br />
systematisch in die anderen Strafnormen einzubinden, wird es häufiger<br />
sehr viel schwerer und auch die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit<br />
müssen berücksichtigt werden. Da warte ich also die Vorschläge<br />
der Ministerin erst einmal ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch mal zum Internet:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ally:</b><br />
Also sind Sie ausdrücklich GEGEN Zensur und Überwachung des<br />
Internet? Keine Regulierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Ich bin grundsätzlich gegen Zensur des Internet verkenne aber nicht,<br />
dass es für einzelne besonders widerwärtige Straftaten wie z.B.<br />
Kinderpornographie Ermittlungsmöglichkeiten geben muss, denn hier<br />
handelt es sich um Verbrechen gegen Kinderseelen, dass kann nicht hingenommen<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zu den Landtagswahlen: Zwei gibt’s am Sonntag, Hessen und Niedersachsen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dr_spokk:</b><br />
Wie beurteilen sie die Chancen der FDP bei den Landtagswahlen am Sonntag?<br />
die hessischen Spitzenkandidaten, mit Ausnahme vielleicht von Frau Wagner,<br />
sind ja noch unbekannter als SPD-Herausforderer Gerhard -äh- Bökel…</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Die Chancen der FDP sind gut. Der Wähle will einen Wechsel. Und ein<br />
Wechsel in Niedersachsen ist nur mit der FDP möglich. Jeder nachdenkliche<br />
bürgerliche Bürger wird deshalb mit der Zweitstimme FDP wählen.<br />
In Hessen hat die Regierung von Koch und Wagner gute Arbeit geleistet.<br />
Warum sollte man sie nicht bestätigen, zumal in den ersten 100 Tagen<br />
die rot-grüne Bundesregierung nur Chaos abgeliefert hat. Es wird<br />
in Hessen eine Denkzettelwahl geben, genauso in Niedersachsen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dahrendörfle:</b><br />
Was halten Sie persönlich von der Strategie 18, der Kanzlerkandidatur,<br />
der nicht gegebenen Koalitionsaussage. Erst war die ganze FDP dafür,<br />
jetzt schweigt sie sich aus&#8230;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Sowohl die Kanzlerkandidatur als auch die Strategie 18 haben eines bewirkt:<br />
Dass die FDP einen eigenständigen Weg gegangen ist, auch bei der<br />
Bundestagswahl. Diejenigen, die uns am 22. September gewählt haben,<br />
haben FDP pur gewählt. Ich glaube, dass wir diesen eigenständigen<br />
Weg weitergehen sollen, auch wenn in Einzelfällen eine Koalitionsaussage<br />
zweckmäßig sein könnte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>möhlmann:</b><br />
Wieso kommt die FDP in Niedersachsen nicht aus dem Tief?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:<br />
</b>Das wird man am 2. Februar sehen. Denn in Niedersachsen gibt<br />
es zwei Stimmen: Erst &#8211; und Zweitstimmen. Und die Umfragestimmen, die<br />
uns zwischen 5 und 7 % geben, sind auf die Erststimme bezogen. Viele nachdenkliche<br />
bürgerliche Wähler werden uns auf jeden Fall die Zweitstimme<br />
geben, denn nur mit der FDP ist in Niedersachsen der Wechsel möglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rt2rf32:</b><br />
In Hessen will Frau Wagner die Koalition nicht fortsetzen, warum und finden<br />
Sie das ok?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Frau Wagner will selbstverständlich die Koalition mit Herr Koch fortsetzen.<br />
Nur wenn Herr Koch mit der CDU die absolute Mehrheit haben sollte, will<br />
sie eine Koalition nicht eingehen. Dies ist aber auch verständlich,<br />
denn dann wäre die FDP für die Meinungsbildung nicht mehr gefragt.<br />
Und eine Koalition lebt davon, dass Kompromisse notwendig sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Als Rechtsexperten ist sicher auch diese Frage bei Ihnen gut aufgehoben:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>piedro:</b><br />
Herr Funke, glauben Sie an ein Verbot der NPD?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Wir haben uns in der letzten Legislaturperiode als einzige Partei im Bundestag<br />
gegen ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht hinsichtlich des<br />
NPD-Verbotes ausgesprochen, weil wir glauben, dass die NPD politisch bekämpft<br />
werden muss. Dies hat sich auch nachträglich als richtig herausgestellt,<br />
denn die möglichen Zeugen haben sich als Bedienstete des Staates<br />
herausgestellt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Und noch ein juristisches Problem, das der Einordnung bedarf:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tiff:</b><br />
Soll die Bundeswehr im Innern eingesetzt werden? Hintergrund meiner Frage<br />
ist der &quot;Rundflug&quot; über Frankfurt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Natürlich muss diese Frage gründlich untersucht werden. Wir<br />
haben in der Vergangenheit so genannte Amtshilfe der Bundeswehr gehabt.<br />
Wir haben damit gut gelebt. Ich sehe zur Zeit keinen gesetzgeberischen<br />
Handlungsbedarf, zumindest muss derjenige, der dies fordert, diesen Handlungsbedarf<br />
darlegen. Das wäre in diesem Fall Verteidigungsminister Struck. Der<br />
Bundeskanzler sieht &#8211; wie ich &#8211; keinen Handlungsbedarf.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Politik-Interessierte, unsere Chat-Zeit ist vorbei. Meinen Dank<br />
an Herrn Funke fürs Kommen und an alle ChatterInen für die Fragen.<br />
Zwei weitere Chat-Gäste sind in dieser Woche noch bei tacheles.02:<br />
Morgen stellt sich Christean Wagner (CDU), Justizminister in Hessen, von<br />
15.00 bis 16.00 Uhr den Fragen. Am Donnerstag kommt von 17.00 bis 18.00<br />
Uhr Wolfgang Jüttner (SPD), Umweltminister in Niedersachsen. Das<br />
Transkript dieses oder der anderen tacheles.02-Chats Sie auf den Websiten<br />
der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de sowie des Unterstützers<br />
tagesspiegel.de. Wir wünschen wir allen Beteiligten noch einen schönen<br />
Abend!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Funke:</b><br />
Ich verabschiede mich! Mir hat die Chatreise viel Vergnügen gemacht!</span>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Weitere Informationen<br />
zu Rainer Funke:</b></span>
</p>
<table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" width="650">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="545">
<li><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><a href="http://mdb.liberale.de/funke/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rainer<br />
			Funke</a> </span> </li>
<p>
			&nbsp;
			</p>
<p>
			<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Unsere nächsten<br />
			Termine:<br />
			29.1. (Mi) 15.00-16.00 Uhr: Christean Wagner, CDU-Justizminister Hessen<br />
			30.1. (Do) 17.00-18.00 Uhr: Wolfgang Jüttner, SPD-Umweltminister<br />
			Niedersachsen<br />
			3.2. (Mo) 17.00-18.00 Uhr: Christian Ströbele, stellv. Fraktionsvorsitzender,<br />
			Grüne<br />
			5.2. (Mi) 17.00-18.00 Uhr: Angela Merkel, Vorsitzende der CDU/CSU<br />
			12.2. (Mi) 17.30-18.30 Uhr: Friedbert Pflüger, außenpol. Sprecher<br />
			der CDU/CSU</span>
			</p>
<p>
			<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
			tacheles.02 ist ein Format von <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau.de</a><br />
			und <a href="http://www.politik-digital.de/index.shtml">politik-digital.de</a> und<br />
			wird unterstützt von <a href="http://www.tagesspiegel.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesspiegel.de</a>.</span>
			</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat_mit_rainer_funke_dem_rechtspolitischen_sprecher_der_fdp-333/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ich bin zuversichtlich, das der Parteivorsitzende der CSU Bundeskanzler wird&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotich_bin_zuversichtlich_das_der_parteivorsitzende_der_csu_bundeskanzler_wirdquot-342/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotich_bin_zuversichtlich_das_der_parteivorsitzende_der_csu_bundeskanzler_wirdquot-342/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 May 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Glos]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[CSU]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/glos.jpg" alt="Michael Glos" align="left" height="113" width="87" /></b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02: Chat mit Michael Glos</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/glos.jpg" alt="Michael Glos" align="left" height="113" width="87" /></b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02: Chat mit Michael Glos</b></span><!--break--><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
<br />
Moderator: </b>Liebe Chatterinnen und Chatter, Herr Glos wird<br />
sich etwas verspäten &#8211; US-Präsident Bush ist in der Stadt, das bremst<br />
etwas den Verkehr. Sie können aber bereits Fragen stellen, Herr Glos<br />
trifft in wenigen Minuten ein und dann geht es los.Moderator: Herr Glos<br />
ist nun eingetroffen.</p>
<p><b>Moderator:</b> Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Heute ist<br />
der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, für die<br />
nächsten 60 Minuten bei uns zu Gast. Wir begrüßen Herrn Glos herzlich.<br />
Tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und<br />
wird unterstützt von tagesspiegel.de.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Kann es losgehen, Herr Glos?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b> Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herr Glos, in diesen Minuten trifft US-Präsident George W.Bush zu<br />
seinem Besuch in der Berlin ein. Hauptthema bei seinen politischen<br />
Gesprächen wird der Kampf gegen den Terrorismus sein. Sie haben heute<br />
Solidarität mit den USA auch bei einem US-Militärschlag gegen Irak<br />
gefordert. Deutsche Soldaten an der Seite von US-Truppen auf dem Weg<br />
nach Bagdad?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Nein das ist damit nicht gemeint. Wir hoffen nach wie vor, dass ein<br />
Militärschlag gegen den Irak vermieden werden kann. Voraussetzung ist,<br />
dass dort zweifelsfrei auf die Herstellung von Massenvernichtungswaffen<br />
und die Unterstützung des internationalen Terrorismus verzichtet wird.<br />
Die Bundesregierung hat allerdings im Nachbarland Kuwait deutsche<br />
ABC-Spürpanzer stationiert, um den USA im Fall eines bewaffneten<br />
Konflikts in der Region mit den entsprechenden Mitteln beistehen zu<br />
können. Diese Politik der Bundesregierung wird auch von uns unterstützt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sabine W.:</b><br />
Herr Glos, wie beurteilen Sie die Haltung des Bundeskanzlers und<br />
SPD-Bundesvorsitzenden Schröder zu den Protesten gegen den Besuch von<br />
US-Präsident George W. Bush in Berlin? Ist es nicht beschämend für<br />
Deutschland, dass Parteien, die an der Regierung beteiligt sind, zu<br />
Demonstrationen aufrufen, während der Kanzler &quot;uneingeschränkte<br />
Solidarität&quot; zusichert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Das zeigt, dass der Kanzler in Teilen der an der Regierung beteiligten<br />
Parteien und Fraktionen nicht mehr das nötige Vertrauen genießt . Diese<br />
Tatsache untergräbt das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>digitalist:</b> Haben sie kein Verständnis für die Proteste?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Ich habe grundsätzlich Verständnis für gewaltfreie Demonstrationen und<br />
damit verbundenen politischen Meinungsäußerungen. Ich habe allerdings<br />
kein Verständnis dafür, dass Teile von Regierungsfraktionen gegen die<br />
Politik der eigenen Bundesregierung demonstrieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Abel:</b> Die Demos sind gewaltfrei. Wo sind da die Probleme?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Ja, ich hoffe, die Demos bleiben gewaltfrei. Die Probleme liegen im<br />
doppelbödigen Verhalten von Teilen von Rot und Grün. Wenn man die<br />
Politik von Fischer nicht mittragen kann, dann muss man raus aus der<br />
Regierung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Auch Freunde könnten doch Fehler machen: Darf man die US-Regierung nicht auch als grüner Abgeordneter kritisieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Ja, das darf man sicher. Das muss man aber meiner festen Überzeugung<br />
nach in der eigenen Fraktion und im Parlament tun und sollte als<br />
Parlamentarier Proteste auf der Straße meiden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>chris:</b> Sind die Proteste ein Akt der Undankbarkeit gegenüber Amerika?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Sicher auch, obwohl die Welt grundsätzlich nicht von Dankbarkeit leben<br />
kann. Es besteht die Gefahr, dass die Bilder, die durch diese Proteste<br />
nach Amerika gesandt werden, dort nicht als Ausdruck des demokratischen<br />
Protestes von kleinen Minderheiten, sondern durch die Beteiligung von<br />
Teilen der Regierungsparteien als Ausdruck des Misstrauens der<br />
Deutschen gegen Amerika gesehen werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hellmood:</b><br />
Können Sie denn uneingeschränkt zu Bushs Politik stehen? Ist die CSU<br />
immer noch für eine grenzenlose und (gedankenlose?) Unterstützung der<br />
Amerikaner?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Wir waren nie in unserem Festhalten an die Freundschaft mit Amerika<br />
&quot;gedankenlos&quot;. Insofern beinhaltet Ihre Frage eine Unterstellung, die<br />
ich zurückweisen muss. Die Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von<br />
Amerika und die stete Unterstützung auch der amerikanischen Truppen für<br />
die Freiheit, gerade in Berlin, haben die deutsche Wiedervereinigung<br />
unter demokratischen Vorzeichen erst möglich gemacht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kain66:</b> Konfliktlösung durch Gewalt? Wie stehen sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Gewalt ist das letzte Mittel zur Konfliktlösung. Wenn man es allerdings<br />
mit gewaltbereiten Diktatoren oder Terroristen zu tun hat, dann muss<br />
man auch entsprechende Gegengewalt anwenden. Deswegen unterstützen wir<br />
die USA in ihren Anstrengungen Al-Kaida das Handwerk zu legen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch einmal zum Krisenthema Irak. Ist denn ein US-Militärschlag noch<br />
vermeidbar und wenn nein, was könnte eine Unterstützung der USA durch<br />
die Bundesrepublik konkret bedeuten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Die derzeitigen in Kuwait eingesetzten und in Deutschland abrufbereiten<br />
ABC-Abwehrkräfte sind nur für Operationen im Rahmen &quot;Enduring Freedom&quot;,<br />
das heißt im Rahmen der Anti-Terroroperationen vorgesehen. Ein Einsatz<br />
deutscher ABC-Abwehrkräfte im Rahmen eines möglichen Militärschlags der<br />
USA gegen Irak bedarf der gesonderten Zustimmung des Bundestages. Eine<br />
solche Zustimmung ist nur denkbar, wenn dem Irak eine Zusammenarbeit<br />
mit Al-Kaida nachgewiesen wird oder ein Präventivschlag notwendig wird,<br />
um eine Aggression des Irak z.B. mit Massenvernichtungswaffen<br />
zuvorzukommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Maja:</b> Gibt es einen NATO Einsatz im Irak oder einen Alleingang der USA? Und die UNO?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Gegenwärtig ist nach meiner Auffassung kein Einsatz zu erwarten. Ich<br />
gehe davon aus, dass der amerikanische Präsident zur Stunde den<br />
Bundeskanzler über seine weiteren Überlegungen unterrichtet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Maja:</b> Wie wird die Zusammenarbeit mit Bin Laden bewiesen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b> Ich gehe davon aus, dass die USA vor einem möglichen Einsatz die entsprechenden Beweise vorlegen werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>heinz:</b> Aber Sie müssen doch sicherlich zugeben, dass das Verhalten der USA nicht wirklich demokratisch ist, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Die US-Regierung ist demokratisch gewählt. Wen sollte der US-Präsident<br />
vorher fragen, wenn er die Notwendigkeit sieht, militärische Mittel zum<br />
Schutz der eigenen Bevölkerung einzusetzen? Und dass die US-Bevölkerung<br />
vom Terrorismus bedroht ist, haben die schlimmen Ereignisse von<br />
Washington und New York bewiesen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Die kommende Frage bezieht sich auch noch auf das Thema Irak:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Maja:</b> Was halten sie von wirtschaftlichen Embargos?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Im Irak hat das Wirtschaftsembargo offensichtlich nicht ausgereicht, um<br />
Saddam Hussein und sein Unterdrückersystem von der Entwicklung weiterer<br />
Waffen abzuhalten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>chris:</b> Aber was passiert, wenn die Lage in Nahost sich nach der gewonnenen Bundestagswahl weiter zuspitzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Wir treten zusammen mit unseren europäischen Partnern für eine<br />
friedliche Lösung auf der Grundlage von zwei selbstständigen Staaten,<br />
nämlich Israel und Palästina, ein und unterstützen mit den Mitteln aus<br />
dem EU-Haushalt den dann möglichen Wiederaufbau in dieser Region. Aber<br />
die Friedenslösung kann nur von den dort Beteiligten selbst unter<br />
Mithilfe der USA und der EU gefunden werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Zu einem anderen Thema: Die FDP sorgt für Schlagzeilen und Fragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>chris:</b><br />
Sehr geehrter Herr Glos, haben Sie eigentlich die Befürchtung, dass<br />
Ihnen die FDP in Person von Herrn Möllemann das Wählerpotential in der<br />
eher wertkonservativen Ecke künftig streitig macht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b> Nein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>odi:</b> Kommt die FDP angesichts der Möllemann-Diskussion noch ernsthaft für die Union  als Koalitionspartner in Frage?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Die FDP besteht nicht nur aus Herrn Möllemann. Der übrigens heute auch<br />
dafür eingetreten ist, das Herr Karsli nicht Mitglied der FDP wird. Ich<br />
hoffe, dass sich die Diskussion über diesen, von den Grünen kommenden<br />
Überläufer und seine von dort mitgebrachten radikalen Ansichten wieder<br />
abebbt und sich die FDP einem Erfolg bei der Bundestagswahl zuwenden<br />
kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Herr Karsli soll aber in der FDP mitarbeiten, ist das nicht eine Farce?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Herr Karsli wird demnach in der Fraktion der NRW-Landtags-FDP<br />
mitarbeiten und dort sicher wegweisende Initiativen des<br />
Fraktionsvorsitzenden Möllemann für NRW unterstützen. Die Mitarbeit in<br />
der FDP und damit Einfluss auf die politische Richtung dieser Partei<br />
bleibt ihm gottlob versagt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hardy:</b> Tacheles Herr Glos &#8211; Schadet oder nützt Ihrer Auffassung nach die Kanzlerkandidatur von Westerwelle der FDP?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Sie nutzt auf jeden Fall dem Bekanntheitsgrad von Herrn Westerwelle. Ob<br />
sie die Ernsthaftigkeit und damit die Akzeptanz der FDP bei<br />
bürgerlichen Wählerinnen und Wählern erhöht, ist äußerst ungewiss.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>birte:</b><br />
Warum zentriert sich die Union so stark in der Mitte. Wäre es nicht<br />
geschickter, nach rechts auszuweichen, um den Rechten die Wähler<br />
abzugewinnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Wer fest in der Mitte steht, kann nach beiden Seiten des politischen<br />
Spektrums ausgreifen. Insofern muss die Union sowohl für Wähler links<br />
als auch rechts der Mitte attraktiv bleiben und keine Angst vor einer<br />
Positionierung auch rechts der Mitte haben. Abgelehnt wird von uns<br />
jegliche Form des Radikalismus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hardy:</b> Wie<br />
viele Prozent wird/kann die FDP Ihrer Meinung nach bei der<br />
Bundestagswahl einfahren? Ein Kanzler Stoiber braucht die Liberalen &#8211;<br />
doch wie stark dürfen diese sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Die spannende Frage ist, wird die Zweitstimmenpartei FDP in die<br />
Endphase der Bundestagswahl-Auseinandersetzung gehen, ohne ein klare<br />
Koalitionsaussage zu Gunsten der Union zu treffen? Die Grundlage der<br />
FDP-Erfolge waren stets taktisch operierende Zweitstimmenwähler. Bei<br />
der Bundestagswahl am 22. September dominiert eine starke<br />
Wechselstimmung. Wenn die FDP diese Wechselstimmung weg von Schröder<br />
entsprechend glaubwürdig bedienen kann, hat sie Aussichten auf ein<br />
überdurchschnittlich gutes Bundestagswahl-Ergebnis. Ich schätze so um<br />
die 10 %. Leistet sich die FDP bis zur Bundestagswahl noch viele so<br />
unnütze Debatten, wie gerade in letzter Zeit, werden die Wahlaussichten<br />
sicher geringer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard W.:</b><br />
Wie wollen Sie die in Ihrem Wahlprogramm versprochenen Vorhaben<br />
überhaupt finanzieren? Würde ein Kabinett Stoiber u. U. auch einen<br />
&quot;Blauen Brief&quot; riskieren, um die Wahlversprechen einzulösen? Sie wollen<br />
ja sicher nicht nach der Devise der jetzigen Bundesregierung handeln:<br />
Versprochen &#8211; Gebrochen!?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Markenzeichen der Union muss finanzielle Seriosität bleiben. Der<br />
Stabilitätspakt, der Grundlage des Vertrages von Maastricht ist, wurde<br />
von Theo Waigel durchgesetzt. Niemand hat damals daran gedacht, dass<br />
ausgerechnet die Bundesrepublik Deutschlandes Adressat eines blauen<br />
Briefes werden könnte. Für alle Erben der Regierung Kohl/Waigel ist die<br />
Einhaltung der Stabilitätskriterien Erbe und Verpflichtung. Deswegen<br />
müssen wir peinlich genau darauf achten, dass wir die dort<br />
beschriebenen Spielräume einhalten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rupert:</b><br />
Späth ist der potentielle Finanzminister der Union. Sollte man nicht<br />
besser auf junge Leute und neue Gesichter setzten als die alten<br />
Register zu ziehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Lothar Späth ist im Kompetenzteam für ein um die Zuständigkeit des<br />
Arbeitsmarktes angereichertes Wirtschaftsministerium vorgesehen. Sein<br />
hohes Ansehen und seine Erfahrungen insbesondere auch in den neuen<br />
Bundesländern machen ihn zu einem attraktiven Ministerkandidaten. Die<br />
SPD hat nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Sicher wird das<br />
Kabinett Stoiber eine gesunde Mischung aus sehr erfahrenen und auch<br />
jüngeren politischen Kräften werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>chris:</b> Was<br />
glauben Sie, Herr Glos, wird die Affäre Schreiber zunehmend zu einem<br />
Problem für Herrn Stoiber, oder spielt die SPD nur ihre letzten<br />
Panik-Karten aus (Sonntagsfrage)?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Wenn Schreiber das berühmte Kaninchen ist, das Müntefering aus dem<br />
Zylinder gezogen hat, dann zeigt dies, dass die SPD politisch blank<br />
dasteht und deswegen eine Delegation des deutschen Bundestages auf<br />
Steuerzahlerkosten nach Kanada gesandt hat ausschließlich um einen<br />
Justizflüchtling aufzuwerten. Was Herr Schreiber dort aufgetischt hat,<br />
war nach Expertenmeinung ohne jeglichen neuen Erkenntniswert. Die<br />
Vorladung von Edmund Stoiber vor diesem sogenannten<br />
Untersuchungsausschuss, um ihn nach Herrn Schreiber zu befragen, ist<br />
ein krampfhafter Versuch, solange mit Schmutz zu werfen, bis etwas<br />
hängen bleibt. Ich bin zuversichtlich, dass dieses durchsichtige<br />
Manöver durchschaut wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard W.:</b> Wie würde ein Finanzminister Glos eine Steuerreform machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Ich bin zuversichtlich, das der Parteivorsitzende der CSU Bundeskanzler<br />
wird. Es ist dann selbstverständlich dass der wichtigste Minister im<br />
Kabinett nicht von der gleichen Partei kommen kann. Insofern wird sich<br />
diese spannende Frage nicht stellen. Aber ganz im Ernst: Wir müssen zu<br />
einem einfacheren und dadurch weniger komplizierten und dadurch<br />
gerechteren Steuersystem kommen und damit wieder mehr Vertrauen bei der<br />
Bevölkerung schaffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sabine W.:</b><br />
Herr Glos, wie erklären Sie sich den Umstand, dass in den Umfragen<br />
Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber im direkten Vergleich zum<br />
Amtsinhaber und Strahlemann Schröder nicht so gut punkten kann, wie es<br />
CDU und CSU im Vergleich zu SPD und Grünen tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b> Offensichtlich spielt Schauspielkunst bei dieser Frage noch eine große Rolle.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Surfer777:</b> Was zeichnet Stoibers Politikstil denn aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Ernsthaftigkeit und Verlässlichkeit. Um mit Michael Spreng zu sprechen:<br />
&quot;Ein ernster Mann für ernste Zeiten&quot;. Die Zeiten eines Spaßkanzlers<br />
sind vorbei.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Surfer777:</b> Und Schröders Stil?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b><br />
Schröder ist mit seinem ABC am Ende. Armani, Brioni und Cohiba sind<br />
&quot;out&quot;, Problemlösungsfähigkeit, mehr Beschäftigung und<br />
Zukunftsfähigkeit sind &quot;in&quot;. Das alles spricht gegen Schröder und für<br />
Stoiber.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Zum Schluss noch einmal eine Vorhersage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rupert:</b> Wie sieht ihre politische Zukunft nach dem 22. September aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Glos:</b> Ich hoffe, einflussreich.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b>: Liebe Chat-Gäste, sehr geehrter Herr Glos, unsere Chat-Zeit ist vorbei. Vielen Dank für die Fragen, vielen Dank Herr Glos!</span></p>
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