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	<title>Irak-Krieg &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Irak-Krieg &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Die US-Wahl geht, der Online-Dialog bleibt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Oct 2008 13:52:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[John McCain]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[US-Wahl 2008]]></category>
		<category><![CDATA[US-Wahlkampf 08]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Kandidaten Obama und McCain setzen im Wahlkampf massiv auf Internetkommunikation. Zwei nichtstaatliche Netzprojekte, White House 2 und Ask the President-Elect, wollen den Dialog zwischen dem kommenden US-Präsidenten und den Bürgern auch nach der Wahl am Leben erhalten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kandidaten Obama und McCain setzen im Wahlkampf massiv auf Internetkommunikation. Zwei nichtstaatliche Netzprojekte, White House 2 und Ask the President-Elect, wollen den Dialog zwischen dem kommenden US-Präsidenten und den Bürgern auch nach der Wahl am Leben erhalten.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>BigDialog: „Ask the President-Elect“</b>
</p>
<p>
Nutzer von <a href="http://www.communitycounts.com/forum/?id=bigdialog" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BigDialogs „Ask the President-Elect“</a> können dem zukünftigen Präsidenten entweder in Wort und per Videobotschaft Fragen stellen oder ihm einfach die Meinung sagen. Die Gewinner der Abstimmung unter den Usern sollen dann dem frisch Gewählten vorgespielt werden.
</p>
<p>
<b><br />
2. White House</b>
</p>
<p>
Damit der nächste US-Präsident weiß, was er zu tun hat, stellen die User im <a href="http://www.whitehouse2.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">2. Weißen Haus </a>eine eigene Agenda auf.  Auf der Internetplattform werden Forderungen und Ziele formuliert, die der Präsident in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit erreichen soll. Momentan steht die Beendigung des Irak-Krieges an der Spitze der User-Agenda.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kriegstagebücher im Internet auf dem Vormarsch</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzkultur-warblogs_salampax060309-shtml-2796/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jsommerhaeuser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>
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		<category><![CDATA[Pseudonym]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Salam Pax]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Irakkrieg ist offiziell längst für beendet erklärt und dennoch dominieren Tag für Tag Schlagzeilen über Attentate und Auseinandersetzungen in Bagdad und Umgebung die Nachrichten. Stoff genug also, um die Seiten der vielen kriegsbezogenen Weblogs zu füllen, die vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entstanden sind. Warblogs – ein Kunstwort zusammengesetzt aus „War“ (Krieg) und „(B)log“ (Logbuch, Tagebuch) – haben aufgrund des anhaltenden Konfliktes im Irak und des drohenden Streits mit Iran nach wie vor uneingeschränkte Aktualität.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Der Irakkrieg ist offiziell längst für beendet erklärt und dennoch dominieren Tag für Tag Schlagzeilen über Attentate und Auseinandersetzungen in Bagdad und Umgebung die Nachrichten. Stoff genug also, um die Seiten der vielen kriegsbezogenen Weblogs zu füllen, die vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entstanden sind. Warblogs – ein Kunstwort zusammengesetzt aus „War“ (Krieg) und „(B)log“ (Logbuch, Tagebuch) – haben aufgrund des anhaltenden Konfliktes im Irak und des drohenden Streits mit Iran nach wie vor uneingeschränkte Aktualität.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Eine Erfolgsgeschichte wie diese gibt es nicht oft: Ein junger Iraker kehrt nach dem Abschluss seines Auslandsstudium in die Heimat zurück. Das Land steht vor einem Krieg, doch anstatt zu flüchten, verbringt der Mann mehrere Stunden täglich an seinem PC in der Bagdader Wohnung seiner Eltern oder in diversen Internetcafés der Stadt. Wie in einem Tagebuch notiert er regelmäßig seine Eindrücke, Gefühle und Erlebnisse öffentlich im Internet und schon bald klicken Tausende User tagtäglich auf die Seiten des unbekannten Bagdader Bürgers. Schnell wird sein Kriegstagebuch – ein sogenanntes Warblog – in den unterschiedlichsten Medien thematisiert und es häufen sich die Interview-Anfragen großer Sender. Salam Pax, so das Pseudonyms des Irakis, wird daraufhin als Kolumnist beim Guardian angestellt und bringt einige Monate später sein Warblog in<br />
                            <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/1843542625/qid%3D1141233928/sr%3D8-1/ref%3Dsr_8_xs_ap_i1_xgl/302-6533877-8446422" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Buchform</a> auf den Markt. Ein<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/4228973.stm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Film</a> über sein Leben folgte kurz darauf – der Warblogger aus Baghdad ist berühmt geworden, weil er als einer der ersten etwas bis dato vollkommen Neues ausprobiert hat: das Bloggen zum Krieg. Die uralte Maxime &#8216;cogito, ergo sum’ – &#8216;ich denke, also bin ich’ – scheint in Zeiten von World Wide Web, Email und weltweiter Vernetzung nicht mehr zu gelten. &#8216;Ich blogge, also bin ich’, lautet der Trend im Internet.</p>
<p>
                              <strong>Besonderes Merkmal: der persönliche Stil</strong>
                            </p>
<p>Natürlich ist eine Karriere wie die von Salam Pax auch in der Warblogger-Szene eher die Ausnahme, dennoch haben sich die Kriegstagebücher gerade während des Dritten Golfkriegs zu einem wichtigen Internet-Angebot entwickelt. Für Lasica repräsentieren sie gar den „<br />
                            <a href="http://www.jdlasica.com/articles/OJR-weblogs1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ground Zero of the personal webcasting revolution</a>” und auch Stefan Krempl urteilt nicht zurückhaltend, wenn er etwa Salam Pax zur „einzigen authentischen irakischen Stimme aus dem bombardierten Bagdad“ erklärt.</p>
<p>Ähnlich positiv berichten auch die Massenmedien über den neuen Angebotstyp, den sie schnell zu DEM Phänomen des Irakkriegs küren. Dennoch liest während des Bombardements nur ein sehr überschaubarer Kreis an Usern regelmäßig Warblogs (<br />
                            <a href="http://www.pewinternet.org/pdfs/PIP_Iraq_War_Report.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PEW</a>). Erst nach und nach werden die Nutzer auf den neuen Angebotstypen aufmerksam und auch die klassischen Medien beginnen, sich mit Warblogs zu befassen. Einige Medienunternehmen adaptieren sogar den Stil der Kriegstagebücher und lassen ihre Reporter selbst als Warblogger zu Wort kommen (<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/1/hi/in_depth/world/2003/reporters_log/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BBC Reporter’s Log</a>).</p>
<p>Bei einem Großteil der Nutzer hinterlassen der persönliche Stil und der saloppe Ton der Warblogger eine anhaltende Begeisterung. Eine Alternative zur regierungstreuen Kriegsberichterstattung vieler Massenmedien scheint gefunden. Doch können die Warblogger wirklich durch ihre Augenzeugenberichte ein ‚wahrhaftiges’ Bild vom Krieg liefern? Oder betätigen sie sich nicht eher als Propagandisten ihrer eigenen Ideologien? Welchen Mehrwert bieten die Kriegstagebücher im Internet?</p>
<p>Antworten auf diese Fragen kann eine Kurzstudie geben, in der die Berichterstattung über den neuen Angebotstypen in den Jahren 2003 und 2004 untersucht wurde.</p>
<p>Die Ergebnisse zeigen, dass es trotz des relativ hohen Bekanntheitsgrads der Warblogs immer noch keine einheitliche Definition gibt. Einigkeit scheint einzig darüber zu herrschen, dass Warblogs sich durch die gleichen Merkmale auszeichnen wie Weblogs, aus denen sie hervorgegangen sind: Die Beiträge werden in umgekehrt chronologischer Reihenfolge tagebuchartig präsentiert; sie sind darüber hinaus datiert und befassen sich thematisch mit dem Irakkrieg, seinen Folgen oder Ursachen.</p>
<p>
                              <strong>Für den Nutzer: alternative Stimmen jenseits des Mainstreams</strong>
                            </p>
<p>Jenseits dieser Gemeinsamkeiten jedoch gehen die Meinungen auseinander: einige Experten halten es etwa für wichtig, dass Warblogs von Autoren verfasst werden, die sich selbst in einem Kriegsgebiet befinden. Andere erweitern den inhaltlichen Fokus und schließen die Themen Terror, Folter und politische Konflikte aller Art mit ein.</p>
<p>Für den Warblog-Leser sind jedoch nicht die vielfältigen Definitionsmöglichkeiten entscheidend, sondern es ist vor allem die persönliche Sichtweise, die die Nutzer immer wieder vor die Monitore lockt. Jenseits der journalistischen Professionalität präsentieren die Warblogger ganz bewusst ihre eigenen Eindrücke und eröffnen dem Leser dadurch eine neue Sichtweise auf das Kriegsgeschehen. Ihre Unabhängigkeit macht die Kriegstagebücher deswegen zu einer echten Alternative zu den regierungstreuen Medien.</p>
<p>Die Unzufriedenheit mit den klassischen Medien ist eines der Hauptmotive für die Warblog-Nutzung. Auf den Webseiten findet sich ein kritischer Blick auf die Medienlandschaft, der woanders kaum angeboten wird. Salam Pax beispielsweise nimmt gerne amerikanische oder arabische Sender aufs Korn:</p>
<p>                            <em>„’Umm Kasr ist unter Kontrolle&#8217;. ’Umm Kasr ist gefährdet&#8217;. ’Basra ist kein Angriffsziel&#8217;. ’Basra wird bombadiert&#8217;. ’Nassirija wird schwer umkämpft’. Könnten die Nachrichtenfuzzis sich vielleicht auf irgendwas einigen? Die neueste Fortsetzung der Kriegsberichterstattungsabsurditäten ist der &#8216;Aufstand in Basra’.“</em> (26.03.2003)</p>
<p>Ihrer Watchdog-Funktion kommen die Warblogs während des Konflikts immer wieder nach. Sie korrigieren die Berichterstattung der US-Medien, indem sie beispielsweise eigene Augenzeugenberichte veröffentlichen. Die Berichte ‚aus erster Hand’ vermitteln dem Leser Glaubwürdigkeit und viele Zusatzinformationen. Das Konzept der Augenzeugenberichte wird zunehmend auch von traditionellen Medien adaptiert. So suchte die BBC Anfang 2004 in einem Online-Artikel nach Augenzeugen für ein Bombenattentat in Syriens Hauptstadt Damaskus. Da offizielle Informationen kaum zu bekommen waren, rief die<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/3664811.stm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BBC</a> mögliche Augenzeugen dazu auf, ihre Berichte zu senden und veröffentlichte die Statements auf der Nachrichtenseite.<br />
                            <br />Reizvoll für die Leser ist dabei das Gefühl, zumindest indirekt ins Geschehen involviert zu sein.</p>
<p>
                              <strong>Propaganda, Pseudonyme und andere Probleme</strong>
                            </p>
<p>Angesichts der vielen Leistungen in eine Warblog-Euphorie zu verfallen, wäre jedoch überstürzt. Problematisch am neuen Angebotstypen ist, dass sie häufig keiner redaktionellen Kontrolle unterliegen. Was veröffentlicht wird, gilt als unfertig und wird häufig erst im Nachhinein durch Beiträge von Lesern oder Meldungen in klassischen Medien bestätigt – wenn überhaupt. Die fehlende Überprüfung der Inhalte ist ein wesentlicher Kritikpunkt an Warblogs, weil dies zu Missbrauch verleiten kann. Beiträge mit subtiler Propaganda wird der ungeübte Leser schwerlich von ernst gemeinten Kommentaren unterscheiden können.</p>
<p>Hinzu kommt, dass Warblogger sich selten an journalistische Regeln halten. Quellen werden oft nur sporadisch genannt, was eine Prüfung der Inhalte zusätzlich erschwert. Auch der Autor selbst ist in einigen Fällen ein &#8216;Buch mit sieben Siegeln’. Warblogger vor Ort schreiben häufig unter einem Pseudonym, um politischer Verfolgung zu entgehen. Zweifel an der Identität eines Autors können aber zugleich alle seine Inhalte in Frage stellen. Salam Pax, selbst hinter einem Pseudonym verborgen, hält dieses Problem für nichtig:<br />
                            <br />
                            <em>„Bitte, hört auf, mir E-Mails zu schicken, in denen ihr mich fragt, ob es mich wirklich gibt. Ihr glaubt’s nicht? Dann lest einfach nicht weiter.“</em></p>
<p>So muss der Leser letztlich selbst entscheiden, welche Warblogs er für vertrauenswürdig hält. Insgesamt sollten die Inhalte der Kriegstagebücher nicht unhinterfragt &#8216;für bare Münze genommen’, sondern mit einem gesunden Maß an Skepsis rezipiert werden – wie jedes andere Medium auch.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Den Grünen wird der Untersuchungsausschuss nicht unbequem</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/den-gruenen-wird-der-untersuchungsausschuss-nicht-unbequem-163/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/den-gruenen-wird-der-untersuchungsausschuss-nicht-unbequem-163/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Jan 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Christine Scheel]]></category>
		<category><![CDATA[Untersuchungsausschuss]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesnachrichtendienst]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Dienstag, 17. Januar, war Christine Scheel, MdB 
der Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de. Hauptthema des tagesschau-Chats 
in Kooperation mit politik-digital.de war die angebliche BND-Hilfe 
Deutschlands für die USA im Irak-Krieg.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Dienstag, 17. Januar, war Christine Scheel, MdB<br />
der Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de. Hauptthema des tagesschau-Chats<br />
in Kooperation mit politik-digital.de war die angebliche BND-Hilfe<br />
Deutschlands für die USA im Irak-Krieg.<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, Geheimdienst-Freunde<br />
und -Gegner, herzlich willkommen beim Tagesschau-Chat. Zum Chat<br />
ist heute Christine Scheel, Abgeordnete von Bündnis 90/Grüne<br />
im Bundestag ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Wie immer können<br />
Fragen zu allen Themen gestellt werden, egal ob Bundesnachrichtendienst,<br />
die neue Fürsorge der Politik für die Kindererziehung<br />
oder die beliebte Mehrwertsteuererhöhung wir sammeln und „arbeiten<br />
ab“. Können wir beginnen Frau Scheel?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Gerne.
</p>
<p>
<b>Hortensius:</b> Frau Scheel, liegt es nicht im Interesse<br />
der Bundesrepublik Deutschland, wenn Bundesnachrichtendienst und<br />
Militärischer Abschirmdienst auch mit anderen Geheimdiensten<br />
kooperieren, sofern dieses indirekt auch Interessen der BRD nutzt<br />
(In diesem Falle denke ich da auch an einen Nutzen für die<br />
offizielle Kooperation mit betroffenen Staaten) ?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich denke auch, dass es Aufgabe<br />
des Geheimdienstes ist, auch im Interesse der Bundesrepublik, dass<br />
Kooperationen stattfinden. Es ist aber auch Aufgabe der Geheimdienste<br />
sich an Vorgaben der Länder, die sie entsenden, zu halten.<br />
D.h. Kooperation ja, aber kein Eigenleben gegen staatlich-politische<br />
Interessen.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Können Sie sich<br />
vorstellen, dass der Bundesnachrichtendienst auf eigene Faust handelte?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Das ist genau das, was wir nicht<br />
wissen. Der Bundesnachrichtendienst hat dem damaligen Kanzleramtsminister<br />
Steinmeier berichtet und inwieweit einzelne Aktivitäten dort<br />
oder im Kanzleramt vorgestellt wurden wissen wir nicht.
</p>
<p>
<b>geh-heim-dienst:</b> Ich bin gespannt, was wir von<br />
einem Untersuchungsausschuss erwarten können. Ich denke: Nichts!<br />
immerhin arbeiten Geheimdienste absichtlich geheim.
</p>
<p>
<b>athlet1:</b> Was bringt ein Untersuchungsausschuss<br />
den Bürgern, wenn sie aus Gründen der Geheimhaltung nicht<br />
viel mehr erfahren als vorher?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Wir sind derzeit in der Diskussion<br />
darüber, was überhaupt von einem Untersuchungsausschuss<br />
erwartet werden kann. Deswegen ist die Fragestellung richtig. Andererseits<br />
stellt sich schon die Frage, inwieweit sich Geheimdienste verselbstständigt<br />
haben und inwieweit es Grenzen der Geheimhaltung gibt. D.h. Geheimdienste<br />
können nicht alles tun, was sie sich vorstellen.
</p>
<p>
<b>Lehrmo:</b> Frau Scheel, halten Sie es für richtig,<br />
ein Problem mit einem staatlichen Instrument wie dem Bundesnachrichtendienst<br />
öffentlich zu diskutieren? Wäre es nicht vielmehr sinnvoller<br />
so etwas intern zu klären?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ja, da schlagen zwei Herzen<br />
in meiner Brust. Zum einen hat die Öffentlichkeit schon den<br />
Anspruch zu erfahren, dass die politische Entscheidung der Nichtteilnahme<br />
am Irakkrieg auch so gelebt wurde. Zum anderen werden Aufgaben,<br />
die Geheimdienste haben, vielleicht in ein falsches Licht gestellt.<br />
So ist es selbstverständlich, dass die Geheimdienste weltweit<br />
Entwicklungen beobachten, um ihren jeweiligen Ländern auch<br />
Informationen geben zu können. Ansonsten müssten wir auf<br />
andere Geheimdienste zurückgreifen, was ich ziemlich unsinnig<br />
finde.
</p>
<p>
<b>FredMueller:</b> Warum sind die Grünen überhaupt<br />
so erpicht auf einen Untersuchungsausschuss? Schließlich tragen<br />
Sie in diesem Fall die Verantwortung mit, als ehemalige Regierungspartei.
</p>
<p>
<b>laurin:</b> Wieso wollen die Grünen einen Untersuchungsausschuss?<br />
Es geht doch immerhin um eine Affäre aus der Regierungszeit<br />
der Grünen! Es scheint nur eine Abwehrreaktion zu sein. Nach<br />
dem Motto: wenn wir uns jetzt darüber empören, dann denken<br />
die anderen, wir wissen gar nichts davon!
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Die Grünen haben sich mit<br />
der Frage Untersuchungsausschuss &#8216;ja’ oder &#8216;nein’ ganz<br />
aktuell erst festgelegt, weil unsere zuständigen Innenpolitiker<br />
viele Fragen haben, die nicht beantwortet sind. Die Entscheidung,<br />
einen Untersuchungsausschuss einzusetzen darf grundsätzlich<br />
nicht davon abhängig sein, ob Untersuchungen in die eigene<br />
Regierungszeit fallen oder nicht. Es geht um größtmögliche<br />
Transparenz.
</p>
<p>
<b>Fragensteller100:</b> Halten Sie es für möglich,<br />
dass ein Untersuchungsausschuss für die Grünen unbequem<br />
werden könnte? Schließlich waren Sie sieben Jahre lang<br />
an der verantwortlichen Regierung beteiligt, auch wenn die Zuständigkeit<br />
für den Bundesnachrichtendienst beim Kanzleramt liegt.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Das halte ich nicht für<br />
möglich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt Sie gehen davon aus,<br />
dass auch Außenminister Fischer über diese Vorgänge<br />
&#8211; soweit sie stattgefunden haben &#8211; nicht informiert war?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Meines Wissens hat der ehemalige<br />
Außenminister sich dahingehend geäußert, dass schon<br />
klar war, dass Geheimdienste unterwegs sind, aber über die<br />
Berichterstattungen in den Medien über das Verhalten der Dienste<br />
entsetzt gezeigt.
</p>
<p>
<b>Vall:</b> Sehr geehrte Frau Scheel hat denn Ihre Fraktion<br />
sich nicht während des Irak-Konfliktes mit Hilfe des Bundesnachrichtendienstes<br />
über Vorgänge im Irak direkt informiert? Da Ihre Fraktion<br />
mit an der Regierung beteiligt war ist doch davon auszugehen, dass<br />
zumindest einige Damen oder Herren über diese Vorgänge<br />
informiert waren.
</p>
<p>
<b>athlet1:</b> Frau Scheel, was für einen Einblick<br />
haben Politiker beim Bundesnachrichtendienst eigentlich? Und wie<br />
können sich &#8216;einfache Bürger&#8217; einen Einblick verschaffen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Es gibt die parlamentarischen<br />
Kontrollgremien, die auch über die Arbeit von Geheimdiensten<br />
informiert werden. Allerdings unter Geheimhaltungsregeln, so dass<br />
auch die Fraktion nicht über die Inhalte der Diskussion in<br />
diesen Gremien informiert wird. D.h. für mich persönlich,<br />
dass ich nicht weiß, was der Bundesnachrichtendienst tut.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Einfach, weil mit ja oder nein zu beantworten:
</p>
<p>
<b>Fragensteller100:</b> Wenn es Ihnen um größtmögliche<br />
Transparenz geht und es keinen Unterschied machen soll, ob Untersuchungen<br />
in die eigene Regierungszeit fallen oder nicht: Würden sie<br />
auch dann einen Untersuchungsausschuss fordern, wenn Sie nach wie<br />
vor Regierungsverantwortung tragen würden?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>modtiger:</b> Wie oft tagen die parlamentarischen<br />
Kontrollgremien?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich glaube einmal im Monat,<br />
bin aber nicht sicher, ob es nicht einen unregelmäßigen<br />
Rhythmus je nach Arbeitsanfall gibt. D.h. wenn Diskussionen aufkommen,<br />
wird dieses Kontrollgremium einberufen.
</p>
<p>
<b>rolf.meyer.hl:</b> Angenommen es würde sich in<br />
einem Untersuchungsausschuss herausstellen, dass der Bundesnachrichtendienst<br />
mehr am Krieg involviert war als bisher bekannt. Was würde<br />
dann geschehen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Dann müssten die Bundesnachrichtendienst-Beamten<br />
mit Konsequenzen zu rechnen haben.
</p>
<p>
<b>Crespo R: </b>Sind sie nicht der Meinung, dass eventuell<br />
Geheimdienste anderen realpolitischen Realitäten ausgesetzt<br />
sind als Bundestagsfraktionen und deswegen dort auch nicht mit demselben<br />
Maß gemessen werden sollte?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Das ist sehr schwierig zu beurteilen.<br />
Selbstverständlich sind Geheimdienste anderen Realitäten<br />
ausgesetzt. Aber was bedeutet beispielsweise Unterstützung<br />
der Geheimdienste im Irak? Kann eine Warnung „hier steht ein<br />
Krankenhaus“ schon als Unterstützung gewertet werden<br />
oder dient es eher dem Schutz der Bevölkerung?
</p>
<p>
<b>David23:</b> Ich habe kürzlich die These gehört,<br />
dass Amerika versucht, die alte Bundesregierung in Misskredit zu<br />
bringen. Prof. Eenboom sagte das, glaube ich. Und ich kann mir ehrlich<br />
gesagt nicht vorstellen, dass die Kriegsführung der USA auf<br />
Informationen zweier Bundesnachrichtendienst-Mitarbeiter angewiesen<br />
war. Die Versorgung der eigenen Regierung mit Infos ist doch legitim,<br />
selbst eine Information der USA über zivile Einrichtungen ist<br />
in Ordnung, wenn man Leben retten wollte.
</p>
<p>
<b>letizia:</b> Frau Scheel, glauben Sie, dass hinter<br />
den Enthüllungen der letzten Tage eine US-Kampagne steckt?<br />
Eine Parallele mit den CIA-Flügen lässt sich ja unweigerlich<br />
ziehen und erweckt so zumindest den Anschein.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Diesen Verdacht habe ich auch.<br />
Denn es ist schon sehr eigenartig, dass diese Debatte gerade jetzt<br />
auftaucht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wen sehen Sie hinter einer solchen<br />
Debatte? Wer könnte Sie ausgelöst haben mit welchen Interessen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Es ist ja in den USA nicht auf<br />
Freude gestoßen, dass Deutschland sich nicht am Irakkrieg<br />
beteiligt hat und somit könnte es durchaus im Interesse der<br />
amerikanischen Regierung liegen, hier politisch etwas zu zündeln.
</p>
<p>
<b>NahOstPolitik:</b> Wie glaubwürdig ist jetzt<br />
noch die Nicht-Beteiligung am Irak-Krieg?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Die politischen Entscheidungen<br />
sind eindeutig: Nicht-Beteiligung.
</p>
<p>
<b>bdoren:</b> Sehr geehrte Frau Scheel, zuerst möchte<br />
ich sagen, dass auch ich eine vollkommene Aufklärung befürworte.<br />
Haben Sie jedoch keine Angst davor, dass eine Aufklärung die<br />
pazifistische Grundhaltung Ihrer Partei und der Regierung in der<br />
Irak-Frage jegliche Glaubwürdigkeit raubt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Vielleicht dient diese Diskussion<br />
auch dazu, deutlich zu machen, welche Aufgaben Geheimdienste haben.<br />
Damit in der Bevölkerung auch transparenter wird, dass die<br />
Anwesenheit von Beamten, in dem Fall im Irak, nicht automatisch<br />
etwas mit Kriegsbeteiligung zu tun haben muss.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vorausgesetzt die Vorwürfe sind<br />
stichhaltig:
</p>
<p>
<b>666:</b> Wurde Deutschland durch die Veröffentlichungen<br />
der ARD bezüglich der Bundesnachrichtendienst-Aktivitäten<br />
in Bagdad in den Fokus international operierender Terrorgruppen<br />
gerückt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Diese Befürchtung gibt<br />
es, allerdings glaube ich, dass internationale Gruppen, Terrorgruppen,<br />
auch wissen, dass Geheimdienste vor Ort sind.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mehre Nachfragen in Sachen Lancierung<br />
der Geheimdienst-Informationen:
</p>
<p>
<b>Joschka:</b> Wollen Sie ernsthaft die USA bezichtigen?<br />
Ist das nicht zu einfach?
</p>
<p>
<b>Jack: </b>Aber wieso kommen diese Enthüllungen<br />
dann genau jetzt, wenn es eine Kampagne ist?
</p>
<p>
<b>joey:</b> Frau Scheel, glauben sie Präsident<br />
Bush, dass er nichts von den Bundesnachrichtendienst Aufenthalten<br />
wusste?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich weiß nicht, woher<br />
diese Informationen kommen. Vielleicht gibt es auch das Interesse,<br />
der rot-grünen Regierung im nachhinein Schaden zufügen<br />
zu wollen, indem eine Debatte angestoßen wird, die alle möglichen<br />
Sachverhalte vermischt, um das Image der alten Regierung im Blick<br />
auf das Verhalten zum Irakkrieg zu ramponieren. Ich glaube, dass<br />
es vorwiegend auch der Versuch ist, den Grünen zu unterstellen,<br />
wir hätten das alles wissen sollen. Was mitnichten der Fall<br />
ist. Ob der Präsident Bush davon wusste weiß ich nicht.
</p>
<p>
<b>Vall:</b> Sehr geehrte Frau Scheel, denken Sie nicht,<br />
dass Beschuldigungen gegen die US-Regierung, die auf Spekulationen<br />
beruhen, etwas zu weit gehen und somit sehr vorsichtig eingesetzt<br />
werden sollten?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich bin ja sehr vorsichtig.<br />
Vermutungen sind Vermutungen und nicht mehr.
</p>
<p>
<b>Alejandro:</b> Beweist die aktuelle Debatte über<br />
den Bundesnachrichtendienst nicht die Ohnmacht unserer Demokratie?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Dies wäre eine gute Begründung,<br />
einen Untersuchungsausschuss einzusetzen und die Grenzen auszuloten,<br />
inwieweit sich Geheimdienste über demokratisch getroffene parlamentarische<br />
Entscheidungen hinwegsetzten können. Ich finde, das dürfen<br />
sie nicht. Darüber ist zu reden.
</p>
<p>
<b>Hortensius: </b>Ein Blick über die derzeitige<br />
Situation hinaus: Inwiefern macht es im Rahmen der immer größer<br />
werdenden staatlichen Einheit eigentlich Sinn, noch nationale Geheimdienste<br />
zu haben? Wäre es nicht sinnvoller, einen europäischen<br />
Geheimdienst einzurichten, der dann der Kontrolle durch das EU-Parlament<br />
unterliegt?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Diese Diskussion wird geführt.<br />
Inwieweit es sinnvoll ist, einen europäischen Geheimdienst<br />
einzurichten, hängt natürlich auch davon ab, inwieweit<br />
sich die einzelnen Staaten darauf verständigen können,<br />
dass die Kontrolle nur durch das Europäische Parlament vorgenommen<br />
wird. Die politischen Entscheidungen in Bezug auf die Beteiligung<br />
am Irakkrieg der einzelnen EU-Staaten haben gezeigt, dass es durchaus<br />
auch unterschiedliche Interessen gibt.
</p>
<p>
<b>NahOstPolitik:</b> Würde ein Beschluss des Bundestages<br />
gegen Mitarbeit von Ermittlungsbehörden mit Folterstaaten nicht<br />
helfen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Wer definiert, wer ein Folterstaat<br />
ist? Deutschland hat sich sehr klar gegen jegliche Foltermethoden<br />
ausgesprochen und die Debatte um Guantanamo wird jetzt auch in der<br />
neuen Regierung geführt. Wir Grünen haben hier eine eindeutige<br />
Position.
</p>
<p>
<b>Splitter:</b> Welche Gemeinsamkeiten stellen Sie mit<br />
den anderen Parteien in der Opposition nach fast 100 Tagen der neuen<br />
Regierung fest? Kann diese Konstellation überhaupt eine echte<br />
oppositionelle Position schaffen?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Es gibt Gemeinsamkeiten in der<br />
Beschreibung der Notwendigkeiten zur Reformierung der sozialen Sicherungssysteme<br />
oder einer nachhaltigen Haushaltpolitik. Allerdings ist es nun Aufgabe<br />
der Opposition, dies auch einzufordern oder auch eigene Vorschläge<br />
zu machen, um die notwendigen Reformen sehr zügig auf den Weg<br />
zu bekommen. Bislang sehen wir, dass alle komplizierteren Sachverhalte<br />
von der Unternehmensbesteuerung bis zur Frage Gesundheitspolitik<br />
auf die lange Bank geschoben werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In Sachen &quot;Wachstums&quot;-Milliarden-Investitionsprogramm<br />
der schwarz-roten Regierung:
</p>
<p>
<b>schnucki:</b> Hallo Frau Scheel. Sie behaupten, dass<br />
die 25 Milliarden Euro ein Schummelpaket seien. Was genau sind dafür<br />
die Gründe? Ist der Betrag zu niedrig oder halten Sie prinzipiell<br />
nichts von diesen keynesschen Ansätzen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Keynessche Ansätze kurz gesagt:<br />
staatliche Investitionen um die Konjunktur in schlechten Zeiten<br />
anzukurbeln.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Viele Maßnahmen in diesem<br />
Paket sind bereits beschlossene Sachen, z.B. ist das Programm zur<br />
energetischen Altbausanierung bereits bei der Kreditanstalt für<br />
Wiederaufbau, die zur 80 % dem Bund gehört. Auch andere Maßnahmen<br />
gibt es bereits im Steuerrecht und sie wurden lediglich befristet<br />
ausgeweitet. Auf der anderen Seite wird man mit Steuererhöhungen<br />
weitaus mehr Einnahmen haben, als für diese Programme jetzt<br />
ausgegeben wird.
</p>
<p>
<b>Mooshammer:</b> Frau Scheel, wie schätzen Sie<br />
die Entwicklung der Konjunktur in Deutschland ein? Wird es nach<br />
einem leichten Aufschwung in 2006 wieder eine kleine Rezession in<br />
2007 geben, wie von einigen Wirtschaftsexperten befürchtet?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Das ist im Moment wirklich sehr<br />
schwer zu sagen. Ich habe festgestellt, dass die Prognosen von Wirtschaftsexperten<br />
in den letzten Jahren selten so eingetroffen sind. Es wird darauf<br />
ankommen, wie die Gesamtstimmung in Deutschland sein wird und natürlich<br />
für ein Exportland wie Deutschland auf die weltweiten Entwicklungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Interessant, aber sehr speziell. Daher<br />
erlaube ich mir den klassischen Zusatz: Mit der Bitte um eine kurze<br />
Antwort.
</p>
<p>
<b>Dale 2:</b> Verehrte Frau Scheel, was halten Sie als<br />
Finanz- und Wirtschaftspolitikerin davon, dass selbst in detailliertesten<br />
steuerrechtlichen Fragen der Gerechtigkeitsbegriff in den letzten<br />
Jahren das maßgebliche politische Kriterium geworden ist?<br />
Würden Sie sich gerade in Ihrem Fachgebiet nicht lieber Debatten<br />
wünschen, in denen Indikatoren wie Wettbewerbsfähigkeit<br />
und Effizienz im Vordergrund stehen (z.B. beim europäischen<br />
Steuerrecht/Mehrwertsteuer-Debatte)?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Sicher sind diese Indikatoren<br />
wie Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz ganz maßgebend<br />
aber man muss auch im Blick haben, dass die Akzeptanz steuerpolitischer<br />
Entscheidungen in der Bevölkerung davon abhängt, inwieweit<br />
die Menschen das Gefühl haben, dass es fair zugeht. Wenn der<br />
Eindruck entsteht, der Staat verzichte aus Wettbewerbsgründen<br />
bei international operierenden Unternehmen auf Steuereinnahmen,<br />
aber jeder einzelne Bürger wird zur Kasse gebeten, stört<br />
dies das Vertrauen in politische Entscheidungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mit Bezug auf die Frage nach der Konjunktur<br />
2007:
</p>
<p>
<b>Mooshammer:</b> Das ist für mich keine befriedigende<br />
Antwort. Ich hatte Sie ja nach Ihrer Meinung gefragt.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich glaube schon, dass es bei<br />
den Investitionen sowohl privat als auch im Unternehmensbereich<br />
zur Effekten kommt, dass Vorzieheffekte für 2006 stattfinden.<br />
Allerdings bedeutet dies nicht automatisch, dass 2007 sich die wirtschaftliche<br />
Situation verschlechtern muss.
</p>
<p>
<b>Daniel:</b> Frau Scheel, wie bewerten Sie die Äußerung<br />
von Wirtschaftsminister Glos, dass Energiepolitik in erster Linie<br />
Wirtschaftspolitik sei?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Energiepolitik hat viel mit<br />
Umweltpolitik zu tun, mit Effizienz, mit der Frage, welche Ressourcen<br />
stehen wie lange zur Verfügung, welche Abhängigkeiten<br />
gibt es und damit ist das Thema Energiepolitik nicht allein ein<br />
Wirtschaftsthema, sondern ein Bereich der politischen Diskussion,<br />
der in vielen anderen Politikfeldern auch relevant ist.
</p>
<p>
<b>Interessierter:</b> Gerade im Hinblick auf Steuergesetzgebung:<br />
Wie kann die Politik in der Bevölkerung für nicht sehr<br />
stark akzeptierte, vielleicht sogar den Bürger anfänglich<br />
benachteiligende Entscheidungen, die aber langfristig gesehen auch<br />
für das Wohl des Volkes sehr wichtig sind, mehr um Verständnis<br />
werben?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Dies geht nur, wenn von politischer<br />
Seite ganz offen und ehrlich begründet wird, warum bestimmte<br />
Entscheidungen getroffen werden und in welchem Zusammenhang diese<br />
notwendig sind. Die Politik muss den Mut haben über Wahltage<br />
hinaus zu denken.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und dann muss man die problematischen<br />
Steuerentscheidungen auch noch durchsetzen. Als Finanzpolitikerin<br />
müssten Sie dann ja fast ein Fan einer großen Koalition<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Wenn die große Koalition<br />
klare Entscheidungen trifft, die im Ergebnis meinem Anspruch der<br />
Steuervereinfachung und einer vernünftigen Unternehmensbesteuerung<br />
gerecht wird, werde ich zwar nicht gleich zum Fan, werde dies aber<br />
konstruktiv begleiten. Leider wird die große Koalition diesen<br />
Ansprüchen bislang nicht gerecht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Lernfrage:
</p>
<p>
<b>wenwählen?:</b> Sie fordern die Schaffung einer<br />
zentralen Bundesumsatzsteuerverwaltung. Was genau habe ich mir darunter<br />
vorzustellen und welche Konsequenzen hat das für den Steuerzahler?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Die Bundesumsatzsteuerverwaltung<br />
müsste mit den Ländern zusammen arbeiten. Der Hintergrund<br />
dieser Forderung ist, dass wir wissen, dass beim Umsatzsteuerbetrug,<br />
der in einer Größenordnung von 16 Milliarden Euro pro<br />
Jahr eingeschätzt wird, die einzelnen notwendigen Informationen<br />
unterschiedlicher Behörden zusammen fließen müssten,<br />
was derzeit nicht der Fall ist. D.h. es geht bei dieser Forderung<br />
um eine bessere Koordinierung und Effizienz der Betrugsbekämpfung.<br />
Die Softwaresysteme der einzelnen Bundesländer sind nicht immer<br />
kompatibel und auch der Austausch mit Staatsanwaltschaften und dem<br />
Zoll und der europäischen Betrugsbekämpfungsbehörde<br />
ist noch lange nicht optimal.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> 16 Milliarden sind eine gigantische<br />
Summe: Hätte er die, würden Steinbrück Felsbrocken<br />
vom Herzen fallen. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass das Thema<br />
Priorität eins hat. Warum eigentlich nicht?
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Betrugsbekämpfung im Umsatzsteuerbereich<br />
hat etwas zu tun mit dem Problem der Schwarzarbeit, mit Insolvenzen,<br />
mit hoher krimineller Energie bei Karussellgeschäften und muss<br />
von verschiedenen Seiten angegangen werden. Dies ist nicht einfach.<br />
Ich habe in meiner Amtszeit als Finanzausschussvorsitzende dieses<br />
Thema in mehreren Anhörungen bearbeitet und weiß, dass<br />
in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe Strategien zur Betrugsbekämpfung<br />
Thema sind. Vielleicht wäre es gut, dies auch stärker<br />
in die Öffentlichkeit zu tragen, dass die Politik diese Aufgabe<br />
erfüllen muss.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch einmal eine rückblickende<br />
Frage auf die Bundesnachrichtendienst-Irak-Affäre:
</p>
<p>
<b>Daniel: </b>Frau Scheel, nicht nur die Bundesnachrichtendienst-Affäre<br />
lässt daran zweifeln, dass die frühere rot-grüne<br />
Bundesregierung in Realität den Irak-Krieg tatsächlich<br />
ablehnend gegenüber stand, wie sie öffentlichkeitswirksam<br />
darstellte. Wie stehen Sie beispielsweise zu Überflugrechten<br />
und zu der Bewachung amerikanischer Kasernen durch die Bundeswehr?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie sie während des Irak-Kriegs<br />
erfolgten.
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Wir hatten im Blick auf die<br />
Awacs-Einsätze keine Bedenken. Im Blick auf die Überflugrechte<br />
gibt es eine sehr differenzierte Diskussion.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten Tagesschau-Chat.<br />
Die Bitte um Nachsicht an diejenigen, die nicht drangekommen sind.<br />
Vielen Dank für Ihr Interesse. Vielen Dank an Sie, Frau Scheel,<br />
dass Sie heute Zeit für unsere User hatten. Das Chat-Protokoll<br />
finden Sie wie immer auf tagesschau.de und politik-digital.de. Dort<br />
erfahren Sie auch die Termine für die nächsten Chats.<br />
Am 23. Januar, also Montag kommender Woche stellt sich Dirk Niebel<br />
ab 12.30 Uhr Ihren Fragen. Einen schönen Tag allerseits!
</p>
<p>
<b>Christine Scheel:</b> Ich freue mich über das<br />
rege Interesse und wünsche ihnen allen einen schönen Tag.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>We must not to stop to be friends</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzkampagnen-usafra-shtml-3099/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Apr 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Dialog]]></category>
		<category><![CDATA[Forum]]></category>
		<category><![CDATA[Transatlantische Beziehungen]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Irak-Krieg ist vorbei, die Spannungen zwischen den USA und Frankreich halten an. Da hilft nur Dialog, dachten sich die Initiatoren des französischen Online-Demokratie-Projekts "e1789.com".
                      ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Irak-Krieg ist vorbei, die Spannungen zwischen den USA und Frankreich halten an. Da hilft nur Dialog, dachten sich die Initiatoren des französischen Online-Demokratie-Projekts &#8220;e1789.com&#8221;.<br />
                      <br /><!--break-->
                    </p>
<p>Nachdem Deutschland und Frankreich ihre Ablehnung gegen den von den USA geplanten Irak-Krieg verkündet hatten, war bei George W. Bush und seiner Administration das Fass übergelaufen. Wer es wagte, die USA so offen zu brüskieren, war der Freundschaft des großen amerikanischen Bruders nicht mehr wert. Der deutsche Bundeskanzler Schröder wurde schlichtweg nicht mehr empfangen, und alles, was auch nur den Anschein des Französischen hatte, war von nun an per se negativ und sollte umbenannt werden – berühmtestes Beispiel die „freedom fries“ in der Kantine des Repräsentantenhauses. Wie kommt man aus so einer verfahrenen Situation wieder heraus? Da hilft nur Dialog, dachten sich die Initiatoren des französischen Online-Demokratie-Projekts<br />
                    <a href="http://www.e1789.com/main.php4" target="_blank" rel="noopener noreferrer">e1789.com</a> und öffneten ein spezielles Forum für den französisch-amerikanischen Gedankenaustausch.</p>
<p>
                    <strong>Ein echter Dialog zwischen Nationen</strong><br />
                    <br />Dass Diskussionsbedarf besteht, belegen die Zahlen: rund 600 Einträge innerhalb von vier Wochen hat<br />
                    <a href="http://www.e1789.com/agora/list.php?site=e1789&amp;bn=e1789_anglaisfrancais" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Americans and French – let’s talk together“</a> zu verzeichnen. Waren es zunächst allein Franzosen, die sich beteiligten – sicher dem Ursprung des Projekts geschuldet – kamen bald auch amerikanische Stimmen dazu. Inzwischen ist ein echter Dialog zwischen den Nationen entstanden.</p>
<p>Erleichtert wird die Beteiligung durch den sehr anwenderfreundlichen Aufbau des Forums: zu jedem Themenstrang werden alle Antworten aufgeführt, und beim Aufruf der einzelnen Beiträge erscheint gleich ein neues Antwortkästchen für den Leser dazu. Mit wenigen Klicks steckt man also schon mitten drin in der Diskussion. Wer sich entschließt, das Forum öfter zu besuchen, sieht außerdem auf einen Blick, welche Beiträge seit dem letzten Besuch neu dazugekommen sind und kann auf diese wieder schnell reagieren.</p>
<p>Doch es liegt wohl nicht nur an der einfachen Handhabung, dass dieses Forum gut angenommen wird. Aggression und Frust haben sich in den Wochen des Irak-Kriegs aufgestaut und bedürfen jetzt eines Ventils. Dass dabei nicht immer ein Dialog zustande kommt, sondern gelegentlich schlichtweg die Wut über die Politiker oder aber den vermeintlichen Gegner herausgelassen wird, ist sicherlich verständlich. Gleichzeitig scheint auch eine Auseinandersetzung der Franzosen untereinander notwendig zu sein. Chirac und seine Regierung haben bei vielen Ärger und Enttäuschung verursacht, und so sind Thema der Beiträge häufig nicht allein die transatlantischen Beziehungen, sondern auch die französische Innenpolitik und ihre Schlüsselfiguren. Gelegentlich gleitet man ab in kindische Beschimpfungen der anderen, doch die seriösen Beiträge sind leicht erkennbar durch die hohe Zahl der Reaktionen, die auf sie folgt.</p>
<p>
                    <strong>Immer wieder innenpolitische Argumente</strong><br />
                    <br />Natürlich werden die Beziehungen zwischen Frankreich und den USA und die Eigenheiten ihrer Völker ebenfalls thematisiert. Hierbei sind die Positionen sehr gespalten. In teilweise recht aggressivem Ton greifen einige französische Diskussionsteilnehmer die amerikanische Eroberungspolitik an, erinnern an vergangene Kriege und ihre Toten sowie das Unrecht, das die US-Amerikaner ihrer Meinung nach in vielen anderen Ländern zugelassen haben und noch immer zulassen, ohne deswegen Kriege zu beginnen. Quer durch die Geschichte und über die Kontinente hinweg werden Gelegenheiten zitiert, bei denen Unrecht von den USA durch Aktion oder Unterlassung einer solchen verübt wurde. Das zieht sich von den Indianern über Vietnam bis hin zu Israel und Uganda. Gleichzeitig gibt es aber auch Verteidiger unter den Franzosen, die diese Aussagen – teils mit sachlichen Argumenten, teilweise schlichtweg emotional („Bush is the greatest“) – zu widerlegen suchen. Allerdings sind die Befürworter von Bushs Außenpolitik meist auch Gegner von Chirac, so dass ihre Position immer wieder mit innenpolitischen Argumenten vermischt wird.<br />
                    </p>
<p>Auf Seiten der amerikanischen Teilnehmer sind oft lange Erklärungen zu lesen, mit denen man – für sich und die anderen – zu belegen versucht, dass die militärische Intervention im Irak notwendig und förderlich war. Auch sie blicken zurück in die Geschichte (insbesondere immer wieder auf den Zweiten Weltkrieg), beziehen sich aber auch auf die Terroranschläge vom 11. September und die Ängste, die dadurch ausgelöst wurden. Die anderen, die die französische Haltung zum Irak-Krieg befürworten, trennen indessen zwischen den Terroranschlägen – die für alle grausam waren – und den Schlussfolgerungen, welche die Bush-Administration daraus zog. Viele von ihnen (auch wenn die Zahl der Amerikaner, die sich mit dieser Einstellung am Forum beteiligen, ohnehin nicht groß ist) sind nicht prinzipiell gegen den Krieg, sondern verurteilen die Art und Weise, wie er begonnen wurde. Vor allem die Einschränkung der Grundfreiheiten, die für US-Bürger Teil ihres Selbstverständnisses sind, wird von diesen Personen nicht akzeptiert.</p>
<p>Welche Position auch immer vertreten wird, für (fast) alle Teilnehmer ist es wichtig, tatsächlich ins Gespräch mit den Menschen auf der anderen Seite des Atlantiks zu kommen. Vor allem in den ernsthaften Beiträgen wird immer wieder betont, dass jeder das Recht auf eine eigene Meinung hat, dass es aber wichtig ist, sich auszutauschen. Oder, wie Philippe es ausdrückt: „As long as we will be able to exchange our views, we will be able to save lives in inefficient wars“.<br />
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 1.5.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      
                    </p>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Besucherrekord im chinesischen Netz</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/kriegsgewinner-internet/netzkampagnenirak2-shtml-2417/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[wfang]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kriegsgewinner Internet?]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Internet-Nutzer]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Online-News]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Medienfrühling in China hat begonnen. Während des Irak-Kriegs offenbarte das chinesische Netz sein Potential. Ein kritischer Erfolgsbericht von Dr. Weigui Fang.
                    ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Medienfrühling in China hat begonnen. Während des Irak-Kriegs offenbarte das chinesische Netz sein Potential. Ein kritischer Erfolgsbericht von Dr. Weigui Fang.<br />
                    <br /><!--break--><br />
                    <br />Am 20.03.2003 gegen 5.30 Uhr Ortszeit (3.30 Uhr MEZ) schlugen mehrere Marschflugkörper vom Typ &#8220;Tomahawk&#8221; am Rande Bagdads ein. Der erste &#8220;Enthauptungsschlag&#8221; des Irak-Kriegs sprengt auch die Grenzen der bisherigen Parteipropaganda in China. An diesem frühen Donnerstagmorgen scheint auch ein neues Zeitalter der chinesischen Medien eingeläutet zu sein. Ausländische Journalisten und Geschäftsleute, welche aufmerksam das politische Klima in China verfolgen, sehen den Medienfrühling als ein &#8220;Signal&#8221;, das in der ganzen Welt eine Nachricht wert ist.</p>
<p>Die News-Quellen sind natürlich nicht nur Reuters, CNN, el-Dschasira, sondern man findet Berichte aus allen Ecken der Welt. Diese mediale Offensive ist ja auch der Hintergrund von Bemerkungen mancher westlichen Beobachter, die sinngemäß lauten: Der Krieg wird lange genug dauern, um die ganze Branche auf den Geschmack zu bringen. Die Medien-Welt ohne CNN-Bilder ist für die Chinesen ein für allemal untergegangen.</p>
<p>Ob das stimmt, bleibt noch abzuwarten. Es stimmt aber mit Sicherheit nicht, wenn diese Voraussage etwa suggerieren soll, dass die chinesische audience von den CNN-Bildern besonders begeistert oder fasziniert ist. Mindestens in den Internet-Chaträumen hören wir oft Bemerkungen wie: &#8220;CNN hat mir endlich ein Verständnis von Pressefreiheit gebracht&#8221; &#8211; dies selbstverständlich im ironischen Sinne. Die Zeit ist prädestiniert für Aussagen folgender Art bei vielen Chat-Teilnehmern: &#8220;BBC braucht Breitband.&#8221; Oder: &#8220;BBC ist wirklich schamlos: Der Videofilm von der Plünderung in der UN-Zentrale in Bagdad wurde schon zigmal gesendet; es heißt aber immer noch &#8216;live&#8217; .&#8221;</p>
<p>
                    <strong>In einer Stunde mehr als 100 Millionen Pageviews</strong><br />
                    <br />In China ist das Internet gerade dabei, die Art der Nachrichtenberichterstattung neu zu definieren. Wie der Rundfunk im Zweiten Weltkrieg und das Fernsehen während des letzten Golfkriegs im Jahr 1991, wird das Medium INTERNET® wegen seiner &#8220;grandiosen&#8221; Berichterstattung über den Irak-Krieg in die Mediengeschichte eingehen.</p>
<p>Der Newsticker von<br />
                    <a href="http://www.sohu.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sohu.com.cn</a> veröffentlichte diesmal nur eine Minute nach Kriegsbeginn schon die erste Nachricht vom Ausbruch der Feindseligkeiten. Wiederum eine Minute später erhielten schon hunderttausende Nutzer von &#8220;Sohu&#8221; per SMS dieselbe Nachricht. Innerhalb einer Stunde wurden mehr als 500 Nachrichten gesendet, 1,3 Millionen Nutzer angezogen; es gab mehr als 100 Millionen Pageviews. Fast zur gleichen Zeit hatte<br />
                    <a href="http://www.sina.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sina.com.cn</a> die erste Kriegsnachricht gesendet und auch per SMS hunderttausende Nutzer erreicht. In den ersten 2 Stunden sind als &#8216;feed back&#8217; bereits zigtausende BBS (Botschaften auf den bulletin boards) von den Sina-User veröffentlicht worden. Neben &#8220;Sina&#8221; gibt es noch einen anderen Provider, der behauptet, die erste Kriegsnachricht gesendet zu haben, um somit als Nummer Eins bei den Online-News gelten zu können:<br />
                    <a href="http://www.xinhua.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">xinhua.org</a>. Am ersten Tag des Irak-Kriegs ist die Zahl der Pageviews, die Besucherzahl und -häufigkeit bei &#8220;Xinhua&#8221; jeweils um 309 %, 402 % und 454 % gestiegen. In dem internationalen general ranking ist<br />
                    <a href="http://www.xinhua.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">xinhua.org</a> mit einem Schlag vom Platz 500 auf Platz 101 gesprungen.</p>
<p>Begehrt sind die Provider nicht nur bei den chinesischen Netizen, sondern auch bei den Nasdaq Anlegern. Die vier großen chinesischen Provider haben in den Tagen nach Kriegsbeginn durchschnittlich mehr als 10 % zugelegt, wobei &#8220;Sohu&#8221; sogar 26% zulegte. Fast alle nähern sich damit wieder ihrem historischen Höhepunkt &#8211; und dies in einer Zeit, wo die New Economy sich immer noch im Keller befindet. In der Tat haben die kommerziellen Provider, die u.a. Kriegsnachrichten rund um die Uhr im Sonderabo per SMS bieten, prächtig von dem Irak-Krieg profitiert. &#8220;Sohu&#8221; hat z.B. in den ersten 2 Stunden nach Kriegsbeginn 20.000 neue Kunden gewonnen, die über die Service-Angebote &#8220;Brennpunkt&#8221; und &#8220;Golfkriegsberichte&#8221; SMS-News bestellen möchten. Umgerechnet heißt das mehr als eine halbe Million Yuan (ca. 65.000 Euro) zusätzliche Einnahme in kürzester Zeit. Im Dunkel liegen noch die Einnahmen aus dem Kampf großer nationaler und internationaler Unternehmen um einen Platz für ihre Werbung in den dem Krieg gewidmeten Websites.</p>
<p>
                    <strong>Ein Kunstwerk aus Amerika</strong><br />
                    <br />Im Jahre 1996 gab es vermutlich 40.000 Internetnutzer in China; ein Jahr später war deren Zahl bereits auf 250.000 angewachsen. Als man damals die Prognose stellte, dass die Zahl der chinesischen Netizen im Jahr 2000 die Millionenmarke erreichen und überschreiten werde, basierte diese Voraussage zweifellos auf dem festen Glauben an einen sich vervielfachenden Zuwachs. Die Prognose allerdings, dass es bis Ende 2001 drei Millionen chinesische<br />
                    <br />Netizen geben werde, erschien wohl selbst denen, die sie lancierten, allemal atemberaubend. Die Ende 2001 dann tatsächlich erreichte Zahl betrug allerdings 33,7 Millionen. Nach der neuesten Statistik hat Ende 2002 die Zahl der Internet-Nutzer in China bereits erneut um rund 25,4 Millionen zugelegt: man spricht jetzt von 59,1 Millionen Menschen, die in China das Internet nutzen. Es sind dies zwar nur 4,6% der Gesamtbevölkerung Chinas. Und ohne Zweifel bleibt bislang das Fernsehen die wichtigste Informationsquelle für die meisten Chinesen. Denkt man aber an die weiterhin unglaublich schnelle Zunahme der Zahl der Internet-Nutzer, so ist unbestreitbar, dass unter allen Medien das Internet in China am deutlichsten an Bedeutung gewinnt, wobei allein wegen der Struktur des Internet und der Fülle der Informationen eine Zensur bzw. eine totale Kontrolle des Informationsflusses fast aussichtslos ist.</p>
<p>Das Internet bildet in einem offiziell noch kommunistischen Land wie China die wichtigste Quelle der &#8220;alternativen Informationen&#8221; und verändert, von der Form bis zum Inhalt, mehr oder weniger auch die traditionellen Medien &#8211; einschließlich dem Parteiorgan People&#8217;s Daily. Wesentliche Momente eines realwerdenden Emanzipationsprozesses des lange Zeit als passiv geltenden Publikums lassen sich feststellen. &#8220;Kann jemand mir sagen, wo es in Amerika so ein Forum wie unseres gibt. Ich möchte es gern inspizieren&#8221;, so fragte neulich ein Teilnehmer in einem Kriegsforum. Antwort: &#8220;Das hier ist das chinesische Vorzeichen.&#8221; Das Neue zeigt sich natürlich nicht nur in jener zum Teil ganz sarkastischen Artikulation, wie sie folgende Passage aus einem Chatroom-&#8220;Gespräch&#8221; bei<br />
                    <a href="http://www.people.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">people.com.cn</a> dokumentiert (20.03.2003, 17:16-17:19):</p>
<p>Schöne Bilder von al-Dschasira: So eine Feuersbrunst! Die Aufnahmen können sich mit den Bildern des 11. September messen. Ein Kunstwerk aus Amerika!</p>
<p>Hatschi&#8212;Hatschi&#8212; Nee&#8230;</p>
<p>Geh zur Seite, steck uns nicht an mit deiner Sars!</p>
<p>Sars&#8230; Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass es sich hier um einen Test einer amerikanischen Biowaffe handelt?</p>
<p>Man findet inzwischen auch die Artikulation von Meinungen, welche die eigene Regierung bis hinauf zum Parteichef attackieren. Zweifellos: neue Einflüsse lösen nicht zuletzt dank dem Internet die alten, als rigide und autoritär dekuvrierten ab. Obwohl die &#8220;Meinungsfreiheit&#8221; in China schon längst de facto weit größer ist als es das Gesetz vorsieht, muss man zugeben, dass &#8211; abstrakt betrachtet &#8211; der in China erreichbare Grad der &#8216;Information Accessibility&#8217; und vielleicht sogar der &#8216;Source Credibility&#8217; durch das Internet eine neue Qualität angenommen haben. Hinsichtlich der Themen, Schwerpunkte, des Stils usw. zeigen sich Unterschiede zwischen offiziellen und inoffiziellen Stellen, selbst wenn die offiziellen in mancher Hinsicht zusehends den inoffiziellen nacheifern &#8211; im heftigen Kampf um die Aufmerksamkeit der User.</p>
<p>
                    <strong>&#8220;Die Sachen bei CCTV heißen auch &#8220;News&#8221;?&#8221;</strong><br />
                    <br />In China gibt es hauptsächlich zwei Sorten von Online-News-Anbietern: Die Websites der traditionellen Printmedien, mit<br />
                    <a href="http://www.peopledaily.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">peopledaily.com.cn</a> als einem ihrer herausragenden Exponenten, und die kommerziellen Provider mit<br />
                    <a href="http://www.sina.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sina.com.cn</a> als führendem Markenzeichen. Was Online-News angeht, so zeigte schon eine Untersuchung aus dem Jahr 2000: Die Nummer Eins aus der Printmedien-Liga hat mit ihrer Online-Version &#8220;Peopledaily&#8221; durchschnittlich (in einem bestimmten Vergleichszeitraum) 1.890 Pageviews, während die privaten Provider deutlich höhere Werte erreichen: im Falle von &#8220;Sina&#8221; waren es 63.918, bei &#8220;Netease&#8221; 57.163, und bei &#8220;Sohu&#8221; 56.147 Pageviews. Mit anderen Worten: Die News-Besucherzahl von &#8220;Sina&#8221; betrug das 30fache des gleichzeitig bei &#8220;Peopledaily&#8221; verzeichneten Werts. Neue Untersuchungen haben ebenfalls gezeigt, dass die chinesischen Netizen vor allem die &#8220;alternativen Informationsquellen&#8221; bevorzugen. Nicht untypisch ist die folgende Diskussion in dem &#8220;Sina&#8221; Kriegs-Chatroom am 09.04.2003 (18:49 &#8211; 18:56):</p>
<p>Ach, wieder BBC. Wem kann man eigentlich noch glauben?!</p>
<p>·BBC ist nicht schlecht&#8230; aber nicht so gut wie Phönix [Hong Konger TV-Sender]. Natürlich viel schlechter als CCTV [China Central Television].</p>
<p>·Die Sachen bei CCTV heißen auch &#8220;News&#8221;?</p>
<p>·Die unterstützen doch nur die Diktatoren.</p>
<p>·Ja richtig! China und Rußland sind die Hauptdrahtzieher der Achse des Bösen.<br />
                    <br />·CCTV bietet nichts Wahres an. Wenn es doch mal was Authentisches ist, dann ist es auch schon lange überfällig.</p>
<p>·Nee nee, CCTV zeigt nicht wenig Authentisches, aber auch genau so viel Nonsens.</p>
<p>·Viel Nonsens! Viel Unwahrheit!!</p>
<p>·Gibt&#8217;s was Neues? Kucken wir mal den Sina-Newsticker&#8230;</p></p>
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		<item>
		<title>Das Netz zwischen Politik und Technik im Irak-Konflikt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[pfilzmaier]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kriegsgewinner Internet?]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Kampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Cyber Attacks]]></category>
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		<category><![CDATA[Website]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Ursprünglich als militärisches Kommunikatiosmedium in Katastrohenfällen eingerichtet, gilt das Internet heute als unabhängige Informationsquelle. Wurde das Netz dieser Rolle auch während des Irak-Kriegs gerecht?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ursprünglich als militärisches Kommunikatiosmedium in Katastrohenfällen eingerichtet, gilt das Internet heute als unabhängige Informationsquelle. Wurde das Netz dieser Rolle auch während des Irak-Kriegs gerecht?<!--break-->
                    </p>
<p>Wir leben in einer Medienwelt. Was wir über Politik wissen, zu wissen glauben oder nicht wissen, ist fast ausschließlich Produkt der massenmedialen Berichterstattung, insbesondere des Fernsehens. Kriege werden militärisch geführt, aber politisch und medial gewonnen bzw. verloren, weil die Mehrheitsmeinung der Öffentlichkeit über Sieg oder Niederlage entscheidet. Medienberichte sind Teil der psychologischen Kriegsführung, um den Gegner zu demoralisieren, und die Kampfmoral in den eigenen Reihen zu heben. Kriege sind zugleich hochprofessionelle Medienkampagnen, um die öffentliche Meinung zu kontrollieren.</p>
<p>Im Irakkrieg soll das<br />
                    <a href="/edemocracy/netzkampagnen/irak2.shtml">Internet</a> &#8211; als für die Öffentlichkeit über Landesgrenzen zugängliches Medium &#8211; informationspolitische Aufgaben leisten, welche das Fernsehen durch einseitige Propagandaberichte (in den USA und der arabischen Welt; in abgeschwächter Form auch in Großbritannien) und/oder aufgrund eines aus Ressourcen- und Informationsmangel entstandenen Defizits eigenständiger Berichte (im „Rest der westlichen Welt“) nicht ausreichend erfüllte.</p>
<p>Es ergibt sich die Ironie, dass zum Zeitpunkt der Errichtung des Internets dieses ein System darstellen sollte, das die Kommunikation von Computern in nationalen Katastrophenfällen sichern sollte. Den damaligen Hintergrund bildete die Angst vor Raketenangriffen durch die UdSSR, an ein ziviles und US-kritisches bzw. militärkritisches Internet in Zeiten der Kriegsberichterstattung dachte niemand.</p>
<p>
                    <strong>Politisch-technische Funktionalität</strong><br />
                    <br />Politik und Technik sind eng verknüpft. Für &#8220;Schurkenstaaten&#8221; bzw. die „Achse des Bösen“ gibt es keine Internet-Domains von den USA. Sowohl der Irak als auch Nordkorea haben keine eigene Top-Level-Domain erhalten. IQ- und KP-Adressen werden nicht vergeben. Die offiziellen irakischen Medien sind daher nur unter verschiedenen .net-Domains zu finden, wobei die Server nicht im eigenen Land stehen. Physisch befindet sich die Website des irakischen Fernsehens iraqtv.ws mit einer Adresse aus Samoa in Beirut, wo geschlossen die offizielle Medienlandschaft des Irak im Internet Gaststatus hat.</p>
<p>Iraq2000.com und uruklink.net teilen sich das „Hosting“ der Webauftritte aller Zeitungen, wobei die Tageszeitung &#8220;Babil&#8221; als einzige eine englischsprachige Ausgabe hat. Nach wenigen Kriegstagen waren nur noch die Nameserver für alle offiziellen Internetseiten des Irak, nic1.baghdadlink.net bzw. nic2.baghdadlink.net, mit akzeptablen Antwortzeiten erreichbar. Die Netzanbindung war ansonsten so schlecht, dass sämtliche auf uruklink.net geparkten Internetseiten von Regierung und offiziellen Medien durch Ablauf der Zeitlimits für den Seitenaufbau nicht mehr angezeigt wurden.</p>
<p>Die einseitige Informationsvermittlung im Irakkrieg war daher auch zwangsläufige Konsequenz ungleicher technischer Voraussetzungen mit politischen Hintergründen. Hinzu kam, dass der arabische Fernsehsender Al Jazeera allgemein unter aljazeera.net kaum, und auf seiner Ende März neuen englischsprachigen Web Site english.aljazeera.net nahezu gar nicht erreichbar war. Letzteres lag auch daran, dass der ursprüngliche Provider &#8211; eine US-Firma – aus offensichtlich auch politischen Gründen den Vertrag kündigte.</p>
<p>Analog zum 11. September gelang demgegenüber in den USA zweifellos der Nachweis der technischen Funktionalität des Internets. Obwohl das Netz zwischenzeitlich vom Ausfall einiger Internetseiten und einer Verlangsamung des Datentransfers betroffen war &#8211; die durchschnittliche Antwortzeit von BBC online ist beispielsweise von 0,47 auf 1,88 Sekunden gestiegen &#8211; , hat es in der „westlichen Welt“ den zweiten großen Test seiner fast 35-jährigen Geschichte bestanden. Nachrichtenportale wie<br />
                    <a href="http://www.cnn.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">cnn.com</a> verkrafteten Zugriffe in zweistelliger Millionenhöhe. Die 15 größten Internetseiten verzeichneten um über 40 Prozent mehr an Zugriffen, die Besucherzahlen lagen im Wochenvergleich über denen während des Anschlags vom 11. September. Am 11./12. September 2001 waren es neun Millionen stündlich im Vergleich zu ansonsten elf Millionen täglich gewesen.</p>
<p>
                    <strong>Kriegsschauplatz Internet</strong><br />
                    <br />Der Irakkrieg ist zugleich durch E-Mail-Kampagnen der USA gekennzeichnet. Irakische Regierungs- und Militärvertreter wurden von den USA in Verbindung mit Schutzangeboten aufgefordert, den Krieg aufzugeben und überzulaufen, Saddam Hussein die Gefolgschaft zu verweigern, Befehle zum Einsatz chemischer, biologischer oder nuklearer Waffen nicht zu befolgen usw.. In den USA sperrten zeitgleich manche Provider aufgrund einer &#8220;unpatriotischen&#8221; oder &#8220;anstößigen&#8221; Kriegsberichterstattung, beispielsweise durch Bilder von toten Soldaten, Internetseiten. Betroffen war u.a.<br />
                    <a href="http://www.yellowtimes.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">yellowtimes.org</a>, welche auch die speziell zum Irakkrieg gestaltete Seite<br />
                    <a href="http://www.yellowtimes.org/categories.php?op=newindex&amp;catid=4" target="_blank" rel="noopener noreferrer">newsfromthefront.org</a> betrieb.</p>
<p>Unabhängig davon ergab sich eine Neudefinition und Politisierung der Sicherheitsdebatte. Noch am Tag des Beginns der Angriffe auf den Irak wurde die Internetseite von<br />
                    <a href="http://www.iraqtv.ws/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Iraqi TV</a> von pro-amerikanischen Angreifern<br />
                    <a href="/netzpolitik/cyberwar/liste.shtml">„entführt“</a>. Eine pro-islamische Hackergruppe schlug zurück, und überschrieb im Zuge eines<br />
                    <a href="/netzpolitik/cyberwar/liste.shtml">„Massenhacks“</a> hunderte US-amerikanische Seiten. Der Nachweis eines kriegsmotivierten „Hackens“ ist einfach, denn im März 2003 konzentrieren sich die Attacken auf Ziele in den USA und Kanada. Fast zwei Drittel der weltweit gezählten digitalen Angriffe ereigneten sich auf Ziele in Nordamerika, lediglich 21 Prozent der Attacken galten dagegen Zielen in Europa. 2002 war das Verhältnis mit einem Anteil von jeweils etwa 30 Prozent ausgeglichen. Interessanterweise wurden weniger militärische als wirtschaftliche Einrichtungen angegriffen, doch Geheimdienste bewerten weitreichendere cyber attacks (d.h. Angriffe auf militärische Computernetzwerke, um deren Funktion zu manipulieren bzw. auszuschalten) als sehr ernstzunehmendes Bedrohungsszenario.</p>
<p>Die Diskussion über Regulierungsmaßnahmen und Überwachungsprogramme hat dadurch bzw. auch schon durch den 11. September einen Meinungswechsel erfahren, Kontrollrechte werden zunehmend wichtiger gesehen als absolute Meinungsfreiheit. Ein ursprüngliches Ideal des Internet war, dass es kaum von einer Regierung in traditioneller Form als &#8220;Staatsmedium&#8221; missbraucht werden kann. Sein anarchischer Charakter schützt politische Inhalte vor staatlichen Informations- und Nachrichtenmonopolen sowie Zensur o.ä.. Es ist nach den Terroranschlägen 2001 und der Kriegspropaganda 2003 schwieriger zu argumentieren, den virtuellen Raum möglichst radikal frei von staatlicher Einflussnahme und Regulierungen zu halten.</p>
<p>
                    <strong>Recherchemöglichkeiten für die (Fach-)Öffentlichkeit?</strong><br />
                    <br />„Die Öffentlichkeit weiß, wo sie danach [nach Bildern von Kriegsgefangenen und toten Soldaten bzw. Schreckensszenen des Kriegs] suchen muss: im Internet. Das mediale Monopol der Fernsehbilder ist durch die vernetzte Kommunikation via Web gebrochen: die US-Medientaktik wird ausgerechnet von einer einst vom Militär entwickelten Technologie durchbrochen“, war auf der Internetseite des österreichischen Fernsehens orf.at am 1. April 2003 zu lesen. Tatsächlich haben sowohl Zugriffe aus den USA auf europäische Internetseiten als auch „(We)blogs“, d.h. tagebuchartige Kommentare mit Verknüpfungen zu anderen Seiten an Bedeutung gewonnen.</p>
<p>Für die Mehrheit der US-Bevölkerung ergibt sich ein anderes und weniger idealistisches Bild. Zwar haben 77 Prozent der Internetnutzer das Netz auch für Kriegsinformationen genutzt, doch stellte auch für sie das Fernsehen die primäre Informationsquelle dar. Drei Viertel der Internetnutzer, d.h. ein größerer Anteil als unter den Nicht-Nutzern (!), sind klare Kriegsbefürworter. Nur vier Prozent suchen nach Informationen und Meinungen auf „blogs“. Naheliegend ist die Vermutung, dass das Internet lediglich für eine vorinformierte Fachöffentlichkeit zusätzliche Recherchemöglichkeiten für ein objektiveres Politik- bzw. Kriegsbild bietet. Die Bevölkerungsmehrheit wird durch das Internet auf<br />
                    <a href="http://www.cnn.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">cnn.com</a> genauso manipuliert wie durch das CNN-Fernsehen.</p>
<p>Peter Filzmaier ist Ao. Professor für Politikwissenschaft und Abteilungsleiter für Politische Bildung am Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung<br />
                    <a href="http://polbil.uibk.ac.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(IFF)</a> der Universität Innsbruck<br />
                    <strong><br />
                      <br />
                    </strong></p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 24.4.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      
                    </p>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>al-Jazeera vor &#8220;Sex&#8221; &#8211; Das Internet wird erwachsen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Warblog]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
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					<description><![CDATA["war blogs", "aljazeera.net": Für viele war das Internet während des Irak-Kriegs die einzige Quelle authentischer Informationen. politik-digital chattete zu diesem Thema mit Dr. Christoph Bieber, wissenschaftlicher Mitarbeiter am 
                      Zentrum für Medien und Interaktivität der Universität Giessen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;war blogs&#8221;, &#8220;aljazeera.net&#8221;: Für viele war das Internet während des Irak-Kriegs die einzige Quelle authentischer Informationen. politik-digital chattete zu diesem Thema mit Dr. Christoph Bieber, wissenschaftlicher Mitarbeiter am<br />
                      <a href="http://www.zmi.uni-giessen.de/daszmi/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zentrum für Medien und Interaktivität</a> der Universität Giessen.<!--break-->
                    </p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wer nutzte wie das Internet während des Irak-Kriegs?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Während des Irak-Kriegs war eine gesteigerte Internet-Nutzung in den unterschiedlichsten Kriegsphasen durch ebenso unterschiedliche Akteure zu beobachten. Ganz ähnlich im übrigen zu den Ereignissen rund um &#8220;9-11&#8221;, als es eine Art &#8220;Arbeitsteilung&#8221; zwischen unterschiedlichen Medienumgebungen gegeben hat.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Welche Akteure meinen Sie?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Politiker und Militärs haben bereits zur Vorbereitung der Kampfhandlungen Neue Medien eingesetzt, z. B. in Form von Simulationen als Vorbereitung auf konkrete Gefechtssituationen oder für die Entwicklung strategischer Optionen.<br />
                    <br />Aber auch &#8220;die Truppen&#8221; selbst nutzen IuK-Technologien, vom Mobiltelefon zum Heimatkontakt bis zum ausgefeilten Einsatz von Peer-to-Peer-Servern im Kampf gegen die Langeweile, indem Sie illegaler Weise Musikdateien kopierten. Aber nicht nur die Angreifer, auch die Angegriffenen haben stark auf das Internet gesetzt &#8211; für viele schien dieser Kanal eine der wenigen Möglichkeiten zur Weitergabe &#8220;ungefilterter&#8221;, wenn man so will &#8220;authentischer&#8221;, Informationen gewesen zu sein.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wie und mit welcher Absicht nutzten Politiker bzw. die Regierung das Internet bzw. Neue Medien?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Die Politiker haben vielleicht nicht direkt selbst Neue Medien genutzt, wohl aber die wichtigen Stabsstellen oder zum Beispiel einschlägige<br />
                    <a href="/edemocracy/netzkampagnen/thitanks.shtml">Think Tanks</a>, die zum Teil sogar Konsolen-kompatible Kriegsspiele und -simulationen entwickelt haben, um sich auf entsprechende Szenarien eines zweiten Golf- und Wüstenkriegs vorbereiten zu können. Eine zentrale Überlegung, die ja auch in die &#8220;Rumsfeld-Doktrin&#8221; eingeflossen ist, war ja die Ermöglichung &#8220;dezentraler, aber permanent vernetzter Kampfhandlungen&#8221; &#8211; und dies ist ohne den Einsatz moderner Medientechnologien nicht denkbar. Sehr interessant ist in dieser Hinsicht auch die Überlegung von<br />
                    <a href="http://www.zeit.de/2003/16/Krieg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mike Davis</a>, der die Art der Kriegsführung mit der Führung des Walmart-Konzerns verglichen hat &#8211; Ziel war die Kontrolle und Steuerung einer perfekt aufeinander abgestimmten Maschinerie, die über sehr viele selbstständige Knotenpunkte verteilt ist, aber immer genau über die Aktionen der jeweils anderen informiert ist.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Und wie wurde das Internet von den Medien genutzt?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Ein weiterer wichtiger Online-Akteur sind selbstverständlich die digitalen Filialen der etablierten Massenmedien. Auf Seiten wie spiegel-online, CNN, BBC u.a. wurde noch dauerhafter als in Fernseh- und Printpublikationen über den Krieg berichtet. Interessant ist hierbei, dass es offenbar eine wechselseitige Beeinflussung der medialen Aufbereitung der Ereignisse gegeben hat. Die &#8220;Tageszusammenfassung&#8221; etwa in der ARD-Sendung Tagesthemen sah eigentlich eher aus wie eine mit Ton unterlegte Flash-Animation und nicht wie ein &#8220;herkömmlicher&#8221; Fernsehbeitrag. Insgesamt haben aber auch die begleitenden Online-Angebote nicht zu einer Klärung der Lage beigetragen &#8211; mehr Information heißt nicht notwendiger Weise auch mehr Wissen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Was also war der Mehrwert der Online-Medien und ihrer Berichterstattung? Die zeitnahe und aktuellere Berichterstattung? Oder eine verpasste Chance?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Im medialen Quervergleich hat das Internet gegenüber den Print-Medien sicher seine Zeitvorteile ausgespielt &#8211; gegenüber dem Fernsehen war zumindest in den ersten Kriegstagen jedoch nicht sehr viel zu holen. Die Vernetzung in den &#8220;news flow&#8221; der Kriegsnachrichten war im Netz sicher (noch) besser möglich, als in den alten Medien &#8211; aber trotz allem war der Fernsehbildschirm der bevorzugte Ort der Berichterstattung. Ich würde hier auch nicht unbedingt von einer verpassten Chance sprechen, denn die &#8220;Online-Medien&#8221; sind de facto einfach nicht so reichweitenstark und präsent wie vor allem das Fernsehen. Vielmehr dürfte sich bei einem fundierten Vergleich zeigen, dass es eben massive Unterschiede in der finanziellen Ausstattung zwischen Online- und Offline-Medien gibt und daher die Internet-Berichterstattung eher als &#8220;Annex&#8221; der Fernsehbilder existiert. Eine formale und insgesamt auch sehr auffällige Neuerung wären vielleicht Netz-Tagebücher (&#8220;war-blogs&#8221;) der TV-Korrespondenten oder anderer Journalisten gewesen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Sind diese Netz-Tagebücher eine neue Form der Informationsquelle und halten sie etablierte Qualitätsanforderungen an solche Quellen ein?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Das in den Medien am deutlichsten sichtbare Instrument waren sicherlich die so genannten &#8220;war-blogs&#8221; als neue Form des Kriegstagebuches &#8211; die direkt am Ort des Geschehens verfassten Erlebnisprotokolle greifen eine aktuelle Form des digitalen Publizierens auf. Sicher stellen die war-blogs eine Ergänzung zu etablierten Medienberichten dar, doch ist wohl die Frage nach der Authentizität solcher Websites (werden sie tatsächlich am Kriegsort produziert, oder nicht) eine Schlüsselstelle zur Einschätzung solcher Angebote. Allein die Tatsache, dass dieses &#8220;Nachrichtenformat&#8221; allein via Internet funktionierte, berechtigt meines Erachtens nicht zur pauschalen Infragestellung &#8211; wie man mit Blick auf den<br />
                    <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,244736,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hörfunk-Korrespondenten</a> sieht, der seine Berichte in einer Besenkammer in Swasiland produziert hatte. Vielmehr ist das Misstrauen in dieses Format ein unmittelbares Resultat der medialen Kriegsberichterstattung der letzten Jahrzehnte &#8211; Pool-Journalismus, Bild- und Journalistenkontingente und zuletzt der &#8220;embedded journalism&#8221; haben nachhaltig das Vertrauen in Nachrichtenproduktion und -distribution in Kriegszeiten untergraben. Kampfhandlungen geschehen heutzutage in einer Art &#8220;medialem Vakuum&#8221;, und die Spezialausrüstung zum Betreten dieses Raumes erhalten nur ganz wenige Auserwählte.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wer misstraut scheint mir hier wichtig zu sein. Wenn etablierte Medien misstrauen, da sie ihre Regeln verletzt sehen, kann es da nicht sein, dass ein neuer Konkurrent ausgeschaltet werden soll? Und wird ein gängiges Vorurteil gegenüber Online-Medien wiedergenutzt?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Glaubwürdigkeit ist seit jeher ein Kernproblem für Informationen &#8220;aus dem Internet&#8221; &#8211; die alten Medien besitzen hier einen Vertrauensvorschuss, von dem sie zehren und den sie natürlich auch wahren wollen. Und in der Tat, man könnte hier einen medialen Macht- und Verteilungskampf vermuten.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Gern zitiert wurde in Online-Medien die These, das was der Golfkrieg 1991 für CNN bedeutete, sei der Irak-Krieg 2003 fürs Internet. Ist das Internet ein Kriegsgewinner?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Das Internet wird sich durch diesen Krieg weiter fest in der Medienlandschaft platzieren. Ich denke, dass das Internet die (alte) Medienberichterstattung durchaus auch durch die Hintertür beeinflusst &#8211; und sei es auch &#8220;nur&#8221; durch den Einsatz von &#8220;Flash-Animationen&#8221; in renommierten Nachrichtensendungen. Mein Eindruck beim Anschauen der Kriegsnachrichten war, dass sich das Internet als Sekundär- und Vertiefungsmedium noch nachhaltiger in der &#8220;alten Medienwelt&#8221; eingegraben hat. Auch wenn die etablierten Medienvertreter es oft &#8220;nur&#8221; als Lagerplatz für überschüssiges Material verwendet haben und &#8211; wie so oft &#8211; nicht die &#8220;interaktiven&#8221; Möglichkeiten genutzt haben. Die großen Medien-Websites wären ein idealer Ort zur Einbindung alternativer und etablierter Medienkanäle gewesen &#8211; ob in Korrespondenten-Chats, Zuschauersprechstunden, Experten-Diskussionen oder dem Abwägen unterschiedlicher Informationsquellen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Sie sprechen ausgelassene Chancen an. Gibt es noch weitere bzw. positive Beispiele?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> In wenigen Fällen konnte das Internet auch einmal andere Bildwelten als die gängigen TV-Reportagebilder liefern &#8211; das Projekt<br />
                    <a href="http://offline.area3.net/wartime/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;wartime&#8221;</a> versuchte sich als Plattform für die ästhetische Auseinandersetzung mit Krieg und Kriegsbildern. Zu sehen waren und sind Kunstprojekte, die auf unterschiedlichste Art und Weise mediales Bild-, Text- und Tonmaterial mischen, um so eine völlig neue Sicht auf die Ereignisse erlauben. Entstanden ist dabei ein avancierter Ort der Kritik &#8211; der allerdings im (Main-)Stream der Fernsehbilder so gut wie völlig untergegangen ist.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Zurück zu den Netz-Tagebüchern (Web-Blogs): Kann man von einer Politisierung der Blogging-Szene durch den Krieg sprechen?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Die Politisierung der Blogger-Welt ist sicher ein natürliches Medien-Phänomen &#8211; die Live-Reportage vor Ort war auch nicht unbedingt als Blaupause für Kriegsberichterstatter gedacht. Insofern halte ich das für ein recht logisches Phänomen, das sich auch in anderen Zusammenhängen politischer Kommunikation wieder zeigen wird.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wie kann ich mir das vorstellen? Meinen Sie etwa ein Roland-Koch-Tagebuch im Bundestagswahlkampf 2006?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> In den abgelaufenen Online-Wahlkämpfen hat es durchaus so etwas wie eine &#8220;Sparversion&#8221; von Politiker-Blogs gegeben, denkt man etwa an die Schröder-Tour-Website oder nicht zuletzt das Guidomobil samt medialen Begleiterscheinungen. Das waren durchaus &#8220;wesensverwandte&#8221; Formen der Darstellung tagesaktuellen Wahlkampfhandelns &#8211; wobei die Inhalte selten &#8220;politisch&#8221; im Wortsinne waren. Spannender &#8211; und &#8220;authentischer&#8221; wären Politiker-Blogs eigentlich in entscheidungsrelevanten Phasen von Politik. Ein Kanzler-Blog, der die Entscheidungsfindung der SPD zur &#8220;Agenda 2010&#8221; zwischen Regierungserklärung und Parteitag dokumentiert &#8211; das wäre mal ein medialer Durchbruch.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Letzte Frage: Während des Krieges sei laut der englischen Tageszeitung<br />
                    <a href="http://media.guardian.co.uk/iraqandthemedia/story/0,12823,928228,00.html%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Guardian</a> bei Lycos dreimal mehr nach dem Begriff „al-Jazeera“ als &#8220;Sex&#8221; gesucht worden. Zeigt das den gewachsenen Stellenwert des Internets als Informationsquelle?</p>
<p>
                    <strong>Christoph Bieber:</strong> Hurra ;-). An solchen Resultaten kann man allmählich das &#8220;Erwachsenwerden&#8221; des Internet beobachten &#8211; es ist nämlich längst nicht mehr nur die Schmier- und Schmuddelecke der Medienwelt, sondern wird inzwischen weitaus normaler und selbstverständlicher in den Medienalltag der Benutzer integriert. Und dann ist eine solche Nachfragehäufigkeit nur logisch.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Vielen Dank für das Interview!</p>
<p>Das Interview mit Dr. Christoph Bieber führte Clemens Lerche.<br />
                    </p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ich persönlich glaube, dass der Irak das Potenzial hatte, Massenvernichtungswaffen herzustellen, dass er aber ge</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Apr 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegsberichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Klug]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/rklug.jpg" alt="Richard Klug" align="left" border="0" height="65" width="80" />Richard 
Klug</b><b>, ARD-Korrespondent in Katar während des Irak-Kriegs, 
</b><b>war am 10. A</b><b>pril 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/rklug.jpg" alt="Richard Klug" align="left" border="0" height="65" width="80" />Richard<br />
Klug</b><b>, ARD-Korrespondent in Katar während des Irak-Kriegs,<br />
</b><b>war am 10. A</b><b>pril 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span><!--break--></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <br />
<b>Moderator: </b>Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Heute begrüßen wir Richard Klug, ARD-Korrespondent<br />
in Doha/Katar. Wir haben eine Stunde Zeit, Herr Klug sitzt im Pressezentrum.<br />
Sind Sie bereit, kann es losgehen? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Herr Klug, wie sah denn ihr Tag heute aus? Wie haben wir uns<br />
denn den Arbeitstag eines Korrespondenten in einem Krisengebiet vorzustellen?<br />
Dazu passt auch die Frage von Milka:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Milka: </b>Eine<br />
persönliche Frage: Was haben Sie heute alles gemacht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Der Arbeitstag begann um 2 Uhr nachts, beim Nachtmagazin, die<br />
wollten auch gerne eine Live-Schaltung nach Doha haben und heute morgen<br />
ging es dann um halb acht deutscher Zeit weiter. Seither sitzen wir im<br />
Pressezentrum.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sister: </b>Wie<br />
lange werden Sie voraussichtlich noch in Katar bleiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Wenn es schnell geht, bis zum Kriegsende, so zynisch das auch<br />
klingen mag. Wenn es lange dauert, werden wir sicherlich abgelöst.<br />
Das muss man dann aber kurzfristig entscheiden bei der ARD in Hamburg<br />
und beim SWR in Stuttgart, meinem Sender.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Babs: </b>Was<br />
bewegt einen als Journalist dazu, aus einem gefährlichen Kriegsgebiet<br />
zu berichten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Hier ist kein gefährliches Krisengebiet. In Doha gibt es sicherlich<br />
ein höheres Anschlagsrisiko, aber richtig gefährlich ist es<br />
nicht. Es gehört einfach zum Job eines Journalisten in einer Auslandsredaktion,<br />
diese Arbeit auch zu machen. Es wurde uns aber freigestellt, uns zu weigern,<br />
an der Irakberichterstattung mitzumachen, doch dafür sah ich keinen<br />
Grund.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Cinderella:<br />
</b>Hätten Sie auch einen Einsatz in Bagdad zugestimmt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Nein. Ich habe Familie, und dieses Risiko wäre ich nicht<br />
eingegangen, es sind ja bereits leider ein paar Kollegen von mir ums Leben<br />
gekommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Altes Europa:<br />
</b>Wie geht man als Journalist mit Propaganda-Bildern um? Kürzlich<br />
sah ich einen amerikanischen Soldaten mit einem irakischen Kind &#8211; sah<br />
sehr liebevoll aus, aber die Mutter ist zuvor im Kugelhagel gestorben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Ich benutze diese Bilder nicht. Die sind hauptsächlich für amerikanische<br />
Sender gedacht, die eine ganz andere Herangehensweise an das Thema haben.<br />
Sie haben den Eindruck, dass sie dabei eine objektive Berichterstattung<br />
machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman224:<br />
</b>Haben Sie es als deutscher Journalist leichter in der Berichterstattung,<br />
sind die Menschen z. B. auskunftsfreudiger wegen der deutschen Haltung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Das Pressezentrum ist eines der Amerikaner und Briten, anfangs<br />
war es genau umgekehrt, da wurden Journalisten aus kriegskritischen Ländern<br />
geschnitten. Das hat sich aber jetzt geändert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Leila: </b>Haben<br />
Journalisten denn im Irak-Krieg überhaupt die Möglichkeit, unabhängiges<br />
Bildmaterial zu bekommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Ja. Aber es ist nicht leicht. Die so genannten &quot;eingebetteten<br />
Journalisten&quot; sind von den Amerikanern abhängig, die unabhängig<br />
im Irak Arbeitenden bis gestern noch von den Iraker. Ich bin gespannt,<br />
ob die Berichterstattung jetzt freier werden kann oder ob die US-Truppen<br />
weiterhin zwar keine Zensur, aber doch gewisse Einschränkungen machen<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pro: </b>Kommen<br />
Ihnen nicht manchmal Zweifel, ob diese vielen Schaltungen Sinn machen?<br />
Dauernd aktuell berichten zu müssen und offensichtlich immer nur<br />
wenig zu wissen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Anfangs stimmte das sicherlich, da haben wir uns nur gegenseitig<br />
bestätigt, dass wir nichts wissen und haben dieses Nicht-Wissen dann<br />
bewertet. Mittlerweile aber ist das anders und wir bekommen viele Informationen,<br />
längst noch nicht alle notwendigen, aber mit denen, die wir bekommen,<br />
können wir substantiell etwas anfangen. Und da Pressekonferenzen<br />
bildmäßig ohnehin langweilig sind, machen wir es eben mit Schaltungen.<br />
Ich finde das gerechtfertigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hatto: </b>Glauben<br />
deutsche Reporter auch, dass sie die Ablehnung der deutschen Bevölkerung<br />
gegenüber dem Krieg in ihrer Berichterstattung reflektieren müssen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Nein. Hans Joachim Friedrichs, ein ehemaliger Tagesthemen-Moderator,<br />
hat gesagt, man solle sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht<br />
mit einer guten, deswegen ist mein Bestreben, so objektiv und umfassend<br />
wie möglich zu berichten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Hier ein Kommentar zu den Schaltungen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bettina:</b><br />
Kennen Sie die Witze von Harald Schmidt über diese sinnvollen Live-Schaltungen?<br />
Wir melden uns wieder, wenn es nichts Neues aus Köln-Deutz gibt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Können Sie darüber lachen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Das war anfangs, nicht wahr? Ich weiß nicht, ob er es jetzt<br />
noch macht. Ich habe ihn natürlich hier nicht gesehen, aber es würde<br />
mich doch interessieren, wie er den Krieg jetzt thematisiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pro: </b>Guter<br />
Journalismus zeichnet sich durch gute Kenntnis und Einordnung aus. Fühlen<br />
Sie sich wirklich nah dran? Und wenn ja, warum?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, über diesen<br />
Krieg zu berichten. Die politische Einordnung (Berlin, Washington etc.)<br />
und hier in Doha die militärische Einordnung. Ich bin hier im Hauptquartier<br />
der Alliierten. Das, was sie sagen wollen, sagen sie hier und ich kann<br />
versuchen, herauszufinden, was sie nicht sagen wollen und dann versuchen,<br />
es ihnen zu entlocken, daher ist hier doch ein guter, interessanter Ort<br />
für Berichterstattung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>STR: </b>Hat<br />
sie die Informationspolitik der Amerikaner nicht gründlich genervt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es nervt einen Journalisten immer, wenn er nicht genug Informationen<br />
bekommt. Ich habe versucht zu ergründen, warum sie diese Informationspolitik<br />
gemacht haben, anfangs. Und ich denke, sie waren sich unsicher, wie sie<br />
mit den Journalisten umgehen sollen, wo es doch zum ersten Mal möglich<br />
ist, mit den Truppen zu gehen und direkt bei Kampfhandlungen zuzusehen.<br />
Das war auch für das Militär ungewöhnlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>barbara: </b>Gibt<br />
es Neuigkeiten zum Aufenthaltsort bzw. Lebenszeichen von Saddam?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es gibt nur Gerüchte, angeblich ist er geflohen, versteckt<br />
sich in den Bergen. Angeblich ist er nach Syrien oder Iran. Wir wissen<br />
es nicht, die Amerikaner behaupten, es auch nicht zu wissen. Jetzt wollen<br />
sie eine DNA-Analyse der Toten in diesem Haus in Bagdad machen, das vor<br />
zwei Nächten heftig bombardiert worden ist, um herauszufinden, ob<br />
er nicht doch noch in diesem Haus war und ums Leben kam. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Harry: </b>Weiß<br />
man was über seine Söhne?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Es gibt genau die gleichen Gerüchte, wie über ihn.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Elegon: </b>Woher<br />
haben die Amis denn DNA-Proben von Hussein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Es gibt ja eine Leiche vor Ort und die wird dann mit Erkenntnissen verglichen,<br />
zum einen aus Geheimdienstkreisen, die zum Beispiel etwas von einem Arzt<br />
erfahren haben, der Saddam Hussein mal behandelt hat oder auch von einem<br />
seiner Cousins, die nach dem Golfkrieg von 1991 nach den USA geflohen<br />
waren, dort den Westen unterrichteten, plötzlich aber wieder, es<br />
ist unklar, warum genau, in den Irak zurückkehrten und prompt ermordet<br />
wurden. Erkenntnisse dieser Art. Da gibt es eine Fülle.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Clarissa:</b><br />
Glauben Sie persönlich, dass sich Hussein noch im Irak aufhält?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Er gehört nicht zu denen, die sich aufopfern. Er wird auf<br />
jeden Fall versuchen, zu entkommen, wenn man ihn lässt. Ich habe<br />
eher das Gefühl, dass er zu lange in Bagdad geblieben ist und der<br />
US-Vormarsch ihn in seiner Schnelligkeit überrascht hat. Das würde<br />
bedeuten, dass er noch in Bagdad ist, aber ich kann mich natürlich<br />
sehr täuschen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Cebo:</b><br />
Halten Sie es für wahrscheinlich, dass Saddam Hussein von Leuten<br />
aus seiner engsten Umgebung ausgeliefert wird (nachdem die Kontrollstrukturen<br />
gekippt sind)?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Auf jeden Fall. Diese Menschen hält nichts zusammen, außer<br />
die gemeinsame Lust an der Macht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nicki@blue:<br />
</b>Wie schätzen sie die Lage der Kurden im Nordirak ein, wird<br />
es eine Splittung von der Türkei geben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Die Kurden sind in allen Konflikten des Mittleren Ostens im vergangenen<br />
Jahrhundert und bis jetzt immer die Verlierer gewesen. Meine Einschätzung<br />
ist, dass sie es auch diesmal sein werden, wenn auch nicht in der gleichen<br />
Dramatik wie 1991. Ich kann mir vorstellen, dass ihnen eine gewisse Autonomie<br />
gegeben wird, kulturell und regionalpolitisch. Innerhalb des neuen Staates<br />
Irak einen eigenen Kurdenstaat werden die Türken unbedingt vermeiden<br />
wollen, und die Türkei bleibt immer noch ein strategisch wichtiger<br />
Partner der USA.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mephisto:<br />
</b>Rechnen sie damit, dass die Amerikaner den Irak besetzt halten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es wird sicherlich zuerst eine Militärregierung geben. Wie<br />
lange, wird von der Sicherheitslage abhängen. Wir haben hier gehört,<br />
dass schon seit 6 Monaten an einer neuen Verfassung für den Irak<br />
gearbeitet wird. Diese Verfassung wird dann in einem Referendum der irakischen<br />
Bevölkerung vorgelegt werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Esco: </b>Gibt<br />
es schon genaue Pläne wer eine Übergangsregierung stellt??</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es gibt leider zu viele Pläne. Das Pentagon verfolgt andere,<br />
wie das US-Außenministerium.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Das wird noch ein Machtkampf werden. Ich denke, dass zur Zeit,<br />
wegen der militärischen Erfolge, das Pentagon die Nase vorne hat.<br />
Dann käme das auf den Irakischen Nationalkongress zu. Ja, wir hören<br />
das auch. Es soll vier getötete „Marines“ geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ein anderer Sender meldet gerade ein Selbstmordattentat nahe<br />
dem Palestine-Hotel.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Nein. Das Oberkommando lässt sich immer etwas Zeit, uns solche Meldungen<br />
zu bestätigen, zu dementieren, auf jeden Fall zu erläutern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jons: </b>Wie<br />
lange werden diese Attentate weitergehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Solange es noch Menschen gibt, die verzweifelt genug sind über die<br />
amerikanische Präsenz in ihrem Land, die auch erbost genug sind,<br />
um ihr eigenes Leben zu opfern, für ein Zeichen gegen die, aus ihrer<br />
Sicht, Besatzungsmacht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lekubu: </b>Rechnen<br />
die Amis mit Selbstmordattentaten in den USA &#8211; sozusagen als letztes Aufbegehren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Damit rechnen sie seit dem 11. September 2001. Ich glaube, dass<br />
es ein erhöhtes Sicherheitsbewusstsein der USA seither gibt und dass<br />
einer der Gründe für diesen Krieg in diesem Gefühl der<br />
Verwundbarkeit liegt, ob nun ausgerechnet so ein Krieg die Situation leichter<br />
macht, wage ich zu bezweifeln.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jons:</b><br />
Haben sie persönlich in Katar etwas zu befürchten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es gibt ein erhöhtes Anschlagsrisiko. Die Sicherheitsvorkehrungen<br />
beim Betreten des Oberkommandos sind sehr groß. Es gibt auch Al-Kaida-Sympathisanten<br />
in diesem Land, aber derzeit scheinen sie unter Kontrolle zu sein, ausschließen<br />
darf man hier aber nichts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bubi: </b>Wie<br />
ist eigentlich die Stimmung in Katar selbst &#8211; eher USA-freundlich oder<br />
feindlich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>In der Bevölkerung gespalten. Katar ist seit Jahren amerikafreundlich.<br />
Die Erdgasproduktion des Landes geht vornehmlich in die USA, aber kulturell<br />
haben sie große Vorbehalte. Die Regierung versucht eine Gratwanderung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman224:</b><br />
Wo sind denn eigentlich die ganzen chemischen Waffen hin &#8211; hat Hussein<br />
die mitgenommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Wir fragen das hier jeden Tag, bei jedem Briefing und ein englischer<br />
Journalist fragte vorgestern spitz, ob wir denn davon ausgehen könnten,<br />
dass dieser Krieg der erste sei, den man ohne jeden Grund geführt<br />
habe. Dazu heißt es hier immer nur lapidar, dass man zuversichtlich<br />
sei, diese Waffen noch zu finden. Ich persönlich glaube, dass der<br />
Irak das Potenzial hatte, Massenvernichtungswaffen herzustellen, dass<br />
er aber gerade keine großen Vorräte hatte. Ich lasse mich überraschen,<br />
wenn es anders wäre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lekubu: </b>Es<br />
hieß doch immer, die Iraker könnten Massenvernichtungswaffen<br />
(Chemie&#8230;) einsetzen, wenn Sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Lagern<br />
sie die Waffen womöglich in Tikrit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Möglich ist es. Tikrit ist seine Heimatstadt und es hatte<br />
immer geheißen, dass er Tikrit besonders erbittert verteidigen wird.<br />
Es hatte aber auch geheißen, dass er Bagdad erbittert verteidigen<br />
wird und da drängt sich doch die Frage auf, ob er dazu überhaupt<br />
in der Lage war. Und ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Themenwechsel: 2 Fragen &#8211; gleiche Richtung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MoonlightLord:<br />
</b>Glauben Sie, dass der Anschlag auf das Journalisten-Hotel in<br />
Bagdad von den Amerikanern eine einschüchternde Wirkung haben sollte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laif: </b>Halten<br />
sie die Ermordung der Journalisten durch die USA Armee für ein Kriegsverbrechen,<br />
wie es auf der Seite Reporter-ohne-Grenzen gemutmaßt wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Ich glaube eher an eine Entscheidung eines örtlichen US-Kommandeurs<br />
auf Platoon-Ebene, der sich durch irgendetwas bedroht fühlte, was<br />
aus der Richtung des Hotels kam. Es heißt zum Beispiel, dass er<br />
das Objektiv eines Fotografen, das Teleobjektiv, für eine Waffe gehalten<br />
haben mag und deswegen die schnelle Fehlentscheidung traf, zu schießen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Kurze Nachfrage: was ist eine Platoon-Ebene?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Zwanzig, dreißig Mann, drei, vier Panzer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Danke.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Esco: </b>Der<br />
Finger sitzt locker am Abzug? Sind die Soldaten sehr nervös?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Die Soldaten sind für den Straßenkampf nicht ausgebildet,<br />
nicht gut genug jedenfalls, vor allem die Amerikaner, die Briten mit ihrer<br />
Nordirland-Erfahrung sind da erfahrener, und deswegen stelle ich mir die<br />
Soldaten zum Teil sehr nervös vor. Es sind ja zum großen Teil<br />
Jungs von 20 bis 25 Jahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>War der Beschuss des Hotels ein Kriegsverbrechen? Der Teil der<br />
Frage ist noch offen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Wenn er absichtlich war, war er eines, jedenfalls wenn man nachweisen<br />
kann, dass es eindeutig keine Bedrohung aus Richtung des Hotels gegeben<br />
hat. Das wird aber kaum zu machen sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pro: </b>Herr<br />
Klug, glauben Sie das wirklich? Immerhin hieß es einmal, aus der<br />
Lobby wurde geschossen, dann vom Dach, tatsächlich schoss der Panzer<br />
aber in den 15. Stock. Schießen die Amis mit ihren Hightech-Waffen<br />
so schlecht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Das mit der Lobby war nur eine Version. Die kam von General Brooks<br />
hier in Doha, der aber gleich darauf zurückruderte. Die Linse eines<br />
Fotografen auf dem Dach des Hotels ist eine andere Version. Ich entschuldige<br />
den Beschuss damit keineswegs und eine Präzisionswaffe ist, glaube<br />
ich, nicht eingesetzt worden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lasse: </b>Werden<br />
Kriegsverbrechen in diesem Krieg aufgeklärt und geahndet werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Zum Teil. Ich bin da eher sehr skeptisch. Die Amerikaner erkennen<br />
den internationalen Strafgerichtshof ja nicht an. Iraker werden sicherlich<br />
vor Gericht gestellt werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lekubu: </b>Entscheidender<br />
ist doch die Frage nach dem Beschuss der arabischen Fernsehsender! Wie<br />
denken Sie darüber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Wir waren zum Zeitpunkt des Beschusses gerade im Sender Al Dschasira<br />
für das ARD-Morgenmagazin. Wir haben das eins zu eins mitbekommen<br />
und es war sehr nahegehend. Al DSchasira vermutet, dass Absicht zumindest<br />
nicht auszuschließen ist. Sie klagen aber offiziell nicht an, sie<br />
sind auch vorsichtig, gegenüber den USA. Wir dürfen auch nicht<br />
ausschließen, dass ein einzelner Pilot einen Fehler, oder einen<br />
absichtlichen Beschuss gemacht bzw. verursacht hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Esco: </b>Werden<br />
sie von amerikanischen Offizieren unter Druck gesetzt, gewisse Bilder<br />
nicht zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Hier nicht. Die so genannten &quot;eingebetteten Journalisten&quot; bekommen<br />
Verhaltensregeln, sie beziehen sich darauf, die Positionen der US-Truppen<br />
im Kampfgebiet nicht sichtbar zu machen, dass Journalisten daran gehindert<br />
wurden, inhaltlich kritisch zu berichten, ist mir nicht bekannt. Aber<br />
die meisten &quot;Eingebetteten&quot; sind Amerikaner oder Briten. Übermäßig<br />
Kritisches habe ich von denen nicht gehört, aber ich komme auch nicht<br />
dazu, allzu viel fernzusehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Vorletzte Frage &#8211; leider &#8211; aber die Zeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JanUllrich:<br />
</b>Wie schätzen Sie die Auswirkungen auf die umliegenden Regionen<br />
wie Ägypten etc., wo es ja harte Demonstrationen gegen den Krieg<br />
gab, ein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es wird zu schweren Zeiten im Nahen und Mittleren Osten kommen.<br />
Ich teile die Einschätzung nicht, dass dieser Krieg die Region ruhiger<br />
machen wird. Er wird sie noch unruhiger machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MoonlightLord:<br />
</b>Halten Sie es für wahrscheinlich, dass die Amerikaner, wenn<br />
sie denn schon mal da sind, sich gleich auch noch um Syrien und den Iran<br />
&quot;kümmern&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Neokonservative Kreise fordern dies schon lange. Ich hoffe, dass<br />
realpolitische Erwägungen jetzt erst einmal überwiegen und dass<br />
man nicht glaubt, Krieg könne ab jetzt zum Mittel der Tagespolitik<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Abschließende Frage: Wie ist der Kontakt und das Verhältnis<br />
zu anderen Kolleginnen und Kollegen? Und wie lang müssen sie heute<br />
noch arbeiten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Zum ersten: exzellent, das ist in solchen Fällen aber auch<br />
üblich, wenn viele Journalisten zusammen einem wenig auskunftsfreudigen<br />
&quot;Gegner&quot; gegenüberstehen und ich denke, dass ich heute<br />
bis 10 Uhr deutscher Zeit arbeite, aber man weiß ja nie, was passiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Hier ein Kommentar, dem wir uns alle gerne anschließen,<br />
Herr Klug:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Esco: </b>Vielen<br />
Dank für ihre Zeit, die Sie uns zur Verfügung gestellt haben<br />
und passen sie auf sich auf!!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Danke. Und danke für die rundum guten Fragen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei.<br />
Herzlichen Dank, Herr Klug, dass Sie mit uns gechattet haben und vielen<br />
Dank an alle UserInnen für Ihr Verständnis und Ihr Interesse.<br />
Viele Fragen blieben leider unbeantwortet. Noch ein Terminhinweis: Am<br />
Montag, 28. April 2003, ist Shimon Stein, israelischer Botschafter in<br />
Deutschland, von 17.30 bis 18.30 Uhr Gast im tacheles.02 Live-Chat.. Wir<br />
würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei sind. Die Transkripte aller<br />
tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.<br />
Danke für die sehr spannenden Antworten!</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotich_persoenlich_glaube_dass_der_irak_das_potenzial_hatte_massenvernichtungswaffen_herzustellen_da-308/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Einen EU-Außenminister halte ich für erforderlich &#8211; allerdings darf er nicht im luftleeren Raum schweben&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quoteinen_euaussenminister_halte_ich_fuer_erforderlich_allerdings_darf_er_nicht_im_luftleeren_raum_sch-309/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Apr 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Hoyer]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinte Nationen]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quoteinen_euaussenminister_halte_ich_fuer_erforderlich_allerdings_darf_er_nicht_im_luftleeren_raum_sch-309/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><a href="http://www.ifsh.de/mitarbeiter/showProfile.php?sUserName=johannsen" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/whoyer.jpg" alt="Margret Johannsen" align="left" border="0" height="106" width="70" /></a>Werner 
Hoyer</b><b>, FDP-Fraktionsvize und außenpolitischer Sprecher, 
</b><b>war am 8. April 2003zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><a href="http://www.ifsh.de/mitarbeiter/showProfile.php?sUserName=johannsen" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/whoyer.jpg" alt="Margret Johannsen" align="left" border="0" height="106" width="70" /></a>Werner<br />
Hoyer</b><b>, FDP-Fraktionsvize und außenpolitischer Sprecher,<br />
</b><b>war am 8. April 2003zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></span><!--break--></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator:</b> Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter<br />
Herr Hoyer! Herzlich willkommen im tacheles.02 Live-Chat. Unser heutiger<br />
Gast in Berlin ist der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende und Außenexperte<br />
seiner Partei. Herr Hoyer, sind Sie bereit für sechzig Minuten Diskussion<br />
mit unseren Nutzern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Na klar, dafür bin ich ja hier.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Herr Hoyer, der Irak-Krieg dauert leider noch immer an, dennoch<br />
wird schon über die Nachkriegszeit debattiert. Ihr Parteichef hat<br />
gestern gesagt, Deutschland habe eine „mitmenschliche Verpflichtung<br />
zum Wiederaufbau.“ Sollten die Gelder nicht unter dem Dach der UN<br />
zu Stande kommen, müsse es sie trotzdem geben. Das hätte auch<br />
„Signalwirkung“ in Richtung arabische Welt. So wichtig Hilfe<br />
ist, schwächt das nicht schon wieder die Position der UN?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Uns wäre es natürlich am liebsten, die Vereinten Nationen<br />
(VN) würden das in die Hand nehmen. Darauf müssen wir auch gemeinsam<br />
als Europäer drängen. Allerdings können die Opfer im Irak<br />
sicherlich nicht so lange warten, bis sich der europäische Hühnerhaufen,<br />
die Vereinigten Staaten und der Rest der Welt über Zuständigkeitsfragen<br />
geeinigt haben. Zumindest die humanitäre Hilfe muss sofort anlaufen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Benno: </b>Ist<br />
der Sicherheitsrat der VN überhaupt die geeignete Institution, um<br />
internationale Konflikte zu lösen? Sollte sich die UNO nicht besser<br />
auf humanitäre Maßnahmen beschränken?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich finde, er allein ist legitimiert in Konfliktsituationen,<br />
die anderweitig nicht lösbar sind, gegebenenfalls auch die Anwendung<br />
von Gewalt zu ermöglichen. Das er im humanitären Bereich hilfreich<br />
sein kann, steht außer Frage. Allerdings unterhält die UN hierfür<br />
spezielle Unterorganisationen, die das alles viel besser umsetzen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Benjamin:</b><br />
Ist es sinnvoll, wenn Europa seine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik<br />
ausweitet? Oder ist dies eine unnötige Doppelung der NATO-Strukturen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Doppelungen sind auf jeden Fall unnötig und müssen deshalb vermieden<br />
werden. Dennoch bedarf Europa, wie wir jetzt gerade schmerzhaft feststellen,<br />
dringend einer wirklichen gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik,<br />
die dann auch Verteidigungsfragen einschließt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>grafer: </b>Zum<br />
Wiederaufbau: Die FDP sagt, dass Deutschland seine Verpflichtungen einzuhalten<br />
hat. Welche, wem gegenüber und will die Bundesregierung das nicht<br />
auch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>An der humanitären Verpflichtung kann sicherlich kein Zweifel<br />
bestehen. Bei dem Aufbau rechtsstaatlicher und demokratischer Strukturen<br />
geht es nicht zuletzt darum, die Lage des Irak und der Region zu stabilisieren;<br />
das ist in unserem eigenen Interesse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>möölle:<br />
</b>Herr Hoyer, Sie sagen, dass die Möglichkeiten der nicht<br />
militärischen Konfliktlösungen noch nicht voll ausgeschöpft<br />
waren. Gibt der Kriegsverlauf den USA denn nicht in allen Punkt Recht?<br />
Chemiewaffen wurden gefunden und ein relativ einfacher militärischer<br />
Sieg, der Saddam entmachtet. Hat Bush Recht behalten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ich würde mich ja sehr freuen, wenn ich mich geirrt hätte. Gegenwärtig<br />
ist es aber viel zu früh, um eine Bilanz zu ziehen. Dafür ist<br />
die Informationslage trotz tausender Kriegsberichterstatter viel zu unübersichtlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marie: </b>Im<br />
bisherigen Kriegsverlauf konnten noch keine Massenvernichtungswaffen gefundnen<br />
werden. Macht das Fehlen dieser Massenvernichtungswaffen den Krieg nicht<br />
hinfällig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ich habe bisher keinen Zweifel daran gehabt, dass wir von der Existenz<br />
von Massenvernichtungswaffen ausgehen müssen. Ich fürchte, das<br />
wird sich auch bestätigen. Ich hoffe allerdings vor allem, dass Saddam<br />
Hussein sie vor seinem endgültigen Sturz nicht einsetzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>genschman:<br />
FDP: </b>&quot;Die Vereinten Nationen müssen gestärkt werden.<br />
Sie sind der Ort für internationale Konfliktlösungen.&quot;<br />
Was sagen sie der &quot;war princess Rice&quot; oder Herrn Rumsfeld?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ich fürchte, unsere amerikanischen Freunde werden noch schmerzlich<br />
feststellen müssen, dass sie die Probleme dieser Welt bei noch so<br />
guter Absicht nicht alleine werden lösen können. Sie werden<br />
erstens Freunde und zweitens eine stabile Rechtsordnung in der Welt brauchen.<br />
Auch die USA brauchen die Vereinten Nationen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>uli55:</b><br />
Kann der Irak als US-Protektorat zur Demokratie geführt werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich kann mir nicht vorstellen, dass Protektoratslösungen<br />
durch die Siegermächte zur Befriedung und zur Stabilität beitragen.<br />
Wenn schon, dann muss die UNO den Rahmen setzen. Allerdings halte ich<br />
es für naiv, davon auszugehen, eine militärische Präsenz<br />
der USA wäre kurzfristig verzichtbar.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>drts: </b>Hat<br />
die USA denn nicht Recht, einen Regimewechsel im Irak herbeizuführen,<br />
anstatt einen Diktator zu unterstützen? Das haben ich von Ihnen nicht<br />
gelesen, dass sie Saddam stürzen wollen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Saddam Hussein ist der letzte, dem ich eine Träne nachweinen werde.<br />
Allerdings berufen sich die Vereinigten Staaten auf eine Fülle von<br />
UN-Resolutionen, in denen von Entwaffnung und nicht von &quot;regime change&quot;<br />
gesprochen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>solaris:</b><br />
Aber brauchen die USA die UN, dass ist doch die Frage? Die USA haben ein<br />
Veto, wir nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ich bin wie gesagt davon überzeugt, dass auch die einzig verbliebene<br />
Weltmacht eine stabile Rechtsordnung in der Welt braucht. Da ist die UNO<br />
alternativlos, allerdings halte ich die UNO auch für dringend reformbedürftig.<br />
Gegenwärtig bildet die UNO die Situation der Welt im Jahre 1945 ab,<br />
nicht die im Jahr 2003. Das gilt vor allem für den Weltsicherheitsrat<br />
mit seinen fünf ständigen Mitgliedern einschließlich ihres<br />
Veto-Rechts. Das beinhaltet übrigens nicht nur enorme Rechte, sondern<br />
auch sehr, sehr große Verantwortung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Gramse:<br />
</b>Lässt sich die UNO denn wirklich reformieren? Ich halte<br />
dies für ein Unterfangen, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt zum<br />
Scheitern verurteilt ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>fdp_geldwaescher:<br />
</b>Wollen sie das Vetorecht abschaffen lassen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Leider ist ihre Skepsis nicht ganz unbegründet. Die 50-Jahr-Feier<br />
der Vereinten Nationen ist leider nicht genutzt worden, die beachtlichen<br />
Reformanstrengungen auf den Punkt zu bringen. Mitten in der Krise wird<br />
man jetzt bei diesem Prozess sicher nicht vorankommen, aber eine solche<br />
Krise kann auch wie ein Katalysator wirken. Was bei diesem Reformprozess<br />
aus dem Veto-Recht wird, kann keiner vorhersagen. Natürlich sehe<br />
ich überhaupt nicht ein, dass z. B. die europäische Union kein<br />
Veto-Recht haben soll, andere hingegen schon. Aber schon bei unseren Freunden<br />
in Paris und London werden wir auf Granit beißen, wenn wir von vornherein<br />
nicht nur die Reform und z.B. den EU-Sitz verlangen, sondern auch noch<br />
die Abschaffung des Veto-Rechts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Gramse:</b><br />
Für die Verwirklichung eines europäischen Vetorechts bräuchte<br />
man erst einmal eine gemeinsame politische Haltung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Genau.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>drts: </b>Sie<br />
sollen ja auch nichts voraussagen, aber ihre Meinung zur UN Reform steht<br />
noch aus, wie die politisch umsetzbar ist und wie die FDP die Bundesregierung<br />
unterstützen bzw. herausfordern will?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Der Weltsicherheitsrat braucht ganz sicher eine neue Zusammensetzung.<br />
Dabei muss eine immer stärker integrierte und demnächst mit<br />
einer Verfassung ausgestattete Europäische Union vertreten sein &#8211;<br />
übrigens ebenso wie Vertreter der Dritten Welt, die gegenwärtig<br />
in der Generalversammlung eine sehr starke, im Weltsicherheitsrat aber<br />
eine nur marginale Rolle spielen. Was die Bundesregierung angeht, wäre<br />
ich ja schon froh, wenn sie den UN-Reformprozess aktiver betreiben würde<br />
und die UN &#8211; wie auch die EU &#8211; durch völlig unnötige Vorfestlegungen<br />
nicht immer wieder lähmte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Noch mehr Fragen zur Politik der deutschen Regierung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pax christi:<br />
</b>Es sei die eigentliche Aufgabe der deutschen Politik, die Stärkung<br />
Europas in den Vereinten Nationen voranzubringen, sagen Sie. Macht Fischer<br />
das nicht ausreichend?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Nein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Warum?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Deshalb nicht, weil die Haltung der Bundesregierung, die sie im letzten<br />
Herbst aus wahltaktischen Gründen angenommen hat, zu der unsäglichen<br />
Spaltung der EU-Mitgliedsstaaten kräftig beigetragen hat. Das ist<br />
übrigens neben den beklagenswerten Opfern des Krieges der vielleicht<br />
größte Schaden, der hier angerichtet worden ist. Der europäische<br />
Integrationsprozess wird zurückgeworfen &#8211; es sei denn, meine Hoffnung<br />
auf den Katalysatoreffekt gälte auch hier.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>blogger: </b>Aber<br />
die FDP glänzt ja nun wirklich nicht mit klaren Aussagen zur deutschen<br />
Außenpolitik? Sie haben da kaum Profil. Sie sind halb SPD/Grün,<br />
aber nicht wie Merkel klar dagegen. Mir fehlt da eine klare Linie liberaler<br />
Außenpolitik a la Genscher?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Wir sind da in der klaren Kontinuität der Genscherschen<br />
Politik. Die nimmt allerdings für sich auch in Anspruch, dass schwierige<br />
Fragen nicht immer mit simplen, erst recht nicht mit populistischen Antworten<br />
zu lösen sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fabian Wendenburg:<br />
</b>Lieber Herr Hoyer! Glauben Sie, dass eine Verbesserung des Verhältnisses<br />
zwischen den USA und Deutschland überhaupt möglich ist, solange<br />
bei uns die Schröder-Regierung und in Washington die Bush-Administration<br />
an der Macht ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ein guter Freund in New York hat mir neulich gemailt: „It takes<br />
regime change, both in Washington and Berlin.“ Damit meine ich natürlich<br />
nicht die Mittel und will mich auch nicht in die amerikanische Innenpolitik<br />
einmischen. Ich fände, es wäre schon mal ein guter Anfang, wenn<br />
dies so bald wie möglich in Berlin beginnen würde.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>friedemann:<br />
</b>Aber Genscher wäre doch eher Merkel Kurs, d.h. Solidarität<br />
mit den USA wie zu Zeiten des Kalten Krieges? Haben sie die neuen Zeichen<br />
der Zeit nicht erkannt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Doch, aber Sie missverstehen offenbar Genschers Außenpolitik.<br />
Denken Sie z.B. an das Thema der Stationierung nuklearer Kurzstreckenraketen<br />
Ende der achtziger Jahre. Da gab es fundamentale Meinungsverschiedenheiten<br />
zwischen Washington und Bonn. Genscher hat da immer die deutschen Interessen<br />
klar gegenüber den USA vertreten, aber der vertrauensvolle Dialog<br />
ist nie abgerissen. Der Ton macht eben die Musik, und das haben Schröder,<br />
Fischer und Däubler-Gmelin außer Acht gelassen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>freiesocke:<br />
</b>Genscher und Kinkel waren doch gegenüber den USA auf &quot;Schmusekurs&quot;,<br />
das waren doch ganz andere Zeiten. Die Weltpolitik hat sich verändert.<br />
Wo ist das neue Konzept der Liberalen zu erkennen? Gerhardtsche und Hoyersche<br />
Konzepte fehlen!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich schicke Ihnen das gestern vom Bundesvorstand der FDP auf<br />
meinen Vorschlag hin beschlossene Positionspapier gerne zu. Mailanfrage<br />
bitte an http://www.werner.hoyer@bundestag.de.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Können Sie uns Kernpunkte trotz Post- bzw.- Mailsendung<br />
nennen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Lieber per E-Mail, wir sind eine arme Partei. Aber im Ernst:<br />
Deutschland muss aufhören, in den Kategorien alter Machtpolitik zu<br />
denken und handeln zu wollen &#8211; das ist angesichts durchaus bescheidener<br />
Machtmittel auch eher lächerlich. Deutschland muss seine Außenpolitik<br />
immer konsequent einbetten in die europäischen Strukturen, in die<br />
nordatlantische Sicherheitsgemeinschaft und in die Systeme kooperativer<br />
Sicherheit, also OSZE auf europäischer und UNO auf globaler Ebene.<br />
Der &quot;deutsche Weg&quot; führt in die Irre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Gramse:<br />
</b>Was sollte sich an der Regierungspolitik Ihrer Meinung nach ändern,<br />
damit ein politisches Gewicht entsteht, so dass man die USA zügeln<br />
kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Das geht nur über eine gemeinschaftliche europäische<br />
Anstrengung. Wir sollten doch nicht glauben, dass Europa in Washington<br />
kein Gewicht und keinen Einfluss hätte. Nur darf Europa sich dabei<br />
nicht selber auseinander dividieren. Frankreich und Deutschland dürfen<br />
nicht glauben, wenn sie einer Meinung sind, wäre das schon die europäische<br />
Position.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Was sagen Sie dazu, dass Schröder und Fischer nun Anstrengungen in<br />
eine europäische Verteidigungsunion legen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Tun sie das? Ich fürchte, die Anstrengungen zu einer Verteidigungsunion<br />
ausgerechnet mit Belgien, Frankreich und Luxemburg könnten eher die<br />
europäische Spaltung vertiefen. Wenn das aber ein Konzept ist, das<br />
ein ernstes Angebot an alle gegenwärtigen und zukünftigen EU-Mitglieder<br />
ist, kann ich mir das gut vorstellen. Ich bin davon überzeugt, dass<br />
man eines Tages nicht nur von besserer Rüstungszusammenarbeit, sondern<br />
auch von integrierten Streitkräften und von Arbeitsteilung zwischen<br />
Teilstreitkräften und Waffengattungen der einzelnen EU-Länder<br />
reden wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>genschman:<br />
</b>Und wenn Polen und Blair einer Meinung sind, ist das EU-ropäischer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ganz sicher nicht, Genschman, aber der unerfreuliche Brief von acht alten<br />
und neuen EU-Staaten war natürlich nicht zuletzt eine Reaktion auf<br />
das unsensible Verhalten von Paris und Berlin.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rababer: </b>Soll<br />
es einen EU-Außenminister geben? Ist das ein Ziel der neuen EU-Verfassung,<br />
die im EU-Konvent beschlossen werden sollte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ja, das halte ich für erforderlich &#8211; allerdings darf er<br />
nicht im luftleeren Raum schweben, sondern muss sowohl in der Kommission<br />
als auch im Rat Gewicht haben. Außerdem fällt mir auf, dass<br />
kein Mensch über den erforderlichen europäischen Auswärtigen<br />
Dienst spricht. Ein Außenminister ist doch keine Solo-Nummer. Fischer<br />
wird von 8500 Mitarbeitern unterstützt &#8211; weltweit. Das kann die Bürokratie<br />
der Kommission niemals leisten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pax christi:<br />
</b>Mittlerweile wurden militärische Entscheidungsstrukturen<br />
etabliert und kostenintensive Rüstungsprogramme vereinbart. Zivilmacht<br />
Europa ade?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Natürlich sträubt sich in mir alles, Europa nicht als Zivilmacht<br />
zu sehen. Aber ich bin auch ein überzeugter Anhänger der wehrhaften<br />
Demokratie. Deshalb stehe ich zur Notwendigkeit leistungsfähiger<br />
und demokratisch kontrollierter Streitkräfte. Die Leistungsfähigkeit<br />
zu steigern, muss Ziel der Zusammenarbeit in Europa sein. Sonst verplempern<br />
wir zuviel Geld.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rolfer: </b>Hat<br />
Verteidigungsminister Struck Recht, wenn er sich zum Wiederaufbau zurückhaltend<br />
äußert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich kann ja verstehen, dass Peter Struck nicht laut &quot;hier&quot;<br />
schreit, wenn Geldgeber gesucht werden. Ich fürchte, man wird schon<br />
früh genug darauf kommen, auch Deutschland zur Kasse zu bitten. Andererseits<br />
halte ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt manche Detaildiskussionen darüber,<br />
wer was an welchem Ort wie und mit welchem Geld finanziert und aufbaut,<br />
für ein bisschen verfrüht. Klar ist, dass Deutschland sich nicht<br />
wird verweigern können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>h.graeser:<br />
</b>Welche Rolle spielt in den nächsten Jahrzehnten ein überaltertes<br />
Deutschland politisch sowie wirtschaftlich innerhalb der EU und weltweit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Deutschlands Rolle wird politisch stärker sein, wenn es<br />
wirtschaftlich gesundet. Und das heißt, wir müssen unsere Sklerosen<br />
endlich durch mutige Reformpolitik überwinden. Politisch werden wir<br />
innerhalb Europas und der Welt um so mehr bewegen können, je mehr<br />
wir uns in die europäische Union und in die globalen multilateralen<br />
Strukturen einbetten, vor allem in UNO und WTO. Der deutsche Weg muss<br />
immer der europäische Weg sein, alles andere führt in die weltpolitische<br />
und weltwirtschaftliche Irrelevanz Deutschlands.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>freiesocke:<br />
</b>Deutschland ist doch pleite. Wie soll Herr Eichel denn den Wiederaufbau<br />
finanzieren? Aus der Fluthilfe zur Irakhilfe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich habe eben bewusst darauf hingewiesen, dass man einen wesentlichen<br />
politischen Einfluss nur zur Geltung bringt, wenn man auch wirtschaftlich<br />
leistungsfähig ist. Die zusätzlichen Belastungen, die jetzt<br />
auch noch auf uns zukommen können, machen die Überwindung der<br />
strukturellen Schwächen der deutschen Wirtschaft noch wichtiger.<br />
Nur wenn der Wirtschaftsmotor wieder anspringt, klingelt es bei Hans Eichel<br />
auch wieder in der Kasse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei.<br />
Herzlichen Dank, Herr Hoyer, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen<br />
sind und vielen Dank an alle UserInnen für Ihr Interesse. Viele Fragen<br />
blieben leider unbeantwortet. Noch ein Terminhinweis: Am Donnerstag, 10.<br />
April, ist der ARD-Korrespondent Richard Klug im Chat, der live aus Katar<br />
Ihre Fragen beantworten wird. Im Anschluss an die Tagesschau um 17:15<br />
Uhr steht er für den Chat zur Verfügung. Wir würden uns<br />
freuen, wenn Sie wieder dabei sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats<br />
finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Herzlichen Dank, hat Spaß gemacht.</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quoteinen_euaussenminister_halte_ich_fuer_erforderlich_allerdings_darf_er_nicht_im_luftleeren_raum_sch-309/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Um die Amerikaner beeinflussen zu können, müssen wir uns auf die amerikanische innenpolitische Debatte einlasse</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotum_die_amerikaner_beeinflussen_zu_koennen_muessen_wir_uns_auf_die_amerikanische_innenpolitische_de-313/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Mar 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinte Nationen]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Müller]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/pmueller.jpg" alt="Philipp Müller" align="left" height="96" width="70" /></b><a href="http://www.swp-berlin.org/mitarb/mlp.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Dr. 
Philipp Müller</b></a><b>, leitender Koordinator des transatlantischen 
<a href="http://www.cpogg.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzwerks</a> Critical 
Perspectives on Global Governance</b>,<b> war am 27. März 2003 
</b><b>zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/pmueller.jpg" alt="Philipp Müller" align="left" height="96" width="70" /></b><a href="http://www.swp-berlin.org/mitarb/mlp.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Dr.<br />
Philipp Müller</b></a><b>, leitender Koordinator des transatlantischen<br />
<a href="http://www.cpogg.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzwerks</a> Critical<br />
Perspectives on Global Governance</b>,<b> war am 27. März 2003<br />
</b><b>zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 wird veranstaltet<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von<br />
tagesspiegel.de. Heute ist Dr. Philipp Müller ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen. Er ist leitender Koordinator des transatlantischen Netzwerks<br />
Critical Perspectives on Global Governance. Wir haben eine Stunde Zeit,<br />
kann es losgehen Herr Müller?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Herr Müller,<br />
stellen Sie uns doch mal kurz das Netzwerk (http://www.cpogg.org) vor.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das Forschungsnetzwerk CPOGG oder &quot;Critical<br />
Perspectives on Global Perspectives&quot; ist ein Projekt der Brookings<br />
Institution und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.<br />
Wir beschäftigen uns mit Global Governance Fragen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea:</b><br />
Welche wahren Beweggründe haben die Amerikaner zur Militäraktion<br />
gegen den Irak bewogen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Eins kann man ausschließen. Es ging nicht<br />
hauptsächlich ums Öl.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Welche weiteren Gründe gibt es denn?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Es gibt verschiedene Erklärungsansätze.<br />
Es gibt in der Bush-Administration eine Gruppe von Außenpolitikern,<br />
die seit Mitte der neunziger Jahre einen &quot;Regime-Wechsel&quot; im<br />
Irak befürwortet. Diese haben die Gunst der Stunde nach dem 11. September<br />
genutzt, um dafür zu plädieren. Eine interessante Website dieser<br />
Gruppe ist: www.newamericancentury.org</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wie wird in der US-Bevölkerung der Vorwurf aufgenommen,<br />
es gehe bei dem Krieg nur ums Öl? Oder anders gefragt: Was glauben<br />
die Amerikaner, ist der wirkliche Grund, den Irak anzugreifen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Die amerikanische Bevölkerung ist ähnlich<br />
verwirrt, wie die deutsche. Mit dem Unterschied, dass sie sich mit Kriegsbeginn<br />
hinter ihren Präsidenten stellen. Das nennt man &quot;rallye around<br />
the president&quot; oder &quot;rallye around the flag&quot;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>ein Kommentar von:<br />
l<b>ogoset: </b>Mit der Fahne werden erst die Gehirne verhüllt<br />
und dann die Särge der Gefallenen!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wie ist das Phänomen zu erklären, dass alle kritischen<br />
Stimmen verstummen, sobald die ersten Soldaten den Krieg ziehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Ich würde sagen, mit dem amerikanischen Patriotismus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tollkühner<br />
Schleim: </b>Was braucht es, damit in der öffentlichen Meinung<br />
der USA die Stimmung umschlägt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Die Stimmung ist schon jetzt &quot;wackeliger&quot;<br />
als es in manchen Medien den Anschein hat. Wenn sich der Krieg lange hinzieht,<br />
viele amerikanische Soldaten fallen, irakische Zivilisten betroffen sind,<br />
kann die Stimmung relativ schnell umschlagen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator: </b>ein weiterer Kommentar:<br />
<b>Ute:</b> Darf ich dem Moderator eine Antwort geben als in<br />
Amerika lebende Deutsche? Für die Amerikaner in meiner Umgebung ist<br />
es tatsächlich außer Frage, dass man den Irak entwaffnen will,<br />
weil es offenbar Beweise für Massenvernichtungswaffen und chemische<br />
Waffen gibt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Ich denke, dass sie das glauben, aber nicht 100%<br />
überzeugt sind, dass der Irak das größte Problem für<br />
die USA ist. Die neuesten Umfragen zu dem Thema gibt es bei www.gallup.com.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>alex: </b>Welchen<br />
Einfluss hat Ihrer Meinung nach George Bush auf das Geschehen oder ist<br />
er nur die Marionette von Cheney, Rumsfeld, Rice&#8230;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Die Präsidentschaft G.W. Bush versteht man<br />
am besten mit dem CEO- Modell: Der CEO oder Chief Executive Officer einer<br />
amerikanischen Firma trifft strategische Entscheidungen überlässt<br />
die Implementierung aber seinen Untergebenen. Im Fall der Bush Administration<br />
ist das so: Bush lässt seine Berater diskutieren, Vorschläge<br />
machen und entscheidet dann. Nachzulesen im Buch &quot;Bush at War&quot;<br />
von Bob Woodward.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>War das bei Bill Clinton auch so?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Nein, da war das anders. Clinton war ein sogenannter<br />
&quot;policy wonk&quot;. D.h. er saß bis tief in die Nacht mit seinen<br />
Beratern zusammen und kaute die Themen durch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ralf Leiteritz:<br />
</b>Warum ist Colin Powell plötzlich die Fronten zu den &#8216;Falken&#8217;<br />
gewechselt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Ich denke, die Geschichte mit der Enttäuschung<br />
über das Verhalten der Franzosen in der UNO hat einen gewissen Wahrheitsgehalt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Welchen Einfluss hat Powell denn noch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das ist im Moment nicht ganz klar. Der Einfluss<br />
von Powell ist aber in Krisen-Situationen immer am größten<br />
und man kann davon ausgehen, dass nach dem Irak-Krieg, wenn es notwendig<br />
wird, eine Koalition für den Wiederaufbau zusammenzustellen, Powell<br />
wieder eine exponiertere Rolle spielen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ringmaster:</b><br />
Wie viel und wo haben denn die ganzen Geldgeber der amerikanischen Parteien<br />
Einfluss auf deren Politik?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das kann so allgemein nicht beantwortet werden.<br />
Das amerikanische politische System zeichnet sich dadurch aus, dass man<br />
durch Stimmen und auch Geld Einfluss nehmen kann und das machen NGO&#8217;s<br />
wie Greenpeace und die Nuclear Threat Reduction Campaign genauso, wie<br />
die Öl-Lobby&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Nachfrage zu Powell und dem Verhalten der Franzosen im Sicherheitsrat:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>eu-friend:<br />
</b>Ich nehme bezug auf das Statement von gerade: Ich würde<br />
dann doch gerne diesen &quot;Wahrheitsgehalt&quot; erfahren und das nicht<br />
nur als plakative Behauptung im Raum stehen lassen!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Powell hat mit viel Einsatz versucht Bush davon<br />
zu überzeugen, zur UNO zu gehen und geht davon aus, dass die Resolution<br />
1441 den Amerikanern tatsächlich das Recht gibt, im Irak zu intervenieren.<br />
Er war dann enttäuscht (wobei man das auch als politisches Manöver<br />
bezeichnen kann).</p>
<p><b>Moderator: </b>noch mal ein Kommentar:<br />
<b>Ute: </b>Ich glaube, Powell hat nicht wirklich einen Einfluss.<br />
Er erscheint mir eher wie ein Anhänger, der nur die Wahl sah, sich<br />
entweder ganz zurückzuziehen oder sich Bush anzuhängen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernd24: </b>Wie<br />
wichtig sind bei Bushs Entscheidungen Ihrer Meinung nach &#8216;fundamentalchristliche&#8217;<br />
Motive? Fühlt er sich tatsächlich als Kreuzritter?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Die Frage kann man auf verschiedenen Ebenen beantworten:<br />
<br />
(a) Der Begriff &quot;Crusade&quot; oder Kreuzzug ist ihm tatsächlich<br />
nur &quot;rausgerutscht&quot;. Das sollte man nicht so hoch hängen.<br />
(b) Bush hatte eine persönliche &quot;Wiedergeburtserfahrung&quot;,<br />
d.h. wenn er das Wort Gott in den Mund nimmt, meint er das Ernst&#8230;<br />
(c) Es gibt in den USA eine sehr große Gruppe von &quot;evangelical<br />
Christians&quot;, die die Bibel wörtlich nehmen und danach Außenpolitik<br />
gestaltet sehen wollen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Berti: </b>Konkret:<br />
welchen Einfluss haben die konservativen Think Tanks auf die Bush-Administration?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Einen sehr großen<br />
(a) Wichtigster Think Tank ist das American Enterprise Institute (www.aei.org),<br />
von dort kommen Leute wie Richard Perle.<br />
(b) großen Einfluss hat auch Heritage (www.heritage.org), <br />
(c) Viele Demokraten glauben, dass ihre Misserfolge darauf zurückzuführen<br />
sind, dass sie keine wirklichen Pendants zu diesen Institutionen haben&#8230;und<br />
überlegen einen neuen zu gründen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>eu-friend:</b><br />
Sehen viele Amis die UNO als überflüssig an &#8211; so wie Mr. Perle?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Nein, die amerikanische Bevölkerung wollte<br />
explizit eine UNO-Sanktionierung des Irak-Krieges (www.gallup.org). Es<br />
gibt aber auch Gruppen, die glauben die UNO werden die Macht übernehmen,<br />
&quot;mit schwarzen Helikoptern&quot; 🙂</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>julia: </b>Wie<br />
kann die Position der UNO so gestärkt werden, dass man sich nicht<br />
einfach über ihre Beschlüsse hinwegsetzen kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Sehr gute Frage. Ich denke, man muss unterscheiden<br />
zwischen zwei Funktionen der UNO:<br />
(a) Kollektive Sicherheit / Sicherheitsrat: vielleicht ist das einfach<br />
nicht das geeignete Gremium um globale Probleme zu lösen.<br />
(b) Die Funktion, die die UNO im Bereich humanitäre Sicherheit, nachhaltige<br />
Entwicklung, etc. übernimmt. Das kann sie gut .<br />
Man muss also zwischen den beiden unterscheiden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wildathard:<br />
</b>Es wurde zuletzt viel über Deutschland und seine außenpolitische<br />
Wirkung gestritten: Was kann Deutschland tun, damit Europa eine stärkere<br />
Stimme in der Außenpolitik bekommt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Es ist klar, dass Deutschland in und mit Europa<br />
klarer darstellen muss, wie wir uns Weltordnung vorstellen. Wir können<br />
uns nicht mehr alleine auf den Begriff &quot;Multilateralismus&quot; beziehen,<br />
sondern sollten mit dem Begriff Global Governance &#8211; also problemorientierte,<br />
multisektorale (Regierungen, Unternehmen, Zivilgesellschaft) &#8211; Institutionen<br />
arbeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Nachfrage zur Ihrer Ansicht zur Funktion der UNO:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>alex: </b>Ach<br />
so, ein unilaterales Vorgehen der USA ist Ihrer Meinung nach also der<br />
bessere Weg?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Nein. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Ich schiebe noch eine weitere Nachfrage dazu:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>XO7: </b>Wenn<br />
der Sicherheitsrat nicht das richtige Gremium zum Lösen internationaler<br />
Probleme ist, welches Gremium ist es denn dann? Oder wie müsste solch<br />
ein Gremium aussehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Wir müssen aber eine vernünftige und glaubwürdige<br />
Alternative zu dem amerikanischen Ansatz der &quot;Coalition of the Willing&quot;<br />
anbieten, d.h. wir brauchen eine transatlantische Debatte über Weltordnung.<br />
Und wie sieht der europäische Ansatz aus? Um die Amerikaner beeinflussen<br />
zu können, müssen wir uns auf die amerikanische innenpolitische<br />
Debatte einlassen &#8211; und jetzt zum europäischen Ansatz: Wir sollten<br />
grundsätzlich mit dem Begriff Global Governance arbeiten (www.cpogg.org).<br />
Was heißt das?<br />
Problem-orientiert globale Institutionen bauen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>war_pig: </b>Was<br />
ist denn diese innenpolitische amerikanische Debatte? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Die inneramerikanische Debatte findet in den großen<br />
amerikanischen Zeitungen, den Think Tanks und den Sonntags-Talk Shows<br />
statt. Wenn man die Möglichkeit hat, in diesen Foren Ideen zu präsentieren,<br />
kann man erfolgreich &quot;Weltpolitik als amerikanische Innenpolitik&quot;<br />
machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>kleiner Kommentar:<br />
Miriam: Es wird wohl nie eine Weltordnung geben die JEDEM passt</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Das ist richtig, allerdings gibt es globale Probleme<br />
wie Klima, failed states, Terrorismus, die adressiert werden müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>alex: </b>Aber<br />
der Sicherheitsrat ist doch eine &quot;problem-orientierte globale Institution&quot;.<br />
Wie kann denn eine Alternative aussehen, wenn die USA nur darauf drängen,<br />
dass andere Nationen sich ihrer Meinung unterordnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das sieht aus der Sicht der USA anders aus. Dort<br />
hat man das Gefühl, sich durchaus auf andere Länder einzulassen.<br />
Irgendwie sind sie halt doch &quot;Elefanten im Porzellan-Laden&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>logoset: </b>Thema<br />
Medien: Die Medien sind bezüglich des Kriegs einer Zensur wie noch<br />
nie unterworfen. Wird diese Strategie halten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das kann man auch anders sehen. Die Journalisten-<br />
Pools, die im letzten Golfkrieg eingerichtet wurden, ließen noch<br />
weniger freie Berichterstattung zu und mit Camcordern und Internet wird<br />
die Möglichkeit der Berichterstattung immer einfacher. Aber, die<br />
Frustration hat Rumsfeld in einer Pressekonferenz gestern sehr gut ausgedrückt.<br />
Er sagte, &quot;wir sehen den Krieg nur scheibenweise&quot;, wenn wir<br />
die Bomben in Bagdad verfolgen, oder auf dem Panzer mit den &quot;embedded&quot;<br />
Journalisten mitfahren. Aber das ist wohl Krieg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Auge: </b>Wieso<br />
werden die Folgen (Tote und Verletzte), die durch den Krieg entstehen,<br />
nicht der amerikanischen Bevölkerung gezeigt. Sie haben ein gutes<br />
Recht zu erfahren, was da passiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Es gibt dazu eine sehr gute Webseite: www.iraqbodycount.org.<br />
Aber zur Frage:<br />
(a) die Genfer Konventionen besagen, dass Kriegsgefangene nicht gezeigt<br />
werden sollen. Deshalb zeigen amerikanische Medien diese nicht.<br />
(b) Sonst wird meinem Empfinden nach schon darüber berichtet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>beobachter:<br />
</b>Warum werden in den USA so viele Demonstranten verhaftet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das ist im Prinzip hauptsächlich ein Bann-Meilen-Problem,<br />
auf jeden Fall in Washington. Man sollte auf jeden Fall nicht an eine<br />
Verschwörung der Bush-Adminstrations-Anhänger glauben. Solche<br />
Entscheidungen werden von den lokalen Polizeibehörden gemacht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>frogX: </b>Haben<br />
sie eigene Erfahrungen mit der Stimmung in den USA? Auf einer Anti-Kriegskundgebung<br />
berichtete ein Redner, dass es sich bei der Pro-Kriegsstimmung um ein<br />
Wunschbild der Regierung handelt</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das kann man so oder so sehen :-), also:<br />
(a) Es gab vor dem Krieg eine sehr große Minderheit, die gegen den<br />
Krieg war.<br />
(b) Im Westen der USA gibt es mehr Kriegsgegner als im &quot;Heartland&quot;,<br />
der Mitte der USA.<br />
(c) Mit Kriegsbeginn haben sich aber die meisten Amerikaner hinter die<br />
Administration gestellt (rallye around the flag).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, leider ist unsere Zeit vorbei. Vielen Dank<br />
Herr Müller, dass sie zu uns gekommen sind. Vielen Dank an alle UserInnen<br />
für Ihr Interesse. Es sind noch viele Fragen offen, wir werden uns<br />
weiter mit dem Thema beschäftigen. Noch ein Terminhinweis: Dr. Margret<br />
Johannsen, Friedensforscherin an der Universität Hamburg stellt sich<br />
am Donnerstag, 3. April zwischen 17:00 und 18:00 Uhr Ihren Fragen. Wir<br />
würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei sind. Die Transkripte aller<br />
tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de<br />
und politik-digital.de sowie des Unterstützers tagesspiegel.de. Das<br />
tacheles.02-Team wünscht allen noch einen schönen Abend.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Danke!!! Ciao&#8230;</span></p>
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