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	<title>Jörg van Essen &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Jörg van Essen &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Untersuchungsausschüsse sind eines der wichtigsten Mittel für die Opposition&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Jörg van Essen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 15. März 2006, war 
Jörg van Essen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b> 
MdB und Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion</b><b>, 
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Er beantwortete Fragen zum anstehenden Untersuchungsausschuss zur 
BND-Affäre und zu einem möglichen Bundeswehreinsatz im 
Kongo.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 15. März 2006, war<br />
Jörg van Essen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b><br />
MdB und Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion</b><b>,<br />
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Er beantwortete Fragen zum anstehenden Untersuchungsausschuss zur<br />
BND-Affäre und zu einem möglichen Bundeswehreinsatz im<br />
Kongo.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Liebe Freunde und Gegner von FDP und BND-Ausschuss, willkommen zum<br />
Tagesschau-Chat. Ins ARD-Hauptstadtstudio ist heute Jörg van<br />
Essen gekommen, der Parlamentarische Geschäftsführer der<br />
FDP-Fraktion, in allen Oppositionsfragen mit Sicherheit gut informiert.<br />
Wie immer sind Fragen zu allen Themen möglich, von BND-Affäre<br />
über Tarifstreit und Kongo-Einsatz der Bundeswehr bis zur Landtagswahl.<br />
Wir sortieren ein bisschen und dann gehen Sie an Jörg van Essen.<br />
Los geht’s:
</p>
<p class="normal">
<b>Kaja: </b>Haben Sie aus dem Visa-Ausschuss<br />
und u.a. dem unsäglichen Lügenausschuss immer noch nichts<br />
gelernt? Ihre Untersuchungsausschüsse nimmt doch keiner mehr<br />
ernst!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Die Untersuchungsausschüsse<br />
sind eines der wichtigsten Mittel für die Opposition. Der Visa-Ausschuss<br />
hat das Bild des damaligen Außenministers Fischer dramatisch<br />
verändert. Ich finde, der Untersuchungsausschuss zu den jetzigen<br />
Fragen (CIA, El-Masri) ist wichtig, weil die Bundesregierung ihre<br />
Chance, aus eigener Kraft aufzuklären, nicht genutzt hat.
</p>
<p>
<b>annett:</b> Herr van Essen, wie stehen Sie zu dem<br />
Vorwurf, dass ein Untersuchungsausschuss zur BND-Affäre das<br />
Verhältnis zu den USA erneut belasten würde?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Die Befürchtung muss<br />
man ernst nehmen, aber ich teile sie im Endeffekt nicht. Der wissenschaftliche<br />
Dienst im Bundestag hat uns aufgelistet, wie offen und streng das<br />
amerikanische Parlament mit seinen Geheimdiensten umgeht.<br />
Von daher erwarte ich Verständnis dafür, dass auch wir<br />
das tun. Geheimdienste, die aus Fehlern gelernt haben, können<br />
besser zusammen arbeiten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nun hat man nach den Geheimdienst-Vorlagen<br />
für den Irak-Krieg aber nicht unbedingt den Eindruck, dass<br />
die US-Geheimdienste gut kontrolliert werden.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe dazu keine Erkenntnisse,<br />
wie die Qualität der Kontrolle ist. In aller Regel versuchen<br />
Geheimdienste, sich der Kontrolle zu entziehen. Umso wichtiger ist<br />
es, dass wir notwendige Konsequenzen ziehen. Einige liegen schon<br />
auf der Hand. Wir werden deshalb als FDP-Fraktion einen Gesetzentwurf<br />
für eine Reform des Parlamentarischen Kontrollgremiums des<br />
Bundestags vorlegen.
</p>
<p>
<b>Marcus: </b>Ich glaube schon, dass ein Untersuchungs-Ausschuss<br />
sinnvoll ist. Aber warum geben Sie den Grünen und insbesondere<br />
den Linken hier eine Steilvorlage? Bei einer Schröder-Schelte<br />
bin ich immer dabei, aber damit schaden Sie doch auch der großen<br />
Koalition und damit der CDU, mit denen Sie doch eigentlich koalitionsfähig<br />
und -willig sind, oder?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Zunächst einmal: Der<br />
Untersuchungsauftrag kann nur gemeinsam von der Opposition formuliert<br />
werden. Wir sind damit mit Grünen und der Linken in einer ähnlichen<br />
Zwangsehe wie CDU/CSU und SPD. Uns geht es natürlich um die<br />
politische Verantwortung. Ich bin froh, dass wir uns da gegen die<br />
Grünen durchsetzen konnten, die ihren Auftrag nach dem Motto<br />
formuliert hatten: „die Kleinen hängt man, die Großen<br />
lässt man laufen“. Wir sehen als bürgerliche Opposition<br />
unsere Pflichten und haben deshalb einen Ermittlungsbeauftragten<br />
vorgeschlagen, der bei dieser sensiblen Materie hilfreich ist und<br />
außerdem zur Beschleunigung der Untersuchung beitragen kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wer soll diesen Job übernehmen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Wir haben bisher keinen Vorschlag<br />
gemacht. Ein Ermittlungsbeauftragter muss von einer Zweidrittel-Mehrheit<br />
der Mitglieder des Untersuchungsausschusses gewählt werden,<br />
damit er über Vertrauen verfügt. Wir denken an Kandidaten,<br />
mit denen wir aber noch nicht sprechen konnten. Deshalb wäre<br />
es unfair, ihre Namen schon zu nennen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Nachfrage zur Erweiterung der Kompetenzen<br />
des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG):
</p>
<p>
<b>georg: </b>Wie soll ihrer Meinung nach denn eine erweiterte<br />
Kontrolle aussehen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Eine der Ideen, die wir diskutieren,<br />
ist ein Vorschlag des ehemaligen Präsidenten für Verfassungsschutz,<br />
Werthebach, ähnlich wie beim Wehrbeauftragten des Bundestages<br />
einen Geheimdienst-Beauftragten zu installieren, der das Parlament<br />
in seinen Aufgaben unterstützt. Wir werden im Übrigen<br />
mit Sicherheit vorschlagen, dass die Mitglieder des PKG die Fraktionsvorsitzenden<br />
unterrichten, um politisch brisante Fragen mit diesen diskutieren<br />
zu können. Derzeit steht unser einziges Mitglied, Max Stadler,<br />
bei allen Fragen ohne die Möglichkeit einer Rücksprache<br />
und Diskussion da. In der gleichen Situation sind auch die Vertreter<br />
von Linksfraktion und Grünen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist denn inzwischen klar, wer ihr Obmann<br />
im BND-Ausschuss wird? Max<br />
Stadler ziert sich ja noch ein bisschen.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Ja, das ist richtig. Max<br />
Stadler hat darum gebeten nach Möglichkeit nicht Mitglied zu<br />
werden. Wir haben mehrere gute Bewerbungen aus der Fraktion und<br />
wollen mit diesen Bewerbern noch Gespräche führen. Diese<br />
Zeit haben wir aber auch noch, da der Ausschuss frühestens<br />
in der letzten Märzwoche eingesetzt wird und erst in der ersten<br />
Aprilwoche seine Arbeit aufnimmt.
</p>
<p>
<b>Kaja: </b>Zur Reform des Parlamentarischen Kontrollgremiums:<br />
Sind da nicht irgendwann zu viele Köpfe involviert? Lähmt<br />
das nicht die Arbeit des BND?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Es müssen zwei Ziele<br />
unter einen Hut gebracht werden: Einmal wirksame Kontrolle, die<br />
auch dem BND dient, weil jeder vermiedene Fehler die Arbeit des<br />
BND stärkt. Und auf der anderen Seite nicht zu viele Personen,<br />
die damit befasst sind, weil sonst Geheimhaltung schwieriger wird.<br />
Die Neigung zu plaudern &#8211; besonders gegenüber den Medien &#8211;<br />
nimmt mit der Zahl der Mitglieder zu. Aus diesem Grunde ist dem<br />
Ermittlungsbeauftragten im Gesetz ausdrücklich verboten, öffentliche<br />
Erklärungen abzugeben.
</p>
<p>
<b>Herr der Ringe:</b> Warum hat sich Ihre Fraktion doch<br />
für einen Untersuchungsausschuss ausgesprochen? Anfangs zögerten<br />
Sie doch!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Zu den Zögernden habe<br />
ich auch selbst gehört. Mich haben zwei Dinge letztendlich<br />
überzeugt: Einmal hatte Wolfgang Gerhardt die Chance, den geheimen<br />
Teil der Bundesregierung zu studieren und war entsetzt, wie wenig<br />
die Bundesregierung die Chance genutzt hat, klar begangene Fehler<br />
einzugestehen &#8211; z.B. die Nichtunterrichtung des Parlamentarischen<br />
Kontrollgremiums über die Entsendung der BND-Mitarbeiter nach<br />
Bagdad. Zweitens hat unser Mitglied Max Stadler, dem ich sehr vertraue<br />
und den ich als exzellenten Juristen schätze, in der Fraktion<br />
erklärt, dass er weitere Fragen habe. Dies hat sich im Übrigen<br />
auch bei meinen Verhandlungen mit den anderen Oppositions-Fraktionen<br />
bestätigt, wo wir bei jeder der Fragen abgeklopft haben, ob<br />
diese noch offen sind und das jeweils von den anwesenden PKG-Mitgliedern<br />
Stadler, Neskovic und Ströbele bestätigt wurde.
</p>
<p>
<b>Billy@SPD:</b> Wäre die Wahl 2002 zu Gunsten<br />
der Union und FDP ausgegangen, hätte die FDP doch sicher kein<br />
Problem damit gehabt, den BND mit den USA zusammenarbeiten zu sehen.<br />
Wieso kritisieren Sie es also an der alten Regierung?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Hauptkritikpunkt ist für<br />
uns das Bild, das die alte Regierung in der Öffentlichkeit<br />
gezeigt hat &#8211; nämlich strikt gegen den Krieg zu sein &#8211; und<br />
das Bild, das sich jetzt zeigt, dass über die bekannten Dinge,<br />
wie Überflugrechte, Bewachung von Kasernen hinaus, intensiv<br />
kriegswichtiger Gedankenaustausch betrieben wurde. Im Übrigen<br />
hat die FDP den Irakkrieg immer aus politischen und rechtlichen<br />
Gründen für falsch gehalten. Wir haben aber unsere Kritik<br />
gegenüber den Amerikanern als Freunde vorgetragen und haben<br />
im Gegensatz zu Schröder und Fischer für unsere Kritik<br />
deshalb offene Ohren gefunden.
</p>
<p>
<b>Ludwig:</b> Hat die FDP einen weitergehenden Untersuchungsauftrag<br />
verhindert, wie es die Grünen suggerieren?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das Gegenteil ist der Fall.<br />
Die Grünen hatten nur zwei Fragen zu El-Masri und überhaupt<br />
keine Fragen zu den Vernehmungen unter Folterumständen formuliert.<br />
Und die politische Verantwortlichkeit zu all dem was geschehen ist,<br />
hat sie auch nicht interessiert. Die FDP hat durchgesetzt, dass<br />
alles dies geschehen kann. Im Übrigen haben wir auch keinerlei<br />
Generalabrechnung mit Rot-Grün beabsichtigt, wie es mein Kollege<br />
Volker Beck immer wieder behauptet. Wir wollten einen Untersuchungsausschuss<br />
zu politisch brisanten Fragen und keinen historischen Ausschuss<br />
zur Regierungszeit von Rot-Grün.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal in der gleichen Sache:
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Sind die Handlungen des BND unrechtmäßig<br />
gewesen?
</p>
<p>
<b>Michi: </b>War das Vorgehen des BND gesetzlich korrekt?<br />
Wenn ja, handelt es sich dann nicht um einen politischen Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ob rechtliche Grenzen überschritten<br />
worden sind, soll der Untersuchungsausschuss gerade klären.<br />
Da der Krieg gegen den Irak ohne völkerrechtliches Mandat geführt<br />
wurde, war es der Bundesregierung und ihren Organen, darunter dem<br />
BND, untersagt, aktiv diesen Krieg zu unterstützen. Deshalb<br />
ist die Frage, ob beispielsweise Zielkoordinaten geliefert wurden<br />
von enormer Bedeutung. Hier muss der Untersuchungsausschuss noch<br />
Aufklärungsarbeit leisten. Dass der BND zwei Mitarbeiter zur<br />
Aufklärung dorthin entsandt hat, um der Bundesregierung ein<br />
eigenes Lagebild zu ermöglichen, ist allein für sich rechtlich<br />
und politisch nicht zu beanstanden.
</p>
<p>
<b>Hunger:</b> Was wären den die rechtlichen Grenzen?<br />
Ist der Informationsaustausch illegal?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das ist in der Allgemeinheit<br />
schwer zu sagen. In der NATO gibt es ein gut funktionierendes Nachrichtenwesen,<br />
das sicherlich auch in diesem Zusammenhang zu einem Informationsaustausch<br />
geführt hat. Es kommt auf die einzelne Nachricht an, die bewertet<br />
werden muss. Dinge die unmittelbar zu militärischen Reaktionen<br />
geführt haben im Krieg, sind wegen der Rechtswidrigkeit des<br />
Krieges höchst problematisch.
</p>
<p>
<b>Markus R: </b>Der Jugoslawien-Krieg wurde doch auch<br />
ohne völkerrechtliches Mandat durchgeführt, da gab es<br />
aber keinen Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Richtig. Zunächst einmal:<br />
Die Problematik hatten wir auch beim Jugoslawien-Krieg. Die Entscheidung<br />
ist mir aus diesem Grund damals sehr schwer gefallen. Es gibt aber<br />
einen wesentlichen Unterschied: Wegen des andauernden Völkermordes<br />
im Kosovo war nach der Meinung aller Demokratien dringendes Handeln<br />
angesagt und man scheiterte an einem angedrohten Veto einer Diktatur,<br />
der Volksrepublik China. Man hatte im Übrigen alle Möglichkeiten<br />
ausgeschöpft, die die UN-Charta bietet. Ich habe damals deshalb<br />
mit einem nicht guten Gefühl eine ähnliche Situation wie<br />
bei einem innerstaatlichen, übergesetzlichen Notstand gesehen.<br />
Alle diese Voraussetzungen treffen auf den Irak nicht zu. Es ist<br />
mit getürkten Geheimdienstmeldungen gearbeitet worden. Auch<br />
viele Amerikaner haben das Gefühl, man hätte sich ein<br />
paar Wochen mehr Zeit geben sollen, um über die Richtigkeit<br />
des Vorgehens nachzudenken.
</p>
<p>
<b>Martin: </b>Rechtwidrigkeit des Krieges? Das klang<br />
ja vor vier Jahren noch etwas anders. Oder hat nicht die FDP damals<br />
im Wahlkampf die SPD für ihre Stellungnahmen gegenüber<br />
den USA verurteilt?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das ist völlig falsch.<br />
Wir haben unsere rechtlichen und politischen Bedenken immer geltend<br />
gemacht. Wir haben die SPD aber zu Recht kritisiert, dass sie das<br />
wichtige Verhältnis zu dem USA durch das törichte Verhalten<br />
des Bundeskanzlers und des Bundesaußenministers beschädigt<br />
hat. Mit der Konsequenz, dass die deutsche kritische Stimme in Washington<br />
nicht mehr gehört wurde. Bei einem Besuch von Wolfgang Gerhardt<br />
und mir haben wir unsere Kritik klar und eindeutig vorgetragen und<br />
uns ist gesagt worden, wenn Schröder und Fischer uns gesagt<br />
hätten, sie wären unsere Freunde und nicht unsere Feinde,<br />
würden wir ernsthafter mit ihnen diskutieren. Das hat uns nicht<br />
gefallen und das kritisieren wir zu Recht.
</p>
<p>
<b>Volker: </b>Und das stellen Sie erst jetzt fest (falsche<br />
Geheimdienstberichte)? Hat die FDP 2002 nicht auch das Regime im<br />
Irak verurteilt und vor der Gefahr des internationalen Terrorismus<br />
gewarnt und somit die Ängste in der Bevölkerung geschürt?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Wir hatten damals schon,<br />
wie viele, Zweifel an den Geheimdienstberichten. Trotz des politischen<br />
Fehlers des Krieges ist doch aber nicht zu übersehen, dass<br />
es sich bei Saddam Hussein um einen besonders gewalttätigen<br />
Mörder handelt, der für viel tausendfachen Tod verantwortlich<br />
ist. Ich erinnere nur an die Giftgasangriffe auf schiitische Dörfer.<br />
Wir haben deshalb den politischen Kampf gegen Saddam Hussein unterstützt.<br />
Er steht zu Recht vor Gericht.
</p>
<p>
<b>Newroz:</b> Herr Jörg van Essen, ich bin ein<br />
irakischer Staatsbürger, meine Frage: Wir wissen jetzt alle,<br />
dass Deutschland sich an den irakischen Krieg beteiligt hat. Ist<br />
jetzt nicht der Zeitpunkt gekommen, dass die Deutschen jetzt beim<br />
Aufbau des Iraks helfen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das tun sie doch bereits<br />
in vielfältiger Form, beispielsweise durch finanzielle Mittel<br />
aber auch durch Ausbildungshilfe. Unser Wunsch ist ein demokratischer<br />
Irak und ein friedliches Zusammenleben von Schiiten, Sunniten und<br />
Kurden in diesem Land. Die Hilfe wird natürlich erschwert,<br />
wenn deutsche Staatsbürger, die als Helfer kommen, entführt<br />
und mit dem Tode bedroht werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Müsste mehr getan werden? Vielleicht<br />
auch um das Ansehen Deutschlands wieder zu verbessern? In der arabischen<br />
Welt dürfte das durch die BND-Affäre vermutlich auch beschädigt<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe noch keine gesicherten<br />
Erkenntnisse, ob das deutsche Ansehen in der arabischen Welt, welches<br />
immer sehr hoch gewesen ist, wirklich geschädigt worden ist.<br />
Eine solche sichere Feststellung kann man derzeit noch nicht feststellen.<br />
Die FDP hat allerdings vorgeschlagen, für den Nahen Osten eine<br />
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit einzurichten,<br />
die in der gegenwärtigen Krisensituation sowohl im Irak als<br />
auch in Palästina besonders hilfreich sein könnte.
</p>
<p>
<b>Extremleber:</b> Warum stellt sich die Union denn<br />
quer, wenn es um das Thema Untersuchungsausschuss geht? Liegt es<br />
wirklich daran das die Union mit nicht mit einer Partei koalieren<br />
kann, wenn es rauskommt, dass die SPD in der Frage nicht ganz die<br />
Wahrheit gesagt hat?!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe das Gefühl,<br />
dass genau das der Grund ist. Unter der Hand kommen immer wieder<br />
Kollegen aus der Union auf einen zu und sagen: Der Untersuchungsausschuss<br />
ist doch genau richtig. Schade, dass wir soviel Ärger in der<br />
Koalition haben, dass wir jetzt auch schon in dieser Frage Rücksicht<br />
auf die SPD nehmen müssen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zu der vorgeschlagenen Konferenz:
</p>
<p>
<b>lagavulin:</b> Wer sollte Ihrer Meinung nach an einer<br />
derartigen Konferenz teilnehmen? Wer die Leitung innehaben?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Natürlich die beteiligten<br />
Länder der Region, einschließlich Israel. Im Übrigen<br />
die EU, die Vereinigten Staaten und Russland. Also eine Zusammensetzung<br />
wie sie erfolgreich ja auch bei der Konferenz über Sicherheit<br />
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) schon einmal erprobt worden<br />
ist und zum Zusammenbruch des Ostblocks geführt hat.
</p>
<p>
<b>Inge: </b>Sehr geehrter Herr Essen, ich selbst komme<br />
aus Sachsen-Anhalt. Vor einigen Tagen habe ich in der Zeitung gelesen,<br />
dass die FDP in ihrem neuen Haushaltsplan schon die Mehrwertsteuererhöhung<br />
eingeplant hat, obwohl in diesem Wahlkampf sie damit werben, die<br />
Mehrwertsteuer nicht zu erhöhen. Wie ist das zu erklären?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ein kluger Kaufmann stellt<br />
sich auf unangenehme Entwicklungen sicherheitshalber ein. Ob wir<br />
als FDP das bei unserem Haushalt getan haben, ist mir gar nicht<br />
bekannt, weil ich nicht sehen kann, wo wir als Partei überhaupt<br />
Mehrwertsteuer zu zahlen hätten. Das ändert aber nichts<br />
an unserer klaren politischen Haltung gegen die Mehrwertsteuererhebung,<br />
die zu konjunkturellen Einbrüchen in der Wirtschaft und damit<br />
zum Verlust von Arbeitsplätzen führen wird. Es wäre<br />
schade, wenn Sachsen-Anhalt, das bei den Arbeitslosen bei der rot-roten<br />
Regierung das Schlusslicht der Bundesrepublik war, und unter der<br />
jetzigen schwarz-gelben Regierung diese Position verloren hat, wieder<br />
mehr Arbeitslose haben würde.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Mehrwertsteuererhöhung bringt<br />
viele Milliarden auf einen Schlag. Selbst wenn man ihren Vorschlägen<br />
zur Subventionskürzungen folgen würde, wäre das im<br />
kommenden Jahr noch nicht zu realisieren. Sollte Finanzminister<br />
Steinbrück also lieber noch mal den EU-Stabilitätspakt<br />
reißen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Nein, das kann er gar nicht,<br />
weil eben in diesen Tagen von den EU-Finanzministern deutlich gemacht<br />
worden ist, dass man einen weiteren Verstoß gegen die Maastricht-Kriterien<br />
nicht hinnehmen wird. Die FDP hat es sich schon im vergangenen Jahr<br />
bei den Haushaltsberatungen nicht leicht gemacht. Wir haben nämlich<br />
nicht, wie andere Oppositionsparteien, kräftige Ausgabenerhöhungen<br />
gefordert, sondern ein dickes Sparbuch vorgelegt, um die Maastricht-Kriterien<br />
zu erfüllen und eine Mehrwertsteuererhöhung überflüssig<br />
zu machen. Das werden wir bei den diesjährigen Haushaltsberatungen<br />
wieder ähnlich tun.
</p>
<p>
<b>Jürgen:</b> Herr van Essen, bei einem Neujahrsempfang<br />
in Göttingen haben Sie sich gegen einen Bundeswehreinsatz im<br />
Kongo ausgesprochen. Jetzt scheint ein solcher Einsatz aber bevorzustehen.<br />
Wie verhält sich die FDP in dieser Frage?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich bin weiterhin strikt<br />
dagegen und freue mich sehr, dass heute der Bundeswehrverband in<br />
ähnlicher Weise Stellung genommen hat. Die Frage z.B., ob die<br />
Soldaten der EU im Kongo wirklich willkommen sind, ist von der EU<br />
bis heute nicht geklärt. Auch der mögliche Auftrag für<br />
die deutschen Soldaten liegt im Nebel. Unsere Kollegen aus dem Verteidigungsausschuss,<br />
die in der letzten Woche in Brüssel waren, kamen entsetzt über<br />
den Stand des Planungsergebnissen zurück. Nach meiner Auffassung<br />
darf die Bundeswehr in diesen Abenteuer nicht geschickt werden.<br />
Ich halte die Zusage der Bundeskanzlerin für einen schweren<br />
Fehler.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul<br />
hat den Einsatz angesichts von drei Millionen Toten im Kongo im<br />
tagesschau-Chat als &quot;wichtiges politisches Signal&quot; bezeichnet.<br />
Und Kinshasa ist derzeit kein Kampfgebiet, betont sie. Ist das für<br />
Sie kein Argument?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Überhaupt nicht. Denn<br />
diese Millionen Toten sind ja eben nicht in Kinshasa zu beklagen<br />
gewesen. Wenn man an der Situation in den Bürgerkriegsgebieten<br />
nichts ändert, darf man mit diesen Zahlen nicht operieren.<br />
Die Ministerin ist im Übrigen erschreckend blauäugig.<br />
Seit langem kann man lesen, dass die Konfliktparteien derzeit intensiv<br />
Kindersoldaten in die Region Kinshasa bringen.
</p>
<p>
<b>richard:</b> Haben sie nicht vor ein paar Minuten<br />
(Irak) die internationale Verantwortung angemahnt und ist die Ermöglichung<br />
von friedlichen Wahlen nicht Aufgabe der internationalen Gemeinschaft?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Das ist so, aber nur dann,<br />
wenn durch die Wahlen tatsächlich eine Änderung der Situation<br />
erreicht werden kann. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Wahlen<br />
im Kongo die Demokratie in diesem Land voranbringen und zu einem<br />
Ende des Bürgerkrieges beitragen. Im Übrigen müssen<br />
Sicherheitsprobleme nach meiner Erfassung zunächst einmal in<br />
der Region gelöst werden. Hier im Herzen Afrikas ist deshalb<br />
zunächst einmal die Organisation Afrikanischer Staaten (OAU)<br />
gefragt. Bevor Deutschland auf den Plan tritt, sind nach m.A. zunächst<br />
einmal die ehemaligen Kolonialstaaten in der Verantwortung, die<br />
diese Länder ausgebeutet haben und in vielen Fällen zu<br />
den heutigen Problemen im Wesentlichen beigetragen haben. Es ist<br />
ein Fehlglaube, wenn man meint, durch die Entsendung deutscher Soldaten<br />
in der Welt für Frieden sorgen zu können. Es ist für<br />
mich eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz deutscher<br />
Militärs, dass deutsche Interessen betroffen sind. Das sehe<br />
ich im Kongo nicht.
</p>
<p>
<b>HIT: </b>Herr van Essen, ist das Argument, dass nur<br />
in reicheren Regionen Interventionen Erfolgen (Schutz von Eigeninteressen<br />
vs. Risiko) nur paranoid oder ist da was dran?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe gerade schon gesagt,<br />
dass eigene Interessen eine Rolle spielen dürfen und müssen.<br />
Trotzdem sind wir selbstverständlich in der Verpflichtung überall<br />
auf der Welt die Situation der Menschen zu verbessern und Freiheit<br />
und Demokratie zu stärken. Aber wie gesagt, ich halte es für<br />
einen Fehlglauben, wenn Deutschland wieder meinen sollte, das sei<br />
seine militärische Aufgabe.
</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat<br />
mit Jörg van Essen. Vielen<br />
Dank, Herr van Essen, dass Sie zum Chat gekommen sind. Das Protokoll<br />
gibt’s zum Nachlesen auf tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Der<br />
nächste fest geplante Chat findet am 21. März statt. In<br />
der Woche<br />
vor den Landtagswahlen diskutieren Sie und wir mit dem<br />
Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen<br />
(CDU). Dieser Chat beginnt ein wenig später als üblich<br />
– um<br />
sechzehn Uhr. tagesschau.de und politik-digital.de wünschen<br />
Ihnen noch einen schönen Tag.</p>
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