<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Kairo &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/kairo/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>Kairo &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Kompromisse in Kairo: Das ICANN-Meeting vom 7.-10. März 2000</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/kompromisse_in_kairo_das_icann_meeting_vom_7_10_maerz_2000-775/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/kompromisse_in_kairo_das_icann_meeting_vom_7_10_maerz_2000-775/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[fniedlich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Kairo]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/kompromisse_in_kairo_das_icann_meeting_vom_7_10_maerz_2000-775/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
Der große Wurf blieb aus. Auch die jüngste Konferenz des Internetregulierers
<a href="http://www.icann.org/">ICANN</a> (Internet Corporation for Assigned Names and
Numbers) in Kairo vom 7. bis 10. März hat keine Klärung entscheidender
Fragen gebracht. So war das Ergebnis der Tagung eine Mischung aus
Kompromissen und vertagten Entscheidungen.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
Der große Wurf blieb aus. Auch die jüngste Konferenz des Internetregulierers<br />
<a href="http://www.icann.org/">ICANN</a> (Internet Corporation for Assigned Names and<br />
Numbers) in Kairo vom 7. bis 10. März hat keine Klärung entscheidender<br />
Fragen gebracht. So war das Ergebnis der Tagung eine Mischung aus<br />
Kompromissen und vertagten Entscheidungen.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Kern ist ICANN eine Non-Profit-Organisation, die seit November 1998 im<br />
Auftrag des US-Handelsministeriums als eine Art Aufsichtsbehörde<br />
ausgewählte Funktionen der technischen Regulierung des Internets<br />
durchführt, die bisher von der US-Regierung erfüllt wurden. Dass es<br />
dabei um weit mehr als nur technische &quot;Details&quot; geht, hat die<br />
Kairo-Konferenz allerdings erneut deutlich gemacht, denn schon im Vorfeld<br />
hatte es Auseinandersetzungen um Inhalte und Verfahren gegeben.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Mittelpunkt der Debatte standen die Modalitäten für die erste<br />
weltweit durchgeführte Wahl von neun der 19 Mitglieder des<br />
<a href="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/direktorium.shtml">ICANN-Direktoriums</a>. Das<br />
Direktorium ist das geschäftsführende Gremium von ICAAN. Wer hier<br />
vertreten ist, hat entscheidenden Einfluß auf die &quot;Politik&quot; von ICANN &#8211;<br />
und damit auf die Regulierung des Internets.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In Kairo konnte man sich lediglich darauf einigen, daß fünf<br />
ICANN-Direktoren bis spätestens zum 1. November 2000 direkt vom<br />
&quot;Wahlvolk&quot;, und das ist nicht weniger als die globale Internetgemeinde, gewählt werden sollen.<br />
Für die Wahl der weiteren vier Direktoren entschied die Konferenz nur, dass sie<br />
im Jahr 2002 stattfinden soll (zum<br />
<a href="http://www.icann.org/minutes/prelim-report-10mar00.htm">vorläufigen ICANN-Report</a>).<br />
Wie dann das genaue Wahlverfahren aussehen wird, ist jedoch ebenso ungeklärt wie die Frage, welche<br />
bisherigen Direktoren ihre Funktion bis 2002 weiter ausfüllen, und wer<br />
seinen Platz nach der Wahl im Herbst räumt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Nach den ursprünglichen Vorstellungen sollten alle neun Direktoren bereits<br />
im September in einer indirekten Wahl ermittelt werden. Die registrierten<br />
ICANN-Mitglieder hätten nach diesem Modell ein 18-köpfiges Gremium ermittelt,<br />
den so genannten &quot;At-large Council&quot;, der im Namen der &quot;Community&quot; über die<br />
&quot;Volksvertreter&quot; im Direktorium entschieden hätte.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Allerdings hatten zahlreiche Organisationen, die die Entwicklungen im Internet kritisch überwachen,<br />
sogenannte &quot;watchdog groups&quot;, den Entwurf bereits im Vorfeld<br />
heftig kritisiert. Die Watchdog-Gruppen <a href="http://www.commoncause.org/">Common Cause</a> und das<br />
<a href="http://www.cdt.org/">Center for Democracy and Technology</a> (CDT) legten Anfang März eine gemeinsame<br />
<a href="http://www.commoncause.org/icann/study.htm">Studie</a> vor, die das ICANN-Direktorium aufforderte, das Verfahren für die Wahl<br />
des &quot;At-large Council&quot; neu zu gestalten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Sowohl Common Cause wie auch das CDT bemängelten vor allem, dass die<br />
Internet-Gemeinde nur mangelhaft über die Existenz und die Aufgaben von<br />
ICANN informiert sei. Seit ICANN vor gut zwei Wochen die Möglichkeit der<br />
<a href="http://members.icann.org/">Online-Registrierung</a> eingeführt hat, haben sich 6000 Mitglieder<br />
registrieren lassen. Nach den bestehenden ICANN-Regeln hätten bereits 5000 abgegebene Stimmen die Gültigkeit<br />
der Wahl zur Folge gehabt &#8211; doch nach Ansicht der &quot;virtuellen Wachhunde&quot; genügen diese<br />
Voraussetzungen bei weitem nicht, um bereits im September eine &quot;demokratische&quot; Wahl durchzuführen.<br />
Aus ihrer Sicht stellt die Verschiebung der Wahl daher bereits<br />
einen Erfolg dar. Endlich habe die ICANN-Spitze Wünsche der &quot;Basis&quot; berücksichtigt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Einzelheiten bleiben allerdings weiterhin unklar. So schreibt ein in den<br />
Statuten von ICANN festgeschriebener Schlüssel die Repräsentation aller<br />
fünf Weltzonen im Direktorium vor. Ob dieses Kriterium bereits<br />
durch die fünf zunächst zu wählenden Direktoren abgedeckt wird, blieb<br />
offen. Der leidige Proporz könnte auch in Zukunft Stein des Anstoßes<br />
bleiben. Von den 6000 registrierten ICANN-Mitgliedern stammen allein 60 Prozent aus<br />
Nordamerika, weitere 20 Prozent aus Europa. Gut die Hälfte der Registrierten besteht<br />
aus Männern im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. 60 Prozent halten einen eigenen<br />
Domain-Namen. Die Aufteilung entspricht zwar in etwa den allgemeinen Daten über<br />
Internetuser, wirft aber die grundsätzliche Frage auf, wer in den Prozeß der<br />
Entscheidungsfindung eingebunden werden sein sollte. Alle User? &quot;Erfahrene&quot; Anwender?<br />
Domain-Besitzer? Fragen über Fragen&#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Kontroverse macht deutlich, das die Auffassungen darüber, wer mit<br />
welchem Gewicht das zukünftige Geschick von ICAAN lenken sollte, stark differieren.<br />
Das ICANN-Direktorium, das sich zurzeit noch weitestgehend aus Internet-Pionieren der ersten Stunde<br />
zusammensetzt, ist vor allem darauf bedacht, die Unabhängigkeit und die<br />
Kompetenz der Organisation zu gewährleisten. Die Beteiligung der<br />
ICANN-Mitglieder an der Entscheidung über die Zusammensetzung<br />
des Direktoriums geht einigen eigentlich schon zu weit. Wenn<br />
unqualifizierte Laien im Führungsgremium vertreten seien, so ihre<br />
Argumentation, könne nicht garantiert werden, daß ICANN zufriedenstellend funktioniere.<br />
Einzelne Stimmen forderten sogar die Abschaffung der allgemeinen Wahlen (siehe dazu auch<br />
den <a href="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/hill.shtml">Gastkommentar von Steven Hill</a>).<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Kritik der Watchdog-Gruppen kommt da aus einer ganz anderen<br />
Richtung: Zwar kritisieren auch sie das Wahlverfahren. Aber sie fordern<br />
ganz im Gegensatz zur Position des ICANN-Direktoriums, die Wahlen auf<br />
eine breitere demokratische Plattform zu stellen. Die meisten<br />
potentiellen Wähler seien nicht oder nicht ausreichend über die Tätigkeit von<br />
ICANN und die Chance, sich im Entscheidungsfindungsprozess einzubringen,<br />
informiert. Die bislang registrierten 6000 ICANN-Mitglieder bildeten keine<br />
ausreichende Basis, um unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen.<br />
Im Gegenteil erlaube dieser niedrige &quot;Grenzwert&quot; organisierten Gruppen,<br />
ihre Interessen durchzusetzen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Diskussion folgt einem Muster, das man schon in Debatten über andere<br />
internationale Organisationen beobachten konnte. Im Falle der<br />
Europäischen Union etwa wird des öfteren der Versuch unternommen, den<br />
Mangel an demokratischen Strukturen mit den Ergebnissen des politischen<br />
Entscheidungsfindungsprozesses zu rechtfertigen. Nach dieser Logik ist<br />
das Wirken einer technischen und administrativen Elite legitim, solange<br />
ihre fachliche Kompetenz &quot;sachlich richtige&quot; Entscheidungen liefert. Ein solches<br />
System legitimiert sich also über den &quot;Output&quot;, die Ergebnisse seiner Arbeit.<br />
Problematisch ist allerdings die Frage, wer nach welchen Maßstäben über<br />
die Qualität der Resultate entscheiden soll.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Das ICANN-Direktorium argumentiert im Sinne einer solchen<br />
&quot;Output-Legitimität&quot;, wenn es das notwendige Expertenwissen der<br />
Direktoren zum ultimativen Kriterium erhebt. Dem steht die<br />
Rechtfertigung über &quot;Input-Legitimität&quot; gegenüber, die von den<br />
&quot;Watchdogs&quot; vertreten wird. Hier findet die Legitimierung nicht über die<br />
Effizienz der Entscheidungen statt, sondern über die zugrundeliegenden<br />
Verfahren. Entscheidend ist aus dieser Sicht, dass der &quot;Input&quot; von<br />
demokratisch legitimierten Akteuren stammt, und dass das Verfahren allen<br />
demokratischen Gruppen Zugang zum Entscheidungsprozess erlaubt. Ein solches<br />
Verfahren wird nicht immer &quot;effizient&quot; in dem Sinne sein, dass es das &quot;sachlich beste&quot; Ergebnis produziert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Dieser Spagat zwischen &quot;Output-&quot; und &quot;Input-Legitimität&quot; wurde ICANN quasi<br />
mit in die Wiege gelegt. Gegründet auf Initiative der US-Regierung als<br />
private Organisation kalifornischen Rechts, ist ICANN bestenfalls<br />
mittelbar demokratisch legitimiert &#8211; zumal ICANN das Internet weltweit<br />
regulieren soll. Insofern rührt die Debatte über die Zusammensetzung des<br />
Direktoriums an der Frage nach dem Selbstverständnis der Organisation.<br />
Sie betrifft aber grundsätzlich auch alle Internetnutzer &#8211; denn die<br />
&quot;technischen Details&quot;, die ICANN festlegt, haben erhebliche Auswirkungen<br />
auf die zukünftige Struktur des Internet.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">So diskutierten die Konferenzteilnehmer in Kairo etwa darüber, neue<br />
länderübergreifende Endungen für Domain-Namen einzuführen. Zum einen<br />
ging es dabei darum, angesichts der starken Nachfrage nach solchen<br />
Endungen (&quot;generic Top-Level-Domains&quot;) durch die Schaffung von neuen<br />
Endungen wie .info oder .shop neue Alternativen zu schafffen. Zum<br />
anderen hatten für Konsumenteninteressen eintretende Gruppen wie das<br />
&quot;Consumer Project on Technology&quot; gefordert, Endungen wie .isnotfair oder<br />
.sucks einzuführen, die exklusiv Kritikern von bestimmten Gruppen oder<br />
Organisationen vorbehalten sein sollen. Zu beiden Punkten konnten<br />
allerdings keine Einigungen erreicht werden. Das Direktorium setzte<br />
stattdessen eine Kommission ein, die bis zum 20. April Vorschläge machen<br />
soll.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Schon bei vorausgegangenen Konferenzen hatten Details des<br />
institutionellen Aufbaus von ICANN immer wieder zu Verzögerungen<br />
geführt. Unter anderem ging es dabei um die Berücksichtigung<br />
nichtkommerzieller Interessen in den Gremien der &quot;Supporting<br />
Organizations&quot; von ICANN. Auch deswegen ist das ICANN-Direktorium<br />
bemüht, die endgültige Struktur der Organisation festzulegen. Dann<br />
könnte sich ICANN endlich ihrer eigentlichen Tätigkeit widmen. Bis dahin<br />
scheint es nach der Konferenz in Kairo noch ein langer Weg zu sein.<br />
</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/kompromisse_in_kairo_das_icann_meeting_vom_7_10_maerz_2000-775/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#034;ICANN musste sich vom ersten Tag an die Schuhe im Laufen zubinden&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/uncategorized/icann_musste_sich_vom_ersten_tag_an_die_schuhe_im_laufen_zubinden-776/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/uncategorized/icann_musste_sich_vom_ersten_tag_an_die_schuhe_im_laufen_zubinden-776/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[fniedlich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Kairo]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Kleinwächter]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/icann_musste_sich_vom_ersten_tag_an_die_schuhe_im_laufen_zubinden-776/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">
Ein Interview mit Prof. Wolfgang Kleinwächter, Mitglied des
ICANN-Studienkreises über die Eindrücke des ICANN-Meetings.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
Ein Interview mit Prof. Wolfgang Kleinwächter, Mitglied des<br />
ICANN-Studienkreises über die Eindrücke des ICANN-Meetings.</span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Wolfgang Kleinwächter ist Professor am Department for Media and Information Sciences der Universität<br />
Aarhus in Dänemark und Direktor des NETCOM Instituts der Medienstadt Leipzig e.V. Zuvor lehrte er<br />
Kommunikations- und Medienwissenschaften in Europa und den USA. Von 1994 bis 1997 war er Koordinator der<br />
Sächsischen Informationsinitiative und leitete das Management Committee der Inter-Regional Information Society<br />
Initiative der Europäischen Kommission. Seit Mitte der 90er Jahre verfolgt er die Entwicklung des Domain Name<br />
System und <a href="http://www.icann.org/">ICANN</a>, zudem beteiligt er sich selbst aktiv an diesem Prozess.<br />
Er ist Mitglied  der <a href="http://www.icann.org/at-large/call-1dec99.htm">ICANN Membership Implementation<br />
Task Force</a> für die Region Mittel- und Osteuropa und des ICANN-Studienkreises Leipzig. Als solches nahm<br />
er auch an der ICANN-Konferenz vergangene Woche in Kairo teil. politik-digital sprach mit Professor Kleinwächter<br />
über direkte Demokratie im Internet, die „digital divide“ und die zukünftige Entwicklung von ICANN.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/edemocracy/images/kleinwaechter.jpg" alt="Prof. Kleinwächter" align="left" border="1" height="155" width="130" /><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Herr Professor Kleinwächter, Sie sind Mitglied des<br />
ICANN-Studienkreises und haben vergangene Woche an der <a href="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/kairo.shtml">ICANN-Konferenz in Kairo</a><br />
teilgenommen. Bevor Sie uns Ihre Eindrücke schildern, erklären sie uns doch bitte kurz,<br />
was der ICANN-Studienkreis ist und was er tut.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Der ICANN Studienkreis ist eine lose Plattform von engagierten Experten aus<br />
der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Politik, vorrangig im deutschsprachigen Raum, die am Fortgang des<br />
ICANN Prozesses interessiert sind. Sinn und Zweck des Studienkreises ist es, den ICANN Prozess kritisch<br />
zu begleiten, Netzwerke zu knüpfen, persönliche Kontakte zu fördern und sich<br />
wechselseitig auf Ereignisse, Prozesse und Publikationen im Zusammenhang mit<br />
ICANN aufmerksam zu machen. Der <a href="http://www.icann-studienkreis.net/">Studienkreis</a> hat<br />
eine Website, einmal jährlich soll eine Tagung veranstaltet werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Im Oktober soll ICANN die Arbeit endgültig aufnehmen.<br />
In Kairo wurde aber deutlich, daß noch viele Dinge ungeklärt sind. Ist der Zeitplan realistisch?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Wenn man davon ausgeht, mit welcher Geschwindigkeit sich ICANN bislang<br />
entwickelt hat, ist der Zeitplan nicht unrealistisch. Dabei ist ICANN wie<br />
das Leben: nichts ist perfekt und das einzig Beständige ist der Wandel. Vom<br />
ersten Tag an hat der ICANN Board lernen müssen, sich die &quot;Schuhe im Laufen<br />
zuzubinden&quot;. Das wird auch in der Zukunft so sein. Oktober 2000 heißt nicht,<br />
dass alles gelöst ist. Ich gehe aber davon aus, dass im Oktober 2000 ICANN<br />
voll operationsfähig ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Der wohl strittigste Punkt ist die geplante Wahl von neun der<br />
18 Mitglieder des ICANN-Direktoriums durch die At-large Mitglieder. Dabei geht es vor<br />
allem um die Frage, ob die neuen Direktoren direkt oder durch einen<br />
&quot;At-large Council&quot; gewählt werden sollen. Wie und zwischen wem verlaufen<br />
hier die Konfliktlinien?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Es handelt sich nicht eigentlich um einen Konflikt zwischen verschiedenen<br />
Gruppen, sondern um die gemeinschaftliche Suche nach einem optimalen<br />
Verfahren, das sowohl dem Zeitfaktor als auch den Ansprüchen an einen<br />
demokratisch breit legitimierten Prozess gerecht wird. Sowohl das direkte als<br />
auch das indirekte Wahlverfahren haben Vor- und Nachteile. Kompliziert ist die<br />
Situation, weil ICANN unter kalifornischen Recht inkorporiert ist. Nach der<br />
dortigen Rechtslage könnte eine direkte Wahl des Boards, auch wenn die Wahl<br />
auf globaler Ebene stattfindet, juristisch angefochten werden. Damit wäre es<br />
möglich, die Arbeit von ICANN durch ein kalifornisches Gericht lahmzulegen.<br />
Diese Konstellation spricht eher für ein Wahlmännergremium a la Membership<br />
Council. Ich selbst plädiere dafür, die Diskussion um &quot;direkte Demokratie im<br />
Internet&quot; mehr auf einen solchen &quot;At Large Membership Council&quot; zu<br />
konzentrieren und weniger auf den Board of Directors. Natürlich ist es<br />
Unsinn, so wie bislang vorgesehen, einen At Large Membership Council zu<br />
wählen allein zu dem Behufe, neun Direktoren zu wählen. Einem Membership<br />
Council könnten aber durchaus auch andere Aufgaben übertragen werden die,<br />
wie die Councils der drei Supporting Organisations, eine mehr politische<br />
Funktion haben. So könnte ein Membership Council zu einer Art Parlament der<br />
globalen Internet-Community werden, das all jene Fragen, die der ICANN Board<br />
zu Recht mit Hinweis auf sein technisches Mandat zurückweist, wie etwa<br />
Konsumentenschutz, Informationsinhalte und Netzsicherheit. Es könnte diskutieren und<br />
dem Board Empfehlungen geben, welche technischen Lösungen notwendig sind, um<br />
den legitimen politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Interessen der<br />
globalen Internet Gemeinschaft gerecht zu werden. Ein solcher Council müsste<br />
dann aber mehr als 18 Mitglieder haben, wenn er die ganze Welt<br />
repräsentieren soll. Es wurde ja schon diskutiert, ob die in Kairo gebildete<br />
&quot;Membership Implementation Task Force&quot; (MITF), die aus elf regionalen<br />
Gruppen mit 78 Mitgliedern besteht, nicht ein de-facto Membership Council<br />
ist. Aber dafür bedarf es noch gründlicherer Studien und die sind ja in<br />
Kairo auch beschlossen worden. Insofern war Kairo ein Schritt nach vorn.<br />
Inhalt ist eben wichtiger als der Prozess. Und niemand nimmt Schaden, wenn<br />
der Wahlzeitraum für die neun Membership-Direktoren jetzt etwas gestreckt<br />
wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Wie bewerten Sie den gefundenen Kompromiss, zunächst nur<br />
fünf neue Direktoren zu wählen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Ich finde das vernünftig: Das sichert auch Kontinuität und Wandel im Board.<br />
Wiewohl es in der Vergangenheit viel Wirbel um die Legitimation der neun<br />
Interims-Direktoren gab, hat die Praxis gezeigt, dass dieses so bunt<br />
zusammengewürfelte Gremium in der Lage war, im allgemeinen Interesse der<br />
Internet-Gemeinschaft zu agieren. <a href="http://www.icann.org/biog/crew.htm">Greg Crew</a> hat es<br />
in Kairo auf den Punkt gebracht als er sagte, dass wohl keiner der ICANN Interims-Direktoren eine<br />
persönliche Agenda verfolgt hat. Also warum sollen dann nicht vier der alten<br />
Direktoren noch ein Jahr weitermachen, wenn es dadurch möglich wird, das<br />
Wahlverfahren insgesamt zu optimieren und demokratischer zu gestalten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Eine Schwierigkeit bei den Wahlen liegt in der Bestimmung<br />
des &quot;Wahlvolkes&quot;. 80 Prozent der bisher registrierten Mitglieder stammen aus Nordamerika und<br />
Europa. Sollte ICANN nur die Internet-Gemeinde repräsentieren, wie es<br />
<a href="http://www.icann.org/biog/dyson.htm">Esther Dyson</a> fordert, oder die Weltbevölkerung insgesamt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Esther Dyson hat natürlich recht. Der ICANN Board kann nicht den Anspruch<br />
haben, eine Weltregierung zu sein und die Probleme dieses Globus zu lösen.<br />
Dennoch stimmt es natürlich, dass seine Entscheidungen in gewisser Hinsicht<br />
in die Weltpolitik der globalen Informationsgesellschaft eingreifen. ICANN<br />
wird sich seiner politischen und sozialen Verantwortung nicht entziehen<br />
können. Bezogen auf die Wahlen aber ist das eigentliche Problem nicht das<br />
Gefälle bei den jetzt registrierten ICANN Mitgliedern, sondern die globale<br />
Lücke bei den Internet-Nutzern. Die bisherige ICANN Mitgliedschaft spiegelt<br />
ja die weltweite &quot;digital divide&quot; wieder. Aber die digitale Spaltung der<br />
Gesellschaft ist, wie wir aus den Studien der NTIA in den USA wissen, ein<br />
Problem, das nicht in das alte Nord-Süd Schema passt sondern auch quer durch<br />
die entwickelten Industriegesellschaften geht. Und auch in Deutschland wird<br />
sich die &quot;digital divide&quot; an den &quot;arm-reich&quot; und &quot;gebildet-ungebildet&quot; Polen<br />
aufbauen. Die Regierungen dieser Welt müssen sich zusammen mit ICANN darüber<br />
Gedanken machen, wie sie den &quot;Rest der Welt&quot; online bringen. UN-Generalsekretär<br />
Kofi Annan hat bei der jüngsten ITU World Telecom in Genf in<br />
Erinnerung gerufen, daß die 200 Millionen Internet-Nutzer von heute ganze<br />
drei Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Zugang zum Internet wird aber<br />
einmal mit zu den &quot;basic needs&quot; gehören, auf die der Mensch nach der<br />
UN-Menschenrechtsdeklaration von 1948 einen natürlichen Anspruch hat.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Mehrere Teilnehmer der Konferenz haben die Befürchtung<br />
geäußert, einige Länder könnten auf Grund sprachlicher, technischer und kultureller Faktoren<br />
gehindert sein, (voll) am Prozess teilzunehmen. Was wird unternommen, um diesem Problem zu begegnen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Ein schwieriges Problem. Läßt man den Prozeß einfach laufen wie bislang,<br />
wird die Ausgrenzung von Sprach- und Kulturräumen voranschreiten. Man muß<br />
also bewusst gegensteuern. Ob dies ICANN alleine kann, sei dahin gestellt.<br />
Hier sind natürlich auch die betroffenen Länder, ihre Regierungen und<br />
Gesellschaften selbst gefordert. ICANN ist nicht wie oft fälschlicherweise<br />
dargestellt, ein geschlossener Club, sondern &quot;offen für alle&quot; wie einst die<br />
Nikolaikirche zu Leipzig vor der Wende 1989. Man muss nur hingehen um an der<br />
Revolution teilzuhaben. Mit der Bildung der aus elf regionalen Gruppen<br />
bestehenden &quot;Membership Implementation Task Force&quot; versucht ICANN zu tun,<br />
was notwendig ist. Ob dies hinreichend ist, und ob es funktioniert, ist aber<br />
unklar.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Einige Direktoriumsmitglieder zeigen mitunter ein elitäres<br />
Politikverständnis, wenn sie deutlich machen, dass sie am liebsten jeglichen<br />
Einfluß von außen &#8211; sei es durch die &quot;einfachen&quot; Mitglieder, sei es durch<br />
nationale Regierungen &#8211; vermeiden würden. Wie beurteilen Sie die Legitimität von ICANN?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Manche amerikanische Kollegen verweisen gerne auf die Situation vor mehr als<br />
200 Jahren, als einige wenige brilliante Köpfe in der &quot;Hall of Independence&quot;<br />
in Philadelphia saßen und die Verfassung der USA ausarbeiteten. 90 Prozent<br />
der Bevölkerung sei damals ausgegrenzt gewesen oder hätten sich überhaupt<br />
nicht dafür interessiert. Sklaven war die Beteiligung an den Wahlen ganz<br />
verunmöglicht. Dennoch sei die US-Verfassung so etwas wie eine Bibel<br />
demokratischer Werte. Natürlich hinkt der Vergleich. Richtig ist aber, dass<br />
die Prinzipien und Strukturen, die jetzt im ICANN Prozess geschaffen werden,<br />
weitreichende Folgen haben für die zukünftige globale<br />
Informationsgesellschaft werden. Insofern ist die Frage der Legitimität von ICANN<br />
schon von erheblicher Bedeutung, vielleicht ist sie sogar die<br />
Schlüsselfrage. Ich persönlich plädiere für eine Art Mischung von<br />
repräsentativer und direkter Demokratie, von &quot;bottom-up&quot; und &quot;top-down&quot;.<br />
Juristisch betrachtet läuft das auf ein globales System von Ko-Regulierung<br />
hinaus, wo Regierung und Wirtschaft sich kooperativ abstimmen. Zukünftig<br />
wird weder &quot;governmental regulation&quot; noch &quot;industry self-regulation&quot; allein<br />
in der Lage sein, stabile, effektive und gerechte Verhältnisse zu schaffen.<br />
Es muss, zumindest beim gegenwärtigen Zustand der Welt, zu einer Kombination<br />
kommen. Und selbst dies ist eigentlich nicht hinreichend, weil der dritte<br />
Partner, der mündige, aktive und kritische Bürger (Citizen, Consumer, User),<br />
auch direkt (und nicht nur über die von ihm gewählte Regierung) einen<br />
Beitrag leisten können muß. Das Thema &quot;public self-regulation&quot; ist bisher<br />
kaum diskutierrt worden, eröffnet aber viele neue Denk- und<br />
Handlungshorizonte.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Vielen Dank für das Gespräch.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Das Interview mit Wolfgang Kleinwächter führte Florian Niedlich</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/uncategorized/icann_musste_sich_vom_ersten_tag_an_die_schuhe_im_laufen_zubinden-776/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
