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	<title>JIM-Studie &#8211; politik-digital</title>
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	<title>JIM-Studie &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Jung, online, kompetent: Die neue Generation im Netz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Pia Thiele]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2014 14:19:00 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Kleinkinder, die ein Smartphone bedienen, bevor sie laufen oder sprechen können. Grundschüler, die in sozialen Netzwerken aktiv sind. Teenager, die eigene Videokanäle betreiben und bloggen. Das gehört längst zur medialen Realität. Doch die Anforderungen an den Erwerb digitaler Kompetenz von Kindern und Jugendlichen sind hoch.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Die Spielzeugbranche hat es längst erkannt: Sogar die Allerkleinsten sind fasziniert von Tablets und Smartphones. Früh haben sie begriffen, dass man über das Display wischen muss, um das nächste Foto aufzurufen. Kinder erleben täglich, wie ihre Eltern mobile Endgeräte nutzen und wollen es ihnen gleichtun. Dementsprechend haben inzwischen fast alle großen Spielzeuganbieter das Kindersmartphone in ihrem Sortiment. Ausgezeichnet sind die Produkte für die Altersgruppe ab sechs Monaten. Die Firma Fisher-Price bietet eine kindgerechte iPhone-Halterung an, damit auch Kleinstkinder das elterliche Telefon benutzen können, ohne dass das Display in tausend Scherben zerspringt. Blinkende und laute Spielzeuge sind ohnehin extrem beliebt – doch sollen Kinder, die noch nicht einmal ein Jahr alt sind, schon mobile Endgeräte bedienen? Und wie sinnvoll sind Apps speziell für Kleinkinder?<br />
<b>Digitale oder analoge Kleinkinder? </b><br />
Die vom Bundesfamilienministerium (BMFSJF) gemeinsam mit ARD, ZDF, Vodafone und TV Spielfilm geförderte Ratgeber-Initiative <a href="http://www.schau-hin.info/extrathemen/medien-und-kleinkinder.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Schau Hin“</a> empfiehlt den von Eltern begleiteten Medienkonsum ab einem Alter von drei Jahren. Es sei wichtig, dass die Kinder zuvor die „reale“ Welt kennenlernen und im Kreise der Familie, mit Gleichaltrigen und in der Natur spielen. Diese Empfehlung ergibt durchaus Sinn, denn Kleinkinder sind noch nicht in der Lage, <a href="http://kita-gesundheit.de/entwicklung/elektronische-medien-im-vorschulalter/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Realität von Fiktion</a> zu unterscheiden. Frühkindlicher Medienkonsum kann zu eingeschränktem Realitätsbezug und Störungen in der Entwicklung, Aufmerksamkeit, Sprache und Motorik führen. Das gilt auch für ältere Kinder, wenn diese zu viele oder <a href="http://www.kindergesundheit-info.de/themen/medien/mediennutzung/medien-risiken/">unangemessene</a> Medien konsumieren.<br />
Bei der Nutzung von Apps <a href="http://www.eltern.de/kleinkind/erziehung/apps-fuer-kinder.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">scheiden sich die Geister</a>. Es gibt sehr aufwendig und liebevoll gestaltete Apps, die es kleinen Kindern ermöglichen, sich mit Inhalten ihrer eigenen Lebenswelt zu beschäftigen. Für Eltern kann es praktisch sein, nicht verschiedene Bücher mit sich herumtragen zu müssen und sie stattdessen auf dem Tablet abzuspeichern. Kritiker wenden jedoch ein, dass das Kind bei der Medienauswahl auf dem Tablet immer Unterstützung braucht und nicht selbst ein Buch aussuchen kann, indem es dies aus dem Regal zieht.<br />
Für Kinder ab drei Jahren empfiehlt „Schau Hin“ Mediennutzung daher <i>„in steter Begleitung der Eltern und in überschaubarem Maße (&#8230;), wenn das Kind auch Interesse daran zeigt. Dabei sind Tablets leichter und intuitiver zu bedienen als Laptops oder Computer. Diese sind erst ab dem Vorschulalter geeignet.“ </i>Ähnlich äußern sich auch die Autoren des <a href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/072/1707286.pdf">zweiten Zwischenberichts der Enquete-Kommission</a> Internet und Digitale Gesellschaft. Sie merken an, dass kindgerechte Angebote sich auch an den motorischen Fähigkeiten der jungen NutzerInnen orientieren müssen. Weiterhin sollten Kinder die Chance haben, das im Internet erworbene Wissen selbständig in ihr eigenes Lebensumfeld einzuordnen.<br />
<b>Kindliche Medienwelten: Für Erwachsene schwer verständlich</b><br />
Während für Klein- und Vorschulkinder die Frage im Vordergrund steht, ob überhaupt Medien genutzt werden sollten, wird mit zunehmendem Alter auch das „Wie“ relevant. Mit dem Erwerb von Lese- und Schreibkompetenz erweitert sich auch das Spektrum der digitalen Möglichkeiten. Auf die Förderung von Medienkompetenzerwerb sollte in diesem Alter sogar verstärkt Wert gelegt werden. Denn zunehmendes Alter bedeutet zugleich zunehmende Autonomie und Selbstständigkeit der Mediennutzung. Oft wird der selbstbestimmte Konsum auch von den Kindern selbst eingefordert. Grundsätzlich ist das positiv zu werten, doch Kinder brauchen dann Regeln, die sicherstellen, dass nur altersgerechte Angebote wahrgenommen werden. Aber was ist altersgerecht?<br />
Der Bericht <a href="http://www.medienkompetenzbericht.de/pdf/Medienkompetenzfoerderung_fuer_Kinder_und_Jugendliche.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche – Eine Bestandsaufnahme“</a> des Bundesfamilienministeriums zitiert Forschungsergebnisse, die belegen, <i>„dass Kinder aktive Rezipienten sind, d. h., sie interpretieren viele Medieninhalte ganz anders, als es Erwachsene tun. Dies macht die Medienerziehung in der Familie und im Kindergarten nicht gerade leichter, denn die Scheinsicherheit von „pädagogisch gut“ und „schlecht“ ist dadurch infrage gestellt. Ein kindorientiertes Urteil über eine Sendung (oder andere Medienangebote) lässt sich ohne die Aussagen und Sichtweisen der Kinder kaum finden“.</i> Der Stempel „pädagogisch wertvoll“ ist also eigentlich wertlos, da Kinder nicht denselben Geschmack wie Erwachsene haben. Es ist vielmehr sinnvoll, sich mit dem Kind über seine Vorliebe für bestimmte Figuren oder Themen auszutauschen, um zu verstehen, woher diese kommt, rät das <a href="http://www.lmz-bw.de/fruehkindlich.html">Landesmedienzentrum Baden- Württemberg</a>. Andere <a href="http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/24_2011_1/vom%20Orde.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studien</a> haben herausgefunden, dass Kinder medial gezeigte Gefühle anders verarbeiten als Erwachsene. So haben Kinder tendenziell Probleme damit, emotionale Darstellungen zu verstehen, wenn diese durch Figuren oder Puppen stattfindet.<br />
Laut des oben zitierten Berichts des Familienministeriums ist auch widerlegt, dass Kinder medial reizüberflutet werden. Ganz im Gegenteil – sie sind in der Lage, Inhalte bewusst auszuwählen und in ihren Alltag zu integrieren. Kann ein Sechsjähriger also bedenkenlos das Egoshooter-Computerspiel „Call of Duty“ spielen? Mit Sicherheit nicht. Die Wissenschaft <a href="http://www-de.scoyo.com/eltern/kinder-und-medien/scoyo-im-gespraech-mit-dr-ingrid-moeller-ballerspiele-auf-dem-pruefstand" target="_blank" rel="noopener noreferrer">streitet sich</a> allerdings über den Einfluss von gewaltverherrlichenden Bildern auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Fest steht jedenfalls: Jugendschutz ist notwendig, um Kinder und Jugendliche auch vor sich selbst zu schützen. Sie sind noch nicht in der Lage, zu differenzieren. Diese Unerfahrenheit bringt es auch mit sich, dass sie nicht um die Möglichkeiten wissen, sich selbst zu schützen.<br />
Laut der jüngsten <a href="http://www.mpfs.de/fileadmin/KIM-pdf12/KIM_2012.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">KIM-Studie</a> („Kinder+Medien, Computer+Internet“) des medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (gefördert von den Landesmedienanstalten Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg) sind 44 Prozent der Sechs- bis 13-Jährigen bereits in sozialen Netzwerken aktiv. Das ist insofern problematisch, als das von der Mehrheit dieser Gruppe (55 Prozent) genutzte soziale Netzwerk Facebook laut Community-Richtlinien erst ab 13 Jahren erlaubt ist. Eine wirksame Barriere stellt diese Regel nicht dar &#8211; die Schwelle kann durch die Angabe eines höheren Alters ganz leicht umgangen werden.<br />
Darüber hinaus steht Facebook wegen seiner Datenschutzpolitik in der Kritik. Selbst ältere Jugendliche und Erwachsene haben meist Probleme, die richtigen Datenschutzeinstellungen zu treffen. Wie schwierig – wenn nicht gar unmöglich – muss dies erst für Kinder sein? Die Autoren der KIM-Studie, die Kinder regelmäßig zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt, stellen fest: <i>„[Es] dürfte (…) vor allem für Kinder sehr schwer sein, die Diskussion zum Thema Datenschutz und Datensparsamkeit zu verstehen und die möglichen Folgen der Veröffentlichung von privaten Informationen vorauszusehen.“ </i>Im Folgenden listen sie die von Kindern im Internet hinterlegten Informationen auf. Nur wenige nennen ihre Handynummer oder veröffentlichen Internettagebücher. Fotos von sich selbst und Freunden oder Informationen über Hobbies werden jedoch wesentlich häufiger und freimütiger preisgegeben, als das noch in den vorhergehenden KIM-Studien 2010 und 2008 dokumentiert war. Es fällt auf, dass ältere Kinder eher dazu tendieren, ihr Profil zugangsbeschränkt einzustellen. Dies ist sicher ein Indiz dafür, dass diese bereits mehr für das Thema Datenschutz sensibilisiert sind.<br />
<b>Jung, medienkompetent und verantwortungsvoll?</b><br />
Der „große Bruder“ von KIM, die <a href="http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf13/JIMStudie2013.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">JIM-Studie</a>, bestätigt diesen Trend: Je älter die Jugendlichen, desto skeptischer werden sie in puncto Datensicherheit. Das ist grundsätzlich positiv zu werten, doch berichteten die Jugendlichen zugleich, dass sie viel mehr Informationen in Form von Fotos, Videos oder Kontaktdaten von sich im Internet hinterlegen. Ein Paradoxon?<br />
Aus entwicklungspsychologischer Perspektive dient das Internet den Jugendlichen vor allem als Plattform, um sich medial selbst zu inszenieren. Der Austausch mit Gleichaltrigen findet unter anderem statt, um digital die eigene Identität zu erproben. In diesem Lebensabschnitt ist es so wichtig wie nie zuvor, Autonomie durch den Erwerb von Medienkompetenz zu erlangen. Diese wird Grundlage für die Fähigkeit zur <a href="http://politik-digital.de/medienkompetenz-schluesselqualifikation-des-21-jahrhunderts/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mediengestaltung</a>.<br />
Doch das selbstständige Medienhandeln im digitalen Raum hat auch Schattenseiten: Cybermobbing ist insbesondere für 14- bis 16-Jährige ein Thema. Die <a href="http://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/gefahren-im-internet/cybermobbing.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes</a> stellt klar: „<i>Das Internet scheint die Hemmschwelle für Mobbingaktivitäten zu senken. Viele Kinder und Jugendliche trauen sich in der scheinbar anonymen virtuellen Welt eher, eigene Angriffe gegen andere, Beleidigungen oder Bloßstellungen von Menschen zu vollziehen.“ </i>Dabei fehlen ihnen häufig das Unrechtsbewusstsein und die Sensibilität für das eigene Handeln. Die Reaktionen der Betroffenen erleben sie nicht unmittelbar. Dass Cybermobbing-Opfer bis „ins Kinderzimmer“ verfolgt werden, so dass sie sich der Drangsalierung gar nicht entziehen können, mache Cybermobbing noch schwerwiegender als klassisches Mobbing, wie das <a href="http://www.bündnis-gegen-cybermobbing.de/index.php?id=19" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bündnis gegen Cybermobbing</a> auf seiner Website schreibt. Zudem bedenken die TäterInnen oft nicht, dass sie mit ihren vermeintlich scherzhaften Aktionen Straftaten begehen. Stetige Aufklärung bleibt also ein wichtiger Bestandteil von Medienbildung.<br />
Mediale Räume geben Jugendlichen die Möglichkeit, die eigene Lebenswelt selbst zu gestalten und sie mit der sozialen, kulturellen und politischen Welt in Beziehung zu setzen. Ein Bewusstsein für Datenschutz hat sich bei vielen schon herausgebildet, muss aber weiter gestärkt und unterstützt werden, um ihnen zu verdeutlichen: Wer große Mengen an Information über sich veröffentlicht, wird auch im Privaten zu einer öffentlichen Person. Die Häufigkeit von Cybermobbing unter Jugendlichen zeigt, dass sie die Konsequenzen ihres eigenen Handels noch nicht vollständig überblicken können. Dazu bedürfen sie kompetenter Anleitung. Wie wichtig mündige MedienbürgerInnen für die digitale Gesellschaft sind, ist hinlänglich bekannt. Sie dazu zu befähigen, ist Aufgabe der Eltern, des Staates und insbesondere der Bildungseinrichtungen.<br />
Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/donnieray/15198147976/in/photolist-pa1tU5-kHfSfM-sjCDK-5BSv3M-5sPqok-5f1Zt6-bX4UVK-5L4r5J-5f6qiA-5JUU5j-5G9GkM-59buK9-7hU6CU-5JUU5y-4Xtgen-8yksB8-psd3HJ-4YoxoJ-2C3bo8-2C7AzC-8xVs2p-YmmeW-Ympxo-4ToNpz-5G9Gjp-274v1V-5GdYoN-5BSv3H-Ympx9-twJRt-5G9G1D-5BSv3D-6gBoNx-5G9FWB-5f1ZwB-5G9Got-oiSM9C-9VcF9g-6naKtj-8yktgg-9k5FFA-4Cnamd-5MV9hk-psd3ww-6jdFeg-dyPHnn-5FYWXp-51pt5M-5XwK9W-5rCM7k/">Donnie Ray Jones</a><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>&#034;Digital Natives&#034;: Von Ureinwohnern und Einwanderern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Rieder]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Aug 2014 14:35:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Gerne behauptet und doch nie schlüssig belegt, geistert das Begriffspaar von „digitalen Ureinwohnern“ und „digitalen Einwanderern“ seit mehr als zehn [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/girl_pc_bearb.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-145433" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/girl_pc_bearb.jpg" alt="girl_pc_bearb" width="640" height="280" /></a>Gerne behauptet und doch nie schlüssig belegt, geistert das Begriffspaar von „digitalen Ureinwohnern“ und „digitalen Einwanderern“ seit mehr als zehn Jahren durch Internet und analoge Welt. Es ist an der Zeit, die Buzzwords beiseite zu legen und sich endlich mit den Inhalten zu beschäftigen.<b> </b><br />
Vor Kurzem veröffentlichte der Schweizer Blogger und Lehrer Philippe Wampfler einen Aufruf: „Bitte verzichtet auf den Begriff &#8216;digital natives&#8217;!“– und traf damit einen Nerv<b>. </b>Der Begriff „Digital Natives“ ist eigentlich ein alter Hut. Geprägt wurde er 2001 von dem Manager und Pädagogen Marc Prensky, der in einem Aufsatz mit dem Titel <a href="http://www.marcprensky.com/writing/Prensky%20-%20Digital%20Natives,%20Digital%20Immigrants%20-%20Part1.pdf">„Digital Natives, Digital Immigrants“</a> forderte, Lehrer müssten sich auf eine Generation einstellen, die ihr ganzes Leben „umgeben von Computern, Videospielen, Handys und all den anderen Spiel- und Werkzeugen der Digitalen Ära“ verbracht hat. Prensky behauptete, Digital Natives verfügten als „Muttersprachler“ der digitalen Sprache nicht nur über profunde Kenntnisse im Umgang mit Technologie, sondern verarbeiteten Informationen auch fundamental anders als alle Generationen vor ihnen. Auch wenn Prensky seine Behauptungen nicht belegte und sich der Artikel vor allem wie ein Werbetext für die von ihm propagierte Methode des „Digital Game-based Learning“ liest, wurde die Unterscheidung zwischen Digital Natives und Digital Immigrants zu einem beliebten Aufhänger für Diskussionen über die Implikationen der Digitalisierung.<br />
Bis heute wird mit Vorliebe ein Generationenkonflikt heraufbeschworen zwischen denen, für die eine Trennung zwischen online und offline vermeintlich nicht mehr existiert, und denen, die nicht wie selbstverständlich bloggen, posten, twittern und chatten. Doch wie steht es eigentlich um die Fakten? Geht die „Netzgeneration“ wirklich so selbstverständlich und kompetent mit Technologie um? Und unterscheidet sich ihr Mediennutzungsverhalten tatsächlich grundsätzlich von dem der älteren User?</p>
<h3>Der Mythos bröckelt</h3>
<p>Laut <a href="http://www.initiatived21.de/2013/04/pressemitteilung-nonliner-atlas-2013-zahl-der-internetnutzer-steigt-wieder-nur-geringfugig-datenschutz-und-sicherheitsbedenken-sind-haufige-grunde-fur-nichtnutzung/">(N)Onliner Atlas 2013</a> haben 97 Prozent der unter 30-jährigen Deutschen einen Internetzugang, von den 60- bis 69-Jährigen nutzen fast zwei Drittel das Netz, und bei den über 70-Jährigen sind die Offliner mit 70 Prozent deutlich in der Mehrheit. Dass jüngere Menschen das Internet stärker nutzen, ist also nicht abzustreiten. Die Studie fand allerdings noch mehr Ungleichheiten: zwischen Stadt und Land, Männern und Frauen, Menschen mit hohem und solchen mit niedrigem Bildungsabschluss, Armen und Reichen. Nicht nur das Alter hat einen Einfluss darauf, ob und wie man im Netz unterwegs ist, sondern eine Vielzahl sozioökonomischer Faktoren.<br />
Nun macht einen Menschen allein der Fakt, dass er einen Internetzugang besitzt, noch lange nicht zu einem Digital Native. <a href="http://www.manager-magazin.de/unternehmen/it/a-625126-2.html">Begeisterte Anhänger</a> des Begriffs preisen die „neue Generation“ als eine, für die das Internet nicht nur Kommunikationsmittel, sondern ein Kulturraum sei, den sie durch selbst generierte Inhalte, soziale Vernetzung und pausenlose Partizipation immer weiter ausbaue. Digital Natives hätten nicht nur eine ganz eigene Vorstellung von Freundschaft, Privatheit und Identität, sondern nutzten wie selbstverständlich die Möglichkeiten des Netzes, um ihre Meinung kund zu tun und aktiv Einfluss auf das Weltgeschehen zu nehmen. Ein wirkmächtiges Bild &#8211; nur gibt es auch zur Mediennutzung junger Menschen mittlerweile zahlreiche Studien, die ganz deutlich dafür sprechen, dass es an der Zeit ist, den Begriff Digital Natives zu entmystifizieren.<br />
Zwar verbringen Jugendliche immer mehr Zeit im Netz, die Onlineaktivitäten ersetzen jedoch lediglich den Konsum klassischer Medien und nicht andere Freizeitaktivitäten. Nichtmediale Aktivitäten wie Treffen mit Freunden und Unternehmungen mit der Familie spielen weiter eine große Rolle. Wenn man die Nutzung des Netzes durch junge Menschen genauer betrachtet, wird außerdem deutlich, dass sie es eben nicht so proaktiv und andersartig anwenden, wie von Anhängern des Digital Natives-Konzepts behauptet. Den größten Stellenwert hat laut <a href="http://www.mpfs.de/?id=613">JIM-Studie 2013</a> der kommunikative Austausch über E-Mails, Chats und soziale Medien. Die kreative Produktion von Content ist im Alltag der jungen Generation unterdessen nur von marginaler Bedeutung.<br />
Es kann also keine Rede davon sein, dass die Nutzung des Internets durch alle seit 1980 Geborenen sich fundamental von der Nutzung durch ältere Menschen unterscheidet. Die Attribute, die den Digital Natives zugeschrieben werden, treffen höchstens auf eine kleine gesellschaftliche Elite zu, die sich nicht durch ihr Alter, sondern durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Internets auszeichnet. Einige „Silversurfer“ bewegen sich genauso sicher im Netz wie „Screenager“, entscheidend sind vor allem individuelle Interessen und sozioökonomische Faktoren.</p>
<h3>Digitale Kompetenz geht alle Altersgruppen etwas an</h3>
<p>Die Einteilung in Digital Natives und Digital Immigrants ist aber nicht nur faktisch falsch, sondern auch konzeptuell problematisch. Sie betreibt ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Othering">„Othering“</a> und stellt unüberwindbare Gegensätze her, wo keine existieren. Nicht alle jungen Menschen lassen sich in eine Schublade stecken, <a href="http://henryjenkins.org/2007/12/reconsidering_digital_immigran.html">es gibt nicht die eine einzige Erfahrungswelt oder Identität</a>, die alle teilen. Vielmehr existieren in der Generation der vermeintlichen Digital Natives genauso wie im Rest der Gesellschaft Unterschiede im Bezug auf Online-Kompetenzen, Erfahrungen und Identitäten. Nur weil Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, möglicherweise weniger Hemmungen im Umgang mit neuen Medien haben, heißt das noch lange nicht, dass sie sie auch kompetent anwenden können.<br />
Und das ist das eigentliche Problem an der Unterscheidung zwischen Digital Natives und Digital Immigrants: Sie täuscht darüber hinweg, dass sich Kompetenzunterschiede im Umgang mit Medien durch das Nachrücken jüngerer Generationen nicht einfach von selbst erledigen, und sie vermittelt Älteren das Gefühl, sie seien qua Geburtsjahr vom technologischen Wandel ausgeschlossen. Bei all der berechtigten Euphorie über die Möglichkeiten neuer Informationstechnologien darf aber nicht vergessen werden, dass das Wissen um die Potentiale, die die digitale Welt bietet, niemandem in die Wiege gelegt wird, sondern Jung wie Alt vermittelt werden muss. Womit wir beim Thema digitale Medienkompetenz oder „Digital Literacy“ angelangt wären – einem Bildungsbereich, der noch immer sträflich vernachlässigt wird.<br />
Digital Literacy meint die Fähigkeit, Inhalte und Kommunikationsprozesse in den digitalen Medien zu verstehen und einzuordnen. Natürlich stellt sich die Frage, welche Fähigkeiten im Umgang mit Medien wertvoll sind &#8211; damit ist der Medienkompetenzbegriff immer normativ. Bei der Vermittlung eines kompetenten Umgangs mit dem Internet darf es deshalb auch nicht darum gehen, aus einer elitären Perspektive heraus Menschen zu verurteilen, die kein Tech-Blog oder Twitteraccount betreiben und stattdessen lieber den neusten Promiklatsch lesen oder Kochrezepte herunterladen. Zu welchem Zweck und in welchem Umfang das Internet genutzt wird, ist schließlich immer noch Geschmackssache. Ziel muss es viel mehr sein, Menschen, jung wie alt, nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch Mündigkeit im Umgang mit dem Medium Internet, also die kritische Rezeption der Inhalte und das Wissen über die Möglichkeit, selbst Inhalte zu produzieren, zu vermitteln. Denn obwohl das Erstellen von Content sicher nicht die einzig sinnvolle Nutzung des Netzes darstellt, gilt in der digitalen Welt genau wie in der analogen: Nur wer partizipiert, kann sich und seinem Anliegen Gehör verschaffen.</p>
<h3>Es fehlt ein schlüssiges Konzept</h3>
<p>Erst vor einigen Tagen erklärte die Bundesregierung in der <a href="http://politik-digital.de/14-berliner-hinterhofgespraech-alles-oder-nichts-die-digitale-agenda-der-bundesregierung-2014-2017/">Digitalen Agenda</a>, die digitale Medienkompetenz aller Generationen stärken zu wollen, damit „sich jede und jeder Einzelne sicher, informiert und aktiv in der digitalen Gesellschaft verwirklichen kann“. An koordinierten Programmen mangelt es aber bisher und die Digitale Agenda bietet auch nicht mehr als Absichtserklärungen. Einzig die Initiative „Ein Netz für Kinder“, die kindgerechte digitale Angebote fördert, wird als konkretes Projekt in dem Papier erwähnt. „Sichere Surfräume“ für Kinder zu schaffen, wie es das <a href="http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/kinder-und-jugend,did=131814.html">Bundesfamilienministerium</a> formuliert, ist eine nette Idee, viel relevanter wäre es jedoch, generationenübergreifend Kompetenzen für ein aufgeklärtes Surfen auch außerhalb von Schutzräumen zu vermitteln. Bereits im Oktober 2011 hatte die Internet-Enquete in einem Zwischenbericht angemahnt, die Förderung von Medienkompetenz sei eine wichtige staatliche und gesellschaftliche Aufgabe, und hatte eine bessere Vernetzung einzelner geförderter Initiativen sowie neue Bildungskonzepte und Aufklärungskampagnen gefordert. Doch seither hat sich wenig getan. Dazu, wie Jugendlichen von klein auf ein aufgeklärter Umgang mit digitalen Medien mitgegeben werden kann oder wie ältere Menschen für digitale Entwicklungen begeistert werden können, fehlen kohärente Konzepte. Die Förderung der Medien- und Informationskompetenz in der Praxis wird weitgehend den Landesmedienanstalten, privaten Vereinen und einzelnen Initiativen überlassen. Inwieweit und vor allem wie tiefgreifend digitale Medienkompetenz in Schulen vermittelt wird, ist ebenfalls Glückssache und hängt häufig von den Kenntnissen und vom Einsatz einzelner Lehrer ab.<br />
Dabei wäre ein schlüssiges Konzept zur Kompetenzvermittlung für alle Altersschichten wichtiger denn je. Allein der Umstand, dass immer mehr Informationen nur noch online verfügbar sind, sei es zu Anträgen beim Jobcenter oder zu Versicherungspolicen, und Entscheidungs- wie Beteiligungsprozesse durch Online-Petitionen, Bürgerhaushalte oder öffentliche Konsultationen zunehmend digitalisiert werden, macht deutlich, wie wichtig ein kompetenter Umgang mit den neuen Medien wirklich ist. Zudem ist die Vermittlung von Medienkompetenz die einzig praktikable Antwort auf viele „Gefahren“ des Netzes wie Identitätsdiebstahl, Betrug und Falschinformationen, die durch technische Mittel schwer zu bannen sind. Deshalb reicht es nicht, auf binäre Kategorien zurückzugreifen und sich damit abzufinden, dass einige nun mal Digital Natives und andere Digital Immigrants sind. Bildungsangebote und ein gleicher Ressourcenzugang für alle können dafür sorgen, dass jeder im Netz „heimisch“ werden kann.<br />
Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/benchan/10904338893" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Benjamin Chan</a><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a><br />
&nbsp;</p>
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