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	<title>Joachim Poß &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Joachim Poß &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Ich habe Gestaltungsehrgeiz und möchte in einer Regierungsfraktion weiterarbeiten&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Sep 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Joachim Poß, stellv. Vorsitzender 
der SPD-Bundestagsfraktion zuständig für die Bereiche 
Finanzen und Haushalt, war am 5. September zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Das Steuermodell 
von Paul Kirchhof, die Finanzierungskonzepte der SPD und soziale 
Gerechtigkeit waren die zentralen Themen.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Joachim Poß, stellv. Vorsitzender<br />
der SPD-Bundestagsfraktion zuständig für die Bereiche<br />
Finanzen und Haushalt, war am 5. September zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Das Steuermodell<br />
von Paul Kirchhof, die Finanzierungskonzepte der SPD und soziale<br />
Gerechtigkeit waren die zentralen Themen.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Duell-Liebhaber,<br />
liebe Politik-Interessierte, 14 Stunden nach dem TV-Duell herzlich<br />
Willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe ist ein Format<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Heute ist der SPD-Vizefraktionschef Joachim<br />
Poß ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herzlich willkommen,<br />
können wir beginnen?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ja.</p>
<p><b>Gleimstr:</b> Noch mal Duell: Sie haben noch 14 Tage<br />
Wahlkampf vor sich. Der Abstand SPD-CDU schmilzt &#8211; kann man von<br />
einer weiteren Verschärfung des Wahlkampfes ausgehen?<br />
<b><br />
Joachim Poß:</b> Ich habe die Hoffnung, dass es in den<br />
nächsten Tagen gelingt, auf die zentralen Inhalte dieser politischen<br />
Richtungs-entscheidung zu sprechen zu kommen und damit die Alternativen<br />
zu verdeutlichen. Wir werden uns sehr kritisch mit Frau Merkels<br />
Lockvogel-Angebot Herrn Kirchhof auseinandersetzen, denn wenn man<br />
das Produkt Kirchhof bestellt und sich dafür entscheidet, kann<br />
es bekanntlich nicht geliefert werden, weil CDU/CSU ein gänzlich<br />
anderes Konzept haben. Insbesondere muss Herr Kirchhof jetzt seine<br />
sog. 418 Ausnahmetatbestände der Öffentlichkeit bekannt<br />
machen, damit sich die Wählerinnen und Wähler ein reelles<br />
Bild machen können von dieser Kopfsteueridee, die den Verfassungsgrundsatz<br />
der Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit verletzt.<br />
Ein weiteres spannendes Thema wird sicherlich die sog. Kopfpauschale<br />
und deren Finanzierbarkeit werden.</p>
<p><b>kauderwelsch:</b> Ist es nicht egal, wie viele Ausnahmen<br />
Herr Kirchhof identifiziert hat? Sie wollen ihm doch nur einen Fehler<br />
beim Zählen nachweisen.
</p>
<p>
<b>Joachim Poß:</b> Das ist nicht der Fall, aber<br />
ich bin definitiv der Meinung, dass die Finanzminister aller Länder<br />
und aller Parteifarben im letzten Frühjahr formuliert haben,<br />
dass dieses Konzept ungerecht und mit 43 Milliarden Steuerausfällen<br />
im ersten Jahr auch unfinanzierbar ist.</p>
<p><b>Balduin:</b> Herr Merz hat in der „Zeit“<br />
gesagt, dass Kirchhof&#8217;sche Modell ist durchaus gerecht, weil durch<br />
die hohen Bemessungsgrenzen auch kleine Einkommen entlastet werden.<br />
Warum also immer diese Verschleierungspolemik der SPD?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ich teile die Auffassung der<br />
CSU-Minister Huber, Faltlhauser und der CDU-Ministerpräsidenten<br />
Müller und Wulff, die ebenso wie ich die Auffassung geäußert<br />
haben, dass sie im Kirchhof-Konzept eine Verletzung des Verfassungsgebotes<br />
der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit<br />
sehen.</p>
<p><b>prenzlau:</b> Warum setzen Sie sich immer nur mit den<br />
Ansätzen des Gegners auseinander, statt die eigenen Konzepte<br />
in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung zu stellen, wenn sie so<br />
gut sind?<br />
Warum sprechen die SPD und der Bundeskanzler immer nur von der Fortsetzung<br />
der eingeschlagenen Politik, sagen aber nichts über die nächsten<br />
geplanten Schritte in den kommenden &#8211; sagen wir &#8211; 24 Monaten?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Wir haben in den letzten Jahren<br />
die Geringverdiener, die Durchschnittsverdiener, die Familien mit<br />
Kindern und den wirtschaftlichen Mittelstand mit knapp 60 Milliarden<br />
Euro entlastet &#8211; nachzulesen unter www.mehr-netto-fuer-alle.de.<br />
Für den Mittelstand haben wir die Abzugsfähigkeit der<br />
Gewerbesteuer von der Einkommenssteuerschuld durchgesetzt. Das ist<br />
das größte Steuerentlastungsprogramm der Nachkriegszeit,<br />
das wir fortsetzten werden mit einer umfassenden Unternehmenssteuerreform<br />
(siehe Wahlmanifest der SPD). Darüber hinaus gibt es ab 2006<br />
die elektronische Lohnsteuerbescheinigung und jetzt schon in vielen<br />
Finanzämtern die Arbeiternehmerkurzveranlagung. D.h. auf dem<br />
Felde der Vereinfachung hat sich auch einiges getan, worüber<br />
Herr Kirchhof offenkundig nicht informiert ist. Weitere Steuersenkungen<br />
verkraften die Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen nicht.<br />
Denn schließlich müssen wir auch in den nächsten<br />
Jahren die Zukunftsaufgaben Forschung, Bildung und Kinderbetreuung<br />
finanzieren.</p>
<p><b>Moderator:</b> Fanpost:</p>
<p><b>SebastianBuggle:</b> Hallo Herr Poß! Ich unterstütze<br />
Sie und die SPD, da ich selbst Juso bin und ich denke, dass sich<br />
das Blatt wenden wird und die Menschen die Reformen verstehen.</p>
<p><b>runciter:</b> Die Ausnahmen im Steuerrecht müssen<br />
doch weg! Herr Kirchhof will das anpacken. Rot-Grün hat dies<br />
nicht getan! <br />
Joachim Poß: Wir haben bereits 1999 70 Ausnahmetatbestände<br />
abgeschafft. Inzwischen zahlen Einkommensmillionäre &#8211; anders<br />
als in der Kohl-Ära &#8211; wieder Steuern. Und leider hat die CDU/CSU<br />
in den letzten Jahren im Bundesrat die Abschaffung der Eigenheimzulage,<br />
die Besteuerung der privaten Veräußerungsgewinne (Immobilien,<br />
Wertpapiere) ebenso blockiert, wie die Abschaffung der steuersparenden<br />
Anlagemodelle (Medien- Windkraft und sonstigen Fonds). Leider ist<br />
das wohl der breiteren Öffentlichkeit verborgen geblieben.</p>
<p><b>Moderator: </b>Es ist eine Frage mit Voraussetzung<br />
&#8211; sollten Sie an einer Regierung beteiligt sein: <br />
Janine: Wie wollen Sie ohne eine Mehrwertsteuererhöhung das<br />
Haushaltsdefizit verringern?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Unser Gesetz zum Abbau von Steuervergünstigungen<br />
wurde leider &#8211; wie bereits erwähnt &#8211; von der CDU/CSU im Bundesrat<br />
blockiert. Bei einem erneuten Wahlsieg der SPD-geführten Bundesregierung<br />
könnten die CDU-geführten Länder diese Blockade wegen<br />
der Finanzprobleme in den Länderhaushalten nicht mehr aufrechterhalten.<br />
Dadurch stünden Bund, Ländern und Kommunen rund 17 Milliarden<br />
Euro mehr zur Verfügung. Darüber hinaus bedarf es eines<br />
Finanzpaktes für Deutschland, also einer Vereinbarung von Bund<br />
und Ländern über die zukünftige Konsolidierungsstrategie,<br />
denn es geht um den öffentlichen Gesamthaushalt, nicht nur<br />
um den Bundeshaushalt.</p>
<p><b>Moderator: </b>Wieso sollten die CDU-Länder ihre<br />
Haltung ändern? Nur weil die SPD wieder an einer Regierung<br />
beteiligt ist &#8211; hoffen Sie auf den &quot;öffentlichen Druck&quot;?</p>
<p><b>Joachim Poß: </b>Ich setze auf die objektive<br />
Situation, dass insgesamt elf Länder sich in der Nähe<br />
verfassungswidriger Haushalte bewegen. Die Parteipolitik wird in<br />
einer solchen Situation zurücktreten. Die Ministerpräsidenten<br />
der CDU würden Frau Merkel nicht mehr so wie in den letzten<br />
Jahren folgen, um die Koalition von SPD und Grünen wie bisher<br />
in den Schwitzkasten zu nehmen.</p>
<p><b>Pmu2005:</b> Sie reden andauernd über Blockade,<br />
dieses Verhalten hat die SPD doch in der Kohl-Zeit mit Bravour vorgelebt<br />
und die von G. Uldall vorgeschlagene Steuerreform permanent aus<br />
parteitaktischen Gründen verhindert.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Es stand das Konzept von Herrn<br />
Uldall niemals zur Entscheidung im Bundestag oder Bundesrat an,<br />
es ging um das Konzept von Herrn Waigel, dessen Realisierung die<br />
öffentlichen Haushalte in der damaligen Situation zwischen<br />
30 und 40 Milliarden DM gekosten hätten. Aus diesem Grunde<br />
haben die SPD-geführten Länder &#8211; zur klammheimlichen Freude<br />
der CDU-Finanzminister &#8211; diese Pläne abgelehnt.</p>
<p><b>Usedom:</b> Werter Herr Poß, bei der gegenwärtigen<br />
Konstellation in Bundestag und Bundesrat hätte doch nur eine<br />
große Koalition Sinn. Oder das Feld wird voll der CDU/CSU<br />
überlassen.</p>
<p><b>gelb gruen: </b>Herr Poß, das Beste was bei der<br />
Debatte gestern für Ihre Partei hätte herauskommen können,<br />
wäre eine große Koalition. Aber wäre Ihnen die Opposition<br />
nicht viel lieber? Da wären Sie bei weiteren Sozialreformen<br />
außen vor.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Die Entscheidung über künftige<br />
Konstellationen liegt ausschließlich bei den Wählerinnen<br />
und Wählern und nicht bei Parteistrategen oder spekulierenden<br />
Journalisten. Deshalb gebietet es der demokratische Anstand, diese<br />
Entscheidung auch abzuwarten. Was mich betrifft, ich habe Gestaltungsehrgeiz<br />
und möchte in einer Regierungsfraktion so wie bisher weiterarbeiten.<br />
Darum kämpfen wir.</p>
<p><b>Moderator:</b> Ok, spekulierende Journalisten haben<br />
aber auch Realitätssinn. Rot-Grün als Regierung ist die<br />
unrealistischste Variante. Schlägt Ihr Herz doch ein bisschen<br />
für die Große Koalition &#8211; höre ich das heraus?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ich war immer Anhänger<br />
einer Koalition mit den Grünen, weil offenkundig die politische<br />
Schnittmenge mit dieser Partei am größten ist und im<br />
Übrigen hat sich die CDU/CSU vom Konzept der Sozialen Marktwirtschaft<br />
so weit entfernt, dass nach meiner Erfahrung und Erlebnissen im<br />
Wahlkampf, sozial denkende CDU-Wähler zunehmend ins Grübeln<br />
kommen. Ich will also eine Koalition mit den sozial denkenden Wählern<br />
der CDU, nicht mit der CDU/CSU unter Frau Merkel.</p>
<p><b>SPY:</b> Herr Poß, können Sie mir erklären<br />
wie der Bundeskanzler davon ausgeht, die Wahl zu gewinnen und gleichzeitig<br />
ROT-ROT-GRÜN ausschließt?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Der Bundeskanzler strebt wie<br />
ich die Fortsetzung der jetzigen Koalition an. Eine Koalition mit<br />
der PDS. Die Linke mit Lafontaine ist aus außen-, innen- und<br />
wirtschaftspolitischen Gründen nicht möglich. Wer den<br />
Menschen 250 Euro Kindergeld, einen Mindestlohn von 1400 Euro u.ä.<br />
verspricht, führt die Wählerinnen und Wähler in verantwortungsloser<br />
Weise hinters Licht.<br />
Diese Gruppierung bewegt sich außerhalb der ökonomischen,<br />
sozialen und finanziellen Realität der BRD.<br />
<b><br />
CSc:</b> War es zu früh, die Neuwahl anzugehen, angesichts<br />
der sich erst jetzt einstellenden Erfolge der Rot-Grünen Reformen?<br />
Moderator: &#8230; gehen wir mal davon aus, dass es so ist, dass sich<br />
die Erfolge jetzt zeigen.</p>
<p><b>Joachim Poß: </b>Zumindest ist festzustellen,<br />
dass die Veränderungen der letzten Jahre jetzt langsam zu greifen<br />
beginnen. Seit April nimmt die Zahl der sozialversicherungspflichtigen<br />
Arbeitsplätze Tag für Tag um 1500 zu, wir haben erhebliche<br />
Erfolge bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und sehen<br />
auch Erfolge z.B. beim zunehmenden Universitätsbesuch bei Kindern<br />
aus Arbeiterfamilien. D.h. wir sind auf dem Wege und mit dem Kurs<br />
der Erneuerung in sozialer Verantwortung zunehmend erfolgreich und<br />
setzen deshalb in der Tat auf die große Zahl der bis jetzt<br />
noch unentschiedenen Wählerinnen und Wähler.</p>
<p><b>Moderator:</b> Ein großer Aufschwung ist allerdings<br />
nicht in Sicht. Die Frage war daher ja auch:<br />
<b><br />
rafsandjani:</b> Ja, aber warum lassen Sie dann jetzt neu wählen??</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Nach einer Reihe bitterer Niederlagen<br />
für meine Partei haben der Bundeskanzler und der SPD-Vorsitzende<br />
Müntefering mit guten Gründen die Neuwahlen vorgeschlagen,<br />
damit die gesamte deutsche Wählerschaft über diesen Kurs<br />
der Erneuerung in sozialer Verantwortung abstimmen kann. Ansonsten<br />
wäre zu befürchten gewesen, dass Frau Merkel, Herr Stoiber<br />
und andere ihre unverantwortlichen taktischen Spielchen unvermindert<br />
fortgesetzt hätten.</p>
<p><b>Moderator: </b>Welche Rolle spielt das TV-Duell? Hat<br />
das einen entscheidenden Vorteil für die SPD gebracht?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ich bin ja nicht unvoreingenommen,<br />
aber die Zahlen im Hinblick auf die unentschiedenen Wähler<br />
sprechen doch eine viel deutlichere Sprache zugunsten des Bundeskanzlers<br />
und der SPD, als dies in den Kommentaren am gestrigen Fernsehabend<br />
zum Ausdruck kam. Da haben sich viele Meinungsmacher geäußert,<br />
die ihre Meinung über den Wahlausgang schon vor Monaten festgelegt<br />
hatten. Ich setze da auf die kritischen, aber auch mündigen<br />
Wählerinnen und Wähler.</p>
<p><b>Balduin:</b> Herr Poß, hat sich Schröder<br />
nicht im Grunde vom Volk das Misstrauen aussprechen lassen? Warum<br />
meint er, es jetzt zu bekommen, wo sich offenbar auch personell<br />
nichts bei der SPD  verändert hat?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Es geht hier nicht um personelle<br />
Veränderung, sondern um den Kurs der Regierungspolitik, d.h.<br />
also, um die Weichenstellungen, die notwendig sind, um auch unseren<br />
Kindern und Enkeln noch die Chance eines Lebens im Wohlstand zu<br />
eröffnen. Dabei ist die SPD die einzige Partei, die für<br />
Wohlstandssicherung und soziale Gerechtigkeit steht. Das Wort soziale<br />
Gerechtigkeit kommt z.B. im Programm der CDU nicht ein einziges<br />
Mal vor.</p>
<p><b>presse: </b>Wer, außer Ihnen, könnte denn<br />
als Fachmann in Steuerfragen in der SPD oder bei den Grünen<br />
gelten? Haben Sie einen gleichrangigen Experten wie Herrn Kirchhof<br />
aufzuweisen?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Wir sind Politiker und bedienen<br />
uns der Experten und sind damit auch offen für sog. Expertenvorschläge.<br />
Die Vorschläge von Herrn Kirchhof sind allerdings nach Meinung<br />
der ganz großen Zahl der Steuerpraktiker in Bund und Ländern<br />
und selbst der Finanzwissenschaftler, also Kirchhofs Kollegen, nicht<br />
realitätstüchtig und zudem ungerecht und unfinanzierbar.<br />
<b><br />
Paradoxon:</b> Woher soll ich als Bürger die Kompetenz<br />
eines Fachmanns wirklich beurteilen können? Lächerlich<br />
dieser Personenwahlkampf.</p>
<p><b>Moderator: </b>Ihre Meinung dazu?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Diese Bemerkung kann ich verstehen.<br />
Ich würde Herrn Kirchhof nicht die Kompetenz als Steuerjurist<br />
absprechen, aber für die Führung eines Ministeriums halte<br />
ich ihn für gänzlich ungeeignet. Ansonsten &#8211; wie erwähnt<br />
&#8211; Herr Kirchhof ist Frau Merkels Lockvogel-Angebot und muss bei<br />
einfachsten Fragen, wie der nach seiner 418-Punkteliste, passen.</p>
<p><b>Moderator:</b> Die nächste Bundesregierung ist<br />
wohl nicht mehr SPD-geführt, die nächste SPD-Bundestagsfraktion<br />
gibt es dann schon. Werden Sie sie leiten? Müntefering hat<br />
sich nur für den SPD-Vorsitz fest entschieden.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Ich werde alles tun, damit sich<br />
ihre Spekulation, was das Wahlergebnis angeht,  nicht bewahrheitet<br />
und halte es für sehr ärgerlich, wenn einzelne Sozialdemokraten,<br />
meist anonym zitiert, in den Medien Personalspekulationen betreiben.<br />
Ich beteilige mich nicht daran.</p>
<p><b>chaetto: </b>Herr Poß, sie sprachen davon, dass<br />
bei der CDU die Worte soziale Gerechtigkeit nicht vorkämen.<br />
Wenn man sich die Wahlumfragen in Bezug auf die Linkspartei ansieht,<br />
scheinen sie als SPD ein Problem damit zu haben, diese Gerechtigkeit<br />
zu vermitteln. Können Sie mir eventuell erklären, was<br />
sie und die SPD unter sozialer Gerechtigkeit verstehen? Hartz I-IV,<br />
10 Euro Praxisgebühr auch für die Ärmsten vielleicht?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Die Praxisgebühr hatte<br />
Frau Merkel leider zur Bedingung für den notwendigen Kompromiss<br />
in der Gesundheitspolitik gemacht. Das ist keine sozialdemokratische<br />
Erfindung. Wir wollten eine Umsteuerung mit einem Hausarztsystem<br />
und die Abschaffung der kassenärztlichen Vereinigungen etc.<br />
Das alles konnten wir leider nicht durchsetzen. Die Umsteuerung<br />
in der Arbeitsmarktpolitik, um Hunderttausenden Sozialhilfeempfängern,<br />
darunter viele Jugendliche, neue Lebenschancen zu geben, war dringend<br />
erforderlich  und &#8211; das lehrt uns der Blick z.B. nach Skandinavien<br />
&#8211; längst überfällig. Leider sind die Umstellungsschwierigkeiten<br />
größer als erwartet. Mit diesen Maßnahmen werden<br />
wir jedenfalls dem Sozialstaatsgebot eher gerecht, als mit radikalen<br />
Sprüchen à la Lafontaine und Gysi, von denen die Arbeitslosen<br />
nichts haben.</p>
<p><b>Michael B:</b> Wie wollen Sie sich in den verbleibenden<br />
Tagen die Stimmen derer sichern, die zurzeit zur Linkspartei tendieren?<br />
Moderator: Kommt noch eine Überraschung von der SPD &#8211; und Schröder?</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Es geht um das beharrliche Werben<br />
für den von mir beschriebenen Weg der praktischen Vernunft<br />
und ich setze darauf, dass sich noch viele überlegen werden,<br />
ob sie sich tatsächlich für die PDS.DieLinke entscheiden<br />
sollen. Die Spitzenvertreter der PDS haben in den letzten Wochen<br />
mehrfach eindeutig erklärt, dass sie sich einer Regierungsverantwortung<br />
auf keinen Fall stellen wollen.</p>
<p><b>trichers:</b> Herr Poß, warum halten Sie eisern<br />
am Kündigungsschutz fest? Viele Mittelständler stellen<br />
hier in Baden-Württemberg weniger Leute ein, weil sie die Leute<br />
nicht mehr loskriegen.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> In den letzten Jahren haben<br />
wir mehrfach gesetzliche Flexibilisierungen vorgenommen, die die<br />
befristete Beschäftigung von Arbeitnehmer, zumal von denen<br />
über 50 Jahren, erleichtern. Für die schwierige Situation<br />
in der Binnenwirtschaft kann es meines Erachtens nicht nützlich<br />
sein, die sowieso schon vorhandene Unsicherheit der Menschen, durch<br />
den Abbau von Arbeitnehmerrechten noch weiter zu erhöhen.</p>
<p><b>Legoland:</b> Was wird aus Schröder, wenn er die<br />
Wahl verliert? Jetzt bitte nicht: &quot;Er wird nicht verlieren&quot;.</p>
<p><b>Joachim Poß:</b> Legoland sollte eigentlich aus<br />
dem bisherigen Chat gelernt haben, dass ich nicht zu den politischen<br />
Spekulanten gehöre.</p>
<p><b>Moderator:</b> Das war unsere Chat-Stunde, vielen Dank<br />
für Ihr Interes se. Herzlichen Dank Herr Poß, dass Sie<br />
sich die Zeit genommen haben. Der nächste Chat findet morgen<br />
statt. Den Fragen stellt sich dann der Grünen-Chef Reinhard<br />
Bütikofer. Der Chat beginnt um 13:00 Uhr und dauert wie immer<br />
eine Stunde.<br />
Liebe Chatter und Chatterinnen, herzlichen Dank für Ihre vielen<br />
Fragen. Leider konnten wieder einmal nicht alle gestellt und beantwortet<br />
werden. Wir bemühen uns, alle von Ihnen angesprochenen Themenfelder<br />
im Lauf der Chats anzusprechen, aber auch heute blieben viele Fragen<br />
offen. <br />
Wir würden uns freuen, wenn Sie auch beim nächsten Mal<br />
wieder dabei sind!<br />
Morgen: Reinhard Bütikofer, 13:00 bis 14:00 Uhr, hier bei tagesschau.de<br />
in Kooperation mit politik-digital.de und tagesspiegel.de.</p>
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