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	<title>Islamischer Fundamentalismus &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Islamischer Fundamentalismus &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Die Facebook-Fans der Rechtspopulisten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hendrik Behnisch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 May 2012 10:52:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtspopulismus]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Fundamentalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Verhalten]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit Jahren gewinnt der Rechtspopulismus politisch an Einfluss – in ganz Europa. Einer der Chefideologen dieser Bewegung ist Geert Wilders, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Europas prominentester Rechtspopulist: Der Niederländer Geert Wilders (PVV) / © Die Freiheit" href="http://politik-digital.de/die-facebook-fans-der-rechtspopulisten/wilders-3/" rel="attachment wp-att-116287"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-116287 alignnone" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/wilders2-630x419.jpg" alt="" width="630" height="419" /></a>Seit Jahren gewinnt der Rechtspopulismus politisch an Einfluss – in ganz Europa. Einer der Chefideologen dieser Bewegung ist Geert Wilders, der eben erst die niederländische Regierung zu Fall gebracht hat. Seine anti-muslimischen Ressentiments sind szenetypisch – und finden auch auf Facebook immer mehr Verbreitung, wie eine neue Online-Studie belegt.</p>
<p>Kürzlich hat Innenminister Friedrich auf dem YouTube-Kanal der Bundesregierung vor der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=n6R-93zpeP8" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gewaltbereitschaft der Salafisten in Deutschland gewarnt</a>. Anhänger dieser Splittergruppe des Islam, die als besonders rückwärtsgewandt und fundamentalistisch in ihrer Koran-Auslegung gilt, drängen bereits seit Monaten immer häufiger in die Öffentlichkeit.</p>
<p>Wo in der Vergangenheit nur Hassprediger Pierre Vogel Medienaufmerksamkeit bekam, mehren sich nun Beiträge über Aktionen der hierzulande etwa 4.000 Personen umfassenden radikal-islamischen Gruppe. Während Salafisten vor einigen Wochen noch friedlich kostenlose Koran-Exemplare in den Fußgängerzonen deutscher Großstädte an Nicht-Muslime verteilten, <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pro-nrw-anhaenger-und-salafisten-kundgebung-eskaliert-in-bonn-a-831570.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">kam es Anfang Mai in Bonn zur Gewalteskalation mit salafistischer Beteiligung</a>. Nachdem bei einer Demonstration der rechtsextremen Kleinpartei pro-NRW islamfeindliche Karikaturen gezeigt worden waren, gingen die beiden verfeindeten Gruppen aufeinander los. Dabei wurden vier Polizisten verletzt.</p>
<p>In rechtspopulistischer Lesart sind Geschehnisse wie dieses Ausdruck des Kulturkampfes, jenes anti-islamischen Leitmotivs ihrer politischen Agenda, die darauf abzielt, Europa vor einer „Islamisierung“ zu retten. Die jüngsten Aggressionen der muslimischen Minderheit der Salafisten und Innenminister Friedrichs Warnung vor 4.000 Radikalen sind Wasser auf ihre Mühlen. Rechtspopulisten, die sich als Verteidiger abendländischer Werte gegen eine angebliche Barbarei der islamisch geprägten Kultur inszenieren, haben europaweit den fein verästelten Stammbaum einer neuen Parteienfamilie ausgeprägt – vernetzt auch und vor allem über das Internet. Das populärste Forum der Islamfeinde ist hierzulande bislang das Blog <a href="http://www.fr-online.de/die-neue-rechte/-politically-incorrect--im-netz-der-islamfeinde,10834438,10835026.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„politically incorrect“</a>, doch sind sie dennoch gleichermaßen in den sozialen Medien auf dem Vormarsch – und holen Sympathisanten erfolgreich in deren täglichem digitalem Umfeld ab.</p>
<p><strong>Europaweite Vernetzung der Islamfeinde</strong></p>
<p>Wie intensiv die Rechtspopulisten der europäischen Parteienlandschaft bereits soziale Netzwerke wie Facebook nutzen, um ihre Ideen zu verbreiten, geht aus einer Studie des britischen Think Tanks <a href="http://www.demos.co.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Demos</a> hervor, die bereits im November 2011 erschienen ist – aber nichts von ihrer Dringlichkeit und Aktualität eingebüßt hat. In ihrer Studie <a href="http://www.demos.co.uk/publications/thenewfaceofdigitalpopulism" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>„The new face of digital populism“</strong></a> mit dem Untertitel „The rise of populism in Europe can be traced through online behaviour&#8230;“ haben sich Mitarbeiter von Demos mit den Motiven und Hintergründen von Facebook-Fans namhafter europäischer Rechtsaußenbewegungen auseinandergesetzt. Dazu wurden Online-Fragebögen entworfen, die von Teilnehmern aus den entsprechenden Kreisen bearbeitet wurden.</p>
<p>Entscheidend für die Studie war es, Erkenntnisse über die Klientel zu gewinnen, die sich online zu rechtspopulistischen Parteien bekennt. 13.000 Facebook-Anhänger von 14 rechten Parteien und Bewegungen aus 11 westeuropäischen Staaten füllten den Fragebogen aus. Insgesamt beläuft sich die Anzahl derer, die bei einer der Gruppierungen den „Like“-Button gedrückt haben und sich somit regelmäßig von diesen auf Facebook informieren und updaten lassen, auf ca. 440.000 User.</p>
<p><strong>Männlich, gebildet, desillusioniert und multikulti-kritisch</strong></p>
<p>In Finnland war nach dem dortigen Rechtsruck bei der Parlamentswahl 2011 die Rede von einer <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/ueberraschungswahl-in-finnland-revolution-der-zornigen-maenner-a-757671.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Revolution der zornigen Männer“</a>. Diese Einschätzung des Politologen Heikki Hiilamo scheint sich auch europaweit im digitalen Raum zu bestätigen: Drei Viertel von ihnen sind demnach männlich, 63 Prozent  unter 30 Jahre alt.</p>
<p>Dass Zorn explizit als Triebkraft der Rechts-Sympathisanten genannt wird, soll aber nicht zu der Annahme verleiten, es seien lediglich leicht beeinflussbare bildungsferne und geringverdienende Schichten, die sich bei Facebook zu den Rechtspopulisten bekennen. Gut ein Drittel der Befragten gab an, Student/in zu sein, was womöglich das brisanteste Ergebnis der Studie darstellt. Geeint sind die Befragten aber nicht nur in ihrer Islamfeindlichkeit und EU-Skepsis, sondern auch in ihrem Misstrauen gegenüber den etablierten politischen Eliten (immerhin 80 Prozent). Desillusion und Politikverdrossenheit, kombiniert mit einem diffusen Gefühl von Xenophobie, das sich vor allem in Anti-Islamismus und der Ablehnung des Multikulturalismus äußert, lassen tief in die rechtspopulistische Seele blicken.</p>
<p>Dass ein „Like“-Button schnell angeklickt und nicht mit politischem Aktivismus zu verwechseln ist, ist nicht erst seit dem Seifenblasen-Support auf Facebook bekannt, der Ex-Verteidigungsminister Guttenberg während dessen Plagiatsaffäre widerfuhr. Hunderttausende Facebook-Fans, die sich mit Guttenberg solidarisierten, blieben bei den Demonstrationen pro Guttenberg mehrheitlich zu Hause. Auch die Demos-Studie zeigt, dass die Facebook-Gefolgschaft für die Rechtspopulisten nicht überbewertet werden sollte.</p>
<p>Einer von drei Befragten gab an, der Partei, deren Facebook-Fan er ist, beim letzten Mal nicht seine Stimme gegeben zu haben. Die allermeisten Befragten äußerten zudem, dass sie sich nicht als formale Mitglieder sehen. Also wird bei den Facebook-Fans eher eine Grundstimmung abgebildet, als dass man den Rechtspopulisten eine digital initiierte politische Sammlungskraft bescheinigen könnte. Mit anderen Worten: 400.000 rechte Facebook-Fans sind nicht mit 400.000 rechten politischen Aktivisten zu verwechseln.</p>
<p><strong>Methodische Schwächen der Studie</strong></p>
<p>Um diese Ergebnisse fair beurteilen zu können, sollte man sich auch ihre methodischen Schwächen vergegenwärtigen – auf die Demos selbst explizit hinweist. Zunächst ist davon auszugehen, dass von der Studie nur Anhänger erfasst werden, die aus ihren politischen Überzeugungen keinen Hehl machen. Die „heimlichen“ Rechten, die insbesondere nach den Breivik-Attentaten des vergangenen Jahres Angst vor gesellschaftlicher Ächtung haben, werden von der Studie nicht erfasst. Darüber hinaus sind die Identitäten und die Glaubwürdigkeit der zum Ausdruck gebrachten Motive nicht zweifelsfrei erwiesen. Es ist nicht unüblich, dass politische Gegner einer Partei deren Facebook-Seiten „infiltrieren“, um im Diskussionsbereich Unruhe zu stiften oder sich bequem über die Kampagnen der Gegenseite informieren zu lassen. Solche „falschen Fans“ könnten die Studie durchaus verzerrt haben: etwa durch extreme oder klischeehafte Antworten.</p>
<p>Außerdem sollte die Parteienauswahl kritisch betrachtet werden. Denn selbst wenn anti-muslimische Ressentiments die inhaltliche Klammer aller in der Studie berücksichtigten Gruppierungen bilden, so bestehen doch zwischen nationalliberalen Parteien wie etwa der niederländischen PVV, der deutschen „Freiheit“ oder der Dänischen Volkspartei und quasi-faschistoiden und militanten Gruppen wie der „English Defence League“ oder der „CasaPound Italia“ große Unterschiede. Parteiensteckbriefe zur Geschichte und zu signifikanten Medienauftritten ihrer Mitglieder am Ende der Studie ermöglichen es dem Leser allerdings, sich ein eigenes Urteil über Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Europas Rechtsaußengruppen zu bilden.</p>
<p align="JUSTIFY">Aufgrund der methodischen Schwächen und der in diesem Rahmen kaum abzudeckenden Vielgestaltigkeit der untersuchten Szene ist die Demos-Studie als Ergänzung zu anderen Forschungsleistungen zum zeitgenössischen Rechtspopulismus zu sehen. Ihr primäres Verdienst ist es nicht nur, einen Beitrag zu diesem oft vernachlässigten Diskurs zu leisten. Viel entscheidender ist es, dass Demos versucht, interessierte Westeuropäer darüber zu informieren, was in ihren rechts gesinnten Landsleuten vorgeht und was sie antreibt. Wo die klassischen Leitmedien oft nur dämonisieren und die konstruktive Debatte mit den Sympathisanten der Rechtspopulisten unmöglich machen, bietet die Studie Chancen. Auch und vor allem den regierenden Politikern.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs auf der Suche nach neuen Feindbildern.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotseit_dem_fall_des_eisernen_vorhangs_auf_der_suche_nach_neuen_feindbildernquot-158/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[ahaeming]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Karikaturen-Streit]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Leclercq]]></category>
		<category><![CDATA[Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Fundamentalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Freitag, den 10. Februar, war Patrick 
Leclercq zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation 
mit politik-digital.de.</span> Der Nahost-Korrespondent der ARD 
in Kairo beantwortete den Chat-Teilnehmern Fragen zu den ägyptischen 
Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen, er sprach über die 
Strategie des iranischen Präsidenten und das alltägliche 
Miteinander von Christen und Moslems.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Freitag, den 10. Februar, war Patrick<br />
Leclercq zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation<br />
mit politik-digital.de.</span> Der Nahost-Korrespondent der ARD<br />
in Kairo beantwortete den Chat-Teilnehmern Fragen zu den ägyptischen<br />
Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen, er sprach über die<br />
Strategie des iranischen Präsidenten und das alltägliche<br />
Miteinander von Christen und Moslems.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett">Moderator:</span></span></span><br />
Herzlich willkommen aus dem ARD-Hauptstadtstudio zum tagesschau-Chat.<br />
Unser heutiger Chat-Gast ist uns aus Kairo zugeschaltet. Ich begrüße<br />
ganz herzlich Patrick Leclercq, den Nahost-Korrespondenten der ARD.<br />
Thematisch soll sich in der kommenden Stunde alles um den Karikaturen-Streit<br />
und dessen Auswirkung auf die Weltpolitik drehen.
</p>
<p>
<b>glaeubiger:</b> Hallo Herr Leclercq, diese Woche sind<br />
&quot;Spiegel&quot; und &quot;Focus&quot; in Ägypten verboten<br />
worden, wegen des Titelthemas Karikaturen-Streit. Wie schätzen<br />
Sie diese Maßnahme der ägyptischen Regierung ein?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das ist eine vorübergehende<br />
Maßnahme. Sie wurde ergriffen, um den Fundamentalisten keine<br />
zusätzliche Munition zu liefern.
</p>
<p>
<span class="fett">costello:</span> Wie hat sich die Lage in den<br />
vergangenen Tagen verändert? Eher Beruhigung oder eher zunehmende<br />
Eskalation? Oder beides?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Nach meiner Beobachtung<br />
hat sich die Lage beruhigt, und das wird sich auch die nächsten<br />
Tage so fortsetzen.
</p>
<p>
<span class="fett">dann:</span> Herr Leclercq, wie stark sind die<br />
Ressentiments der Bevölkerung in Wirklichkeit? Stichwort Medienwirkung.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Moslems sind tatsächlich<br />
schwer getroffen. Die bildhafte Darstellung des Propheten ist ein<br />
klarer Verstoß gegen alle Regeln. Das versteht der kleine<br />
Mann auf der Straße nicht.
</p>
<p>
<b>huslah:</b> Was denken Sie über die Karikaturen<br />
des Propheten. Dürfte ich Ihre Meinung hören?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Man sollte sie ganz<br />
einfach weglassen. Das erfordert der Respekt vor der anderen Religion.
</p>
<p>
<b>kirchenaustreter: </b>Wieso rasten die Menschen immer<br />
gleich so aus? Hier in Europa dauert es z.B. ziemlich lange, bis<br />
mal demonstriert wird.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich glaube, dass ein<br />
großer Teil der weltweiten Demonstrationen von halbstaatlichen<br />
Stellen organisiert wurde.
</p>
<p>
<b>Burgund:</b> Wenn man die Berichte über die Proteste<br />
aufmerksam verfolgt, kommt man zu dem Schluss, dass wohl viele der<br />
Protestierenden zusätzlich aufgestachelt werden. Wer schürt<br />
diese Proteste? Mit welchem Ziel? Wird hier eine &quot;Strategie<br />
der Spannung&quot; verfolgt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Proteste werden<br />
von Fundamentalisten in allen islamischen Ländern genutzt,<br />
um ihre Ziele, nämlich rein religiös ausgerichtete Staaten,<br />
weiter zu forcieren. Die Provokation war also ein willkommener Anlass.
</p>
<p>
<b>Firework:</b> Herr Leclercq, herrscht denn auch derzeit<br />
keine Vergebungsbereitschaft bei den Moslems? Ich muss auch dazu<br />
sagen, dass ich so manch einen Moslem verstehen kann: Über<br />
heilige Dinge macht man keine Witze oder Karikaturen.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Es gibt DIE Moslems<br />
genauso wenig wie DIE Christen oder DIE Hindus. Ein großer<br />
Teil der Muslime ist friedlich gestimmt und man sollte sich nicht<br />
von den Demonstranten irritieren lassen.
</p>
<p>
<span class="fett">Dino:</span> Für wie groß halten<br />
sie den Einfluss von Mahmud Ahmadinedschad im Nahen Osten? Speziell<br />
bezogen auf die Fragestellung, wie sehr er die aufgeheizte momentane<br />
Stimmung durch den Karikaturenstreit für seine Ziele nutzen<br />
kann.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Sein Einfluss steigt<br />
täglich, weil er als geschickter Propagandist die Defizite<br />
des Westens zu nutzen weiß, z.B. was die Palästinafrage<br />
angeht.
</p>
<p>
<span class="fett">costello:</span> Gibt es auch kritische, reflektierte<br />
Stimmen in den Medien der so genannten arabischen Welt? Wenn ja<br />
&#8211; aus welchem Spektrum und mit welchem Inhalt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die gibt es natürlich<br />
in den Reihen der Intellektuellen, Künstler, bis hinein in<br />
die hohe arabische Geistlichkeit.
</p>
<p>
<b>yavuzph:</b> Herr Leclercq, haben die Pressemitteilungen<br />
der islamischen Verbände in Europa und auch aus Deutschland<br />
Auswirkungen auf die Muslime in den betroffenen Ländern? Oder<br />
werden diese überhaupt nicht wahrgenommen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> In den überregionalen<br />
Zeitungen und auch in den Medien, die überregional und international<br />
arbeiten, finden solche Stimmen selbstverständlich Beachtung.<br />
Auch die Vielzahl an arabischen Nachrichtenkanälen reflektiert<br />
durchaus solche Stellungnahmen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Aber bekommen die einfachen<br />
Demonstranten auf der Straße diese Stimmen überhaupt<br />
mit?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Demonstranten auf<br />
der Straße sind in der Regel sicher nicht an versöhnlichen<br />
Tönen interessiert, sondern wollen erst mal ihren Unmut und<br />
ihre Wut zum Ausdruck bringen. Sie sind aber nur ein kleiner Teil<br />
der arabischen Welt.
</p>
<p>
<b>randolph: </b>Wieso regen die Muslime sich eigentlich<br />
nicht so auf, wenn im Namen ihres Glaubens Unschuldige in die Luft<br />
gejagt werden?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Frage ist völlig<br />
berechtigt, wird aber spätestens seit der Regelmäßigkeit<br />
solcher Anschläge im Irak auch hierzulande immer lauter gestellt.<br />
Selbst im Irak gibt es jetzt diese Diskussion.
</p>
<p>
<b>liggelow: </b>Wie empfinden Sie die Situation jetzt<br />
persönlich als Journalist? Ist man Ihnen gegenüber zurückhaltender<br />
oder aggressiver?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Für mich persönlich<br />
hat sich bisher nichts geändert. Man muss allerdings sicher<br />
in einigen unserer Berichtsgebiete in Zukunft noch etwas vorsichtiger<br />
und umsichtiger vorgehen.
</p>
<p>
<b>tobias1: </b>Herr Leclercq, ich habe folgende Stellungnahme<br />
gehört: &quot;Der Islam ist die größte Bedrohung<br />
für den Weltfrieden und es besteht die Gefahr eines 3. Weltkrieges<br />
&quot;. Teilen Sie diese Auffassung?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das halte ich für<br />
sehr unüberlegt &#8211; derartige Bedrohungsszenarios zeugen nicht<br />
von sehr viel Überlegtheit und auch Verständnis für<br />
andere Teile dieser Welt.
</p>
<p>
<b>talentfrei23: </b>Herr Leclercq, empfinden Sie die<br />
Veröffentlichung dänischer Karikaturen in deutschen Medien<br />
als taktlos? Wird der Begriff Pressefreiheit hier verwendet, um<br />
über den Sachverhalt hinweg zu täuschen, dass möglicherweise<br />
seitens der Medien verantwortungslos gehandelt wurde?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Im Zuge der journalistischen<br />
Information kann man durchaus darüber diskutieren, auch in<br />
Deutschland zumindest die Anmutung solcher Karikaturen darzustellen.<br />
Allerdings muss dabei eine Einordnung stattfinden, damit die Verletzung<br />
der religiösen Gefühle der Muslime verhindert wird. Eine<br />
Veröffentlichung ganz alleine und unkommentiert, sozusagen<br />
1:1 halte ich für falsch.
</p>
<p>
<b>s.tustra:</b> Kann man eigentlich ein Ziel formulieren,<br />
auf das die Proteste ausgerichtet sind? Man hat nicht den Eindruck,<br />
als sei es mit einer Entschuldigung getan.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das Ziel sollte sicher<br />
auch in dieser Debatte auf allen Seiten die religiöse Toleranz<br />
sein. Leider scheint es mir so, dass sich doch einige fundamental<br />
religiöse und politische Richtungen einfach des Anlasses bedienen,<br />
um ihre Ziele zu verfolgen.
</p>
<p>
<span class="fett">Dino:</span> Gibt es einen nachweisbaren Zusammenhang<br />
zwischen der Rolle der gewaltbereiten Muslime und ihrer sozialen<br />
Stellung in der Gesellschaft? Sind es oft unzufriedene oder ärmere<br />
Menschen, oder sind sie aus allen sozialen Schichten?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das ist ein Zusammenhang,<br />
der ja schon am 11. September hergestellt wurde, der sicher im Kern<br />
auch nicht zu leugnen ist. Das zeigen auch die großen Demonstrationen<br />
in bettelarmen Ländern wie dem Jemen und anderswo.
</p>
<p>
<b>Apfelsaftschorle: </b>Wer demonstriert eigentlich<br />
täglich da? Die Menschen haben doch auch Arbeit und Familie<br />
wie in anderen Erdteilen und dadurch nur wenig Zeit für Demonstrationen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Zeit nehmen sie<br />
sich, weil die Beleidigung für sie eine sehr große ist<br />
und sie bis ins Mark getroffen sind.
</p>
<p>
<b>thorstenl:</b> Lässt die Tatsache, dass Muslime<br />
nie oder nur sehr selten gegen terroristische Aktivitäten,<br />
die im Namen des Islam geschehen, demonstrieren, den Schluss zu,<br />
dass es sich in Wirklichkeit nicht um die Beleidigung der Person<br />
Mohammed, sondern um einen Hass auf den Westen im allgemeinen dreht?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Erfahrungen früher<br />
aus der Kolonialzeit, später aber auch in der Palästinenserfrage<br />
und jüngst bei der Besetzung des Irak haben tatsächlich<br />
bei einem Teil der Bevölkerung in den arabischen Ländern<br />
zu einem eher negativen Bild des Westens geführt. Man sollte<br />
das aber nicht verallgemeinern sondern eher den Dialog suchen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wie soll ein solcher Dialog<br />
konkret aussehen? An was für Maßnahmen denken Sie?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ein solcher Dialog<br />
findet im Moment beispielhaft schon auf der Ebene der Kirchen statt,<br />
z.b. wie ich weiß, in Deutschland sogar auf der Ebene der<br />
Gemeinden. Und auch hierzulande gibt es christliche Pfarreien, die<br />
dieses seit Jahren mit den Moslems praktizieren.
</p>
<p>
<span class="fett">costello:</span> Die Muslime sind bis ins Mark<br />
getroffen, sagen Sie. Aber eine reflektierte gesamtgesellschaftliche<br />
Diskussion ist nicht möglich? Das geht doch bei uns auch!
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Da haben Sie sicher<br />
recht. Sie müssen aber den arabischen Gesellschaften einfach<br />
noch Zeit geben.
</p>
<p>
<b>s.tustra: </b>Die nächste Reaktion in der Kette<br />
ist ja leider, dass die anti-islamistische Einstellung gerade in<br />
Deutschland gestärkt wird. Ist das den Demonstranten bewusst<br />
oder eventuell sogar beabsichtigt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich denke, dass das<br />
den meisten Demonstranten nicht unbedingt bewusst ist. Ihre Möglichkeiten,<br />
sich darüber ein aktuelles Bild zu machen, sind im Regelfall<br />
auch eher begrenzt.
</p>
<p>
<b>yavuzph: </b>Glauben Sie persönlich daran, dass<br />
islamische Geistliche oder Großmuftis, Imame und Sheichs überhaupt<br />
noch einen theologischen oder persönlichen Einfluss auf Muslime<br />
und deren Denken haben? Zum Beispiel Al-Azhar-Uni?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ja, unbedingt. Fast<br />
täglich verlassen &quot;Fatwas&quot; Kairo und gehen in die<br />
ganze Welt.
</p>
<p>
<b>Neuhier: </b>Ist man in der arabischen Welt eigentlich<br />
auch in der Lage, zwischen dem, was eine Karikatur darstellt, und<br />
dem, was sie eigentlich ausdrücken will, zu differenzieren?<br />
(Es ging ja nicht um eine religiöse Darstellung Mohammeds,<br />
sondern um aus westlicher Sicht durchaus nachvollziehbare Kritik<br />
und Ängste).
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Sobald es um die Darstellung<br />
des Propheten geht, setzt nach meiner Einschätzung jegliche<br />
Differenziertheit aus. Ein Moslem versteht das einfach nicht.
</p>
<p>
<b>interessierte:</b> Gab es eigentlich auch Proteste<br />
in den arabischen Ländern, als von höchster politischer<br />
Stelle der Holocaust geleugnet wurde? Oder wurde darüber nur<br />
nicht berichtet?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Es wurde darüber<br />
nur wenig berichtet. Proteste größerer Art hat es meines<br />
Wissens nach nicht gegeben.
</p>
<p>
<b>Achim: </b>Ist es nicht vor diesem Gesichtspunkt &#8211;<br />
dass Sie die arabische Welt noch nicht für offen genug für<br />
eine gesellschaftliche Debatte halten &#8211; nicht gerade wichtig, dass<br />
&quot;der Westen &quot; seine Haltung zu zentralen Werten wie der<br />
Meinungsfreiheit bekräftigt bzw. verteidigt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich persönlich<br />
&#8211; das habe ich auch schon mehrfach gesagt &#8211; bin natürlich der<br />
Meinung, dass wir am Begriff der Meinungsfreiheit nicht rütteln<br />
sollten.
</p>
<p>
<b>johannsen: </b>Was, denken Sie, wird passieren, wenn<br />
die EU und die USA bewusst noch mehr solcher Karikaturen veröffentlichen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Dann werden die Proteste<br />
wieder aufflammen, weil hier vorausgesetzt wird, dass eine klare<br />
Absicht dahinter stecken würde.
</p>
<p>
<b>Domenico: </b>Stimmt es, dass die Bilder der Karikaturen<br />
den Menschen in Ägypten nicht gezeigt werden? Das heißt,<br />
in den Medien, Zeitschriften etc.?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das stimmt so nicht.<br />
In Ägypten sind die Karikaturen in den letzten Wochen in einer<br />
großen Wochenzeitung abgedruckt worden und waren zu sehen.
</p>
<p>
<b>Bender-robot: </b>Dem Westen wird immer vorgeworfen,<br />
er würde mit zweierlei Maß messen. Die islamische Welt<br />
scheint das ja nun aber auch zu tun, sogar noch viel extremer. Was<br />
ist ihre Meinung dazu?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das ist sicher so,<br />
aber es wird uns nicht weiter führen, wenn wir jeweils nur<br />
immer Interesse daran haben, den anderen vorzuführen.
</p>
<p>
<span class="fett">jox:</span> Denken Sie, dass es zu immer mehr<br />
Konflikten zwischen den beiden Kulturkreisen kommen wird? Es gibt<br />
nun mal wirklich große Unterschiede!
</p>
<p>
<b>Feanor: </b>Besteht die Möglichkeit, dass es<br />
infolge dieser Glaubendifferenzen zu einem Flächenbrand im<br />
Nahen Osten kommt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Den Krieg der Kulturen<br />
sehe ich bisher nicht. Mir scheint es eher so, dass man nach dem<br />
Zusammenbruch des eisernen Vorhangs schon seit Jahren verzweifelt<br />
auf der Suche nach neuen Feindbildern ist. Im Kern glaube ich aber<br />
an keinen Flächenbrand.
</p>
<p>
<b>Lord Knut:</b> Heißt Verteidigung der Meinungsfreiheit<br />
zwingend, dass wir uns auch künftig als &quot;frei &quot; betrachten,<br />
die religiösen Gefühle frommer Moslems zu verletzen? Bedeutet<br />
Zusammenrücken in einer globalisierten, vernetzten Welt nicht<br />
auch, stärker als bislang auf die Empfindungen anderer Kulturkreise<br />
Rücksicht zu nehmen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich rate in diesem<br />
Zusammenhang zu weniger Aufgeregtheit und Schaum vor dem Mund. Es<br />
ist bis zum heutigen Tage so, dass sich die meisten Menschen aus<br />
beiden Kulturkreisen durchaus eher freundschaftlich begegnen.
</p>
<p>
<b>frankfurter: </b>Wie tief ist Judenhass tatsächlich<br />
in den arabischen Gesellschaften verankert?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Durch die Gründung<br />
des Staates Israel gibt es in der arabischen Welt bis zum heutigen<br />
Tage große Ressentiments. Es sind eben die fundamentalistischen<br />
Hardliner, die versuchen, solche Stimmungen zu nutzen, um gegen<br />
den Staat Israel zu agitieren.
</p>
<p>
<span class="fett">jw:</span> Verstehen die Menschen denn, dass<br />
europäische Zeitungen selbstbestimmt entscheiden, was sie drucken?<br />
Dass also einzelne private Akteure provozieren und kein staatlicher<br />
Einfluss dahinter steckt. Sind Menschen in autoritärer Staaten<br />
in der Lage, hier zu differenzieren?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das ist von Land zu<br />
Land sicher verschieden. In einem Staat, wo die Meinungsfreiheit<br />
relativ groß ist, wie z.b. Libanon, verstehen das die Menschen<br />
sehr wohl. In anderen, die seit Jahrzehnten von Diktatoren regiert<br />
werden, natürlich nicht.
</p>
<p>
<b>FriendofJews: </b>Man muss sich nur mal die arabischen<br />
TV-Sender ansehen, da schaudert&#8217;s einen (soviel zur arabischen Meinungsfreiheit).
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Durch Sender wie Al<br />
Jazeera und später auch Al Arabia hat sich da aber auch einiges<br />
geändert. Eine so umfassende und schnelle und unzensierte Berichterstattung<br />
wäre vor 15 Jahren noch völlig undenkbar gewesen.
</p>
<p>
<b>pokemon: </b>Wie schaut es denn mit der Entwicklung<br />
hinsichtlich der Ausübung christlichen bzw. jüdischen<br />
Glaubens z.B. im Iran, Saudi Arabien etc. aus? Wird diese Toleranz<br />
der Muslime auch diskutiert??
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das kann man mit einem<br />
klaren Nein beantworten.
</p>
<p>
<b>FriendofJews: </b>Hat das ganze Theater nicht auch<br />
etwas Positives darin, dass man sieht, was für ein Hass ans<br />
Tageslicht kommt, und wir wissen, woran wir eigentlich sind?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich glaube nicht, dass<br />
dieser Hass tatsächlich so durchgängig ist. Ich lebe seit<br />
vielen Jahren in der Region und habe Erfahrungen, die eigentlich<br />
eine andere Sprache sprechen.
</p>
<p>
<b>mokassi: </b>Ist die Abbildung des Propheten im Koran<br />
tatsächlich verboten? Soweit ich weiß, gibt es zahlreiche<br />
Miniaturen, in denen der Prophet abgebildet wurde.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Diskussion darüber,<br />
besonders wenn es in die Details geht, ist sicher kontrovers. Die<br />
allgemeine Auffassung aber sagt, dass es so ist.
</p>
<p>
<b>Philipp Ströhle:</b> Sie sind schon lange in<br />
dieser Region. War es abzusehen, dass es früher oder später<br />
zu solch einem &quot;Kampf der Kulturen &quot; kommen könnte?
</p>
<p>
<span class="fett">GPK:</span> Wie lange noch zum &quot;Clash of<br />
Civilisations &quot;? Oder haben Sie wirklich Hoffnung, dass dieser<br />
verhindert werden kann? Wenn ja, wie?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Es ist in den letzten<br />
Jahren, insbesondere nach der Besetzung des Irak, zu einer Verschärfung<br />
der Kritik am Westen gekommen. Auch die Hilflosigkeit des Westens<br />
gegenüber dem Palästinaproblem hat sicher dazu beigetragen.<br />
Das hat bei vielen Menschen in der Region zur Flucht in die Religion<br />
geführt
</p>
<p>
<b>M.Bieniakonski: </b>Ist es überhaupt möglich,<br />
die islamische Welt als eine Einheit anzusehen, wie es in Medien<br />
häufig getan wird? Sollte man nicht viel stärker differenzieren<br />
zwischen Staaten wie Algerien und Iran?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Seit Nassers Versuch,<br />
einen arabischen Nationalismus zu installieren, ist es zweifellos<br />
so, dass sich viele arabische Staaten sehr weit auseinander entwickelt<br />
haben und es deshalb nur hilfreich sein kann, tatsächlich von<br />
Fall zu Fall zu differenzieren. Algerien ist da sicher ein sehr<br />
guten Beispiel, weil da die Bevölkerung sehr viele unterschiedliche<br />
Erfahrungen machen musste.
</p>
<p>
<span class="fett">sven:</span> Haben Sie Angst vor der Muslimbruderschaft,<br />
die eigentlich illegal ist, und trotzdem bei Ihnen in Kairo im Parlament<br />
sitzt? Der Einfluss dieser Organisation ist doch sehr groß<br />
und ihre antiwestliche Haltung seit 1928 nicht neu&#8230; Auch die Gewalt<br />
zur Wahl in Ägypten sagte da sehr viel aus: alte Methoden,<br />
alte Ziele.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Es ist sicher so, dass<br />
bei tatsächlich richtig freien Wahlen die Moslembruderschaft<br />
mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Mehrheit bekommen würde.<br />
Wer denn nun von sich behauptet, die demokratischen Ziele hochzuhalten,<br />
muss dann auch dieses akzeptieren.
</p>
<p>
<b>Der Araber: </b>Was denken Sie, könnten die Karikaturen<br />
zu einer Eskalation im iranischen Atomstreit führen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die iranische Propaganda<br />
ist geschickt genug, um den Vorfall genau zu diesem Zweck auszunutzen.<br />
Wir haben es seit kurzem mit ideologisch hoch erfahrenen Revolutionswächtern<br />
zu tun.
</p>
<p>
<span class="fett">kocht:</span> Es gibt ja Hinweise darauf, dass<br />
die USA &#8211; wie vor dem Irakkrieg &#8211; auf geschickte Art und Weise zweifelhafte<br />
Beweise für den Bau einer iranischen Atombombe lanciert. Für<br />
wie wahrscheinlich halten Sie eine militärische Eskalation<br />
dieser explosiven Stimmung im Nahen Osten bzw. vor allem im Iran?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich glaube, dass uns<br />
die Frage der iranischen Atomanlagen bis hin zu einem militärischen<br />
Schlag trotz aller Dementis in der kommenden Zeit sehr wohl beschäftigen<br />
wird.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wir haben noch fünf Minuten.<br />
Schon jetzt eine Entschuldigung an dieser Stelle, dass wir nicht<br />
alle Fragen berücksichtigen können. Es liegen noch weit<br />
über hundert unbeantwortete Fragen vor&#8230;
</p>
<p>
<b>nina_S: </b>Wie erklären Sie sich, dass es in<br />
Ägypten gegenüber anderen Staaten der arabischen Welt<br />
die Lage so &quot;ruhig &quot; ist?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das hängt ganz<br />
schlicht damit zusammen, dass der Sicherheitsapparat, sprich: Polizei<br />
und Militär, immer ein Auge auf mögliche Unruhen und Demonstrationen<br />
haben.
</p>
<p>
<b>adabartist: </b>Wie ist eigentlich die Resonanz in<br />
Israel zu diesem Thema: Gibt es eine grundsätzliche Stellungnahme<br />
zu Karikaturen aus den Reihe der Orthodoxie?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Da bitte Entschuldigung,<br />
das kann ich Ihnen aber hier aus der arabischen Welt nicht mit letzter<br />
Sicherheit beantworten.
</p>
<p>
<b>Lebesgue: </b>Sie sagten, dass man den arabischen<br />
Gesellschaften Zeit lassen sollte. Ist es aber überhaupt realistisch,<br />
dass in den arabischen Gesellschaften auch so etwas wie eine Aufklärung<br />
stattfinden wird?
</p>
<p>
<b>brians: </b>In meiner Zeitung stand geschrieben: Es<br />
gibt keine Aufklärungstradition im Islam. Stimmt das so?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Im Zuge der Globalisierung<br />
haben die arabischen Gesellschaften nach meiner Ansicht nur zwei<br />
Chancen: Sie müssen sich entweder mit diesen ganzen Fragen<br />
ab der Aufklärung intensiver beschäftigen oder sie werden<br />
zwangsweise auf einem der hinteren Plätze weltweit landen.
</p>
<p>
<b>apol: </b>Eine etwas provokative Frage: Wie erklären<br />
Sie sich, dass Sie auf der einen Seite behaupten, &quot;dass sich<br />
die meisten Menschen aus beiden Kulturkreise sich durchaus freundlich<br />
begegnen &quot;, Sie aber weiterhin schreiben, dass die Moslembruderschaft<br />
bei richtig freien Wahlen wohl eine Mehrheit der Stimmen bekommen<br />
würde (ich möchte hier auch noch auf den Wahlerfolg der<br />
Hamas in den Palästinensergebieten verweisen).
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich denke, das ist<br />
kein Widerspruch. Ein freundlicher Umgang miteinander ist die eine<br />
Seite, eine stramme religiöse Überzeugung muss dem nicht<br />
unbedingt widersprechen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Die Zeit ist fast um. Eine<br />
letzte Frage nach Kairo:
</p>
<p>
<b>ARD-Zuschauer:</b> Sie sind mit Peter Dudzik der wohl<br />
erfahrenste Kriegsberichterstatter der ARD. Aber warum haben Sie<br />
nun Ihren warmen und sicheren Chefredakteursposten wieder gegen<br />
die kugelsichere Weste eingetauscht? Was zieht Sie immer wieder<br />
in Krisengebiete? Ist es wirklich das sprichwörtliche Wasser<br />
aus dem Nil?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Nach vielen Jahren<br />
spannender Programm- und Verwaltungsarbeit in Deutschland ist, glaube<br />
ich, bei mir einfach wieder die Reporterneugier durchgebrochen &#8211;<br />
und das mache ich jetzt.
</p>
<p><span class="fett">Moderator:</span> Eine Stunde ist vorüber.<br />
Es liegen noch jede Menge Fragen vor, die aus Zeitgründen leider<br />
nicht mehr von Patrick Leclercq beantwortet werden können.<br />
Im Namen der User von tagesschau.de bedanke ich mich bei Herrn Leclercq,<br />
dass er sich die Zeit genommen hat. Den vielen Chat-Teilnehmern<br />
danke ich für die rege Diskussion.<br />
Unser nächster Chat ist am kommenden Donnerstag, den 16. Februar<br />
um dreizehn Uhr. Dann wird die FDP-Bundestagsabgeordnete und ehemalige<br />
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zum tagesschau-Chat<br />
ins ARD-Hauptstadtstudio kommen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotseit_dem_fall_des_eisernen_vorhangs_auf_der_suche_nach_neuen_feindbildernquot-158/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Wolfgang Bosbach zur inneren Sicherheit</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wolfgang_bosbach_zur_inneren_sicherheit-182/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Dec 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Bosbach]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Fundamentalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 15.Dezember, war Wolfgang Bosbach, stellvertretender 
Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion von 13 bis 14 Uhr zu Gast 
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Er 
beantwortete Fragen zu den Konsequenzen der Föderalismusreform, 
zur Diskussion um die sogenannte Leitkultur und zu inneren Sicherheit 
Deutschlands]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 15.Dezember, war Wolfgang Bosbach, stellvertretender<br />
Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion von 13 bis 14 Uhr zu Gast<br />
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Er<br />
beantwortete Fragen zu den Konsequenzen der Föderalismusreform,<br />
zur Diskussion um die sogenannte Leitkultur und zu inneren Sicherheit<br />
Deutschlands<!--break-->
</p>
<p><!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe ist ein Format<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von<br />
tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße<br />
ich heute den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU, Wolfgang<br />
Bosbach. Herzlich willkommen, Herr Bosbach.</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Danke für die Einladung.</p>
<p><b>ali g.:</b> Herr Bosbach, was verstehen Sie eigentlich<br />
unter Leitkultur? Wenn Sie damit die &quot;freiheitlich demokratische<br />
Grundordnung &quot; meinen, wäre es nicht ehrlicher auf diesen<br />
&#8211; dann doch recht inhaltsarmen &#8211; Begriff zu verzichten?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Es ist richtig, dass der Begriff<br />
freiheitlich demokratische Grundordnung mit Inhalt gefüllt werden<br />
muss. Richtig ist aber auch, dass dieser Kulturbegriff mehr beinhalten<br />
muss als &quot;nur&quot; das Grundgesetz und damit unsere verfassungsmäßige<br />
Ordnung. Ich verstehe unter dem Begriff die Summe aller Werte und Normen,<br />
die alle Menschen respektieren und beachten sollten, die in unserem<br />
Lande leben, unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Religion.</p>
<p><b>Moderator:</b> Sie fordern Fingerabdruckkarteien und Beugehaft<br />
für kooperationsunwillige Ausländer. Warum brauchen wir die<br />
harte Linie?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Für die Notwendigkeit Fingerabdrücke<br />
zu erfassen nur ein Beispiel: 80 Prozent aller Asylbewerber haben keine<br />
Papiere, dennoch kommen die allermeisten von ihnen mit dem Flugzeug<br />
nach Deutschland. Also müssen sie vor dem Abflug ein Ausweispapier<br />
und in der Regel auch Visum gehabt haben. Jeder Asylbewerber muss schon<br />
jetzt einen Fingerabdruck abgeben (EURODAC). Hätten wir bereits<br />
im Visumverfahren einen Fingerabdruck genommen, könnten wir auch<br />
ohne Pass die Identität des Antragstellers feststellen. Beugehaft<br />
kann dann notwendig werden, wenn ein Ausländer vollziehbar ausreisepflichtig<br />
ist, der sich aber weigert, an der notwendigen Beschaffung von Passersatzdokumenten<br />
mitzuwirken und deshalb seine Abschiebung vereitelt. Die Beugehaft soll<br />
ihn dazu anhalten, sich rechtmäßig zu verhalten.</p>
<p><b>ali g.:</b> Herr Bosbach, wenn Sie Fundamentalisten ausweisen<br />
wollen, warum dann nicht auch Hassprediger wie Kardinal Lehmann oder<br />
Holger Apfel (Anmerkung d. Redaktion: stellvertretender NPD-Bundesvorsitzender)?<br />
Oder anders, sollte man Verstöße gegen das Strafgesetzbuch<br />
nicht auch mit dem Strafgesetzbuch beantworten, und nicht mit dem Ausländerrecht?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> &quot;Fundamentalismus&quot; alleine<br />
ist kein Ausweisungsgrund, es sei denn, es liegt durch extremistische<br />
politische Betätigung gleichzeitig eine Gefahr für die öffentliche<br />
Sicherheit vor oder es werden gar Straftaten begangen. Der Fall Kaplan<br />
ist hierfür ein Beispiel. Was Kardinal Lehmann damit zu tun hat,<br />
kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Holger Apfel ist meines<br />
Wissens nach deutscher Staatsbürger, er könnte also schon<br />
deshalb nicht abgeschoben werden. Eine Ausweisung von Deutschen nach<br />
Deutschland kennt unser Recht nicht.</p>
<p><b>Moderator:</b> Weil gerade nach Holger Apfel gefragt wurde:<br />
Geht es Ihnen vor allem darum, die Wähler vom rechten Rand abzuholen?<br />
Sie sind ja gegen ein erneutes NPD-Verbotsverfahren.</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Wenn ich wüsste, dass ein erneuter<br />
NPD-Verbotsantrag diesmal Erfolg hätte, wäre ich sofort dafür,<br />
dass wir erneut in Karlsruhe den Antrag stellen, die NPD zu verbieten.<br />
Da aber die prozessuale Lage heute keine grundsätzlich andere ist<br />
als vor ein oder zwei Jahren, räume ich einem Verbotsantrag zur<br />
Zeit keine großen Chancen ein. Diese Auffassung wird z.B. von<br />
allen Innenministern geteilt.</p>
<p><b>Moderator:</b> Weil das Thema so stark nachgefragt wird<br />
im Doppelpack:</p>
<p><b>Steffen:</b> Kann es in einer pluralistischen Gesellschaft<br />
überhaupt die eine Leitkultur geben?</p>
<p><b>thommy:</b> Tragen ideologisch besetzte Begriffe, wie der<br />
der Leitkultur, überhaupt zur Integration bei? Oder trägt<br />
der Begriff der Leitkultur nicht eher zur Spaltung als zur Integration<br />
bei?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Das sind gute Fragen, für die<br />
ich auch Verständnis habe. Aber ideologisch argumentieren nicht<br />
diejenigen, die den Begriff verwenden, sondern jene, die ihn bewusst<br />
falsch interpretieren. Der Begriff Leitkultur stammt von dem syrischen<br />
Islamforsche Bassam Tibi und der steht nun wirklich nicht im Verdacht,<br />
einem politisch nicht korrekten Nationalismus zu huldigen. Es ist völlig<br />
unstrittig, dass unsere kulturellen Traditionen in den vergangenen Jahrhunderten<br />
in vielfältiger Form durch Einflüsse von außen und durch<br />
Zuwanderung beeinflusst und mitgeprägt wurden. Carl Zuckmayr hat<br />
dies in DES TEUFELS GENERAL hinreißend beschrieben. Aus diesen<br />
verschiedenen Strömungen und aufgrund von bestimmten historischen<br />
Entwicklungen wie z.B. Aufklärung und Humanismus, ist eine Kultur<br />
entstanden, die heute für unser Land prägend ist und auch<br />
von solchen Menschen respektiert werden sollte, die aus anderen Kulturkreisen<br />
zu uns kommen.<br />
Nachtrag: Diese historischen geistesgeschichtlichen Entwicklungen hat<br />
es ja nicht in allen Ländern und Kulturkreisen gegeben. Dies bedeutet<br />
nicht, dass wir uns eine kulturelle Überheblichkeit anmaßen,<br />
sondern dass es kulturelle Unterschiede gibt, die man weder negieren<br />
noch tabuisieren sollte.</p>
<p><b>der_erziehungsberechtigte: </b>Herr Bosbach, sollte nicht<br />
in der Öffentlichkeit klar gemacht werden, dass Islam und islamistischer<br />
Fundamentalismus was verschiedenes sind. Ich habe den Eindruck, dass<br />
eine wachsende Abneigung gegenüber Türken und Arabern, die<br />
in Deutschland leben, entsteht?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Diese Differenzierung ist in der<br />
Tat notwendig. Insbesondere deshalb, um nicht die Muslime in aller Welt<br />
oder unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger islamischen Glaubens<br />
unter eine Art Generalverdacht zu stellen. Mit dem Begriff Islam meinen<br />
wir eine Glaubensgemeinschaft, demgegenüber handelt es sich beim<br />
Islamismus eher um eine politisch Bewegung. So gibt es z.B. islamische<br />
Länder wie die Türkei, die Demokratien sind, aber es gibt<br />
kein einziges islamistisches Land, das man als Demokratie in unserem<br />
Sinne bezeichnen könnte. Für Islamisten ist Demokratie und<br />
Islamismus ein Widerspruch in sich.</p>
<p><b>erdogan:</b> Sie haben kritisiert, die beiden Terrorzentren<br />
kämen zu spät &#8211; ist das die typische Kritik der Opposition<br />
an Dingen, die man eigentlich richtig findet, aber wo das Haar in der<br />
Suppe gefunden werden muss, weil die Idee von der Regierung und nicht<br />
von der Union kam?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ein gemeinsames Lage- und Analysezentrum<br />
hatten wir bereits unmittelbar nach dem 11. September gefordert. Ebenso<br />
eine gemeinsame Datei aller Sicherheitsbehörden für die Bereiche<br />
internationaler Terrorismus und islamistischer Extremismus. Für<br />
die Errichtung einer solchen Mini-Behörde braucht man bei gutem<br />
Willen allenfalls drei Monate aber nicht mehr als drei Jahre. Das Hauptproblem<br />
besteht darin, dass zwei verschiedene, auch räumlich getrennte,<br />
Analyse- und Lagezentren errichtet wurden. Das bringt mehr Bürokratie<br />
aber nicht mehr Sicherheit. Ursprünglich wollte auch Schily ein<br />
einziges Zentrum, er konnte sich aber gegenüber den Grünen<br />
nicht durchsetzen. Generalbundesanwalt Nehm hat vor kurzem zutreffend<br />
darauf hingewiesen, dass ein einziges Zentrum kein Verstoß gegen<br />
das Trennungsgebot von Diensten und Polizeien wäre.</p>
<p><b>desertson:</b> Was wären Ihrer Vorstellung nach Eckpfeiler<br />
einer Vernünftigen Sicherheitspolitik besonders im Hinblick auf<br />
die Bedrohung diverser Extremisten. Und was für Sicherungsmaßnahmen<br />
würden Sie sich wünschen, um die Bürgerrechte zu schützen?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Hierzu einige Beispiele: Wir bräuchten<br />
dringend eine gemeinsame Datei aller Sicherheitsbehörden für<br />
die Bereiche internationaler Terrorismus und islamistischer Extremismus.<br />
Wenn der Staat alles wüsste, was er weiß, wären wir<br />
schon ein Stück sicherer. Dann die Verschmelzung der beiden neuen<br />
Zentren zur Abwehr terroristischer Gefahren zu einem gemeinsamen Zentrum<br />
wäre ein weiterer Sicherheitsgewinn. Insbesondere bei ethnisch<br />
geschlossenen Täterkreisen ist es kaum möglich, mit dem Ermittlungsinstrument<br />
des verdeckten Ermittlers zu arbeiten. Auch deshalb wäre die Wiedereinführung<br />
einer Kronzeugenregelung, sie gibt es seit 1999 nicht mehr, wichtig.<br />
Keine einzige Maßnahme würde zur Einschränkung von Bürgerrechten<br />
führen.</p>
<p><b>coincidence:</b> Mit Ihren Bestrebungen für eine &quot;privilegierte<br />
Partnerschaft&quot; diskreditieren Sie die Anstrengungen in der Türkei<br />
in Richtung mehr Demokratie. Warum soll die Türkei nicht EU-Mitglied<br />
werden?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich möchte mich nicht auf die<br />
beiden klassischen Argumente beschränken, dass die Türkei<br />
geographisch nicht zu Europa gehört und dass sie in einem anderen<br />
Kulturkreis liegt. Beides kann man nun wirklich ernsthaft nicht bestreiten.<br />
Eine Aufnahme der Türkei in die EU würde die begrenzte Integrationskraft<br />
der EU weit überfordern, nicht nur ökonomisch. So werden z.B.<br />
die Integrationskosten geschätzt in einem Volumen zwischen 14 und<br />
28 Milliarden Euro pro Jahr. Bis zur Stunde kann niemand erklären,<br />
woher dieses Geld kommen soll. Die Lage der Menschenrechte in der Türkei<br />
ist nach wie vor besorgniserregend. Die Türkei ist seit Jahren<br />
das Hauptherkunftsland aller Asylbewerber. Die Anerkennung türkischer<br />
Asylbewerber ist überdurchschnittlich hoch. Es ist zwar richtig,<br />
dass die Türkei viele Reformanstrenungen unternommen hat. Richtig<br />
ist aber auch, dass die Rechtspraxis mit der abstrakten Rechtslage sehr<br />
oft wenig zu tun hat.</p>
<p><b>Moderator:</b> Themenwechsel: Die Föderalismusreform<br />
ist in vollem Gang. Eine wichtige Frage ist, wer künftig die Bildungspolitik<br />
bestimmen soll &#8211; Bund oder Länder? Dazu folgende fragen:<br />
chris: Sie haben mehr Kompetenzen für die Länder in Sachen<br />
Bildung gefordert. Wie beurteilen Sie Ihre Chancen, dass es tatsächlich<br />
dazu kommt?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Die Kompetenz für die Bildungspolitik<br />
liegt heute schon bei den Ländern. Ausnahmen gibt es im Hochschulrecht<br />
durch das Hochschulrahmengesetz und durch das Rechtsinstitut der gemeinsamen<br />
Bildungsplanung. Die Union möchte, dass der Bund zukünftig<br />
nur noch Hochschulzugang und die Anerkennung von Hochschulabschlüssen<br />
regelt, den Ländern und Hochschulen aber im übrigen mehr Freiheit<br />
geben. Die Einigungschancen sind allerdings nicht sehr groß, weil<br />
wir nur von den SPD-regierten Ländern unterstützt werden,<br />
nicht aber von der Bundesregierung und der Koalition.</p>
<p><b>key</b>: Kann die Stärkung der Länderkompetenz<br />
nicht zu einer bundesweiten Uneinigkeit führen?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ja, es ist durchaus möglich,<br />
dass sich bei einer Übertragung von mehr Kompetenzen auf die Länder,<br />
diese auch unterschiedlich entwickeln. Es liegt in der Natur des Föderalismus,<br />
dass die Ländern dort, wo sie eigene Kompetenzen haben, diese unterschiedlich<br />
nutzen und ausgestalten. Die Länder sind schon heute in verschiedenen<br />
Politikbereichen unterschiedlich erfolgreich. Und warum sollen die Bürger<br />
eines Landes nicht einen Nutzen davon haben, dass bei ihnen eine besonders<br />
kluge Landespolitik gemacht wird. Wenn alles überall gleich sein<br />
müsste, brauchten wir keine 16 verschiedene Bundesländer.<br />
<b><br />
Wirtshausberater:</b> Wieso kann man denn das Hochschulrahmengesetz<br />
nicht einfach abschaffen? Lassen sie doch jede Uni selbst entscheiden,<br />
welche Studenten sie aufnimmt, welche Professoren sie beruft, wie sie<br />
diese bezahlt.</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ihre Forderung nach mehr Freiheit<br />
für die Hochschulen kann ich gut verstehen. Dessen ungeachtet gibt<br />
es &#8211; über alle Parteigrenzen hinweg &#8211; den Wunsch nach zumindest<br />
einheitlichen Regeln für den Hochschulzugang und für die Vergleichbarkeit<br />
von Hochschulabschlüssen. Ansonsten sollen die Länder die<br />
volle Kompetenz für den Bildungsbereich erhalten und ich hoffe,<br />
dass sie dann auch den Hochschulen mehr Freiheit geben.</p>
<p><b>Moderator:</b> Heute Abend treffen sich die Ministerpräsidenten<br />
wegen der Föderalismusreform. Was erwartet uns denn nun: Reform<br />
oder Reförmchen?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Wenn ich die Frage schon jetzt beantworten<br />
könnte, würde ich ab morgen im Zirkus auftreten. Wenn wir<br />
uns am Freitag tatsächlich nur auf das einigen können, worüber<br />
derzeit Konsens besteht, wäre es wirklich nur ein Reförmchen<br />
und keine echte Staatsreform. Ich hoffe darauf, dass die Ministerpräsidenten<br />
heute in wichtigen Punkten eine Einigung erzielen, die uns dem großem<br />
Ziel Staatsreform tatsächlich näher bringt.</p>
<p><b>Oxford:</b> Wie sehen Sie die Rolle der neuen Bundespolizei<br />
(BGS) in Deutschland? Würden Sie ihr mehr Aufgabenbereiche und<br />
Kompetenzen erteilen?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Nein. Wir haben bereits in der vorvergangenen<br />
Wahlperiode eine umfassende BGS-Reform vorgenommen. Weitergehende polizeilichen<br />
Befugnisse müssen wir dem BGS &#8211; jedenfalls derzeit &#8211; nicht geben.<br />
Man sollte einmal darüber nachdenken, ob man nicht die kriminalpolizeiliche<br />
Arbeit von BKA, BGS und ZKA (Anmerkung d. Redaktion: Zollkriminalamt)bündeln<br />
sollte, damit nicht in gleichen Tatkomplexen nebeneinander ermittelt<br />
wird. Was z.B. für den BGS ein Schleuser ist, könnte für<br />
das ZKA ein Schmuggler sein.</p>
<p><b>MaKi:</b> Das NEIN zur neuen Bundespolizei, beziehungsweise<br />
zur Aufgabenerweiterung von BKA und BfV, kann ich nicht verstehen. Ist<br />
die Sicherheit nicht wichtiger als der Föderalismus?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich gehöre der CDU an und nicht<br />
den Grünen. Alleine die Grünen weigern sich bis zur Stunde<br />
standhaft, dem BKA zusätzliche Kompetenzen zu geben. Die Union<br />
ist hierzu bereit, sofern sich die terroristische Gefahr noch nicht<br />
regional konkretisiert hat oder ein LKA um Unterstützung vom BKA<br />
bittet. Repressiv kann das BKA bei terroristischen Gefahren schon heute<br />
tätig werden.</p>
<p><b>Moderator:</b> Sie äußern &quot;viel Verständnis&quot;<br />
für die Forderung der ostdeutschen Ministerpräsidenten, den<br />
Solidarpakt im Grundgesetz festzuschreiben. Roland Koch hat dies bereits<br />
als Forderung aufgestellt. Schließen Sie sich Ihm an?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich kann in der Tat diese Forderung<br />
der ostdeutschen Ministerpräsidenten verstehen, denn sie wollen<br />
für längere Zeit Planungssicherheit haben. Allerdings wäre<br />
es ein Novum, staatliche Finanzhilfen der Höhe nach im Grundgesetz<br />
zu beziffern. Daher weiß ich nicht, ob man alleine in diesem Punkt<br />
eine Einigung wird scheitern lassen können bzw. wollen. Denkbar<br />
wäre ein politisch verbindlicher Begleittext zur Verfassungsreform.<br />
Solche Texte wird es auch für andere Neuregelungen geben.</p>
<p><b>Paolo:</b> Was wird aus dem Westen? Brauchen wir nicht<br />
auch einen &quot;Solidarpakt&quot; für den Westen, da es den Ländern<br />
alles andere als gut geht?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Die Forderung, dass wir Fördergelder<br />
nicht alleine geographisch verteilen sondern anhand von objektiven Kriterien<br />
und Strukturdaten, ist verständlich. In diesem Zusammenhang ist<br />
allerdings zu berücksichtigen, dass der Solidarpakt für den<br />
Aufschwung Ost bis zum Jahre 2019 vereinbart wurde. Und die Ostdeutschen<br />
Bundesländer vertrauen auf diese Zusage.</p>
<p><b>Politikstudent:</b> Herr Bosbach, können Sie sich<br />
vorstellen im Falle eines Wahlsieges 2006 ein Ministeramt zu übernehmen?<br />
Und wenn ja, welches?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Es ehrt mich, dass sie mir ein Ministeramt<br />
zutrauen, aber hierfür müsste ich zunächst mit der gebotenen<br />
Demut das Wählervotum abwarten. Dass mich das Innenministerium<br />
reizen würde, ist kein Geheimnis.</p>
<p><b>Moderator:</b> Aus aktuellem Anlass: Hans Eichel will Diesel<br />
und Benzin angeblich künftig gleich hoch besteuern, wenn der Bund<br />
die Kompetenz für die Kfz-Steuer erhalten. Was halten Sie davon?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Im Zuge des so genannten kleinen<br />
Steuertausches soll nach dem derzeitigen Stand der Dinge die Kfz-Steuer<br />
zum Bund und die Versicherungssteuer zu den Ländern gehen. Das<br />
hätte für den Bund den Vorteil, dass er in dem Politikfeld<br />
Verkehr die Kompetenz für die Mineralölsteuer, die Kfz-Steuer<br />
und die Maut hätte. Das halte ich für sinnvoll. Hans Eichel<br />
müsste mir seinen Vorschlag erst einmal erklären. Will er<br />
Diesel zukünftig so hoch besteuern wir Benzin oder Benzin so hoch<br />
wie Diesel? Vermutlich geht es ihm nur um Mehreinnahmen und Steuererhöhungen<br />
sind das Letzte, was wir jetzt gebrauchen können.</p>
<p><b><b>Moderator:</b></b> Das war unsere<br />
Chat-Stunde, vielen Dank für Ihr Interesse. Herzlichen Dank Herr<br />
Bosbach, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Das Protokoll dieses<br />
Chats finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter. Einen schönen<br />
Tag wünscht allen das tacheles.02-Team.</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich bedanke mich bei allen Usern<br />
für das rege Interesse und die klugen Fragen und entschuldige mich<br />
bei jenen, die mich nicht erreichen konnten.
</p>
<p><!-- #EndEditable --> </p>
<p>
&nbsp;</p>
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		<title>Es geht im Moment vor allem um Machtpolitik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[amenn]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Nov 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vergeltung - aber gegen wen?]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Fundamentalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Antiamerikanismus]]></category>
		<category><![CDATA[Fundamentalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Islamistischer Terrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kampf der Kulturen]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Extremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
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					<description><![CDATA[Interview mit dem Experten für arabisch-islamische Kultur, Dr. Marco Schöller]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Interview mit dem Experten für arabisch-islamische Kultur, Dr. Marco Schöller<!--break--></p>
<p>In der Folge der Terroranschläge auf die USA erhält die Diskussion über die islamische Welt und den religiösen Fundamentalismus neuen Auftrieb. Andreas Menn sprach mit Marco Schöller, wissenschaftlicher Assistent des Orientalischen Seminars der Uni Köln, über Medienwahrheit und Wirklichkeit des Islam.</p>
<p>
            <strong>politik-digital:</strong> Die Medien übermitteln seit Dienstag die Bilder feiernder Palästinenser, die den Terror in den USA begrüßen. Spiegeln diese Bilder die allgemeine Stimmungslage im Nahen Osten wieder?</p>
<p>
            <strong>Marco Schöller:</strong> In den letzten Tagen sind in den Fernsehkanälen ganz bestimmte Bilder immer wieder und wieder gezeigt worden. Diese Bilder stellen gerade nicht die allgemeine Haltung im Nahen Osten dar. Es gab auch andere Stimmen aus Ägypten, die ich selber allerdings nur einmal gesehen habe. Man hat schon den Eindruck, als würden in Deutschland Episoden, die hier und da mal passiert sind, als eine generelle Stimmung dargestellt und verkauft.</p>
<p>
            <strong>politik-digital:</strong> Wo vermuten Sie die Beweggründe für das Attentat? Wird der Islam zu Recht mit dem Terrorismus in Verbindung gebracht?</p>
<p>
            <strong>Schöller:</strong> Das ist eine sehr schwierige Frage in einer solch komplexen Situation. Die Islamwissenschaft und Orientalistik hat natürlich seit Jahren schon ihre liebe Mühe und Not damit. Es ist bisher nicht ganz klar, ob der Anschlag aus der islamischen Ecke kam, doch auch die Islamwissenschaftler gehen davon aus. Man sollte jedoch versuchen, das Ganze nicht nur als einen religiösen oder kulturellen Konflikt zu sehen, wie es im Moment von vielen Leuten sehr stark gemacht wird, speziell auch von Politikern.</p>
<p>
            <strong>politik-digital:</strong> Dennoch führen seit dem 11. September viele Stimmen gerne Huntingtons These zum &#8220;Clash of civilizations&#8221; heran, die man im Anschlag auf New York und Washington wieder verifiziert sieht. Gibt es den &#8220;Kampf der Kulturen&#8221;?</p>
<p>
            <strong>Schöller:</strong> Auch das ist ein Problem, mit dem sich die Orientalistik schon lange auseinandersetzt. Huntington wird sich nun bestätigt sehen, und so werden es auch viele andere Leute sehen, das ist das große Problem. Dabei handelt es sich überhaupt nicht um einen Konflikt zwischen Kulturen und Religionen, sondern um einen Machtkonflikt um Einflusskontrolle in den islamischen Ländern. Man kann gewissermaßen auch so weit gehen und sagen, dieser Machtkonflikt habe sich in der orientalischen Region entwickelt in den letzten Jahrzehnten, und da kann es dann nicht ausbleiben, dass dann auch islamische Traditionen und Konzepte bei der Erstellung einer Ideologie verwendet werden.</p>
<p>
            <strong>politik-digital:</strong> Speist sich der religiöse Fundamentalismus also vorwiegend aus Machtkalkül?</p>
<p>
            <strong>Schöller:</strong> Ja. aber nicht das Machtkalkül der Herrschenden. Die meisten Machthaber in den orientalischen Ländern sind dem Fundamentalismus ganz abhold, die haben damit nichts am Hut. Denken Sie an Ägypten, an Syrien, da trifft das ja schon mal nicht zu. Dort sind die Fundamentalisten im Gegenteil eine ganz große Gefahr für die einzelnen Regierungen. Fundamentalismus, wie er von der islamistischen Seite vertreten wird, lässt sich letztendlich mit den Zielen keiner der großen monotheistischen Religionen verbinden &#8211; nicht mit dem Islam, nicht mit dem Christentum, nicht mit dem Judentum. Trotzdem gibt und gab es immer wieder extremistische Auslegungen dieser Religionen. Im Moment ist es aufgrund der Ereignisse so, dass die islamistischen Fundamentalisten besonders aktiv sind, aber man wird sich eben doch hüten müssen, das als den Islam zu sehen, so einfach das auch scheinen mag.</p>
<p>
            <strong>politik-digital:</strong> Woraus begründet sich die zunehmende antiamerikanische Einstellung der letzten Jahre?</p>
<p>
            <strong>Schöller:</strong> Das liegt ganz einfach daran, dass Amerika die Supermacht in der Welt ist, und natürlich auch in den letzten Jahrzehnten in der Nahostpolitik immer der treibende Faktor gewesen ist. Selbstverständlich waren andere Länder mit daran beteiligt. Allerdings haben auch die Leute in den islamischen Ländern eine simplifizierende Sicht der Dinge. So wie wir im Westen vereinfachen und sagen, dass beim Terrorismus &#8220;alles was mit dem Islam zu tun hat&#8221;, so sagen natürlich die Leute dort: Alles was uns aus dem Westen entgegen schlägt, hat mit Amerika zu tun.</p>
<p>
            <strong>politik-digital:</strong> Wie sollten die Regierungen der westlichen Staaten nun vorgehen, um größere Konflikte für die Zukunft zu vermeiden?</p>
<p>
            <strong>Schöller:</strong> Ich denke, man muss die politischen Bemühungen mehr aktivieren. Es wird zur Zeit soviel über militärische Reaktionen gesprochen, da gibt es einiges Bedenkliches zu zu sagen. Militärische Reaktionen gegen Terroristen sind grundsätzlich wenig fruchtbar. Daher muss man schauen, dass sich die Lebenssituation der Menschen in den islamischen Ländern verbessert. Hier könnte der Westen noch mehr tun, und man darf jetzt auf keinen Fall die politischen Bemühungen einstellen. Im Gegenteil sollte man die politischen Aktivitäten im Nahen Osten verstärkt weiterführen.</p>
<p>
            <strong>politik-digital:</strong> Herr Schöller, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.</p>
<p>
              <!-- Content Ende --></p>
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		<title>&#8216;Der islamische Fundamentalismus hat mit dem Islam wenig zu tun.&#8217;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Sep 2001 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Vergeltung - aber gegen wen?]]></category>
		<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Fundamentalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Udo Steinbach]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chat mit Prof. Udo 
Steinbach, Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chat mit Prof. Udo<br />
Steinbach, Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg</b></span><!--break--> </p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/usteinbach_transkript.jpg" alt="Udo Steinbach" align="left" height="134" width="112" /><br />
Ist der Islam böse oder sind wir vorurteilsgeprägt? Diese Frage beschäftigt<br />
seit dem 11. September die Öffentlichkeit. Den Fragen der Chatter stellte<br />
sich am 20. September der 1943 geborene Prof. Dr. phil. Udo Steinbach, seit<br />
1976  Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg und gefragter<br />
Islamexperte.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Gleich die erste Frage betraf den mittlerweile notorischen Begriff des<br />
&quot;Kampfes der Kulturen&quot;. Steinbach lehnte ihn als Schlagwort ab, ergänzte<br />
jedoch: &quot;Die Entwicklung der letzten Tage machen mich skeptisch, ob wir<br />
nicht doch in so etwas wie einen Kampf der Kulturen hineindriften. Die<br />
extremistisch islamische Seite spricht vom Dschihad, ein Begriff der<br />
kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Muslimen und Nichtmuslimen in der<br />
Frühzeit des Islam. Präsident Bush auf der anderen Seite spricht vom<br />
Kreuzzug, dass heisst vom Kampf der westlichen Kultur gegen den Islam wie im<br />
11. und 12. Jahrhundert. Solche Rhetorik heizt Emotionen an und erste<br />
Reaktionen von Feindseligkeit sind bereits erkennbar.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Auf den Zusammenhang zwischen der verbreiteten Armut in den arabischen<br />
Ländern und dem islamischen Radikalismus angesprochen, bestätigte Steinbach:<br />
&quot;Ganz gewiss ist dies ein wichtiger Faktor. Die Unterschichten haben ihr<br />
Vertrauen in die politische Führung verloren. Ideologien wie Sozialismus und<br />
Kommunismus haben keine Erleichterung gebracht und die Probleme nicht<br />
gelöst. So flüchtet man nun in die Verheissung der Religion.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Er kritisierte die Medien für ihr mangelhaftes Fingerspitzengefühl in dieser<br />
gespannten Situation: &quot;Die Bilder, die kämpfende und aufgewiegelte Muslime<br />
zeigen, sind insbesondere für das Fernsehen besonders ergiebig. Sie schaffen<br />
auf unserer Seite das Gefühl der Bedrohung durch den Islam und der Abwehr<br />
der Muslime. Demgegenüber sind friedliche Muslime kein Thema der Medien.&quot;<br />
Angst entsteht also auch hier in erster Linie durch mangelnde Bildung: &quot;Wir<br />
wissen nicht genug vom Islam, vieles was wir zu wissen glauben, entspringt<br />
interessengeleiteter Propaganda. Es wäre dringend erforderlich, dass an den<br />
Schulen mehr über den Islam gelehrt wird.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Auf den wahrscheinlich bevorstehenden Vergeltungsschlag der USA<br />
angesprochen, rechtfertigte Steinbach grundsätzlich das Recht, sich gegen<br />
einen terroristischen Angriff zur Wehr zur setzen. Er bestand jedoch auf dem<br />
Prinzip der Verhältnismässigkeit: &quot;Aus einem im Prinzip berechtigten Schlag<br />
darf kein Racheakt werden, auch muss in jedem Fall vermieden werden, dass<br />
aus einer Militär-Aktion ein kriegerischer Flächenbrand wird.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Der heute meistgesuchte Terrorist der Welt, Osama Bin Laden, hatte für<br />
Steinbach jenseits der tatsächlichen Schuldfrage eine zusätzliche Bedeutung:<br />
&quot;Es ist schwer zu sagen, inwieweit er für diesen Terrorakt die unmittelbare<br />
Verantwortung trägt. Ganz gewiss hat er Helfershelfer und Mittelsmänner, die<br />
im operationalen Geschehen tiefer verstrickt sind, als er selbst. Auf der<br />
anderen Seite hat er es verstanden über zwei Jahrzehnte (zunächst mit<br />
Unterstützung der USA) ein weltweites Netz des Terrors aufzubauen, über das<br />
auch der Terrorakt in New York durchgeführt worden ist. Die Ausschaltung Bin<br />
Ladens soll zugleich eine Symbolfigur vernichten, die für<br />
islamisch-religiöse Gewalttätigkeit und besondere Brutalität steht.&quot;<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><a href="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/usteinbach_transcript.shtml">Weiter<br />
zum kompletten Transcript</a></span></p>
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