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	<title>Irak &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Irak &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Digitale Presseschau &#8211; KW 30</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 16:39:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[E-Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Internet-Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Anders Breivik]]></category>
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					<description><![CDATA[<a href="/digitale-presseschau-kw-30"><img width="60" height="66" align="left" src="/sites/politik-digital.de/files/logo-linkliste.png" /></a>Vergessenes Land Irak, der Hassblog PI-News, E-Protest als Mittel politischer Veränderung - dies und mehr in unserer aktuellen Digitalen Presseschau.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vergessenes Land Irak, der Hassblog PI-News, E-Protest als Mittel politischer Veränderung &#8211; dies und mehr in unserer aktuellen Digitalen Presseschau.</p>
<p>Auch diese Woche gingen wir auf die Suche nach lesenswerten Artikeln. Einstimmig fiel unsere Wahl auf den Top 1–Artikel aus. Darin wird über die Rolle des Internet für den politischen und gesellschaftlichen Wandel in einem arabischen Land berichtet, das in den vergangenen Monaten und während des Arabischen Frühlings nicht im Fokus der medialen und öffentlichen Aufmerksamkeit stand: der Irak.</p>
<p><a href="http://berlinergazette.de/kein-arabischer-fruehling-im-irak" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Das vergessene Land?</strong></a></p>
<p>Der irakische Journalist Dana Asaad berichtet seit 2009 als Redakteur des Blogs niqash.org aus dem Irak und dem kurdischen Autonomiegebiet. Er schildert in der &#8220;Berliner Gazette&#8221; aus eigener Erfahrung die aktuelle Situation der Presse- und Meinungsfreiheit in seinem Heimatland, um die es nicht gut bestellt zu sein scheint. Dies ist wohl insbesondere dem Umstand geschuldet, dass das Land auch acht Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins politisch höchst instabil ist. Außerdem erklärt Asaad, inwieweit soziale Medien und Blogs einen Einfluss auf die öffentliche Meinung und die Bereitschaft der Iraker zum Demonstrieren haben und warum ihre Bedeutung kritisch zu hinterfragen ist. Mit Dana Asaad spricht hier offensichtlich ein sehr guter Kenner der Situation vor Ort. Prädikat: sehr lesenswert!</p>
<p><a href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2011/07/25/der-berwachungs-und-ausgrenzungsstaat" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Die Proklamation des Überwachungsstaates</strong></a></p>
<p>Auf Platz 2 unserer dieswöchigen Presseschau schaffte es ein Beitrag des Anwalts Udo Vetter in seinem preisgekrönten „law blog“. Vetter weist darauf hin, wie deutsche Politiker die schrecklichen Ereignisse in Norwegen als Steilvorlage nutzen, um bestimmte Überwachungsmaßnahmen zu legitimieren – so wie Hans-Peter Uhl (CSU) in punkto Vorratsdatenspeicherung. Sehr treffend legt der Jurist Vetter dar, wie hanebüchen die aufgestellten Forderungen sind und wohin sie letztlich führen würden – zum Überwachungs- und Ausgrenzungsstaat. Orwells &#8220;1984&#8221; lässt grüßen!</p>
<p><a href="http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2011/07/27/pi-news-der-hassblog-der-rechtspopulisten_6714" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Der Hassblog PI-News</strong></a></p>
<p>Ario Ebrahimpour Mirzaie widmet sich in dem Blog „Störungsmelder“ auf Zeit Online dem islamfeindlichen Weltbild des modernen europäischen Rechtspopulismus, das sich auch in der Gedankenwelt des Osloer Attentäters Anders Breivik wiederfindet. Dabei setzt der Autor sich mit dem Blog „Politically Incorrect“ (PI) auseinander, das er als die wichtigste Online-Plattform der Islamhasser in Deutschland bezeichnet, und schlägt einen Bogen zu bekannten europäischen Rechtspopulisten wie dem niederländischen Politiker und Islamkritiker Geert Wilders.</p>
<p><a href="http://www.faz.net/artikel/C30833/soziale-netzwerke-ich-weiss-was-du-bald-moegen-wirst-30473778.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Droht uns die Verbiederung?</strong></a></p>
<p>Auf Rang 4 unserer Presseschau schaffte es Jörg Wittkewitz auf faz.net. Er schreibt über die vermeintlich wichtige Rolle sozialer Netzwerke für die Erkundung der Vorlieben und Interessen von Nutzern durch die Internetwirtschaft. Unser Verhalten in den sozialen Medien soll als Indikator für die maßgerechte Zuschneidung von Produkten herhalten. Wittkewitz beleuchtet dabei auch die kulturelle Dimension der „Pseudofamiliarisierung“ über „Gefällt mir“-Optionen – eine Welt, in der Nähe und Distanz künstlich aufgehoben würden.</p>
<p><a href="http://www.taz.de/Debatte-Politische-Teilhabe-im-Netz/!75269/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>E-Protest als Mittel politischer Veränderung</strong></a></p>
<p>Günter Metzges zeigt sich in seinem Kommentar auf taz.de davon überzeugt, dass Netzpolitik über soziale Medien oder Online-Kampagnen wie Campact Auswirkungen auf die parlamentarische Debatte haben und widerspricht damit Franziska Heine. Die durch ihre Petition gegen Netzsperren bekannt gewordene Internetaktivistin meine, dass ausschließlich die Bundestagsplattform “epetitionen.bundestag.de“ die richtige Anlaufstelle für wirksame Online-Appelle sei. Metzges versucht zu belegen, dass es auch andere und sogar effektivere Wege im Netz gäbe, um politische Veränderungen herbeizuführen.</p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,777073,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Zerstören Profitgier und Furcht das Netz?</strong></a></p>
<p>Der deutsche Journalist und Verleger Jakob Augstein zeichnet in der Spiegel Online-Kolumne „Im Zweifel links“ ein düsteres Bild von der Zukunft des Internet. Dieses großartige Experiment würde durch Profitgier und Furcht zerfleddert werden, wenn es in Zukunft weiter beschränkt würde. Übrig bliebe dann ein Gefängnis, in dem die Internetnutzer der Kontrolle und der Verwertbarkeit durch Unternehmen und Institutionen hilflos ausgeliefert wären. Augstein bezweifelt, dass die Bürger sich der Kontrolle entziehen und sich für ein freies Netz entscheiden werden.</p>
]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>InfoMonitor März 2008: SPD-Streit über Verhältnis zur Linkspartei dominierend</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/infomonitor-maerz-2008-spd-streit-ueber-verhaeltnis-zur-linkspartei-dominierend-4085/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[InfoMonitor]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Apr 2008 11:55:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Olympische Spiele 2008]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Ypsilanti]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
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		<category><![CDATA[SPD]]></category>
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		<category><![CDATA[Tibet]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Auseinandersetzungen innerhalb der SPD über ihr Verhältnis zur Partei Die Linke stehen an der Spitze der Topthemen der deutschen Fernsehnachrichten des Monats März, wie der InfoMonitor des Instituts IFEM, Köln, meldet. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Auseinandersetzungen innerhalb der SPD über ihr Verhältnis zur Partei Die Linke stehen an der Spitze der Topthemen der deutschen Fernsehnachrichten des Monats März, wie der InfoMonitor des Instituts IFEM, Köln, meldet. <!--break--></p>
<p>
Demnach berichteten die Hauptnachrichtensendungen von ARD, ZDF, RTL und SAT.1 insgesamt 101 Minuten über dieses Thema. Mit 89 Minuten Berichterstattung folgte der Tibet-Konflikt auf Platz 2, vor dem Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst mit 61 Minuten und dem Thema Ostern (inkl. Ostermärsche) mit 45 Minuten. Außerdem finden sich unter den Top-10 des Monats März: Kämpfe im Irak/Fünf Jahre Irak-Krieg, Olympische Spiele in Peking/Olympiaboykott, Frühjahrsstürme in Europa, Krise des Finanzmarktes, Präsidentenwahl in Russland sowie der Wintereinbruch mit Verkehrschaos.
</p>
<p>
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="/wp-content/uploads/03_top-10_themen_tv_hauptnachrichten.jpg" height="270" width="468" /><i><br />
Untersuchungszeitraum: 1.3.-31.3.2008<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1<br />
News. &#8211; Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de</i>
</p>
<p>
Das SPD-Thema war bei allen untersuchten Nachrichtensendungen das Spitzenthema, außer bei der „Tagesschau“, die über den Tibet-Konflikt noch intensiver berichtete. Bei den „SAT.1 News“ nahmen die Frühjahrsstürme den zweiten Rang in ihrer Topthemenliste ein, bei den anderen Nachrichtensendungen war dieses Thema nicht so prominent platziert. Dafür rangierten bei SAT.1 sowohl das Irak-Thema als auch Olympia/Olympiaboykott deutlich niedriger als bei der Konkurrenz von ARD, ZDF und RTL. Sowohl bei RTL als auch bei SAT.1 war die Krise der Finanzmärkte kein Top-10-Thema. RTL gewichtete dagegen den Tod einer Frau durch einen von einer Autobahnbrücke geworfenen Holzklotz auf Platz 6. Bei keiner anderen Nachrichtensendung kam dieses Thema in die Top-10.
</p>
<p>
Beide Nachrichtenmagazine von ARD und ZDF beschäftigten sich im März intensiv mit dem seit nunmehr fünf Jahre andauernden Krieg im Irak. Bei den „Tagesthemen“ erreichte das Thema Rang 4 und beim „heute-journal“ Rang 3. In den Nachrichtenmagazinen wurde auch anderen Themen ein relevanter Anteil der Sendezeit eingeräumt, so etwa dem Aus für den Transrapid in Bayern und den Vorwahlen in den USA.
</p>
<p>
<b>SPD im März mit doppelt so vielen Auftritten wie CDU</b>
</p>
<p>
Die bereits im Februar geführte intensive Debatte innerhalb der SPD über eine Zusammenarbeit mit der Partei Die Linke setzte sich auch im März fort und bescherte den Sozialdemokraten eine außergewöhnliche Präsenz ihrer Politiker in den Fernsehnachrichten. Mit 545 Auftritten war die SPD mehr als doppelt so häufig vertreten wie die CDU (262). An dritter Stelle platzierte sich die CSU mit 93 Auftritten vor den Grünen (69), der FDP (36) und der Linken (24).
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/03_parteienpr_tv_nachrichten.jpg" height="320" width="468" /><br />
<i>Untersuchungszeitraum: 1.3.-31.3.2008<br />
Insgesamt 1044 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder mit O-Ton)<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1 News; Tagesthemen; heute-journal. &#8211; Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de </i>
</p>
<p>
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck setzte sich an die Spitze der am häufigsten in den Nachrichten aufgetretenen Politiker (81, davon 17 mit O-Ton). Es folgen Bundeskanzlerin Angela Merkel (71, davon 32 mit O-Ton) und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (66, davon 26 mit O-Ton). Wie im Vormonat erreichte die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti auch in diesem Monat Rang 4 mit insgesamt 58 Auftritten. Davon waren allein 35 Auftritte mit O-Ton &#8211; die höchste Zahl aller Politiker im März. Auch wenn die Linke Anlass für öffentliche Debatte boten, ihre eigene Präsenz in den Nachrichten wurde hierdurch nicht befördert: Keiner ihrer Politiker erreichte dieses Mal einen Platz unter den Top-20.
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/03_top-20_politiker_nachrichten.jpg" height="440" width="468" /> <br />
<i>Untersuchungszeitraum: 1.3.-31.3.2008<br />
Insgesamt 1044 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder mit O-Ton)<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1 News; Tagesthemen; heute-journal. &#8211; Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de   </i>
</p>
<p>
<b>Themenstruktur: SAT.1 erhöht Politikanteil</b>
</p>
<p>
Seit dem 17. März 2008 strahlt SAT.1 seine Nachrichtensendung „SAT.1 News“ an Werktagen um 20 Uhr aus, zur traditionellen Sendezeit der ARD-„Tagesschau“. Im März erreichten die „SAT.1 News“ mit 29 Prozent einen um 6 Prozentpunkte größeren Politikanteil als im Vormonat. Gleichzeitig stieg die Länge der Politikberichterstattung von durchschnittlich 3 auf 4 Minuten pro Ausgabe. Inwieweit die Verlegung der „SAT.1 News“ auch eine veränderte Gewichtung der Themenbereiche anzeigt, muss sich in den kommenden Monaten erweisen. Bei RTL scheint sich dagegen die Politikberichterstattung &#8211; weitgehend unabhängig von der politischen Nachrichtenlage &#8211; auf einem quantitativ niedrigen Niveau einzupendeln. Zum wiederholten Mal blieb der Anteil politischer Themen bei „RTL aktuell“ unter 20 Prozent (im März: 17 Prozent, 4 Minuten).
</p>
<p>
Bei ARD und ZDF zeigen sich im März stabile Themenstrukturen. Die „Tagesschau“ wies einen Politikanteil von 47 Prozent (7 Minuten) auf, bei „heute“ betrug er 35 Prozent (7 Minuten). „Tagesthemen“ und „heute-journal“ kamen auf 40 bzw. 47 Prozent, jeweils entsprechend 10 Minuten pro Ausgabe.
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/03_themenstruktur_tv_nachrichten_prozent_0.jpg" height="404" width="468" /><br />
<i>Untersuchungszeitraum: 1.3.-31.3.2008<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1<br />
News; Tagesthemen, heute-journal. &#8211; Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de</i><br />
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/03_themenstruktur_tv_nachrichten_minuten.jpg" height="420" width="468" /><i><br />
Untersuchungszeitraum: 1.3.-31.3.2008<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1<br />
News; Tagesthemen, heute-journal. &#8211; Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de</i></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Netzkunst Teil 1: Videospiel mit echten Toten</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzkunst-teil-1-videospiel-mit-echten-toten-3718/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jan 2008 17:27:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Transmediale]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkunst]]></category>
		<category><![CDATA[Joseph DeLappe]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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					<description><![CDATA[Anlässlich der transmediale08 stellen wir Ihnen bis zum Wochenende täglich eine Netzkunstaktion vor. Heute sind es gleich zwei miteinander in Verbindung stehende Arbeiten des Künstlers Joseph DeLappe. Zum einen das bereits seit Herbst 2006 laufende Kunstprojekt „Dead in Iraq“ - welches als Online-Mahnmal für gefallene US-Soldaten im Irakkrieg konzipiert ist - und zum anderen die Plattform „Iraq Memorial“, bei der die irakischen zivilen Opfer des Krieges im Vordergrund stehen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Anlässlich der transmediale08 stellen wir Ihnen bis zum Wochenende täglich eine Netzkunstaktion vor. Heute sind es gleich zwei miteinander in Verbindung stehende Arbeiten des Künstlers Joseph DeLappe. Zum einen das bereits seit Herbst 2006 laufende Kunstprojekt „Dead in Iraq“ &#8211; welches als Online-Mahnmal für gefallene US-Soldaten im Irakkrieg konzipiert ist &#8211; und zum anderen die Plattform „Iraq Memorial“, bei der die irakischen zivilen Opfer des Krieges im Vordergrund stehen.<!--break--> </p>
<p>
Die <a href="http://www.transmediale.de/" target="_blank" title="transmediale08" rel="noopener noreferrer">Transmediale</a> (30.01.08 &#8211; 03.02.08) feiert dieses Jahr ihren 20ten Geburtstag. Der Fokus des jährlich stattfindenden  Festivals liegt auf dem Zusammenspiel zwischen Medien und Kunst. Wie jedes Jahr werden im Programm ausgewählte Netzkunstaktionen vorgestellt. Anlass für den Start einer kleinen Reihe. Heute lesen Sie Teil 1: „Dead in Iraq“ und „Iraq Memorial“.
</p>
<p>
<b>Dead in Iraq</b>
</p>
<p>
Der Künstler Joseph DeLappe nutzt das vom US-Amerikanischen Militär eigens für Rekrutierungs-Zwecke  entwickelte Online-Kriegsspiel „America´s Army“ für eine Netzperformance. Mit dem Kunstprojekt „<a href="http://www.unr.edu/art/DELAPPE/Gaming/Dead_In_Iraq/dead_in_iraq%20JPEGS.html" target="_blank" title="Dead in Iraq" rel="noopener noreferrer">Dead in Iraq</a>“ protestiert er gegen den Krieg im Irak. Er beschreibt das Projekt als vergängliches Online-Mahnmal für die bisher getöteten Soldaten.
</p>
<p>
DeLappe hat sich als Spieler mit dem Namen dead-in-iraq angemeldet. Statt zu kämpfen. marschiert er jedoch passiv durch das Spiel, bis er getötet wird, um sich dann erneut wieder anzumelden. Und statt sich mit anderen Spielern auszutauschen sendet er über die integrierte Instant-Messaging-Funktion die Namen und Todestage real gefallener Soldaten im Irak-Krieg &#8211; inzwischen umfasst seine Liste bereits über 3000 Namen.
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/dead_marine_0.jpg" alt="dead marine" height="300" width="400" />
</div>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Iraq Memorial</b>
</p>
<p>
Um auf den wirklichen Preis des so genannten „War of Terror“ aufmerksam zu machen, initiierte DeLappe im Oktober 2007 ein zweites Projekt. Nicht die gefallenen amerikanischen Soldaten sondern die Erinnerung an die tausenden getöteten irakischen Zivilisten steht hierbei im Mittelpunkt. Der Künstler ruft weltweit dazu auf, ein Online-Archiv für Kunstprojekte zu erstellen, die auf die gefallenen Zivilsten im Irak aufmerksam machen. Derzeit umfasst die Sammlung auf der Plattform <a href="http://www.iraqimemorial.org/" target="_blank" title="Iraq Memonrail" rel="noopener noreferrer">Iraq Memorial</a> 42 Performances, Installationen, Videos aber auch einige Web-Kunst-Aktionen. So zum Beispiel das erst vor wenigen Tagen gestartete Web-Art-Projekt „<a href="http://www.robertspahr.com/work/cruft/crude/" target="_blank" title="1 Minute Memory" rel="noopener noreferrer">Crude Cruft (1 minute memory)</a>“ von  Robert Spahr . Mit einem automatischen Skript verknüpft er täglich ein vom amerikanischen Verteidigungsministerium herausgegebenes Bild der amerikanischen Flagge mit tagesaktuellen Berichten über zivile Opfer im Irak.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Pentagon zeigt Szenen aus dem Irak auf YouTube</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/metablockerarchives1271-pentagon-zeigt-szenen-aus-dem-irak-auf-youtube-html-2188/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 May 2007 11:37:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[YouTube]]></category>
		<category><![CDATA[Pentagon]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Pentagon hat einen Kanal auf der Vidoplattform YouTube gestartet. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=X3yWsqFW3bo&#038;mode=related&#038;search=" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bilder und Videos</a> von Soldaten im Irak sollen den Vorsprung im Medienkrieg mit Terroristen und Islamisten sichern.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Pentagon hat einen Kanal auf der Vidoplattform YouTube gestartet. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=X3yWsqFW3bo&#038;mode=related&#038;search=" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bilder und Videos</a> von Soldaten im Irak sollen den Vorsprung im Medienkrieg mit Terroristen und Islamisten sichern.<!--break--> Keine Gewalt soll es in diesen Videos zu sehen geben, stattdessen einen Blick in das &#8220;wirklich Leben der Soldaten&#8221;: &#8220;Kampfszenen, interessante, die Aufmerksamkeit erregende Aufnahmen&#8221;, werden da versprochen, genauso wie  ,,Interaktion zwischen Koalitionstruppen und der irakischen Bevölkerung, Teamarbeit zwischen Koalitionstruppen und irakischen Soldaten im Kampf gegen den Terror.&#8221;<br />
Gleichzeitig sollen Veröffentlichungen der US-Soldaten selbst, über Weblogs und Fotos auf nichtoffiziellen Kanälen an die Außenwelt gebracht, stärker kontrolliert werden. Mitte April wurde eine neue <a href="http://www.fas.org/irp/doddir/army/ar530-1.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Open Security Richtlinie</a> erlassen: Soldaten müssen nun ihre Vorgesetzten um Erlaubnis fragen, bevor sie Informationen über das Internet weiterleiten. Kontrolliert werden nicht nur Blog- und Foreneinträge, sondern auch E-Mails.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Kriegstagebücher im Internet auf dem Vormarsch</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzkultur-warblogs_salampax060309-shtml-2796/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jsommerhaeuser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
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		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Blogger]]></category>
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		<category><![CDATA[Salam Pax]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Irakkrieg ist offiziell längst für beendet erklärt und dennoch dominieren Tag für Tag Schlagzeilen über Attentate und Auseinandersetzungen in Bagdad und Umgebung die Nachrichten. Stoff genug also, um die Seiten der vielen kriegsbezogenen Weblogs zu füllen, die vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entstanden sind. Warblogs – ein Kunstwort zusammengesetzt aus „War“ (Krieg) und „(B)log“ (Logbuch, Tagebuch) – haben aufgrund des anhaltenden Konfliktes im Irak und des drohenden Streits mit Iran nach wie vor uneingeschränkte Aktualität.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Der Irakkrieg ist offiziell längst für beendet erklärt und dennoch dominieren Tag für Tag Schlagzeilen über Attentate und Auseinandersetzungen in Bagdad und Umgebung die Nachrichten. Stoff genug also, um die Seiten der vielen kriegsbezogenen Weblogs zu füllen, die vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entstanden sind. Warblogs – ein Kunstwort zusammengesetzt aus „War“ (Krieg) und „(B)log“ (Logbuch, Tagebuch) – haben aufgrund des anhaltenden Konfliktes im Irak und des drohenden Streits mit Iran nach wie vor uneingeschränkte Aktualität.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Eine Erfolgsgeschichte wie diese gibt es nicht oft: Ein junger Iraker kehrt nach dem Abschluss seines Auslandsstudium in die Heimat zurück. Das Land steht vor einem Krieg, doch anstatt zu flüchten, verbringt der Mann mehrere Stunden täglich an seinem PC in der Bagdader Wohnung seiner Eltern oder in diversen Internetcafés der Stadt. Wie in einem Tagebuch notiert er regelmäßig seine Eindrücke, Gefühle und Erlebnisse öffentlich im Internet und schon bald klicken Tausende User tagtäglich auf die Seiten des unbekannten Bagdader Bürgers. Schnell wird sein Kriegstagebuch – ein sogenanntes Warblog – in den unterschiedlichsten Medien thematisiert und es häufen sich die Interview-Anfragen großer Sender. Salam Pax, so das Pseudonyms des Irakis, wird daraufhin als Kolumnist beim Guardian angestellt und bringt einige Monate später sein Warblog in<br />
                            <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/1843542625/qid%3D1141233928/sr%3D8-1/ref%3Dsr_8_xs_ap_i1_xgl/302-6533877-8446422" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Buchform</a> auf den Markt. Ein<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/4228973.stm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Film</a> über sein Leben folgte kurz darauf – der Warblogger aus Baghdad ist berühmt geworden, weil er als einer der ersten etwas bis dato vollkommen Neues ausprobiert hat: das Bloggen zum Krieg. Die uralte Maxime &#8216;cogito, ergo sum’ – &#8216;ich denke, also bin ich’ – scheint in Zeiten von World Wide Web, Email und weltweiter Vernetzung nicht mehr zu gelten. &#8216;Ich blogge, also bin ich’, lautet der Trend im Internet.</p>
<p>
                              <strong>Besonderes Merkmal: der persönliche Stil</strong>
                            </p>
<p>Natürlich ist eine Karriere wie die von Salam Pax auch in der Warblogger-Szene eher die Ausnahme, dennoch haben sich die Kriegstagebücher gerade während des Dritten Golfkriegs zu einem wichtigen Internet-Angebot entwickelt. Für Lasica repräsentieren sie gar den „<br />
                            <a href="http://www.jdlasica.com/articles/OJR-weblogs1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ground Zero of the personal webcasting revolution</a>” und auch Stefan Krempl urteilt nicht zurückhaltend, wenn er etwa Salam Pax zur „einzigen authentischen irakischen Stimme aus dem bombardierten Bagdad“ erklärt.</p>
<p>Ähnlich positiv berichten auch die Massenmedien über den neuen Angebotstyp, den sie schnell zu DEM Phänomen des Irakkriegs küren. Dennoch liest während des Bombardements nur ein sehr überschaubarer Kreis an Usern regelmäßig Warblogs (<br />
                            <a href="http://www.pewinternet.org/pdfs/PIP_Iraq_War_Report.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PEW</a>). Erst nach und nach werden die Nutzer auf den neuen Angebotstypen aufmerksam und auch die klassischen Medien beginnen, sich mit Warblogs zu befassen. Einige Medienunternehmen adaptieren sogar den Stil der Kriegstagebücher und lassen ihre Reporter selbst als Warblogger zu Wort kommen (<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/1/hi/in_depth/world/2003/reporters_log/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BBC Reporter’s Log</a>).</p>
<p>Bei einem Großteil der Nutzer hinterlassen der persönliche Stil und der saloppe Ton der Warblogger eine anhaltende Begeisterung. Eine Alternative zur regierungstreuen Kriegsberichterstattung vieler Massenmedien scheint gefunden. Doch können die Warblogger wirklich durch ihre Augenzeugenberichte ein ‚wahrhaftiges’ Bild vom Krieg liefern? Oder betätigen sie sich nicht eher als Propagandisten ihrer eigenen Ideologien? Welchen Mehrwert bieten die Kriegstagebücher im Internet?</p>
<p>Antworten auf diese Fragen kann eine Kurzstudie geben, in der die Berichterstattung über den neuen Angebotstypen in den Jahren 2003 und 2004 untersucht wurde.</p>
<p>Die Ergebnisse zeigen, dass es trotz des relativ hohen Bekanntheitsgrads der Warblogs immer noch keine einheitliche Definition gibt. Einigkeit scheint einzig darüber zu herrschen, dass Warblogs sich durch die gleichen Merkmale auszeichnen wie Weblogs, aus denen sie hervorgegangen sind: Die Beiträge werden in umgekehrt chronologischer Reihenfolge tagebuchartig präsentiert; sie sind darüber hinaus datiert und befassen sich thematisch mit dem Irakkrieg, seinen Folgen oder Ursachen.</p>
<p>
                              <strong>Für den Nutzer: alternative Stimmen jenseits des Mainstreams</strong>
                            </p>
<p>Jenseits dieser Gemeinsamkeiten jedoch gehen die Meinungen auseinander: einige Experten halten es etwa für wichtig, dass Warblogs von Autoren verfasst werden, die sich selbst in einem Kriegsgebiet befinden. Andere erweitern den inhaltlichen Fokus und schließen die Themen Terror, Folter und politische Konflikte aller Art mit ein.</p>
<p>Für den Warblog-Leser sind jedoch nicht die vielfältigen Definitionsmöglichkeiten entscheidend, sondern es ist vor allem die persönliche Sichtweise, die die Nutzer immer wieder vor die Monitore lockt. Jenseits der journalistischen Professionalität präsentieren die Warblogger ganz bewusst ihre eigenen Eindrücke und eröffnen dem Leser dadurch eine neue Sichtweise auf das Kriegsgeschehen. Ihre Unabhängigkeit macht die Kriegstagebücher deswegen zu einer echten Alternative zu den regierungstreuen Medien.</p>
<p>Die Unzufriedenheit mit den klassischen Medien ist eines der Hauptmotive für die Warblog-Nutzung. Auf den Webseiten findet sich ein kritischer Blick auf die Medienlandschaft, der woanders kaum angeboten wird. Salam Pax beispielsweise nimmt gerne amerikanische oder arabische Sender aufs Korn:</p>
<p>                            <em>„’Umm Kasr ist unter Kontrolle&#8217;. ’Umm Kasr ist gefährdet&#8217;. ’Basra ist kein Angriffsziel&#8217;. ’Basra wird bombadiert&#8217;. ’Nassirija wird schwer umkämpft’. Könnten die Nachrichtenfuzzis sich vielleicht auf irgendwas einigen? Die neueste Fortsetzung der Kriegsberichterstattungsabsurditäten ist der &#8216;Aufstand in Basra’.“</em> (26.03.2003)</p>
<p>Ihrer Watchdog-Funktion kommen die Warblogs während des Konflikts immer wieder nach. Sie korrigieren die Berichterstattung der US-Medien, indem sie beispielsweise eigene Augenzeugenberichte veröffentlichen. Die Berichte ‚aus erster Hand’ vermitteln dem Leser Glaubwürdigkeit und viele Zusatzinformationen. Das Konzept der Augenzeugenberichte wird zunehmend auch von traditionellen Medien adaptiert. So suchte die BBC Anfang 2004 in einem Online-Artikel nach Augenzeugen für ein Bombenattentat in Syriens Hauptstadt Damaskus. Da offizielle Informationen kaum zu bekommen waren, rief die<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/3664811.stm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BBC</a> mögliche Augenzeugen dazu auf, ihre Berichte zu senden und veröffentlichte die Statements auf der Nachrichtenseite.<br />
                            <br />Reizvoll für die Leser ist dabei das Gefühl, zumindest indirekt ins Geschehen involviert zu sein.</p>
<p>
                              <strong>Propaganda, Pseudonyme und andere Probleme</strong>
                            </p>
<p>Angesichts der vielen Leistungen in eine Warblog-Euphorie zu verfallen, wäre jedoch überstürzt. Problematisch am neuen Angebotstypen ist, dass sie häufig keiner redaktionellen Kontrolle unterliegen. Was veröffentlicht wird, gilt als unfertig und wird häufig erst im Nachhinein durch Beiträge von Lesern oder Meldungen in klassischen Medien bestätigt – wenn überhaupt. Die fehlende Überprüfung der Inhalte ist ein wesentlicher Kritikpunkt an Warblogs, weil dies zu Missbrauch verleiten kann. Beiträge mit subtiler Propaganda wird der ungeübte Leser schwerlich von ernst gemeinten Kommentaren unterscheiden können.</p>
<p>Hinzu kommt, dass Warblogger sich selten an journalistische Regeln halten. Quellen werden oft nur sporadisch genannt, was eine Prüfung der Inhalte zusätzlich erschwert. Auch der Autor selbst ist in einigen Fällen ein &#8216;Buch mit sieben Siegeln’. Warblogger vor Ort schreiben häufig unter einem Pseudonym, um politischer Verfolgung zu entgehen. Zweifel an der Identität eines Autors können aber zugleich alle seine Inhalte in Frage stellen. Salam Pax, selbst hinter einem Pseudonym verborgen, hält dieses Problem für nichtig:<br />
                            <br />
                            <em>„Bitte, hört auf, mir E-Mails zu schicken, in denen ihr mich fragt, ob es mich wirklich gibt. Ihr glaubt’s nicht? Dann lest einfach nicht weiter.“</em></p>
<p>So muss der Leser letztlich selbst entscheiden, welche Warblogs er für vertrauenswürdig hält. Insgesamt sollten die Inhalte der Kriegstagebücher nicht unhinterfragt &#8216;für bare Münze genommen’, sondern mit einem gesunden Maß an Skepsis rezipiert werden – wie jedes andere Medium auch.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Bürger reicher Länder sind gefährdeter&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotbuerger_reicher_laender_sind_gefaehrdeterquot-160/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[ahaeming]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Feb 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Control Risks]]></category>
		<category><![CDATA[Maxim Worcester]]></category>
		<category><![CDATA[Personenschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 2. Februar, war Maxim Worcester 
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Er ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Control 
Risks, das im Irak für Personenschutz sorgt. Den Chattern beantwortete 
er Fragen über die Sicherheitsrisiken im Irak, die Kooperation 
mit Regierungen und die tägliche Arbeit seiner Mitarbeiter 
vor Ort.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 2. Februar, war Maxim Worcester<br />
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Er ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Control<br />
Risks, das im Irak für Personenschutz sorgt. Den Chattern beantwortete<br />
er Fragen über die Sicherheitsrisiken im Irak, die Kooperation<br />
mit Regierungen und die tägliche Arbeit seiner Mitarbeiter<br />
vor Ort.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett">Moderator</span>: Liebe Leserinnen<br />
und Leser, User und Nutzer von tagesschau.de, herzlich willkommen<br />
beim Tagesschau-Chat. Unser Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist heute<br />
Maxim Worcester, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens<br />
Control Risks. Das weltweit arbeitende Unternehmen offeriert Risikoberatung<br />
und Personenschutz auch im Irak. Starten wir hiermit:
</p>
<p>
<span class="fett">PiselEinfall</span>: Beraten Sie auch Regierungen<br />
in Sicherheitsfragen?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Ja, wir haben Aufträge<br />
von fünf Regierungen für die Sicherheit der Diplomaten<br />
sowie deren Gäste im Irak zu sorgen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wie häufig ist das Fall?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Das sind „ongoing“-Aufträge,<br />
die jährlich oder alle zwei Jahre wieder ausgeschrieben werden.<br />
Das umfasst die Sicherheit der Gebäude als auch die der Personen<br />
vor Ort wie auch Reisen im Land.
</p>
<p>
<span class="fett">El Dorado:</span> Mit welche Regierungen arbeiten<br />
Sie denn genau zusammen?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Über unsere Kunden<br />
sprechen wir prinzipiell nicht, aber wenn sie auf der Homepage der<br />
britischen Regierung nachschauen, erhalten sie eventuell Hinweise.
</p>
<p>
<b>hobbystudent:</b> Welche &#8216;Garantien &#8216; für die<br />
Sicherheit von Personen können sie überhaupt geben?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Es gibt keine Garantie<br />
für absolute Sicherheit. Auch nicht im Irak. <br />
Was man erreichen kann, ist eine signifikante Reduzierung des Risikos<br />
auf ein Maß, welches dringende und notwendige Dienstreisen<br />
in ein solches Land eingeschränkt möglich macht.
</p>
<p>
<b>unpredictablyRisk:</b> Warum gehen immer noch so viele<br />
Geschäftsleute in den Irak, obwohl die Risiken mittlerweile<br />
jedem bewusst sein müssten. Was gibt es dort in erster Linie<br />
&#8216;zu holen&#8217;?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Es fahren nicht sehr<br />
viele Geschäftsleute in den Irak. Die meisten Reisenden im<br />
Irak sind Regierungsangehörige bzw. Diplomaten. Die wenigen<br />
Geschäftsleute oder auch Spezialisten, die in das Land reisen,<br />
halten sich nur für sehr kurze Zeit im Land auf und sind projektbezogen<br />
vor Ort.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wie lange dauert ein &quot;durchschnittlicher<br />
Aufenthalt&quot;, den Sie absichern?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Es kommt wirklich auf<br />
das Projekt an. Bei Wiederaufbauprojekten (z.B. Krankenhäuser,<br />
Kraftwerke) ist der Aufenthalt in der Regel nicht länger als<br />
zwei Wochen. Bei Geschäftsbesuchen hingegen maximal zwei Tage.
</p>
<p>
<b>Björn: </b>Welche<b> </b>persönlichen<br />
Einschränkungen muss man hinnehmen, um halbwegs sicher zu sein?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Man muss gänzlich<br />
auf ein normales Leben, wie wir das kennen, verzichten. Man kann<br />
nicht spazieren gehen, man kann sich nicht frei bewegen und jeder<br />
Weg, den man fährt, muss aus Sicherheitsgründen vorab<br />
erkundschaftet werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Mehrere Fragen zum Thema Personal:
</p>
<p>
<span class="fett">Loewe:</span> Aus welchen Kreisen rekrutieren<br />
Sie ihre Mitarbeiter?
</p>
<p>
<span class="fett">Flood:</span> Sie beschäftigen &#8216;britische<br />
Militärangehörige&#8217; &#8211; also wohl Ex-SAS-Leute. Warum nicht<br />
auch KSK- und GSG-9&#8217;ler?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Unsere Leute erfüllen<br />
vor Ort drei unterschiedliche Aufgaben: 1. Informationsbeschaffung,<br />
2. Analyse und 3. Personenschutz. Als allerwichtigstes ist es zu<br />
wissen, was sich im Umfeld oder auf der Reiseroute abspielt: welche<br />
Patrouillen, welche Anschläge, welche Militäreinheiten.<br />
Kurzum: Welche Bewegungen &#8211; erwarteter oder unerwarteter Art &#8211; sind<br />
zu beobachten. Die Ermittlung dieser Informationen muss möglichst<br />
zeitnah an dem Transit unseren Kunden erfolgen und basiert auf diesen<br />
Informationen. Die Analysten planen die exakte Reiseroute. Aufgabe<br />
ist, möglichst vorab in Erfahrung zu bringen, ob das Risiko<br />
gestiegen ist bzw. wo das geringste Risiko besteht. Die Personen,<br />
die diese Aufgaben übernehmen, kommen aus verschiedensten Berufen,<br />
unter anderem Polizeidienste, Journalismus sowie Kenner des Landes<br />
und Linguisten. Die Personenschützer, die die Anweisungen der<br />
Analysten strikt befolgen, rekrutieren wir fast ausschließlich<br />
aus den Streitkräften Großbritanniens, sowie Australiens,<br />
Neuseelands und Hollands. Die Auswahl ist so getroffen worden zum<br />
einen aus Kundenwünschen, zum anderen weil diese Soldaten über<br />
bestmöglichste Ausbildung als auch Erfahrung verfügen.<br />
Deutsche Soldaten mögen zwar die nötige Kompetenz vorweisen,<br />
verfügen aber in der Regel nicht über die direkte Erfahrung<br />
im Einsatz.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Bei Ihren Mitarbeitern handelt<br />
es sich um ehemalige Soldaten nehme ich an?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Ja.
</p>
<p>
<span class="fett">ajnabi:</span> Werden Ihre Leute in der Landessprache<br />
geschult, um ein Mindestmaß an Kommunikation in kritischen<br />
Situationen sicherzustellen?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Wenn erforderlich stellen<br />
wir „Native Speakers“ ein. Hier verfügt die britische<br />
Armee über eine hohe Anzahl von Elitesoldaten, die die arabische<br />
Sprache bzw. Dialekte beherrschen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Woher diese Spezialisierung<br />
&#8211; kommt das noch aus den britischen Kolonialzeiten?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Post-Kolonialzeit. Denken<br />
Sie nur an die Konflikte im Jemen in den 70er Jahren, sowie die<br />
starke Einbindung britischer Streitkräfte in Ländern wie<br />
Bahrein, Kuwait, Arabische Emirate sowie Oman.
</p>
<p>
<span class="fett">snus:</span> Arbeiten Sie auch mit Leuten der<br />
irakischen Armee zusammen?
</p>
<p>
<b>LeutnantBw:</b> Inwieweit kooperieren Ihre Leute mit<br />
den Truppen vor Ort?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Wir kooperieren mit<br />
all denjenigen, die für die Sicherheit unserer Kunden nützlich<br />
sind. Dies schließt selbstverständlich alle lokalen Streitkräfte,<br />
Polizei und Regierung mit ein. Darüber hinaus sprechen wir<br />
mit ähnlichen Unternehmen wie Control Risks vor Ort und kooperieren<br />
eng mit denen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Das heißt Ihre Mitarbeiter<br />
haben auch ständig Kontakt zur US-Armee?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Unter anderem.
</p>
<p>
<b>Daniel23</b>: Würden Sie sagen, bestimmte Staatsangehörige<br />
sind im Irak gefährdeter als andere, oder machen Entführer<br />
etc. dort keine Unterschiede?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Pauschal kann diese<br />
Frage nicht beantwortet werden.<br />
Selbstverständlich sind die Bürger der Nationen, die militärisch<br />
im Irak präsent sind gefährdeter als die, deren Regierungen<br />
sich fern gehalten haben. Auf der anderen Seite spielt dies bei<br />
den Entführungen aus Geldmotiven keine Rolle. Hier spielt eine<br />
ganz entscheidende Rolle, ob der oder die Entführte gegen Geld<br />
erpressbar ist.<br />
Kurzum: Die Bürger armer Nationen sind weniger gefährdet<br />
als die reicher Nationen und allen voran hier Bürger reicher<br />
Nationen die in der Vergangenheit bereit waren, für die Freiheit<br />
ihrer Bürger zu zahlen.
</p>
<p>
<span class="fett">libero:</span> Sie sagten bereits, dass Sie<br />
für ein geringstmögliches Risiko sorgen können. Wie<br />
ist Ihre Einschätzung der Lage im Irak? Lassen sich Entführungsfälle<br />
grundsätzlich überhaupt verhindern? Oder werden wir immer<br />
wieder mit neuen Fällen rechnen müssen?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Grundsätzlich kann<br />
man Entführungen nicht verhindern. Allerdings kann man mit<br />
aufwändigen Sicherheitsmaßnahmen dafür sorgen, dass<br />
das Risiko einer Entführung erheblich gesenkt wird. Es steht<br />
fest, dass Leute im Irak, die von einer professionellen Sicherheitsberatungsfirma<br />
begleitet werden, eher nicht entführt werden als diejenigen,<br />
die sich auf den vermeintlichen Schutz von Regierungsstellen bzw.<br />
Auftraggebern verlassen.
</p>
<p>
<span class="fett">xy:</span> Wie groß ist die Akzeptanz<br />
ihrer Firma unter den Einheimischen? Wie ist die Einstellung ihren<br />
Mitarbeitern gegenüber?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Wie immer in solchen<br />
Fällen wohlwollend bis ablehnend, es kommt immer darauf an,<br />
wen Sie fragen. Wenn Sie einen Aufständischen fragen wird er<br />
immer eine andere Meinung haben als die große Mehrheit der<br />
irakischen Bürger, die uns als einen Teil des Wiederaufbauprozesses<br />
des Landes betrachten.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Ich habe den Eindruck, dass<br />
wir die Entführungsfälle von Irakern durch Iraker &#8211; die<br />
es ja wohl zahlreich gibt &#8211; hier nicht wahrnehmen. Ist das so?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Dies ist absolut richtig,<br />
was Sie sagen. Wir rechnen mit über 100 Entführungen pro<br />
Monat dieser Art. Es handelt sich hierbei um Entführungen,<br />
um alte Rechnungen zu begleichen, Schulden einzutreiben oder sonstige<br />
Differenzen zu klären, die auf dem Rechtsweg derzeit nicht<br />
möglich sind. Diese Entführungsfälle werden so gut<br />
wie nicht im europäischen Ausland beachtet und haben dazu geführt,<br />
dass hochqualifizierte irakische Ärzte, Professoren und sonstige<br />
Führungskräfte auf Grund dieser Entführungen das<br />
Land verlassen haben und nach Amman in Jordanien geflüchtet<br />
sind.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wie beurteilen Sie diese Tatsache<br />
für die Entwicklung des Irak?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Sie ist in hohem Maße<br />
schädlich und wirft den Wiederaufbauprozess stark zurück.<br />
Vor allem das Gesundheitswesen leidet sehr stark unter dieser Flucht<br />
aus dem Irak.
</p>
<p>
<span class="fett">ajnabi:</span> Herr Worcester, sind Ihre eigenen<br />
Leute schon Opfer von Entführungen geworden?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Nein.
</p>
<p>
<b>nordmann:</b> Gibt es zum Beispiel im Irak eine rechtliche<br />
Beschränkung für den Schusswaffengebrauch ihrer Mitarbeiter?
</p>
<p>
<b>SecUser: </b>Inwieweit ist es Ihren Mitarbeitern gestattet,<br />
den Personenschutz im Status bewaffnet durchzuführen? Wer bestimmt<br />
im Irak, dass ausländische Privatunternehmen ihren Auftrag<br />
bewaffnet durchführen können?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Control Risks ist eine<br />
registrierte Sicherheitsberatungsfirma im Irak und wir halten uns<br />
strikt an die Gesetze des Landes.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Das heißt, Sie brauchen<br />
eine Genehmigung der irakischen Regierung um tätig zu werden?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> So ist es und diese<br />
haben wir. Unsere Leute dürfen in bestimmten Fällen bewaffneten<br />
Personenschutz durchführen im Rahmen der Gesetze des Landes.
</p>
<p>
<b>henrik: </b>Gab es schon mal Tote oder Verletzte unter<br />
den Menschen die Sie beschützen sollten?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Es gab Verletzte, aber<br />
keine unserer Kunden sind ums Leben gekommen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Können Sie diese kritische<br />
Situation &#8211; wenn auch vielleicht anonymisiert &#8211; etwas näher<br />
schildern?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> In drei Fällen<br />
ist eines unserer Autos in die Nähe eines Bombenanschlages,<br />
welcher nicht auf uns gerichtet war, geraten. Die Panzerung hat<br />
größeren Schaden verhindert, aber Verletzungen konnten<br />
trotz der Panzerung des Autos nicht verhindert werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Flood:</span> Die Personenschützer müssen<br />
ja selbst raus auf die Straße. Das heißt, dass ihre<br />
&#8216;Native Speakers&#8217; auch im landestypischen Aussehen wenig auffallen?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Grundsätzlich versuchen<br />
wir weder durch unser Benehmen, Kleidung oder Fortbewegungsmittel<br />
aufzufallen.
</p>
<p>
<span class="fett">Loewe:</span> Woher stammen die feindlichen<br />
Kämpfer im Irak, soweit Sie dies beurteilen können? Was<br />
sind ihre Motivationen?
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wer sind also diejenigen,<br />
die ihre Kunden bedrohen &#8211; Kriminelle oder überwiegend Iraker<br />
oder Ausländer, die gegen die Besatzer kämpfen?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Die Bedrohung kommt<br />
von beiden dieser Gruppen, wobei die Bedrohung auf unterschiedlicher<br />
Art und Weise begegnet werden muss. Die reine<br />
kriminelle Bedrohung (Entführung für Lösegeld) ist<br />
im Vorfeld eher leichter, wenn auch schwierig zu ermitteln, da es<br />
sich hier um Kriminelle handelt, die nicht über dieselbe Disziplin<br />
und Verschwiegenheit verfügen wie die zweite Gruppe, nämlich<br />
die politisch motivierten Täter. Die politisch motivierten<br />
Täter stammen nicht nur aus dem Irak sondern aus der arabischen<br />
Welt vor allem Syrien, Jordanien und Saudi-Arabien und deren Ziel<br />
ist es, die &quot;westlichen Besatzer&quot; aus dem Land zu vertreiben.<br />
Sie sind gut organisiert, haben eine Zellenstruktur und hohe Sicherheitsmaßnahmen<br />
getroffen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Zu den beiden entführten<br />
Deutschen:
</p>
<p>
<span class="fett">louise:</span> Waren Ihrer Meinung nach die<br />
beiden Entführungsopfer nicht ausreichend geschützt?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Im Nachhinein sind wir<br />
alle klüger. Ohne genau zu wissen, inwieweit der Auftraggeber<br />
gesorgt hat, kann diese Frage nicht beantwortet werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Hätten Sie einen Auftrag<br />
für die beiden Ingenieure angekommen, die nach Baidschi reisten?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Ja. Nach sorgfältiger<br />
Prüfung und wenn der Auftraggeber mit unseren Vorkehrungen<br />
einverstanden gewesen wäre, dann hätten wir den Auftrag<br />
sicher übernommen. Aber nur zu unseren Konditionen.
</p>
<p>
<b>martoss:</b> Die beiden Deutschen sind ja anscheinend<br />
auf dem Werksgelände entführt worden, also dort wo sie<br />
sich haben aufhalten müssen. Was kann man da zum Schutz für<br />
seine Kunden unternehmen?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Ob die beiden auf dem<br />
Werksgelände entführt worden sind oder auf dem Weg dorthin<br />
ist überhaupt nicht klar. Die goldene Regel aber lautet sich<br />
möglichst wenig zu bewegen und möglichst viel Zeit an<br />
einem Platz zu verbringen, der sicher geschützt ist. In diesem<br />
Falle ist das Werksgelände wohl der sicherste Ort gewesen,<br />
wenn er denn richtig geschützt war.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Die beiden waren in einer<br />
Wohnunterkunft untergebracht, die &#8211; so heißt es &#8211; relativ<br />
leicht &quot;ausspähbar&quot; war. Wie bewerten Sie das?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Eher unsicher.
</p>
<p>
<b>nico-ma: </b>Wäre so ein Auftrag für ein<br />
mittelständisches Unternehmen finanzierbar?
</p>
<p>
<b>janeblonda: </b>Verraten Sie uns, wie viel Ihre Kunden<br />
bei Ihnen für einen Auftrag mindestens bezahlen müssen?<br />
Was kostet eine Stunde Sicherheit im Irak?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Sicherheit ist nicht<br />
käuflich, wohl aber Risikominimierung. Es gibt keine Preisliste,<br />
sondern jeder Auftrag unterscheidet sich von jedem anderen. Die<br />
wichtigsten Parameter sind: Location, Dauer des Aufenthaltes, Anzahl<br />
der zu schützenden Personen. Im Schnitt kommen wir auf Tagessätze<br />
für die Betreuung von zwischen 6000 und 9000 Euro.
</p>
<p>
<b>Marcel:</b> Ich habe gehört, dass es nach einem<br />
Bericht des TV Senders Arte ca.15000 private Sicherheitskräfte<br />
im Irak gibt, die für ausländische Unternehmen arbeiten.<br />
Sind die Zahlen ihrer Ansicht nach repräsentativ?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Wenn man sämtliche<br />
Sicherheitskräfte einbezieht, also auch lokale Kräfte,<br />
die für statischen Schutz sorgen (also klassische Wachgesellschaften)<br />
so kann diese Zahl durchaus stimmen. Wir haben etwa 400 Leute vor<br />
Ort und gehören zu den Größeren der Branche.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wie wichtig ist in Ihrer Branche<br />
der &quot;gute Ruf&quot;?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Der gute Ruf ist enorm<br />
wichtig, wobei guter Ruf nicht nur bedeutet, erfolgreich zu sein,<br />
sprich optimalen Schutz zu gewährleisten, sondern dies auch<br />
in einer Art und Weise zu praktizieren, die ethisch und verantwortungsbewusst<br />
ist.
</p>
<p>
<b>Marder05:</b> Wie bewerten Sie, dass Privatfirmen<br />
Soldaten vermieten, die dann von den USA in Kriegsgebieten (z.B.<br />
Irak) angeheuert werden?
</p>
<p>
<b>behemoth: </b>Wie stehen private Sicherheitsanbieter<br />
zu dem Umstand, dass Staaten (USA im Irak) private Firmen engagieren,<br />
um die eigenen Kosten (=Menschenleben) zu senken und die tatsächlichen<br />
Verluste zu vertuschen?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Zunächst muss man<br />
feststellen, dass der rapide Zuwachs von privaten Sicherheitskräften<br />
in Krisengebieten wie Irak oder Afghanistan viel damit zu tun hat,<br />
dass es schlichtweg entweder nicht genügend Soldaten gibt,<br />
die vor Ort diese Aufgaben übernehmen können oder dass<br />
die Soldarten nicht über die Kenntnisse verfügen, die<br />
in diesen Gebieten notwendig sind. Im Irak oder auch Afghanistan<br />
sind die Regierungen als auch die Vor-Ort-Armeen nicht in der Lage,<br />
das Land zu befrieden und gleichzeitig für adäquaten Personenschutz<br />
oder Gebäudeschutz zu sorgen. Aus diesem Grunde ist auch eine<br />
Verlagerung in Richtung privater Dienstleister erfolgt. Man muss<br />
auch hier ganz klar zwischen privaten Militärfirmen und privaten<br />
Sicherheitsfirmen unterscheiden. Ich spreche hier für die privaten<br />
Sicherheitsfirmen, die den Auftrag haben, ihre Auftraggeber zu schützen<br />
bzw. die Risiken zu minimieren. Die privaten militärischen<br />
Firmen hingegen verfolgen eher eine offensivere Strategie und arbeiten<br />
eng mit den Militärs zusammen. Man sollte diesen beiden Unternehmenstypen<br />
auf keinen Fall miteinander verwechseln, was offensichtlich dem<br />
Fragesteller unterlaufen ist.
</p>
<p>
<span class="fett">Profl:</span> Kam es schon zu Konflikten mit<br />
den Besatzungsmächten?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Es kommt immer wieder<br />
in stressigen Situationen zu Schwierigkeiten, die aber immer gelöst<br />
werden können. In einer Situation, in der man sehr schnell<br />
entscheiden muss, kann es zu Missverständnissen kommen. Hier<br />
ist die Professionalität gefragt, ebenso schnell die Missverständnisse<br />
zu lösen.
</p>
<p>
<b>Christian Rolke: </b>Sicherlich, dass die Gefahren<br />
im Irak am höchsten sind, wie aber schätzen Sie die Gefahren<br />
in den Umliegenden Ländern ein, Kuwait, Bahrain U.A.E.?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Sie haben völlig<br />
Recht, die Sicherheitslage im Irak ist außerordentlich schwierig.<br />
Wobei man auch hier im Irak zwischen dem Norden, der Mitte und dem<br />
Süden klare Unterschiede machen muss. Das berüchtigte<br />
sunnitische Dreieck gehört wohl zu den gefährlichsten<br />
Gebieten der Erde. Zumindest wenn es um Personensicherheit geht.<br />
Die Sicherheit im Norden als auch teilweise im Süden entspricht<br />
in etwa der Gefahr in Teilen Saudi Arabiens oder dem Jemen. Um aber<br />
die Risiken in anderen Ländern nicht zu vernachlässigen:<br />
Es herrschen in Teilen Afghanistans ähnliche Risiken wie im<br />
Irak aber auch in Zentralafrika und in Teilen Nigerias sowie Kolumbien<br />
haben wir ähnliche Sicherheitsrisiken.
</p>
<p>
<b>SecUser:</b> Inwieweit arbeiten Sie mit den Sicherheitsbehörden<br />
in Deutschland zusammen? Zum Beispiel mit den Nachrichtendiensten<br />
in Bezug auf Gefährdungen Ihrer Schutzperson, die evtl. bei<br />
den Sicherheitsbehörden bekannt sind? Gibt es einen Informationsaustausch<br />
mit BND, MAD usw.?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Wir sprechen mit all<br />
jenen, die mit uns sprechen wollen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Und schön, dass auch<br />
ein Berliner dabei ist:
</p>
<p>
<b>Wurstmaxe:</b> Sind Sie persönlich denn auch<br />
schon in Krisenherden gewesen?
</p>
<p>
<span class="fett">Maxim Worcester:</span> Ja.
</p>
<p><span class="fett">Moderator:</span> Unsere 60 Minuten Tagesschau-Chat<br />
sind vorbei. Vielen Dank für Ihr Interesse und vielen Dank<br />
an Sie, Herr Worcester, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen<br />
sind. Für alle die zu spät in den Chat gefunden haben:<br />
Das Chat-Protokoll finden Sie wie immer zum Nachlesen auf tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Der nächste Chat ist am kommenden Montag,<br />
dann stellt sich ab dreizehn Uhr die Grünen-Fraktionsvorsitzende<br />
Katrin Göring-Eckhardt Ihren<br />
Fragen. tagesschau.de und politik-digital.de wünschen noch<br />
einen angenehmen Tag!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Dann gäbe es wohl einen Bürgerkrieg im Irak.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rthurnher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jun 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Volker Perthes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Volker Perthes, designierter Direktor 
der Stiftung Politik und Wissenschaft, war am 22. Juni zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Er sprach über 
seine Einschätzungen zur Lage im nahen Osten.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Volker Perthes, designierter Direktor<br />
der Stiftung Politik und Wissenschaft, war am 22. Juni zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Er sprach über<br />
seine Einschätzungen zur Lage im nahen Osten.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat Reihe wird veranstaltet von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de und unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Unser Gast heute ist Volker Perthes, Experte für die arabische Welt<br />
bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin (SWP), deren Leitung<br />
er im Herbst übernehmen wird. Die SWP berät als unabhängige<br />
Einrichtung Bundestag und Bundesregierung, ein Berliner „Think Tank“,<br />
also.<br />
Die Leitung steht, beginnen wir damit:
</p>
<p>
<b>Tickkerman:</b> Die US-Amerikaner haben nicht das beste<br />
Image bei den Irakern. Wie sieht es bei den europäischen Soldaten<br />
aus? Wird überhaupt ein Unterschied gemacht?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Ja, es wird durchaus ein kleiner Unterscheid<br />
gemacht. Die Briten etwa haben ein besseres Image, weil sie in der Regel<br />
mit mehr Vorsicht vorgehen, d.h. aber nicht, dass &#8211; wenn etwa NATO-Truppen<br />
die Amerikaner ersetzen würden &#8211; der Widerstand deshalb aufhörte.<br />
Wenn die NATO einfach die Stelle der Amerikaner einnähme oder als<br />
Sub-Unternehmer der USA tätig würde, würden sie genauso<br />
als Besatzungstruppen wahrgenommen.
</p>
<p>
<b>Roland79:</b> Mit welchem Zeithorizont wird eigentlich gerechnet,<br />
den Irak in ein nahezu befriedetes &#8211; sprich terrorfreies &#8211; Land zu überführen?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Ich weiß nicht mit welchem Zeithorizont<br />
die Amerikaner rechnen, aber es sieht nicht so aus als ob die amerikanischen<br />
Truppen und die irakische Regierung die Rebellion und den Terror innerhalb<br />
der nächsten ein, zwei Jahre niederschlagen könnten. Gleichzeitig<br />
versuchen die Amerikaner allerdings strategische Orte im Irak soweit zu<br />
befrieden, dass sie im Laufe des nächsten Jahres ihre Truppen zumindest<br />
reduzieren können. Wir sollten davon ausgehen, dass wir Bilder vom<br />
Terror im Irak sicher in den nächsten zwei, vielleicht auch drei<br />
Jahren noch oft zu sehen bekommen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie haben mal an der Uni Beirut &quot;vor<br />
Ort&quot; gelehrt, hier in Berlin stellt sich die berechtigte Frage:
</p>
<p>
<b>FirstMover:</b> Woher beziehen Sie eigentlich Ihre Informationen?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Aus häufigen Reisen in die Region.<br />
Aus dem Studium der regionalen Presse. Aus Gesprächen mit Kollegen,<br />
Freunden und anderen Gesprächspartnern in der Region und natürlich<br />
auch aus den deutschen und internationalen Medien und Fachzeitschriften.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gibt es irgendeine Art von Partner-&quot;Think<br />
Tank&quot; im Irak. Oder ist die politische Wissenschaft dort noch nicht<br />
wieder zum Leben erweckt worden?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Die politische Wissenschaft beginnt<br />
tatsächlich wieder zu leben, aber eher an den Universitäten<br />
als in Think Tanks. Es gibt einige Versuche, „Think Tanks“<br />
zu errichten, die sind aber noch nicht sehr weit gediehen. Gerade politisch<br />
aktive Wissenschaftler laufen zudem Gefahr. Ein guter Bekannter von mir<br />
der als Professor an der Universität in Bagdad tätig war und<br />
sich häufig zu politischen Tagesfragen, also gerade auch zur Gewalt<br />
im lokalen und internationalen Fernsehen geäußert hat, ist<br />
vor einem Jahr von einer Gruppe Bewaffneter aus seinem Auto gezerrt und<br />
hingerichtet worden. Und er ist nicht der einzige Wissenschaftler der<br />
so zum Opfer der politischen Macht-Auseinandersetzungen im Irak geworden<br />
ist.
</p>
<p>
<b>XinPing:</b> Gibt es im Irak ein unabhängiges Mediensystem,<br />
das die Menschen vor Ort aufklärt?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Ja, die lokalen Medien, insbesondere<br />
die Zeitungen, werden zunehmend unabhängig und kritisch. Daneben<br />
gibt es den Zugang zu arabischen und internationalen elektronischen Medien.<br />
In jedem Fall ist die Isolierung, unter der die Iraker unter Saddam Hussein<br />
lebten, gerade auch die Isolierung von der internationalen Medienwelt,<br />
heute überwunden.
</p>
<p>
<b>liberated:</b> Was halten Sie von Al Jazeera?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Al Jazeera hat eine klare Medienrevolution<br />
in der arabischen Welt herbeigebracht indem sie kontroverse Diskussionen<br />
zu für die Bürger dieser Staaten sehr wichtigen Themen ausgestrahlt<br />
haben. Damit haben sie tatsächlich etwas sehr Positives für<br />
die Diskussionskultur in der Region getan. Gleichzeitig ist es wie die<br />
meisten Fernsehsender ein populistisches Medium. D.h. es überzeichnet<br />
und übertreibt gelegentlich um die Massen von der Konkurrenz vor<br />
das eigene Programm zu ziehen. Politisch ist man sicherlich eher arabisch-nationalistisch<br />
und ein wenig islamistisch. Da dem Sender aber abwechselnd vorgeworfen<br />
wird von Bin Laden, den Israelis oder dem CIA gesteuert zu sein, scheinen<br />
sie letztlich doch einen recht ausgeglichenen Kurs zu fahren.
</p>
<p>
<b>heino2:</b> Meinen Sie, dass ohne eine Lösung des Nahost-Konflikts<br />
im Irak überhaupt dauerhaft Stabilität und Sicherheit geschaffen<br />
werden kann?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Die beiden Konflikte beeinflussen sich<br />
durchaus gegenseitig. Es ist sicher so, dass eine friedliche Regelung<br />
des Nahost-Konflikts auch zu einer Beruhigung der Auseinandersetzungen<br />
im Irak beitragen würde. Schon weil Anti-Amerikanismus, ja sogar<br />
der Hass auf die Amerikaner, sich heute zum großen Teil davon nährt,<br />
dass den USA vorgeworfen wird einseitig Israel zu unterstützen. Tatsächlich<br />
sehen wir heute, dass die zweite Administration von George W. Bush ernsthaftere<br />
Bemühungen zur Regelung des Konfliktes in Nahost unternimmt. Nicht<br />
zuletzt wohl, weil es im Irak überhaupt nicht nach Plan läuft.
</p>
<p>
<b>betty:</b> Was würde aus Ihrer Sicht passieren, wenn<br />
man den Irak morgen wieder komplett sich selbst überlassen würde?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Dann gäbe es wohl einen Bürgerkrieg<br />
im Irak. Das Dilemma der Situation ist gerade auch für Wissenschaftler<br />
und Berater, dass wir nicht mit gutem Gewissen einen sofortigen Abzug<br />
der Besatzungstruppen fordern können. Sie haben diesen Krieg gegen<br />
den Rat vieler ihrer Verbündeter geführt und wir können<br />
ihnen jetzt nicht raten den Irak wieder zu verlassen ohne zumindest effektive<br />
staatliche Strukturen wiederhergestellt zu haben.
</p>
<p>
<b>Tom 21:</b> Gibt es im Irak eigentlich auch Teile der Bevölkerung,<br />
die fremde Truppen in ihrem Land befürworten und als Unterstützung<br />
ansehen? Oder teilt die gesamte Bevölkerung die &quot;Antihaltung&quot;<br />
der gewalttätigen Rebellen?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Es gibt schon eine ganze Reihe gesellschaftlicher<br />
Kräfte, die aus den in der Antwort auf die letzte Frage genannten<br />
Gründe für eine weitere Anwesenheit der Amerikaner eintreten,<br />
eben um Chaos und Bürgerkrieg zu vermeiden. Und es gibt politische<br />
und gesellschaftliche Gruppen, die sagen, dass man das Regime von Saddam<br />
Hussein ohne die Hilfe der Amerikaner nie losgeworden wäre. Gleichzeitig<br />
gilt, dass kaum jemand richtig glücklich ist, unter Besatzung zu<br />
leben. Es gibt nur eben unterschiedliche Strategien, ein Ende der Besatzung<br />
herbeizuführen. Die Parteien, die an den Parlamentswahlen teilgenommen<br />
haben, sagen sich &#8211; richtigerweise, wie ich denke, dass man die Besatzung<br />
am schnellsten loswird, wenn man einen glaubwürdigen Staat aufbaut.<br />
Die Rebellen glauben &#8211; zum Teil jedenfalls &#8211; dass sie die Amerikaner gewaltsam<br />
vertreiben können. Und ihr Ziel ist wohl auch nicht die Errichtung<br />
eines demokratischen Staates.
</p>
<p>
<b>irgenteinname:</b> Wenn Sie beim Abzug der Amerikaner einen<br />
Bürgerkrieg befürchten, als was bezeichnen Sie die jetzigen<br />
Verhältnisse dort?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Man kann von einer Rebellion sprechen<br />
oder von einer Kombination von Widerstand gegen die ausländischen<br />
Truppen und Terror gegen die irakische Bevölkerung. Einen Bürgerkrieg,<br />
bei dem unterschiedliche gesellschaftliche oder politische Gruppen mit<br />
ihren Privatarmeen oder -milizen gegeneinander kämpfen würden,<br />
gibt es noch nicht. Die Gefahr wäre allerdings da, wenn etwa die<br />
Suche nach einem Verfassungskompromiss scheitern, es keine einvernehmliche<br />
Lösung über die Zukunft Irakisch-Kurdistans oder über die<br />
Stadt Kirkuk geben sollte. Dann kann es durchaus sein, dass es zu einem<br />
gewaltsamen Aufbruch des Staates und zu bewaffneten Auseinandersetzungen<br />
zwischen verschiedenen Volksgruppen kommt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Anwesenheit der USA provoziert allerdings<br />
ja bekanntermaßen, daher Nachfrage von:
</p>
<p>
<b>Stickler:</b> Nach meiner Meinung erleben die Amerikaner<br />
im Irak gerade ihr zweites Vietnam. Wäre es nicht besser, als Reizfigur<br />
sich aus dem Irak zurückzuziehen und die Staatengemeinschaft zu bitten,<br />
die Probleme diplomatisch zu klären?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Es wäre klüger gewesen, von<br />
Anfang an eine diplomatische Lösung zu suchen. Ein rascher Rückzug<br />
würde jetzt aber als Sieg der Rebellen und der übelsten terroristischen<br />
Elemente, die im Irak einen „save haven“ gefunden haben, verstanden<br />
werden. Insofern wäre es vermutlich richtig, wenn die USA und ihre<br />
Alliierten in Kooperation mit der gewählten irakischen Regierung<br />
klare Kriterien benennen würden, bei deren Erfüllung dann ein<br />
vollständiger – und ich betone: vollständiger –<br />
amerikanischer Abzug stattfindet. Damit würde man auch allen Spekulationen<br />
entgegentreten, dass die USA sich langfristig im Irak festsetzen und letztlich<br />
nur die Ölvorräte des Irak kontrollieren wollten.
</p>
<p>
<b>adonisKF:</b> Glauben Sie, dass die US-Truppen unter einem<br />
Präsidenten der Demokratischen Partei aus dem Irak abgezogen würden?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Wenn die Wahlen im letzten Herbst anders<br />
ausgegangen wären, ständen wahrscheinlich trotzdem noch US-Truppen<br />
im Irak. Auch eine demokratisch geführte US-Regierung muss ja mit<br />
den Dilemmata umgehen, die durch den Krieg entstanden sind. Allerdings<br />
könnte ein demokratischer Präsident glaubwürdiger sagen:<br />
Wir haben hier ein Problem, das wir gemeinsam lösen wollen, lasst<br />
uns, als Iraker, Amerikaner und Europäer, möglicherweise auch<br />
als arabische Nachbarn, überlegen, wie wir zur Stabilisierung des<br />
Irak beitragen können.
</p>
<p>
<b>StockholmCity:</b> Wenn Sie eine neue Bundesregierung nach<br />
Beratung fragen sollte bezüglich eines Engagements im/für den<br />
Irak, welchen Ratschlag würden Sie geben? Welchen Beitrag sollte<br />
Deutschland Ihrer Meinung nach im Irak leisten?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Wir haben eine Mitverantwortung für<br />
den Aufbau eines möglichst pluralistischen, zivilen Irak. D.h., dass<br />
Deutschland sich mit vielen der bekannten Mitteln der Entwicklungs- und<br />
Aufbauhilfe im Irak engagieren sollte &#8211; also etwa Ausbildungshilfe für<br />
Polizei und Justiz, für Behörden und Nichtregierungsorganisationen<br />
(NRO). Natürlich kann ein Entwicklungsministerium keine Entwicklungshelfer<br />
in Kampfzonen schicken. Man wird deshalb dieses Engagement geographisch<br />
erst einmal auf jene Regionen konzentrieren müssen, in denen die<br />
Sicherheit einigermaßen gewährleistet ist. Das gilt etwa für<br />
den kurdischen Norden des Irak. Ich denke, wir haben auch gerade für<br />
den politischen Aufbau als Deutsche, möglicherweise in Kooperation<br />
mit einigen unser europäischen Partnern, einiges anzubieten, etwa<br />
unsere Erfahrung mit föderalen Strukturen oder so wichtigen Instrumenten<br />
für den Zusammenhalt eines Staates wie den Finanzausgleich zwischen<br />
verschiedenen Bundesländern und Regionen. Die Iraker suchen ja noch<br />
nach Wegen und Mitteln, um einen ihren Verhältnissen angemessenen<br />
Föderalismus lebensfähig zu machen. Und man muss wissen, dass<br />
der Irak in Zukunft wohl nur als einheitlicher Nationalstaat fortexistieren<br />
wird, wenn er eine stabile föderative Verfassung auf den Weg bringt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Teil dessen, was Sie vorschlagen, passiert<br />
bereits. Was glauben Sie, würde sich unter einer Regierung Merkel<br />
verändern?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Ich denke, in der Substanz wird die<br />
Veränderung in punkto Irak nicht groß sein. Möglicherweise<br />
wird es einer Regierung Merkel leichter fallen, mit den USA Einvernehmen<br />
über eine gewisse Arbeitsteilung im Irak herbeizuführen. Das<br />
versucht auch die derzeitige Bundesregierung. Aber in Washington, insbesondere<br />
in den Kreisen, die dort die Irakpolitik gestalten, ist die derzeitige<br />
deutsche Regierung nach wie vor kein bevorzugter Partner. Ich glaube auch<br />
dass eine CDU-geführte Bundesregierung nach zivilen Möglichkeiten<br />
der Aufbauhilfen für den Irak suchen wird und keine deutschen Truppen<br />
an den Euphrat schicken wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zur vorherigen Antwort:
</p>
<p>
<b>StockholmCity:</b> (direkte Nachfrage): Ein militärisches<br />
Engagement Deutschlands im Irak sehen Sie also nicht als empfehlenswert/angebracht/notwendig?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Nein. Was würde es nützen?<br />
Glauben Sie, dass die Bundeswehr einen so machtvollen Aufstand wie den,<br />
den die amerikanische Armee sich seit zwei Jahren zu besiegen bemüht,<br />
siegreich bekämpfen könnte?
</p>
<p>
<b>Michael_B:</b> Besteht in der irakischen Bevölkerung<br />
überhaupt ein Verständnis für Demokratie?
</p>
<p>
<b>tony:</b> Wie glauben Sie wird sich die Demokratie in Irak<br />
entwickeln, wird es dort überhaupt eine demokratische Entwicklung<br />
geben? Wie kann es zu einer demokratischen Entwicklung kommen, wenn die<br />
Mehrzahl der Bevölkerung nicht weiß, was Demokratie ist?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Es gibt ein großes Interesse an<br />
politischem Pluralismus und Machtteilung zwischen allen relevanten gesellschaftlichen<br />
Gruppen. Und es gibt ein sicher ebenso großes Interesse an dem,<br />
was man &quot;gute Regierungsführung&quot; nennt, also Rechtsstaatlichkeit,<br />
die Wahrung persönlicher Freiheiten, Transparenz und Bekämpfung<br />
der Korruption. Dies dürfte meiner Einschätzung nach stärker<br />
wiegen, als der Wunsch nach einem liberalen Demokratiemodell, wie wir<br />
es in europäischen Staaten kennen. Und je mehr die Sicherheit des<br />
einzelnen Bürgers durch Gewalt und Terror gefährdet ist, desto<br />
stärker wiegt der Wunsch nach Sicherheit und Ordnung. Grundsätzlich<br />
aber hat die vergleichsweise hohe Wahlbeteiligung an den irakischen Parlamentswahlen<br />
im Januar gezeigt, dass die Iraker und Irakerinnen sehr wohl am Aufbau<br />
einer zivilen Staatsordnung mit zumindest demokratischen Elementen interessiert<br />
sind.
</p>
<p>
<b>salman:</b> In vielen arabischen Ländern geht zurzeit<br />
die Angst vor einem so genannten schiitischen Halbmond (Iran, Irak, Libanon)<br />
um. Ist das eine reelle Gefahr gerade in Anbetracht der iranischen Bemühungen<br />
zur Atommacht aufzusteigen?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Ich sehe das nicht als Gefahr. Eine<br />
Gefahr sehe ich allerdings darin, dass eine Reihe von Beobachtern und<br />
Politikern der arabischen Welt die gegenwärtigen politischen und<br />
gesellschaftlichen Veränderungen in einzelnen Ländern der Region<br />
in ein konfessionelles oder konfessionalistisches Denk- und Analyseraster<br />
zu pressen versuchen. Im Irak haben doch nicht ernsthaft &quot;die Schiiten&quot;<br />
die Macht übernommen, sondern hier ist erstmals das Prinzip einer<br />
repräsentativen Machtteilung, zumindest im Ansatz, durchgeführt<br />
worden.
</p>
<p>
<b>Franz56:</b> Wird der demokratische Irak andere Nachbarstaaten<br />
demokratisieren?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wenn er denn demokratisch wird – das<br />
ist ja die Domino-Theorie.
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Demokratie, wenn sie denn haltbar sein<br />
soll, muss sich auf innere gesellschaftliche und politische Strukturen<br />
stützen können. Deshalb wird der Irak kaum seine Nachbarn demokratisieren.<br />
Er wäre dazu auch in einer schlechten Lage. Was wir allerdings sehen<br />
können, ist, dass der Umsturz im Irak politische Kräfte in anderen<br />
Ländern, die eine Veränderung in Richtung Demokratie und Pluralität<br />
wollen, ermutigt hat. Sich durchzusetzen, gelingt diesen Kräften<br />
aber am ehesten, wo schon eine starke Zivilgesellschaft und demokratische<br />
Erfahrungen vorhanden sind. Deshalb ist man im Libanon heute so viel weiter<br />
als etwa in Syrien, Ägypten oder Saudi-Arabien.
</p>
<p>
<b>Orientalism:</b> Wie weit lässt sich die Situation<br />
im Irak heute mit dem libanesischen Bürgerkrieg vergleichen (siehe<br />
Entführungen, Anschläge usw.)?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Wir haben hier eine ganz andere Konfliktstruktur,<br />
aber die Mittel, die angewandt werden sind zum Teil die Gleichen. Vom<br />
Libanon lernt der Irak eher in einer anderen Dimension: Viele Politiker<br />
sind der Ansicht, dass eine Form der Machtbeteiligung aller konfessionellen<br />
und ethnischen Gruppen, wie wir sie im Libanon kennen, auch für den<br />
Irak das Richtige wären, zumindest für eine Übergangszeit.<br />
In der Praxis ist die irakische Regierung ja schon nach diesem Prinzip<br />
zusammengesetzt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Frage bezieht sich auf Irak:
</p>
<p>
<b>adonisKF:</b> Wie wird sich das Verhältnis zu Israel<br />
in Zukunft entwickeln?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Es scheint so, dass die neue irakische<br />
Regierung keinerlei Vorreiterrolle für das arabisch-israelische Verhältnis<br />
übernehmen will. Sie wird wie die meisten anderen arabischen Regierungen<br />
auf Bewegung im israelisch-palästinensischen Verhältnis warten<br />
und sicher auch keine diplomatischen Beziehungen mit Israel aufnehmen,<br />
bevor das israelisch-palästinensische Verhältnis zumindest wieder<br />
auf dem Weg des Friedens ist. In diese Richtung hat sich auch der irakische<br />
Präsident Talabani bei seiner Antrittsrede geäußert.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wenn es denn bei den drängenden Problemen<br />
dort eine Hitliste gibt:
</p>
<p>
<b>MellowMOOD:</b> Was ist denn das derzeit dringendste Problem,<br />
das im Irak gelöst werden muss?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Sicherheit ist vorrangig, weil es ohne<br />
Sicherheit auch keine wirtschaftliche Entwicklung und kein Vertrauen in<br />
die Zukunft der neuen Ordnung im Irak gibt. Als zweite Priorität<br />
gilt die fristgemäße Erledigung der politischen Aufgabenliste,<br />
die man sich selbst gestellt hat. Also Verabschiedung eines Verfassungsentwurfes<br />
bis Oktober, Wahlen für ein Parlament bis zum Ende des Jahres.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere 60 Minuten Politik-Chat sind um, vielen<br />
Dank für das große Interesse am Thema Nahost. Wie immer blieben<br />
viele Fragen, aber der nächste Nahost-Chat kommt bestimmt. Herzlichen<br />
Dank an Sie, Herr Perthes, dass Sie sich die Zeit für den Chat genommen<br />
haben! Das Chat-Protokoll finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter.<br />
Der nächste Chat findet am Montag, 27. Juni um dreizehn Uhr statt.<br />
Dann wird Ute Vogt im Chat Rede und Antwort stehen. Die SPD-Vizechefin<br />
ist parlamentarische Staatssekretärin im Innenministerium und Bundestagsabgeordnete.<br />
Einen schönen Tag noch allerseits!<br />
Und sorry für die Überziehung 😉</p>
]]></content:encoded>
					
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			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tom Buhrow und Jörg Armbruster im tacheles.02-Doppelchat</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/tom_buhrow_und_joerg_armbruster_im_tacheles02doppelchat-229/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Mar 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Buhrow]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Armbruster]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small">
Am 17. März trafen sich die ARD-Korrespondenten Tom Buhrow 
(Washington) und Jörg Armbruster (Kairo) zum tacheles.02-Doppel-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de und diskutierten über 
die Situation im Nahen Osten zwei Jahre nach den ersten Bombenangriffen 
auf Bagdad.</span>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small"><br />
Am 17. März trafen sich die ARD-Korrespondenten Tom Buhrow<br />
(Washington) und Jörg Armbruster (Kairo) zum tacheles.02-Doppel-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und diskutierten über<br />
die Situation im Nahen Osten zwei Jahre nach den ersten Bombenangriffen<br />
auf Bagdad.</span><br />
<!--break--> <b>Moderator3:</b> Liebe Nutzer und Nutzerinnen, herzlich<br />
Willkommen! An dieser Stelle findet in zwei Minuten der Chat mit den<br />
beiden ARD Korrespondenten in Kairo und Washington, Jörg Armbruster<br />
und Tom Buhrow statt. Beide sind bereits online, die Moderatoren nehmen<br />
Ihre Fragen gerne entgegen! Die Fragen werden zunächst gesammelt<br />
und dann gegebenenfalls veröffentlicht. </p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, willkommen im Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de. In Kairo und Washington<br />
begrüße ich unsere ARD-Korrespondenten Jörg Armbruster<br />
und Tom Buhrow. An beide die Frage: Kann es losgehen?
</p>
<p>
<b>Moderator3:</b> Ich glaube übrigens, dass wir<br />
eine gleichzeitige Schaltung auf zwei Kontinente mit Moderation<br />
auf einem dritten Kontinent noch nie hatten, und halte mich jetzt<br />
zurück
</p>
<p>
<b>gabelstichtmesser:</b> Wie beurteilen Sie beide die<br />
Demokratisierungsversuche der Amerikaner im Irak?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vielleicht beginnt Herr Armbruster.
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Ajlan wa sahlan: das heißt<br />
herzlich willkommen. Wie man gestern erleben konnte, ist das erste<br />
frei gewählte Parlament zusammengetreten. Das ist sicherlich<br />
ein Fortschritt für das Land, auch wenn die Sunniten sich nicht<br />
an den Wahlen beteiligt haben. Leider aber haben die Amerikaner<br />
so gut wie keinen Fehler ausgelassen bei dem Versuch so etwas wie<br />
eine staatliche und demokratische Struktur aufzubauen. Ich bin zwar<br />
nach wie vor skeptisch, ich halte es aber nicht für ausgeschlossen,<br />
dass am Ende doch so etwas wie eine neue Demokratie entstehen wird,<br />
auch wenn die wenig mit unseren Demokratievorstellungen zunächst<br />
zu tun haben wird. Die muss aber von den Irakern selber gefunden<br />
werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Tom Buhrow, was meinen Sie?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow: </b>Aus Sicht von Präsident Bush<br />
hat seine Politik im Nahen Osten zwei Seiten: Einmal die Sicherheit<br />
der USA und seiner Verbündeten (wozu wir ja auch gehören).<br />
Er geht davon aus, dass man den Terrorismus nur dann wirksam bekämpfen<br />
kann wenn man nicht nur einzelne Gruppen bekämpft, sondern<br />
auch den Menschen in dieser Region Freiheit und Hoffnung bringt.<br />
Dann &#8211; so seine Kalkulation &#8211; würde der Nährboden für<br />
Terror austrocknen. Der zweite Aspekt ist der: Er glaubt wirklich<br />
an die Mission Demokratie zu verbreiten und an die konstruktive<br />
Kraft der Demokratie.
</p>
<p>
<b>arafatssitzbadewanne:</b> Wie ist es seit Kriegsbeginn<br />
um die Pressefreiheit im Irak bestellt? Wie in Amerika?
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Diesmal bitte Tom Buhrow zuerst
</p>
<p>
Tom Buhrow: Hier gibt es zweierlei zu beobachten: Natürlich<br />
ist die Pressefreiheit hier grundsätzlich gewährleistet.<br />
Aber diese Regierung hat die Kunst der &quot;message control &quot;<br />
fast schon perfektioniert. Wenn etwas gegen die Umwelt unternommen<br />
wird, dann geschieht die Rede vor einem Banner mit der Aufschrift<br />
&quot;die Umwelt schützen &quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Und im Irak? Jörg Armbruster bitte.
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster: </b>Nein sicherlich nicht wie<br />
in den USA. Aber vor dem Krieg gab es überhaupt keine Pressefreiheit.<br />
Es gab nur eine staatlich gelenkte Presse, der genau vorgeschrieben<br />
war, was sie zu schreiben hatte und was nicht. Das hat sich nach<br />
dem Krieg im Irak radikal geändert. Es gibt eine Zeitungsvielfalt,<br />
die aber auch in der Hand von Geldgebern ist, es gibt private Fernsehstationen.<br />
Es gibt bei den Irakern einen großen Hunger nach Informationen.<br />
Aber es gibt auch verschiedene Regierungsverantwortliche, die zum<br />
Beispiel die arabischen Nachrichtensender wie Al Jazeera verboten<br />
haben. Man kann sie empfangen, sie dürfen aber nicht im Land<br />
arbeiten. Also eine Gängelung der Presse.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Nachfrage an Tom Buhrow:
</p>
<p>
<b>tagesschauer2: </b>Was bedeutet in den USA &quot;Message<br />
control&quot; konkret? Die Pressefreiheit ist doch in den Bill of<br />
Rights verankert, wie kann man das umgehen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Noch ein Punkt (damit man nicht meint,<br />
wir ließen die kritischen Punkte aus): Eine besorgniserregende<br />
Entwicklung in USA ist folgende: Immer häufiger werden Journalisten<br />
unter Druck gesetzt, nach Enthüllungsgeschichten ihre vertraulichen<br />
Quellen preiszugeben. Einige, die sich weigerten, sind schon in<br />
Haft gekommen. Das wird von den Standesorganisationen der amerikanischen<br />
Journalisten scharf angeprangert und man fordert einen gesetzlichen<br />
Schutz ähnlich wie dem, den Priester und Ärzte genießen.
</p>
<p>
Nun zu der neuen Frage: Pressefreiheit ist eine Sache, aber natürlich<br />
will jede Firma und jede Regierung ihre Sicht der Dinge rüberbringen,<br />
das ist ja überall so, auch bei uns in Deutschland. Man kann<br />
sagen &quot;Arbeitslosenquote steigt &quot;, da wird jede Regierung<br />
sagen: &quot;aber in diesem oder jenem Bereich haben wir Jobs geschaffen<br />
&quot;. Die Bush Regierung hat einfach eine ganz besonders verfeinerte<br />
Art der PR entwickelt. &quot;message control &quot; bedeutet also<br />
nicht, dass die Presse gezwungen ist, etwas zu berichten, es ist<br />
eine Art von PR und da sind die eben besonders raffiniert. Die Pressefreiheit<br />
ist zwar garantiert, aber (s.o.) nicht das Recht, seine Quellen<br />
zu schützen. Einer wurde vor einiger verurteilt, nachdem er<br />
gefilmt hatte, wie ein Politiker sich bestechen ließ, also<br />
Geld nahm. Sicher ein Dienst an der Öffentlichkeit, aber der<br />
Richter wollte den Kollegen zwingen, seinen Informanten zu nennen,<br />
jemand aus der Behörde. Der Journalist weigerte sich und der<br />
Kollege wurde verurteilt. Das ist hier im Gewerbe ein großes<br />
Thema.
</p>
<p>
<b>linlin:</b> Herr Buhrow sprach davon, dass die Bush-Regierung<br />
wirklich an die Mission glaubt, Demokratie zu verbreiten. Frage<br />
an Herrn Armbruster: Inwieweit gibt es in der irakischen Gesellschaft<br />
oder Politik einen ideologischen Hintergrund dieser Art? Wird dort<br />
das Individuum und Selbstverwirklichung genauso gepriesen wie in<br />
der westlichen Welt?
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Nein, die letzten Wahlen<br />
haben gezeigt, dass entlang der Stammesgrenzen gewählt wird,<br />
nach Religionszugehörigkeit; das heißt Schiiten haben<br />
in ihrer großen Mehrheit die schiitische Liste gewählt.<br />
Außerdem spielen ethnische Zugehörigkeiten eine wichtige<br />
Rolle. Kurden wählen die Kurdische Liste&#8230; Sunniten haben<br />
boykottiert natürlich auch unter der Drohung der Terroristen.<br />
Die Iraker haben einen Willen zur Demokratie aber keine Erfahrung<br />
in Demokratie. Das müssen sie noch lernen so wie wir das nach<br />
dem Zweiten Weltkrieg auch gelernt haben. Diese Probleme sind weit<br />
verbreitet im Nahen Osten, auch in Jordanien wird so gewählt<br />
wie der Stamm es wünscht. Individualismus und Selbstbestimmung<br />
müssen sich langsam durchsetzen. Es ist aber möglich wie<br />
wir im Libanon im Augenblick erleben.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Ich habe auch eine Frage an Jörg<br />
Armbruster: Man hat den Eindruck, dass die Wahlen im Irak ansteckend<br />
auf die Bevölkerung anderer Länder der Region wirkten<br />
(z.B.Libanon). Ist der Eindruck richtig? Gibt es so etwas wie eine<br />
Dynamik der Demokratiebewegung?
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Ich glaube nicht, dass es<br />
die Wahlen im Irak waren. Dazu wird der Irak als ein viel zu abschreckendes<br />
Bespiel wahrgenommen. Viel wichtiger ist das, was im Libanon im<br />
Augenblick passiert. Die Opposition hat es geschafft eine Regierung<br />
zum Rücktritt zu zwingen. So etwas ist im Nahen Osten ein ungeheuerer<br />
Vorgang.
</p>
<p>
<b>Hans2:</b> Herr Buhrow sprach von 2 Zielen die Präsident<br />
Bush im Irak verfolgt: Kampf gegen den Terrorismus und Demokratisierung.<br />
Wie wichtig aber scheint Ihnen neben diesen noblen Zielen die Rolle<br />
der Ressourcensicherung, d.h. der Sicherung des Zugangs zu Ölvorräten?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Das spielt in der Tat im Hintergrund<br />
auch eine Rolle. Ich denke aber am meisten bei der Behandlung von<br />
Saudi Arabien. Ob man im Irak Öl an erster Stelle im Sinn hatte<br />
wird man erst sehen, wenn die USA Kräfte abziehen, ob dann<br />
die Ölproduktion wirklich in irakischer Hand bleibt. Aber im<br />
Falle Saudi Arabien kann man sagen, dass die milde Behandlung dieser<br />
&quot;Nicht-Demokratie&quot; ganz klar mit den Ölvorkommen<br />
zu tun hat und mit der Tatsache, dass die Saudis mäßigend,<br />
sprich: prowestlichen Einfluss in der Region nehmen, insofern: Ölversorgung<br />
ist ein wichtiger Faktor, innerhalb der USA gibt es auch eine Anstrengung,<br />
die strategischen Ölreserven (die eigenen) zu erhöhen<br />
und neue Ölquellen und -Energiequellen zu erschließen,<br />
auch wenn das heißt, dass man in Naturschutzgebieten bohren<br />
muss (Alaska).
</p>
<p>
<b>Suchen:</b> Was passiert wenn der Preis für Öl<br />
weiter steigt und noch mehr Staaten ihre Truppen abziehen wollen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Armbruster &#8230;
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Die USA können ihre<br />
Truppen im Augenblick noch nicht aus dem Irak abziehen, weil die<br />
irakischen Sicherheitskräfte noch nicht für Sicherheit<br />
sorgen können. Schlimmstenfalls heißt dies für die<br />
USA, dass sie ihre Truppen erhöhen müssen oder neue Verbündete<br />
finden müssen, die bereit sind Soldaten zu stationieren. Das<br />
heißt aber auch, dass irakische Sicherheitskräfte im<br />
Ausland verstärkt ausgebildet werden müssen, so wie es<br />
die Bundesrepublik schon anbietet. Vorläufig geht es aber nicht<br />
ohne ausländische Hilfe.
</p>
<p>
<b>Sonya Sue:</b> Immer mehr US-Soldaten desertieren,<br />
immer weniger junge Leute melden sich zum Armeedienst. Bröckelt<br />
die Heimatfront in den USA?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Zunächst zum vorherigen noch<br />
kurz: &quot;Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral &quot;<br />
&#8211; heißt es in einem Stück von Bertold Brecht. Wenn es<br />
ans Eingemachte geht &#8211; so wage ich anzunehmen, wird auch bei uns<br />
der hehre Anspruch mehr in den Hintergrund treten. Jetzt zu Ihrer<br />
Frage, Sonya: Die Armee hat Schwierigkeiten, ihre Rekrutierungsziele<br />
zu erfüllen, das hat sie selbst zugegeben und das hat ganz<br />
klar mit dem Irak-Krieg zu tun. Aber man darf daraus keine falschen<br />
Schlüsse ziehen. Die Amerikaner unterstützen im Großen<br />
und Ganzen ihre Truppen, auch wenn man unsicher ist, ob das ganze<br />
Irak-Abenteuer die Sache wert war / ist. Auch der Protest gegen<br />
den Vietnamkrieg brauchte etliche Jahre bis er auf Touren kam. Also:<br />
Auch wenn die Skepsis über den langen, langen Einsatz zunimmt,<br />
so ist noch keine Protestbewegung zu sehen, die so groß wäre,<br />
dass sie der Regierung in den Arm fallen könnte.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kleiner Ortswechsel:
</p>
<p>
<b>Nawied:</b> Herr Armbruster, haben die Ereignisse<br />
im Libanon irgendeinen Einfluss auf den Irak?
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Glaube ich nicht, die Iraker<br />
wünschen sich in erster Linie Sicherheit, dann noch mal Sicherheit.<br />
Erst dann kommt der Gedanke an so etwas wie eine Demokratisierung.<br />
Der Libanon ist in einer sehr komfortablen Situation. Er hat schon<br />
so etwas wie eine Demokratie, die Medien sind in privater Hand,<br />
Der Staat verfügt nicht anders als in den meisten übrigen<br />
arabischen Ländern über eine Polizei, die Demonstrationen<br />
zerschlägt. Der Libanon ist noch eine Ausnahme. Eine Massenbewegung<br />
wie in Beirut wäre weder in Bagdad noch in Kairo im Augenblick<br />
denkbar.
</p>
<p>
<b>moby dünn:</b> Herr Buhrow, wie wird die amerikanische<br />
Politik gegenüber dem Iran aussehen?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Kleine Anmerkung: Wie gut, dass ich<br />
mal 10-Finger System gelernt habe, sonst könnte ich nicht so<br />
zügig antworten, Moby. Iran: Meine Prognose: Das läuft<br />
jetzt so ab: Gerade hat Bush den 3 EU Staaten, die mit dem Iran<br />
verhandeln ein Angebot in die Hand gedrückt, die Europäer<br />
sind entzückt, dass Washington nun endlich ihre Verhandlungen<br />
aktiv unterstützt, der Iran wird nicht darauf eingehen ( nur<br />
meine persönliche Prognose, aber etliche Experten in Washington<br />
nehmen das auch so an). Dann müssen wir Europäer uns revanchieren<br />
und den Iran vor den Sicherheitsrat der UNO zitieren. Motto: Washington<br />
hat bei der Zuckerbrot-Lösung mitgemacht. Es klappte nicht,<br />
jetzt müssen die Europäer mit die Peitsche schwingen.<br />
Dann ist die Frage, ob z.B. China sich Sanktionen anschließt.<br />
China hat Milliarden Öl-Verträge mit dem Iran und braucht<br />
immer mehr ÖL (s.o.). Irgendwann ist dann die Frage (etwa 2006):<br />
läuft uns die Zeit weg? Also: Hat der Iran schon bald die Bombe.<br />
Weder USA noch Israel werden dieses Risiko eingehen. Übrigens:
</p>
<p>
<b>Roman_59de:</b> Europäer mit der Peitsche schwingen<br />
klingt wie Chamäleon macht einen 100 m lauf.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> bei uns sind 2006 Bundestagswahlen,<br />
dann können wir uns wieder schön leidenschaftlich mit<br />
der Außenpolitik befassen statt mit unseren eigenen wirtschaftlichen<br />
Problemen.
</p>
<p>
<b>Sonya Sue:</b> Stimmt es wirklich, wie man liest,<br />
dass die Mehrheit der Iraner die behördlich verordnete Amerika-Feindlichkeit<br />
satt hat? Oder ist das Teil der &quot;Democracy in the Middle East<br />
&quot;-PR-Kampagne?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Jörg Armbruster, können Sie<br />
was dazu sagen?
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Ich habe das auch gehört.<br />
Der Iran gehört allerdings nicht zu meinem Gebiet.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zurück in Ihr Berichtsgebiet 🙂
</p>
<p>
<b>sevek:</b> Herr Armbruster, wie hoch sehen Sie die<br />
Wahrscheinlichkeit eines Krieges zwischen Syrien, -USA und Syrien-<br />
Türkei? Wann wir der Streit um die Wasserversorgung Syriens<br />
mit der Türkei beigelegt?
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Man darf sich allerdings<br />
nicht täuschen. In der Atomfrage stehen auch die oppositionellen<br />
Iraner hinter ihrer nicht sehr geliebten Regierung; denn das Nationale<br />
Selbstverständnis verbietet es, sich von einer fremden Macht<br />
diktieren zu lassen, ob man am Fortschritt teilhaben darf oder nicht.<br />
Solche Kanonenbootdrohungen der USA, das kann ich auch immer wieder<br />
in der arabischen Welt beobachten, führen eher zu Trotzreaktionen<br />
als zu Einsicht. Jetzt war ich noch bei der alten Antwort, sorry&#8230;
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Macht nichts, wir waren wohl etwas<br />
schnell 🙂
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Krieg gegen Syrien eher<br />
unwahrscheinlich, zumal Bashar im Augenblick alles tut was die Amerikaner<br />
wollen. Ein schwacher Bashar ist besser als ein gestürzter<br />
(Siehe Nachbarland Irak). Krieg um Wasser ist immer wieder ein Thema<br />
hier in der Region. Vor drei Jahren war das Säbelrasseln zwischen<br />
Türkei und Syrien recht laut. Im Augenblick ist Syrien für<br />
einen Krieg zu schwach. Außerdem sind Israel und die Türkei<br />
militärisch miteinander verbunden, und Syrien liegt wie der<br />
Belag eines Sandwichs dazwischen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch ein Ortswechsel:
</p>
<p>
<b>Christian Wiese:</b> Herr Buhrow, wie reagiert Washington<br />
auf die weltweite Zurückhaltung zur Nominierung Wolfowitz &quot;?
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow: </b>Ja das war eine Überraschung<br />
gestern. Im Augenblick gibt es noch keine Reaktionen auf die Reaktionen.<br />
Aber ich denke, dass Bush genau wusste, wie unpopulär W. international<br />
ist und dass er das einfach mit in Kauf nimmt. Es könnte sogar,<br />
wie bei Entsendung Boltons zur UNO, ein cleverer Schachzug sein,<br />
denn UNO und Weltbank sind im rechten Flügel der Republikaner<br />
sehr unbeliebte Organisationen. Wenn man nun erklärte Erzkonservative<br />
dorthin schickt, können die diesem Flügel am ehesten Kompromisse<br />
in diesen Organisationen &quot;verkaufen &quot;.
</p>
<p>
<b>TylerDurden: </b>Besitzt die derzeitige Regierung<br />
unter Bush die Fähigkeit, die Krisengebiete zu stabilisieren<br />
oder wird weiterhin nur über Waffen, Geld, Politische Mittel<br />
und Öl eine naive Außenpolitik geführt (wie es nach<br />
dem Krieg oft der Fall war).
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Es sieht ja so aus, als ob Bush in<br />
der zweiten Amtszeit die nicht-militärischen Mittel mehr einsetzen<br />
will, auch deshalb, weil das Militär im Irak gebunden ist.<br />
Und er scheint erkannt zu haben, dass er ganz allein, ganz unilateral,<br />
nicht alle Ziele erreichen kann. Er hat gerade der Abteilung &quot;öffentliche<br />
Diplomatie &quot; im Außenministerium einen Schub gegeben.<br />
Man sieht gerade, dass er im Nahen Osten auch sehr auf nicht militärische<br />
Mittel setzt, z.B. Ägypten wird ermutigt, mehr Demokratie zuzulassen<br />
&#8211; Mubarak überlegt (wahrscheinlich auch ohne Bushs Ermahnung),<br />
die nächste Präsidentschaftswahl als richtige Wahl, und<br />
nicht als &quot;Referendum &quot; durchzuführen. Dann gibt<br />
es gewisse Bewegung im iraelisch-palästinensischen Konflikt<br />
Prognose: Bush wird mehrgleisig fahren. Wir werden mehr diplomatische<br />
Mittel im Einsatz sehen, ohne dass militärische Mittel ganz<br />
ausgeschlossen werden.
</p>
<p>
<b>Sonya Sue:</b> Wie werden diese Signale Bushs im Nahen<br />
Osten wahrgenommen? Glauben die Araber ihm?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Armbruster bitte.
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Sie werden Taten glauben.<br />
Also wenn sich die Lage im Irak verbessert, dann werden sie auch<br />
den Amerikanern glauben. Wenn es Bush gelingen sollte, den Palästinenserkonflikt<br />
näher an eine Lösung zu bringen, dann kann er Vertrauen<br />
zurückgewinnen. Wenn Bush zum Beispiel spürbar Israel<br />
unter Druck setzt, im Westjordanland den Siedlungsbau einzustellen,<br />
dann wäre es für die Glaubwürdigkeit ein großer<br />
Fortschritt. Das gleiche gilt für die Demokratiebewegungen,<br />
die zwar im Kern anti-amerikanisch sind, aber bereit sind Hilfe<br />
anzunehmen, wenn sich diese Hilfe gegen die eigene autoritäre<br />
Regierung wendet. Ein Beispiel: ägyptische NGO werden in diesem<br />
Jahr als Wahlbeobachter von USAID finanziert, obwohl in Kairo bekannt<br />
ist, dass einige dieser NGOs nicht gerade Bushfans sind. Und die<br />
ägyptische Regierung ärgert sich über eine solche<br />
&quot;Einmischung der Amerikaner.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> Ich muss mich jetzt leider ausklinken.<br />
Ich danke allen für die sehr gut informierten und interessanten<br />
Fragen! Und Jörg Armbruster für die &quot;Chat-Brücke&quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vielen Dank Tom Buhrow. Die letzte<br />
Frage geht eigentlich an beide Korrespondenten.
</p>
<p>
<b>lapis lazuhli:</b> Könnten sie sich vorstellen<br />
ihre Arbeitsplätze mal zu tauschen? Herr Buhrow sie klingen<br />
ja fast schon ein wenig amerikanisch 😉
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow: </b>Interessanter Vorschlag. Ich fürchte,<br />
es dauert zu lange, sich in ein neues Berichtsgebiet einzuarbeiten.
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Ich hätte nichts dagegen<br />
einmal eine Zeitlang in Washington zu arbeiten.
</p>
<p>
<b>Tom Buhrow:</b> OK, dann schlagen wir das mal unseren<br />
Chefs vor, mal sehen, was die sagen.
</p>
<p>
<b>Jörg Armbruster:</b> Ich weiß das schon.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In diesem Sinne. Das war unsere Chat-Stunde,<br />
vielen Dank an alle User für das Interesse und die zahlreichen<br />
Fragen. Herzlichen Dank an unsere Kollegen Jörg Armbruster<br />
und Tom Buhrow, dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben.<br />
Das Chat-Protokoll finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter.
</p>
<p>
<b>Moderator3:</b> Unser nächster Chat: 7. April,<br />
13 bis 14 Uhr, Klaus Uwe Benneter. Zudem ist es möglich dass<br />
ein Chat zum Bericht aus Berlin angeboten werden kann, also am Sonntag<br />
ab 18.50, nach dem Bericht aus Berlin, der zwischen 18.30 und 18.50<br />
gesendet wird, seit letzter Woche, wie Sie sicherlich wissen. Danach,<br />
am 13. April, 13 bis 14 Uhr, ist Claudia Roth bei uns zu Gast. Wir<br />
würden uns freuen, Sie wieder im Chatraum begrüßen<br />
zu dürfen. Einen schönen Nachmittag in alle Welt!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Domainregistrierung hinter Gittern</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/icann-irak-shtml-2596/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/icann-irak-shtml-2596/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[mwendler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Sep 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
		<category><![CDATA[Internetrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Top Level Domain]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Domain-Registrierung]]></category>
		<category><![CDATA[IANA]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
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					<description><![CDATA[Internet im Irak bleibt problematisch – und das nicht nur, weil der Mann, der die .iq-Adressen vergeben darf, in einem texanischen Gefängnis einsitzt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Internet im Irak bleibt problematisch – und das nicht nur, weil der Mann, der die .iq-Adressen vergeben darf, in einem texanischen Gefängnis einsitzt.<!--break-->
                    </p>
<p>Wer eine Internetdomain mit der Endung .iq reservieren möchte, muss sich wohl ins „Seagoville Jail“ in Nordtexas begeben. Dort sitzt seit Dezember 2002 der offizielle Ansprechpartner für das irakische Internet ein: Herr Bayan Elashi, angeklagt wegen finanzieller Unterstützung der Hamas. Dem gebürtigen Palästinenser, der seit über 25 Jahren in den USA lebt, wurde 1997 von der<br />
                    <a href="http://www.iana.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IANA</a> das alleinige Recht zugesprochen, Adressen unterhalb der Top-Level-Domain.iq zu vertreiben.</p>
<p>
                    <strong>.</strong><br />
                    <strong>iq-Adressen unauffindbar<br />
                    <br /></strong>Elashi hatte offenbar aber kein Interesse daran, .iq-Adressen zu verkaufen. Zwar sollen etwa 200 Domains vergeben worden sein, doch aufzufinden sind diese nicht. Nicht einmal die staatliche Internet-Gesellschaft Uruklink besaß eine iq-domain, sondern firmierte unter der Adresse www.uruklink.net. Seit März ist diese Seite allerdings unauffindbar. War sie zunächst noch über die numerische IP-Adresse erreichbar, so ist sie mittlerweile völlig verschwunden. Der Registrar, „domaininfo.com“, will dafür keine Gründe kennen – wahrscheinlich sei der Server ausgefallen. Was tatsächlich mit der –ohnehin mickrigen- Internet-Infrastruktur im Irak geschehen ist, lässt sich kaum sagen. Die Suche nach Antworten wirft mehr an Fragen als Lösungen auf.</p>
<p>
                    <strong>Wird Uruklink wieder aktiv?<br />
                    <br /></strong>Doch jetzt gibt es wieder Lebenszeichen von Uruklink. Die Gesellschaft, die das irakische Internet kontrollierte und Regierungspropaganda verbreitete, stellt mit Hilfe eines Satelliten ansatzweise den Anschluss ans weltweite Netz her. Wie der<br />
                    <a href="http://www.spiegel.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spiegel</a> meldet, haben Ingenieure von Uruklink einen Satellitenempfänger aus dem ausgebrannten Informationsministerium retten können und im Westen Bagdads aufgebaut. Damit soll bald für etwa 50 Rechner ein Internetzugang möglich sein.</p>
<p>
                    <strong>Wer darf die irakische Top-Level-Domain managen?<br />
                    <br /></strong>Im allgemeinen Chaos der Nachkriegszeit bleibt der Start der irakischen Top-Level-Domain (TLD) ungewiss. Ob die USA mit einem wegen Unterstützung terroristischer Aktivitäten angeklagten Domain-Registrar einverstanden sind, darf bezweifelt werden. Die Regierung werde daher versuchen, auf möglichst unauffällige Weise die TLD an eine genehmere Organisation zu übertragen, vermutet ein Journalist des britischen Online-Magazins<br />
                    <a href="http://www.theregister.com/content/6/30170.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„The Register“</a>.</p>
<p>                    <a href="http://www.icann.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ICANN</a> und<br />
                    <a href="http://www.iana.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IANA</a>, die für die Vergabe der Landeskürzel und die Verteilung der Adressblöcke zuständig sind, sehen derzeit allerdings keinen Handlungsbedarf. Sie verweisen auf ihre<br />
                    <a href="http://www.icann.org/icp/icp-1.htm#a" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Statuten</a>, nach denen die Berufung eines Managers für die Landesdomain in enger Abstimmung mit der Regierung und der „Internet-Community“ vorgenommen wird. Letztere sei aber nicht erkenntlich. Zu dieser Einsicht möchte man die ICANN beglückwünschen: ohne Internetzugang hat es eine Netzgemeinschaft in der Tat schwer.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Eine Gefangennahme Saddam Husseins oder sein Tod &#8220;würden die Lage im Land nicht automatisch beruhigen.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/eine_gefangennahme_saddam_husseins_oder_sein_tod_quotwuerden_die_lage_im_land_nicht_automatisch_beruh-291/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jul 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Gudrun Krämer]]></category>
		<category><![CDATA[Irakkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Saddam Hussein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kraemer.jpg" alt="Gudrun Schaich-Walch" align="left" border="0" height="133" width="108" /><span style="color: #000000"> 
</span></b><span style="color: #000000"><b><b>Gudrun Krämer, Irak-Expertin, 
am 30. Juli 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kraemer.jpg" alt="Gudrun Schaich-Walch" align="left" border="0" height="133" width="108" /><span style="color: #000000"><br />
</span></b><span style="color: #000000"><b><b>Gudrun Krämer, Irak-Expertin,<br />
am 30. Juli 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Heute ist die Irak-Expertin Prof.<br />
Dr. Gudrun Krämer zum Chat ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Frau<br />
Krämer ist Leiterin des Instituts für Islamwissenschaften an<br />
der Freien Universität Berlin. Sie können Ihre Fragen zur arabischen<br />
Welt, speziell natürlich zum Thema Irak, aber auch zu den jüngsten<br />
Geschehnissen im Iran direkt an Frau Krämer richten. Wir haben eine<br />
Stunde Zeit &#8211; Frau Krämer, sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer:</b><br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea</b>:<br />
Wie lange, meinen Sie, wird es für die Amerikaner noch nötig<br />
sein, Soldaten im Irak zu stationieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ganz sicherlich mehr als ein Jahr, möglicherweise länger, wobei<br />
das natürlich auch davon abhängt, wie die Amerikaner ihre Ziele<br />
definieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>M. &amp; M.</b>:<br />
Sind die Iraker ein Volk, was sich fremd-regieren lässt, oder anders<br />
gefragt: Wie lange werden sie die amerikanische Anwesenheit in ihrem Land<br />
noch dulden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Im Prinzip wollen sie natürlich nicht von Fremden regiert werden,<br />
was auch mit ihrer kolonialen Vergangenheit zu tun hat, und ihre Geduld<br />
hängt natürlich davon ab, ob sie das Gefühl bekommen, die<br />
Anwesenheit der Amerikaner könne ihr Leben erleichtern und ihnen<br />
dann bald doch eine selbstbestimmte Regierung verschaffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie groß ist Ihrer Ansicht nach der Anteil der Iraker, die die Amerikaner<br />
unterstützen, weil sie ihnen dankbar sind, sie vom Diktator Hussein<br />
befreit zu haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
So etwas kann man überhaupt nicht beziffern, weil es vor dem amerikanischen<br />
Einmarsch nicht möglich war, Volksbefragungen durchzuführen<br />
und das auch jetzt nicht geht. Wir hören von Opfern des Regimes,<br />
die Hoffnungen auf die Amerikaner setzen, aber auch die wollen eher früher<br />
denn später natürlich unter einer eigenen Regierung leben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Popster</b>:<br />
Warum sollte es den USA gelingen, im Gegensatz zu Afghanistan, dort eine<br />
Demokratie einzuführen, die sich nicht nur auf wenige Landesteile<br />
erstreckt und ansonsten weiterhin die sogenannten Warlords das Land &quot;regieren&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Die irakische Gesellschaft ist ganz anders strukturiert als die afghanische,<br />
in der Stammesstrukturen noch einen ganz anderen Stellenwert haben. Irak<br />
hat eine andere historische Erfahrung und von daher sollte es grundsätzlich<br />
leichter werden, eine Regierungsform einzuführen, die zumindest die<br />
Grundsätze einer &quot;guten Regierungsführung &quot; berücksichtigt.<br />
Dazu gehört die Mitsprache der Bevölkerung, Rechtsstaatlichkeit<br />
und die Achtung der Menschenrechte. Das ist nicht unbedingt identisch<br />
mit Demokratie, britischen oder amerikanischen Musters, aber immer noch<br />
ein anspruchsvolles Programm.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Liebsein</b>:<br />
Wie stabil schätzen Sie den irakischen Regierungsrat ein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Stabil kann er eigentlich gar nicht sein, soll er auch nicht sein. Es<br />
handelt sich ja ausdrücklich um einen Übergangsrat, der zu einer<br />
stabilen Regierung führen soll. Positiv kann man sagen, dass in dem<br />
Übergangsrat ein breites Spektrum von Gruppen und Meinungen vertreten<br />
ist &#8211; für sich genommen eine beachtliche Leistung. Aber stabil ist<br />
er tatsächlich noch nicht, weil eben doch nicht alle Gruppen und<br />
Meinungen berücksichtigt sind, weil er mit großem Misstrauen<br />
beobachtet wird und weil er natürlich enorme Probleme zu lösen<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dlch</b>:<br />
Eine kurze Zwischenfrage für die Allgemeinbildung: Wie konstituiert<br />
sich der Regierungsrat derzeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Dem Übergangsrat gehören zunächst Vertreter der unterschiedlichen<br />
ethnischen Gruppen an: Araber, Kurden und Turkmenen. Dann der verschiedenen<br />
religiösen Gemeinschaften: Schiiten, Sunniten und Christen unterschiedlicher<br />
Konfessionen. Schließlich finden sich in ihm auch Sprecher unterschiedlicher<br />
politischer Richtungen: irakische Nationalisten, kurdische Nationalisten,<br />
Befürworter eines religiös ausgerichteten Staates und auch einige<br />
Säkularisten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Assad</b>:<br />
Für Oktober haben die USA zu einer Geberkonferenz zur Finanzierung<br />
des Wiederaufbaus eingeladen. Wird die UNO eine größere Rolle<br />
spielen können und wie ist die Position der deutschen Regierung zu<br />
bewerten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Im Moment sieht es so aus, dass die Amerikaner die außerordentlich<br />
hohen Kosten der Besatzung und des Wiederaufbaus nicht allein tragen können<br />
und wollen. Daher rufen sie nach der Verantwortung der Weltgemeinschaft,<br />
für die die Uno eintreten soll. Die Bundesregierung ist durchaus<br />
bereit, sich im Rahmen eines UN-Mandats am Wiederaufbau des Iraks zu beteiligen<br />
und über eine Umschuldung zu beraten. Sie beharrt aber darauf, dass<br />
dies im Rahmen der Vereinten Nationen geschieht, um so den Krieg gegen<br />
den Irak, den sie ja nicht unterstützt hat, nicht nachträglich<br />
zu rechtfertigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Cero</b>:<br />
Was geben andere arabische Staaten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Das übersehe ich im Moment auch nicht genau. Ich gehe davon aus,<br />
dass auch sie versuchen, dem irakischen Volk humanitäre Hilfe zukommen<br />
zu lassen. Das gilt z.B. für die Golfstaaten oder auch Ägypten.<br />
Auch für sie ist es im Augenblick schwierig, Hilfe ins Land selber<br />
zu kommen lassen, weil ihre Sicherheit nicht gewährleistet ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Degge</b>:<br />
Was waren für sie die Kriegsgründe der USA/GB?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Alfredo</b>:<br />
Was sind für Sie die WIRKLICHEN Gründe der US-Intervention?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ich meine, dass es den USA (und Großbritannien hat sie dabei unterstützt)<br />
vor allem darum ging, ein Regime auszuschalten, das ihre Dominanz in der<br />
Region in Frage gestellt hatte und das sie daher als Bedrohung wahrnahmen.<br />
Ich glaube nicht, dass es dabei in erster Linie um das Öl ging, sondern<br />
dass durch den Schock des 11. September militärische und politische<br />
Überlegungen im Vordergrund standen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Alfredo</b>:<br />
Warum hat der Irakkrieg nicht den von so vielen erwarteten Flächenbrand<br />
in der arabischen Welt ausgelöst?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Popster</b>:<br />
Was ist denn von den Horrorszenarien einer Ausweitung des Golfkriegs von<br />
vielen Kriegsgegnern übriggeblieben. Wie verhält sich die USA<br />
zur Zeit bspw. zum Iran und zu Syrien?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ein Flächenbrand war nach meiner Überzeugung nie zu befürchten.<br />
Dafür sind die Probleme und Interessen der einzelnen arabischen Staaten<br />
zu unterschiedlich. Selbst gegen Israel hat es ja nie eine einheitliche<br />
arabische Front gegeben. Daher war auch nicht zu erwarten, dass ein Krieg<br />
gegen die irakische Regierung die gesamte irakische Region in Brand setzen<br />
würde. Unruhe und Misstrauen gegenüber den USA sind weit verbreitet,<br />
doch ist es nicht mit einer explosiven Situation gleichzusetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas</b>:<br />
Wie wirkt sich die Situation im Irak auf die Nachbarländer aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ganz unterschiedlich. Ein Land wie Jordanien, das direkt an den Irak angrenzt,<br />
wirtschaftlich schwach ist und von den USA abhängig, befindet sich<br />
in einer ganz schwierigen Situation: Die Bevölkerung sympathisiert<br />
mehrheitlich mit dem irakischen Volk, die Regierung versucht das gute<br />
Verhältnis zu den USA und, nebenbei bemerkt, auch Israel zu bewahren.<br />
Das kann nicht ohne innere Spannungen abgehen. Saudi-Arabien befindet<br />
sich in einer anderen Situation. Von einer möglichen Bedrohung durch<br />
den Irak ist es befreit. Die Regierung steht im Prinzip fest an der Seite<br />
der Amerikaner, in der Bevölkerung hingegen gibt es scharfe Kritik<br />
an dieser Politik. Syrien schließlich hat als alter Rivale des Irak<br />
zunächst vom Sturz des Saddam-Regimes profitiert, wird allerdings<br />
von den USA selbst als potenzieller Schurkenstaat betrachtet. Die Regierung<br />
manövriert daher sehr vorsichtig, die Bevölkerung ist überwiegend<br />
ausgesprochen amerika-kritisch. Die Auswirkungen auf Iran sind vielleicht<br />
am schwersten zu beantworten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Degge</b>:<br />
die US-Administration hat ihre Semantik gegen den Iran in letzter Zeit<br />
derart verschärft, dass Teheran unter dem hohen Druck der Vorwürfe,<br />
Indizien und Zeugenaussagen zugeben musste: Ja, wir haben Kader der islamistischen<br />
Terrororganisation Al Qaida im Land. Was passiert denn jetzt? Mehr Druck<br />
der USA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Die USA üben ohne Zweifel erheblichen Druck auf die iranische Führung<br />
aus, die ihrerseits durch die Bekanntgabe der Verhaftungen signalisiert<br />
hat, dass sie sich dem &quot;Kampf gegen den Terror&quot; angeschlossen<br />
hat und daher nicht wie von der amerikanischen Führung behauptet,<br />
Teil der &quot;Achse des Bösen&quot; ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Islamabader</b>:<br />
Die Tötung der beiden Saddam Söhne würde von den USA als<br />
zentraler Bestandteil ihrer Überzeugungskampagne genutzt. Wird diese<br />
Botschaft von der irakischen Bevölkerung so verstanden und aufgenommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jutand</b>:<br />
hat sich die Stimmung unter der Bevölkerung stark verändert,<br />
seit den Bildern der toten Söhne Saddam Hussein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Wir wissen nicht wirklich wie die irakische Bevölkerung im allgemeinen<br />
auf den Tod der Saddam-Söhne und die Veröffentlichung der Bilder<br />
reagiert hat. Zum einen sind die Reaktionen sicher nicht einheitlich,<br />
zum anderen hüten sich viele Iraker unter amerikanischer Besatzung<br />
offen ihre Meinung zu sagen, zumal sie nicht ganz sicher sein können,<br />
dass das alte Regime wirklich restlos beseitigt ist. Generell ist die<br />
Stimmung von Misstrauen bestimmt. Dass man auch Bilder manipulieren kann,<br />
wissen viele Irakis. Die Veröffentlichung der Aufnahmen wird daher<br />
nicht alle überzeugen, dass die Saddam-Söhne tatsächlich<br />
tot sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Nun soll Saddam Hussein<br />
auf Tonband gesprochen, den Tod seiner Söhne bestätigt haben,<br />
wobei auch hier die Frage bleibt, ob diese Tonbänder echt sind und<br />
wen sie im Irak heute überhaupt erreichen. Meldungen, die über<br />
die internationalen Medien bis nach Berlin oder Washington gelangen, müssen<br />
im Irak, wo die entsprechende Infrastruktur in Teilen zerstört wurde,<br />
nicht jedermann erreichen. Auf jeden Fall haben weder Bilder noch Tonbänder<br />
letzten Überzeugungswert. Am wirksamsten sind noch immer Taten, so<br />
dass die Amerikaner alles daran setzen müssen, durch eigene Leistungen<br />
glaubwürdig zu werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Harald</b>:<br />
Sollte Saddam Hussein gefasst werden &#8211; welches Gericht ist für ihn<br />
zuständig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ich gehe davon aus, dass die Amerikaner ihn vor ein amerikanisches Gericht<br />
stellen würden und ganz sicherlich nicht, dem eben erst eingerichteten<br />
Internationalen Strafgerichtshof überstellen, den sie ja nicht anerkennen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Haben die Amerikaner überhaupt ein Interesse, ihn lebend fangen zu<br />
wollen. Es sah ja auch nicht so aus, als wollten sie seine Söhne<br />
lebend in die Hände bekommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Das ist schwer zu beantworten: Vieles spricht dafür, kurzen Prozess<br />
zu machen, um so das alte Regime auch symbolisch zu beenden. Andererseits<br />
würde ein öffentlicher Prozess nicht nur den Amerikanern, sondern<br />
auch den vielen Opfern des Regimes die Möglichkeit geben, dessen<br />
Verbrechen aufzuarbeiten. Ich glaube nicht, dass im Fall der Saddam-Söhne<br />
wirklich die freie Wahl bestand, sie zu fassen oder zu töten. Schließlich<br />
ging ihrem Tod ein stundenlanger Kampf voraus. Aber das ist eine Meinung,<br />
die ich, da ich ja nicht vor Ort war, nicht aus eigener Anschauung belegen<br />
kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Alfredo</b>:<br />
Glauben Sie dass mit dem Tod/ der Gefangennahme von S. Hussein die Angriffe<br />
auf die US-Truppen enden werden? Ist es nicht vielmehr so, dass der Wiederstand<br />
gegen die US-Truppen sehr heterogen ist, d.h. von Gruppen mit unterschiedlichen<br />
Interessen organisiert wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ja. Da stimme ich Ihnen im Grundsatz zu. So wie es aussieht, leisten nicht<br />
nur Anhänger des gestürzten Regimes der amerikanischen und britischen<br />
Besatzung Widerstand, sondern auch Gruppen oder sogar Einzelpersonen,<br />
die dem Regime nicht besonders nah standen, die sich vielmehr gegen die<br />
Besatzung als solche wehren. Eine Gefangennahme Saddam Husseins oder sein<br />
Tod wäre propagandistisch von enormer Bedeutung, aber sie würden<br />
die Lage im Land nicht automatisch beruhigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>LarsVegas</b>:<br />
Welche Mechanismen werden sich die Amerikaner einfallen lassen, um demokratisch<br />
gewählte islamistische Parteien von der Macht fern zu halten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Zunächst muss man sagen, dass die USA seit Jahren mit Staaten zusammenarbeiten,<br />
an deren Regierungen auch Islamisten beteiligt sind oder die man überhaupt<br />
als islamistisch einstufen muss. Insofern kann man sich auch vorstellen,<br />
dass die Besatzungsmächte islamistische Kräfte tolerieren, solange<br />
diese sich nicht ganz ausdrücklich anti-westlich oder anti-israelisch<br />
zeigen. Wenn sie versuchen sollten, bestimmte islamistische Kräfte<br />
fern zu halten, dann können sie das tun, indem sie entweder angeben,<br />
diese seien nicht wirklich demokratisch gewählt worden. (Und wie<br />
sollte unter den augenblicklichen Bedingungen irgendeine politische Kraft<br />
demokratisch gewählt werden können). Oder aber dass sie anti-amerikanisch<br />
oder gegen Israel sei und daher schon aus diesem Grund nicht Teil einer<br />
demokratischen Regierung des neuen Irak werden könnten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Miranda</b>:<br />
Die zwei Frauen in dem Regierungsrat, welche Rolle spielen sie, welche<br />
Interessen vertreten sie? Was wird die neue &quot; Regierung&quot; bezüglich<br />
der Rechte der Frau planen/entscheiden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Grundsätzlich ist klar, dass eine neue Regierung unabhängig<br />
davon, wie sie im Einzelnen zusammen gesetzt sein wird, betonen wird,<br />
dass sie die Menschenrechte achtet und als deren Teil auch die Rechte<br />
der Frau. Dass damit Frauen auch einen gleichberechtigten Anteil an Wirtschaft,<br />
Politik und Gesellschaft erhalten, ist natürlich nicht gesagt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jana</b>:<br />
Wie gestaltet sich jetzt das Leben der Palästinenser, nachdem sie<br />
von Saddam eine Sonderbehandlung gewohnt waren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Was Sie mit Sonderbehandlung meinen, ist mir nicht recht klar. Im Irak<br />
selber ist zu befürchten, dass nach dem Sturz des Regimes manch alte<br />
Rechnung beglichen wird und all diejenigen, von denen man zu Recht oder<br />
zu Unrecht meint, sie seien unter dem alten Regime privilegiert worden,<br />
nun zu leiden haben. Das kann auch Palästinenser treffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Für wie hoch schätzen Sie das Konfliktpotenzial zwischen Sunniten<br />
und Schiiten im Irak ein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Im Moment haben wir keinen Hinweis darauf, dass die entscheidende Konfliktlinie<br />
zwischen Sunniten und Schiiten verläuft. Was wir sehen, sind Differenzen<br />
innerhalb der sunnitischen und der schiitischen Gemeinschaft, die unter<br />
Saddam Hussein nicht einheitlich waren und die es auch jetzt nicht sind.<br />
Bei all dem ist klar, dass die Schiiten als Bevölkerungsmehrheit<br />
nun beanspruchen, auch in der Regierung entscheidend beteiligt zu werden.<br />
Das würde nur dann zu einem Konflikt mit den Sunniten führen,<br />
wenn diese ihre bisherige Vormacht weiterhin beanspruchen oder aber von<br />
Schiiten vollkommen verdrängt würden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Joeran Muuss-Merholz</b>:<br />
Wie stark ist im heutigen Irak noch sein &quot;eigenes&quot; Militär?<br />
Wie stark könnte es nach einem Abzug der Besatzer noch sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Die irakische Armee ist förmlich aufgelöst, besteht also nicht<br />
mehr als organisierte Größe. Wie sie nach einem Abzug der Besatzer,<br />
der noch lange nicht zu erwarten ist, aussehen könnte, ist im Augenblick<br />
völlig unklar. Klar ist nur, dass die Besatzer alles daran setzen<br />
werden, anstelle der aufgelösten Armee neue Sicherheitskräfte<br />
aufzubauen, die loyal zur neuen Regierung stehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfer</b>:<br />
Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz sagte in einer Anhörung<br />
vor dem US-Senat in Washington, für die Ausbildung irakischer Truppen<br />
würden die USA weitere 200 Millionen Dollar zur Verfügung stellen.<br />
Sollte Deutschland ähnliches tun und etwa die Polizei ausbilden und<br />
ausrüsten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Es gibt Überlegungen, dass die Bundesrepublik sich unter einem UN-Mandat<br />
an der Ausbildung von Polizeikräften beteiligen könnte. Nochmals:<br />
Vorraussetzung ist ein entsprechendes UN-Mandat. Allein wäre die<br />
Bundesrepublik sicherlich nicht in der Lage, die Polizei des ganzen Landes<br />
auszubilden und womöglich auch noch auszurüsten. Die Bundesregierung<br />
betont ja immer sehr, dass sie keine Alleingänge wünsche, sondern<br />
nur im Verbund mit anderen Partnern handeln wolle.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Popster</b>:<br />
Was halten Sie eigentlich von all den Experten wie Herrn Scholl-Latour<br />
oder auch den Korrespondenten, die nach dem Krieg jetzt mit Büchern<br />
einen schnellen Euro machen? Wurde da nicht unheimlich viel Halbwissen<br />
verbreitet, was im Endeffekt eher geschadet hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Sicher. Halbwissen schadet immer. Und die Flut von Veröffentlichungen,<br />
die jetzt auf die deutsche Leserschaft zukommt, fördert nicht unbedingt<br />
das bessere Verständnis von Land und Leuten. Ich hätte mir natürlich<br />
gewünscht, dass sich manche der Experten mehr Zeit gelassen hätten.<br />
Aber der Markt lässt es offenkundig zu. Warten wir also die Verkaufszahlen<br />
ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Haben Sie eine persönliche Buch-Empfehlung zum Thema?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Leider nicht. Nicht, weil ich nun gar keines lesenswert fände, sondern<br />
weil ich selbst noch nicht die Zeit gefunden habe, die Veröffentlichungen<br />
anzuschauen und gewissermaßen eine Rangliste zu erstellen. Zum Irak<br />
würde ich zwei Taschenbücher doch empfehlen, die die neuere<br />
Geschichte des Landes behandeln. Peter Sluglett und Henner Fürtig<br />
sind die Autoren. Die Titel lauten beide in etwa: Geschichte des Irak.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Abschlussfrage:</span>
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerda</b>:<br />
Wo sehen Sie den Irak in 5 Jahren?</span>
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ich fürchte, dass die arabische Welt in fünf Jahren noch immer<br />
so unruhig und doch auch starr ist wie im Augenblick. Damit meine ich,<br />
auf der einen Seite die Unzufriedenheit großer Teile der Bevölkerung<br />
und gerade der Intellektuellen mit den herrschenden Verhältnissen<br />
und die Unbeweglichkeit der Regierungen. An eine Revolution oder an einen<br />
Flächenbrand glaube ich also nach wie vor nicht. Wie der Irak sich<br />
in dieses Umfeld einordnet, kann ich im Augenblick, wo alles so offen<br />
ist, beim besten Willen nicht sagen. Prophetie ist ja eine große<br />
Gabe, wenn auch keine bequeme. Ich habe sie nicht.</span>
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Chat-Freunde, es gibt noch viele Fragen, die Stunde ist aber leider<br />
vorbei. Vielen Dank an Frau Prof. Krämer, dass Sie bei uns zu Gast<br />
waren. Morgen geht’s im Chat wieder um die Gesundheitsreform. Dann<br />
stellt sich Andreas Storm, Gesundheitsexperte der CDU hier von 17.00 bis<br />
18.00 Ihren Fragen. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei<br />
sind. Einen schönen Sommerabend wünscht das tacheles.02-Team.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Vielen Dank, das war mein erster Chat und er hat mir Spaß gemacht</span>.</p>
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