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	<title>Kanada &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Kanada &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Kanada: YouTube-Wettbewerb gegen Copyright-Gesetz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Aug 2008 13:29:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Kanada]]></category>
		<category><![CDATA[Digital Millennium Copyright Act]]></category>
		<category><![CDATA[YouTube]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
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					<description><![CDATA[Kritiker des geplanten kanadischen Urheberrechtsgesetz kämpfen an allen möglichen Fronten des Web 2.0 - dem sozialen Netzwerk Facebook, der Videoplattform YouTube und Online Enzyklopädien- so genannten Wikis. Ihr Vorwurf: der Gesetzesentwurf sei eine Adaption des umstrittenen amerikanischen Digital Millennium Copyright Act (DMCA), wie der kanadische Sender <a href="http://www.ctv.ca/servlet/ArticleNews/story/CTVNews/20080817/copyright_crusade_080817/20080817">CTV </a>berichtet.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Kritiker des geplanten kanadischen Urheberrechtsgesetz kämpfen an allen möglichen Fronten des Web 2.0 &#8211; dem sozialen Netzwerk Facebook, der Videoplattform YouTube und Online Enzyklopädien- so genannten Wikis. Ihr Vorwurf: der Gesetzesentwurf sei eine Adaption des umstrittenen amerikanischen Digital Millennium Copyright Act (DMCA), wie der kanadische Sender <a href="http://www.ctv.ca/servlet/ArticleNews/story/CTVNews/20080817/copyright_crusade_080817/20080817">CTV </a>berichtet.<!--break--></p>
<p>
Der <a href="http://www.theregister.co.uk/2008/06/12/canada_copyright_reform_june_2008/">Hauptkritikpunkt</a> ist, dass dem Gesetzesentwurf zufolge das Umgehen digitaler Kopierschutzsysteme illegal wird. Somit wäre beispielsweise das Überspielen von kopiergeschützten CDs auf den MP3-Player verboten. Genau dies abwenden will der Anführer des Protestes, <a href="http://www.michaelgeist.ca/">Michael Geist</a>, Professor für E-Commerce und Internetrecht an der Universität in Ottawa.
</p>
<p>
<b><br />
YouTube: Flop</b>
</p>
<p>
Geist rief einen Wettbewerb auf der Videoplattform <a href="http://www.youtube.com/user/FairCopyright4Canada">YouTube</a> ins Leben, bei dem die Gegner des Gesetzes per Video ihre Kritikpunkte anbringen sollen.  Der Sieger soll am 15. September gekürt werden, während gleichzeitig das Parlament über das Gesetz berät. Bisher sind allerdings lediglich <a href="http://www.youtube.com/view_play_list?p=8C9879137D81BADC">acht Videobeiträge</a> bei YouTube auffindbar.
</p>
<p>
<b><br />
Facebook: Top</b>
</p>
<p>
Anders steht es mit der von Geist gegründeten Facebook-Gruppe &quot;Fair Copyright in Kanada&quot;, die mittlerweile 90 000 Mitglieder zählt. Aufgrund der Größe bildeten sich Stadt-Untergruppen, die teilweise eigene Wikis angelegt haben. Der Online-Protest verlagert sich indes auch auf die Straße, denn die Demonstranten organisieren über ihre Blogs gemeinsame Kundgebungen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wettbewerb um letzte Rohstoffreserven&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wettbewerb-um-letzte-rohstoffreserven-3899/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 May 2008 18:19:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Grönland]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Dienstag, den 27. Mai 2008, war Alexander Rahr, Experte für Russland und Energiepolitik bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Konferenz der Nordpol-Anrainerstaaten und über die russische Energiepolitik.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag, den 27. Mai 2008, war Alexander Rahr, Experte für Russland und Energiepolitik bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Konferenz der Nordpol-Anrainerstaaten und über die russische Energiepolitik.<!--break--> </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Im ARD-Hauptstadtstudio ist<br />
heute unser Chat-Gast Alexander Rahr. Alexander Rahr ist bei der<br />
Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik unter anderem<br />
zuständig für Energiepolitik und Russland und hat das Buch<br />
„Russland gibt Gas&quot; geschrieben &#8211; also der richtige Mann für<br />
eine Diskussion über das strategische Wettrennen um Einfluss und<br />
Öl am Nordpol. Vielen Dank, dass Sie zum Chat gekommen sind und<br />
hier die erste Frage:
</p>
<p><b></b></p>
<p>
<b>phlo:</b><br />
Wieso entdecken die Anrainerstaaten des Nordpols erst jetzt seine<br />
wirtschaftliche und politische Brisanz?
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="/wp-content/uploads/arahr250_0.jpg" alt="Alexander Rahr " title="Alexander Rahr" height="212" width="250" />
</div>
<div style="text-align: center">
<i>Alexander Rahr </i>
</div>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Die Rohstoffvorkommen am Nordpol sind sehr sehr schwer zu<br />
fördern. Vor einigen Jahren hat man eine Förderung von Öl<br />
und Gas am Nordpol als utopisch angesehen. Jetzt sind die Preise so<br />
nach oben gesprungen, dass sich wiederum eine Investition in diese<br />
schwierige Förderungsstruktur lohnt. Außerdem hat Russland<br />
hier Gas gegeben und andere Staaten vor gewisse Fakten gestellt.<br />
Russland sagt, dass die Öl- und<br />
Gasreserven in der größten Nordpolregion auf dem<br />
russischen Festlandssockel liegen würden, deshalb nicht einer<br />
internationalen Kontrolle unterstehen und Russland sie alleine<br />
fördern möchte. Das hat eine<br />
Anti-Reaktion im Westen hervorgerufen. Es findet jetzt eine Konferenz<br />
statt, die versuchen wird, die Ungereimtheiten zu lösen.
</p>
<p>
<b>Rose:</b><br />
Warum ist ein unterseeischer Festlandrücken für einen<br />
Gebietsanspruch ausschlaggebend?
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Das internationale Recht weist noch Lücken auf. Aber<br />
das ist die Frage, die jetzt wahrscheinlich auch auf der Konferenz<br />
beantwortet werden muss, inwieweit sich diese vermuteten<br />
Rohstoffvorkommen in der Tat auf diesem Festlandsockel befinden oder<br />
nicht. Es ist eine Diskussion, die jetzt von Fachleuten geführt<br />
werden muss, und möglicherweise werden zwei gegensätzliche<br />
Vorstellungen aufeinander stoßen. Möglicherweise die<br />
russische und die norwegische. Aber nach dem bekannten Modell im<br />
internationalen Recht kann schon ein Staat auf dessen Festlandsockel<br />
sich Ressourcen befinden, diese für sich in Anspruch nehme, auch<br />
wenn der Sockel sich auf dem Meer weit unter Wasser befindet. Deshalb<br />
muss die Konferenz die Frage eindeutig klären, ob sich die<br />
Ressourcen tatsächlich auf einem solchen Festlandsockel befinden<br />
oder nicht. Die Definition wird sehr schwierig.
</p>
<p>
<b>&quot;Es gibt noch keinen Präzedensfall&quot; </b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Falls Sie das für sich sagen können: </p>
<p><b>Benutzername:</b><br />
Zu wem gehört der Lomonossow-Rücken denn Ihrer Meinung<br />
nach, zu Russland oder zu Dänemark?</p>
<p><b>Alexander<br />
Rahr</b>: Die Frage ist wirklich sehr, sehr schwer zu lösen,<br />
weil erst jetzt die internationale Gemeinschaft nach vielen Jahren<br />
anfängt, sich mit dieser Frage zu beschäftigen.<br />
Wahrscheinlich ist das so ein typischer Aspekt, wo alle Seiten<br />
irgendwie Recht haben. Die Gegend des Nordpols ist juristisch nicht<br />
eindeutig definiert.
</p>
<p>
<b>phlo:</b> Gibt<br />
es bereits vergleichbare Streitigkeiten, eine Art Präzedenzfall?
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Es gibt im Vergleich zu diesem Fall heute keinen<br />
eindeutigen Präzedenzfall. Jedenfalls nicht einer, der in der<br />
jüngsten Geschichte irgendwie erkennbar war. Deshalb ist die<br />
Suche nach einem Lösungsansatz, der für alle Seiten<br />
annehmbar ist, auch relativ schwierig. Ich vermute, dass die<br />
Entwicklung in der Nordpolregion vor allem auch deshalb so schwierig<br />
zu definieren ist, weil die geologische Erforschung dieses Gebietes<br />
hier auch nicht hundertprozentig stattgefunden hat.</p>
<p><b>Moderator</b>:<br />
Das heißt auch, es gibt noch keine Sicherheit, wie groß<br />
die Ölvorräte dort möglicherweise sind?</p>
<p><b>Alexander<br />
Rahr</b>: Es gibt Vermutungen, aber keine verlässlichen Angaben.<br />
Vielleicht gibt es geheime Angaben, die die russische Seite und die<br />
amerikanische Seite gestützt auf Satellitenaufklärung<br />
vorliegen haben. Aber eines steht fest: Der Wettbewerb um die<br />
Kontrolle des letzten großen bedeutenden Rohstoffreservoirs<br />
unseres Planeten hat begonnen. Das Zeitalter der Renaissance der<br />
Ressourcen ist eingeläutet. Und<br />
Russland möchte seinen Status als Energiesupermacht festigen.<br />
Eine Kontrolle über den Lomonossow-Festlandsockel wird Russland<br />
in die Situation bringen, dass es zu seinen fast unerschöpflichen<br />
Reserven noch weitere große Gasfelder hinzuaddieren könnte.
</p>
<p>
<b>&quot;Russland ist noch keine hunderprozentige Energiesupermacht&quot; </b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Dann wäre Russland die Energie-Supermacht der Zukunft.
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Russland versucht, seinen Weltmachtstatus durch seine<br />
Energiereserven und eine Energieaußenpolitik zu festigen.<br />
Allerdings ist Russland noch keine hundertprozentige<br />
Energiesupermacht, weil es alleine diesen Status nicht erheben kann.<br />
Es wird für Russland von großer Bedeutung sein, inwieweit<br />
es andere erdgasproduzierende Länder in seine<br />
Energieaußenpolitik einbinden kann. Russland<br />
versucht derzeit zusammen mit den zentralasiatischen Staaten und<br />
möglicherweise mit dem Iran eine Gas-OPEC zu begründen, die<br />
dann natürlich für den Westen eine enorme Herausforderung<br />
werden würde. Diese OPEC könnte schon im Oktober 2008<br />
stehen.
</p>
<p>
<b>lebe!:</b><br />
Besteht eine realistische Chance, dass Russland aus einer Förderung<br />
von fossilen Brennstoffen am Pol ein ähnliches<br />
energiepolitisches Gewicht bekommt wie es heute die OPEC hat? Und wie<br />
wird der Rest der Welt reagieren? Hat Russland die Mittel und den<br />
Willen seine Interessen mit (begrenzten) bewaffneten Konflikten<br />
durchzusetzen? Wie groß ist die Gefahr, dass daraus ein offener<br />
Krieg direkt vor der europäischen Haustür ausbricht?
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Ich rechne nicht mit kriegerischen Auseinandersetzungen<br />
oder einem neuen dritten Weltkrieg um Öl und Gas. Aber völlig<br />
abwegig ist diese Vorstellung keinesfalls. Was<br />
früher als unmöglich galt, wird heute eine Tatsache,<br />
nämlich dass die Länder, die über Energieressourcen<br />
verfügen, heute in der Lage sind, die künftige Weltordnung<br />
zu kreieren. Russland gehört zu diesen Staaten genauso wie<br />
andere Staaten des mittleren Ostens und die USA. Die EU verliert in<br />
dieser Konstellation an Macht. Nichtsdestotrotz wird gerade die<br />
Europäische Union von Energieimporten aus nicht-demokratischen<br />
Ländern, die aber über Energieressourcen verfügen,<br />
abhängig werden. Wir haben erst seit wenigen Monaten begriffen,<br />
in welcher Lage wir sind. Und aus Sicht der russischen Führung<br />
und aus Sicht der Regierung von Venezuela oder Algerien oder dem Iran<br />
oder auch Turkmenistans scheint es legitim zu sein, die neuen<br />
Instrumente (Waffen will ich hier nicht sagen) als Machtfaktoren in<br />
der künftigen Weltordnung einzusetzen. Schauen Sie unsere<br />
Reaktionen darauf an: Die CDU in Deutschland debattiert<br />
beispielsweise über die Stärkung des<br />
Bundessicherheitsrates, der, wenn es nach einigen führenden<br />
CDU-Politikern gehen sollte, auch für die Sicherung der<br />
Energietransportwege in den Westen zuständig sein soll.
</p>
<p>
<b>Sarana:</b><br />
Welche Ergebnisse erwarten Sie von der Nordpolkonferenz? Welche<br />
Ansprüche werden sich durchsetzen?
</p>
<p>
<br />
<b>Alexander Rahr</b>:<br />
Meiner Meinung nach wird diese Konferenz die Expertenebene nicht<br />
verlassen. Es werden unterschiedliche Dokumentationen vorgelegt. Die<br />
endgültigen Entscheidungen, wenn diese überhaupt noch<br />
möglich sind, über die Aufteilung der Ressourcen am Nordpol<br />
kann eigentlich nur die UNO regeln.
</p>
<p>
<b>Rechtsstatus des Nordpols ist noch unklar</b>
</p>
<p>
<b>Ato:</b> Was sagt denn<br />
die UN zu den Ansprüchen der Staaten? </p>
<p><b>Alexander Rahr</b>:<br />
Die UNO besteht aus unterschiedlichen Staaten und die UNO spricht mit<br />
zahlreichen Stimmen. Wir müssen die Ergebnisse dieser und vieler<br />
anderer Konferenzen abwarten, bis wir einen Überblick darüber<br />
haben wie der Rechtsstatus der Rohstoffreserven, der fossilen<br />
Reserven, in der Nordpolregion dokumentiert und später auch<br />
formal aussehen kann.</p>
<p><b>Baum:</b> Ist es nicht möglich,<br />
die Nordpolgebiete unter internationale Verwaltung zu stellen?
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Das ist ein strittiger Punkt. Sie stehen im Prinzip unter<br />
internationaler Verwaltung. Aber der Nordpol ist eine terra<br />
incognita, in der die Ausbeutung von Bodenschätzen noch nicht<br />
richtig beginnen konnte. Das Hissen der<br />
russischen Fahne auf dem Meeresgrund im August letzten Jahres zeugt<br />
aber davon, dass die Russen Teile der internationalen Gewässer<br />
eben als eigenes Territorium betrachten, weil nach neuen geologischen<br />
Erkenntnissen russischer Forscher der oben erwähnte<br />
Lomonossow-Festlandsockel weit in die Tiefe des Meeres reicht und<br />
alles, was sich in diesem Festlandssockel befindet, dann nicht unter<br />
internationaler Kontrolle, sondern unter der Kontrolle Russlands<br />
steht.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Für die Antarktis wurde 1959 ein Vertrag abgeschlossen, der<br />
Gebietsansprüche und Ausbeutung zumindest „eingefroren&quot; hat.<br />
Halten Sie einen solchen Vertrag auch für die Arktis denkbar?<br />
Also ein Moratorium, damit man erst einmal zehn oder zwanzig Jahre<br />
Zeit zur Lösung des Konflikts bekommt?
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Das war ja der Sinn der Sache, erst mal zu warten und nach<br />
den geologischen Erkenntnissen Ausschau zu halten. Kein Staat sah<br />
sich damals auch finanziell in der Lage die Energiereserven<br />
auszubeuten. Daneben verfügen, wie gesagt, Länder wie USA<br />
oder Russland über ganz andere Reserven, Öl- und Gasfelder,<br />
die viel einfacher und viel billiger zu fördern sind.
</p>
<p>
Ich denke, das<br />
symbolische Hissen der russischen Fahne im August letzten Jahres hat<br />
aber nicht nur symbolisch einen Wettbewerb &#8211; um das milder zu<br />
formulieren &#8211; um die letzten großen vermuteten<br />
Energierohstoffreserven provoziert. Wenn die USA, Norwegen, Dänemark<br />
jetzt nicht reagiert hätten, hätte Russland die Welt vor<br />
vollendete Tatsachen gestellt. Ich glaube dass die Gas- und<br />
Ölreserven des Nordpols auch in den nächsten zehn Jahren<br />
von niemandem wirklich gefördert werden können. Dazu<br />
müssten die Bohrtechnik und die Fördertechnik noch<br />
ausgereifter werden. Aber der Versuch, sich der Kontrolle dieser<br />
Ressourcen heute zu sichern, ist auch ein Bestandteil der<br />
Energiegeopolitik deren Auswirkungen wir alle bald zu spüren<br />
bekommen werden.
</p>
<p>
<b>&quot;Russland versteht sich mehr und mehr als Nationalstaat&quot; </b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Zur internationalen Bedeutung haben Sie ja schon etwas gesagt, ich<br />
würde die folgende Frage daher gerne erweitern mit dem Nachsatz<br />
„in der russischen Öffentlichkeit&quot;.</p>
<p><b>Benutzername:</b><br />
Wie viel tatsächliche Bedeutung kommt Russlands symbolischem Akt<br />
zu, seine Flagge im Polarmeer zu hissen?
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Wir wissen, dass Russland sich heute mehr und mehr als<br />
Nationalstaat versteht mit einem ganz &#8211; vielleicht immer radikaler<br />
werdendem &#8211; Nationalstolz. Wenn sie die russische Öffentlichkeit<br />
ansprechen, so wollen die meisten Russen nach allen Umfragen heute<br />
als Großmacht respektiert werden. Nach den Demütigungen<br />
der 90er Jahre sind solche Symbolhandlungen wie das Hissen der<br />
russischen Fahne auf dem Meeresboden des Nordpols Balsam für die<br />
russische Seele.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Was waren die Demütigungen der 90er Jahre &#8211; können Sie das<br />
noch näher erläutern?
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: In den 90er Jahren wachten die Russen von einem Tag auf den<br />
anderen auf und sahen, dass sie einen Drittel ihrer Territorien des<br />
alten russischen Reiches verloren hatten. Die Ersparnisse des alten<br />
sowjetischen Mittelstandes waren über Nacht ausradiert, Russland<br />
und seine Wirtschaft von westlicher Unterstützung und<br />
Finanzkrediten zu hundert Prozent abhängig. Radikale Ideen<br />
geisterten in den Köpfen der Eliten. Die NATO wurde zwei Mal bis<br />
fast an die Grenzen Russlands erweitert. Russland ist heute so klein<br />
wie in der Zeit Peter des Großen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Eine Meinung von:</p>
<p><b>waterwalk:</b> Wenn Russland als<br />
Großmacht respektiert werden will, sollte es sich mal offener<br />
und selber respektvoller gegenüber anderen Staaten verhalten.<br />
Irgendwie missbillige ich diese arrogante Art, die die letzten Jahre<br />
unter Putin an den Tag gelegt wurden. Ich hoffe, dass eher ein<br />
Zusammenspiel mit der EU angestrebt wird, anstatt einer einseitigen<br />
Abhängigkeit. Dies wird auf Dauer allen schaden. </p>
<p><b>Alexander<br />
Rahr</b>: Ich glaube es ist das Problem, von welcher Seite man die<br />
Sache sieht. Genau das, was unser verehrter Leser den Russen<br />
vorwirft, werfen die Russen uns vor: Dass wir russische legitime<br />
Interessen in der Außen- und Wirtschaftspolitik Russlands<br />
völlig ignorieren. Dass wir Russland in unser Wertesystem<br />
hineinzwingen möchten, in das es nicht hinein will. Dass wir<br />
Westler alle arrogant sind und Russland ständig nur belehren.<br />
Aber ich muss jetzt ganz klar unterstreichen, dass aus meiner Sicht<br />
einseitige Abhängigkeiten nicht entstehen werden. Die Russen<br />
brauchen Europa und den Westen als Konsumenten für ihre<br />
Energieprodukte, denn wir zahlen für russisches Gas und Öl<br />
hohe Preise. Und das Geld benötigt Russland, um sich in den<br />
nächsten zwanzig bis dreißig Jahren auf unseren Stand zu<br />
modernisieren.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Hat sich eigentlich mit dem Präsidentenwechsel in dieser<br />
Strategie etwas geändert?
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Das ist noch nicht ersichtlich. Medwedjews Besuch in Berlin<br />
in der nächsten Woche wird möglicherweise mehr Klarheit<br />
schaffen. Aber aus der Wahlkampagne des neuen Präsidenten wissen<br />
wir, dass er eine liberalere Sicht der Wirtschaft hat als Putin.<br />
Gerade die deutsche Regierung sieht in Medwedjew einen wichtigen<br />
Modernisierungspartner. Man glaubt mit ihm die strategische<br />
Partnerschaft im Sinne Europas vertiefen zu können. Die<br />
große Frage ist, wie unabhängig wird Medwedjew sein unter<br />
einem übermächtigen Premier Putin.
</p>
<p>
<b>Russland versteht Schelte für Schröder nicht</b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Bundeskanzler Schröder wurde schwer gescholten für sein<br />
Engagement für eine Ostesseepipeline. Ist das aus russischer<br />
Sicht nachvollziehbar?
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: In Russland versteht man nicht, wieso Deutschland seinen<br />
alten Kanzler so arg gescholten hat für sein Engagement für<br />
die Ostseepipeline. Russland hat seine eigene Sicht auf die<br />
Diversifizierung seines Energieexports. Das russische Argument<br />
lautet: Wir brauchen eine Pipeline, die unser Gas direkt an die<br />
sicheren Konsumenten, wie Deutschland, liefert, weil die<br />
herkömmlichen Leitungswege über Ukraine und Weißrussland<br />
unsicher geworden sind. In Europa<br />
herrscht derweilen ein Krieg über die Verlegung neuer Pipelines.<br />
Der Status der „Energiesupermacht&quot;, den Russland für sich<br />
anstrebt, kann nicht nur durch nachgewiesene Reserven an Öl- und<br />
Gas gewonnen werden, sondern man muss auch die notwendigen Wege<br />
finden, um die Energieressourcen an die Konsumenten zu liefern.<br />
Es gibt aber auch andere Staaten in der<br />
Europäischen Union, zu denen gehört Deutschland, die diesen<br />
machtpolitischen Ansatz nicht teilen und für eine größtmögliche<br />
Diversifizierung eintreten. Ich finde es<br />
ist sehr wichtig, wenn wir russisches Gas über die<br />
Ostseepipeline, aber auch über die Druschba-Pipeline über<br />
Mittelosteuropa bekommen. Inzwischen geistert schon der Begriff<br />
„Energie-NATO&quot; in der westlichen Öffentlichkeit herum. Man<br />
spricht von Solidarität mit den Staaten, denen möglicherweise<br />
das Gas und Öl irgendwann einmal abgedreht werden könnte.<br />
Die USA drohen vehement mit Sanktionen<br />
gegenüber den Staaten, die ein Gaskartell errichten wollen. Sie<br />
sehen: Wir werden in der Zukunft möglicherweise vor großen<br />
Herausforderungen stehen.</p>
<p><b>Moderator</b>:<br />
Die Strategie in Sachen Transport der Energie ist also genauso<br />
wichtig die Förderung. </p>
<p><b>Alexander<br />
Rahr</b>: Das eine kann ohne das andere nicht existieren.<br />
Pipelines werden in den nächsten zehn bis<br />
fünfzehn Jahren weiterhin die Haupttransportader für den<br />
Weg nach Europa sein. Ob irgendwann einmal die Möglichkeit<br />
bestehen wird, Flüssiggas so wie Öl per Tanker aus dem<br />
Persischen Golf oder Lateinamerika nach Rotterdam oder Hamburg zu<br />
schaffen, ist eine noch nicht hundertprozentig gelöste<br />
technische Frage.  Also werden wir<br />
weiterhin auf das bewährte Pipelinesystem bauen müssen.<br />
Allerdings werden ökologische Aspekte, siehe Umweltverschmutzung<br />
durch möglicherweise lecke Pipelines in der Ostsee oder am<br />
schwarzen Meer oder in der kaspischen See, an Aktualität<br />
gewinnen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Dass Energie teuer wird, haben inzwischen alle gemerkt. Haben Sie das<br />
Gefühl, dass a) die deutsche und b) die europäischen<br />
Politiker die Brisanz der künftigen Energieversorgung schon in<br />
vollem Umfang erkannt haben?
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Nein, wir erwachen langsam aus unserem Dornröschenschlaf.<br />
Noch vor zweieinhalb Jahren haben wir die Ausmaße des heutigen<br />
Krieges um Energiepipelines überhaupt nicht im Visier gehabt.<br />
Wir haben auch den langjährigen Gaskonflikt zwischen Moskau und<br />
Kiew überhaupt nicht beachtet. Die Preissteigerung auf den<br />
Energiemärkten, die 1999 begann, hat alle Experten überrascht.<br />
Bis heute sind die Ursachen für diese rapide Preissteigerung<br />
nicht hundertprozentig klar. Es scheint, dass der größte<br />
Auslöser der hohen Energiepreise der Energiehunger der<br />
chinesischen und indischen Wirtschaften war. Aber auch die politische<br />
unklare Lage im Nahen und Mittleren Osten, verschärft durch die<br />
Kriege nach dem 11. September 2001, hat nicht zur Stabilität auf<br />
den Weltenergiemärkten geführt. Es herrscht teilweise auch<br />
im Westen eine Schönrederei. Zum Beispiel im Verhältnis zu<br />
Russland. Es gibt Experten, die behaupten dass die Energiepreise bald<br />
wieder unter 20 Dollar pro Barrel sinken werden und es dann mit der<br />
russischen Arroganz vorbei ist. In meinem Buch „Russland gibt Gas&quot;<br />
folge ich einer anderen Argumentation, die sagt, dass die<br />
Energiepreise eher noch steigen werden. Ein Land wie Russland sitzt<br />
auf unermesslichen Öl- und Gasreserven. Wir kritisieren und<br />
schimpfen auf Russland, das es nicht genug Öl- und Gas fördert.<br />
Aber im Kreml sitzen gewiefte Schachspieler. Eiskalt wird nur das<br />
gefördert, was heute verkauft werden kann. Indirekt werden die<br />
Preise dadurch hoch gehalten. Auf dem Gasmarkt agiert Russland<br />
genauso wie die OPEC-Staaten im Bereich Öl. Russland wird nur<br />
dann mehr fördern, wenn es für sein Gas und Öl noch<br />
mehr Geld bekommt. Und in Russland rechnet man, dass der Höhepunkt<br />
des Öl- und Gaszeitalters um das Jahr 2025 erreicht werden wird.<br />
Dann wird Russland in der Tat seinen Energiesupermachtstatus<br />
manifestieren.
</p>
<p>
<b>&quot;Wir hätten pragmatischer sein sollen&quot; </b>
</p>
<p>
<b>Klops:</b> Sie sprechen von<br />
„Dornröschenschlaf&quot;. Welche Reaktionen wären denn<br />
angemessen gewesen?
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Ich will nicht zynisch klingen: Aber diese unsägliche<br />
Debatte über gemeinsame Werte gegenüber Russland und China<br />
ist aus meiner Sicht noch ein Nachwirken der romantischen Phase der<br />
90er Jahre, als der Westen sich als der große Sieger im Kalten<br />
Krieg betrachtete. Aus meiner Sicht hätten wir die<br />
Energieallianz mit Staaten wie Russland aber auch Kasachstan und<br />
Turkmenistan viel pragmatischer, vielleicht auch aus unserer Sicht<br />
eiskalt, vorantreiben müssen. Heute<br />
beharren wir im Umgang mit Russland auf Gesetzesrahmenbedingungen der<br />
90er Jahre, in die wir die energieproduzierenden Länder<br />
hineinpressen wollten. Aber die Welt<br />
verändert sich, so dass wir unser Regelwerk, mit dem wir in den<br />
90er Jahren stark waren, im 21. Jahrhundert nicht mehr punkten<br />
können. Nehmen wir zum Beispiel die<br />
Energie-Charta: Noch heute fordern die naiven Europäer von<br />
Russland, dass Moskau die Kontrolle über seine Energiepipelines<br />
einer internationalen Obrigkeit unterstellt. Diese<br />
Energie-Charta, die das einfordert, wird aber auch von Amerika und<br />
Norwegen und auch von Algerien und anderen Öl- und Gas<br />
fördernden Ländern nicht unterschrieben. Wir<br />
müssen uns schleunigst auf Kompromisse einigen und ein Regelwerk<br />
errichten, indem wir die Konsumenten, die Produzenten und die<br />
Transiteure in der Energieweltwirtschaft auf eine Stufe stellen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Die Schlussfolgerung heißt:
</p>
<p>
<b>Dann:</b> Dann<br />
wird die Abhängigkeit des Westens von Russland wachsen?
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Objektiv scheint es so zu sein. Aber Russland würde<br />
sich zu früh freuen, wenn es eine solche Abhängigkeit<br />
Europas von Moskau anstreben würde. Der<br />
Westen ließ sich auch von der arabischen OPEC in den 70er<br />
Jahren nicht unterkriegen. Über die gemeinsamen Abhängigkeiten<br />
zwischen Produzenten und Konsumenten haben wir ja schon gesprochen.<br />
Wenn unsere Abhängigkeiten von Russland so<br />
groß werden würden, dass Moskau die europäische<br />
Politik diktieren könnte, würden die Europäer<br />
Milliarden ausgeben, um alternative Energiequellen zu erforschen.<br />
Man würde das Ende des Gaszeitalters<br />
einläuten und zur Atomkraft zurückkehren, was Länder<br />
wie Italien und Frankreich schon längst tun. Aber<br />
man muss nicht immer nur das Schlechte denken. Das russische oder das<br />
algerische oder das turkmenische Erdgas ist eine der saubersten<br />
Energiequellen, die es heute gibt. Es ist relativ leicht zu gewinnen<br />
und über Pipelines relativ leicht zu befördern.<br />
Anstatt den Faktor Gas so zu politisieren,<br />
sollten wir versuchen, im möglichen Rahmen zu kooperieren. Ich<br />
finde es sehr wichtig, dass gerade deutsche, französische,<br />
italienische Energiefirmen inzwischen zusammen mit Gasprom direkt an<br />
der Förderung russischer Energieträger beteiligt sind.<br />
Dieser Prozess muss noch weiter verstärkt<br />
werden. Aber man muss auch die Russen verstehen, die als<br />
Gegenleistung für die Öffnung ihres Marktes ihre Konzerne<br />
wie Gasprom stärker auf westlichen Konsummärkten platzieren<br />
möchten. Aber auch diese Debatte ist bei uns höchst<br />
politisiert.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Typisch deutsche Diplomatie ist ja das Vermeiden von lauten Worten<br />
und offenem Streit und das Verhandeln hinter den Kulissen. Ist das<br />
für die Bundesregierung der richtige Weg im Umgang mit Russland?
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Ich will schon wieder nicht zynisch klingen: Wenn es in<br />
Russland in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens und der<br />
Politik noch eine Rechtlosigkeit gibt, muss das angesprochen werden.<br />
Aber ich denke nicht auf Kosten einer sehr<br />
wichtigen Zusammenarbeit in anderen wirtschaftlichen, politischen<br />
Bereichen, von der die Stabilität Europas und möglicherweise<br />
auch der Weltfrieden abhängen. Das<br />
heißt nicht, dass wir den Russen den Strick verkaufen, an dem<br />
sie uns dann aufhängen. Es geht darum, dass man auch mit<br />
Ländern, die ein anderes Wertesystem haben als das unsrige,<br />
vernünftige Kooperationen zusammenbringt. Ich<br />
wage die folgende These: Hätte es in Russland Ende der 80er<br />
Jahre nicht diesen radikalen Bruch von Kommunismus in Richtung<br />
Demokratie gegeben, hätte es mit anderen Worten die<br />
„Gorbatschows Perestroika&quot; nicht gegeben, hätte Russland den<br />
chinesischen Weg der Transformation aus der kommunistischen Ideologie<br />
und Planwirtschaft Richtung Kapitalismus und Demokratie gewählt.<br />
Die 90er Jahre wären von einem<br />
autoritäreren Führungsstil im Kreml viel stärker<br />
geprägt gewesen. Aber es hätte vielleicht nicht wie jetzt<br />
im 21. Jahrhundert einen Rückschlag in Sachen Demokratie in<br />
Russland gegeben. Was ich damit sagen<br />
will ist, dass Russland uns vielleicht in den 90er Jahren eine<br />
Demokratie vorgemacht hat, die wir als Durchbruch Russlands zum<br />
Westen betrachteten, die aber in Wirklichkeit nur auf Sand gebaut<br />
war. Ich bin wirklich alles andere als<br />
ein Rassist. Aber in meinen monatlichen Reisen nach Russland in den<br />
letzten zehn bis fünfzehn Jahren stelle ich nüchtern fest,<br />
dass in einem Land wie Russland, in dem es nie Demokratie gab, das<br />
Verständnis für das, was wir als liberale Werte empfinden,<br />
in breiten Teilen der Bevölkerung nicht vorhanden<br />
ist.
</p>
<p>
<b>Deutschland als Russlands Anwalt gegenüber dem Westen </b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Zum<br />
Abschluss noch das Ergebnis unserer kleinen Umfrage, die wir im Chat<br />
gemacht haben: „Glauben Sie, dass sich die Nordpol-Anrainerstaaten<br />
über die Ressourcen-Ausbeute einigen werden?&quot; Nur ein Achtel<br />
glaubt daran, 86 Prozent nicht.
</p>
<p>
<b>Alexander<br />
Rahr</b>: Der Besuch von Medwedew in Deutschland am 5. Juni wird<br />
keine neue Ära der Freundschaft in den Beziehungen einleiten.<br />
Aber es ergeben sich neue Chancen einer Vertiefung der strategischen<br />
Partnerschaft. Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig, dass die Russen<br />
Deutschland weiterhin als einen ihrer Anwälte gegenüber dem<br />
Westen betrachten. Und ich finde, dass Frau Merkel trotz ihrer<br />
zögerlichen Haltung gegenüber Russland diese Anwaltsrolle<br />
weiter spielen wird, so wie Helmut Kohl und Gerhard Schröder vor<br />
ihr. Und diese Anwaltsrolle wird es auch ermöglichen, dass<br />
letztendlich, das will ich hoffen, nicht nur ein loser Energiedialog,<br />
sondern eine feste Energieallianz zwischen der Europäischen<br />
Union und Russland entsteht.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Das<br />
waren 60 Minuten tagesschau-Chat. Mein Name ist Wolfram Leytz.<br />
Herzlichen Dank, Herr Rahr, dass Sie Zeit für die Diskussion mit<br />
den Lesern von tagesschau.de und politik-digital.de zu diesem<br />
zukunftsträchtigen Thema hatten. Das Protokoll des Chats gibt&#8217;s<br />
wie immer in Kürze auf den Websiten von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de. Das tagesschau-Chat-Team wünscht allen noch<br />
einen schönen Abend!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Von Kanada Internetdemokratie lernen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/von-kanada-internetdemokratie-lernen-3545/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[rlindner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Nov 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Kanada]]></category>
		<category><![CDATA[eParticipation]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Konsultationen]]></category>
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					<description><![CDATA[Online-Bürgerbeteiligung ist kein Selbstläufer. Wie es funktioniert, kann man von den Kanadiern lernen. Das Wichtigste: Pseudo-Debatten schrecken ab und ein Zugang für alle sowie transparente Spielregeln sind wichtig.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Online-Bürgerbeteiligung ist kein Selbstläufer. Wie es funktioniert, kann man von den Kanadiern lernen. Das Wichtigste: Pseudo-Debatten schrecken ab und ein Zugang für alle sowie transparente Spielregeln sind wichtig.<br />
<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Da die Durchführung der Online-Konsultationen in Kanada den<br />
einzelnen Ministerien obliegt, existiert kein regierungseinheitliches<br />
Prozedere. Beispielhaft sei auf die internetbasierten Policy-Konsultationen<br />
des Außenministeriums verwiesen, da „Foreign Affairs<br />
and International Trade“ als wegweisend in diesem Bereich<br />
innerhalb der kanadischen Bundesregierung gilt.
</p>
<p>
Grundsätzlich sind die Konsultationen des Ministeriums für<br />
die Öffentlichkeit – national wie international –<br />
allgemein zugänglich. Von bestimmten Zielgruppen (Studierende<br />
der internationalen Beziehungen, Wissenschaft und bestimmte Nichtregierungsorganisationen)<br />
wird gezielt Input eingeworben. Ein breiterer Interessentenkreis<br />
wird auf die beginnende Konsultation aufmerksam gemacht.
</p>
<p>
Vor Eröffnung einer Online-Konsultation wird das jeweilige<br />
Thema umfangreich dokumentiert und inhaltlich aufbereitet. Dazu<br />
werden in der Regel Policy-Paper von Wissenschaftlern und Experten<br />
eingeholt, um unterschiedliche Facetten des Themas zu beleuchten.<br />
Auf Grundlage der Hintergrundinformationen und Policy-Paper wird<br />
die Diskussion eröffnet. Die Online-Debatten sind meist drei<br />
Monate aktiv, ein Moderator betreut die Diskussionen.
</p>
<p>
Die Diskussionsbeiträge werden nach Abschluss der Diskussionsphase<br />
vom Ministerium zusammengefasst und zunächst an ausgewählte<br />
Experten zur Kommentierung zugeleitet.<br />
Zusammenfassung, Experteneinschätzung und Position des Ministeriums<br />
werden schließlich auf der Website der Konsultation veröffentlicht,<br />
um den Teilnehmern an der Konsultation Einblick zu geben, was mit<br />
ihrem Engagement bislang geschehen ist.
</p>
<p>
<b>Erfolgsfaktoren</b><br />
Folgende Faktoren werden von den kanadischen Praktikern, die Erfahrungen<br />
mit Online-Konsultationen gesammelt haben, hervorgehoben:
</p>
<p>
Die Spielregeln der Konsultation müssen möglichst klar<br />
und unmissverständlich auf der Website dargestellt werden.<br />
Dies gilt insbesondere für die Funktion des Verfahrens, bei<br />
dem es sich eben nicht um eine unmittelbare Mitentscheidungsgelegenheit<br />
handelt, sondern die Beratung der Regierung im Zentrum steht.<br />
Fragestellung und Gegenstand der Konsultation sollte klar formuliert<br />
sein, um die Diskussion zielgerichtet organisieren zu können.<br />
Größtmögliche Transparenz sollte angestrebt werden.<br />
Dies bezieht sich zum einen auf das Prozedere, zum anderen auf die<br />
Teilnehmer. Bei Themenfeldern, die üblicherweise von professionellen<br />
Lobbyorganisationen bevölkert werden, wird von den Konsultationsteilnehmern<br />
meist eine Erklärung über Verbindungen zu wirtschaftlichen<br />
und politischen Interessen eingeholt.<br />
Die Konsultationen sollten mit ausreichenden Ressourcen ausgestattet<br />
sein. Besonders betont wird dabei die Bereitstellung von Personal,<br />
um Online-Diskussionen aktiv zu begleiten und zu moderieren.
</p>
<p>
Der gesamte Zyklus eines Konsultationsprozesses – von der<br />
inhaltlich-konzeptionellen Vorbereitung bis zur Rückmeldung<br />
an die Teilnehmer über die Ergebnisse des Verfahrens –<br />
muss durchlaufen werden, um Glaubwürdigkeit zu gewährleisten.
</p>
<p>
Und schließlich sollten Konsultationen ohne echtes Bedürfnis<br />
nach Policy-Input erst gar nicht initiiert werden. Derartige Scheinveranstaltungen<br />
werden sehr wahrscheinlich negative Folgen für das Ansehen<br />
der jeweiligen Betreiber nach sich ziehen und eine der erwünschten<br />
Wirkungen – nämlich einen Imagegewinn – ins Gegenteil<br />
verkehren.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Alle Kanadier sind Politikberater</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/alle-kanadier-sind-politikberater-3546/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[rlindner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Nov 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Politikberatung]]></category>
		<category><![CDATA[Kanada]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Konsultation]]></category>
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					<description><![CDATA[Man stelle sich vor, bei der Entwicklung zentraler außenpolitischer Positionen würde Frank-Walter Steinmeier per Internet systematisch um Rat bei den Bürgern nachsuchen – eher unwahrscheinlich? Sein kanadischer Kollege hat es versucht. Ralf Lindner hat bei einem Forschungsaufenthalt in Ottawa recherchiert.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Man stelle sich vor, bei der Entwicklung zentraler außenpolitischer Positionen würde Frank-Walter Steinmeier per Internet systematisch um Rat bei den Bürgern nachsuchen – eher unwahrscheinlich? Sein kanadischer Kollege hat es versucht. Ralf Lindner hat bei einem Forschungsaufenthalt in Ottawa recherchiert.<br />
<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Nimmt man das deutsche Auswärtige Amt (AA) als Referenzpunkt, dem ja nicht selten ein gewisses elitäres Gepräge nachgesagt wird, scheint es in der Tat kaum vorstellbar, dass sich die politische<br />
Führung und die Beamten des auswärtigen Dienstes auf einen ernsthaften Dialog mit den Bürgern einlassen. Klassiche Politikratgeber in Deutschland sind Menschen innerhalb der engeren Policy-Community – üblicherweise bestehend aus AA, den Akteuren auf der internationalen Bühne, einigen Interessenvertretern und den Institutionen der professionellen Politikberatung wie der Stiftung Wissenschaft und Politik.
</p>
<p>
<b>Außenministerium als Vorreiter</b>
</p>
<p>
Dass Online-Konsultationen durchaus als fester Bestandteil des politischen Zielfindungsprozesses sein können, zeigt die kanadische Bundesregierung nun schon seit mehreren Jahren. Neben dem kanadischen Gesundheitsministerium war das Außenministerium einer der Vorreiter beim Interneteinsatz bei Konsultationsprozessen. 2002 starteten kanadische Diplomaten, enthusiastisch unterstützt vom damaligen Außenminister Bill Graham, einen großangelegten internet-basierten Konsultationsprozess. Dieser sollte ein Beitrag zur Weiterentwicklung der außenpolitischen Grundlinien des Landes leisten. Politisch gesehen war dieses Konsultationsverfahren zwar ein Fehlschlag, da Graham bei einer Kabinettsumbildung das Ressort wechselte und sein Nachfolger wenig Interesse an einer Fortführung des ambitionierten Prozesses hatte. Mit Blick auf die gesammelten<br />
Erfahrungen mit der Anwendung dieses Instruments der Politikentwicklung und der zumindest in Expertenkreisen hohen Aufmerksamkeit erwies sich der Pilotversuch jedoch als zusätzlicher Schub auch für andere Ressorts.
</p>
<p>
<b>Vielfalt und Flexibilität der Verfahren</b>
</p>
<p>
Für die meisten kanadischen Bundesministerien sind Online-Konsultationen nun seit Jahren integrales Element der Policy-Entwicklung, die andere Input-Mechanismen wie traditionelle (off-line) Konsultationen, beratende Expertengremien, Anhörungen und Kommissionen ergänzt. In der Regel werden dabei die unterschiedlichen Offline- und Online-Elemente miteinander kombiniert.
</p>
<p>
Die hohe Akzeptanz dieses neuen Instruments auf Seiten der ministries und departments liegt nicht zuletzt an der hohen Flexibilität der Online-Konsultationen. Je nach Policy-Problem kann das Konsultationsverfahren unterschiedlich ausgestaltet werden. In der Praxis decken die kanadischen<br />
Online-Konsultationen nicht nur ein beeindruckendes Themenspektrum ab, sondern erfüllen auch je nach Bedarf unterschiedliche Funktionen im Prozess der Politikformulierung – von der Wortwahl bei<br />
Verwaltungsbestimmungen bis zur Entwicklung strategischer Leitlinien. Sie sind zudem, je nach Gegenstand, auf unterschiedlichen politischen Hierarchieebenen angesiedelt.
</p>
<p>
<b>Überwiegend „technische“ Detailfragen</b><br />
Die Mehrzahl der angebotenen Konsultationen hat freilich einen ausgeprägt technischen Charakter und konzentriert sich auf bestimmte Detailaspekte eines politischen Regulierungsprozesses. So werden mit den im Vorfeld identifizierten nationalen Experten und Stakeholdergruppen Detailfragen<br />
für Medizinprodukte oder zum wissenschaftlichen Beratungsbedarf des Gesundheitsministeriums ebenso diskutiert wie bestimmte technische Aspekte internationaler Handelsabkommen.
</p>
<p>
Weitaus seltener – dafür politisch oft brisanter – sind Konsultationsprozesse, die politische Grundsatzfragen und strategischen Optionen zum Gegenstand haben. Klar ist hierbei, dass neben der<br />
eigentlichen Funktion der Policy-Entwicklung verstärkt Aspekte der Regierungskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit ins Blickfeld geraten. Seit dem Antritt der konservativen Minderheitsregierung unter Stephen Harper Anfang 2006 kann jedenfalls beobachtet werden, dass die Häufigkeit „politischer“ (Online-)Konsultationen im Vergleich zu den liberalen orgängerregierungen deutlich abgenommen hat.
</p>
<p>
<b>Zentrales Einstiegportal in die Debattenwelt</b><br />
Um die zunächst unkoordinierten Einzelinitiativen der Ministerien und nachgeordneter Behörden zu bündeln, wurde bereits im Februar 2003 das Internetportal „Consulting with Canadians“ eingerichtet. Als zentrale und möglichst gut sichtbare Einstiegsstelle für interessierte Bürger stellt Consulting with Canadians Listen – nach Themen und Ressorts gegliedert – zu aktuellen und abgeschlossenen Konsultationsprozessen bereit. Inzwischen sind sämtliche Regierungsstellen verpflichtet, ihre Konsultationen – online wie offline – u.a. über Consulting Canadians zu veröffentlichen. Das Portal wird von einem Querschnittsministerium (Service Canada) betrieben, das ressortübergreifende Dienste zur Verfügung stellt und die Ministerien bei Bedarf in Sachen Online-Konsultationen unterstützt.
</p>
<p>
<b>Vorbild für Deutschland?</b><br />
Bei der Bewertung der – aus deutscher Warte – sicherlich beeindruckenden Praxis der kanadischen Bundesregierung, die Möglichkeiten des Internets zur Policy-Entwicklung zu nutzen, sollte der spezifische Kontext der Konsultationen nicht ausgeblendet werden. Zweierlei ist besonders bedeutsam:
</p>
<p>
Zum einen spielt der hohe informationstechnische Entwicklungsstand des Landes eine Rolle. Traditionell haben Informations- und Kommunikationstechnologien einen ausgesprochen hohen Stellenwert in Kanada, das flächenmäßig das zweitgrößte Land der Welt ist (aber lediglich 3.2<br />
Einwohner/Km2 hat) und bei neuen Kommunikationsmedien stets zur internationalen Spitzengruppe zählt. Das tiefe Bewusstsein über die herausragende Bedeutung von Kommunikationssystemen für den Zusammenhalt des regional und kulturell vielfältigen Landes spiegelt sich auch in der Medienpolitik wider.
</p>
<p>
Zum anderen, und dies ist sicherlich noch bedeutender, spielen öffentliche Konsultationsprozesse sowie andere Partizipationsverfahren bei der Politikentwicklung seit Jahrzehnten eine sehr große<br />
Rolle in Kanada. Diese eher „input-orientierte“ politische Kultur ist Ausdruck der vergleichsweise „schwachen“ politischen Parteien und der hohen politischen Integrationserfordernisse einer ethnisch-kulturell, sprachlich und regional mehrfach fragmentierten kanadischen Gesellschaft.
</p>
<p>
In der Bundesrepublik Deutschland könnte – trotz der offenkundigen Unterschiede zu Kanada – eine aktivere Öffnung der Policy-Formulierungsroutinen auf Regierungs- bzw. Ministeriumsebene in Zukunft eine wichtige Ergänzung zu etablierten Beteiligungskanälen darstellen. Angesichts der auch hierzulande schwindenden Kraft der Parteien und anderer gesellschaftlicher Großorganisationen,<br />
inhaltliche Beiträge zu entwickeln und öffentlich zu diskutieren, könnten Konsultationsprozesse – darunter auch online-basierte Verfahren – die Qualität und Legitimation politischer Entscheidungen verbessern. Es dürfte sich jedenfalls lohnen, die kanadischen Erfahrungen mit öffentlichen Konsultationen im Allgemeinen und ihrer internetbasierten Form im Besonderen näher zu betrachten.
</p>
<p>
<br />
<i><b><br />
Hinweis</b><br />
Die Recherchen und Experteninterviews, die die Grundlage für diesen Beitrag bilden, wurden im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes des Autors in Ottawa (Mai 2007) durchgeführt.</i></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Kanadas digitale Behauptung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/digitale-archivierung/netzkulturkanadakulturkampf050519-shtml-2757/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 May 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitale Archivierung]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Projekt_tag]]></category>
		<category><![CDATA[Kanada]]></category>
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		<category><![CDATA[Französisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Beispiele für Nutzeranwendungen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Beispiele für Nutzeranwendungen<!--break--></p>
<p>
                              <span class="fett">Die Gratwanderung zwischen nationaler Identität und kultureller Beeinflussung von außen beschäftigt nicht nur Europa. Kanada steht vor der gleichen Herausforderung: Wie kann nationale Identität aufgebaut und erhalten werden – trotz aller inneren Gegensätze und äußeren Einflüsse?</span>
                            </p>
<p>In Kanada treffen viele Kulturen aufeinander: als zweisprachiges Land ist es geprägt von einer französischsprechenden Minderheit, die mit einer englischsprechenden Mehrheit – noch verstärkt durch die Nähe zu Amerika – konfrontiert wird. Das beliebte Einwanderungsland steht immer wieder vor der Aufgabe, neue Kanadier zu integrieren. Durch die späte Unabhängigkeit gibt es wenige kanadische Helden, die ein festes kulturelles und historisches Erbe bilden. Dass in Sachen nationaler Identität Handlungsbedarf besteht, illustriert nicht zuletzt die – vielleicht auf den Konsum amerikanischer Fernsehsender beruhende – Annahme jedes vierten Kanadiers, sein Land habe einen Präsidenten.</p>
<p>Kanadas strategische Antwort darauf besteht im Aufbau eines digitalen Archivs, das als Plattform für eine gemeinsame Öffentlichkeit dient. Dafür stellt der kanadische Staat jährlich 2 Millionen Euro zur Verfügung. Das Projekt wird in Kooperation zwischen dem französischsprachigen öffentlichen Rundfunkanbieter<br />
                            <a href="http://www.radio-canada.ca" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Radio Canada</a> und der<br />
                            <a href="http://www.cbc.ca" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Canadian Broadcasting Corporation</a> (CBC) für den englischen Sprachraum realisiert.</p>
<p>
                              <strong>Ziele und Vorgaben des Projekts</strong>
                            </p>
<p>Seit 1998 werden die flüchtigen audiovisuellen Mediendokumente aufbereitet und zu vergleichsweise geringen Diffusionskosten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Projekt sei weniger als Widerstand gegen die USA gedacht, möchte aber zeigen dass und erklären warum Kanada anders ist, positioniert Professor Pierre Bélanger, Experte für Medienrecht und -ökonomie an der Universität Ottawa, das digitale Archiv zum großen westlichen Nachbarn. Der kanadische Staat erscheint für seine Sponsortätigkeit mit seinem Logo im Portal, ohne weiteren Einfluss auf die Gestaltung der Inhalte zu nehmen. Die finanzielle Unterstützung kommt beiden Projektpartnern zu gleichen Teilen zugute – obwohl 60 % der Kanadier englischsprachig sind.</p>
<p>Das Archiv gibt keine Darstellung der Geschichte Kanadas, sondern überliefert Fakten zu Ereignissen jeder Art: vom Jahrhundertsturm bis zum Papstbesuch. Der Nutzer kann anhand von authentischen Dokumenten nachvollziehen, wie sich kanadische Medien dazu positioniert haben. Das digitale Archiv existiert bei identischem Layout und gleicher Navigationsführung in einer<br />
                            <a href="http://archives.radio-canada.ca/index.asp?IDLan=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">französischen</a><br />
                            <br />und in einer<br />
                            <a href="http://archives.cbc.ca/index.asp?IDLan=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">englischen</a> Version. Beide Portale sind miteinander verlinkt. Der Benutzer gelangt jederzeit per Mausklick auf das Schlüsselwort „Archives“ in das anderssprachige Pendant. Nur die jeweilige Perspektive auf ein Ereignis variiert: so wird beispielsweise das Streben nach Unabhängigkeit in den französischsprachigen Medien anders thematisiert als in den englischsprachigen. Die beiden öffentlichen Räume bieten mit ihren komplementären Blickwinkeln die Möglichkeit, den Standpunkt des jeweils anderen in der spezifischen Landessprache kennen zu lernen. Der Abruf der Medieninhalte bleibt für den Nutzer kostenlos. Mit der Konsultation von Dokumenten, erwirbt er nicht das Recht, diese auch zu veröffentlichen. Die öffentlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten CBC und Radio Canada bieten Benutzern als Service nur den Zugang zu medialen Inhalten, bleiben aber selbst die Copyright-Inhaber.</p>
<p>
                              <strong>Beispiele für Nutzeranwendungen</strong>
                            </p>
<p>Interessiert sich der Nutzer für die Reaktion der Kanadier auf den Papstbesuch 1984, erhält er ausführliche Informationen dazu. Auch die Frage, wie Kanada den 11. September 2001 erlebte, bleibt nicht unbeantwortet. Kurz: Das nationale digitale Archiv gibt Antworten auf die Frage, welche Vision der Welt Kanada vertritt. Es enthält über 7000 Radio- und Fernseh-Clips, die in 8 Kategorien unterteilt sind. Zur leichteren Navigation gibt eine Zeitleiste in jeder von ihnen die Themenkomplexe und die im Archiv erfasste Dauer von Ereignissen in der Zeit von 1920 bis 2005 an.</p>
<p>
                              <strong>Organisation des digitalen Archivs</strong>
                            </p>
<p>Von den 31 Festangestellten arbeiten 18 in Montreal und 13 in Toronto an der Aufbereitung des audiovisuellen Materials. Einmal im Monat findet ein Treffen statt, um die Aktivitäten zu koordinieren und Themen festzulegen. Eine wichtige Voraussetzung für die Dokumentation im Archiv ist die Verfügbarkeit von Medienaufnahmen bei beiden Kooperationspartnern. So kann beispielsweise der Fall der Amerikanerin Terri Schiavo von Radio Canada nicht dokumentiert werden, da die französischsprachige Anstalt keine Dokumente über sie besitzt und der Anspruch besteht, möglichst unsynchronisierte Originalaufnahmen bereitzustellen. Aus diesem Grund sind jeweils<br />
                            <br />7 % der Dateien nur in einer der beiden Landessprachen verfügbar. Mit rund 85 % liegt jedoch ein großer Teil der Dateien zweisprachig vor. Weitere Kriterien für die Themenauswahl sind der qualitative Zustand von medialen Dokumenten und die Einhaltung der Urheberrechte.</p>
<p>
                              <strong>Inhaltliche und formale Herausforderungen</strong>
                            </p>
<p>Trotz einer hohen Akzeptanz wird das digitale Archiv auch mit inhaltlichen und formalen Schwierigkeiten konfrontiert. Zum Beispiel wird in der Kategorie „Leben und Gesellschaft“ auf die Geschichte des Nationalhelden Terry Fox eingegangen. Der an Krebs erkrankte Kanadier lief mit einem künstlichen Bein einen inzwischen legendären „Marathon of Hope“ und sammelte so unter hoher Medienresonanz Spenden für die Krebsforschung. Während Terrys Kampf mit seiner Krankheit in Toronto intensiv verfolgt und gefeiert wurde, ignorierte Montreal das Schicksal des englischsprechenden Kanadiers. Seine Leistung, 143 Tage täglich über 42 Kilometer zu laufen, wird am 25. Jahrestag seines Marathons mit einer 1-Dollar-Prägemünze, dem sogenannten „Terry“ gewürdigt. Das Frappante: Auf den unfreundlichen Empfang in Montreal finden sich im französischsprachigen Portal keine Hinweise.</p>
<p>Ein Hindernis formaler Natur bilden urheberrechtliche Bestimmungen. Obwohl Celine Dion eine bekannte Kanadierin ist, findet der User in der Kategorie „Kunst und Unterhaltung“ kaum Informationen über sie. Der Grund dafür liegt in den Copyright-Bestimmungen. In Toronto und Montreal gibt es jeweils einen Rechtsberater, der sich für die häufig mit hohen Kosten verbundene Befreiung der Medieninhalte von Copyrights einsetzt.</p>
<p>
                              <strong>Bewertung des Archivs</strong>
                            </p>
<p>Nach einer vierjährigen Aufbauphase des Archivs werden heute zunehmend die Auswirkungen auf die Konstruktion nationaler Identität erforscht. Dafür steht ein Budget von 60.000 Euro zur Verfügung. Die Reaktionen auf das digitale Archiv sind gemischt. Während es die englischsprachigen Provinzen akzeptieren, bleibt die französische Minderheit skeptischer, weil der Staat als Geldgeber involviert ist. Jeden Monat werden etwa 500.000 Seiten aufgerufen, davon etwa 320.000 im Portal der CBC und 200.000 bei Radio Canada.</p>
<p>Das Projekt ist Teil der Förderung des Department of Canadian Heritage, welches sich mit dem Programm Canadian Culture Online (<br />
                            <a href="http://www.canadianheritage.gc.ca/index_e.cfm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CCO</a>) für die Entwicklung von und den freien Zugang zu digitalem kulturellen kanadischen Content einsetzt und dabei zu gleichen Teilen auch die Präsenz der französischen Sprache im Internet unterstützt..<br />
                            </p>
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		<title>Digitale Archivierung</title>
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		<pubDate>Wed, 18 May 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Kanada]]></category>
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		<title>Bertelsmann-Stiftung untersucht gutes E-Government</title>
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		<dc:creator><![CDATA[aholst]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Apr 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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                    Neuer Ideal-Typus eines E-Government-Portales soll Partizipation und Transparenz fördern]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Neuer Ideal-Typus eines E-Government-Portales soll Partizipation und Transparenz fördern<!--break-->
                  </p>
<p>Was bedeutet gutes E-Government? Diese Frage will die Bertelsmann Stiftung mit einer neuen Studie beantworten.<br />
                  <a href="http://www.begix.de/studie/download.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Balanced E-Government&#8221;</a> heißt das Werk, dass zusammen mit der Unternehmensberatung Booz, Allen und Hamilton entstanden ist und auf der gleichnamigen Tagung Anfang April in Berlin vorgestellt wurde.</p>
<p>Untersucht wurden zwölf E-Government-Portale aus Nordamerika und Europa, die anhand eines von der Bertelsmann Stiftung entwickelten<br />
                  <a href="http://www.begix.de/studie/methode.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ideal-Modells</a> verglichen wurden. Verwaltungsportale, so die Grundannahme der Studie, sollten nicht nur Verwaltungsdienstleistungen anbieten, sondern auch den Bürgern Partizipationmöglichkeiten bieten. Erfolgreiche Portale sollten ein ausgewogenes Verhältnis zwischen E-Administration &#8211; die Abwicklung von Dienstleistungen öffentlicher Institutionen über das Internet &#8211; und E-Demokratie, die Information und Einflussnahme von Bürgern und Wirtschaft auf die Entscheidungsprozesse eben dieser Institutionen, finden.</p>
<p>Neu ist der Blick hinter die Kulissen. So berücksichtigt die Untersuchung, inwieweit die E-Government-Aktivitäten zu Effizienzsteigerungen führen, ob sie in ein schlüssiges Gesamtkonzept eingebettet sind, und wie die Unterstützung der Mitarbeiter für die Neuerungen gewährleistet wird.</p>
<p>Aus sechzig Beispielen hat die Bertelsmann Stiftung zwölf E-Government Portale ausgewählt. Die Zwölf Case Studies stammen aus den USA, Kanada und Europa und sollen ein möglichst breites Spektrum an Ansätzen auf den verschiedenen Verwaltungsebenen &#8211; von der Bundesregierung über die Regionalregierung bis hin zur Kommune &#8211; abdecken. So finden sich neben den Regierungsportalen UK Online, Estland und Firstgov aus den USA Beispiele aus den US-amerikanischen (Fairfax County), kanadischen (Ontario) und europäischen Regionen (Tameside, Hamburg).</p>
<p>Das von Bertelsmann entwickelte Referenzmodell wurde in fünf Kategorien abgebildet, die jeweils durch eine Reihe benotbarer Kriterien erfasst werden. Die fünf Bewertungskategorien bilden die geforderte Balance ab, zwischen der Lieferung effizienter Verwaltungsdienstleistungen (Nutzen, Effizienz und Change Management) und Möglichkeiten der Einflussnahme seitens der Bürger (Partizipation und Transparenz). Durch die Benotung der einzelnen Kriterien wird eine Quantifizierung der Kategorien erreicht, die einen direkten Vergleich zum Ideal oder zu anderen Portalen erlaubt.</p>
<p>Die Kategorie Nutzen bildet den vermuteten Bürgernutzen ab. Nach der Anlage der Studie steigt der Bürgernutzen mit der Anzahl der Dienstleistungen, die online verfügbar sind, sowie mit der Benutzerfreundlichkeit der Seite. Insbesondere die nordamerikanischen Portale stechen durch Nutzerorientierung hervor. So richtet sich das Portal der kanadischen Regierung an die Nutzergruppen canadians, non-canadians und canadian business, indem es für sie relevante Themen zusammenfasst. Eine Nutzerorientierung durch das Lebenslagen-Prinzip wird bei UK Online umgesetzt (having a baby, learning to drive); selten aber gehen die Inhalte über Informationen hinaus.</p>
<p>Der Aspekt der Effizienz beleuchtet, ob die Verwaltung in die Lage versetzt wird, über den Einsatz von E-Government Effizienzsteigerungen oder Kosteneinsparungen zu realisieren. Erfasst werden unter anderem der Grad der dafür nötigen Integration von EDV-Systemen und des Einsatzes von Standardsoftware. Inwieweit besteht bei den Portalen überhaupt ein Controlling von Aufwänden und Einsparungen, dass Rückschlüsse über die Veränderungen der Effizienz erlaubt? Im internationalen Vergleich fällt auf, dass die nordamerikanischen Angebote durchweg eine höhere Bewertung erzielt haben, was durch effizienzorientierte Managementansätze erklärt wird.</p>
<p>In der Kategorie Partizipation wird gemessen, ob die Portale die politische Kommunikation unterstützen und Bürgerbeteiligung ermöglichen. Zunächst aber liegt der Augenmerk auf einfachen Fragen, ob bei der Planung der E-Government-Aktivitäten die Bedürfnisse der User berücksichtigt werden, oder ob die Nutzer über die vorhandenen Dienstleistungen durch Marketing und PR informiert werden. Das ideale E-Government Portal ermöglicht den Bürgern auch, auf die Entscheidungsprozesse der Organistaionen Einfluss zu nehmen und in Foren oder moderierten Chats am politischen Leben teilzunehmen. UK Online ist ein Vorreiter bei der Umsetzung von E-Demokratie. So können die Bürger auf der Webseite zum Beispiel zu laufenden Gesetzgebungsverfahren Stellung nehmen.</p>
<p>Eng verbunden mit dem Thema der Partizipation ist die Transparenz der staatlichen Insitutionen gegenüber den Nutzern der Portale. Auffällig ist, dass die Bewertungen in diesem Bereich gegenüber den Kategorien Effizienz und Nutzen zurück bleiben. So sind Aktualität der Portale, eine umfassende Privacy Policy und eine verständliche Darstellung der Abläufe innerhalb der Organisation noch nicht selbstverständlich.</p>
<p>Im Bereich Change Management erfasst die Studie auf der Meta-Ebene das Management des Themas E-Government innerhalb der Organisationen. Positiv schlägt bei der Bewertung zu Buche, wenn die E-Government Aktivitäten in die Gesamtstrategie der Organisation eingebettet sind und durch professionelles Projektmanagement umgesetzt werden. Höchste Punktzahl erhält auch eine regelmäßige Information und Schulung der internen Mitarbeiter, die Widerständen gegenüber der Einführung von E-Government vorbeugen sollen.</p>
<p>Das Fazit der Studie ist überwiegend positiv. Der Ausbau der online verfügbaren Dienstleistungen ist in vollem Gange. Die Studie, die auch im Selbstversuch durch interessierte Kommunen unter<br />
                  <a href="http://www.begix.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.begix.de</a> durchgeführt werden kann, bietet dank ihrer ausgewogenen Anlage ein umfassendes Mittel der Evaluation und Steuerung von E-Government-Aktivitäten. Insbesondere bringt sie die Interdependenz zwischen Partizipation und effizienter Verwaltung ans Licht; ein Spannungsverhältnis, bei dem es nicht zwingend ein Optimum gibt. Denn einerseits verursachen Partizipationsmöglichkeiten der Verwaltung zusätzliche Kosten, andererseits können gerade sie spektakuläre und kostspielige Fehlentscheidungen vermeiden helfen.</p>
<p>Diskussionswürdig ist allerdings die Überzeugung, dass auch Verwaltungsportale nur durch die Verwirklichung von gesteigerten Formen von Partizipation durch Foren und Anhörungen zu guten Angeboten werden können. Aber ist der Bürger wirklich geneigt, sich an einem Ort aktiv am politischen Leben zu beteiligen, den er eigentlich nur aufgesucht hat, um seinen Pass zu verlängern? Dieses Bild von Bürgern erinnert an die Zeit, als man noch daran glaubte, dass hoch engagierte Konsumenten in Marken-Communities beispielsweise über Kellog&#8217;s Cornflakes diskutieren würden. Diese Erwartung wurde enttäuscht: die Konsumenten waren letztendlich, bis auf wenige Ausnahmen, nicht interessiert genug. Woher kommt die Erwartung, dass Menschen, die wenig Lust haben, über ihr Frühstück zu debattieren, dieses über Verwaltungsdienstleistungen machen möchten? Hier besteht noch Forschungsbedarf. Welche Nutzertypen gibt es und was sind ihre Präferenzen? Wichtig ist ihnen hingegen, und dies wird von der Studie auch hinreichend berücksichtigt, die Möglichkeit des direkten Kontakts, des Feedbacks und der Verbesserungsvorschläge.</p>
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<div class="tidy-2">Erschienen am 25.04.2002</div>
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<p>
                    <!-- Content Ende --></p>
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