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	<title>Irakkrieg &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Irakkrieg &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Eine Gefangennahme Saddam Husseins oder sein Tod &#8220;würden die Lage im Land nicht automatisch beruhigen.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/eine_gefangennahme_saddam_husseins_oder_sein_tod_quotwuerden_die_lage_im_land_nicht_automatisch_beruh-291/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jul 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Gudrun Krämer]]></category>
		<category><![CDATA[Irakkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Saddam Hussein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kraemer.jpg" alt="Gudrun Schaich-Walch" align="left" border="0" height="133" width="108" /><span style="color: #000000"> 
</span></b><span style="color: #000000"><b><b>Gudrun Krämer, Irak-Expertin, 
am 30. Juli 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kraemer.jpg" alt="Gudrun Schaich-Walch" align="left" border="0" height="133" width="108" /><span style="color: #000000"><br />
</span></b><span style="color: #000000"><b><b>Gudrun Krämer, Irak-Expertin,<br />
am 30. Juli 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Heute ist die Irak-Expertin Prof.<br />
Dr. Gudrun Krämer zum Chat ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Frau<br />
Krämer ist Leiterin des Instituts für Islamwissenschaften an<br />
der Freien Universität Berlin. Sie können Ihre Fragen zur arabischen<br />
Welt, speziell natürlich zum Thema Irak, aber auch zu den jüngsten<br />
Geschehnissen im Iran direkt an Frau Krämer richten. Wir haben eine<br />
Stunde Zeit &#8211; Frau Krämer, sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer:</b><br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea</b>:<br />
Wie lange, meinen Sie, wird es für die Amerikaner noch nötig<br />
sein, Soldaten im Irak zu stationieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ganz sicherlich mehr als ein Jahr, möglicherweise länger, wobei<br />
das natürlich auch davon abhängt, wie die Amerikaner ihre Ziele<br />
definieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>M. &amp; M.</b>:<br />
Sind die Iraker ein Volk, was sich fremd-regieren lässt, oder anders<br />
gefragt: Wie lange werden sie die amerikanische Anwesenheit in ihrem Land<br />
noch dulden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Im Prinzip wollen sie natürlich nicht von Fremden regiert werden,<br />
was auch mit ihrer kolonialen Vergangenheit zu tun hat, und ihre Geduld<br />
hängt natürlich davon ab, ob sie das Gefühl bekommen, die<br />
Anwesenheit der Amerikaner könne ihr Leben erleichtern und ihnen<br />
dann bald doch eine selbstbestimmte Regierung verschaffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie groß ist Ihrer Ansicht nach der Anteil der Iraker, die die Amerikaner<br />
unterstützen, weil sie ihnen dankbar sind, sie vom Diktator Hussein<br />
befreit zu haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
So etwas kann man überhaupt nicht beziffern, weil es vor dem amerikanischen<br />
Einmarsch nicht möglich war, Volksbefragungen durchzuführen<br />
und das auch jetzt nicht geht. Wir hören von Opfern des Regimes,<br />
die Hoffnungen auf die Amerikaner setzen, aber auch die wollen eher früher<br />
denn später natürlich unter einer eigenen Regierung leben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Popster</b>:<br />
Warum sollte es den USA gelingen, im Gegensatz zu Afghanistan, dort eine<br />
Demokratie einzuführen, die sich nicht nur auf wenige Landesteile<br />
erstreckt und ansonsten weiterhin die sogenannten Warlords das Land &quot;regieren&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Die irakische Gesellschaft ist ganz anders strukturiert als die afghanische,<br />
in der Stammesstrukturen noch einen ganz anderen Stellenwert haben. Irak<br />
hat eine andere historische Erfahrung und von daher sollte es grundsätzlich<br />
leichter werden, eine Regierungsform einzuführen, die zumindest die<br />
Grundsätze einer &quot;guten Regierungsführung &quot; berücksichtigt.<br />
Dazu gehört die Mitsprache der Bevölkerung, Rechtsstaatlichkeit<br />
und die Achtung der Menschenrechte. Das ist nicht unbedingt identisch<br />
mit Demokratie, britischen oder amerikanischen Musters, aber immer noch<br />
ein anspruchsvolles Programm.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Liebsein</b>:<br />
Wie stabil schätzen Sie den irakischen Regierungsrat ein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Stabil kann er eigentlich gar nicht sein, soll er auch nicht sein. Es<br />
handelt sich ja ausdrücklich um einen Übergangsrat, der zu einer<br />
stabilen Regierung führen soll. Positiv kann man sagen, dass in dem<br />
Übergangsrat ein breites Spektrum von Gruppen und Meinungen vertreten<br />
ist &#8211; für sich genommen eine beachtliche Leistung. Aber stabil ist<br />
er tatsächlich noch nicht, weil eben doch nicht alle Gruppen und<br />
Meinungen berücksichtigt sind, weil er mit großem Misstrauen<br />
beobachtet wird und weil er natürlich enorme Probleme zu lösen<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dlch</b>:<br />
Eine kurze Zwischenfrage für die Allgemeinbildung: Wie konstituiert<br />
sich der Regierungsrat derzeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Dem Übergangsrat gehören zunächst Vertreter der unterschiedlichen<br />
ethnischen Gruppen an: Araber, Kurden und Turkmenen. Dann der verschiedenen<br />
religiösen Gemeinschaften: Schiiten, Sunniten und Christen unterschiedlicher<br />
Konfessionen. Schließlich finden sich in ihm auch Sprecher unterschiedlicher<br />
politischer Richtungen: irakische Nationalisten, kurdische Nationalisten,<br />
Befürworter eines religiös ausgerichteten Staates und auch einige<br />
Säkularisten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Assad</b>:<br />
Für Oktober haben die USA zu einer Geberkonferenz zur Finanzierung<br />
des Wiederaufbaus eingeladen. Wird die UNO eine größere Rolle<br />
spielen können und wie ist die Position der deutschen Regierung zu<br />
bewerten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Im Moment sieht es so aus, dass die Amerikaner die außerordentlich<br />
hohen Kosten der Besatzung und des Wiederaufbaus nicht allein tragen können<br />
und wollen. Daher rufen sie nach der Verantwortung der Weltgemeinschaft,<br />
für die die Uno eintreten soll. Die Bundesregierung ist durchaus<br />
bereit, sich im Rahmen eines UN-Mandats am Wiederaufbau des Iraks zu beteiligen<br />
und über eine Umschuldung zu beraten. Sie beharrt aber darauf, dass<br />
dies im Rahmen der Vereinten Nationen geschieht, um so den Krieg gegen<br />
den Irak, den sie ja nicht unterstützt hat, nicht nachträglich<br />
zu rechtfertigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Cero</b>:<br />
Was geben andere arabische Staaten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Das übersehe ich im Moment auch nicht genau. Ich gehe davon aus,<br />
dass auch sie versuchen, dem irakischen Volk humanitäre Hilfe zukommen<br />
zu lassen. Das gilt z.B. für die Golfstaaten oder auch Ägypten.<br />
Auch für sie ist es im Augenblick schwierig, Hilfe ins Land selber<br />
zu kommen lassen, weil ihre Sicherheit nicht gewährleistet ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Degge</b>:<br />
Was waren für sie die Kriegsgründe der USA/GB?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Alfredo</b>:<br />
Was sind für Sie die WIRKLICHEN Gründe der US-Intervention?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ich meine, dass es den USA (und Großbritannien hat sie dabei unterstützt)<br />
vor allem darum ging, ein Regime auszuschalten, das ihre Dominanz in der<br />
Region in Frage gestellt hatte und das sie daher als Bedrohung wahrnahmen.<br />
Ich glaube nicht, dass es dabei in erster Linie um das Öl ging, sondern<br />
dass durch den Schock des 11. September militärische und politische<br />
Überlegungen im Vordergrund standen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Alfredo</b>:<br />
Warum hat der Irakkrieg nicht den von so vielen erwarteten Flächenbrand<br />
in der arabischen Welt ausgelöst?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Popster</b>:<br />
Was ist denn von den Horrorszenarien einer Ausweitung des Golfkriegs von<br />
vielen Kriegsgegnern übriggeblieben. Wie verhält sich die USA<br />
zur Zeit bspw. zum Iran und zu Syrien?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ein Flächenbrand war nach meiner Überzeugung nie zu befürchten.<br />
Dafür sind die Probleme und Interessen der einzelnen arabischen Staaten<br />
zu unterschiedlich. Selbst gegen Israel hat es ja nie eine einheitliche<br />
arabische Front gegeben. Daher war auch nicht zu erwarten, dass ein Krieg<br />
gegen die irakische Regierung die gesamte irakische Region in Brand setzen<br />
würde. Unruhe und Misstrauen gegenüber den USA sind weit verbreitet,<br />
doch ist es nicht mit einer explosiven Situation gleichzusetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas</b>:<br />
Wie wirkt sich die Situation im Irak auf die Nachbarländer aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ganz unterschiedlich. Ein Land wie Jordanien, das direkt an den Irak angrenzt,<br />
wirtschaftlich schwach ist und von den USA abhängig, befindet sich<br />
in einer ganz schwierigen Situation: Die Bevölkerung sympathisiert<br />
mehrheitlich mit dem irakischen Volk, die Regierung versucht das gute<br />
Verhältnis zu den USA und, nebenbei bemerkt, auch Israel zu bewahren.<br />
Das kann nicht ohne innere Spannungen abgehen. Saudi-Arabien befindet<br />
sich in einer anderen Situation. Von einer möglichen Bedrohung durch<br />
den Irak ist es befreit. Die Regierung steht im Prinzip fest an der Seite<br />
der Amerikaner, in der Bevölkerung hingegen gibt es scharfe Kritik<br />
an dieser Politik. Syrien schließlich hat als alter Rivale des Irak<br />
zunächst vom Sturz des Saddam-Regimes profitiert, wird allerdings<br />
von den USA selbst als potenzieller Schurkenstaat betrachtet. Die Regierung<br />
manövriert daher sehr vorsichtig, die Bevölkerung ist überwiegend<br />
ausgesprochen amerika-kritisch. Die Auswirkungen auf Iran sind vielleicht<br />
am schwersten zu beantworten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Degge</b>:<br />
die US-Administration hat ihre Semantik gegen den Iran in letzter Zeit<br />
derart verschärft, dass Teheran unter dem hohen Druck der Vorwürfe,<br />
Indizien und Zeugenaussagen zugeben musste: Ja, wir haben Kader der islamistischen<br />
Terrororganisation Al Qaida im Land. Was passiert denn jetzt? Mehr Druck<br />
der USA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Die USA üben ohne Zweifel erheblichen Druck auf die iranische Führung<br />
aus, die ihrerseits durch die Bekanntgabe der Verhaftungen signalisiert<br />
hat, dass sie sich dem &quot;Kampf gegen den Terror&quot; angeschlossen<br />
hat und daher nicht wie von der amerikanischen Führung behauptet,<br />
Teil der &quot;Achse des Bösen&quot; ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Islamabader</b>:<br />
Die Tötung der beiden Saddam Söhne würde von den USA als<br />
zentraler Bestandteil ihrer Überzeugungskampagne genutzt. Wird diese<br />
Botschaft von der irakischen Bevölkerung so verstanden und aufgenommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jutand</b>:<br />
hat sich die Stimmung unter der Bevölkerung stark verändert,<br />
seit den Bildern der toten Söhne Saddam Hussein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Wir wissen nicht wirklich wie die irakische Bevölkerung im allgemeinen<br />
auf den Tod der Saddam-Söhne und die Veröffentlichung der Bilder<br />
reagiert hat. Zum einen sind die Reaktionen sicher nicht einheitlich,<br />
zum anderen hüten sich viele Iraker unter amerikanischer Besatzung<br />
offen ihre Meinung zu sagen, zumal sie nicht ganz sicher sein können,<br />
dass das alte Regime wirklich restlos beseitigt ist. Generell ist die<br />
Stimmung von Misstrauen bestimmt. Dass man auch Bilder manipulieren kann,<br />
wissen viele Irakis. Die Veröffentlichung der Aufnahmen wird daher<br />
nicht alle überzeugen, dass die Saddam-Söhne tatsächlich<br />
tot sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Nun soll Saddam Hussein<br />
auf Tonband gesprochen, den Tod seiner Söhne bestätigt haben,<br />
wobei auch hier die Frage bleibt, ob diese Tonbänder echt sind und<br />
wen sie im Irak heute überhaupt erreichen. Meldungen, die über<br />
die internationalen Medien bis nach Berlin oder Washington gelangen, müssen<br />
im Irak, wo die entsprechende Infrastruktur in Teilen zerstört wurde,<br />
nicht jedermann erreichen. Auf jeden Fall haben weder Bilder noch Tonbänder<br />
letzten Überzeugungswert. Am wirksamsten sind noch immer Taten, so<br />
dass die Amerikaner alles daran setzen müssen, durch eigene Leistungen<br />
glaubwürdig zu werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Harald</b>:<br />
Sollte Saddam Hussein gefasst werden &#8211; welches Gericht ist für ihn<br />
zuständig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ich gehe davon aus, dass die Amerikaner ihn vor ein amerikanisches Gericht<br />
stellen würden und ganz sicherlich nicht, dem eben erst eingerichteten<br />
Internationalen Strafgerichtshof überstellen, den sie ja nicht anerkennen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Haben die Amerikaner überhaupt ein Interesse, ihn lebend fangen zu<br />
wollen. Es sah ja auch nicht so aus, als wollten sie seine Söhne<br />
lebend in die Hände bekommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Das ist schwer zu beantworten: Vieles spricht dafür, kurzen Prozess<br />
zu machen, um so das alte Regime auch symbolisch zu beenden. Andererseits<br />
würde ein öffentlicher Prozess nicht nur den Amerikanern, sondern<br />
auch den vielen Opfern des Regimes die Möglichkeit geben, dessen<br />
Verbrechen aufzuarbeiten. Ich glaube nicht, dass im Fall der Saddam-Söhne<br />
wirklich die freie Wahl bestand, sie zu fassen oder zu töten. Schließlich<br />
ging ihrem Tod ein stundenlanger Kampf voraus. Aber das ist eine Meinung,<br />
die ich, da ich ja nicht vor Ort war, nicht aus eigener Anschauung belegen<br />
kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Alfredo</b>:<br />
Glauben Sie dass mit dem Tod/ der Gefangennahme von S. Hussein die Angriffe<br />
auf die US-Truppen enden werden? Ist es nicht vielmehr so, dass der Wiederstand<br />
gegen die US-Truppen sehr heterogen ist, d.h. von Gruppen mit unterschiedlichen<br />
Interessen organisiert wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ja. Da stimme ich Ihnen im Grundsatz zu. So wie es aussieht, leisten nicht<br />
nur Anhänger des gestürzten Regimes der amerikanischen und britischen<br />
Besatzung Widerstand, sondern auch Gruppen oder sogar Einzelpersonen,<br />
die dem Regime nicht besonders nah standen, die sich vielmehr gegen die<br />
Besatzung als solche wehren. Eine Gefangennahme Saddam Husseins oder sein<br />
Tod wäre propagandistisch von enormer Bedeutung, aber sie würden<br />
die Lage im Land nicht automatisch beruhigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>LarsVegas</b>:<br />
Welche Mechanismen werden sich die Amerikaner einfallen lassen, um demokratisch<br />
gewählte islamistische Parteien von der Macht fern zu halten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Zunächst muss man sagen, dass die USA seit Jahren mit Staaten zusammenarbeiten,<br />
an deren Regierungen auch Islamisten beteiligt sind oder die man überhaupt<br />
als islamistisch einstufen muss. Insofern kann man sich auch vorstellen,<br />
dass die Besatzungsmächte islamistische Kräfte tolerieren, solange<br />
diese sich nicht ganz ausdrücklich anti-westlich oder anti-israelisch<br />
zeigen. Wenn sie versuchen sollten, bestimmte islamistische Kräfte<br />
fern zu halten, dann können sie das tun, indem sie entweder angeben,<br />
diese seien nicht wirklich demokratisch gewählt worden. (Und wie<br />
sollte unter den augenblicklichen Bedingungen irgendeine politische Kraft<br />
demokratisch gewählt werden können). Oder aber dass sie anti-amerikanisch<br />
oder gegen Israel sei und daher schon aus diesem Grund nicht Teil einer<br />
demokratischen Regierung des neuen Irak werden könnten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Miranda</b>:<br />
Die zwei Frauen in dem Regierungsrat, welche Rolle spielen sie, welche<br />
Interessen vertreten sie? Was wird die neue &quot; Regierung&quot; bezüglich<br />
der Rechte der Frau planen/entscheiden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Grundsätzlich ist klar, dass eine neue Regierung unabhängig<br />
davon, wie sie im Einzelnen zusammen gesetzt sein wird, betonen wird,<br />
dass sie die Menschenrechte achtet und als deren Teil auch die Rechte<br />
der Frau. Dass damit Frauen auch einen gleichberechtigten Anteil an Wirtschaft,<br />
Politik und Gesellschaft erhalten, ist natürlich nicht gesagt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jana</b>:<br />
Wie gestaltet sich jetzt das Leben der Palästinenser, nachdem sie<br />
von Saddam eine Sonderbehandlung gewohnt waren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Was Sie mit Sonderbehandlung meinen, ist mir nicht recht klar. Im Irak<br />
selber ist zu befürchten, dass nach dem Sturz des Regimes manch alte<br />
Rechnung beglichen wird und all diejenigen, von denen man zu Recht oder<br />
zu Unrecht meint, sie seien unter dem alten Regime privilegiert worden,<br />
nun zu leiden haben. Das kann auch Palästinenser treffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Für wie hoch schätzen Sie das Konfliktpotenzial zwischen Sunniten<br />
und Schiiten im Irak ein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Im Moment haben wir keinen Hinweis darauf, dass die entscheidende Konfliktlinie<br />
zwischen Sunniten und Schiiten verläuft. Was wir sehen, sind Differenzen<br />
innerhalb der sunnitischen und der schiitischen Gemeinschaft, die unter<br />
Saddam Hussein nicht einheitlich waren und die es auch jetzt nicht sind.<br />
Bei all dem ist klar, dass die Schiiten als Bevölkerungsmehrheit<br />
nun beanspruchen, auch in der Regierung entscheidend beteiligt zu werden.<br />
Das würde nur dann zu einem Konflikt mit den Sunniten führen,<br />
wenn diese ihre bisherige Vormacht weiterhin beanspruchen oder aber von<br />
Schiiten vollkommen verdrängt würden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Joeran Muuss-Merholz</b>:<br />
Wie stark ist im heutigen Irak noch sein &quot;eigenes&quot; Militär?<br />
Wie stark könnte es nach einem Abzug der Besatzer noch sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Die irakische Armee ist förmlich aufgelöst, besteht also nicht<br />
mehr als organisierte Größe. Wie sie nach einem Abzug der Besatzer,<br />
der noch lange nicht zu erwarten ist, aussehen könnte, ist im Augenblick<br />
völlig unklar. Klar ist nur, dass die Besatzer alles daran setzen<br />
werden, anstelle der aufgelösten Armee neue Sicherheitskräfte<br />
aufzubauen, die loyal zur neuen Regierung stehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfer</b>:<br />
Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz sagte in einer Anhörung<br />
vor dem US-Senat in Washington, für die Ausbildung irakischer Truppen<br />
würden die USA weitere 200 Millionen Dollar zur Verfügung stellen.<br />
Sollte Deutschland ähnliches tun und etwa die Polizei ausbilden und<br />
ausrüsten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Es gibt Überlegungen, dass die Bundesrepublik sich unter einem UN-Mandat<br />
an der Ausbildung von Polizeikräften beteiligen könnte. Nochmals:<br />
Vorraussetzung ist ein entsprechendes UN-Mandat. Allein wäre die<br />
Bundesrepublik sicherlich nicht in der Lage, die Polizei des ganzen Landes<br />
auszubilden und womöglich auch noch auszurüsten. Die Bundesregierung<br />
betont ja immer sehr, dass sie keine Alleingänge wünsche, sondern<br />
nur im Verbund mit anderen Partnern handeln wolle.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Popster</b>:<br />
Was halten Sie eigentlich von all den Experten wie Herrn Scholl-Latour<br />
oder auch den Korrespondenten, die nach dem Krieg jetzt mit Büchern<br />
einen schnellen Euro machen? Wurde da nicht unheimlich viel Halbwissen<br />
verbreitet, was im Endeffekt eher geschadet hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Sicher. Halbwissen schadet immer. Und die Flut von Veröffentlichungen,<br />
die jetzt auf die deutsche Leserschaft zukommt, fördert nicht unbedingt<br />
das bessere Verständnis von Land und Leuten. Ich hätte mir natürlich<br />
gewünscht, dass sich manche der Experten mehr Zeit gelassen hätten.<br />
Aber der Markt lässt es offenkundig zu. Warten wir also die Verkaufszahlen<br />
ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Haben Sie eine persönliche Buch-Empfehlung zum Thema?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Leider nicht. Nicht, weil ich nun gar keines lesenswert fände, sondern<br />
weil ich selbst noch nicht die Zeit gefunden habe, die Veröffentlichungen<br />
anzuschauen und gewissermaßen eine Rangliste zu erstellen. Zum Irak<br />
würde ich zwei Taschenbücher doch empfehlen, die die neuere<br />
Geschichte des Landes behandeln. Peter Sluglett und Henner Fürtig<br />
sind die Autoren. Die Titel lauten beide in etwa: Geschichte des Irak.</span>
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Abschlussfrage:</span>
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerda</b>:<br />
Wo sehen Sie den Irak in 5 Jahren?</span>
</p>
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ich fürchte, dass die arabische Welt in fünf Jahren noch immer<br />
so unruhig und doch auch starr ist wie im Augenblick. Damit meine ich,<br />
auf der einen Seite die Unzufriedenheit großer Teile der Bevölkerung<br />
und gerade der Intellektuellen mit den herrschenden Verhältnissen<br />
und die Unbeweglichkeit der Regierungen. An eine Revolution oder an einen<br />
Flächenbrand glaube ich also nach wie vor nicht. Wie der Irak sich<br />
in dieses Umfeld einordnet, kann ich im Augenblick, wo alles so offen<br />
ist, beim besten Willen nicht sagen. Prophetie ist ja eine große<br />
Gabe, wenn auch keine bequeme. Ich habe sie nicht.</span>
</p>
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Chat-Freunde, es gibt noch viele Fragen, die Stunde ist aber leider<br />
vorbei. Vielen Dank an Frau Prof. Krämer, dass Sie bei uns zu Gast<br />
waren. Morgen geht’s im Chat wieder um die Gesundheitsreform. Dann<br />
stellt sich Andreas Storm, Gesundheitsexperte der CDU hier von 17.00 bis<br />
18.00 Ihren Fragen. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei<br />
sind. Einen schönen Sommerabend wünscht das tacheles.02-Team.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Vielen Dank, das war mein erster Chat und er hat mir Spaß gemacht</span>.</p>
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