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	<title>Jens Damm &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Jens Damm &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Chinesen lassen sich Kritik nicht diktieren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alina Barenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Aug 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Olympische Spiele 2008]]></category>
		<category><![CDATA[Internetzensur]]></category>
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					<description><![CDATA[Peking sammelt seine Kräfte für die Olympischen Sommerspiele im August 2008. Amnesty International und die Reporter ohne Grenzen verstärken derweil ihre Kritik an der chinesischen Internetpolitik. Im Interview erklärt der Sinologe Jens Damm, wie die Chinesen zur staatlichen Internetzensur stehen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Peking sammelt seine Kräfte für die Olympischen Sommerspiele im August 2008. Amnesty International und die Reporter ohne Grenzen verstärken derweil ihre Kritik an der chinesischen Internetpolitik. Im Interview erklärt der Sinologe Jens Damm, wie die Chinesen zur staatlichen Internetzensur stehen.<!--break--></p>
<p>
<b>politik-digital.de: Im August 2008 werden die Olympischen<br />
Spiele zum ersten Mal in China ausgetragen. Welchen Eindruck möchte<br />
die Volksrepublik der Welt von sich geben, wenn sie zum internationalen<br />
Schauplatz wird? </b>
</p>
<p>
Jens Damm: China möchte sich als modernes, weltoffenes, Land<br />
präsentieren. Dabei kann es sich der Unterstützung der<br />
Bevölkerung für die Olympiade sicher sein, denn diese<br />
sieht die Spiele im eigenen Land grundsätzlich positiv.
</p>
<p>
<b>Welche Bedeutung haben die Spiele in Peking für die<br />
Chinesen? </b>
</p>
<p>
In China wird mit den chinesischen Spielen auch die nationalistische<br />
Komponente, dass China nun „zur Welt&quot; gehört, wahrgenommen.<br />
„Ru shi&quot; – in die Welt eintreten, ist ein Begriff,<br />
der immer wieder im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen zu<br />
vernehmen war. In einem größeren historischen Zusammenhang<br />
bedeutet dies, dass nach den Erniedrigungen Chinas in den Opiumkriegen,<br />
dem Bürgerkrieg und den Zeiten der Kulturrevolution, China<br />
heute wieder seinen „ihm eigentlich zugehörigen Platz&quot;<br />
in der Weltgemeinschaft eingenommen hat.
</p>
<p>
<b>Welche Maßnahmen hat China in Vorbereitung der Olympischen<br />
Spiele getroffen was den Zugang zum Internet angeht und die Inhalte,<br />
die dort publiziert werden?</b>
</p>
<p>
Der Zugang zum Internet soll prinzipiell ausgebaut werden. Hierzu<br />
gehören groß angelegte Infrastrukturprojekte wie die<br />
Verlegung von Glasfaserleitungen bis weit in den chinesischen Westen<br />
und Breitband (DSL) –Anschlüsse in neuen Siedlungen der<br />
Großstädte. Andererseits werden Internetcafés<br />
aktiv gegängelt und wechselnde, oft recht scharfe gesetzliche<br />
Vorgaben wie eine allgemeine Registrierung von Nutzern, setzt die<br />
Kommunistische Partei vehement durch. Wir müssen davon ausgehen,<br />
dass sie das chinesische Internet in den Wochen der Olympischen<br />
Spiele extrem strikt kontrolliert.
</p>
<div align="center">
<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="/edemocracy/wissensgesellschaft/images/Beijing_Internetcafe_flickr388x.jpg" alt="chinesisches Internetcafe " align="middle" border="0" height="291" width="388" /></a><i></i>
</div>
<div align="center">
<i>Chinesisches<br />
Internetcafé in Beijing. (photo: Kai Hendry, CC-Lizenz)</i>
</div>
<p>
<b>Wie funktioniert die chinesische Kontrolle des Internets?</b>
</p>
<p>
Politische Inhalte werden durch eine spezielle chinesische „Internet-Polizei&quot;<br />
landesweit und auf Provinzebene, aber auch durch die Dienstanbieter<br />
selbst kontrolliert. Sie durchforsten unter anderem E-Mails und<br />
Blogs systematisch nach „Sperrwörtern&quot;. Direkte<br />
Kritik an der Kommunistischen Partei ist in keinem Medium erlaubt.<br />
Gegebenenfalls werden Webseiten landesweit gesperrt, wobei insbesondere<br />
taiwanesische Seiten betroffen sind.
</p>
<p>
<b>Welche Wege finden Chinesen, trotz der staatlichen Zensur<br />
Kritik an gesellschaftlichen Problemen im Internet zu äußern?<br />
</b>
</p>
<p>
Protestler nutzen häufig Chats und Foren, sowie insbesondere<br />
auch Handy-Nachrichten zur Mobilmachung der Bevölkerung. Kritik<br />
an gesellschaftlichen und politischen Missständen wie Umweltverschmutzung<br />
und Korruption wird in China inzwischen massiv geäußert<br />
&#8211; wenn auch nur fallweise. Ein Beispiel sind die Proteste gegen<br />
den Bau einer großen Chemieanlage in Xiamen vor einigen Wochen.<br />
Jedoch ist das Vertrauen der Bevölkerung in die derzeitige<br />
Regierung nach wie vor relativ hoch, sodass sich Kritik gegen einzelne<br />
Probleme und nicht generell gegen die Führung oder die allgemeine<br />
politische Linie des Landes richtet. Die chinesischen Internetnutzer<br />
kritisieren beispielsweise massiv die Einführung einer namentlichen<br />
Zwangsregistrierung für Chats und Foren, die Verhaftung so<br />
genannter Cyber-Dissidenten [Personen, die das Internet nutzen,<br />
um Kritik an der Kommunistischen Partei und der chinesischen Gesellschaftsordnung<br />
zu üben, Anm. d. Red.] und – fallweise – Korruption,<br />
Umweltverschmutzung, mangelndes Durchgreifen der Polizei gegen Straftäter<br />
und mangelhafte Sicherheit an Schulen.
</p>
<p>
<b>Gibt es Unterschiede zwischen inländischer und ausländischer<br />
Kritik? </b>
</p>
<p>
Die Wahrnehmung des chinesischen Internets im Westen und in der<br />
Volksrepublik China ist äußerst unterschiedlich. Der<br />
Westen stellt Zensurmaßnahmen in den Vordergrund, insbesondere<br />
das Blockieren von Webseiten und einzelnen Berichten über Verhaftungen<br />
von Cyber-Dissidenten. Westliche Kritik konzentriert sich dabei<br />
auf Webseiten, die pro-Falungong und pro taiwanesische Unabhängigkeit<br />
werben [Falungong ist eine chinesische, spirituell-religiöse<br />
Gruppe, die aufgrund ihrer kritischen Haltung zur Gesellschaftsordnung<br />
der VR China offiziell verboten ist. Sie hat Millionen Anhänger<br />
in allen Teilen der chinesischen Gesellschaft, Anm. d. Red.]. <br />
Der chinesische Diskurs hingegen betont die Möglichkeiten des<br />
Internets für den weiteren Fortschritt der bisher äußerst<br />
erfolgreichen Reform- und Öffnungspolitik. Das Internet bietet<br />
vor allem Chancen für Geschäfte (e-commerce), Bildung<br />
und Erziehung (e-learning) und für Good Governance (e-governance),<br />
zum Beispiel Korruptionsbekämpfung und den Aufbau eines Rechtsstaates.<br />
Außerdem könnte das Internet einen Beitrag zur Überwindung<br />
des ökonomischen Gefälles zwischen Stadt und Land, Küste<br />
und Binnenregionen leisten.
</p>
<p>
<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer"></p>
<div style="text-align: center">
<img decoding="async" src="/edemocracy/wissensgesellschaft/images/Beijing2008_flickr200x.jpg" alt="Banner Beijing 2008" border="0" height="363" width="200" />
</div>
<p></a>
</p>
<div align="center">
<i>Banner der Olympischen Sommerspiele 2008</i>
</div>
<div align="center">
<i><br />
(photo: Stuck in Customs, CC-Lizenz)</i><br />
<i></i>
</div>
<p>
<i><br />
</i><br />
<b>Weshalb wird die Zensur auf chinesischen Blogs nicht gleichermaßen<br />
thematisiert?</b>
</p>
<p>
Zum einen, weil das Phänomen staatlicher Zensur ja allgemein<br />
bekannt und Kritik an der Kommunistischen Partei verboten ist. Zum<br />
anderen herrscht in Bezug auf die „westlichen Lieblingsthemen&quot;<br />
wie die Tibet- und die Taiwanfrage in China ein nationalistischer<br />
Konsens, der zumeist auch von so genannten Dissidenten geteilt wird:<br />
Tibet und Taiwan werden als untrennbarer Teil des chinesischen Mutterlandes<br />
verstanden.<br />
Die Meinung bekannter Blogger wie <a href="http://lydon.yculblog.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wang<br />
Xiaofeng</a>, <a href="http://milkpig.yculblog.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Yuan<br />
Lei </a>oder <a href="http://home.wangjianshuo.com/cn" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wang<br />
Jianshuo</a> zur Zensurfrage ist zwiespältig: Zum einen teilen<br />
sie die Kritik an einer zu starken Einschränkung der Internetnutzung,<br />
sind aber von den westlichen Versuchen, das chinesische Internet<br />
zu „befreien&quot;, wenig begeistert und sehen hierin eine<br />
mehr oder weniger „koloniale&quot; Einstellung des Westens.<br />
Weiterhin kann man davon ausgehen, dass eine große Mehrheit<br />
der chinesischen Internetnutzer Zensur im Bereich von Pornographie,<br />
aber sicherlich auch Falungong, für richtig und notwendig erachtet,<br />
um die erreichte gesellschaftliche Stabilität und das wirtschaftliche<br />
Wachstum aufrecht zu erhalten. Stabilität und die Angst vor<br />
dem &quot;Chaos&quot;, in China kollektiv mit der Kulturrevolution<br />
verbunden [einer radikalen politischen Kampagne von Mao Zedong zur<br />
wirtschaftlichen und politischen Modernisierung Chinas, die bürgerkriegsähnliche<br />
Zustände auslöste (1966-1976), Anm.d. Red.], ist sicher<br />
eines der wesentlichen bindenden Elemente in der chinesischen Gesellschaft.
</p>
<p><b>Wie viele Internetnutzer gibt es in China?</b></p>
<p>
Im Januar 2007 waren es 137 Millionen, also rund 10 Prozent der<br />
Bevölkerung der Volksrepublik China. Im Juni 2007 stieg die<br />
Zahl auf 162 Millionen an. Die Zahl der chinesischen Internetnutzer<br />
hat innerhalb eines Jahrzehnts in einem unvorstellbaren Maße<br />
zugenommen. 1997 waren es bei der Umfrage von <a href="http://www.cnnic.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CCNIC</a>,<br />
dem China Internet Network Information Center, gerade einmal einige<br />
wenige Hunderttausende, die sich mit einem einfachen Modem in den<br />
großen Städten einwählten. Heute haben zudem 300<br />
Millionen Chinesen ein Mobiltelefon, mit dem sie online gehen können.
</p>
<p>
<br />
<i>Jens Damm ist Sinologe und wissenschaftlicher Assistent am Ostasiatischen<br />
Seminar der Freien Universität Berlin.</i></p>
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