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	<title>Kapitalismus &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Kapitalismus &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Daten aller Länder, vereinigt euch! – Digitale Presseschau KW31</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Aug 2014 13:57:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Im Fußball ist die deutsche Mannschaft Weltmeister geworden. Bis hierzulande auch die Internetverbindungen weltmeisterlich werden, kann man aber wohl noch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Fußball ist die deutsche Mannschaft Weltmeister geworden. Bis hierzulande auch die Internetverbindungen weltmeisterlich werden, kann man aber wohl noch eine Weile warten, wie unser Video der Woche zeigt. Außerdem in der Presseschau zu lesen: Wie die Digitalisierung den Kapitalismus besiegt, warum mathematische Vorurteile immer noch Vorurteile sind, und wie Zeitreisen mit Google funktionieren. Und, damit das klar ist, „Online sein“ ist ohnehin out. Schon seit 1998.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?v=qfF46JSYI8E" title="Breitband-Internet: Wie Deutschland hinterhersurft" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/qfF46JSYI8E?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Aus gegebenem Anlass: Unser Video der Woche zeigt eindrücklich, wie sehr Deutschland beim Thema Breitband hinterhersurft. In der Eifel wird beim Mailversand nebenher Mittag gekocht und in Berlin-Mitte ist DSL nicht überall verfügbar. Da darf das ZDF-Magazin Frontal 21 schon mal nachfragen, ob die Bundesregierung wirklich glaubt, das würde schon alles irgendwie „marktgetrieben“ funktionieren. Denn die Telekom, seit einiger Zeit ja Mitglied in diesem Markt, sagt dazu nur: „Eine Versorgungsverpflichtung haben wir nicht!“.</p>
<h3></h3>
<h3><a href="http://green.wiwo.de/die-energiewende-wird-digital-und-strom-gibt-es-kuenftig-fast-umsonst/">Marx Digital</a></h3>
<p>Was hat die digitale Revolution mit der Energiewende zu tun? Eine ganze Menge! Forscher der Stanford-Universität haben ausgerechnet, dass mit dem auf der Welt zur Verfügung stehenden Wind der weltweite Energiebedarf gleich siebenmal gedeckt werden könnte, wie die grüne Wirtschaftswoche berichtet. Voraussetzung: Die Energie muss intelligent verteilt werden – Stichwort Internet der Dinge. Diese Ausgangslage treibt den Ökonomen Jeremy Rifkin so weit, nicht nur das Ende der Energiewirtschaft, sondern gleich das des Kapitalismus zu prophezeien. Mit der Stillung der menschlichen Grundbedürfnisse lasse sich bald kein Geld mehr machen. Man sollte ihm zuhören: In seinem 2001 erschienen Buch „Access“ prognostizierte er die Sharing-Ökonomie  – und wurde belächelt.<br />
<a href="http://green.wiwo.de/die-energiewende-wird-digital-und-strom-gibt-es-kuenftig-fast-umsonst/"><em>green.wiwo.de</em></a></p>
<h3></h3>
<h3><a href="https://netzpolitik.org/2014/how-to-analyze-everyone-teil-ix-predictive-policing-oder-wenn-vorurteile-algorithmen-fuettern/">Der ganz große Minority Report</a></h3>
<p>Der Begriff „Predictive Policing“ ist eng mit der Verbrechensbekämpfung in den USA verbunden. Der Traum eines jeden Polizisten: dank Big Data schon vor dem Täter am Tatort sein. Doch die Zahlen, nach denen solche Programme funktionieren, sind mitnichten neutral, erklärt Anna Biselli auf netzpolitik.org. Wenn Vorurteile zu Algorithmen verhackstückt werden, wird auch das Programm „ausrechnen“, dass dunkelhäutige Migranten mit Rastalocken öfter kontrolliert werden müssen. Während der weiße Herr im Anzug daneben mit ein paar Kilo Koks über die Grenze spaziert.<br />
<a href="https://netzpolitik.org/2014/how-to-analyze-everyone-teil-ix-predictive-policing-oder-wenn-vorurteile-algorithmen-fuettern/"><em>netzpolitik.org</em></a></p>
<h3></h3>
<h3><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/digitale-kommunikation-sprechen-sie-cobol-1.2063095">Nach der Pause: Programmieren!</a></h3>
<p>Jetzt sind auch noch Java und Objective-C Weltsprachen! Und weil die Schule schließlich auf die Welt vorbreitet, muss man die dort lernen. Anne Schüssler plädiert dafür in ihrem Gastbeitrag auf Süddeutsche.de. So weit, so richtig. Bleibt nur die Frage, wie dann noch Chinesisch und Maschinenbau in den Stundenplan passen, das brauchen wir ja auch. Und das Ganze in G8-Rekordzeit! Dumm nur, dass nach den anschließenden drei Jahren Regelbachelor das gute alte Schulzeit-Programmieren schon kein Mensch mehr kennt. Doch die Autorin kann uns beruhigen: „Wenn man es erst mal begriffen hat, ist es halb so schwer.“<br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/digitale-kommunikation-sprechen-sie-cobol-1.2063095"><em>sueddeutsche.de</em></a></p>
<h3></h3>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/digitale-ueberwachung-wir-ahnungslosen-versuchskaninchen-13069122.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2">&#8230;Und Big Data sprach: &#8220;Selber schuld!&#8221;</a></h3>
<p>Big Data hat realen Nutzen. Je mehr Lebensbereiche vermessen und analysiert sind, desto mehr liegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen, diese Informationen für sich zu nutzen. Schaurigschön fatalistisch erklärt Evgeny Morozov in der FAZ, warum es dann auch die Schuld der Armen ist, wenn sie arm bleiben: Hätten sie mal auf die guten Tipps ihres Smartphones gehört! Das ist die Überwachungsdividende: Missstände werden optimiert, aber keine Probleme behoben.<br />
<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/digitale-ueberwachung-wir-ahnungslosen-versuchskaninchen-13069122.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2"><em>faz.net</em></a></p>
<h3></h3>
<h3><a href="http://connected.tante.cc/2014/07/28/archivliebe/">Digitale Zeitreise</a></h3>
<p>Das Internet ist dynamisch, innovativ, immer in Bewegung. Bei seiner ganzen Unbeständigkeit ist es aber auch eines: ein riesiges Archiv. Und wie jedes große Archiv (und das Internet ist ohne Zweifel das größte) ist es ohne Index wertlos. Suchmaschinen wie Google stehen dafür zur Verfügung, sie ermöglichen ganze Zeitreisen. Doch ihre Funktion wird bedroht durch das „Recht auf Vergessen“. Denn was passiert in der Bücherei, wenn das Buch zwar noch da ist, aber keiner weiß mehr, wo?, fragt Jürgen Geuter auf seinem Blog.<br />
<a href="http://connected.tante.cc/2014/07/28/archivliebe/"><em>connected.tante.cc</em></a><br />
<strong>Und übrigens</strong>: Wisst Ihr noch, damals, als &#8220;Online Gehen&#8221; wieder total out war? Dieser Ausschnitt aus der <a href="http://www.crackajack.de/2012/09/29/online-gehen-lohnt-sich-das-bravo-screen-fun-1998/">Bravo</a> von 1998 hat uns die Woche versüßt!<br />
Foto: Screenshot<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Leben und Sterben des Internets &#8211; Digitale Presseschau 14/2014</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Schmitt]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Apr 2014 15:01:43 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Drohnen als Herrscher über Leben und Tod: Mit diesem Horrorszenario befeuert Sascha Lobo die Debatte über Big Data und Überwachung. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Drohnen als Herrscher über Leben und Tod: Mit diesem Horrorszenario befeuert Sascha Lobo die Debatte über Big Data und Überwachung. Patrick Breitenbach hingegen meint, dass zwischen verschiedenen Formen des Datensammelns unterschieden werden müsse. Immerhin scheint Lobo die Kränkung überwunden zu haben und fordert nun wieder einen neuen Internetoptimismus. Wir hatten da schon was geahnt. Das Internet und die Ansichten darüber pendeln zwischen Skeptizismus und Optimismus – also gewissermaßen zwischen Leben, Sterben und Auferstehung.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?v=n_qFlNrN2uo" title="NSA-Ausschuss: Statements der Mitglieder am 03.04.2014" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/n_qFlNrN2uo?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Der NSA-Untersuchungsausschuss hat sich diese Woche im Deutschen Bundestag konstituiert. Ob Edward Snowden als Zeuge geladen wird und was sich die Politiker von dem Ausschuss erwarten, sehen Sie in den Statements des Videos der Woche.</p>
<h3><a href="http://gutjahr.biz/2014/03/nsa-binney/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kein Ende der Verstrickungen von und mit der NSA</a></h3>
<p>Der langjährige Mitarbeiter der NSA William Binney liefert im Interview mit Richard Gutjahr interessante Einsichten in Ziele und Motive des Geheimdienstes. Er hält eine echte Kontrolle der Geheimdienste durch die Politik für realisierbar – dazu müsse es aber einen politischen Willen geben.</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/sascha-lobo-digitale-daten-gefaehrden-leben-und-freiheit-12874992.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Überwachung &#8211; Datenökonomie: Gefahr für die Freiheit?</a></h3>
<p>Mit der „Ökonomie der Überwachung“ setzt sich Sascha Lobo auseinander. Am Beispiel von Drohnen, die in naher Zukunft autonom entscheiden könnten, welche menschlichen Ziele zu erfassen und zu töten sind, setzt er zu einer fundamentalen Kritik der Datenakkumulation im Internet der „digitalen Supermächte“ an.<br />
Eine erste <a href="http://www.horizont.net/aktuell/digital/pages/protected/Digitale-Totalueberwachung-Sascha-Lobos-zornige-Abrechnung-mit-der-Werbeindustrie_119949.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Entgegnung stammt von Volker Schütz</a>. Er wirft Lobo Undifferenziertheit vor, weil dieser mit dem Schlagwort „Big Data“ Datenerhebungen der NSA mit denen von Werbeagenturen über einen Kamm schere.<br />
Auch <a href="http://blog.karlshochschule.de/2014/04/02/was-ist-der-sinn-und-zweck-von-uberwachung-big-data-etc/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Patrick Breitenbach plädiert für eine genauere Unterscheidung</a>, welche Daten aus welchem Grund von wem gesammelt werden. Doch in einem zentralen Punkt ist er sich mit Lobo einig: Wir dürfen unsere Entscheidungen nicht Algorithmen überlassen.</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/weltmacht-google-ist-gefahr-fuer-die-gesellschaft-12877120.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Macht von Quasi-Monopolen im Internet &#8211; Gefahr für die Gesellschaft?</a></h3>
<p>Robert M. Maier, Gründer der mittlerweile zum Springer-Konzern gehörenden Visual Meta GmbH, kritisiert in einem Artikel die Macht von Google und das Streben nach Marktführerschaft in immer weiteren ökonomischen Sparten – sei es bei Google als Suchmaschine, mobilen Betriebssystemen wie Android, Browsern wie Chrome, Online-Videodiensten wie YouTube oder Mailprogrammen wie Gmail. Er fordert eine diesbezügliche Kontrolle durch Politik, Kartellbehörden sowie gesellschaftliche Akteure.<br />
Bild: Screenshot Video<br />
<a href="http://politik-digital.de/4-berliner-hinterhofgespraech-ist-digital-besser-demokratie-und-buergerbeteiligung-im-netz/cc-lizenz-630x110/" rel="attachment wp-att-130752"><img decoding="async" alt="CC-Lizenz-630x110" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" width="407" height="71" /></a><br />
&nbsp;</p>
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		<title>Karl Marx hätte keine Daten getauscht</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/karl_marx_haette_keine_daten_getauscht-78/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:44:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[geistiges Eigentum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">(Buchbesprechung) Ist Napster Teil einer subversiven        Bewegung? Kann Open Source die kapitalistische Logik überwinden?        Sabine Nuss weist in ihrer Dissertation "Copyright und Copyriot"        nach, dass Datentausch nicht viel mit der Marxschen Theorie zu tun        hat. Eine Rezension von Maike Brzoska.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">(Buchbesprechung) Ist Napster Teil einer subversiven Bewegung? Kann Open Source die kapitalistische Logik überwinden? Sabine Nuss weist in ihrer Dissertation &#8220;Copyright und Copyriot&#8221; nach, dass Datentausch nicht viel mit der Marxschen Theorie zu tun hat. Eine Rezension von Maike Brzoska.<!--break--></p>
<p>Das Buch „Copyright und Copyriot“ ist weniger aufrührerisch als es Titel und Thema vermuten lassen. Die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung geförderte Doktorarbeit ruft weder zum illegalen Musikdownload auf noch verkündet sie eine bevorstehende kommunistische Revolution. Denn in erster Linie ist die 2006 veröffentlichte Dissertation der Politikwissenschaftlerin Sabine Nuss eine theoretische Analyse des marxistischen Begriffes von Eigentum.<br />
Nuss beschreibt die aktuellen Konflikte, die durch die kostenlose Verbreitung von Daten im Internet aufgekommen sind: Anstatt CDs zu kaufen, werden Mp3s heruntergeladen, Tüftler aus der ganzen Welt arbeiten gemeinsam am Linux-Code und verbessern kostenlose Programme. Wenn große Konzerne wie Bertelsmann ihre Gewinne bedroht sehen, reagiert die Politik zwar mit Gesetzen, doch viele der Tauschforen halten sich hartnäckig im rechtlichen Graubereich.<br />
Der kostenlose Austausch von Musik und Programmen unter Nutzern widersprechen dem kapitalistischen Profitstreben. Besonders die Open Source-Bewegung zeigt, dass auch ohne die Aussicht auf einen dicken Gehaltsscheck erstklassige Software entstehen kann. Der Frage, ob es sich dabei um Arbeitsformen im Sinne von Marx handelt oder ob es sich gar um Vorboten des Kommunismus handelt, widmet Nuss gut zwei Drittel des Buches.<br />
Es folgt eine recht langwierige Abhandlung über die Entwicklung des Eigentumsbegriffes von der Antike über die bourgeoisen Anfänge bis hin zum Verständnis des geistigen Eigentums im heutigen Kapitalismus. Bei dem Vergleich von File-Sharing und Open Source mit dem kommunistischen Verständnis von Gütern zeigt Nuss überzeugend auf, dass der kostenlose Datentausch im Internet wenig mit dem Marx`schen Denken gemein hat. Obwohl sich Nuss zu den Gegnern von geistigem Eigentum bekennt, kritisiert sie – vielleicht um die Debatte wieder anzuheizen &#8211; die gängigen Argumente derjenigen, die den freien Austausch von digitalen Gütern propagieren.<br />
„Copyright und Copyriot“ ist eine kühle Analyse auf hohem sprachlichem Niveau. Wer sich für subversive Strömungen im Internet interessiert und sich von sozialwissenschaftlichen Theorien nicht abschrecken lässt, den erwartet ein spannender Einblick in den Konflikt um digitale Güter und in die marxistische Forschung.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Arbeit und menschliche Würde</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/arbeit_und_menschliche_wuerde-40/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:42:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
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		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><b>Arbeit und menschliche Würde</b></p><p><b>Eine Analyse und Kritik des reifen Kapitalismus und seiner Globalisierung</b></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Arbeit und menschliche Würde</strong><br />
<strong>Eine Analyse und Kritik des reifen Kapitalismus und seiner Globalisierung</strong><br />
Bei den meisten Menschen in Deutschland dürfte ein eher flaues Gefühl aufkommen, wenn von Globalisierung die Rede ist. Und das, obwohl sich die Befürchtungen, die sich mit der Debatte um den &#8220;Standort Deutschland&#8221; verbanden, nicht bewahrheitet haben: Deutschland ist weiterhin ein Hauptexportland. Im Welthandel sind es die ohnehin schon ärmsten Länder, die weiter an Boden verloren haben. Die Globalisierung hat also das Auseinanderdriften von Arm und Reich gefördert. Und doch sind die Sorgen der erfolgreichen und reichen Deutschen begründet, sagt uns Negt, der die Globalisierung nur für ein neues Gewand des alten Kapitalismus hält, welcher seit dem Ende des &#8220;realen Sozialismus&#8221; nicht nur in alle Erdteile ausgreift, sondern der auch bei uns auf eine nur marktförmig strukturierte Wirtschaft und Gesellschaft drängt.<br />
Negt unternimmt die philosophisch begründete Analyse und Kritik des reifen Kapitalismus und seiner Globalisierung. Dabei greift er vor allem auf Kant und Marx, aber auch auf Max Weber, Hegel, Adorno, Foucault und Aristoteles zurück. Er unterscheidet &#8211; in der Tradition Karl Mannheims &#8211; Ideologie von Utopie. Globalisierung und Neoliberalismus sind für Negt eine Ideologie, weil sie die wahren Machtverhältnisse verschleiern und das Aktivwerden Betroffener bzw. Benachteiligter verhindern. Andere haben deswegen den Neoliberalismus hingegen als &#8220;Utopie&#8221; bezeichnet (Pierre Bourdieu). Doch Negt sieht sich wohl in der Tradition der Renaissanceutopisten Campanella, Morus und Bacon, die er anerkennend würdigt, nicht zuletzt, weil diese den Rückgang des Volumens fremdbestimmter Arbeit postuliert haben. Die Utopie ist ein Bild, das transformierend auf die Gesellschaft einwirkt.<br />
Die Welt des ungezügelten Kapitalismus ist geprägt durch eine weiter wachsende Kluft zwischen armen und reichen Ländern und auch zwischen den Schichten innerhalb der Länder, eine Kluft, die Gewalt und Konflikte begünstigt. Betriebswirtschaftliches Denken allein ist für die von Negt eingeforderte gesamtgesellschaftliche &#8220;Ökonomie des ganzen Hauses&#8221; untauglich. Die Arbeitslosigkeit, die Deutschland in der 90er Jahren pro Jahr 180 Milliarden DM (und damit mehr als der Aufbau der Neuen Bundesländer) gekostet hat, ist für ihn ein Akt der Barbarei:<br />
&#8220;Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt. Sie ist ein Anschlag auf die körperliche und die seelisch-geistige Integrität, auf die Unversehrtheit der davon betroffenen Menschen. Sie ist Raub und Enteignung der Fähigkeiten, &#8230; in Gefahr sind zu verrotten und schwere Persönlichkeitsstörungen hervorzurufen.&#8221;<br />
In unserer Gesellschaft sieht Negt eine Aufspaltung in zwei Realitäten: zum einen die Realität derer, die gesicherte und auskömmliche Arbeit haben, zum anderen diejenigen,die aus dieser Welt ausgeschlossen sind. Diese zweite Realität, ist laut Negt für die in der ersten Realität Befindlichen kaum nachvollziehbar.<br />
Warum aber wird nicht statt der Arbeitslosigkeit nützliche Arbeit finanziert? Weil Arbeitslosigkeit und Armut in ihren sozialpsychologischen Folgen zentrale Faktoren der Systemstabilisierung seien! An pragmatische Lösungen für das Problem der Arbeitslosigkeit glaubt Negt nicht. Die Bewältigung dieses Krisenherdes sei nicht anders zu leisten als durch schwerwiegende Eingriffe in die bestehenden Macht- und Wirtschaftsstrukturen. Nötig sei ein Paradigmenwechsel hin zu den Bedürfnis- und Interessenstrukturen lebendiger Menschen als Ausgangspunkt der Betrachtung und der Veränderung.<br />
Als Träger des Widerstandes sieht Negt vor allem die Gewerkschaften, deren gesamtgesellschaftliche Verantwortung &#8211; man könnte sagen: deren Utopiefähigkeit &#8211; er beschwört. Als Kernforderung zur Umgestaltung der Gesellschaft sieht Negt die Verkürzung der Arbeitszeit an. Zeitnot halte überholte Herrschaftsstrukturen aufrecht. Denn Bildungsprozesse, die Voraussetzung für Mündigkeit und selbstgesteuerte gesellschaftlich-politische Aktivität sind, bedürfen der Zeit. Die durch Arbeitszeitverkürzung Entlasteten würden dadurch von Gefangenen einer gesellschaftlichen Maschinerie zu &#8220;assoziierten und kooperativen Produzenten, &#8230; die den überwiegenden Teil ihrer Sozialphantasie und ihrer Arbeitsenergie auf politische Gemeinwesenarbeit konzentrieren.&#8221; Allerdings übersieht Negt nicht die Fallen einer vergrößerten Freizeit: durch ein erhöhtes Konsum- und Unterhaltungsangebot drohe sich die für Bildung und menschliche Beziehungen gewonnene Zeit wieder der Taktvorgabe technischer Apparate und ihrer Inhalte zu unterwerfen.<br />
Die Begrenzung und Steuerung der Technik ist ein weiteres Anliegen Negts, ebenso wie die Kritik an seinen Soziologenkollegen Ulrich Beck und Anthony Giddens, denen er zu geringe Abgrenzung zum Neoliberalismus und damit Ausbeutbarkeit ihrer Konzepte (Risikogesellschaft, Individualisierung) vorwirft. Bemerkenswerte psychologische Einsichten gelingen Negt bei seiner Analyse der seelischen Lage Langzeitarbeitsloser und bei seiner Nachzeichnung der psychischen Mechanismen der deutschen Einheit.<br />
Negts Buch ist von einem tiefen humanistischen Antrieb und Sorge um die Menschenrechte aller geprägt. Es könnte auch betitelt sein : &#8220;Die geistige Situation der Zeit&#8221;, denn es kommt dem Wunsch nach Orientierung entgegen. Die Berichte vom Weltsozialgipfel in Porto Alegre zeigen uns, dass diese Zeit zu Ende geht. Immer mehr Menschen sagen: &#8220;There must be an alternative &#8211; Eine andere Welt ist möglich!&#8221; Gewiß fehlt noch der Konflikt, in dem eine neue Bewegung auch in Deutschland einen ersten Sieg gegen die Neoliberalen erzielen könnte. Aber der kann schnell kommen, etwa beim Versuch, das Gesundheitssystem in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu verwandeln.<br />
Eigentlich paßt Negts Buch perfekt in die Zeit, aber seine Länge macht es für arbeitende Menschen schwer verdaulich. Wer andere Kritiker des Neoliberalismus (wie Bourdieu oder André Gorz) oder Ethiker (Hans Jonas) gelesen hat, wird zudem finden, dass Negts Buch nicht viel Neues enthält. Seine konkreten sozialpolitischen Forderungen &#8211; Arbeitszeitverkürzung und eine verbesserten Grundsicherung &#8211; liegen schon länger auf dem Tisch. Es handelt sich um bekannte, aber wichtige und hochaktuelle politische Gedanken in akademisch ausgearbeiteter Form.<br />
Arbeit und menschliche Würde, von Oskar Negt, Göttingen (Steidl) 2002, 2. Aufl.</p>
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